Hoffnungsschimmer für die Minnesota Vikings 2019

Die Minnesota Vikings wurden in den vergangenen Monaten wegen der Wunsch-Philosophie ihres Headcoaches Mike Zimmer („Pound the Football!“) auf diesem Blog recht skeptisch betrachtet. Doch es gibt Grund für Hoffnung. Weiterlesen

Wie John Elway die Denver Broncos über Wasser hält

Gestern hatten wir die Carolina Panthers und ihren Weg über die letzten Jahre unter der Lupe. Lass uns heute die Denver Broncos anschauen, die Mannschaft, die erst vor zwei Jahren im Endspiel war und damals grandios an den Seattle Seahawks gescheitert ist. Weiterlesen

NFL-Recap, Week 1: San Diego Chargers – Houston Texans

Lass uns schnell die spektakulären Geschichten des Spiels abhaken: Die Houston Texans gewannen 31-28 nach einem wilden Spielverlauf inklusive zwischenzeitlichem Rückstand von drei Touchdowns gegen Ende des dritten Spielviertels. Es war nicht nur beim Blick auf das Stat-Sheet ein hochverdienter Sieg gegen eine allerdings lange Zeit gute Chargers-Mannschaft, aber es gibt eine versteckte Geschichte des Spiels, die mich einen Tick mehr beschäftigt. Dazu gleich. Erstmal: Kompliment an die Chargers, die eine zeitlang richtig ordentlich spielten. QB Rivers hatte ein grausames Schlussviertel, aber bis dahin war das gemessen an den letzten zwei Jahren eine richtig gute Vorstellung. San Diegos zeitweise klare Führung war aufgrund diverser „Breaks“ irreführend (extrem knapp gescheiterte Catches von WR Andre Johnson (1x knapp out of bounds, einmal wegen einer Zehenspitze ein 40yds-TD zurückgepfiffen) gescheiterte 4th Downs und Field Goals der Texans usw.), aber San Diego hielt relativ gut mit. Weiterlesen

Divisional Playoffs 2013 am Sonntag: New England Patriots – Houston Texans Preview

Wetter-Watch

Fuck.

Abschluss der Divisional Playoffs heute ab 22h30 LIVE nicht nur bei ESPN America und SPORT1+, sondern für Österreicher auch auf PULS4 mit Walter Reiterer/Michael Eschlböck bildet ein Re-Match aus den letzten Wochen der Regular Season, New England Patriots (12-4) vs. Houston Texans (13-4). In der Regular Season gab es ein Blowout, und nach Houstons Wackelsieg letzte Woche gegen Cincinnati geben viele den Texans hier nicht den Hauch einer Chance.

Klar ist: Sie gewannen letzte Woche nicht überzeugend. Klar ist auch: Sie waren trotz des knappen Endergebnisses haushoch überlegen und sich in erster Linie selbst im Weg. Und was ein Blowout in der Regular Season zu bedeuten hat, haben die Pats zuletzt vor zwei Jahren am eigenen Leibe erfahren.

Im Dezember…

…killten die Pats Houston, und der Türöffner dazu war der extrem schnelle Start: 21-0 nach drei Angriffsserien; zweimal ward Houston per Turnover gestoppt (ein wirklich schlimmer Schaub-Pass, ein Fumble). Game over. Houston antwortete schlecht: Man rannte bevorzugt dorthin, wo eine Houston-Offense nicht hinrennen sollte (mitten in die Defense Line hinein), man arbeitete gepflegt am zuverlässigen TE Daniels vorbei, man vergaß auf die Play-Action, die die DBs (allen voran CB Talib) verarscht. Kurzum: Es war ein Tag zum Vergessen. Aber draus einen Strick für heute oder gar ein Blowout zu drehen, scheint mir etwas übertrieben, und wir werden sehen warum. Weiterlesen

Wildcard Weekend 2013 am Samstag: Houston Texans – Cincinnati Bengals Preview

TV-Guideline

LIVE

Sa 22h30 ESPN America
Sa 22h30 SPORT1+

Tape

So  8h45 SPORT1+
So  8h30 ESPN America
Mi 11h   ESPN America

Heute Abend, 22h30 MEZ, startet wieder eines der alljährlichen Highlights, die NFL-Playoffserie 2013. NFL-Playoffs, das ist schon allein wegen des „best of one“ immer wieder was Besonderes, aber spätestens wenn man die vielen Unwägbarkeiten aufgrund der fast gleichstarken Mannschaften oder die Wetterkapriolen im eiskalten Green Bay mit reinmischt, haben wir eine der besten Zeiten im Sportjahr vor uns.

Los geht es aber in der wohltemperierten Halle („Reliant Stadium“) von Houston mit zwei langjährigen hässlichen Entleins der NFL: #3 Houston Texans  (12-4) vs #6 Cincinnati Bengals (10-6).

Die Texans spielen erst ihre elfte NFL-Saison (zweites Mal Playoffs), während die Bengals in den 80ern zweimal in der Superbowl standen, sich danach aber in die Niederungen der National Football League verkrochen und nur noch durch wahnsinnige QB-Busts für Aufsehen sorgten. So richtige Identifikationspunkte haben beide Franchises nicht aufbauen können. Entsprechend wenig Buzz kriegt diese Ansetzung dann auch in den Staaten. Dabei hätte sie durchaus ihre Reize. Weiterlesen

Glaskugel 2012: Houston Texans

Jahrelang waren die Houston Texans der Geheimfavorit schlechthin. Seit Gary Kubiak seit 2006 das Sagen hat, haben sie aber nie mehr als neun Spiele gewonnen und in aller Regelmäßigkeit die Playoffs verpaßt. Als nach der enttäuschenden 6-10-Bilanz 2010 fast schon niemand mehr an das “andere” texanische Team geglaubt hat, sprang ihnen der wohlgesonnene Weltgeist zur Seite.

Die unüberwindbare Hürde in der AFC South, die Indianapolis Colts, lag plötzlich am Boden, nachdem Peyton Manning für 2011 passen mußte. So zogen die Houston Texans aus ihrem lächerlichen Schedule zehn Siege und marschierten locker in die Playoffs. Dort schlug man die Rookie-Combo Dalton/Green aus Cincinnati bevor dann gegen die Ravens in der Divisional Round die Segel gestrichen werden mußten.

Einer der Gründe für das Aussscheiden war das verletzungsbedingte Fehlen von QB Matt Schaub. Ab Ende November hat sich Rookie T.J. Yates als Spielmacher versucht. Er hat gespielt wie ein Rookie, wie ein einigermaßen guter Rookie zwar, aber das reicht in der Regel nicht, um gegen die Ravens zu bestehen. Insgesamt gingen – inklusive Playoffs – vier der letzten fünf Spiele verloren.

Völlig überraschend kam dagegen die Verteidigung unter dem neuen Defensive Coordinator Wade Philipps – sie kennen ihn aus Filmen wie DC in New Orleans, DC in Philadelphia, DC in Denver, DC in Buffalo, DC in Atlanta, DC in San Diego oder DC in Dallas – um die Ecke. 2010 noch die Lachnummer der Liga, war die Texans-D 2011 plötzlich gefürchtet und beinahe ein richtiges Bollwerk.

Texans Defense

Am Ende der Saison stand nach Yards Platz vier und nach Punkten Platz zwei zu Buche. Wie hat er das gemacht, der Phillips?

Zuallererst mal hat er den Laden umgekrempelt auf eine 3-4-Defense. Und dann wurde auch personell kräftig nachgebessert. Für die Secondary kamen CB Jonathan Joseph aus Cincinnati, einer der besten jungen Cover Guys der Liga und Safety Danieal Manning aus Chicago, solide nur, aber immer noch besser als alles, was da vorher kopflos wilde Sau gespielt hat. In der Draft kamen in den Runden eins und zwei mit 34-DE J.J. Watt und Pass Rusher Brooks Reed zwei heiße Jungspunde, die gleich voll eingeschlagen sind.

Mit Shaun Cody hat Phillips auch einen dicken Veteranen vorgefunden, der die Position des one gap Nose Tackles fast so gut spielen kann wie Jay Ratliff, der das Profil für Phillips bei den Cowboys ausgefüllt hat. Den neben Watt zweiten DEs hat Antonio Smith ganz passabel gespielt. Weil Smith aber auch schon 31 Jahre alt wird, kam in der diesjährigen Draft der talentierte Cornhuser Jared Crick dazu, um (noch) mehr frisches Blut in die Front-Seven zu bringen.

Denn sehr jung sind auch Connor Barwin, Brian Cushing und Brooks Reed (alle 25). Cushing gibt den Mike Backer, während Reed und Barwin zwei aufstrebende Pass Rusher sind. Um noch mehr junges Blunt zu injizieren und weil man auch nie genügend Pass Rusher haben kann, wurde der diesjährige 1st-rd pick für Illinois´ Quarterbackschreck Whitney Mercilus genutzt. Der Abgang von Mario Williams ist nicht mehr als eine Fußnote. Eine bessere Jung&Stark-Kombi in der Front-Seven wird man ligaweit kaum finden.

Die Secondary um Joseph und Manning ist nicht so stark, wie die Zahlen es vermuten lassen. Die anderen CBs sind der 24-jährige Kareem Jackson, der oftmals nur fragend um sich schaut und ein Haufen Typen, die man kaum kennt. Brandon Harris und Roc Carmichael, 3rd- bzw. 4th-rd picks 2011 stehen noch im Kader sowie Brice McCain oder Alan Ball. Alle nicht sehr vertrauenswürdig. Ebenso wie die Safety-Position: Manning ist ganz okay, Glover Quinn ist weniger okay. Und falls sich einer der beiden verletzten sollte, stehen dahinter nur Quintin Demps und Troy Nolan, die beide, obwohl noch sehr jung, von den Eagles gecuttet bzw. von den Texans gebencht wurden. Immer ein schlechtes Zeichen für so junge Leute.

Man darf auch nicht vergessen, daß Houston 2011 hauptsächlich gegen Kaliber wie Kerry Collins, Chad Henne, Jason Campbell, Dan Orlovsky und zwei Mal Blaine Gabbert verteidigen durfte. Als dann mal ein Drew Brees vorbeigeschaut hat, wurden ihm gleich 350 Yards auf den Spielberichtsbogen geschrieben, einem Joe Flacco auch 300.

Texans Offense

Die Offense ist gebaut um das Zone Blocking im Laufspiel, das Kubiak vom legendären Alex Gibbs übernommen hat. Die Texans sind tatsächlich eines der letzten Teams, die ihre Offense um das Laufspiel herum aufbauen. In der letzten Saison hatten die Texaner die meisten Läufe für die zweitmeisten Yards und die drittmeisten Touchdowns zu Fuß.

Arbeitstier Arian Foster, ehemals ungedrafteter Philosophiestudent, hat in dieser Offseason dann endlich seinen großen Vertrag bekommen (5Jahre, $21M garantiert), man fragt sich nur, warum von den Texans? In diesem ausgefeilten zone blocking system können viele RBs gut aussehen, dafür kann man auch einfach einen von der Straße nehmen. Das hat Kubiak ja selbst mit Typen à la Olandis Gary, Mike Anderson oder eben Foster bewiesen. Zumal mit Ben Tate  auch noch jemand im Kader ist, der mit 5,4 yards einen ganzen Meter pro Lauf mehr macht als Foster.

Schedule

Wk1 v MIA
Wk2 @ JAX
Wk3 @ DEN
Wk4 v TEN
Wk5 @ NYJ (MNF)
Wk6 v GB (SNF)
Wk7 v BAL
Wk8 BYE
Wk9 v BUF
Wk10 @ CHI (SNF)
Wk11 v JAX
Wk12 @ DET (TNF)
Wk13 @ TEN
Wk14 @ NE (MNF)
Wk15 v IND
Wk16 v MIN
Wk17 @ IND

Vielleicht hat Kubiak wegen seiner Offensive Line kalte Füße bekommen. Von der sind nur noch 3/5 übrig. Eric Winston, der sich hinter keinem Right Tackle der Liga verstecken muß, verdient seine (größeren) Brötchen jetzt in Kansas City. Mike Brisiel war mit seinen flinken Füßen unter dem großen Oberbau ideal für das zone blocking, er tänzelt nun in Oakland. Den letzteren wird Antoine Caldwell ersetzten, der seine Sache in den letzten drei Jahren angeblich ganz gut gemacht hat, wenn er mal auf dem Platz stand. Den ersteren sollte eigentlich Veteran Rashard Butler ersetzen, nach der Preaseason ist man sich da aber nicht mehr ganz sicher und hat eine offene competition zwischen Butler und dem 24-jährigen Derek Newton von Arkansas State um den Startplatz.

Die anderen 3/5 sind die allseits geschätzten Center Chris Myers, einer der besten seines Faches, links daneben spielt Wade Smith solide wie eh und je und ganz links steht Duane Brown, der ruhigen Gewissens von sich behaupten kann, einer der drei besten  Left Tackles der AFC zu sein. Das große Fragezeichen ist hier natürlich, wie gut die rechte Seite der Linie sein wird. Eine Frage ist die nach der individuellen Klasse von Caldwell/Butler/Newton, eine andere das Zusammenspielen als Einheit, was bei diesem zone blocking scheme ungemein wichtig ist und was einige Zeit braucht, um sich zu entwickeln.

Mit der Top-Defense und dem starken Laufspiel im Rücken spielt das passing game nur die zweite Geige. QB Matt Schaub ist auf fast schon spektakuläre Weise unspektakulär und langweilig, produziert trotzdem ganz gute Zahlen und weiß, was er macht. korsakoff schrub mal, Schaub ist sowas ein Kyle Orton für Reiche – das trifft es genau.

Nun ist aber Schaubs Spielzeugkiste leider nur sehr spartanisch ausgestattet. Andre Johnson könnte immer noch einer der besten WR der Liga sein, hat aber in einer erschreckenden Regelmäßigkeit mit muskulären Problemen zu kämpfen. In den letzten beiden Saisons hat er von 34 Spielen nur 20 mitgemacht. Ob das jetzt mit 31 Jahren nochmal besser wird? Nr. 2 WR Kevin Walter ist so trocken wie eine Scheibe Brot, fängt aber jedes Jahr seine 40 bis 50 Bälle. Der junge Jacoby Jones, der mit 16,5 Yards/Catch wenigstens noch ein bißchen Feuer ins Paßspiel gebracht hat, wenn Johnson mal nicht konnte, ist abgewandert und soll jetzt ersetzt werden von: keine Ahnung. Da stehen ein paar Rookies im Kader wie die diesjährigen 3rd- und 4th-rd picks DeVier Posey und Keshawn Martin, aber kein guter erfahrener Mann. Die kleine Ente Jeff Maehl trainiert auch noch mit, aber mehr als ein vierter Receiver wird er wohl nie.

Zweitwichtigste Waffe für Schaub sollte wieder TE Owen Daniels sein. Daniels ist nicht auf dem Niveau der TE-Rockstars der Saints oder Patriots, aber seine 50 Yards pro Spiel gibt er Schaub immer, wenn der mal sonst nicht weiß, wohin. Abgewandert ist TE/FB/H-Back Joel Dreessen (nun in Denver), der in der Offense ein sehr beliebtes Puzzlestück war, weil man mit ihm einfach alles machen konnte. Mit 6 TDs war er auch der mit Abstand erfolgreichste Scorer durch die Luft.

Ausblick Houston Texans

Houston ist für 2012 schlechter aufgestellt als für 2011. Im Angriff wird die OLine umgebaut; fehlen Jones und Dreessen, die der Offense wenigstens einige unberechenbare Momente gegeben haben; hängt sehr viel am Fitneßzustand von Andre Johnson. Es hat auch nicht eine personelle Verstärkung gegeben, kein einziger namhafter Neuzugang. Trotzdem sollte dieser Angriff zumindest gut sein und auch mal ein Spiel gewinnen können, wenn die Defense einen schlechten Tag hat.

Die Verteidigung ist viel besser aufgestellt, hat aber auch so ihre Fragezichen. Die Secondary bräuchte neben CB Joseph noch einen weiteren Playmaker. Dann muß man sehen, ob die vielen jungen Typen wirklich so gut sind, oder ob sie nur von den schwachen Gegnern profitiert haben. 2012 kommen Peyton Manning, Rodgers, Cutler, Stafford und Brady zum Härtetest, außerdem wurden Orlovsky von Andrew Luck ersetzt. Das wird eine ganz andere Hausnummer.

Nichtsdestotrotz sind die Texans der Favorit auf die AFC-South-Krone. Aber danach traue ich ihnen nicht mehr viel zu. Irgendwie fehlt in der Defense der eine große difference maker und man darf niemals vergessen: Gary Kubiak ist immer noch der Head Coach. Der hat schon ganz andere Sachen vergeigt. Playoffs müssen drin sein, daneben sehe ich nur ganz kleine Außenseiterchancen auf die Lombardi Trophy.

Houston Texans in der Sezierstunde

Die Sezierstunden 2012 möchten den Schwall an Footballmannschaften nicht bis in die Pipette analysieren, sondern kurz und knackig Stand der Dinge und die Schlüsselprobleme aufdecken, mit denen sich die einzelnen Teams nach einer interessanten Saison 2011/12 beschäftigen müssen. Dass wir am Ende nicht mit Obduktionsbericht nach Hause gehen, dafür bürgt schon die erste betrachtete Mannschaft, die Houston Texans, Lieblinge von Microsoft Excel und allen Freunden der Frage, was wäre gewesen, wenn?

Nach Jahren mit starker Offense, schlechter Defense und Game-Management zum Fremdschämen rief HeadCoach Gary Kubiak heuer nur einmal gegen Oakland die Geister der Vergangenheit, als eine bizarre Partie per in die EndZone „geschaubeltem“ Pass noch verloren wurde. Abseits davon war die Klopapierrolle (zum Abwischen von Speichel) ständiger Begleiter von Texans-Spielen.

So fassungslos war der kometenhafte Aufstieg der Defense, die nach einem Komplettkollaps 2010/11 schon im ersten Jahr der heiklen Umstellung auf 3-4 unter dem neuen DefCoord Wade Phillips einen großartigen Aufschwung erlebte:

Kategorie          2010   2011
Y/P                8.2    6.2
Completion Rate    64%    51.9%

Diese Zahlen lassen sich auch mit eher lauwarmem Pass-Schedule nicht kleinreden, vor allem mit dem Hintergrund der Umstellungsprobleme auf diese Art von Defense andernorts. Die sehr straighte Philosophie beeindruckte vor allem, weil nichts überaus Kompliziertes aufgeboten, dafür humorlos mit der physischen Gewalt vieler ehemals hoher Draftpicks dominiert wurde. Der Blick auf das Alter der einzelnen Starter verrät sogar noch Entwicklungspotenzial.

DE   Watt         22
NT   Cody         28
DE   Smith        30
OLB  Williams     26
ILB  Cushing      24
ILB  Ryans        27
OLB  Barwin       25
CB   Jackson      23
CB   Joseph       27
S    Manning      29
S    Quin         25

Eine wichtige Stellschraube wird der auslaufende Vertrag von DE/OLB Mario Williams sein, der in den wenigen Wochen bis zu seiner schweren Verletzung brillante Ansätze in seiner neuen Rolle zeigte. Williams ist im besten Alter und würde bei Abgang als herber sportlicher Verlust empfunden werden, obwohl die Nachrücker sehr gelobt wurden.

Nachbesserung bedarf es abseits davon vermutlich nur auf der als kritisch empfundenen Position des Nose Tackles, wo der nicht massiv genug gebaute Shaun Cody als größte Schwachstelle ausgemacht wird, sowie im Defensive Backfield, wo man dem jungen Safety Glover Quin nicht voll zu vertrauen scheint. Trotz Quins Flauseln kann man der Secondary großes Potenzial nachsagen: Der im vergangenen Sommer eingekaufte CB Jonathan Joseph gilt als hochklassig, dazu gesellen sich um CB Kareem Jackson und Konsorten eine Reihe an jungen Deckungsspielern, die sich zuletzt prächtig entwickelten und den Routinier Allen entbehrlich machen könnten. Gepaart mit einer druckvollen Front Seven eine wohl gut aufgestellte Unit.

Dabei war das Prunkstück der Texans seit Jahren der andere Mannschaftsteil, wo rund um die Combo QB Matt Schaub/WR Andre Johnson die Eier bis zum Gebrechen durch die Lüfte flogen. Seit zwei Jahren ist die Spielweise etwas balancierter, was vornehmlich an der gewachsenen Offensive Line und den beiden famosen Running Backs Arian Foster und Ben Tate liegt.

Foster ist ein restricted free agent (RFA), wird also mit einem billigen Preisschildchen eher einfach für ein weiteres Jahr zu halten sein. Weil der Texans-Kader aber kein Aldi-Gefühl aufkommen lassen will, muss man sich schon fragen, wie lange man sich Foster darüber hinaus leisten wird können. Stark empfohlen sei den Texans auch, C Chris Myers, den Ankermann der Line, einen neuen Vertrag zu geben.

So sind die beiden größten Fragezeichen in dieser Offseason jene beiden Komponenten, die jahrelang den Kern der Texans bildeten: Quarterback und Wide Receiver. Schaub ist einer der meist-übersehenen Spielmacher, weil er a) für einen jahrelangen Verlierer spielte und b) ästhetisch nicht das feinste tiefe Spiel aufziehen kann, aber der Mann muss zu meinen Favoriten gehören, weil ungemein effizient und imstande, mit limitierter Ressource Großes zu veranstalten. Bleibt jedoch die Frage, wie gut die komplizierte Fußverletzung verheilen wird.

Die Backups sind indes nicht wirklich allererste Sahne: QB Leinart ist mit seinen langsamen Bogenlampen keine Alternative, QB Yates trotz furchtloser Spielweise und besseren Anlagen als Grünschnabel ein potenzielles Risiko.

Nehmen wir an, dass die Texans weiter an Schaub glauben, so sind mit hoher Wahrscheinlichkeit die Wide Receiver im Fokus dieser Offseason. Abseits des phänomenalen, aber alternden Johnson und Walter könnte Blutauffrischung zum Imperativ werden, gerade auch mit dem Blick auf die mittelfristige Zukunft.

Von Wichtigkeit könnte darüber hinaus nach Blick auf die Spezialisten auch sein, den selbst für Punter-Verhältnisse steinalten Turk (43 Jahre) zu ersetzen, wie auch K Rackers Free Agent ist.

Die Texans sind erschreckend gut aufgestellt. Jahrelang hat man diese Mannschaft Kubiak-bedingt nicht für voll nehmen können; in der abgelaufenen Saison waren sie trotz mehrerer Schlüsselverletzungen allerdings sehr nahe an der Superbowl dran. Sofern die Offseason nicht mit irgendwelchen Selbstbeweihräucherungen verdaddelt wird, dürfte diese Franchise für die nächsten ein bis zwei Jahre ein brandheißer Titelkandidat werden, bevor das Phänomen „Salary Cap“ mit Eiseskälte zuschlägt.

Wild Card Weekend 2011/12 am Samstag

Playoff-Zeit in der NFL! Alle Jahre wieder eines der Highlights des Sportjahres, und heuer im Vergleich zu anderen Jahren sogar mit einer sich ordentlich anhörenden Aufwärmrunde im Wildcard-Wochenende. Heute Nacht finden die ersten beiden Spiele statt, und eines ist ein echter Leckerbissen von einem Matchup.

Houston Texans – Cincinnati Bengals

Sa, 22h30 LIVE bei ESPN America
Aufzeichnung: So, 8.1. um 9h30 bei ESPN America

Ganz großes Underdog-Duell mit einigen interessanten Facetten im wunderschönen Reliant Stadium: Die Playoffdebütanten Houston Texans und die schnell wieder aus der Versenkung emporgestiegenen Cincinnati Bengals spielen heute Abend einen unerwarteten Playoff-Viertelfinalisten unter sich aus.

Die Houston Texans sind seit Jahren ein schlafender Gigant, eigentlich seit Gary Kubiak dort vor fünf Jahren als HeadCoach installiert wurde. Kubiak gilt als exzellenter Talentevaluator und Offensivgeist, jedoch auch als abgrundtief unzuverlässiger Michel in der Crunch Time, weswegen Houston immer wieder vielversprechende Spiele und Spielzeiten verschenkte. Nicht so heuer. Trotz großem Lazarett (QBs Schaub und Leinart, OLB Williams auf der IR, RB Foster und WR Johnson lange ausgefallen) und mit einer nach Systemumstellung unter dem neuen DefCoord Wade Phillips schlagartig verbesserten Defense sprang der Seed #3 heraus.

Die Cincinnati Bengals erleben in den neun Jahren unter HeadCoach Marv Lewis ein Auf und Ab, waren letzten Winter mal wieder ganz unten angekommen. Lewis durfte damals völlig überraschend bleiben, rückte mit der Mistgabel an, draftete sich zwei Monate später mit QB Andy Dalton und WR A.J. Green einen neuen Offensivkern und schnappte sich die letzte AFC-Wildcard, die weder Titans, noch Raiders, noch Jets haben wollten.

Beiden Teams wird blankes Mittelmaß nachgesagt. Den Bengals wird fein säuberlich unter der Nase zerrieben, dass alle ihre sieben Spiele gegen Playoffgegner verloren gingen und nur der Sieg über die Titans (9-7) als so was Ähnliches wie ein „Qualitätssieg“ einzustufen ist. Damit haben die Bengals nur einen Sieg über eine Mannschaft mit positiver Saisonbilanz und ergo auch nur einen solchen Sieg mehr als die New England Patriots. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Bengals nur einen „Blowout“ kassierten (7-35 vs Pittsburgh) und alle anderen Spiele mit maximal einem Score Differenz verloren gingen (5-6 in engen Spielen). Dem gegenüber steht ein suspekter Spielplan der Texans: Zwei respektable Siege über Pittsburgh (Wk 4) und Atlanta (Wk 13), aber nach weiteren Big Points sucht man vergeblich und zuletzt sagte man den Texans nach, nur noch lustlos die letzten heilen Knochen über die Regular Season gerettet haben zu wollen.

Dabei hatte Houston mal einen phänomenalen Angriff, bis ein Quarterback nach dem anderen auf die IR wanderte, weswegen die Offense immer mehr zur Show der beiden Running Backs Arian Foster/Ben Tate mutierte, die hinter einer der besten Offensive Lines in der NFL ganz in der Tradition von Kubiaks laufstarken Maschinen zu Broncos-Zeiten stehen. Foster/Tate gegen Cincinnatis hochgelobte Front Seven – ein Matchup aus der obersten Schublade.

Freilich wird es nicht ganz ohne Werfen gehen. QB T.J. Yates ist ein Grünschnabel, dem man eine gehörige Portion Selbstvertrauen, aber auch ein allzu lockeres Abzugshändchen nachsagt. Es deutet alles darauf hin, dass Yates auch heute Abend trotz Schulterproblemen zumindest zu Beginn den Vorzug gegenüber dem neu geholten Jungstar©Walter Reiterer Jake Delhomme erhalten wird. Delhomme hätte reichlich Playofferfahrung aus seinen Tagen in Carolina, gehört aber wie Yates nicht zu den sichersten Kandidaten unter Passrush-Bedrohung. Nicht zu vergessen: Der Mann, um den die Texans-Offenses der letzten fünf Jahre gebaut waren, ist wieder mit von der Partie: WR Andre Johnson, der 1,91m-Mann, der nicht 100%ig fit sein wird, aber zumindest als Ablenkungsmanöver fungieren kann.

Auf der anderen Seite ist auch Cincinnatis Angriff limitiert: Das Laufspiel um RB Cedric Benson ist nicht explosiv (nur 3.9yds/Carry), und so achtbar Dalton seinen Job erledigt: Mehr als 20-23 Punkte serviert Cincinnati nur selten:

27-22-8-23-30-27-34-24-17-24-31-23-7-19-20-23-16

Auf der anderen Seite sind die negativen Ausreißer nur knackigen Gegnern wie San Francisco (8) oder Pittsburgh (7) verschuldet. Dalton ist wie Yates ein Rookie-Quarterback und dürfte trotz des immer noch eher simpel gestrickten GamePlans bereits die zweite Stufe der QB-Hierarchie erklommen haben. Mit Rookie-WR Green (65 Catches, 1047yds, 7 TD) hat Dalton ein spektakuläres deep threat zur Seite, dessen Privatduell mit dem ex-Bengals CB Jonathan Joseph von mitentscheidender Bedeutung sein wird. Wird Green seinem Status als „Bedrohung“ gerecht, werden unweigerlich Räume für Cincinnatis restliche Flotte um TE Gresham frei.

Mit einer Defense, die analog zur Offense außerordentliche Konstanz an den Tag legt, dürfte es dann nichtmal ein Punktefeuerwerk benötigen.

17-24-13-20-20-17-12-17-24-31-20-35-20-13-16-24

Das sind die kassierten Punktzahlen der Bengals pro Partie. Die Defensive Front Seven der Bengals gilt als exzellent, erzwingt nicht viele Turnovers, aber legt sich wie Mehltau über die Offenses und macht die Schotten dicht genug, um eine Offense mit mäßiger Oktanzahl bei rund 17 Punkten zu halten.

Eine Prognose für dieses Spiel abgeben zu müssen fühlt sich wie ein Besuch beim Doktor an: Mal sehen, wie es dem Patienten geht. Houstons letzter Sieg datiert vom 14. Dezember 2011 – als ausgerechnet in Cincinnati die Playoff-Qualifikation eingetütet wurde – in einem Spiel, in dem man unisono den Texans aberwitzig viel „Glück“ nachsagte. Cincinnati würgte sich seinerseits nur auf den Felgen in die Playoffs. Beide wurden damit belohnt, nun auf einen Gegner auf Augenhöhe zu treffen – remember? Gutklassige Gegner sind gegen beide in Gefahr, hochklassige werden in Ruhe gelassen.

Knapper Heimsieg der Texans, die sich vom Kubiak-Trauma lösen und mit wehenden Fahnen in Baltimore untergehen werden.

New Orleans Saints – Detroit Lions

Sa/So, 02h LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung: So, 8.1. um 12h bei ESPN America und um 12h25 bei SPORT1+

Ich machte nie einen Hehl daraus, Fan der Detroit Lions zu sein – heute Abend wird diese Mannschaft zum ersten Mal seit ich Football verfolge ein Playoffspiel bestreiten. Der Gegner ist mit den New Orleans Saints ein Traumlos: Wenig „Downside“, viel „Upside“ in einer Partie, in der die Lions im Prinzip nur gewinnen können. Und ein Sieg würde im Gegensatz zu einem Erfolg über sagen wir die New York Giants auch sofort Aufsehen stiften.

Ich habe bei Spox bereits eine ausführliche, weniger analytisch veranlagte Vorschau gegeben, auf die ich hier verweisen möchte. In diesem Eintrag stellte ich die Behauptung auf, die Lions seien an einem guten Tag ein Äquivalent von „Saints für Arme“. Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Mannschaften sind in der Tat frappierend.

Beide Offenses setzen in Ermangelung eines vertrauenswürdigen Laufspiels auf passgewaltige Quarterbacks hinter einer ordentlichen, aber nicht dominanten Offensive Line und müssen daher mit möglichst vielen Anspielstationen in der Formation versuchen, die Defense auseinanderzuziehen. Das sieht dann auf der Tafel so aus: Saints-QB Drew Brees stellte mit 5476yds einen neuen Passrekord auf, während Lions-QB Matthew Stafford eine Woche später nachzog und als vierter Quarterback der NFL-Geschichte die 5000er-Marke knackte: 5038 Pass-Yards für Stafford. Beide Quarterbacks mit mehr als 40 geworfenen Touchdowns (Brees 46, Stafford 41), beide mit in etwa gleich vielen Interceptions (Brees 14, Stafford 16). Beide mit frappierend gleich vielen Passversuchen (Brees 657, Stafford 663), allerdings ist Brees mit seiner unglaublichen Completions-Rate von 71.2% eine Ecke über den nicht immer konzentrierten Stafford (63.5%) zu stellen.

Auch die Ballfänger schenken sich nicht viel. Die Yard-Zahlen der besten Receivers, Running Backs und Tight Ends:

Saints: 1310-1143-710-627-620-503-425
Lions:  1681- 777-757-607-347-287-230

Beide Offenses vertrauen mächtig auf einen Tight End (NO Graham 1310yds, DET Pettigrew 777yds), allerdings ist Detroit Angriff eine Spur mehr „top-heavy“ besetzt, hängt völlig überraschend recht stark am Tropf von WR Calvin Johnson, der nach Flaute zur Saisonmitte in den letzten Wochen wieder zu absoluter Hochform auflief.

Beide setzen auf Laufspiel nur als Ablenkungsmanöver. New Orleans bringt 4.9yds/Carry zustande, während Detroit nur 4.3yds/Carry macht. Beide Offenses sind fast gleich effektiv: New Orleans bewegt das Ei 6.8yds/Spielzug, Detroit 6.2yds/Spielzug. Die Lions sind minimal effizienter, brauchen nur 13.4yds Offense, um einen Punkt zu erspielen, während die Saints 13.7yds zurücklegen müssen (#5 und #6 der Effizienzliste). Man sieht: Die Teams sind eng beisammen, prinzipiell ähnlich gebaut, aber in jeder statistischen Kategorie sind die Saints noch einen Tick besser, reifer als die Detroit Lions.

Enger liegen die Defenses beieinander, wobei die Lions dem Gegner deutlich mehr Turnovers (#4) abjagen, während die Saints aufgrund sehr guter Feldposition (#5) zwar mehr Yards (#25/Drive) kassieren, aber den Gegner tendenziell bei eher wenigen Punkten halten. Wobei die Saints-Defense bei mir aus Prinzip im Verdacht steht, zu abhängig von den aggressiven Blitzformationen von DefCoord Gregg Williams zu sein – und Williams ist dafür bekannt, in den Playoffs noch einen Tick rücksichtsloser zu Werk zu gehen. Das kann gut gehen, aber wenn der Pass Rush mal nicht zündet…

Trotzdem sind die formstarken Saints für mich klar favorisiert, zumal zu Hause. Die völlig unerfahrenen, noch immer sehr jungen Lions dürften mit Hormonschwankungen im lautesten NFL-Dome zu kämpfen haben und riskieren, als Langsamstarter gegen Brees’ Passfeuerwerk schnell hoch in Rückstand zu geraten. Lions-Comebacks sind schön und gut, aber bis dato zeichnete sich ein weiterer Trend ab: Detroit besiegt Gegner bis hinauf in die obere NFL-Mittelklasse, aber gegen die wirklichen Top-Teams wurde heuer samt und sonders verloren, wenn auch knapp:

-3  vs San Francisco
-7  vs Atlanta
-24  @ Chicago (mit Cutler/Forté)
-12 vs Green Bay
-14  @ New Orleans
-4   @ Green Bay

Statistiken eines gigantischen Sleepers für die kommenden Jahre, und auch die SNF-Niederlage bei den Saints vor einigen Wochen war unter unglücklichen Umständen zustande gekommen knapper als gedacht, als die Lions nach schnellem hohem Rückstand irgendwann sogar die Chance zum Ausgleichen hatten. Die Mannschaft ist von HeadCoach Jim Schwartz so gebaut, dass sie bereits jetzt gegen einen grundsoliden Gegner in den Playoffs Rabatz machen könnte. Aber sie ist vermutlich noch nicht weit genug und noch 1-2 Bausteine davon entfernt, einen Giganten wie Sean Paytons Saints in dessen Superdome auszuschalten.

14pts-Sieg für die Saints.

Mit den Houston Texans in den Sonnenaufgang

Mehr als die Hälfte der Franchise-Geschichte der Houston Texans besteht aus enttäuschten Hoffnungen auf den Durchbruch. 2010/11 war die krasseste Form davon, als man mit der mit Abstand besten Mannschaft der AFC South auf den letzten Platz abschmierte. Folge: Coach Gary Kubiak durfte bleiben. D’oh!

Ich krächze normalerweise niemals nach Trainerköpfen, aber es fällt schwer, noch einen Funken Vertrauen in das Coaching – vor allem das Coaching während des Spiels – von Gary Kubiak und seinen Konsorten zu hegen. Schon früher fand ich das Playcalling nicht optimal, 2010/11 war das einige Male aber so stupide, dass ich die Entlassung schon in der Datenbank angekreuzt hatte.

In der jüngsten Offseason haben die Texans genau die richtigen Moves gemacht, um sich zu verbessern. Allein: Es coacht immer noch Gary Kubiak, und ich tue mir damit richtig – RICHTIG – schwer.

Die Offense

Jahrelang bestand Houstons Angriff aus zwei Komponenten: QB Matt Schaub. Und WR Andre Johnson. Im vergangenen Herbst aber geigte Houston mächtig mit Laufspiel auf. RB Arian Foster wurde sogar NFL-Laufkönig mit 1616yds und 4.9yds/Lauf auf und sorgte für eine ausbalancierte Offense.

Basis dafür war eine Offensive Line, die aus dem Nichts kommend plötzlich zu den besten der Liga gezählt wird, sei es nur Pass Protection oder Lauf-Blocken. Als Hauptgrund hierfür werden intelligente Zone-Blockschemata genannt, während man sich aber auch nicht scheut, QB Schaub und vor allem RB Foster ihren Anteil zuzugestehen.

Foster ist mit 66 Catches ein double threat und bei mir vor allem deswegen geschätzt, weil er mit einer gewissen Wucht daherkommt und trotzdem gerne mal einen Linebacker aussteigen lässt. Mit FB Vontae Leach ist in der Free Agency allerdings der Haupt-Blocker abhanden gekommen. Und schon zu Kubiaks Zeiten in Denver waren Running Backs dafür bekannt, nach kometenhaftem Aufstieg plötzlich wieder in der Versenkung zu verschwinden. Foster gilt als zu gut, um diesen Trend fortzusetzen.

Sollte dem nicht so sein, wird man in Houston immer und immer wieder auf die Combo Schaub/Johnson zurückkommen können. Schaub ist ein etwas eigenartiger Quarterback, scheint trotz konstanter 4000yds-Saisons nicht den bedingungslosen Rückhalt in Houston zu genießen und mehr als notwendiges Übel hingenommen zu werden. Ein Orton für Reiche sozusagen, aber vom Hocker reißt der phlegmatische Charakter Schaub irgendwie niemanden.

Das mag auch daran liegen, dass der Mann zwar wenige Fehler, aber auch nicht das ganz große Spektakel liefert. Obwohl WR Andre Johnson potenziell ein deep threat wäre, können die Texans keine vertikale Offense spielen, weil Schaub ein zu schwacher Arm nachgesagt wird. Effizient genug für durchschnittlich 25 Punkte/Spiel aber allemal sein.

Die Defense

Houstons komplette Offseason hat sich auf die Verbesserung der unterirdischen Defense konzentriert. Schritt #1 war die Einstellung von DefCoord Wade Phillips, der auch gleich damit begann, eine komplizierte 3-4 Defense zu installieren, ignorierend, dass Houstons Personal dafür überhaupt nicht geeignet war.

So muss der großartige DE Mario Williams nun auf einmal zum Outside Linebacker umgeschult werden, ein Move, der nicht allen gefällt. Dafür wurde mit DE J.J. Watt im Draft die langweiligst mögliche Entscheidung getroffen, was weniger ein Urteil über den sportlichen Wert ist, denn über den Wow-Faktor eines Defense Liners in einer 3-4 Defense.

Die neu geformte Line soll dem gefährlichen Linebacker-Quartett den Rücken frei halten: Dort spielen neben Williams auch Leute wie ILB DeMeco Ryans und OLB Brian Cushing, Leute, die bereits Rookie des Jahres waren und in gesundem Zustand zu den besseren ihres Fachs gehören. Allerdings wird der Kader schnell dünn, wenn sich einer von ihnen verletzt.

Die zwei spektakulärsten Neuzugänge in der Secondary sind S Danieal Manning und CB Jonathan Joseph, die beide für teures Geld gekommen sind und das schlechteste Defensive Backfield der NFL aufmotzen sollen. Die Starter aus dem letzten Jahr, inklusive des Top-Picks Kareem Jackson, gelten als völlig verunsichert, welch Wunder nach 4499 aufgegebenen Yards im letzten Jahr (12.7yds/Catch, 33 Touchdowns, sensationelle 66.3% completion rate für die gegnerischen Quarterbacks).

Viele Moves und vor allem viele gute Moves in der Defense, aber eine Umstellung auf 3-4 gilt generell als problematisch. Gut ist, dass es schlechter kaum werden kann.

Ausblick

Es wurden haargenau die richtigen Moves gemacht. Spielermaterial in der Offense und der neue Defensive Coordinator Wade Phillips ließen mich auf die Houston Texans als Champion der AFC South tippen und sogar noch weiter gehen: Diese Mannschaft ist im Prinzip titelfähig. Auch wenn der Schedule wie schon im vergangenen Herbst ziemlich böse ist:

Wk #1 vs Colts
Wk #2 @Colphins
Wk #3 @Saints
Wk #4 vs Steelers
Wk #5 vs Raiders
Wk #6 @Ravens
Wk #7 @Titans
Wk #8 vs Jaguars
Wk #9 vs Browns
Wk #10 @Buccaneers
Wk #11 BYE
Wk #12 @Jaguars
Wk #13 vs Falcons
Wk #14 @Bengals
Wk #15 vs Panthers
Wk #16 @Colts (Donnerstagnacht)
Wk #17 vs Titans

Gespannt darf man vor allem darauf sein, wie Kubiak diesen permanenten Durchbruch-Kandidaten wieder um die Playoffs bringen möchte. Aber irgendwie erinnert mich das ganze ein bissl an die Saints, die auch stets eine gute Offense hatten und denen vor zwei Jahren eine halbwegs brauchbare Saison mit ihrer Defense glückte…

Das Zeiteisen verrät: 933 Minuten verbleiben. WordCount nach drei Teams: 2831.

Houston Texans in der Sezierstunde

Die nächste krass enttäuschende Mannschaft. Was hatte ich erwartet?     

Die Offense wird auch unter OffCoord Rick Dennison ein ähnliches Gesicht haben. Und das besteht in erster Linie aus Passspiel, in zweiter Linie aus Passspiel und in dritter Linie aus Passspiel. QB Schaub zu WR Johnson war zwei Jahre lang ein Gassenschlager, den kaum einer mitbekommen hat.

Am Ende war’s balancierter als erwartet. Grund dafür: RB Arian Foster, völlig unbekannter junger Spieler, der mit 1616yds und 16 Touchdowns Laufkönig des Jahres war. In Houston! Auch die Luftwaffe funktionierte: 4370yds, 24 Touchdowns für QB Matt Schaub. Auch angesprochener WR Andre Johnson glänzte nicht nur mit seiner Schlägerei, sondern auch mit 1216yds und 8 Touchdowns.

Problemzone war eine andere: Die Defense, besser: Die Verteidigung gegen das Pass-Spiel. Es war teilweise absurd, wie einfach diese Secondary auszuhebeln war – anzuschauen auf den vielen Tapes, die ESPN America zu den Texans-Spielen 2010/11 brachte. CB Dunta Robinson (war nach Atlanta gegangen) scheint doch wertvoller zu sein als gedacht.

„Wertvoll“ vor allem im Bezug auf den Aspekt der Erfahrung. Houstons Cornerbacks 2010/11: Kareem Jackson (Rookie), Sherrick McManics (Rookie), Glover Quin (2. Jahr), Brice McCain (2. Jahr) – bis dann in der zweiten Saisonhälfte noch CB Jason Allen aus Miami kam – auch eher ein Flop.

Texanische Rochaden

Kareem Jackson Houston Texans

Kareem Jackson - Foto: Wikipedia

N’bisschen Erfahrung dürfte in der Secondary nicht schaden. Vor allem Jackson gilt als völlig verunsichert, dank einiger problematischer Vorstellungen und vielleicht überzogener Erwartungen. Ob in der Secondary ein weiterer hoher Draftpick helfen würde? Ich bezweifle das mal – eher sollte man von irgendwo her einen brauchbaren Cornerback kriegen, der ein paar Jahre NFL gesehen hat.

Bei den Safetys sind die Probleme anders gelagert: QB-Killer Bernard Pollards Vertrag läuft aus, FS Troy Nolan gilt als Fehlbesetzung und möchte Strong Safety spielen – ein Zeichen, dass der katastrophale Deckungsspieler Pollard geht? Als neuen Free Safety will man einen der zig jungen Cornerbacks installieren – ob sowas gut geht?

Der neue Defensive Coordinator Wade Phillips wird auch die Front Seven verbessern müssen, und zwar personell. Aus Houston sickern immer wieder Gerüchte in meinen Mail-Ordner, dass Phillips gedenkt, einige Positionen umzustellen, u.a. Brian Cushing wieder als OLB (sehr gute Idee!) oder DE Mario Williams als Teilzeit-OLB (eher weniger gute Idee in meinen Augen).

Auf alle Fälle alles Versuche, die Defense mit dem vorhandenen Material hinzukriegen – und gute Spieler haben die Texans via Draft über die Jahre geholt. Cushing war 2009/10 sogar Rookie des Jahres, musste nach Koks-Geschichte und aus Verletzungsgründen aber zeitweise als ILB spielen. Dort wird ILB DeMeco Ryans nach überstandener Verletzung wieder zurückkehren – eine immens wichtige Verstärkung.

Sollte Cushing außen eingesetzt werden, fehlt immer noch ein zweiter starker OLB – ich gehe mal davon aus, dass Houston an #11 im Draft einen der vielen hybriden DE/OLBs einberufen wird.

Mindestens ebenso wichtig dürfte der Nose Tackle sein. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Houston via Free Agency einen NT holt – vielleicht hat Tommie Harris Lust auf Texas? Denn DT Amobi Okoye kam als extrem junger Spieler in die NFL – zu einer Zeit, als Houston noch 4-3 spielte, und selbst da war Okoye nie der erwartete Dominator. Houstons Problem – seit Jahren werden teure Defensive Liner gedraftet, aber bis auf Mario Williams hat keiner eingeschlagen.

In der Offense…

… ist man eigentlich nicht schlecht besetzt. Der Offensive Line könnte einen jungen Tackle brauchen, muss aber nicht sofort sein. Die Running Backs dürften auch hinter Foster ordentlich besetzt sein, und ein Steve Slaton gehört IMHO zu den sichereren Ballträgern.

Bei den Wide Receivers könnte in Runde 2 oder 3 ein Spieler dran sein – neben Andre Johnson gibt es eine Reihe von durchschnittlichen Receivers, aber keinen dominanten. Spannend könnte es an der Stelle werden, wenn A.J. Green oder Julio Jones wider Erwarten an #11 verfügbar wäre: Johnson und Jones als Wide-Receiver-Tandem – da kannst du auf der Stelle deinen Quarterback wegtauschen und einen Fan von der Tribüne in den Huddle holen, und er wird dir 30 Touchdowns pro Saison werfen.

Oder man nimmt Matt Leinart (ist aber RFA, könnte getradet werden, vielleicht nach Seattle?).

Kurzum:

Die Houston Texans haben ihre wunden Stellen, aber in einer Division im Umbau sind die Playoffs trotzdem nicht weit weg. Vielleicht sollten die Texans ihr Geld in die Entwicklung des Impfstoffs „Siegermentalität“ stecken – denn genau das ist es, was ihnen am meisten abgeht.

2011/12 sind IMHO die Playoffs absolute Pflicht – um endlich ernst genommen zu werden und nach fast einem Jahrzehnt NFL endlich mal an Profil zu gewinnen!

Es gibt noch weitere „Sezierstunden“. Und zwar hier.

Week #13 Preview: Das Wiedersehen am Donnerstag

Do./Fr. 02h30 bei ESPN America: Philadelphia Eagles vs. Houston Texans

Irgendwann im Herbst 2005 muss es gewesen sein, als es augenscheinlich wurde: Matt Schaub ist der bessere Quarterback als Michael Vick. Vick, der schwarze Super-Athlet und Atlantas Franchise-QB, und Schaub, der Jungspund, ein Hüne, immobil, aber wurfgewaltig. In Atlanta hatte Schaub keine Chance, an Vick vorbeizukommen.

Im Frühjahr 2007 reichte es Schaub nach drei Jahren Fristen als Schattenmann und nur zwei Starts, und Schaub wechselte für Zweitrundenpicks nach Houston. Houston war gerade im Begriff, neu aufgebaut zu werden. Ließ Vick und Atlanta hinter sich. Schaub war in Houston sofort Starter und trotz vieler Verletzungsprobleme zuletzt mit Pro-Bowl-artiger Saison: 4700 yds, 29 Touchdowns.

Am Donnerstag treffen sich Vick und Schaub zum ersten Mal seit jenem Trade wieder. Vick ist nach seinem Gefängnisaufenthalt vom Falken zum Adler geworden und seit September 2010 Starter in Philadelphia. Vick spielt so gewaltig wie niemals zuvor zu seinen Atlanta-Zeiten: Effizient als Passspieler, mit wohl dosierten Einsätzen als Läufer. Kurzum: Vick wirkt sehr relaxt in seiner Pocket, ganz anders zu den Zeiten als aufgescheuchtes Huhn in Atlanta.

Die Texans

Houston war unter Gary Kubiak jahrelang eine reine Pass-Offense. Das hat sich heuer geändert: Mit dem kometenhaften Aufstieg von RB Arian Foster (1124yds) sind die Texans recht balanciert. Natürlich spielt die Mannschaft immer noch viel via Luftweg. Mit WR Andre Johnson hat Houston einen der besten seines Fachs aufzubieten.

Johnson leistete sich am Sonntag gegen Tennessee eine handfeste Schlägerei. Keine Rangelei, sondern richtig mit fliegenden Fäusten und fliegenden Helmen. Johnsons Ziel: Der ligaweit berüchtigte CB Cortland Finnegan. Johnson kam mit Geldstrafe davon, wird nicht suspendiert.

Problemzone #1 in Houston ist die Defense. Vielmehr die Pass-Defense. Die Probleme beginnen in der Defensive Line, die ganz einfach zu wenig Druck zustande bringt. DE Mario Williams spielt zwar eine starke Saison (8.5 Sacks trotz vieler Doppeldeckungen), aber der Rest ist mau (9.5 Sacks für den Rest). Das sorgt für Festtage unter den gegnerischen QBs. Es werden tiefe Pässe noch und nöcher in tief in die Zone der Defensive Backs gefeuert, und fast alles führt zu Raumgewinn.

Problemzone #2: Die Texans haben immer noch nicht heraus, wie man enge Spiele gewinnt. Ich denke, Gary Kubiaks Zeit ist nach dieser Saison abgelaufen. Es ist kein Fortschritt erkennbar. Siegermentalität ist kein schönes Wort, aber in Kombination mit „fehlend“ für Houston absolut angebracht.

Die Eagles

Dass die Eagles 2010 offensiv vor allem von Michael Vick leben, ist bekannt. Vick verursachte am Sonntag in Chicago seine erste Interception der Saison: Ein abgefälschter Pass, für den er nichts konnte. Trotzdem muss man konstatieren, dass die Eagles unglaublich schlecht in der Redzone spielten: Bei gefühlt 25 Versuchen sprang nur ein einziger TD heraus. Erstaunlich gut funktionierte aber das Laufspiel über RB McCoy.

Trotzdem bin ich nicht ganz überzeugt von der Eagles-Offense: Das Playcalling ist mir zu ungeduldig. Sie versuchen durchgehend, den großen Raumgewinn zu suchen. Das mag zwischendurch funktionieren. Aber das braucht auch Zeit. Zeit, die Vick gegen Leute wie DE Peppers nicht bekam, und womöglich gegen DE Williams ebenso nicht kriegen wird. Andererseits ist da die Secondary der Texans…

Die Iggles haben auch mit dem Kapriolen von WR DeSean Jackson zu kämpfen, der aktuell vom Phänomen Kreisklass/Weltklasse befallen ist. Jackson ist mal großartig, mal schlicht unsichtbar.

Die Defense muss auf einen Einsatz von CB Asante Samuel hoffen. Samuel ist kein überragender Cornerback. Er schaltet keine Wide Receivers aus. Aber Samuel ist ein Mann, der sehr viel mit Spekulation arbeitet. Das sorgt für viele Würfe in seine Richtung, für manchmal viel Raumgewinn. Aber eben auch für Interceptions. Gegen den riskanten QB Cutler wäre es für Samuel ein Traum-Spiel gewesen. Philadelphia braucht Samuel und seine Gabe, zum passenden Zeitpunkt einen Ball abzufangen. Dumm nur, dass der Mann immer noch Knieprobleme hat.

Ausblick

Die Texans stehen bei 5-6 und damit einen Sieg hinter dem ersten Platz in der engen, aber mittelmäßigen AFC South. Selbst mit einer Niederlage ist nichts kaputt, weil man noch gegen Jacksonville und Tennessee spielen wird und gegen Indianapolis das direkte Duell nicht verloren hat. Und über die Wildcards wird sich in dieser Division niemand qualifizieren.

Philadelphia ist mit einer Bilanz von 7-4 Erster in der NFC East. Der verbleibende Spielplan ist nicht allzu schwer, mit EINER Ausnahme: Es geht noch nach New York. Die Giants, die aktuell punktgleich sind. Für die Eagles ist das schon ein Spiel, das gewonnen werden sollte, denn auch das Rennen um die Wildcards ist in der NFC ziemlich eng (Tampa und Green Bay sind aktuell gleichauf bei 7-4, New Orleans mit 8-3 gar vorne).

Sieg Eagles.

Drinking Game

Im NFL Network wird wieder das glorreiche Trio Bob Papa, Matt Millen & Joe Theisman kommentieren. Die Drei sorgen für einige Belustigung. Für welche, die freitags gerne mit Brummschädel in die Uni/ins Büro fahren, empfehle ich ein Drinking Game für really nice job.