Eine Dose Bier und Football americano in Italia

Edwin Reed Bolzano Giants

Edwin Reed

Am 27. März starten die Bolzano Giants in die neue Saison der Italian Football League. Giants, IFL – whoodat?

Ich habe dank ORF schon früh mitgekriegt, dass es auch in Europa American Football gibt. Allein, es hat mich nur wenige Minuten meines Lebens gekostet. Zu realisieren, dass es sogar in „meiner“ Hauptstadt, Bozen, ein Football-Team gibt, dafür habe ich noch länger gebraucht. Eine Geschichte von Hotdogs und kaltem Dosenbier.

Ich habe vor drei Jahren häufig abendliche Sprachkurse und Uni-Seminare besucht. Weil ich fürs Nachhausekommen Zug oder Bus benötigte und die öffentlichen Verkehrsmittel auch im Wunderland Südtirol nicht minütlich unterwegs sind, habe ich Stunden um Stunden an Wartezeit an einer dunklen Würstelbude in der Bahnhofsstraße in Bozen verbracht. Dort, wo der kultige Arlecchino tagtäglich seine Witzeleien über Berlusconi und seine Nutten (jo, schon damals) vertrieb, Hopfen und Malz aus der Dose, und auf Wunsch auch zwei Liter Ketchup in den Hotdog presste oder den Cheeseburger dreistöckig baute.

Die schweren Jungs

In unregelmäßigen Abständen stand hinter dem Tresen an Stelle von Arlecchino ein gedrückt gebauter, kräftiger Bursche, der dem Lieblingskunden, einem stämmigen Schwarzen in dunkelblauer Jacke mit Baselball-Cap und ny-Logo auf der Brust, fettige Hamburger bastelte. Ich habe nicht lange gebraucht um zu verstehen, dass es sich bei den beiden um Football-Sachverständige handelte.

Ein paar Wochen nach Super Bowl XLII war es, als ich mit den beiden ins Gespräch kam. Es waren zwei Spieler der Giants Bolzano, Bozens Football-Mannschaft. Der Italiener hinter dem Tresen war Defensive Tackle im Verletzungsstand, beim großen, schwarzen Mann handelte es sich um Ed Reed.

Nope, nicht der Safety. Dieser Edwin Reed spielte Defensive End. Ein Mann, der von der Cal State University (Northridge) kam, einer Uni, die inzwischen keine Kohle mehr für das Football-Programm aufbringen kann und es daher zugesperrt hat. Also verbrachte Edwin Reed die Hälfte des Jahres, um in Bozen Football zu spielen. Als Mann mit der #25 gewann er in diesem Jahr mit den Giants die italienische Superbowl und wurde Meister.

Reed ist mittlerweile kein Spieler der Giants Bolzano mehr. Aber gemeinsam mit dem Burschen hinter dem Tresen war er verantwortlich dafür, dass ich überhaupt realisierte, dass es bei uns auch Football gibt.

Giants Bolzano

Die Giants sind Südtirols einziges Football-Team. Mir persönlich ist die Mannschaft immer noch recht fremd – die Mannschaft ist sehr italienisch positioniert und auf den Tribünen ist es schwer, einen deutschen Fan zu finden. So ist es eben in Südtirol, einem zigsprachigen Land, wo das Zusammenleben der Sprachgruppen immer noch eher ein Nebeneinander ist, und auch im Sport das verbindende Element noch ein zartes Pflänzchen ist.

Die Giants haben immer noch keine deutsche Version ihrer Homepage – und ich glaube auch nicht, dass es in absehbarer Zeit passieren wird. Wenn ich in den Zeitungen nach Meldungen über die Giants suche, werde ich einzig in italienischen Zeitungen fündig. Die deutschen ignorieren die Mannschaft völlig.

Auch der Chef des größten heimischen Internet-Nachrichtenportals (bei dem ich gelegentlich als freier Mitarbeiter fungiere) hat zeigte bisher kein Interesse an einer Giants-Berichterstattung.

Trotz aller fehlender kultureller Affinität gedenke ich, auch heuer wieder mindestens eines der vier Heimspiele der Giants zu besuchen, auch wenn ich angesichts des Spielkalenders wenig Hoffnung habe, einen freien Termin zu finden.

Das US-Trio

Ohne respektlos gegenüber den italienischen Spielern zu sein – aber wenn ich auf europäische Football-Teams schaue, geht der Blick immer zuerst auf die US-Spieler, und von woher sie gekommen sind. Die Giants haben 2011 drei Amerikaner im Kader.

Reggie Greene

Reggie Greene

RB Reggie Greene ist der beste Running Back der IFL und das auch noch nach acht Jahren bei den Giants und mit mittlerweile 35 Lenzen auf dem Buckel. Greene ist ein kleiner, aber kräftiger Mann, der auch schon 8 Touchdowns in einer Partie gemacht hat, und konstant eines der besten Laufteams der Liga anführt.

QB Tony Colston ist ein Neuzugang aus den USA, ehemaliger Quarterback eines Division II Teams im College (Tusculum University in Tennessee) und in der ehemaligen Arena Football League 2 (Minor League der AFL) mal Stratege hinter einem Titelgewinn. Zuletzt aber nur noch Backup in der Arena Football League (der Major League, dort, wo einst Kurt Warner gereift war).

Ein anderes Kaliber sollte LB C.J. Cavness sein, ein Ehemaliger der Houston University (Conference-USA, FBS/Division I-A). Cavness galt in seiner Senior-Saison 2009 als einer der besten in seiner Conference. Mit knapp 100kg allerdings für die NFL zu leichtgewichtig. Cavness sollte zu den besseren Verteidigern in der IFL gehören.