NFL Notizblock, Week 2: MNF Pittsburgh Steelers @ Cincinnati Bengals

Es war das typische AFC-North-Duell, wie man es erwarten konnte: gute Defense, harte Hits und wenig Punkte. Da Steelers/Bengals aber noch lange nicht die Intensität der Steelers-Ravens-Rivalry hat, mangelte es streckenweise an Aufregung. Aber hey: nächste Woche spielt Oakland Monday Night. Also suchen wir mal das Positive.

Noch vor dem ersten Kaffee heute morgen ist sofort Troy Polamaulu aufgefallen. Mr. Hit&Shoulders sticht nicht nur aufgrund seiner Mähne ins Auge, sondern auch weil er eine einmalige Rolle spielt. Vor dem snap ist er überall zu sehen: mal neben den OLBs, mal zwischen den ILBs, mal im slot wenn er einen TE in man coverage nimmt und manchmal gar nicht, wenn er ganz tief auf der Jagd nach Interceptions seine Kreise zieht. Gegen Cincinnati hat er immer mal wieder hier und da ein play gemacht, aber das ganz große Ding war nicht dabei. (Aber fast: einen screen pass hat er so schnell erkannt, daß er beinahe schon in der passing lane war, bevor Dalton denn Ball geworfen hat. Haarscharf am pick six vorbei.)

Stats / Gamebook

Gamebook

Der zweite Spieler, der bei Pittsburghs D immer auffällt, ist Cornerback Ike Taylor. Schon seit Jahren verteidigt er in jedem Spiel den Nr.1 WR der gegnerischen Mannschaft und schon seit Jahren macht er kaum Fehler dabei. Er ist nicht der schnellste Mann unter der Sonne, aber dafür recht groß mit knapp 1,90m und vor allem technisch perfekt und einer der klügsten Defensive Backs diesseits von Darrelle Revis. Gestern hat er A.J. Green verteidigt, stark wie eh und je: 14 targets, nur sechs completions für 41 Yards.

Wie eh und je hat auch die Steelers-D insgesamt verteidigt: sehr diszipliniert, kaum missed tackles, keine blown coverages. Daß ILB Larry Foote verletzt fehlte (für ihn spielten abwechselnd Kion Williams und Vince Williams) und OLB James Harrison nicht mehr da ist (für ihn spielte Rookie Jarvis Jones) fiel nicht unbedingt negativ auf, aber die jungen Ersatzleute machen noch nicht den großen impact. Jede Menge kurze Pässe zu Green und Mo Sanu, kurze Pässe zu den TEs Tyler Eifert und Jermaine Gresham und 30 Läufe von BJGE & Bernard haben immerhin für 20 Punkte gereicht.

Auf der anderen Seite des Balles sah es dagegen sehr un-Steelers-mäßig aus. Der wild scramblende, Verteidiger abschüttelnde, den Ball übers gesamte Spielfeld prügelnde Ben Roethlisberger ist nur noch sehr selten zu sehen. Seine speed guys Antonio Brown und Emmanuel Sanders fangen jetzt ständig screens statt tief zu laufen; TE Heath Miller fehlt an allen Ecken und Enden; der beste OLiner fehlt auch; nur das Laufspiel ist wie immer: 2,8 yards per carry.

Das paßt nicht viel zusammen in Pittsburghs Angriff. Immerhin konnte Cincys DT Geno Atkins ganz gut eingebremst werden, soweit ich das sehen konnte. Spielte er auf der rechten Seite der Offense, kam Guard David DeCastro ganz gut mit ihm klar; stand er links, bekam er so gut wie immer ein double team. DE Michael Johnson hat dafür umso mehr Terror gemacht. Schwächen haben die Bengals immer noch in der Mitte hinter der DLine, wenn in der Nickel-D Ray Maualgua und Vontaz Burfict TEs oder RBs decken müssen.

Cincinnati bleibt unspektakulär, aber wie schon letzte Woche gegen Chicago mehr als solide. OC Jay Gruden ist sehr kreativ mit seinem TE-Duo, und wenn das noch gefährlicher wird (gestern zusammen neun catches, 132 Yards) und Rookie RB Gio Bernard mehr Vertrauen und mehr carries bekommt (neun touches, 65 Yards, TD), kann dieser Angriff nur besser werden. Die Bengals bleiben Favorit auf die AFC-North-Krone. Pittsburgh ist nocht nicht ganz veloren, dafür ist die Defense zu stark. Aber irgendwas müssen sich OC Todd Haley und HC Mike Tomlin überlegen. Nächste Woche spielen sie wieder in prime time, zu Hause gegen Chicago. Bei einem 0-3-Start könnte es sogar in Pittsburgh lautere Unruhe geben.

Glaskugel 2012: Pittsburgh Steelers

Eigentlich könnte man für die Pittsburgh Steelers jedes Jahr die gleiche Vorschau schreiben: super Defense, toller Ben, schlechte O-Line – mindestens Playoffs. Die letzte große Veränderung gab es 2006, als der damals 34-jährige Mike Tomlin, vormals DBs Coach der Bucs und DC der Vikings, den Cheftrainerposten vom ewigen Bill Cowher übernahm. Tomlin ist nach Cowher und Chuck Noll erst der dritte Head Coach der Steelers seit 1969. Das wird er auch erstmal bleiben, erst in den letzten Tagen hat Tomlin seinen Vertrag bis 2016 verlängert.

Überhaupt ist die Geschichte der Steelers eine Geschichte der Kontinuität. Seit Jahren und Jahrzehnten ist das personell management wie aus dem Lehrbuch: building through the draft. Gerade die Spieler aus den Runden zwei bis fünf werden in steter Regelmäßigkeit ab ihrem zweiten oder dritten Jahr Stammspieler und Leistungsträger. GM Kevin Colbert schafft es Jahr für Jahr, eine Mannschaft zusammenzustellen, die um den Super Bowl mitspielt.

Defense

In der Defense ist eigentlich alles so wie immer. Die D-Line ist groß, dick und namenlos; die Linebackers sind sehr smart und noch viel aggressiver, manchmal auch andersrum; CB Ike Taylor macht eine Seitenlinie dicht und den Rest übernimmt Safety Troy Polamalu. Orchestriert wird das ganze seit gefühlt 1963 von DC Dick LeBeau.

Einige kleinere personelle Änderungen auf der defensiven Seite gibt es aber doch. Altersbedingt hängen DE Aaron Smith und LB James Farrior ihre Pads für immer in den Spind; leistungsbedingt wurde CB Bryant McFadden vor die Tür gesetzt und geldbedingt hat Nr.2-CB William Gay in Arizona unterschrieben.

Schedule

Wk1 @ DEN (SNF)
Wk2 v NYJ
Wk3 @ OAK
Wk4 BYE
Wk5 v PHI
Wk6 @ TEN (TNF)
Wk7 @ CIN (SNF)
Wk8 v WAS
Wk9 @ NYG
Wk10 v KC (MNF)
Wk11 v BAL (SNF)
Wk12 @ CLE
Wk13 @ BAL
Wk14 v SD
Wk15 @ DAL
Wk16 v CIN
Wk17 v CLE

Für alle vier wurde die Nachfolge aber bereits in-house geregelt – wie das bei den Steelers eben so üblich ist. Um Smiths Nachfolge balgen sich zwei 1st-rd pick: Ziggy Hood (2009) und Cam Heyward (2011). Hood konnte bis jetzt noch nicht sonderlich überzeugen und Heyward hatte nach fehlenden OTAs und richtigem Trainings Camp letztes Jahr auch so seine Schwierigkeiten, sofort durchzustarten. Das sollte aber vor allem im Falle Heyward nicht viel heißen, die meisten jungen Steelers starten nicht sofort voll durch.

So ist man dann in Pittsburgh auch gar nicht so traurig, daß Gay und McFadden nicht mehr dabei sind. Mit Keenan Lewis (3rd-rd 2009), Curtis Brown (3rd-rd 2011) und Cortez Allen (4th-rd 2011) sind drei vielversprechende Jungspunde im Kader, von denen man viel erwartet. Starter neben Taylor soll Lewis werden.

Farrior wird jetzt in Vollzeit von Larry Foote ersetzt, der mit seinem Nebenmann Lawrence Timmons auch die Aufgabe haben wird, den in der dritten Runde gedrafteten Sean Spence einzulernen.

Umgeben sind Foote/Timmons immer noch vom besten OLB-Duo der Welt. Ohne Diskussion. James Harrison und LaMarr Woodley haben hinter sich auch zwei talentierte Nachwuchskräfte, die sich ihre Sporen verdienen wollen. Jason Worilds (2nd-rd pick 2010) und Chris Carter (5th-rd pick 2011) machen sich noch zwei, drei Jahre warm, bis der 34-jährige Harrison dann mal abtritt.

So hat Pittsburgh auf so gut wie allen Positionen talentierte junge Leute, die ganz old-school mäßig erstmal zwei, drei Jahre alles von der Pike auf lernen und dann die Altvorderen ablösen.

Immer wieder taucht das Gerede von “ach-zu-alte-Defense-Pittsburgh” auf, aber wenn man sich das mal genau beguckt, stimmt das gar nicht. In der D-Line kommen Heyward und Hood; dazu noch der diesjährige 4th-rd pick Alameda Ta´amu, der Casey Hampton ablösen wird. Timmons und Woodley wurden erst 2007 gedraftet und für die beiden anderen LB-Spots – die ja erstmal noch hervorragend besetzt sind – sind auch schon Nachfolger im Kader. In der Secondary sind drei sehr junge Cornerbacks, in die viel Vertrauen gesetzt wird. Viel besser geht langfristiges Teambuilding gar nicht.

Offense

In der Offense sind zwei Veränderungen zu beobachten. Zum einen wurde der langjährige Offensive Coordinator Bruce Arians unter mysteriösen Umständen gegangen – sehr zur Verärgerung von QB Ben Roethlisberger. Der muß sich jetzt mit dem im persönlichen Umgang nicht immer sehr einfachen Todd Haley arrangieren. Zum anderen haben sich die Steelers in den letzten zwei, drei Jahren ganz heimlich, still und leise eine junge, talentierte Offensive Line zusammengestellt, die für erhebliche Überraschungen sorgen könnte.

Fangen wir mit der Offensive Line an. Auch hier sieht man deutlich das langfristige Konzept – und vielleicht sogar schon dieses Jahr erste Ergebnisse. Nach Jahren unterirdischer Leistungen von alten, kaputten Männern könnten dieses Jahr vier hungrige Typen in der Linie stehen, die allesamt jünger als 25 Jahre sind und alle 1st- bzw. 2nd-rd picks waren.

In der Mitte snapt Maurkice Pouncey. Der 1st-rd pick 2010 ist zwar nach wie vor overhyped, aber trotzdem ein guter Center. Der letztjährige 2nd-rd pick Marcus Gilbert hat schon als Rookie eine gute Figur als RT gemacht und sollte nur noch besser werden. Der ehemalige RT Willie Colon, der in den letzten beiden Jahren verletzungsbedingt kaum gespielt hat, soll einen Guard geben, während der diesjährige 1st-rd pick David DeCastro die andere Guard-Positionen übernehmen wird. Um den Posten als Left Tackle streiten sich der diesjährige 2nd-rd pick Mike Adams und der altbekannte Max Starks. Als back-ups für die gesamte Linie stehen daneben noch die genauso altbekannten Trai Essex, Doug Legurksy und Ramon Foster bereit.

Insgesamt also eine deutliche Verbesserung gegenüber den letzten Jahren mit noch rosigeren Aussichten für die Zukunft. Die andere Veränderung gibts auf dem Posten des Offensive Coordinators.

Exkurs Todd Haley

Haley, der neue OC, ist ein seltsamer Typ. Er selbst hat nie Football gespielt, sondern Golf – und das auch einigermaßen erfolgreich. Aufgrund einer Rückenverletzung reichte es aber nicht für die PGA Tour. Nun war aber sein Vater, Dick Haley, eine große Nummer in der NFL. 20 Jahre lang war Dick Director of Player Personnel der Pittsburgh Steelers und ab 1991 für 12 Jahre in gleicher Position bei den Jets.

Dort heuerte Todd 1995 im Scouting Department an. 1997 übernahm Bill Parcells die Jets und war vom jungen Haley so begeistert, daß er ihn gleich in seinen Trainerstab übernahm. Haley begann als Quality Control Coach und wurde später Wide Receivers Coach. In beiden Position arbeitete er sehr eng mit Offensive Coordinator Charlie Weis zusammen. (Überhaupt war der Kern der späteren Patriots-Bagage damals unter Parcells zusammen bei den Jets: Bill Belichick, Romeo Crennel, Weis, Eric Mangini, Scott Pioli)

Nach einem dreijährigen Intermezzo als WR-Coach bei den Bears dachte Parcells sofort an seinen jungen Assistenten, als er die Dallas Cowboys übernahm. Dort war Haley von 2004 bis 2006 Passing Game Coordinator und WR Coach, machte aus dem ungedrafteten Tony Romo einen guten Quarterback und mußte die Diven Terrell Owens und Terry Glenn bei Laune halten. Manchmal hat er sie auch einfach öffentlich zusammengestaucht.

So hat er es dann auch 2007 und 2008 als OC der Arizona Cardinals mit Anquan Boldin gemacht. Allerdings so erfolgreich, daß er die Cards-Offense um Kurt Warner, Larry Fitzgerald und Boldin zu einer der aufregendsten der ganzen Liga gemacht hat und sogar ganz kurz vor dem Super-Bowl-Sieg stand.

Arizonas Cheftrainer zu diesem Zeitpunkt war Ken Whisenhunt, der nicht nur Vorgänger von Arians als Pittsburghs OC war, sondern 1991 von Dick Haley als Tight End für die Jets verpflichtet wurde. So ist das in der NFL.

2008 verpflichtete Pioli, nun GM der Kansas City Chiefs, Haley als HC. Schon von Anfang an gab es Spannungen innerhalb der Mannschaft und des Trainerstabes. So wurde OC Chan Gailey noch während des ersten Training Camps entlassen. Sportlich allerdings ging es aufwärts und im zweiten Jahr gar in die Playoffs. 2010 stand schließlich unter keinem guten Stern, als die drei besten Spieler – RB Jamal Charles, TE Tony Moeaki und S Eric Berry – mit schweren Verletzungen das gesamte Jahr über nur zuschauen konnte. Mit einer 5-8-Bilanz und vielen Gerüchten um Egomanie, Hybris und paranoid überall vermuteter Illoyalität mußte Haley gehen.

Passing Game & Running Game

Kurz zusammengefaßt: Haleys Einflüsse als Play Caller umfassen vor allem Parcells, Weis und Whisenhunt. So ist es auch kein Wunder, daß die Chiefs eines der lauflastigsten Teams der Liga waren. Aber ebenso waren die Cards unter Haley eine der paßfreudigsten Offenses. Daß Haley extrem anpassungsfähig ist und seine Offense um die Spieler herum baut, die er hat und nicht andersrum, wird auch immer wieder als seine große Sträke beschrieben.

Mit Mike Wallace, Emmanuel Sanders und Antonio Brown findet Haley nun in Pittsburgh drei starke junge WR und mit Ben Roethlisberger einen QB, der das Ei auch gerne mal über 50 Yards schleudert. Daher sollte es da weitergehen, wo es unter Arians aufgehört hat. Also viele 3-/4-WR-sets, deutliches Übergewicht des Paßspiels und vor allem eine starke vertikale Komponente.

Monsieur Wallace ziert sich zwar derweil noch wenig, unter seinem Restricted Free Agent Tender zu spielen, aber das Problem wird früher oder später auch gelöst werden. Es ist auch auf der WR-Position auf beeindruckende Weise das gute Händchen im Draften zu sehen: Wallace war ein 3rd-rd pick (2009), Sanders ebenso (2010) und Brown ein 6th-rd pick (2010).

Das seit Jahren schon kränkelnde Running Game kränkelt auch weiterhin. Der etatmäßige Top-RB Rashard Mendenhall befindet sich noch für einige Zeit in der Reha, nachdem er sich im Januar das Kreuzband gerissen hat. Seinen Platz wird Isaac “Redzone” Redman übernehmen, der in den letzten Jahren schon erfolgreich als short yardage-back agiert hat. Dazu kommt noch Rookie Chris Rainey, ein verdammt aufregender space player á la Darren Sproles. Rainey könnte ein schönes Spielzeug für Haley werden, der mit Dexter McCluster genau so einen Typen auch schon in Kansas City hatte.

Ausblick

Also eigentlich alles so wie immer in Pittsburgh. Top-D; starkes Paßspiel um Big Ben und seine starken WRs; nur die Offensive Line sollte besser sein, als in den vergangenen Jahren. Es wird vielleicht einige Startschwierigkeiten geben mit der neuen Offense, die Haley installiert. Aber insgesamt müßte es schon mit dem Teufel zugehen, sollten die Steelers nicht um die Krone der AFC mitspielen. Es müßte Wallace bockig bleiben bis zum Sanktnimmerleinstag; es müßte Haley irgendwie eskalieren; es müßten sich Polamalu und Harrison verletzen oder Roethlisberger ausfallen. Wenn nicht, dann same procedure as every year.

NFL Wild Card Weekend 2011/12 – Beobachtungen (Tebow, Steelers, Lions, Bengals, Falcons)

Ohne große Einleitung im Folgenden einige kurze Beobachtungen zu den Spielen vom Wochenende: Pittsburghs Gameplan; undisziplinierte Lions und Bengals; Atlantas Front Seven und New Yorks Lauspiel.

Dick LeBeaus Game Plan war ziemlich simpel: acht oder neun Mann an der Line of Scrimmage, um Denvers Laufspiel zu stoppen; enge Mannverteidigung gegen die WRs, weil Tebow die “accuracy” fehlt, um Würfe gegen diese Deckung zu machen. Die Überlegung dahinter: Laufspiel abwürgen und Denver dazu zwingen, ihr Heil in längen Bällen zu suchen.

Tja, das Ergebnis war letztlich nicht überragend, aber trotzdem war es der richtige Game Plan. Es gab dann am Sonntag Nachmittag nur zwei Probleme. Das kleinere war, daß Pittsburghs Verteidiger einige wenige Fehler gemacht haben. Der größere war, daß Tebow viel besser gespielt und gepaßt hat, als es alle erwartet hatten.

Der entscheidende Fehler war natürlich, daß Backup-Safety Ryan Mundy beim TD in der Verlängerung den Play-Action-Fake glaubt und daraufhin “underneath” seine Verantwortung in der Deckung verpennt. Dazu ist CB Ike Taylor zu langsam und kann den Tackle nicht machen. Aber bis auf einige überaggressive Schritte in die falsche Richtung von Safety Troy Polamalu war das eine gute Leistung der Verteidiung.

Denvers Laufspiel wurde gut in Schach gehalten und machte nur 131 Yards bei 34 Carries (3,9 yds/carry). Aber drei ganz starke Pässe haben zu zwei Touchdowns geführt. Man kann da auch weder LeBeau noch den CBs einen großen Vorwurf machen: perfect pass beats perfect coverage heißt eine der ältesten Footballweisheiten. Ansonsten gabs noch ein FG nach Roethlisberger-INT; ein FG nach Big-Play zu TE Fells, bei dem Polamalu schlecht aussieht; ein FG nach 32-Yard-DPI, die auch nicht jeder Referee so pfeift.

Tebow hat einfach die entscheidenden Plays gemacht. Besser gemacht als die Defense und das spricht nicht gegen Pittsburghs D, sondern für Tebow und den mutigen Game Plan von Denvers OC Mike McCoy. Man sollte nicht versuchen, mit Ausreden wie Verletzungen, zu alte Verteidiger oder blöder Game Plan Tebows Leistung zu schmälern. (Tebow hat übrigens ohne WR Eric Decker gespielt, der in der Regular Season mehr Catches als jeder andere Bronco gemacht hat und auch ohne Chris Kuper, den besten O-Liner Denvers. Wer hat im Januar keine Verletzten?)

Schlechte Defense gabs dagegen bei den Bengals und den Lions zu beobachten. Nicht in Sachen Strategie und Schemes, sondern in Disziplin und Fundamentals. Vergeigte Tackles und schlechte Winkel zum Ballträger en masse. Dazu fürcherliche blown coverages und sichere Interceptions, die einfach fallen gelassen werden. Beide, Bengals und Lions, hätten mit einer disziplinierten Leistung bis zum Schlußpfiff mithalten können. So muß man sich fragen, wie erfahrene und ausgewiesen Verteidigungsexperten wie Marvin Lewis und Mike Zimmer (HC/DC Cincinnati) beziehungsweise Jim Schwartz und Gunther Cunningham (HC/DC Detroit) ihre Spieler trainieren. Oder ob einige Spieler einfach zu schlecht sind. (Vor allem die Safeties waren unterirdisch. Und ich als Patriots-Fan dachte, ich hab schon den Bodensatz dieses Jahr gesehen.)

Fragen muß man sich auch, was mit Atlantas Front Seven los war. Die viel kritisierte Offensive Line und die Running Backs der Giants sahen gegen diese aus wie die sprichwörtlichen “Man among Boys”. Vor allem die hochgelobten DT Corey Peters, DE John Abraham und die LBs Sean Weatherspoon und Curtis Lofton konnten die (hohen) Erwartungen nicht erfüllen, ließen sich ständig rumschubsen oder waren “out of postition”. Wenn New Yorks Laufspiel dieses Niveau auch nächste Woche gegen Green Bay zeigen kann, sollten sie viel Spaß haben. Die Front Seven der Packers ist noch mal ´ne ganze Klasse schlechter als Atlantas. Brian Van Gorder, DC der Falcons, ist gestern übrigens zum Defensive Coordinator der Auburn Tigers ernannt worden. Vielleicht hat er zu viel Zeit in den Bewerbungsprozeß gesteckt, statt seine Defense auf die Playoffs vorzubereiten.

Besser vorbereiten sollen hätte auch OC Mike Mularkey sein Playcalling bei 3rd/4th&short-Situationen. Ein wenig kreativer als “Matt Ryan fällt nach vorne und hofft, daß es reicht” hätte es schon sein müssen. Auch Mularkey bewirbt sich seit einigen Tagen bei anderen Teams und hat die Zeit zwischen Woche 17 und Wild Card Weekend mit Vorstellungsgesprächen anderswo verbracht.

Vorschau NFL Wild Card Playoffs 2011/12: Falcons/Giants, Steelers/Broncos

Atlanta Falcons (10-6) @ New York Giants (9-7)

[Sonntag 19.00Uhr, kommentiert auf FOX von Joe Buck und Troy Aikman]

Die New York Giants haben es mal wieder geschafft, nach achterbahnmäßigen Auf und Ab dann doch wieder in die Playoffs zu kommen. Es gab ein paar tolle Siege (vs New England, Philadelphia), einige Einbrüche (z.B. gegen New Orleans), großartige Comebacks (vs Dallas), völlig unerklärliche Niederlagen (vs Seattle) und abgerundet wurde die ganze Saison durch fünf aufeinanderfolgende Niederlagen im November und Dezember. Mit drei Siegen in den letzten vier Spielen kommt man jetzt aber heiß und mit momentum in die Playoffs. Bei den Giants ist das Auf und Ab und andere Aufregung mittlerweile schon zur Tradition unter Head Coach Tom Coughlin geworden. Mal schießt sich der Nr. 1 WR in den Fuß, dann will der RB einen Fan verprügeln oder er beleidigt Rex Ryan mitten im Stadion; Eli wird mal auf eine Stufe mit Peyton gehoben nur um dann zwei Wochen später nicht mal der beste QB in New York zu sein und Coughlin wird jede Seaison mehr als einmal von Fans und Medien symbolisch gefeuert. Um es kurz zu machen: dieser Zirkus ist das genaue Gegenteil der Atlanta Falcons, die weder auf noch ab oder sonst etwas Extremes sind, sondern einfach – naja, so mittel.

Atlanta ist ein durch und durch gutes Team. Das ist einerseits ein Kompliment, andererseits beschreibt es auch ihre Grenzen. Gut heißt einerseits, daß sie zum dritten Mal in den vier Jahren unter HC Mike Smith ( OC Mike Mularkey & DC Brian Van Gorder) mit Quarterback Matt Ryan verdient in die Playoffs gekommen sind. Die Falcons haben sich in diesen vier Jahren auch nicht verändert. Sie haben ein ziemlich gutes Laufspiel, ein solides Paßspiel und eine ganz anständige Defense.

Aber “gut” heißt eben auch “nicht sehr gut”. Ryan ist kein Rodgers, die WRs Roddy White und Julio Jones sind keine Playmaker vom Format Larry Fitzgerald oder Calvin Johnson, RB Michael Turner ist kein Adrian Peterson und DE John Abraham ist kein Terrell Suggs.

Falcons Offense / Giants Defense

So wird das Spiel dann wohl auch taktisch recht “normal” ablaufen: Turner wird seine 20 Carries bekommen, Ryan wird einige gute Würfe machen und Jones/White einige gute fangen (aber auch droppen) und TE Gony Gonzalez wird die Linebackers der Giants öfter Mal alt aussehen lassen. Aber: das Entscheidende wird der Kampf an der Line of Scrimmage sein und hier ist Atlanta klar im Nachteil.

Die Offensive Line der Falcons ist Durchschnitt. Fünf große dicke Jungs, die ihre Stärken vor allem im Running Game haben. Und in den letzten fünf Wochen (vor dem Spiel gegen die Reste der Tampa Bay Buccaneers) hat selbst das nicht mehr besonders gut funktioniert: 89, 70, 86, 97 und 35 Laufyards gegen Minnesota, Houston, Carolina, Jacksonville, New Orleans. Über die gesamte Saison gesehen waren es am Ende nur 4,0 Yards per Carry, schlechter als zum Beispiel Indy.

Im Paßspiel kann sich QB Ryan schon mal auf einige blaue Flecken gefaßt machen. In guter alter Giants-Tradition hat die Verteidigung um Defensive Coordinator Perry Fewell eine tief besetzte Defensive Line mit drei hervorragenden Pass Rushern in Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora (auch wenn Umenyiora und manchmal auch Tuck zeitweise in einer Mischung aus leicht verletzt und lustlos aufgelaufen sind). Auch die anderen D-Liner Chris Canty, Linval Joseph und Dave Tollefson sollten in diesem Spiel ihre Plays machen. Das müssen sie auch, um das mittelmäßige, von Verletzungen geplagte LBs-Corps rauszuhauen.

Atlanta hat nur eine Chance auf mehr als 20 Punkte, wenn sie es schaffen, mit White und Jones mehrere Big Plays zu kreieren. Weil das aus der normalen Offense gegen diesen Pass Rush nur schwer möglich sein wird, werden wir wahrscheinlich viel No-Huddle-Offense von Matt Ryan sehen, was er in den letzten Wochen auch schon ausgiebig ausprobiert hat. Das macht den Pass Rush müde, verhindert das Auswechseln von Spielern, Wechsel zwischen Base-, Nickel- und Dime-Defense und hält den Druck auf die Verteidiger hoch.

Giants Offense / Falcons Defense

Der Gameplan der Giants-Offense ist ziemlich simpel: Eli Manning muß das Spiel irgendwie gewinnen. Das Laufspiel ist statistisch das schlechteste der NFL gewesen mit nur 89,2 Yards pro Spiel und 3,5 Yards pro Carry. Nichtsdestotrotz können sie mit einem fitten Ahmad Bradshaw und einem motivierten Brandon Jacobs mehr als 100 Yards machen und ihren Teil beitragen. In den letzten fünf Spielen waren sie, bis auf die Partie gegen Washington, auch immer dreistellig.

Trotzdem muß das Paßspiel die Hauptarbeit leisten. Mit einem teilweise überragend spielenden Eli Manning und einem der besten Receiving Corps der NFL mit Hakeem Nicks, Mario Manningham und Victor Cruz haben die Giants den klaren Vorteil gegen die mäßige Paßverteidigung Atlantas.

Fazit

Am Ende muß irgendwer der Falcons über sich hinauswachsen, um das Spiel zu gewinnen. Die Giants haben mit Eli, Victor Cruz und JPP/Tuck Spieler, die das regelmäßig machen. Bei Atlanta fehlt der ganz große Spieler, der MVP, der game changer, der auch mal das ganze Team auf seinem Rücken zum Sieg trägt. Matt Ryan hat dieses Jahr nicht gezeigt, daß er gegen eine ganz starke Defense ganz stark spielen kann; WR Roddy White hat immer wieder Killer-Drops; WR Julio Jones ist ein Rookie und wartet noch auf seine breakout performance; RB Michael Turner ist immer noch grundsolide, aber nicht der Homerun-Hitter und auch in der Defense gibt es viele überdurchschnittliche Spieler wie CB Brent Grimes, die LBs Lofton und Weatherspoon oder DE John Abraham. Die genannten haben alle durchaus das Talent, ein Spiel zu entscheiden, aber bis jetzt haben sie es noch nicht gezeigt. (In ihren letzten beiden Playoff-Spielen übrigens auch nicht: 2008 L 24-30 @Arizona und 2010 L 21-48 vs Green Bay.) Hinzu kommt noch, daß Dome-Teams in den letzten 40 Jahren nur 9 von 41 Playoffspielen in kalten Stadien gewonnen haben. Die Giants gehen als klarer Favorit in das Spiel.

Pittsburgh Steelers (12-4) @ Denver Broncos (8-8)

[Sonntag 22.30Uhr, kommentiert auf CBS von Jim Nantz und Phil Simms]

Im Mile High Stadium treffen zum Abschluß der Wild-Card-Playoffs zwei der nur drei Playoff-Teams aufeinander, die ein negatives Turnover-Rating haben (Denver -12, Pittsburgh -13). Über Tim Tebow und seine Broncos ist eigentlich alles gesagt, daß muß hier nicht nochmal wiederholt werden. Pittsburgh läuft komischerweise etwas “under the radar”. Die Defense hat unter vielen Verletzungen gelitten und hat die Regular Season völlig unbemerkt als Nr.1 nach Punkten als auch Yards abgeschlossen. In der Offense redet man meistens über die miese O-Line, den verletzten Big Ben und das miese Laufspiel. Aber an guten Tagen ist Pittsburghs Angriff einer der explosivsten der NFL und immer für mehrere Big Plays gut.

Broncos Offense / Steelers Defense

Das wird ein ganz langer Tag für Tim Tebow und seine Offense. Denver hat zwar das beste Laufspiel der Liga, aber Pittsburgh immer noch eine der besten Verteidigungsreihen ligaweit – sowohl gegen den Lauf als auch den Paß. Die Statistiken lassen Pittsburgh nicht ganz so gut aussehen, was aber vor allem daher rührt, daß die LBs alle längere Zeit verletzt oder gesperrt gefehlt haben. Jetzt sind alle wieder fit.

Pittsburgh wird das Spiel sehr aggressiv angehen und Tebow sehr früh Bekanntschaft machen mit Safety Troy Polamalu, der wohl meistens “in the box” spielen wird, um das Laufspiel von Anfang an zu unterbinden. Es sollte auch nicht allzu riskant sein, immer acht Mann in der Nähe der Line of Scrimmage zu haben, denn passen ist nicht gerade die Stärke Tebows.

In den letzten drei Spielen, die allesamt verlorengingen, wurde Tebow entzaubert. Vor allem die Bills und Chiefs haben in der Defense eine sehr aggressive Man-Coverage gegen die WR gespielt und Tebow damit die einfachen “Reads” genommen. Zusätzlich haben die DEs beziehungsweise OLBs sehr diszipliniert gespielt und Tebow nicht Richtung Seitenlinien ausbrechen lassen. Aggressiv und diszipliniert sind dummerweise die Hauptcharakteristika der Steelers-D.

Die Zahlen für Denvers Quarterbacks waren ernüchternd in den Wochen 15, 16, und 17: 30/73, 439 Yards, 1TD, 4 Interceptions, 3 Fumbles. Die Broncos haben nur eine Chance, wenn sie sich von ihren überkonservativen Gameplans verabschieden und ihr Heil in einigen tiefen Bällen suchen. Die Chance dafür sollte zumindest da sein, denn Polamalu wird sich hauptsächlich an der Line of Scrimmage rumtreiben, der zweite etatmäßige Safety Ryan Clark ist verletzt und mit Ike Taylor haben sie auch nur einen starken CB.

Steelers Offense / Broncos Defense

Auf dieser Seite des Balles wird alles von Roethlisbergers linkem Knöchel abhängen. Erstmals hat er ihn sich Anfang Dezember verletzt, humpelte dann in San Francisco nur rum bevor er sich in Woche 16 schonen durfte. Letzte Woche mußte er wieder ran und ist im dritten Viertel gegen Cleveland erneut mit dem Fuß umgeknickt. Nun humpelt er schlimmer als zuvor und ist damit seiner wohl größten Stärke beraubt: der Fähigkeit, immer wieder sicher geglaubten Sacks zu entkommen.

Hinter seiner dezimierten Offensive Line, die schlecht wie eh und je spielt, sollte er am Sonntag immer wieder große böse Jungs auf sich zukommen sehen. Elvis Dumervil und Rookie Von Miller sind das wohl beste Pass-Rushing-Duo der AFC. Miller hat zwar in den letzten Wochen, in denen er angeschlagen war, leicht nachgelassen, aber ein wenig fitter und mit der Motivation eines Playoffspiels vor eigenem Publikum sollte er zur Höchstform auflaufen. Pittsburgh hat in dieser Saison auswärts 25 Sacks zugelassen.

Noch schwieriger wird es für Pittsburghs Offense, weil sich Running Back Rashard Mendenhall mit Kreuzbandriß ins Krankenhaus verabschiedet hat. Nun muß Isaac “Redzone” Redman das Workhorse geben. Ob er dazu fähig ist, muß er erst noch beweisen. Helfen sollte den Steelers die bestenfalls durchschnittliche Secondary der Broncos. CB Champ Bailey ist immer noch gut, aber nicht großartig. Der andere Starting-CB Andre Goodman hat seine besten Tage auch hinter sich und nach der Verletzung von Safety-Legende Brian Dawkins bewachen mit Rookie Quinton Carter und dem 24-jährigen David Bruton zwei Grünschnäbel den tiefen Teil des Feldes.

Das sollte den beiden Deep Threats Mike Wallace und Antonio Brown viel Freude bereiten. Beide haben in dieser Saison mehr als 1000 Yards erfangen und machen pro Catch fast 17 Yards. Wenn Big Ben mal Zeit in der Pocket bekommt, sollten Wallace und Brown die wichtigen Catches und Punkte machen, auch wenn es wohl nicht allzu viele werden dürften. Letztendlich sollten die Steelers aber auch gar nicht so viele Punkte brauchen um eine Woche später zu ihren guten Freunden aus Baltimore oder New England fahren zu dürfen.

Platzverweis für Harris

Ein weiterer NFL-Schreiber hat sich für das Prädikat „lesenswert“ für einige Zeit disqualifiziert. Vom verbalen Dünnpfiff des John Harris in der Pittsburgh Tribune-Review:

Harris’ These: Pittsburghs CB Ike Taylor ist der bessere Free Agent als Oaklands CB Nnamdi Asomugha.

Begründungen:

a) Asomugha ist ein Weichei mit nur 19 Tackles in der letzten Saison.

b) Oakland hat 2010 29 Pass-TDs kassiert.

c) Taylor hat die besseren Stats: 66 Tackles, 2 INTs, 11 Pass Defenses 2010. Und über die Karrieren: Taylor (125 Spiele, 481 Tackles, 11 INTs, 99 Pass Defenses), Asomugha (122 Spiele, 310 Tackles, 11 INTs, 54 Pass Defenses).

d) Asomugha hat noch kein Playoffspiel bestritten und noch keine winning season. Taylor bringt also mehr Siegermentalität (winning attitude) in die Umkleibekabine.

e) On paper and on the field, Taylor is a better football player than Asomugha. In the battle of unrestricted free-agent cornerbacks, it’s Taylor by a long shot.

korsakoffs Gegenthesen:

a) Lt. PFF spielt Asomugha haupstächlich Manndeckung, ist also gar nicht prädestiniert, überhaupt gegen den Lauf zu arbeiten.

b) Asomugha ließ 2010 nur 10 (!!) Catches zu, nicht einen einzigen Touchdown.

c) Asomugha wird fast überhaupt nicht mehr angespielt, aufgrund seiner Deckungskünste: Über drei Jahre ganze 88 Mal. Taylor hingegen wurde 266 Mal angespielt. Faktor > 3.

d) Sargnägel vorbereitet.

e) Sargnägel eingeschlagen.

Damit dürfte auch klar sein, von wem sich die Pittsburgh Steelers in ihren Personalfragen NICHT beraten lassen. Oder ist Harris’ Artikel nur ein gut getimter Move, um Teams außerhalb von Pittsburgh Taylor schmackhaft zu machen?