GFWTC, late Rounds: Füllmaterialien

Die GFWTC biegt in die Zielgerade ein, und die letzten Runden sind dazu da, die Mannschaften zu komplettieren, geeignete Spieler für diue Vervollständigung der Ideen zu finden. Die allergrößten Superstars im besten Alter sind vom Board, es bleiben noch drei Kategorien von Spielern übrig: die zweite Garnitur der Topspieler, große Namen, die den Zenit überschritten haben, aber noch 1-2 Jahre guten Value bringen, und blutjunge Prospects, denen man eine gute Zukunft prognostiziert, die aber noch nicht allzu viel bewiesen haben.

LB Dont’a Hightower (17. Runde) ist einer dieser Spieler. Am College in Alabama war Hightower für mich der dominierende Abwehrspieler mit seinem Speed und seiner Spielintelligenz. Im NFL-Draft 2012 ging Hightower erst gegen Ende der ersten Runde vom Tablett, was mich angesichts seiner Leistungen in Alabama überraschte, und sein Rookiejahr war dann auch etwas durchwachsen, mit Eingewöhnungsproblemen. An Hightower mag ich seine Dynamik, seine Instinkte. Er macht relativ wenige Fehler und ist ein grundsolider Tackler, der aber leichte Schwächen in der Deckung besitzt. Er besitzt zwar noch recht wenig Profierfahrung, aber bei Alabama spielte er drei Jahre als Starter durch, müsste also einen gewissen Level an Spielintelligenz besitzen. Hightower ist in der 17ten Runde vielleicht ein leichter „Reach“, aber was bleibt mir angesichts des sich ausdünnenden Feldes an Outside Linebackers noch anderes übrig als ihn zu holen, will ich zumindest in Ansätzen eine 4-3 Defense spielen?

Value-Spielchen

In der 18. und 19. Runde hatte ich einfaches Spiel, was die Positionen anging: Ich wusste, dass Tight End und Defensive Tackle meine Prioritäten waren. Bei den Offensive Tackles waren nur mehr drei Plätze zu vergeben, und zwischen den drei verbliebenen OTs Jake Long, D’Brickshaw Ferguson und Eugene Monroe gibt es so wenig Qualitätsdifferenz und das Alter ist auch kaum ein Faktor, dass ich beruhigt warten konnte. Bei den Centern war der Qualitätsunterschied zu klein. Bei den Receivers waren sieben Plätze, und ich hatte noch genau sieben Jungs auf meinem Board. Auf DE/OLB konnte ich ebenso abwarten. Und weil Andy Goldschmidt, der die beiden Picks zwischen meinen beiden hat, beide Positionen bereits vergeben hatte, konnte ich machen, was ich wollte.

Ein Jahr Tony Gonzalez…

… ist mir mehr wert als mehrere Jahre von anderen Tight Ends? TE Tony Gonzalez von den Atlanta Falcons kündigte diesen Sommer nach etlichen Jahren des Zweifels an, nach dieser Saison endgültig Schluss machen zu wollen. Gonzalez ist im Winter 38 und versucht sich diesen Herbst zum letzten Mal auf seinem Halali. Normalerweise würde ich von so einem Spieler in der GFWTC zurückschrecken, aber dann sah ich mir die verbliebenen Optionen auf Tight End an:

  • Tony Moeaki von den Chiefs ist einer der Männer, die es mir angetan haben seit seinem exzellenten Rookiejahr 2010. Leider ist Moeaki seither ein wandelndes Verletzungsproblem und als Receiver ist er nicht gut genug, um die vorhandenen Schwächen zu kaschieren.
  • Jermaine Gresham und Brandon Pettigrew sind beides Jungs, die mir zu unkonstant sind.
  • Aaron Hernandez sitzt zu 99,9% im Knast.
  • Antonio Gates war mal der beste Tight End von allen, aber mittlerweile mit 30+ ein Bröckerl und obwohl noch immer „gut“, nur mehr ein Schatten seiner selbst. Gates hatte zudem zu viele Verletzungsprobleme. Ich würde ihn normalerweise trotzdem bedenkenlos nehmen, aber es sind reizvollere Spieler auf dem Tablett.
  • Heath Miller ist einer der Jungs, die gern unterschätzt werden: Grundsolider Fänger, grundsolider Blocker, mit 30 Lenze noch nicht weit übern Zenit hinaus, aber die Leistungskurve wird demnächst beginnen abzufallen.
  • Jermichael Finley gehört zu meinen Lieblingsspielern und er wäre mein favorisierter Pick gewesen. Finley ist leider auch einigermaßen frustrierend, weil er häufig zu unkonzetriert spielt und gerne mal einen unnötigen Ball fallen lässt. Finley ist ein Freak von Athlet und mit fünf Jahren Profierfahrung noch kein altes Eisen, aber er ist auch brutal eindimensional.

„Eindimensional“ ist auch Tony Gonzalez, und zwar so eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot. Wenn ich aber in meiner Offense, die meinem QB Aaron Rodgers relativ wenig Schutz gibt, schon einen Tight End mit Fokus „Receiving“ gebe, dann muss diese Fänger-Qualität so ausgeprägt sein, dass ich die Defense wirklich abschrecke.

Tony Gonzalez ist ein Altmeister, aber die letzte Saison deutete in keinster Weise darauf hin, dass er diesen Herbst plötzlich mit voller Wucht den Mann mit dem Hammer sieht und komplett eingeht. Gonzalez hätte es nicht mehr unbedingt notwendig, noch ein letztes Jahr dranzuhängen. Dass er es macht, gibt mir das Gefühl, dass er sich noch das allerletzte Halali zutraut. Ich glaube nicht, dass Gonzalez nur für das Ziel Superbowl-Ring seine Großmutti oder seinen Ruf opfern würde. Wenn Gonzalez noch ein Jahr spielt, dann in erster Linie weil er glaubt, noch volle Leistung bringen zu können und weil er noch eine letzte Chance auf den Ring bekommt.

Ein Jahr Tony Gonzalez ist es mir wert, in der 18. Runde andere Optionen wie Miller, Finley oder Gates zu übergehen. Tight End ist keine Position, um die man eine NFL-Mannschaft baut. Wenn ich in einem Jahr ohne Tight End da stehe, muss ich nicht mein komplettes Mannschaftsgebilde umbauen wie das z.B. mit einem 39jährigen Quarterback wäre. Ich glaube, die 18. Runde ist Value-mäßig auch ein angemessener Ort für einen 38jährigen Tight End, der als bester aller Zeiten gilt, der in sechs Jahren in der Hall of Fame stehen wird, und der allen Eindrücken aus dem letzten Jahr noch den größten Teil seiner Leistung abrufen kann – und sei es nur durch seine fassungslose Spielintelligenz.

Nose Tackle

Zu Beginn der 19ten Runde fiel meine Wahl auf DT Fletcher Cox von den Philadelphia Eagles. Ich hatte in den mittleren Runden gehofft, Fairley oder Michael Brockers zu bekommen, aber datt war dann nix. Was brauche ich für meine 4-3 Under Defense? Keinen sensationellen „Flashy“-Spieler, sondern einen Mann, der imstande ist, „two-gap“ zu spielen um für meinen Nebenmann, DT McCoy ein 1-vs-1 zu ermöglichen. Das ist die Aufgaben meines Nose Tackles in der 4-3 Under Defense. Cox ist in erster Linie ein guter Passrusher, aber Cox wird auch als komplett genug angesehen, um in Philadelphias neuem Spielsystem als Defensive End eingesetzt zu werden, mit der Absicht, viele double-teams zu sehen. Das ist in meiner Basis-Defense auch Cox‘ Aufgabe: double-teams zu fordern. Ich habe drei überragende Passrusher als Nebenleute: Pierre-Paul, McCoy und Orakpo. Da muss der Tackle in der Mitte die Drecksarbeit übernehmen.

Ich hatte ein Weilchen überlegt, ob ich nicht Seymour nehmen sollte. Der war mir letztlich zu alt und passt athletisch auch nicht wirklich 100%ig auf diese Rolle. Die andere Option, die ich fast gezogen hätte: Dontari Poe von den Chiefs. Really. Poe mag ein Prospect sein, bei dem kein Mensch weiß, was am Ende rauskommt, aber ich finde die Abgesänge auf diesen Draftpick #11 von 2012 (Poe ging einen Pick vor Cox im NFL-Draft) zu früh. Wer sich ein wenig die Tapes von Kansas Citys Abwehr anschaut, der wird merken, dass Poe teilweise double-teams anzog, und das nicht immer nur qua Design. Poe ist jung, unerfahren, ungeschliffen und ungehobelt, aber er hat massives Potenzial – Potenzial, das er am College in Memphis nicht nutzen konnte, schlicht weil es dort keine Coaches von Format gab.

Ich entschied mich am Ende mit Cox aber doch für die „sicherere“ Option und bin mit der angedachten Defensive Line DE Orakpo (strong-side, 5-tech oder 7-tech), NT Cox (strong-side, 1-tech), DT McCoy (weak-side, 3-tech) und DE Pierre-Paul (weak-side, 5-tech) mehr als zufrieden. Diese Line dürfte solide genug den Lauf einbremsen, dass mich niemand ohne Variation überläuft, und sie macht als Quartett so viel Terz im Passrush, dass ich dahinter nur vereinzelte wohl getimte Blitzes schicken brauche, und im schlimmsten Fall auch eine Halbzeit mit Cover-2 und bend-but-don’t-break Defense durchkomme. Und ich gehe jede Wette ein, dass ein halbwegs kreativer Defensive Coordinator mit einem Pierre-Paul durchaus auch den einen oder anderen Zone-Blitz einbauen kann. Ach ja: Cox ist auch ein ziemlich guter Passrusher. Ich kann ergo im Fall der Fälle auch flott auf die 4-3 Over Defense switchen.

Fünf Spieler kriege ich noch. Vor den letzten fünf sehen die Empty Bottles so aus:

OFFENSE                      DEFENSE
---------------------------------------------------
QB   Aaron Rodgers           DE   Jason Pierre-Paul
RB   Jamaal Charles          DT   Gerald McCoy
WR   Julio Jones             NT   Fletcher Cox
WR                           DE   Brian Orakpo
WR   Victor Cruz             ILB  Brian Cushing
TE   Tony Gonzalez           OLB  Donta Hightower
OT   Nate Solder             CB   Patrick Peterson
OG   Carl Nicks              CB   Devin McCourty
C                            CB   Stephon Gilmore
OG   Kevin Zeitler           S    Earl Thomas
OT                           S    Kam Chancellor
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GFWTC, Rd 14 und 15

Pick #139 – S Kam Chancellor. Meine Seahawks-Combo ist komplett. Kam Chancellor ist der zweite Safety in meiner Mannschaft, und er ist im Gegensatz zum Freelancer Earl Thomas mehr der Strong-Safety für den Run-Support, der Mann, der die harten Hits austeilt. In meinem Rückblick auf den starken Seahawks-Draft von 2010 schrieb ich über Kam Chancellor, damals ein Prospect, das erst in der fünften Runde vom Board ging, er sei das Kronjuwel dieser Draftklasse gewesen – ein Spieler, ein Zwitterwesen zwischen Safety und Linebacker, dem man wenig zutraute, der aber in ein System eingebaut wurde, das auf seine Talente zugeschnitten war. Chancellor ist im Gegensatz zu Earl Thomas kein Spieler, der die Seattle Seahawks definiert oder ihnen die Möglichkeit gibt, verrückte schematische Dinge zu implementieren, aber er ist der fehlerfreiere der beiden: Sicherer, solider Tackler, der hie und da über die Strenge schlägt und einen zu fiesen Hit austeilt. Pro Football Focus, das sich in erster Linie auf die Ausführungsqualität der einem Spieler zugeteilten Aufgaben konzentriert, sieht in Chancellor den besseren Spieler im Vergleich zu Thomas, und rankte ihn 2011/12 auf #87 der besten 101 Spieler der Saison.

Ich hätte noch zwei andere Alternativen in Betracht gezogen: Mark Barron, junger Safety von den Tampa Bay Buccs, ein Spieler, der letzten Herbst als Rookie häufig im Run-Support zuständig war und dort mit grundsolidem, sicherem Tackling eine Waffe war. Oder einen der beiden Großmeister vergangener Tage, Ed Reed oder Troy Polamalu. Beide sind noch überdurchschnittliche Safetys, wenn sie nicht gerade Wehwehchen auskurieren, aber beide haben den Zenit überschritten, und ich gehe im Zweifelsfall halt mit dem jüngeren Prospect.

Coole Secondary: CB Patrick Peterson, CB/FS Devin McCourty, FS Earl Thomas, SS Kam Chancellor. Wer will da durchkommen, wenn vorne Pierre-Paul und Orakpo Dampf auf DE machen und über die Mitte McCoy und Super-Blitzer Cushing durchbrechen?

Pick #142 – OT Nate Solder. Irgendwann muss ich beginnen, Offensive Tackles zu draften, und in Nate Solder von den New England Patriots kriege ich einen ebenso guten wie jungen (Draftklasse 2011) Left Tackle, der zu den überdurchschnittlichen Jungs im Pass-Blocking gehört und im Run-Blocking phasenweise brillierte. Solder galt als Draft-Prospect als zu schleifendes Naturtalent, ein ehemaliger Tight End, der noch nicht viel Offense-Line gesehen hatte. In New England wurde Solder relativ rasch mit der LT-Aufgabe als Tom Bradys Leibwächter betraut, und glauben wir dem verlässlichsten, was wir an O-Line-Bewertungsmaßstäben haben (Pro Football Focus), ist Solder schon nach zwei Jahren ein richtig starker, wertvoller Tackle geworden.

Damit sind in Solder und den Guards Zeitler/Nicks drei von fünf Offensive Linemen fix.

GFWTC, #121: RB Jamaal Charles

Wer dieses Blog regelmäßig verfolgt, wird sich vielleicht wundern, wie „früh“ (13te Runde) das Team korsakoff mit einem Running Back beglückt wird, hab ich doch oft genug darüber geschrieben, wie überschätzt die Position doch immer noch ist. So let me explain.

Es war, wie so oft im GFWTC-Draft, eine Frage der Werte: Was will ich für mein Team? Was brauche ich? Auf welchen Positionen sind die Unterschiede am eklatanstesten? Beim Blick über die Positional-Rankings fällt auf, dass auf erstaunlich vielen Positionen noch ausreichend gute Spieler zur Verfügung sind, die man auch in späteren Runden ziehen kann:

  • WR und TE – sämtliche Superstars sind weg, die verbliebenen Optionen sind größtenteils mehr oder weniger solide, und vor allem gibt es noch viele ähnlich gute WR-Typen, mehr als es in der GFWTC brauchen wird. Dank QB Rodgers kann das Talent-Level auch eine Ecke niedriger sein.
  • OT – sind noch etliche überdurchschnittliche Jungs auf dem Tablett.
  • C – die Granaten sind weg; die verbliebenen Jungs sind alle mehr oder minder gleich einzustufen. Late round picks.
  • DL – dito, und vor allem bin ich mit drei Superstars dort bereits recht tief besetzt.
  • LB – Position hat im Moment zu wenig Wert, weil nicht so wichtig und die verbliebenen Spieler alle ähnlich stark sind.
  • CB – ein guter Nickelback wird auch später abzugreifen sein.
  • S – mjam, wäre attraktiv. Aber der Spieler, der mir im Auge ist, könnte später noch zu haben sein.

Bleibt Running Back, wo viele der besten und attraktivsten Spieler bereits vom Tablett waren: C.J. Spiller, mein #1-gerankter Back, Doug Martin (#4), Ray Rice (#5), Adrian Peterson (#7), LeSean McCoy (#8). Peterson hatte ich etwas unfair gerankt, weil ich wusste, ich krieg ihn eh nicht, aber auch, weil ich bei aller Genialität Petersons ursprünglich sowieso einen kompletteren Back haben wollte. Marshawn „beast mode“ Lynch und Matt Forté wären Spieler gewesen, die ich fast in Betracht gezogen hätte, und Chris Johnson aus Tennessee hätte ich genommen, wenn ich früher an meiner Offensive Line gearbeitet hätte, aber da mein Team eben momentan so aussieht wie es aussieht, sah ich nur mehr drei ernsthafte Möglichkeiten bei den Running Backs:

Darron Sproles (Positional-Ranking #6). Der Superzwerg passt konzeptionell wie Arsch auf Eimer in meine Offense, als Allzweckwaffe aus dem Backfield heraus. Aber Sproles ist mir zu wenig Ballträger, bei allen zusätzlichen Dimensionen, die meine Offense durch ihn kriegt, und Sproles ist bereits 30.

Trent Richardson (Positional Ranking #3). Richardsons Rookie-Jahr galt mit 3.6yds/Carry als leichte Enttäuschung, ist aber aus vielen Gründen (Verletzungen, schwächelndes Passspiel, gute Success-Rate) noch kein K.o.-Argument. Richardson galt letztes Jahr als bestes RB-Paket seit vielen Jahren, und in der Tat ist er ein kompletter Back, der laufen, fangen und blocken kann. Vor allem diese Bereitschaft, die Drecksarbeit zu übernehmen und zum Blitz-Blocking beizutragen, hatte es mir angetan. Richardson ist zudem mit 22 noch extrem jung. Dass der Mann bereits dreifacher Vater ist und seine älteste Tochter bereits sechs Lenze gesehen hat (!), ist auch immer nett fürn Kaffeeklatsch.

Long story short, ich überlegte ernsthaft, Richardson einzutippen. Der Value war mir allerdings mit #121 eine Spur zu hoch, und ich war hin- und hergerissen in der Überlegung, ob er mit meinem nächsten Pick Ende der 14ten Runde noch zu haben sein würde. Ich wollte bei Richardson lieber noch eine Runde warten, aber dann wäre ich möglicherweise ohne einen Running Back von Wunsch da gestanden bzw. hätte eine wichtige Dimension im Angriff anders gestalten müssen als ich es am Anfang der GFWTC wollte.

Ich halte Running Back für überschätzt, aber da mein Team dank des Pass-Trios Rodgers-Jones-Cruuuuuuuz Punkte vorlegen wird, und meine Defense sich auf die Pass-Defense konzentrieren kann, werde ich am Spielende häufig gezwungen sein, Führungen nach Hause zu bringen. Und da ist exzellentes Laufspiel gefragt. Ich werde wahrscheinlich durch das viele Passspiel einige Incompletions erleben und deshalb auch viele 3rd downs ausspielen müssen. Für dritte Downs ist Laufspiel oft nützlich.

Warum ich schließlich zu Jamaal Charles von den Kansas City Chiefs griff, auf das Pass-Blocking scheißend, ist Charles‘ gigantische Big-Play Fähigkeit: Wenn meine Pass-Offense variabel genug ist und gleichzeitig mein Laufspiel eine ständige Bedrohung für einen 80yds-TD ist, kann sich durchaus ein explosiver Mix ergeben, der den gegnerischen Passrush schon allein deswegen eindämmt, weil der Gegner gezwungen ist, zu vorsichtig zu werden.

Jamaal Charles ist in vielerlei Hinsicht ein gigantischer Running Back: Seine 2010/11er-Saison gilt bei Pro Football Focus immer noch als episch, und als ich Charles zum ersten Mal bewusst als Allstar-Kaliber wahrnahm, im Wildcard-Playoffspiel gegen Baltimore, fackelte er einen der atemberaubendsten Touchdowns ab, die ich bisher gesehen habe:

 

Dieser Antritt. Dieses Schweben über dem Spielfeld. Charles ist ein Weltklassesprinter, dem die kleinste Lücke reicht, um durchzustarten, und ist er erstmal in voller Fahrt, ist jeder Linebacker in Gefahr, überlaufen zu werden. Charles ist kein extremer Back für Broken-Tackles. Er lässt auch nicht allzu viele Tackler aussteigen, aber er muss auch nicht: Gibt es erstmal Anflüge von Raum, schrillt die Alarmglocke, weil Charles an allen vorbeidüst.

In dieser Hinsicht ist Charles eine ähnliche Waffe wie Chris Johnson, mit dem Unterschied, dass Johnson eine sehr viel bessere Offense Line braucht. Charles geht eine in Kansas City ab – seit Jahren. Charles geht übrigens auch nur mittelmäßige Unterstützung durch ein Passspiel ab – seit Jahren. Und trotzdem ist er der Running Back mit der besten Yards/Carry-Statistik in der NFL-Geschichte: 5.8yds/Carry über die Karriere, Baby. Der NFL-Schnitt ist dieser Tage 4.1yds/Carry. Nuff said.

Ein relativ guter Fänger ist er auch – wichtig. Pass-Blocking: Da reden wir mal nicht drüber. Aber ich hab eh schon geschrieben, dass ich qua Offense-Design hoffe, den Passrush einzudämmen. Fumbles sind mit 1.9% im Auge zu halten, aber kein übergroßes Problem. Man mag sich nicht ausmalen, was mit einem Offensive-Backfield mit Rodgers und Jamaal Charles alles drin ist.

Ich kriege da einen Back, der mit 26 Jahren noch 3-4 Saisonen im Tank hat. Charles‘ Workload mit bisher 784 Carrys in der Regular Season ist auch überschaubar – das sind nur zweieinhalb „Arbeitstiere“-Saisons. Und ich werde ihn nicht öfters als 12-18x/Spiel brauchen. Eine schwere Verletzung hatte er – Kreuzbandriss – okay, aber die hatte Peterson auch. Und beide sind davon relativ flott zurückgekommen.

Charles ist auch nicht bloß „Boom-or-Bust“, wie man annehmen würde; seine Success-Rate war 2010 die viertbeste der Liga, und war auch ansonsten meistens über 40% (durchschnittlicher Wert ist 42%). Das ist ein Zeichen dafür, dass er im Notfall schlau genug ist, sich auch nur bloß die Lücke auszugucken, die reicht, das 3rd-und-3 zu verwerten um den Drive am Leben zu erhalten.

Ich fürchte, ich musste mit Pick #121 ein bissl überbezahlen, aber angesichts geschilderter Umstände ist es mir das wert. Charles ist vielleicht einen Zapfen unter Peterson anzusiedeln, was das reine Laufen angeht. Er ist ein etwas besserer Fänger, und im Pass-Blocking sind beide keine großen Helden. Ich kriege 98% von Peterson plus eine noch gewaltigere Big-Play Fähigkeit im offenen Raum, und ich kriege das alles 118 Picks nach Peterson. Damit bin ich zufrieden.

GFWTC, #119: OG Kevin Zeitler

Das Guard-Phänomen im 10-Teilnehmer-Feld der GFWTC habe ich schon im Blogeintrag zu Carl Nicks erklärt, und weil es sich bei einem Aaron Rodgers gut trifft, und dieser mein GFWTC-Quarterback seine einzige wirkliche Schwachstelle hat, wenn die Offensive Guards zu schnell den Passrush durchkommen lassen, ziehe ich auf #119 quasi mit Halbzeit der Team Challenge alle Register und verpflichte den jungen Offensive Guard Kevin Zeitler, der rein zufällig von der besten (und manche behaupten: weltweit einzigen) Schule für Offensive-Linemänner: Der University of Wisconsin. Mal ehrlich: Ein Team korsakoff ohne Blocker von Wisconsin – das hatte doch niemand ernsthaft erwartet, oder?

Zeitler war mein #4-gerankter Offensive Guard, nach Yanda, Iupati und Nicks (der in meiner Mannschaft den anderen Guard gibt), und er war es nicht nur, weil er eine sehr gute Rookie-Saison 2012/13 spielte, sondern auch wegen seines Alters. Klar hätte ich Jahri Evans, Mankins oder Brandon Moore draften können, aber die haben alle bereits ihre herbstlichen Nachmittage auf dem Buckel – und bei allen hat man ihre Flauseln schon entdeckt. Beim jungen Zeitler haste wenigstens noch Hoffnung, dass sie sie bei ihm nie finden werden.

Mal im Ernst: Ich hätte ohne mit der Wimper zu zucken auch einen David DeCastro gezogen, selbst nach dessen durchwachsenem und verletzungsgeplagtem Rookie-Jahr. Es ist erst ein Jahr her, da war im direkten Duell Zeitler vs DeCastro klar, wen die Pundits für den besseren, kompletteren Spieler hielten. Der Zeitler-Pick ist für mich in dieser Hinsicht auch ein Tribut an einen jungen Guard, der als Rookie in einer beinharten Division gegen exzellente Defensive-Fronts gehalten hat und sich somit das Privileg, Aaron Rodgers zu beschützen, verdient hat.

GFWTC, #101: DE/OLB Brian Orakpo

Brian Orakpo ist mit dem 101ten Pick in meiner Defense ein bissl ein Freak-Pick, weil er konzeptionell schwierig einzubauen ist… und dann doch wieder bei genauer Betrachtung eine wertvolle Schachfigur sein kann. Ganz kurz zu meiner persönlichen „Beziehung“ zu Orakpo, der einer der ersten College-Spieler war, die ich intensiver verfolgte, weil sie einfach ins Auge stachen, vor fünf Jahren, 2008/09, als er sein Senior-Jahr an der University of Texas spielte. Orakpo war der absolut dominierende Verteidiger in einer Longhorns-Mannschaft, in der jeder unendliches Potenzial sehen konnte (ins BCS-Finale schafften es die Jungs erst ein Jahr später, da war Orakpo schon in der NFL).

Im Vorfeld des NFL-Drafts 2009 erlebte ich bei Orakpo erstmals das Phänomen „one year wonder“ am eigenen Leibe mit, denn „Rak“ war quasi der erste Spieler, bei dem ich die Skepsis von NFL-Scouts gegenüber Spielern erlebte, die zwei, drei durchschnittliche Jahre spielten, und dann im Jahr vor dem Draft massiv aufgeigten. Ich hatte Orakpo nur als Naturgewalt kennengelernt, und insofern wunderte ich mich damals über die ihm gegenüber vorgebrachten Vorbehalte. „Dank“ Orakpo begriff ich erstmals live, dass das Studium von einem Jahr Tape im Draftprozess nicht reicht (bewusst hatte ich praktisch nur die „Senior-Version“ Orakpos erlebt).

Anyhow. Er galt als Erstrundenpick, und ich hoffte, dass er vielleicht bis zu den Detroit Lions durchfallen würde (die hielten Pick #20 oder so). Not gonna happen: Die Washington Redskins griffen ihn an #13 ab. Seither hat Orakpo vieles gesehen.

Als Rookie wurde er vornehmlich mit der Von-Miller-Rolle betraut, spielte häufig 4-3 OLB, aber es zeigte sich, dass Orakpo bei allen Passrush-Fähigkeiten Probleme in der Pass-Deckung hat. Weil er auch als DE in Nickel-Situationen eingesetzt wurde, und dort als reinrassiger Passrusher brillierte, schaffte der Rookie Orakpo 11 Sacks und war schnell eine landesweit große Nummer.

Im Jahr darauf wechselten die Redskins unter dem neuen Head Coach Shanahan das Abwehrschema, spielten ab sofort 3-4 Defense, mit Orakpo in der Rolle als 3-4 OLB, und zwar nicht – wie es traditionell mit solchen Spielertypen gemacht wird, als Weakside-OLB, sondern gnadenlos auf der Strongside, wo du eigentlich meinen würdest, dass dein Star-Passrusher verbrannt wird. Orakpo war’s wurscht. Sacks kamen zwar nicht ganz so häufig wie in der Rookie-Saison, aber man sagt ihm mittlerweile ein viel kompletteres Spiel nach: Elite-Passrusher, der nur ein Jota unter der absoluten Spitzenklasse der Clay Matthews, Watts oder Millers agiert, und ein deutlich verbessertes Spiel gegen den Lauf und in der Passdeckung.

Orakpo ist kein Gesamtpaket wie Von Miller oder auch Matthews, Gott bewahre, aber er ist auf mehreren wichtigen Defensivpositionen keine Unbekannte, exzellent im Passrush und zumindest besser als der durchschnittliche NFL-Spieler in den anderen wichtigen Bereichen, die ein Front-Seven Spieler können muss. (dank meiner Offense werde ich sowieso nicht allzu viel Laufspiel gegen mich sehen)

Was den Wert von Orakpo etwas drückt, dürfte seine schwere Verletzung aus dem letzten September sein: Orakpo fiel zuletzt fast die gesamte Saison aus; was dabei aber gleich wieder den Wert erhöht: Washingtons Defense hatte nach dieser season ending injury am zweiten Spieltag erstmal viele Wochen lang üble Probleme, seine Defense wieder halbwegs auf die Reihe zu bekommen. Für die GFWTC hat die Verletzung wohl geholfen, dass Orakpo aus dem Fokus geriet, und für den relativ spottbilligen Preis an #101 noch zu haben war. Er war mein #6-gerankter OLB (ich hatte ihn nicht in den DE-Rankings), aber ich hatte ihn schon von Beginn an im Auge als möglichen Star-Passrusher in meiner Mannschaft.

Und ganz nebenbei bemerkt: Die GFWTC gibt mir Gelegenheit, über Spieler zu schreiben, über die ich schon immer mal das eine oder andere Wort mehr verlieren wollte. Man lernt im College-Football so viele Jungs kennen, die in der NFL-Masse etwas untergehen, dass man sonst nie dazu käme. Ich versuche zwar nach Kräften, meine Spieler in erster Linie nach sportlichen Kriterien einzuberufen, aber wenn der Unterschied gering genug ist, ziehe ich manchmal – glaube ich wenigstens – auch einen Kopf, über den sich eine Geschichte erzählen lässt, an den ich mich gerne erinnere, mit dem ich versuchen kann, ein Football-Konzept zu schildern. Auch das ist GFWTC.

GFWTC, zehnte Runde: Victor Cruz, Aschenputtel

Ein mittlerweile fast vier Jahre alter Artikel über Aaron Rodgers und die Offense der Green Bay Packers ist mir immer noch im Ohr: „Für bessere Protection braucht es weniger Blocker“. Kontra-intuitiv, aber nicht unwahr. Die weiteren Kernaussagen dieses Artikels befassen sich mit Block-Philosophien, aber ich beschränke mich mal auf die Anzahl der Blocker, die natürlich direkt mit der Anzahl an potenziellen Ballfängern zusammenhängt.

Ich habe schon geschrieben, warum ich bei Aaron Rodgers lieber einen breit aufgestellten WR-Corp besitze als eine monströse Offensive Line: Rodgers kommt mit Druck ganz gut klar, vor allem wenn er über die Flanken kommt, denn Rodgers ist wendig und intelligent genug in der Pocket und Rodgers‘ Offense arbeitet mit einer Unzahl an schnellen, quirligen Receivern.

Einen hatte ich schon: Julio Jones, einen klassischen #1-Receiver, aber der reicht nicht. Es müssen keine Calvin Johnsons sein, aber es müssen drei, vier schnelle, athletische Jungs sein. Da Jordy Nelson zum Zeitpunkt des 99ten Picks bereits vom Tablett war, richtete ich meinen Fokus auf den Slot, den Platz in der Spielfeldmitte innerhalb der beiden Wideouts.

Der Slot ist der Ort, der den American Football in den letzten Jahren massiv veränderte, weil er die Defense mit einer dritten Anspielstation in der Aufstellung mittlerweile dazu zwingt, einen Linebacker vom Feld zu nehmen, und einen Nickelback einzuwechseln. Es gibt vielfältige Möglichkeiten: Quirlige Receiver oder hünenhafte Tight Ends. Die drei (für mich) attraktivsten WR-Optionen für den Slot sind:

  • Percy Harvin: Einer meiner absoluten Lieblingsspieler, aber da ich nicht bereit war, ihn in Runde fünf oder sechs zu bezahlen, war klar, dass ich ihn nicht bekommen würde.
  • Randall Cobb: Schon zu Kentucky-Zeiten einer meiner Favoriten, hat sich Cobb bei den Packers recht schnell einen Ruf als Allzweckwaffe im Slot und als exzellenter Returner gemacht.
  • Victor Cruz.

Nachdem Harvin und Cobb vom Tablett waren, griff ich zu Cruz. Ich bin mir nicht sicher, ob Cruz mit der #99 nicht ein „reach“ ist, aber da der Talentabfall (bzw. Alters- und offenkundige Verletzungsrisiken) im Slot nach diesem goldenen Trio doch recht eklatant ist und Tavon Austin ineligible ist, musste ich zugreifen. Zumal die beiden Draftpicks danach beide Andy Goldschmidt gehören, der an einem Cruz möglicherweise nicht gänzlich uninteressiert ist.

Victor Cruz ist eine dolle Geschichte, nicht bloß eine für’s All-Pro Team, sondern für das All-Madden Team, eine fast noch höhere Auszeichnung, weil sie nicht nur sportlich einen herausragenden Akteur verlangt, sondern auch einen entsprechenden Typen bzw. Hintergrund. Den hat Victor Cruz. Cruz ist ein Underdog aus dem Bilderbuch: Am College bei UMass (damals noch FCS, ehem. Div I-AA) nicht weiter aufgefallen, als ungedrafteter Free Agent im Sommer 2010 aber einer der Glücklichen, die von einem Profiteam in der Nähe (New York Giants) einen Kaderplatz als Sparringspartner für die Trainingslager bekam („practice squad“), und nur eineinhalb Jahre später mit über 1500yds der wichtigste Offensivspieler nach QB Manning in einem sensationellen Superbowl-Run war.

Die sportliche Komponente

Cruz halte ich nicht für den besten Slot-Receiver in der Liga (das ist Harvin), und beim Durchschauen der Tapes wundert man sich schon, wie ein Mann mit diesen körperlichen Voraussetzungen (nur 1,83m, 94kg) und einem eigentlich relativ unspektakulären Spiel so gute Zahlen anschreiben kann. Cruz ist kein quirliger Mann wie Welker und kein Bolzen wie Boldin oder einst Terrell Owens. Cruz ist schlicht intelligent und sehr präzise, sehr exakt in dem, was er macht (sensationell wichtig für Aaron Rodgers). Ich interpretiere das Cruz’sche All-22 Tape so: Er wird seine Pace der letzten zwei Jahre (vor allem 2011/12) kaum halten können, weil einfach physisch zu limitiert. Aber er wird nicht von der Bildfläche verschwinden, weil  exzellente Spielauffassung.

Eine potenzielle „Gefahr“ ist Cruz von wegen seiner Anlage: Gemacht ist er in erster Linie für etwas tiefere Routen. Es fällt bei den Giants auf, wie frappierend oft Cruz die tiefe „wheel route“ über die Spielfeldmitte läuft. Cruz wird relativ selten sehr kurz angespielt; Cruz läuft häufig 10, 15yds downfield, ehe der Ball kommt. Insofern war ich etwas überrascht, dass Cruz letzten Herbst nur 12.7yds/Catch machte. Ich bin mir nicht 100%ig sicher, inwiefern diese Spielanlage in eine Offense mit QB Rodgers passt.

Cruz galt in der abgelaufenen Saison 2012/13 als leichte Enttäuschung (logisch, nach dem unglaublichen Breakout 2011/12), der teilweise katastrophale Spiele einbaute. Einen Teil davon schreibt man dem fehlenden Support durch die häufig verletzten Nebenleute Nicks bzw. den abgewanderten Manningham zu, einen Teil dem heißkalten QB Eli Manning. Ein QB Rodgers dürfte konstanter spielen, und mit seinem Monsterarm durchaus auch froh sein um ein deep threat über die Spielfeldmitte.

Dass mein GM ihm diese Woche einen 5yrs-Vertrag über 43 Mio. Dollars gab, könnte angesichts manch anderer Verträge, mit denen in der NFL um sich geworfen wird, an der Grenze zum Schnäppchen sein, wenn wir bei Cruz den „guten“ Fall annehmen. Für den einst schon abgeschriebenen Cruz dürfte die Summe aber gigantisch sein; so gigantisch, dass ich hoffe, dass er nicht vom Phänomen des satten Profis erfasst wird.

Wenn wir aber davon ausgehen, dass 2012/13 die Norm ist, sind über 8 Mio./Jahr eher leicht überbezahlt. Ich nehme eventuell den hohen Preis (und den vielleicht hohen Draftpick), weil mir die verbliebenen Slot-Optionen nach Cruz, Harvin und Cobb missfallen und ein Cruz gepaart mit Julio Jones und Rodgers durchaus das Fundament für eine großartige Pass-Offense sein können, in der der Gegner nicht bloß mit zwei Outside-Cornerbacks verteidigen kann.

Der Pick macht mich nicht 100%ig glücklich, weil er möglicherweise keinen optimalen ROI bringt, aber angesichts der Umstände sah ich mich dazu gezwungen.

Carl Nicks

Mein Achtrundenpick in der GFWTC war OG Carl Nicks von den Tampa Bay Buccaneers, mein erster Offensive Lineman im Draft. Nicks war der fünfte Guard im Draft, und der vierte innerhalb von acht Picks. Der Tweet von maschemist fasste das Treiben recht knackig zusammen. Es war die logische Folge. Was schrieb ich am Samstag über meinen Siebtrundenpick?

Ich hatte zwei spektakuläre Möglichkeiten in Betracht gezogen, die ich an dieser Stelle noch nicht diskutieren kann, aber gewiss wird sich in einigen Tagen Gelegenheit dafür finden – dann nämlich, wenn ich vielleicht bereuen werde, diese Optionen nicht gezogen zu haben. Es geht auch hier um „Value“, und ich bin erstmal gespannt, ob einer der Mitspieler ähnlich denkt bzw. sich getraut, eine davon zu ziehen.

Eine dieser beiden „spektakulären“ Optionen war OG Marshal Yanda von den Ravens, der vielleicht beste auf seiner Position. Im Prinzip war die Option ganz einfach: Offensive Guard. Wenn man sich das Positionsboard der Guards vor Augen führt, wird klar: Es gibt nicht so wahnsinnig viele Top-Guards in der Liga. Leitet einer den Reigen ein, ist schnelles Zugreifen erforderlich, da die besten fünf, sechs schnell weg sind und danach „nur“ noch das „gute“ anstelle des „Elite“-Materials verfügbar ist.

Ich griff nicht zu Yanda. Ich hoffte, dass er durchfallen würde, aber dann zog maschemist zehn Picks später Yanda und die Guards fielen wie die Würfel (G Evan Mathis war schon sehr viel früher gegangen). Ich war also quasi gezwungen, Ende der achten Runde Carl Nicks zu holen, um für den einzigen echten Schwachpunkt meines Quarterbacks, Aaron Rodgers, Schutz zu finden: Druck über die Mitte.

Um es nicht ausschweifend formulieren zu müssen, meine Gedankenwolke dazu:

  • Aaron Rodgers ist der beste Quarterback in der Liga, wenn er unter Druck des Passrushes steht. Das heißt nicht, dass er keinen Schutz braucht, aber es muss nicht der beste, teuerste sein. Er muss bloß „solide“ sein.
  • Wenn, dann muss die Spielfeldmitte durch exzellente Protection gesichert sein; Druck von den „edges“ hält Rodgers ganz gut aus.
  • Es gibt Studien von Pro Football Focus, die darauf hindeuten, dass es mittlerweile auf vielen Abwehrpositionen gute Passrusher und Blitzer gibt, und deswegen die Offense Line innen wie außen solide gebaut sein muss, um den Druck aus vielen Ecken des Spielfelds bestmöglich abwehren zu können. Die Guard-Position gewinnt also an Wert.
  • Offensive Line ist im Pass-Blocking eine defensive Unit, d.h. das Gesetz der Kette („nur so gut wie das schwächste Glied“) schlägt durch: Lieber fünf grundsolide Jungs als drei dominante und zwei Schwachpunkte. Es müssen also nicht die ganz Großen wie Yanda sein; die 1B-Klasse in Nicks reicht mir.
  • Und so viel „1B“ ist Nicks nun auch nicht: Vor zwei Jahren bezeichnete ihn Pro Football Focus als möglicherweise besten Offensive Lineman (nicht bloß Guard) in der Liga. Der Free-Agent-Vertrag letztes Jahr mit Tampa spricht auch eine klare Sprache.
  • Nicks wird vielleicht auch unterschätzt, weil er 2012/13 größtenteils verletzt war.
  • Nicks‘ Schwachpunkt ist, dass er körperlich nicht das massivste Monster ist, um das herum man viele Block-Schemen bauen kann.
  • In Nicks kriege ich (glaube ich) guten Value für die achte Runde; nicht der beste Spieler, nicht der kostbarste Pick, nicht die allerwichtigste Position, aber mein #3-gerankter Guard für die in meiner Offense Line wichtigste Blocking-Position mit einem nicht überteuerten Pick.

GFWTC, Rd 4 und 5: Das Big Board ist geräubert. Fast.

Am Montag habe ich meine ersten drei Draftpicks in der German Football Writers Team Challenge (GFWTC) diskutiert. Es wird seither weiter fleißig am perfekten Footballteam gebastelt, und heute seien die nächsten beiden Picks in meinem Team korsakoff angeschnitten. Es sind die Picks #39 und #42 overall.

Pick #39: WR Julio Jones

Einer meiner ganz fetten Punkte zu Beginn der GFWTC war die (erfolgreiche) Suche nach einem „echten“ Nummer-1 Wide Receiver, einem groß gewachsenen Schlaks für die Außen – meine „true number 1“-Wunschliste las sich wie folgt:

  1. Calvin Johnson
  2. A.J. Green
  3. Julio Jones
  4. Andre Johnson
  5. Larry Fitzgerald

Ich wusste, dass ich keine Chance auf Johnson und Green bekommen würde, da ich in den ersten Runden unbedingt 1-2 meinen Vorstellungen entsprechenden Abwehrspieler draften wollte. Durch den Aaron-Rodgers-Pick verschob sich die Priorität dann noch zusätzlich in Richtung Defense, da ein Rodgers unabhängig vom Spielermaterial Punkte vorlegen kann.

Rodgers hin, Rodgers her, ein #1-WR war immer noch mein Ziel. Die GFWTC ist immerhin eine Allstar-Liga mit zehn vermeintlichen Top-Teams und -Defenses. Julio Jones war Ende der vierten Runde der letzte verbliebene Mohikaner in dieser Aufstellung der echten Nummer-1 WR-Kandidaten, und ich wollte nicht später auf einen Jungen wie Demariyus Thomas oder einen Achillessehnen-verletzten Michael Crabtree zurückgreifen müssen, da es sich dabei jeweils um relativ „systemabhängige“ Spieler handelt.

Jones ist flexibler, unabhängier, und in vielerlei Hinsicht ein guter Draftpick: Der Mann ist jung, ein beinharter Knochen, schnell, von der Statur die prototypische Nummer 1, und er ist ein veritables deep threat, das die zu erwartenden Monster-Defenses in dieser GFWTC auseinander ziehen kann.

Jones ist kein Green, aber Jones wäre in jedem der letzten beiden Drafts der beste Wide Receiver gewesen und beide Male in den Top-5 vom Tablett gegangen. Vor zwei Jahren blätterten die Atlanta Falcons einen nur schwer zu verantwortenden Preis für die Rechte an ihm hin, und man kann heute konstatieren: Jones ist die erhoffte Verstärkung für die Falcon-Offense (die Opportunity-Costs rechnen wir mal nicht ein).

Es gibt unterschiedliche Sichtweisen dazu, ob die Offense in Atlanta primär um Jones oder Roddy White gebaut ist; Richard Sherman hat eine unmissverständliche Meinung. Pro Football Focus sieht eher White als den „Star“, und Jones als die Komplementärwaffe. Ich sehe es so: Jones ist im Vergleich zu White noch mehr wie eine Nummer 1 gebaut. Jones hat in den zwei Jahren wenig Anlass gegeben, an seinem Potenzial zu zweifeln. Und Jones ist der jüngere der beiden Spieler.

Jones war das letzte verbliebene wirklich komplette Paket auf Wide Receiver, und der letzte richtige Nummer-1 Mann. Ein Brandon Marshall ist zu sehr possession receiver, ein Vincent Jackson und wahlweise Mike Wallace zu viel bloß deep threat, Thomas und Crabtree zeigten sich in den letzten Jahren als systemabhängiger, ein Steve Smith ist leider mit 34 Jahren schon zu alt um so hoch gedraftet zu werden. Jones = sehr zufrieden stellender Draftpick für meine Offense. Zu diesem Zeitpunkt.

Pick #42: CB/PR Patrick Peterson

Peterson war auf meinem CB-Board einen Platz höher gerankt als der ähnlich junge CB Joe Haden von den Cleveland Browns. Ich gebe zu, ich hätte eine Münze schmeißen können, aber am Ende gaben doch greifbare Kleinigkeiten den Ausschlag: Peterson ist in erster Linie der gesegnetere Athlet. Er hat in zwei Jahren bei den Arizona Cardinals bereits auf die harte Tour lernen dürfen, wie man sich auf der „Insel“ im 1-vs-1 gegen den gegnerischen Top-Receiver fühlt, und dabei nicht die schlechteste Figur abgegeben. Und Peterson bietet als potenzieller All-Pro Punt Returner auch eine klasse Option für die Special Teams. (tja, und auf Haden musst‘de erstmal vier Wochen wegen Dopingsperre verzichten)

Haden ist einer der Jungstars, die mich am meisten faszinieren: Am College war er einer der unauffälligeren Spieler in einer überaus dominanten Florida-Mannschaft, und in der NFL verlor ich ihn ohne Gamepass lange Zeit aus den Augen, weil er bei den Cleveland Browns versauern musste (Browns waren nur selten bei ESPN America).

Die Noten für Haden bei Pro Football Focus waren stets exzellent, er gilt schon in jungen Jahren als einer der zehn besten Cornerbacks der letzten fünf Jahre. Hadens All-22 Tape hab ich in einigen Spielen durchgespult, und es ist zugegeben teilweise grandios – ein echter Shutdown Corner. Aber auch Peterson zeigt Ansätze von Shutdown-Cornerback, und obwohl Peterson der im direkten Vergleich (noch?) deutlich fehleranfälligere Mann ist, lässt sich nur schwer leugnen, dass die Cards phasenweise eine schlicht erstaunliche Last auf Petersons Schultern legen.

Und dann sind da noch diese Returns… eben Kleinigkeiten, die entscheiden.

Zwischenstand

Nach meinem Fünftrundenpick ist nur noch ein einziger meiner Top-20 Spieler noch im Draftpool verfügbar. Alle fünf der bisher von mir gedrafteten Spieler schienen auf meinem Top-20 Board auf, und zwar als Nummern:

#1  QB Aaron Rodgers
#8  DT Gerald McCoy
#9  DE Jason Pierre-Paul
#18 WR Julio Jones
#19 CB Patrick Peterson

Ich hatte ehrlicherweise viele der älteren Superstars schon gar nicht aufs Board genommen, weil ich einen zukunftsfähigen Mannschaftskern will, der auch 2016 das Gerüst eines Superbowl-Anwärters bilden kann, aber mit fünf Spielern von meinem Big Board hatte ich nicht gerechnet.

Ich habe außerdem in allen der drei wichtigsten Football-Positionen (Quarterback, Defensive End, Cornerback) einen Top-3 Spieler von meinem Board bekommen. Und zumindest Rodgers, Pierre-Paul und Jones haben trotz ihres Alters schon gestählte Nerven durch große Playoff-Erfahrung und sollten in den kommenden Playoffs nicht mehr das ganz große Nervenflattern bekommen.

Talent und Frischblut auf den wichtigsten Positionen sind schonmal da. Insofern: Mein GFWTC-Team bleibt on track.