Glaskugel 2013: Cincinnati Bengals

Wer schon immer mal einen erfolgreichen NFL-Kader backen wollte, kann dafür getrost zum Rezept der Cincinnati Bengals der letzten Jahre greifen. Man nehme zwei starke Linien, garniere diese mit jeweils ein, zwei herausragenden pass rushers und Offensive Tackles. Das verührere man mit sehr viel Talent und Tiefe auf der Cornerback-Position. Anschließend erhitzt man das alles mit einem jungen Quarterback und serviert das ganze zum Schluß mit einem A.J. Green – fertig.

Was die Bengals in den letzten drei, vier Jahren in Sachen Kaderplanung gemacht haben ist ganz großer Sport: nebenbei mal fast das gesamte Team umgekrempelt, deutlich verjüngt und einen neuen Quarterback verpflichtet. Und die Ergebnisse dieses Teams sind gut, wirklich gut: drei Playoffteilnahmen in den letzten vier Jahren. Aber mittlerweile ist man fast geneigt zu sagen: nur gut.

Defense

Das Prunkstück der Bengals ist ihre Defensive Line, die getragen wird von jeder Menge junger Athletik. In der alten Warren-Sapp-Rolle als 4-3-Under-Tackle terrorisiert Geno Atkins gegnerische Linienspieler und Quarterbacks. Er war in der vergangenen Saison der ligaweit beste Defensive Linemen (wenn man nur menschliche Footballspieler nimmt und J.J. Watt ausspart).

Stats 2012

record: 10-6
WC PO @HOU 13-19
Pythagorean: 9.9 wins
DVOA O: -1,8% (17)
DVOA D: -3,8% (10)
Sezierstunde korsakoff

Die undankbare Position des Nose Tackles bemannt der zottelige Domata Peko unauffälig zuverlässig. Man wartet aber noch darauf, daß der letztjährige 2nd-rd pick Devon Still mehr aus seinem Talent macht. Als Vierter die Rotation in der Mitte vervollständigt Pat Sims, ebenfalls unspektakulär zuverlässig.

Noch mehr Tiefe bieten die Defensive Ends. Auf der einen Seite spielt der lange Michael Johnson, der manchmal eine besenstielverschluckte Körperhaltung wie der große Sprinter und Namensvetter an den Tag legt, fast durch. Johnson hat die Explosivität eines Sprinters, aber er lebt nicht nur von seiner Physis, sondern auch von seinem hohen “Football-IQ”, der nach vier Jahren in Mike Zimmers Schule ausgezeichnet ist.

Den Platz auf der anderen Seite teilen sich Robert Geathers und Carlos Dunlap. Geathers geht nunmehr in seine zehnte Bengals-Saison und hat ganz klar den Auftrag, sich von Dunlap ablösen zu lassen. Da muß jetzt nur noch Dunlap mitspielen. Um ihm den Ernst der Lage zu verdeutlichen, hat dieser vor der Saison auch keinen neuen Vertrag bekommen, sondern das Franchise Tag. Dunlap hat alles Talent der Welt, aber nun muß ihm in Jahr vier auch der Durchbruch gelingen.

[Korrektur: Michael Johnson hat das Franchise Tag bekommen. Dunlap hat seinen noch ein Jahr lang laufenden Vertrag um fünf Weitere verlängert.  $11,7M sind garantiert; in den ersten drei Jahren des Vertrages bekommt er – sofern er nicht gecuttet wird – $21,4M plus jeweils 300k in 21015 und 2016 als workout bonus + potentiell $4,5 weitere Millionen durch escalators. Insgesamt könnte Dunlap mit diesem Vertrag $40M verdienen.]

Als Nummer vier in der DE-Rotation kommt Wallace Gilberry, der letztes Jahr mehr Sacks hatte als Dunlap (6,5 v 6). Um auch noch das letzte gegnerische Team neidisch zu machen, hat DC Zimmer in der zweiten Runde der Draft den baltischen Kolossus Margus Hunt geschenkt bekommen (auch um Dunlap noch ein bißchen mehr Feuer zu machen und zur Not gleich seinen Nachfolger im Haus zu haben). Hunt ist ein interessantes prospect, der mal den Juniorenweltrekord im Diskuswerfen innehatte, noch nicht viel von Football versteht, dafür aber 2,05m groß ist, in seinen ersten 14 Collegespielen acht Kicks geblockt und bestimmt auch schon mal einen Bären mit seinen Händen erlegt hat.

Secondary & Linebackers

Den Durchbruch schon geschafft hat Leon Hall. Hall ist unter den vielen guten Cornerbacks die Nummer Eins. Er muß sich vor keinem Wide Receiver an der Außenlinie fürchten; was ihn aber besonders wertvoll macht, ist, daß er das auch im Slot erstklassig ist. Das gibt Zimmer den Luxus, in Nickel-Situationen von dem überraschend guten Jungen Pacman Jones, dem letztjährigen 1st-rd pick Dre Kirkpatrick und I´ve-seen-it-all-veteran Terrence Newman die zwei mit der besten Tagesform aufzustellen. Definiere: depth.

Schedule

WK1 @ CHI
Wk2 vs PIT (MNF)
Wk3 v GB
Wk4 @ CLE
Wk5 v NE
Wk6 @ BUF
Wk7 @ DET
Wk8 v NYJ
Wk9 @ MIA (TNF)
Wk10 @ BAL
Wk11 v CLE
Wk12 BYE
Wk13 @ SD
Wk14 v IND
Wk15 @ PIT (SNF)
Wk16 v MIN
Wk17 v BAL

Aber auch bei den Bengals ist nicht alles Freibier und Blowjobs. Bei den Safeties dürfte Reggie Nelson seinen Stammplatz sicher haben. Er bekommt von Leuten wie PFF auch stets gute Noten, aber immer wenn ich die Bengals gesehen habe, sah er manchmal aus wie ein Patriots-Safety circa 2010. Um den anderen Platz streiten sich Taylor Mays, der seit 2011 bei mir das Label “heillos verloren in der Tiefe des Raumes” weghat; 3rd-rd pick Shawn Williams und George Iloka, den man noch aus glorreichen Boise-State-Zeiten kennt.

Und eine richtige Resterampe findet schließlich man auf der LB-Position. Problemkind Vontaz Burfict immerhin scheint in seiner Rookiesaison sein Leben umgekrempelt zu haben. Vom hochtalentierten troublemaker bei Arizona State, den vor lauter red flags niemand draften mochte, hat er sich zu Trainers Liebling gemausert. Aber erstklassig ist er nicht. MLB Ray Maualuga ist so beweglich wie ein Kühlschrank. Er ist einer der wenigen NFL-Spieler, mit denen ich manchmal Mitleid habe, wenn man wieder ein mittelmäßiger Tight End an ihm vorbeirauscht. Als dritten im Bunde finden wir hier den ehemaligen Defensive Player of the Year James Harrison. Der 35-Jährige kam aus Pittsburgh und soll jetzt 4-3-OLB spielen. Mmh. Harrison war mal einer meiner absoluten Lieblingsspieler, nur hab ich wenig Vertrauen, daß er nochmal groß aufspielen kann.

Dahinter kommen im depth chart noch ein paar Rookies und einer der größten 1st-rd busts aller Zeiten: Aaron Maybin. Hier sind die Bengals verwundbar.

Offense

Auch auf der offensive Seite überzeut Cincinnati mit einer starken Linie. Left Tackle Andrew Whitworth läßt nur in Schaltjahren mal einen Sack zu und ist wohl nur noch under the radar, weil sein Name so schwierig zu buchstabieren ist. Auf der anderen Seite ist Andre Smith dermaßen überzeugend, daß er sich schon seit seinem Willkommensholdout  ein paar Sperenzchen und Übergewicht im Sommer erlauben darf.

Wenn die Jungs von Pro Football Focus über die Rookiesaison des Right Guards Kevin Zeitler schreiben, müssen sie danach die Unterhose wechseln. Mit Whitworth, Smith und Zeitler fällt mir aus dem Stegreif auch kein anderes Team ein, daß drei blue chipper in der Offensive Line hätte.

Dazu kommen noch die erfahrenen Kyle Cook und Clint Boling, die mit dem 23-jährigen Trevor Robinson nun angeblich auch noch hochtalentierte Konkurrenz haben. Positiv untypisch ist auch, daß mit Dennis Roland, Travelle Wharton und Mike Pollak vergleichsweise alte Recken, die alle schonmal irgendwo starter waren, die Kadertiefe sicherstellen. Again – define: depth.

Mit dieser OLine hat das Paßspiel ein bombensicheres Fundament. Selbst wenn QB Andy Dalton nicht den berüchtigten “nächsten Schritt” macht, ist ein völliges Einbrechen ausgeschlossen (solange kein schwarzer Schwan im Paul Brown Stadium nistet). Der Angriff war letztes Jahr NFL-weit gutes Mittelfeld – und das in einer Division mit Steelers und Ravens.

Skill Positions

Allerdings ist der Paßangriff extrem abhängig von einem Wide Receiver (das ist gemeinhein ein beliebtes Brutgebiet der schwarzen Schwäne). Solange A.J. Green fit ist, wird er wieder seine 100 Bälle fangen und hin und wieder ein Spiel mit überragenden Sololeistungen alleine entscheiden können.

Daneben sind im WR-Corps nur Jungs, die erst seit wenigen Monaten das Wunder des legalen Alkoholkonsums genießen dürfen. Mohamed Sanu hat in seinen acht Spielen explosive Ansätze gezeigt, macht aber nicht den Eindruck, mal Pro Bowler zu werden wenn er groß ist. Der kleine Andrew Hawkins ein Randall-Cobb-Typ, nur ohne das ganz große WOW!. Dann wirds dünn: Marvin Jones, 22 Jahre alt und 18 catches in 11 Spielen, und Brandon Tate, Special-Teams-Ass, aber WR-Krücke, werden wahrscheinlich im Kader bleiben. Man hofft in Ohio noch, daß ein Rookie im Camp groß aufspielt und hat auch wieder Dane Frikkin´ Sanzenbacher im Trainings Camp.

Stabilität sollen die Tight Ends in das Paßspiel bringen. Der große Jermaine Gresham ist zwar in seinen drei Jahren in der Liga nicht der neue Jimmy Graham geworden, aber für 60 catches pro Jahr ist er konstant gut. Als weitere Hilfe für QB Dalton wurde dieses Jahr Tyler Eifert in der ersten Runde gedraftet. Eifert wurde weithin als bester Tight End der letzten NCAA-Saison gesehen. Als dritter Tight End ist Orson Charles dabei. Der letztjährige 4rd-rd pick gilt weiterhin als Geheimtip. Was auch immer das heißen mag.

Um Daltons Rundumwohlfühlpaket komplett zu machen, bekam er in der diesjährigen Draft einen Running Back in der zweiten Runde. Giovani Bernard soll das workhorse werden, wird sich wahrscheinlich aber erst mal die carries mit dem durchschnittlichsten aller Durchschnitts-RBs, Ben Jarvus Green-Ellis, und dem alten 3rd-down back Brian Leonard teilen.

Ausblick

Das erste Mal seit 30 Jahren haben die Bengals in zwei aufeinanderfolgenden Saisons die Playoffs erreicht. Neben dem sehr guten Kader ist dafür auch Stabilität auf der Position des Cheftrainers grundlegend. Marvin Lewis ist seit nunmehr 10 Jahren am Ohio River.

Nach drei Playoffteilnahmen in vier Jahren wäre alles andere als ein erneuter Platz in der Endrunde eine Enttäuschung. Die Aussichten sind rosig in Cincinnati: entweder zeigen die Bengals einmal mehr, daß man auch ohne guten QB eine starke Division wie die AFC North gewinnen kann. Oder Dalton macht den “nächsten Schritt” – dann ist noch viel mehr drin.

Statt Pro Bowl – Das All-Pro Team 2012

In guter alter Tradition wird die Spaßveranstaltung heute abend hier geflissentlich ignoriert. Stattdessen kommt nach den Awards von Seminole und korsakoff heute mein All-Pro-Team mit den Spielern, die mir in der Saison 2012/13 am besten gefallen haben. (Das All-Pro Team 2011/12 gibts hier.)

Offense

QB – Tom Brady (Patriots): Brady hat 2012 noch einmal deutlich gemacht, warum man manchmal davon spricht, daß ein Quarterback seine Offense „orchestriert“. Der Golden Boy hat den Term „no-huddle Offense“ auf ein neues Niveau gehoben. Auch die vielen Verletzungen von Spielern wie Gronkowski, Hernandez, Edelman oder Woodhead konnten Brady nicht einbremsen.

RB – Adrian Peterson (Vikings): Es macht einfach Spaß, Purple Jesus laufen zu sehen. Am Ende hat er den Rekord zwar nicht gekriegt, aber mit seiner großen Saison nach einem Kreuzbandriß dafür gesorgt, daß RBs wieder Kandidaten für die MVP-Trophäe werden können.

LT – Trent Williams (Redskins): Williams war mal 4th overall pick. Und das ist erst drei Jahre her. Trotzdem ist er kaum bekannt. In seinen ersten beiden NFL-Jahren hatte er unter Verletzungen und Sperren zu leiden. Aber dieses Jahr konnte auch der gemeine Fernsehzuschauer sehen, was der Shanaclan in ihm gesehen hat, als sie ihn anno 2010 zu ihrem ersten Draftpick in Washington gemacht haben. Die Königsdisziplin für Offensive Tackles ist immer noch das pass blocking, aber wie Williams im Laufspiel mit so großer Sicherheit den richtigen Gegner zum blocken gefunden hat, schnell mit seinen Füßen da war und sein Opfer mal eben umgestellt hat wie ein paar Legosteine, läßt pass blocking-Maschinen wie Jake Long vergessen.

LG – Mike Iupati (49ers): Iupati bildet mit seinem Nebenmann Joe Staley die beste linke Seite der Liga. Einen derart athletischen Spieler mit seinen körperlichen Ausmaßen (1,97m, 150kg) findet man sonst nur in Baltimores Haloti Ngata.

C – N.N. Den Center in meinem Team muß ich weglassen, weil mir niemand besonders aufgefallen ist. Die meisten pundits sagen, daß Minnesota John Sullivan am stärksten war. Aber wer kann das bei einem Center schon ernsthaft vom Fernseher aus entscheiden? (Warum wird das All-Pro Team eigentlich nicht von den Coaches gewählt, sondern nur von Journalisten, deren Argumention zwischen „TebowOMFG“ und „AsomughaÍstDerBesteCornerbackDerWeltDasSchreibtSchließlichJederVonJedemAb“ oszilliert?)

RG – Alex Boone (49es): Ich hab keine Ahnung, wo dieser Boone plötzlich hergekommen ist. Aber er spielt, als hätte er nie etwas anderes getan als in einer sehr komplexen Laufoffense erfahrene Profis vom Kaliber eines Vince Wilfork oder 400kg-Typen wie B.J. Raji aus dem Weg zu räumen.

RT – Sebastian Vollmer (Patriots): Vollmer ist hier nicht, weil er Deutscher ist, sondern weil er tatsächlich der beste Right Tackle der Saison 2012. Er ist auch einer der wenigen Offensive Tackles, die sowohl im pass- als auch im run blocking überragend sind. Vollmer ist in diesem Sommer Free Agent und wird sich ein Konto suchen müssen, daß auch achtstellige Beträge zuläßt.

TE – Rob Gronkowski (Patriots): Über Gronkowski muß man nicht viel sagen. Er hat Tight End zur neuen „in“-Position gemacht. Nur werden die anderen Mannschaften merken, daß 2,00m-Typen, die blocken können wie ein Offensive Lineman und Pässe fangen können wie ein WR, nicht mal eben im Supermarkt zu kaufen sind.

WR – Calvin Johnson (Lions): No brainer. Mit Abstand das Beste, was man in Sachen Receiving im Football bewundern darf.

WR – Vincent Jackson (Buccaneers): Jackson hat in seiner ersten Saison in Tampa gezeigt, daß er einer der wenigen WRs, die mit jedem QB gut aussehen.

WR – Reggie Wayne (Colts): Reggie Wayne ist das Beste, was Andrew Luck jemals passieren konnte. Beeindrucken an Waynes Leistung 2012 war vor allem, daß er mit Mitte 30 nochmal eine ganz neue Rolle gelernt hat. Unter Peyton Manning war er immer an der Seitenlinie angekettet, nun wurde er von OC Bruce Arians über das gesamte Feld geschickt und sah rechts, links, im Slot und auch überall anders aus wie neugeboren.

Defense

DE – Cameron Wake (Dolphins): Wake ist ein wenig untergangen, weil Miami keine großen Spiele hatte und auch keine Storylines produzierte. Aber Cameron Wake, der 2009 aus der CFL kam, muß sich spätestens nach dieser Saison vor keinem anderen Defensive End mehr verstecken.

DT – J.J. Watt (Texans): Spätestens wenn Watt, wie zu erwarten steht, nicht MVP der Saison 2012 wird, ist dieser MVP-Titel absolut wertlos. Watt hat eine dermaßen einzigartige Saison in einer unglaublichen Konstanz gespielt, daß er nicht nur DPOY und MVP werden sollte, sondern Sportler des Jahres. Weltweit. Ich habe noch nie einen Verteidiger in der NFL so dominieren sehen wie Watt 2012.

DT – Geno Atkins (Bengals): In den meisten anderen Spielzeiten wäre Atkins klarer Favorit auf den Title DPOY. Dieses Jahr reicht es nur für einen Platz im All-Pro Team. Atkins sieht aus wie ein typischer Defensive Tackle, hat aber eine quickness in den Füßen (und im Kopf), die sonst eher Slot Receivers an den Tag legen.

DE – Calais Campbell (Cardinals): Arizonas Campbell wird manchmal als J.J. Watt für Arme bezeichnet. Das ist Quatsch. Richtiger wär es zu sagen, Watt ist unbezahlbar und Campbell der Watt für die Warren Buffets. Oder so ähnlich. Was Campbell in dieser Saison mit seinen Mitleid verdienenden Gegenspielern gemacht hat, erinnerte an Puppentheater, wobei er die Fäden zog. Der Anker der Cardinals-Linie ist der Spieler, der mit seiner Kombination aus purer Kraft, tänzermäßigen Füßen und perfekter Technik am ehesten an Watt heranreicht.

OLB – Von Miller (Broncos): Miller wäre wie auch Campbell und Atkins locker DPOY geworden, wenn nicht Watt seine Saison von einem anderen Stern gespielt hätte (und natürlich Atkins und Campbell selber nicht so überragend gewesen wären). Was Miller neben der spielerischen Stärke an sich auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Er gibt einen erstklassigen 43-OLB in Denvers Base-D und er gibt einen ebenso erstklassigen Pass Rusher als DE in Nickel- und Dime-Formationen.

MLB – Daryl Washington (Cardinals): Während anderswo noch darüber diskutiert wird, ob Bowman oder Willis der beste Linebacker der NFL ist, hat Arizonas 34-ILB Daryl Washington gespielt, als würde er vor jedem Spiel zwei Kilo Koks ziehen und meistens trotzdem kühlen Kopf bewahren. Falls das möglich ist. Zeitweise sieht er mit seiner Explosivität und seiner Aggressivität aus wie Ray Lewis zu seinen besten Zeiten. Manchmal sieht er auch einfach aus wie ein Irrer und rennt mit 200km/h in das falsche Loch. Aber wenn er wie in 95% aller Plays den richtigen Riecher hat, dann: Hals- und Beinbruch!

LB – NaVorro Bowman/Patrick Willis (49ers): Sie sind beide überragend. Ich könnte mich nicht für einen entscheiden, wenn ich es müßte. Was Bowman und Willis vor allem auszeichnet, sind ihre Fähigkeiten in pass coverage. Sie sind zwei der wenigen Verteidiger, die es auch mit den „neuen“ Tight Ends aufnehmen können.

CB – Antonio Cromartie (Jets): Der großmäulige Störenfried Antonio Cromartie stand fürchterlich unter Druck nachdem Darelle Revis auf IR gewandert ist. Zur großen Überraschung hat er dann aber tatsächlich gespielt wie ein waschechter franchise corner. Er ist auch ein Grund dafür, daß Trottelgesicht Owner Woody Johnson gerne Revis traden würde.

CB – Richard Sherman (Seahawks): Aus dem Nichts kam letztes Jahr der 5th-rd pick auf die Bühne und hat die etablierten WRs respektlos gegängelt.Der größte Trash Talker, den Stanford je hervorgebracht hat, ist mit seinem großen massigen Körper und seinem extrem physischen Stil ein Unikat in der NFL. Seit dieser Saison kann er es mit Jedem aufnehmen und auch sein selbst gewählter Spitzname Optimus Prime paßt wie die Faust aufs Auge, nachdem er Megatron bei drei Catches halten konnte.

S – Earl Thomas (Seahawks): Während Sherman und sein Gegenüber Brandon Browner immer eng am Mann sind und Verfolgungsarbeiten übernehmen, zieht Thomas in der Tiefe des Feldes seine Kreise und schlägt blitzschnell und instinktsicher zu, wenn mal ein Ball tief geworfen wird. Ein echter Seeadler eben. Wenn Thomas sich so weiter entwickelt, könnte er der legitime Erbe der aktuellen großen Safety-Generation sein. Er sollte sich dann aber bitte weniger häufig verletzen als Ed Reed, Troy Polamalu und Bob Sanders.

S – Ryan Clark (Steelers): Während Troy Polamalu mal wieder ständig verletzt war, hat sein Nebenmann Clark die Führung der secondary übernommen. Der unscheinbare Safety macht Sonntag für Sonntag das, was ein Safety eben so machen sollte: für Sicherheit sorgen. Die Pass-D Pittsburgh war nach NY/A die Nr. 2 im Land und ein großer Grund dafür war Clark.

Es sind sicherlich einige Spieler rausgefallen, einfach weil ich sie nicht oft genug gesehen hab. Es kann durchaus sein, daß beispielsweise Clevelands CB Joe Haden, Buffalos Safety Jairus Byrd oder irgendwer von Kansas City auch herausragend gespielt hat. Das hab ich aber leider nicht oft genug gesehen, weil – wer guckt schon Spiele von Cleveland, Kansas City oder Buffalo?

Glaskugel 2012: Cincinnati Bengals

 

Die Quote für einen Super-Bowl-Sieg der Cincinnati Bengals liegt derzeit bei 41,00. Wenn man vor der Saison nur zum Spaß mal einen Zehner setzen will, gibt es keine bessere Wette. Nach dem Preseason-Spiel gegen die Falcons bin ich mir sicher, daß diese Bengals ein Playoff-Team sind. Man sieht in Preseason-Spielen ja nicht viel, aber in diesem Spiel und auch schon in den zwei Serien vorher gegen die Jets war deutlich zu erkennen, daß Andy Dalton offensichtlich in einen Eimer voller Selbstvertrauen und Toughness gefallen ist; daß A.J. Green nicht mehr ein junger College-Star, der sich bei den Großen versucht und dabei ganz gut aussieht, sondern (jetzt schon) ein echter Nr.1 WR; und daß die Defense eine der besten ligaweit sein wird: hochtalentierte und ambitionierte junge Wilde, beeindruckende Tiefe auf allen Positionen und ein erstklassiger Defensive Coordinator in Mike Zimmer.

In der letzten Saison haben die Bengals einen Neustart um die Rookies Dalton und Green versucht und dabei sogar die Playoffs erreicht. Das war einerseits ein wenig glücklich, da alle sieben Spiele gegen Playoff-Mannschaften verloren wurden. Andererseits hatten die Bengals selber recht viele Turnovers (nur vier Spiele ohne TO) und in der Defense kaum Bälle erobert. Das Pendel sollte 2012 in die andere Richtung ausschlagen, da 1) der neue RB Ben-Jarvus Green-Ellis niemals fumblet und 2) die Defense stärker sein wird und aller Voraussicht nach auch die regression to the mean zuschlagen wird.

Ebenso vorteilhaft sollte der Schedule sein: nach der Monday-Night-Eröffnung in Baltimore spielt Cincinnati gegen Cleveland, Washington, Jacksonville, Miami und wieder Cleveland. (Wo kann ich auf einen 6-0-Start wetten?) Nach einem Sunday Night Game gegen Pittsburgh und der Bye-Week sind vier der folgenden fünf Spiele gegen die mittelmäßige AFC West. Wer soll die Bengals auf dem Weg in die Playoffs stoppen?

Aber genauer: warum der Optimismus?

Defense Bengals

Cincinnati hat eine sehr tief besetzte Defense mit vielen jungen Spielern. Das geht schon in der Defensive Line los – wie es das gute alte Lehrbuch verlangt. DE Carlos Dunlap, der aussieht wie Jason Pierre-Paul, aber ein bißchen länger in seiner Entwicklung gebraucht hat, war eh schon stark und sollte in seiner vierten Saison endgültig ein breakout year haben, nachdem er schon 2011 kaum einen Vergleich in der AFC zu fürchten brauchte. Noch besser sollte DT Geno Atkins sein. Atkins ist einer der besten Pass Rusher, die man in der Mitte einer Linie finden kann. Neben Atkins stehen mit Domata Peko und Pat Sims zwei zuverlässige und solide Ergänzungen. Weil DC Mike Zimmer niemals genügend Linemen sein eigen nennen kann, hat man dieses Jahr in den Runden zwei und drei mit Devon Still und Brandon Thompson noch weiter nachgerüstet. Als Defensive Ends stehen neben dem 2,00m-Mann Dunlap Michael Johnson (2,02m) und Jamaal Anderson (1,98m). Der älteste aller bis jetzt genannten ist Peko mit jugendlichen 27 Lenzen.

Das LB-Corps wird angeführt vom ehemaligen 1st-rd pick Ray Maualuga. Maualuga ist keine Weltklasse, aber hinter dieser Linie reicht auch ein solider, aber energiegeladener Typ wie er. Daneben stehen Thomas Howard, einer der besseren Verteidiger in Zone Coverages und und Manny Lawson, gut gegen den Lauf und mit seinem 1,95m-Körper auch wild auf Quarterbacks.

Schedule

Wk1 @ BAL (MNF)
Wk2 V CLE
Wk3 @ WAS
Wk4 @ JAX
Wk5 v MIA
Wk6 @ CLE
Wk7 v PIT (SNF)
Wk8 BYE
Wk9 v DEN
Wk10 v NYG
Wk11 @ KC
Wk12 v OAK
Wk13 @ SD
Wk14 v DAL
Wk15 @ PHI (TNF)
Wk16 @ PIT
Wk17 v BAL

Die Cornerbacks werden angeführt von Leon Hall. Der erfahrene und doch erst 27 Jahre alte Hall hat letztes Jahr schon so gut gespielt, daß man Jonathan Joseph fast gar nicht mehr vermißt hat. Auf der anderen Seite steht Nate Clements. Einstmals mit dem größten CB-Vertrag aller Zeiten in San Francisco gesegnet, hat er sich nunmehr in seinem 33. Lebensjahr mit der Rolle als sichere Bank zufrieden gegeben – füllt diese aber auch gut aus.

Weil Mr Adam Jones, genannt Pacman, daneben zwar immer noch unglaublich talentiert ist, aber mit diesem Talent gerne Roulette spielt, hat man einerseits mit Terrence Newman einen alten Liebling von Zimmer verpflichtet und andererseits mit Dre Kirkpatrick den Pfeiler von Alabamas Meisterschafts-Secondary in der ersten Runde gedraftet. Newman sah erstaunlich gut aus in den ersten beiden Spielen. Er könnte einer dieser Spieler sein, die mit einer neuen Herausforderung und einem Coaching Staff, bei dem man sich richtig wohlfühlt, noch mal durchstarten. Newman kam aus Dallas, wo er in den letzten Jahren von Fans und Trainern madig gemacht wurde (durchaus zu Recht), aber Zimmer, sein ehemaliger DC bei den Cowboys, hält ganz große Stücke auf ihn und meint zu wissen, wie man ihn einsetzen muß. Kirkpatrick vertreibt sich derzeit die Tage noch lieber mit Ärzten und Masseusen, aber wenn er wieder fit ist, hat Cincy einen starken und vier gute CBs. Mehr als fast alle anderen Teams.

Dünn sieht es nur bei den Safeties aus. Reggie Nelson ist gesetzt. Bei Nelson denke ich immer an „Oh-sorry-das-war-ja-mein-Mann-der-da-gerade-wegläuft“-Plays, aber Leute wie Andy Benoit oder PFF halten ihn für ganz solide. Daneben spielt dann wahrscheinlich Taylor Mays. Den physischen Voraussetzungen nach der beste Safety der Liga; aber wenn man ihn spielen sieht denkt man manchmal, der hat vorgestern das erste Mal auf einem Footballplatz gestanden. Eine Wildcard hat hier noch Rookie George Iloka, der bei Boise State für großes Aufsehen gesorgt hat, aber im Camp und in den Spielen ist er bis jetzt noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten.

Offense Bengals

Nach der enttäuschenden Saison 2010 mit nur vier Siegen, sollte der Umbruch her. QB Carson Palmer und WR Chad Ochocinco spielten keine Rolle mehr in den Planungen und wurden in der Draft 2011 durch die 1st- und 2-nd round picks A.J. Green und Andy Dalton ersetzt. Außerdem wurde Jay „ja, der Bruder von Jon“ Gruden als Offensive Coordinator verpflichtet. Es sollte eigentlich nur ein Übergangsjahr werden, aber dann hat die Defense getragen und die Dalton-Green-Offense hat ganz solide gespielt und nichts kaputt gemacht. Dalton ist klein und schmächtig und ihm fehlt auch der ganz große Arm, aber er macht es weg durch gutes decision making und akkuraten Pässen, wenn er nicht gerade quer zur gegenüberliegenden Seitenlinie werfen muß. Gruden hat ihm auch eine recht simple, aber einigermaßen effektive Offense geschneidert, die ihn nicht überfordert. Nun traut er ihm etwas mehr zu und Dalton stand in den Preseason Games mit einer fast schon arroganten Coolness in der Pocket und hat sich von 300 Pfund Mensch in seinem Gesichtsgitter gar nicht weiter irritieren lassen.  Pocket awareness ist eine der wichtigsten Eigenschaften für einen QB, aber man kann es auch übertreiben – dann steckt man zu viele harte Hits ein und risikiert Ballverluste. Wir haben also einen jungen, talentierten QB mit Schwächen, die sein OC überdecken hilft und der sich in der Offseason merklich weiterentwickelt hat. Wenn er jetzt auch noch einen 1,92m Hünen mit sicheren Händen hätte auf den er sich immer verlassen kann…

…enter A.J. Green. Gepriesen als eines der größten WR-Talente der letzten Jahre, konnte er die hohen Erwartungen mit mehr 1000 Receiving Yards tatsächlich erfüllen – und er hat noch viel Raum nach oben. Problematisch wird es nur hinter Green. Jerome Simpson ist jetzt in Minnesota und im Kader ist nur noch Mittelmaß à la Brandon Tate und Andrew Hawkins.  Angeblich ist man mit 2nd-year man Armon Binns hochzufrieden und hält auch ganz große Stücke auf Rookie Mohamed Sanu.

Komplettiert wird Daltons Spielzeugkiste von TE Jermaine Gresham. Mit seinen 1,95m ist Gresham auch einer dieser „neuen“ Tight Ends und hat mit seinen erst 24 Jahren auch noch massig Entwicklungspotential. Daneben stehen dann noch der erfahrene Donald Lee und der Rookie Orson Charles.

Geschützt wird das Paßspiel auf den äußeren Positionen von LT Andre Whitworth und RT Andre Smith. Smith war mal 6th overall pick, bekam dann aber schnell das Bust-Label auf seinen übergewichtigen Wanst geknallt, während Whitworth wohl der unbekannteste Top-5-Tackle ist. Gemeinsam bilden sich eines der besten Tackle-Paare der Liga.  Den Center gibt der weder positiv noch negativ auffällige Kyle Cook. Die Guard-Positionen sollten aufgewertet werden und zumindest mit Rookie-RG Kevin Zeitler (WISCONSIN!) hat das auch geklappt. Links sollte FA Travelle Wharton spielen, der hat sich aber schon ins Lazarett verabschiedet. Der 23-jährige Clint Boling wird ihn wohl ersetzen.

Man steckt große Hoffnungen in Zeitler und Boling. Die Mitte der Linie war ein wenig das Sorgenkind der Bengals, da nur selten große Lücken für die RBs gerissen wurden. Wobei man auch zugeben muß, daß Cedric Benson schon lange nicht mehr der Fitteste war. Als jüngeres Upgrade kam The Law Firm Ben-Jarvus Green-Ellis von den Patriots. BJGE ist kein großer Brecher und auch nicht der Schnellste, aber er ist solide und ungemein sicher im Umgang mit dem Ball. Nach vier Jahren und mehr als 500 Touches in der NFL steht bei ihm immer noch kein Fumble im Resumee. Ein bißchen explosiver sollten Bernard Scott und Rookie Boom Herron sein.

Ausblick Bengals

Die Bengals sind kein Favorit auf den Super Bowl. Aber die Bengals sind ganz sicher eines der besseren Teams in der AFC. Ich würde sogar behaupten, daß Cincinnati in der AFC-North-Hackordnung an Baltimore vorbeigezogen ist. Die Verteidigung hat Top-5-Potential und durch die Tiefe auf beinahe allen Positionen sollten auch Verletzungen sie nicht allzuweit zurückwerfen.

Die Offense braucht den nächsten Schritt von Dalton nach vorne und ein gutes Laufspiel. Die Ingredenzien sind alle vorhanden und Zeit wirds, daß Cincy mal wieder zwei positive Saisonbilanzen in Folge hat. Das letzte Mal gab es das in den Jahren 1976 und ´77.

Cincinnati Bengals in der Frischzellenkur 2012

  • #17 (1) CB Dre Kirkpatrick (Alabama)
  • #27 (1) G Kevin Zeitler (Wisconsin)
  • #53 (2) DT Devon Still (Penn State)
  • #83 (3) WR Mohamed Sanu (Rutgers)
  • #93 (3) DT Brandon Thompson (Clemson)
  • #116 (4) TE Orson Charles (Georgia)
  • #156 (5) CB Shaun Prater (Iowa)
  • #166 (5) WR Marvin Jones (California)
  • #167 (5) S George Iloka (Boise State)
  • #191 (6) RB Dan Herron (Ohio State)

Die Tiger aus Ohio waren dieses Jahr als Räuberbande unterwegs, wenn man den Auguren Glauben schenken darf. Steal um Steal wurde eingetütet und mit den beiden 1st-rd picks (den zusätzlichen gabs durch den Carson-Palmer-Trade) hat man vielleicht sogar die beiden besten Spieler auf ihren jeweiligen Positionen geangelt.

Der erste, Alabamas Dre Kirkpatrick, galt lange Zeit als sicherer Top-10 pick und auf Augenhöhe mit dem schließlich an Position sechs genommenen Stephon Gilmore. Schließlich wurde er aber durchgereicht wie weiland Prince Amukamara. Den Bengals fiel somit der dringend benötigte Ersatz für Jonathan Joseph, nach der Spielzeit 2010 für einen großen Scheck gen Houston abgewandert, in den Schoß. Kirkpatrick war ein Cornerstone Crimson Tide-D, eine der besten, die jemals ein Footballfeld betreten haben. Man darf allerdings nicht vergessen, daß Cornerbacks mit die längste Zeit benötigen, um sich an die NFL zu gewöhnen und mithalten zu können. Selten hat schon ein Rookie eine großartige Saison gespielt. Glücklicherweise haben die Bengals mit Nate Clements einen erfahrenen und soliden CB in ihren Reihen, der den Jungspund unter seine Fittiche nehmen kann. Auch Pacman Jones ist noch im Kader, von dem sollte sich Kirkpatrick allerdings nicht all zuviel abschauen; mit diesen Dreien plus No.1 Corner Leon Hall sieht die Secondary zumindest auf dem Papier sehr anständig aus.

Für die mit den junge Superstars DE Carlos Dunlap und DT Geno Atkins bestückte Defensive Line gab es gleich in Runden zwo und drei neue junge Big Bodies, auf deren Stirn groß Steal steht. Devon Steal Still und Brandon Thompson sollen die abgewanderten Jonathan Fanene (Patriots) und Frostee Rocker (Browns) ersetzen. Die Bengals mit ihrem weit über Ohio hinaus geschätzten Defensive Coordinator Mike Zimmer setzen seit Jahren auf eine 7-Mann-Rotation in der Linie, da kann man nie genügend frisches Blut haben.

In Runde 5 gabs für die Verteidigung noch weitere Verstärkung. CB Shaun Prater wird Mühe haben, einen Roster Spot zu ergattern. Aber S George Iloka wird allenthalben als großes Talent vielleicht sogar mit Pro-Bowl-Potential gesehen. Andere sagen, er kann nicht gut genug decken, was bei Safeties heutzutage immer blöd ist, da ständig „neue“ Tight Ends und Slot Receiver des Weges kommen. Immerhin ist er sehr groß und kräftig für einen Safety (1,93m, 102kg) und damit auf jeden Fall brauchbar in der Nähe der D-Line.

Für die Offense wurde zum Ende der ersten Runde Guard Kevin Zeitler verpflichtet, der wohl vor allem dem Laufspiel auf die Sprünge helfen soll. Dafür hat man in der Free Agency schon RB BenJarvus Green-Ellis und OG Travelle Wharton für teuer Geld verpflichtet. Hinten raus, in Runde sechs, kamen auch noch Boom Herrons junge Beine. Der ehemalige Star der Buckeyes sah seine College-Karriere durch einige Regelverstöße und Suspendierungen den Bach runtergehen; könnte nun also auch richtig einschlagen. Zeitler, um auf ihn zurück zu kommen, gilt als Steal und vielleicht gar bester O-Liner der diesjährigen Draftklasse, weil er OFFENSIVE LINEMAN WISCONSIN!

Schließlich ist man auch für den jungen Franchise-QB Andy Dalton noch mal in die Spielzeugabteilung marschiert und hat in den Runden 3, 4 und 5 zwei WRs und einen TE eingesackt. 3rd-rounder Mohamed Sanu ist groß und stark und kann sowohl an der Seitenlinie als auch im Slot spielen. 5th-rounder Marvin Jones soll die besten Hände aller diesjährigen WRs haben. Natürlich gelten beide als Steal. TE Orson Charles soll auch so ein „neuer“ TE sein; sicherer Ballfänger, der auch weite Wege gehen kann.

Überblick

Wenn die vielen angeblichen Steals auch tatsächliche Steals sind, gewinnen die Bengals in zwei Jahren den Super Bowl. So wird es wahrscheinlich nicht kommen. Aber es ist tatsächlich ganz großer Sport, was da in Cincinnati für ein starker, junger Kader zusammengebastelt wird. Fünf Picks in den Top 100; potentiellen Star-CB bekommen; Blue Chipper für die O-Line bekommen; neues Beef für die D-Line Rotation bekommen; neue Waffen für Dalton bekommen. Ohne kopfüber aus dem Fenstersims zu hängen, kann man schon behaupten, daß die Bengals mittlerweile vom Talent her auf einer Stufe mit ihren großen Rivalen aus Pittsburgh und Baltimore sind.

Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 3

Die erste Runde ist meistens – wie man erwarten würde – die Runde, in der das meiste Star-Potenzial schlummert (siehe hier und hier). Aber auch später gibt es den einen oder anderen Volltreffer. Ein Blick auf die späteren Runden des Drafts 2010 nach zwei Spielzeiten.

Die zweite Runde

Es ist eine Runde, die mit bekannten und interessanten Namen gespickt ist, aber nur zwei von ihnen schaffte Stand heute wirklich den Durchbruch: Der eine ist TE Rob Gronkowski (#42/NE), der sich anschickt, in New England sämtliche bestehenden Rekorde für Tight Ends zu pulverisieren, und noch viel bedeutender: Gronkowski hat fürs erste dafür gesorgt, dass Verteidigungen ihre Spielweise umstellen mussten – seinentwegen. Solche Spieler gibt es ganz selten.

Der andere ist DE Carlos Dunlap (#54), ein bloß situativ eingesetzter Pass Rusher, dessen Effizienz aber Mäuler mit ungläubigem Speichel füllen soll. Ein dritter potenzieller Star ist Philadelphias Safety Nate Allen (#37), dessen Verletzung die abgelaufene Saison verkürzte, der jedoch als Rookie hinreichend Potenzial angedeutet zu haben scheint. Ähnlich geht es LB Brandon Spikes (#62/NE), dessen gute Leistungen sich mit allzu vielen Verletzungen abwechseln.

Nach durchwachsenen Rookie-Saisons sollen Spieler wie RB Toby Gerhart (#51/MIN), DT Terrance Cody (#57/BAL) oder RB Ben Tate (#58/HOU) deutliche Aufwärtstrends gezeigt haben. Zu den überzeugenden Spielern gehören weiters der als sehr komplett geltende Cowboy LB Sean Lee (#55), Miamis DE Koa Misi (#40), DT Lamarr Houston (#44/OAK), der als Allzweckwaffe eingesetzte RB/WR/KR Dexter McCluster (#36/KC) oder der durchaus nicht hüftsteife LB Daryl Washington (#47/ARI).

LT Rodger Saffold (#33/STL) soll ein durchwachsenes und trotzdem überhyptes Rookie-Jahr mit einem furchterregend schlechten zweiten Jahr beantwortet haben. Der bekannteste Name ist aber QB Jimmy Claussen (#48/CAR), einem als Grund-Unsympathen verschrieenen ehemaligen Notre-Dame-Quarterback, dessen Situation als Rookie nicht schlechter hätte sein können: Ein Chefcoach ohne Liebe zu Quarterbacks, keine Receiver, kein Laufspiel. Claussens Pech ist nun freilich, dass QB Cameron Newton das Ruder mehr als 180° herumgerissen hat und damit erstmal auf weiteres unantastbar sein wird.

Die dritte Runde

Der Volltreffer der dritten Runde ist in San Francisco zu finden, wo ILB NaVorro Bowman (Pick #91) ein unglaubliches Jahr 2011/12 nachgesagt wurde: Wenn sich alle Experten einig sind, dass du Willis vergessen machen könntest, dann musst du was können. Bowman soll Potenzial zum All-Pro angedeutet haben.

Ein zweiter Superstar ist in New Orleans zu finden, wo TE Jimmy Graham zuletzt weit über 1300yds aus der Luft pflückte, und das als 95ter Pick. Graham ist analog zu Gronkowksi so einer dieser 2,50m großen Athleten mit fangsicheren Händen, und er hat das Glück, in einem ausgereiften Corp an Ballfängern und mit einem Quarterback wie Drew Brees zu spielen. Auch TE Tony Moeaki (#93/KC) gilt durchaus als ein Artist vor dem Herrn, fiel allerdings die komplette zweite Saison aus und schleppt schon vom College Historien an Operationen mit sich.

Weitere bekannte Namen: WR Emmanuel Sanders (#82/PIT), WR Jordan Shipley (#84/CIN) und WR Eric Decker (#87/DEN), alle drei wertvolle Ergänzungen für die WR-Corps in ihren Teams, aber alle drei nicht über alle Zweifel erhaben und im Falle Deckers mit einer schweren Verletzung, und LT Jared Veldheer (#69/OAK), dessen Tendenzen in der abgelaufenen Saison massiv nach oben gezeigt haben sollen.

QB Colt McCoy (#85/CLE) dürfte nach zwei durchwachsenen Jahren alle Höllen der NFL durchgemacht haben, von Sklaventreibern als Head Coaches über inkompetente medizinische Abteilungen hin zu nonexistenten Wide Receivers, und soll ab sofort durch den um einige Jahre älteren Rookie Brandon Weeden ersetzt werden. McCoy verfügt über einen zu schwachen Wurfarm, um in der NFL ernsthaft als Franchise-QB für 15 Jahre dienen zu können, aber man hätte ihm nur zu gerne noch eine Chance gegeben.

Die vierte Runde

Auch hier haben wie zwei absolute Superstars: Über TE Aaron Hernandez (#113/NE) brauchen wir keine Worte mehr zu verlieren, der Mann ist ein kompletter Spieler und vermutlich die noch gefährlichere Allzweckwaffe im Vergleich zu Teamkollege Gronkowski. Hernandez ist allenfalls nicht der über alle hinausragende Ballfänger. Der zweite Superstar ist DT Geno Atkins (#120/CIN), den einige Pundits für besser befinden als Ndamukong Suh aus demselben Draft.

Eine sehr gute Rookie-Saison soll WR Mike Williams (#101/TB) gehabt haben, dieser aber eine eher schwache zweite folgen lassen haben. Mittlerweile steht mit Vince Jackson ein ähnlicher Spielertyp im Kader – abwarten, was dies für Williams’ Karriere bedeutet.

Ein weiterer Gewinner dürfte CB Alterraun Verner (#104/TEN) sein, der sich wunderbar in die jüngste Reihe an starken Titan-Cornerbacks aus den späteren Draftrunden einreiht.

Die fünfte Runde

Ein Kaliber für die Pro Bowl auch hier: S Kam Chancellor (#133/SEA), im Vergleich zum spektakuläreren Teamkollegen Earl Thomas aus der ersten Runde der solidere, zuverlässigere Safety. Ein zweiter bekannter Name ist jener von New Englands Punter Zoltan Mesko (#150), wobei man Punter nicht nach zwei Jahren bewerten sollte, nachdem Punt-Leistungen zu stark zu schwanken drohen.

„Schwanken“ ist auch ein Stichwort, wenn es um Interceptions bei Quarterbacks geht. Arizonas QB John Skelton hat aber im zweiten Jahr eine absurde Rate vorzuweisen: 5.1% der Würfe in des Gegners Arme. Hülft nix: Weil der Mann notgedrungen über zwei Jahre elfmal starten musste und dabei siebenmal gewann, glauben einige an Skeltons „Winner-Gen“.

Die sechste Runde

Keine Runde ohne Pro-Bowler. Der Kandidat aus der sechsten Runde ist Pittsburghs WR Antonio Brown (#195/PIT), eine Allzweckwaffe mit mehr als 1000yds via Luft und Returns in seiner zweiten Saison. Ein famoser Spieler soll auch DE Greg Hardy (#175/CAR) sein, dem manche zutrauen, der Einser-Passrusher der jungen Panther-Mannschaft werden zu können. Weitere bekannte Spieler: RB James Starks (#193/Superbowl-Sieger mit Green Bay mit einer ordentlichen Playoffleistung) und QB Joe Webb (#199/MIN), Backup von Favre und Ponder, dessen athletische Spielweise durchaus ansprechend für die Optik ist.

Eine besondere Story war im Draft-Vorfeld jene des Safetys Myron Rolle (#207/TEN) von der Florida State University gewesen. Myron Rolle hatte als Superhirn gegolten und aufgrund fabelhafter Noten und entsprechendem Auftretens eines von den wenigen Rhodes-Stipendien erhalten. Weil Rolle dafür ein Jahr nach England gegangen war und vom Football ausgesetzt hatte, hatten sich die Teams im Vorfeld des Drafts einen Wettstreit um die dümmsten Fragen geliefert („Wie fühlst du dich nun, nachdem du deine Teamkameraden im Stich gelassen hast?“). Rolle war mitnichten ein unbeschriebenes Blatt. Man sagte ihm Potenzial für einen Erstrundenpick nach. Rolle, der sich angenehm vom Klischee des IQ80-Footballer abgehoben hatte, ging in Runde sechs, ist heute von der NFL-Bildfläche verschwunden, gilt dafür in Bildungskreisen bereits als Celebrity.

Die siebte Runde

Der Pro Bowler ist KR Marc Mariani (#222/TEN), der DE Willie Young (#213/DET) gehört als bereits spezialisierter Pass-Rusher erstmal ebenso zu den Gewinnern der siebten Runde. Der Bekannteste Siebtrundenpick ist aber P Matt Dodge (#221/NYG) aus bereits legendären zweiten Meadowlands-Miracle. Der „Mr. Irrelevant“, WR Tim Toone (#255/DET), ist schon längere Zeit auf der Straße.

Die Ungedrafteten

Es gab da einen Glücklichen, der im Nordosten der Vereinigen Staaten durch die Lande tourte und verzweifelt hoffte, dass sein Footballtraum wenigstens noch bis zum Sommer 2010 dauern würde, bis er nach den Trainingslagern gecuttet werden würde. Frisch von der kleinen University of Massachusetts (FCS) gekommen und mit 1,83m kein Gardemaß, biss sich er sich durch und spielte dann gar eine respektable PreSeason. Er schaffte gar den Cut und begann, an sich zu glauben. Dann knatschen die Leisten und der Traum vom Profifootballer war ausgeträumt – fast. Eineinhalb Jahre sprechen wir über den Vereinsrekordler in Sachen Wide Receivers in einer der ältesten Franchises in der NFL. Wir sprechen über einen Superbowl-Champ. Wir sprechen über WR Victor Cruz.

Die Giants hatten noch einen ungedrafteten, soliden Mann gefunden: TE Jake Ballard, bis zu seiner Bänderverletzung im Superbowl ein ordentlicher Leistungsträger. Der Saints-RB Chris Ivory hält sich trotz vielfältiger Konkurrenz auch weiterhin im Kader und gehört als change-of-pace Running Back zum Inventar einer fulminanten Offense. WR Brandon Banks ist in Washington ein sehr guter Kickreturner geworden. LB Frank Zombo zwar kein allzu überragender Mann, aber aufgrund des fehlenden Pass Rushes so was wie ein Synonym für die plötzliche Abwehrschwäche der Green Bay Packers – das Leben kann unfair sein. Und dann ist da noch RB LeGarrette Blount, der Schläger von Boise, der in Tampa Bay aktuell wegen seiner Erkrankung an Fumblitis therapiert werden soll, der mit seinem brachialen Laufstil – lieber zwei Abwehrspielern einen blauen Flecken mitgeben, als ein Gratis-Yard zu nehmen – bereits jetzt nur noch drei Jahren von ausgebrannt entfernt ist.

Zwischenfazit

Wie ich schon am Freitag schrieb: Diese Draftklasse schaut nach zwei Jahren sehr hoffnungsvoll aus. Kaum wirkliche Busts, dafür in jeder Runde, auch in den späteren, eine Handvoll bereits erwiesenermaßen sehr guter Spieler, und mit Leuten wie Suh, Pierre-Paul, Gronkowski, Hernandez, Atkins oder Cruz mit Spielern, die potenziell die Art des gespielten Football – Taktiken, Matchup-Strategien – zu ändern imstande sind. Die Klasse sieht viel besser als es der vor zwei Jahren eher lauwarme „Hype“ hätte erwarten lassen.