NFL Notizblock, Week 6: TNF New York Giants @ Chicago Bears

Es regnet, es stürmt und die abgefallenen Blätter liegen zum darauf Ausrutschen auf den glitschigen Bürgersteigen bereit: damit hat die Zeit begonnen, in der das uferlose Wissen Mike Mayocks über back up-safeties und street free agents nützlich wird. Die New York Giants (0-5) beispielsweise versuchen mit zwei lebenden Ersatzteillagern im Defensive Backfield und in der Offensive Line aus ihrem 0-5-Loch gerauszukraxeln. Auch wenn sich Big Blue teilweise anstellt wie ein dreifach dummer Esel, so sind es doch nur zwei Spiele Rückstand auf Platz Eins der NFC East. Bei den Chicago Bears (3-2) spielen zwei Leute von der Straße Defensive Tackle und Peanut Tillman konnte auch nur von der Seitenlinie aus zusehen. Aber auch ohne Tillman war die Frage vor dem Spiel: wo liegt das over/under für Turnovers der Giants-Offense? Fünf, sechs, sieben?

Und natürlich endet der erste Giants-Drive mit einer Interception. Und natürlich endet der zweite Drive der Giants mit einer zum Touchdown zurückgetragenen Interception. Danach lief es aber einigermaßen. Sogar das Laufspiel der Giants sah mal wieder NFL-tauglich aus (und ohne Fumbles!). Weil die jungen Running Backs entweder verletzt sind (David Wilson) oder aufgrund ihrer Fumbleitis kaum spielen dürfen (Da´relle Scott) war Brandon Jacobs der Nr. 1 RB. And guess what: das alte Schlachtroß holt mit 22 Läufen 106 Yards und 2 TDs. Auch sonst lief es eigentlich ganz gut für NY: die nächsten fünf drives führten dreimal in die Endzone.

Stats / Gamebook

Gamebook Giants/Bears

Fünf Minuten vor Schluß bekam Eli Manning beim Stand von 21-27 den Ball und damit die Chance, das Spiel zu gewinnen und die Saison irgendwie am Leben zu erhalten. Sie marschierten denn auch und marschierten – aber natürlich warf Eli in Chicagos Hälfte fünf Centimeter zu hoch für Tight End Brandon Myers und natürlich landetet der Ball direkt in den Händen von Chicagos Tim Jennings. Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh! Game Over. (Die ersten beiden Interceptions sahen – mal wieder – so aus, als hätten WRs und QB jeweils etwas anderes gedacht. Das passiert natürlich, wenn man so viele option routes läuft wie die Offense von Kevin Gilbride, aber die miscommunications haben viel zu sehr Überhand genommen und die skill players sollten sich mal ein Wochenende auf einer einsamen Berghütte einsperren und endlich mal auf den selben Nenner kommen.)

Problematisch für die Giants-D war, daß sie vor allem in der zweiten Hälfte den Angriff um Jay Cutler nicht vom Feld bekommen haben. Ihre ersten drei drives in Hälfte zwo produzierten zwar nur ein Field Goal, aber sie kamen immer in die gegnerische Hälfte und die vielen First Downs (neun in den drei Serien) haben sehr viel Zeit gefressen, die Big Blues Angriff zum Comeback gefehlt hat.

Schlimm ist vor allem das linebacking corps, in dem Jon Beason jetzt der Chef ist. Man kann deutlich sehen, warum Carolina ihn ohne Weiteres hat ziehen lassen. Der beste LB ist noch Spencer Paysinger, der in den fundamentals sehr solide ist und durch seine Athletik auch mit vielen RBs und TEs mithalten kann. Daneben besonders schlimm zu sehen war Jason-Pierre Paul. Er ist regelmäßig der langsamste off the snap, während die anderen 21 Spieler sich schon bewegen, versucht er noch seinen kaputten Rücken gerade zu machen. Entweder ist seine Rückenverletzung schlimmer als gedacht oder er hat ein ernsthaftes Motivationsproblem. Ein großer Lichtblick bleibt aber weiterhin CB Prince Amukamara, der in dieser Saison loud and proud seinen Status als ehemaliger 1st-rd pick verteidigt, der einen großen Vertrag haben will.

Chicago war so wie immer. Die Defense ist ziemlich schwach, kann das aber durch Turnovers sehr gut kaschieren. Wenn die Bälle mal anders springen, können sie einpacken. Der Angriff lebt von den beiden großen und kräftigen WRs Brandon Marshall und Alshon Jeffery. RB Matt Forte ist nicht mehr der focus point dieser Offense – und seine Leistungen sind auch nicht danach (auch wenn die OLine nicht die allergrößten Löcher reißt). Das ist aber auch kein Beinbruch, denn mit einem slant oder einem back shoulder throw zu den dicken und großhändigen Marshall und Jeffery kann regelmäßig ein Third Down verwandelt werden.

GFWTC, Week 1 im Rückspiegel: Die Denke vom „Value“ und warum ich selbst beim Besten mit mir kämpfen musste

Völlig unüberraschend habe ich schnell Gefallen gefunden an der German Football Writers Team Challange (GFWTC), dem von Hard Count iniziierten Draft-Spiel. Die erste Woche ist um, die ersten Picks sind gemacht. Ich werde mein Big Board erst im späteren Verlauf der GFWTC veröffentlichen, aber erstmal so viel: Ich konnte mich nicht 100%ig daran halten, und ich hatte schon einen WTF-Moment.

Das begann mit der Auslosung. Es mag komisch klingen, aber ich hatte schwer gehofft, nicht unter den ersten zwei picken zu müssen. Erklärung gleich. Wie es natürlich kam: Ich wurde an #2 gelost.

Pick #2: QB Aaron Rodgers

Aaron Rodgers ist der attraktivste Spieler im Pool der GFWTC: Quarterback, keine 29 Lenze alt, bester Spieler der Liga. Aaron Rodgers ist der beste Quarterback, den ich in meinem Leben bisher gesehen habe, besser als Peyton Manning, Drew Brees oder Tom Brady in ihrer Blütezeit. Wenn Rodgers noch 2-3 Jahre die Pace der letzten 3-4 Jahre halten kann, ist er eine Allzeitgröße wie Manning, Brady und Brees, mittendrin in der Diskussion um die besten zehn Quarterbacks ever.

Rodgers geht diesen Herbst in sein mittlerweile neuntes (!) NFL-Jahr, was man nicht denken möchte, aber Rodgers hat drei Jahre praktisch einen auf „Redshirt“ hinter Brett Favre gemacht (oder machen müssen). Seit 2008 ist er der Starter in Green Bay, und seit 2009, spätestens seit Mitte Saison 2010 der beste Quarterback in der Liga. Und Rodgers ist trotz der Erfahrung noch ein relativ junger Spieler, mit knapp 29 erst am Tor zur Blütezeit. Er hat noch sechs, sieben Jahre auf höchstem Niveau im Tank, sofern nicht zu viele Bänder reißen sollten oder seine Gehirnerschütterungsprobleme wieder einsetzen. Es gibt keine bessere Kombination aus gegenwärtiger Stärke und Zukunftsfähigkeit.

Rodgers war aus diesen Gründen der #1-Spieler auf meinem Big Board. Insofern hätte ich eigentlich in die Luft springen müssen, als Andy Goldschmidt mit dem Top-Pick Colin Kaepernick zog (mein #5-Quarterback, aber nicht in den Top-20 overall) und ich freie Bahn auf Rodgers hatte.

Es gibt da nur ein kleines Problem, und das hat mit der Anzahl der GFWTC-Teilnehmer zu tun: Es sind „nur“ zehn. Hätten wir, sagen wir 20 oder gar 32, die Diskussion wäre per sofort im Keim erstickt: Ziehe Rodgers, wenn du die Chance bekommst. Aber bei bloß zehn Teilnehmern werden alle Mannschaften saustark, und der Qualitätsunterschied zwischen dem besten und zehntbesten Quarterback ist geringer als die Qualitätsunterschiede auf anderen wichtigen Positionen.

Das entwertet die Quarterback-Position für dieses Spiel. Mein #2-Spieler auf dem Big Board war Andrew Luck, auch ein Quarterback und die zweitbeste Kombination aus Jugend und Talent: Aufgrund seiner Unerfahrenheit noch so etwas wie eine Unbekannte, aber Luck ist für sein junges Alter schon so reif, dass man ihn schlicht ziehen muss, wenn man die Chance bekommt. Ich weiß aber nicht, ob ich Luck gezogen hätte, wäre Rodgers vom Board gewesen, da ich hatte einen Sinneswandel hatte.

Denn mein #3-Spieler war DE J.J. Watt, der eigentlich in einem Zehner-Teilnehmerfeld der attraktivste Spieler hätte sein müssen, und zwar aus einem Grund: Er ist auf der zweitwichtigsten Position im Footballsport der aktuell meilenweit beste Spieler (wie sagen Amerikaner da? Best by a landslide). Und Watt ist mit bloß zwei Jahren Profierfahrung blutjung. Watt war meine heimliche Nummer 1, und daher hatte ich insgeheim darauf gehofft, nicht vor die Wahl „Rodgers oder Watt“ gestellt zu werden.

Ich hatte Watt schon eingetippt, gegen mein Big-Board, aber ich zog dann doch den Quarterback, im Wissen, dass ich mit Rodgers per Autopilot schonmal eine konkurrenzfähige Offense stellen würde. Ich wusste, dass Watt an #19 (meinem Zweitrundenpick) nicht mehr verfügbar sein würde, da ich keine Zweifel hatte: Watt wird nicht an #4 (Herrmann) vorbeirutschen.

Pick #19: DE Jason Pierre-Paul

Ich habe nun erklärt, warum die Quarterback-Position in einem Zehner-Feld an Wert verliert und warum ich trotzdem Rodgers zog, mit einem zwiespältigen Gefühl zwar, aber du weißt, dass das Spiel nicht einfach ist, wenn du den besten Spieler der Liga auf der wertvollsten Position bekommst und du dir trotzdem nicht 100%ig sicher bist, dass es die richtige Entscheidung war.

Mit meinem zweiten Pick wollte ich einen Star-Abwehrspieler holen. Mein Big-Board gab mir vor: #3 Watt, #4 Von Miller, #5 Revis, #6 Geno Atkins. Watt und Miller hatten wie zu erwarten war nie eine Chance, ans Ende der zweiten Runde zu fallen. Revis und Atkins hätte ich fast bekommen, aber Herrmann (erneut!) machte den bestmöglichen Draftpick mit seiner #17 und zog mir meinen letzten no brainer vor der Nase weg.

Was macht man also mit #19?

Ich zog DE Jason Pierre-Paul von den New York Giants. Die Logik hinter diesem Pick war: So früh im Draft kommt nur eine extrem wichtige Position infrage, also Quarterback (erübrigte sich), Pass Rusher oder Cornerback. Pierre-Paul war nicht mein höchster verbliebener Spieler am Big-Board (ich hatte ihn an #9 im Big-Board), aber er war derjenige, der qualitativ weiter über seinen Positionskollegen stand als die anderen verbliebenen Spieler. Und er ist ein extrem junger Spieler (drei Jahre NFL). JPP war ein value pick.

Pierre-Paul ist zweifelsohne ein kompletter Spieler, und dieses Paket aus Supertalent, jungem Alter und trotzdem Erfahrung macht ihn auch mal ungeachtet der GFWTC zu einem „logischen“ Top-20 Draftpick in einem Pool mit allen NFL-Spielern (man könnte auch sagen: sein Trade-Wert gehört zu den 20 höchsten in der Liga).

Insofern bin ich fast glücklicher mit dem JPP-Pick als mit dem Rodgers-Pick. Weil er spannender ist, und einfacher zu erklären.

Pick #21: DT Gerald McCoy

Gerald McCoy war mein #8-Spieler auf dem Big Board. Ich hatte ihn höher eingestuft gehabt als Pierre-Paul, aber die Umstände und die Tatsache, dass ich wusste „ich bin zwei Picks später erneut dran“, ließen mich Pierre-Paul vorziehen. Zumal ich wusste, wer die beiden Picks dazwischen hatte: Andy Goldschmidt, Giants-Fan. Ich war mir 100%ig sicher, Pierre-Paul an #21 nicht mehr zu kriegen.

Man muss ja flexibel sein, aber das war nicht der einzige Grund, warum ich mein Big-Board diesmal missachtete (übrigens war auch meine #7 zu dem Zeitpunkt noch aufm Tableau): Bei McCoy ist der Unterschied zum nächstbesten Spieler auf der Position (in meinem Big-Board: Ndamukong Suh) einfach geringer als bei Pierre-Paul. Hätte ich McCoy nicht mehr bekommen, hätte ich bedenkenlos Suh genommen, mit nur wenig Qualitätsunterschied. Das ist das, was ich bei JPP mit value pick meinte.

Gerald McCoy ist ein fantastischer Spieler: Ich hatte in der Offseason wenig Zeit mich mit Football-Details zu beschäftigen, aber unter den wenigen Studien, die ich machte, war McCoy. Der ist seit drei Jahren in der Liga, und in den ersten beiden war er häufig verletzt. 2012/13 war der erste Herbst, wo der Mann halbwegs heil durchkam. Zusammenfassendes Statement: Gigantisches Talent.

Es gab Spiele (v.a. Week-1 gegen die Panthers), da gab es kein Down, an dem McCoy nicht zum Moment des Snaps schon im Backfield des Gegners wütete. Ein Teil davon war scheme-bedingt (ich werde das im Juli in einem gesonderten Blogeintrag erklären), aber auch im 1-vs-1 musst du deine direkten Gegenspieler erstmal so pulverisieren wie McCoy.

Der Junge ist – yup – „jung“, und er ist ein idealer Nebenmann für DE Pierre-Paul. Wenn du mit deiner Front-Four genügend Druck machen kannst, bist du in der Defense immer flexibel: Du kannst bedenkenlos ein paar Drives die Cover-2 Defense spielen und bist nicht per Design auf reine Manndeckung angewiesen.

Fazit: Der Kampf gegen den inneren Schweinehund wurde schon in den ersten drei Runden beansprucht, aber ich konnte die Kernelemente meiner Philosophie bereits umsetzen:

  • Ein Quarterback in jungem oder bestem Alter, der die Offense auch mit weniger als 100%-Talent zusammenhalten kann und Punkte vorlegt, damit ich in meiner Defense nicht ständig hopp-oder-topp spielen muss.
  • Eine Front-7 mit kompletten Spielern: Die Lauf-Defense ist jetzt schon garantiert keine Gurkentruppe (es sei denn, ich muss Juan Castillo zum DefCoord bestellen), und dank des zu erwartenden Passrushes muss ich in der Deckung nicht in jedem Spielzug Harakiri spielen.
  • Analytisch hast du die beste Siegchance, wenn du mit deiner Pass-Offense Punkte vorlegen kannst, damit du dich in der Defense auf deine Pass-Defense konzentrieren kannst, weil der Gegner versuchen muss, mit ebenso schnellem Passspiel nachzuziehen.

Team korsakoff blickt zuversichtlich in die vierte Runde des Drafts.

Notizblock Woche 7 – Redskins@Giants

Robert Griffin The Third, der Mann, den sie in New York „Bob Griffin“ nennen, hatte am Sonntag das erste Divisionsspiel seiner Karriere. Seine Washington Redskins besuchten Eli Manning und seine New York Giants in den Meadowlands. Am Ende gab es einen überraschenden Mann des Spiels. Gewonnen hat der aber trotzdem nicht. Alles weitere nach dem Klick.

Wir hacken wir ja gerne und oft auf Washingtons Defensive Coordinator Jim Haslett rum. Haslett hat es sich zur Aufgabe gemacht, selbst in den unmöglichsten Situationen auf Teufel komm raus zu blitzen und seine bestenfalls zweitklassigen Defensive Backs Mannverteidigung spielen zu lassen. Blitzen mit man coverage dahinter ist schon keine gute Idee gegen Quarterbacks wie Eli Manning. Und völlig plump ständig dasselbe (blitz & man) zu machen ist eine noch viel weniger gute Idee.

Gegen die Giants hat Haslett nun aber ein Kaninchen aus seinem Hut gezaubert. Für alle Beteiligten völlig überraschend gab es kaum Blitzes und sehr viel Zonenverteidung. Daher standen dann zweimal Verteidiger in Regionen, in denen Eli Manning sie niemals erwartet hätte und konnte ganz simpel die Bälle abfangen. Auch sonst schien Eli öfter mal irritiert zu sein und hat einen Moment zu lange gezögert. Hier also ganz klar Mann des Spiels: Jim Haslett.

Am Ende konnte er die Niederlage trotzdem nicht verhindern –  weil seine DBs einfach zu schlecht sind. Eine Minute vor Schluß, die G-Men liegen drei Punkte hinten, rechnet Safety Madieu Williams tatsächlich nicht damit, daß Victor „Salsa“ Cruz einfach mal tief geht und hat schon drei Schritte Rückstand als er sich dann endlich mal umgedreht hat und mitläuft (also: versucht, mitzulaufen). Eli muß sich kurz das Lachen verkneifen, wirft dann – endlich mal – einen perfekten Paß und NY gewinnt.

Die andere starke und stark überraschende Leistung hat Head Coach Mike Shanahan abgeliefert. Gleich drei vierte Versuche hat Shanahan im vierten Viertel ausspielen lassen. Der statistisch äußerst versierte Kollege von footballissexbaby hat jede dieser Entscheidungen in einem eigenen Eintrag auseinandergenommen. Shanahan, der sonst nicht dafür bekannt ist, in Sachen playcalling so aggressiv zu sein wie eine in die Ecke gedrängte Löwenmutter, hat mit aller Macht versucht, dieses Spiel zu gewinnen. Während die meisten anderen Coaches in der Regel nur hasenfüßig versuchen, ein Spiel nicht zu verlieren. Und wenn sie dann doch verlieren, wenigstens alles dafür getan haben, die Schuld für die Niederlage auf ihren Spielern abladen zu können.

Das war stark von Shanahan – aber am Ende nicht genug. Ziemlich gut war auch Bob Griffin wieder. Allerdings hat er sich in der zweiten Halbzeit zu viele (Rookie-)Fehler geleistet. Die Interception zu Stevie Brown war katastrophal und der Fumble nach Sack von Jason-Pierre Paul sollte so auch nicht passieren. Daß dann Alfred Morris und Santana Moss auch noch zwei Fumbles in der zweiten Halbzeit beigesteuert haben, hat den Redskins beinahe jede Chance geraubt. Aber am Ende sah man gut aus gegen den Super Bowl Champion und das macht Freude auf mehr.

Bei den Giants stach vor allem in der ersten Halbzeit die schlechte Laufverteidigung raus. Beim live-gucken schien es vor allem zwei Schwächen zu geben. 1) „setting the edge„: die RBs konnten nicht „innen“ gehalten werden, was in der 4-3-D die Aufgabe der DEs ist; 2) wenn es doch mal einen Lauf zwischen den Offensive Tackles gab, waren die Linebacker immer zu aggressiv in eine Richtung, was ständig cut back lanes eröffnet hat, die RB Morris zuverlässig genutzt hat. (Mir ist gegen die ganzen kleinen Wuseler Washingtons übrigens das erste Mal so richtig aufgefallen, wie groß eigentlich die LBs der Giants sind. Matthias Kiwanuka ist 6’5; Chase Blackburn und Michael Boley jeweils 6’4; wenn 6’2 Keith Rivers mal daneben spielt, denkt man er wär ein Safety.)

In der zweiten Hälfte war auch der pass rush New Yorks viel besser. Allerdings zeigten sich dabei auch wieder Schwächen Griffins in Sachen pocket awareness. Manchmal läuft er schnurstracks in Sacks hinein, weil er den Überblick verliert und zu schnell versucht er, sich Zeit mit seinen Beinen zu erkaufen. Bei seiner herausragenden Athletik kann er dabei aber trotzdem immer wieder einige Yards aus scheinbar aussichtslosen Situationen herausholen.

Bei der Giants Offense fiel noch auf, daß die beiden Tight Ends Martellus Bennett und Bear Pascoe eine immer größere Rolle zu spielen scheinen. Also im Grunde, wie das in den letzten Jahren mit Typen von Kevin Boss bis Jake Ballard auch war. Coaching Staff und Eli fassen immer mehr Vertrauen zu den Typen und in Dallas wird man sich wundern, warum Bennett bei ihnen nicht so gut aussah.

Glaskugel 2012: New York Giants

Footballfans und Medien sind komisch. Die Giants haben den Super Bowl gewonnen, zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren. Ihr Quarterback hat gespielt wie eine Mischung aus Joe Montana und Tom Brady in ihren besten Jahren. Ihr Offensive Coordinator hat ihm ein System gebastelt, das als eines der wenigen ein starkes vertikales Element besitzt, während die meisten anderen wieder und immer wieder 5-Yard-Pässe in Slot oder Flat werfen. Die Offense ist jetzt seit vier Jahren in allen Kategorien konstant in den Top-10. Die Defense mit ihren vielen aufregenden Pass Rushern ist spektakulär. Selbst wenn sich ständig Leute verletzten, kann sie auch den besten Offenses Paroli bieten. Aber niemanden scheint es zu interessieren, niemand scheint das ernst zu nehmen.

Okay, wenn es jetzt eine Mannschaft aus der middle of nowhere wäre, Kansas City oder so, die mal eine Saison igrendwie zufällig stark war, könnte ich verstehen. Aber zur Hölle, diese Mannschaft ist auch noch aus New York! In den Top-100 Storylines dieser Offseason kam der Super-Bow-Champions nicht vor! Tebow, Peyton Manning, Patriots-D, können die 49ers nochmal, kommt jetzt endlich mal San Diego, haben die Bills die beste D-Line, ist Houston die beste Mannschaft der Liga, oder vielleicht doch Philly, ist Flacco jetzt Elite, Bountygate, Referees – alles mögliche wird hoch und runter dekliniert außer der Champion! Strange.

Dabei ist Big Blue dieses Jahr ganz klar einer der Favoriten, die Lombardi Trophy erneut zu erobern. Die Mannschaft hat sich in der Offseason nicht verschlechtert, sondern verbessert.

Giants Defense

Justin Tuck, Jason Pierre-Paul und Osi Umenyiora sind ein Luxus, bei dem allen anderen Coaches der Liga neidisch werden. Jeder von ihnen wäre in den meisten anderen Mannschaften die ganz klare Nr.1 als Defensive End. In sub packages kommt auch noch LB Matthias Kiwanuka als Pass Rusher dazu. Wenn die gegnerische Offense sie mal etwas zu lange geärgert hat, packt DC Perry Fewell seine „NASCAR-D“ aus: er läßt alle vier gleichzeitig auf den Quarterback los. Normalerweise aber wird immer locker durchgewechselt, so daß auch im vierten Viertel alle noch heiß und fit sind.

Auch in der Mitte der Linie wird viel rotiert. Gesetzt als Starter sind der 2,02m-Mann Chris Canty und der 150kg-Kerl Linval Joseph. Zu Beginn der Saison könnte Marvin Austin, 2nd-rd pick 2011, eine größere Rolle übernehmen, da Canty noch auf PUP ist. Austin galt als sicherer 1st-rd pick, wurde aber für die Saison 2010 von der NCAA gesperrt und hat letztes Jahr aufgrund einer schweren Brustmuskelverletzung nicht gespielt. Als weiterer fähiger Backups ist wieder Rocky Bernard mit dabei und als 7th-rd pick den Sprung in den Kader geschafft hat der Deutsche Markus Kuhn. Er müßte im depth chart die Nr.4 sein und sollte bei der vielen Rotiererei auch einige Snaps sehen. (Canty beginnt die Saison auf PUP, darum Nr.4 statt 5.)

Das Linebacking Corps war letztes Jahr lange Zeit das große Sorgenkind. Die einzige Konstante war hier Kiwanuka. Den anderen OLB gibt Michael Boley, der für einen 105kg-Typen verdammt gut in zone coverage ist, darum auch in der Nickel-D immer spielt. In der Mitte ist erstmal wieder der verlorene Sohn Chase Blackburn gesetzt. Blackburn wurde eigentlich vor der Saison entlassen, als dann aber die MLBs Woche für Woche schlechter aussahen, wurde er im November wieder verpflichtet und hat gespielt, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Für die Tiefe haben die Giants auch noch Jacquian Williams, der auch sehr gut gegen den Paß aussieht, sich in seiner Rookiesaison (6th-rd pick) verdammt schnell entwickelt hat und Boley noch mehr Spielzeit streitig machen wird. Außerdem sind auch noch Publikumsliebling Mark Herzlich und der ehemalige Top-10 pick Keith Rivers (2008; kam aus Cincinnati) mit dabei.

Die Secondary wird angeführt von Corey Webster, mittlerweile einer der besten Cornerbacks der Liga. Als 2nd-rd pick 2005 gekommen, hat er vom Coaching Staff Zeit für eine ruhige Entwicklung bekommen und sich stetig verbessert. Das ist überhaupt bei sehr vielen Spielern im Kader zu beobachten, daß sie, ähnlich wie bei den Steelers, ohne großen Druck in ihr erstes Jahr gehen, dann kleine Aufgaben übernehmen, dann größere und dann auf einmal fragen sich die Leute: wo kommt eigentlich dieser Webster her? Oder dieser JPP, oder Tuck, oder Kiwanuka? Dieses konstante und erfolgreiche entwickeln von Talenten wird auch viel zu wenig gewertschätzt, wenn man über die Giants spricht. Hat sich mal jemand gewundert, warum Big Blue kein großer Player in der Free Agency ist?

Zurück zur Secondary. Gegenüber Webster sollte eigentlich Terrell Thomas spielen, auch so ein gut entwickeltes Talent. Leider hat er sich nun zum widerholten Male das Kreuzband gerissen und wird die Saison auf IR verbringen. Das ist aber nur halb so schlimm, denn die Giants haben ja auch noch den besten CB aus der letzten Draft: Prince Amukamara. Dieser hat sich an seinem ersten Trainingstag für die Giants 2011 den Fuß gebrochen und kam somit ohne jede Vorbereitung oder Training im Laufe der Saison auf ein NFL-Spielfeld und sah auch erstmal dementsprechend aus. Im Laufe der Saison hat er sich aber gefangen und die Giants sind ganz zuversichtlich, daß er den abgewanderten Aaron Ross nicht nur ersetzen kann, sondern eine Verbesserung ihm gegenüber darstellt. Als Backups stehen Routinier Justin Tryon, 3rd-rd pick Jayron Hosley und Michael Coe bereit.

Safety Kenny Phillips ist ähnlich wie Webster: in einer stetigen Entwicklung einer der besten seines Faches geworden, ohne dafür viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Daneben spielt der umstrittene Antrel Rolle, der meiner Meinung nach bei den meisten pundits zu schlecht wegkommt. Rolle wird auch immer wieder als slot nickelback eingesetzt, dann geht der junge Tyler Sash auf die freigewordene Safety-Position. Rookie Hosley hat in der Offseason im Slot aber sehr beeindruckt, so daß Rolle sich wohl mehr auf seine Aufgaben als Safety konzentrieren kann. Darum ist auch der Verlust von Deon Grant nicht schwerwiegend. Grant war übrigens neben Ross der einzige Abgang. Bei den vielen Namen wird deutlich: das ist eine verdammt tiefe Defense.

Giants Offense

Die Offense ist weniger tief, aber bei einer derartigen Qualität in der Spitze ist das auch gar nicht weiter schlimm. Eli Manning ist mittlerweile nach viel harter Arbeit und nach noch viel mehr harten Rückschlägen ein Top-3 Quarterback. Das beeindruckendste an seinem Spiel ist seine Tiefkühlfachmentalität. Er wirft eine INT? Er spielt schlecht und die Giants verlieren? Er wird pro Spiel 30 Mal unangespitzt in den Boden gerammt? He just shrugs. Is´ ihm egal. Es gibt keinen QB, der cooler in einer zusammenbrechenden Pocket steht und genau eine Zehntelsekunde bevor 600 Pfund einschlagen einen perfekten Paß wirft.

Schedule

Wk1 v DAL (SNF)
Wk2 v TB
Wk3 @ CAR (TNF)
Wk4 @ PHI (SNF)
Wk5 v CLE
Wk6 @ SF
Wk7 v WAS
Wk8 @ DAL
Wk9 v PIT
Wk10 @ CIN
Wk11 BYE
Wk12 v GB (SNF)
Wk13 @ WAS (MNF)
Wk14 v NO
Wk15 @ ATL
Wk16 @ BAL
Wk17 v PHI

Er wird auch 2012 wird einiges einstecken müssen. Die Mitte um Kevin Boothe, David Baas und Chris Snee kann man – mit viel Wohlwollen – als durchschnittlich bezeichnen. Das wirkliche Problem sind die Tackles. David Diehl ist einfach nur schlecht. Letztes Jahr hat er links gespielt, dieses Jahr geht er wieder auf die rechte Seite. Links soll jemand spielen, der besser ist. Also entweder Will Beatty, der mal in der zweiten Runde gedraftet wurde, um der LT der Zukunft zu werden. Das hat, auch aufgrund von Verletzungen bis jetzt noch nicht geklappt, darum wird erstmal Sean Locklear die Saison links beginnen. Locklear ist ein erfahrener Veteran, der immerhin ein upgrade über Diehl darstellen sollte.

Das kränkelnde Laufspiel wurde mit einem 1st-rd pick aufgepäppelt. David Wilson soll Ahmad Bradshaw einen großen Teil der Arbeit abnehmen und im Trainings Camp und den Preseason-Games sah Wilson auch sehr vielversprechend aus. Vervollständigt wird das Running Game von den FBs/H-Backs Henry Hynoski und Bear Pascoe sowie dem dicken TE Martellus Bennett.

Bennett kam aus Dallas und ist einer der besten run blocker unter den Tight Ends. Nur haben aber weder Pascoe noch Bennett bis jetzt bewiesen, daß sie Jake Ballard als pass catcher ersetzen können. 4th-rd pick Adrien Robinson soll unglaublich talentiert sein, aber sehr ungeschliffen und im Laufe der Saison wird auch noch Travis Beckum zurückkommen. Eli wird schon jemanden finden, zu dem er werfen kann.

Das ist auch so beeindruckend bei Eli: es ist nicht nur egal, wer für ihn blockt, es ist auch egal, wer die Bälle fängt. Beinahe jedes Jahr verliert er WRs und kommen neue in den Kader und Eli just shrugs. Dann wirft er eben einfach zu denen. Man hat noch nie gehört, daß sich Eli beschwert: „ooh, ich hab schon wieder neue WR, wir brauchen Zeit, wir brauchen bessere Abstimmung, natürlich kann es jetzt noch nicht so gut laufen“, blablabla, was andere QBs eben immer so sagen. Eli macht einfach.

Dieses Jahr muß Mario Manningham ersetzt werden. Dafür stehen 2nd-rd pick Reuben Randle und Domenik Hixon bereit. Hixon hat vor seiner verltzungsgeplagten Zeit schon bewiesen, daß er ein zuverlässiger Nr. 3 Receiver sein kann, darum wird Rookie Randle erstmal weniger Snaps bekommen. Warum 2,00m-Mann Ramses Barden immer noch im Kader ist, verstehe wer will. Er ist seit drei Jahren da und hat 15 Catches.

Hakeem Nicks und Victor Cruz haben sich zu einem der besten WR-Duos der Liga entwickelt. Cruz spielt meistens im Slot und Nicks die klassische Nr.1 an der Seitenlinie und wenn Big Blue unbedingt ein first down benötigt, spielen beide auf der gleichen Seite. Zusammen erfingen beiden in der letzten Saison mehr als 2700 Yards. Als Backup für den Slot hat man letztes Jahr in der dritten Runden Jerrel Jernigan gedraftet. Jede Menge Tiefe also.

Ausblick Giants

Die Giants haben das kompletteste Team. Sie haben eine beeindruckende Tiefe in den meisten Mannschaftsteilen. Sie haben alle nur erdenklichen Hürden und Rückschläge und Niederlagen schon (mindestens) einmal durchgemacht, sie kann nichts mehr schocken. Sie sind dieses Jahr under the radar, obwohl sie letztes Jahr schon den Super Bowl gewonnen haben. Big Blue ist für mich der große Favorit auf die Lombardi Trophy. Es wäre der erste repeat seit den Patriots 2003/4.

New England Patriots in der Frischzellenkur 2012

  • #21 (1) Chandler Jones DE Syracuse
  • #25 (1) Dont´a Hightower LB Alabama
  • #48 (2) Tavon Wilson S Illinois
  • #90 (3) Jake Bequette DE Arkansas
  • #197 (6) Nate Ebner DB/ST Ohio State
  • #224 (7) Alfonzo Dennard CB Nebraska
  • #235 (7) Jeremy Ebert WR Nothwestern

Wie immer mit Bill Belichick ging es in New Englands War Room zu wie auf dem Basar. Von den sieben Picks, die sie letztlich gemacht haben, war ursprünglich keiner ihr eigener. Zur Abwechslung hat Darth Vader dieses Jahr aber in der ersten Runde zwei Mal nach oben getradet und mit anderthalb Pass Rushern für ausgehängte Kiefer gesorgt. Daneben gab es die üblichen Seltsamkeiten: ein Rugbyspieler; ein Talent, das drei Tage vor der Draft noch im Knast war; und ein 2nd-round pick, der nicht mal zur Combine eingeladen wurde.

DE Chandler Jones erinnert mit seinen 1,96m und 120kg unweigerlich an Jason Pierre-Paul, dessen Körperbau fast identisch ist. Auch muß er großartige Gene haben: ein Bruder spielt bei den Baltimore Ravens, ein anderer Bruder ist ein MMA-Kämpfer und in der UFC auch irgendein Champion. In ihm hat Belichick sich einen Spieler geangelt, den er immer sucht, aber so selten findet: groß (1,92m+) und positionsflexibel. Bei den Orangemen hat er DE in 3- und 4-Mann-Fronts gespielt; bei der Combine und in Workouts aber auch 34 OLB. Ebenso wie auch The Haitian Freak kommt er vor allem mit viel Talent und riesigem Potential („upside„) in die Liga. Auch wenn die Patriots für ihn in der ersten Runde nach oben tradeten (für den 27ten und den 3rd-rd pick #93), wird er wahrscheinlich nicht sofort eine große tragende Rolle spielen, sondern mit Rob Ninkovich und Brandon Deaderick den Kern der Pass-Rusher-Rotation bilden. Neben  diesen Dreien wollen da auch noch 3rd-rounder Jake Bequette, Jermaine Cunningham, Free Agent Trevor Scott, der letztjährige 6th-rd pick und Trainingsweltmeister Markell Carter sowie der andere diesjährige First Rounder, Alabamas Captain Dont´a Hightower mitmischen.

Hightower, um ihn zu bekommen schickten die Pats den 31ten Pick und einen 4th-rounder (#126) nach Denver, spielt LB innen wie außen und hat in `Bamas Nickel-D einen Stammplatz als Edge Rusher in der 4-men front gehabt. Er wird wohl auch in der komplexen und vielfältigen Patriots-D alles mögliche spielen. Er erinnert durch seinen kräftigen Körper (120kg auf 1,87m) und seine Vielseitigkeit an Adalius Thomas. Hoffentlich spielt er so wie Thomas bei den Ravens und nicht wie Thomas bei den Patriots.

Mit DE Jake Bequette hat New England dann den dritten Pass Rusher in den ersten drei Runden gezogen. Damit sind sie das Problem so heftig angegangen, wie Fans und Experten es in den letzten Jahren schon immer gefordert haben. Bequette hat fast exakt die gleichen Maße wie Jones, sieht aber dicker aus und soll auch nicht so quick und athletisch sein. Um in der stärksten College Conference gut auszusehen, hat es aber gereicht: in seinen beiden Jahren als Starter für die Razorbacks gab es eine Wahl ins All-SEC Second Team (2010) und eine ins All-SEC First Team (2011).

Vorher schon, in Runde zwei, hat Belichick einen absoluten Nobody  für das Loch in der Safety-Position gedraftet. Die Herren Experten vor den Kameras und an den Schreibmaschinen waren darob so konsterniert, daß sie sich spontan gar nicht entscheiden konnten, welches Label sie Belly dafür umhängen sollen: Genie, das mehr weiß als alle anderen oder Volltrottel „who outsmarts himself„. Tavon Wilson hatte niemand auf dem Radar, was aber erstmal nicht viel heißen muß. Das große Loch neben Pat Chung, 2nd-rd pick 2009, haben letztes Jahr so Typen wie WR Matt Slater oder Joe Sixpack von der Straße eher mäßig gut ausgefüllt. Schlechter kann Wilson gar nicht sein; außerdem ist er vielseitig einsetzbar: er hat wohl bei den Illini Cornerback, Safety und im Slot gespielt.

Zwei der drei Picks in den Runden sechs und sieben sind klassische Camp Bodies, die eine kleine Chance haben, als Special Teamer die Cuts zu schaffen. Northwesterns WR Jeremy Ebert ist ein Typ wie Julian Edelman. Nate Ebner ist ein Rugbyspieler, der es als walk-on in das Team der Buckeyes geschafft hat. Er ist zwar als Safety/Defensive Back gelistet, dort hat er aber nur eine Handvoll Snaps gespielt. Dafür soll er ein aggressiver Special Teamer vor dem Herrn sein.

CB Alfonzo Dennard galt vor gar nicht so langer Zeit als Riesentalent, das in den ersten beiden Runden vom Board gehen wird. Diesen Status hat er dann immer mehr verloren und als er am Samstag vor der Draft auch noch wegen eines tätlichen Angriffs auf einen Polizisten festgenommen wurde, war der Ofen aus. New England war das durchaus vorhandene Talent dann immerhin ein 7th-rd pick wert. Mit etwas Glück kann das ein großer Steal gewesen sein.

Überblick

Die Offense brauchte keine Verstärkung. Die schwächelnde WR-Position wurde schon während der Free Agency angegangen. In der schwachen Defense gab es durch die Verluste von DE Mark Anderson und – je nach Verlauf seines Heilungsprozesses – Andre Carter wieder ein einziges großes Loch im Korps der Quarterback-Jäger. Daneben war die Secondary unter aller Kanone. Klassische Draft nach Needs mit sechs Picks für die Schwächen. Wenn die Patriots mit diesen einen Impact Player und zwei solide Bausteine für ihre junge Defense gefunden haben, ist ihr Kader State of the Art, rosige Aussichten inklusive: aus dem Stand würde ich sagen, daß nur vier Verteidiger älter als 25 Jahre sind. DT/DE Vince Wilfork, LB Rob Ninkovich, DT/DE Gerrard Warren und LB Jerod Mayo.

Super Bowl 2012, T-minus 2: Taktische Analyse New England Patriots v New York Giants

Die unzähligen Storylines rund um diesen Super Bowl spielen in diesem Artikel keine Rolle. Dazu gibt es morgen und übermorgen mehr hier und auf den anderen bekannten Seiten die volle Dröhnung. Jetzt steht nur der taktische Aspekt im Fokus. In medias res.

Patriots Offense / Giants Defense

Das Herzstück der Giants-D ist ohne Frage der Pass Rush. Mit Justin Tuck, Osi Umenyiora und dem “Haitian Freak” Jason Pierre-Paul haben sie drei mehr sehr starke Pass Rusher. Zusätzlich haben sie in OLB/DE Matthias Kiwanuka und DT/DE Dave Tollefson zwei Leute, die auch auf den Quarterback gehen können und damit den Großen Drei so viele Pausen geben können, daß sie auch im vierten Viertel noch topfit sind.

Wie viel Angst New England vor dem Pass Rush hat, war sehr gut im Spiel der Woche 9 zu sehen, als die Patriots 23 Snaps mit sechs oder gar sieben Offensive Linemen gespielt haben. Der sechste O-Liner war dabei in der Regel Rookie Nate Solder. Sebastian Vollmer hat dabei auf seiner angestammten Right Tackle Position gespielt und soll höchstwahrscheinlich auch für den Super Bowl fit sein. Ob er startet und Solder nur den Big-TE/Extra-OL spielt oder Solder startet und Vollmer reinkommt, wenn Solder auf TE geht, kann man bei den Geheimniskrämern und Überraschungskünstlern Belichick/Dante Scarnecchia (OLine-Coach) nicht seriös vorhersagen.

Neben dem Mittel Personnel wird die zweite Variante, um den Pass Rush einzubremsen, wohl wieder TE Rob Gronkowski mit “Chips” gegen die DEs sein. Dabei gibt er dem gegenüberstehenden Verteidiger erst mal einen kräftigen Schubser mit, bevor er seine Route läuft. Das hat schon gegen Terrell Suggs im AFC Championship Game sehr gut funktioniert. Als Special kann Gronkowski auch bei einigen Spielzügen überhaupt keine Passroute laufen, sondern nur mit einem Offensive Tackle einen Defensive End doppeln, um dann ein paar Spielzüge später genau das anzutäuschen und nach längerer Zeit sich doch noch frei machen, in der Hoffnung, daß die Verteidiger sich um alle anderen kümmern, ihn aber außer acht lassen.

Die G-Men werden höchstwahrscheinlich durchgängig Nickel-D spielen. Je nach Down und Personnel meistens mit den drei Safeties Kenny Philipps (tief als Free Safety) und Deon Grant sowie Antrel Rolle als Strong Safety oder in einer Linebacker-Position. Wenn die Pats bei langen dritten Versuchen nicht mit ihrem gewohnten 2WR-set mit Wes Welker und Deion Branch spielen, könnte auch Rookie Prince Amukamara einige Snaps als Nickelback bekommen. Der hat zwar bisher alles andere als überzeugt, aber für einen schnellen Mann wie Chad Ochocinco, Matt Slater oder Hightop Underwood sind die Safeties zu langsam.

Der Gameplan der Giants-Defense sollte so aufgebaut sein, daß er die Outside-WR der Patriots zwingt, sie zu schlagen. Als Blaupause dient einerseits die Strategie von Rex Ryan und Jets-DC im letztjährigen Spiel und andererseits die Strategie von Cowboys und Steelers in dieser Saison. Das läuft darauf hinaus, daß der mittige Teil des Feldes hinter der Line of Scrimmage von mehr Verteidigern zugestellt wird als gewöhnlich. Kenny Philipps sollte der einzige Safety sein, der sich um die “Tiefe des Feldes” kümmert, Rolle und Grant dagegen relativ nah an der LOS agieren. Da die Patriots meistens in ihrem 2WR/2TE/1RB-Set spielen und weder der RB noch das dreiköpfige Monster Wes Gronkandez sich allzu weit von ihrem Quarterback entfernen, ist “die Mitte vollstellen” ein probates Mittel.

Zwei Dinge gibt es bei dieser Strategie zu beachten. Einerseits Tackling und andererseits tiefe Bälle. Wes Gronkandez dürften dieses Jahr die Rekorde für Broken Tackles und Yards after the Catch mindestens verdoppelt haben. Selbst wenn sie einen Ball nur zwei oder drei Yards hinter der Line of Scrimmage fangen, machen sie oft trotzdem noch 12 Yards draus. Nun sind die LBs und Safeties der G-Men gute Leute, aber lange kein so diszipliniertes und “technically sound” Kaliber wie Baltimore oder San Francisco. Einige Big Plays vom großen bösen Gronk und Aaron “YAC” Hernandez nach broken tackles sollten drin sein.

Der andere Punkt ist der tiefe Ball. Wenn man so massiv die Mitte zustellt und außen 1-gegen-1 spielt mit nur einem tiefen Safety spielt, gibt es immer wieder Möglichkeiten für die lange Bombe. Corey Webster, heimlich zu einem der besten Cover Corners der Liga avanciert, dürfte sich exklusiv um Wes Welker kümmern. Das heißt, die Herren Branch/Ochocinco/Underwood/Slater spielen gegen Aaron Ross. Auch ein fähiger Mann, aber niemand, nach dem man eine Insel benennen würde. Wenn ich wetten müßte, würde ich ein paar Taler auf einen TD von Mr. Ochocino setzen. Oder auf einen TD von Solder in der Redzone, wenn sich alles auf die drei üblichen Verdächtigen konzentriert.

Das Laufspiel wird auch eine Rolle spielen, aber keine besonders große, wenn die Giants die Box zustellen. Die größten Möglichkeiten wird es geben, wenn Big Blue mit ihrem Nascar-Package (3 oder 4 DEs in der Linie) aufläuft. Nur sollte sich New York nicht zu sehr auf das Paßspiel konzentrieren, denn dass die Patriots auch ganz patent laufen können, wenn überhall nur Defensive Backs rumstehen, haben sie immer wieder gezeigt.

Giants Offense / Patriots Defense

Die Giants brauchen sich gar keinen besonderen Gameplan zusammenbasteln. Für sie geht es nur um Execution, Execution, Execution. Mit ihren drei starken WRs Hakeem Nicks, Mario Manningham und Victor Cruz sollte sie gegen die Patchwork-Secondary der Patriots immer wieder gute Möglichkeiten bekommen. Nicks ist zu stark für jeden CB, den New England gegen ihn stellen könnte, sei es nun Kyle Arrington, Sterling Moore oder Devin McCourty.

Der beste unter den Dreien dürfte derzeit sogar noch Arrington sein. Das könnte ein spaßiger Abend für Manningham und Cruz werden, wenn sie als Gegner Moore oder gar Julian Edelman haben. Zumal gerade Cruz sich im Laufe der Saison von einem “ab-und-zu-mal-ein-big-play-WR” zu einem sehr konstanten und zuverlässigen Ballempfänger entwickelt hat. In den ersten Wochen der Saison hatte er immer wieder ganz furchtbare Drops und Fumbles, die seine guten Plays oftmals wettgemacht haben. Das passiert ihm jetzt kaum noch.

Neben den Großen Drei sind auch die Tight Ends Jake Ballard und Travis Beckum Männer mit sicheren Händen. Nur sollten die, noch mehr als die Tight Ends der Patriots, mit Hilfe in Pass Protection beschäftigt sein. Auch wenn Eli Manning einer der besten QBs under pressure ist, so sollte doch alles dafür getan werden, daß er nicht so böse vermöbelt wird wie gegen die 49ers im NFC Championship Game.

Die größten Schwachstellen in der Protection sind LT David Diehl und RT Kareem McKenzie. Beide sind nur noch ein Schatten ihrer früheren selbst. Diehl war auch schon auf die LG-Position abgeschoben worden, nur musste er zurück, nachdem sich Will Beatty verletzt hat. Beide leiden vor allem unter ihrem Alter und ihrer nachlassenden Athletik. Glücklicherweise für die G-Men haben die Patriots nichts die besten Outside Rusher der Liga. Der mit Abstand beste, Andre Carter, hat sich vor einigen Wochen auf IR verabschiedet. Die beiden noch verbliebenen, Mark Anderson und Rob Ninkovich haben immer wieder gezeigt, vor allem in den letzten Woche, daß sie gegen Schwache Gegner zwar nicht dominieren, aber immer wieder Zeichen setzen können.

Wichtiger noch werden die Matchups in der Mitte der Linie. Dort spielen die drei schwachen Kevin Booth, David Baas und der geradeso durchschnittliche Chris Snee gegen New Englands 1-tönnige Havoc Crew Vince Wilfork, Kyle Love und Brandon Deaderick. Die haben seit Ende November ihr Spiel auf ein ganz neues Level gehoben und haben mit Gerrard Warren und Shaun Ellis auch erfahrene Backups. Wenn diese dicken Jungs so auftrumpfen wie gegen Baltimore, als vor allem Wilfork gespielt hat wie ein junger Gott, sollte Eli Manning in große Schwierigkeiten geraten. Denn pressure up the gut ist für einen QB viel unangenehmer als Druck von den Außen, dem man meistens mit ein, zwei Schritten nach vorne entgegenwirken kann.

Die Defensive Line in Verbindung mit dem starken Linebacking-Corps um Jerod Mayo, Brandon Spikes und Ninkovich sollte auch in der Lage sein, daß Laufspiel der Giants abzuwürgen. Big Blues Groundgame ist zwar schon seit Wochen nicht mehr so schwach, wie die Zahlen der Regular Season behaupten, aber wenn New Englands Front Seven das nicht in den Griff bekommt, siehts düster aus.

Am Ende wird es auf dieser Seite des Balles so oder so in Elis Händen liegen. Früher, im Super Bowl XLII, war es noch eine Überraschung, daß der “kleine Manning” so gut unter Druck gespielt hat. Heute erwartet man es schon fast von ihm. Er, der allein in dieser Saison sechs (!) 4th-Quarter-Comebacks angeführt hat; der den Rekord für die meisten TD-Pässe im vierten Viertel (15) aufgestellt hat; er, der die Giants in fünf aufeinanderfolgenden Do-or-die-Spielen zu fünf Siegen getrieben hat, vier davon mit zweistelligem Vorsprung, insgesamt mit einem kumulierten Score von 141-67. Wenn Eli das am Sonntag reißt, ist er ohne Frage in der Tom-Brady-Klasse angekommen.

Gewinnt New England, kann man diskutieren, ob Brady Joe Montana als besten Quarterback aller Zeiten überflügelt hat. Nicht mehr zu diskutieren braucht man dann, ob Belichick der beste Coach aller Zeiten ist. Die Giants haben leichte Vorteile, aber am Ende wird das Spiel wohl wie immer beim Aufeinandertreffen von zwei ähnlich starken Teams entschieden werden durch 1) Turnovers, 2) Penalties und 3) Special Teams.

NFC Divisional Playoffs 2011/12 – Vorschau Giants/Packers

NFC Divisional Playoffs 2011/12 – New York Giants (10-7) @ Green Bay Packers (15-1)

[Sonntag 22.30Uhr auf ESPN America, Sport1+ und PULS4; kommentiert (über FOX) von Joe Buck, Troy Aikman, Pam Oliver und Chris Myers]

Der Außenseiter New York Giants tritt an einem Sonntagabend im Januar gegen die Green Bay Packers in deren Lambeau Field an. Eli Manning hat mal wieder eine sehr, sagen wir mal “abwechslungsreiche” Saison hinter sich, mit vielen Höhen und Tiefen. Head Coach Tom Coughlin ist zwischenzeitlich von den New Yorker Medien und Fans abgesägt worden, nachdem es lange so aussah, als würden die G-Men die Playoffs verpassen. Am Ende hat Eli glücklicherweise doch noch seine Form gefunden und wurde dabei kräftigst von seinen beiden Top-RBs Ahmad Bradshaw und der Dampfwalze Brandon Jacobs unterstützt. Und auf der anderen Seite des Balles natürlich von der bärenstarken D-Line um Justin Tuck und Osi Umenyiora.

Die Giants können gegen den ligaweiten Quarterback-Liebling der Packers lange mithalten und Head Coach Mike McCarthy findet nicht so recht ein Mittel, um seinen Angriff mal so richtig ins Laufen zu bringen. Außer Donald Driver sind alle WR abgemeldet und RB Ryan Grant rennt mehr rück- und seitwärts als nach vorne. Das Spiel ist tough und eng und geht schließlich bei einem windchill von -33°C in die Overtime.

Dort wirft Green Bays Quarterback, der während der Saison viel weniger Interceptions als sonst geworfen hat, direkt in die Arme von CB Corey Webster. (Die viel kritisierte Secondary der Giants hat ein großartiges Spiel gemacht; wenn man den 90-Yard-Paß zu Driver abzieht, hat Green Bays Rekord-QB nur 146 Pass-Yards auf dem Tacho gehabt.) Kicker Lawrence Tynes verwandelt den FG-Versuch und Big Blue gewinnt.

Diese Interception im NFC Championship Game 2007 war der letzte Paß, den Brett Favre im Trikot der Green Bay Packers geworfen hat. Wenn man Favre durch Aaron Rodgers ersetzt und in der Giants D-Line Michael Strahen gegen Jason Pierre-Paul tauscht, kann man die ersten drei Absätze fast genauso stehen lassen für das Aufeinandertreffen von Cheeseheads und G-Men. Dieses Matchup ist wie ein Vergleich zwischen einem gut geölten schnittigen Sportwagen und einem großen, dreckigen und geländeerprobtem SUV.

Der schicke Sportwagen

Im Gegensatz zu den Patriots und Saints, die ihre explosiven Offenses auf kreativen Taktiken und auf jeden Gegner speziell zugeschnittenen Game Plan aufbauen, basiert der Erfolg des Packers-Angriff um Aaron Rodgers auf perfekter Execution. HC McCarthy bastelt nicht in stundenlanger Kleinarbeit etwas unglaublich Kreatives zusammen, sondern setzt darauf, daß Rodgers seine Lieblingsplays ein ums andere Mal perfekt ausführt und milimeter genaue Pässe wirft. Rodgers erinnert in dem Sinne an Peyton Manning. Bei Manning wissen auch immer alle, was kommt und trotzdem kann man es kaum verteidigen, weil es perfekt ausgeführt wird.

Bei Rodgers und auch Manning sind das vor allem zwei Pässe. Der eine ist der Paß, zwischen 10 und 20 Yards tief an die Seitenlinie, bei dem der WR in Zone Coverage am CB vorbei ist und der Ball in genau dem ganz kleinen Fenster landet, bevor der Safety zum Helfen rübergekommen ist. Ziemlich simpel, aber wenn der Paß perfekt ist, kann man das einfach nicht verteidigen. Der andere Paß ist der Ball über die Mitte zum TE oder Slot-WR, wenn dieser vertikal zwischen LB und S ist. Auch hier gilt: perfect pass beats perfect coverage. Daneben haben die Packers noch viele Drag- und Crossing-Routes im Angebot, bei denen die Wide Receivers auf verschiedenen Höhe parallel zur Line of Scrimmage laufen und Go- bzw. Post-Routes, bei denen die WR die Seitenlinie entlang laufen und dann entweder im 1-v-1 gegen den CB geradeaus weitermarschieren oder zur Spielfeldmitte hin abbiegen und sich den Safety vorknöpfen.

Im Gegensatz zu den einzig beiden anderen Offenses, die in Sachen Produktivität mit Green Bay mithalten können – New England und New Orleans – spielen die RBs und TEs keine besondere Rolle im Spiel der Packers. Mehr als Dumpoffs bekommen die RBs James Starks und Ryan Grant nicht und TE Jermichael Finley ist entgegen allen Erwartungen lange nicht auf dem Niveau eines Rob Gronkowski oder Jimmy Graham. Sondern eher sowas wie ein Vernon Davis light.

Auch das Laufspiel hat mehr die Funktion, Aaron Rodgers´ Arm zu schonen. Mit 3,9 Yards/Carry taugt es nur zum Feigenblatt und kann nicht helfen oder gar mal was rausreißen, wenn das Paßspiel aus welchen Gründen auch immer mal ins Stottern kommt. Es steht und fällt alles mit Rodgers´ execution der Passing Plays. Mit Greg Jennings und Jordy Nelson hat er aber dankenswerterweise eine erstklassige 1-2-Combo und mit James Jones und Donald Driver auch noch gute dritte und vierte Optionen.

Ebenso hübsch und attraktiv wie die Offense ist die Defense – auch wenn diese nicht mehr ganz so sexy ist, wie in den letzten beiden Jahren. Es ist alles schön anzusehen: DC Dom Capers hat tolle Zone Blitzes im Angebot, mit Clay Matthews hat man einen tollen langhaarigen und auffälligen Pass Rusher und mit Charles Woodson einen Playmaker, der überall beliebt ist wie früher Brett Favre. Aber diese Saison hat gezeigt, daß man an der funkelnden Karosse noch lange nicht erkennt, was unter der Motorhaube steckt.

Die Defense war nach Yards tatsächlich noch schlechter als die New Englands, durch die vielen Turnovers – sagenhafte 31 Interceptions – ist man nach Punkten immerhin noch auf Rang 19. Aber wenn man böswillig ist, kann man auch behaupten, daß gerade Woodson seine Interceptions nur noch gegen Rookies oder schlechte Quarterbacks macht. Oder daß Matthews mittlerweile mehr durch seine Haare auffällt, als durch Sacks.

Besonders schwach ist die Front Seven der Packers. Besonders das Spiel gegen den zweiten Anzug der Bears bleibt hier in schlechter Erinnerung. Der Held der letzten Saison, B.J. Raji, zieht hier besonders große Kritik von professionellen Beobachtern wie ProFootballFocus auf sich. Wie dem auch sei, DC Capers weiß offenbar um die individuellen Schwächen seiner Spieler (und um die Stärke der Offense) und läßt daher wohl ganz bewußt eine Boom-or-Bust-Defense spielen. Will heißen: wir wollen den Turnovers und pfeifen auf die Yards. Wenn wir uns statt dem Turnover ein Big Play fangen – so be it. Rodgers kann schneller einen Touchdown machen, als die andere Offense zum Gatorade gegriffen hat. Bekommen wir aber den Turnover, ist das Spiel ganz schnell vorbei. Riskant, aber – noch – erfolgreich.

Der große, dreckige Jeep

Besonders mit der beeindruckenden Leistung der letzten Woche gegen Atlanta im Hinterkopf werden die Giants wohl versuchen, mit ihrem kräftigen Laufspiel die schwache Front Seven der Packers in Grund und Boden zu rammen. Wenn Brandon Jacobs – 1,92m, 120kg – in seinen alten Bulldozer-Modus schaltet, kann er über jeden Verteidiger der Packers hinwegtrampeln. Auch Ahmad Bradshaw kann mit der großen, dicken O-Line vor sich immer wieder Yards und 1st Downs herausholen. Das Ziel der G-Men sollte sein, ihr Laufspiel zu etablieren (3 Euro ins Phrasenschwein), lange Drives am Leben und Rodgers damit an der Seitenlinie zu halten.

Wenn das nicht klappt (oder als zusätzliche Stärke) kann Eli Manning, der spätestens seit dieser Saison jetzt wirklich den Nickname Elite verdient hat, auf zwei grundsolide WR mit Hakeem Nicks und Mario Manningham vertrauen, hat mit Victor Cruz jemanden, der immer für ein Big Play gut ist und in TE Jake Ballard so etwas wie einen Edeljoker – unbekannt, aber zuverlässig und wuchtig wie sonst nur der große, böse Gronk.

Auch die Defense New Yorks ist wenig spektakulär und kreativ, aber grundsolide sowie kratzbürstig, aggressiv und unnachgiebig. (Komischerweise immer nur in den wichtigen Spielen und in den Playoffs, aber die seltsam unmotivierten Novemberauftritte müssen uns ja jetzt nicht mehr kümmern. Bis zum nächsten November.) Die Defensive Line ist mit das Beste, was man in der NFL bestaunen kann. Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora können jedem Offensive Tackle im Paß- wie auch Laufspiel das Leben zur Hölle machen und bleiben durch das viele Rotieren auch frisch bis ins letzte Viertel. Die Defensive Tackles Chris Canty, Rocky Bernard und Allzweck-Backup Dave Tollefson komplettieren das Ganze und als Gruppe stehen sie zeitweise der gegnerischen Offensive Line gegenüber wie ein Hummer einem Käfer.

Hinter diesem Prunkstück sieht das LB-Corps etwas rostig aus, steht aber in Sachen Toughness in nichts nach. Spielerisch sind da einige Schwächen, aber außer Jermichael Finley, der nicht gerade Mr. Zuverlässig ist, haben die Packers nicht die Spielertypen (vor allem RBs), die daraus besonders viel Kapital schlagen sollten.

Sollte die D-Line gegen eine mäßige O-Line der Packers mit vier Mann Druck auf Rodgers ausüben können, hat auch die Secondary eine gute Chance, mit weniger als vier Touchdowns davonzukommen. CB Corey Webster hat sich heimlich, still und leise zu einem der besten Cover Guys der Liga gemausert; Aaron Ross (wieder fitt, nachdem er letzte Woche verletzt auf die Bank mußte) ist ein fähiger Nr.2-Corner. Gegen die Packers wird Big Blue wahrscheinlich sehr viel Nickel- und kaum Base-Defense spielen. Rookie Prince Amukamara, der viel schlechter spielt, als alle erwartet haben, wird einige Möglichkeiten als Nickelback bekommen. Und je nachdem, wie er sich da macht, wird Antrel Rolle entweder viel oder sehr viel als NB spielen. Rolle ist ein komischer Spieler, der sehr kräftig ist und stark an der Line of Scrimmage gegen den Lauf spielt. Weil er aber auch einigermaßen passabel im Paßspiel verteidigen kann ist er sowas wie ein Zwitter aus Nickelback, Linebacker und Safety in New Yorks sogenanntem Big-Nickel-Package. [edit 9:45Uhr: in der ersten Version dieses Artikels habe ich Antrell Rolle mit Deon Grant verwechselt. Grant wird die Safety-Position von Rolle im Big-Nickel-Package übernehmen.]

Dieses Spiel ist fraglos ein würdiger Abschluß der Divisional Round am Sonntag abend. Alles in allem treffen die Packers mit ihren starken, aufregenden Spielern, die alles besonders schön machen, auf Spieler, die alles besonder tough machen und durch Willen und Aggressivität ihre Spiele gewinnen. Im Grunde alles so wie damals 2007, an einem der kältesten Januartage aller Zeiten in der Frozen Tundra.

Vorschau NFL Wild Card Playoffs 2011/12: Falcons/Giants, Steelers/Broncos

Atlanta Falcons (10-6) @ New York Giants (9-7)

[Sonntag 19.00Uhr, kommentiert auf FOX von Joe Buck und Troy Aikman]

Die New York Giants haben es mal wieder geschafft, nach achterbahnmäßigen Auf und Ab dann doch wieder in die Playoffs zu kommen. Es gab ein paar tolle Siege (vs New England, Philadelphia), einige Einbrüche (z.B. gegen New Orleans), großartige Comebacks (vs Dallas), völlig unerklärliche Niederlagen (vs Seattle) und abgerundet wurde die ganze Saison durch fünf aufeinanderfolgende Niederlagen im November und Dezember. Mit drei Siegen in den letzten vier Spielen kommt man jetzt aber heiß und mit momentum in die Playoffs. Bei den Giants ist das Auf und Ab und andere Aufregung mittlerweile schon zur Tradition unter Head Coach Tom Coughlin geworden. Mal schießt sich der Nr. 1 WR in den Fuß, dann will der RB einen Fan verprügeln oder er beleidigt Rex Ryan mitten im Stadion; Eli wird mal auf eine Stufe mit Peyton gehoben nur um dann zwei Wochen später nicht mal der beste QB in New York zu sein und Coughlin wird jede Seaison mehr als einmal von Fans und Medien symbolisch gefeuert. Um es kurz zu machen: dieser Zirkus ist das genaue Gegenteil der Atlanta Falcons, die weder auf noch ab oder sonst etwas Extremes sind, sondern einfach – naja, so mittel.

Atlanta ist ein durch und durch gutes Team. Das ist einerseits ein Kompliment, andererseits beschreibt es auch ihre Grenzen. Gut heißt einerseits, daß sie zum dritten Mal in den vier Jahren unter HC Mike Smith ( OC Mike Mularkey & DC Brian Van Gorder) mit Quarterback Matt Ryan verdient in die Playoffs gekommen sind. Die Falcons haben sich in diesen vier Jahren auch nicht verändert. Sie haben ein ziemlich gutes Laufspiel, ein solides Paßspiel und eine ganz anständige Defense.

Aber “gut” heißt eben auch “nicht sehr gut”. Ryan ist kein Rodgers, die WRs Roddy White und Julio Jones sind keine Playmaker vom Format Larry Fitzgerald oder Calvin Johnson, RB Michael Turner ist kein Adrian Peterson und DE John Abraham ist kein Terrell Suggs.

Falcons Offense / Giants Defense

So wird das Spiel dann wohl auch taktisch recht “normal” ablaufen: Turner wird seine 20 Carries bekommen, Ryan wird einige gute Würfe machen und Jones/White einige gute fangen (aber auch droppen) und TE Gony Gonzalez wird die Linebackers der Giants öfter Mal alt aussehen lassen. Aber: das Entscheidende wird der Kampf an der Line of Scrimmage sein und hier ist Atlanta klar im Nachteil.

Die Offensive Line der Falcons ist Durchschnitt. Fünf große dicke Jungs, die ihre Stärken vor allem im Running Game haben. Und in den letzten fünf Wochen (vor dem Spiel gegen die Reste der Tampa Bay Buccaneers) hat selbst das nicht mehr besonders gut funktioniert: 89, 70, 86, 97 und 35 Laufyards gegen Minnesota, Houston, Carolina, Jacksonville, New Orleans. Über die gesamte Saison gesehen waren es am Ende nur 4,0 Yards per Carry, schlechter als zum Beispiel Indy.

Im Paßspiel kann sich QB Ryan schon mal auf einige blaue Flecken gefaßt machen. In guter alter Giants-Tradition hat die Verteidigung um Defensive Coordinator Perry Fewell eine tief besetzte Defensive Line mit drei hervorragenden Pass Rushern in Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora (auch wenn Umenyiora und manchmal auch Tuck zeitweise in einer Mischung aus leicht verletzt und lustlos aufgelaufen sind). Auch die anderen D-Liner Chris Canty, Linval Joseph und Dave Tollefson sollten in diesem Spiel ihre Plays machen. Das müssen sie auch, um das mittelmäßige, von Verletzungen geplagte LBs-Corps rauszuhauen.

Atlanta hat nur eine Chance auf mehr als 20 Punkte, wenn sie es schaffen, mit White und Jones mehrere Big Plays zu kreieren. Weil das aus der normalen Offense gegen diesen Pass Rush nur schwer möglich sein wird, werden wir wahrscheinlich viel No-Huddle-Offense von Matt Ryan sehen, was er in den letzten Wochen auch schon ausgiebig ausprobiert hat. Das macht den Pass Rush müde, verhindert das Auswechseln von Spielern, Wechsel zwischen Base-, Nickel- und Dime-Defense und hält den Druck auf die Verteidiger hoch.

Giants Offense / Falcons Defense

Der Gameplan der Giants-Offense ist ziemlich simpel: Eli Manning muß das Spiel irgendwie gewinnen. Das Laufspiel ist statistisch das schlechteste der NFL gewesen mit nur 89,2 Yards pro Spiel und 3,5 Yards pro Carry. Nichtsdestotrotz können sie mit einem fitten Ahmad Bradshaw und einem motivierten Brandon Jacobs mehr als 100 Yards machen und ihren Teil beitragen. In den letzten fünf Spielen waren sie, bis auf die Partie gegen Washington, auch immer dreistellig.

Trotzdem muß das Paßspiel die Hauptarbeit leisten. Mit einem teilweise überragend spielenden Eli Manning und einem der besten Receiving Corps der NFL mit Hakeem Nicks, Mario Manningham und Victor Cruz haben die Giants den klaren Vorteil gegen die mäßige Paßverteidigung Atlantas.

Fazit

Am Ende muß irgendwer der Falcons über sich hinauswachsen, um das Spiel zu gewinnen. Die Giants haben mit Eli, Victor Cruz und JPP/Tuck Spieler, die das regelmäßig machen. Bei Atlanta fehlt der ganz große Spieler, der MVP, der game changer, der auch mal das ganze Team auf seinem Rücken zum Sieg trägt. Matt Ryan hat dieses Jahr nicht gezeigt, daß er gegen eine ganz starke Defense ganz stark spielen kann; WR Roddy White hat immer wieder Killer-Drops; WR Julio Jones ist ein Rookie und wartet noch auf seine breakout performance; RB Michael Turner ist immer noch grundsolide, aber nicht der Homerun-Hitter und auch in der Defense gibt es viele überdurchschnittliche Spieler wie CB Brent Grimes, die LBs Lofton und Weatherspoon oder DE John Abraham. Die genannten haben alle durchaus das Talent, ein Spiel zu entscheiden, aber bis jetzt haben sie es noch nicht gezeigt. (In ihren letzten beiden Playoff-Spielen übrigens auch nicht: 2008 L 24-30 @Arizona und 2010 L 21-48 vs Green Bay.) Hinzu kommt noch, daß Dome-Teams in den letzten 40 Jahren nur 9 von 41 Playoffspielen in kalten Stadien gewonnen haben. Die Giants gehen als klarer Favorit in das Spiel.

Pittsburgh Steelers (12-4) @ Denver Broncos (8-8)

[Sonntag 22.30Uhr, kommentiert auf CBS von Jim Nantz und Phil Simms]

Im Mile High Stadium treffen zum Abschluß der Wild-Card-Playoffs zwei der nur drei Playoff-Teams aufeinander, die ein negatives Turnover-Rating haben (Denver -12, Pittsburgh -13). Über Tim Tebow und seine Broncos ist eigentlich alles gesagt, daß muß hier nicht nochmal wiederholt werden. Pittsburgh läuft komischerweise etwas “under the radar”. Die Defense hat unter vielen Verletzungen gelitten und hat die Regular Season völlig unbemerkt als Nr.1 nach Punkten als auch Yards abgeschlossen. In der Offense redet man meistens über die miese O-Line, den verletzten Big Ben und das miese Laufspiel. Aber an guten Tagen ist Pittsburghs Angriff einer der explosivsten der NFL und immer für mehrere Big Plays gut.

Broncos Offense / Steelers Defense

Das wird ein ganz langer Tag für Tim Tebow und seine Offense. Denver hat zwar das beste Laufspiel der Liga, aber Pittsburgh immer noch eine der besten Verteidigungsreihen ligaweit – sowohl gegen den Lauf als auch den Paß. Die Statistiken lassen Pittsburgh nicht ganz so gut aussehen, was aber vor allem daher rührt, daß die LBs alle längere Zeit verletzt oder gesperrt gefehlt haben. Jetzt sind alle wieder fit.

Pittsburgh wird das Spiel sehr aggressiv angehen und Tebow sehr früh Bekanntschaft machen mit Safety Troy Polamalu, der wohl meistens “in the box” spielen wird, um das Laufspiel von Anfang an zu unterbinden. Es sollte auch nicht allzu riskant sein, immer acht Mann in der Nähe der Line of Scrimmage zu haben, denn passen ist nicht gerade die Stärke Tebows.

In den letzten drei Spielen, die allesamt verlorengingen, wurde Tebow entzaubert. Vor allem die Bills und Chiefs haben in der Defense eine sehr aggressive Man-Coverage gegen die WR gespielt und Tebow damit die einfachen “Reads” genommen. Zusätzlich haben die DEs beziehungsweise OLBs sehr diszipliniert gespielt und Tebow nicht Richtung Seitenlinien ausbrechen lassen. Aggressiv und diszipliniert sind dummerweise die Hauptcharakteristika der Steelers-D.

Die Zahlen für Denvers Quarterbacks waren ernüchternd in den Wochen 15, 16, und 17: 30/73, 439 Yards, 1TD, 4 Interceptions, 3 Fumbles. Die Broncos haben nur eine Chance, wenn sie sich von ihren überkonservativen Gameplans verabschieden und ihr Heil in einigen tiefen Bällen suchen. Die Chance dafür sollte zumindest da sein, denn Polamalu wird sich hauptsächlich an der Line of Scrimmage rumtreiben, der zweite etatmäßige Safety Ryan Clark ist verletzt und mit Ike Taylor haben sie auch nur einen starken CB.

Steelers Offense / Broncos Defense

Auf dieser Seite des Balles wird alles von Roethlisbergers linkem Knöchel abhängen. Erstmals hat er ihn sich Anfang Dezember verletzt, humpelte dann in San Francisco nur rum bevor er sich in Woche 16 schonen durfte. Letzte Woche mußte er wieder ran und ist im dritten Viertel gegen Cleveland erneut mit dem Fuß umgeknickt. Nun humpelt er schlimmer als zuvor und ist damit seiner wohl größten Stärke beraubt: der Fähigkeit, immer wieder sicher geglaubten Sacks zu entkommen.

Hinter seiner dezimierten Offensive Line, die schlecht wie eh und je spielt, sollte er am Sonntag immer wieder große böse Jungs auf sich zukommen sehen. Elvis Dumervil und Rookie Von Miller sind das wohl beste Pass-Rushing-Duo der AFC. Miller hat zwar in den letzten Wochen, in denen er angeschlagen war, leicht nachgelassen, aber ein wenig fitter und mit der Motivation eines Playoffspiels vor eigenem Publikum sollte er zur Höchstform auflaufen. Pittsburgh hat in dieser Saison auswärts 25 Sacks zugelassen.

Noch schwieriger wird es für Pittsburghs Offense, weil sich Running Back Rashard Mendenhall mit Kreuzbandriß ins Krankenhaus verabschiedet hat. Nun muß Isaac “Redzone” Redman das Workhorse geben. Ob er dazu fähig ist, muß er erst noch beweisen. Helfen sollte den Steelers die bestenfalls durchschnittliche Secondary der Broncos. CB Champ Bailey ist immer noch gut, aber nicht großartig. Der andere Starting-CB Andre Goodman hat seine besten Tage auch hinter sich und nach der Verletzung von Safety-Legende Brian Dawkins bewachen mit Rookie Quinton Carter und dem 24-jährigen David Bruton zwei Grünschnäbel den tiefen Teil des Feldes.

Das sollte den beiden Deep Threats Mike Wallace und Antonio Brown viel Freude bereiten. Beide haben in dieser Saison mehr als 1000 Yards erfangen und machen pro Catch fast 17 Yards. Wenn Big Ben mal Zeit in der Pocket bekommt, sollten Wallace und Brown die wichtigen Catches und Punkte machen, auch wenn es wohl nicht allzu viele werden dürften. Letztendlich sollten die Steelers aber auch gar nicht so viele Punkte brauchen um eine Woche später zu ihren guten Freunden aus Baltimore oder New England fahren zu dürfen.