College Football Geschichtsstunde: Die Exzesse der Achtziger Jahre

Update 10h15: Auf Hinweise von @tripleoptionblog in den Kommentaren habe ich kleinere faktische Fehler ausgebessert.


Die Achtziger Jahre sind in vielerlei Hinsicht ein Mythos. Es war das Jahrzehnt der verrückten TV-Serien, der wilden Mode, der großartigen Musik. Es war ein Jahrzehnt der Umwälzungen: Der Kapitalismus besiegte den Sozialismus. Es war auch ein Jahrzehnt der Unsicherheit. Es war in Summe ein ungezügeltes Jahrzehnt – lieber von allem etwas zu viel als zu wenig – ob Haare oder bunte Kleidung oder musikalische Stilrichtungen. Noch heute geht das Publikum unserer Blaskapelle bei keiner Musik so ab wie wenn wir Achtziger spielen.

„Zu viel“ war auch das Thema im College Football der Achtziger. Es war eine Dekade der Kapitalisierung des Sports mit Dutzenden neuen Millionen aus der TV-Branchse, die Dekade der Disruptoren aus Florida sowie die Dekade der Exzesse in den Athletic Departments. Am Ende der Achtziger war der College Football nur noch an der Oberfläche so wie am Anfang: Die Grundlagen für massive Veränderungen waren gelegt. Weiterlesen

College Football Preview 2011/12: Sun Belt Conference

Teil 2 der großen Saisonsvorschau auf den College Football, diesmal mit dem Bodensatz, der sportlich graupigen Sunbelt Conference, die hauptsächlich im Süden der USA, von Texas bis Florida, aber auch hinauf bis nach Tennessee und Kentucky, beheimatet ist. Eine Conference, deren Spitze seit jeher dünn gesät ist, dafür reich an fehlender Qualität außerhalb des oberen Leistungsdrittels.

Die Klassenbesten

Als bestes Team gilt dabei jenes der im Herzen der Conference gelegenen Troy Trojans (aus dem Staate Alabama), die seit fünf Jahren immer mindestens Co-Champion sind, wie 2010, als man allein aufgrund eines verlorenen direkten Duells nur die 1B war. Troy, das ist das Lebenswerk von Head Coach Larry Blakeney, der in den letzten zwei Dekaden den Aufstieg von der Division II bis zur Sunbelt-Spitze vorangetrieben hat und dabei immer wieder fantastische Abwehrspieler herausgebracht hat (Osi Umenyiora, Demarcus Ware, Leodis McKelvin – okay, letzterer war bloß ein hoher Draftpick). In der abgelaufenen Saison lebte man von einer starken Offense um den überzeugenden Freshman-QB Corey Robinson, aber heuer muss man auf die fünf besten Wide Receivers verzichten. Die Defense lebt von einer guten Passdeckung und dem alle überragenden DE Jonathan Massaquoi.

Offizieller Sunbelt-Champ 2010/11 waren die Florida International Golden Panthers aus Miami. Eine weltoffene und rasant wachsende Uni – trotz hoher akademischer Standards. Symbolisch dafür steht das junge Footballprogramm, das im vergangenen Herbst erstmals sechs Siege erringen konnte und sogar seine Bowl gewann. Für den Erfolg stehen neben dem lange unterschätzten Head Coach Mario Cristobal auch die beiden neuen Coordinators, vor allem der OffCoord Scott Satterfield, dessen Unit trotz eines fehlerträchtigen QB Wes Carroll mal eben fast 30 Pkt/Spiel hinzauberte. Superstar ist WR T.Y. Hilton, Receiver, Returner und X-Faktor in einer Person.

In dieser Saison muss man erstmals mit höheren Erwartungen zurecht kommen, hat aber den Vorteil, Troy im Heimstadion begrüßen zu können: Im letzten Herbst gewann man gegen die Trojans sogar AUSWÄRTS, 52-35 – der entscheidende Tie-Breaker zum Sunbelt-Titel.

Von Florida in den Norden

Auf Tuchfühlung zur Spitze war auch die Florida Atlantic University vor einigen Jahren. Die Owls sind ein blutjunges Programm (1998 gegründet, seit 2006 FBS) und waren anfangs schnell Senkrechtstarter, angeführt vom schrulligen Howard Schnellenberger, so was wie der Bill Parcells des College Football: Ein Coach, der durch die Lande zieht, mit der Mission, am Boden liegende Programm auf Normalgröße zu züchten und sich dann vom Acker zu machen. Schnellenberger ist auch der Begründer der großen Dynastie der Miami Hurricanes in den 80ern. Der Mann ist mittlerweile 77 und wird im Winter aufhören, nicht ohne wenigstens noch den Stadionbau zu Ende gebracht zu haben. Die Rahmenbedingungen an der FAU stimmen, sportlich wird 2011/12 schwierig: Die beiden Rivalen um den Platz als Quarterback haben in ihrer College-Karriere gemeinsam sieben Pässe (!) geworfen.

Wenn die FAU den Kinderschuhen entwächst, stecken die Western Kentucky Hilltoppers gar noch in Babykleidung. Erst drei Jahre spielt man in der FBS, die Bilanzen bisher: 2-10, 0-12, 2-10. Vier Siege in drei Jahren. Als Head Coach fungiert Willie Taggart, ein Lokalhero. Taggarts Offensiv-Philosophie: RB Bobby Rainey laufen lassen, bis die Beine abgenutzt sind. Rainey zuletzt mit 340 Carries in 12 Spielen (1649yds, 15 TD). Kein anderer interner Angreifer hatte mehr als 32 Carries.

Die Middle Tennessee Blue Raiders waren 2010 bowlen, und trotzdem etwas enttäuscht, da man sich seit Jahren als Sunbelt-Elite ansieht. Da sich aber QB Dwight Dasher so daneben benahm, dass er Teile der Saison suspendiert war, musste man am Ende froh sein, überhaupt sechs Siege zusammengekratzt zu haben. Weitere Probleme 2010: Turnovers und absurd schlechtes Playcalling. Alle Probleme lassen sich vergleichsweise einfach lösen (Coordinators wurden samt und sonders rausgeschmissen) und die Fanbasis ist trotz der jüngsten Rückschläge erfreulich enthusiastisch.

Das Duo in Louisiana

Die ULM Warhawks (Louisiana-Monroe) kann man als Team im Aufbruch sehen. QB Kolton Browning spielte als Freshman stark und Coach Todd Berry hat einiges für seinen Ruf getan, stellte eine kleine, schnelle Defense auf ein 3-3-5 System, was zu bärenstarken Leistungen gegen die Sunbelt-Topteams führte. Dennoch: ULM spielt nun 17 Jahre in der FBS. Positive oder ausgeglichene Saisonbilanzen: Null. 2010/11 schaffte man 5-7, weil man am letzten Spieltag um einen einzigen Zähler verlor: 22-23.

Gegner damals: Die University of Louisiana-Lafayette, der innerstaatliche Rivale und die Uni, die einst Jake Delhomme herausgebracht hat. Die Ragin’ Cajuns gehören ansonsten zu den schwächsten Teams überhaupt. Star ist DefCoord Greg Stewart, der zu Zeiten bei Jacksonville State die FSU und Ole Miss mit genialen Gameplans in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hatte (Ole Miss sogar geputzt). Auf dem Spielfeld hat ULL ein erbärmliches Laufspiel und eine ungelöste QB-Situation.

Das Duo im Westen

Sehr viel weiter nach oben geht der Blick der Arkansas State Red Wolves, die unter Coach Steve Robarts ein Muster an Beständigkeit waren, jahrein, jahraus zwischen 4 und 6 Siege holten. Datt war zuletzt nicht mehr genug und so wurde OffCoord Hugh Freeze zum Cheftrainer befördert, ein exzellenter Recruiter, dessen Rekrutierungsarbeit im Fall von OT Michael Oher so beeindruckend gewesen ist, dass darüber sogar Bücher geschrieben und Filme gedreht wurden (The Blind Side) – okay, Freeze spielt darin nur eine untergeordnete Rolle. Der Mann ist auch ein guter Coach, hauptverantwortlich für die Leistungsexplosion von QB Ryan Aplin im vergangenen Herbst. Freeze muss allerdings für eine Explosion in Sachen „Saisonbilanz“ dringend eine Zauberformel für die Defense Line (Lauf-Verteidigung!) finden. Auf alle Fälle wäre der Schedule günstig: Die vermeintlichen Top-Teams der Conference, Troy und FIU, kommen ins schnuckelige ASU Stadium.

Weitaus weniger optimistisch ist man bei den North Texas Mean Machine Green. Man machte zuletzt zwar meistens mehr Yards als der Gegner, aber auch weniger Punkte. Problempunkt Effizienz – was machen? Ein Umdenken würden die Grünen verlangen und North Texas holte mit Dan McCarney einen neuen Coach. McCarney ist ein Mann, der erst tot gesagt werden muss, bevor er zur Höchstform aufläuft. Mit RB Lance Dunbar hat O-Line-Guru McCarney eine Top-Waffe in der Offense, aber der Pass Rush in der Defense ist so unterirdisch, da hätten sie auch gleich sieben Defensive Backs abstellen können. Hoffnung bringt nun ein Walk-on, Ex-Marinesoldat DE Brandon McCoy.

In Teil 3: Die kleine Confernce im Norden, um die sich kein Mensch einen Schiss macht, außer ein paar karrieregeile Coaches.