College Football 2019 Preview: Big 12 Conference

Die Big 12 Conference ist die große Redneck-Conference des College Football, mit den Flagship-Unis der Bundestaaten Texas und Oklahoma im Zentrum. Weiterlesen

Akademische Viertelstunde – Woche 10: Nach der Vorentscheidung ist vor der Entscheidung

Rückschau auf Spieltag 10 im College Football. November hat bereits zugeschlagen… aber das war eh klar. Weiterlesen

Samstagsvorschauer – Spieltag 9

Letzter Spieltag im Oktober, bevor der College Football ab nächster Woche auf die Zielgerade einbiegt und einen November bestreitet, der heiß zu werden verspricht. Die Kracher von heute konzentrieren sich auf die 21h30-Schicht. Weiterlesen

Akademische Viertelstunde nach Thanksgiving: Licht ins Dunkel

Das Thanksgiving-Wochenende hat sehr viel Erhellendes in das Meisterschaftsrennen des College Football 20125/16 gebracht. Das gröbste Chaos ist aufgeräumt. Freilich kann es am nächsten Wochenende noch einmal zu kleineren Erschütterungen kommen. Weiterlesen

Shortlist für Week 3 | College Football 2014/15

Dritter Spieltag im College-Football in der laufenden Saison 2014/15. SPORT1 US hat heute Nacht folgendes Programm im Petto:

13.9.     18h00 LIVE Virginia Tech – East Carolina
13.9.     21h30 LIVE Iowa – Iowa State
13./14.9. 02h00 LIVE Oklahoma – Tennessee
   14.9. 06h00 Tape Miami/FL – Arkansas State
   14.9. 08h30 Tape Boston College - USC

Ab 21h30 wird die “CyHawk” Rivalry zwischen den Iowa Hawkeyes und den Iowa State Cyclones übertragen. Iowa und Iowa State liegen Campus-zu-Campus keine 200km voneinander entfernt und haben eine sehr lange gemeinsame Tradition: 1894 hat man das erste Mal gegeneinander gespielt. Obwohl beide Universitäten schon so lange Footballprogramme unterhalten, haben sie nie gemeinsam in einer Conference gespielt: Iowa gehört seit jeher der Big Ten Conference bzw. ihren Vorgängern an, Iowa State war immer schon eher orientiert Richtung Great Plains, spielte in der Big 8 und später der Big 12 Conference. Weiterlesen

Silvester-Bowls 2013 Preview

Nach der besinnlichen Feier letzte Woche folgt heute die besinnungslose Party. Wer uninteressiert dran ist, sich beim Böllern die Griffel wegzusprengen und lieber College Football Bowl Season guckt, dem sei diese Silvester-Preview gewidmet.

Music City Bowl

Vanderbilt Commodores – NC State Wolfpack

18h LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Vanderbilt

WR #87 Jordan Matthews
CB #8  Trey Wilson
RB #2  Zac Stacy
QB #11 Jordan Rodgers

N.C. State

QB #8  Mike Glennon
CB #1  David Amerson
S  #27 Earl Wolff

Die Vanderbilt University (8-4) gehört als Eliteschule nicht unbedingt zu den traditionellen Mächten im College Football; vielmehr stellt sie eine Mannschaft, die jahrzehntelang als Bodensatz in der SEC gegolten hatte, aber seit Head Coach James Franklin in Nashville/TN am Werkeln ist, geht es aufwärts: Der glatzköpfige Franklin hat seinen Offizierstrupp zum zweiten Mal en suite in der Bowl Season – bislang ungesehen bei Vanderbilt. Dass die Uni als Football-Marke aber noch einen weiten Weg zu gehen hat, zeigt die Einladung in der „Heim-Bowl“, der „Music City“ Nashville – es gibt attraktivere Orte, an Silvester zu spielen.

Quarterback in einer ausbalancierten Offense ist der kleine Bruder Aarons, Jordan Rodgers, und der Mann hat einen Super-WR an seiner Seite: Jordan Matthews, eine der Überraschungen der Saison. Matthews wird für Rodgers die Chance auf Yards und Punkte bedeuten, für NC States CB David Amerson ist er die Chance, sich vor dem NFL-Draft noch mal zu beweisen: Amerson hatte im Sommer als potenzieller Top-Pick gegolten, spielte dann aber einen bitterbösen Herbst und mittlerweile ist nicht mal mehr sicher, ob Amerson sich überhaupt traut, schon dieses Jahr in den Draft zu wechseln. Ein Kaltstellen eines der heißesten Receiver im College Football wäre aber wenigstens eine versöhnliche Note für die entsetzten Scouts.

Neben Amerson ist noch ein zweiter „Wolf“ im Fokus: QB Mike Glennon, ein eigentlich unauffälliger Mann, der aber so grundsolide auftritt, dass man ihn schon als potenziellen Erstrundendraftpick sieht.

Vandy ist mit 8 Punkten im SRS klar favorisiert, und das SRS weiß noch nichtmal um den vielleicht gewichtigsten Faktor im Vorfeld dieser Partie: NC State spielt mit Interimscoach (wir kennen das mittlerweile…): Tom O’Brien wurde gefeuert, weil man ihm nicht zutraut, das Team aus dem Mittelmaß herauszuführen, und als Nachfolger wurde Dave Doeren vom BCS-Spoiler Northern Illinois eingekauft. Heute wird aber noch OffCoord Dana Bible coachen, und niemand getraut sich zu prognostizieren, wie lustig oder lustlos NC State aufmarschieren wird.

Liberty Bowl

Tulsa Golden Hurricane – Iowa State Cyclones

21h30 LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Tulsa

FB #34 Willie Carter

Iowa State

LB #47 .J. Klein

Zwei nicht alltägliche Teams zur Hauptspeise im Silvestermenü, aber zwei Altbekannte für Freunde der Bowl Season: Der Champion der Conference USA, Tulsa (10-3), ist zum fünften Mal en suite dabei, Iowa State (6-6) aus der Big 12 Conference zum dritten Mal in vier Jahren unter dem äußerst beliebten Head Coach Paul Rhoads. Die Diskrepanz in der Saisonbilanz ist eklatant, aber trotzdem sind die Cyclones laut SRS mit 4 Punkten leichter Favorit – warum?

Es liegt nicht nur am 38-23 Sieg von Iowa State im Season Opener über selbigen Gegner Tulsa (yup, das ist ein Rematch heute), sondern vor allem an der generellen suspekten Qualität der C-USA dies’ Jahr. Da war Tulsa nur das beste von vielen unterdurchschnittlichen Mannschaften.

Tulsa stellt immerhin immer eine schöne Offense, die aus der Spread-Formation extrem viel läuft: Man bringt eine Vielzahl verschiedener Running Backs fast 250 Rush-Yards pro Spiel zusammen und schaut, dass der QB Cody Green ja nicht zu viele Fehler macht. Das könnte heute zum kleinen Problem werden, denn die größte Stärke der Cyclones ist die Lauf-Defense (du spielst in der Big 12 und baust dein Team vor allem um die Lauf-Defense?).

Iowa States Offense ist im Gegenzug, wie soll ich sagen… uninspirierend? Der langjährige Quarterback Steele Jantz wurde abgesägt und durch den Freshman Sam Richardson ersetzt, der mobiler ist und wenigstens die ganz großen Bolzen vermeidet.

Ich befürchte ja, dass die beiden Mannschaften ihren Teamnamen nicht alle Ehren machen werden und es kein stürmisches Spiel wird, aber ich gäbe Tulsa hier einen Vorteil. Denn man muss wissen, dass Iowa State eine schwache zweite Saisonhälfte spielte und dass deren beste Spieler in der Secondary ausfallen.

Chick fil-A Bowl (“Tiger-Duell”)

Clemson Tigers – Louisiana State Tigers

1h30 LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Clemson

WR #6  DeAndrew Hopkins
RB #23 Andre Ellington
S  #31 Rashard Hall
DE #97 Malliciah Goodman
QB #10 Tajh Boyd

Louisiana State

DE #49 Keke Mingo
DE #99 Sam Montgomery
S  #1  Eric Reid
LB #46 Kevin Minter
DE #89 Lavar Edwards
CB     Tyrann Mathieu
       ("Honey Badger",
         inaktiv)
WR #10 Russell Shepard
DT #77 Josh Downs
K  #30 Drew Alleman
DT #18 Bennie Logan

Das traditionelle ACC-SEC-Duell in der Silvesternacht aus dem Georgia Dome sieht diesmal ein perfektes Matchup Super-Offense gegen Super-Defense. Die Super-Offense stellen die #14 Clemson Tigers (10-2, ACC), die vor sensationellen Athleten von NFL-Kaliber nur so strotzen: QB Tajh Boyd ist zwar nicht der konventionellste Werfer, aber der Arm ist nicht wurfschwach, WR DeAndre Hopkins dürfte im NFL-Draft einige Beachtung finden und RB Andre Ellington gehört zu den Backs, denen ich nun rein optisch sofort wenigstens eine Chance in der zweiten Runde zutrauen würde. Über den potenziell besten Mann haben wir da noch nicht gesprochen: WR #2 Sammy Watkins, den Superstar der letzten Saison 2011/12 (damals als Freshman), der dieses Jahr aber mit Sperren und Krankheiten zu kämpfen hatte, sich nun aber endlich fit fühlen soll. Wenn Watkins tatsächlich in Hochform auflaufen kann, sehen wir da einen Rastaman, der von spektakulären Catches über EndArounds über unmögliche Punt-Returntouchdowns alles drauf hat.

Freilich werden sich die #9 LSU Tigers (10-2, SEC) nicht lumpen lassen, denn diese bieten immer noch eine Top-Defense auf, die fast alles kann: Dampf machen vorne mit dem DE-Duo Mingo/Montgomery, wo beide in der ersten Draftrunde gepickt werden sollten, dazu ein Ankermann DT Bennie Logan, der vielleicht in den Draft gehen wird, disziplinierte Linebackers und ein Backfield, das schwer zu knacken ist; FS #1 Eric Reid ist ein kleiner ballhawk, aber von den Yards her am ehesten ein Spielertyp, der mal ein Big Play aufgibt.

LSUs Offense wird extrem wichtig: Diese lag wochenlang unter der Erde, aber ausgerechnet gegen Alabama gab es das erste Lebenszeichen, und seither läuft QB Zach Mettenberger als anderer Mensch über den Campus: Vom verunsicherten Mauerblümchen ist plötzlich ein Mann mit breitem Grinsen geworden, der sich ganz relaxt auch die tiefen Bomben zutraut. Im Kern ist LSU immer noch eine schwer lauforientierte Mannschaft, aber dank Mettenberger ist man nicht mehr gänzlich drauf angewiesen.

SRS favorisiert LSU mit 3.5 Punkten, sieht das Spiel also relativ eng. Ich halte LSU hier, sofern Les Miles’ Jungs nach dem Verpassen der BCS überhaupt noch bei der Sache sind, für klarer favorisiert.

Sun Bowl

USC Trojans – Georgia Tech Yellow Jackets

Kickoff 31.12. um 20h
Tape am 1.1. um 9h30 bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

USC

QB #7  Matt Barkley 
       (inaktiv)
WR #2  Robert Woods
CB #7  Nick Robey
DE #91 Morgan Breslin
S  #7  T.J. McDonald
C  #78 Khaled Holmes
RB #22 Curtis McNeal

Schließlich morgen früh als Tape die Sun Bowl (Spiel wird in den Staaten von CBS übertragen, also keine Ahnung, ob der ESPN-Player das live zeigen darf) in einem Matchup, in dem keiner der beiden wirklich Lust drauf zu haben scheint, in der Wüste in El Paso/TX nahe New Mexico aufzulaufen. [Update: ist nicht im ESPN-Player; danke an Matthias/Update Ende]

Bei USC (7-5) ist das verständlich: Die Jungs vom windigen Head Coach Lane Kiffin sahen ihre Saison in den Süden wandern, von der #1 in der Preseason zu einer blamablen Bilanz, die unter Umständen noch zu einer Entlassung Kiffins führen könnte.

Als Sinnbild kann „Poster-Boy“ QB Matt Barkely herhalten: Der Mann sprengte alle USC-Passrekorde und blieb für sein Senior-Jahr an der Uni, um nach den Sperren (Stichwort: Causa Reggie Bush) endlich seine erste BCS-Bowl spielen zu können und dann als strahlender Held an #1 nach Kansas City gedraftet zu werden. Life is Hell, und wie es manchmal so läuft, spielte Barkley nicht nur ein schwaches Jahr und offenbarte nicht bloß technische Schwächen in der Wurfbewegung und äußerst verbesserungswürdiges Lesen von Defenses, qualifizierte sich USC nicht mal für die BCS, sondern verletzte sich zu allem Überfluss auch noch und wird heute nicht spielen können.

Starting-QB für USC ist heute der Freshman Max Vittek, der immerhin zwei Granaten auf Wide Receiver stehen hat: Robert Woods, der als hoher Draftpick gilt, und Marquise Lee, der eigentlich hätte die #2 sein sollen, der aber den Top-Athleten Woods in Grund und Boden spielte und mit 1680yds und 14 TD sogar in der Heisman-Verlosung war. Von den Running Backs um McNeal und Silas Redd war heuer nicht viel zu hören, umso mehr von eklatanten Protection-Problemen der Offense Line.

Auch die Defense vom aus der NFL (Tampa Bay) bekannten Monte Kiffin zeigte Schwächen, und nun kommt mit der Flexbone-Triple Option Offense von Georgia Tech (6-7, losing record!) aus der ACC ein untypisches Angriffssystem daher. Die letzten Jahre Bowl Season zeigten allerdings, dass Georgia Tech immer dann Probleme hat, wenn sich ein Gegner drei, vier Wochen auf sein System einstellen kann, und Monte Kiffin wird an seinem allerletzten Arbeitstag seiner Karriere ungern von einer steinzeitlichen Offense verarscht werden.

El Paso

Nicht mein Fall.

So sehr ich den Coach der Yellow Jackets, Paul Johnson, für diese ausgeklügelte Offense schätze, so sehr ist sie davon abhängig, zumindest ein bissl so was wie Passspiel aufziehen zu können, vor allem tiefes Passspiel, um die Front-Seven etwas auf Trab zu halten. Jetzt hat USC zwar brutal viele Lücken, aber in der Secondary ist man mit den potenziellen NFL-Picks S McDonald und CB Robey so gut besetzt, dass niemand auch nur von einem Minimum an Passerfolgen für Georgia Tech und seinen wuseligen QB Washington ausgeht.

So oder so: Der Sieger wird nur gequält in die Kamera grinsen. USC ist im SRS mit 12.5 Punkten favorisiert, und das würde ich auch, trotz allem, unterschreiben.

Big 12 Conference 2012 Preview – Oklahoma gegen Texas gegen den Rest der Rednecks und darüber hinaus

Die Big 12 Conference war seit der Fusion der Giganten der Midlands, Big 8 und SWC, in den 90ern die große Redneck-Conference in den Vereinigten Staaten gewesen. Das Erdbeben (Stichwort: Conference-Realignment) sorgte zuletzt dafür, dass sich verdiente Universitäten wie Nebraska, Colorado, Mizzou oder Texas A&M verabschiedeten, und dass heuer zwei neue Mitglieder zu begrüßen sind: West Virginia aus der Big East und TCU aus der kleinen MWC – richtig gezählt: Die Big 12 Conference zählt aktuell bloß zehn Mannschaften.

Sportlich hat die Big 12 spektakuläre Passfeuerwerke zu bieten, und zumindest in der abgelaufenen Saison war man qualitativ in der Spitze die vermutlich bestbesetzte Conference, besser als die SEC mit ihren beiden BCS-Finalisten.

Die Preseason-Rankings spiegeln das wider. Sicherlich sind die Ranking-Positionen der Big 12 Conference durch die vielen inzestuösen Passfeuerwerke den Mississippi entlang etwas inflationär, aber zumindest die ersten vier kann man schon mal vertreten.

Mannschaft         Coaches  AP
Oklahoma           #4       #4
West Virginia      #11      #11
Texas              #15      #15
TCU                #17      #20
Oklahoma State     #19      #19
Kansas State       #21      #22

Sechs von zehn Teams in den Top-22, das ist ein massiver, massiver Wert. Meine Excel-Sheets rankten aber in der abgelaufenen Saison sogar sieben Big12-Unis in den Top-19 (Mizzou und Texas A&M reingerechnet, TCU und West Virginia waren außerhalb der Top-20).

Oklahoma Sooners

Die University of Oklahoma ist die unbestrittene Dominatorin der Conference, und trotzdem ist latente Unzufriedenheit zu spüren: Das liegt daran, dass die Mannschaft von Head Coach Bob Stoops zwar immer ganz oben mitspielt, aber es seit über einem Jahrzehnt nicht mehr zum BCS-Titel gereicht hat, weil immer ein oder zwei Spiele scheinbar grundlos verschenkt werden.

Letztes Jahr war es mal wieder die Defense, die in drei Spielen völlig kollabierte; DefCoord Brent Venables wurde danach gegangen, und durch den Bruder von Bob Stoops, Mike Stoops, ersetzt – Mike war bei Arizona nach ein paar wechselhaften Jahren als Head Coach entlassen worden. Warum? Weil die Defense zusammengebrochen war. Nicht irgendwie, sondern in die Top-10 von 120 Mannschaften von hinten.

In der Offense plagen die Sooners etliche Wechsel auf der WR-Position, bis tief in den August herein ändert sich das Bild im Kader fast wöchentlich. Keine leichte Aufgabe für QB Landry Jones, der trotz fabulöser Stats nicht das herausragende Standing seines Vorgängers Bradford (jetzt St Louis Rams) genießt – Jones‘ Spielanlage ist dafür einfach zu blass. Der Mann kann aber auch machen, was er will, er wird immer an Bradfords rekordverdächtigen Zahlen zu knabbern haben.

Gepaart mit dem unspektakulären RB Dominique Whaley können die Sooners aber mit einer runden, auf hohem Niveau ausgeglichen besetzten Truppe aufwarten, die wieder in den Top-10, vielleicht noch weiter vorne, mitmischen wird.

Texas Longhorns

Eine Diskussion der Big 12 kann am großen Erzrivalen Oklahomas, den Texas Longhorns, niemals vorbeigehen. Nicht nur, weil die University of Texas 2010 und 2011 mit ihren Egozicken fast den Kollaps der kompletten Conference heraufbeschwört hätte, nein: Texas ist die Uni im College Football schlechthin, und das liegt nicht nur am dutzende Millionen schweren Longhorns Network.

Denn kein Trainerstab hat es beim Recruiting einfacher als jener von Head Coach Mack Brown: Jeder Nachwuchssportler möchte im Highschool-Talentschuppen Texas für die Longhorns spielen. Sportlich kommt oft zu wenig raus. Die Offense wird vom jungen RB Malcolm Brown getragen werden, und bei den Quarterback wird man wohl auf den jungen David Ash setzen, der letztes Jahr einen Tick besser aussah als Case McCoy (Colts Bruder) – sich ist aber nix, und spätestens nach dem zweiten schlechten Spiel werden die 100.000 in Austin schon wieder nach einem neuen Quarterback rufen.

In der Defense ist der DefCoord der Star: Manny Diaz, ein Pragmatiker vor dem Herrn, der eine ungemein aggressive Spielweise predigt und dessen Unit schon 2011/12 mächtige Fortschritte machte.

TCU Horned Frogs

Der erste von zwei Neulingen – und was für einer. TCU war jahrelang neben Boise State der Mid-Major im College Football schlechthin, bekommt nun die Chance, in einer der großen Conferences zu spielen. Das „Übergangsjahr“ 201/12 wurde mit 10-2 trotz zweier Pleiten zu Beginn halbwegs schadlos überstanden, und man konnte im November sogar knapp die Boise State Broncos schlagen. Dass man am Ende nicht in eine BCS-Bowl eingeladen wurde, grenzte schon wieder an Schiebung.

TCU wird eine 1A-Offense rund um einen Grasliebhaber, QB Casey Pachall, aufbieten können. Pachall ist möglicherweise der beste, gefährlichste Quarterback in der kompletten Conference – und er besitzt eine Menge Waffen um sich herum. Die größte Waffe ist allerdings weg: OffCoord Justin Fuente, ein furchtloser, mutiger PlayCaller, ist in Memphis Head Coach geworden. Was bleibt, ist eine starke Offensive Line und ein grundsolides Laufspiel, das Pachall größtenteils entlasten wird.

Der seit Jahren rastlos am Experiment „BCS-Buster“ werkelnde Head Coach Gary Patterson wird in dieser Saison seine Mannschaft fast nicht wiedererkennen: Seit ein paar Generationen hatte Patterson stets grandiose Defenses gebaut. Just dort, in der Secondary, sind diesmal aber ernsthafte Fragezeichen ob der Tiefe (auch wegen so was wie interner „Dopingsperren“) – nicht gut in einer passlastigen Conference wie der Big 12.

Aber: Die Defense ist jung (nur ein Starter ist Senior). Pachall ist jung. Wenn nicht jetzt, wann dann gilt hier nicht. Gibt noch immer 2013. Aber auch auf das Risiko hin, mich lächerlich zu machen: Ich traue TCU ohne weiteres den Gewinn der Big 12 und eine Platzierung unter den fünf, sechs besten Teams der FBS zu.

West Virginia Mountaineers

Geographisch ist Neuling WVU in der Big 12 Conference ein Ausreißer, aber kulturell passen die Ears wie die Faust aufs Auge in die Big 12: „Air-Raid“-Passfeuerwerke und der markante Head Coach Dana Holgorsen hat sein Handwerk bis vor kurzem hauptsächlich in der Big 12 erlernt. QB Geno Smith macht seine Sache – quicke, kurze Pässe und die Running Backs und Wide Receivers arbeiten lassen – exzellent genug, um famose Yards-Statistiken und kaum Turnovers zu produzieren, aber die Defense ist nach erneuter Systemumstellung ein Fragezeichen.

Bei den Mountaineers sind meistens die Heimspiele vor ausverkauftem Stadion in Morgantown ein echtes Highlight, weil mit viel Pathos und knisternder Atmosphäre aufgeladen. Diese Saison riecht allerdings nach einer leichten Enttäuschung für WVU, die nach einem Orange-Bowl-Kantersieg und nach Jahren in der schwachen Big East Conference nun vermutlich mehr erwarten als die acht oder neun Siege, die sie heuer einfahren werden.

Die Mittelklasse

Nach einer famosen 2011er Saison erwartet man auch Großes von den kleinen Kansas State Wildcats (USA Today #21) von Trainerlegende Bill Snyder – vermutlich auch hier Größeres, als die Mannschaft zu leisten imstande ist. Snyder ist so ein Mann, der am liebsten im Angriff nur laufen lassen würde – und er hat den richtigen QB dazu: Collin Klein ist wurftechnisch eher der Grobmotoriker, berechenbar wie der Sonnenuntergang, aber er scrambelt fantastisch und macht bei den gefühlt eintausend 3rd und 3 Situationen neunhundertfünfundneunzig Mal das 1st down. Problem: Das 10-3 aus dem letzten Jahr liest sich fantastisch, aber man gewann acht Spiele nur haarscharf in richtigen Krimis (8-1 in engen Spielen). Auf solches Glück kann man kein zweites Mal bauen, auch wenn die Wildcats durchaus auch in der Lage waren, mit einem Kaliber wie Oklahoma State mitzuhalten.

Diese Oklahoma State Cowboys sind heuer in den Rankings erstmal an #19 gereiht, aber nach dem Abgang des kompletten Offensivkerns um QB Weeden und WR Blackmon dürfte das heuer für Mike Gandys Jungs eine zähe Geschichte werden. Quarterback wird mit Wes Lunt wohl ein Freshman sein, und in der Defense wird sich das außerordentliche Turnover-Glück aus der letzten Saison kaum wiederholen lassen.

Die Baylor Bears müssen den Abgang von Heisman-Trophy-Sieger Robert Griffin III verkraften und werden mit Sicherheit keine zehn Siege mehr einfahren. Ganz abschreiben sollte man die Bears aber nicht: Die Uni ist viel besser aufgestellt als noch vor 5-10 Jahren, und HC Art Briles hat schon an anderen Orten gezeigt, dass er durchaus aus limitiertem spielerischen Talent mehr rauszuholen vermag als ein durchschnittlicher Coach.

Bodensatz-Gefahr

Die Texas Tech Red Raiders versauten im letzten Herbst Sooners die Saison, dürften aber diesmal wieder nur in der unteren Hälfte mitspielen. Unter dem unglücklichen HC Tommy Tuberville kann man sich einfach für kein Defensivsystem entscheiden, aber im Angriff ist man markant: Zillionen an aneinander gereihten Kurzpässen, nix Explosives, aber immer 4-5yds Raumgewinn.

Die Iowa State Cyclones versauten dagegen den Oklahoma State Cowboys die Chance auf den BCS-Titel. HC Paul Rhoads genießt als Lokalhero einen großartigen Ruf, ein ansteckend positiver, energiegeladener Mann, und in Furzweite zum Stadion aufgewachsen. Rhoads baut auf eine laufintensive Offense mit viel smash’n’dash und zwischendurch dem einen oder anderen tiefen Ball vom Gunslinger-QB Steel Jantz.

Schließlich die Kansas Jayhawks mit ihrem neuen, prominenten Head Coach Charlie Weis (ex-Pats, Chiefs, Notre Dame). Weis macht mit markanten Sprüchen auf sich aufmerksam, aber solange die horrende Defense (43.8pts/Spiel) nicht verbessert wird, kann das ganz schnell nach hinten losgehen, vor allem, wenn Weis seine Dampfplauderei nicht mit entsprechender Siegbilanz untermauern kann. Bei den Quarterbacks scheint sich ein mögliches Problem von allein gelöst zu haben: Weil der von BYU transferierte Jake Heaps ein Jahr aussetzen wird, sollte Dayne Crist den Starter geben und nach turbulenter Zeit in Notre Dame (u.a. auch unter jenem Charlie Weis) noch ein letztes Halali im College Football blasen können.

Bowl Season 2011/12: Wir nähern uns den großen Bowls

Heute Abend/Nacht finden gleich vier Bowl-Paarungen statt. Die von den Namen hochkarätigste – die Insight Bowl – wird bei ESPN America allerdings erst morgen als Aufzeichnung übertragen.

Bell Helicopters Armed Forces Bowl

BYU Cougars – Tulsa Golden Hurricane

Fr, 30.12. 18h LIVE bei ESPN America

Die Brigham Young University beendet ihre erste Saison als Independent, ein Herbst, der nicht reibungsfrei verlief (u.a. ein arges Debakel gegen Utah, 10-54), aber am Ende mit blauem Auge und 9-3 abgeschlossen wurde, was Head Coach Bronco Mendenhall nun erstmal ein reibungsfreies Arbeiten garantieren sollte.

Story der Saison bei den Coogs war die schnelle Auswechslung vom Quarterback Jake Heaps, der noch im Sommer als großer Hoffnungsträger gegolten hatte, gegen den beweglichen Backup Riley Nelson (61%completion, 16 TD, 5 INT, 376yds Scrambling). Nelson soll immer mehr Sicherheit gewinnen und sich im Team als „tough guy“ einen exzellenten Status erarbeitet haben, während Heaps sich bereits gen University of Kansas verabschiedet hat.

Der Blick auf BYUs Offense verrät eine sehr breit aufgestellte Offense, mit vielen Running Backs, die Carries bekommen und vielen, vielen Leuten, die Touchdowns fangen (10 oder 11). Die Defense verfügt über eine gute Front Seven und würde nicht den ersten Gegner unter seinem Saisondurchschnitt halten.

Tulsa, die Uni mit dieser furchtbar ausgewaschenen goldenen Trikotfarbe, gehört seit längerer Zeit zu den interessanten, wunderschön balanciert spielenden Offenses: 204,6yds Laufspiel und 249,8yds Passspiel im Schnitt (Vgl. 2010: 215yds Lauf, 284yds Pass). Schlüsselfigur im Angriff ist der wuselige QB G.J. („Gary Joe“) Kinne (2876yds Pass, 405yds Rushing, insgesamt 28 TD) und auch ansonsten könnte ich den Text von letztem Jahr hier reinkopieren: Viele Running Backs mit Carries, extrem viele verschiedene Wide Receivers, die die Bälle fangen.

Es ist ein Spiel, in dem ich meine Jetons eher auf BYU setzen würde: Tulsas Defense genießt bei mir trotz vieler Sacks nicht den allerbesten Ruf (#118 gegen den Pass, wenn auch gegen einen passlastigen Schedule) und sah gegen Boise und OSU furchtbar aus. BYU wirkt insgesamt einen Furz reifer. (Rating-System favorisiert allerdings Tulsa mit 2pts)

New Era Pinstripe Bowl

Iowa State Cyclones – Rutgers Scarlet Knights

Fr 30.12. 21h30 LIVE bei ESPN America

Iowa State war in der Big 12 Conference „6-6“, aber sie hätten auch untergehen können und keinen hätte es gekratzt, da die Saison nach dem fantastischen Derbysieg über die Iowa Hawkeyes (dritte Overtime!) gerettet war und dann im November das i-Tüpfelchen mit dem kolossalen Upset über Oklahoma State folgte. Der gerühmte QB Steele Jantz war der Hero in ersterem Krimi, wurde dann aber nach schwachen Vorstellungen auf die Bank gesetzt und durch den laufstarken Backup Jared Barnett (70yds/Spiel) ersetzt. Man kann davon ausgehen, dass Rutgers Probleme mit den vielen Scrambles Barnetts bekommen wird.

Die Rutgers Scarlet Knights des umtriebigen HeadCoaches Greg Schiano bieten einen wetterwindischen Laufangriff (Spiele mit Minus-Yards, 200+yds-Spiele), enteierte Quarterbacks und einen fantastischen WR Mohammed Sanu (109 Catches, 1144yds, 7 TD) auf und müssen a) auf ihre eigenen starke Pass-Defense und b) die schwache Cyclones-Defense hoffen.

Beide kommen auf dem Zahnfleisch daher, das Rating-System spuckt einen Spread von 0.3 Punkten aus, also würde man auf die potenziell motiviertere Mannschaft – Rutgers – setzen, trotz des schwachen Kickers mit dem coolen Namen San San Te (10/28 Kicks danebengesetzt).

Franklin American Mortgage Music City Bowl

Wake Forest Demon Deacons – Mississippi State Bulldogs

Fr/Sa 30./31.12. 0h30 LIVE bei ESPN America
Tape: Sa, 31.12. um 11h bei ESPN America

Zwei Teams, die die Music City Bowl eher als Belastung, denn als Freude empfinden würden. Von Mississippi State hatte man sich nach dem guten Herbst 2010/11 mehr erhofft, doch die Bulldoggs bekamen nie den richtigen Groove in der Offense und der mobile QB Chris Relf wurde sogar mehrmals ausgewechselt. Star des Angriffs ist RB Vick Ballard (1009yds), ein Senior in seinem letzten College-Spiel, der selbigen dann auch meistens im Alleingang tragen musste – gegen Wake Forest ein bewährtes Rezept, denn die Demon Deacons verfügen über eine schwache Lauf-Defense, kassierten in den letzten Wochen regelmäßig klar über 200yds Laufspiel.

Wake Forest mit dem sympathischen HeadCoach Jim Grobe sähe die 6-6 Bilanz eigentlich als zufriedenstellend an, jedoch wurden die meisten Siege zum Saisonbeginn geholt (u.a. über FSU), während man in den letzten zwei Monaten hauptsächlich – und teilweise hohe – Schlappen kassierte. Mitverantwortlich dafür waren Verletzungsproblemen in allen Mannschaftsteilen, aber zwei Männer hielten die Fahne hoch: QB Tanner Price (2803yds, 20 TD, 6 INT) und WR Chris Givens (1276yds).

Wake Forest wurde vor wenigen Wochen von Vanderbilt, das – wer will – man auf Augenhöhe mit Mississippi State sehen kann, abgeschlachtet. Mississippi State hat eine gute Defense. Das Rating-System favorisiert Mississippi State mit acht Punkten. Ich würde mit Dan Mullens Bulldoggs gehen.

Insight Bowl

#14 Oklahoma Sooners – Iowa Hawkeyes

Sa, 31.12. 14h als Tape bei ESPN America
(Live ist die Partie in der Nacht von 30.12. auf 31.12 um 4h MEZ im ESPN-Player zu sehen)

Die Probleme der Oklahoma Sooners habe ich in dieser Saison des Öfteren dokumentiert: Verletzungen mehrerer Schlüsselfiguren und die fehlenden Anpassungen der Defense auf Aufstellungen mit 4-5 WRs. Summa summarum ergibt sich daraus eine blasse 9-3 Bilanz, die als krasse Enttäuschung gewertet wird. In der Offense fielen in der zweiten Saisonhälfte RB Whaley und WR Broyles aus und schwupps brach auch der Gunslinger-QB Landry Jones etwas ein (immer noch 4302yds, 28 TD, 14 INT). Das Gute für die Sooners: Ihre Offense ist immer noch um mächtiges Passspiel gebaut, und Iowa hat eine unterirdische Pass-Defense, die im Ballhagel zu kollabieren pflegt.

Die Hawkeyes spielen selbst einen gepflegten Ball im Angriff, mit dem überraschend starken Stanzi-Nachfolger QB James Valkenburg und vor allem dem Top-WR Marvin McNutt, dessen Zahlen sämtliche Schuldrekorde an der B1G-Uni Iowa sprengten: 78 Catches, 1269yds, 12 TD – ungesehen in der Einöde von Iowa City. Es gab in den letzten Tagen allerdings ordentlich Krach bei den Hawkeyes, nachdem RB Marcus Coker für die Insight Bowl suspendiert worden war und ein weiterer Running Back via Twitter seinen sofortigen Abschied von der Mannschaft erklärte.

Aus Draftsicht dürfte man in Iowas Angriff ein Auge auf den Junior-OT Riley Reiff werfen, dem eine exzellente NFL-Karriere prognostiziert wird. Reiff ist der Eckpunkt der Unit, die als ansonsten anfällig gegen Sacks gilt.

Das Rating-System favorisiert Oklahoma mit 16 Punkten. Wenn die Sooners-Defense nicht erneut so kollabiert wie gegen Baylor und Oklahoma State, wird Oklahoma das Spiel auch gewinnen und dann gespannt auf QB Landry Jones und seine noch immer als offen geltende Entscheidung hinsichtlich Anmeldung zum NFL-Draft blicken.

College Football 2011/12 Preview: Big 12 Conference

Gestern hatten wir die Big Ten mit ihrem Dutzend an Teams, heute ist die “richtige” Big 12 Conference dran – mit 10 Mannschaften. Die Big 12 war vor einem Jahr dank der massiven Expansionsdränge der Pac-10 und der Zicken der University of Texas kurz vor der Implosion – nur um sich am Ende bei ihrem egozentrischsten Mitglied – Texas – für die weitere Existenz bedanken zu müssen. Die nahe Zukunft der Big 12 scheint gesichert, aber es ist ein gesichert mit Sternchen, da auch Texas A&M in unregelmäßigen Abständen mit der SEC flirtet und Texas itself womöglich trotz Longhorn Network irgendwann nach noch Höherem streben wird.

Sportlich dürfte die Verkleinerung trotz Nebraskas Abgang – immerhin eines der Schwergewichte schlechthin – nicht zu schmerzhaft sein, fällt nun immerhin das Championship Game weg, das dank des deutlichen Leistungsgefälle zwischen den beiden Divisionen immer mal wieder einen Überraschungs-Champ produziert hat, Stichwort „Ein Sensationssieg kann jedem mal gelingen“.

Oklahoma Sooners                     

Wenn man von der Big 12 Conference spricht, dann geht es meistens um zwei Footballprogramme, und das erste ist jenes der Oklahoma Sooners, die in den letzten Tagen wieder verstärkt in den Fokus von sportpolitischen Thematiken gerückt sind: Es geht darum, ob die Sooners die Schneid besitzen, vor der drohenden Implosion der Big 12 eigenhändig abzuhauen, oder ob sie bis zum Untergang der Conference warten oder ob sie spekulieren, irgendwie ein Rest-Torso von „Big 12“ halten zu können.

Uns interessiert heute mehr das Sportliche, und die Sooners von Head Coach Bob Stoops sind, geht es nach Journalisten und Coaches, das Favorit #1 auf den BCS-Titel. Hauptgrund dafür: Die Offense, die auch nach dem Weggang von OffCoord Kevin Wilson massivst punkten dürfte. Ein ganz großer Faktor ist dabei QB Landry Jones, ein wurfgewaltiger Mann ganz in der Tradition der großen Sooners-QBs, und Jones machte in der vergangenen Saison mal eben schlappe 4718yds und 38 Touchdowns via Luftweg.

Jones’ kongenialer Anspielpartner ist WR Ryan Broyles (2010: 14 Spiele, 131 Catches, 1622yds, 14 Touchdowns), wozu sich noch zwei Handvoll brauchbarer, diversester Optionen gesellen. Die Defense hat so ihre Probleme mit der Standhaftigkeit der Line und muss zu Saisonbeginn ein paar Wochen auf den großen Leader, MLB Travis Lewis, verzichten – überhaupt scheint es eine nette Verletzungsserie gegeben zu haben. Und Oklahoma spielt nach dem Tod eines Spielers in der Offseason auch mit schwerem Herzen.

Persönlich glaube ich nicht an einen BCS-Champion 2011/12 „Oklahoma Sooners“. Ich bin und bleibe skeptisch immer dann, wenn diese Mannschaft ein bisschen aggressiver von einer Defense angegangen wird – und spätestens im Endspiel dürfte ein SEC-Favorit warten… Außerdem schleppt Stoops trotz eines Titels vor etlichen Jahren das Image des ewigen Zweiten mit sich.

Und selbst der Weg ins Endspiel dürfte nicht einfach sein: Neben dem schweren Big 12 Schedule wartet am 17. September auch noch der Kracher auswärts gegen die gehypten Florida State Seminoles. Vor einem Jahr gewann Oklahoma locker 47-17, aber diesmal ist sämtlichen Prophezeiungen zur Folge ein enges Spiel zu erwarten.

Unglaublich unwichtige Info am Ende: Es gab vor ein paar Tagen eine Dokumentation über die Sooners in der Vorbereitung, in der Stoops in der ersten Trainingseinheit mit den Freshmen einen Spieler in der ersten Reihe fragte, wie viel sein Sport-Stipendium eigentlich wert sei. Der junge Mann wusste darauf nichts zu antworten.

Texas Longhorns

Willkommen beim meistgehassten Team im College Football. Die University of Texas hat in den vergangenen Jahren dank Egotrip, Longhorn Network und diverser weiterer Flauseln nicht nur Nebraska und womöglich Texas A&M aus der Big 12 Conference vertrieben, sondern allem Anschein nach den baldigen Gang in die Unabhängigkeit vorbereitet.

Sportlich war man 2009/10 eine Endspielverletzung von QB Colt McCoy vom National Title entfernt, erlebte dafür im Herbst 2010/11 eine einzige Gruselsaison und verlor sieben von zwölf Partien, fünfmal daheim. Head Coach in Austin ist Mack Brown, ein anerkanntes Recruiting-Genie, aber Browns Teams stehen im Ruf, underachiever zu sein, sprich: Für die Unmasse an Top-Talenten im Kader zu selten die Big 12 zu dominieren. Brown hat für die heurige Saison eine Rundumerneuerung im Trainerstab vorgenommen. Die Offense liegt nun in den Händen vom ehemaligen Boise-State-Mann Byron Harsin, die Defense bei Manny Diaz.

„Byron Harsin“, das bedeutet eine Abkehr von der vertikalen Offense des vergangenen Jahres, hin zu einer Offense mit Power-Running über RB Cody Johnson, der dafür wie gebaut zu sein scheint, und womöglich dem gehypten Highschooler Malcolm Brown. Heiß diskutiert wird die Quarterback-Position: Garrett Gilbert ist in der Anhängerschaft verhasst weil zu fehleranfällig, und es gilt als sicher, dass man Gilbert im Lauf der Saison auswechseln wird – vielleicht für Colts Bruder, den unerfahrenen Case McCoy?

Prunkstück in der Defense sind die Linebackers und kommenden NFL-Spieler Emmanuel Acho und Keenan Robinson, und es wird erwartet, dass Diaz eine brutal blitzfreudige Defense aufstellen wird. Und das heftige an den Longhorns ist: Sie schicken jedes Jahr ein, zwei First Rounder in die NFL, und es kommen trotzdem immer Topspieler aus den Highschools nach. Jeder junge Footballer in texanischen Schulen möchte für Texas/Austin spielen.

Die Geheimfavoriten

Während Texas sportlich als #4 der Big 12 Conference erwartet wird (wobei auch #2 am Ende nicht außer Reichweite sein sollte), gelten zwei andere Teams als extrem heiße Ware für diese Saison. Zum einen hätten wir da die Oklahoma State Cowboys von Head Coach Mike Gunday, vor einem Jahr eine schiere Offensiv-Sensation. Nun ist OffCoord Dana Holgorsen gen West Virginia abgewandert, aber die beiden Haupt-Komponenten sind noch da: QB Brandon Weeden, ein Mann, der jahrelang als Pitcher in den Minor Leagues im Baseball versauerte und nun mit bald 28 Jahren einer der ältesten Spieler im College football sein dürfte. Und WR Justin Blackmon, der im letzten Herbst als sophomore nie unter 100yds und immer mindestens einen Touchdown machte (Stats über die Saison: 111 Catches, 1872yds, 20 Touchdowns in 12 Einsätzen – meine Fresse). Blackmon ist kein Riese (1,85m), aber eine Präsenz als einzelner Receiver ganz draußen am Spielfeldrand – eine ungemeine Bereicherung für die Air Raid-Offense, die normalerweise primär über die Mitte kommt.

Fehlen wird in diesem Jahr allerdings der wichtige RB Kendall Hunter, der dieser Offense mit 1548yds und 17 TD eine zusätzliche Dimension gegeben hat. Der junge Backup Joseph Randle wird gefordert sein. Dass Randle als exzellenter Ballfänger gilt, sollte helfen. Allerdings sollte Oklahoma State gut beraten sein, mehr Laufspiel einzusetzen: Die Offense scort meistens schnell genug, um die Defense lange, viel zu lange auf dem Feld zu lassen und entsprechend zu ermüden. Die Cowboys haben eine insgesamt eher mäßige Defense, die vor einem Jahr das Big-12 Endspiel gekostet hat.

Probleme mit ihrer Defense haben auch die Texas A&M Aggies, die abseits des Spielfelds noch weit mehr Schlagzeilen produzieren: Die Universität wollte so tief aus der innersten Herzkammer ihres Herzens aus der Big 12 fliehen, dass sie dafür sogar die Ungewissheit einer möglicherweise conference-losen Saison 2012 hinnahmen. Zu sehr ist die Hemmung und die Abneigung, die die beiden Reizwörter in der Kombination „Texas Longhorns“ auslösen.

Sportlich hat Mike Sherman (den wir auch von irgendwo her kennen sollten) da möglicherweise ein BCS-Kaliber unter seinen Fittichen. Hauptgrund dafür ist die solide zweite Saisonhälfte von QB Ryan Tannehill, der erst nach einem desaströsen Saisonstart seines Konkurrenten in den Huddle geschmissen wurde und so solide spielte, dass die Offense plötzlich als heißer wie Frittenfett gehandelt wird. Die Offensive Line ist zwar nicht besser als okay, aber jung und entwicklungsfähig, dazu kommen haufenweise gute Wide Receivers und ein gewaltiges Runningback-Duo: Nie was von RB Christine „neinichbinkeinMädel“ Michael und RB Cyrus Gray gehört?

Dann wird es Zeit, den beiden zuzusehen. Hier wird gnadenlos 30x/Spiel um die Offensive Line herum gelaufen, oft mit Raumgewinnen von 10-12yds. Probleme macht dagegen wie angesprochen die Defense, wo mit OLB Von Miller der mit Abstand beste Pass Rusher in die NFL gegangen ist.

Trotzdem tauchen die Aggies häufig in der Diskussion um mögliche National Champions auf – unabhängig davon ist es für College Football-Fans eine Pflicht, wenigstens ein Heimspiel der Aggies mit anzuschauen. Die Stimmung im genialen Kyle Field sorgt auf dem Gänsehautometer regelmäßig für Anschlag.

Seit der Ankunft von Gary Pinkel als Head Coach geht es mit den Missouri Tigers konstant nach oben. Pinkel hat eine Mannschaft aufgebaut, die auch den Verlust von ein, zwei Schlüsselspielern ohne großen Qualitäts-Absturz verkraften kann – ein sehr gutes Zeichen. Diesmal muss man auf QB Blaine Gabbert verzichten und der neue QB ist ein völlig anderer Typ: James Franklin ist mehr der Typ Läufer denn Passer – und hat bizarrerweise den Job gegen Blaines Bruder Tyler gewonnen, der die Nerven weggeschmissen hat und nun nicht mehr in Mizzou studiert. Knackpunkt ist die Defense mit der Sollbruchstelle „Secondary“. Man traut den Tigers trotzdem wieder ca. eine 8-4 Saison zu.

„Geheimfavorit“ ist vielleicht ein bissl zu hoch gegriffen für die Texas Tech Red Raiders, eigentlich die kleinste Nummer des großen texanischen Trios, aber seit den Zeiten unter Mike Leach für pure Offensivgewalt bekannt. Man hoffte, mit dem neuen Coach Tommy Tuberville die Defense in den Griff zu bekommen, was eher nicht funktionierte: Sogar der Zwerg Weber State (FCS) schenkte 459yds Offense ein und die maue Offense Iowas scorte 52 Punkte. Zu viel, weshalb unter dem neuen DefCoord Chad Glasgow ein 4-2-5 für die extrem flinke Secondary gebaut wird. Meistens sind solche Umstellungen aber mit Anpassungsschwierigkeiten verbunden, weswegen man Texas Tech eher wenig zutrauen sollte.

Das Fußvolk

Im Schatten der großen staatlichen Colleges hat sich die kleine texanische Baptistenuni Baylor langsam und leise nach oben gearbeitet. 2010/11 dann der große Knall: Ein Auswärtssieg bei Texas. Nun sind wichtige Komponenten in Offensive (G Danny Watkins) und Defensive (DT Phil Taylor) Line weg, aber QB Robert Griffin III ist eine Konstante: Seit drei Jahren im Systen der Bears, und immer noch erst Junior. Plötzlich ist Enthusiasmus zu spüren.

Zwischen Enthusiasmus und Depression schwankt das Publikum der Iowa State Cyclones, das mindestens zweimal pro Saison zur Furie wird und den Trainer zum Teufel wünscht, aber nach „epischen“ Auswärtssiegen gegen wie jüngst gegen Texas seine Helden in den Himmel jubelt. Seit 2010 coacht Paul Rhoads die Cyclones unnd Rhoads genießt den Ruf des Lokalheros, ein ansteckend positiver, energiegeladener Mann, und in Furzweite zum Stadion aufgewachsen. Rhoads baut auf eine laufintensive Offense mit smash’n’dash (RB Jeff Woody/RB Shontrelle Johnson) und eine (hoffentlich) verbesserte Defensive Line. Dort spielt auch der Mann mit dem genau richtigen Namen: NT Stephen Ruempolhamer.

Wie Iowa State sind auch die beiden Unis in Kansas eher negativ von der Auflösung der Nord/Süd-Divisionen in der Big 12 betroffen. Nun muss man neun Conference-Spiele bestreiten, und öfters als früher gegen die Giganten im Süden spielen. Die Big 12 ist bizarr genug, dass diese Nord-Unis der University of Texas trotzdem zu Füßen liegen: Ohne deren Einlenken hätte jeder dieser Unis die Bedeutungslosigkeit (sprich: Mountain West Conference und Konsorten) gedroht.

Bei den Kansas State Wildcats aus Manhattan (jo, Manhattan) ist der Trainer der Superstar: Der ultimativ bescheidene Bill Snyder, der nur ein einziges Mal ins Rampenlicht getreten ist, als das Stadion der Uni nach ihm benannt wurde, nämlich. Snyder ist mit 72 Jahren eine lebende Legende und coacht ab dieser Saison sogar seinen Enkel Tate, der als Freshman im Kader steht.

Die Offense wird nach dem Abgang von RB Dan Thomas (Miami Dolphins) vom neu erworbenen RB Bryce Brown getragen, der aus Tennessee kommt und dessen Uni-Wechsel recht viel Aufsehen erregte, inklusive gegenseitiger Drohungen und Beschimpfungen. In der Defense muss vor allem der Würgegriff gegen das Laufspiel enger werden, zuletzt war man dort #119 von #120.

Als Bodensatz wird gemeinhein die University of Kansas gehandelt, die nach dem Abgang des eigenartig kultigen Coaches Mark Mangino unter Turner Gill ein horrendes Jahr hinlegte. Von der Jayhawks-Saison 2010/11 bleibt ein verheerendes 7-55 gegen Baylor (!) und ein fast noch katastrophaleres 3-20 gegen Nebraska hängen, als man beide Mal offensiv NICHTS zustande brachte. Und immer noch besteht kein Schimmer, wie man die QB-Situation lösen will. Die Hoffnung bleibt Gills Vergangenheit. Der Mann hat auch den Zwerg Buffalo nach schwachem Debütjahr umgekrempelt und neu aufgestellt.

So – fast abgearbeitet. Vorschau-Finale heute Nachmittag wird die Conference der Conferences dran sein, die neben den meisten Zuschauern auch die meisten sportlichen Erfolge und die meisten Stars in den letzten Jahren vorzuweisen hat. Um welche Conference es sich wohl handeln wird?