BCS National Championship 2014 Preview: #1 Florida State Seminoles – #2 Auburn Tigers

Heute Nacht, ab 02h30 (live bei SPORT1 US und im ESPN-Player), findet in der altehrwürdigen Rose Bowl Schüssel in Pasadena (Kalifornien) das letzte BCS National Championship Game ever statt (ab nächstem Jahr: Playoffs, Baby!). Die Ansetzung hat einen gewissen Charme: #1 Florida State Seminoles (13,0 ACC-Champ) vs #2 Auburn Tigers (12-1, SEC-Champ). Sie hat Charme, weil sie relativ unerwartet kommt und sich relativ „neu“ anfühlt.

Es ist für einmal nicht das Duell SEC gegen Pac-12, oder Big 12, oder SEC gegen SEC oder SEC gegen Notre Dame. Die Auburn Tigers kommen zwar aus der alles dominierenden Conference der letzten Jahre, der SEC, und standen zuletzt vor erst drei Jahren im Endspiel (und gewannen), aber das nahm man damals wie heute als eine Art „New York Giants Freak-Lauf“ wahr. Auburns Final-Run diesmal kommt ebenso überraschend.

Dazwischen lagen zwei horrende Jahre für diese Uni, inklusive des Total-Absturzes 2012. In der Folge wurde bei Auburn reiner Tisch gemacht, der Meistercoach von 2010 Gene Chizik entlassen, und mit Gus Malzahn der OffCoord des damaligen Meisterteams als Head Coach zurückgeholt und installiert. Malzahn steht für spread-run option Offense im Angriff, und mit solchem walzte sich seine Mannschaft erst unauffällig, dann als dark horse, dann als „Team of Destiny“ durch die Saison. Im November verbündeten sich die Tigers dann mit Schutzengeln gegen Georgia, und als sei das nicht genug auch noch in der einmaligen, einzigartigen Iron Bowl 2013 gegen die damalige #1 Alabama:

Florida State ist ein anderes Kaliber. Die Seminoles waren in den 80er und 90er Jahren eine absolute Macht im College-Football, aufgebaut von der Trainerlegende Bobby Bowden, aber mit Bowdens zunehmender Vergreisung in den 2000ern versank auch FSU immer weiter im Mittelmaß. Seit 2007 wurde Bowden der dynamische, junge OffCoord Jimbo Fisher als Headcoach in spe zur Seite gestellt, aber Bowden weigerte sich jahrelang beharrlich, seinen Rücktritt einzureichen. So kam es vor vier Jahren zu einer relativ abrupten, offiziell mit „Rücktritt“ überschriebenen Hinauskomplimentierung des Bobby Bowden, und Fisher übernahm das Zepter in Tallahassee.

In Fishers ersten Amtsjahren standen die Noles jahrelang für das Eine: Große Erwartungen, große Enttäuschungen. Nicht, dass FSU eine schwache Mannschaft gestellt hätte, nein, es war vielmehr das Problem „die PS nicht ganz auf den Boden bekommen“: Ein oder zwei Spiele wurden stets verloren. Bis heuer.

Chris B. Brown hat bei Grantland.com einen schönen Artikel geschrieben darüber, wie Jimbo Fisher in den vier Jahren am Ruder die Florida State Seminoles wieder zu einer großen landesweiten Macht gebaut hat:

Darin schildert er die Denke des Jimbo Fisher, der einst als Schüler Nick Sabans dessen Ideen weitergesponnen hat: Recruiting ist wichtig. Hole dir die besten Athleten, und du wirst gewinnen. Fisher als Offensivgeist verfolgt dabei die eher unkonventionelle Methode, in erster Linie Abwehrspieler an die Uni zu holen, im Vertrauen darauf, dass er die Offense mit seinem Coaching hinbiegen wird. Mit wenigen Ausnahmen: Drei bis vier Super-Athleten braucht Fisher für seine Offense. Das ist die Alabama-Methode, und diese Alabama-Methode darf heute nicht gegen das echte Alabama das Endspiel bestreiten, sondern gegen dessen Erzfeind, Auburn.

Florida State Seminoles 2013/14

Alle zur Verfügung stehenden Metriken legen den Schluss nahe, dass wir es bei den Seminoles 2013 mit der vielleicht dominantesten Mannschaft der letzten Jahre zu tun haben, den mehrfachen Titelträger Alabama eingeschlossen. Der Schedule von Florida State ist als ACC-Uni zwar nicht der allerheftigste, aber FSU dominierte ihn deutlich: Der durchschnittliche der 13 Siege beträgt 42 Punkte. Zweiundvierzig. Und es wäre nicht so, dass man gegen eine Sunbelt Conference gespielt hätte.

Das Gesicht, der Superstar, ist der Freshman-QB #5 Jameis Winston, aktueller Gewinner der Heisman-Trophy trotz undurchsichtigen Vergewaltigungsanschuldigungen. Winston stieß letztes Frühjahr schwer gehypt zur Mannschaft, und alle glaubten, er könne dem Buzz nicht standhalten – eine eigentlich „logische“ Annahme. Aber dann passierte, was niemand erwartet hatte, und Winston übertrumpfte die Erwartungen. Er pulverisierte sämtliche Rekorde. Würde Winston in den Draft gehen, er wäre der #1-Pick. Er wirkt für einen 19jährigen Frischling sehr reif, mit seiner Granate von Wurfarm auch mächtig als Waffe für ein tiefes Spiel.

FSUs Offense ist aber nicht bloß Winston. Das RB-Trio Wilder/Freeman/Williams (zusammen 36.5 Rushes/Spiel für 5.7yds/Carry) und der WR/TE-Corp um die künftigen NFL-Picks Benjamin/Shaw/Green/O’Leary (Benjamin/Shaw jeweils mit „nur“ um die 50 Catches für um die 950yds) bürgen für große Tiefe im Kader und dürften gegen die Auburn-Defense durchaus den einen oder anderen Touchdown auf das Tablett bringen.

Die Noles-Defense verlor in den letzten Jahren etliche 1st und 2nd-Round Draftpicks in die NFL (DE Björn Werner, DE Carradine, CB Rhodes…), und gehört diesmal dennoch wieder zu den besten im Lande. Der herausragende Spieler ist DB #20 Lamarcus Joyner, der für manche NFL-Scouts zu klein gewachsen ist um es in der NFL zu schaffen, aber wer Joyner am College spielen sieht, dem dürften die Augen aufgehen.

Das schwierige an der FSU-Defense: Die Schwachstelle ist nicht eindeutig ausfindig zu machen. Nach Advanced-Metrics wie FEI oder S&P von Football Outsiders ist man die #3 in Standard-Downs (z.B. 1st-und-10), die #6 in Pass-Downs (also 2nd/8 oder 3rd/5 oder 4th/5 und schlimmer), und die #5 in Laufspiel-Downs.

Auburn Tigers 2013/14

Eines hat Florida State dieses Jahr aber noch nicht gesehen: Ein Laufspiel wie jenes von Auburn. Die Tigers haben keine Scheu, ihr von Gus Malzahn kreiertes und weiterentwickeltes spread option Offense-System eiskalt durchzuziehen. Sie laufen im Schnitt 52x pro Partie und erzielen pro Lauf 6.5yds. Geworfen wird bei Auburn nur 20x/Spiel. Auch hier liefert Chris B. Brown bei Grantland die hervorragende inhaltliche Tiefe hinter dem Design der Tigers-Defense:

The backbone of Auburn’s current rushing attack has been an amped-up version of the zone-read, which gives Marshall as many as four options: (1) throw a receiver screen, (2) hand it to Mason, (3) keep the ball, or (4) keep the ball and then toss it to a receiver who can sit in an open area of the defense if the man covering him comes up for the run — a form of the quadruple-option.

Quelle: The Making of a Modern-Day Guru (Chris Brown).

Malzahn gilt als einer der markantesten Offensiv-Köpfe Amerikas, schon lange vor seiner Zeit bei Auburn. Man kann sich das wirklich mal gut durchlesen, wenn man weitergehend am American Football interessiert ist. Malzahn ist im Gegensatz zu Jimbo Fisher (Fokus auf Recruiting und perfekte Umsetzung) mehr der Bastler, der sich über sein Offense-Scheme definiert.

Der Motor der Offense ist RB #21 Tre Mason (283 Rushes, 1621yds, 22 TD), ein wendiger, quicker Back, den man allzu lange unterschätzte. Aber der Star ist trotzdem ein anderer: QB #14 Nick Marshall, letztes Jahr noch ein Defensive Back im Kader, der nur aufgrund der akuten QB-Not umgeschult wurde, und heuer als gemachter Mann dasteht: Marshall erlief über 1000yds, und machte 1700 Pass-Yards, und vor allem: Vermeidet die großen Böcke.

Durch die Bank ist Auburn eine eindimensionale Offense: Man ist nach selbiger S&P-Metrik die #3 in Rushing-Downs, aber wenn es mal eng wird und man zum Werfen gezwungen wird, ist man „nur“ die #21 nach Effizienz. Okay, Auburn läuft im Zweifelsfall auch im 3rd-und-10, aber wie erfolgreich das gegen eine der besten Defenses der Saison ist, steht auf einem anderen Blatt.

Auburns Abwehr ist der andere Knackpunkt: Wie gut ist diese Defense wirklich? Sie wurde zuletzt von einem ersatzgeschwächten Georgia und von Mizzou platt gemacht, und auch Alabama klopfte in besagter Iron Bowl immer und immer wieder in der RedZone an. Allein, Auburn konnte mit mehreren Stands antworten.

Wie klar ist Florida State favorisiert?

SRS sagt: „Mit 12.5 Punkten“. Das wäre eine heftigst klare Favoritenstellung pro Seminoles. Die Wettbüros eröffneten ihre Lines bei runden 8.5 Punkten. Wie man es dreht und wendet, alle sehen Florida State vorn. Diese Mannschaft sieht zu dominant, zu komplett aus, als dass man sie gegen ein Auburn verlieren sieht, ein Auburn, das dieses Jahr gleich mehrmals das Schicksal anrufen musste, um überhaupt hierhin zu kommen.

So oder so kann man ein unterhaltsames Spielchen erhoffen: Florida State scheut sich nicht, auch spektakuläre Plays auszupacken, und schon allein dieser unbeschwert aufspielende QB Winston ist immer einen Blick wert. Im Gegensatz ist Auburns Offense-System qua Design ein Hingucker.

Florida State als klarer Favorit, aber Spaziergang dürfte es keiner werden.

The Countdown, T-minus 56: Auburn Tigers

The Countdown ist mittlerweile bei der 56 angelangt, und Paul Myerberg schreibt darin über die Auburn Tigers (für mich überraschend hoch gerankt an #56), den National Champion von 2010/11, der seither innerhalb kürzester Zeit zu einem zahmen Kätzchen verkommen ist und im Winter den Meistertrainer Gene Chizik feuerte – so kurz nach einem Titelgewinn wie nie zuvor ein anderer Coach. Die Meister-Tiger von damals bestanden in erster Linie aus drei Protagonisten: DT Nick Fairley, QB Cameron Newton und OffCoord Gus Malzahn, ein Guru der Spread-Offense. Malzahn wurde letztes Jahr gefeuert um eine NFL-„typische“ (für Mitte 2000er Verhältnisse) Offense zu implementieren, die viele begehrte Talente der Region anspricht. Die Folge war der Einbruch auf eine unerhörte 3-9 Bilanz, inklusive der ersten sieglosen SEC-Saison seit über 30 Jahren. Das passiert, wenn dein Cheftrainer keine Ahnung hat und deine rekrutierten Spieler für was ganz anderes gedacht waren.

Nun ist Malzahn wieder zurück – als Head Coach. Die Anstellung Malzahns ist ein unausgesprochenes Schuldeingeständnis der sportlichen Leitung, mit Malzahn letztes Jahr den falschen Kopf rasiert zu haben (Chizik wäre schon da fällig gewesen). Jetzt kann Malzahn „seine“ Offense mit „seinen“ (also den schon vor Jahren von ihm rekruitierten) Spielern installieren.

Spielermaterial ist zuhauf da: Die Running Backs waren selbst in dem Schrotthaufen von 2012 Spitzenklasse, die Combo aus dem Sprinter Jonathan Ford und Tre Mason sucht vielleicht sogar in der SEC ihresgleichen. Wenn ein Guru der spread-run offense wie Malzahn da nix draus macht, dann Gute Nacht. Viel mehr Sorgen macht das „Passspiel“ (Anführungszeichen absichtlich gesetzt). Letztes Jahr kassierte man in jedem sechsten Spielzug einen Sack und in jedem zwölften eine Interception. Wenn du noch beachtest, dass nur knapp über 50% der Pässe überhaupt komplettiert wurden, kann bei nix rum kommen.

Die Hoffnung ist, dass der Scrambler QB Kiehl Frazier, ein einst gehyptes QB-Prospect, zu seiner Form findet, wenn er keine West Coast Offense mehr spielen muss. Oder dass der junge Jonathan Wallace übernehmen kann. Oder der aus dem Junior-College geholte Nick Marshall, ein ehemaliger Defensive Back. Zu wem sie alle werfen sollen? Das wissen die Götter, aber Gus Malzahns Offenses brauchen keine überragenden WR-Athleten, bloß einen soliden Tight End und ein paar Buben aus dem Vorlesungssaal; leider ist der einzige brauchbare TE Lutzenkirchen mittlerweile Bachelor mit Diplom und nicht mehr im Kader.

In der Defense soll der zuletzt bei seinem ersten Versuch als Head Coach in Southern Miss spektakulär gescheiterte Ellis Johnson (Bilanz: 0-12 mit einer Mannschaft, die im Jahr zuvor Conference-Sieger und 11-2 gewesen war) als DefCoord übernehmen. Es gibt dort junge Talente, die auch die ganz großen Unis verpflichten wollten, und glauben wir den Pundits, soll sich auch die Breite im Kader verbessert haben. Die Defense war im Gegensatz zum komplett überforderten Passspiel aber längst nicht das größte Problem.

Von Auburn sollte man keine schnellen Wunderdinge erwarten; zu sturzflugig war die Leistungskurve in den letzten beiden Jahren. Was mit Malzahn aber schnell zurückkehren dürfte: Ästhetik. Identität. Selbst in der Niederlage wird der gemeine Tigers-Fan Positives finden, aus dem heraus er Hoffnung für die Zukunft ziehen kann. Die Bowl-Season wäre für diese Mannschaft gewiss schon ein Erfolg, aber sie ist nur drin, wenn einer der Quarterbacks den Groove findet, und zwar besser früher als später.

So, das war in erster Linie meine Intrepretation des verfügbaren Materials über Auburn. Paul Myerberg ist da optimistischer: Zum Original-Countdown.

College Football 2012/13 Preview: Sun Belt Conference

Der Countdown zum Start der Saison im College Football läuft erbarmungslos. Heute: Die „kleinste Schwester“ der SEC im Süden der Vereinigten Staaten, jahrelang der Bodensatz der FBS, aber in diesem Jahr mit einem goldenen Star – dummerweise genau der verlässt die Sun Belt Conference nach der Saison dann aber auch wieder.

Wechselturbulenzen

In dieser Saison 2012/13 besteht die Footballabteilung Sunbelt Conference aus folgenden Universitäten:

Arkansas State
Florida Atlantic
Florida International
Louisiana-Lafayette
Louisiana-Monroe
Middle Tennessee State
North Texas
South Alabama
Troy
Western Kentucky

Florida International und North Texas werden nach Saisonende in die Conference USA wechseln. Die Football-Abteilunug der Sunbelt Conference bekommt dann im Gegenzug Zuwachs von Texas State aus der WAC und Georgia State aus der Football Championship Subdivision (FCS), der zweiten Ebene im US-amerikanischen College-Sport. Anyhow. Football wird heuer noch mal in alter Besetzung gespielt.

Florida International Golden Panthers

Das Punditentum ist sich einig: Sunbelt 2012/13 wird die Show der FIU Golden Panthers sein. Im vergangenen Herbst schloss das Programm erstmals über .500 ab, und das war schon eine kleine Enttäuschung. Nun gibt es für diese Saison nur einen nennenswerten Abgang: Alleskönner T.Y. Hilton, seines Zeichens der beste Spieler in der Historie von FIU. Das war’s dann aber auch.

Head Coach Mario Cristobal hat über die vergangenen fünf Jahre einen bemerkenswerten Job gemacht und FIU langfristig auf sichere Beine gestellt, was sich für kleine Programme leichter anhört als es ist. Für diese Saison kommt mit Tim Cramsey ein neuer OffCoord mit Hintergrund im Oregon’schen Offensivkonzept, was bedeutet: Angezogenes Tempo, viel „Spread“ in der Aufstellung, viel Laufspiel. Die Schlüsselfigur ist der wendige RB Kendrick Rhodes, der den unerfahrenen QB Jake Medlock entlasten soll.

Prunkstück ist aber nichtsdestotrotz die Defense, die praktisch identisch mit dem letzten Jahr bleibt und mit exzellentem Pass Rush in Erinnerung geblieben ist. FIU 2012/13 – für die Experten bereits der Conference-Champion in spe. Ungeschlagen werden sie nicht durchkommen, aber wir werden sie allerhöchstwahrscheinlich in der Bowl Season wiedersehen und dann nächstes Jahr in der sportlich betuchteren Conference-USA.

Die Verfolger

Die Louisiana Lafayette Ragin’ Cajuns dürften noch immer berauscht von dem fantastischen Bowl-Sieg über San Diego State sein, als der junge, aufstrebende Head Coach Mark Hudspeth druckvollen Football spielen ließ und dann nagelte der Kicker nach zuvor zwei verschossenen P.A.T.s in der Schlusssekunde einen 50yds-Kick ins Glück – eines der besten Spiele der vergangenen Saison vor einer der stimmungsvollsten Kulissen „zuhause“ in New Orleans.

Überhaupt: Die Zuschauer kommen. Die Stimmung auf dem Campus soll großartig sein. Da vergisst man nur allzu schnell, dass ULL seine Bilanz mit relativ vielen sehr engen Siegen (5-1 in den Spielen mit einem Score Differenz) aufmotzte und solche Teams meist schneller dem Phänomen „Regression zur Mitte“ unterliegen als ihnen lieb sein dürfte.

Aber: Es gibt Ingredienzien. QB Blaine Gauthier ist ein intelligenter Scrambler und spielte letztes Jahr erstmals fehlerarm. Der beste Fänger in TE Ladarius Green ist weg, aber die verbliebenen Wide Receivers sollen okay sein. Die Defense ist voll von ehemaligen großartigen Recruits, die an großen Unis aufgrund disziplinarischer Probleme gefeuert wurden. Man kann summa summarum erwarten, dass das Team in der oberen Hälfte des Conference-Tableaus mitspielen wird.

Das erwartet man auch von den Arkansas State Red Wolves, dem Titelverteidiger, wo nach dem Abgang des Senkrechtstarters Hugh Freeze nun ein neuer Head Coach arbeitet. Und was für einer: Gus Malzahn, seines Zeichens einer von den Leuten, über die nun jahrelang jeder, wirklich jeder redete. Malzahn gilt als Offensivgenie, war aber bizarrerweise niemals im Gespräch für einen Cheftrainersessel. Malzahn wollte diesen Job jedoch so sehr, dass er bei Auburn (bei Auburn!) seinen OffCoord-Job kündigte und in die unterklassige Prärie wechselte – langfristig dürfte das Recruiting dabei einen Anschub erfahren: Welcher nicht ganz erstklassige Offensivspieler des Südens wird in Zukunft nicht liebend gerne für den Kreativkopf Malzahn spielen wollen?

Malzahns Offenses haben Wiedererkennungswert: Viel Geschwindigkeit, keine Huddles, fuffzich Ballfänger an der Anspiellinie verteilt und simpel erlernbar für Quarterbacks. Malzahn liebt dual threats als QBs, wir erinnern uns an Cameron Newton. Bei Arkansas State gibt es einen solchen (man sollte ergänzen: „für Arme“) in Ryan Aplin. Die Wide Receivers sollen superb sein.

Bei den Running Backs gibt es aber Lücken. Der fantastische Michael Dyer hätte nach seinem Transfer von Auburn rüber ab 2013 den Einser-Back geben sollen, wurde aber schnell wieder von der Uni gekickt und dürfte in der FBS erstmal keine Chance mehr bekommen. Dyer, meine Fresse. Ein weiteres erstmal völlig verbranntes Talent, das sich an keine Regeln der zivilisierten Gesellschaft (Stichwort Teamworking) halten konnte.

Die Mittelklasse

Jahrelang war die Sunbelt Conference die Domäne der Troy Trojans von Trainerlegende Larry Blakeney. Bis 2011 der Kollaps und eine furchtbare 3-9 Bilanz folgten. Aber Troy ist für das Eine bekannt: Konstanz. Dank weitsichtiger Planung wird die kleine Uni aus Alabama schon bald wieder oben mitspielen. Vielleicht schon heuer, aber dafür sollte QB Corey Robinson weniger Turnovers produzieren (vielleicht so… 1/Spiel weniger?).

Das komplette Gegenteil zu Troy stellen die Western Kentucky Hilltoppers, ein blutjunges FBS-Programm, das nach 0-12 und 2-10-Bilanzen im vergangenen Jahr plötzlich 7-5 herausspielte, jedoch skandalöserweise nicht für die Bowl Season berücksichtigt wurde. Der Superstar ist allerdings auch hier der Coach: Willie Taggert, ein Lokalhero, eine umtriebige Figur mit Nonstop-Recruiting. Aber auch Taggert kann den Abgang des weitaus besten Angreifers – RB Bobby Rainey – nicht so ohne weiteres verkraften und so bleibt die Frage, was aus WKU heuer wird – vor allem mit den vielen zugelassenen Big Plays (mit großem „B“ und sehr großem „P“) über den Luftweg im Hinterkopf.

Nächste Uni, nächster Kulttrainer: Willkommen beim North Texas Mean Green, ein Programm, das auf dem Weg nach oben ist (2013 besagter Wechsel in die C-USA). Besagter Coach ist Dan McCarney, der vor wenigen Jahren noch als verbrannt galt, nun aber wieder heiße Ware ist. McCarney ist ein Raubein, prügelte sich in den 90ern mit seiner Frau (die Frau prügelte zurück) und wird heuer trotz eines Schlaganfalls im Februar coachen (Zitat: Nothing wrong with me that a little Grey Goose (vodka) won’t cure). Ist es unangebracht, von einem Original zu sprechen?

Der Bodensatz

Und dann sind da noch vier Programme, denen man nichts zutraut. Louisiana-Monroe zum Beispiel, wo der Trend der Warhawks wieder nach unten geht und das vergangene Jahr abseits eines Kantersieg über Krösus Troy nicht viel Vorzeigbares hergab. Die Middle Tennessee Blue Raiders haben andere Sorgen: Das eigentlich als geduldig bekannte Publikum wird nach dem nächsten Komplettkollaps langsam ungeduldig und es gibt im dritten Jahr hintereinander jeweils neue Offensive und Defensive Coordinators. Wenigstens QB Logan Kilgore soll soweit sein, endlich die Offense allein tragen zu können.

Ein Umbruch findet bei den Florida Atlantic Owls aus Miami statt. Die Trainerlegende Howard Schnellenberger – der Bill Parcells des College Football – dankte bald 80jährig ab, und er hinterlässt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist FAU infrastrukturell dank des neuen Stadions bestens ausgestattet, auf der anderen Seite war der Kader zuletzt gerade gut genug, um im allerletzten Spiel der Saison die sieglose Saison abzuwenden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Mannschaft als disziplinlos gilt und die Spieler beim Training nach durchzechten Nächten nur mit Augen auf Halbmast erscheinen.

Da kommt der neue Chefcoach in persona von Carl Pelini, dem Bruder von Nebraskas Bo Pelini, gerade recht. Ein lauter Schreihals, der sich nicht grämt, an der Seitenlinie alles zusammenzuscheißen, was sich ihm in den Weg stellt. Wie Bo eben. Problem ist allein, dass Pelini bereits im ersten Training die Medien aussperrte und es damit mit selbigen erstmal verscherzte. Weil FAU im Großraum Miami, der von King James, den Canes und den Sandstränden dominiert wird, eigentlich alles für Aufmerksamkeit machen sollte, ein eher fragwürdiger Move von Pelini.

FAU dürfte 2012 aber wenigstens ein Team noch hinter sich lassen, denn die University of South Alabama Jaguars (patriotisch abgekürzt mit U.S.A.) sind komplett neu in der FBS. Dabei handelt es sich tatsächlich um ein 2007 aus der Retorte gehobenes Programm, 2009 mit den ersten Spielen und dabei gemächlich aufgebaut: Gegen inferiore Konkurrenz alle Spiele gewonnen, und erst das 20. Spiel ging verloren, gegen NC State aus der ACC, als man eine Halbzeit lang richtig gut mithalten konnte. Der Head Coach ist mit Joey Jones eine Legende in Alabama, und die Defense soll respektabel sein. Die größten Zweifel bestehen ob der Tauglichkeit von QB C.J. Bennett, der zu viele Interceptions wirft, und ob der generellen Tauglichkeit der Mannschaft nach der „Erprobung“ gegen die vielen laschen Gegner aus den Niederungen und Highschools.