NFL Notizblock, Week 2: TNF NY Jets @ NE Patriots

Was für ein Gegurke. So ein Spiel zum sehr frühen Frühstück am Freitagmorgen liegt schwer im Magen. Das lag bei beiden Offenses vor allem daran, daß sie nur trocken Brot und Margarine anbieten konnten. Der leckere Käse und die frische Marmelade sind im Krankenhaus, im Knast oder bei anderen Teams. Weiterlesen

Date am Donnerstag, #2: New England Patriots – New York Jets Preview

Diese Saison gibt es das Thursday Night Game in der NFL schon ab Woche 2, übertragen vom ligaeigenen NFL Network (NBC bekommt dafür zu Thanksgiving das Nachtspiel). Die Ansetzung heute Nacht, 02h live bei SPORT1 US, ist eine altbekannte Rivalität aus der AFC East, New England PatriotsNew York Jets. Die Partie ist schon traditionell aufgeladen mit einiger Spannung, Stichwort Boston gegen New York, Pats gegen Jets, Belichick gegen Rex Ryan… und diesmal mischt sich auch eine wilde Auftaktwoche in der NFL-Saison mit rein, in der die Patriots um ein Haar eine sensationelle Pleite kassiert hätten, die Jets dagegen sensationell eine chancenlos geglaubte Partie holten. Weiterlesen

NFL-Recap, Week 1: New York Jets – Tampa Bay Buccaneers

Die vielleicht größte Überraschung – zumindest wer solche Erwartungen an die Buccs hegt wie ich – des ersten Spieltags war vermutlich dieses Spiel, das die New York Jets 17-15 gewannen. Um ganz schnell die letztlich spielentscheidende Szene zu beschreiben: Ja, das Personal Foul des LBs #54 Lavonte David in den letzten Sekunden gegen den bereits aus dem Spielfeld gelaufenen QB #7 Geno Smith war hirntot. Es war der schlimmstmögliche Fehler im schlimmstmöglichen Moment. K Nick Folk konnte danach relativ locker aus 48yds zum Überraschungssieg einschießen.

Es war nicht die einzige Undiszipliniertheit der Buccaneers in diesem Spiel. Man hatte zeitweise das Gefühl, dass hier die Detroit Lions am Werk waren, so viele Schlampigkeiten begingen die Buccs. Das begann schon im ersten Drive, als man offenbar Probleme mit dem Headset bei QB #5 Josh Freeman hatte: Verbrannte Timeouts, delay-Strafen direkt nach dem Timeout (sogar 2x) und furchtbar dilettantische Strafen gegen die Defense (Personal Foul beim 3rd-und-21, my ass?) – alles Dinge, an die sich jemand bereits gewöhnt hat, der seit Jahren die Lions verfolgt. Scheint nun auch für Buccs-Fans relevant zu werden. Auf alle Fälle wirft es kein gutes Licht auf den Trainerstab von Greg Schiano.

Insgesamt wirkte die Buccs-Offense ziemlich asynchron: RB #22 Martin trotz zeitweise ordentlicher Blocks mit einer anämischen Vorstellung und vor allem als Empfänger von Checkdowns komplett irrelevant. Die WRs 1 und 2, #17 Vince Jackson und #19 Mike Williams, waren nicht das Problem. Es lag IMHO vor allem in der schon in der Preview beschriebenen Gefahr des fehlenden dritten Mannes für die Mitteldistanzen: Das schien das große Problem der Buccs-Offense zu sein. QB Freeman hat bedenklich schwache Stats, wenn man seine Würfe zu Jackson und Williams exkludiert.

Bleibt zu konstatieren: Weg geworfenes Spiel der Buccs, keine Frage. Aber wer so unvorbereitet und so undiszipliniert auftritt, muss eben schonmal damit rechnen, in einem ersten Saisonspiel auf die Fresse zu fliegen, und sei es gegen eine der vermeintlich schwächsten Teams der Liga.

Auf Jets-Seite fand das Laufspiel in der Offense überhaupt nicht statt, was gegen die starke Buccs-Run Defense vielleicht kein Beinbruch ist. QB Geno Smith in seinem Debüt zeigte eine für meinen Geschmack grade noch adäquate Vorstellung: Die INT war ein grober Fehler und den Fumble, den Geno beging, begehen nicht viele Jungs in der Situation, aber ansonsten machte er gerade genug Plays um nicht der Sündenbock zu werden. Im Gegenteil: Am Ende machte es ihm David sogar einfach, zum Hero zu werden. Und man beachte: Seine erste Anspielstation, WR #10 Holmes, war bei CB #24 Darrelle Revis mehr oder minder abgemeldet, insofern muss man Smith schon ein Kompliment machen.

Bleibt zu konstatieren: Tampa mit einem unnötigen Fehlstart. Jetzt folgen die Saints und die Pats, und die „Aussicht“ auf einen richtig misslungenen Start. Für die Jets geht es am Donnerstag in New England weiter. So wie sich die Pats am Sonntag in Buffalo präsentierten, ist zumindest ein relativ enges Spiel nicht undenkbar.

Geno Smith und die New York Jets

Die Einberufung von QB Geno Smith mit dem 39ten Pick zu den New York Jets war eine der weitreichendsten Entscheidungen in diesem Draftwochenende 2013. Meine erste Reaktion war „also doch“. Ich war nicht wirklich überrascht, auch wenn jedem sofort bewusst war, wie heikel die Entscheidung der Jets war.

Ma überlege: Geno Smith ist alles andere als ein fertiges Produkt. Die Skill-Player sind selbst nach dem Trade für RB Chris Ivory maximal lauwarm besetzt, die Offense Line ist eher so naaaaaaaja, der Trainerstuhl des Rex Ryan ist schon an zwei Beinen quasi durchgesägt. Oben drauf kommt noch die aggressivste Boulevard-Presse und ein Publikum, dessen Geduld nun zwei Jahre überstrapaziert wurde. Entsprechend schaumgebremst guckte Geno auf der Vorstellungspressekonferenz dann auch aus der Wäsche.

Geno Smiths Einberufung bedeutet auch: Er ist quasi per sofort der beste Quarterback im Jets-Kader. Ob er deswegen auch gleich ins Getümmel geschmissen werden sollte, ist eine andere Frage: Man riskiert, ihn zu verbrennen. OffCoord Marty Mornhinweg ist kein unterirdischer Mann, aber es galt als Konsens, dass Geno als Rookie einige Zeit zum Einlernen brauchen würde. Bloß: Von wem willste lernen?

Weil die Jets Quarterbacks sammeln wie andere Bierdeckel, war Geno Smith der sechste Quarterback im Jets-Kader. Wir sind mittlerweile bei fünf, da Tebow wie lange erwartet am Montag gefeuert wurde. Der Tebow-Einkauf letztes Jahr wird ein Mysterium bleiben, der letzte oder vorletzte Bock des ehemaligen GMs Tannenbaum. Tebows Entlassung kostet 1.5 Mio. Cap-Penalty, spart aber insgesamt 1 Mio. Platz unter der Cap ein (Tebow schreibt momentan zirka 2.5M an). Auch Matt Simms können wir als sicheren Streichkandidaten eintragen.

Vielleicht kann David Garrard als Art Mentor fungieren. Garrard geht auf die 40 zu und hat seit gut drei Jahren nicht mehr gespielt. Wenn schon Mentor, kann der Mann auch gleich einen auf Assistenzcoach geben und als solcher eingestellt werden. Greg McElroy ist noch jung und zwar blass, aber keinesfalls so unterirdisch, dass man ihn unbedingt rausschmeißen möchte. McElroys Entlassung käme aber praktisch gratis (nur 32k Cap-Penalty).

Bleibt The Sanchize, Mark Sanchez, der nach vier Jahren Stagnation als komplett verhasst in der Anhängerschaft gilt. Seine Vorstellungen schreien seit zweieinhalb Jahren nach „entlasse! Entlasse!“, aber weil ihm Tannenbaum letztes Jahr einen Deal aufsetzte, wie ihn nur ein Wahnsinniger ausschreiben kann, ist Sanchez nicht schlecht gegen den Rauswurf versichert: Er schreibt 2013/14 mit 12 Mio. Dollar unter der Salary Cap an – ein Wahnsinnspreis, aber nix gegen die Kosten, die seine Entlassung noch vor der Saison kosten würde: Die dead money würde 17 Mio. betragen, also mehr als Sanchez‘ Gehalt!

Jedem ist klar, dass Sanchez nicht die Zukunft ist. Bisher war man davon ausgegangen, dass er aufgrund des idiotischen Vertrags aber zumindest noch eine Saison überleben würde. Nach Geno Smiths Einberufung sind Zweifel angebracht: Sanchez muss sich trotz der dead money-Absicherung Sorgen machen um seine Jobsicherheit. Ein Rauswurf wäre der beste Move für die Jets.

Am günstigsten wäre eine Abschreibung noch vor dem 1. Juni, also keine Verschiffung von dead money in die nächste Saison. Die Jets würden eine Saison 2013/14 in der Hölle durchleben, aber sie hätten in einem Jahr millionenweise Platz unter der Salary Cap (locker 40-50 Mio.) – ausreichend Platz um einen Neustart zu iniziieren, ob mit oder ohne einen Head Coach Rex Ryan.


Ich sehe den Jets-Pick für Geno Smith optimistischer als andere Beobachter. Alle waren der Meinung, dass Smith die Voraussetzungen hat, eine Franchise zu führen, dass er aber Zeit brauche und man von ihm keine Luck’schen Wunderdinge erwarten dürfe. Die Jets verbrannten keine wertvollen hohen Draftpicks für die Wundertüte Geno, sondern den relativ risikofreien Pick in der zweiten Runde. Das ist insofern wichtig, da es immerhin finanziell und medial deutlich weniger heikel ist, einen Quarterback aus der zweiten Runde zu bekommen. Freilich wäre das Jahr Einlernzeit für Geno der beste Fall, aber sofern man nächstes Jahr durchstarten möchte, sollte man Sanchez entlassen und mit dem Rookie Geno in die Saison gehen. Die Offense kann eh nicht mehr unterirdischer werden und wenn alle Stricke reißen, wartet nächstes Jahr eine interessantere Quarterback-Gruppe in den Top-10.

Die Quarterbacks im NFL-Draft 2013

Die Quarterback-Klasse von 2013 gilt als schwächste seit vielen, vielen Jahren. Die Quarterback-Position ist die Leuchtturm-Position der NFL und ergo auch des NFL-Drafts. Durch das Fehlen eines Superstars auf Quarterback hat der Draft 2013 ein merkwürdig gesichtsloses Erscheinen. Es gibt aber auch die andere Seite, die da wäre: Viele unterschiedliche Spielertypen für unterschiedliche Spielsysteme in einer Liga, in der immer noch zumindest drei, vier Teams händeringend nach einer akzeptablen QB-Lösung suchen. Das macht den Draft 2013 aufregend: Es gibt kein Top-Prospect. Es ist völlig in der Schwebe, wann die ersten Quarterbacks vom Board gehen, welche es sein werden, wie viele Quarterbacks überhaupt in der ersten Runde gehen (die Rede ist zwischen eins und vier). Diese Unsicherheit weiß ich noch nie. Und sie ist spannend.

Ebenso spannend, wie die höchst gehandelten Prospects, die nicht so langweilig sind, wie man annehmen würde. Ich stelle sie heute vor im wohl längsten Blogeintrag ever auf Sideline Reporter.

Geno Smith: Der schwarze Schlaks

Geno Smith - Bild: Wikipedia

Geno Smith – Bild: Wikipedia

Geno Smith gilt als komplettestes Paket unter den diesjährigen Quarterbacks. Er ist groß gewachsen, wirft schöne Bälle und kann im Notfall mit seiner geschmeidigen Art auch die 15 Yards zum neuen 1st down selbst zurücklegen. Geno Smith fabrizierte am College bei den West Virginia Mountaineers atemberaubende Zahlen jenseits von Gut und Böse. Man muss dieses Stats aber in den richtigen Kontext setzen. Erstens: Geno Smith spielte erst in der Big East Conference, und dann in der Big 12 Conference. Das sind Ligen, die für ihre Passfeuerwerke bekannt (oder berüchtigt) sind. Zweitens: Geno Smith spielte in den letzten beiden Jahren unter der Aufsicht von Dana Holgorsen, einem der treibenden Köpfe hinter der „Air Raid“-Offense.

„Air Raid“ ist ein Passspektakel, das die breiten Hash Marks am College nutzt, und mit einer gnadenlosen Spread-Aufstellung aus der Shotgun-Formation dem Quarterback relativ leichtes Spiel bietet: Viele offene Räume, wenige richtig schwierige Würfe. So sah auch die Mountaineers-Offense aus, mit ihren Dumpoffs für WR Stedman Bailey und das gelbe Blitzlicht, WR/HB Tavon Austin. Smith musste vergleichsweise wenig beisteuern. Die Yards nach dem Catch machten die Musik.

Ganz zufällig entstanden die fantastischen Zahlen aber auch nicht. Smith wird mit 1,88m und 100kg Kampfgewicht NFL-Gardemaß nachgesagt und der Wurfarm gilt als sehr gut, wenn auch nicht in den Sphären eines Aaron Rodgers oder Matthew Stafford. Hat Smith einen guten Tag und Zeit in der Pocket, nimmt er Defenses problemlos auseinander. Zu beobachten ist auch das gewisse „Etwas“, dieses Selbstvertrauen, auch die schwierigen Pässe in Doppeldeckungen zu werfen, die sich mittelmäßige College-Quarterbacks nicht trauen. Das spricht für eine gesunde Portion Selbstvertrauen bei Smith.

Das komplette Kartenhaus bricht aber in dem Moment zusammen, in dem Gefahr in Verzug ist, oder in Footballsprache: Der Passrush durchzubrechen droht. Es spielt dabei nicht mal eine so große Rolle, ob wirklich gleich alle Blitzes einschlagen; es ist dieser Anflug, dass es gleich auf die Fresse geben könnte. Diese Momente sind diejenigen, bei denen Geno Smith die Angst in die Augen geschrieben steht und er die Contenance verliert. Wo ein Brady zwei Schritte nach vorn macht und den Defensive End ins Leere greifen lässt, gibt Smith den Gabbert-Klone und hühnert drei Meter rückwärts genau in dessen Arme. Das ist der gute Fall. Die schlechten sind Fumbles und Interceptions.

Glaubt man US-Experten wie Mayock oder Cosell ist der gefühlte Druck bei Geno Smith dessen Hauptproblem und erklärt nicht nur viele Sacks, sondern auch, weshalb immer mal wieder ein eigentlich simpel ausschauender Ball auf einen meterweit frei gelaufenen Receiver ins Nichts fliegt: Smith wird technisch unsauber und gibt zuviel Druck in den Wurf. Lochpässe sind im Soccer ein probates Mittel; im Football sind sie ein verschenktes Down.

Smith arbeitete in der Offseason mit einigen anerkannten Quarterback-Gurus zusammen, um seine Technik und das Spielverständnis zu verbessern; in kurzen Hosen auf dem Trainingsplatz waren die Verbesserungen spürbar. In wirklichen Spielsituationen konnte er den Fortschritt freilich nicht beweisen, weil es die nicht mehr gab.

Die Offenses des Dana Holgorsen sind zwar nicht reine one read-Offenses (one read = Quarterback schaut sich nur nach einem ausgemachten Ziel um und läuft los, wenn dieses abgedeckt ist), aber es gilt trotzdem als Konsens, dass Smith nicht die ganz schwierigen Sezier-Aufgaben hatte, wenn es um Verständnis von Intentionen der gegnerischen Defense ging. Scouts wie Cosell machten bei Smith die Tendenz aus, zu lange auf dieses erste Ziel zu starren, und dann den Wurf ebenda hin anzubringen. Das gelingt dir in besagter breiter College-Offense, führt in der NFL aber eher zu fünf Interceptions denn fünf Touchdowns. Problem für Smith: Man ist sich nicht einig, ob diese Tendenz mit Coaching auszumerzen ist.

Es gab im April einen verheerenden Scouting-Report der eigentlich anerkannten US-Zeitschrift Pro Football Weekly, die Smith menschlich auf eine Stufe mit Jamarcus Russell oder Mario Basler stellte – ein Artikel, der Smith in der Öffentlichkeit im Nachhinein eher geholfen als geschadet haben dürfte: Die Fraktion pro Smith – so ziemlich alle außer PFW – reagierte mit Unverständnis und es gilt als ausgemacht, dass Smith ein Arbeitstier ist, der nicht an fehlendem Fleiß scheitern wird.

So haben wir den Frontmann und gleichzeitig das Symbol der Quarterback-Klasse von 2013: Ein beweglicher Mann mit guten Grundvoraussetzungen, der an einigen Stellen im Repertoire eines Quarterbacks noch nicht geschliffen ist und mit Passrush nicht klarkommt, aber nicht auf der faulen Haut liegt, sondern intensiv an seinen Schwächen arbeitet.

Es steht außer Frage, dass Geno Smith in anderen Draftklassen nicht in der ersten Runde einberufen würde, aber 2013 ist ein Ausnahmejahr. Das Verlangen der Teams nach Quarterbacks wird letztendlich dazu führen, dass er irgendwann im Verlauf der Nacht auf Freitag (also in Runde 1) einen Abnehmer finden wird. Und das garantiert uns mehr oder weniger einen Geno Smith, der in Kürze als NFL-Starter auf dem Feld stehen wird.

Ein weiterer schwarzer Quarterback, und ein sympathischer dazu. Forza, Geno.

Matt Barkley: Sonnyboy mit gutem Herzen

Matt Barkley - Bild: Wikipedia

Matt Barkley – Bild: Wikipedia

Matt Barkley ist der komplette Gegenentwurf zu Geno Smith: Weiß, etwas dicklich, Grobmotoriker, aber aufgewachsen in einer „Pro Style“-Offense in einem der medial meistbeachteten Colleges, der University of Southern California. USC hatte sich in den vergangenen zehn Jahren einen Ruf als Ausbildungsstätte von überhypten QB-Prospects erarbeitet, Granaten wie Carson Palmer, Matt Leinart, Matt Cassell, Jon David Booty oder Mark Sanchez sei Dank. Barkley galt als der nächste in der Linie, und hätte er vor einem Jahr den Weg in die NFL gesucht, er wäre mit dem achten Pick zu den Miami Dolphins gegangen.

Tat er nicht. Matt Barkley erlebte am College keine einfache Zeit, sollte als Nachfolger des charmanten Modelgesichts Sanchez in den Tumult geschmissen werden, aber dann kam erst mit Lane Kiffin ein Arschloch als Head Coach, ehe die NCAA mit Strafen auf Verstöße der Uni Mitte der 2000er Jahre reagierte und USC von allen Bowlspielen ausschloss. Barkley spielte eine starke 2011er-Saison gegen einen schwachen Schedule, konnte sich aber nicht mit „seinem“ Bowlspiel verabschieden und entschied sich, am College zu bleiben.

Und weil man bei den Jungs, die an der Uni vier Jahre durchspielen, mehr Zeit hat, die Fehler zu finden, gilt Barkley heute nur mehr als mittelmäßiges Prospect. Der große Werfer für die sensationellen Pässe in Dreifachdeckung war er nie, das hatte nie jemand bestritten, aber in einem Jahr, in dem USC alle Hoffnungen mehr als enttäuschte, konnte auch Barkley nix gegen einen Absturz aus dem Lehrbuch machen. Er ließ sich narrisch machen, warf ungewohnte Pässe in gedeckte Zonen.

Als er sich erfangen hatte, schlug eine Schulterverletzung zu. USC qualifizierte sich für die Bowl Season und durfte diesmal auch mitspielen. USC wurde für die Sun Bowl am Silvesterabend nach Albuquerque (noch mal: Albuquerque) ausgewählt. Albuquerque liegt in der Wüste von New Mexico und ist für die Großstadtjungs aus Los Angeles in etwa so aufregend wie der tägliche Sonnenuntergang.

Insofern kann man drüber streiten, ob Barkley gestraft oder belohnt war, weil er aufgrund besagter Schulterverletzung nicht mitspielen konnte. Jetzt wartest’ vier Jahre auf dieses Spiel und dann ist es erst die Pest und dann biste auch noch verletzt. Scheiße hoch drei.

Das war die Anekdote, aber ärgerlicher war, dass Barkley aufgrund besagter Schulter auch in der Offseason wenige Trainingseinheiten bestreiten konnte und wenige Gelegenheiten hatte, die aufgekommenen Zweifel zu widerlegen. Als sicher gilt: Barkley ist mit seinem sehr präzisen Wurfarm gemacht für eine timing-orientierte Kurzpassoffense. Das ist ein Spielsystem, auf dem viele NFL-Playbooks basieren, aber die meisten OffCoords gehen mittlerweile dahin, ihre System zu öffnen, tiefere Elemente einzubauen, um die Abwehr auseinander zu ziehen. Da macht der Barkley nicht mit.

Persönlich war ich nie von Barkleys Standing, seiner Präsenz in der Pocket, seinem Mut, seiner Antizipation, überzeugt. Barkley ist ein weiterer dieser blassen Jungs, die jedes Jahr in Massen aus dem College kommen, in der NFL wenns gut läuft zwei, drei Jahre spielen, ehe sie ausgeguckt sind, und weil sie nicht den Zauberarm haben, können sie nicht mehr antworten, wenn der Gegner die Gretchenfrage stellt.

Da Barkley ein gutherziger Mann ist, der in seiner Freizeit in Afrika Lehmhütten für das Straßenvolk baut anstatt mit Paris Hilton in Nachtclubs zu tanzen, ist man trotzdem geneigt, dem Mann alles Gute zu wünschen. Vielleicht bricht Barkley ja den Trend. Viele Experten, auf die ich was gebe, sehen in Barkley ein Talent für die dritte oder vierte Runde und verweisen drauf, dass sein „big School“-Status ihn nach oben spüle. Andere sehen ihn als solide Option für die erste oder zweite Runde. Ausgehen kann man Stand heute von letzterem.

Tyler Wilson: Mein Coach ist ein Affe

Prospects 2013

Name                  Rd
Geno Smith            1
Matt Barkley          1-2
EJ Manuel             1-2
Ryan Nassib           1-2
Mike Glennon          2-3
Zac Dysert            2-4
Tyler Bray            2-4
Tyler Wilson          2-4
Matt Scott            2-5
Landry Jones          3-4
Brad Sorensen         5-7
Sean Renfree          5-7
Collin Klein          7
Ryan Griffin          7

Mayocks Top-5

1 - Smith
2 - Manuel
3 - Barkley
4 - Nassib
5 - Bray
5 - Glennon

Wenn Matt Barkley von einem Arschloch gecoacht wurde, was soll dann Tyler Wilson denken? Der musste an der University of Arkansas zwei Jahre hinter dem Suffkopp Ryan Mallett versauern, ehe er von der Leine gelassen wurde und die Offense von Head Coach Bobby Petrino auf ein neues Level hob. Für Bobby Petrino zu spielen ist so ziemlich die zwiespältigste Aufgabe, die man sich vorstellen kann: Auf der einen Seite sind dir großartige Statistiken quasi a priori geschenkt. Auf der anderen murmelst du den ganzen Tag lang „Hurensohn. Arschloch. Vollidiot.“

Die Quarterbacks des Bobby Petrino genießen in der NFL keinen allzu guten Ruf, was daran liegt, dass sie quasi ausnahmslos die Erwartungen enttäuschen. Das liegt daran, dass Petrino ein one read-ähnliches System spielen lässt, das seine Passoffense am College gut aussehen lässt, wenn der Quarterback nur schnell genug den Ball aus der Pocket bekommt. In der NFL geht das nicht, weil der Gegner zu schnell, zu stark, zu schlau ist. Es gibt Spieler, die aus einem one read-ähnlichen-System kommen und es gepackt haben (Cam Newton). Die meisten schaffen es nicht.

Tyler Wilson war nach seinem ersten Jahr als Starter seines Head Coaches beraubt, da Bobby Petrino das machte, was er immer macht: Eine Schweinerei. Petrino fuhr ohne Helm mit dem Motorrad durch die Gegend, eine hübsche Kellnerin im Schlepptau. Es passierte ein Unfall. Petrino versuchte zu vertuschen was noch zu vertuschen war, aber es misslang. Es kam ans Licht, dass die Kellnerin nicht die einzige war, mit der Petrino seine Frau und seine Kinder hintergangen hatte. Petrino wurde gefeuert, Arkansas lag in Trümmern, und Tyler Wilson musste ohne den Lehrmeister die Offense orchestrieren.

Er spielte erwartet schlecht. Der Wilson von 2011 ist ein komplett anderer Quarterback als der Wilson von 2012. Es gilt ähnliches wie bei Barkley: Ein Jahr mehr, um die Schwächen offenzulegen. Diese wären da der etwas limitierte Wurfarm, eine leichte Allergiereaktion auf zu starken Passrush und zu viele forcierte Pässe. Weil Wilsons Hände außergewöhnlich klein sind, ist der eine oder andere Fumble vorprogrammiert.

Was dagegen für Wilson spricht, sind seine Führungsqualitäten und der bedingungslose Einsatz. Im Notfall steht Wilson bis zur allerletzten Sekunde in der Pocket seinen Mann und versucht noch den Pass anzubringen, wenn die ersten beiden Rippen schon knacksen. Das ist Kurt Warner-esk. Auch die Gehirnerschütterungsgefahr ist es. Wilson hatte schon eine heftige, und man kann schon den einen oder anderen künftigen Ausfall vorab eintragen.

In Summe ist Wilson ein nur mäßig eindrucksvolles Prospect, der aber zumindest in 1-2 Jahren seine Chance als Starter bekommen dürfte und im schlimmsten Fall ein sehr guter Backup/Ergäzungsspieler der Kategorie Orton oder Dalton werden kann.

E.J. Manuel: Jimbos Lieblingsschüler

E.J. Manuel ist das typische Kid aus der Highschool, das als „Athlete“ mit viel Tamtam rekrutiert wird um für ein klangvolles College zu spielen, dann aber erstmal auf die harte Tour hinter einem soliden Quarterback lernen muss, einspringt und dabei genügend zeigt, um alle noch mehr zu entzücken, ehe er dann die Zügel wirklich in die Hand bekommt – und nach zwei Jahren alle mit einem Gefühl des Unvollendeten verlässt.

Manuel ist ein bisher nicht eingelöstes Versprechen, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit Florida States Head Coach Jimbo Fisher in die Entwicklung dieses Spielers steckte. Alle sind sich einig, dass der 1,93m-Brocken Manuel mit seiner Beweglichkeit und Wurftechnik NFL-tauglich ist, aber es gibt die typischen Probleme zu vermelden: Reagiert nervös auf Anflüge von Passrush, streut auch ohne Druck immer mal wieder einen völlig vermurksten Ball ein, kennt nur Grundkonzepte einer NFL-Offense.

Da bleibt die Frage, wie entwicklungsfähig Manuel noch ist, nachdem er vier Jahre speziellste Beachtung am College genoss, aber immer noch nicht mehr als Halbfertigware ist. Können ihm NFL-Trainer radikal seine zu hohe Ellbogenpositionierung im Wurf austreiben?

Immerhin: Er kann eine read-option-Offense leiten und dürfte schon mal qua dieses Fakts modern genug für die NFL sein. Manuel ist kein großer Scrambler, aber er ist schnell genug und flink genug, um eine ständige Bedrohung für die 7yds-Scrambles zum neuen 1st down zu sein – ein potenziell gigantisches Asset, weil er sich auch nicht scheut, einen Hit mitzunehmen.

Manuel ist eines der großen Mysterien des Drafts, da man sich nicht einig ist, wo er vom Tablett geht. Ein mutiges Team könnte ihn Ende der ersten Runde holen, aber er könnte auch in die Tiefen der zweiten Runde fallen. Wer ihn zieht, muss wissen, was er bekommt: Ein Riesentalent, das noch viel zu lernen hat. So viel, dass es möglicherweise vor der Reife verbrennt ist.

Tyler Bray: Der Bomber von Knoxville

Tyler Bray ist der Name, den ich häufig aus reiner Gewohnheit als „Brady“ in den Laptop tippe, aber die Unterschiede zu einem gewissen Patriots-Quarterback sind größer als ein Buchstabe. Mehr noch, sie sind so groß, dass wir gerade noch die Position „Quarterback“ als Gemeinsamkeit durchgehen lassen können. Danach wird es murksig, denn während Brady mit einen unheimlichen Willensleistung den Durchbruch schaffte, ist Bray eher das schlampige Genie, das seine von oben herab geschenkten Talente vergeudet, dass es gestraft gehört.

Bray ist vielleicht der Mann mit dem stärksten Arm in der Klasse von 2013, aber das negiert sich zu weiten Teilen, weil er ein hopp-oder-topp-Spieler ist, der sich nicht lange um die Komplexität der Defense schert, sondern einfach mal den Snap nimmt und den Feuerball rauslässt. Entsprechend viele Bälle fallen ins Nichts, wenn die Receiver nicht sensationelle Routen laufen. Bray und Mobilität? Vielleicht haben wir doch noch eine Ähnlichkeit mit Brady gefunden: Beide sind immobil wie eine Scheibe Toastbrot.

Vielleicht war Bray am College in Tennessee ein Opfer der Umstände (zwei Trainerwechsel, rabiates und ungeduldiges Umfeld, das der Vergangenheit nachtrauert). Vielleicht auch nicht, denn wenn wir im Eintrag für Wide Receiver von drei potenziellen Volunteers für die erste Runde lasen, müsste der Supporting Cast doch eigentlich sensationell gewesen sein. Ein weiteres Problem bei Bray: Er entwickelte sich in drei Jahren am College überhaupt nicht. Entwicklung, das ist aber, was er braucht – und zwar zumindest ein Jahr. Daher wäre eine Einberufung in der ersten Runde mit entsprechend einher gehender Erwartungshaltung von Fans und Eigentümer eher kontraproduktiv.

So oder so bleibt die bange Frage, ob Bray überhaupt trainierbar ist. Am College tendierte er dazu, mit Nase auf zweieinhalb Metern über den Campus und am liebsten seinen Coaches beibringen zu wollen, wie das Footballdingens denn überhaupt funktioniert. Die Ohren taub für gute Ratschläge und null Selbsthinterfragung bei offen geübter Kritik? Ick weiß nicht, ick weiß nicht. Bray ist eine Verlockung, die mit dem Apfelbaum des Adams vergleichbar ist. Zu viele dieser QB-Prospects sind in den letzten Jahren auf die Fresse gefallen.

Ryan Nassib: Dougs Zögling

Wenn so viele der bisherigen Quarterbacks mit wilden äußeren Umständen und ständig wechselnden Trainerstäben am College zu kämpfen hatten, ist Ryan Nassib der reinste Langweiler dagegen: Aufgewachsen im gut behüteten Universitätchen Syracuse, vier Jahre Starter unter dem leisen Arbeiter Doug Marrone, einen 25-25 Record eingefahren, ohne Aufruhr in die NFL verabschiedet.

Nassib ist der Montee Ball unter den Quarterbacks: Kann alles ein bisschen, ist nirgendwo sensationell. Beweglich, um dem Passrush auszuweichen, aber kein Sprinter. Viele Seiten des Playbooks bereits intus, aber nicht instinktiv genug, um seine Athletik auszunutzen um dem Passrush intelligent auszuweichen. Guter Arm, aber die tiefen Bälle sind zu langsam, als dass sie konstant zum Erfolg führen. Nassib sieht aus wie einer der souveränsten Backups für die Zukunft: Guter Spieler, kommt auf Dauer mit Passrush nicht zurecht, wird nur mit überragendem Coaching den notwendigen Entwicklungssprung zum Tom Brady 2.0 schaffen.

Doug Marrone, wie geschrieben Nassibs Coach am College, ist mittlerweile Head Coach der Buffalo Bills. Die suchen seit zirka zwei Jahrzehnten einen Quarterback und werden diesmal auch einen draften. Die Buffalo Bills draften an #8 in der ersten und #41 in der zweiten Runde. Viele sehen den Zögling Nassib automatisch mit einem der beiden Picks nach Buffalo gehen. Die Wahl klingt so logisch, dass sie unlogisch klingt. Marrone weiß besser als alle anderen um die Limits des Ryan Nassib. Wird er ihn trotzdem draften?

Der Rest der Klasse von 2013

Mike Glennon von North Carolina State ist Tyler Bray minus Charakterproblem, mit einer fehlenden Prise Selbstwertgefühl. Man könnte den Rest übernehmen: Wunderschöne, hart geworfene Bälle, manchmal etwas unpräzise, aber nur solange der gegnerische Passrush die Pocket mit Samthandschuhen angreift. Wird es schmutzig, kollabiert Glennon unter der eigenen Erwartungshaltung und fabriziert nur noch Fumbles und Bälle auf den zweiten Rang. Sieht aus wie eine sicherere Tüte als Bray, aber mit etwas weniger „Upside“.

Landry Jones von der University of Oklahoma weiß, was hohe Erwartungshaltungen sind, gilt aber als ausgeguckt und stagniert seit Jahren in seiner „Entwicklung“. Jeder weiß, dass Jones nicht den Arm für das vertikale Spiel hat, und jeder weiß, wie farblos sein Spiel werden kann, wenn die Offense Tackles ihm nicht die Zeit geben, wenigstens den zweiten Mann anzuschauen. Landry arbeitete als Vorbereitung auf den Draft mit einem anerkannten Quarterback-Genie (George Whitfield jr.) zusammen, und der jodelte nette Töne über seinen Kunden, aber das Interesse der Teams scheint nicht mal mehr groß genug zu sein, dass sich nationale Medien besonders für den Trainingstag der University of Oklahoma interessierte. Das ist bemerkenswert, denn es gibt wenige Colleges, die von mehr Buzz umgeben sind als Oklahoma. Bei Jones und den Quarterbacks ist das anders. Gilt als gute Option für die dritte oder vierte Runde, mit 2-3 Jahren Einlernzeit an der Seitenlinie.

Ein völlig faszinierender Spieler ist Zac Dysert von der „kleinen“ University of Miami, nämlich jener in Ohio. Es gibt gute Scouts, die vernarrt sind in Dysert, der alles haben soll und am allermeisten ein instinktives Spielgefühl („in nullkommaneun Sekunden ist der Tight End mit der #87 offen, als feuere ich“). Die abschreckenden Parts sind die schwache Conference, in der Dysert spielte und dabei keine weltbewegenden Stats produzierte, sowie eine unangenehm hohe Zahl an schwachen Routine-Würfen in seinen Game-Tapes. Dark horse.

Dark Horse ist auch Matt Scott von Arizona, ein wuseliger Mann mit etwas unkonventioneller Spielweise: Beim Passen liegt der ganze Körper im Wurf, sofern nicht grad wieder Matt-Stafford-like ein Sidearm-Wurf eingebaut wird. Beim Scrambeln sieht das extrem aufgeregt aus, als hätte Scott alles, nur nicht die Ruhe weg. Gilt als Vertreter der „neuen“ QB-Generation mit hohem Kompatibilitätsfaktor für Option-Offenses, aber als längst nicht weit genug, um mit dem Wissensstand von heute eine Einberufung vor der vierten oder fünften Runde zu rechtfertigen.

Greg Cosell und seine Sicht der Dinge: Die Quarterback-Klasse von 2013

Am Wochenende habe ich mir den Podcast von Yahoo mit Doug Farrar und Greg Cosell (NFL Films) angehört. Cosell ist einer der Männer, denen ich nach Mayock mit am meisten abnehme, was Scouting angeht. Für Cosell ist der Scouting-Prozess vor allem darauf beschränkt, sich die physischen Tools der einzelnen Prospects vor Augen zu führen und zu schauen, was sich damit machen lässt: Kann man den Spieler sofort ins Getümmel schmeißen oder musst du 2-3 Jahre Coaching verwenden?

Cosells Grundstimmung ähnelt jener Mike Mayocks: Die QB-Klasse 2013 sieht im Vergleich zu jener des letzten Jahres blass aus, aber es gab schon deutlich schlechtere Jahrgänge in den letzten Jahren. Es sind halt viele Jungs dabei, denen das eine oder andere Feature abgeht und die deswegen noch ein paar Dinge mehr als RG3 lernen müssen.

Cosell und die Quarterbacks

Bei mir verfestigt sich das Bild der QB-Klasse 2013 nach dem Gehörten immer mehr.

Geno Smith – darf endgültig als NFL-Kaliber durchgehen, der alle Würfe draufhat. Smith hat noch einiges zu lernen, was seine Beinarbeit angeht, um sich unter Druck in bessere Wurfposition zu bringen. Unter Druck wird er schnell nervös, aber laut Cosell lässt sich das bei Smith auf kleinere technische Mängel („vertraut seinem Arm noch nicht genug“) zurückführen – ein Problem, das intelligente Coaches beheben können.

Smith hat für Cosell „functional mobility“, d.h. er ist kein Scrambler, aber bewegt sich außerhalb der Pocket sehr smooth. In der Pocket gibt es aber noch Verbesserungsbedarf: Unter Druck muss Smith noch lernen, die zwei Schritte nach vorn zu machen und seine Augen stets downfield zu halten – etwas, das ein Brady meisterhaft beherrscht und sich erlernen lässt.

Matt Barkley – hat zu wenige Würfe drauf um sofort den Starter zu geben, vor allem nicht in einer vertikalen Offense. Barkleys Arm ist enttäuschend schwach, seine Füße zu steif. Diese functional mobility von Smith geht Barkley komplett ab. Cosell gibt Barkley vor allem als „System-QB“ eine Chance: In einer Offense mit extremer Präzision und superbem Timing kann Barkley auftrumpfen, aber dafür muss er an seiner Körperkontrolle arbeiten. Fazit für Cosell: 4th round pick. Cosell weiß, dass das nicht passieren wird, aber allein von den athletischen Voraussetzungen ist Barkley nicht höher einzuschätzen.

Nicht witzlos: Farrar/Cosell diskutieren und kommen zum – für mich nicht überraschenden – Schluss, dass ein anderer ehemaliger USC-Quarterback, Mark Sanchez, einst ein klar besseres Prospect für die NFL war als Barkley heute.

Mike Glennon – Glennon soll den besten Arm haben und immer auf die korrekte Schulter werfen (wichtig, weil WRs damit mehr yards after catch machen können) somit schon mal eine Garantie für spätestens dritte Runde. Davon ab gibt es an Glennon einiges auszusetzen: Unter Druck viel zu langsame Füße, was dazu führt, dass Glennon schnell nervös wird und komplett auf seine Technik vergisst. Cosell ist sich nicht sicher, wie schnell man dies aus Glennon rausbringt, schließlich kriegst du in der NFL fast nie eine saubere Pocket. Ein möglicher Vergleich zum Zeitpunkt des Drafts sei Flacco, aber Cosell ist sich nicht sicher, ob Glennon mit seiner Fußsteifheit überhaupt jemals Flacco-Niveau erreichen kann.

Tyler Wilson – für Cosell eine harte Nuss, weil seine Wurftechnik unkonventionell ist und er häufig in den „Sidearm“-Modus verfällt (Cosell: sidearm slinger). Wilson hat einen guten Arm, viel besser als Barkley, aber es gibt das Problem, das so viele Quarterbacks haben, die am College in einer Offense von Bobby Petrino spielten: Er kriegt kalte Füße, wenn der erste „Read“ (Go To Guy in dem Play) nicht offen ist. Petrinos Offense sind so aufgestellt, dass früh im Spielzug der gewünschte Receiver frei steht – das kriegste in der NFL nicht so einfach hin. Immerhin kann man Wilson ein gutes Gefühl für eine Pocket nachsagen.

Landry Jones – vom Arm her ein Spieler wie Matt Ryan: Kann alle Würfe machen, aber hat nicht diese Wurfstärke für die 180km/h-Bomben. Die größten Fragezeichen sind auch hier: Wie reagiert Jones, wenn du Pocket eine Suppe (Cosell: „muddy“) wird? Wenn du bei Oklahoma in der Big 12 eines nämlich kaum siehst, ist das Pass Rush in deiner Fresse. Jones hat für Cosell so schwere Bleifüße, dass er sich keine Prognose zutrauen würde, ob Jones in zwei Jahren reif zum Starter ist.

Ryan Nassib – sehr athletischer Mann, der dem Passrush ausweichen kann und viele Würfe drauf hat. Der Arm ist nicht gut genug, um kompatibel für jegliche Art von Offense zu sein, aber er kann eine Defense verbrennen, wenn er gegen mauen Passrush eine schnelle Kurzpassoffense aufziehen darf. Cosells zwei wichtigste Fragen stellen sich nach dem System: In welches Korsett willst du ihn stecken? Welche Offense willst du spielen? Essenziell, weil Nassib aufgrund des mäßigen Arms nicht alles können wird. Fazit: Gewiss kein Top-10 Pick.

E.J. Manuel – hat die Statur und die Beweglichkeit, um in der NFL als read option-QB in der Tradition des Colin Kaepernick zu spielen. Für Cosell sind es vor allem die vielen technischen Unsauberkeiten, die Manuels Aktien niedrig halten: Schlampige Fußarbeit, zu hohe Positionierung des Ellbogens im Wurf. Das führt dazu, dass er unter Druck häufig sehr unsaubere Pässe wirft.

Manuel ist kein Super-Scrambler, aber geschmeidig wie ein Cam Newton und als Läufer gefährlich genug, um für gegnerische DefCoords potenziell für schlafraubende Nächte zu sorgen. Weiters positiv an Manuel: Seine stets positive Einstellung, seine Eier, auch unter Druck noch seinen Mann zu stehen, sein starker Arm.

Cosell erinnert noch einmal daran, dass Chip Kelly (jetzt Eagles) einst am College in Oregon mit Nachdruck versuchte, Manuel für seine Mannschaft zu rekrutieren. Manuel sagte nope, ging an die FSU.

Tyler Bray – fantastischer Arm, bei dem du oft nur orgiastisches WOW ausstoßen kannst. Gunslinger-Typ. Aber wenige QBs brechen unter Druck so schnell wie ein Kartenhaus zusammen: Wenn er zum Erkaufen von Zeit gezwungen ist, sind die Messen gelesen. Viele Teams werden ihn lieben, aber Cosell ist sich nicht sicher, ob man so langsame Beine auf NFL-Niveau herantrainieren kann.

Zac Dysertdark horse, ein QB dem der Raketenarm abgeht, der aber viele Würfe machen kann. Ist nicht immer präzise, und es soll wohl an einem für mich nicht nachvollziehbaren Problem liegen, das man nicht einfach rauscoachen kann. Dysert macht vor allem auch Sorgen, weil er viele einfache Routinewürfe auf offene Leute teilweise meterweit verfehlte.

Matt Scott – ein Junge, der am College alles gesehen hat, weil er unter vielen OffCoords spielen musste. Legte nach der Saison an Masse zu und blieb trotzdem beweglich in seiner Beinarbeit. Der Arm ist keine Granate, aber die Wurfbewegung („Release“) ist schnell genug für die NFL und für fast alle Mitteldistanzwürfe aus fast allen Winkeln. Heraus sticht auch seine Furchtlosigkeit: Häufig (zu häufig?) steht er seinen Mann bis zur allerletzten Millisekunde und feuert dann einen 3yds-Pass auf Kosten einer Gehirnerschütterung ab. Für Cosell ist Scott eine großartige Option für gute Coaches, die er deutlich vor der 5. Runde draften würde.


Der geneigte Leser merkt: Das Geschriebene wiederholt sich zum großen Teil. Ich denke, wir sind in Sachen „Tapes“ und Analysieren vom Können der einzelnen Athleten soweit, dass es zwischen den relevanten Experten größtenteils Übereinstimmung gibt. Es hängt nun daran, wie sich die Athleten in den Vorstellungsgesprächen mit den Teams geben und daran, in welchen Systemen die Spieler aufmarschieren sollen.

Die Quarterbacks vor der NFL-Combine 2013

Heute steigen die Quarterbacks (und RBs, WRs) in die Combine ein (Workouts sind dann am Sonntag, 24.2.). Vorausgeschickt sei der Verweis auf die meiner Meinung nach beste Scouting-Seite, was sämtliche Offensiv-Skillpositionen (QB, RB, WR, TE) angeht: Rookie Scouting Portfolio von Matt Waldman. Waldman schreibt nebenher für das Fifth Down Blog der New York Times und die Football Outsiders. Wer sich wirklich en detail über die einzelnen Jungs im Draft informieren will, sollte diesen Link besuchen: The Rookie Scouting Portfolio – 2013 Draft Analysis.


Die Experten sind sich einig, dass die QB-Klasse von 2013 sehr blass gegen jene aus dem letzten Jahr aussieht. Als größtes Talent gilt West Virginias Geno Smith, bei dem ich meine Bedenken ja schon in der Preview für die Pinstripe Bowl kund tat:

Dieser Quarterback ist im WVU-Falle Geno Smith, ein großgewachsener und beweglicher schwarzer Schlaks, der rein zufällig auch als Top-Draftpick 2013 gehandelt wird. Dabei besteht die WVU-Offense im Kern aus extrem quicken Kurzpässen […] Geno Smith, bei dem ich noch einmal die tiefen Bälle sehen möchte, bevor ich mich überzeugen lasse, dass ich den Mann in der ersten Runde vom Tablett gehen lasse.

In jener Pinstripe Bowl unterbot Smith im Schneegestöber der Bronx meine eh schon niedrigen Erwartungen allerdings noch. Smith ist beweglich, aber kein Scrambler. Als Werfer okay, aber nicht superb. Die Mountaineers-Offense der letzten zwei Jahre war eigentlich hauptsächlich viele 2yds-Dumpoffs und die Runningbacks und Slot-Receiver arbeiten lassen. Meine Skepsis Smith gegenüber kann man getrost mit „immens“ beschreiben.

Sideline

Name              Rd 
Geno Smith        1
Matt Barkley      1
Ryan Nassib       1-2
Tyler Wilson      2
Tyler Bray        2
Mike Glennon      2-3
E.J. Manuel       3-4
Landry Jones      3-4
Zac Dysert        4
Sean Renfree      5-6
Matt Scott        5-7
Brad Soerensen    6-7
Collin Klein      7-UFA
Colby Cameron     UFA
MarQueis Gray     UFA
James Vandenberg  UFA

Nebenan in der Sideline habe ich die Combine-QBs gelistet mit einer generellen Einschätzung, wo „man“ (also ein undefinierter Common-Sense) +/- Stand heute die QBs verortet.

Syracuses Ryan Nassib mausert sich zu einem dark horse. Nicht bloß, dass Nassibs College-Coach mittlerweile bei den Buffalo Bills angeheuert hat und die Bills an der achten Position einberufen. Es gerüchtelt, dass Teams wie Kansas City oder Philadelphia gerne Nassib haben möchten, aber ihre hohen Picks nicht opfern wollen und stattdessen hoffen, Nassib per Trade gegen Ende der ersten Runde zu bekommen. Fazit: Nassib kann seine Aktien mit einer guten Combine deutlich verbessern.

Überhaupt ist das Feld bei den Quarterbacks eine ziemliche Suppe. Der Strahlemann Matt Barkley von USC wäre vor einem Jahr ganz hoch gedraftet worden, entschied sich dann aber fürs College und spielte einen schwachen Herbst. Rein optisch wirkte Barkley auf mich nie wie ein prototypischer NFL-Werfer. Vom Gegenteil werden wir unns dieser Tage nicht überzeugen können, denn Barkley wird nach noch nicht ausgeheilter Schulterverletzung kaum die Wurf-Drills mitmachen. Nicht werfen wird auch Zac Dysert (Miami/OH) wegen einer wieder aufgebrochenen Leistenverletzung.

Viel Gutes hört man über den ehemaligen Arkansas-QB Tyler Wilson, der allerdings im Jahr eins nach Arschloch Petrino keinen guten Herbst absolvierte. Petrinos College-Quarterbacks haben zudem keinen guten Ruf als NFL-Spielmacher, aber als Gesamtpaket – Werfer, Standing, Auftreten – ist Wilson für mich die sicherste Tüte in diesem Draft. Der Knackpunkt sollen die viel zu kleinen Hände sein, weswegen bei Wilson der Ball etwas merkwürdig aus der Hand flutscht. Am College soll das schöne Wetter in Arkansas diese Probleme kaschiert haben, ergo dürfen wir uns auf stundenlanges Faseln über drei Millimeter Fingernagellänge einstellen.

Der einzige Junior-QB in der Combine ist Tyler Bray von den Tennessee Vols, der keine Lust hatte, sein Senior-Jahr unter neuem Coaching-Staff zu bestreiten und daher schon heuer Profi wird. Bray wird nachgesagt, über ein Ego zu verfügen, das in keinen 50-Zoller reinpasst und ein ist als Spieler für mich Typ Gabbert: Waffenscheinpflichtiger Arm, aber pro Spiel mit drei hirntoten Pässen die guten Eindrücke kaputt machend. Wir wissen, wie das mit Gabbert gelaufen ist.

Landry Jones aus Oklahoma hat die Zahlen auf seiner Seite, prägte sich aber als extrem blasser Quarterback ein und dürfte IMHO keine Chance haben, vor der zweiten Runde vom Tablett zu gehen. Jones arbeitet allerdings mit einem Trainerguru zusammen, der die letzten beiden Jahre Cam Newton und Luck fit für den Draft machte.

Und als hätten wir nicht schon ausreichend unsichere Situationen, kommt mit Florida States E.J. Manuel der größte X-Faktor noch dazu. Manuel war für mich über Jahre stets mehr Lärm ums Potenzial als erbrachte Leistung, aber selbst als Skeptiker ist es nicht zu übersehen, dass Manuels Beweglichkeit und Körperbau für ein risikofreudiges Front-Office eine ernsthafte Alternative sein wird. Und die gute Performance in der Senior Bowl dürfte Manuel nur entgegen gekommen sein.

Drei weitere Leute mit etwas Thrill: Mike Glennon von NC State ist der Mann, für den sein Trainerstab einst Russell Wilson vom Campus verjagt hat (und in Mayocks top-5 aktuell die #3 unter den QBs). Und Matt Scott soll der Mann sein, an dem sich die Jacksonville Jaguars bzw. deren QB-Coach Scelfo einen Narren gefressen haben. Scott kommt von der University of Arizona und soll eine sensationelle Entwicklung dieses Jahr genommen haben, obwohl er zwischendurch mit klaren Gehirnerschütterungssymptomen (Stichwort: Kotzen im Huddle) spielen musste. Dukes Sean Renfree wird großes Entwicklungspotenzial nachgesagt.

Mit dabei sind auch K-States Collin Klein und Minnesotas MarQueis Gray, beides unkonventionelle Werfer. Klein war ein fantastischer College-QB, aber man sagt ihm bestenfalls das Schicksal eines Kellen Moore nach: Ewiger Backup. Oder Umschulung auf was anderes, z.B. H-Back. Gray ist Joe Webb 2.0.

Nicht in der Combine dabei, aber ein Name zum Vormerken für die nächsten Monate: Ryan Griffin von der kleinen Tulane University, dem Matt Waldman einen durchaus lesenswerten Artikel hinsichtlich „losing/winning-QB“ gewidmet hat:

Tulane’s Ryan Griffin is the example of a talented quarterback lacking the surrounding talent to elevate his draft status. Unlike Jay Cutler, Griffin lacks the mobility to make big plays with his legs or the extraordinary arm talent to make pinpoint throws from corners that defenses paint him into. Griffin is a classic pocket passer.

Some say that the pocket passer is dying in the NFL. I think that’s a melodramatic statement. A truer reality is that the NFL is becoming more open minded to schemes that allow mobile quarterbacks to continue using their skills within a complementary offensive  framework. Pocket passing isn’t dying as much as its monopoly is breaking up.

Griffin may never get the opportunity as a late-round pick to thrive like the marquee names of his 2013 draft class, but I think Griffin – even with his flaws – has shown enough that if he were at USC, Maryland, or Arkansas, “earning a draft pick” wouldn’t be a part of the conversation this late in the process. What Griffin’s game displays that’s as good or better than the likes of Barkley or Glennon is his in-game acumen, pocket presence, maneuverability, and accuracy down field.

Michigans Denard Robinson ist in der Combine mit dabei, allerdings nicht als Quarterback eingeladen, sondern als Wide Receiver.

Orange Bowl 2012: #15 Clemson Tigers – #23 West Virginia Mountaineers

Heute Nacht, 4./5.1. um 02h LIVE bei ESPN America
Aufzeichnung am 5.1. um 19h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit vielen Storylines. Die erste ist die bekannte Schlammschlacht zwischen den beteiligsten Ligen, deren Champs hier antreten: Die Atlantic Coast Conference (ACC) wird von der Big East Conference beschuldigt, für deren schleichenden Niedergang verantwortlich zu sein. Nachdem die ACC vor einem halben Jahrzehnt Miami, Virginia Tech und Boston College abgeworben hatte, folgen in Kürze (2014) mit Pitt und Syracuse zwei weitere namhafte Universitäten. Bei genauerer Betrachtung eine Loose/Loose-Situation: Die Big East ist mittlerweile verzweifelt genug, um in Bälde bis nach Südkalifornien (!) zu expandieren, während die ACC ihrerseits durch die vielen Additionen nicht wirklich an Strahlkraft gewinnen konnte.

So ist die Orange Bowl auch seit Jahren die BCS-Bowl, an der man aus einem Grund meist vorbeisieht: Hier spielt vertraglich gesichert mit dem Meister der ACC meistens eine Mannschaft, die nicht zur Spitze im College Football gezählt wird. Nachfolgend die eingehenden BCS-Rankings des ACC-Champs der letzten Jahre:

2005/06 Florida State      #22
2006/07 Wake Forest        #14
2007/08 Virginia Tech       #3
2008/09 Virginia Tech      #19
2009/10 Georgia Tech        #9 (nachträglich aberkannt)
2010/11 Virginia Tech      #13

2011/12 hat es mit den Clemson Tigers mal wieder eine echte Überraschungsmannschaft geschafft. Ein Kultteam aus einem Kleinstädtchen in South Carolina, seit Jahren berühmt dafür, sein Potenzial nicht ausschöpfen zu können. Jahrelang scheiterte man an einer lendenlahmen Offense. Die heurige Saison galt dann auch als Prüfstein für den im Sommer nicht mehr unumstrittenen Head Coach Dabo Swinney – und angeführt von einer fantastischen Freshman-Klasse explodierte Clemsons Offense (33.6pts/Spiel), während man über die gesamte Saison eine suspekte Defense mit sich schleifen musste. Das führte dazu, dass man lange Zeit ungeschlagen war, dann doch dem Nervenkostüm und den Verletzungen Tribut zollen musste, am Ende ausgepowert zu sein schien, ehe der dann überraschende Kantersieg über Virginia Tech im ACC-Finale folgte, der das Ticket in die Orange Bowl löste.

Als ausgemachter Superstar im Tiger-Angriff gilt Freshman-WR Sammy Watkins, ein Rastaman mit 77 Catches für 1153yds und 11 TD trotz Verletzungsmisere im November, und dazu ein gefährlicher Mann für Reverse-Spielzüge und Returns – mit Nebenleuten wie WR DeAndre Hopkins (871yds, 4 TD) oder den Running Backs Andre Ellington (1062yds, 10 TD) und Mike Bellamy (Freshman, 6.0yds/Carry) gibt es da plötzlich haufenweise passable Skill Players, die man für das Aufblühen des bereits als ewiges Talent abgestempelten QB Tajh Boyd (3578yds, 31 TD, 10 INT plus 5 Rush-TD) verantwortlich macht.

Clemson trifft nun allerdings auf die West Virginia Mountaineers, ein Gegner, der die 3-3-5 Defense spielt, ein System, das Clemson so noch nicht zu Augen bekommen hat. „3-3-5“, das bedeutet: Eine quicke, sehr viel schwerer ausrechenbare Defense. Blitzes können von allen Seiten einschlagen, Offensive Line und Quarterback müssen mehr Denksport als gewohnt betreiben. Wie wird Boyd darauf reagieren und wird man verstärkt auf Laufspiel setzen?

West Virginia hat als Wackel-Champ der in der Spitze schwach besetzten Big East Conference das Orangebowl-Ticket gelöst. Der Weg dahin war eine Achterbahnfahrt, to say the least. Nach der abgelaufenen Saison 2010/11 wurde dem damaligen HeadCoach Bill „Leave No Doubt“ Stewart vom ambitionierten „GM“ Oliver Luck (Andrews Papa) in Offensivgenie Dana Holgorsen ein übernahmebereiter Assistent untergejubelt. Was der lokalpatriotische Stewart nicht verkraftete. Stewart zettelte eine Verschwörung an, streute via Lokalpresse Gerüchte über eine angebliche Alkoholkrankheit Holgorsens, wurde dann jedoch enttarnt und musste nach einer rührenden Schlammschlacht in der Sommerpause seinen Hut nehmen. Holgorsen übernahm den Laden per sofort, und neben Stewards Ruf war auf Lucks Reputation mächtig angekratzt.

Die Erwartungen an Holgorsen aber waren so exorbitant, dass das „9-3“ mit der knapp eingefahrenen Big East-Krone am Ende als leichte Enttäuschung gewertet wurden (hohe Niederlage gegen LSU trotz deutlich mehr erzielter Yards, hohe Niederlage gegen Underdog Syracuse, knappe Niederlage gegen Louisville). Die Offense ist ein Punktesammler (34.9pts/Spiel) und verlässt sich stark auf den Quarterback Geno Smith (3978yds, 25 TD), der trotz vieler Versuche kaum Turnovers produziert (nur 7 INTs in 483 Passversuchen), wird aber gehandicappt von einem schwachen Laufspiel. Gepaart mit einer unterdurchschnittlichen Defense ergibt sich das Gesamtbild einer guten, aber nicht großartigen Mannschaft, was sich im BCS-Ranking von #23 in etwa widerspiegelt.

Für West Virginia ist es das letzte Spiel als Mitglied der Big East, nachdem man bereits 2012/13 fröhlich mit Oklahoma und Texas Tech in der Big 12 Conference gunslingern wird. Eine Prognose fällt schwer, da beide nicht wirklich die nötige Stabilität ausstrahlen und große Aussetzer in beide Qualitätsrichtungen aufweisen. Clemson wird von Excel mit 1,3 Punkten favorisiert, aber das ist so ein Spiel, in dem mich kein Ergebnis in beide Richtungen überraschen würde. Nur so viel: Es wird etliche Punkte geben.