Tür auf für den Transfermarkt 2018

Es geht los. Weiterlesen

Ein Blick auf den QB-Markt 2013

Häufig draften auch Teams ohne sichtbares „Need“ einen Quarterback zum Entwickeln, aber hier sei der Blick mal auf die allgemeine Quarterback-Situation in der NFL am heutigen Montag gerichtet.

American Football Conference (AFC)

EAST – in New England versauert der Arkansas-Bomber Ryan Mallett hinter Brady und wird bis minimum 2015 kein Land sehen. Mallett wird immer wieder als Trade-Objekt gesehen, vor allem für Cleveland oder Tampa. Buffalo ist spätestens nach der Trennung von Fitzpatrick ein heißer Anwärter drauf, mit einem Top-10 Pick (aktuell halten die Bills Pick #8) einen Quarterback einzuberufen – vielleicht Geno Smith oder Ryan Nassib, dessen Coach der neue Bills-Cheftrainer Doug Marrone am College war. Bei den Jets würde man sich lieber heute als morgen Mark Sanchez entledigen, was aber durch dessen Vertrag ausgeschlossen ist. Tebow ist auch auf dem Abstellgleis, aber ich würde nicht drauf wetten, dass New York in den ersten Runden einen QB draften wird.

NORTH – in Cleveland hält das neue Regime um GM Lombardi und HC Chudzinski wohl nicht so größe Stücke auf das QB-Duo Weeden/McCoy; vor allem Weeden gilt nach nur einem Jahr als verbrannt. Eine hohe Einberufung eines Quarterbacks halte ich aufgrund der verfügbaren Optionen für unwahrscheinlich. In Cincinnati gibt es (noch) wenig Grund, Andy Dalton fallen zu lassen. Pittsburgh könnte ein Ort sein, an dem man langsam einen Nachfolger für den windelweich geprügelten Roethlisberger suchen muss.

SOUTH – in Houston dürfte der Geduldsfaden mit Matt Schaub am Reißen sein, aber die Texans dürften realistisch genug sein, dass sie so schnell keinen besseren Spielmacher mit halbwegs normalem Preis/Leistungsverhältnis finden werden. In Tennessee hat QB Locker nach zwei Jahren immer noch nicht viel gezeigt. In Jacksonville scheint man es trotz schlechtester Vorzeichen noch einmal mit Blaine Gabbert zu versuchen. Tennessee und Jacksonville könnten aber trotz aller Unkenrufe im Rennen um einen QB sein.

WESTDenver (Starter Manning, Zögling Osweiler) ist geklärt. Kansas City (Alex Smith, Chase Daniel) vermutlich für wenigstens ein Jahr auch. Oakland hat mit Carson Palmer einen akzeptablen Starter und die großen Probleme eher an anderen Stellen, aber mit dem Investment in QB Pryor vermutlich zu viele Ressourcen in die QB-Position gebunden, um dort schon wieder aktiv zu werden. San Diego hat mit Rivers eigentlich einen ganz Großen, der mit 32 aber nicht jünger wird und 2012/13 ein furchtbares Jahr spielte. Die Chargers sehen aus wie die klassische Franchise, die sich dieses Jahr nach einem jungen QB aus der vierten Runde zum Entwickeln umsieht.

National Football Conference (NFC)

EAST – in Philadelphia steht Vick ein (letztes?) Jahr unter Vertrag. Backup Nick Foles ist jung und zeigte immerhin sowas wie Ansätze, passt aber von der Spielanlage eher nicht in eine Offense von Chip Kelly. Für realistisch halte ich eine Einberufung von Geno Smith in der ersten Runde oder EJ Manuel in der zweiten oder dritten Runde. Kelly gilt als Fan von Manuel.

NORTH – in Minnesota kriegt QB Chris Ponder eine letzte Bewährungschance; ich hätte es als Imperativ gesehen, in Runde 2 oder 3 aktiv zu werden und einen potenziellen Nachfolger zu draften, aber nach dem Einkauf des ebenso suspekten Matt Cassel aus Kansas City scheint man in Minnesota andere Pläne zu verfolgen.

SOUTH – in Tampa scheint Josh Freeman nicht mehr unumstritten zu sein. Weil ich weiterhin ein Fan von Freeman bin und die Offense eigentlich auf Freemans Talente zugeschnitten ist, sehe ich nicht, wie die Buccs einen „per sofort“ Ersatz holen. Einen junger Nachwuchsspieler mit Option 2015 dagegen schon.

WESTSan Francisco ist auf dem Markt für einen Backup aus den mittleren Runden und hat etliche Draftpicks. Arizona sucht händeringend einen #1-QB und kotzt die Eingeweide in die Wüste, dass dieses Jahr kein richtiger „Franchise-QB“ verfügbar ist. Man hört was von „Barkley mit Pick #7“ nach Arizona. Der schwache Wurfarm Barkleys und „deep ball“-Bruce Arians? Culture Clash hoch drei.

Transferperiode 2013, Woche 1 Review: Kruzifax!

Das Schreckgespenst des europäischen Spitzenfußballs (Stichwort: Transferschließungs-Fenster) hat nun auch im US-Sport zugeschlagen: Am Freitag mussten die Denver Broncos DE Elvis Dumervil aus Salary Cap-Gründen entlassen, weil ein Faxgerät gestreikt hatte und die Unterschrift unter den entsprechenden restrukturierten Vertrag nicht rechtzeitig in der Teamzentrale angekommen war!

Kurzfassung: Dumervil musste einer Vertrags-Umschichtung zustimmen, um aufgrund seiner hohen Cap-Nummer für 2013/14 Platz im Kader der Broncos behalten zu können. Nach langem Hin und Her stimmte Dumervil angeblich eine halbe Stunde vor der vereinbarten Deadline zu. Dann streikte wohl das Faxgerät von Dumervils Spielerberater und Denver zog die Reißleine, musste Dumervil feuern. Dumervil kann immer noch mit den Broncos einen Vertrag ausarbeiten, aber er wird auf alle Fälle mal ca. 4,5 Mio. dead money gegen die Salary Cap zählen – ein bizarrer Fall mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Die NFLPA (Spielergewerkschaft) will sich einschalten.

Mehr Infos und wie man die Situationen aus Cap-Sicht retten kann gibt es im fantastischen Over the Cap-Blog.

Nicht Best, nicht Bell, dafür Bush

Der Wechsel von RB Reggie Bush nach Detroit war so „logisch“, dass er fast schon erstaunt. Bush ist mit seinem fragilen Körperbau alles andere als ein wuchtiges Arbeitstier, sondern vielmehr der filigrane Tänzer, ein Mann für 12 Carries, 7 Catches von Swingpässen und 2 Punt Returns pro Spiel. Reggie Bush ist genau der Typ von Spieler, den die Lions suchen, seit klar ist, dass Jahvid Best mit „chronischen“ Gehirnerschütterungssymptomen wohl seine Karriere beenden müssen wird.

Nun ist Bush nicht in eine Kategorie mit Best zu stellen, und schon gar nicht in die eines Darren Sproles, der ihn einst in New Orleans verdrängt hatte, aber Bush ist ein klares Upgrade über den rein opportunistischen Joique Bell. Es stellt sich vor allem die Frage nach dem Preis: Bush ist 28, sein Ruf lebt immer noch in erster Linie von seiner Zeit am College und dem massiven Medienhype in den Wochen vor dem NFL-Draft 2006 – Bush ist seither nicht bloß Athlet, sondern zugleich auch Marke, obwohl er – auch geplagt durch viele Zipperlein – seine Versprechen nie ganz einlösen konnte.

Detroits Offense ist in erster Linie Shotgun/Pass, in zweiter Linie Shotgun/Pass und in dritter Linie Shotgun/Pass. Das komplette System ist um den einzigartigen WR Calvin Johnson gebaut, aber ein integraler Bestandteil sind die eingstreuten Draws und Screenpässe für die Running Backs. Best war darin – eben – „best“, und Bush ist von der Anlage genau der richtige Spielertyp. 28 Lenze, Vierjahresvertrag. Mit etwas Glück gehen sich 2-3 saubere Spielzeiten für Bush aus.

Weitere Moves mit Pfeffer

Einige Moves wurden schon in den Kommentaren vom letzten Transfer-Eintrag gepostet.

WR Wes Welker geht von New England nach Denver. Der Preis für den Zweijahresvertrag beträgt 12 Mio. Dollar – affidabel für Denver mit seinem gewaltigen „Cap-Rollover“. Die Oldie-Combo QB Manning (38)/WR Welker (32) auf dem letzten Halali – kann man mal machen, zumal mit Demaryius Thomas und Eric Decker noch zwei deep threats im Lineup stehen.

New England reagierte mit einem Schwall an Aktivität: WR Danny Amendola für 5yr/31 Mio. als direkten Welker-Ersatz eingekauft (Amendola ist auch so ein kleiner wuseliger Slot-WR, allerdings mit Verletzungsproblemen), WR Brandon Lloyd wohl entlassen, um im Gegenzug den unterschätzten WR Emmanuel Sanders (ein RFA) für einen Drittrundenpick aus Pittsburgh holen zu können. Okay, der Sanders-Deal ist noch nicht durch, aber die Signale verdichten sich. Belichick scheint sich treut zu bleiben: Werde jünger und billiger. Verliere dabei nicht zu viel Qualität.

DE Cliff Avril könnte sich verpokert haben: Letztes Jahr ein Dreijahresangebot über 30 Mio. in Detroit abgelehnt, in die Free Agency gegangen und dort „nur“ einen Zweijahresvertrag über 15 Mio. Dollar bekommen – und zwar von den spendierfreudigen Seattle Seahawks. Seattle kaufte sich gleich noch den Passrush-Spezialisten DE Michael Bennett aus Tampa Bay ein (1 Jahr, 5 Mio.). Für Seattle sind die Moves eine Absicherung für den Fall, dass der kreuzbandverletzte Chris Clemons doch länger ausfällt als gedacht. Bei Bennett weiß jeder, was er bekommt: Einen Defense End, der sich nur für Passrush interessiert. Bei Avril bin ich mir nicht sicher, ob der Mann wirklich komplett ist oder vor allem ein Produkt des „Systems Schwartz“ in Detroit.

Auch ein anderer Spieler ließ sich recht billig verkaufen: CB Aqib Talib bleibt ebenso für 1 Jahr und 5 Mio. bei den Patriots, will wohl mit einer guten Saison in einem Jahr richtig abkassieren. Bei Talib muss man weniger wegen seiner Leistung Angst haben, sondern insbesondere wegen seiner Reputation als völlig durchgeknallter Waffennarr. Das könnte Teams immer davon abschrecken, ihm einen Langzeitvertrag zu geben… aber nächstes Jahr haben die Redskins dann wieder einen Haufen Platz unter der Salary Cap, also halb so schlimm.

RB Steven Jackson kriegt nach all den Jahren der Pleiten, Pech und Pannen mit den unterirdischen Rams nun endlich auf seine alten Tage die Chance in einem playoff-fähigen Team: Jackson unterschrieb in Atlanta. Der Move überrascht mich etwas, da Jackson mit 29 Jahren nicht mehr der Jüngste ist und die Falcons da in zwei Jahren einen ähnlich ausgebrannten Back wie zuletzt Michael Turner haben könnten.

Die Vikings haben nach dem Abgang von Percy Harvin schnell nachgerüstet und mit WR Greg Jennings (5 Jahre, 47 Mio. 18 Mio. guaranteed) eine jahrelange Größe vom Erzfeind Green Bay losgeeist. Jennings ist schon 29 und hatte immer wieder Verletzungsprobleme, gilt aber als extrem guter Routenläufer und könnte damit haargenau der richtige Mann für den stagnierenden QB Chris Ponder sein – oder für den eingekauften Backup Matt Cassel.

Eine Aufstellung von vielen anderen Moves gibt es bei den Football Outsiders [Mittwoch, Donnerstag, Wochenende]. Ich werde auf den einen oder anderen interessanten Kuhhandel noch im Zuge der Sezierstunden eingehen. Was jetzt noch bleibt, ist ein praller Markt an Defense Ends und Cornerbacks. Auch in der Offensive Line gibt es noch gutes Spielermaterial, u.a. RT Sebastian Vollmer, der bisher mit seinen hohen Gehaltsforderungen sämtliche Bieter verschreckt haben soll.

Transfermarkt 2013, Tag 1: In Gedenken an den Transfer des Jahrzehnts

Der eine bleibt, der andere geht: TE Tony Gonzalez soll nun tatsächlich seine Zusage für eine weitere letzte Saison bei den Atlanta Falcons gegeben haben. Ein anderer Großer sagt „tschüss“: G Steve Hutchinson, der als dominantester Guard des letzten Jahrzehnts galt und möglicherweise in wenigen Jahren in die Hall of Fame gewählt wird.

Steve Hutchinson war in der Offseason 2006 im Mittelpunkt eines der umstrittensten Moves in der NFL: Als Free Agent vom nicht mit Cap-Room gesegneten Superbowl-Finalisten Seattle mit einer „restriction“ (als sog. Transition-Player) belegt, bekam Hutchinson damals ein bis dato ungesehenes Angebot von den Minnesota Vikings übergestülpt, das die Seahawks in arge Nöte brachte. Die Vikes überboten den „Tender“ der Hawks mit einem Siebenjahres-Angebot über 49 Millionen Dollar und bauten jene eine berüchtigte Klausel („Poison-Pill“ wie frissoderstirb) ein, die besagte: Der komplette Deal wird guaranteed, wenn Hutchinson nicht der höchstbezahlte Offense Liner in der eigenen Mannschaft ist.

Für Seattle ein Problem: Sie hatten eben LT Walter Jones eine extrem teure Vertragsverlängerung gegeben und konnten sich den Hutchinson-Deal plötzlich nicht mehr leisten. Der Hutchinson wechselte nach Minnesota und Seattles schleichender Niedergang setzte ein: Die einst beste Offense Line der NFL war mit einem Mal nur mehr Mittelmaß, der als soft verschrieene frisch gebackene RB Shaun Alexander zeigte eine Leistungsimplosion und aus der besten Mannschaft der NFC wurde ein Allerweltsteam.

Der Move hat heute noch Nachwirkungen als einer der kreativsten Moves, die ein Front-Office je gemacht hat. Seattle zeigte chinesische Mentalität und holte sich kurz darauf übrigens WR Nate Burleson (?) in einem fast identisch gelagerten Fall aus… Minnesota. Heute ist die „Poison-Pill“ verboten. Und morgen wird Steve Hutchinson sich mit der Angel vor seine Hütte setzen und nach Jahren der Prügel seinem Lieblingshobby nachgehen. Good bye.


Zurück in die Gegenwart. Größter Einkauf des gestrigen Tages dürfte der erwartete Wechsel von WR Mike Wallace nach Miami sein. Die Details des Vertrags scheinen zu sein: 5 Jahre, 65 (!) Millionen Dollar, davon 30 Mio. guaranteed. Insgesamt 13 Mio./Jahr für einen jungen Wide Receiver mit deep threat-Eigenschaften, dem man aber nachsagte, vor allem über den Speed und nicht über die Technik zu kommen. Das war in der improvisationsreichen Offense der Pittsburgh Steelers ein wichtiges Asset. Allerdings ist die Philbinsche Dolphins-Offense unter QB Tannehill von der Anlage so ziemlich der komplette Gegenentwurf dazu.

Die Steelers haben nach Wallaces Abgang einen Altbekannten als Ersatz geholt: Plaxico Burress, den Mann, der einst bei den Steelers gemeinsam mit Hines Ward und Randle-El ein wunderbares Receiving-Corp für den Grünschnabel Ben Roethlisberger gebildet hatte.

Zwei Quarterback-Moves: Chase Daniel (gerade 26) wechselt wohl als Smith-Backup nach Kansas City. Daniel war am College vor 5-6 Jahren die treibende Kraft hinter dem sensationellen Championship-Ansturm der Mizzou Tigers (der letztendlich denkbar unglücklich scheiterte). Ich würde es gerne sehen, dass Daniel eine realistische Chance bekommt – immerhin durfte er nun jahrelang hinter Brees lernen.

Der andere Move ist die Entlassung von QB Ryan Fitzpatrick in Buffalo. So schnell geht’s: Die Bills stürmten Anfang der vorletzten Saison gestützt von einer turnover-hungrigen Defense und ein paar guten Spielen Fitzpatricks zu einem verheißungsvollen Saisonstart (5-2 Siege) und gaben Fitzpatrick einen teuren Sechsjahresvertrag (ohne viel guaranteed money). Die Bills brachen danach aber komplett ein. Die Entlassung deutet durchaus darauf hin, dass Buffalo einen Quarterback im Draft holen könnte (Bills halten Pick #8).

Nicht uninteressant sind ein paar Spielersituationen in Denver: Die Broncos feuerten allem Anschein nach Backup-QB Hanie und vor allem OLB D.J. Williams – zwei Moves, die ca. 7,5 Mio. Dollar sparen. Vor allem Williams sehe ich mit einem weinenden Auge gehen: Der Mann hatte eine zwei Pfund Probleme mit seinem Kräutergarten, aber auf dem Spielfeld mit einer Dynamik vor dem Herrn gesegnet. Ich glaube, ich habe in jeder Madden-Karriere früher oder später den Trade für D.J. Williams initiiert. Die Broncos stehen noch im Verdacht, auch einen sehr guten Passrusher, DE Dumervil, aus Vertragsgründen zu entlassen (Dumervil kostet ca. 8 Mio.).

Wohl schon entlassen ist CB Nnamdi Asomugha, der Mann, der vor zwei Jahren in den Tagen nach dem Ende des Lockouts sämtliche US-Medien an der Ostküste ins Sabbern brachte. Asomugha war über viele Jahre ein ganz spezieller Fall für die Scouts und Statistiken der NFL: Als Cornerback bei den Oakland Raiders fast immer auf der rechten Spielfeldseite platziert und pro Jahr im Schnitt keine 30x angespielt. Es war umstritten, ob diese Kuriosität Asomughas Deckungskünste oder dessen bodenlos schwachen Mitspielern auf der anderen Spielfeldseite zu verdanken war. Asomugha wollte nach Jahren der Pleiten, Pech und Pannen in Oakland verständlicherweise den großen Vertrag – und bekam ihn in Philadelphia. Zwei Jahre später ist Asomugha wieder auf der Straße.

Schließlich der Superbowl-Champ: Die Baltimore Ravens sehen in den Tagen nach dem Flacco-Deal einen Haufen Abgänge. Für den quasi-entlassenen WR Boldin konnte man im letzten Moment via Trade sogar noch einen Draftpick von den 49ers aufklauben. Heute gingen aber DE Kruger (nach Cleveland) und OLB Ellerbe (nach Miami). Weitere Jungs wie z.B. die Safety-Legende Ed Reed könnten folgen.

Vor dem Start der Free Agency 2013

Oder besser: Vor dem offiziellen Startschuss. Der erfolgt heute um 22h 21h MEZ. Dann nämlich laufen sämtliche Spielerverträge mit Enddatum 2013 in der NFL aus. Ein Batzen an Spielern wird dann auf dem Transfermarkt zu haben sein, und zwar als:

  • UFA/unrestricted free agent. Das sind die Spieler, die ohne irgendwelche Einschränkungen mit anderen Teams Verträge unterschreiben können. Die allermeisten Free Agents sind unrestricted.
  • RFA/restricted free agents. Das sind Spieler, die gewissen Auflagen unterliegen: Spieler, die nach drei Jahren nach dem Draft Free Agents werden, können gewisse „Tender“ (Offerten) übergestülpt bekommen und sind dann für andere Team nur via Kompensation (in Form von Draftpicks) erhältlich. Es passiert nur alle paar Jahre, dass wirklich spektakuläre Moves auf diesem Weg gemacht werden (z.B. vor ein paar Jahren Burleson oder Steve Hutchinson).
  • Franchise Player. Die Spieler, die die „kleine“ Franchise Tag übergestülpt bekommen haben, können von anderen Teams mit einer Offerte von ihrem aktuellen Team losgeeist werden; als Kompensation sind dafür allerdings zwei Erstrundenpicks (plus der nicht billige Vertrag) notwendig. Auch hier gilt: Das aktuelle Team kann das Abwerbungsangebot eventuell matchen, sprich: Mit einem eigenen Vorschlag den Spieler doch noch halten.

Dieses Jahr gibt es eine radikale Neuerung im Vergleich zu anderen Jahren: Die Teams dürfen bereits seit drei Tagen auch offen Kontakt mit Free Agents aus anderen Teams aufnehmen – in anderen Jahren war das ebenso verpönt wie diese Regel sowieso unterwandert wurde. Deswegen kann es sein, dass schon erste Verträge unterschrieben wurden, die noch nicht offiziell kommuniziert werden durften.

Ein NFL-Team bauen

Ich bin seit Jahren ein Anhänger davon, eine Mannschaft via Draft zu bauen und in der Free Agents höchstens punktuelle Verstärkung zu suchen. Der Grund: Die Free Agency ähnelt – wie ich schon schrieb – einem Versteigerungsverfahren. Das heißt konkret: Der gewünschte Spieler ist für die meistbietende Franchise häufig nur überteuert erhältlich – in einem System mit der „harten“ Salary Cap wie in der NFL, und sei sie durch viele Restrukturierungs-Optionen letztlich noch so soft, rächt sich eine Mega-Einkaufstour häufig nach wenigen Jahren.

Spätestens seit die Rookies seit zwei Jahren einem sehr restriktiven Gehaltssystem unterworfen sind, das die besten von auf Jahre unter Marktwert in die NFL zwängt, ist der Draft ein sehr viel billigeres Mittel beim Aufbau einer Franchise. Wie sich das System mit der Rookie-Wage Scale genau in den nächsten Jahren entwickeln wird, werden wir lernen, aber an der grundsätzlichen Idee ändert das nichts.

Also zusammenfassend: Baue dein Team über den Draft. Ergänze es via Free Agency. Das heißt nicht nur: Schau, dass du keine überteuerten Free Agents einkaufst, weil du dann schneller keinen Cap-Space mehr hast als dir lieb ist.

„Baue über den Draft“ heißt auch: Schau, dass du ohne eklatante kurzfristige Needs in den Draft gehst, denn dann kannst du dich dort auf long term und mid-term fokussieren und musst nicht auf Teufel komm raus die nächste anstehende Saison in den Mittelpunkt deiner Draft-Planungen stellen. Schließlich engt kurzfristiges Denken deine Optionen im Draft ein!

Free Agents aus der Hölle

Bill Barnwell schrieb vor zwei Jahren über die Free Agents, die die klugen Mannschaften meiden wie die Pest:

  • Der alte Running Back. Der Grund ist offensichtlich: Nicht nur, dass Running Backs aufgrund ihrer Popularität unter den Fans überhaupt überteuert spielen. Nein, die alten Backs, die auf den Markt kommen, sind häufig schon einigermaßen abgenutzt. Dem positiven Beispiel Michael Turners (2008 nach Atlanta) stehen praktisch ausschließlich Negativbeispiele gegenüber.
  • Der effiziente zweite/dritte WR aus der Top-Passoffense. Diese Spieler sind häufig Produkte ihrer Systeme, profitieren häufig von exzellenten Quarterbacks und einem erstklassigen #1-WR. Letztes Jahr waren Laurent Robinson oder Pierre Garcon gute Beispiele: Beide bekamen Megaverträge, die sie nicht werden mit Leistung rechtfertigen können.
  • Der explodierende Defensive End. Oft kriegen Ends, die auf der anderen Seite eines Superstars spielen, mehr Platz oder Raum. Diese nutzen sie dann in einem „Vertragsjahr“ (also kurz bevor sie Free Agents werden) für 11.5 Sacks und bekommen anderswo einen Multimillionenvertrag und tauchen ohne ihren dominanten Mitspieler gänzlich ab.

Ich würde noch den Offensivspieler mit der 13 TD-Saison anfügen: Spieler, die wenige Catches machten, aber dann plötzlich mal ein Jahr mit außerordentlich vielen TDs einbauen – der Touchdown ist eine sehr volatile Statistik und extrem dem Phänomen „Regression zur Mitte“ unterworfen. Es ist auch weniger der Fakt, dass diese Spieler „schlecht“ wären; sie tendieren lediglich dazu, überteuert zu sein.

Einen Überblick über die Free Agents von 2013 gibt es bei Spotrac: 2013 Free Agents.

Transfermarkt 2013, Tag -1: Als Percy Harvin vertauscht wurde

Morgen um 22h00 beginnt die Free Agency 2013. Dazu wird es noch einen eigenen Eintrag geben, aber weil dieses Jahr die „tampering“-Regel weniger rigide gehandhabt werden als in anderen Jahren, sickern vermehrt News von der Transfer-Front durch. Nicht nur, dass der Trade von Alex Smith nach Kansas City schon vor Wochen bekannt wurde: Heute gab es den ersten ganz großen Trade der Offseason, der schon der Move des Jahres sein könnte: WR Percy Harvin scheint von den Minnesota Vikings an die Seattle Seahawks verschifft worden zu sein. Der Gegenwert für Harvin wird in diesen Minuten von Joy Glazer/ESPN getwittert:

Percy Harvin ist nicht irgendwer. Am College war Harvin einer der ersten Playmaker, die ich verfolgen durfte: Als blau-weißer Irrwisch in der sensationellen Spread-Offense der Florida Gators war Harvin 2007 und 2008 neben Tebow die treibende Offensiv-Kraft und integraler Bestandteil eines BCS-Champions.

Abseits des Platzes galt Harvin nie als pflegeleicht, konnte aber unter den gewollt unachtsamen Augen vom Coach Urban Meyer machen, was er wollte. Harvin rauchte Gras, Harvin schwänzte Trainings, Harvin würgte seinen Positionscoach. Harvin wurde 2009 in der ersten Runde vom Disziplin-Nazi Brad Childress nach Minnesota gedraftet – accident waiting to happen.

Aber Überraschung, Überraschung: Harvin funktionierte, wurde Rookie des Jahres und galt alsbald als potentes „Triple Threat“ als Returner, Slot-WR und Läufer für Trickspielzüge wie end arounds. Die 2009er-Offense der Vikes mit Favre, Peterson, Rice und Harvin gehört zu den ästhetischsten, die ich gesehen habe.

Aber Harvin konnte nicht aus seiner Haut. Auf dem Spielfeld war der Mann stets genial und locker einer der 10-15 besten Offensivspieler in der NFL. Aber Harvin verpasste mit Kopfschmerzen haufenweise Spiele und erarbeitete sich seinen Spitznamen „Migraine“. Und Harvin geriet nach eineinhalb Jahren doch mit Childress in die Haare, wäre in einer Rauferei im Jahre 2010 fast handgreiflich gegen den eigenen Head Coach geworden.

Zuletzt war das Bild des Percy Harvin ein gespaltenes: Für seinen „professionellen“ Umgang mit den Medien wurde ihm eine Teamführer-Rolle zugestanden, aber die Berichte vom locker room cancer („Krebsgeschwür in der Umkleide“) rissen nie mehr ab.

Jetzt geht Harvin wohl nach Seattle, wo an der neuesten Sensations-Offense in der NFL gearbeitet wird: Der knuddelige QB Russell Wilson, der brachiale RB Lynch, wieder Rice und dazu noch ein Haufen mittelprächtiger Receiver. Die Seahawks bauen an ihrer Legende. Ob Harvin allerdings wegen seiner Verletzungshistorie weiterhin für die gehirnerschütterungsträchtige Aufgabe des Returners einsetzbar ist, wird sich zeigen. Und billig dürfte der Vertrag auch nicht werden.

Minnesota dagegen kriegt ein Jahr nach dem gefinkelten Draft-Trade mit den Browns wieder Draftpicks geschenkt – für einen Spieler, der in spätestens einem Jahr, in denen er den Vikes eh nur Kopfschmerzen (no pun intended) bereitet hätte, sowieso weg gewesen wäre. Das Passspiel der Vikes verliert durch den Trade aber seinen gefährlichsten Mann; ein Chris Ponder, der ein weiteres Jahr ohne gescheiten Wide Receiver spielen muss? No way. Minnesota wird minimum zwei Receiver hoch draften/einkaufen.

Der Vertrag, den Harvin in Minnesota Seattle unterschreiben wird, dürfte auch die Rahmenbedingungen für die Vertragsverhandlungen eines Victor Cruz in New York abstecken. Und ganz extrem weit weg sollte ein Mike Wallace, der sich aus Pittsburgh verabschiedet (Miami soll der Favorit sein), in dieser Kategorie auch nicht sein.

Zwei andere Ballfänger stehen vor einer ungewissen Zukunft: Boldin soll in Baltimore auf zwei Millionen Jahresgehalt verzichten, um bleiben zu dürfen. (edit: bzw. sieht es schwer nach einem Trade aus, vielleicht nach San Francisco/von Coach Harbaugh zu Coach Harbaugh) Und Gonzalez, der von Atlanta auf Knien gebeten wird zu bleiben, möchte nur für mehr Geld und weniger Trainingseinheiten in der Offseason noch ein letztes Jahr Football dranhängen. Es wird gemunkelt, dass Gonzalez nicht die von ihm erhofften Angebote als Studiopundit von den Networks bekam und daher aus reiner Langeweile weitermacht.

Der womöglich beste verfügbare Pass-Verteidiger, Chris Gamble (in Carolina gefeuert), scheint seine Karriere nach neun NFL-Jahren zu beenden. Ein anderer Cornerback ist nach seinem Rauswurf in Atlanta schon untergekommen: Dunta Robinson unterschreibt in Kansas City, wo eines der bizarrsten 2-14 Teams der letzten fünfzehn Jahre rasch an seiner Wiederauferstehung bastelt.

Morgen beginnt dann die offizielle Free Agency. Teams wie Dallas und Washington müssen noch Moves machen um unter die Salary Cap zu flutschen. Dallas feuerte heute Dan Connor. Washington schmiss den teuren CB DeAngelo Hall raus. Alles weitere zum Beginn der Transferperiode dann morgen.