Die Akademische Viertelstunde, Woche 2: Straucheleinheiten

Zwei Spieltage der Regular Season sind vorüber, und der zweite Spieltag hat einige Favoriten stolpern sehen. In Miami und Athens (University of Georgia) sprießt die Hoffnung, während in Austin (University of Texas) und Los Angeles (USC) tiefe Depression herrscht. Am heikelsten ist die Lage jedoch an einer Uni in Oklahoma, wo sich ein Unwetter zusammenbraut. Ein Rundblick auf das Geschehen im College Football zu Beginn dieser Saison. Weiterlesen

Big Ten Conference 2012/13 Preview

Die Big Ten Conference aus dem US-Norden/Nordosten rund um die Großen Seen herum ist die traditionellste, konservativste Spitzen-Conference im College Football, dort, wo sich die großen Stadiongiganten befinden, wo noch klassische Option-Offense gezeigt wird und wo man lieber alte Rivalitäten pflegt, als zwingenderweise Mannschaften ins BCS-Championship Game schickt.

Aktuell ist die Conference recht erschüttert von Skandalen, Stichworte Tressel/Pryor und Sandusky. Mit Ohio State und Penn State sind zwei der landesweit renommiertesten Programme böse unter die Räder der NCAA-Regelhüter gekommen und sind für diese Saison (Ohio State) bzw. auf Jahre (Penn State) außer Konkurrenz dabei. Der Rest dürfte erstmal passen: Der neue TV-Vertrag ist saftig, das Championship-Game trotz der sinnfreien Divisionsverteilung ein Erfolg und auch Commissioner Jim Delaney hat in den unsäglichen BCS-Diskussionen noch rechtzeitig die Kurve gekratzt um sein Gesicht zu wahren.

Legends Division

Die Michigan Wolverines hatte ich bereits vorgestellt, daher an dieser Stelle die Beschränkung auf die „Statisten“ – Statisten, die ich nicht unterschätzen würde. Die Michigan State Spartans verlieren zwar ordentlich Qualität in Offense (QB Kirk Cousins, WR Cunningham) und Defense (DT Jerel Worthy), haben unter dem gewieften Taktiker Mark Dantonio aber über Jahre ein grundsolides Fundament geschaffen, gut genug, dass man die Spartans nicht schon vor Saisonstart abschreibt. QB Andrew Maxwell kommt mit viel Wirbel auf den Campus, RB Le’Veon Brazill Bell war einer von den besseren, effizienteren Running Backs und ist auch ein guter Fänger (35 Catches). 35 Catches, das ist ziemlich genau die Hälfte davon, was alle restlichen im Kader Wide Receivers und Tight Ends zusammen auf dem Buckel haben. Deswegen wird man sich auf die Defense verlassen müssen, deren einzige Schwachstelle das von Worthy hinterlassene Loch mitten in der Defense Line sein dürfte.

Bissl mehr Buzz noch gibt es um die Nebraska Cornhuskers aus den Einöden um Lincoln, die Uni mit dem vielleicht größten Einzugsgebiet für das Recruiting, eine Uni, die aktuell auf Identitätssuche ist. Nicht in Sachen Spielsystem (da bleibt man bei lauflastiger Option-Offense), aber in Sachen: Was wollen wir? War man in den 90ern eine der absolut dominierenden Kräfte, so kratzt man nun Jahr für Jahr an den Top-10, ohne jemals hineingelassen zu werden. Der Gedanke an 9-4 Saisons als Standard treibt dem gemeinen Husker-Fan die blanken Schweißtropfen auf die Stirn.

QB Tyler Martinez taugt da als Projektionsfläche: Er ist zwar nicht der konventionellste Werfer und nicht der explosivste Scrambler, macht aber fast immer seine paar Yards beim 3rd und 3 zum ersten Down und personalisiert damit die unaufgeregte, aber auch nur mäßig entzückende Offense der Huskers. Das könnte heuer zu wenig sein, denn die traditionell starke Defense zeigte sich zuletzt porös und dürfte vor allem in der Front-Four nach Jahren mit Granaten wie Suh oder Crick diesmal wackelig besetzt sein.

Die Iowa Hawkeyes dürften nach etlichen Wechseln im Trainerstab, bei den Skill Players und in beiden Seiten der Schützengräben diesmal keine Rolle an vorderster Front spielen. Unter HC Kirk Ferentz ist man aber ein Muster an Beständigkeit und dürfte somit auch nicht gleich krepieren. Der QB Vandenberg gefällt nur sporadisch, aber gespannt ist man auf die Chemie mit dem fantastischen TE C.J. Fiedorowicz mit seinen ca. 2.05m, und gespannt bin ich auch auf die Defense, nachdem alle Ankündigungen in Richtung „blitz-happy“ zu deuten sind.

Northwestern gehört zu den Unis, die ich als Student mit Ambitionen auf Front-Office und 50k Monatsgehalt ganz gerne besuchen möchte, aber im Football nicht wirklich die große Nummer. Die letzten Jahre unter dem „Magier“, HC Pat Fitzgerald, waren für die Ansprüche der Wildcats so übel nicht, aber nach einem massierten Exodus dürfte man erstmal wieder unten anfangen.

Der absolute Superstar bei Northwestern hört auf den Namen Kain Colter und er hat schon einen Vorvertrag bei Bill Belichick bekommen. Colters Stats von 2011/12:

55 von 82 Pässen  673yds 6 TD  1 INT
126 rushes        726yds 9 TD  5.8yds/Carry
43 catches        458yds 3 TD

Minnesota wird nur, wenn es optimal läuft, in die Bowl Season reinflutschen. Bei Head Coach Jerry Kill sind immer noch die schockierenden Bilder seines Epilepsieanfalls am Seitenrand mitten in einer Liveübertragung im Hirn verankert, bei QB/WR MarQueis Gray muss man erst abwarten, ob er im zweiten Jahr auf der QB-Position mehr Spielverständnis zeigen kann.

Leaders Division

Zwei Teams können wir ganz schnell abhaken: Ohio State und Penn State. Beide wie oben geschrieben diesmal außer Konkurrenz dabei. Die Buckeyes sind aber aus drei Gründen trotzdem spannend. Der erste Grund: Urban Meyer. Der zweite Grund: Urban Meyer. Der dritte Grund: Urban Meyer. Meyer ist einer von den ganz großen Starcoaches, bei denen sich jeder die Fresse fuzzelig sabbert, inklusive Meyer himself. Meyer erwies sich mit seinem Ich habe keine Lust aufs Coachen mehr, deswegen fange ich wieder mit Coachen an-Spielchen als Wendehals und bezog entsprechend ein paar Pfund Prügel. Der Mann ist aber nicht zu unterschätzen, ließ bei Florida mit QB Tebow eine fantastische Option-Offense spielen – und Spielermaterial, das ist bei Ohio State noch nie ein Problem gewesen. Mit Braxton Miller gibt es im Kader auch einen von den laufstarken Quarterbacks in der Tradition Tebows. 2012/13 ist ein Aufbaujahr, bevor in der nächsten Saison der Ernst des Lebens beginnt – wir sehen also Freundschaftsspiele unter Wettkampfbedingungen.

Penn State? Ist für ca. 6-8 Jahre außen vor. Interessant werden drei Dinge: Wie lange wird der Spielerexodus noch anhalten, wann wird Head Coach Bill O’Brien hinschmeißen, und wie ernst ist es Penn States „more than just winning“-Footballpublikum wirklich? (Zuschauerschnitt in den letzten fuffzehn Jahren jeweils über 105000)

Bei Illinois, Indiana und Purdue kann man sportliche Leichtgewichte vermuten. Illinois ist erstmal den unbeliebten Coach Ron Zook los und hat mit Tim Beckman einen lokal erfolgreichen Mann geholt, aber es gibt abseits von QB Scheelhaase und der starken Front-Seven wohl zu viele Fragezeichen. Indiana hat auf seinem Weg zurück aus den Niederungen des College Football keine Siebenmeilenstiefel angelegt, wäre schon froh, wenn die Jungs von Kevin Wilson mal ihre Affinität für gelbe Flaggen ablegen würde. Und Purdue bringt auch kein Entzücken: Der einzige spektakuläre Offensivspieler RB Ralph Bolden ist rekonvaleszent und raucht zu gerne Gras, der out of conference-Schedule ist zu schwer, als dass die Bowl Season drin ist.

Bleiben die Wisconsin Badgers. Und wir wissen, watt datt heißt. HC Bret Bielema hat zuletzt massivste Hünen in den NFL-Draft geschickt, nur um in diesem Jahr wieder eine Unit an Offensive Linemen aufzubieten, wo 12 von 17 Latten über 2m und 16 von 17 Schränke über 140kg sind. Ich war grad im Handel, drei Kisten Bier fürs Drinking Game bei der Saisoneröffnung zu holen.

Keine Frage ist aber: Wisconsin hat Qualität verloren. Es sind einfach zu viele Abgänge: OffCoord Chryst nach Pittsburgh, QB Wilson, WR Toon in die NFL. Nur RB Montee Ball ist noch da, aber wer weiß, wie stark Ball von Wilson profitiert hat. Und Wilson war fraglos der Schlüsselspieler: All die Jahre hatte Wisconsin gutes Laufspiel, aber erst 2011 war mal ein guter Werfer dabei – nur um dann wegen zwei Hail Marys die Chance aufs BCS-Endspiel zu vergeigen. Der neue QB Danny O’Brien, der aus Maryland kommt, ist mir nicht in so besonderer Erinnerung, als dass ich ihn zum neuen Wilson ausrufen möchte.

Über die zuletzt erschreckend schwache Lauf-Defense haben wir da noch gar nicht geredet, aber wie gesagt: Conference-Finalqualifikation sollte aufgrund von Buckeye-Sperre drin sein. Mehr dann wohl auch nicht.

Silvester-Bowls im College Football 2011

Achtung: Dieses Jahr finden am morgigen Neujahrstag keine Bowls im College Football statt, da die NFL ihren letzten Spieltag des Grunddurchgangs abhält. Die traditionellen Neujahrsbowls diesmal am Montag, 2.1. Mit dem Appell, nicht verantwortungslos zu feiern, zu den heutigen Silvester-Bowls für die Partymuffel.


Meineke Car Care Bowl of Texas

Texas A&M Aggies – Northwestern Wildcats

Sa, 31.12. 18h LIVE im ESPN-Player
Tape: So, 1.1. 6h30 bei ESPNA

Da sind zwei Teams mit einer Saisonbilanz von 6-6, aber “6-6” fühlt sich bei beiden sehr unterschiedlich an. Texas A&M gehört bekanntlich zu den von mir immer noch hoch angesehenen Teams, ein Kaliber, das nur gegen Oklahoma höher verlor, ansonsten durch allerhand Freak-Einbrüche Führungen und an sich gute Vorstellungen wegwarf und sich seine letzte Saison in der Big 12 Conference zerschoss. HeadCoach Mike Sherman ist dann auch gefeuert worden, doch heute wird nicht der Nachfolger Kevin Sumlin (von Houston gekommen) coachen, sondern DefCoord Tim DeRuyter, der sich dann auch nach der Partie brav nach Fresno State verzieht, wo er der neue Mann am Steuer sein wird. Alles klar?

Die Aggies leben von einem sehr guten Angriff (496yds/Spiel) um QB Ryan Tannehill (3415yds, 28 TD, 14 INT) und den Top-WR Jeff Fuller, aber die beiden starken Running Backs Michael/Gray sind seit Wochen entweder außer Gefecht oder schwer angeschlagen unterwegs. Northwesterns Defense gilt jedoch immer noch nicht als stark genug, um aTm zu einzubremsen.

Texas A&Ms Defense gilt als ordentlich gegen den Lauf, aber anfällig gegen fliegende Bälle. Die Stärken der Northwestern Wildcats passen da dummerweise genau ins Profil: QB Dan Persa muss in Abwesenheit eines ernst zu nehmenden Laufspiels viel und oft werfen und gilt dann auch als sehr akkurater QB.

Excel spuckt die Aggies trotzdem als 15pts-Favorit aus, wobei noch Fragezeichen bezüglich der Motivation bei den Aggies bleiben. Inwiefern lässt sich der Kader nach dem enttäuschenden Saisonverlauf inklusive verheerender Derbyschlappe gegen Texas vom Interimscoach noch genügend motivieren, um sich ein letztes Mal aufzuraffen?


Hyundai Sun Bowl

Georgia Tech Yellow Jackets – Utah Utes

Sa, 31.12. 20h LIVE bei ESPN America

Billigalternative zum Silvester-Menü: Sun Bowl aus dem warmen New Mexico (Albuquerque). Utah war im ersten Jahr als BCS-Team eine dezente Enttäuschung mit 7-5 in der Pac-12, hatte in der Offense nach einigen Verletzungen nicht viel mehr als den RB John White (1404yds, 14 TD) zu bieten, was sich aber noch recht gut trifft, da Georgia Tech eine schwache Front Seven aufbietet.

Georgia Tech ist unter HeadCoach Paul Johnson mit seiner „flexbone-triple option“-Offense immer ein Hingucker, läuft 316,8yds/Spiel, was sich etwas weniger gut trifft, weil Utahs absolut größte Stärke die Lauf-Defense ist. Die Utes haben zwar heuer keine Option-Offense gesehen, jedoch in den vergangenen Jahren gegen Air Force verteidigt. Die Yellow Jackets gelten trotz aller Pitches und Options als eigenartig abhängig von den Wurfkünsten QB Tevin Washingtons, die in der zweiten Saisonhälfte eher ein nervöses Abzugshändchen waren.

IMHO eine der interessantesten Bowls, was Matchups und Aufeinandertreffen von Stärke und Schwäche angeht. Ich vertraue angesichts einer Unmasse an zu erwartenden Laufspielzügen dem Excel-Spread von 2pts zugunsten Utahs nicht wirklich und sage trotz völliger Unwissenheit über den Sieger kein Spiel voraus, das knapp enden wird.


AutoZone Liberty Bowl

Cincinnati Bearcats – Vanderbilt Commodores

Sa, 31.12. um 21h3o LIVE im ESPN-Player
Sa, 31.12. 23h30 LIVE bei ESPN America (Einstieg in die Endphase)

Wenn man über dieses Spiel ein paar Zeilen verliert, kommt man nicht drum herum, den Umschwung an der gebrandmarkten Verlierer-Universität Vanderbilt (aus Nashville/Tennessee) zu thematisieren:  Jahrelang in der SEC verlacht und verspottet, aber seit letztem Winter sitzt dort der glatzköpfige Offensivgeist James Franklin am Ruder, der dann auch gleich in seiner Debütsaison mehr Siege holte als die letzten beiden Jahre zusammen. QB ist mit Jordan Rodgers der Bruder des großen Aaron, und Jordan fügte sich dann nach anfänglichen Problemen auch ordentlich ein, machte mit seiner Beweglichkeit viele Plays. Cincinnati (9-3) wird nun doch mit seinem in Rekordzeit wieder genesenen QB Zach Collaros antreten können, was essenziell sein könnte, da Vanderbilts Pass Rush zwar als aggressiv gilt, aber die Deckung viele Yards aufgibt – der unerfahrene Backup Munchie Legaux wäre hier vermutlich leichter verbrannt worden (Excel-Spread übrigens: 0,0 Punkte).


Kraft Fight Hunger Bowl

Illinois Fighting Illini – UCLA Bruins

So, 1.1. Tape um 9h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit Potenzial zur schlechtesten College-Bowl seit Äonen: Illinois nach sechs Niederlagen en suite von 6-0 auf 6-6 gefallen und HeadCoach Ron Zook gefeuert, UCLA nach wechselhaftem Saisonverlauf 6-7 mit haushohen Klatschen gegen USC (null zu fuffzich) und Oregon (31-48) zum Abschluss, Head Coach Rick Neuheisl gefeuert und nur dank einer speziellen Klausel trotz negativer Saison überhaupt qualifiziert. Dazu kommt das ungeliebte Baseball-Stadion AT&T von San Francisco als Austragungsort, wo die beiden Teams an derselben Seitenlinie an der 50yds-Linie voneinander getrennt sein. Zum wenig begeisternden Stuff tragen auch die vielen angeschlagenen Running Backs in Illinois’ Angriff und der Zorn der UCLA-Fans auf den frisch eingestellten HeadCoach für 2012, Jim Mora jr., der heute allerdings noch nicht coachen wird, bei. Bei Illinois wird allerdings bereits die neue Fixlösung, Tim Beckman (von Toledo gekommen), die Spielleitung übernehmen.


Chick fil-A Bowl

#25 Auburn Tigers – Virginia Cavaliers

Sa/So, 31.12./1.1. 01h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 1.1. um 12h30 bei ESPN America

Beim Noch-Titelträger Auburn herrscht schlechte Stimmung, weil die Saison in den letzten Wochen noch gegen die Wand gefahren wurde, die Coordinators mittlerweile entlassen oder an anderen Orten Chefcoaches geworden sind (OffCoord Malzahn soll noch dieses letzte Spiel leiten) und die einzige nennenswerte Offensiv-Waffe RB Michael Dyer aus nicht genannten Gründen intern für das Spiel gesperrt wurde. Da hätten wir dann auch gleich unser erstes essenzielles Matchup: Auburns an #104 gerankte Offense ohne seinen besten Mann gegen eine der besten Lauf-Defenses in der FBS.

Virginia, das kleine Virginia, erlebt unter dem leidenschaftlichen Head Coach im zweiten Jahr, Mike London (ein Schwarzer), einen Aufschwung, der sich in einer überraschend starken 8-4 Bilanz widerspiegelt. Im letzten Spiel der Regular Season wurde man zwar von Virginia Tech 38-0 in Grund und Boden gemäht, aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hochzufrieden mit der Entwicklung ist. Stärke ist die Offensive Line, hinter der sich ein ordentliches Laufspiel und ein fehlerarmer QB Michael Rocco entfalten können und gegen die tackling-resistente Defense Auburns etliche Yards zurücklegen sollten.

Auburn geht als nur leichter Favorit in diese Bowl mit dem genialsten aller Sponsornamen – Chick fil-A – (3,1pts), aber ein Cavs-Sieg wäre alles andere als ein Upset.

BCS-Report 2011/12, Uraufführung

Gestern ist das erste BCS-Ranking der laufenden Saison herausgekommen. Für Sideline Reporter bedeutet dies: Wenn in Zukunft die Platzierung einer Manschaft in der Form „#x“ angegeben wird, sprechen wir nicht mehr vom AP-Poll, sondern dem BCS-Ranking. Ja, ich weiß, Umstellungen nerven, aber im College Football entscheidet eben die BCS über Sein und Nicht-Sein.

Wo spielt der Jazz?

Bisher fehlt dem BCS-Rennen 2011/12 trotz (oder gerade wegen?) der vielen ungeschlagenen Mannschaften der Buzz der letzten Jahre, als es spätestens im Oktober serienweise Upsets in den Top-5 und Top-10 gab. Heuer deutet nichts daraufhin, dass da noch ein Massenstolpern kommt, selbst mit einem oder zwei Upsets dürfte da nicht mehr blankes Chaos ausbrechen.

Es läuft scheinbar alles auf zwei, drei ganz große conference-interne Showdowns in SEC und Big 12 hinaus, wenn es um die Endspielteilnehmer in der Bowl Championship Series geht. Ein Überblick, gewohnt misanthropisch.

Die BCS-Standings

#1 Lousiana State Tigers
#2 Alabama Crimson Tide

Zwei Kaliber aus der SEC West, in den Rankings nur hauchdünn auseinander. Beide verfügen über fassungslos gute Defenses, wobei die Unit von LSU unspektakulärer auftritt, aber insgesamt noch den einen Tick beeindruckender war, da sie noch konsequenter spielt, während Alabama insgesamt von drei großartigen Athleten abhängiger scheint (LB Hightower, LB Upshaw, S Barron). Kritikastern auf hohem Niveau.

Alabama verfügt IMHO über die klar bessere Offensive, die um den einen Mann herum gebaut ist, der nun endlich auch in den Medien die verdiente Anerkennung zu bekommen scheint: RB Trent Richardson, der jahrelang hinter dem ihm unterlegenen Mark Ingram versauerte, heuer endlich sein coming out hat. Dazu gesellt sich mit QB A.J. McCarron ein potenziell potenter Quarterback.

Alabama wäre für mich zum jetztigen Zeitpunkt im direkten Duell mit LSU Favorit mit einem Touchdown bis zehn Punkten. Am 5. November ist es soweit.

#3 Oklahoma Sooners

Die Sooners haben bereits zwei ganz fette Ausrufezeichen gesetzt: Auswärtssieg in Florida State, Schlachtfest gegen Texas. Trotzdem fehlt mir irgendwie der nötige Buzz in dieser Mannschaft und ich tue mir schwer, meine Skepsis gegenüber QB Landry Jones abzulegen, der trotz aller großartiger Stats seltsam blass spielt. Oklahoma wird nun in der nicht ganz einfach aussehenden Big 12 bestehen.

#4 Oklahoma State Cowboys

Die Cowboys spielen eine sagenhafte Offense. Punkt. Trotzdem nimmt noch immer kaum jemand die Mannschaft für voll, was an der streckenweise suspekten Defense liegt. Persönlich glaube ich noch nicht an eine BCS-Finalteilnahme von Oklahoma State. Die Mannschaft war zu lange zu anfällig gegen überflüssige Niederlagen. Andererseits halte ich auch ein Upset über Oklahoma am letzten Spieltag für nicht ausgeschlossen.

#5 Boise State Broncos

Für mich sind die Broncos auch ohne Fan-Scheuklappen die drittstärkste Kraft im College Football, im Zweifelsfalle einen Tick nach Alabama/LSU, gegen alle anderen Mannschaften für mich favorisiert. Boise State ist im Kern immer noch die gleiche Mannschaft der letzten Jahre, die sämtlichen Big Cows das Fürchten lehrt, nur dass sie heuer noch einen Tick mächtiger wirkt. Der Opener gegen Georgia war der Augenöffner, die beste Leistung, die ich von den Broncos in den letzten Jahren gesehen habe: Dominant in Offense, Defensive Line (!) und Defensive Back Seven, cool bis unter die Rindeln und angeführt vom außerordentlich souverän und schwer zu beeindruckend wirkenden QB Kellen Moore.

Boises Nachteil: Der Schedule ist so schwach wie bei keiner anderen Top-10 Mannschaft und sogar die schwersten eigenen Gegner Georgia und TCU schauen heuer nicht überragend aus. Aus diesem Grund ist das BCS-Finale mit hoher Wahrscheinlichkeit außer Reichweite, wogegen trotz „non-AQ“-Status die Teilnahme an einer BCS-Bowl fix ausschaut, solange Boise ungeschlagen bleibt. Eine Klausel besagt: Das beste Non-BCS Team ist automatisches „At-large“-Team in BCS-Bowls, wenn es in den Top-12 ist oder Top-16 und besser als ein Champ einer BCS-Conference.

Ich hoffe zum jetztigen Zeitpunkt wenigstens darauf, dass die BCS die Nüsse haben wird, Boise State auf den Verlierer von LSU/Alabama zu matchen (Gott, ich greife da zwei Monate Regular Season vor…).

#6 Wisconsin Badgers

Die Sache mit dem Schedule ist ähnlich wie bei Boise State, außer dass Wisconsin in der Big Ten spielt und somit einen Tick mehr „Credibility“ genießt. Aber aufgepasst: Alles faselt vom zugegeben starken double threat QB Russell Wilson und dem guten Laufspiel, wobei die Schwächen einer schwach tackelnden Defense zu gerne übersehen werden. Michigan State wartet als nächstes: Für mich der Gegner, der qua Anlage am ehesten prädestiniert ist, Wisconsin zu schlagen. Scheitern die Spartans, dürfte Wisconsin tatsächlich ungeschlagen durchmarschieren und möglicherweise unter den richtigen Umständen ins BCS-Finale einziehen (Michigan State könnte im Conference-Endspiel ein zweites Mal drohen und die Rankings dürften unberechenbar speziell für Wisconsin sein).

#7 Clemson Tigers

Das Überraschungsteam der Saison bisher. Clemson galt jahrelang als Sleeper, scheiterte aber stets an der lendenlahmen eigenen Offense. Just diese Offense geigt heuer mächtig auf, weil da der unglaublichen Freshman-WR Sammy Watkins mit seiner Explosivität nicht nur Schulrekorde pulverisiert, sondern auch dem QB Tajh Boyd zu unverhofft gigantischen Stats verhilft. Allerdings gilt Clemson als instabil, musste schon dieses Wochenende ein wundersames Comeback zaubern und dürfte nicht ungeschlagen durch die Regular Season kommen.

#8 Stanford Cardinal

Stanford ist aus qua Reputation seines Quarterbacks Andrew Luck so hoch gerankt, hat ansonsten bislang auch dank schwacher Gegner nicht viel gezeigt, aus dem man Honig für großartige Analysen ziehen könnte. Am Samstag wartet mit den Washington Huskies ein sehr ungemütlicher Gegner, spätestens für das Duell mit Oregon Anfang November erwarte ich die erste Saison-Niederlage für die The Farm.

#9 Arkansas Razorbacks

Die Hogs wurden zwar von Alabama in Grund und Boden gespielt, zeigten ansonsten brillante Ansätze in der Offense (QB Tyler Wilson mit einigen fassungslosen Stats) inklusive einer gar nicht so üblen Defense, die auch gegen Alabama länger als erwartet hielt. Für den ganz großen Wurf halte ich den Angriff allerdings zu eindimensional. Arkansas dürfte eine Außenseiterchance auf eine „At-large“-Einladung in die BCS-Bowls bekommen, wenn sie am letzten Spieltag auswärts LSU putzen können – ein extrem schweres, aber nicht ganz ausgeschlossenes Szenario.

#10 Oregon Ducks

Für mich sind die Oregon Ducks nach Alabama, LSU und Boise State die Nummer 4. Jo, sie wurden von LSU über weite Strecken böse abgewürgt. Jo, sie haben massive Verletzungssorgen und aktuell sind sowohl der Einser-QB Darron Thomas als auch die ultimative Offensivwaffe RB LaMichael James ausgeknockt. Aber einmal in Schwung ist Oregons Angriff unglaublich schwer zu bremsen und ich würde zu gerne ein Re-Match mit einer SEC-Mannschaft sehen.

Die Pac-12 bietet zwar noch Stolpersteine, aber keine rundum überzeugende Defense, die eine halbwegs gesunde Ducks-Offense einzubremsen vermag. Kommt James bis zum Stanford-Kracher 12. November zurück, dürfte Oregon wenigstens in die Rose Bowl durchmarschieren.

#11 Kansas State Wildcats

Die Wildcats um den wuseligen Spaß-QB Collin Klein kriegen dieser Tage viel Presse, schauen aber noch recht unausgetestet aus, eigentlich wie eine dieser Mannschaften, die mit leichtem Auftaktprogramm und gutem Start nach oben gespült werden, mit den ersten beiden richtigen Tests aber ebenso schnell wieder verschwinden. Täusche ich mich? In zwei Wochen kommt #3 Oklahoma, danach geht es Schlag auf Schlag: @ #4 Oklahoma State, vs. #17 Texas A&M, @ #24 Texas. Upsets sind möglich, aber ich verwette meinen Arsch, dass Bill Snyders sympathische Mannschaft da nicht ungeschlagen durchkommt, weil man nicht in jedem Spiel einen Turnover zum genau richtigen Zeitpunkt machen kann.

#12 Virginia Tech Hokies
#13 Nebraska Cornhuskers

Zwei enttäuschende Teams. Während Virginia Tech schaumgebremster nicht spielen könnte und von Clemson ganz übel abgewürgt wurde, zahlen die Huskers bislang Lehrgeld für den Wechsel in die Big Ten: Ihre Defense war jahrelang dafür gebaut, die Passfestivals in der Big 12 zu spoilern, wodurch heuer gegen einen lauflastigen Schedule eklatante Abwehrprobleme zu Tage getreten sind. Nebraska dürfte bis Ende November gegen jeden mächtigeren Rushing-Attack zittern.

#14 South Carolina Gamecocks

Noch liegt South Carolina in der SEC East vorne, aber die letzten Tage waren verheerend: Erst schmiss Steve Spurrier für viele längst überfällig den Eiertreter QB Stephen Garcia von der Uni, dann versuchte Spurrier per Journalistenschelte, die Meute abzulenken, ehe sich am Samstag der fantastische RB Marcus Lattimore eine Knieverletzung zuzog, die seine Saison beendet. Ich sehe nicht, wie sich die Mannschaft dort oben halten will. Schlägt doch noch Georgias Stunde?

#15 West Virginia Mountaineers

Der Pass-Angriff schaut unter dem Offensivgenie Dana Holgorsen bereits recht spektakulär aus, QB Geno Smith ebenso, aber die Abwehr genügt nicht höchsten Ansprüchen und West Virginia dürfte nach der klaren Heimniederlage gegen LSU auch erstmal nur noch über den Gewinn der Big East in eine BCS-Bowl kommen.

#16 Michigan State Spartans

Eine „langweilige“ Mannschaft, der abseits der Geschichte um den ehemaligen Herzinfarkt-Patienten Mark Dantonio (Head Coach) jegliche „Star-Power“ angeht, weswegen kein Mensch die Mannschaft ernst nimmt. Ich hatte das auch lange nicht getan: Trotz 11-1 war MSU 2010/11 eine statistisch auffällig mittelmäßige Mannschaft und wurde in der Bowl Season noch schlimmer als erwartet (und man erwartete eine klare Niederlage) von Alabama niedergemacht. Aber bis dato ist das eine rundum komplette, souveräne, disziplinierte Defensivleistung, gepaart mit einem unspektakulären Angriff, dessen Lauflastigkeit die Winde von East Lansing zum eigenen Vorteil nützt.

#17 Texas A&M Aggies

Die Mannschaft ist deutlich unter Wert geschlagen, nachdem man sowohl Oklahoma State, als auch Arkansas eigentlich hätte schlagen müssen, aber wie man diese Spiele noch verlor, geht eigentlich auf keine Kuhhaut mehr. Das sind Zeichen einer wachsenden Mannschaft, die mental noch nicht stabil genug ist, um mit plötzlichen Favoritenrollen zurecht zu kommen. Wird besser werden.

Sollte aTm allerdings noch weitere Spiele wegwerfen, dürfte auch eine Rasur von Head Coach Mike Sherman nicht ausgeschlossen sein.

#18 Michigan Wolverines

Die Defense ist wirklich besser als früher, aber der Angriff ist höllisch unberechenbar, wobei ich nicht bloß an die Niederlage gegen Michigan State denke, sondern insbesondere auch an den fassungslosen Schlager gegen Notre Dame zu Saisonbeginn, als QB Denard Robinson 338yds warf, aber nur 11 von 24 (!!!) Pässen komplettierte, für 4 TD und 3 INT. Damit dürfte alles gesagt sein.

#19 Houston Cougars

Case Keenum produziert erwartet starke Stats und Houston, einer meiner Sleeper, ist bereits in den Top-20 gerankt. Ohne ein Spiel der Coogs gesehen zu haben: Die Mannschaft soll durch und durch blass spielen und den Eindruck erwecken, dass da viel, viel mehr möglich wäre. Andererseits könnte auch eine ungeschlagene Saison drin sein und dann erleben wir vielleicht qua Saisonbilanz die Top-10… SMU wird ein ernsthafter Test werden.

#20 Auburn Tigers

Spannende Mannschaft. Auburn ist nicht so schlecht, wie sich im ersten Saisonspiel gegen Utah State angedeutet hatte mit all seinen missed tackles, und sie wirkt streckenweise richtig explosiv im Angriff. Dann kommen aber immer wieder diese schlechten Momente, die von gutem Gegnern eiskalt bestraft werden. Pikant ist, dass die Offense unter dem einst als #1 gesehenen, dann zur #2 und #3 degradierten, nun wieder zurückgekommenen QB Clint Trickett am souveränsten aussieht.

#21 Penn State Nittany Lions

Sehr solide, phasenweise richtig gut aussehende Defense, aber meine Fresse, diese Pass-Offense liegt irgendwo fuffzig Meter unter der Erde begraben: QB Rob Bolden wirft sogar für INTs zu unpräzise, QB Matt McGloin ist qua Armschwäche außerstande, das Ei weiter als 10yds zu werfen. Für den Rest der Saison braucht es überragende Abwehrleistungen, um sich durchlavieren zu können und vielleicht Wisconsin zu stoppen.

#22 Georgia Tech Bulldogs Yellow Jackets
#23 Illinois Fighting Illini
#24 Texas Longhorns

Drei Mannschaften, die möglicherweise eines eint: Ein recht einfacher Schedule zu Beginn, dadurch überproportional viele Siege geholt und gegen adequate Gegnerschaft auf Normalmaß gestutzt. Texas sieht allerdings wie eine gefährliche Mannschaft aus, die mit diesem Herbst als Lernprozess in naher Zukunft wieder lauter um BCS-Bowls mitreden werden.

#25 Washington Huskies

Meine Hochachtung, was Steve Sarkisian da in Seattle zusammenbaut. Der Angriff sieht richtig gut aus, QB Keith Price ist wurftechnisch ein massives Upgrade gegenüber dem hohen NFL-Pick Jake Locker und RB Chris Polk läuft über sämtliche Defenses einfach drüber. Hätte man eine bessere Lauf-Defense, man würde ernst genommen – so aber dürfte es gegen Oregon zu 350yds kassierten Laufspiel-Yards führen. @Stanford und @USC sind weitere unangenehme Orte, aber für die nächsten Jahre sollte man sich die Mannschaft mal vormerken.

Notre Dame ist nicht in den Top-25 gerankt, wird dort aber früher oder später auftauchen. Die Mannschaft hat nicht nur mediale Präsenz genug dafür, sondern auch brach liegendes Potenzial in der Offense, die bei dieser Defense nicht mal überragend spielen muss, um Notre Dame in jedem Spiel zu halten. Solide Leistungen reichen – die gab es bislang zu selten. Florida State ist wie auch Miami und Florida ein weiterer Kandidat für eine Top-25 Platzierung. Alle drei Unis haben derzeit mit Wehwehchen an verschiedenen Fronten zu kämpfen, aber es wurde insbesondere in FSUs Team genügend Potenzial angedeutet, als dass sie nicht letzten Endes wenigstens 8-4 enden.

Meine persönlichen Top-10

#1 Alabama
#2 Lousiana State
#3 Boise State
#4 Oregon
#5 Oklahoma
#6 Oklahoma State
#7 Michigan State
#8 Texas A&M
#9 Stanford
#10 Wisconsin

Auffallend: Nach den Top-5 wird es bereits schwer, weil nach Oklahoma eine gefühlte Lücke klafft. Clemson rauszuwählen tut mir weh, da ich die begeisternde Offense mag, aber ehrlicherweise dürfte Clemson gegen eine ernsthafte Defense vor ärgeren Problemen stehen. Wisconsin ist mir zu ungetestet. Respekt, dass sie die eklatanten Schwächen von Nebraska kaltblütig ausgenutzt haben, nun aber wartet auswärts mit Michigan State der möglicherweise unangenehmste Gegner der verbleibenden Saison (vielleicht noch Penn State).

College Football 2011/12 Preview: Big Ten Conference

Wir sind auf die Zielgerade eingebogen, heute im neunten Teil dran: Die Big Ten Conference um die Großen Seen, die älteste und nach eigenem Verständnis „klassischste“ Conference, die schon seit über 100 Jahren in Betrieb ist und nach der Addition der zwölften Mannschaft – Nebraska – ihren Altersschnitt noch einmal um zirka 150 Jahre erhöht haben dürfte. Das Ego der Conference spiegelt sich in den beiden Namen der neu geschaffenen Divisions wider: Gestatten, Leaders Division und Legends Division. Zwei nicht unkontrovers diskutierte Namen für zwei willkürlich verteilte Divisionen, da man sich gegen eine geographische Verteilung entschieden hat, um ein Endspiel Michigan – Ohio State nicht a priori zu verhindern und trotzdem gleichzeitig halbwegs gleichstarke Divisionen zu erhalten.

In der Big Ten sind die alteingesessenen Traditionalisten am Werk und die Uni-Präsidenten noch Ü70 – und hier sind die größten Gegner eines Playoff-Systems zuhause. Man positioniert sich als Terrain für Liebhaber der alten Zeit – um das eigens neu kreierte Endspiel in einer Halle (Indianapolis) auszutragen.

Leaders Division

Favorisiert in der Leaders Division werden die Wisconsin Badgers sein, die zu Neujahr die Rose Bowl knapp, aber verdient gegen TCU verloren. Wisconsin, das bedeutet in allererster Linie: Physis. Keine Übertragung, während der nicht mindestens fünfmal die korpulente Offensive Line erwähnt wird, kein Spiel, in dem nicht primär auf eine Handvoll starker Running Backs vertraut wird – dabei zeigte sich RB Montee Ball als agiler und wendiger, als er mir aus der vergangenen Saison in Erinnerung ist. Der meistdiskutierte Spieler ist der (neue) Quarterback: Russell Wilson, ein solider, beweglicher und wurfstarker Neuankömmling von NC State, wo Wilson ohne ersichtliche Gründe weggemobbt wurde. Dank Wilson sollte die Offense auch in dieser Saison unterdurchschnittlich spektakulär, aber überdurchschnittlich effizient sein.

Die Defense bleibt bis auf den Abgang von DE J.J. Watt (Houston Texans) relativ intakt, muss aber mit einem neuen Coordinator zurecht kommen. Es ist eine Defense, die gerne Druck auf den Quarterback ausübt und sich auch nicht scheut, Defensive Backs auf Blitzes zu schicken – allerdings hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, dass Wisconsins Secondary dabei unverhältnismäßig oft entblößt wird. Könnte in dieser Saison allerdings nicht allzu schwer ins Gewicht fallen, da man fast ausschließlich gegen lauforientierte Mannschaften spielt.

Dank aufgeflogener Korruption und NCAA-Ermittlung eine wüste, sehr wüste Zeit hat die Ohio State University hinter sich, und das führte letzten Endes sogar zum Rausschmiss von Pollunder-Chefcoach Jim Tressel und QB Terrelle Pryor, zu selbst auferlegten Sanktionen, um einer harten Bestrafung durch die beliebig dehnbaren NCAA-Regularien zu entgehen. Die Aufregung und der Hass auf Pryor/Tressel waren groß, nun steht die Mannschaft vor einem kleineren Umbruch, mit dem Interims-Coach Luke Fickell, der einen Herbst Zeit hat das Unmögliche (mindestens Rose Bowl) zu schaffen, bevor er von einem ganz großen Namen abgelöst werden soll.

Die Zeit nach Medienstar Pryor wird nun von der Suche nach dem neuen Quarterback geprägt sein. Währenddessen werden die Stars der Offense LT Mike Adams und RB Dan Herron sein – beides Spieler, die im ersten Monat im Zuge der Pryor-Affäre noch gesperrt sind. Noch problematischer ist die Defense, wo nur vier Starter zurückkehren.

Klingt alles erstmal etwas happig, aber Ohio State gehört zu den wenigen Programmen, die prinzipiell nur bei den absoluten Top-Recruits mit irgendwelchen Zuwendungen abseits der Stipendien nachhelfen müssen – der Kader ist sehr breit und sehr tief, da sämtliche größeren Talente aus Ohios Schulen zu den Buckeyes wollen.

Nie mit Korruption in Verbindung gebracht werden die Penn State Nittany Lions, das Programm mit dem Coach schlechthin, Joe Paterno. Der Mann ist ziemlich fassungslos – seit er 1966 Head Coach wurde, hat es in der FBS 880 Trainerwechsel gegeben. Paterno steht immer noch an Penn States Seitenlinie, dieses Mal im 62. Jahr hintereinander, im 46. Jahr als Chef. Paterno ist 84, aber ein Erfolgsrun von 2006-2009 hat die aufkommende Angst der Vergreisung erstmal etwas eingedämpft und Paterno kommuniziert sogar gar zeitgemäß via Skype und Facebook mit seinen Spielern. Trotzdem erzähle man mir nicht, dass man mit 84 noch die Arbeit eines Vierzigjährigen machen kann. Und trotzdem: Joe Paterno ist einfach gut. Gut für Penn State, gut für den College Football. Die große Eminenz, die schlicht abgehen würde.

[Anm. 28. Juli 2012 – Der Sandusky-Skandal rückt die Aussagen über Paterno nachträglich in ein anderes Licht – korsakoff]

Die Nittany Lions gelten nach dem erwartet zähen Herbst 2010/11 wieder als BigTen-Titelkandidat. Es gibt zwar größere Fragezeichen auf der Quarterback-Position, aber die Offense wird allgemein als richtig schön durchgemischt erwartet. In der Defense liegt das Hauptaugenmerk auf dem Pass Rush (von 37 Sacks 2009 auf 17 im letzten Herbst), der allerdings allein qua Rückkehr der Verletzten als deutlich verbessert angenommen wird.

Bleibt der Schedule: Zum Einrollen ein paar mittelmäßige BigTen-Gegner und der Kracher gegen Alabama, ehe es im November nacheinander gegen Nebraska, @Ohio State und @Wisconsin geht.

Dem Rest-Trio werden allenfalls Chancen zum Spoilern für Zwischendurch eingeräumt. Für die Illinois Fighting Illini ein Traumszenario, denn immer wenn Illinois unter dem Head Coach Ron Zook unterschätzt wird, war Illinois zuletzt gefährlich. So 2010/11, als man mit Freshman-QB und nach einer ganz schwachen Vorsaison plötzlich mit der Grundlage eines Top-Laufspiels zur Bowl Season durchstartete. Nun ist RB Leshoure ein paar Meilen weiter nördlich (Detroit Lions) auf der Verletztenliste, aber QB Nathan Scheelhaase ein Jahr erfahrener. Scheelhaase brauchte im letzten Herbst ein paar Spiele Anlaufzeit (4 TD, 7 INT), ehe er in den letzten Wochen sensationell aufgeigte (13 TD, 1 INT) – allein, genau dann kollabierte die Defense. In der Bowl Season fiel Scheelhaase als unpräziser Werfer auf, aber immerhin als einer, der auch bei zusammenbrechender Pocket cool bleibt und lieber ein blaues Auge denn einen sicheren incomplete pass mitnimmt.

Unterschiedlich ist die Stimmung bei den beiden Unis aus dem Bundesstaat Indiana. Die private Purdue University muss nach einer fürchterlichen Schlussphase im vergangenen Herbst (0-6) einen halb abgesägten Coach Danny Hoke mitschleppen, und in der Offense auf den #1-QB Robin Marve nach dessen zweitem Kreuzbandriss verzichten. Weil auch der Einser-RB Ralph Bolden, ein Riesentalent, alle Bänder im Knie kaputt hat, steht und fällt die Offense mit dem von allen anerkannten „Typen“ QB Rob Henry, der flinke Füße besitzt, aber ganz fürchterliche Pässe wirft – dazu gesellen sich eine Handvoll unerfahrener Wide Receivers und eine Defense, die auf den besten Mann DE Ryan Kerrigan verzichten muss. Das Positive zum Schluss: Die Boilermakers („Kesselflicker“) dürften dank einfachem Schedule gut in die Saison kommen – und am Saisonende wartet dann das Lokalderby gegen die größte staatliche Uni…

…die Indiana University aus Bloomington, wo 2010/11 dank einbrechender Defense eine einzige Enttäuschung war – nun ist ein neuer Head Coach da, ein OFFENSIVgenie, Kevin Wilson, der Stratege hinter der spektakulären Offense der Oklahoma Sooners von 2008/09, die sämtliche Rekorde brach. Als DefCoord hat man sich den populären Mike Ekeler aus Nebraska angelacht. Die Grundstimmung in Bloomington soll nach Erzählungen aus erster Hand auch so schlecht nicht sein und man ist auf alle Fälle stolz, zwei so prominente Gesichter wie Wilson/Ekeler angelockt zu haben…

…und dann kam im Juli die Meldung schlechthin: Der an #1 gerankte Quarterback aus den High Schools quer durch die Lande, QB Gunner Kiel, scheint sich für Indiana/Bloomington entschieden zu haben. Man erzähle mir nicht, hinter dieser Entscheidung stünde NICHT Kevin Wilson.

Der harte Teil kommt allerdings noch: Beide Top-WRs müssen ersetzt werden, dazu gibt es keinen überzeugenden Quarterback (Kiel kommt schließlich erst NACH der Saison) und eine Defense, die zuletzt 6,6yds/Play über eine komplette Saison hinweg zuließ.

Legends Division

In der Spitze um einiges breiter aufgestellt wird die Parallel-Division „Legends“ sein, wo der Neuankömmling Nebraska Cornhuskers schon in Jahr eins als Topfavorit gehandelt wird. Nebraska, das Team, das wie die Faust aufs Auge auf die Big 12 Conference gepasst hatte, und das rechtzeitig vor dem nahenden Implosion dieser Conference abgesprungen ist und dafür Jahrtausende alte Traditionen aufgab, namentlich Spiele gegen Colorado, Iowa State oder Kansas.

Die Mannschaft ist eine offensiv wenig spektakuläre. Nachdem der wurforientierte Bill Callahan (der Bill Callahan!) mit Schimpf und Schande verjagt worden war, übernahm mit LSUs Defensive Coordinator Bo Pelini zur Saison 2008/09 wieder ein traditionellerer Coach des Cheftrainersessel. Pelini ist ein Mann, der sofort ins Auge sticht, einer, der fünfmal pro Spiel die Schiris zusammenscheißt und schon mal an der Seitenlinie ausrastet. Das passt im Prinzip nicht zu seiner Offense, die mitunter trotz einiger Sprinter etwas untertemperiert spielt.

Hier wird gelaufen, was das Zeug hält, und der Quarterback passt genau in dieses Schema: QB Tyler Martinez ist ein extrem flinker Mann, kein guter Werfer, aber vor allem einer, der zuletzt mit wachsendem Druck so seine Problemchen hatte. Man gibt Martinez noch einmal eine Chance, aber womöglich scheut man sich in Nebraska nicht, bei stagnierenden Leistungen den Mann zu ersetzen. Was aber eh wurscht ist.

Denn der „Star“ in Nebraska ist die Defense, die trotz vieler Abgänger in den letzten Jahren (Suh, Amukamara, anyone?) jahrein, jahraus ganz weit oben gerankt ist. Wir haben eine dominante Defensive Line und eine Pass-Abwehr, die nur etwas mehr als 150yds/Spiel zulässt und doppelt so viele Interceptions macht wie Touchdowns zulässt. Der herausstechende Mann ist DT Jared Crick, ein Name, den man sich für die NFL vormerken kann.

Auf alle Fälle vormerken: Heimspiele der Cornhuskers. Das Heimstadion ist seit über 50 Jahren dauerausverkauft – und fasst immerhin 85000 Leute (diverse Quellen sprechen davon, dass bei wichtigen Heimspiele zusätzliche 70000 vor dem Stadion Party machen).

Ein Zuschauermagnet wie Nebraska sind auch die Michigan Wolverines, Stichwort The Big House, 111.000 Zuschauer und fast immer sechsstellig besetzt. Die Stimmung in Ann Arbor ist euphorisch wie lange nicht, was hauptsächlich am Trainerwechsel liegt. Der v-e-r-h-a-s-s-t-e Rich Rodriguez, ein Windhund und Offensivgeist, wurde gegen Brady Hoke ausgetauscht. Hokes Haupt-Empfehlung?

„I’m a Michigan man.“

Das wäre LSUs Les Miles auch gewesen, aber Michigans #1-Kandidat wollte nicht.

Der neue Trainerstab wird just in dem Moment installiert, wo die Offense zu klicken begann und der schwarze Flitzer QB Denard Robinson regelmäßig Anzeichen von Brillanz zeigte. Aber Rodriguez‘ Probleme waren hausgemacht: Sich mit überhöhtem Trainingspensum Besuche der NCAA-Moralapostel angelacht und eine spektakuläre Option-Offense unter völliger Missachtung der Defense spielen lassen. Und wer weiß, wie viele Tonnen Tradition Michigans Programm mit sich schleppt, weiß, wie unflexibel man an solcher Stelle auf wenig physische Defenses reagiert – das soll unter Hoke schnellstmöglich abgestellt werden.

Im Stimmungshoch ist man auch bei den Michigan State Spartans in East Lansing, wo man zuletzt trotz grauer statistischer Mittelmäßigkeit eine 11-2 Bilanz hinknallte, allerdings in der Capital One Bowl von Alabama sagenhaft niedergemacht wurde (u.a. minus 49yds rushing, wobei Sacks als Laufspiel gewertet werden). Story der vergangenen Saison war die Wiedergenesung von Head Coach Mark Dantonio, der nach einem Herzinfarkt mitten in der Saison gegen Saisonende zurückkehrte, aber man darf ohne schiefe Blicke daran zweifeln, ob die Spartans noch einmal eine solche Saison hinlegen können.

QB Kirk Cousins ist ein blässlicher Mann ohne Allüren und passt damit wie die Faust aufs Auge auf diese Mannschaft. Die Offense baut auf ein triple headed monster im Laufspiel: Edwin Baker, Le’Veon Bell und Larry Caper, unbekannte Namen, aber an guten Tagen schwer aufzuhalten. Allerdings sorge ich mich um die Defense, die zwar über eine ordentliche Line verfügt, aber mit LB Greg Jones Herz, Seele und Kopf verloren hat und gegen Alabama bloßgestellt wurde.

Ein dark horse ist die akademisch berühmte Northwestern University, dort wo der durch die Lande heiß begehrte Pat Fitzgerald coacht und sich von diversen hochkarätigen Angeboten nicht den Kopf verdrehen lässt. Fitzgerald ist auch nach fünf Jahren Head-Coaching ein blutjunger Mann und eine Legende in Evanston – in den 90ern waren die Northwestern Wildcats zweimal BigTen-Champ mit dem absoluten Leadertypen Fitzgerald als Linebacker.

Einen Star hat die Mannschaft auch 2011/12: QB Dan Persa, der in diversen Heisman-Trophy-Vorauswahlen auftaucht. Persa war in der vergangenen Saison stark, verletzte sich und Northwesterns Saison ging den Bach runter. Persa soll nun wieder fit sein und man darf sich wieder auf Dutzende rattenscharfe Pässe und Scrambles freuen. Persas Scrambling war auch der Grund, weshalb Northwesterns Lauf-Angriff wenigstens halbwegs Zahlen (3.6yds/Carry) vorweisen kann. Anders gesagt: Ohne den Quarterback geht hier nichts. In der Defense wird man sich darauf konzentrieren müssen, den Lauf besser zu stoppen – vergangene Saison machte Illinoir fassungslose 519yds Laufspiel (!!!) in EINEM Spiel gegen die Wildcats.

Die Iowa Hawkeyes waren zuletzt lange Zeit in den Polls ganz vorne dabei, verloren aber seit Mitte November sämtliche Spiele, ihren Star-QB Rick Stanzi und die besten Abwehrspieler DE Clayborn/S Sash an die NFL, Star-RB Adam Robinson ans Polizeirevier und zwischendurch die halbe Mannschaft mit mysteriösem Muskelschwund an die Intensivstation.

Nun ist man nicht gerankt – ein gutes Omen? Unter Head Coach Kirk Ferentz haben die Hawkeyes die Angewohnheit, immer dann in die Rankings zu klettern, wenn sie im Sommer davon ausgeschlossen sind – und analog immer rauszufallen, wenn sie im Sommer als Top-25 Team gelten.

QB James Valkenburg ist der neue Stanzi und mit RB Marcus Coker hat man einen massiven Mann im Kader: In der Insight Bowl pflügte sich Coker in 33 Versuchen (!) über 219yds durch die nicht zu unterschätzende Defense von Mizzou. In der Defense kehrt der geliebte Coordinator Norm Parker nach akutem Diabetes-Problem zurück, muss aber auf seiner Mission nach mehr Speed (also: Geschwindigkeit) in der Defense auf sämtliche in die NFL abgewanderten Top-Leute verzichten. Dank einfachem Schedule bis Mitte November darf man Iowa mit ihrem fantastischen Publikum aber durchaus acht, neun Siege zutrauen.

Keine Chance in diesem Jahr räumt man den Minnesota Golden Gophers ein, wo 2011/12 in den Ordner „Grundlagenarbeit“ gelegt werden kann. Der neue Coach Jerry Kill ist ein Langweiler von einem Typ, ein Mann ohne größere Referenzen, der aber überall Erfolge vorweisen konnte. Anders gesagt: Kein Starcoach, sondern ein Football-Coach. Dazu passt auch die Philosophie des Mannes:

Run the ball, don’t turn it over in the passing game, get to the quarterback and stop the run.

Ein diametraler Gegensatz zum Vorgänger Tim Brewster. Erste Aktion Kills: WR MarQueis Gray wird zum Quarterback umgeschult und soll hinter einer wackeligen Offensive Line auch auf eigene Faust Plays machen. In der Defense wird unter dem Kill-Buddy Tracy Clarey härtestes Hitten erwartet. Allein, heuer darf man nicht mit vielen Siegen rechnen. Die Conference rüstet anderweitig gerade massiv auf und Minnesotas Schedule ist für dieses Mal kaum machbar.

Teil 10 heute Nachmittag, und es wird also doch die offensivgewaltige Conference sein, nach der hier schon mehrmals gekräht wurde – ich habe mich dazu entschieden, doch alles bis morgen Nachmittag abgearbeitet zu haben. Gehört sich einfach so. Also schnell wieder die Fingerchen lockern…

Bowl Season 2010/11, Tag 9: Triplepack oder das Beste erst frühmorgens

Ganz fetter Tag mit drei Live-Übertragungen bei ESPN America.

Military Bowl Presented By Northrop Grumman

Mi., 29.12. um 20h30 live bei ESPN America

Maryland Terrapins – East Carolina Pirates

Military Bowl. Formerly known as EagleBank Bowl, und eine dieser Retorten-Bowls der letzten Jahre (seit 2008 ausgespielt). Military… Da passt der Sponsor, der den B-2 Bomber baut, nur allzu gut. Northrop Grumman.

Viel niedlicher ist da schon das Titeltier der University of Maryland: Eine dahinvegetierende Schildkröte. „Dahinvegetieren“ ist ein gutes Stichwort, wenn man über die Terrapins in den letzten Jahren spricht. Unter dem extrem beleibten Coach Ralph Friedgen gab es zuletzt ein Auf und Ab. Friedgen ist seit 10 Jahren Coach in Maryland, nach einem ACC-Titel im ersten Jahr gab es danach viele durchwachsene Saisons, mit dem negativen Höhepunkt von 2-10 im Vorjahr.

Heuer ging es mit Freshman-QB Danny O’Brien (nur 56% Completion Rate, aber TD-INT Ratio von immerhin 21-6) wieder erkennbar aufwärts: 8-4 und am letzten Spieltag den NC State Wolfpack die Saison vermiest. Trotzdem muss Friedgen gehen. Das Management der Terps will Friedgen wohl so dringend beseitigt wissen, dass man ihm freiwillig immerhin 2 Mio. Dollar dafür bezahlt, dass er sein letztes Vertragsjahr 2011 nicht mehr coacht. Ganz schuldlos an der Entlassung ist auch der Abgang von OffCoord James Franklin (Vanderbilt) nicht. Franklin machte einen auf Mangini und begann damit, fein säuberlich die Assistenztrainer aus Maryland mitzunehmen. Die Militärbowl ist nun also das Abschiedsspiel für Friedgen.

Der Austragungsort könnte dabei nicht besser sein: Das alte RFK Stadium in Washington, nur 15km vom Uni-Campus entfernt. Die Bowl könnte gut besucht sein, zumal auch der Gegner East Carolina Pirates nicht weit entfernt liegt – für amerikanische Verhältnisse: Fünf Stunden.

Die Pirates passen mit ihrem Logo, das unweigerlich an Jim Knopf und die Wilde 13 erinnert, optisch schon besser zur Military Bowl. Die Pirates werden seit einem Jahr von einem der wenigen schwarzen Head Coaches, Ruffin McNeill, trainiert. 6-6 ist die Bilanz im Rookie-Jahr, und obwohl McNeill eher der defensiven Seite zuzuordnen ist, präsentieren sich die Pirates als offensivgewaltig. Unter Wandervogel-QB Dominique Davis (Boston College, Fort Scott, nun East Carolina) ist man eine passgewaltige Offense, die sämtliche Schulrekorde gesprengt hat. 36TDs, 3699yds. Da drücken wir mal ein Auge zu, dass es nur zu Platz zwei in der mäßigen Conference USA gereicht hat.

Vorteil Terps, ganz klar. Der 7pts-Spread in den Wettbüros ist mir zu klein.

Texas Bowl

Mi./Do., 29.12. um 00h00 live bei ESPN America

Baylor Bears – Illinois Fighting Illini

Nächste Retortenbowl. Die Texas Bowl kommt ohne Sponsor aus, zahlt aber dementsprechend nur sehr wenig Geld aus (weniger als 1M pro Conference). Gespielt wird im riesigen Reliant Stadium in Houston, und dank guter Teamwahl war das Spiel bei den bisherigen vier Ausgaben stets ordentlich besucht. Mit der Baptistenuni Baylor ist auch diesmal ein texanisches Team dabei.

Die Bears sind keine der Größen. Zu Zeiten der Southwestern Conference war das mal ein respektables Team, aber seit deren Zusammenbruch und der Fusion zur Big 12 war man lange nicht mehr in einer Bowl dabei. Sehr lange – seit 16 Jahren. Heuer spielte man eine für Baylors Verhältnisse sehr, sehr gute Saison, mit dem Highlight eines Auswärtssieges bei den Texas Longhorns vor 100.000 Zuschauern in Austin. Am Ende war die Bilanz 7-5, nach einer Niederlagenserie zum Saisonende. Zwischendurch war man sogar mal in den Rankings dabei.

Der QB Robert Griffin spielt eine sehr gute Saison, wenn man diese letzten drei Spiele eben ausnimmt, die alle verloren wurden. Griffin ist wurfgewaltig (3195yds, 21TDs), aber auch laufstark (591yds, 8TDs).

Gegner Illinois spielt unter Ron Zook (jo, der Mann, der Florida in Grund und Boden gecoacht hat) eine Option-basierte Offense mit dem perfekten QB dafür: Nathan Scheelhaase, recht passstark (1500yds, 17TDs) und sehr laufstark (815yds, 4 TDs). Arbeitstier in der Offense ist der RB #5 Mikel Leshoure (1513yds, 14TDs), der gegen die Northwestern 330yds gemacht hat. Ähnliche Voraussetzungen also für beide Mannschaften.

Die Wettbüros sehen das ähnlich: Nur mit 2pts ist Baylor favorisiert.

Valero Alamo Bowl

Mi./Do., 29.12. um 03h15 live bei ESPN America, Tape am 30.12. um 9h morgens

#14 Oklahoma State Cowboys – Arizona Wildcats

Geradezu eine Traditionsbowl im Vergleich zu den anderen beiden ist die Alamo Bowl in San Antonio, Texas (seit 1993). Gespielt wird im sinnlosesten Stadion ever, dem Alamodome, das einst gebaut wurde, um eine NFL-Mannschaft anzulocken. Der Versuch ist fehlgeschlagen und so braucht man in San Antonio händeringend Veranstaltungen, um die Betriebskosten der riesigen Halle zu decken. Eine Bowl mit 3 Millionen Dollar Playout ist da nicht die unattraktivste Möglichkeit.

Die Oklahoma State Cowboys kommen da gerade recht. Ein Team, nicht allzu weit entfernt beheimatet und extrem offensivgewaltig. Mit QB Brandon Weeden (4037yds, 32TDs, 13 INTs) und WR Justin Blackmon (102 Catches (!) für 1663yds, 18TDs) ist hier eine Combo am Werk, die weiß, wie man Yards zurücklegt. Dazu gesellt sich ein Star-RB wie Kendall Hunter (1516yds, 16 TDs), bei dem man noch nicht ganz so genau weiß, ob er nur ein Produkt der Pass-Entlastung, oder wirklich so gut ist.

Die Cowboys sind allerdings noch im Aufbau – und so setzte es gegen die routinierten Mannschaften die einzigen beiden Saisonniederlagen (Nebraska und nach wildem Schlussviertel auch gegen Oklahoma).

Gegen die Sooners von Coach Bob Stoops verpassten die Cowboys durch das 41-47 auch die Chance auf Big-12-Finale und in weiterer Folge die Fiesta Bowl. Nun kommt in der Alamo Bowl Arizona daher, Arizona auch mit einem Stoops an der Spitze: Mike Stoops, der Bruder von Sooners Bob.

Die Wildcats haben über weite Strecken eine starke Saison gespielt. Allerdings folgte dann ein fürchterlicher November mit vier Niederlagen in Serie. Fast prototypisch war das Spiel in Eugene, Oregon. Nach erster Hälfte mit massiven Big Plays und 19-14 Führung folgte der Einbruch in Halbzeit zwei. Am Ende eine glasklare 29-48 Pleite bei den Ducks. Dabei ist QB Nick Foles nicht der allerschlechteste.

Schlecht bei den Wildcats ist vor allem die Lauf-Defense.

Ich sehe einen Sieg und insgesamt viele Punkte für Oklahoma State kommen. Obwohl die Wildcats jetzt ein paar Wochen Zeit hatten, sich nach dem desaströsen Saisonfinale wieder zu sammeln: Die beiden Top-Offenses, die sie bisher serviert bekommen haben (Oregon, Stanford), haben den Wildcats mal eben 90 Punkte eingeschenkt.