Vor dem Grey Cup 101: Saskatchewan Roughriders vs Hamilton Tiger-Cats

Am Sonntag findet parallel zum NFL-Sonntag ab 22h30 MEZ auch das Endspiel der Canadian Football League 2013 statt, der Grey Cup, und es ist das von vielen erhoffte Traumfinale zwischen den Saskatchewan Roughriders und den Hamilton Tiger-Cats. Endspielort ist das altehrwürdige Mosaic Stadium von Regina/Saskatchewan, die Heimspielstätte der Roughriders, ein Stadion, das einen ganz eigenen Charme hat, aber den Zahn der Zeit fühlt und in spätestens vier Jahren durch ein neues Schmuckkästchen ersetzt wird.

Saskatchewan… ich werde dieses Land, diesen Fluss und diese Leute nicht vergessen. Die Roughriders sind Ersatzreligion in diesen Weiten des Nichts, diesen wunderschönen Prärielandschaften. Eine so relaxte Stimmung habe ich sonst noch nicht erlebt. Ein paar Impressionen aus dieser wunderschönen Gegend (teilweise bis hinüber in die Nachbarprovinz Alberta reichend):

Saskatchewan gegen Hamilton, das ist eine Partie der beiden Außenseiter, die jeweils überraschend auswärts ihre Halbfinalspiele gewinnen konnten. Die Roughriders gewannen vor malerischer Kulisse im verschneiten Olympiaort von 1988, Calgary, mit ihrer knüppelharten Defense (5 Turnovers) 35-13, während sich Hamilton im „Lokalderby“ gegen die Toronto Argonauts nach Comebacksieg durchsetzen konnte.

Das Endspiel ist auch das Wiedersehen von Hamilton-WR Andy Fantuz, einem langjährigen Roughrider, und Fantuz ist in Saskatchewan noch immer ein Publikumsliebling, dessen Abgang den Fans weh tut. Auch der Hamilton-QB Henry Burris, ein bald 40jähriger Recke, spielte früher mal in Regina.

Die Saskatchewan Roughriders sind vermutlich das populärste CFL-Team in Kanada, vielleicht auch, weil sie ähnlich wie die Green Bay Packers ein echter „Verein“ sind und den Fans gehören. Diese Fans sind brutal fanatisch und sorgen für echte Heimspielatmosphäre in diesem morschen Mosaic Stadium. Genannt werden sie aus mir etwas suspekten Gründen melonheads („Melonenköpfe“). Auf alle Fälle laufen tausende Fans mit Wassermelonen auffm Kopf durch die Gegend. Diese Verkleidungskünste sind vergleichbar mit den Hundemasken in Cleveland oder den Käsköpp in Green Bay oder der Verkleidungspracht in Oakland.

Saskatchewan erreichte in seiner über 100jährigen Geschichte 19x den Grey Cup, gewann den Pokal aber nur dreimal, zuletzt 2007. Hamilton ist auch so ein ewiger Underdog, und es ist das erste Mal seit über 15 Jahren, dass die Ti-Cats wieder das Endspiel erreicht haben.

Der Superstar in Saskatchewan ist immer mehr QB #4 Darian Durant, ein schwarzer Brocken von Mann, der in den letzten Jahren immer mal für einen Bock gut war, aber 2013 seine beste Saison spielt. Durant erinnert mich ein bissl an meinen Hero aus ersten NFL-Tagen, Steve McNair: Auch so ein schwarzer Scrambler, nicht der beste Werfer, nicht der schnellste Sprinter, aber immer wenn es knüppeldick kommt, kannst du dich als Mannschaft auf ihn verlassen. Ich weiß, dass dies von Zahlen und Fakten kaum zu untermauern ist, aber das schiere Gefühl, das einem McNair wie Durant vermittelten, macht es einem als Fan einfach.

Prognosen abgegeben ist in einer CFL immer schwer. Bei den Buchmachern sind die Roughriders Favorit mit 5.5 Punkten. Ich würde partout auch auf Saskatchewan tippen, aber ich glaube, ich bin in der CFL in den letzten Jahren so oft daneben gelegen, dass ich mich eines Endspieltipps ehrlicherweise enthalten möchte.


Das Spiel wird in der Nacht von Sonntag auf Montag um Mitternacht MEZ angepfiffen. Die Angaben ob der Live-Übertragung in Europa ist wie in den letzten Jahren nicht eindeutig geklärt. Die Auskünfte der TSN-Mitarbeiter sind widersprüchlich, wie aus den letzten Jahren bekannt. „on-demand“ ist das Game-Tape aber wie immer bei TSN zu erhalten.

CFL 2013, Conference Finals Preview

Wie schon die letzten Jahre konnte ich die Canadian Football League 2013 nur schwerlich verfolgen. Hatte ich als Schüler und Student noch die Zeit, mir gelegentlich die CFL reinzuziehen, gab es in den letzten 1-2 Jahren immerhin noch die Möglichkeit, CFL bei ESPN America zu verfolgen. Nicht so dieses Jahr. CFL beschränkte sich auf „on-demand“-Consum der TSN-Datenbank. Ein gutes on-demand (for free) Angebot zwar, aber CFL 2013 lief größtenteil an mir vorbei.

Diesen Sonntag finden die Conference-Finals statt, in denen die Teilnehmer am 101ten Grey Cup ausgespielt werden. Heut Vormittag hatte ich die Chance, mir die Tapes der Conference-„Semifinals“ (in Kanada eine Art Play-in) reinzuziehen, und wage mich mit wenigem Gesehenen und einigem Angelesenen an eine ausführlichere Vorschau auf die beiden Spiele.

Toronto Argonauts – Hamilton Tiger-Cats

Kickoff Sonntag 19h MEZ | Ab Montag on-demand bei TSN

Toronto gegen Hamilton ist quasi das „Regionalderby“ von Toronto, da die Tiger-Cats (oder, wer Eindruck schinden will: Die Ticats) im nahen Gülph ihre Heimspiele austragen und auch ihr derzeit im Umbau befindlichen Heimatstadion im 50km-Radius der größten kanadischen Metropole liegt. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern die Partie in Toronto die Massen bewegt, denn von meinem letzten Toronto-Besuch hatte ich den Eindruck, dass diese Stadt die Maple Leafs aus der NHL lebt und atmet, und dass sogar der Toronto FC aus der Major League Soccer mehr Resonanz im Großraum der Stadt erzeugt als die Argonauts, die immerhin eine der ältesten US-Franchises sind. Wie auch immer: Toronto ist der Titelverteidiger der CFL, und so lahm sie 2012 auch über weite Strecken spielten, so pathetisch ihr meist halbleeres Rogers Center auch oft wirkt, so feurig war das letztjährige Finale in einem rabaukenartigen Rogers Center.

2013 ist man wieder etwas langsam in die Saison gekommen, u.a. weil der QB #17 Zach Collaros, uns noch aus dem College Football bekannt, nicht in Schwung kam. In den letzten Wochen allerdings kehrte der etatmäßige QB #15 Ricky Ray zurück und seither glüht die Anzeigetafel! Ray fabrizierte in 10 Starts sensationelle 21 TD vs 2 INTs und 9.5 Y/A; Ray ist vielleicht noch einigen Madden-Spielern aus der NFL bekannt: In Madden-2005 scheint er im Depth-Chart der New York Jets auf. In der CFL ist er ein Star, der dieses Jahr viele Rekorde gesprengt hätte, wenn er die Saison heil durchgekommen wäre.

Toronto beendete die Regular Season mit 11-7 Siegen und dem besten Punktverhältnis im Osten. Allerdings müssen die Argos ab sofort auf den letztjährigen MVP RB Chad Kackert verzichten (Knöchel-OP). Ersetzt wird er durch den aus er NFL (Atlanta Falcons?) bekannten Jerious Norwood, ein Mann mit einer relativ tragischen persönlichen Geschichte.

Toronto gewann den Grunddurchgang der Eastern Conference und musste im Gegensatz zu Hamilton kein Play-In bestreiten. Die Ticats gewannen letzten Sonntag in der Overtime gegen Montreal nach einer dramatischen Schlussphase. Dabei wurde ein Altbekannter zum Helden: QB #13 Dan LeFevour, der bei Central Michigan am College vor wenigen Jahren mehrere Passrekorde sprengte und sich mit seiner beherzten Spielweise als weißer Scrambler in die Herzen der Fans spielte. LeFevour wird in Hamilton nicht als Starting-QB eingesetzt – diese Rolle besetzt der 38jährige Oldie #1 Henry Burris – sondern als eine Art freakiger „change of pace QB“ für spezielle Offensiv-Packages, in denen sein double threat von Vorteil ist. Am letzten Sonntag tauchte er im entscheidenden Spielzug in die Endzone nach einem Spiel, das so furchterregend schwach war, dass es schon wieder unterhaltsam war: Alles war dabei, von Sturmböen zu Regenschauern, matschigem Boden, verkickte Field Goals (solche Dinger gibt es in der NFL mit ihren Superstadien leider mittlerweile viel zu selten), ein Halbzeitstand von 2-0 pro Montreal durch zwei Singles, endlose Schiedsrichterdiskussionen, nur um am Ende zwei zum Leben erweckte Offences zu sehen, die sich die Kante gaben und plötzlich spielten als gäbe es kein morgen.

Das Wetter wird in der Rogers-Halle keine Rolle spielen, insofern ist qualitativ ein besseres Spiel zu erwarten. Ich traue den Ticats nicht. Ohne Windunterstützung sehe ich für diese Defence keine Chance, Ricky Ray und seine Armada zu stoppen, trotz der guten Ergebnisse in der Regular Season gegen Toronto (2 von 3 gewonnen). Toronto Argonauts for Grey Cup.

Calgary Stampeders – Saskatchewan Roughriders

Kickoff Sonntag 22h30 MEZ | Ab Montag on-demand bei TSN

Gehen wir rein nach Qualität der Ansetzung, ist das das vorweggenommene Endspiel: Calgary (14-4) als bestes Team des Grunddurchgangs, aber die Saskatchewan Roughriders (11-7) sind nur ein i-Tüpfelchen hinter den Stamps anzusiedeln. Es ist die ligaweit beste Offence (Calgary) gegen die ligaweit beste Defence (Saskatchewan) bzw. die ligaweit zweitbeste Offence (Saskatchewan) gegen die ligaweit zweitbeste Defence (Calgary) – jeweils nach Punkten. Den Unterschied in der Saisonbilanz kann man an knappen Spielen ablesen: Calgary war darin 4-3, Saskatchewan 4-6. In der Regular Season spielten beide viermal gegeneinander; dreimal gewann Calgary, aber zweimal davon denkbar knapp – und deswegen haben sie heute Heimvorteil.

Es dürfte auch von den Emotionen her das bessere Spiel sein als das erste Conference-Finale, denn Westkanada ist CFL-Territorium. Okay, die NHL dominiert Kanada, aber im Westen ist die CFL nur knapp dahinter. Würden wir sämtliche Ost-Franchises samt Toronto einstampfen, den Leuten im Westen wäre es egal, und sie würden einen flotten Dreier Calgary-Saskatchewan-Winnipeg veranstalten und die Liga hätte trotzdem bis in alle Ewigkeit Bestand.

Sportlich ist die Saison für den Head Coach John Hufnagel ein fettes Ausrufezeichen: 14-4 trotz einer unsäglichen Verletzungsmisere auf Quarterback: Erst wurde der unumstrittene Starter Drew Tate mit „Tennis-Arm“ rein- und rausrotiert, dann durch Backup Kevin Glenn ersetzt, der zeitweise von third stringer Bo Levi Mitchell vertreten wurde. Diese Misere machte aus Calgary ein Team, das für CFL-Verhältnisse erstaunlich lauffreudig ist, und entsprechend wenige Turnovers begeht. Nur 2 INTs pro 100 Passversuche sind quasi nix, und solange der brachiale FB Jon Cornish 7.0 Y/A erläuft, muss der Offence nicht bange sein. Glenn führt die Mannschaft dann auch mit relativ fehlerarmem Spiel an.

Was kann Saskatchewan da gegenhalten? Eine opportunistische Defence, die zwar durchaus viele Yards zulässt, aber die wenigsten Punkte der Liga. Man hält sich mit INTs und sehr guter Goal Line Defence über Wasser. Ist das haltbar? Nun, zumindest gibt es Superspieler wie den DE #99 Alex Hall, der im Lauf der Saison von Winnipeg per Trade geholt wurde. Hall ist eines dieser Monster, das möglicherweise tatsächlich nächstes Jahr einen NFL-Platz kriegen könnte.

Tja, und dann wäre da die Riders-Offence. Sie wird immer noch angeführt vom alten Recken QB #4 Darian Durant, einem schwarzen Krieger, der stets so spielt als sei ihm sein Körper kein Jota wert. Durant spielte seine beste Saison ever. 7.8 Y/A und nur 2.2% INT-Quote sind die Durant exzellente Werte. Man muss dazu sagen, dass Durants Qualitäten auch den Scramble zur rechten Zeit umfassen. Die Offence ist eh eine der konservativsten, was PlayCalling angeht: Man versucht noch ganz old-school, Laufspiel über den Brocken RB Kory Sheets zu implementieren, und dann, wenn der Gegner die Box zustellt, den Kurzpass zu werfen. Fraglich ist allerdings Sheets’ Gesundheitszustand nach schwerer Verletzung.

Zweifel gibt es auch ob der Fitness von Slotback #89 Chris Getzlaf, dem wichtigsten Skill-Player neben Durant (Knieverletzung), und von SB #81 Geroy Simon, dem 38jährigen ewigen Yards-Leader der CFL-Geschichte.

Hochziehen können sich die Riders aber auf alle Fälle an dem gigantischen Comeback-Sieg am letzten Sonntag gegen die BC Lions, die in unmenschlichen Konditionen bei -15 Grad Celsius und gefrorenem Boden per beherztem „4th Quarter-Comeback“ geschlagen wurden. Weniger berauschend waren die drei Viertel zuvor, als man an die Wand gespielt wurde und wohl selbst nicht wusste, weshalb man am Ende überhaupt die Chance zum Comeback bekam.

Ich bin Saskatchewan-Fan. In meinem Zimmer hängt noch immer eine grüne Riders-Fahne aus Regina. Aber ich tue mir schwer zu glauben, dass das heute in Calgary gut geht – obwohl: Diese intensive CFL-Rivalität bot in den letzten Jahren immer wieder knappe, spannende Spiele, in denen gefühlt fast immer der Außenseiter in den Playoffs gewann. Trotzdem: Calgary ist effizienter, Calgary sollte das Endspiel erreichen, das nächsten Sonntag ausgerechnet in Regina/Saskatchewan ausgetragen wird.

Canadian Football League 2012 vor dem letzten Spieltag

Wenn man sich in knapper Zeit um zu viele seiner Liebsten kümmern muss, muss eines zurückstehen. Insofern same procedure as every year für die Canadian Football League, die bei mir nur allzu häufig nach den ersten Wochen, mit Ende des Sommers und Beginn des Spielbetriebs in den Vereinigten Staaten und im europäischen Fußball, zurückstehen muss, und wo ich nur noch ein paar ausgewählte Klassiker wie Saskatchewan – Winnipeg sehen kann.

Dieses Wochenende ist der letzte Spieltag des Grunddurchgangs der CFL 2012. ESPN America ist nach den langersehnten Saisonenden in Baseball und Motorradfahren (ufffffffff, Sonntagmorgen wieder College Football!) mit angemessenem Programm dabei.

   2.11.  14h30  Tape  Toronto - Hamilton
2./3.11.   2h30  LIVE  Edmonton - Calgary
   6.11.  11h00  Tape  Winnipeg - Montreal
   6.11.  13h00  Tape  BC Lions - Saskatchewan

Folgende Divisionsstände haben wir vor dem letzten Spieltag zu vermelden (y = Freilos in der ersten Playoffrunde, x = für die Playoffs bereits qualifiziert):

Osten

(y) Montreal      11-6
(x) Toronto        8-9
    Hamilton       6-11
    Winnipeg       5-12

Westen

(y) BC Lions      12-5
(x) Calgary       11-6
(x) Saskatchewan   8-9
    Edmonton       7-10

Zu den komplizierteren Regeln in der CFL gehört die „crossover rule“, dank der es für einen Viertplatzierten mit besserer Bilanz in der einen Division am Drittplatzierten mit schwächerer Bilanz in der anderen Division vorbeizuziehen, und an dessen Stelle in den Playoffs mitzuspielen – besagter Viertplatzierte würde in diesem Fall in das Playoff-Bracket der „anderen“ Division rutschen.

Und haargenau dieser Fall macht den letzten Spieltag äußerst kompliziert, und droht, Wettbewerbsverzerrung zuzulassen.

Hamilton spielte bereits heute Nacht und könnte sich dank des gewonnenen Tie-Breakers gegen Edmonton dann für die Playoffs qualifizieren, wenn Edmonton heute Nacht gegen die Calgary Stampeders, für die es um nichts mehr geht, verliert (beide wären dann 7-11 und Hamilton dabei).

Hat Hamilton verloren und/oder gewinnt Edmonton heute Nacht, ist Edmonton als viertes Team aus dem Westen mit dabei…

…und dann wird es kompliziert, denn es erst in der Nacht auf Sonntag, 3h MEZ, spielen die Saskatchewan Roughriders auswärts gegen die längst qualifizierten BC Lions. Edmonton hat den Tie-Breaker gegen Saskatchewan gewonnen und würde bei eigenem Sieg und Saskatchewan-Niederlage auf den dritten Platz in der Division rutschen – und die Saskatchewan Roughriders würden in den Playoff-Bracket des Ostens rutschen.

Dies ist insofern ein begehrter Platz, weil die Ost-Division dieses Jahr sportlich deutlich unter dem Westen eingestuft wird, wie die kanadischen Medien es sehen – und wie es meine Excel-Tabelle sieht; ich habe über die Saison das Simple Rating System für die CFL-Saison 2012 errechnet und folgendes Ergebnis bekommen (Ergebnisse sind bei 25 Punkten Differenz gedeckelt, deswegen hat z.B. Montreal eine positive Margin of Victory trotz negativem Punkteverhältnis):

TEAM           MOV   SOS   SRS
BC Lions       6.2  -0.4   5.8
Calgary        4.9  -0.2   4.8
Saskatchewan   1.7   0.4   2.1
Edmonton      -0.8   0.9   0.0
Montreal       0.5  -0.8  -0.3
Hamilton      -2.4  -0.3  -2.7
Toronto       -2.8  -0.2  -3.0
Winnipeg      -7.2   0.6  -6.7

Alle vier West-Teams rangieren vor sämtlichen Ost-Teams; ergo ist der Letzte (Edmonton oder Saskatchewan) des Westens höher einzustufen als der Erste des Ostens (Montreal).

Freilich kann sich eine mögliche Farce (Saskatchewan verliert morgen absichtlich bei BC) nicht verhindern lassen, selbst wenn Hamilton heute Nacht das „Lokalderby“ bei den bereits qualifizierten Toronto Argonauts verloren hat. Edmonton könnte dann seinerseits die Partie gegen Calgary freiwillig abschenken und trotzdem als qualifiziertes Team in das Ost-Bracket rutschen und gegen die schwachen Argonauts die Playoffs eröffnen, während die Roughriders in diesem Falle zu den deutlich höher einzuschätzenden Calgary Stampeders müssten.

So long. Football mit riesigen Endzonen und 12 Mann auffm Feld erwartet uns.

CFL 2012 – Recap Week 2

(Vorsicht: Nachdem ESPN America noch nicht alle Spiele gezeigt hat, könnte der Artikel für manchen die Ergebnisse des Wochenendes spoilern)

Die bisherige CFL-Saison ist die Show der Returnspieler mit ihren auffällig vielen langen Returns. Das Gesetz der Serie besagt, dass sich der Trend nicht allzu lange fortsetzen wird, aber immerhin: Die Special Teams sorgen bisher für Wirbel und richtig, richtig ansehnliche Partien mit vielen Punkten in den ersten zwei Wochen CFL 2012.

Toronto Argonauts – Calgary Stampeders 39-36

Ich mag ja die Heimspiele der Toronto Argonauts nicht wirklich… Diese brutal tiefe Kameraposition, diese Anonymität durch die meterhohen Werbebanden hinter der Seitenlinie, und wenn die Kamera dann mal in die blauen Ränge schwenkt meist gähnende Leere auf den Tribünen. Aber dieses Spiel war dann doch Spektakel. Toronto war im Prinzip die über weite Strecken bessere Mannschaft mit der runder wirkenden Offence, während Calgary nach dem Ausfall vom Stamm-QB Tate im ersten Viertel Probleme hatte. QB Glenn erwies sich als nicht allerpräzisester Werfer unter der Sonne und neigte vor allem unter Druck dazu, die Eier die entscheidenden 15cm zu hoch für die Catches zu werfen. Toronto dominierte, erzwang mit seiner Defence auch die Turnovers, blieb aber immer und immer wieder tief in der gegnerischen Platzhälfte stecken und war zum Fieldgoalschießen gezwungen. Extravagant wurde es eingangs des Schlussviertels, als K Prefontaine ein Fieldgoal aus der Mitteldistanz (ca. 35yds) links neben den Pfosten setzte und #2 Larry Taylor das Ei in der eigenen EndZone aufnahm. Gefühlte zweieinhalb Stunden Slalomlauf und 125yds später hatte Taylor den Ball zum Ausgleichs-TD (29-29) zurückgetragen.

Was folgte, war fantastischer Football, von beiden Seiten mit viel Herz und zittrigen Knien gespielt. Fehler sind nicht selten die Grundlage für ein spektakuläres Spiel, und dieses war ein extrem spektakuläres. Zwei Plays nach dem Ausgleich warf Torontos QB Ricky Ray mit einer verteidigenden Klette am Wurfarm eine INT direkt in die Arme eines Abwehrspielers. Die durchaus mögliche Challange wurde von Torontos unerfahrenem, weil jungem, HeadCoach Scott Milanovich verschlafen, aber direkt im nächsten Play der zurückeroberte Ball nach einem Fumble des Calgary-QB Glenn. Toronto an der 10. Gegessene Sache?

Nope. Ein harter Hit an der GoalLine gegen den extra eingewechselten „Goal Line QB“ #12 Jackson und Turnover on Downs. Unter dem Eindruck von vieeeeeeeel Adrenalin zwei Plays später: QB Glenn noch beim Ausrichten seiner Receiver zu seiner Linken, und dann wird an der eigenen 5yds-Line der Ball zu früh gesnappt – Fumble und pures Glück, dass das kullernde Ei nicht vom Gegner aufgenommen wurde.

Toronto antwortete mit einem souveränen Drive, abgeschlossen von QB Ray mit einem famosen, gefühlvollen „Heber“ am Biergarten hinter der Seitenlinie vorbei in die EndZone, wo sich der Rookie #11 Inman mächtig streckte und artistisch die 36-29 Führung herbeicatchte. Vorbei war noch lange nix. 1:30 vor Schluss Punt für die Argonauts und erneut PR #2 Larry Taylor, diesmal 64yds in die Redzone, und ein Pass später der Ausgleich. Am Ende wurde K Prefontaine trotzdem zum Held, mit seinem sechsten Field Goal im achten Versuch an diesem Tag, mit auslaufender Uhr zum Sieg für Toronto.

Die Argonauts 2012 sind eine sehr gute Mannschaft. Die größten Schwachpunkte sind in der RedZone zu finden, aber immerhin: Sie gelangen bis dorthin, und zwar in fast jedem Drive. Die Stamps dagegen werden nun um ihren Stamm-QB Tate bangen. Es sah nach Schulterverletzung aus und es sah nicht danach aus, als könnte Tate schon kommendes Wochenende wieder zum Einsatz kommen.

Saskatchewan Roughriders – Edmonton Eskimos 17-1

Ein über weite Strecken unansehnliches Spiel von beiden Offenses, aber geprägt von einer feurigen Rider-Defense. Edmontons QB Jyles sah hinter einer schwachen Protection der Eskimos kein Land und war meist schon am Boden, bevor er überhaupt seinen Hals nach einem offenen Mann ausstrecken konnte. Aber Jyles ist auch nicht der Mann, der aus Nix was Produktives machen kann. Am vergangenen Freitag hatte ich spekuliert, wie lange es brauchen würde, bis Jyles gebencht wird. Antwort: Eineinhalb Spiele. In der zweiten Halbzeit kam der alte Mann, QB Kerry Joseph (ehemaliger Safety der Seattle Seahakws und als QB Greycup-Champ mit Saskatchewan), brachte letzten Endes aber auch nicht viel mehr zustande. Die Roughriders waren in der Offense allerdings auch recht blutleer und QB Durant mit vielen sehr ungenauen Würfen. So kam die Entscheidung erst im Schlussviertel mit zehn Punkten für Saskatchewan.

Montreal Alouettes – Winnipeg Blue Bombers 41-30

Für beide Teams war es eine Steigerung gegenüber der ersten Woche. Montreals Offence bestand primär aus dem SB Whittaker (98yds Rushing, 137yds Receiving, 3 TD), während bei Winnipeg insbesondere der gescholtene, weit verletzungsanfällig QB Buck Pierce einen Aufwärtstrend erkennen ließ und keinen Scramble scheute. Am Ende setzte sich die reifere Mannschaft durch.

BC Lions – Hamilton Tiger-Cats 39-36

Ein Spiel der Serien: Erst fuhr BC über die Ticats drüber und führte schon 33-14, dann kam Hamilton zurück und wäre das Spiel noch zwei Minuten länger gegangen, BC hätte das glatt noch verloren. Hamilton galt nach vielen teuren Einkäufen als großes Versprechen für dieses Jahr, und im Gegensatz zur insgesamt enttäuschenden Vorstellung gegen Saskatchewan war das diesmal eine vergleichsweise bombenstarke Leistung. Die Defence würgte BC mit ihrem Super-QB Lulay komplett ab (Lulay mit keinen 50% Completion Rate), war allerdings weich wie warme Butter gegen den Lauf (serienweise 10yds-Runs für BC). Im Angriff sahen wir einen deutlich sicherer wirkenden QB Henry Burris und das eine oder andere Big Play. Insgesamt wirkten beide Teams auf Augenhöhe.

Noch nicht allzu aussagekräftige Zwischenstände in den Tabellen:

Osten

Toronto  1-1
Montreal 1-1
Winnipeg 0-2
Hamilton 0-2

Westen

Saskatchewan 2-0
BC Lions 2-0
Edmonton 1-1
Calgary 1-1

CFL 2012 nach dem Canada Day – Der Osten

Um zum Einstieg dogfood von Allesaussersport zu recyclen:

Ich habe für die CFL einen ganz großen, weichen Fleck in meinem sonst harten Herzen. Das ganze CFL-Ambiente strahlt eine sympatische Kuscheligkeit aus. Das Land Kanada, der Sommer. Der Versuch diese Profiliga mit wenig Resourcen gegen das Monster aus dem Nachbarland NFL aufrecht zu erhalten. Diese leicht freakigen Regeländerungen. Namen, teilweise verbrannte NFL- oder College Football-Talente die wieder auftauchen. Alles andere als glamourös, aber irgendwie freut man sich jedes Jahr darauf, alte Bekannte wieder zu sehen.

Ein Absatz, der genau so unterschrieben werden will, und es seien noch was ergänzt: Diese wunderschönen, uralten Stadien aus den 50ern mit ihren kilometerlangen Haupttribünen. Die völlige Unberechenbarkeit vor jedem Saisonstart. Die Saskatchewan Roughriders mitten aus der kanadischen Tundra, diese „Packers des Nordens“ mit ihrem leidenschaftlichen, allen Wettern trotzdenden Publikum. Das ist Football auf die bodenständige Art.

Eine erklärende Einführung zur Canadian Football League habe ich am Montag gegeben. Die Einträge zur aktuellen Saison werden unter dem Schlagwort „CFL 2012“ zu finden sein. Ich hoffe sehr, die aktuelle Saison etwas stärker begleiten zu können als in den vergangenen Jahren. Zum einen, weil ESPNA wieder eingestiegen ist. Zum anderen, weil die CFL heuer einen Hauch von Aufbruch versprüht, nachdem am Saisonende der einhundertste Grey Cup ausgetragen wird, mit großen, tagelangen Feierlichkeiten rund um den Austragungsort Toronto.

Heute: Die Eastern Division in der Vorstellung. Jene Eastern Division, die über Jahre als Domäne der Montreal Alouettes galt, aber zu Beginn dieser Saison erstmals seit längerer Zeit als wirklich ausgeglichen und dem Westen deutlich überlegen angesehen wird… und dann verloren am vergangenen Wochenende just alle vier Ost-Teams gegen die Konkurrenz im Westen.

Toronto Argonauts

Für die wirtschaftlich schwache CFL sind die Argonauts aus der Millionenmetropole Toronto die Schlüssel-Franchise schlechthin – dumm bloß, dass just jene Argonauts seit Jahren im unteren Mittelfeld kränkeln und mit dem unpopulären Rogers Centre (ehemals „SkyDome“) und einem faulen Publikum (schlechtester Zuschauerschnitt der Liga) zu kämpfen haben. Da man stadtintern wenigstens einmal pro Saison Konkurrenz von den Buffalo Bills aus der NFL hat und die eigenen – zweifelhaften – Werbeaktionen verpuffen, steht die Mannschaft in dieser Saison auch aufgrund des wichtigen Finale dahoam besonders unter Druck.

Dafür hat man nach einer schwachen Saison 2011 (mit 6-12 die zweitschlechteste Bilanz der CFL) in der Offseason mächtig umgestellt. Jim Barker beförderte sich vom Chefcoach/GM zum alleinigen General Manager und kaufte mit dem 38jährigen Scott Milanovich den jungen OffCoord der Montreal Alouettes als Head Coach ein.

Und Milanovich, der Architekt einer der über Jahre besten Angriffe in Montreal, bekam Spielzeug. Die Quarterbacks Lemon/Jyles wurden entsorgt und im Gegenzug in einem viel diskutierten Trade der 32jährige QB Ricky Ray (2x Grey Cup Champ) aus Edmonton geholt, einer der wenigen veritablen „Franchise-Spieler“ in der CFL. Man erwartet, dass die Offense mit Milanovich, Ray und einem ausgeglichenen WR-Corp schnell wiederbelebt werden kann.

Die Defense schaut personell etwas ausgedünnt aus, dürfte aber allein durch die Verpflichtung des schenialischen DefCoords Chris Jones (aus Calgary) ein paar Prozentpunkte an Qualität zulegen können (die Front-7 sah schon mal ganz ordentlich aus).

Toronto ging am letzten Wochenende allerdings ausgerechnet in Edmonton (Rays letzte Station) 15-19 baden, aber nicht aller Tage ist noch Abend: Trotz einer insgesamt horrenden Vorstellung der Offensive Line war wenigstens die zweite Halbzeit von der Offence richtig ansehnlich und machte Hoffnung, aber Milanovich wird nach einer fassungslosen Unzahl an Penalties noch an der Disziplin seiner Truppe arbeiten müssen.

Hamilton Tiger-Cats

Nicht nur die Argonauts treten mit neuem Chefcoach und neuem QB an, sondern auch deren nächster Lokalrivale aus Hamilton (ca. 75km süd-westlich von Toronto), die Tiger-Cats (zum Fachsimpeln bitte: „Ticats“), wo nach drei Jahren Stagnation (9-9, 9-9, 8-10 mit Playoffsieg) zur Komplettrasur angesetzt wurde.

Marcel Bellefeuille wurde durch den neuen Head Coach George Cortez ersetzt und Cortez fackelte nicht lange. Nicht nur der charismatische Oldie QB Henry „Smilin’ Hank“ Burris ist in der Arbeiterstadt Hamilton neu am Werkeln, sondern nach dem Austausch fast aller Skill Players und einiger zentraler Figuren in der Defense eigentlich der komplette Mannschaftskern. Wobei „neu“ bei vielen Einkäufen mit bereits geschehener Vorwahlwechsel (auf die „3“) auch ein fragwürdiger Begriff ist. So viel Umbruch für Hamilton nach dem ersten Playoffsieg seit Äonen!

Burris und Cortez sind alte Bekannte (2008 gewann man gemeinsam mit Calgary den Grey Cup). Burris soll im Spätherbst seiner Karriere noch einmal zünden, weswegen man zusätzlich zu den blutjungen Granaten-WRs Chris Williams & Bakari Grant auch noch eine Ikone aus Saskatchewan eingekauft hat: WR Andy Fantuz. Man erwartet von den Ticats nichts anderes als ein Passfeuerwerk, nachdem das Laufspiel auf den alternden Schultern von RB Avon Cobourne (früher in der NFLE) liegt: Der junge Hoffnungsträger Martell Mallett hat sich jüngst den Knöchel gebrochen. Und sollte Burris nicht zünden, so steht der während der Vorbereitung verpflichtete QB Dan LeFeveaur bereit, den man noch aus College (ehemalige TD-Rekordler) und NFL kennt.

Das Auftaktspiel gegen Saskatchewan bescherte allerdings eine Blamage (16-43 Pleite). Aber auch hier gilt: Vorschnelle Schlüsse sind unangebracht, da das Passspiel durchaus über weite Strecken klickte. Die Probleme lagen mehr in der Abwehr, wo die für ihre harten Hits berüchtigten Linebackers um den neuen Stareinkauf Kevin Eiben zahm wie meine drei Wochen alten Kätzchen blieben.

Montreal Alouettes

Die Als dürfen sich als die sportlich beste Franchise der letzten CFL-Saisons sehen, und ein Mann steht dabei permanent im Mittelpunkt: Der erfolgreichste Quarterback aller Zeiten und schon im vierten Frühling, Anthony Calvillo. Dem Mann, der schon zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs Touchdowns warf, hat Michael Weinreb zum Yards-Rekord im vergangenen Oktober einen faszinierenden Artikel bei Grantland gewidmet – unbedingt lesenswert!

Mit weit über 5000yds in der abgelaufenen Saison, mit 32 TD und nur 7 INTs bei den mit Abstand meisten Passversuchen ligaweit, gehört Calvillo auch mit bald 40 Lenzen immer noch zur Créme de la Créme. Heuer muss er allerdings auf zwei wichtige Kollegen verzichten, den zurückgetretenen WR Kerry Watkins und den OffCoord Milanovich (wie oben geschrieben nun Chefcoach in Toronto).

Das entscheidende Duo neben Calvillo ist aber noch da: GM Jim Popp und der souveräne Head Coach Marc Trestman, unter dem Montreal sich von einem langjährigen Anwärter zu dem dominanten Team schlechthin gewandelt hatte – so dominant, dass das Playoffaus 2011 wie eine Katastrophe bejammert wurde.

Die Offence wird – man lasse sich von der blutleeren Vorstellung bei der hohen Schlappe gegen Calgary am ersten Spieltag nicht täuschen – passen. Dafür bürgen neben Calvillo vor allem eine breit gefächerte Armada um den MVP-Kandidat SB Jamel Richardson und den Rookie-RB Patrick Lavoie – so viel kann der blutjunge OffCoord Marcus Brady da gar nicht falsch machen, dass dieser Angriff nicht wieder über 25pts/Spiel scort.

Aufgabe der Defence um den ebenso neuen DefCoord Jeff Reinebold wird sein, „bend but don’t break“ zu spielen und sich nach einer radikalen Verjüngungskur bis in die Spätphase des Trainingslagers hinein einigermaßen durchzulavieren.

Winnipeg Blue Bombers

(WirsprechennunüberdenGejagtenimOstenindieserSaison) Die Defence war 2011 der wichtigste Faktor hinter dem völlig überraschenden Finaleinzug der Winnipeg Blue Bombers. Ohne Erwartungen in die Saison gestartet, aber dann dank der stolzen „Swaggerville“-Defence mit ihren unglaublich vielen Turnovers durchmarschiert und erst im Grey Cup gestoppt – der eigenwillige Head Coach Paul LaPolice legte 2011 in seinem ersten Jahr die Messlatte gleich mal ganz oben an.

Dass der Erfolg auf schwer wiederholbaren Faktoren (Turnovers!) fußte, könnte für den streitbaren LaPolice durchaus schneller als gedacht zum Problem werden, nachdem in der Abwehr auch noch der beste Pass Rusher, DE Odell Willis, bedenkenlos ziehen gelassen wurde. Überhaupt sieht die Front-7 nach zahlreichen Abgängen und Rücktritten ziemlich ausgedünnt aus, und einzig DB Jovon Johnson bekam einen neuen, teuren Vertrag.

Die Defence muss ihren Level wohl oder übel halten, da sie eine grenzwertige Offence durchschleppen muss. Dort ist mit dem neuen OffCoord Gary Crowton ein Mann am Werkeln, der das Passspiel am liebsten abschaffen würde und deshalb bereits mit Cheffe LaPolice in die Quere gekommen ist.

QB Buck Pierce ist meistens nach nur drei Spielen auf der Verletztenliste (harhar, diesmal schon die ersten Wehwehchen nach dem ersten Spiel), aber dank zahlreicher Kampfspiele und begeisternder „No risk, no fun“-Pässe zum absoluten Fanliebling mutiert. Vor der Auswechslung wegen Knieproblemen am ersten Spieltag produzierte Pierce sagenhafte 3 von 9 für 11yds.

Die Probleme sind nicht allein am QB auszumachen. Die Offence Line machte im Eröffnungsspiel einen verheerenden Eindruck und das Laufspiel liegt in den Beinen des blanken Notnagels Bloi-Die Dorzon (Samstag: 4 Carries für 5yds), nachdem der langjährige RB Reid nach Kreuzbandriss entlassen und dessen junger Nachfolger RB Chris Garrett sich 72h vor Saisonbeginn im Training die Achillessehne riss – out for the season… Mal sehen, ob sich die Wut der ewig Unterschätzten aus Winnipeg in positive Energie auf dem Spielfeld umwandeln lässt.

CFL 2011 Overview

Mit wenig Getöse startet heute die Canadian Football League (CFL) in ihre 58. Saison (offiziell ist es Saison #54). Die Canadian Football League ist die kanadische Version der NFL, geschrumpft um ein paar Dimensionen und vor allem: Viel ruhiger und anonymer.

Die Saison zieht sich wie die NFL über fünf Monate, vom Wochenende um den Canada Day (1.7.) bis zum letzten Wochenende im November, wo im Grey Cup der CFL-Champion ausgespielt wird. Grey Cup ist die kanadische Version der Superbowl – und man addiere ein paar Jahrzehnte Tradition: Heuer wird die Trophäe zum 99. Mal ausgespielt.

Canadian Football

Obwohl sich haufenweise ehemalige Studenten aus US-Colleges in der CFL tummeln, sprechen wir bei „CFL“ nicht von American, sondern von Canadian Football. Das heißt: Anstelle von vier Downs nur drei Downs, dafür 12 statt nur 11 Spieler auf dem Platz. Drei Downs heißt: Laufspiel wird im Vergleich zur NFL entwertet, dafür sieht man teilweise richtige Pass-Orgien und viel mehr Risiko, was im Umkehrschluss zu einer Aufwertung von Special Teams führt, die bei den meist kurzen Drives viel häufiger zum Einsatz kommen. Für zusätzliche Action sorgt die Bewegungsfreiheit der Spieler vor dem Snap, weshalb Spielzüge schwer antizipierbar sind und sich an der Anspiellinie oft geselliger Knuddelmuddel abspielt.

12 Spieler statt 11, dafür aber auch ein größeres Spielfeld: 110yds lang plus jeweils 20yds in jeder Endzone, macht eine Gesamtlänge von 150yds. Die Torpfosten stehen wie früher in der NFL in der Endzone, nahe der Goal Line.

Canadian_football_field CFL

Gepunktet wird wie in der NFL mit dem Zusatz eines Singles (offiziell bitteschön: rogue), eine Situation, die einem Safety ähnelt mit dem Unterschied, dass beim Safety die Offence snappt, beim Single hingegen die ballführende Mannschaft den Ball von einem Kick/Punt annimmt. Ein Single ist – völlig überraschend – einen Punkt für die verteidigende (bzw. kickende) Mannschaft wert. Die Two-Point-Conversion nach dem Touchdown findet außerhalb der 5yds-Line statt.

Zeitmanagement in der CFL ist ein wichtiger Faktor, da jede Mannschaft nur ein Timeout besitzt und nur 20 Sekunden zwischen den Snaps bekommt, was für einigen optischen Thrill sorgt.

Und dann wäre noch die unterschiedliche Schreibweise: Offence und Defence.

CFL im TV

Für NFL-Network-Abonnenten: NFLN zeigt pro Woche zwei Spiele live. Einen Sendeplan der ersten Wochen gibt es an dieser Stelle. Ansonsten wird auf ESPN America leider schon seit Jahren nichts mehr gezeigt, dafür kann man auf der Homepage des kanadischen Sportsenders TSN die Spiele in sehr guter Qualität und in voller Länge on demand anschauen – gratis. Meistens stehen die Spiele schon kurz nach Ende online.

CFL – Status neo

Die 4 Regeländerungen auf dem Spielfeld sind auf den ersten Blick recht marginal und beschränken sich auf die seit Jahren praktizierte inkrementelle Erweiterung des Video-Reviews, auf den jedes Jahr ein ganz klein bisschen verbesserten gesundheitlichen Schutz der Spieler und out-of-bounds Punten.

CFL – Status quo

Die Liga verharrt weiterhin in ihrem gemütlichen Dasein, was angesichts der Fast-Pleite nach einer konzeptlosen US-Erweiterung in den 90ern nicht die allerschlechteste Strategie ist. Allerdings schwebt das Damokles-Schwert „NFL in Toronto“ immer noch (und vermutlich noch eine Weile lang) über der CFL. Sollten die Buffalo Bills (oder irgendeine andere NFL-Franchise) in den Kernmarkt der CFL – Toronto – eindringen, wird es für die deutlich weniger strahlkräftige CFL bitter.

Wie klein die CFL finanziell im Vergleich zur NFL ist? Das Salary Cap beläuft sich auf 4,3 Millionen Dollar (Vergleich NFL: ca. 135 Mio. sind im Gespräch). Mindestsalär in der CFL: 44.000 Dollar.

Trotz allem genießt die CFL einen guten Ruf in Kanada, und besonders der Grey Cup genießt sowas wie den Status eines kleinen Nationalfeiertags inklusive Familienausflügen und Voradvents/Pregame-Shoppingtouren.

Man muss wissen, dass die CFL aus nur acht Franchises besteht, die sich auf eine West und eine East Division aufteilen.

Im Osten spielen die traditionsreichen Toronto Argonauts, die Hamilton Tiger-Cats, Winnipeg Blue Bombers und Montreal Alouettes, und ab 2013 wohl endlich auch wieder eine Franchise aus Ottawa.

Die West-Division setzt sich zusammen aus den B.C. Lions (Vancouver), Edmonton Eskimos, Calgary Stampeders und Saskatchewan Roughriders. In 18 Wochen Regular Season werden sechs (!) Playoffteilnehmer ausgespielt – nur logisch, dass dabei immer wieder Teams mit negativer Bilanz in den Playoffs spielen, worüber außerhalb von Seattle in der NFL niemand lachen könnte.

CFL 2011 – Der Osten

Die Montreal Alouettes haben in den letzten beiden Jahren jeweils den Grey Cup gewonnen und dürften auch in dieser Saison mit ihrer explosiven Offense Meisterschaftsanwärter sein. Mit Woche 1 beginnt der Countdown für den CFL-Passrekord nach Yards, den #13 QB Anthony Calvillo seit Jahren jagt. Zirka in Woche 14 oder 15 dürfte die ewige Bestmarke fallen. Montreals Heimspiele finden übrigens in einem sehr netten Ambiente statt, nicht im Betonklotz des Olympiastadions, sondern im schnuckeligen Memorial Stadium bei meist prächtiger Stimmung.

Die Toronto Argonauts kämpfen seit Jahren darum, endlich an Montreal vorbeizuziehen und manche erwarten, dass es heuer passieren wird. Beim jüngsten Roster Cut sorgten die Argonauts mal wieder für Erregung, als sie den hoffnungsvollen kanadischen QB Danny Brannagan aus dem Kader strichen. Ausgerechnet die CFL-Quarterbacks sind keine kanadische Domäne, was seit Jahren für Diskussionen sorgt.

Die Hamilton Tiger-Cats sind der Lokalrivale der Argonauts, aber die Offence um QB Quinton Porter gilt als wenig überzeugend, trotz des Preseason-Erfolgs über Toronto. Winnipeg schließlich wird die rote Laterne im Osten abholen, alles andere käme Sensation gleich. Für die Blue Bombers könnte die neue stadtinterne Konkurrenz der Jets (NHL) zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen und auch in der Preseason wurde bereits munter verloren, was es zu verlieren gab (zwei Spiele, um genau zu sein).

CFL 2011 – Der Westen

Als haushoher Favorit im Westen gelten die Calgary Stampeders, die schon im vergangenen Sommer dominierten, aber das Playoffspiel gegen Saskatchewan fassungslos in den Sand setzten. Allerdings haben die Stampeders nicht grad überzeugende Offence in der Preseason gespielt, weswegen manche glauben, dass die B.C. Lions Chancen auf den Titel im Westen haben. BC genösse heuer Heimvorteil im Grey Cup, der nach Vancouver vergeben wurde und im rundum erneuerten BC Place stattfinden wird.

Mein persönliches Lieblingsteam sind die Saskatchewan Roughriders, so was wie Canada’s Team, eine Franchise, zu der sich auch Granden bis hinauf in die höchsten politischen Ämter bekennen. Die Roughriders haben in ihrer langen Geschichte nur drei Titel geholt (zuletzt 2007) und in den letzten beiden Saisons jeweils den Grey Cup verloren. QB ist der schwarze Darian Durant, der mittlerweile ein erstaunliches Standing genießt und von Saison zu Saison souveräner wirkt, aber Durant muss 2011 auf seine besten Wide Receivers verzichten. Durants Platz als QB ist zementiert: Jüngst haben die Roughriders den ehemaligen Gators-QB Chris Leak (BCS-Champ 2006/07) gefeuert.

Vor ein paar Wochen hat in den Kommentaren im Kontext mit Charity Bowl XIII in Wien ein gewisser Chris Griffing aufgeschlagen. Nach längerem Email-Wechsel durfte ich u.a. erfahren, dass die Familie Griffing lange Football-Tradition besitzt und Chris Griffings Vater, Dean Griffing sr., ein ehemaliger Center und Head Coach der Roughriders war – und sogar in der kanadischen Football Hall of Fame steht! (Ganz nebenbei war der Mann auch noch Chefscout für Papa Bear George Halas und erster General Manager der Denver Broncos.)

Die Edmonton Eskimos schließlich gelten als krasser Außenseiter im Westen. Edmonton hat vor ein paar Wochen den legendären QB der Boise State University, Jared Zabransky, entlassen, womit Zabranskys CFL-Ambitionen wohl auch beendet sind. Die anderen QBs scheinen aber auch nicht höheren Ansprüchen zu genügen.

Als Abschluss: Hier gibt es den CFL-Schedule von 2011, wo Woche für Woche auch die Spiel-Highlights verlinkt werden.