College Football 2013/14, Preview Week 6 am Samstag

Die Saison im College-Football nimmt richtig Fahrt auf mit haufenweise Conference-Spielen, die längst Überhand genommen haben. SPORT1 US heute mit folgenden Spielen im Portfolio – man achte drauf, dass der 21h30-Slate wegen IndyCar diesmal ausfällt:

18h    Florida State - Maryland
01h    Mississippi State - Louisiana State
04h15  Stanford - Washington

Schedule des ESPN-Players kann wieder im Tagesverlauf bei Allesaussersport nachgeschlagen werden. Der NBC-Stream könnte wieder das „Heimspiel“ von Notre Dame (nur theoretisch; Spiel findet in Dallas auf neutralem Boden statt) gegen Arizona State übertragen.

Government-Shutdown

Eine interessante Färbung gibt es am heutigen Spieltag durch die US-Regierungskrise („Government Shutdown“), wegen dem bizarrerweise das Militärduell NavyAir Force (ab 17h30 geplant) ausfallen könnte, wie auch Boston College Army. Die Entscheidung hätte am Donnerstag fallen sollen; zum „Redaktionsschluss“ am Freitagvormittag war mir noch nix darüber bekannt.

Nachmittags-Brunch ab 18h

Bestes Spiel um 18h und eines von nur drei Ansetzungen zwischen zwei AP-25 Teams am heutigen Tage ist #8 Florida State Seminoles#25 Maryland Terrapins (bei SPORT1 US). FSU ist trotz einiger Defensivprobleme (viele Abgänge in die NFL) recht rund in die Saison gekommen, vornehmlich wegen des in alle Höhen gehypten QB Jameis Winston, dem „neuen Manziel“. Winston, ein Freshman der nebenher Baseball für die Noles spielt, hat einen etwas merkwürdigen Wurfstil, aber seine Pässe sind schon recht zielgenaue Raketen.

Maryland scheint im dritten Jahr unter dem einst so gehassten Head Coach Randy Edsall in Schwung zu kommen, steht bei 4-0. Es ist zwar irgendwie jeder skeptisch, inwieweit die Terps „legit“ sind, aber immerhin gewinnt Maryland nun die Spiele, die in den letzten beiden Jahren jeweils noch haushoch verloren wurden. Und das 37-0 über WVU, das man noch letzte Woche am liebsten verspottet hätte („WVU ist auch nicht mehr das, was es mal war“), sieht nach dem überzeugneden Sieg der Mountaineers letzte Woche über das hoch gehandelte Oklahoma State nun wie ein gutes Ergebnis aus.

Florida State spielt in zwei Wochen sein erstes „Spiel der Wahrheit“ gegen Clemson. Maryland ist der letzte Test, bevor die Noles in eine spielfreie Woche gehen. Wenn eine Mannschaft in den letzten Jahren pauschal für überflüssige Niederlagen vedächtigt worden ist, dann war es FSU, insofern gibt es durchaus eine kleine Packung Upset-Potenzial in diesem Spiel.

Ein anderer schwarzer Wunder-QB ist Teddy Bridgewater von #7 Louisville, der einen fürchterlich einfachen Schedule spielen darf. Louisville ist heute bei Temple zu Gast und alles andere als ein lockerer Sieg würde als Enttäuschung gewertet. Bei NebraskaIllinois darf man sich zu Gemüte führen, ob die Huskers-Defense sich von den jüngsten Blamagen erholt hat; auf alle Fälle steht Coach Bo Pelini im Kreuzfeuer, wenn Illinois viele Punkte aufs Tablett legen sollte.

Um 18h30 MESZ spielt Virginia Tech gegen UNC. UNC legt jede Woche tiefere Tiefpunkte hin und die Messlatte ist mittlerweile so weit unten angelegt, dass die Tar Heels trotz einiger aussichtsreicher NFL-Prospects froh wären, von Virginia Tech nicht komplett an die Wand gespielt zu werden. Da kommt es gut, dass VT zwar eine der gefürchtetsten Defenses im Lande hat, aber „Beamerball“ (extrem gute Defense + Special Teams, benannt nach VT-Coach Frank Beamer) nicht für die punktgewaltigste Spielweise steht. Die Hokies gewinnen lieber 13-10 als 58-37. Empfehlenswert ist das Spiel sicher auch aufgrund der tollen Kulisse im Heimstadion von Virginia Tech.

Ab 20 AkronOhio aus der Mid-American Conference. Akron ist mit seinem Coach Terry Bowden (Sohnemann der Legende Bobby) eines der Bodensatz-Teams der MAC, hätte aber vor zwei Wochen ohne weiteres Michigan in deren Stadion schlagen können und scheiterte nur sauknapp. Ohio seinerseits ist Mitfavorit in der MAC.

21h30-Slate

#6 Georgia hat die Massen mit seinen spektakulären Spielen offenbar so sehr begeistert, dass CBS das Tennessee-Georgia Spiel als sein Topspiel der Woche auserwählte. Bei uns über normalem Wege nicht zu sehen, riecht das nach einem gewaltigen Mismatch: Die Vols wurden bereits von Oregon in Grund und Boden gespielt und hatten letzte Woche gegen das bestenfalls zweitklassige South Alabama alle Probleme der Welt, ein 31-24 herauszuwringen (USA hatte Sekunden vor Schluss an den TEN 8yds Line gestanden).

Alternativprogramm: #21 Oklahoma State vs Kansas State. Letztere hatten ihre peinliche Pleite bereits am ersten Spieltag, erstere holten das letzte Woche nach, als sie gegen das bis dahin desaströse West Virginia glatt verloren. OSU hatte ich im Sommer dick auf der Rechnung gehabt für eine mögliche Überraschung in der Big 12; K-State weniger.

Oder #14 Miami/FLGeorgia Tech. Bei den Canes bin ich mir noch immer nicht sicher ob deren Offense-Qualitäten: Ja, es gibt fantastische Athleten, und ja, immer wieder gewaltige Drives, aber am Ende des Tages bleibt doch der Eindruck von Stückwerk. Aus der ACC gäbe es außerdem: Syracuse#3 Clemson.

Die Nachtspiele

Das Massaker Colorado#2 Oregon (ab Mitternacht) gibt es bei uns Gott sei Dank nur für Goldgräber zu finden. Ein anderes Gemetzel ist dagegen lt. Sendeplan bei SPORT1 US (Stand gestern Vormittag) dabei: Ab 1h Mississippi State#10 LSU mit LSUs neu gefundener Offensivgewalt. Ich habe über zwei Jahre über QB Zach Mettenberger gelästert, sodass ich nun Abbitte leisten muss: Was Mettenberger seit dem TCU-Spiel abliefert, ist ziemlich gigantisch und sein Stil ist durchaus NFL-kompatibel. OK, das war er immer schon, aber nun strahlt Mettenberger endlich auch Selbstbewusstsein aus, und macht kaum mehr gröbere Denkfehler, wenn es ums Zerlegen von Coverages geht. Mettenbergers Next Test: @Alabama im November. Bis dahin gilt es, weiter ins neue Offense-System von Cam Cameron einzutauchen.

Ein Topspiel ab 1h, das es hierzulande offiziell nicht zu sehen gibt: #11 OklahomaTCU (läuft in den Staaten bei FOX). Es ist das direkte Duell der beiden besten Defenses der Big 12 Conference. Oklahoma hat sich mittlerweile zum Big 12-Favoriten gemausert, wenngleich es mich bass erstaunt, wie wenig Aufmerksamkeit die großen Medien den Sooners (den Sooners!) schenken: Trotz Ungeschlagenheit nur an #11 gerankt. Das mag den sportlichen Stand widerspiegeln oder nicht, aber so große Unis landen im Normalfall bei 4-0 Bilanz weiter oben. QB Blake Bell (der „Belldozer“), früher nur bekannt als Landry Jones‘ rein scrambelnder Backup, soll zuletzt verstärkt als Starting-QB mit Passqualitäten auf sich aufmerksam gemacht haben.

TCU ist dagegen eine kleine Enttäuschung: Die Defense ist nicht das Problem, sondern die Offense, wo es weiterhin keine Konstanz gibt und QB Pachall mal wieder wochenlang mit Verletzungen raus ist. TCU war einer meiner Geheimfavoriten, aber es scheint meinen Erwartungen nicht ganz gerecht werden zu können. Ein Upset heute in Norman könnte mein Weltbild wieder ins Lot rücken.

Möglicherweise im ESPN-Player ist allerdings #18 FloridaArkansas (ab 1h): Florida mit seiner furztrockenen, aber ebenso langweiligen Defense gegen Arkansas, das in der Offseason alles untenahm, um die letzten Erinnerungen an die spektakulären Pass-Offenses der letzten Jahre zu verwischen. Florida spielt ohne seinen besten DL Dominique Easley (Kreuzbandriss; out for season).

Ein cooles Matchup könnte Auburn#24 Ole Miss sein: Zwei interessante Typen an der Seitenlinie, Auburns Gus Malzahn, der quasi mit Tag 1 seiner Präsenz wieder Leben in die verwaiste Tigers-Offense brachte, gegen Ole Misses Hugh Freeze, Recruiting-König. Die gemeinsame Geschichte der beiden liegt bei Arkansas State: Dort löste Malzahn letztes Jahr Freeze ab; beide nutzten das Sprungbrett Arkansas State, um bessere Jobs in der SEC zu bekommen.

Was ist bei South FloridaCincinnati interessant (ebenso 1h)? South Florida. Die Bulls sind unter dem neuen Coach Willie Taggert so schlecht in die Saison gekommen, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass Taggert seine Debütsaison nicht überlebt. Man muss dazu wissen, dass es am College sehr ungewöhnlich ist, dass Coaches nicht mindestens 2-3 Jahre Zeit bekommen.

Wohl wieder im NBC-Stream ab 2h: Notre Dame#23 Arizona State, das bizarrerweise aus dem Cowboys-Stadion in Arlington kommt. Notre Dame wurden letzte Woche von Oklahoma die Grenzen aufgezeigt, während Arizona State mit einem 62-Punkte-Wirbelsturm gegen USC die Ära von Lane Kiffin beendete.

Der Kiffin-Nachfolger könnte ab 1h30 zu sehen sein, wenn Vanderbilt gegen Mizzou spielt. Vanderbilts Head Coach James Franklin gilt als überfälliger Kandidat für einen richtig großen BCS-Coaching Job. Er wird bei allen wackeligen Trainerposten in der Elite des College-Football genannt; so auch bei den USC Trojans.

Ab 02h spielt #16 Northwestern vor einem vermutlich rebellischen Heimpublikum gegen #4 Ohio State. Jeder faselt davon, wie überschätzt Ohio State sei; trotzdem werden die Buckeyes Woche für Woche in den Top-5 gerankt. Viele schwierige Spiele hat Ohio State nicht mehr dieses Jahr, aber Northwestern könnte eines von ihnen sein: Eine kleine Elite-Uni, die leidenschaftlichen Football spielt und einen begeisternden QB Kain Colter auffährt.

Northwestern ist eine kleine Elite-Privatuni aus dem „Umfeld“ von Chicago; das allein reicht, dass diese Uni kaum mediale Beachtung findet, zwischen Bears, Cubs, White Sox, Bulls, Blackhawks und was-weiß-der-Teufel-was-dort-noch-für-Profiteams-umherlaufen, aber das heute könnte der gefühlte Höhepunkt in der Wildcats-Geschichte sein: ESPNs College GameDay stationiert heute auf dem Campus von Northwestern, und allein das bringt Aufmerksamkeit. Für Head Coach Pat Fitzgerald, Quarterback in der bisher erfolgreichsten Zeit dieser Uni (Big Ten Siege 1995, 1996), einen eingefleischten Wildcats-Mann, muss das nach fast zehn Jahren im Coaching-Staff eines der geilsten Spiele bisher sein.

Ab 4h30 MESZ das dritte Spiel zweier gerankter Teams: #5 Stanford#15 Washington. Stanford verlor letztes Jahr zwei Spiele: Einmal dank Referee-Fehler gegen den BCS-Finalisten Notre Dame, und einmal… gegen Washington. Die Huskies waren 2012 ansonsten aber zu wenig konstant um ein ernsthaftes Wörtchen um mehr als gelegentliche Sensationen mitzureden, aber diese Jahr gilt die Kombination aus hochwertigen Athleten und viel Erfahrung als durchaus gefährlich. Manche trauen den Huskies heute Nacht sogar eine Überraschung zu. Wenn, dann muss aber QB Keith Price weiterhin so aufgeigen wie in den ersten Wochen angedeutet.