Date am Donnerstag – Woche 6: Patriots vs. Giants

Donnerstagsspiel von heute 02h20: New England Patriots (5-0) vs. New York Giants (1-4). Beide haben in den letzten 12 Jahren gemeinsame Geschichte geschrieben – Geschichte, die heute aber irrelevant ist. Weiterlesen

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NFL Rückspiegel 2019 auf Woche 2 – Teil 2

Zwei Wochen NFL sind gespielt. Das ist ein Achtel der Saison. Wir wissen noch nicht viel über die 32 Mannschaften, doch wir wissen schon jetzt mehr über die Offenses als wir jemals über die Defenses wissen werden. Weiterlesen

New York Giants in der Sezierstunde

2017 war kein gutes Jahr bei den New York Giants: Als potenzieller Playoff-Kandidat mit großen Hoffnungen gestartet, gestrandet bei 3-13 inklusive hausinterner Revolte gegen den Chefcoach und Sägespäne am Stuhl des Franchise-QBs – und anschließendes Hausreinemachen im Jänner. Weiterlesen

New York Giants in der Sezierstunde

Die New York Giants waren nach dem statistischen Profil der Saison 2013/14 gar nicht so weit weg vom Stadtrivalen Jets zu verorten: Man hatte eine Mannschaft mit relativ akzeptablen Effizienz-Statistiken, aber eine schlechte Pythagoreische Erwartung. Man wurde von einem turnoverhungrigen Quarterback angeführt und fing zu wenige Bälle in der Defense ab. In Summe ergab das eine 7-9 Bilanz.

Die rohen Zahlen lesen sich am Ende besser als man den Totalschaden „Giants“ eigentlich in Erinnerung hatte. Das Problem der Giants war aber in der Tat weniger, dass sie die ganz große Katastrophe waren, sondern mehr einfach ihr komplett missratener Saisonstart mit sechs Pleiten en suite. Damit verschwand man vom Fokus, und nur noch die Rekordjagd von Interception-Maschine QB Eli Manning war interessant.

Überblick 2013

Record         7-9
Enge Spiele    4-3
Pythagorean    5.5    25
Power Ranking  0.525  15
Pass-Offense   5.9    20
Pass-Defense   5.6     8
Turnovers      -15

Management

Salary Cap 2014.

Schwer zu sagen, wieso Manning einen solchen Ausbruch an Fehlpässen hatte. Manning ist überhaupt einer der ungewöhnlichsten Quarterbacks in der NFL: Er hatte zum Beispiel 2011/12 ein fantastisches Jahr, das locker mit – sagen wir – einem Philip Rivers 2013 mithalten kann. Er hatte aber auch einige sehr blasse Jahre. Er hatte mal ein Jahr mit 25 Interceptions, in denen die Hälfte davon seinen Receivern zuzuschreiben waren.

Letztes Jahr hatte Manning 27 INTs, und es waren die ganz brutalen Dinger drin: Würfe direkt ins Gesichtsgitter der Defensive Backs und dergleichen. Die Kategorie an Pässen, für die jeder andere QB als Stümper abgetan wird. Zu behaupten, er hatte einfach viel Pech, wird der Sachlage angesichts von nur 55% Completion-Rate nicht ganz gerecht. Woran lag es? Das Spielsystem? Schwierig zu behaupten, denn Manning warf mickrige 22% tiefe Pässe. Weniger tiefe Pässe = weniger Risiko = weniger Turnovergefahr – eigentlich.

Der Receiving-Corp? Das war letztes Jahr schon oft im Fluss (ein WR Nicks kam mit Verletzungsproblemen z.B. auf genau NULL Touchdowns), aber ist das wirklich eine Entschuldigung für einen Quarterback, den viele vor erst zwei Jahren schon in die Hall of Fame schreiben wollten?

Eine einfache Erklärung wäre: Der einst so breit aufgestellte WR-Corp in New York war mit seiner Instabilität sicher keine Hilfe. Cruuuuuz hatte ein Durchschnittsjahr mit 73 Catches für 998yds und nur 4 TD – Cruz wurde auch seltener tief angespielt als noch in seinen beiden famosen Einstandsjahren 2011 und 2012. Nicks wie gesagt selten eingesetzt und mittlerweile weg vom Fenster; dazu die beiden unerfahrenen Grünschnäbel Jernigan und Randle (mit 41% tiefen Anspielen noch am ehesten so etwas wie ein deep threat).

Dazu kommt, dass ausgerechnet in einer von Head Coach Tom Coughlin verantworteten Offense zuletzt zwei Jahre en suite keine Tight Ends mehr richtig funktionierten: Myers hatte nur 47 Catches – die meisten davon qua System, wie man so schön sagst. Coughlin ist keiner, der mit feuchten Höschen Tight Ends in den ersten Runden draftet, sondern vielmehr der Typus Coach, der als Guru der Wide Receiver-Position darauf vertraut, die Schmuckstücke aus den späteren Runden nach oben zu coachen. So war zumindest auch der Plan beim letzten dieser Zöglinge, TE Adrian Robinson, aber trotz aller Lobeshymnen schaffte der den Breakout noch nicht.

So bleibt Receiver/Receiving-TE eine der höchsten Prioritäten für diese Offseason.

Eine andere Prio wurde schon adressiert: Left-Guard, wo mit Geoff Schwartz aus Kansas City ein Mann mit Stammspiel-Qualitäten geholt wurde. Einziges Fragezeichen bei Schwartz: Ist er durchhaltevermögend genug? Er hat selten mehr als die Ergänzungsrolle gespielt. Power ist da, aber der Beweis steht noch aus, dass die Power für 1100 Snaps jedes Jahr reicht.

Für die andere Guard-Position wurde vielleicht RG John Jerry geholt, der in Miami zuletzt durchspielte – aber hey: Es war Miami, und wenn jemand sofort eine spezielle Eigenschaft bei den Dolphins nennen konnte, war es die schwache Offense Line… im schlimmsten Fall ist Jerry die Versicherung gegen die nächste Verletzung von Chris Snee, dessen Hüfte nicht mehr lange hält.

Für die Center-Position wurde Baas mit J.D. Walton aus Washington Feuer unterm Arsch gemacht, während die beiden Tackle-Hoffnungen LE Beatty sowie der junge RT Pugh erst einmal unangetastet bleiben werden. Nicht auszuschließen, dass die Neuverpflichtungen die Sorgen schon gelöst haben, aber auch bitte nicht überrascht sein, wenn noch nachgebessert wird.

Schauen wir uns noch die Runningbacks an: Kann man es als Demontage vom einstigen 1st-Rounder David Wilson werten, wenn ihm nicht nur mit RB Jennings aus Oakland ein zusätzlicher Ergänzungsspieler (neben Andre Brown) zur Seite gestellt wird, sondern auch noch in Trindon Holliday ein vortrefflicher Kickreturner. Wilson hatte in den letzten Jahren jeweils beide Rollen im Team inne, wurde aber von Coughlin wegen zu vieler leichtfertiger Fumbles zeitweise zum Backup degradiert.

Die Giants-Defense von DefCoord Perry Fewell ist eine derjenigen, bei denen die simple NY/A-Metrik nicht mit dem Augentest zusammenpasst: Sie ließ nur starke 5.6 NY/A Passspiel zu. Ist NY/A eine zu simplifizierte Metrik? Ich würde sagen: Nein, und auch bei den Footballoutsiders oder bei EPA ist die Giants-Defense eine der besten des Jahres. Man bemerkte sie halt nicht, weil New York nach fünf Wochen quasi aus dem Rennen war.

Viele bemängelten den zu lauwarmen Passrush: DE Pierre-Paul, dieses Monstrum von Passrusher, kam nie von hartnäckigen Rückenbeschwerden los und riskiert die Sportinvalidität. Pierre-Paul soll aktuell wieder so gut zusammengeflickt sein wie zuletzt 2011, aber was ist das wert, wenn nach den ersten zwei Snaps unter Wettbewerbsbedingungen wieder die Wirbel schmerzen? Es besteht jedenfalls die Gefahr, dass wir nie mehr den alten Pierre-Paul sehen werden.

Genau Pierre-Paul ist aber als Ankermann unbedingt gefragt. Was macht die Giants normalerweise so stark? Ihr Druck der Front-Four. In DT Jenkins und dem jungen DT Jonathan Hankins (plus vielleicht auch wieder dem deutschen DT Markus Kuhn) gibt es durchaus qualitativ gute Defensive Tackles als Absicherung, aber von den Flanken kommt zu wenig. Ein Kiwanuka soll zuletzt so deplatziert gewirkt haben, dass man über seine Entlassung nachdachte. Der junge Demontre Moore, vor erst 12 Monaten noch als potenzieller Top-Draftpick gehandelt, sah als Rookie quasi kein Land. Da muss von vorne mehr kommen – möglicherweise ab Mai verstärkt durch den einen oder anderen höheren Draftpick. Bisher wurde man nur durch den enttäuschenden DE Robert Ayers aus Denver versärkt.

Linebacker wird von den Giants nicht so hoch priorisiert. Das führt dann auch dazu, dass man mit einem MLB Herzlich zufrieden zu sein scheint, obwohl ein Herzlich nun in drei Jahren nie mehr als ganz leises Potenzial angedeutet hat. Herzlich zehrt aber immer noch von seiner Krebsgeschichte und gilt als inspirierender Leadertyp für die Nachrücker im Kader.

Im Defensive Backfield ist man nach dem Einkauf von Rodgers-Cromartie nun auf beiden Stamm-CB Positionen ordentlich besetzt: Der „andere“ Einser-Corner, Prince Amukamara, wurde den Erwartungen zwar nie ganz gerechnt, aber zumindest vermittelt er mittlerweile zumindest das Bild eines Starting-CB mit dem man arbeiten kann.

Nochmal: Diese Unit hat zuletzt verdammt wenige Yards/Play zugelassen. Es mag in Teilen auch am Schedule gelegen haben, aber 5.6 NY/A sind gewöhnlicherweise nicht bloß Produkt des Spielplans. Dafür, dass diese Kaderbesetzung so häufig auf die Rübe bekam, ist das sogar ein sehr, sehr gutes Endergebnis. Was es für 2014 zu bedeuten hat, ist nicht 100% einzuschätzen, aber normalerweise brechen solche Defenses nicht über Nacht in sich zusammen.

Die Giants hatten den Mut, ehemalige Helden wie DE Tuck oder WR Nicks ziehen zu lassen. Sie stellen schon jetzt eine Mannschaft, die mit durchschnittlichem Turnover-Glück erneut um die Playoffs mitspielen können. Es gibt Fragezeichen („Was reitet Eli Manning diesmal?“), aber dieses Team ist für meine Begriffe sehr gut – nicht herausragend, aber auch nicht grottenschlecht – aufgestellt.

Tight End, Wide Receiver sind wichtige Positionen. Offensive Line kannst du auch nie gut genug sein. Defensive Line schadet dir ein weiterer Passrusher auch nicht. Aber Punkt ist: Im Draft hast du Optionen offen. Du hast keine katastrophale Sollbruchstelle, die du via „Need“ angehen musst – und das ist immer eine gute Ausgangslage. Eine Ausgangslage, die dank eines General Managers wie Jerry Reese auch nicht überraschend kommt.

NFL Notizblock, Week 6: TNF New York Giants @ Chicago Bears

Es regnet, es stürmt und die abgefallenen Blätter liegen zum darauf Ausrutschen auf den glitschigen Bürgersteigen bereit: damit hat die Zeit begonnen, in der das uferlose Wissen Mike Mayocks über back up-safeties und street free agents nützlich wird. Die New York Giants (0-5) beispielsweise versuchen mit zwei lebenden Ersatzteillagern im Defensive Backfield und in der Offensive Line aus ihrem 0-5-Loch gerauszukraxeln. Auch wenn sich Big Blue teilweise anstellt wie ein dreifach dummer Esel, so sind es doch nur zwei Spiele Rückstand auf Platz Eins der NFC East. Bei den Chicago Bears (3-2) spielen zwei Leute von der Straße Defensive Tackle und Peanut Tillman konnte auch nur von der Seitenlinie aus zusehen. Aber auch ohne Tillman war die Frage vor dem Spiel: wo liegt das over/under für Turnovers der Giants-Offense? Fünf, sechs, sieben?

Und natürlich endet der erste Giants-Drive mit einer Interception. Und natürlich endet der zweite Drive der Giants mit einer zum Touchdown zurückgetragenen Interception. Danach lief es aber einigermaßen. Sogar das Laufspiel der Giants sah mal wieder NFL-tauglich aus (und ohne Fumbles!). Weil die jungen Running Backs entweder verletzt sind (David Wilson) oder aufgrund ihrer Fumbleitis kaum spielen dürfen (Da´relle Scott) war Brandon Jacobs der Nr. 1 RB. And guess what: das alte Schlachtroß holt mit 22 Läufen 106 Yards und 2 TDs. Auch sonst lief es eigentlich ganz gut für NY: die nächsten fünf drives führten dreimal in die Endzone.

Stats / Gamebook

Gamebook Giants/Bears

Fünf Minuten vor Schluß bekam Eli Manning beim Stand von 21-27 den Ball und damit die Chance, das Spiel zu gewinnen und die Saison irgendwie am Leben zu erhalten. Sie marschierten denn auch und marschierten – aber natürlich warf Eli in Chicagos Hälfte fünf Centimeter zu hoch für Tight End Brandon Myers und natürlich landetet der Ball direkt in den Händen von Chicagos Tim Jennings. Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh! Game Over. (Die ersten beiden Interceptions sahen – mal wieder – so aus, als hätten WRs und QB jeweils etwas anderes gedacht. Das passiert natürlich, wenn man so viele option routes läuft wie die Offense von Kevin Gilbride, aber die miscommunications haben viel zu sehr Überhand genommen und die skill players sollten sich mal ein Wochenende auf einer einsamen Berghütte einsperren und endlich mal auf den selben Nenner kommen.)

Problematisch für die Giants-D war, daß sie vor allem in der zweiten Hälfte den Angriff um Jay Cutler nicht vom Feld bekommen haben. Ihre ersten drei drives in Hälfte zwo produzierten zwar nur ein Field Goal, aber sie kamen immer in die gegnerische Hälfte und die vielen First Downs (neun in den drei Serien) haben sehr viel Zeit gefressen, die Big Blues Angriff zum Comeback gefehlt hat.

Schlimm ist vor allem das linebacking corps, in dem Jon Beason jetzt der Chef ist. Man kann deutlich sehen, warum Carolina ihn ohne Weiteres hat ziehen lassen. Der beste LB ist noch Spencer Paysinger, der in den fundamentals sehr solide ist und durch seine Athletik auch mit vielen RBs und TEs mithalten kann. Daneben besonders schlimm zu sehen war Jason-Pierre Paul. Er ist regelmäßig der langsamste off the snap, während die anderen 21 Spieler sich schon bewegen, versucht er noch seinen kaputten Rücken gerade zu machen. Entweder ist seine Rückenverletzung schlimmer als gedacht oder er hat ein ernsthaftes Motivationsproblem. Ein großer Lichtblick bleibt aber weiterhin CB Prince Amukamara, der in dieser Saison loud and proud seinen Status als ehemaliger 1st-rd pick verteidigt, der einen großen Vertrag haben will.

Chicago war so wie immer. Die Defense ist ziemlich schwach, kann das aber durch Turnovers sehr gut kaschieren. Wenn die Bälle mal anders springen, können sie einpacken. Der Angriff lebt von den beiden großen und kräftigen WRs Brandon Marshall und Alshon Jeffery. RB Matt Forte ist nicht mehr der focus point dieser Offense – und seine Leistungen sind auch nicht danach (auch wenn die OLine nicht die allergrößten Löcher reißt). Das ist aber auch kein Beinbruch, denn mit einem slant oder einem back shoulder throw zu den dicken und großhändigen Marshall und Jeffery kann regelmäßig ein Third Down verwandelt werden.

NFL-Recap, Week 1: Dallas Cowboys – New York Giants

Das Sunday Night Game war das wildeste von vielen sehr spannenden Spielen. Der Sieger war Dallas, das 36-31 gegen den Divisionsrivalen gewann. Aber hinter dem reinen Endergebnis stehen so viele Unwägbarkeiten, dass das Spiel letzten Endes ein 50/50 Ergebnis brachte. Es war quasi das Flip-Flop vom letztjährigen Spiel, als sich die Cowboys mit einer ganzen Latte an Turnovers um den Lohn einer fantastischen Arbeit brachten. Denn diesmal waren es die Giants, die den Selbstzerstörungsknopf drückten. Weiterlesen

Notizblock Woche 7 – Redskins@Giants

Robert Griffin The Third, der Mann, den sie in New York „Bob Griffin“ nennen, hatte am Sonntag das erste Divisionsspiel seiner Karriere. Seine Washington Redskins besuchten Eli Manning und seine New York Giants in den Meadowlands. Am Ende gab es einen überraschenden Mann des Spiels. Gewonnen hat der aber trotzdem nicht. Alles weitere nach dem Klick.

Wir hacken wir ja gerne und oft auf Washingtons Defensive Coordinator Jim Haslett rum. Haslett hat es sich zur Aufgabe gemacht, selbst in den unmöglichsten Situationen auf Teufel komm raus zu blitzen und seine bestenfalls zweitklassigen Defensive Backs Mannverteidigung spielen zu lassen. Blitzen mit man coverage dahinter ist schon keine gute Idee gegen Quarterbacks wie Eli Manning. Und völlig plump ständig dasselbe (blitz & man) zu machen ist eine noch viel weniger gute Idee.

Gegen die Giants hat Haslett nun aber ein Kaninchen aus seinem Hut gezaubert. Für alle Beteiligten völlig überraschend gab es kaum Blitzes und sehr viel Zonenverteidung. Daher standen dann zweimal Verteidiger in Regionen, in denen Eli Manning sie niemals erwartet hätte und konnte ganz simpel die Bälle abfangen. Auch sonst schien Eli öfter mal irritiert zu sein und hat einen Moment zu lange gezögert. Hier also ganz klar Mann des Spiels: Jim Haslett.

Am Ende konnte er die Niederlage trotzdem nicht verhindern –  weil seine DBs einfach zu schlecht sind. Eine Minute vor Schluß, die G-Men liegen drei Punkte hinten, rechnet Safety Madieu Williams tatsächlich nicht damit, daß Victor „Salsa“ Cruz einfach mal tief geht und hat schon drei Schritte Rückstand als er sich dann endlich mal umgedreht hat und mitläuft (also: versucht, mitzulaufen). Eli muß sich kurz das Lachen verkneifen, wirft dann – endlich mal – einen perfekten Paß und NY gewinnt.

Die andere starke und stark überraschende Leistung hat Head Coach Mike Shanahan abgeliefert. Gleich drei vierte Versuche hat Shanahan im vierten Viertel ausspielen lassen. Der statistisch äußerst versierte Kollege von footballissexbaby hat jede dieser Entscheidungen in einem eigenen Eintrag auseinandergenommen. Shanahan, der sonst nicht dafür bekannt ist, in Sachen playcalling so aggressiv zu sein wie eine in die Ecke gedrängte Löwenmutter, hat mit aller Macht versucht, dieses Spiel zu gewinnen. Während die meisten anderen Coaches in der Regel nur hasenfüßig versuchen, ein Spiel nicht zu verlieren. Und wenn sie dann doch verlieren, wenigstens alles dafür getan haben, die Schuld für die Niederlage auf ihren Spielern abladen zu können.

Das war stark von Shanahan – aber am Ende nicht genug. Ziemlich gut war auch Bob Griffin wieder. Allerdings hat er sich in der zweiten Halbzeit zu viele (Rookie-)Fehler geleistet. Die Interception zu Stevie Brown war katastrophal und der Fumble nach Sack von Jason-Pierre Paul sollte so auch nicht passieren. Daß dann Alfred Morris und Santana Moss auch noch zwei Fumbles in der zweiten Halbzeit beigesteuert haben, hat den Redskins beinahe jede Chance geraubt. Aber am Ende sah man gut aus gegen den Super Bowl Champion und das macht Freude auf mehr.

Bei den Giants stach vor allem in der ersten Halbzeit die schlechte Laufverteidigung raus. Beim live-gucken schien es vor allem zwei Schwächen zu geben. 1) „setting the edge„: die RBs konnten nicht „innen“ gehalten werden, was in der 4-3-D die Aufgabe der DEs ist; 2) wenn es doch mal einen Lauf zwischen den Offensive Tackles gab, waren die Linebacker immer zu aggressiv in eine Richtung, was ständig cut back lanes eröffnet hat, die RB Morris zuverlässig genutzt hat. (Mir ist gegen die ganzen kleinen Wuseler Washingtons übrigens das erste Mal so richtig aufgefallen, wie groß eigentlich die LBs der Giants sind. Matthias Kiwanuka ist 6’5; Chase Blackburn und Michael Boley jeweils 6’4; wenn 6’2 Keith Rivers mal daneben spielt, denkt man er wär ein Safety.)

In der zweiten Hälfte war auch der pass rush New Yorks viel besser. Allerdings zeigten sich dabei auch wieder Schwächen Griffins in Sachen pocket awareness. Manchmal läuft er schnurstracks in Sacks hinein, weil er den Überblick verliert und zu schnell versucht er, sich Zeit mit seinen Beinen zu erkaufen. Bei seiner herausragenden Athletik kann er dabei aber trotzdem immer wieder einige Yards aus scheinbar aussichtslosen Situationen herausholen.

Bei der Giants Offense fiel noch auf, daß die beiden Tight Ends Martellus Bennett und Bear Pascoe eine immer größere Rolle zu spielen scheinen. Also im Grunde, wie das in den letzten Jahren mit Typen von Kevin Boss bis Jake Ballard auch war. Coaching Staff und Eli fassen immer mehr Vertrauen zu den Typen und in Dallas wird man sich wundern, warum Bennett bei ihnen nicht so gut aussah.

Vor Carolina – N.Y. Giants

Heute Nacht um 02h30 folgt das zweite Donnerstagnachtspiel der Saison mit dem göttlichen Cokommentator Mike Mayock, der leider in der Condensed-Version des NFL-Gamepasses viel zu oft ausgeschnitten wird: Carolina – N.Y. Giants, und sowohl ESPN America, als auch SPORT1+ werden live mit von der Partie sein.

Carolina und New York sind beide 1-1 gestartet und haben beide dabei höchst gemischte Eindrücke hinterlassen. Beide eint das, naja, Eine: Sie haben bereits gegen die Buccs gespielt. Und während Carolina dabei böse abgewürgt wurde, feierte Big Blue ein Schützenfest. Keinen Kantersieg, aber ein QB Eli Manning mit nach drei teilweise bösen Interceptions in Halbzeit eins noch 510 Passyards und einem 41-34 Sieg.

Ich habe keine Ahnung, was von dieser Partie zu erwarten ist. Sicher, New York ist angesichts der Passgewalt Eli Mannings klarer Favorit, auch weil die Panther-Defense noch suspekt ist. Aber auf der anderen Seite haben die Panthers mit QB Cam Newton auch selbst einen Quarterback, der mobil genug ist, um dem Pass-Rush zu entfleuchen, und der den Arm hat, um die 50yds-Bomben downfield anzubringen und eine Secondary zu verbrennen. Und Carolina hat im Gegensatz zu Tampa Bay (und Dallas mit Abstrichen) auch die Laufspielwucht, um eine Defense vorsichtig zu genug zu halten.

Beide Teams bisher mit zwei völlig unterschiedlichen Vorstellungen. Ich bin nicht sicher, wie viel schlauer wir morgen Abend sein werden. Tipp auf alle Fälle: Giants-Sieg.

Think Twice: Nur mit Elite-QB kann eine Mannschaft erfolgreich sein

In der Berichterstattung zur Draft war es wieder überall zu lesen: ohne einen absoluten Top-Quarterback hat heutzutage keine Mannschaft mehr eine Chance, irgendetwas in den Playoffs zu reißen. Eine Mannschaft wird um den Quarterback herum aufgebaut. It´s a passing league. Nie war der QB wichtiger als heute. Man braucht doch gar kein Laufspiel mehr. „Defense wins Championships“ hat als Cliché ausgedient. Undsoweiterundsofort.

Als Begründung dient dann immer die Aufzählung der Quarterbacks, die in den letzten Jahren einen Ring gewonnen haben. Brady, Roethlisberger, die Mannings, Brees und Rodgers. Das sind ganz sicher große Namen und hervorragende QBs – heute. Brad Johnson, QB der Bucs bei ihrem Triumph in Super Bowl XXXVII, gilt immer als das einzige aus der Rolle gefallene Gegenbeispiel. Genauer betrachtet, war er aber gar nicht der einzige caretaker, dessen Job nur darin bestand, nichts kaputt zu machen, was Defense und/oder Laufspiel aufgebaut haben.

Als Tom Brady in der Saison 2001 mit den Patriots seinen ersten Ring gewinnt, war er in seiner zweiten NFL-Saison – und hatte nicht viel mit dem Spieler zu tun, der er heute ist. In 15 Spielen wirft er nicht mal für 3000 Yards, 18 TDs bei 12 INTs und ein Rating von 86,5.

Ben Roethlisberger, nicht der von heute, sondern der Rookie 2005, liefert im Super Bowl gegen die Seattle Seahawks eine der schlechtesten Leistungen aller Zeiten ab: 9 von 21, 123 Yards, kein Touchdown, zwei Interceptions – und gewinnt.

„Mr. Überfordert in Big Apple I“, Eli Manning, gewinnt in der Saison 2007 den Super Bowl, weil Big Blues D die beste Offense aller Zeiten bei 14 Punkten hält. Manning war zu dem Zeitpunkt in Augen der pundits eine größere Gurke als Mark Sanchez heute. In der Regular Season wirft er 20 Interceptions, macht pro Paßspielzug nur 6,3 Yards und hat ein mickriges QB-Rating von 73,9.

Ebenjener „Mr. Überfordert in Big Apple II“, Sanchez, „führt“ seine Jets 2009 und 2010 ins AFC Championship Game. Auch hier ist es die Defense, die die Mannschaft trägt – und nicht der Quarterback. Erlebt diese Verteidigung in der ersten Halbzeit des Championship Games 2009 gegen die Steelers nicht einen der seltsamsten Zusammenbrüche der jüngeren Geschichte, hätte der Sunny Boy sogar im Super Bowl gestanden.

Joe Flacco, auch kein besonders guter Quarterback, schafft es in seinen ersten vier Jahren vier Mal in die Playoffs, zwei Mal sogar ins Championship Game. Immer getragen von einer der besten Verteidigungsreihen der Liga und Rumbling Running Back Ray Rice. In der letzten Saison ist der Mann mit einer Completion Percentage von 57,6, 6,7Yards/Attempt und einem Rating von 80,9 sogar haarscharf an einer Super-Bow-Teilnahme vorbeigeschrammt.

Dort hätte er dann beinahe Alex Smith und seinen 49ers gegenübergestanden. Diese 49ers, ein ground-and-pound Team wie die angesprochenen Jets, wurde von einer bärenstarken Defense ins Finale getacklet. Seltsamerweise hat dieses Ergebnis vielerorts nicht dazu geführt, Smith einen ausgesprochen glücklichen Mann zu nennen, der auf dem Rücken einer derart starken Defense mitschwimmt, sondern zu der Behauptung, er sei jetzt, ganz plötzlich, ein guter Quarterback – schließlich hat er ja sein Team ins Championship Game geführt. Ähnlich war es auch bei Flacco und Sanchez. Die Argumentation sah so aus: QB steht im Championship Game, also ist er ein guter QB. Nimmt man die Behauptung vom Ausgangspunkt – nur mit einem guten QB kann eine Mannschaft erfolgreich sein (hier der Einfachheit halber gemessen am Erreichen von Championship Games/Super Bowls) – dazu, erhält man ein völlig sinnloses Argumentationsgebäude, für das man hochkant aus jedem Logik-Grundkurs fliegen würde:

  • 1) Man braucht einen Top-QB um ins Championship Game zu kommen
  • 2) Ein QB, der es ins Championship Game schafft, ist ein Top-QB

Ich will gar nicht behaupten, daß man mit einem Curtis Painter einen Super Bowl gewinnen könnte. Nur gibt mehrere Wege, eine starke Mannschaft aufzubauen. Und ganz sicher ist der einfachste Weg, einfach Drew Brees oder Aaron Rodgers oder Tom Brady hinter den Center zu stellen. Aber eben nicht der einzige.

New York Giants in der Sezierstunde

Wie es sich gehört, werden die Sezierstunden 2012 mit dem Titelträger abgeschlossen. Nota bene: „Titelträger“ ist gleich nicht automatisch „beste Mannschaft“. Das waren und sind die Giants nicht. Sie waren vermutlich nichtmal die beste Mannschaft in ihrer eigenen Division (das waren die Eagles). Nichtsdestotrotz gehörte Coughlins Truppe zu den kompletteren Mannschaften in der NFL, erreichte verdientermaßen die Playoffs und kam zum Ende der Münzwurfserie gar mit der Lombardi Trophy nach Hause – als erste Mannschaft ever mit negativem Punkteverhältnis in der Regular Season.

Zum Februar bekam alle Welt beim Gedanken an QB Eli Manning nasse Höschen, und vermutlich zurecht so: Neben einem Haufen Mittelmaß war die Pass-Offense um Manning und seine WR-„Triplets“ Nicks/Manningham/CRUUUUUUUUUUUUUUUZ New Yorks  herausragende Stärke: 7.7yds/Passversuch in der Regular Season ist ein fantastischer Wert und brachte New York überhaupt erst in die Position, einen Anlauf auf den Titel zu nehmen. Dort, in der Post Season, erfüllte diese Armada die Erwartungen größtenteils. Der Titelgewinn war allerdings glücklich. Aber für jede andere der am Ende verbliebenen Mannschaften wäre er nicht minder glücklich gewesen.

So stehen wir zweieinhalb Monate nach der Superbowl da, sprechen über eine leicht überdurchschnittliche NFL-Mannschaft und wundern uns, was sie in der Zwischenzeit so getrieben hat (Wink: nicht narrisch viel).


Mit TE Bennett wurde ein bärenstarker Blocker eingekauft, mit CB Terrell Thomas einer von den dutzenden Deckungsspielern verlängert, und dann wurde noch Mannings Backup Carr ein billiger Vertrag aufgesetzt. Manningham und Jacobs wurden weggeschickt. Datt war’s. Man darf sich fragen, ob dies in einer Division, in der aller Rest im Aufrüsten begriffen ist, der richtige Weg ist. Auf alle Fälle ist es für GM Jerry Reese ein konsequenter Weg. Reese verliert so schnell nicht die Nerven.

Man könnte insistieren, dass die Giants auf die Rückkehr zahlreicher Verletzter setzen dürften. Das würde allerdings die zweifellos vorhandenen Schwächen im Kader nicht vollends ausfüllen. Die Offensive Line zum Beispiel ist ein relativ offenes Scheunentor, wofür wir nichtmal die wöchentlichen Verdammungen von Pro Football Focus ans Licht ziehen müssen: Beatty, McKenzie oder Diehl gelten als leicht verbesserbare Objekte und auch C Baas war nicht über alle Zweifel erhaben.

Dazu kann man davon ausgehen, dass die Giants nach Manninghams Abgang einen jungen Wide Receiver ins Visier nehmen werden. Vielleicht die eine oder andere Ergänzung in der Defensive Line, die jedes Jahr im Giants-Mittelpunkt steht. Wie es bei den gemeinhin als hüftsteif verschrieenen Linebackers aussieht, lässt sich kaum abschätzen. Obwohl man ihnen jedes Jahr die Verpflichtung (oder Einberufung) eines höherklassigen Linebackers ans Herz legen möchte, rühren sich die Giants nur allzu selten in diese Richtung. Und dann sind da noch die Safetys, wo der eher suspekte Antrel Rolle nicht unbedingt alle glücklich stellt, jedoch via Draft kaum nennenswerte Sofortlösungen verfügbar sein sollen.

Eli Manning ist nicht gleich “clutch”

Filed under: #Clutch #EliManning

Wir wissen, dass das Coach-Wunder und angebliche “Clutch”-Genie Bill Walsh einen eher, sagen wir, bescheidenen Record in engen Spielen hat und sind sehr skeptisch, ob es über längere Sicht so etwas wie „clutch“ in der NFL gibt. „Clutch“ wird meist so beschrieben: Mannschaft ist irgendwann im Schlussviertel in Rückstand oder gleichauf, Offense kriegt den Ball, Team gewinnt, Quarterback und Coach gelten als „clutch“. Über die vergeigten engen Spiele wird der Mantel des Schweigens gelegt.

Superbowl-MVP QB Eli Manning gilt als das neueste „Clutch“-Wunder in der NFL. Ein Blick auf Mannings Karriere verrät jedoch wenig überraschend, dass auch Manning himself über sehr volatile Zahlen verfügt.

Manning bestritt bisher in seiner Karriere 40 Spiele mit Gleichstand oder maximal einem Score Rückstand zum Ende des dritten Viertels. Manning Bilanz in diesen Spielen, in denen er laut Pundits jeweils Siege hätte einfahren müssen: 15-25. Yep, Manning dreht nur etwas mehr als ein Drittel der Partien mit knappem Rückstand eingehend Schlussviertel.

Schlüsseln wir das verlinkte Ding auf in die einzelnen Spielstände nach drei Vierteln auf – aufgrund fehlender Mittel, die Datenbank auf Momente „irgendwann im Schlussviertel“ aufzubrechen, bleibe ich beim ENDE DRITTES VIERTEL:

Diff. Ende Q3   Bilanz Ende Q4
 0              1-0
-1              1-5
-2              2-3
-3              3-3
-4              4-3
-5              1-0
-6              0-4
-7              2-5
-8              1-2

Egal welcher Rückstand: Die Tabelle lässt keinen Rückschluss zu, dass Eli Manning über besondere Fähigkeiten im Drehen von Spielen im Schlussviertel verfügt.

Ad 1) Alle Spiele, in denen Manning mit Rückstand ins Schlussviertel ging. Größtes Comeback: 2006 mal 17 Punkte gegen die Eagles aufgeholt.

Ad 2) Die Bilanzen in den 0 bis -8 Punktespielen anderer namhafter „Comebacker“ unter den Quarterbacks (Spiele, in denen der jeweilge QB nicht teilnahm, sind rausgerechnet):

EDIT: Ich habe nun noch die drei Comebackspiele vom Warner Kurtl von 2004/05 rausgerechnet. Die Suchfragen lassen sich nur TEAMs, nicht aber mit SPIELERN machen.

Die zweite Reihe: Kevin Gilbride

Jerry Reese, Steve Spagnuolo, Kevin Gilbride &...

Image via Wikipedia - Gilbride mit weißem Haar und weißem Shirt

[In der Serie „Die zweite Reihe“ werden Spieler, Trainer und Taktiken vorgestellt, die für den Erfolg einer Mannschaft essentiell sind, aber nicht im Rampenlicht stehen. In Teil 1 war Jets´ Safety Jim Leonhard dran. Für Teil 2 tritt heute Kevin Gilbride, Offensive Coordinator der New York Giants, aus der zweiten Reihe ins erste Glied.]

Coordinators stehen ja in der Regel ohnehin nicht in der ersten Reihe. Aber wenn sie erfolgreich oder einigermaßen spektakulär spielen, stehen sie schnell im Rampenlicht und werden für alle möglichen Cheftrainerposten gehandelt. Die Patriots-Offense bricht 2007 alle Rekorde? Sofort wird Offensive Coordinator Josh McDaniels das Schild „wunderkind“ umgehängt. Die Giants brechen dieser Offense im Super Bowl die Beine? Schon ist Defensive Coordinator Steve Spagnuolo das heißeste Dinge seit Erfindung des Forward-Passes und bekommt eine eigene Mannschaft als Head Coach. Es gibt aber auch viele Gameplan- und Taktik-Gurus, die immer im Hintergrund bleiben. Unser heutiger Kandidat aus der zweiten Reihe steht sogar in seiner Heimat New York im Schatten des anderen New Yorker OCs. Seltsam, aber wahr: Brian Trottelheimer Schottenheimer, ab nächster Saison bei den Rams, weil für die Jets zu schlecht, ist bekannter und gefragter als Kevin Gilbride, Offensive Coordinator der New York Giants.

Komischerweise ist Gilbride sogar bei vielen Fans der Giants nicht gerade wohlgelitten, wie Spitznamen à la „Kevin Killdrive“ und die alljährlichen Rufe nach seinem Kopf beweisen. Dabei war New Yorks Offense in den letzten vier Jahren jeweils unter den Top-9 und bis jetzt sind zwei Super Bowl Ringe dabei herausgesprungen. Und nicht zuletzt Gilbride hat aus Eli Manning gemacht, was er heute ist. Komischerweise auch hat der Giants-Angriff einen ziemlich lahmen Ruf, was vor allem daher rührt, daß Gilbride mit aller Macht versucht, möglichst nahe an eine 50/50 Run-Paß-Balance zu kommen. Dabei kommt der typisch ostküstenmännisch aussehende Mann mit den weißen Haaren aus einer der aufregendsten Offensiv-Schulen aller Zeiten: der Run-and-Shoot Offense.

Die Run-and-Shoot Wurzeln

Die Run-and-Shoot Offense, die von Tiger Ellison und Mouse Davis erfunden wurde, war in den 60er und 70er Jahren an High Schools und in den 80er Jahren in der College-Welt die alle Rekorde zerschmetternde Revolution. Bei den Houston Gamblers der kurzlebigen USFL hat Mouse Davis die Offense dem Head Coach Jack Pardee und Offensive Assistant John Jenkins näher gebracht (Quarterback übrigens Jim Kelly). Nachdem die USFL 1986 den Bach runtergegangen ist, hat Pardee, ehemaliger NFL-Linebacker, Jenkins und die Run-and-Shoot-Idee mitgenommen und wurde 1987 Head Coach der Houston Cougars. Pardee und Jenkins waren mit den Cougars 1988 und 1989 dermaßen aufregend und erfolgreich, daß Pardee Head Coach der Houston Oilers wurde und Jenkins sein Nachfolger als HC der Cougars.

Als Pardee seinen neuen Posten bei den Oilers 1990 antrat, fand er dort einen Quarterbacks Coach vor, der ihm so sehr imponierte, daß er ihn prompt zum Offensive Coordinator machte. Der damals 39 Jahre alte Gilbride hatte gerade sein erstes Jahr in der NFL hinter sich. Vorher hatte er sich lange Zeit als Assistant an Colleges wie Tufts, American International und East Carolina durchgeschlagen; zwei Jahre verbrachte er in der CFL bei den Ottawa Rough Riders und fünf Jahre lange, von 1980 bis 84, war er Head Coach seiner Alma Mater: Southern Connecticut State.

Bei den Houston Oilers

In den folgenden vier Spielzeiten gewannen die Oilers 42 Spiele und hatten jede Saison eine Top-3-Offense. Die Offense um Quarterback Warren Moon, der hinter zwei der besten Offensive Lineman aller Zeiten spielte, Bruce Matthews und Mike Munchack (jetzt HC der Titans) war Super-Bowl-würdig. Spätestens als Houston dann aber in den 92er Wild-Card-Playoffs auf der falschen Seite des größten Comebacks aller Zeiten stand, mußte sich dringend etwas ändern. Also holte man sich eines der besten Defensive Minds und einen der härtesten Trainer als Zeiten für den Posten des Defensive Coordinators: Buddy Ryan. Ryan hatte in den 80ern die legendäre Bears-Defense gebaut, Head Coach Mike Ditka hatte ihm auf dieser Seite des Balles freie Hand gelassen. Die Verteidigung der 85er Bears gilt bis heute als beste aller Zeiten. Ryan war aber schon immer ein eigenwilliger Kopf und hatte keine Lust mehr, die zweite Geige hinter Ditka zu spielen, also war er ganz glücklich, 1986 Cheftrainer der Philadelphia Eagles werden zu dürfen. Er hat in Philly zwar kein Playoffspiel gewonnen, aber eine erstklassige Defense hat er aus den mäßigen Eagles fast aus dem Stand gemacht. Dessen erinnerten sich also die Oilers 1993 und verpflichteten ihn als DC.

An was sich die Verantwortlichen in Houston augenscheinlich nicht erinnerten, war die Tatsache, daß Ryan als Mensch einen noch viel größeren Dachschaden hatte als seine beiden Söhne Rex und Rob und außerdem Offensivspieler und -trainer generell für Idioten und Weicheier hielt. So war es ihm ziemlich egal, daß Houstons Angriff unter Gilbride auch 1993 wieder die drittbeste Offense der Liga hatte. Ryan hielt es für unverantwortlich, „seine“ Spieler ständig wieder aufs Feld schicken zu müssen, weil die Offense zu schnell und aggressiv spielte. Im letzten Spiel der regulären Saison – die Oilers hatten die letzten zehn Spiele in Folge gewonnen – war es dann so weit: Ryan platzte der Kragen und er reichte Gilbride an der Seitenlinie Eine durch – sauber an die Schläfe, vor aller Augen bei einem Monday Night Game. Eine der verrücktesten Dinge, die je in der NFL passiert sind.

Mit elf aufeinanderfolgenden Siegen ging man nichtsdestotrotz mit einem Freilos im Rücken in die Playoffs und verlor mal wieder das erste Spiel, dieses Mal gegen Joe Montana und die Kansas City Chiefs. In der 94er Saison war Gilbride zwar noch in Houston, aber Moon und Ryan nicht mehr; nach dem 1-9-Start trat Pardee zurück und der junge DC Jeff Fisher, der sein Handwerk unter Buddy Ryan in Philadelphia erlernt hatte, nahm auf dem Cheftrainerstuhl Platz.

Über Coughlin zum Head Coach ins Niemandsland

Das folgende allgemeine Ausmisten ging auch an Gilbride nicht vorbei. Weil er aber als großartiger Offensive Coordinator galt, holte Tom Coughlin, Head Coach des Expansion Teams Jacksonville Jaguars, Gilbride als OC mit an Board.Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte Gilbride den blutjungen QB Mark Brunell soweit, bereits in seiner zweiten Saison als Starter für fast 4400 Yards zu werfen und die Jags ins AFC Championship Game zu führen.

Mit sieben derart erfolgreichen Jahren im Resumée wurde es Zeit, selber eine Mannschaft zu übernehmen – leider waren es die 97er San Diego Chargers. Das größte Problem war der fehlende Franchise Quarterback. 1997 waren Craig Whelihan, Stan Humphries, Jim Everett und Todd Philcox under center. Mit diesem Personal war kein Blumentopf zu gewinnen. Also nutzte man den zweiten Pick in der NFL Draft 1998 um ein riesiges Quarterback Talent zu draften, das die Zukunft der Franchise werden sollte, sein Name: Ryan Leaf. Alles weitere ist bekannt. Nach sechs Spielen ´98 mußte Gilbride gehen.

1999 und 2000 hat Gilbride dann wieder mal eine neue Erfahrung mitgemacht, als er unter Bill Cowher OC der Pittsburgh Steelers war. Dort hat er gemäß der alten Steelers-Tradition lauflastige Game Plans zusammengebastelt und eine Top-10 Rushing Attack auf die Beine gestellt. 2001 wollte Cowher dann lieber Mike Mularkey als OC und es wurde etwas stiller um Gilbride. 2001 nahm er eine Auszeit, bevor er 2002 und 03 im NFL-Niemandsland Buffalo den Angriff übernahm. Als Bills-HC Gregg Williams vor der Saison 2004 von Mike Mularkey abgelöst wurde und dieser selber die Offense übernahm, erinnerte sich Tom Coughlin, der gerade die New York Giants übernommen hatte, an seinen alten Buddy und übertrug ihm die Aufgabe, sich als Quarterbacks-Coach um den Rookie Eli Manning zu kümmern.

Mit Eli in New York

Das hat er ziemlich gut gemacht. Aus dem jungen Eil wurde langsam, aber sicher (aber vor allem langsam) zuerst ein richtiger Quarterback und später dann einer der besten QBs der Liga. Ab 2007 hatte Gilbride endlich wieder den Posten, der ihm am meisten behagt – Offensive Coordinator. Während dieser Zeit war die einzige Konstante Eli. Irgendwann war es dann auch egal, ob die Ballempfänger Plaxico Burress, Amani Toomer, Jermey Shockey, Sinorice Moss, Domenik Hixon, Steve Smith, Kevin Boss, Hakeem Nicks, Victor Cruz, Jake Ballard oder Mario Manningham hießen – seit 2008 war es immer eine Top-10-Offense. Es ist nicht zuletzt ein großes Verdienst Gilbrides,  alle diese WRs entdeckt oder/und so eingesetzt zu haben, daß sie ligaweit ein Begriff sind.

Es fällt heute ziemlich schwer, Kevin Gilbrides Offense in irgendeine Schublade zu stecken. Es steckt auf jeden Fall noch ein großes Stück Run-and-Shoot drin, aber ohne Rücksicht auf Verluste setzt Gilbride jedes Spiel über auch auf das Running-Game. Das hat er zum Teil sicherlich auch aus der Run-and-Shoot, denn dort war jeder Spielzug so angelegt, daß ein Laufspielzug immer so aussieht wie ein Paßspielzug und umgekehrt. Aber seine Laufspielzüge sind dann doch andere als die alten Läufe aus 4-WR-Sets. In diesem Sinne wird Gilbride sicher einiges aus Pittsburgh mitgenommen haben und, noch viel sicherer, wird er eine ordentliche Dosis von Coughlin eingehämmert bekommen haben. Schließlich kommt Coughlin aus der alten 80er-Jahre Bill-Parcells-Schule. Leider steht Gilbride nicht so im Rampenlicht, daß es viel Literatur über ihn gäbe oder daß er ständig von Kameras und Mikrofonen umzingelt wäre. Charakteristisch ist vor allem, daß die G-Men unter Gilbride eine der wenigen Mannschaften sind, die eine große Portion vertikales Paßspiel (à la Mike Martz´ Rams) in ihrem Arsenal haben, während die meisten Mannschaften hauptsächlich auf kurze Timing-Routen setzen, was alles mehr oder weniger eine Weiterentwicklung der Bill-Walsh-/West-Coast-Offense ist.

Trotz seiner Erfolge und seiner vielfältigen Erfahrungen in den verschiedensten Umfeldern mit den verschiedensten Trainern hat sich auch nach dem letzten Super Bowl Sieg über die New England Patriots keine trainerlose Mannschaft bei ihm gemeldet, er hatte nicht mal eine Anfrage für einen Head-Coaching-Job. (Sein Sohn dagegen, Kevin Gilbride, Jr. wurde gerade vom Quality Control Assistant zum Wide Receivers Coach befördert, nachdem die Giants anderen Teams untersagt haben, mit ihm in Kontakt zu treten.) Am Ende werden alle Beteiligten von Coughlin bis Manning froh sein, daß Kevin Gilbride weiterhin im Big Apple bleibt – wenn auch nur in der zweiten Reihe.

Super Bowl 46 – Würdigung New York Giants

In vielen Nachbetrachtungen ist jetzt zu lesen, daß die New York Giants besonders glücklich gewesen wären und von vielen Zufällen profitiert haben. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Eher ist es so, daß sie gerade zu Saisonbeginn sehr viel Pech hatten. Vor allem Verletzungspech. Aber sie haben an ihr Konzept und an sich selbst geglaubt und sind ein würdiger Super Bowl Champion.

Schon bevor der erste Snap der Regular Season gespielt wurde hat sich Terrell Thomas, der als No.2-CB eingeplant war, mit einem Kreuzbandriß auf IR verabschiedet. Unglücklicherweise brach sich zusätzlich auch noch der hochgehandelte Rookie Cornerback Prince Amukamara das Bein und fiel bis November aus. Die ohnehin schwache Offensive Line verlor mit Left Tackle Will Beatty im November ihren besten Mann; sein Ersatz Stacy Andrews mußte kurz darauf die Segel streichen. So mußte der schon als Guard überforderte David Diehl wieder den Left Tackle geben. Kurz vor dem ersten Saisonspiel riß auch das Kreuzband von MLB Jonathan Goff, für den die Rolle des defensiven QBs vorgesehen war. Weil auch Michael Boley einige Wochen verletzt aussetzen mußte, haben die G-Men einige Spiele mit drei Rookies im Linebacking-Corps gespielt. Matthias Kiwanuka konnte dort nicht spielen, denn er wurde als Defensive End gebraucht, da auch die essentiell wichtigen Justin Tuck und Osi Umenyiora von Verletzungen nicht verschont blieben. Um dem noch die Krone aufzusetzen, ist auch 2nd-rd pick Marvin Austin schon im August auf IR gelandet.

Auf der anderen Seite des Balles hat das für Big Blue so wichtige Laufspiel nicht nur unter den Verletzungen der O-Line gelitten, sondern auch unter der verletzungsbedingten Abwesenheit von Ahmad Bradshaw. Domenix Hixon, als Nr.3-WR vorgesehen hat sich in Woche 2 ins Lazarett verabschiedet. Das war nicht so gravierend, weil dann Victor Cruz in die Bresche sprang, aber gerade in seinen ersten Wochen hat er neben Big Plays auch teilweise hahnebüchene Genickbrecher produziert, die dann unter anderem zu dieser komischen Niederlage im Freak Unfall gegen die Seahawks geführt haben. Hixon hat dann schon mehr gefehlt, als auch Mario Manningham und Hakeem Nicks mehrere Spiele verpaßt haben.

Als New York dann immer mehr ihrer verletzten Spieler an Board hatte oder sich mit den Ersatzleuten eingespielt hatte, wurden auch die Leistungen deutlich besser. Nach drei November-Niederlagen in Folge (gegen die 49ers, Eagles und Saints – keine schlechten Teams) hat Big Blue in Woche 13 ein erstes lautes Ausrufezeichen gesetzt mit ihrem couragierten Auftreten in einer denkbar knappen Niederlage gegen die Packers. In der folgenden Woche, in der nach einem noch besseren Auftritt der Divisionsrivale Dallas niedergerungen wurde, stand hier am 14. Dezember Folgendes zu lesen:

Die Giants können jeden schlagen. Sie sind deutlich besser als ihr 7-6-record vermuten läßt. Wenn nicht nur JPP so spielt, sondern auch Tuck noch eine Schipee drauflegt, was er talentmäßig durchaus kann, und Osi Umenyiora wieder topfit ist, kann auch diese Defense wieder jedem Angriff Kopfschmerzen bereiten. In den letzten zwei, drei Spielen hat auch das Laufspiel endlich gezeigt, daß es gar nicht so unterirdisch ist. Mit Nicks, Manningham, Cruz und Ballard hat man dazu Paßempfänger, die immer für ein Big Play gut sind. Und ein Eli Manning in dieser Verfassung kann die Giants überall hin führen…

So ist es dann auch gekommen. Nach einem kurzen Rückschlag gegen die Redskins gewannen die G-Men bis zum vergangenen Sonntag sechs Do-or-Die-Spiel in Folge. Die ersten vier davon mit einem kumulierten Score von 121 zu 50. Nicht daß die jeweiligen Gegner Laufkundschaft gewesen wären, es handelte sich um den Stadtrivalen Jets, den Erzfeind Cowboys, den No.5 Seed Atlanta, den No.1 Seed Green Bay, den No.2 Seed San Francisco und den No.1 Seed der AFC – New England. So ganz ohne ein wenig Glück wäre vielleicht auch ein Spiel davon verloren gegangen. Aber der Respekt über einen der beeindruckendsten Streaks der letzten Jahre sollte deutlich überwiegen. Über keines dieser Spiele kann man das Urteil unverdient sprechen.

Über die Leistungen von Eli Manning habe ich oft genug geschrieben, das muß hier nicht wiederholt werden. Nur soviel: das beeindruckendste an Eli ist seine Entwicklung, die er durchlaufen hat. Von einem überforderten Jüngling, der in seinen erratischen Leistungen oft zwischen dämlich und ängstlich geschwankt hat, ist in einem langsamen, aber steten Prozeß ein hervorragender Quarterback und Leader geworden, der seine Mannschaft trägt, immer im Spiel hält und auch mal eines (und zwei und drei…) alleine gewinnen kann. Und das alles in New York. Das wohl schwierigste Umfeld, das man einem Quarterback antun kann.

Besonders gewürdigt werden muß auch das Management. Gerade bei diesem Druck, dem Mannschaft und Coach im Big Apple ausgesetzt sind, trotz manchmal ausbleibender Siege und Playoff-Teilnahmen an Coughlin und dem Konzept festzuhalten, hätten einige andere aufgeregte Besitzer und Manager wohl nicht durchgehalten. Die Giants beweisen, daß sich eine durchdachte langfristige Strategie auszahlt – manchmal zwar erst langfristig, aber zwei Lombardi Trophies sind es allemal wert.

Abseits der Giants noch ein anderer Gedanke: jedes Spiel der Regular Season ist wichtig, vielleicht ein banaler Gedanke, aber in den Stories über “heiß sein zu rechten Zeit” ein wenig untergegangen. Hätten die Saints sich nicht zwei unerklärliche Auszeit gegen die Bucs und Rams (!) gegönnt, hätten sie den Heimvorteil in den Playoffs gehabt – und wohl kaum in ihrem Dome gegen die 49ers verloren. Und wahrscheinlich auch nicht gegen irgendeine andere Mannschaft in einem Dome. Die beiden Spiele waren vielleicht das größte Glück für die Giants. (Die Head Coaches von Tampa und St. Louis wurden nach der Saison gefeuert. Ironischerweise ist Raheem Morris jetzt bei New Yorks Divisionsrivalen aus Washington untergekommen. Und noch ironischer: Ex-Rams HC Steve Spagnuolo, der als DC der Giants 2007/08 einen Ring gewann, ist in der kommenden Saison DC der Saints.)