Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Samstag: Indianapolis Colts – Kansas City Chiefs Preview

Die NFL-Playoffs haben uns wieder! Heute Abend ab 22h35 geht es los mit dem ersten Wildcard-Spiel. Die NFL-Playoffs sind jedes Jahr ein absolutes Highlight des Sportjahres. Sie laufen nach dem Prinzip do or die ab. Keine best of-Serie, kein Rückspiel. Verliere und fahre heim. Und das nicht in langweiligen Runden wie Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, sondern in Wildcard Weekend, Divisional Playoffs, Conference-Championships und Super Bowl.

Den Auftakt dieses Jahr machen die Sieger der AFC South, die Indianapolis Colts (11-5) und die Kansas City Chiefs (11-5), Zweite der AFC West. Spielstätte ist das Lucas Oil Stadium in Downtown Indy, eine Halle mit verschließbarem Dach, die eigentlich immer voll ist, aber ausgerechnet im Vorfeld dieses Playoff-Auftakts hatten die Colts Probleme, all ihre Tickets loszuwerden um einen Blackout im heimischen Markt zu verhindern.

Colts gegen Chiefs klingt nicht unbedingt nach einer Top-Paarung. Hier treffen die Teams aufeinander, die in den letzten beiden NFL-Drafts jeweils einen #1-Draftpick hatten, was nix anderes bedeutet, dass sie 2011 (Colts) und 2012 (Chiefs) jeweils die schlechteste Bilanz der Liga gehabt hatten. Die Partie hat aber ihre Reize.

Da wäre zum einen der voluminöse Head Coach der Chiefs, Andy Reid, letztes Jahr mit Schimpf und Schande aus Philadelphia fortgejagt, und nun das (nach Siegen) schlechteste Team der Liga innerhalb eines Jahres in die Playoffs geführt. Reid musste prinzipiell nicht viel mehr anstellen als einen Quarterback einzukaufen (das machte er: Alex Smith) und seiner Offense solideres Spiel einzubläuen (tat er: Nur 18 Turnovers für die Offense). Das reichte gegen einen nicht allzu schweren Schedule für den schnellen Turnaround.

Auf der anderen Seite steht Chuck Pagano den Colts vor. Pagano bestritt sein zweites Jahr als Headcoach, aber 2012 hatte er großteils wegen einer Leukämie-Erkrankung verpasst. 2013 war sein erstes „volles Jahr“, und er beging keine auffälligen Fehler. Vielmehr kann man ihm attestieren, aus einem limitierten Kader nahezu das Optimum herausgewringt zu haben.

Wenn die Colts den Ball halten

Indianapolis erreichte schon im letzten Jahr die Post-Season. Damals spielte die Mannschaft um ihren QB-Grünschnabel #12 Andrew Luck einen risikoreichen Ball mit sehr viel vertikalem Passspiel in der Offense. Das führte zu besseren Ergebnissen als befürchtet, aber man war auch extrem anfällig gegen Turnovers. Als Konsequenz wurde nach dem Abgang des OffCoords Bruce Arians (wurde Headcoach in Arizona) dazu, dass man einen OffCoord Pat Hamilton einstellte, der vor allem dafür bekannt ist, dass er physische Spielweise und Kurzpassspiel bevorzugt.

Das sieht dann so aus: Während Luck 2012 noch in 27% der Pässe mehr als 15yds warf, sind es heuer nur noch 20%. Entsprechend steigerte Luck seine Completion-Rate auch von 54% auf 60%, senkte seine Sack-Quote von 6% auf 5.2% und vor allem: Er warf dieses Jahr nur noch 9 Interceptions im Vergleich zu 19 in der vergangenen Saison.

Luck ist der Mann, der diese Offense definiert. Es laufen zwar nicht mehr so viele Spielzüge durch die Luft, aber zu behaupten, dass Indys Laufspiel effizient wäre, ist eine glatte Übertreibung. RB #34 Trent Richardson wurde nach zwei Wochen teuer aus Cleveland eingekauft, erwies sich aber als gigantischer Bust und hinderte die Offense mit immerhin 157 Carries bei nur 2.9yds/Carry mehr als er ihr geholfen hätte. Richardson ist ein Back, der eigentlich optisch wie ein Star aussieht, allein… der Output ist nicht da.

Indys Offense Line ist trotz einiger teurer Offseason-Einkäufe wie LG Thomas oder RT Cherilus nicht allzu stark besetzt, aber 2.9yds/Carry sind dennoch unterirdisch für NFL-Verhältnisse. Zumal Richardsons Backup, der schmächtig gebaute Donald Brown, mit 5.3yds/Carry und null (!) Fumbles eh die bessere, sicherere Alternative zu sein scheint. Aber das ist kein Laufspiel, das dich tragen kann.

Luck ist meistens gefragt, und er macht seine Sache gemessen an dem Material, mit dem er arbeiten muss, hervorragend: 6.1 NY/A im Passspiel mit Leuten wie WR #13 Hilton (83 Catches, 1086yds, 5 TD, wird in 32% der Fälle tief angespielt), TE #80 Fleener (52 Catches, 608yds, 4 TD) oder Lucks College-Teamkollege WR #17 Whalen (kam vom Practice-Squad) sind eine Hausnummer. Der beste Wide Receiver ist möglicherweise der ungedraftete Rookie #16 Da’rick Rogers, der aber nur in vier Spielen Action sah.

Die Colts-Offense sah vor zwei Wochen im Regular-Season Spiel gegen diese Chiefs recht dominant aus, aber es gibt auf Chiefs-Seite einen großen Neuling im Vergleich zu jenem Spiel: OLB #50 Justin Houston, der in der ersten Saisonhälfte der vermutlich beste Abwehrspieler der Liga war, und danach nach Woche 10 mit diversen Verletzungen ausfiel. Houston soll heute Abend wieder fit sein, und auch ein halbfitter Houston ist ein massives Upgrade für die Chiefs. Am augenscheinlichsten wird das im Passrush zu spüren sein, wo die Chiefs im „Hinspiel“ heftig blitzen mussten und dabei ihr Defensive-Backfield ein ums andere Mal in Bedrängnis brachten.

Wenn du vorne den begnadeten und optisch so einzigartigen OLB #91 Tamba Hali (11 Sacks) mit Houston (11 Sacks in 11 Spielen) mischen kannst, dann wird Luck in der Pocket schneller in Bedrängnis kommen als ihm lieb ist. Luck ist ein fantastischer Quarterback, aber auch er kriegt nasse Füße, wenn die Offense Line ein ums andere Mal zerbröselt wird. Hali soll allerdings „questionable“ sein, könnte, wenn er überhaupt spielt, nur mit halber Kraft auflaufen.

Die Chance für die Colts ist das nur durchschnittlich besetzte Defensive Backfield der Chiefs. Kansas City machte zwar bockstarke 21 Interceptions im Saisonverlauf, aber bis auf den Super-Safety #29 Berry („The Fifth Dimension“) spielt kein DB eine wirklich gute Saison: Bei dem Rookie #31 Cooper dachte man, einen ganz großen Fang gemacht zu haben, bis Cooper von Peyton Manning zweimal hintereinander in Fetzen zerrissen wurde und seither als Nervenbündel auf der Bank hockt.

Fix ist nur: Luck wird das Spiel tragen müssen. Laufspiel geht keine eine Defensive-Front mit einem NT-Monster wie #92 Dontari Poe (346 Pfund, gilt unisono als All-Pro Kandidat) und einem DE #94 Tyson Jackson (spielt sein bestes Profijahr) nicht.

Wenn die Chiefs den Ball halten

Die Chiefs-Offense ist relativ einfach erklärt: Gib RB #25 Jamaal Charles den Ball und bläue QB #11 Alex Smith so lange ein, ja keine Turnovers zu begehen, dass Smith sich nicht mehr traut, das Ei weiter als 10yds zu werfen. Eine Strategie, die funktioniert, solange die Chiefs in engen Spielen oder mit Führung spielen. Die Offense ist nicht explosiv, sie ist sogar ziemlich ineffizient (5.7 NY/A Passspiel ist unteres NFL-Drittel), aber sie vermeidet die Ballverluste: 18 Turnovers in 16 Spielen sind ein sehr guter Wert.

Charles ist der Schlüsselspieler: Das ist ein Runningback, der in seinen ersten Profijahren vorwiegend als change of pace-Back eingesetzt wurde und als solcher Berühmtheit erlangte, weil er jedes Jahr 5-6yds/Carry erzielte – Werte, die kein anderer NFL-Back über so lange Zeiträume annähernd einhalten konnte. Charles lieferte auch heuer wieder: 259 Carries, 1287yds (5.0yds/Carry) für 12 TD, und 70 Catches für 693yds und 7 TD. Das sind erstklassige Zahlen, noch dazu für einen Back, der ohne ernst zu nehmende Passspiel-Entlastung auskommen muss, und dessen Offense Line… hm… banal ist. Allerdings setzen die Chiefs fast zu oft auf Laufspiel und Charles: In EPA-Zahlen liest sich Charles’ Saison eher ineffizient.

Gegen Indianapolis könnte es jedoch eine gute Idee sein, viel Charles einzusetzen, denn die Colts-Abwehr strahlt eigentlich nur im Passrush Gefahr aus: Hier wäre OLB #98 Mathis zu nennen, der aktuelle Sack-Champion der NFL mit 19.5 Stück. Man hat Mathis wohl lange Zeit unterschätzt, aber dieses Jahr war er als Alleinunterhalter durchaus ein wichtiger Faktor für eine andernfalls recht unzuverlässige Defense.

Indys Lauf-Defense ist in Run-Success Rate (55%) und Y/A (4.5) jeweils recht weit unterdurchschnittlich. Die Offense Line der Chiefs ist keine Elite-Einheit, aber sie bekommt im Vergleich zum ersten Spiel diesmal in LT Brandon Albert eine Verstärkung zurück. Dafür fällt heute Abend RT Eric Fisher (#1-Draftpick 2013) aus.


Es ist das gefühlt engste Matchup vor diesem Wildcard-Weekend. Eine Prognose ist eigentlich qua Design zum Scheitern verurteilt. Es ist das Spiel eines QB-Jungstars Luck gegen eine potenziell hervorragende Defense, und das Spiel einer „Alte-Schule“ Offense gegen ein one trick pony an Defense. Kurz gesagt wird für die Chiefs viel davon abhängen, ob Charles in Gang kommt und Smith ohne Turnovers auskommt. Geschieht das, haben die Chiefs eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen. Gehen die Colts aber früh in Führung, könnte das Spiel ähnlich laufen wie das „Hinspiel“.

Alle Faktoren zusammengerechnet, sehe ich Indianapolis zuhause leicht im Vorteil. Es ist aber kein Tipp, auf den ich Geld setzen würde.

AFC Wild Card Preview: Kansas City Chiefs @ Indianapolis Colts

Jede Party beginnt mit einem ersten Drink und einem Smalltalk, an die sich schon zwei Stunden später niemand mehr erinnert. Das ist nicht schlimm, das gehört dazu. Bevor die richtig coolen Leute kommen und der teure Schnaps ausgepackt wird, muß man ja erstmal mit irgendetwas anfangen. Bei der diesjährigen Party „NFL Playoffs“ sind die beiden ersten Gäste die Langweiler aus Kansas City und die Streber aus Indianapolis.

Die Kansas City Chiefs (11-5) sind das am meisten überschätzte Team, während die Indianapolis Colts (11-5) die Mannschaft ist, die am deutlichsten über ihre Verhältnisse spielt. Nach korsakoffs ranking sind das die zwei schlechtesten Mannschaften in den Playoffs; und das deckt sich auch mit dem eyeball test.

Die Chiefs haben von ihren 11 Siegen nur einen gegen ein Team mit positiver Siegbilanz geholt – in Woche 3 gegen Michael Vick und seine Eagles. Sechs der Siege gab es gegen die fünf schlechtesten Mannschaften der Liga: Houston, Washington, Jacksonville, Cleveland und zweimal Oakland. Dazu gesagt werden muß aber, daß auch diese Spiele letzte Saison meistens in die Hose gegangen sind. Der neue Head Coach Andy Reid hat einen erstklassigen Job gemacht. Er hat die Prügelknaben (2 Siege, 14 Niederlagen in 2012) aufgerichtet, ein neues taktisches Korsett verpaßt, ihnen ihr Selbstvertrauen wiedergegeben und ganz plötzlich sind die Chiefs wieder so respektiert und respektabel wie zuletzt anfangs des letzten Jahrzehnts unter Dick Vermeil.

Aber langweilig sind sie. Furchtbar langweilig. Korsakoff hat ihr immer wieder darauf hingewiesen, daß diese Chiefs den 49ers der Saison 2011 sehr ähnlich sind. Aber mittlerweile würde ich das fast schon für eine Beleidigung der Niners halten. Die Chiefs haben die gleichen Charakteristika, aber die Umsetzung ist nicht so gut wie San Frans.

Chiefs Offense vs Colts Defense

Am besten klappt das noch mit der Field Position. Der Angriff um QB Alex Smith startet durchschnittlich an der eigenen 34-Yard-Linie. Das ist zwei Yards besser als der zweitplazierte – die San Francisco 49ers, natürlich. Dazu kommen völlig absurde 11 Touchdowns durch Special Teams und die Defense. Zum Vergleich: die Colts hatten derer zwei.

Auf die TDs kann man natürlich nicht regelmäßig zählen, weil da immer viel Zufall dabei ist. Aber Kansas Citys Special Teams sind erstklassig. Ohne deren Hilfe würde der Angriff auch zu fast nix kommen.

Alex Smith ist kein guter Quarterback. Nachdem bereits sein Vorgänger Matt Cassel einen 2nd-rd pick kostete und immer mal wieder Hoffnung machte, letztendlich aber doch nur die Chance nahm, einen jungen QB zu entwickeln, macht man es mit Smith genauso. 2nd-rounder abgegeben und durch die Hoffnung, daß er etwas reißt, nimmt man sich auch die Möglichkeit, einen jungen Typen hoch zu draften. Die Colts sind nun auch noch ein einigermaßen blödes matchup. Die Defense von Greg Manusky spielt sehr oft press man coverage. Mit CB Vontae Davis haben sie auch einen Idealtypus für diesen Stil. Er wird Dwayne Bowe aus dem Spiel nehmen, Kansas Citys einzigen WR für die Seitenlinie und die tiefen Bälle.

Wenn Smith paßt, dann alles kurz zu RB Jamaal Charles, Allzweckwaffe Dexter McCluster und slot guy Donnie Avery. Das wird ein Duell auf Augenhöhe, denn die Colts haben in der Mitte ganz passende Leute für dieses Kurzpaßgeschmeiße. LB Jerrell Freeman ist lange nicht über jeden Zweifel erhaben, aber er ist schnell, verdammt schnell. Eher daneben als dahinter (durch die fehlenden tiefen Waffen) werden die Safeties Antoine Bethea und LaRon Landry spielen. Bethea ist einer der zuverlässigsten space eater, derweil Landry einen fast einzigartigen Körper hat: gebaut wie ein LB, schnell wie ein RB. Nur macht er gerne mal einen Schritt in die falsche Richtung oder versucht spektakulär zu sein, anstatt den sicheren Lehrbuch-Tackle zu machen.

Mit diesem Trio in der Mitte muß auch kein Indy-Fan Angst haben, von KCs Laufspiel zerstört zu werden. Im Gegensatz zu Greg Romans Laufspiel in San Francisco, das eines der kreativsten und vielfältigsten und überhaupt schönsten ist, die man sich vorstellen kann, bekommt bei den Chiefs einfach Charles den Ball und alle gucken, was dann passiert. Das funktioniert auch regelmäßig, aber die ganz großen Sprünge macht man damit nicht. Fun Fact: sowohl die Jets, als auch die Patriots und Packers hatten in der Regular Season mehr Laufyards als die Chiefs.

Das entscheidende matchup ist hier ganz klar: Jamaal Charls in space gegen die edge players der Colts. Können Robert Mathis, Björn Werner und Erik Walden Charles bei Laufspielzügen diszipliniert die Außenseite zumachen? Und vor allem: können sie Charles auf Paßrouten decken und ihn zu Fall bringen, wenn er ihnen im 1-gegen-1 gegenübersteht? Daß es zu diesen Aufeinandertreffen kommt, dafür wird Andy Reid garantiert sorgen. Wenn Reid etwas kann, dann seine Westbrooks und McCoys und Charlesens per design in 1-vs-1-Situationen gegen überforderte Linebackers zu bekommen.

Colts Offense v Chiefs Defense

Auf der anderen Seite sieht es ähnlich aus. Nur daß die Colts einen richtigen Quarterback haben. Und was für einen! Die Colts verlangen von Andrew Luck unglaublich viel, vor allem, daß er immer wieder hinter einer schrecklichen Offensive Line lange 3rd Downs verwandelt.

Der Angriff unter dem neuen Offensive Coordinator Pep Hamilton (war bei Stanford auch Lucks OC) ist old school. Laufen, laufen und dann „Hau uns raus, Quarterback!“. Und auch hier ist es kein kreatives Laufspiel, sondern einfach Power, ab-durch-die-Mitte, three two yards and a cloud of dust. Allein die Offensive Line ist dafür nicht gebaut. Mann kann den RBs Donald Brown und Trent Richardson kaum einen Vorwurf machen, daß da nicht viel bei rumkommt.

So muß Andrew Luck immer wieder lange 3rd Downs verwandeln. Das kann er auch immer wieder, weil er eine unglaubliche pocket awareness und eine Cam-Newton-hafte Athletik besitzt. Er hat ein untrügliches Gespür dafür, wann von hinten links der pass rusher nur einen Schritt entfernt ist, er weiß instinktiv, wo der kleine Quadratztentimeter ist, wo er noch einen Schritt hin setzen kann. Und in der Not kann er auch immer einen 300-Pfund-Typen von seiner Schulter schütteln und auch mal für ein First Down laufen. Da er sich immer wieder Zeit „kaufen“ kann, haben auch seine mittelmäßigen WRs Zeit, sich freizulaufen.

Aber dieses Spiel, Lauf-Lauf-Paß, ist denkbar schlecht geeignet gegen diese Chiefs. Mit ihren dicken Jungs Dontari Poe, Mike DeVito und Tyson Jackson plus einer erstklassigen Absicherung in LB Derrick Johnson würde es zwangsläufig zu den langen dritten Versuchen kommen. Und dann können KCs bombige pass rusher Tamba Hali und Justin Houston (falls er denn wieder spielen kann) auf Teufel komm raus Luck attackieren. Hamilton muß hier etwas ausprobieren. Viel play action und shot plays mit sieben- oder acht-mann-protection bei ersten und zweiten Versuchen vielleicht. Darius Heyward-Bay, T.Y. Hilton und LaVon Brazil müssen dann die CBs schlagen und die Bälle auch fangen. Oder etwas ganz anderes. In den Playoffs werden die Stars geboren – nicht nur die Spieler, sondern auch die Coaches.

Also Charles gegen die OLBs und die Special Teams auf Seiten der Chiefs gegen den gameplan von Hamilton und die play making abilities von Luck auf der anderen Seite. Das heißt, es ist im Grunde so wie immer: Special Teams, Big Plays und Turnovers werden das Spiel entscheiden.

Es ist nur der erste Drink auf der Party, aber hey: die Party beginnt!

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week 9: Defensivschlacht kann was Herrliches sein

Week 9 steht vor der Tür, und bevor heute ein „neuer“ Gast die Vorschau durchzieht, wie gewohnt das TV-Programm bei SPORT1 US für den heutigen NFL-Abend (mit Sternchen gekennzeichnete Partien laufen im Multifeed-Kanal bei SKY):

19h    New York Jets - New Orleans Saints
19h    Washington Redskins - San Diego Chargers (*)
22h05  Oakland Raiders - Philadelphia Eagles
22h05  Seattle Seahawks - Tampa Bay Buccaneers (*)
02h25  Houston Texans - Indianapolis Colts

PULS4 bringt ab 22h35 die black’n’blue Partie New England PatriotsPittsburgh Steelers. Der Gamepass hat wieder alle Spiele live. Der komplette Spielplan von heute ist folgender:

19h    Buffalo Bills - Kansas City Chiefs
19h    Dallas Cowboys - Minnesota Vikings
19h    St Louis Rams - Tennessee Titans
19h    New York Jets - New Orleans Saints
19h    Washington Redskins - San Diego Chargers
19h    Carolina Panthers - Atlanta Falcons
22h05  Oakland Raiders - Philadelphia Eagles
22h05  Seattle Seahawks - Tampa Bay Buccaneers
22h25  Cleveland Browns - Baltimore Ravens
22h25  New England Patriots - Pittsburgh Steelers
02h25  Houston Texans - Indianapolis Colts

Diese Woche gibt es nicht bloß ein Free-Game, sondern den Gamepass gratis zu testen, bis inkl. 8.11.2013, aber aufgepasst auf die Kündigungsmodalitäten:

* Nach Ablauf des kostenlosen Probeabonnements am 8. November 2013. wird der Sonderpreis von €134,99 abgerechnet, sofern Sie das Abonnement nicht gemäß den geltenden Anweisungen gekündigt haben.

Zur Registrierung geht es hier entlang.

Damit zum Vorschautext, der heute vom Leser und aus der Kommentarspalte bekannten Philipp S., der sich an die interessantesten Spiele des Abends gemacht hat – nach dem Sprung.

Kansas City Chiefs @ Buffalo Bills

Dieses Matchup ist ein Paradebeispiel über die (Nicht-)Aussagekraft von den Statistiken, die die Diskussionen in der NFL so stark prägen. Chiefs und Bills sind in praktischen allen „oberflächlichen“ offensiven Team-Kategorien gleichauf. P/R YPG, PPG, 3rd Down Conversion – alles im Prinzip dead even, sogar die Turnovers, die das Bills-(Rookie)-QB-Rodeo in Form von INTs produziert sind nicht allzu signifikant über jene von Bilanzbuchhalter Alex Smith zu stellen. Trotz dieser Ähnlichkeit würde man nun wohl schwerlich behaupten wollen, dass die Chiefs offensiv nicht stärker einzuschätzen sind als die Bills. Dieser Unterschied hat 2 Namen und die sind auch die X-Factors des Spiels:

  1. Jamaal Charles: wenn ein RB der nicht AP heißt in der 9. Woche noch ernsthaft als MVP gehandelt wird (vor allem in Anbetracht von Mannings Madden-Statistiken) dann ist das schon eine Ansage. Wenn er dann auch noch (im Gegensatz zu AP) eine Waffe überall am Feld ist und nicht primär im Running Game, dann bereitet das dem DC wirklich Kopfzerbrechen. Die Flip-Side: Außer Charles haben die Chiefs keine wirklich Waffe, denn wegen Smith bekommt keiner Kopfzerbrechen. Einzig Charles zu covern, das hat noch keiner geschafft und wird wohl mehr als spannend: das könnte die Feuertaufe für den vielgelobten Rookie-LB Kiko Alonso werden.
  2. Bills-QBs: ich denke man muss nicht viel dazu sagen – jedes Team wird Probleme bekommen, wenn man 3 oder gar 4 (möglicherweise startet sogar Flynn am Sonntag) QBs in 9 Wochen auf das Feld schicken muss. Andere Teams schicken in 13 Jahren nicht so viele verschiedene QBs auf das Feld. Es ist bewundernswert wie die Bills das bislang kompensieren, vor allem weil auch ihr Jamaal Charles-light (C. J. Spiller) selbst schon die ganze Saison kaum bei 100 % spielt. Deshalb muss man die Bills auch Ernst nehmen. Wenn allerdings Thad Lewis nicht starten kann, dann wird es wohl ein sehr langer Abend werden. Für Jeff Tuel und Matt Flynn wird die starke KC-Defense wohl eine Nummer zu groß sein.

Womit wir beim letzten X-Factor wären: Defense. Hier ist KC ganz klar über die Bills zu stellen (auch statistisch), allerdings muss man auch hier aufpassen. Die beiden Defenses sind ähnlich gebaut. Sehr starke D-Line, an sich gute Secondary. Das Potential der Bills sehe ich hier ähnlich, allerdings rufen die Chiefs dieses Potential ab und die Bills nicht – jedenfalls nicht ein ganzes Spiel hindurch. Sollten sie das schaffen, kann die Defense diese Mannschaft tragen (so wie es die KC-Defense tut) und hier liegt auch das Upset-Potential in diesem Spiel.

Atlanta Falcons @ Carolina Panthers

Who knew? Everybody´s Darling aus dem Frühling ist de facto raus in diesem Jahr. In der NFC werden 8 oder 9 Wins nicht reichen und damit kann man Atlanta im Prinzip „forken“. Das ist Regression zur Mitte in ihrer extremsten Form. Die Falcons waren letztes Jahr nie so gut wie sie teilweise gemacht wurden und gewannen Spiele, die man normal nicht in so einer Anzahl gewinnt – das hat vor allem Schwächen in der Defense übertüncht. Und dazu kommen heuer Verletzungen.

Auf der anderen Seite die Panthers. Viele redeten bereits den endgültigen Fall von Cam Newton herbei und ergaben sich genüsslich der Erbsenzählerei über seine Fehler der letzten Saison – anscheinend sich ohne die Spiele wirklich anzuschauen (denn er hat durch die Bank gut gespielt). Das Ergebnis ist schnell zusammengefasst: alles andere als ein Panthers-Sieg wäre eine Überraschung, zumal die Falcons außerhalb der friktionsfreien Dome-Atmosphäre grundsätzlich Probleme haben (siehe Saints).

Klar, die Falcons sind nicht so schwach wie ihr Record (deswegen genannte extremste Form der Regression) und haben Spiele heuer durch dumme Fehler und nicht gemachte Plays hergeschenkt. Mit den Jaguars haben sie – außer geografischer Nähe – nichts zu tun. Aber machen wir es simpel und kramen in der Stat-Kiste: 62,4 Rushing Yards per Game. Die beiden Top-Receiver out. Eine Defense die keinen Druck auf den QB ausüben kann.

Wir haben sie gefunden: die goldene Ananas für „how to lose in the NFL“.

Minnesota Vikings @ Dallas Cowboys

Dass Christian Ponder vom Vikings-Coach wieder zum Starting-QB ernannt wurde sagt wohl mehr über die Schwäche der Backups (Matt Cassel und Josh Freeman) aus, als über die Stärke von Ponder. In meinen Augen sind alle ähnlich problematisch, Ponder hat vielleicht die Upside, dass er mobiler als die anderen beiden ist. Allerdings ist Ponder auch anfälliger für Turnovers (vor allem INTs) und insofern könnte das ganze für die Vikings ugly werden. Eine gewisse Logik gibt es aber trotzdem hinter dieser Entscheidung, da natürlich Ponder am längsten im System ist und im Gegensatz zu den anderen beiden kann ihm möglicherweise noch Lernfähigkeit und unausgeschöpftes Potential unterstellt werden.

Jedenfalls wenn man zuversichtlich sein möchte.

Unter obigem Kontext sollte es eigentlich ein Cakewalk für die ‚Boys werden. Die haben allerdings schon die ganze Saison über gehöriges Potential zur Selbstzerstörung gezeigt. Spielt die Offense ähnlich gut wie z.B. gegen die Broncos sollte es kein Problem geben. Wenn allerdings das Running Game weiterhin überhaupt nicht in die Gänge kommt könnte es auch gegen die Vikings Probleme geben.

Bemerkung am Rande: die ganze Dez Bryant-Geschichte scheint mir eher ein medialer Luftballoon gewesen zu sein. Unmutsbekundungen/emotionale Reaktionen gab’s auch schon von ganz anderen Typen, von denen man sich das nicht so erwartet (Brady fällt mir spontan ein). Das ist einfach Part of the Game bei Dez Bryant und ich meine die Cowboys wissen das – insofern glaube ich weder, dass es hier disziplinare Maßnahmen oder gar einen Leistungsabfall geben wird. Eher das Gegenteil erscheint wahrscheinlich.

New Orleans Saints @ New York Jets

Nach dem den Jets in der letzten Woche der Arsch gehörig aufgerissen wurde möchte man hier eine klar Sache vermuten. Da würde man aber womöglich gehörig falsch liegen. 3 zentrale Punkte, warum das nicht so laufen wird, wie die Exekution der Jets letzte Woche in Cincinnati:

#1: Die Jets unter Rex Ryan sind keine Mannschaft, die sich zweimal hintereinander so aufgibt. Einmal, ja, aber dann zeigen sie üblicherweise Eier. Und Rex Ryan ist im Stande die Mannschaft wieder aufzurichten und ihr Selbstvertrauen zu geben – siehe vor 3 Jahren, als sie von den Pats zuerst verhauen wurden und sie dann in den Play-Offs geschlagen haben (auch wenn da ein paar Wochen dazwischen waren). Zudem sollte der „Geno-Coaster“ nach der Performance letzte Woche wieder in Richtung oben zeigen.

#2: Die Saints-Offense mag nominell stärker als jene der Bengals sein, aber außerhalb des Superdomes und vor allem in windigen Stadien nicht das, was sie drinnen ist. Das MetLife Stadion ist – vor allem zu dieser Jahreszeit – eines der windigsten bzw. ist es sehr anfällig für böige und drehende Winde. Man kombiniere das mit einem starken Pass-Rush der Jets und muss nicht lange überlegen um zum Schluss zu kommen, dass Brees es schwer haben wird hier grandiose Passer-Numbers aufzustellen.

#3: Rex hat seinen Bruder bislang immer geschlagen (4-0) und dieses Metagame, wenngleich beide sich primär mit den jeweiligen Defenses beschäftigen, ist nicht zu unterschätzen.

Philadelphia Eagles @ Oakland Raiders

Im letzten Jahr hatte die NFL „Chuckstrong“, in diesem Jahr sind bislang – auch wenn das natürlich nicht vergleichbar ist – die Raiders die „Feel-good Story“. Das Team, dem vor der Saison eine gute Chance in der Bridgewater-Bowl eingeräumt wurde steht aufeinmal mit einem QB da, der Franchise-Potential zu haben scheint. Das Gute für die Raiders: da in der wohl stärksten AFC-Divison auch nach diesem Beginn keiner ernsthaft an die Play-Offs denken kann, haben sie die Möglichkeit Pryor wirklich zu entwickeln – denn so gut er läuft, so schlecht sind oftmals seine Pässe und Entscheidungen. Gegen Philadelphia wird es aber vor allem darauf ankommen, ob die Defense stark weitermachen kann.

Die Eagles sind für viele irgendwie eine Enttäuschung, weil man von Chip Kelly Revolutionen erwartete. Ob das fair ist muss jeder für sich beurteilen. Der wichtigste X-Factor wird wohl für beide Defenses sein die gegnerischen Rusher, vor allem die QBs, in check zu halten. Insgesamt deutet in dem Spiel aber doch einiges darauf hin, dass es sich wohl dadurch entscheiden wird, dass eines der Teams auf Grund von zu vielen Fehlern verliert.

Baltimore Ravens @ Cleveland Browns

Wir schreiben Woche 9 und die Browns sind weder aus dem Play-Off-Rennen noch erzittern sie in Angst vor einem wichtigen Division-Matchup gegen die Ravens. Alleine das hätten sich auch hartgesottene Browns-Fans nicht erwartet, vor allem nicht nachdem mit dem Richardson-Trade die Saison quasi offiziell in die Tonne getreten wurde. Das Paradoxe daran ist, dass die Siege irgendwie auch schal schmecken, weil man mit Weeden nicht wirklich an die Play-Offs glaubt und ein richtig hoher Draftpick immer weiter in die Entfernung rückt. Die Ravens hingegen befinden sich im Must-Win Modus, vor allem weil es ein Division Matchup ist.

Das Tolle für den geneigten Viewer: auch wenn sich kaum jemand vorstellen kann, dass die Browns dieses Spiel wirklich gewinnen, so kann man doch davon ausgehen, dass die Browns-Defense dieses Spiel jedenfalls bis ins 4. Quarter offen hält. Und alleine das ist bei einem AFC North-Spiel schonmal gut und hat das Potential für richtig geile finale Minuten. Denn – und das kann man denke ich so sagen – die Ravens haben wenn’s hart auf hart kommt niemanden der WR Josh Gordon und TE Jordan Cameron gleichzeitig aus dem Spiel nehmen könnte.

Und man darf nicht vergessen: Ein Sieg und dir Browns sind VOR den Ravens. Das wäre ein verspäteter und mehr als unerwartet Halloween-Trick für alle Ravens-Fans.

Pittsburgh Steelers @ New England Patriots

Was sich noch vor 2 oder sogar vor einem Jahr als 60 – 70 Punkte Spiel gelesen hätte (mal abgesehen davon, dass Big Ben vs. Tom Terrific natürlich ein absoluter Klassiker der 2000er Jahre ist), das lässt am Halloween-Wochenende 2013 alles andere als ein Offensiv-Festival erwarten.

Macht aber nichts! Denn die Würze ist trotzdem im Spiel und auch eine Defensivschlacht kann etwas Herrliches sein. Für die Steelers heißt es im Wesentlichen „Win or Done“, denn die Divisionkrone ist abgehakt und wenngleich in der AFC 9 Wins durchaus für einen Wild Card Spot reichen könnten, so ist nach einer Niederlage in New England kaum eine mirakulöse Winning-Streak zu erwarten. Zu schwach ist die Steelers Offense dafür ganz einfach.

Für die Pats auf der anderen Seite scheint die Situation komfortabel zu sein. 2 Spiele Führung in der Division und die Jets mit einem schwierigen Gegner. Vorsicht wäre aber angebracht. Der Pats-Schedule wird in der 2. Hälfte nochmal richtig knackig (Panthers, Broncos, Texans, Browns, Ravens, Bills) und durch die Bank wird ihnen ohne Heimrecht in den Play-Offs kaum eine Chance eingeräumt.

Im Spiel wird das wichtigste Matchup in den Trenches stattfinden. Die Pats haben Sopoaga zur Verstärkung der Run Defense geholt und das war nötig. Andererseits ist das Running Game der Steelers unterirdisch und die Pats-Lineman sind (außer Ninkovich) allesamt sehr jung, haben also durchaus noch Potential noch oben auf ihrer Habenseite.

Ohne Laufspiel wird’s aber für die Steelers nicht gehen, weil wahrscheinlich CB Aqib Talib bei den Pats zurückkehren wird und im Zusammenspiel mit CB Dennard und Safety McCourty ist das eine der stärksten Secondaries der NFL. Wenn man nun hinzuzählt, dass die Steelers abgesehen vom starken Antonio Brown kaum Gefahren im Passspiel besitzen, auf der anderen Seite aber Talib gezeigt hat, dass er einzelne Spieler (Jimmy Graham, anyone?) einfach mal 60 Minuten lang rausnehmen kann, dann sollte relativ klar sein, dass die Steelers das Spiel wohl nicht durch die Luft gewinnen werden.

Auf der anderen Seite schaut Gronkowski die letzten beiden Wochen fit aus und 2nd Round Pick WR Aaron Dobson gewinnt immer mehr Vertrauen von Brady – und verringert auch langsam seine Drops. Man hat im Moment das Gefühl, dass es jederzeit passieren könnte, dass diese Pats-Offense zu „clicken“ beginnt. Und das könnte für die Steelers dann problematisch werden.


Damit an dieser Stelle noch einmal ein fettes Dankeschön an Philipp S. für diese Vorschau. Das Sunday Night Game ist Houston TexansIndianapolis Colts, mit dem zweiten Einsatz für Houstons Backup-QB Keenum, der im Debüt vor zwei Wochen gar nicht übel aussah. Bei den Colts schaue man sich an, inwiefern sie weiterhin versuchen werden, einen ineffizienten RB Trent Richardson durchzuschleppen.

GFWTC, #121: RB Jamaal Charles

Wer dieses Blog regelmäßig verfolgt, wird sich vielleicht wundern, wie „früh“ (13te Runde) das Team korsakoff mit einem Running Back beglückt wird, hab ich doch oft genug darüber geschrieben, wie überschätzt die Position doch immer noch ist. So let me explain.

Es war, wie so oft im GFWTC-Draft, eine Frage der Werte: Was will ich für mein Team? Was brauche ich? Auf welchen Positionen sind die Unterschiede am eklatanstesten? Beim Blick über die Positional-Rankings fällt auf, dass auf erstaunlich vielen Positionen noch ausreichend gute Spieler zur Verfügung sind, die man auch in späteren Runden ziehen kann:

  • WR und TE – sämtliche Superstars sind weg, die verbliebenen Optionen sind größtenteils mehr oder weniger solide, und vor allem gibt es noch viele ähnlich gute WR-Typen, mehr als es in der GFWTC brauchen wird. Dank QB Rodgers kann das Talent-Level auch eine Ecke niedriger sein.
  • OT – sind noch etliche überdurchschnittliche Jungs auf dem Tablett.
  • C – die Granaten sind weg; die verbliebenen Jungs sind alle mehr oder minder gleich einzustufen. Late round picks.
  • DL – dito, und vor allem bin ich mit drei Superstars dort bereits recht tief besetzt.
  • LB – Position hat im Moment zu wenig Wert, weil nicht so wichtig und die verbliebenen Spieler alle ähnlich stark sind.
  • CB – ein guter Nickelback wird auch später abzugreifen sein.
  • S – mjam, wäre attraktiv. Aber der Spieler, der mir im Auge ist, könnte später noch zu haben sein.

Bleibt Running Back, wo viele der besten und attraktivsten Spieler bereits vom Tablett waren: C.J. Spiller, mein #1-gerankter Back, Doug Martin (#4), Ray Rice (#5), Adrian Peterson (#7), LeSean McCoy (#8). Peterson hatte ich etwas unfair gerankt, weil ich wusste, ich krieg ihn eh nicht, aber auch, weil ich bei aller Genialität Petersons ursprünglich sowieso einen kompletteren Back haben wollte. Marshawn „beast mode“ Lynch und Matt Forté wären Spieler gewesen, die ich fast in Betracht gezogen hätte, und Chris Johnson aus Tennessee hätte ich genommen, wenn ich früher an meiner Offensive Line gearbeitet hätte, aber da mein Team eben momentan so aussieht wie es aussieht, sah ich nur mehr drei ernsthafte Möglichkeiten bei den Running Backs:

Darron Sproles (Positional-Ranking #6). Der Superzwerg passt konzeptionell wie Arsch auf Eimer in meine Offense, als Allzweckwaffe aus dem Backfield heraus. Aber Sproles ist mir zu wenig Ballträger, bei allen zusätzlichen Dimensionen, die meine Offense durch ihn kriegt, und Sproles ist bereits 30.

Trent Richardson (Positional Ranking #3). Richardsons Rookie-Jahr galt mit 3.6yds/Carry als leichte Enttäuschung, ist aber aus vielen Gründen (Verletzungen, schwächelndes Passspiel, gute Success-Rate) noch kein K.o.-Argument. Richardson galt letztes Jahr als bestes RB-Paket seit vielen Jahren, und in der Tat ist er ein kompletter Back, der laufen, fangen und blocken kann. Vor allem diese Bereitschaft, die Drecksarbeit zu übernehmen und zum Blitz-Blocking beizutragen, hatte es mir angetan. Richardson ist zudem mit 22 noch extrem jung. Dass der Mann bereits dreifacher Vater ist und seine älteste Tochter bereits sechs Lenze gesehen hat (!), ist auch immer nett fürn Kaffeeklatsch.

Long story short, ich überlegte ernsthaft, Richardson einzutippen. Der Value war mir allerdings mit #121 eine Spur zu hoch, und ich war hin- und hergerissen in der Überlegung, ob er mit meinem nächsten Pick Ende der 14ten Runde noch zu haben sein würde. Ich wollte bei Richardson lieber noch eine Runde warten, aber dann wäre ich möglicherweise ohne einen Running Back von Wunsch da gestanden bzw. hätte eine wichtige Dimension im Angriff anders gestalten müssen als ich es am Anfang der GFWTC wollte.

Ich halte Running Back für überschätzt, aber da mein Team dank des Pass-Trios Rodgers-Jones-Cruuuuuuuz Punkte vorlegen wird, und meine Defense sich auf die Pass-Defense konzentrieren kann, werde ich am Spielende häufig gezwungen sein, Führungen nach Hause zu bringen. Und da ist exzellentes Laufspiel gefragt. Ich werde wahrscheinlich durch das viele Passspiel einige Incompletions erleben und deshalb auch viele 3rd downs ausspielen müssen. Für dritte Downs ist Laufspiel oft nützlich.

Warum ich schließlich zu Jamaal Charles von den Kansas City Chiefs griff, auf das Pass-Blocking scheißend, ist Charles‘ gigantische Big-Play Fähigkeit: Wenn meine Pass-Offense variabel genug ist und gleichzeitig mein Laufspiel eine ständige Bedrohung für einen 80yds-TD ist, kann sich durchaus ein explosiver Mix ergeben, der den gegnerischen Passrush schon allein deswegen eindämmt, weil der Gegner gezwungen ist, zu vorsichtig zu werden.

Jamaal Charles ist in vielerlei Hinsicht ein gigantischer Running Back: Seine 2010/11er-Saison gilt bei Pro Football Focus immer noch als episch, und als ich Charles zum ersten Mal bewusst als Allstar-Kaliber wahrnahm, im Wildcard-Playoffspiel gegen Baltimore, fackelte er einen der atemberaubendsten Touchdowns ab, die ich bisher gesehen habe:

 

Dieser Antritt. Dieses Schweben über dem Spielfeld. Charles ist ein Weltklassesprinter, dem die kleinste Lücke reicht, um durchzustarten, und ist er erstmal in voller Fahrt, ist jeder Linebacker in Gefahr, überlaufen zu werden. Charles ist kein extremer Back für Broken-Tackles. Er lässt auch nicht allzu viele Tackler aussteigen, aber er muss auch nicht: Gibt es erstmal Anflüge von Raum, schrillt die Alarmglocke, weil Charles an allen vorbeidüst.

In dieser Hinsicht ist Charles eine ähnliche Waffe wie Chris Johnson, mit dem Unterschied, dass Johnson eine sehr viel bessere Offense Line braucht. Charles geht eine in Kansas City ab – seit Jahren. Charles geht übrigens auch nur mittelmäßige Unterstützung durch ein Passspiel ab – seit Jahren. Und trotzdem ist er der Running Back mit der besten Yards/Carry-Statistik in der NFL-Geschichte: 5.8yds/Carry über die Karriere, Baby. Der NFL-Schnitt ist dieser Tage 4.1yds/Carry. Nuff said.

Ein relativ guter Fänger ist er auch – wichtig. Pass-Blocking: Da reden wir mal nicht drüber. Aber ich hab eh schon geschrieben, dass ich qua Offense-Design hoffe, den Passrush einzudämmen. Fumbles sind mit 1.9% im Auge zu halten, aber kein übergroßes Problem. Man mag sich nicht ausmalen, was mit einem Offensive-Backfield mit Rodgers und Jamaal Charles alles drin ist.

Ich kriege da einen Back, der mit 26 Jahren noch 3-4 Saisonen im Tank hat. Charles‘ Workload mit bisher 784 Carrys in der Regular Season ist auch überschaubar – das sind nur zweieinhalb „Arbeitstiere“-Saisons. Und ich werde ihn nicht öfters als 12-18x/Spiel brauchen. Eine schwere Verletzung hatte er – Kreuzbandriss – okay, aber die hatte Peterson auch. Und beide sind davon relativ flott zurückgekommen.

Charles ist auch nicht bloß „Boom-or-Bust“, wie man annehmen würde; seine Success-Rate war 2010 die viertbeste der Liga, und war auch ansonsten meistens über 40% (durchschnittlicher Wert ist 42%). Das ist ein Zeichen dafür, dass er im Notfall schlau genug ist, sich auch nur bloß die Lücke auszugucken, die reicht, das 3rd-und-3 zu verwerten um den Drive am Leben zu erhalten.

Ich fürchte, ich musste mit Pick #121 ein bissl überbezahlen, aber angesichts geschilderter Umstände ist es mir das wert. Charles ist vielleicht einen Zapfen unter Peterson anzusiedeln, was das reine Laufen angeht. Er ist ein etwas besserer Fänger, und im Pass-Blocking sind beide keine großen Helden. Ich kriege 98% von Peterson plus eine noch gewaltigere Big-Play Fähigkeit im offenen Raum, und ich kriege das alles 118 Picks nach Peterson. Damit bin ich zufrieden.

Jamaal Charles und die Weisheit der Vielen

Pro Football Focus‘ Sam Monsen hat in einem Artikel erklärt, warum Chiefs-RB Jamaal Charles trotz 1509yds Laufspiel und 5.3 Yards/Lauf über die Saison nicht in der Liste der Top-101 Spieler von 2012/13 aufscheint.

Jamaal Charles - welchen Anteil hat der Running Back am Erfolg des Laufspiels?

Jamaal Charles – welchen Anteil hat der Running Back am Erfolg des Laufspiels?

Monsen geht detailliert auf diverse Aspekte der Saison des Jamaal Charles ein:

  • Breakaway Percentage – Charles erzielte 42% seiner Yards in ganzen 19 Läufen: Das sind die big play-Läufe. Nur Adrian Peterson hatte noch mehr.
  • Elusive Rating – Charles hatte wenige missed tackles, als wenige Läufe, in denen er Verteidiger aussteigen ließ.
  • Damit zusammen hängt die Offensive Line der Chiefs, deren Lauf-Blocking laut Monsen ein völlig unterschätzter Faktor in der vergangenen Saison war.
  • Charles hatte kein gutes Jahr als Ballfänger und sein Pass-Blocking ist schwach.

Das richtige Lehrstück steckt im Schwall an Kommentaren, den Monsen damit auslöste: Alles gute Punkte und Gegenpunkte, die zum Teil die gleichen Behauptungen beweisen und widerlegen. Einer der Kern-Kritikpunkte, die ich unterschreiben würde: Es ist fast unmöglich, den Erfolgsanteil von Back und Line an einem Laufspielzug gerecht aufzuteilen.

Charles ließ wenige Verteidiger ins Leere greifen? Vielleicht rannte er dafür einfach an ihnen vorbei! Charles als ehemaliges Weltklasse-Sprinttalent von der Leichtathletikschmiede Texas würde man es zutrauen. Charles brach wenige Tackles? Wenn der Verteidiger mit zu viel Schwung ins Backfield rauscht, viel Spaß beim Brechen von Tackles, wenn du selbst noch nicht auf 180 bist.

Charles hatte die allermeisten Yards vor dem ersten Kontakt mit einem Abwehrspieler? Kann an exzellenter Arbeit der Offensive Line liegen, aber auch an exzellenter „Vision“, also dem Screening des Spielfeldes: Wo öffnen sich Lücken? Wo lohnt es sich, hineinzurennen? Das ist eine extrem unterschätzte Fähigkeit bei Running Backs; Chris Johnson bzw. die Titans können ein Lied davon singen. Wenn der Mann wenigstens in der Hälfte der Carries ein bissl nachdenken würde, bräuchten wir uns in der Diskussion „bester Runnning Back der NFL nicht weiter zu unterhalten“. Macht er nicht.

Ich weiß nicht, welche Argumente oder Gegenargumente bei Charles zutreffen oder nicht; der Punkt ist mehr, dass es schwer ist, die beiden Kernkomponenten am Laufspielzug, Offense Line und Running Back, zu isolieren. Und von den beiden Faktoren Play-Call und Defensiv-Aufstellung reden wir noch nicht.

Pro Football Focus macht bewundernswerte Arbeit und viele ihrer eingeführten Statistiken (wie Elusive Rating oder Breakaway Percentage fürs Laufspiel) schärfen gewisse Aspekte von Individualleistungen, aber wir sind meilenweit davon entfernt, den Impact des Individuums zur Gänze zu erfassen – mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es in einem hochkomplizierten Spiel wie Football nie gänzlich möglich sein, obwohl ein jedes Down im Vergleich zu anderen Sportarten ein relativ „geschlossener“ Vorgang ist.

Der Play-by-Play Bericht der Gamebooks diverser Anbieter (offizielle NFL-Gamebooks, aber auch PFF oder PFR) lässt statistische Auswertungen zu, die den Erfolg der gesamten Offense als Einheit (inklusive Play-Call des Coaches oder Quarterbacks) messen; diese Messung der Effektivität der Einheit hat richtige Aussagekraft. Jede Individualbewertung oder jeder Schluss aus Individual-Statistiken (mit Ausnahme vielleicht bei Quarterbacks) ist zu einem beträchtlichen Teil mit Vorsicht zu genießen, weil sie stark von anderen Dingen abhängt (natürlich hängt auch unsere Sicht auf die Offense Line von der Leistung des Running Backs ab).

Es ist also wie beim Draft-Scouting: Die Weisheit der Vielen (engl. wisdom of crowds) kann man als guten Maßstab hernehmen – ein Gesamtbild, das sich aus der Summe von Augentest, diversen Statistiken und simplem „Gefühl“ formt.

Vor der NFL-Woche 4

Ist wirklich schon wieder der vierte Spieltag? Das bedeutet: Am Dienstagmorgen haben wir schon wieder rund 25% der Spiele in der Regular Season hinter uns gebracht! Das TV-Programm der Sonntags- und Montagsspiele, und wie seit drei Wochen gewohnt, erfreulich viel Verschiedenes.

ESPN America

Am Sonntag

19h00 LIVE New York Jets - San Francisco
22h25 LIVE Green Bay - New Orleans
02h20 LIVE Philadelphia - New York Giants

Am Montag

13h30 Tape Buffalo - New England
16h00 Tape Atlanta - Carolina
18h30 Tape Philadelphia - New York Giants
02h30 LIVE Dallas - Chicago

Am Dienstag

18h30 Tape Dallas - Chicago

SPORT1+

Am Sonntag

19h00 LIVE Buffalo - New England
22h20 LIVE Green Bay - New Orleans

Am Montag

21h25 Tape Buffalo - New England
00h00 Tape Green Bay - New Orleans
02h30 LIVE Dallas - Chicago

PULS4

Am Sonntag

23h30 LIVE Tampa Bay - Washington

Nachfolgend die Auflistung sämtlicher Spiele, die uns diesmal noch erwarten, Siegertipps in Großbuchstaben. Ich bin immer noch unter Schock, nach der verheerenden Tippbilanz von vergangener Woche, die mich in die Nähe des Nummer-Eins-Draftpicks drängt.

ATLANTA – Carolina
Buffalo – NEW ENGLAND
DETROIT – Minnesota
Kansas City – SAN DIEGO
St Louis – SEATTLE
NY Jets – SAN FRANCISCO
HOUSTON – Tennessee
Jacksonville – CINCINNATI
ARIZONA – Miami
DENVER – Oakland
GREEN BAY – New Orleans
TAMPA BAY – Washington
PHILADELPHIA – NY Giants
DALLAS – Chicago

Kurzvorschau

Atlanta – Carolina. Keine Frage, die Atlanta Falcons sind sehr smooth in die Saison gekommen und dürften in diversen Power Polls ganz weit oben gerankt sein. Und die Falcons sind gut. QB Ryan sieht vollends souverän aus, RB Turner ist agiler als in den vergangenen zwei Jahren, RB Rodgers kommt immer besser in Schwung, aber der wahre Star ist bisher IMHO WR Julio Jones, der endgültig in der NFL angekommen zu sein scheint. Und jetzt das große Aber: Die Falcons profitieren bisher von gewaltig viel Turnover-Glück: Null Fumbles bisher, nur 0.9% INT-Rate in der Offense, dafür nicht zu haltende 6.5% INT-Rate in der Defense (NFL-Schnitt ist 2.6%). Schreit mittelfristig nach Regression to the mean… vielleicht noch nicht gegen Carolina, wo man nach der Heimschlappe gegen New York doch arg nervös geworden war und sogar QB Cameron Newton Selbstzweifel bekommen haben soll!

Buffalo – New England. Die Patriots zuletzt mit einer arg unglücklichen Auswärtsniederlage bei den Ravens und einer nicht überzeugenden Spielzuggestaltung in der RedZone. Vor allem TE Gronkowski schien mir überhaupt nicht in den GamePlan involviert zu sein. Angesichts der beiden sehr knappen Niederlagen zuletzt ist das für die Pats fast schon ein Muss-Sieg.

Detroit – Minnesota. Die gute Nachricht: QB Matthew Stafford sollte spielen können. Die schlechte: Die Lions-Secondary ließ sich zuletzt von Tennessee schwer verbrennen. Jetzt kommt mit den Vikings eines der unterdurchschnittlicheren Teams ins Ford Field, aber Vorsicht: Minnesota schlug zuletzt mit seiner auf Fehlerminimierung bedachten Taktik ohne viel Aufsehen die zuvor in alle Höhen gehandelten 49ers.

New York Jets – San Francisco. Nachdem die Jets-Offense einen schweren Stand haben dürfte, konzentriert sich das Spiel vor allem auf die Auseinandersetzung der 49ers-Offense gegen Rex Ryans komplizierte Defense. Just jene Defense verlor am vergangenen Wochenende aber einen Großteil ihres Schreckens, nachdem in CB Revis die wichtigste Figur mit Kreuzbandriss ausfiel (Revis wird monatelang ausfallen, aber solange die Jets auf Superbowl-Kurs sind, wird man ihn nicht auf die IR setzen). Vergangene Woche zeigte sich bei den 49ers, wie dringend sie eine eigene Führung brauchen. Spielt man mit Vorsprung, kann risikolos geworfen werden. Ist man in Rückstand, drohen Turnovers. Wie wird Ryan seine Abwehr darauf einstellen?

Arizona – Miami. Es gibt zwei heimliche Star-Units in dieser Partie: Arizonas Pass-Defense, die mit zwei Mann genug Pass Rush hinkriegt, um „hinten“ alles abzudecken, selbst gegen die wuchtigen Angriffs von Brady und Vick, und Miamis Lauf-Abwehr, die bis dato zu den Top-5 gehört. Knackpunkt in dieser Partie könnte werden, wie Cards-QB Kolb gegen die schwache Secondary der Dolphins zurecht kommen wird.

Kansas City – San Diego. Auswärtssieg mit Monster-Stats der Chiefs zuletzt in New Orleans, aber man lasse sich nicht täuschen: Das war glücklich. Und RB Jamaal Charles geht irgendwo trotz fast 40 Laufspielzügen und weit über 200yds die alte Explosivität ab. Der Mann wirkt eine ganz Latte gehemmter als zu seiner Blütezeit Mitte 2010/11.

Denver – Oakland. Das “andere” AFC-Westspiel. Trotz 1-2 Bilanz gehören die Broncos bisher zu den statistisch herausragenden Teams in der NFL, vor allem, weil man gegen drei Top-10 Teams (PIT, ATL, HOU) jeweils „dran“ war. Oakland berappelte sich zuletzt nach zwei unterirdischen Vorstellungen mit einem völlig überraschenden Heimsieg über eine eigentlich überlegene Steelers-Truppe. Und da haben wir auch den Knackpunkt: So wie Roethlisberger die Raiders-Abwehr ausspielen konnte, dürfte es für Peyton Manning ein Festtag werden.

Green Bay – New Orleans. Sofern sich die Packers wieder beruhigt haben sollten, dürfte dieses Spiel für Rodgers die Chance sein, sich wieder mit seiner Receiver-Armada einzuspielen: New Orleans’ Defense spottete zuletzt jeder Beschreibung (u.a. 8.2 NY/A gegen den Pass!). Auf der anderen Seite haben die Saints offensichtlich auch genügend Probleme mit ihrer Offense. Probleme genug, dass mein Ranking-System die Saints ohne Scheiß auf #32 ausspuckt.

Tampa Bay – Washington. Die Unbekannte „Josh Freeman“ gegen die extrem offene Secondary der Washington Redskins – eine Secondary, die nach Verlust der beiden starken Pass Rusher DE Carriker und OLB Orakpo noch weiter in Bedrängnis geraten ist, und dies mit risikoreicher Spielweise zu kaschieren versucht. Was schief geht. 8.4 NY/A unterbietet sogar noch einmal die Statistik der Saints, und das gegen folgende Angriffs-Monster: Saints, Rams, Bengals. Nuff said. (Update: Spiel bei PULS4 wird ab 23h30 per Einstieg live gezeigt; was davor passierte, wird in Werbepausen nachgereicht)

Philadelphia – NY Giants. Die Eagles kommen von einem Nachmittag zum Vergessen in Arizona, aber man sollte nicht vergessen, dass die Turnovers der Eagles auch zu den saudümmsten Zeitpunkten passierten. Wenn du bei 0-17 an der 1yds-Line gestoppt wirst und ein oder zwei Plays später dein Fumble zum 0-24 zurückgetragen wird, ist das Spiel logischerweise vorbei. (Ich verteidige die Eagles weiterhin, weil sie trotz aller Probleme bei mit an #3 gerankt sind). Die Giants dagegen profitierten zuletzt von Turnovers. Okay, sie hätten die Panthers auch ohne geschlagen.

Wer sich Zeit für mehr „in-depth“ Analyse hernehmen kann, dem sei der meist lesenswerte Andy Benoit bei Football-Outsiders empfohlen. Ist halt auf Englisch und seeeeeeeeeeeeehr lang.

NFL-Woche 2, 2011/12: 19h-Spiele im RedZone Channel (Update Jamaal Charles)

Ich bin seit Tagen etwas angeschlagen, daher kein Liveblogging dieses Wochenende, an dem es den Gamepass zum Gratis-Test gab. Ich habe mal reingezappt und nach anfänglichen technischen Problemen mich schließlich vom „RedZone“-Kanal berieseln lassen. Ich mag solche Konferenzschaltungen nicht, weil man nach den Spielen praktisch erkenntnislos ins Bett geht. Was positiv ist: Man ist immer am Puls des Geschehens und in 3h praktisch keine Schaltung in die Werbung.

Detroit Lions 48, Kansas City Chiefs 3. In der Anfangsphase schienen die Chiefs mit variablem Laufspiel und End Arounds recht gut ins Spiel zu kommen (6 Läufe, 65yds, TD, 98yds rushing im ersten Viertel), aber spätestens nach der Verletzung (Knie?) von RB Jamaal Charles war es um Kansas City geschehen. Und zwar so sehr, dass ESPN.com zwischendurch einen Blogeintrag online hatte, der recht wenig zurückhaltend mit einer Entlassung von Todd Haley spekulierte.

Die Lions hatten lange Zeit Probleme, ihre 3rd downs zu verwerten, als sich ihr maues Laufspiel rächte und viele Pässe incomplete waren. Ab dem Moment, ab dem sich TE #85 Tony Scheffler in der Zone zwischen Safety und Cornerback durchsetzte und einen sehenswerten 38yds-Touchdown machte, war das Spiel gegessen. Während sich auf der einen Seite Matt Cassell Fumbles um Interceptions leistete, marschierte Detroit immer und immer wieder in hervorragender Feldposition startend das Feld runter, und zwar fast immer rein auf die Pass-Combo QB Stafford/WR Calvin Johnson vertrauend.

(Update 23h59: Man hatte es vermuten müssen, so wie die Bewegung aussah. Jamaal Charles wird mit hoher Wahrscheinlichkeit für die restliche Saison ausfallen.)

Tennessee Titans 26, Baltimore Ravens 13. Flacco leistete sich eine hirnlose INT im Schlussviertel, abschließend kickte Baltimore in der RedZone bei 10-23 mit sieben Minuten auf der Uhr ein Field Goal. Wer so mutlos ist, gewinnt keinen Blumentopf. Dagegen war Tennessee recht kreativ, ließ bei 4th down und 1 in der RedZone einen Lauf über außen spielen, mit RB Ringer! Nicht Johnson.

New York Jets 32, Jacksonville Jaguars 3. Jacksonville hat angesichts der hilflosen Offense QB Blaine Gabbert ins Spiel geworfen und erste Impressionen sammeln können. Die Jets auch nicht gerade berauschend, mussten sich lange Zeit mit Field Goals und guter Defense begnügen.

Pittsburgh Steelers 24, Seattle Seahawks 0. Zum Spiel kann ich nichts beisteuern. QB Ben Roethlisberger wurde zwischendurch übel zusammengebogen und man musste sich ernsthafte Sorgen um sein Knie machen. Roethlisberger kehrte aber zurück.

New Orleans Saints 30, Chicago Bears 13. Vom ESPNA-Spiel habe ich praktisch nichts gesehen. Weil die Saints mit den rattenscharfen tiefen Bällen von QB Brees aber bald führten, musste Chicago früh mit dem Werfen beginnen. Resultat: Cutler brachte 19 von 45 Bällen an den Mann, zehn davon an RB Forte. So eindimensional gegen die mäßige Defense der Saints?

Carolina Panthers 23, Green Bay Packers 30. Die Story des Tages ist mal wieder QB Cam Newton, der sich zu fassungslosen 426yds gunslingerte. Am Ende allerdings auch mit 3 INTs. Ich bin allerdings insbesondere bei Newtons tiefen Bällen überrascht, wie genau sie die Abnehmer finden. Das sah in Auburn etwas anders aus. Letztendlich war Carolinas Defense hoffnungslos, als QB Rodgers sich in der Pocket gefunden hatte.

Washington Redskins 22, Arizona Cardinals 21. Auch hier ein wildes Schlussviertel. WR Fitzgerald brachte die 21-13 Führung mit einem langen Touchdown, wo Fitzgerald ca. 30m keinen Verteidiger in der Nähe hatte. QB Grossman dirigierte die Redskins zurück, ehe am Ende ein Fumble der Cardinals das Spiel entschied. Überraschend die vielen leeren Plätze im Stadion.

Indianapolis Colts 20, Cleveland Browns 27. Wir wissen nun, dass auch das Publikum in Indianapolis laut und deutlich buhen kann.

Minnesota Vikings 20, Tampa Bay Buccs 24. Meine Rübe, wie viele Führungen wollen die Vikings noch verschenken? Letzte Woche ein 10-0, heute ein 17-0! Unter Tampas Comeback war ein Onside Kick-Call früh im dritten Viertel, dazu aber auch eine INT gegen QB Freeman in der EndZone. Dass Minnesota trotzdem verlor, kann man dem extrem unrhythmischen Passspiel der Vikes zuschreiben. Ist Donovan McNabbs Zeit tatsächlich abgelaufen?

(Edit: Habe nachträglich das Ergebnis ausgebessert. MIN machte natürlich ein FG in der zweiten Hälfte.)

Buffalo Bills 38, Oakland Raiders 35. Das Spiel des Tages. Kein Witz. Die Bills waren bereits 18 Punkte zurück, verschossen ein Field Goal, ehe RB Fred Jackson mit einem Energieanfall – einem fantastischen Lauf – den Input zu einem fulminanten Comeback gab. Es gibt wenige Franchises, es geht kaum ein Heimpublikum, dem ich solche – mit Verlaub – geilen Siege mehr vergönne als Buffalo. Im Schlussdrive verwertete Buffalo ein 4th down mittels eines Catches von WR Jones in Doppeldeckung, der Touchdown 14sek vor Schluss war ein einfacher, WR Nelson in der Mitte bei einem Slant weit offen. Der letzte Spielzug war eine Hail Mary in die Endzone, die CB #25 Da’Norris Searcy abfing.

Mit den Kansas City Chiefs in den Sonnenaufgang

Die Chiefs sind eine Mannschaft, die 2010/11 auch von einem einfachen Schedule unterstützt recht kometenhaft aufgestiegen sind und überraschend die Playoffs erreicht haben. Man kann natürlich attestieren, dass man damit hätte rechnen können: die Chiefs verfügen über einen ordentlichen Trainerstab, viele junge, hohe Draftpicks in den letzten Jahren und einige fantastische individuelle Einzelspieler. Trotzdem war die Saisonbilanz besser als erwartet – und vielleicht besser als verdient.

In der Offseason 2011 wurden einige intelligente Moves gemacht, aber ein wichtiger Mann ist weg: Offensive Coordinator Charlie Weis, der an die University of Florida gewechselt ist. Die Neuen am Steuer: Bill Muir, QB-Coach Jim Zorn und natürlich der offensiv denkende Head Coach Todd Haley.

Die Offense

Obwohl mit Haley und Weis zuletzt zwei Pass-Fans die konzeptionelle Arbeit der Chiefs-Offense inne hatten, ist das primär eine Lauf-Offense. Das liegt zum einen an der Zusammensetzung der Offensive Line, wo der sogar Left Tackle ein ehemaliger Guard ist, zum anderen aber auch am Personal bei den Skill Players.

Der Top-Running Back Jamaal Charles ist ein faszinierender Spieler, leichtfüßig und gesegnet mit dem Antritt von Klassesprintern, ein Back, der im vollen Lauf über den Boden zu schweben scheint. 2010/11 machte Charles sensationelle 6.4yds/carry, 2.7yds/Lauf mehr als Kollege Thomas Jones, der meistens in der RedZone abstauben durfte. Trotzdem vernimmt man bereits Stimmen, dass die Carries auch weiterhin schön gesplittet werden und auch der junge, vielseitig verwendbare RB/WR Dexter McCluster mehr Einsatzzeit bekommen wird.

Das Pass/Lauf-Verhältnis war in der vergangenen Saison in etwa in der Region 48:52 zu verorten, ultrakonservativ für heutigen NFL-Standard. Die Einkäufe in der Offseason sprechen allerdings dafür, dass die Offense heuer passorientierter werden wird. WR Jon Baldwin wurde in der ersten Runde gedraftet und soll langfristig das #2-Mann werden, der aus Arizona gekommene Haley-Buddy WR Steve Breaston, ein quicker Mann für die Slot-Routen, die #3-Option. Den Durchbruch zum Top-Mann hat in der abgelaufenen Saison WR Dwayne Bowe (15 Touchdowns) geschafft. Allerdings ist der in der vergangenen Saison groß herausgekommene TE Tony Moeaki bereits auf der Injuried Reserve und wird heuer komplett ausfallen.

Der Hund liegt auf der QB-Position begraben. Matt Cassell ist ein Quarterback, der zu den blässlicheren Vertretern seiner Zunft gehört und (noch?) nicht über das Standing eines Franchise-QBs verfügt. Cassells 2010/11er Saison hat statistisch gesehen ziemlichen Freak-Charakter: 27 TD zu 7 INT, aber nur 58,2% Completion Rat? Riecht nach einer ungemütlichen kommenden Saison und mit den deutlich besseren gegnerischen Defenses dieses Jahr (u.a. Patriots, Dolphins, Steelers, Bears, Jets, Packers) nach einem deutlichen statistischen Rückgang. Helfen sollte Zorn, der als QB-Coach einen exzellenten Ruf genießt. Die Chiefs sind jedoch an Cassell und seinen millionenschweren Vertrag gebunden und der Rookie-QB Ricky Stanzi gilt als noch lange nicht bereit.

Die Defense

Story der vergangenen Saison in Kansas City war die Defense, die unter dem DefCoord Romeo Crennel wirklich gut gespielt hat. Es ist eine 3-4 Defense mit einer Handvoll sagenhaft guten, jungen Talenten, und es gibt nicht viele Lücken. Am wackeligsten dürfte die Defensive Line sein, der ein Nose Tackle abgeht, sollte der neu eingekaufte, alternde DT Kelly Gregg diese Position nicht spielen können. Gregg ist schon vor allem deshalb wichtig, weil gegen Kansas City in 63% der Fälle über die Mitte gelaufen wird – sprich: Die Gegner wissen um die Lücken.

Der zweite Stammgast in der DL ist der einst hoch gedraftete Glenn Dorsey, der in sein viertes Jahr geht und mittlerweile zu den besseren seines Fachs gehört. Dagegen gilt DE Tyson Jackson (drittes Jahr) als bislang massive Enttäuschung. Die beiden Haupt-Joker für die Line sind Shaun Smith, wenn Laufspiel erwartet wird, und DE Wallace Gilberry, der als exzellenter Pass Rusher gilt.

„Exzellenter“ Pass-Rusher ist auch der OLB #91 Tamba Hali, ein unglaublich explosiver Spieler, der gegen Baltimore in gefühlt 99% der Pass-Situationen die Hand am Quarterback hatte. Hali machte zuletzt 14 Sacks, nach PFF-Statistiken war Hali der effizienteste Pass Rusher in der NFL.

Entsprechend gut waren die Chiefs auch in der Passverteidigung, die auch deckungsstark war – beginnend mit ILB #56 Derrick Johnson, der elf Bälle abwehrte. Dazu kommt ein junges, aufstrebendes Backfield mit den beiden Einser-CBs Brandon Flowers/Brandon Carr sowie den beiden Safetys Kendrick Lewis/Eric Berry, wobei Flowers mit seinen 25 Lenzen der erfahrenste von allen ist!

Ausblick

Die Chiefs sind für mich eine Wundertüte. Wir haben hier einige der besten Spieler in der NFL plus eine sehr solide Offensive Line, aber mir machen mehrere Dinge Kopfzerbrechen: Der raketenartige Aufstieg 2010/11, bei dem man zusätzlich von einem sehr einfachen Schedule schmarotzte, Cassell und die gleichzeitige völlige Abhängigkeit von Cassell, der Unsicherheitsfaktor Baldwin, die Passrush-Abhängigkeit von OLB Tamba Hali und der unangenehme Schedule, der mit einer Reihe an defensivstarken Gegnern wirklich nicht auf die Chiefs zugeschnitten ist:

Wk #1 vs Bills
Wk #2 @Lions
Wk #3 @Chargers
Wk #4 vs Vikings
Wk #5 @Colts
Wk #6 BYE
Wk #7 @Raiders
Wk #8 vs Chargers (MNF)
Wk #9 vs Dolphins
Wk #10 vs Broncos
Wk #11 @Patriots (MNF)
Wk #12 vs Steelers (SNF)
Wk #13 @Bears
Wk #14 @Jets
Wk #15 vs Packers
Wk #16 vs Raiders
Wk #17 @Broncos

Ich sehe a) keine Playoffs für die Chiefs in diesem Jahr und habe sogar leise, ganz leise Befürchtungen, dass es b) sogar potenziell einen Absturz auf den letzten Divisionsplatz geben könnte.

Das Zeiteisen verrät: 349 Minuten verbleiben. WordCount nach 22 Teams: 21159.