Die ersten Eier fliegen in Australien

Inmitten aller Previews für die College-Football Saison findet heute Nacht schon still, heimlich und leise deren Auftakt statt – und zwar im fernen Sydney: California Golden Bears gegen Hawaii Rainbow Warriors, ab 4h in der Nacht auf morgen live im ESPN Player. Weiterlesen

Mountain West Conference 2012/13 Preview: Boise State und der Reload-Button

Nächste Conference im Change-Modus. Die Mountain West Conference sieht dieser Tage alle Jahre neu aus und wird nach dem Verlust der einstigen Zugpferde TCU, Utah und BYU nach der Saison 2012/13 auch den Mid-Major schlechthin, die Boise State Broncos, verlieren. Und dann steht die Wertigkeit dieser Liga wieder zur Diskussion…

Boise State Broncos

Wenn Universitäten wie Nebraska oder Michigan mit Jahrtausenden an Tradition aufmarschieren, kommen die kleinen Boise State Broncos aus dem Nirgendwo in Idaho wie die pubertären Jungs des Weges, auf alles an Geschichte scheißend und mit dem stechend blauen Spielfeld in Boise als markantestem Merkmal. Aber Boise State hat auch sportlich einiges drauf.

Boise State, das ist in den letzten sechs, sieben Jahren der Schrecken der Arrivierten schlechthin geworden, eine junge Universität ohne große Geschichte und mit limitierten Ressourcen, die Jahr für Jahr für große BCS-Debatten zu sorgen vermochte. Das ging vom absolut fantastischen Fiesta Bowl-Sieg über Oklahoma hin über die letzten vier Jahren, in denen drei Spiele verloren wurden: Zweimal mit einem Punkt, einmal in der Overtime.

Nun ist der Kern der ganz großen Boise-Ära abhanden gekommen: Der langjährige Heisman-Kandidat QB Kellen Moore, RB Doug Martin, die beiden besten Passfänger Shoemaker und Efaw, die besten Offense Liner OT Solder und C Byrd, die drei besten Defensive Liner McClellin, Crawford und Winn sowie der leading tackler Byron Hout und LB Tevis bis hin zum S George Iloka sind nicht mehr spielberechtigt. Das Material, das die Broncos heuer in den NFL-Draft entsendeten, können Unis wie Alabama nicht alle Jahre schicken. Und trotzdem besteht für einen beinharten Boise-Fan Grund zur Hoffnung. Das beginnt beim Head Coach Chris Petersen, einem Pokerface mit nachgewiesen zentnerschweren Eiern.

Petersen hat den Broncos eine ganz eigenartige und trotzdem wunderschöne Offense verpasst, deren allermarkantestes Wahrzeichen das gesellige Treiben an der Anspiellinie ist: Kein Spielzug ohne fünf bis sechs Motions, dann der Snap und eine change of direction oder ein end around im Laufspiel oder ein schneller Pass zu einem der dutzenden Wide Receivers. Boise States Angriff pflegt, ohne Anzeichen von Nervosität seinen Stiefel runterzuspielen und notfalls immer wieder den einen oder anderen Trickspielzug einzustreuen, um die einschlummernde Defense aufzuwecken. Diese underdogaffine Angriffsstrategie wird gnadenlos durchgezogen, und selbst gegen eklatant unterlegene Gegner wird nie mit Nachdruck der Dolchstoß gesucht.

Damit fuhren die Broncos im vergangenen Jahr über Georgia wie ein Dampfhammer drüber, würgten damit einen Gegner, der dieses Jahr in den Top-10 eröffnet, komplett ab und mussten ihre BCS-Träume erst gegen eine wiedererstarkte TCU-Mannschaft im November begraben. TCU, das ist auch das Vorbild der Broncos für diese Saison: Nach etlichen Abgängen waren die Frogs 2011 anfangs ein eher wackeliges Team, steigerten sich dann im Verlauf der Saison und gehörten zum Ende des Jahres mit Gewissheit zu den besten sieben, acht Mannschaften im College Football. Die Blaupause für Boise 2012?

Wir werden sehen. Im Angriff hat Petersen eine Entscheidung zwischen dem scrambelnden QB Grant Hedrick und Backup Joe Southwick zu treffen, während im Hintergrund mit Nick Patti schon der Nachfolger bereitsteht. Der Top-RB dürfte der verletzungsanfällige, aber spektakuläre D.J. Harper sein und bei den Wide Receivers gefällt mir der junge Matt Miller extrem gut.

Auch der heimliche Star, die Defense, sieht sich vielen Änderungen bevorstehend. Die Defensive Line sieht sich erstmal der meisten Qualität und Quantität beraubt, was dem Schwachpunkt der vergangenen Saison, der Secondary, nicht helfen dürfte. Einzig der neue DE Demarcus Lawrence soll allerhöchsten Ansprüchen genügen.

Die angesprochene Secondary dürfte dagegen von etlichen rekonvaleszenten Spielern profitieren: Die großartigen CB Jerrell Gavins und CB Jamar Taylor sind ebenso wieder da wie die vielen hochgelobten Safetys – womit im Prinzip alle wichtigen Positionen geklärt werden. Außer dem Kicker natürlich…

Boise State hat einen recht einfachen Schedule. Die Saisoneröffnung am 31.8. bei Michigan State ist der härteste Brocken, danach folgen bessere Sparringspartner, weswegen eine 11-1 oder 10-2 Saison für die Broncos durchaus trotz des Aderlasses nicht ausgeschlossen ist.

Die Verfolger

Durchaus eine attraktive Mannschaft stellt das Nevada Wolfpack vom Hall of Fame-Coach Chris Ault – eine von nur zwei Mannschaften, die in den letzten vier Jahren die Boise State Broncos schlagen konnten (die andere ist TCU). Ault ist der Erfinder der mittlerweile auch hierzulande praktizierten Pistol Offense, und Ault gilt zudem auch auf seine alten Tage noch als Mann, der die jungen Hüpfer in seiner Truppe mit seiner Begeisterung für den Sport erreichen kann, obwohl der Mann im TV stets dreinschaut wie drei Wochen Regenwetter. In diesem Jahr steht Ault mit WR Brandon Wimberley ein exzellentes Motivationsinstrument wieder zur Verfügung: Wimberley wurde im Juni 2011 böse niedergeschossen, und obwohl anfangs niemand daran glaubte, dass Wimberley sich noch einmal ohne Rollstuhl fortbewegen könnte, stand der Mann im Frühjahrstraining in der Startaufstellung und wirkte fit und spritzig als wäre nichts gewesen.

Spannend wird davon ab die Offense, wo in der letzten Saison der wirklich herausragende Scrambler QB Cody Fajardo massiv aufgezeigt hat. Fajardo ist allerdings aus Glasknochen gebaut und wenn Nevada einen richtigen Schwachpunkt im Kader hat, dann ist es die fehlende Tiefe bei den Backup-Quarterbacks…

Markant ist auch die mutmaßliche Nummer 3 der Conference, die Air Force, mit ihrer extrem lauflastigen Offense. Die Falcons spielen nicht aus der Flexbone-Aufstellung wie etwa Georgia Tech, aber es ist eine triple option offense mit vielen verschiedenen Gesichtern, aus denen heraus die fünf, sechs eingelernten Spielzüge ausgespielt werden. Die Air Force hat ein ähnliches Problem wie Boise, muss zirka fünfundzwanzig Starter in der Offense und dreiundzwanzig Starter in der Defense ersetzen – wie viel von dem Aderlass durch das glänzend funktionierende Schema F an Offensivsystem aufgefangen werden kann, bleibt abzuwarten.

Weniger ein klares Schema, dafür abhängig von großartigen Einzelspielern sind die San Diego State Aztecs vom beliebten Head Coach Rocky Long. Dumm ist da allenfalls, dass diese großartigen Einzelspieler jüngst in die NFL gewechselt sind (QB Lindley, RB Hillman). Der Fünfkampf um die QB-Position bleibt ein offenes Rennen, auch wenn vieles darauf hindeutet, dass der Mann mit dem monströsen Wurfarm, Ryan Katz, das Rennen machen wird, da er auf die sehr vertikal angelegte Offense am besten passen dürfte. Fragezeichen bleiben in der Offensive Line, aber als Sicherheitsziel gibt es den TE Gavin Escobar, der sich athletisch in eine Reihe mit den Herren Gronkowski und Graham einordnen lässt.

Was San Diego State interessant machen könnte: Long kündigte letzte Woche an, in dieser Saison in des Gegners Platzhälfte jedes 4th down ausspielen zu wollen! Ich bin noch skeptisch, ob und wie lange Long sich das nach der ersten Medienschelte wegen eines Scheiterns trauen wird, aber allein der Gedanke: Sensationell.

Das Mittelfeld

Neben Nevada sind auch noch Fresno State und Hawaii in die MWC rübergewechselt. Vor allem letztere Uni dürfte der Conference Mehrwert bringen, da die Hawaii Warriors mit ihrem attraktiven Gebiet reinstes Recruiting-Gold bedeuten. Zudem haben sie heuer einen neuen, altbekannten Head Coach: Norm Chow. Und immer, wenn „Norm Chow“ fällt, ist der abgedroschene Terminus „pro-style-offense“ nicht weit weg. Chow tut sich gemäß dem Motto „mit 66 Jahren fängt das Leben erst an“ noch den Stress an, zum ersten Mal in seiner Karriere einen auf Head Coach zu machen, und wir dürfen nach all den Passfeuerwerken in den letzten 15 Jahren zum ersten Mal eine wenigstens etwas balancierte Offense erwarten.

Auch die Fresno State Bulldogs haben einen neuen Head Coach: Tim DeRuyter von Texas A&M, dem man exzellente Qualitäten nachsagt. Die wird es auch brauchen, da Fresno mit Derek Carr (Bruder von David Carr) zwar einen guten Quarterback besitzt, aber die Defense als äußerst porös und somit hauptschuldig für die enttäuschende 4-9 Bilanz im letzten Jahr gilt.

Die Wyoming Cowboys waren eines der Teams mit der größten Diskrepanz zwischen Siegbilanz (8-5) und statistischem Hintergrund (#102 auf meiner Excel-Liste). Ein Erklärungsansatz: Wyoming putzt den Bodensatz, ist aber nicht in der Lage, durchschnittliche Teams zu schlagen – und wenn, dann sind es knappe Siege. 2011 war man 5-0 in Spielen mit einem Score Differenz. Das schreit nach Regression zur Mitte. Immerhin: Dieses Jahr kehrt mit MLB Oliver Schober jener Deutsche ins Team zurück, der im letzten Jahr verletzt ausgefallen war. Das sollte der wirklich schwachen Lauf-Defense helfen.

Ich nehme dann noch die Colorado State Rams aus Fort Collins mit rein, die nach der schwer enttäuschenden Zeit unter HC Fairchield nun mit Jim McElwain (ehemals OffCoord von Alabama) einen neuen, jungen dynamischen Cheftrainer bekommen. McElwain führte sich mit Suspensionen gegen zwei seiner besten Abwehrspieler ein, nachdem diese „unzivilisiertes Verhalten“ gegen neu an der Uni eingeschriebene Studenten (Studentinnen?) an den Tag gelegt hatten.

Die Rams besitzen eigentlich gute Ingredienzien in der Offense: RB ist mit Chris Nwoke ein recht spektakulärer Mann, dazu gesellt sich der Superzwerg unter den Wide Receivers, Thomas Coffmann, als deep threat. Problematisch ist vor allem die Lauf-Defense, die aufgrund der häufigen Rückstände der Rams meistens hart geprüft wird, und oft genug nicht hält. Das droht die Stimmung in den Keller zu ziehen – außer natürlich, man gewinnt das Saisoneröffnungsspiel in Denver gegen den Lokalrivalen Colorado. Am allerbesten wäre es natürlich, wenn es McElwain gelingen würde, dieses Jahr als Aufbaujahr für 2013 zu verkaufen. Dann nämlich sähe es nach einem Abgang von Boise State hinsichtlich Conference-Führerschaft gar nicht so übel aus…

Bodensatz

Die UNLV Rebels erlebten seit 2000 keine Saison mit positiver Bilanz und schmierten auch 2011 böse ab und nach nur vier Siegen in zwei Jahren gerät Head Coach Bobby Hauck schön langsam ins Visier der Kritiker. Bisher konnte Hauck auf die Entwicklung junger Talente verweisen, und auch 2012 wird der Kader sehr unerfahren sein, aber man erwartet nun Ergebnisse.

Bei den New Mexico Lobos dagegen ist man schon froh, die unselige Zeit unter Mike Locksley hinter sich gebracht zu haben. Locksley hatte als Cheftrainer kein Fettnäpfchen ausgelassen, von Schlägereien gegen Assistenztrainer über Beleidigungen von Journalisten hin zu Sufffahrten seiner Spieler im Auto seiner Tochter war alles dabei, was sich ein Vorgesetzter eines Footballprogramms nicht leisten sollte. Der Neue ist mit Bob Davie ein ehemaliger Trainer von Notre Dame. Das war dann allerdings vor über einem Jahrzehnt und seitdem hatte Davie sich nur als Pundit im Fernsehen verdingt – kein Mensch vermag zu sagen, welche Offense denn installiert wird. Nicht unwichtig ist aber: Man wird abseits des Feldes ruhigere Zeiten erleben und besser auftreten als unter Locksley.

College Football 2011/12, TV-Guideline für Woche 7: Die Conference-Saison nimmt Fahrt auf

College Football geht schön langsam in die heiße Phase der Conference-Spiele, die nun in immer hemmungsloseren Ansetzungen resultieren wird, nachdem dieses Wochenende die ersten BCS-Standings veröffentlicht werden. Das Programm dieser Woche ist unter diesem Gesichtspunkt interessant, aber auch als „Aufwärmprogramm“ für das, was danach folgen wird, zu betrachten ist.

California Golden Bears – USC Trojans

Freitag, 15h30 Tape bei ESPN America

Zweimal Pac-12, und zweimal Teams, die im Rennen um den Pac-12 Titel keine Rolle spielen werden: Cal, weil die Golden Bears sportlich wohl eine Nummer zu klein sind, USC aufgrund seiner Sperre vom Pac-12 Endspiel. So wird der Thrill primär aus dem Faktor „Rivalität“ gezogen werden, und Cal dürfte eine besondere Motivation besitzen, wurde es doch seit 2003 jedes Jahr von den Trojans abgeschlachtet.

Allerdings dürfte die Erinnerung an die letzte Saison eher schmerzen. Damals stürmte USC zu einem 42-0 zur Pause, mit 372yds Offense in der ersten Hälfte (QB Matt Barkley dabei fünf TD). Dieses Jahr ist USC im Angriff ziemlich passlastig, wobei vor allem WR Rashaun Woods unglaubliche 44% der Passyards fängt, während der tiefreligiöse Sunnyboy Barkley ein Muster an Unbeständigkeit ist. Gegen Cal dürfte es trotzdem reichen, da die Bears über kaum Pass Rush verfügen, weil sie in der Defense dafür gebaut sind, den Lauf zu stoppen.

San José State Spartans – Hawaii Warriors

Samstag, 9h Tape bei ESPN America

Ein Duell aus der WAC, wobei Hawaii (1-0 WAC) favorisiert sein dürfte, aber auch San José State zu den bisher recht positiven Erscheinungen der Saison zählt, trotz 2-4 Bilanz. Hawaii verlässt sich im Angriff fast ausschließlich auf den Rastaman QB Bryant Moniz (1578yds, 15 TD, 1 INT, 4 Lauf-TD), während die Spartans einen deutlich ausgeglicheneren Angriff besitzen, der vor allem weniger Turnovers als die Warriors begeht.

Michigan State Spartans – Michigan Wolverines

Samstag, 18h LIVE bei ESPN America

Das Derby der beiden wichtigsten Football-Universitäten im Staate Michigan, und es liest sich wie ein interessantes Matchup. Die immer noch ungeschlagenen #11 Michigan Wolverines verfügen in dieser Saison nach Jahren endlich mal wieder über eine annehmbare Defense, die zwar viele Yards über den Luftweg zulässt, aber hart genug spielt, um zwei, drei Turnovers/Spiel zu provozieren. Dem werfen die #23 Michigan State Spartans einen eher blassen Angriff entgegen, wo QB Kirk Cousins immer gut ist für die eine oder anderen INT, aber Cousins ist einer der QBs, die einen Angriff mit hoher Completions Rate (68%) immer am Leben halten können. Die Spartans glänzen sowieso primär in der Defense, die ganze 173yds/Spiel zulässt, nur 64yds davon im Laufspiel. Michigans Offense wirft dem allein QB Denard Robinson entgegen, einen fürchterlich unpräzisen Werfer, der immer für 3 INTs/Halbzeit zu haben ist, aber solange er noch auf zwei Beinen laufen kann, auch 200yds Laufspiel machen wird. Robinson wird stets als Heisman-Trophykandidat gehandelt, was IMHO ein Hochjazzen ohne Aussicht auf Erfolg ist, solange Robinson nicht wenigstens halbwegs adäquate Bedrohung als Werfer wird. Vielleicht hilft, wenn Robinson die Wolverines nach drei Jahren Sieglosigkeit über Michigan State mal wieder zu einem vollen Erfolg gegen die Spartans führt.

Texas Longhorns – Oklahoma State Cowboys

Samstag, 21h30 LIVE bei ESPN America

#22 Texas leckt nach der verheerenden Niederlage gegen Oklahoma noch seine Wunden, wurde in allen erdenklichen Matchups einfach niedergemacht. Größter Knackpunkt der Longhorns ist aber das offene Scheunentor in der Secondary mit all seinen blutjungen Spielern. Nun kommt mit #6 Oklahoma State rein zufällig der vielleicht beste Pass-Angriff im College Football daher. Das Zusammenspiel zwischen QB Brandon Weeden und WR Justin Blackmon ist fassungslos, was man an Blackmons Zahlen ablesen kann, die da lauten: Im Schnitt 9 Catches für 107yds und 1,2 TD/Spiel. OSU spielt eine meiner Lieblings-Offenses, setzt auch noch hoch erfolgreich RB John Randle in homöopathischen Dosen ein und wird nur in Hischscoring-Spielen zu bremsen sein.

Es dürfte interessant sein, was Texas mit DefCoord Manny Diaz dem entgegenzuwerfen gedenkt, nachdem Diaz am Samstag in der Red River Rivalry ziemlich pulverisiert wurde. Weil die texanische Abwehr zwar talentiert, aber jung und nicht sondernlich „tief“ besetzt ist, kann man davon ausgehen, dass auch Oklahoma State mit seinen Dutzenden Ballfängern Yards und Punkte aufs Tablett legen wird, wahrscheinlich mehr, als die Longhorns-Offense zustande bringen wird. Für diese dürfte das Motto gelten: RB Malcolm Brown laufen, laufen, laufen lassen, Zeit von der Uhr nehmen und wenn immer möglich in der RedZone Touchdowns scoren, bloß keinen Punkt zuviel liegen lassen.

Ich glaube an einen klaren Sieg für Oklahoma State, selbst im Stadion von Texas.

Pittsburgh Panthers – Utah Utes

Sonntag, 7h30 Tape bei ESPN America

Das Duell der Enttäuschten. Pitt (3-3) war in den letzten Wochen bis auf den klaren Heimsieg gegen die USF Bulls sehr mau unterwegs, wurde zuletzt sogar von den langjährigen Underdogs Rutgers 10-34 niedergemacht und kommt in der Offense trotz des großartigen RB Ray Graham nicht wirklich in die Gänge, dafür wirft QB Tino Sunseri einfach zu wenig kontinuierlich gefährlich. Utah (2-3) dagegen wartet nach seinem überfälligen Wechsel in eine BCS-Conference immer noch auf einen Erfolg in der Pac-12, wurde nacheinander von USC, Washington und zuletzt Arizona State geschlagen, respektive: Hat sich selbst geschlagen. Zehn Turnovers in den letzten beiden Spielen? Meine Fresse, das war man von Utah lange nicht mehr gewohnt. Die Probleme gehen aber darüber hinaus: QB Jordan Wynn ist im Krankenstand, Backup Jon Hays hat sich mit haufenweise Interceptions nicht gerade aufgedrängt. Riecht alles nach einem nicht so schönen Spiel…

Tennessee Volunteers – LSU Tigers

Sonntag, 10h Tape bei ESPN America

Ich hatte es schonmal verlinkt, aber weil es so – mit Verlaub – geil war, hier noch einmal das Video von der Mutter aller dramatischen Spielenden:

Das war vor einem Jahr bei LSU – Tennessee. Dieses Wochenende das 2011er-Match in der Heimat der anderen Mannschaft: Neyland Stadium/Knoxville, wobei die Vorzeichen diesmal andere sind. Im Gegensatz zu 2010 ist LSU nicht mehr “upstart”, sondern als #1 der AP Polls ein allgemein anerkannter Titelanwärter, vor allem aufgrund der bekannt groß aufspielenden Defense mit ihrem phänomenalen CB Tyranne Mathieu, aber in den letzten Wochen kam auch der Angriff besser in Schwung, was nicht nur an der Rückkehr von Kneipenschläger-QB Jordan Jefferson liegt, der in Trickspiel- und Options-Situationen eingewechselt wird.

Tennessee dagegen verfügt eigentlich auch über einen soliden Angriff, musste am Wochenende aber einen Rückschlag hinnehmen, als bekannt wurde, dass mit QB Tyler Bray der große Hoffnungsträger für rund einen Monat verletzt zuschauen wird müssen. Bei mir dominiert irgendwie der Grundgedanke, dass die Vols im Vergleich zum Vorjahr auf der Stelle treten, insgesamt nur eine leicht verbesserte Mannschaft sind.

LSU dürfte einen lockeren Erfolg einfahren, also diesmal kein „Wunder“ zum Erfolg.

Tapes nächste Woche

Iowa Hawkeyes – Northwestern Wildcats, Mo/20h Tape Eurosport 2. Das Duell zweier Enttäuschter in der Big Ten. Iowa ist extrem unbeständig in dieser Saison, verliert mal ein Offensivfeuerwerk gegen Iowa State, gewinnt ein rundum solides Spiel gegen Pitt und verliert dann eine Defensivschlacht gegen Penn State. Die Northwestern vergeigte zuletzt vor „eigenem“ Publikum (Michigans Fans schienen deutlich in der Überzahl) eine klare Führung, ist jedoch deutlich selbstbewusster, seit es wieder auf QB Dan Persa bauen kann. Ich halte es für ein offenes Spiel, da beide Teams enorm viele Gesichter zu haben scheinen.

#24 Auburn Tigers – Florida Gators, Di/11h30 ESPN America. Beide haben in dieser Saison so ihre Probleme aufgrund vieler Spieler- oder Trainerwechsel, mussten streckenweise mit Backup-QBs spielen und werden eher nicht zu den Titelanwärtern in ihren SEC-Divisionen gezählt. Die Gators haben allerdings die Chance, nach zwei K.O.-Schlägen gegen Alabama (10-38) und LSU (11-41) wenigstens teilweise Selbstvertrauen zurückzuholen – dafür muss aber die Lauf-Defense etwas besser funktionieren, nachdem die letzten beiden Wochen diesbezüglich grausam waren.

Ole Miss – #2 Alabama Crimson Tide, Mi/13h30 ESPN America. Ole Miss wird mit seiner lendenlahmen Offense überhaupt kein Land sehen, nicht mal im eigenen Stadion. Für Alabama geht es seit Wochen nur darum, wenigstens halbwegs den Fokus auf die jeweiligen Gegner zu halten, da alles vom vorgezogenen „Endspiel“ um SEC- und Landesmeistertitel spricht: Am 5. November geht es gegen LSU um alles.

#9 Oregon Ducks – #18 Arizona State Sun Devils, Do/16h ESPN America. Wichtiges Spiel im Autzen Stadium, da hier die Divisionsfavoriten im Norden und Süden aufeinander treffen. Für die Ducks könnte ein Sieg essenzieller sein, nachdem die Sun Devils im Süden konkurrenzlos sein dürften: Colorado, Utah und Arizona sind alle noch sieglos in den Conference-Spielen, USC spielt außer Konkurrenz, UCLA… UCLA? Keine Zeit zum Scherzen. Oregon muss allerdings wohl auf RB LaMichael James verzichten, der seit Wochen nur 200yds-Spiele verzeichnet, aber seinen Arm ganz böse ausgerenkt hat, sodass ich mir einen Einsatz angesichts der TV-Bilder kaum vorstellen kann. Oregon hat zwar gute Ersatzleute (RB Barner, RB Thomas), aber James ist gerade für diesen Topspeed-Angriff essenziell.

Das Livespiel unter dem Sonnengürtel

ESPN America zeigt in der Nacht von Dienstag/18.10. auf Mittwoch/19.10. ein Livespiel Arkansas State – Florida International aus der Sunbelt Conference (Wdh. Mi/16h), das allerdings bereits zur Woche 8 gehört. Es ist ein Spiel mit unerwarteten Vorzeichen, nachdem ASU die bessere Saisonbilanz besitzt, FIU jedoch bis vor kurzem eine ungeschlagene Saison zugetraut wurde, ehe die überraschenden Niederlagen gegen ULL (!) und Duke (!!!) folgten. FIU muss gewinnen, will es das Mindestziel „Sunnbelt-Champion“ weiterhin verfolgen. Außerdem dürfte es eine Chance geben, WR T.Y. Hilton (FIU) zu sehen, über den sich im September sämtliche Experten das Maul fusselig redeten, der stets für einen 70yds-Catch’n’Run gut ist.

College Football Preview 2011/12: Western Athletic Conference (WAC)

Teil 4 der College-Vorschau 2011/12. Die WAC feiert 2012 ihren 50. Geburtstag, und wenn kein Wunder passiert, wird es eine Feier mit nur wenigen Geladenen – oder ein Begräbnis. Die WAC war schon mehrmals in Bedrängnis, aber nach dem Abgang von Boise State in diesem Sommer werden jene von Hawaii, Fresno State und Nevada folgen, was nichts anderes bedeutet als die Bedeutungslosigkeit. Mit der University of Dallas ist immerhin ein ambitioniertes Neumitglied für 2012 angekündigt.

Paul Myerberg hat die verzwickte Situation der WAC auf den Punkt gebracht. Was neben Auflösungserscheinungen bleibt: Eine breit gestreute Conference hinsichtlich Geographie (schlappe 7000km von Louisiana bis Hawaii) und sportlicher Künste (5 Touchdowns von Fresno State bis New Mexico State).

Das Favoriten-Trio

Zum ersten wäre das Nevada Wolfpack zu nennen, das in der abgelaufenen Saison eine sensationelle 13-1 Bilanz eingefahren hat. Nevada wird von Chris Ault gecoacht, einem Hall of Famer und Erfinder der spektakulären Pistol-Offense. In dieser Saison müssen allerdings die Hauptprotagonisten der vergangenen Jahre ersetzt werden: QB Colin Kaepernick und RB Vai Taua – dazu auch noch der WR Brandon Wimberly, der in der Offseason so böse angeschossen wurde, dass er nie wieder wird Football spielen können. Ault möchte offenbar Tyler Lantrip als neuen Quarterback installieren, was verwundert, da Lantrip eher ein Typ aus der Schublade „hüftsteif“ ist. Wie sowas mit der Pistol-Offense kombiniert werden kann, bleib schleierhaft.

Defensiv macht die Passverteidigung Sorgen: Seit Jahren gibt es in dieser Hinsicht leichte Verbesserungen, was sich 2010 aber immer noch so liest: #98 FBS-weit. Und mit OLB Dontay Moch ist der beste Pass Rusher gegangen. Mit Fresno State und Hawaii sind die beiden ärgsten Konkurrenten um den WAC-Titel ganz zufällig sehr passgewaltig. Was in diesem Herbst für Nevada erschwerend hinzu kommt: Der Schedule, der brutal eröffnet wird mit @Oregon, @San Jose State, @Texas Tech und @Boise State. Wenn es dumm läuft, marschiert man mit einer gepflegten 0-4 Bilanz in die conference-interne Saison.

Ebenso einen brutalen out of conference-Schedule haben die Fresno State Bulldogs aus Kalifornien, deren einziges Ziel allerdings der WAC-Titelgewinn sein kann. Gegen die härteren Kaliber verliert man ohnehin immer, weswegen auch niemand die Mannschaft ernst nimmt. Quarterback ist Derek Carr, der Bruder von David Carr, der einst in Fresno State so aufgeigte, dass er zum #1-Pick in der NFL wurde. Coach damals wie heute: Pat Hill. Das größte Problem der letzten Jahre wurde für 2011/12 beseitigt: Die pickelharte Unterlage im eigenen Footballstadion, der der Großteil der unglaublichen Verletzungsserien in den letzten Jahren zugeschrieben wurde.

Persönlich würde ich auf einen WAC-Champion Hawaii tippen. Die Warriors müssen zwar personell schweren Aderlass verkraften, aber eine Konstante bleibt in Honolulu, seit ich denken kann: Rohe Passgewalt, die einst von June Jones dorthin gebracht wurde und seither nicht wieder verschwunden ist. Der neueste QB-Hit nennt sich Bryant Moniz, ein Rastamann von stattlicher Statur in futuristischem Outfit, und ein Gunslinger vor dem Herrn: 5040yds und 39 Touchdowns in der abgelaufenen Saison. Nun fallen die beiden Top-Receiver und der beste Running Back weg, dazu muss die komplette Offensive Line neu gebaut werden, aber Moniz spielte – bis auf den fatalen Hawaii-Bowlauftritt – so relaxt, dass ich nicht an einen Kollaps glaube. Dazu eine Defense mit extrem vielen Turnovers (38).

Der Bodensatz

Hawaii ist das westliche Ende, Louisiana Tech das östliche. Eine Uni, die wohl über kurz oder lang in der C-USA landen wird. Das Footballprogramm nennt sich wie jenes von Fresno State „Bulldogs“ und die Sage, wie es dazu kam, ist recht nett:

Einst, vor über 110 Jahren, kehrten ein paar Studenten nach einer durchzechten Nacht nach Hause, fütterten unterwegs eine alte, streunende Bulldogge, die sich prompt mit den Alumni auf den Heimweg machte. In der Nacht brannte plötzlich die Hütte, die Bulldogge weckte die neu gewonnen Freunde, starb dann aber an Rauchgasvergiftung in einer hinteren Ecke des Hauses. Die Studenten begruben die Bulldogge auf dem Campus und deckten das Grab mit zwei Jacken zu: Eine rot, die andere blau. Die Farben der Universität.

Sportlich hat man ein durchaus durchschlagskräftiges Laufspiel rund um RB Lennon Creer, aber die Defense ist ein Schwachpunkt. Head Coach Sonny Dykes hat unter Mike Leach gelernt, für seine Air Raid-Offense aber noch keinen passenden Quarterback gefunden. Der Schedule ist insofern machbar, als dass sechs Siege für die Bowl-Qualifikation durchaus drin sein dürften.

An der magischen .500-Bilanz wird der Rest der WAC hart zu knabbern haben.

Die Utah State Aggies haben sich zwar mit Gary Andersen einen exzellenten Recruiter als Coach geholt, um gegen die hochkarätige Konkurrenz im Land der Mormonen wenigstens ein paar der Talente abzuschöpfen, aber es hakt an der Umsetzung auf dem Feld. Die Offense kollabiert immer wieder unerklärlich, während die Defense zuletzt so schwach war, dass Andersen sich selbst zum DefCoord befördert hat. Anker der Defense ist der massiv gebaute NT Evan Huahulu.

Die Idaho Vandals aus Moscow/Idaho hatten jahrelang unter der verhassten innerstaatlichen Dominanz von Boise State zu leiden. Head Coach ist der sehr beliebte Robb Akey, der sich im Nordwesten ein akzeptables Recruiting-Netzwerk aufgebaut hat, bei dem aber viele fürchten, dass er bei einem Angebot der ums Ecke liegenden Washington State University womöglich abschieben könnte. Sportlich müssen in dieser Saison QB Nathan Enderle (Bears) und DT S Shiloh Keo (Panthers Texans) ersetzt werden.

Zu den landesweit katastrophalsten FBS-Programmen zählt San Jose State, das vor einem Jahr mal eben sechs Touchdowns IN EINER HALBZEIT von Boise State eingeschenkt bekommen hat, bzw. 640yds von Hawaii. Eine 1-11 Bilanz ist nie ein gutes Zeichen, besonders nicht, wenn der einzige Sieg ein Krimi gegen ein viertklassiges Team war, aber immerhin spielten die Spartans 2010/11 in den letzten Wochen leidenschaftlich trotz Misere.

Probleme, die die New Mexico State Aggies gerne hätten. Head Coach Dewayne Walker droht alle drei Monate wegen fehlender Unterstützung mit dem Abgang, soll aber trotz nur fünf Siegen in zwei Saisons weiter Zeit bekommen. Walker galt zu UCLA-Zeiten als Defensivgenie, aber in der Wüste hat sich kaum etwas davon bemerkbar gemacht und der Abgang von CB Davon House (ging in die NFL) dürfte ein weiterer Schlag ins Gesicht sein. Walker könnte auch wegen des QB-Faktors unter Beschuss kommen: Der mit viel Aufwand aus Hawaii (!) geholte QB Andrew Manley spielte eine horrende erste Saison. Dass 2011/12 der dritte OffCoord in drei Saisons unter Walker am Werkeln sein wird, dürfte ebenso wenig hilfreich sein.

Der fünfte Teil wird sich heute Nachmittag mit einer offensivgewaltigen Conference befassen, deren vermeintlicher Topfavorit die einzige Defensiv-Macht ist.

Bowl Season 2010/11, Tag 5: Aloha!

Für die Eiskalten, die sich selbst an Heiligabend Football reinziehen. Herumfliegende Eier auf Hawaii.

Sheraton Hawai’i Bowl

Fr../Sa.., 24.12. um 02h live bei ESPN America und am 25.12., 22h30 als Tape

Hawaii Warriors – Tulsa Golden Hurricane

Welcher Sponsor könnte zur Ferieninsel besser passen als Sheraton? Und welche Mannschaft könnte auf Hawaii eher Fans ins Stadion bringen, als die heimischen Warriors? Die Hawaii Bowl ist ein sehr junges Spiel, erst zum neunten Mal ausgetragen, nachdem frühere Bowls auf Hawaii abgewandert oder gecrasht sind.

Zum sechsten Mal sind die Hawaii Warriors dabei, die automatisch für diese Bowl qualifiziert sind, sollten sie sechs Siege haben und nicht wie 2007 in die Sugar Bowl einziehen. Die Warriors sind für die Veranstalter auch eine Garantie, dass wenigstens drei Viertel des Aloha Stadiums gefüllt werden. Als letztes Jahr der beliebte June Jones nach Hawaii zurückkehrte, waren es insgesamt nur mickrige 30.000, die zuschauen kamen.

Heuer sind die Warriors wieder dabei. Und sie sind nach zwei schwachen Jahren wieder auf Vordermarsch. Unter Jones-Nachfolger Greg McMackin ist die Philosophie die gleiche geblieben: Pass first, think later. McMackin ist zwar eher der defensivorientierte Coach, aber unter OffCoord Nick Rolovich funktioniert heuer die Offense wieder blendend.

Hauptverantwortlich dafür ist QB Bryant Moniz mit 4629yds (!) durch die Luft, 36TDs und 12 INTs. Die Warriors haben zwei WRs mit mehr als 1300yds, der bessere ist Greg Salas (1675yds, 12TDs), der so was wie den Wes Welker gibt – Notnagel auf der kurzen Route mit vielen Yards nach dem Catch. Hawaii hat heuer 10-3 Siege eingefahren. Niederlagen gab es nur gegen die USC, in Colorado und bei Boise State. Das Spiel gegen die Broncos sticht in die Stats sofort heraus: Hawaiis Super-Offense wurde damals komplett abgewürgt: Ganze 127 Pass Yards, knapp ein Drittel des Schnitts!

Auf der anderen Seite kommt Tulsa (Conference USA, 9-3) daher, eine Uni fast so klein wie die meinige (ganze 4000 Studierende), aber ein stark offensivorientiertes Team in einer Spread Offense. 284 Yards durch die Luft stehen 215 am Boden gegenüber. Dabei fällt auf, dass die Lasten auf extrem viele Schultern verteilt sind. QB G.J. Kinne wirft viel (3300yds, 28TDs), aber kein Receiver hat mehr als 771 Yards gefangen. Dafür haben acht Receiver mehr als 200yds. Ähnlich beim Laufspiel: Kinne ist #1 mit 557yds, danach folgen fast zwei Handvoll Running Backs mit ein paar hundert Yards.

Beide Teams werfen viel und das birgt Gefahren. Die Defenses sind nicht grad als undurchdringlich bekannt, fangen aber viele Bälle ab: Hawaii im Schnitt zwei pro Spiel, Tulsa hatte immerhin 19 in der Saison.

Hawaii ist 11pt-Favorit. Wäre ich eine Spielernatur, ich würde die Wette annehmen.

Zur Bowl-Season-Übersicht geht es hier entlang.