Trainerkarussell – College Football 2017/18

Das Trainerkarussell im College Football dreht sich dieser Tage massiv. Hier die Liste der Trainersessel, die dieser Tage neu besetzt werden – und dabei schauen wir nur auf die großen Conferences: Weiterlesen

Die heißen Sessel

Ein paar Gedanken zu den Wackelkandidaten auf den Trainersesseln der NFL-Teams.

Mike Shanahan

Nach Gary Kubiaks Entlassung ganz klar der nächste gefährdete Head Coach, die Saison nicht zu überstehen. Shanahan ist dead man walking und wird spätestens zum Ende der Saison gehen. Zurecht? Ich bin da gespalten. Das Pro-Argument wäre „…aber die Entwicklung!“. 2012 war ein Jahr, in dem die Offense über weite Strecken Klick machte und unter RG3 richtig gut drauf war.

Die Gegenargumente sind aber breiter gestreut: 2012 war der einzige Ausreißer. Shanahan wird seine Zeit bei den Redskins mit 23-39 plus noch drei ausstehenden Spielen beenden. Selbst letztes Jahr war lange Zeit ein Murks, weil die Skins die Defense nicht in den Griff bekamen; dann kam der Siegeslauf, mit einer reibungslosen Offense und einer für ein paar Wochen halbwegs funktionierenden Defense. Mehr war Shanahan nicht.

Vier Jahre. Zwei Jahre Ausrede ob des fehlenden Franchise-QB. Dann war’s die Defense, die auch diesmal keinen Stich machte. Nicht alles ist Shanahans „Schuld“, nachdem Washington erst keine Salary-Cap für Investitionen hatte (siehe Haynesworth) und dann keine Draftpicks für Jungstars (RG3-Trade). Und trotzdem sind vier Jahre vier Jahre, eine angemessene Zeit für NFL-Verhältnisse. 2013 war eine Katastrophe, und nachdem sich Shanahan mit Owner Snyder nicht mehr zu verstehen und seinen eigenen Rauswurf zu provizieren scheint, ist die Reißleine der einzige Ausweg. Weiterlesen

Date am Donnerstag, #8: Tampa Bay Buccaneers – Carolina Panthers Preview

Das heutige Donnerstagnachtspiel (02h30 LIVE bei SPORT1 US) kommt aus der NFC South und bietet mir die Chance, den Scheinwerfer auf die chaotische Situation der Tampa Bay Buccaneers zu richten – jene Buccaneers, die ich zu meinen Superbowl-Favoriten 2013/14 gezählt hatte, und die nach sieben Spieltagen mit 0-6 Bilanz als eine der schlechtesten Mannschaften der Saison am Bodensatz dümpeln.

Mehr noch: Die Buccs sind zur Lachnummer verkommen. Ein in weiten Teilen der Anhängerschaft mittlerweile komplett verhasster und zum Abschuss frei gegebener Head Coach Greg Schiano in seinem heute vielleicht letzten Spiel als Buccs-Trainer. Schiano, ein Grund-Unsympath von Mensch mit einer diffusen Vergangenheit (windige Machenschaften schon bei Rutgers am College), sägte erst QB Josh Freeman bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ab um Freeman auch gleich noch unterschwellig ein Drogenproblem zu unterstellen.

Dieses Durchsickern der Freeman-Problematik könnte Schiano auch unabhängig von der sportlichen Enttäuschung den Strick drehen, denn die NFLPA ermittelt in dieser „Leaking“-Geschichte: ein baldiges Untersuchungsergebnis wird erwartet, und bei für Schiano negativem Report könnte er im Entlassungsfall auch den Anspruch auf Abfindung verlieren. Spitze Zungen behaupten, Tampa warte nur noch das (für Schiano negative) Gutachten in einer NFLPA-Ermittlung ab, um die Millionen zu sparen. Dass Schiano rasiert wird, gilt als fix. Das zeitnah erwartete Untersuchungsergebnis sowie die zehn Tage Pause bis zum nächsten Spiel summieren sich zu einem „idealen“ Zeitpunkt für eine Entlassung.

Sportlich führte sich das Team mit einer Unzahl an Strafen und Penaltys in den ersten Wochen der Saison ein, dass Stänkerer nicht anders konnten als darauf hinzuweisen, dass man von einer Mannschaft, deren Trainerstab selbst die „Victory-Formation“ zum Abknien attackieren lässt, nix besseres erwarten kann. Dass Teams, die sich so verhalten, überhaupt leichter in die Lage kommen, die gegnerische Victory-Formation gegen sich zu sehen. Aber da waren die Pleiten noch knapp, und trotz der Defense-Strafen in erster Linie der anämischen Offense zuzuschreiben.

Aber mittlerweile läuft selbst in der Defense alles aus dem Ruder. Zuletzt in Atlanta trat die eigentlich bärenstark besetzte Defense unabängig von den Strafen auf eine Art und Weise auf, die man im Fußball mit „spielen gegen den Trainer“ umschreibt. Da kommt nix mehr. Dieses Jahr ist abgeschrieben.

Als Memo an mich: Der Trainerstab ist eine extremst wichtige Komponente einer Footballmannschaft. Ein herausragender Trainerstab kann eine mittelmäßige Mannschaft weiter bringen als ein herausragender Kader einen mittelmäßigen Trainerstab. Ich habe das Coaching-Problem in Tampa unterschätzt. Aber einen derartigen Absturz hätte ich auch mit viel Pessimismus niemals sehen kommen.

Das „scheming“-Problem der Buccs lässt sich wunderbar am Einsatzgebiet des CBs #24 Darrelle Revis ablesen: Revis‘ Ruf wie Donnerhall gründet auf seiner Fähigkeit, gegnerische Top-Receiver im 1-vs-1 kaltzustellen, scheißegal, wo der sich an der Anspiellinie aufstellt. Dieses meisterhafte Neutralisieren der besten Waffe des Gegners machte Revis quasi zu einer lebenden Legende.

In Tampa wird der beste Manndecker der Liga in eine Zonendeckung gesteckt, acc. to Greg Cosell. Der muss es wissen. Mehr muss man zur fachlichen Qualität des Trainerstabs nicht sagen.

Was heißt das für die Zukunft der Buccs?

Nicht unbedingt Schlechtes. Kaderqualität ist, wie wir wissen, nicht alles, aber sie ist nichtsdestotrotz eminent wichtig. Und Tampa Bay hat von der personellen Besetzung einen der 4-5 besten der Liga, wenn wir die QB-Position rausrechnen. Fast alle Schlüsselpositionen (außer QB) sind mit jungen Weltklassespielern besetzt, von denen niemand besorgnis errgend teure Verträge besitzt: RB mit Doug Martin (2013 allerdings out for the season), OT mit Penn, OG mit Nicks und Joseph, WR mit Jackson und Williams, DT mit McCoy, DE mit Clayborn und mit Abstrichen Bowers, LB mit Lavonte David, Secondary mit Revis und Barron. Mal ehrlich: Seattle hat vielleicht noch einen breiteren Kader, San Francisco ist in der Spitze vielleicht etwas besser besetzt, aber sonst?

Der neue Trainerstab findet 2014 für NFL-Verhältnisse paradiesische Zustände vor, und hat zu allem „Überfluss“ noch das Glück, aus einer breit besetzten QB-Klasse den neuen Franchise-QB auszuwählen. Dass der diesjährige third rounder Mike Glennon nicht des Rätsels Lösung ist, dürfte klar sein. Glennon kann einem in dieser Situation schon etwas Leid tun, als derjenige, der sich dem Spott auf dem Feld ausgesetzt sieht.

Für dieses Jahr ist Tampa abzuschreiben. Vielleicht geht es nach Schianos Rauswurf Richtung Mitte, und Tampa schließt mit einer 5-5 Serie oder so das Jahr ab.


Wie schnell ein neuer Franchise-QB einer Franchise nicht bloß ein neues Image, sondern auch sportliche Perspektive geben kann, zeigt der heutige Gegner. Dort wurde 2011 Cameron Newton mit dem Top-Pick geholt, und quasi über Nacht war eine leblose Franchise wieder ein Contender. Ich verhehle nicht, dass ich Newtons Einberufung damals gelinde gesagt skeptisch gesehen habe, aber ich habe meine Meinung geändert: Newton ist ein Volltreffer. Vielleicht kein Luck oder RG3, aber er macht mit schlechterem Supporting-Cast ähnlich vieles.

Deswegen, und wegen der monströsen Panthers-Front 7, ist Carolina in diesem Spiel zu favorisieren.

NFL 2013-14, Gameday #3 am Sonntag

Bitte nicht erschrecken. Ich muss diesen Sonntag für den urlaubenden korsakoff einspringen, der mir noch das Sendeprogramm der deutschsprachigen TV-Sender mit auf den Weg gegeben hat:

19h    Baltimore - Houston
19h    Washington - Detroit (*)
22h05  Miami - Atlanta (*)
22h25  San Francisco - Indianapolis
02h25  Pittsburgh - Chicago

Die mit (*) markierten Spiele laufen bei SPORT1 US auf SKY via Multifeed.

PULS4 in Österreich bringt ab 22h30 San FranciscoIndianapolis mit dem neu akquirierten Runningback der Colts, Trent Richardson.

Im NFL Gamepass gibt es heute ein Gratis-Spiel New Orleans SaintsArizona Cardinals. Man muss sich aber anmelden, und dann rechtzeitig wieder kündigen.


Zuerst zu den Spielen, die MESZ ab 19:00 Uhr ausgetragen werden. Ich hoffe, meine „Expertise“ reicht für das lesende Publikum aus.

Cincinnati Bengals – Green Bay Packers

Bei diesem Spiel muss ich immer an meinen Host Daddy aus der Schulzeit als Austauschschülerin in Pennsylvania denken: Glühender Bengals-Fan, der nach vielen Jahren Seuche zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung spürte. Cincinnati qualifizierte sich in jenem Herbst zum ersten Mal seit 15 oder so Jahren für die Playoffs, und es waren selige Weihnachten, aber dann riss sich der Franchise-Quarterback alle Bänder und die Seuche ging weiter. Bis jetzt. 2013 treten die Bengals nach langen Jahren wieder mit echten großen Hoffnungen an. Überwiegende Meinung: Es fehlt ihnen nur noch eins, und das ist ironischerweise ein richtiger „Franchise-Quarterback“. QB Andy Dalton ist zwar ein Guter, aber nicht einer der besten. Das sah beim Monday Night Game gegen Pittsburgh in Week 2 dann so aus: Jeder längere Wurf segelte viele Meter am Ziel vorbei, oder drüber.

Tipp: Wenn wir schon über Franchise Quarterbacks sprechen, dann hat Green Bay nicht nur einen den besseren, sondern den Besten. Green Bay gewinnt.

Tennessee Titans – San Diego Chargers

Gäbe es Punkte für Attraktivität, dann hätten diese beiden Teams im Sommer nicht bloß keine bekommen, sondern Punktabzüge. Und dann starten beide mit 1-1 in die Saison und lehren dabei die Großen das Fürchten: Tennessee mit Auswärtssieg in Pittsburgh und nur knapper Auswärtsniederlage in Houston, San Diego verlor auch haarscharf gegen Houston und gewann auswärts in Philadelphia. Die besseren Impressionen hinterließ San Diego, die schon wieder von den Playoffs träumen.

Tipp: San Diego Chargers.

Washington Redskins – Detroit Lions

RGIII ist noch längst nicht wieder der Alte und humpelt zähnefletschend über das Feld, aber der einzige Weg, einen gesunden RGIII zu einem fitten RGIII zu einem _spielfitten_ RGIII hochzuziehen, ist es, RGIII spielen zu lassen. Deswegen werden sich die Schreie nach seinem Ersatzmann schnell einstellen. Der einzige Grund, ihn gegen Detroit keine Spielpraxis sammeln zu lassen, ist der gemeingefährliche Ndamukong Suh von den Lions, vor dem selbst die eigenen Mitspieler im Training Angst haben, weil er seine Energie nicht im Zaume halten kann.

Tipp: Detroit.

New England Patriots – Tampa Bay Buccaneers

Es war die erste Saison, in der ich rechte Hoffnungen hatte, dass es mit Evil B.B. und dem Modelficker (*) abwärts geht, und nix: Zwei Spiele, zwei Siege. Ja, es war zweimal knapp und gegen zwei der schlechtesten Teams (sagen zumindest alle über Buffalo und Jersey-B), aber das gehört alles zu B.B.s Plan. B.B. hat den ganzen Sommer damit verbracht, den Schedule zu studieren und kam zum Schluss, dass die ersten Games der Pats so einfach seien, dass sie selbst mit der B-Reserve zu gewinnen sind. Besser erstmal auf die richtigen Gegner einspielen und die schmutzigen Wins mitnehmen. Klappte ja hervorragend, auch wenn der Modelficker das in seinen Wutausbrüchen wohl nicht so sah, Aaron Dropson und Kenbrell Dropkins sei Dank.

Heute folgt Stufe zwei des B.B. Plans, und sehr zur Freude geht es gegen den besten Kumpel, Greg Schiano, den einzigen NFL Coach, der noch unsympathischer ist ohne B.B.s Kultigkeit zu besitzen. Die halbe Mannschaft des B.B. besteht aus Jungens, die Schiano am College in Rutgers unter seinen Fittichen hatte. Das ist kein Zufall. B.B. weiß, dass alle Menschen, die schonmal unter Schiano arbeiten mussten, dankbar sind, unter B.B. arbeiten zu dürfen. Um das zu verdeutlichen, hält B.B. gemeinsame Trainings mit Schiano ab.

Schiano steht nach dem missglückten Auftakt der Bucs (0-2) schon mit dem Rücken zur Wand. Dass Schiano ein menschliches A****loch ist, verheimlicht niemand. Wichtige Spieler wie Darrelle Revis kritisieren Schiano öffentlich oder denken an einen schnellen Abgang wie Josh Freeman. Dieser ist der Quarterback, und der spürt von Schiano so viel Rückhalt, dass er bei der Heimniederlage gegen New Orleans nicht einmal 3 Yards in der letzten Minute ausspielen durfte.

Tipp: New England.

[Update] (*) Um der Entrüstung Einhalt zu gewähren, ein Verweis auf die eine oder andere Stelle aus den Tiefen der Vergangenheit dieses Blogs. – korsakoff[/Update]

Die anderen Spiele

St. Louis Rams – Dallas Cowboys. Wenn es nicht so egal wäre: Cowboys gewinnen das.

Minnesota Vikings – Cleveland Browns. Das Duell der großen Running Backs ist nach dem Abgang von Trent Richardson in Cleveland zu einem Rohrkrepierer geworden. So wird es zum Duell der QB Chris Ponder gegen Brian Hoyer. Chris Ponder wuppt das. Tipp: Vikings.

New Orleans – Arizona Cardinals. Tipp ist nicht schwierig: New Orleans.

Carolina Panthers – New York Giants. Spielen hier die beiden unsympathischsten Quarterbacks gegeneinander? Nein, New England ist nicht mit von der Partie. Tipp: New York Giants.

Baltimore Ravens – Houston Texans. Hier sind die Namen größer als die Leistung. Baltimore ist weniger Not als Houston Elend. Deswegen: Ravens gewinnen und schicken Ed Reed nachher einen Blumenstraß mit nach Houston.


Weiter mit den Spielen, die zwischen 22:05 Uhr und 22:25 Uhr MESZ angestoßen werden.

New York Jets – Buffalo Bills

Zweimal schwarze Rookie-Quarterbacks. E.J. Manuel für die Bills war der erste 2013 genommene Quarterback im Draft, Geno Smith für die Jets der zweite. Beide Teams stehen bei 1-1. Beide gewannen ein Heimspiel gegen einen vermeintlich überlegenen Gegner mit einem Punkt. Beide profitierten dabei von haarsträubenden Fehlern beim Gegner, Strafen und schlechte Coach-Entscheidungen. Beide spielten schon gegen die Patriots, und beide verloren trotz guter Leistung knapp. Die Bills verloren mit 2 Punkten, die Jets mit 3, aber die Jets spielten auswärts gegen die Pats. Nach dieser Logik müsste es ein ausgeglichenes Spiel werden.

Tipp: Jets haben Heimvorteil, Jets gewinnen.

San Francisco 49ers – Indianapolis Colts

Es gibt bei diesem Spiel nur eine Storyline, und die ist das Wiedersehen von Colts-QB Andrew Luck mit seinem ehemaligen Head Coach am College, nun Head Coach in San Francisco: Jim Harbaugh. Für das breitere Verständnis ist hier ein wenig Kontext angebracht. Die beiden arbeiteten an der Stanford University zusammen. Diese Uni war für alles bekannt, nur nicht für hohe Ambitionen im Football. Bis Jim Harbaugh kam, der früher mal NFL-Quarterback gewesen war bei den *pling* Indianapolis Colts. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte Harbaugh Stanford von einem der schlechtesten Teams zu einem der besten.

Mit half die von ihm gepredigte Disziplin. Aber ebenso half Andrew Luck, der Quarterback, den Harbaugh rekrutiert hatte. Ich war damals Auslandsstudentin in den Vereinigten Staaten und nur nur periphär am Football interessiert, aber ich erinnere mich an ein Spiel zurück, das an der Westküste stattfand, aber auch bei „uns“ im Südosten Wellen schlug: Stanford mit Harbaugh und Luck schlug auswärts als Wett-Underdog von 41 Punkten die landesweite #1 Southern Cal! Die Geburtsstunde der Legende von Stanford, Harbaugh und Luck. Gemeinsam gewannen sie nie den National Title, aber sie spielten wenigstens zu Harbaughs Abschied in der Orange Bowl und gewannen deutlich. Jim Harbaugh ging 2011 in die National Football League und machte in San Francisco aus einem der schlechtesten Teams eines der besten. Luck folgte 2012 und half in Indy mit, das schlechteste Team zu einem Playoff-Team zu machen.

Über die Connection Harbaugh-Colts, Colts-Luck, Luck-Harbaugh tummeln sich viele weitere Gestalten aus dem damaligen Umfeld von Stanford in den beiden Mannschaften. Harbaugh hat beispielweise seinen Offensive Coach Greg Roman mit in die N.F.L. genommen. In Indy spielt mit TE Coby Fleener ein ehemaliger Stanford Cardinal, und Offensive-Coordinator Pep Hamilton war auch Lucks Positionscoach an der Uni.

Tipp: San Francisco gewinnt klar und deutlich.

Seattle Seahawks – Jacksonville Jaguars

Wiedersehen war das Thema, Wiedersehen ist das Thema: Bei diesem Spiel geht es um Gus Bradley, formerly Defensive Coordinator bei Seattle, und jetzt Head Coach bei Jacksonville. Für ihn ist es die Rückkehr in sein altes Stadion, wo er den Grundstein legte für die Defense der ‘Hawks, die jetzt die beste der N.F.L. ist. Überhaupt ist Seattle eines der besten Teams und ein Super Bowl Favorit. Da muss es für Bradley ein Kulturschock gewesen sein, denn Seattle und Jacksonville sind nicht bloß geographisch tausende Meilen entfernt – vom äußersten Nordwesten in den (fast) äußersten Südosten – sondern auch footballerisch. Die Jags sind das schlechteste Team der Liga! So schlecht, dass sich letztens sogar der lokale Broadcast-Ableger von CBS in Florida entschuldigte, das Jaguars-Spiel vertraglich übertragen zu müssen.

Jacksonville hat bisher gegen zwei der drei schlechtesten Teams von 2012 gespielt. Das dritte im Bunde waren sie übrigends selbst. Dabei haben die Jags insgesamt ganze elf Punkte erzielt. Zum Vergleich: Seattle hat gegen zwei der besseren Teams gespielt, und insgesamt ganze zehn Punkte ZUGELASSEN!

Die einzige Gefahr vor einem solchen Spiel ist der „Hangover“, das Unterschätzen des Gegners. Genau über diese Gefahr und wie er damit umgeht, hat der Cornerback Richard Sherman bei Sports Illustrated geschrieben. Sherman mag ein Lautsprecher sein, aber er hatte mal ein Scholarship bei Stanford. Richard Sherman ist nicht dumm.

Tipp: Die Jaguars sind mein Lieblingsteam in der NFL, aber nichts liegt heute ferner als ein weiteres Debakel. Das ist vielleicht auch gut so, denn es vergrößert die Chancen auf hohe Draftpicks 2014. Seattle gewinnt mit wenigstens vier Touchdowns Differenz.

Miami Dolphins – Atlanta Falcons. Atlantas Schönwetterspieler kriegen schönes Wetter in Miami. Tipp: Falcons.


Und schließlich das Sunday Night Game um 2:20 Uhr MESZ.

Pittsburgh Steelers – Chicago Bears

Das Sunday Night Game lebt mehr von den großen Namen als von der Qualität der beiden Mannschaften. Mal ehrlich: Die Steelers sind 0-2, und sie sind verdient 0-2. Die Bears sind 2-0, aber es waren die sprichwörtlichen engen Spiele, die ihnen dazu verhalfen: Touchdowns in den letzten Sekunden und Fehler beim Gegner ohne Ende. Der gemeinsame Nenner zwischen den beiden ist Cincinnati: Beide haben schon gegen die Bengals gespielt. Chicago gewann daheim glücklich mit +3, Pittsburgh verlor auswärts verdient mit -10. Wenn wir die Heimvorteile in allen drei Spielen berücksichtigen, ist Chicago trotz Auswärtsspiel mit 4 Punkten favorisiert, und in etwa so ist die gefühlte Ausgangslage auch vor diesem Spiel. Jay Cutler wird es richten.

NFL 2013/14, zweiter Spieltag um 22h: Mein Coach ist ein Arschloch

[02h38] Endstand Tampa Bay Buccaneers 14, New Orleans Saints 16.

Dramatisches Spiel, dramatischer Sieg für die Saints in einem Spiel auf gutem (?) Niveau. Sagen wir so: Die Buccs-Defense ist beeindruckend und jeden Fetzen gut genug, dass Tampa meine hohen Erwartungen rechtfertigt. Das war schon beeindruckend, wie Brees hier und heute abgewürgt wurde.

Das Problem ist der Angriff von Tampa: QB Freeman heute erneut mit einer bescheidenen Vorstellung, machte 9/22 für 157yds, 1 TD, 1 INT. Freeman hatte etwas Pech mit mehreren Drops von WR Jackson bei dritten Downs, aber insgesamt ist Tampa zu abhängig von seinem Einser-Receiver (Jackson machte nach den Drops mehrere unglaublig wichtige Catches). Recht harmonisch scheint es auch nicht zuzugehen, wenn man die eine oder andere Geste am Seitenrand richtig intrepretiert.

Der Saints-Sieg ist am Ende verdient, auch weil Tampa abseits der guten Feldpositionen nach den Defensiv-Turnovers nur wenig mit seinem Angriff zustande brachte.

Soap-Opera: TBC.

[02h36] Brees mit einem astreinen Drive, und dann mit einer halben Minute auf der Uhr tiefer Ball, und sensationeller Catch von WR #12 Marques Colston in der RedZone: Super Deckung, super gefangen.

[02h34] 1:06 vor Schluss verkickt K Rian Lindell aus 47yds. Seitenwind, und der Kick segelt 5yds links vorbei. Keine Timeouts mehr für die Saints, aber Brees natürlich mit allen Chancen, und kann per Field Goal das Spiel gewinnen.

[02h29] Kaum geschrieben, antwortet QB Freeman mit zwei heiklen Completions für WR #83 Jackson, und RB #22 Doug Martin macht haufenweise Läufe um die Uhr runterzutickern. Saints-Coach Sean Payton mit anfängerhaftem Auszeiten-Management. Jeder Madden-Spieler kriegt das besser hin. Two-Minute Warning.

[02h21] Die Vorstellung der Buccs-Defense ist beeindruckend: Verzögerter Safety-Blitz von FS #23 Barron und der nächste Sack. John Lynch in der Kommentatorenkabine kriegt leuchtende Augen. Lynch war der Safety der letzten großen Buccs-Defense vor 10-15 Jahren gewesen.

Es wird allerdings Zeit, dass die Offense von Tampa sich mal bewegt.

[02h17] WR Mike Williams mit einem Fuß im Aus – Punt.

[02h09] Die Defense Line um #93 McCoy und #94 Clayborn kriegt immer besseren Zugriff auf Brees und seine Pocket, spielt ein beeindruckendes Spiel. Im 3rd Down feuert Brees für TE Graham ab, aber der Safety #23 Barron fliegt im letzten Moment heran und wehrt den Ball ab – ein Safety mit Manndeckerqualitäten wie ein Cornerback.

[01h58] TB 14, NO 13/Q4 12:40. Da komme ich grad wieder zur Tür herein, 3rd-und-7, verzögerter Blitz gegen Drew Brees, Brees feuert ab und LB #59 Mason Foster steht genau in der Passlinie. Foster walzt sich unter Begleitschutz von wenigstens vier, fünf Buccs über 85yds in die EndZone durch und plötzlich führen die Buccs in diesem Spiel!

Drittes Viertel

[01h27] Kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich muss jemanden vom Bahnhof abholen und werde für ca. 20min abwesend sein.

[01h26] TB 7, NO 13/Q3 8:04. Hart erkämpfte Yards und Punkte für die Saints. Im dritten Down hüpft LB #54 Lavonte David schon vor dem Snap wie ein Rumpelstilzchen herum, wissend um den nächsten Play. Mit dem Snap rauscht David sofort durch und fällt Brees. Saints kriegen nur ein Field Goal.

[01h17] Freeman im dritten Down, wartet, und wartet, (im Hintergrund rauscht #94 Gallette ran und ich schreie „schmeiß weg!“) und wartet (es gibt kein Entrinnen mehr), und wartet… und der unvermeidliche Fumble passiert. NO darf in der gegnerischen Platzhälfte beginnen.

[01h04] Arizona – Detroit ist mittendrin in einer sehr dramatischen Schlussphase.

Zweites Viertel

[00h52] Halbzeit Tampa Bay 7, New Orleans 10.

Kampf auf Biegen und Brechen. TE Graham bestraft die Buccs für ihr unfaires Spiel auf seine Weise und rennt an die 1yds-Line durch. Dann aber ein fantastischer Stand der Buccs mit mehreren Stops gegen die Runningbacks und die Saints müssen von der 2yds-Line das Field Goal schießen.

Hartley versenkt, aber wegen eines Offsides der Buccs gibt es einen verkürzten 4th Down von der 1yds Line. Brees überstimmt den HeadCoach Payton an der Seitenlinie und sie spielen nun aus. RB #22 Ingram kriegt den Ball, aber rennt in einen Berg an Buccs. Turnover on Downs. Spiel bleibt eng.

[00h34] Tiefer Ball für TE Graham, und von der Seite rauscht S #43 Ahmad Black heran und begeht ein ausschlussreifes Personal-Foul. Erneut ist es ein Helm gegen einen Helm eines ungeschützten Spielers. Dritte 15yds-Strafe, und schön langsam gehört einer der Jungs mal aus dem Verkehr gezogen.

[00h32] Nächster Drop von #83 Vincent Jackson im dritten Down, nächster Buccs-Punt. Ich finde generell das Play-Calling der Buccs nicht überzeugend: Diese ständigen Läufe im ersten und zweiten Down kosten nicht den ersten Drive.

[00h25] Der Abnutzungskampf kostet erste Opfer bei den Buccs: DT #93 McCoy muss nach einem cut-Block vom LT Brown mit Knieproblemen rein- und rausrotiert werden. „Hinten“ tut sich FS #23 Barron immer schwerer, aufrecht zu gehen.

[00h20] Schiano mit einer völlig überflüssigen Challenge. Verliert sie.

[00h14] Jetzt machen auch die Stars bei den Buccs die Fehler: WR #83 Vincent Jackson mit dem einfachsten Drop der Welt im dritten Down. Wäre ein 1st-Down geworden, so wird’s ein Punt.

[00h10] Noch eine Personal-Foul Strafe wegen eines Helm-vs-Helm Hits, diesmal gegen Buccs-#38 Goldson. Die Saints werden am Ende aber gestoppt und dann verschießt K Hartley das Fieldgoal. Keine Punkte für die Saints.

[00h00] LE #94 Adrian Clayborn knockt Brees bei einem Sack den Ball aus der Hand, aber Clayborn hat seinen Helm hoch genug um Brees damit Helm-vs-Helm zu treffen. Folge: Personal-Foul und der Turnovers wird zurückgenommen. Ein korrekter Call.

Erstes Viertel

[23h55] Die Offense Line der Buccs hält ohne den weiterhin absenten OG Carl Nicks dem verstärkten Blitzing der Saints nicht lange genug stand, dass Freeman die notwendige Zeit bekommt. So bleibt es bei kurzen Checkdowns und zu wenig Raumgewinn. Punt.

[23h48] TB 7, NO 10/Q1 2:36. 56yds-TD für TE #80 Jimmy Graham. Abwehrfehler bei den Buccs, die einen Audible nicht rechtzeitig durchgesagt bekommen und LB #56 Watson (eben noch mit der INT) verwirrt im Regen stehen lassen. Graham läuft am verdutzten Watson vorbei, fängt den Ball und kann in die EndZone traben.

[23h41] TB 7, NO 3/Q1 5:15. 5yds-TD #85 Ogletree, der eine flache Drag-Route läuft und völlig vereinsamt in die EndZone traben kann. Es war ein Drive mit zwei großen Plays: Einmal quengelte sich RB Martin durch eine Unzahl an Buccs für einen 15yds-Lauf über die Mitte durch, und kurz danach nahm der stark kritisierte QB Freeman das Heft selbst in die Hand und scrambelte 13yds zum neuen 1st Down.

[23h33] Ärgerlich: Die Kamera in Tampa ist mittlerweile auch drunten auf Grasnarbenhöhe. QB Brees scheint auch gestört zu werden, kommt raus und wirft eine INT direkt in die Hände von LB #56 Dekota Watson.

[23h30] Tampa muss gleich zum Einstand punten, weil Saints-DB #27 Jenkins beeindruckende Physis gegen Buccs-WR #19 Williams zeigt.

[23h17] Tampa-New Orleans soll in zehn Minuten fortgesetzt werden.

[22h58] In Arizona gehen die Detroit Lions mit 7-3 in Führung: Der Spielzug ist ein sensationeller 72yds-TD Pass für WR Calvin Johnson (war im Slot aufgestellt). QB Stafford mit einem Pass, der keine Millisekunde früher oder später hätte abgefeuert werden dürfen, so klein war das Fenster, in dem der Ball zu Johnson durchkommen konnte.

[22h48] In Tampa soll es gegen 23h15 weitergehen.

[22h46] Zum Spiel Houston – Tennessee:

[22h25] Mein geplantes Hauptspiel für die 22h-Runde ist Tampa Bay BuccaneersNew Orleans Saints. Dabei geht es für die Buccs schon um lebenserhaltende Maßnahmen. Just in die eh schon miese Stimmung nach der überflüssigen Auftaktniederlage in New York platzte heute Nachmittag die Meldung rein, dass sich QB Josh Freeman mit dem Buccs-Trainerstab überworfen habe und einen Trade verlangen würde.

Das Verhältnis von Freeman und dem Trainerstab Schiano ist quasi seit Tag 1 kein Liebesverhältnis. Schiano versuchte mehrfach, Freeman zu enteiern oder zu ersetzen – zumeist zögerlich. Bis zum Draft, als er QB Glennon holte. Anfang September entzog er Freeman das Kapitänsamt. Die Mannschaft rebellierte, hielt ein „players only“-Meeting ab. Berichte über einen extrem verhassten Head Coach Schiano in der Mannschaft sprießen seit Tagen aus dem Boden, mit der Kulmination besagter Trade-Forderung.

Die Buccs haben ihre Bye-Week in Woche 5. Das Auftaktprogramm ist ziemlich heftig. Ich halte es nicht mehr für ausgeschlossen, dass Schiano bei einem, sagen wir 0-4 Start, schon in der spielfreien Woche fliegt. Aber oft heißt es, Siege haben heilsame Wirkung. Von daher sind die Saints heute ein guter Gegner, um mit einer überzeugenden Leistung Ruhe in den Laden zu bringen.

Das Spiel begann schon um 22h05, New Orleans führt 3-0. Aber aktuell gibt es eine Spielverzögerung. Ich steige jetzt ein, notfalls erstmal mit einem der anderen Spiele.

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    3-7 
Pythagorean    7.9   (17)
Power Ranking   .481 (20)
Pass-Offense   6.7   (11)
Pass-Defense   7.3   (31)
Turnover        +3

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Ein Jahr nach dem Totalschaden unter dem unerfahrenen Head Coach „stats don’t matter“ Raheem Morris sehen die Buccaneers unter dessen Nachfolger, dem harten Hund Greg Schiano, schon wieder besseren Zeiten entgegen. Die Mannschaft wird zwar in der eigenen Stadt kaum wahrgenommen und spielt häufig vor gelichteten Rängen, aber immerhin scheint im Front-Office der Glazers langsam ein Umdenken stattzufinden: Weg von der Billigtruppe, hin und wieder zurück zum Versuch, ein sportlich gutes Produkt auf die Beine zu stellen.

2012/13 klappte das phasenweise. Die 7-9 Bilanz täuscht etwas darüber hinweg, dass die Buccs lange Zeit ein ernsthafter Playoffkandidat waren und bis zu einem Einbruch im Dezember einen relativ gepflegten und vor allem gepflegten tiefen Ball spielten.

Die Offense

Ungewöhnlich für einen Schiano spielten die Buccs monatelang mit harten Klöten eine nicht allzu rhythmische, dafür aber gefährliche deep ball-Offense, die perfekt auf die Talente der wichtigsten Skill-Player zugeschnitten war. QB Josh Freeman (*schmacht*), ein Hüne von Mann, hat nicht den konstant präzisesten Arm, aber pfeffert mit Leichtigkeit die 70yds-Bomben downfield, was bei Wide Receivers wie Vincent Jackson oder Mike Williams niemals eine schlechte Idee ist. Für die Checkdowns bot sich der äußerst wendige Kampfgnom Rookie-RB Doug Martin von Boise State an, dessen Saison meine Erwartungen übertraf: Martin war neben dem QB-Triumvirat vielleicht der Rookie der Saison.

Die Tampa-Offense ist deswegen bizarr, weil sie eine geringe Completion-Rate aufweist, aber trotzdem einen hohen Schnitt an NY/A aufweist. Das liegt an den vielen tiefen Bällen – eigentlich würde man vermuten, dass sich so ein Konzept nicht nachhaltig implementieren lässt und der Kollaps der Buccs-Offense in den letzten Wochen von 2012/13 bestätigt dieses Gefühl. Eine Chance haben sich die Jungs aber noch verdient.

Es lässt sich konstatieren, dass die komplette Unit sehr gut aufgestellt ist (die eingekauften WRs Smith und Ogletree dürften gute Optionen als #3-WR sein, wenn fit). Es hängt an Freeman, die Drives nicht mit haufenweise Interceptions und Fumbles kaputt zu machen. Der Freeman in der Form der ersten Wochen ist ein guter Freeman und ein sehr guter Quarterback (u.a. 7.4 NY/A in der ersten Saisonhälfte, #2 ligaweit!). Aber es gibt leider auch immer wieder den schlechten Freeman, und der sorgt dafür, dass der 360°-Freeman ein Mann ist, der auf Bewährung spielt.

Freeman hat alles: Die Offense Line, die Wide Receivers, den Running Back. Kriegt er es gebacken, punkten die Buccs 25-30 Punkte pro Spiel. Wenn nicht, hängt vieles an der Defense.

Defense

Und das wäre schlecht, denn obwohl aus Tampa vor 10-15 Jahren eine ganze Latte an Innovationen auf der Abwehrseite (Stichworte Dungy, Monte Kiffin, Lovie Smith, Tampa-2) ausgegangen ist, und obwohl Schiano eigentlich ein Defensivfanatiker ist, haben die Buccs aktuell ein Abwehrproblem an der Backe (u.a. aufgegebene 7.3 NY/A, #31, was in total yards 4758yds bedeutete – nur ca. 40yds unter dem ewigen Negativrekord der Packers von 2011/12).

Es beginnt alles in der Defensive Line, wo es in DT Gerald McCoy einen Ankermann von Weltformat gibt, aber leider nicht mehr. Trotz zuletzt gefühlt dreihundersiebundsiebzig Draftpicks für die Line und trotz eines gigantischen McCoy hat man mehr Baustellen, als man in einer Offseason beheben könnte: Es fehlt an Tiefe überall, und bei den Defensive Ends ist nach dem Abgang des Passrush-Spezialisten Bennett (nach Seattle) Schmalhans angesagt.

DE Adrian Clayborn zeigte viele gute Ansätze, ist aber nach einer schweren Knieverletzung ein Verletzungsfragezeichen, und – man erinnere sich – Clayborn hat bei aller Athletik auch eine angeborene Lähmung in der linken Schulter, die ein Entfalten seines Potenzials schwierig macht. DE Da’quan Bowers, vor zwei Jahren um ein Haar der Top-Draftpick, spielte zu selten, zu wenig explosiv, um die Lösung aller Probleme zu sein. Bowers hat zudem eine chronische Arthritis und sollte in Zukunft auch nicht mehr zu häufig mit Gras im Gepäck suspekte Stadtviertel bereisen.

Bei den Linebackers ist man adäquat aufgestellt. Die Secondary war dagegen eine so große Baustelle, dass die Buccs auch nach einigen Moves immer noch mit einem teuren Trade für Jets-CB Revis liebäugeln. Die tickende Zeitbombe CB Talib wurde letzten Herbst nach New England getradet, was der Teamchemie gut tat, aber sportlich fatal war. Und ansonsten gibt es keine verlässlichen CB-Starter (CB Wright erwies sich – für einen Lions-Fan wenig überraschend – als überteuerter Bust). Bei den Safetys hat man den jungen, dynamischen Mark Barron aus Alabama, und als Free Safety wurde der grundsolide Hitter Dashon Goldson aus San Francisco geholt.

Es ist lebenswichtig für die Buccs, ihre Pass-Defense zu verstärken. Es braucht Passrush (Bennetts Abgang hilft nicht), Passrush (Clayborn/Bowers müssen gesund bleiben und zünden) und Verstärkung in der Deckung (Draft!).

Ausblick

Die Buccs sind seit zirka drei Jahren eines der jüngsten NFL-Teams und immer irgendwo knapp vor dem Durchbruch. In Phasen wie Anfang der Saison 2012/13 siehste da ein Playoff-Kaliber, aber dann kommen wieder diese Spiele mit drei kassierten 60yds-TDs und fünf Freeman-Interceptions und du greifst dir an den Kopf und fragst dich, ob du nicht den kompletten Laden in die Luft jagen möchtest.

Ich wiederhole es nochmal: Es braucht viele „wenns“ und Konjunktive bei den Buccs. Wenn Freeman zündet, wenn der Passrush zumindest ein Lüftchen entfachen kann, wenn die Cornerbacks zumindest auf 6.5 oder 6.2 NY/A runterkommen können… man will nicht so richtig drauf bauen, es sei denn, Tampa kriegt einen fitten CB Revis (noch ein wenn).

Irgendwie habe ich bei den Buccs trotzdem ein gutes Gefühl. 7-9, eine pythagoreische Erwartung von 7.9 (also fast ein Sieg mehr), ein close win index von 3-7 der nach Regression zur Mitte schreit: Die Division ist knochenhart, aber die Playoffs für diese Wundertüte von Footballteam würden mich alles andere als überraschen.

NFC South in der Frischzellenkur 2012 (II)

Carolina Panthers

  •     #9 (1) LB Luke Kuechly (Boston College)
  •   #40 (2) G Amini Silatolu (Midwestern State)
  • #103 (4) DE Frank Alexander (Oklahoma)
  • #104 (4) WR Joe Adams (Arkansas)
  • #143 (5) CB Josh Norman (Coastal Carolina)
  • #207 (6) P Brad Nortman (Wisonsin)
  • #216 (7) S D.J. Campbell (California)

Mittlerweile ist es eher selten, daß ein LB in den Top-10 vom Board geht. Boston Colleges Luke Kuechly soll aber ein dermaßen bilderbuchmäßiges LB-Talent sein, daß sich die Auguren alle in ihren Lobpreisungen einig sind. Ein sehr sicherer Tackler mit „instincts“ vor dem Herrn und auch sehr brauchbar im Decken von Tight Ends und anderen potentiellen Paßempfängern, die durch die Mitte kommen, soll Kuechly von Anfang an eine tragende Rolle in der bisher eher mäßigen Defense der Panthers spielen.

Obwohl diese dringend frisches Blut gebraucht hätte, kamen neben Kuechly nur noch drei weitere Talente – in den Runden 4, 5 und 7. Hmm. Immerhin DE Frank Alexander scheint es Coaching- und Scouting-Staff angetan zu haben, denn für ihn wurde leichthändig ein 3rd-rd pick im nächsten Jahr plus ein 6th-rounder in dieser Draft abgegeben. Er soll Carolina einen back-up für die beiden guten Starter Charles Johnson und Greg Hardy geben. Er ist recht groß mit 1,93m, daneben tauchen in seinen Scouting Reports hauptsächlich Dinge wie „high motor guy“ und „strengt sich immer voll an “ auf.

CB Josh Norman soll den pundits zufolge vor allem das spielerische Talent haben – und weniger die anderen Dinge. Norman ist ein großer Cornerback mit guten Händen, der durchaus in der zweiten Runde  schon ein guter Pick gewesen wäre, gewisse „character concerns“ aber die Teams verschreckt haben. 7th-rd pick D.J. Campbell ist eher für die Special Teams da, könnte bei der nicht gerade rosigen Safety-Situation aber sogar Möglichkeiten haben, auch dort seine Chance zu bekommen.

Für die Offense kommt mit Guard Amini Silatolu jemand, der 150kg auf 1,90m verteilt. Für eine Offense, die um das Laufspiel herum aufgebaut ist, ist das ein sinnvoll investierter Pick. Gerade das Aus-dem-Weg-schieben von überforderten Gegenspielern für seine Running Backs soll dann auch tatsächlich Silatolus Stärke gewesen sein. Allerdings waren seine Gegenspieler in der Regel auch nur halbe Hemden. Seine Midewestern State Mustangs spielen gegen so Teams wie Tarleton State, Incarnate World oder West Alabama. Durch seinen small-school-Hintergrund, soll er auch noch ziemlich ungeschliffen sein und einen guten Techniktrainer dringend nötig haben. Silatolu benötigt also wahrscheinlich noch etwas Zeit, könnte dann aber einer der besseren Guards der Liga werden.

WR Joe Adams soll ein Leichtgewicht sein, aber sehr explosiv. Wenn der tatsächlich seine Stärken in Sachen „Yards after the Catch“ hat, wie es in seinen Scouting Reports steht, könnte er schnell eine willkommene Waffe für Cam Newton im Slot werden.

Insgesamt keine herausragende Draft der Panthers. Die große Schwäche DT wurde gar nicht angegangen; die Secondary wurde nur mit einem schwierigen Talent und einem Special-Teamer verstärkt und der wirklich starke WR wurde auch nicht gedraftet. Der große Schritt nach vorne war das wohl nicht. Es ist mehr so ein notwendiges Auffrischen und für Kadertiefe und competition innerhalb der Mannschaft. Das ist eigentlich zu wenig.

Tampa Bay Buccaneers

  •     #7 (1) S Mark Barron (Alabama)
  •   #31 (1) RB Doug Martin (Boise State)
  •   #58 (2) LB Lavonte David (Nebraska)
  • #140 (5) LB Najee Goode (West Virginia)
  • #174 (6) CB Keith Tandy (West Virginia)
  • #212 (7) RB Michael Smith (Utah State)
  • #233 (7) TE Drake Dunsmore (Northwestern)

Dem neuen Head Coach Greg Schiano eilt der Ruf voraus, alles und jeden unter Kontrolle haben zu wollen. Die Namen, die in seinen Biographien immer wieder auftauchen sind dann auch nicht zufällig Joe Paterno, sein Lehrmeister, sowie Bill Belichick und John Wooden. Es gibt sympathischere Typen, aber sehr viel erfolgreichere gibts nicht viele. Von Belichick hat Schiano das Mantra übernommen: „we are not collecting talent, we´re building a team.“ Die Aushilfsdiva Kellen Winslow hat er sodenn auch gleich ans andere Ende der USA, zu den Seahawks geschickt, nachdem dieser keine Lust auf „voluntary“ workouts hatte. Bei draften kommen „character“, „leadership skills“ und „work ethic“ für Schiano weit vor Sprintzeiten und Bankdrücknummern.

Wenn Safety Mark Barron all diese Intangibles tatsächlich mitbringt, haben die Bucs mit dem ehemaligen Captain der Crimson Tide-D den Dreh- und Angelpunkt ihrer Defense für die nächsten Jahre gefunden. Spielerisch soll Barron über jeden Zweifel erhaben sein. Im schlimmsten Fall ist Barron regelmäßiger Pro Bowler. Im besten Fall spielt wird er eine Mischung aus Ed Reed und Troy Polamalu. Sagen die Auguren. Tatsächlich ist es eher selten so, daß jemand in die Liga kommt und so spielt. Aber viel Talent ist auf jeden Fall vorhanden und ein Playmaker seines Kalibers war derdas größte Need in Tampa.

Ursprünglich hatten die Freibeuter den 5th overall, den tauschte man gegen den 7th overall und einen 4th-rd pick der Nachbarn aus Jacksonville und nutzte diesen postwended, um aus dem eigenen 2nd-rd pick einen späten 1st rounder zu machen. Damit hatte Schiano Zugriff auf RB Doug Martin. Der Bronco aus Boise ist einer der komplettesten RBs der diesjährigen Klasse. Vom kraftvollen Lauf durch die Mitte über den weit getragenen Screen Pass bis zum immer wieder unterschätzten blitz pick-up hat er alles drauf. Martin soll der go-to guy werden, welcher LeGarette Blount mit seinem Dampfwalzen-Stil nicht sein wird. Um Blount noch ein bißchen mehr Feuer unterm Hintern zu machen, hat Schiano in der siebten Runde noch einen RB gedraftet. Michael Smith von Utah State ist ein dicker, kleiner Junge, der bei seinem Pro Day trotz 210lbs eine 4.33 40 gelaufen ist. Bei den Aggies hat er in drei Jahren durchschnittlich 7,1 Yards pro Carry erlaufen.

Für die defensive Seite des Balles holte man sich in der zweiten Runde dringend benötigte Verstärkung für das Linebacking-Corps. Lavonte  David soll sich in der Big-12 sehr erfolgreich mit den Paßempfängern der zahlreichen Spread-Offenses rumgeschlagen haben. Sehr sinnvolle Verstärkung, wenn man in einer Division mit Jimmy Graham, Tony Gonzalez und der TE-freundlichen Offense der Panthers spielt.

Im Idealfall haben die Bucs mit Barron, Martin und David drei neue Starter von Tag 1 an, die ein deutliches upgrade darstellen sollten. Gerade wenn die vielen in den letzten Jahren hoch gedrafteten Defensive Linemen alle mal gesund bleiben würden, könnte das eine junge, aufregende Defense werden. Auch im Angriff hat man heftig aufmunitioniert. QB Josh Freeman hat in der Free Agency schon eine neue große Waffe bekommen mit Vincent Jackson; einen der besten Beschützer, den man sich vorstellen kann mit Carl Nicks; und nun per Draft auch noch zwei RBs. Wenn Schiano aus den Teilen auch tatsächlich ein funktionierendes Team formen kann, zeigt der Trend in Tampa wieder deutlich nach oben.