Vorher / nachher

Natürlich würde ich gerne behaupten, dass ich Mahomes schon immer als #1 hatte. Doch weil schreibe, protokolliere ich. Und weil ich protokolliere, lässt sich Einschätzung mit Eingetroffenem recht gut miteinander vergleichen.

Vor dem Draft ist leicht stinken. Nach dem Draft ist leicht alles gewusst zu haben. Doch lass uns mal das Vorher und Nachher miteinander vergleichen. Nehmen wir zum Beispiel den NFL Draft 2011. Weiterlesen

Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Kansas City Chiefs @ Houston Texans

Playoffs!

Wie so oft in den letzten Jahren macht das vermeintlich langweiligste Spiel den Anfang. Die Kansas City Chiefs (11-5, #5-Seed) besuchen die Houston Texans (9-7, AFC South Champions, #4-seed); Kickoff 22.35Uhr. Via NFL Gamepass übertragt ESPN mit Mike Tirico und Jon Gruden am Mic; in Deutschland ist ab 22.10 Pro7 Maxx beziehungsweise ran.de dabei mit Florian Schmidt-Sommerfeldt und Jan Stecker nehme ich mal an, steht bei ran.de aber nicht explizit. In Österreich wie immer bei PULS4 mit Eschlböck und Reiterer.

Also: ist das wirklich so ein langweiliges Matchup, wie es sich anhört?

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NFL Power Ranking 2014, Week 13: Falsch ist richtig scheint falsch

Einer der spannendsten Moment des NFL-Sonntags war die Field-Goal Entscheidung von Head Coach John Harbaugh bei Baltimore Ravens vs San Diego Chargers: Harbaugh ließ mit 2:27 Minuten auf der Uhr und einer 30-27 Führung bei 4th-Down und 4yds to go ein Fieldgoal von der 13yds-Line schießen – das Äquivalent zu einem 33yds Fieldgoal.

Keith Goldner hat die Entscheidung in all ihren Einzelheiten unter die Lupe genommen und wenig überraschend herausgefunden, dass es die falsche Entscheidung war. Es war die falsche Entscheidung, weil NFL-Headcoaches – ja vielleicht, weil wir Menschen – so gestrickt sind, dass wir manchmal die besseren Entscheidungen treffen, wenn man uns dazu zwingt.

Sprich: Ein Team, das in den letzten Augenblicken eines Spiels vier bis sechs Punkte in Rückstand liegt, ist oft viel aggressiver als ein Team mit genau drei Punkten Rückstand. Letzteres versucht sich oft am Garrett- oder Schwartz-Phänomen, an der 30yds-Line Laufspiel einzuführen und dann mit einem 50yds-Kick maximal den Ausgleich zu suchen (und oft sogar daran zu scheitern!). Die blanke dunkle Vorahnung lässt sie zu konservativ werden.

Teams, die Touchdowns scoren müssen, trauen sich deutlich mehr. Und sie machen häufiger den Touchdown, denn aggressive Offense ist oft besser als aggressive Defense – wie in diesem Fall die Chargers, die verzweifelt auf Touchdown gehen mussten um einen Wildcard-Konkurrenten nicht entwischen zu lassen. Und gewannen.

Wie fatal die scheinbar „sichere“ Sechspunkteführung häufig ist, zeigt auch Brian Burkes Modell in verlinkter Analyse: Die situativen Wahrscheinlichkeiten sind nicht mehr ganz up to Date, aber allein der Punkt, dass die Ravens mit einem verschossenen (!) Fieldgoal die höhere Siegwahrscheinlichkeit gehabt hätten als mit dem gelungenen, lässt aufhorchen.

Es ist kein Knick in der Optik und kein Knick in den Zahlen.

27-33 mit 2:27 Minuten to go und Start von der eigenen 20yds Line (nach Kickoff) war historisch gesehen in der NFL der letzten 15 Jahre die bessere Situation als 27-30 Rückstand mit 2:27 Minuten to go von der eigenen 21yds Line (nach verschossenem Fieldgoal).

Es war eine Situation, die mich frappierend erinnerte an die Superbowl 2010/11, als die Green Bay Packers in einer ähnlichen Situation auch den Kick versuchten, und auch dort hätten sie besser ausgespielt, ja sogar besseren den Kick daneben gesemmelt, als ihn zu verwandeln. Das ist nicht intuitiv, aber historisch richtig. Jene Situation ging letztlich unter, weil die Packers den Titel trotzdem holten. Die Ravens 2014 waren nicht so glücklich.

Der zweite Punkt, der interessant ist: Das Modell baut auf historischen Zahlen auf. Und die Historie zeigt auch die unbewusste Schwäche der Menschen, die aus lauter dunkler Vorahnung eine scheinbar bessere Situation (3pts Rückstand, 2:27 to go) in eine schlechtere verwandeln, weil sie lieber den „sicheren“ Ausgleich nebst Overtime mitnehmen als den Sieg zu suchen – den Sieg, den sie suchen, wenn man sie dazu zwingt. Zum Beispiel, indem man ein Fieldgoal zur Sechspunkteführung schießen lässt. Weiterlesen

Houston Texans in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        12-4    DP
Enge Spiele    5-0 
Pythagorean   10.2    (8)
Power Ranking   .578  (7)
Pass-Offense   6.6   (12)
Pass-Defense   5.8    (8)
Turnover       +12

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Da spielst du die beste Saison deiner noch jungen Clubgeschichte (12-4, ein Playoffsieg) und doch sind irgendwie alle latent enttäuscht – Willkommen bei den Houston Texans dieser Tage. Die sehr schaumgebremste Freude über den zweiten Divisions- und Playoffsieg lässt sich für meinen Geschmack an drei Dingen festmachen:

  1. Die Laxheit, mit der man am Saisonende einen höheren Seed in der AFC vergeigte.
  2. Die drückende Überlegenheit der Patriots im Divisional-Playoffspiel.
  3. Die Erkenntnis, dass man ausgerechnet auf der QB-Position gut, aber eben nicht exzellent besetzt ist.

Und so hängt man in Houston momentan zwischen der Hoffnung, dass man noch drei Jahre „Fenster“ fürn Erfolg offen hat und der bangen Skepsis, dass dieses Team zu wenige Playmaker besitzen könnte um den Schritt nach ganz oben zu schaffen. Positiv zu vermerken: Auch 2012/13 hielt sich das Schreckgespenst Gary Kubiak mit Fehlentscheidungen im laufenden Spiel zurück.

Die Offense

Seit Kubiak den Kinderschuhen entwachsen ist, predigt der Mann eine Zonenblock-basierte Laufoffense, die auf Finesse aufbaut. Und genau so ist Houstons Offense mittlerweile gebaut: Die Offensive Line ist nach vielen unterirdischen Jahren mittlerweile eine der besten in der NFL, obwohl nur wenige hoch gedraftete Star-Athleten im Kader stehen. Kubiak baut eben auf intelligente, fußflinke Leute, die pfeilschnell eine Spielzugentwicklung lesen können. Letztes Jahr machte man allerdings eine Baustelle auf, entließ RT Eric Winston, der nicht angemessen ersetzt werden konnte. Houston wird auf dieser Position nachbessern müssen.

Die Running Backs dahinter sind gesetzt: Arian Foster ist nach seiner (zu?) teuren Vertragsverlängerung von 2012 auf Jahre an die Texans gebunden, und als Abwechslung fungiert Backup Ben Tate. Ersatz ist vorerst nicht gebraucht.

Das Passspiel ist immer noch um den nicht altern wollenden WR Andre Johnson gebaut, einen prototypisch gebauten 1,96m-Bolzen. Johnson ist aber auch gleichzeitig der einzige verlässliche Ballfänger (abgesehen vielleicht noch von TE Daniels). Houston machte über die Jahre quasi gar nix, um die Superwaffe Johnson umwas ähnliches wie einen „Receiving-Corp“ zu ergänzen. Wo Johnson jetzt die 30 überschritten hat, wird Nachbesserung zur Pflichtaufgabe für die Texans – und das nicht bloß in einfacher Ausführung.

Unangetastet dürfte der Quarterback bleiben: Matt Schaub. Schaub ist wirklich kein schlechter Mann und der Weg, den er gemacht hat, ist aller Ehren wert. Aber zuletzt wurden die Limits des Matt Schaub immer deutlicher: Kann das Spiel wohl nicht komplett allein in die Hand nehmen und hat auch nicht alle Würfe bis ins kleinste Detail drauf. Trotzdem ist Schaub die mit Abstand sinnvollste Alternative für Houston – ein hochbezahlter Einkauf oder ein Top-Rookie empfände ich als unnötigen Luxus. Gescheiter, du machst was, um in Titelnähe zu bleiben, solange dieser Spielerkern noch beisammen ist, und gibst Schaub ein paar Waffen und eine starke Defense.

Backup ist der junge T.J. Yates, der noch limitierter ist, aber zumindest die ganz großen Bolzen vermeidet und immerhin ein bisschen Erfahrung (sogar 2 Playoffspiele!) aufweisen kann.

Die Defense

Die sehr straighte 3-4 Abwehr von DefCoord Wade Phillips ist mittlerweile komplett um die Einmann-Abrissbirne DE #99 J.J. Watt gebaut, dessen Weltklassesaison einige Geschichtsbücher neu schrieb. Watt griff von der eigentlich unscheinbaren, weil reinen Wühlerposition „3-4 DE“ nicht nur häufig indirekt ins Geschehen innerhalb der Pocket mit ein, sondern er machte alles: Tackles für Raumverlust (u.a. ca. 20 Sacks), zu Boden geschlagene Pässe, provozierte Fumbles, QB-Hits, QB-Hurrys… Brian Burke verglich Watts „big play“-Impact auf das Spiel mit denen seiner Positionskollegen in der NFL:

Big Play-Impact der Defensive Ends 2012/13

Big Play-Impact der Defensive Ends 2012/13

Ohne Worte.

So genial Watt ist, so sehr fehlt es den Texans immer noch am Nose Tackle, der eine Offense Line in der Spielfeldmitte in Angst und Schrecken versetzen kann. Mit Jon Jenkins oder Jesse Williams gibt es dieses Jahr vielleicht zwei mögliche Kandidaten am Ende der ersten Runde im Draft.

Bei den Linebackers ist nach dem nicht enden wollenden Verletzungssorgen des ILBs Cushing und dem Abgang des zuletzt enttäuschenden OLBs Barwin Handlungsbedarf angesagt. Bei den OLBs ist man mit jungen Leuten wie Reed oder Mercilus nicht übel aufgestellt, aber ein dynamischer Allzweckathlet wäre schon was Feines.

Im Defensive Backfield verlor man zwar den grundsoliden S Quin, aber nach dem Einkauf des S Ed Reed sollte man zumindest gleichwertigen Ersatz haben, auch wenn man abwarten muss, inwiefern Reeds „Freelance“-Fähigkeiten überhaupt zu einem Wade Phillips passen. Der zweite Safety ist Danieal Manning, und vielleicht sollte Houston für die Zeit nach Reed schonmal via Draft einen jungen Zögling nachziehen. Cornerbacks sind maximal in der Breite zu verbessern.

Ausblick

Weil das Quarterback-Problem, das man an der Backe hat, kein richtiges Quarterback-Problem ist, bleibt den Texans in erster Linie das eine: Sie müssen den Kader um Schaub aufmotzen. Das bedeutet nach einer dezent zurückhaltenden Free Agency für den Draft:

  • Wide Receiver
  • Wide Receiver
  • Nose Tackle
  • Inside Linebacker

Weil Houston ein insgesamt sehr gutes Team besitzt, Kubiak zuletzt seine hirnlosen Play-Callings in der Crunch-Time aufgab und die AFC South eine erneut wachsweiche Angelegenheit zu werden scheint, dürfte Houston mal wieder als hoher Divisionsfavorit antreten und, obwohl etwas schwächer aufgestellt als in den letzten beiden Jahren, das Playoff-Ticket fast schon gelöst haben.

Statt Pro Bowl – Das All-Pro Team 2012

In guter alter Tradition wird die Spaßveranstaltung heute abend hier geflissentlich ignoriert. Stattdessen kommt nach den Awards von Seminole und korsakoff heute mein All-Pro-Team mit den Spielern, die mir in der Saison 2012/13 am besten gefallen haben. (Das All-Pro Team 2011/12 gibts hier.)

Offense

QB – Tom Brady (Patriots): Brady hat 2012 noch einmal deutlich gemacht, warum man manchmal davon spricht, daß ein Quarterback seine Offense „orchestriert“. Der Golden Boy hat den Term „no-huddle Offense“ auf ein neues Niveau gehoben. Auch die vielen Verletzungen von Spielern wie Gronkowski, Hernandez, Edelman oder Woodhead konnten Brady nicht einbremsen.

RB – Adrian Peterson (Vikings): Es macht einfach Spaß, Purple Jesus laufen zu sehen. Am Ende hat er den Rekord zwar nicht gekriegt, aber mit seiner großen Saison nach einem Kreuzbandriß dafür gesorgt, daß RBs wieder Kandidaten für die MVP-Trophäe werden können.

LT – Trent Williams (Redskins): Williams war mal 4th overall pick. Und das ist erst drei Jahre her. Trotzdem ist er kaum bekannt. In seinen ersten beiden NFL-Jahren hatte er unter Verletzungen und Sperren zu leiden. Aber dieses Jahr konnte auch der gemeine Fernsehzuschauer sehen, was der Shanaclan in ihm gesehen hat, als sie ihn anno 2010 zu ihrem ersten Draftpick in Washington gemacht haben. Die Königsdisziplin für Offensive Tackles ist immer noch das pass blocking, aber wie Williams im Laufspiel mit so großer Sicherheit den richtigen Gegner zum blocken gefunden hat, schnell mit seinen Füßen da war und sein Opfer mal eben umgestellt hat wie ein paar Legosteine, läßt pass blocking-Maschinen wie Jake Long vergessen.

LG – Mike Iupati (49ers): Iupati bildet mit seinem Nebenmann Joe Staley die beste linke Seite der Liga. Einen derart athletischen Spieler mit seinen körperlichen Ausmaßen (1,97m, 150kg) findet man sonst nur in Baltimores Haloti Ngata.

C – N.N. Den Center in meinem Team muß ich weglassen, weil mir niemand besonders aufgefallen ist. Die meisten pundits sagen, daß Minnesota John Sullivan am stärksten war. Aber wer kann das bei einem Center schon ernsthaft vom Fernseher aus entscheiden? (Warum wird das All-Pro Team eigentlich nicht von den Coaches gewählt, sondern nur von Journalisten, deren Argumention zwischen „TebowOMFG“ und „AsomughaÍstDerBesteCornerbackDerWeltDasSchreibtSchließlichJederVonJedemAb“ oszilliert?)

RG – Alex Boone (49es): Ich hab keine Ahnung, wo dieser Boone plötzlich hergekommen ist. Aber er spielt, als hätte er nie etwas anderes getan als in einer sehr komplexen Laufoffense erfahrene Profis vom Kaliber eines Vince Wilfork oder 400kg-Typen wie B.J. Raji aus dem Weg zu räumen.

RT – Sebastian Vollmer (Patriots): Vollmer ist hier nicht, weil er Deutscher ist, sondern weil er tatsächlich der beste Right Tackle der Saison 2012. Er ist auch einer der wenigen Offensive Tackles, die sowohl im pass- als auch im run blocking überragend sind. Vollmer ist in diesem Sommer Free Agent und wird sich ein Konto suchen müssen, daß auch achtstellige Beträge zuläßt.

TE – Rob Gronkowski (Patriots): Über Gronkowski muß man nicht viel sagen. Er hat Tight End zur neuen „in“-Position gemacht. Nur werden die anderen Mannschaften merken, daß 2,00m-Typen, die blocken können wie ein Offensive Lineman und Pässe fangen können wie ein WR, nicht mal eben im Supermarkt zu kaufen sind.

WR – Calvin Johnson (Lions): No brainer. Mit Abstand das Beste, was man in Sachen Receiving im Football bewundern darf.

WR – Vincent Jackson (Buccaneers): Jackson hat in seiner ersten Saison in Tampa gezeigt, daß er einer der wenigen WRs, die mit jedem QB gut aussehen.

WR – Reggie Wayne (Colts): Reggie Wayne ist das Beste, was Andrew Luck jemals passieren konnte. Beeindrucken an Waynes Leistung 2012 war vor allem, daß er mit Mitte 30 nochmal eine ganz neue Rolle gelernt hat. Unter Peyton Manning war er immer an der Seitenlinie angekettet, nun wurde er von OC Bruce Arians über das gesamte Feld geschickt und sah rechts, links, im Slot und auch überall anders aus wie neugeboren.

Defense

DE – Cameron Wake (Dolphins): Wake ist ein wenig untergangen, weil Miami keine großen Spiele hatte und auch keine Storylines produzierte. Aber Cameron Wake, der 2009 aus der CFL kam, muß sich spätestens nach dieser Saison vor keinem anderen Defensive End mehr verstecken.

DT – J.J. Watt (Texans): Spätestens wenn Watt, wie zu erwarten steht, nicht MVP der Saison 2012 wird, ist dieser MVP-Titel absolut wertlos. Watt hat eine dermaßen einzigartige Saison in einer unglaublichen Konstanz gespielt, daß er nicht nur DPOY und MVP werden sollte, sondern Sportler des Jahres. Weltweit. Ich habe noch nie einen Verteidiger in der NFL so dominieren sehen wie Watt 2012.

DT – Geno Atkins (Bengals): In den meisten anderen Spielzeiten wäre Atkins klarer Favorit auf den Title DPOY. Dieses Jahr reicht es nur für einen Platz im All-Pro Team. Atkins sieht aus wie ein typischer Defensive Tackle, hat aber eine quickness in den Füßen (und im Kopf), die sonst eher Slot Receivers an den Tag legen.

DE – Calais Campbell (Cardinals): Arizonas Campbell wird manchmal als J.J. Watt für Arme bezeichnet. Das ist Quatsch. Richtiger wär es zu sagen, Watt ist unbezahlbar und Campbell der Watt für die Warren Buffets. Oder so ähnlich. Was Campbell in dieser Saison mit seinen Mitleid verdienenden Gegenspielern gemacht hat, erinnerte an Puppentheater, wobei er die Fäden zog. Der Anker der Cardinals-Linie ist der Spieler, der mit seiner Kombination aus purer Kraft, tänzermäßigen Füßen und perfekter Technik am ehesten an Watt heranreicht.

OLB – Von Miller (Broncos): Miller wäre wie auch Campbell und Atkins locker DPOY geworden, wenn nicht Watt seine Saison von einem anderen Stern gespielt hätte (und natürlich Atkins und Campbell selber nicht so überragend gewesen wären). Was Miller neben der spielerischen Stärke an sich auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Er gibt einen erstklassigen 43-OLB in Denvers Base-D und er gibt einen ebenso erstklassigen Pass Rusher als DE in Nickel- und Dime-Formationen.

MLB – Daryl Washington (Cardinals): Während anderswo noch darüber diskutiert wird, ob Bowman oder Willis der beste Linebacker der NFL ist, hat Arizonas 34-ILB Daryl Washington gespielt, als würde er vor jedem Spiel zwei Kilo Koks ziehen und meistens trotzdem kühlen Kopf bewahren. Falls das möglich ist. Zeitweise sieht er mit seiner Explosivität und seiner Aggressivität aus wie Ray Lewis zu seinen besten Zeiten. Manchmal sieht er auch einfach aus wie ein Irrer und rennt mit 200km/h in das falsche Loch. Aber wenn er wie in 95% aller Plays den richtigen Riecher hat, dann: Hals- und Beinbruch!

LB – NaVorro Bowman/Patrick Willis (49ers): Sie sind beide überragend. Ich könnte mich nicht für einen entscheiden, wenn ich es müßte. Was Bowman und Willis vor allem auszeichnet, sind ihre Fähigkeiten in pass coverage. Sie sind zwei der wenigen Verteidiger, die es auch mit den „neuen“ Tight Ends aufnehmen können.

CB – Antonio Cromartie (Jets): Der großmäulige Störenfried Antonio Cromartie stand fürchterlich unter Druck nachdem Darelle Revis auf IR gewandert ist. Zur großen Überraschung hat er dann aber tatsächlich gespielt wie ein waschechter franchise corner. Er ist auch ein Grund dafür, daß Trottelgesicht Owner Woody Johnson gerne Revis traden würde.

CB – Richard Sherman (Seahawks): Aus dem Nichts kam letztes Jahr der 5th-rd pick auf die Bühne und hat die etablierten WRs respektlos gegängelt.Der größte Trash Talker, den Stanford je hervorgebracht hat, ist mit seinem großen massigen Körper und seinem extrem physischen Stil ein Unikat in der NFL. Seit dieser Saison kann er es mit Jedem aufnehmen und auch sein selbst gewählter Spitzname Optimus Prime paßt wie die Faust aufs Auge, nachdem er Megatron bei drei Catches halten konnte.

S – Earl Thomas (Seahawks): Während Sherman und sein Gegenüber Brandon Browner immer eng am Mann sind und Verfolgungsarbeiten übernehmen, zieht Thomas in der Tiefe des Feldes seine Kreise und schlägt blitzschnell und instinktsicher zu, wenn mal ein Ball tief geworfen wird. Ein echter Seeadler eben. Wenn Thomas sich so weiter entwickelt, könnte er der legitime Erbe der aktuellen großen Safety-Generation sein. Er sollte sich dann aber bitte weniger häufig verletzen als Ed Reed, Troy Polamalu und Bob Sanders.

S – Ryan Clark (Steelers): Während Troy Polamalu mal wieder ständig verletzt war, hat sein Nebenmann Clark die Führung der secondary übernommen. Der unscheinbare Safety macht Sonntag für Sonntag das, was ein Safety eben so machen sollte: für Sicherheit sorgen. Die Pass-D Pittsburgh war nach NY/A die Nr. 2 im Land und ein großer Grund dafür war Clark.

Es sind sicherlich einige Spieler rausgefallen, einfach weil ich sie nicht oft genug gesehen hab. Es kann durchaus sein, daß beispielsweise Clevelands CB Joe Haden, Buffalos Safety Jairus Byrd oder irgendwer von Kansas City auch herausragend gespielt hat. Das hab ich aber leider nicht oft genug gesehen, weil – wer guckt schon Spiele von Cleveland, Kansas City oder Buffalo?

Preview Divisional Playoffs – Texans@Patriots

[Sonntag, 22.30Uhr auf ESPN America, Sport1+ und Puls4; kommentiert (über CBS) von Jim Nantz und Phil Simms.]

Statt einer ausführlichen Vorschau, die kommt am Wochenende noch von korsakoff, konzentriere ich mich hier auf drei match-ups, die am Sonntag entscheidend werden könnten.

Patriots LBs vs Texans TEs

Cincinnatis Defense hat letzte Woche gegen Houston größtenteils sehr gut ausgesehen. Vor allem die Defensive Line und die Secondary haben den Texanern das Leben sehr schwer gemacht. Houstons Rettungsanker waren die fürchterlichen Linebackers. Ray Maualuga sah zeitweise aus wie Weiterlesen

NFL Notizblock Woche 15 – Colts@Texans

Die Spielplanmacher der NFL haben die beiden matchups zwischen den Indianapolis Colts und den Houston Texans dieses Jahr in die letzten drei Wochen der Saison gelegt. Damit konnten die Überraschungs-Colts (9-4), die bisher in mehr als einem Sinne vom Luck profitierten, mit einem Sieg gegen die Texans (11-2), die Montag nacht von den Patriots grün und blaub geprügelt wurden, weiter im Rennen um die Krone der AFC South bleiben. Was daraus wurde:  Weiterlesen

Houston Texans in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#11 DE J.J. Watt (Wisconsin)
#42 DE Brooks Reed (Arizona)
#60 CB Brandon Harris (Miami)
#127 CB Rashad Carmichael (VT)
#144 S Shiloh Keo (Idaho)
#152 QB T.J. Yates (UNC)
#214 OT Derek Newton (Arkansas State)
#254 DT Cheta Ozougwu (Rice)

Um die Nachricht des Tages vorwegzunehmen: Die Houston Texans haben an #254 DT Cheta Ozougwu von der lokalen Rice University (liegt in Houston) und somit den offiziellen Mr. Irrelevant 2011 gedraftet. Mr. Irrelevant, das ist der letzte gedraftete Spieler in jedem Draft.

Zum Rest – Die Houston Texans hatten zuvor ihr Draft-Abenteuer 2011 mit fünf Abwehrspielern begonnen. Jemand überrascht? Der solide, aber blässliche DE J.J. Watt ist an #11 der Top-Pick und wird in der neu eingeführten 3-4 Defense eine End-Position einnehmen, während Superstar Mario Williams offenbar zum Outside Linebacker umgeschult werden soll.

An #42 mit Brooks Reed noch ein zweiter End, wobei Reed mehr als DE/OLB gilt und neben blindem Stürmen gen Quarterback nicht viel drauf haben soll. Sei’s dum, Houstons Lauf-Abwehr ist in Ordnung, aber immer wenn der Pass kommt, ruft Großmütterchen oh my gosh!

Houstons Secondary war absurd schlecht. Vermutlich deswegen 2x CB und 1x Safety im Draft. Einer der Cornerbacks ist Brandon Harris, ein guter Deckungsspieler, aber katastrophaler Tackler. Erstaunlich, dass man in Houston die Taktik, auf die grünen Rookies zu setzen, weiterverfolgt. Hat zuletzt ja prima funktioniert… Ich hätte eher auf die Trumpfkarte „Erfahrung“ gesetzt.

Interessanter Pick: T.J. Yates, ein Mann, dem schon jetzt, vor seinem ersten NFL-Down das Schildchen carrer back-up um den Hals hängt. Für einen anderen ist die Story „back-up“ zu Ende: QB Matt Leinart, einer der erfolgreichsten College-Spieler ever, ist mit dem Yates-Pick so gut wie abgeschossen und womöglich für immer in der NFLK verbrannt.

Summa summarum

Die Abwehrprobleme gegen das Pass-Spiel müssen abgestellt werden und Houston hat mit fünf (!) Picks zu Beginn des Drafts dagegen angearbeitet. Need hoch 5. Dabei ist es IMHO essenziell, dass die Texans nicht blindlings mit Defensive Backs begonnen, sondern erst den Pass Rush gestärkt haben. Denn die Secondary ist noch so jung, dass sie die Orgie an tiefen Bällen noch nicht verteidigen kann. Man darf gespannt sein: Alte Taktik (Defense draften), aber nun mit Wade Phillips auch ein kompetenter Coordinator.

NFL Draft 2011 Countdown T-minus 4 – Defensive Line

Die Defensive Line gilt als hochkarätig besetzt. Was auffällt: Immer mehr Spieler sind sehr variabel, und können wahlweise in 3-4 oder 4-3 spielen und dabei zwischen NT, DT, DE und OLB verschoben werden.

Defensive Tackles

Nick Fairley vom BCS-Champion Auburn ist der meistgehypte Mann. Fairley sollte nach diversen Scharmützeln eigentlich Unfairley heißen, aber Fairley hat teilweise ganze Offensive Lines dominiert. Besonders auffällig im BCS-Finale: Oregon verzichtete darauf, Fairley zu blocken und ließ ihn das Angriffsspiel dafür „lesen“. Resultat: Fairley war der Matchwinner. Fairley, nicht Cam Newton. Allerdings läuft Fairley noch als one year wonder durch die Gegend – und als „Leichtgewicht“ (wog in Indianapolis plötzlich fast 5kg unter Kampfgewicht).

Deswegen könnte sich DT Marcell Dareus vom großen Rivalen Alabama wieder zurück an die Spitze gekämpft haben. Dareus gilt als vielseitig einsetzbarer Tackle für jedwede Defens, trotz allgemein eher schwacher Saison 2010/11. Clou an einem Dareus-Pick: Common sense ist, aus ihm einen DE für eine 3-4 Defense zu machen. Man hört jedoch auch Stimmen, bei einer Zulage von 5-10 Pfund (ca. 3-4kg) auch den Nose Tackle geben könnte. Riecht irgendwie nicht so stark nach „Carolina Panthers“, wie ich angenommen hatte.

Mehr der Typ Pass Rusher ist ex-Tar Heel Marv Austin. Austin wird alles Talent der Welt nachgesagt. Wäre er bloß a) nicht die komplette vergangene Saison suspendiert gewesen, b) etwas reifer und würde er bloß c) seine Überaggressivität in Sacks denn in gelbe Flaggen ummünzen. Austin ist mehr der Typ für das große Ganze (Sprich Sacks und QB niederschlagen) und soll kein Auge für Details haben (sprich auf Fakes des Gegners zu achten). Angeblich Talent für Runde #1, aber nur ein Kandidat für Runde #2-3, aus genannten Gründen.

Ganz heiß diskutiert wird Stephen Paea (sprich: Piiiie-uuh) von Oregon State. Der Mann wiegt 137kg und hatte in der Combine sensationelle 49 bench press reps. Ist Neuseeländer und spielt erst seit wenigen Jahren Football. Typ: Riesiges Potenzial, das bisher nur bisweilen in riesige Leistungen umgesetzt wurde. Ein Team wird voll riskieren und Paea in den ersten beiden Runden draften.

Weniger aggressiv, dafür umso massiver gebaut ist der gedachte Nose Tackle Phil Taylor von Baylor: 1,93m, 152kg sind Dampfwalzen-Maße. Ob damit die Pancakes als Stats auch für D-Liner eingeführt sind? Wer einen eindimensionalen Nose Tackle voller Gewalt mit verbrecherischer Vergangenheit (eingebuchtet wegen schwerer Körperverletzung) sucht, für den Double Teaming eingeplant werden muss, wird Taylor holen.

Noch krasser geht nicht?

Gestatten, Kendrick Ellis vom kleinen Hampton College. 1,96m, 157kg. Seine Verbrecher-Bilanz geht weniger in Richtung „Schlägertyp“, dafür mehr Kiffer – gilt aber seit seinem Rauswurf bei Steve Spurriers Gamecocks als geläutert. Der typische fette Sack, der in der Mitte der 3-4 platziert wird, um zwei Blocker aufzunehmen, aber sonst kaum gebräuchlich. Für den Rasenwart bedeutet dies: Schwerstarbeit in der Mitte des Spielfeldes, aber außerhalb des Hash Marks wird Ellis nur wenige Halme zertreten.

Einen hab ich noch – Muhammad Wilkerson, ein Tackle aus der Mid-American Conference. Ehemaliger Basketballer, der gut daran getan hätte, am College weitere Erfahrung zu sammeln.

Defensive Ends

Die bestbesetzte Position, wenn es nach Mike Mayock und Konsorten geht. Der Pool zeigt sich so tief, dass sich immer noch kein klarer #1-DE herauskristallisiert hat. Im Jänner galt Clemsons Da’Quan Bowers als Top-Pick, aber Bowers scheint mit Verletzungsproblemen zurückgefallen zu sein. Bowers ist ein wuchtiger und vor allem flexibler Pass Rusher, der in der ACC mächtig aufgegeigt hat. Fragezeichen stehen hinter seiner Konstanz.

Aus der ACC kommt mit Robert Quinn noch ein weiterer Top-End. Quinn hat allerdings wenig Football gespielt in North Carolina, da er 5 Tausend $$ angenommen hat. 5 Tausend! Folge: Sperre und gilt als wenig intelligenter Spieler, der noch nicht gelernt hat, sich auf komplizierte Block-Schemata einzustellen. Ist ein reiner Pass Rusher und könnte zu Beginn der NFL-Zeit als (Achtung, jetzt wird’s fachsprachlich) situational pass rusher eingesetzt werden.

Ein Riesen-Talent soll Aldon Smith von Mizzou sein. Ich habe Mizzou mehrfach gesehen. Aldon Smith ist mir nicht aufgefallen. Wenn alles gut läuft, traut man ihm eine Karriere á la Terrell Suggs zu – als reiner Pass Rusher in die Liga zu kommen und sukzessive über 3-4 Jahre eine Entwicklung zum kompletten DE/OLB nehmen. Bisweilen aber ein Sack-Spezialist, der nicht gerne gegen Kraftbolzen anläuft.

Ganz heiß gehandelter Name ist auch der von Iowas Adrian Clayborn. Clayborn gilt als Kraftlackel, dem der Ruhm etwas zu Kopf gestiegen ist und der nachts gerne arme Taxifahrer windelweich prügelt.

Zu den soliden „low-risk“-picks:

J.J. Watt von Wisconsin hat eine eindrucksvolle Rose Bowl gespielt und genießt den Bonus, ein weißer Defensive End zu sein. Die GMs wissen, was sie an Watt haben. Dafür soll das Entwicklungspotenzial beschränkt sein.

Ähnliches gilt für den zweiten weißen End-Kandidaten Ryan Kerrigan, den die halbe Expertenriege nach Jacksonville oder New England gehen sieht: Solider, intelligenter Mann, reif für sein Alter. Dafür kein Kandidat für die Hall of Fame.

Zwei habe ich noch. Zwei Camerons.

Cameron Heyward genießt den Bonus, in Ohio State gespielt zu haben und dadurch zu wissen, wie sich Druck im Allgemeinen und Flexibilität in der Defensive Line anfühlen. Ich persönlich bin skeptisch bei ehemaligen Buckeyes – zu viele haben in den letzten Jahren enttäuscht.

Cameron Jordan kommt von Cal/Berkley und gilt als fast ausgelernt, spielte häufig alle Snaps durch und das mit gutem Grund: Kann Lauf und Pass gleichermaßen abwürgen und soll ein fast identer Spielertyp wie Ex-Teamkamerad Tyson Alualu sein – der vergangenes Jahr von Cal nach Jacksonville ging. Die Jaguars suchen übrigens wieder einen End…