Chicago Bears in der Sezierstunde

Die Chicago Bears kommen vom Totalschaden der letzten Saison, in der man als hoffnungsvoller Außenseiter gestartet, letztlich als Lachnummer gestrandet ist. Folge: Die sportliche Leitung um GM Emery und Head Coach Trestman musste gehen. Als Nachfolger wurde die ungewöhnliche Combo aus dem 37-jährigen GM Ryan Pace und dem 59-jährigen Head Coach John Fox installiert. Ihnen mitgegeben wurde ein auseinanderfallender Kader mit dem QB-Fragezeichen schlechthin. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – Chicago Bears

Letztes Jahr haben die Bears nach vielen Jahren unter Lovie „Tampa2“ Smith einen sogenannten „Offensivguru“ oder „Quarterbackflüsterer“ als Head Coach engagiert. Unter Marc Trestman sah die Offense zeitweise richtig vielversprechend aus; allein: die Defense war von vornherein schon kaputt, dann litten sie auch noch unter riesigen Verletzungssorgen und verloren am Ende den Kampf um die NFC-North-Krone doch nur knapp.

Blablabla, interessiert alles niemanden mehr. Denn bei den Bears macht es richtig Spaß, in die Zukunft zu schauen und sich auf ein sehr aufregendes Team zu freuen. Weiterlesen

Chicago Bears in der Sezierstunde

Die Saison 2013/14 dürfte bei den Anhängern und Verantwortlichen der Chicago Bears zwiespältige Gefühle hinterlassen haben. Da wäre zum einen der geglückte Wechsel auf Head Coach Mark Trestman, der genau das bewegte, wofür ihn GM Phil Emery geholt hatte: Er vitalisierte eine zuvor viele Jahre (Bears-Fans würden auch sagen: „Jahrzehnte“) brach gelegene Offense und ließ attraktiven Offensiv-Football spielen. Da wäre aber zum anderen die – völlig Bears-untypisch – abgeschmierte Defense, die im Jahr eins nach Lovie Smith zu den schlechtesten der Liga gehörte. Manch einer würde sagen, die Bears haben ihre Seele verkauft.

Überblick 2013

Record         8-8
Enge Spiele    6-6
Pythagorean    7.2    20
Power Ranking  0.549  13
Pass-Offense   7.0     5
Pass-Defense   6.9    29
Turnovers      +5

Management

Salary Cap 2014.

Die rohen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Eine Pass-Offense mit 64.4% Completion-Rate und 7.0 NY/A, mit nur 2.2% INT-Quote und ganzen 30 kassierten Sacks, und das egal mit welchem Quarterback – Werte, für die man in den letzten Jahren in Chicago so einiges verhökert hätte… aber hätte man seine Defense dafür verhökert? Die kassierte dieses Jahr 6.9 NY/A gegen den Pass – unerhört, aber noch viel schlimmer war das, was die Lauf-Defense in der zweiten Saisonhälfte zeigte: Jeder gegnerische Laufspielzug unter 6yds musste beim gegnerischen OffCoord als Misserfolg verbucht werden.

Das als Zusammenfassung und Erklärung, wie Chicago eine 8-8 Bilanz zustande brachte, über die niemand jubiliert, die aber viele mit einem eher lachenden Auge registrierten.

Gegen Jahresende, als viele diskutierten, ob QB Jay Cutler noch eine Zukunft in Chicago habe, dachte ich mir insgeheim „Trestman hat sich das Recht erarbeitet, sich seinen Quarterback der Zukunft auszusuchen“. Er hatte sogar aus Cutlers Backup, dem Wandervogel Josh McCown, einen QB von Format gemacht. McCown hatte sogar bessere Effizienz-Stats als Cutler eingefahren, und trotzdem: Als es heiß wurde, ließ Trestman wieder Cutler ran – mit gutem Grund: Mit Cutler kannst du deine ganze Offense spielen, mit einem McCown eben nicht.

Am Ende der Saison wurde mit Cutler für den heutigen NFL-Standardvertrag für Quarterbacks, 7yrs/38 Mio. guaranteed, verlängert. Trestman hat seinen Quarterback also ausgewählt. Cutler ist mit seinem Mega-Wurfarm immer ein Spieler, mit dem du fast alles aus deinem Playbook spielen kannst, aber Cutler ist auch ein riskanter Spieler, der gerne mal versucht etwas mehr zu fabrizieren als es der Spielzug hergibt. Wenn es den QB-Flüsterer Trestman aber nicht stört, willst du dich nicht beschweren.

Das System um Cutler drum herum scheint zu passen: Die beiden Top-Wideouts Marshall und Jeffery sahen letzte Saison zusammen 55% der Bears-Anspiele und fingen in Kombination 189 Bälle für 2716yds und 19 Touchdowns. Nuff said.

Marshall ist aktuell noch der wichtigere der beiden Schlüsselspieler, aber Jeffery war eine der Storys der Saison: Er schaffte seinen Durchbruch; Jeffery war schon am College ein famoser Spieler gewesen, aber im Draft war er aus den üblichen Gründen – Bocklosigkeit, zu schlampige Catches – aus dem Blickfeld der nationalen Medien verschwunden. Dazu der hünenhafte TE Martellus Bennett, der erstmals sein Potenzial ausschöpfen konnte, und in RB Matt Forté einen ebenso vielseitigen wie kompletten Back.

Handlungsbedarf gibt es vermutlich noch in der Offensive Line, und zwar auf Right Tackle, wo Mills nicht als langfristige Lösung gilt. C Garza bekam zwar noch einmal einen neuen Vertrag, aber viele Jahre wird er nicht mehr spielen. Wie viele Ressourcen die Bears heuer aber in den Angriff stecken wollen, bleibt erstmal noch offen, denn die Problemzone schlechthin war zuletzt die Defense.


Man wusste schon vor Lovie Smiths Abgang, dass die einst so gefürchtete Bears-Abwehr langsam in die Jahre kommen würde, aber einen derartigen Einbruch wie 2013/14 hatte man dann doch nicht erwartet.

Wie viel vom Absturz dieser Defense ein einmaliger Ausreißer nach unten war und wie viel tatsächlich auf die Kombination aus eben überalterten Spielern und Systemwandel zurückzuführen ist, ist nicht ganz klar, aber Fakt ist: Mit einem Mal sah das Spielermaterial in der Stadt der Winde seeeeehr blass aus.

Teil des Problems sind die schlechten Drafts der letzten Jahre: Ein DE Shea McClellin zum Beispiel wurde von Emery vor nur zwei Jahren geholt, aber McClellin war schon damals eine verblüffende Wahl gewesen – ein 3-4 Outside Linebacker für eine Tampa-2 ähnliche Defense, das konnte schon damals in der Wahrnehmung nicht gut gehen. McClellin ist zwei Jahre später quasi ein Bust, der nicht mal viel für sein Schicksal kann.

Andere Spieler wie LB Jonathan Bostic (Rookie-Klasse 2013), LB Khaseeme Greene (2013) oder DT Stephen Paea (2011) warten auch noch auf ihren Durchbruch. Sie alle sind noch keine hoffnungslosen Gesellen, aber in einer Zeit, in der Chicago keine Alternativen hat, die es zwischenzeitlich auf das Feld schicken könnte, fällt es eben auf, wenn ein Bostic zwanzig Tackles pro Spiel verpasst.

Ein anderer Teil des Problems soll DefCoord Mel Tucker sein. Tucker ist noch bekannt aus seiner Zeit in Jacksonville, wo er mehrere sehr gute Units unter seinen Fittichen gehabt hatte, die, wie wir heute wissen, personell nun auch nicht sooo hervorragend besetzt waren. Tucker war schon immer eine eher bizarre Wahl für die Bears-Defense, aber wie viel kann man ihm für das missglückte Debütjahr wirklich vorwerfen, nachdem schon in den Sommertrainingslagern drei oder vier der wichtigsten Defensive Tackles – also der Herz der Abwehr – verletzungsbedingt ausfielen?

Nun ist es eine der großen Stärken des Phil Emery, dass er nicht passiv darauf wartet, dass sich der Lauf der Dinge von allein verändert, sondern aktiv versucht, die Schwachstellen zu beseitigen. So war es schon vor zwei Jahren mit dem Kauf von Skill-Players. So war es letztes Jahr mit dem Trainerwechsel auf Trestman. Und so war es heuer mit Trestmans bisherigen Transaktionen in der Defense.

Mit DT Henry Melton (2013 fast durchwegs verletzt) und dem ebenso alten wie teuren DE Julius Peppers (2013 sein schwächstes Profijahr) wurden die beiden erfahrenen Recken in der Front-Seven fortgeschickt.

Dafür griff man auf dem Transfermarkt mehr oder weniger vorsichtig zu bekannten, aber nicht extrem teuren Optionen. DE Jared Allen zum Beispiel, der einen Zweijahresvertrag über 16 Mio. unterzeichnete; Allen ist zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere ein relativ reinrassiger Passrusher, der noch nicht ganz fertig haben dürfte.

Gemessen am Alter und an der Vertragsstruktur dürften DE Lamarr Houston (5 Jahre, 35 Mio mit 9 Mio. guaranteed), DE Idonije und DE Willie Young (3 Jahre, 9 Mio) sogar noch effizientere Einkäufe sein. Vor allem der Plan mit Young gefällt mir. Young war jahrelang ein sehr brauchbarer Ergänzungsspieler in Detroit, der seine 500-800 Snaps mit großem Erfolg absolvierte. Als er auf die Transferliste wanderte, musste man befürchten, dass es Teams geben würde, die Young als Stammspieler bezahlen würden um sich dann nächstes Jahr zu wundern, wieso dieser Mann in 1100 Snaps keine sechs Sacks zustande bringt. Die Bears bezahlten Young für das, was Young für sie liefern soll: Ergänzende Leistung, und das wird er sehr, sehr gut machen.

Weil auch der mittlerweile 33jährige, untersetzte DT Ratliff gehalten wurde, sieht das Spielermaterial „dort vorne“ für die Bears mit einem Mal schon verdächtig danach aus, als könnte man mit ihm arbeiten: Kein can’t miss-Spieler, aber genügend Männer, dass man auch noch im Schlussviertel frische Rotation spielen kann.

Den einen Starspieler kann man sich ja noch via Draft zu greifen versuchen, zum Beispiel auf der DT-Position, wo man noch eine ernst zu nehmende Passrush-Kraft sucht: Ein Houston ist zwar bekannt dafür, dass er gerne auch mal einen Snap als Tackle spielt, aber standardmäßig ist Houston ein End. Hier wäre es alles andere als eine Überraschung, wenn sich die Bears früh im Draft nach einer Lösung umschauen.

Bei den Linebackers entledigte man sich von Altlasten á la Anderson und kann nun je nach Draft-Verfügbarkeit noch 1-2 Prospects holen, oder darauf hoffen, dass sich Greene und Bostic neben dem Führungsspieler Briggs doch noch entwickeln.

In der Secondary sieht es noch am wenigsten aufgeräumt aus. Die größte Schwachstelle der Mannschaft in S Major Wright wurde gefeuert, und eine ganze Latte an Free-Agent Einkäufen gemacht: S McCray aus Dallas, S Mundy aus New York und S Jennings aus Green Bay, plus eine Vertragsverlängerung für das Eigenbauprodukt Steltz. Dazu wurde auch mit CB Peanut Tillman verlängert, den manche auf seine alten Tage zum Safety umschulen wollen. Das klingt alles im Moment nicht danach, dass die Bears ihre Draft-Optionen auf Safety sehen, sondern möglicherweise eher nach Ergänzungen auf Cornerback suchen.

Weiter in die Pupette muss man nicht reinschauen. Die Needs der Bears 2014 sind klar:

  1. Defensive Tackle mit Passrush-Fokus
  2. Cornerback
  3. Right Tackle
  4. Linebacker
  5. Backup-RB

Bisher wenig diskutiert, aber IMHO eine Selbstverständlichkeit müsste der Versuch sein, DE McClellin zu traden. Der ist zum Stand heute derart fehl am Platz in der 4-3 Defense und zeitgleich immer noch ein Talent, dass er von einem 3-4 Team für einen moderaten Draftpick doch mit Kusshand genommen werden sollte.

Aber gut: Selbst ohne weiteren großartigen Aktionismus hat GM Emery die Defense schon auf deutlich solidere Beine gestellt. Kein Move schreit im ersten Moment nach Überbezahlung. Die Bemühungen, in der Defense Line zu beginnen, sind haargenau die richtigen, und es wurden viele Spieler für die Tiefe geholt, sodass man gegenüber 2013 massiv verbessert sein dürfte.

Weil in einem Jahr die 8 Mio. dead-money, die die Peppers-Entlassung kostet, abgeschrieben sein werden, hat Chicago sich für die mittelfristige Zukunft auch eine Portion Flexibilität behalten. Und weil man in der Offense davon ausgehen kann, dass sie produktiv bleibt und von der Defense, dass sie deutlich verbessert sein wird, bleiben die Bears ein heißer Anwärter in der NFC North.

NFL Notizblock, Week 6: TNF New York Giants @ Chicago Bears

Es regnet, es stürmt und die abgefallenen Blätter liegen zum darauf Ausrutschen auf den glitschigen Bürgersteigen bereit: damit hat die Zeit begonnen, in der das uferlose Wissen Mike Mayocks über back up-safeties und street free agents nützlich wird. Die New York Giants (0-5) beispielsweise versuchen mit zwei lebenden Ersatzteillagern im Defensive Backfield und in der Offensive Line aus ihrem 0-5-Loch gerauszukraxeln. Auch wenn sich Big Blue teilweise anstellt wie ein dreifach dummer Esel, so sind es doch nur zwei Spiele Rückstand auf Platz Eins der NFC East. Bei den Chicago Bears (3-2) spielen zwei Leute von der Straße Defensive Tackle und Peanut Tillman konnte auch nur von der Seitenlinie aus zusehen. Aber auch ohne Tillman war die Frage vor dem Spiel: wo liegt das over/under für Turnovers der Giants-Offense? Fünf, sechs, sieben?

Und natürlich endet der erste Giants-Drive mit einer Interception. Und natürlich endet der zweite Drive der Giants mit einer zum Touchdown zurückgetragenen Interception. Danach lief es aber einigermaßen. Sogar das Laufspiel der Giants sah mal wieder NFL-tauglich aus (und ohne Fumbles!). Weil die jungen Running Backs entweder verletzt sind (David Wilson) oder aufgrund ihrer Fumbleitis kaum spielen dürfen (Da´relle Scott) war Brandon Jacobs der Nr. 1 RB. And guess what: das alte Schlachtroß holt mit 22 Läufen 106 Yards und 2 TDs. Auch sonst lief es eigentlich ganz gut für NY: die nächsten fünf drives führten dreimal in die Endzone.

Stats / Gamebook

Gamebook Giants/Bears

Fünf Minuten vor Schluß bekam Eli Manning beim Stand von 21-27 den Ball und damit die Chance, das Spiel zu gewinnen und die Saison irgendwie am Leben zu erhalten. Sie marschierten denn auch und marschierten – aber natürlich warf Eli in Chicagos Hälfte fünf Centimeter zu hoch für Tight End Brandon Myers und natürlich landetet der Ball direkt in den Händen von Chicagos Tim Jennings. Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh! Game Over. (Die ersten beiden Interceptions sahen – mal wieder – so aus, als hätten WRs und QB jeweils etwas anderes gedacht. Das passiert natürlich, wenn man so viele option routes läuft wie die Offense von Kevin Gilbride, aber die miscommunications haben viel zu sehr Überhand genommen und die skill players sollten sich mal ein Wochenende auf einer einsamen Berghütte einsperren und endlich mal auf den selben Nenner kommen.)

Problematisch für die Giants-D war, daß sie vor allem in der zweiten Hälfte den Angriff um Jay Cutler nicht vom Feld bekommen haben. Ihre ersten drei drives in Hälfte zwo produzierten zwar nur ein Field Goal, aber sie kamen immer in die gegnerische Hälfte und die vielen First Downs (neun in den drei Serien) haben sehr viel Zeit gefressen, die Big Blues Angriff zum Comeback gefehlt hat.

Schlimm ist vor allem das linebacking corps, in dem Jon Beason jetzt der Chef ist. Man kann deutlich sehen, warum Carolina ihn ohne Weiteres hat ziehen lassen. Der beste LB ist noch Spencer Paysinger, der in den fundamentals sehr solide ist und durch seine Athletik auch mit vielen RBs und TEs mithalten kann. Daneben besonders schlimm zu sehen war Jason-Pierre Paul. Er ist regelmäßig der langsamste off the snap, während die anderen 21 Spieler sich schon bewegen, versucht er noch seinen kaputten Rücken gerade zu machen. Entweder ist seine Rückenverletzung schlimmer als gedacht oder er hat ein ernsthaftes Motivationsproblem. Ein großer Lichtblick bleibt aber weiterhin CB Prince Amukamara, der in dieser Saison loud and proud seinen Status als ehemaliger 1st-rd pick verteidigt, der einen großen Vertrag haben will.

Chicago war so wie immer. Die Defense ist ziemlich schwach, kann das aber durch Turnovers sehr gut kaschieren. Wenn die Bälle mal anders springen, können sie einpacken. Der Angriff lebt von den beiden großen und kräftigen WRs Brandon Marshall und Alshon Jeffery. RB Matt Forte ist nicht mehr der focus point dieser Offense – und seine Leistungen sind auch nicht danach (auch wenn die OLine nicht die allergrößten Löcher reißt). Das ist aber auch kein Beinbruch, denn mit einem slant oder einem back shoulder throw zu den dicken und großhändigen Marshall und Jeffery kann regelmäßig ein Third Down verwandelt werden.

Chicago Bears in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        10-6    --
Enge Spiele    3-4 
Pythagorean   10.8    (6)
Power Ranking   .538 (11)
Pass-Offense   5.7   (23)
Pass-Defense   5.4    (4)
Turnover       +20

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Reißleine in Chicago nach der wieder mal verpassten Playoff-Qualifikation: Der langjährige Head Coach Lovie Smith wurde rasiert und von GM Phil Emery durch ein überraschendes Karnickel ersetzt: Marc Trestman aus der Canadian Football League. Für die jüngeren Fans seit Trestman kurz eingeordnet, da er langjährigen Fans durchaus etwas sagen sollte: Trestman war Ende der 90er und Anfang der 2000er in San Francisco und Oakland eine zeitlang heißer als Frittenfett und wurde als neuestes Offensivgenie gefeiert, orchestrierte reibungslose West Coast-Systeme das Spielfeld runter und wird noch heute als vielleicht wichtigster Mann hinter der MVP-Saison von QB Rich Gannon 2002/03 gesehen. Weiterlesen

MNF-Preview #4: Dallas vs. Chicago

Das Monday Night Game heute Nacht (02h30 live bei ESPN America und SPORT1+) bietet zwei der populärsten NFL-Franchises, und beide sind mäßig in die Saison gestartet. Trotzdem stehen beide bei 2-1 Siegen. Dallas gegen Chicago ist ein Spiel der gegensätzlichen QB-Charaktere, aber ähnlichen QB-Typen, und ein Spiel mit zwei bisher starken Defenses.

So unterschiedlich Lebemann Tony Romo und der weltabgewandte Jay Cutler abseits des Feldes auch sein mögen, so ähnlich sind die Kritiken für die beiden Quarterbacks doch seit Jahren. Beiden wird immenses Talent nachgesagt, aber auch die Krux, unter Druck zu risikofreudig zu sein und in engen Spielen zu häufig zu versagen.

Romo ist heuer besser in die Saison gekommen, mit einer sehr guten Vorstellung in New York und einer ordentlichen in Seattle (trotz hoher Niederlage). Cutler zeigte horrende Leistungen in Green Bay und in der Anfangsphase in Indianapolis, aber wenn Cutler wenigstens in Ansätzen Zeit zum Ausgucken der Secondary bekam, ging die Performance steil nach oben.

Diese Zeit wird heute ein Knackpunkt, da die Dallas Cowboys mit dem monströsen OLB #94 DeMarcus Ware einen alljährlichen MVP-Kandidaten auf den anerkannten Schwachpunkt der Bears-Protection, LT #74 J’Marcus Webb, jagen werden. Sofern Bears-OffCoord Mike Tice nicht einen zusätzlichen Tight End auf Ware absetzen, dürften die Geister von Green Bay wieder erwachen und Cutler unter Fleischbergen begraben werden.

Auf der anderen Seite wird der Offensiv-GamePlan der Cowboys von Interesse sein, der um ein bisher wetterwendisches Laufspiel herumeiern muss, und wo QB Romo trotzdem die Luft zum Atmen braucht, wenn die phantastischen Pass Rusher um DE Peppers die wackelige Cowboy-Protection sezieren. Romo muss wenigstens genügend Zeit bekommen, um den einen oder anderen tiefen Ball versuchen zu können, anders als in Tampa, wo es bei meist kurzen Pässen blieb.

Tipp: Dallas gewinnt und hält seine Stellung in der NFC East.

NFL-Woche 2/2012: Green Bay Packers – Chicago Bears im Rückspiegel

Ich halte es weiter so wie letzte Woche: Analyse gibt es nach dem Spiel, um nicht zu spoilern.

Was wissen wir nach diesem Donnerstagnachtspiel? Die Chicago Bears profitierten letzte Woche doch mehr vom Ausfall Freeneys als angenommen. Und die Green Bay Packers… sind in der Offense auch nicht wirklich gut drauf. Resultat war ein eher hässlicher 23-10 Sieg für die Packers in einem Spiel, in dem die Pass-Offense der Bears komplett blank gelegt wurde.

Die Chicago Bears am Ball

Wenn eine Pass-Offense 2.1yds/Versuch auf die Reihe bringt, ist etwas schief gelaufen. Eine Woche nach der halbwegs annehmbaren Vorstellung der Offensive Line der Bears gegen Indianapolis kollabierte selbige in Green Bay komplett, sah überhaupt kein Land gegen eine aggressive Packers-Defense. Sieben Sacks. Vier davon durch #52 Clay Matthews jr., der nach zwei Spieltagen bei sieben (!) Sacks hält, ähnlich den Zahlen von vor zwei Jahren.

Matthews hatte Spaß am Spiel, vor allem gegen LT #74 Webb, der heillos überfordert wirkte, aber Matthews suchte sich mit zunehmendem Spielverlauf auch andere Opfer, drückte phasenweise auch von der ILB-Position gegen die Line.

Dann die Wide Receivers der Bears: Von Drops auf kurzen Routen hin zu völlig ungedeckten Drops in der EndZone zu Zeitpunkten, an denen das Spiel hätte noch einmal spannend werden können. Was #15 Marshall und Konsorten sich da leisteten, war absurd schwach für NFL-Verhältnisse.

Auch die Spielzüge schienen nicht überzeugend zu sein. Häufig brauchte es lange, bis der erste Ballempfänger offen war. Das All-22 Tape dürfte Aufschluss geben, ob die Packer-Secondary so gut deckte (was gemessen an den vergangenen 12 Monaten einer Überraschung gleich käme) oder ob OffCoord Mike Tice da Mike-Martz-Gedächtnisrouten angesagt hatte.

Kommen wir zum Quarterback, Jay Cutler. Ich habe schon Quarterbacks gesehen, die noch mehr unter Druck in der Pocket standen und besser spielten. Ich würde darauf wetten, dass wenigstens zwei oder drei der vielen Sacks ein Produkt des „Roethlisberger“-Syndroms waren, ein Quarterback, der zu ballverliebt für das Wegwerfen in die Tribünen ist. Lieber den Spielzug noch einskommasieben Sekunden verlängern, um die Chance auf einen Wunderwurf ins Herz der Secondary zu bekommen.

Diese Chancen erkaufte sich Cutler teuer: Gleich mehrere tiefe Bomben downfield wurden relativ einfach von Green Bay abgefangen (vier an der Zahl), Cutler fraß den Frust nicht in sich hinein, maulte gegen Receivers und Offensive Linemen und legte sich mit DB Woodson an, der nach dem Spiel gegen Cutler spöttelte („ich wusste, dass er uns den Ball in die Hände werfen würde“). Typischer Cutler, wenn er mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. Genialer Wurfarm, geniale Momente. Aber wenns nicht läuft, nicht in der Lage, das Ruder rumzureißen, sondern lieber die Stimmung im kompletten Laden mit in den Keller reißen.

Dass sich Matt Forté am Knöchel verletzte, schmerzt da nur noch umso mehr. Backup-RB #29 Bush war zwar die souveränste Waffe eines anämischen Bears-Angriffs, aber Bush ist nicht mehr als ein Verwalter.

Die Green Bay Packers am Ball

Wo wir den Bears-Angriff kritisieren, darf auch nicht über die Fehler von Green Bays Offense geschwiegen werden: QB Aaron Rodgers und seine Armada schaut so schlampig aus wie vor drei Jahren zum letzten Mal, und ich würde das nichtmal bloß an den schwachen 4.4yds/Passversuch für Rodgers festmachen: Rodgers verpasst erstaunlich viele Würfe. Downfield ist da wenig Präzision im Spiel, auch wenn #87 Nelson und #88 Finley durchaus den einen oder anderen Catch bei nicht 100% präzisen Würfen hätten machen können. Erst als im dritten Viertel auf schnelle, kürzere Pässe umgeschaltet wurde, lief es für Rodgers und Co. besser.

Es war zugegeben auch nicht einfach gegen die druckvolle Defensive Line der Bears. DE #90 Julius Peppers war zwar nicht bei allen Snaps auf dem Feld, spielte aber phasenweise Katz und Maus mit seinen Gegenspielern auf der linken und rechten Seite der Offense Line. Auch die Kollegen um Melton und #99 McClellin kamen öfters durch als es einem OL-Coach lieb sein dürfte und schienen das Timing empfindlich genug zu stören.

Green Bay musste als entscheidendsten Spielzug auf einen famosen Trick zurückgreifen: Beim vierten und 26 wurde ein Field-Goal-Fake per kurzem Flip auf den fürchterlich tätowierten TE Crabtree für 27yds zum Touchdown und 10-0 verwertet – im zweiten Viertel, zu einer Phase, als das Spiel noch offen genug war und man beiden Teams bereits hinreichend Probleme angesehen hatte.

Zu nennen wäre auch noch die wirklich fantastische Defensivarbeit der Bears nicht bloß gegen den Pass, sondern auch gegen den Lauf. Bis auf einen langen 28yds-Endaround für die Allzweckwaffe WR #18 Randall Cobb ließ man 78yds in 27 Laufspielversuchen zu (2.9yds/Carry).

Sonst so

  • Die ersten Punkte der Packers kamen durch eine seeeeeeehr haarigen Referee-Entscheidung zustande, die ein eigentlich gescheitertes 3rd down der Packers drehten, weil die Bears-Defense offenbar zu viele Abwehrspieler auf dem Feld gehabt hatte. Die TV-Bilder ließen eher darauf schließen, dass der zwölfte Mann den Platz gerade noch rechtzeitig verlassen hatte. Ein eher unerklärlicher Review-Fehler.
  • Idiotische Strafen von den Bears, von überflüssigen personal fouls (hallo, OT Carimi!) bis zu illegalen Blocks, wo Cutler den Ball bereits längst weggeworfen hatte.
  • Eigenartigerweise wurde im Schlussviertel beim 12-men-on-the-field-Penalty gegen Green Bay die Uhr nicht wieder zurückgestellt (3:16 vor Spielende). Meiner Erinnerung nach hatte die NFL nach dem verunglückten Superbowl-Ende hier die entsprechende Regeländerung bereits abgesegnet.

Chicago Bears in der Sezierstunde

Die Chicago Bears haben sich zu einem komischen Laden entwickelt, der sich seit Jahre in der Mittelmäßigkeit verliert, immer mit ein paar Hoffnungsschimmern zum Durchbruch, aber immer auch mit hinreichend Lücken, die die Mannschaft killen. In der abgelaufenen Saison war man besser als erwartet, bevor der Verletzungsteufel ab Mitte November brutal zuschlug und die Bears-Bilanzen in Grund und Boden schoss. In der Offseason wurde OffCoord Mike Martz durch Mike Tice ersetzt, aber die grundsätzlichen Probleme bleiben.

Denn so gut QB Jay Cutler auch spielt, auf so wackeligen Beinen steht trotz leichter Verbesserung die Offensive Line. Dabei wurde Cutler, der Mann, der prädestiniert für das vertikale Spiel wäre, dafür eingekauft, die tiefen Bomben zu servieren, wofür ihm die anerkannt schwache Pass Protection der Bears aber überhaupt keine Zeit lässt, weswegen kein Bears-Spiel ohne INT und 5-6 Sacks vergeht. Angesichts dieser Gegebenheiten lesen sich Cutlers 6.4 Nettoyards/Passversuch wie ein kleines Wunder und gewannen durch die Vorstellungen des Backups Hanie noch einmal an Wertigkeit. Möglicherweise bekommt Cutler, der Grund-Unsympath, nicht die Anerkennung, die er verdienen würde.

Als Reaktion auf die Probleme wurde jüngst WR Brandon Marshall aus Miami eingekauft – der Mann, mit dem Cutler einst in Denver prächtig harmonierte. Marshall ist keine Bedrohung für die 50yds-Raketen, jedoch als Waffe für die schnellen Pässe jederzeit gebräuchlich. Recht viel mehr an Wide Receivers gibt es in Chicago nicht: Hester, Knox und Williams sollen Super-Athleten sein, aber über keine Technik verfügen. Deswegen galt über die Jahre auch der RB Matt Forté als zuverlässigster Ballfänger. Fortés Standing in Chicago ist gut genug, dass sich Martz, das Synonym für „vertikales Passspiel“, zuletzt immer häufiger dazu hinreißen ließ, auf Laufspiel und schnelle Screen-Pässe zu setzen.

Trotz aller Probleme machten sich die Bears in der Free Agency nicht auf, die Offensive Line anzugehen. Auf Tackle kann man auf die Genesung des hoch gedrafteten Gabe Carimi (Wisconsin! Ein Blocker aus Wisconsin!) hoffen, aber abseits davon hätte es hinreichend Handlungsbedarf gegeben. Lieber konzentrierte man sich jedoch darauf, grundsolide Backups wie RB Michael Bush oder QB Jason Campbell aus Oakland zu holen, um Cutler und Forté nach deren nächstem Abschuss halbwegs adäquat ersetzen zu können. Man kann davon ausgehen, dass im Draft Offensive Liner einberufen werden, bis die Äpfel reif sind.

Bei all dem Desaster geht völlig unter, dass die Defense der Chicago Bears eine fantastische Saison spielte und absolut e-x-z-e-l-l-e-n-t gegen den Lauf verteidigte. Die Unit von DefCoord Rod Marinelli ist immer noch als „Cover-2“-Variante konzipiert, die auf eine famose Defensive Line um den Superstar-DE Julius Peppers gründet. Obwohl man undisziplinierte Freelancer wie Meriweather durchschleppen musste, hielt das Bollwerk lange genug Stand, dass die Bears mit einer wenigstens durchschnittlichen Offense in der zweiten Saisonhälfte die Playoffs erreicht hätten.

Allerdings wird die gesamte Abwehr a) nicht jünger und muss b) einen Aderlass verkraften. MLB Brian Urlacher, der „Ober-Bär“ seit über einem Jahrzehnt, riss sich im letzten Saisonspiel die Bänder im Knie, während gleich mehrere Cornerbacks und DT Adams ziehen gelassen wurden. Es gibt hoffnungsvolle Talente wie DT Paea oder CB Jennings, aber sofern Lovie Smith noch langfristig planen darf, muss spätestens in einem Jahr der Verjüngungsprozess eingeleitet werden. Schon heuer öffnen sich die ersten Waale in der Secondary, die via Draft angegangen werden müssen.


Die Bears stehen am Scheideweg. Lovie Smith ist ein Verpassen der Playoffs vom Rauswurf entfernt und man muss wohl eine weitere Saison mit einer Offense bestreiten, die in sich nicht vollends stimmig wirkt: Quarterback mit Anlage für tiefes Spiel, Wide Receiver für kurze Routen, Offensive Line, die nicht mehr als 2sek für Spielzugentwicklung zulässt und dann kommt da noch ein OffCoord, der berüchtigt für seine fehlende Liebe zum Detail ist. Im schlimmsten Falle könnte es ProBowl-kalibrige Leistungen Cutlers brauchen, um erneut in Playoffnähe zu bleiben. Auf der anderen Seite sieht das Bears-Fundament nun deutlich solider aus als in der vergangenen Offseason; man finde 1-2 gute Blocker im Draft und die NFC North wird eine heiße Angelegenheit.

NFL 2011/12, Week 5: Detroit Lions – Chicago Bears (MNF)

[05h43] Endstand Detroit Lions 24, Chicago Bears 13.

Ein Sieg der über vier Viertel dominierenden Defensive Line der Detroit Lions, die von drei bis fünf Mann in unglaublich vielen verschiedenen Versionen daherkam und den Bears keine Zeit zum Werfen gab. QB „Big Ben“ Jay Cutler machte unter diesem Umständen ein sehr ordentliches Spiel, konnte zwar nie tief werfen, vermied aber wenigstens so gut es ging Sacks und INTs, hielt die Bears über weite Strecken im Spiel.

Die beiden OTs #73 Webb und #68 Omilaye dürften heute mit Albträumen ins Bett gehen. Ich bin da mal auf die Noten bei Pro Football Focus gespannt.

Detroits Offense kam heute nie wirklich in Tritt (nur 47 Spielzüge und 20min Ballbesitz), musste sich auf Big Plays verlassen, die da waren: 73yds TD Johnson, 88yds Lauf-TD Best, der auch noch einen zweiten langen Lauf hatte. Datt war’s. Detroit machte 3 TD, aber nur einen wirklich „runden“ Drive. Insofern: Heute reichte es, weil die Bears ein Abwehrproblem haben, sich dreimal böse verbrennen ließen.

Auch zu reden sein wird über das Gelb-Festival: Die beiden Mannschaften brachten es gemeinsam auf 26 Strafen für 198yds. Alles in allem kein schönes Spiel, aber ein enorm wichtiger Sieg für die Lions, die weiterhin ungeschlagen bleiben und mit diesem Spiel die NFC North zur Zweiklassengesellschaft machen.

[05h40] Detroit 24, Chicago 13/FG Hansen, 1:56 to go. RB Jahvid Best mit einem weiteren Big Play, der bis auf ein anderes Blockschema für den Tight End aussah wie ein spiegelverkehrter Re-Run des TD-Laufs. In der RedZone zerstört man Bests Schnitt mit ein paar Negativ-Läufen, aber das Spiel dürfte nun gegessen sein.

[05h26] Detroit 21, Chicago 13/4:07 to go. Eben wurde eine Statistik eingeblendet. Cutler 34 Drop-Backs: 12x hurried, 9x niedergeschlagen, 3x gesackt. 10x ohne großen Druck werfen können – das waren die sehr quicken Pässe im zweiten Viertel. Hätte Detroit heute eine rundere Offense gespielt, sie hätten diese Partie dominiert.

[05h16] Das Kontrastprogramm folgt auf dem Fuß: Chicagos Defensive Line kriegt überhaupt keinen Druck mehr zustande. Allein: Die zehnte Strafe gegen Detroit killt den Drive. 9:11 to go.

[05h10] Detroit Defensive Line stellt sich gerne in der „Wide 9“ auf – soviel ist bekannt. In den letzten Passrush-Situationen war das eine „Wide 9“ mit großem „W“: Die DEs #94 Jackson und der erstaunlich explosive #79 Willie Young konnten mit 5m Anlauf die völlig überforderten Offensive Tackles einfach überlaufen. Gegenwehr: Nonexistent.

[05h00] Ende drittes Viertel. Das Spiel bleibt eng, weil Chicagos Defense zwar zwischenzeitlich Anflüge von Selbstaufgabe zeigte, nun aber dank einer weiteren dummen Facemask-Strafe gegen Detroits OG Peterman von der Schippe gesprungen ist.

[04h46] Detroit 21, Chicago 10/TD Best. Ob dieses konsequente Nur-Werfen Einschläferungstaktik war? Diesmal eröffnet Detroit seinen Drive per Laufspiel, RB Jahvid Best kann ungeblockt über die Mitte durchlaufen, 88yds downfield zum Touchdown. Chicago ist immer noch auf der Suche nach seinen Safetys. Individuelle Fehler killen Chicagos Defense heute.

[04h44] Trotz großartiger Defensive Line Detroits: Nur ein Drop RB Fortés verhindert, dass Cutler diese Offense weiter das Feld hinunter roethlisbergern kann.

[04h33] Detroit 14, Chicago 10/TD Pettigrew. Detroit kommt weiterhin nur via Luftweg zum Erfolg. In diesem Drive werden Elemente von Play-Action eingebaut, das – wie in der Preview angekündigt – gegen Chicagos „Cover-2“ funktionieren kann, selbst ohne wirkliche Laufspiel-Bedrohung. Ein solcher Play-Action Pass führt auch zum TD, wo #54 Urlacher zusätzlich mittels Pulling Guard verarscht wird.

Ein Wort kann man über die Refs verlieren: Die Phantom-Strafe gegen MLB Urlacher war IMHO bereits die zweite unglückliche Entscheidung gegen die Bears, nachdem es schonmal in der ersten Halbzeit ein sehr, sehr fragwürdiges „False Start“ gegen LT #73 Webb gegeben hatte.

[04h16] QB Anthony Calvillo (CFL/Montreal Alouettes) hat übrigens eine Woche früher als von mir erwartet den CFL-Passrekord aufgestellt, warf gestern zum kanadischen Erntedankfest genügend Yards gegen Toronto, um nun mit 72.429yds Rekordhalter im professionellen Football (der auch NFL inkludiert) zu sein.

[04h10] Halbzeitstand Detroit Lions 7, Chicago Bears 10.

Die Bears führen verdient, weil Detroits Offense bis auf den langen Touchdown überhaupt kein Bein auf das Spielfeld bekommt. Abseits von WR Calvin Johnson ist die Offense aktuell non-existent.

Chicagos Offense ist ein Faszinosum: 7 False Starts. Sieben. False-Starts-Count: 3x TE Davis,, 3x LT Webb, 1x RT Omilaye. Cutler kauft sich trotzdem die Zeit, oder bringt ultraquicke Pässe an den Mann. Dazu kommt ein intelligentes Play-Design, das man Mike Martz nicht unbedingt zutrauen würde: Man läuft gerne klug um die oft dicht beeinander stehende Defensive Line herum.

[04h07] INT gegen QB Stafford, der kurz vor der Halbzeit die Geduld verliert und den Ball auf den zugedeckten WR #13 Burleson forciert. DB D.J. Moore springt dazwischen und Sekunden später das, was hierzulande einst „Rudelbildung“ getauft wurde.

[04h00] Detroit 7, Chicago 10/TD #87 Davis. Cutler trotzt Pass Rush und False Starts, bringt z.T. sehenswerte Bälle unter massivem Druck an den Mann (2x Hester), 1:11 vor Schluss der TD für TE Kellen Davis, der anfangs noch durch haufenweise Fehlstarts aufgefallen war.

[03h45] Das hatte ich in der Vorschau vergessen: Nicht nur CHI OffCoord Mike Martz hat eine Historie in Detroit, sondern auch DefCoord Rod Marinelli. Marinelli war Head Coach in den Jahren 2006-08, gefeuert nach der sieglosen Saison 2008.

[03h40] Detroit 7, Chicago 3. QB Jay Cutler macht angesichts der Umstände ständig kollabierender Pocket einen brillanten Job, erkauft sich entweder via zwei Schritten Zeit oder wirft blitzschnell auf Running Back oder Tight End. Am Ende wenigstens ein Field Goal – immerhin wird nun Football gespielt: Seit einer Viertelstunde keine gelbe Flagge mehr. Noch 8:16 in der ersten Halbzeit.

[03h30] Detroit 7, Chicago 0/TD Johnson. Erster Ball tief? Check. Erster Touchdown Calvin Johnson? Check. Stafford wartet bei 3rd down (ohne DE Peppers) bis zum letzten Augenblick vor dem Hit, feuert den Ball tief in die Secondary, wo WR Calvin Johnson das direkte Duell mit Chicagos S #46 Chris Harris und #31 Meriweather gewinnt und 73yds durchläuft.

[02h28] Ende des ersten Viertels. Nun ist der sehr „gelbe“ Drive der Chicago Bears vorüber. Dreimal 1st down durch Strafen für die Bears, die an der Line of scrimmage von den Lions ziemlich überrannt werden, aber von zu unndiszipliniertem Spiel der Lions profitieren (Facemasks nach Ende des Spielzug, Late Hits).

Detroit bringt phasenweise sogar fünf „Down Linemen“, um den Druck noch weiter zu verstärken und setzt heute erstmals auch Rookie-DT #98 Nick Fairley in homöopatischen Dosen ein.

Chicago dagegen fiel sehr negativ durch schlechtes Timeout-Management auf: Alle drei Timeouts bereits verbrannt, inklusive einer von Anfang an chancenlosen Challenge.

[03h18] 3rd down Bears: DE Avril hüpft in die neutrale Zone. Viel schlimmer: Auf der anderen Seite schlägt DE #93 VandenBosch QB Jay Cutler vor den Augen der Refs nieder. Die fällige „Personal-Foul“-Strafe bleibt aber aus.

[03h12] Meine Fresse, was für ein Strafen-Festival: 18 Spielzüge, 9 Strafen (und eine Pass Interference nur durch eine Strafe negiert). Und das komplette Repertoire: Die Bears mit dutzenden False Starts, die Lions mit wahlweise Facemasks, Late Hits oder Offsides.

Kombinierte Offenses: 48yds.
Kombinierte Strafen: 65yds.

[02h57] Butterflies überall. LG #67 Rob Sims verursacht ebenso einen Fehlstart, wodurch QB Stafford beim 3rd down zu wenig Zeit für den langen Ball bekommt.

Chicagos Defensive Line ist sehr „weit“ aufgestellt, mit den beiden DEs #90 Peppers und #71 Idonije rund 2m außerhalb der Offensive Tackles aufgestellt. Resultat: Stafford kriegt nicht allzu viel Zeit zum Werfen.

[02h52] Detroits Defense kommt mit zirka dreißig Kilo Testosteron aus der Kabine: Chicago macht nicht ein 1st down, dafür drei (!!) False Starts, zweimal durch LT #73 J’Marcus Webb – und jedes Mal sind 0,03sek nach dem Zucken 4-6 Lions bereits im Backfield.

[02h46] Gewohntes Spiel im Eröffnungsdrive: QB Matt Stafford operiert zu 95% aus der Shotgun-Formation, verpasst allerdings zweimal einen weit offenen Receiver: #13 Nate Burleson und, schlimmer, bei 3rd do #16 Titus Young, der meterweit allein auf weiter Flur war. Chicagos Defense deutete auch bereits mehrere verschiedene Gesichter an: Mal aggressiv, mal konservativ.

[02h35] Guten Morgen zum MNF-Spiel zwischen den Detroit Lions und den Chicago Bears (Vorschau hier). Barry Sanders wird in wenigen Sekunden den Münzwurf ausführen… Detroit kriegt als erstes den Ball

Mit den Chicago Bears in den Sonnenuntergang

Eine der glücklicheren Mannschaften der Vorsaison: Die Chicago Bears, NFC-Finalist und auf dem Weg dorthin von etlichen merkwürdigen lucky breaks begleitet, inklusive Verletzungsserien bei jeweiligen Gegnern, unterirdische Gegner bei eigenen Verletzungssorgen, haufenweise knappe Siege, haufenweise knappe Niederlagen für den Konkurrenten Green Bay – und in den Playoffs mit den Seattle Seahawks der einfachst-mögliche Gegner. Das NFC-Endspiel war dann allerdings ein Fiasko der verheerendsten Sorte, mit Heimniederlage gegen Erfzfeind Green Bay und anschließendem fröhlichen Dreinprügeln in den QB Jay Cutler. Solche Niederlagen haben nur allzu oft den Beigeschmack, noch ganz tief in die kommende Saison hineinzuwirken.

Die Offense

Der Offensive Coordinator ist Mike Martz, und wenn Mike Martz Offensive Coordinator ist, dann bedeutet dies eine passlastige Offense mit Spielzügen, die lange in ihrer Entwicklung brauchen und entsprechend über eine gute Pass Protection verfügen müssen. Diese hatte Martz einst in St Louis, diese hat Martz in Chicago… nicht mehr. Die Offensive Line der Bears gilt als einer der schwächeren in der NFL, speziell und ausgerechnet für alles, was mit Pass Protection zu tun hat. Der gemeinhin als schwächstes Glied anerkannte J’Marcus Webb ist auch noch Left Tackle, während auf der rechten Seite mit Gabe Carimi ein Rookie startet, der aus Wisconsin kommt und somit den Stallgeruch von mehreren Jahrzehnten Tradition bereits kennt. Und dann hat man mit dem Rauswurf von C Olin Kreutz noch ein zusätzliches Fass aufgemacht.

Protection-Probleme beiseite geschoben, den Fokus auf das Passspiel geworfen: QB Jay Cutler lebt noch, aber Cutler dürfte noch die Phantomschmerzen von 52 (!) Sacks in der Regular Season spüren. Zur besseren Einordnung: Cutler hat noch nichtmal alle 16 Spiele durchgespielt – welch Wunder. Die furchtbare Protection dürfte auch ein Hauptgrund für Cutlers extrem schwankende Leistungen sein. Der Mann ist von der Anlage ein optimaler Mann für dieses Offensivsystem, gesegnet mit einem wurfgewaltigen Arm. So „wurfgewaltig“, dass er an schlechten Tagen auch keine Probleme hat, vier Turnovers zu produzieren.

In dieser Saison wird zusätzlich seine Psyche eine Sollbruchstelle darstellen, denn kein Mensch weiß, wie der stets weltabgewandte Cutler mit der völlig aus dem Rahmen fallenden Häme im und nach dem bitteren NFC-Endspiel umgehen wird können. Hinter Cutler wird es schnell dünn: QB Caleb Hanie zeigte ordentliche Ansätze in besagtem Fiasko-Spiel, mehr nicht. Und der dritte Mann ist mit Nate Enderle ein Rookie aus Idaho.

Die Anspielstationen sind auf alle Fälle gegeben: Mit WR Roy Williams ist ein neuer #1-Mann aus Dallas gekommen, dem bislang noch nicht der Durchbruch gelungen ist, dessen bestes Jahr aber 2006/07 war – in Detroit, unter OffCoord Martz. Das ist auch kein Zufall, denn Williams ist zu hüftsteif für schnelle Cuts, bekommt vom Martz’schen System hingegen viel besser auf seine Talente zugeschnittene Routen. Als Wide Receiver scheint sich nun auch der beste Returnspieler der NFL-Geschichte, Devin Hester, der Windy City Flyer, etabliert zu haben, dazu hat es mit Dane Sanzenbacher ein ungedrafteter Rookie von Ohio State in den Kader geschafft, ein idealer Mann für die Slot-Routen. Dass man mit Greg Olsen den vermeintlich besten Tight End bereitwillig abgab, sorgte für viel massive Kritik, die jedoch geflissentlich ignoriert, dass Mike Martz niemals fangstarke Tight Ends in seiner Offense groß einplante.

Dafür sind die beiden Running Backs gute Fänger: RB Matt Forté und der neue RB Marion Barber, ein agiler und ein brachialer Back, nicht die unsinnigste Kombination.

Die Defense

Chicagos Defense ist um Geschwindigkeit gebaut, um quicke Spieler, die auf dem frostigen Boden in Chicagos Soldier Field Gegner mit Zonendeckungen und starker Defensive Line durcheinanderbringen. Der wichtigste Mann dieser Verteidigung ist DE Julius Peppers, dessen Saison 2010/11 nicht nur wegen seiner Sacks und Passrush-Aktivität sensationell war, sondern auch und vor allem wegen der schieren Masse an Snaps: Peppers stand in neun von zehn Spielzügen auf dem Feld. Erklären lässt sich diese Menge auch mit dem kritischen Faktor „Depth“, der in der Defensive Line nicht gegeben zu sein scheint. Auch die Tackles sind nach dem Abgang von Tommie Harris etwas dünner geworden, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass mit Stephen Paea ein Rookie schneller als gedacht ins kalte Wasser geworfen wird.

Über deutlich mehr Qualität und Breite verfügt Chicago bei den Linebackers, wo der große alte Mann Brian Urlacher gemeinsam mit dem herausragenden OLB Lance Briggs seit Jahren das Herz der Abwehr bilden. Beide gelten als exzellente, komplette Männer, die auch die Coverage unterstützen können.

Die Coverage im Defensive Backfield dagegen sollte suboptimal sein, nachdem nach Danieal Mannings Abgang mit CB Charles Tillman und SS Chris Harris so wenige starke Leute übrig blieben, dass man den überraschend in New England gefeuerten Freelancer FS Brandon Meriweather mit Kusshand aufnehmen musste. Persönlich bin ich sehr gespannt auf den FS Winson Venable, der bei Boise State einer der auffälligsten Abwehrspieler war, auch so ein Instinktfootballer. Riecht aber insgesamt eher alles danach, als ob wir uns die dominante Bears-Defense vergangener Tage (2005-2007) auch heuer schon in Teilen abschminken können, spätestens nach den ersten zwei, drei Verletzungen, die kommen werden, nachdem Chicago in der vergangenen Saison außergewöhnlich davon verschont geblieben war.

Ausblick

Head Coach Lovie Smith ist ein Mann, dem ich nichts sehnlicher als Erfolg wünsche, aber mit ein paar klaren Gedanken gebe ich zu: Die Bears sind meine #4 in der NFC North 2011/12. Schauen wir uns den Schedule an:

Wk #1 vs Falcons
Wk #2 @Saints
Wk #3 vs Packers
Wk #4 vs Panthers
Wk #5 @Lions (MNF)
Wk #6 vs Vikings
Wk #7 @Buccaneers (Wembley-Stadium)
Wk #8 BYE
Wk #9 @Eagles (MNF)
Wk #10 vs Lions
Wk #11 vs Chargers
Wk #12 @Raiders
Wk #13 vs Chiefs
Wk #14 @Broncos
Wk #15 vs Seahawks
Wk #16 @Packers (SNF)
Wk #17 @Vikings

Auch nicht viel besser. Wenn deine Offense in überdurchschnittlichem Maße von einer starken Offensive Line abhängig ist (und sie in realiter zu den 3, 4 schwächsten gehören dürfte), wenn deine Defense über so geringe Kadertiefe verfügt, wenn dein Quarterback so brutal in die Pfanne gehauen wurde, dass die 50 potenziellen Sacks und Hits dein kleinstes Problem darstellen, dann hast du ein Problem. Und dann sind die vielen glücklichen Zufälle des vergangenen Herbstes noch nicht erwähnt. Wird keine gute Saison und ich befürchte das Ende von Lovie Smiths Ära.

Das Zeiteisen verrät: 315 Minuten verbleiben. WordCount nach 23 Teams: 22173.

Chicago Bears in der Sezierstunde

Jay Cutler - ©pjstar

Wenn dir Fortuna hold ist, kannst du in der NFL schon mal ins Conference Finale kommen. So die Bears 2010/11. Kaum Verletzungssorgen, ein mehrfach beim Gegner zuschlagender Fehlerteufel und ein günstiger Spielplan reichten dafür. Am Ende darf die Saison als Erfolg abgehakt werden, wenn auch der bittere Beigeschmack der vermeidbaren Heimniederlage gegen Erzfeind Chicago Green Bay hängen bleibt. Wie sehr die Niederlage vor allem auf die Psyche von QB Jay Cutler nachwirken wird, bleibt abzuwarten.

Die Arbeit mit dem Ball

In einer Mike-Martz-Offense muss die Offensive Line idealerweise stark im Pass-Blocking sein. Chicagos Line war phasenweise okay, aber es gab auch Spiele, in denen Cutler schlicht schutzlos war (Giants!). Bewegt sich Chicago in dieser Hinsicht nicht, haben wir hier die Sollbruchstelle.

Was Cutler neben n’büsschen Schutz noch gebrauchen könnte: Einen gescheiten Wide Receiver. Chicago wirft zwar viel auf die Running Backs und verteilt den Ball auf mehrere Wide Receivers. Trotzdem sehe ich die Bears schon auf der Suche nach einem Top-Mann. Wird es Sidney Rice vom Rivalen Minnesota sein?

Gefühlt hat Chicago zudem eine Reihe von Punkten verschenkt, weil die Bears bei 3rd and kurz im Lauf der Saison immer seltener Laufspiel einsetzten – sie haben einfach keinen Presshammer. Bessere O-Line würde helfen, aber Forte/Taylor sind halt auch nicht die Monster-Backs dafür…

Die Arbeit gegen den Ball

Ganz klar Chicagos Stärke. Das ist eine quicke Defense, ganz nach Lovie Smiths Ideen, die er einst in Tampa als Dungy-Jünger entwickelt hat. DE Julius Peppers war für mich der dominanteste Verteidigungsspieler in der NFL – eine ungemeine Bereicherung für diese Defense. In der Defensive Line gibt es allerdings nach dem Abgang von DT Tommie Harris Handlungsbedarf. Ansonsten sehe ich keine großartigen Schwächen in der Defense.

Das spezielle Trio

Return-Genie Devin Hester hat 2010/11 nach längerer Abstinenz wieder zugeschlagen und wird auch für die Zukunft eine Gefahr bleiben. Kicker Robbie Gould macht IMHO im windigen Chicago einen ordentlichen Job. Bedenklicher ist der Punter Brad Maynard. Chicago kassiert viele Returns bei Punts und spätestens seit Maynard im Schlussviertel des NFC-Finals wieder damit begonnen hat, Bälle über den Schlapfen rutschen zu lassen, halte ich Maynard für verbrennt.

Ausblick

Viele glückliche Umstände und Sekundengenie-Momente haben Chicago ins NFC-Finale gebracht und Lovie Smith vorerst den Arsch gerettet. Ich bin trotzdem nicht rundum überzeugt. Neben der schwachen Pass Protection hat sich Chicago im NFC-Finale ein weiteres Problem angelacht: QB Jay Cutler ist in seiner Autorität als Leader angekratzt.

Cutler ist kein begeisternder Typ und gewinnt die Leute nur über Leistung für sich. Sein verletzungsbedingter Rückzug wird ihm in der öffentlichen Meinung als Kneifen ausgelegt. Die interne Lage ist schwer abschätzbar, aber generell werden in der NFL eher die bewundert, die am liebsten mit gebrochenen Haxen ihre Karriere riskieren.

Weitere Sezierstunden gibt es hier oder unter dem Tag „Sezierstunde“.

Der Championship-Sunday-Kopfweh am Tag danach

Pittsburgh gegen Green Bay: Superbowl XLV wird also die Title Bowl. Die Spiele selbst waren nicht berauschend, aber auf ihre Weise unterhaltsam. Zweimal eine leblose Mannschaft, die sich nach und nach ins Spiel reinbiss, um am Ende den Rückstand doch nicht mehr aufholen zu können. Aber Bears und Jets hatten beide Chancen genug, das Finale zu erreichen.

Die Bears

In Chicago ist nach dem Ausscheiden von QB Jay Cutler die leidige toughness-Frage entbrannt. Cutler wird vorgeworfen, ein Weichei zu sein, weil er mit Knieverletzung ausgeschieden ist. Das ging so weit, dass MLB Urlacher Cutler öffentlich mit einem EristhartwiedieHölle den Rücken stärken musste. Bei der Chicago Tribune hängten 50% der Fans dem QB das Andy-Möller-Schildchen um, immerhin 19% warten noch bis zur Untersuchung ab.

Die Presse hat unterdessen drei Hauptschuldige ausgemacht: OffCoord Mike Martz, HC Lovie Smith und – wen überrascht’s – Jay Cutler himself. Generell gilt: Unter Cutler und danach kurzfristig QB Collins spielte Chicago so schwach, dass das 140-Zeichen-Kästchen bei Twitter mehr Unterhaltung bot, als das NFC-Finale.

Am Ende wäre fast Third Stringer Caleb Hanie zum Hero geworden. Eine INT in der RedZone der Packers beendete alle Träume.

Die Jets

Die Jets wandeln auf den Spuren der Philadelphia Eagles und haben nun schon zwei AFC-Finals in Serie verloren. Eine bittere Pleite, weil sich Pittsburgh als durchaus nicht unschlagbar herausstellte – sondern nur als wacher. Die New Yorker Presse zeigt sich bisher nicht allzu hart mit den Jets, obwohl im Prinzip eine traumhafte Chance liegen gelassen wurde.

Als Knackpunkte werden drei Dinge angesehen: Der Dornröschenschlaf in Halbzeit #1, der Goal Line Stand der Steelers und der Hechtsprung in den Punter, der Pittsburghs Drive verlängerte (später gab es dann die INT in diesem Drive) und als symbolisch für die Vorstellung der Jets über weite Strecken der Partie gilt. Allgemeiner Tenor: Enttäuschung ja, Weltuntergang nein.

Im Prinzip wirkte es lange so, als würden die Jets genau die eine Befürchtung hemmen: Der mentale Drop-Off nach dem massiv gehypten Patriots-Spiel von vergangener Woche. Die Jets entschieden sich anfangs zu deferren. Pittsburgh ging also raus und legte einen Kraftakt-Drive hin, der Sanchez über einie halbe Stunde an der Seitenlinie frieren ließ. Die Jets brauchten bis Sekunden vor der Pause, um halbwegs in Schwung zu kommen. Eingerostet, wie man es ansonsten nur von Teams kennt, die zwei Wochen Regular Season plus Bye Week abschenken und in den Divisionals einsteigen.

QB Mark Sanchez kommt mit guten Kritiken davon. Sanchez war nicht der Grund für das Aus, aber im Prinzip passt Sanchez nicht so recht in diese Mannschaft: Die Jets waren dafür zusammengestellt, JETZT den Titel zu holen. Die Einkaufstour, die Sprüche, die Star-Ansammlung. Da wirkt ein so junger und mitten in der Entwicklung steckender QB-Jungspund etwas Fehl am Platze in meiner bescheidenen Meinung.

Wie auch immer, der Kern der Jets ist bei näherem Hinsehen jünger als ich erwartet hatte. Für die nächsten 1-2 Jahre muss Feintuning betrieben werden. Vielleicht ein neuer Running Back (Tomlinson wird auch nicht jünger und Greene ist womöglich nicht dafür gebaut, alleine die ganze Last zu tragen) und ein dominanter Safety sind im Prinzip alles, was der Mannschaft noch fehlt. Und Sanchez, der ruhig noch mehr Verantwortung übernehmen sollte und wegkommen muss vom Image des Play-Action-QBs, der nur mit funktionierendem Laufspiel effizient ist.

NFC Conference Championship Game 2010/11: Chicago Bears – Green Bay Packers

Anstatt F5 bitte wieder hier klicken.

[00h30] Der Vollständigkeit halber: Finale QB-Zahlen in dem Spiel: 36-von-68 für 554yds, 1 TD und 5 INTs. Rating: 54.4.

Na bitte, Jamarcus Russell hatte im Vorjahr ein Saison-Rating von 50.0.

[00h23] Endstand Chicago Bears 14, Green Bay Packers 21

Ein NFC-Finale, das bis eingangs des Schlussviertels seine Bestimmung vergewaltigte. Die Bears mussten zwei QBs verschwenden, um offensiv irgendwie in Schwung zu kommen, währen Green Bay zwar scheinbar komfortabel in Führung liegend offensiv Minute für Minute weniger zustande brachte.

Am Ende brauchte es QB Caleb Hanie, um etwas Action in den Laden zu bringen. Hanie machte eigentlich gute Entscheidungen und war ein belebendes Element. Um am Ende mit der INT zu Raji genau die nötigen Punkte für den Packers-Sieg beizusteuern.

Green Bay ist ein würdiger NFC-Champ. Aber das war kein würdiges Spiel, um sich zu krönen.

[00h15] INT Sam Shields. Das war’s dann, 37sek vor Schluss. Hanie mit einem weiteren 4th-and-4, wirft unter Druck verzweifelt tief. Ein ungedrafteter QB wirft eine INT zu einem ungedrafteteten Cornerback. Fünfte INT im Spiel. Green Bay fährt nach Dallas. Aber das war kein rühmlicher Sieg.

So – ich bleibe dabei. Ein gscheites Spiel will ich noch sehen heute…

[00h09] RB Taylor macht die Zentimeter. Und Hanie, die coole Sau, findet grad alles, was irgendwie einen Ball fangen kann. 40yds Line der Bears. 1:27min to go.

[00h08] Two Minute Warning. Die Packers mit ideenlosem Playcalling, laufen grad mal eine Minute runter. QB Hanie übernimmt und ist trotz viel Druck und Pass Rush und einer 10yds-Strafe nun bei 4th and inches an der Mittellinie angekommen.

[23h59] Chicago 14, Green Bay 21. Jetzt der TD auf der richtigen Seite. QB Hanie mit einem 81sek-Drive und TD über 35yds für WR Bennett. Ganz furchtbar, was die beiden Defensive Backs (u.a. #21 Charles Woodson) da angestellt haben.

Das Rating damit gestiegen: 51.22. Wir sind bei Jamarcus-Russell-Niveau angekommen. Und das ist heute ein gutes Zeichen.

[23h54] QB-Rating jetzt: 39.67.

[23h53] Chicago 7, Green Bay 21. Und dann wirft doch noch einer einen Touchdown-Pass. DT B.J. Raji hüpft in Hanies Pass und wuchtet sich die paar Yards zum INT-Return-TD. Green Bay fährt nach Dallas. Gott sei Dank – die Bears möchtest du da nicht wirklich sehen.

[23h51] Das passiert mit einem völlig unerfahrenen QB: Du musst 6min vor Schluss ein Timeout verbrennen, das du womöglich noch dringend, sehr dringend brauchen wirst.

[23h38] 9:32min to go. Green Bay bewegt den Ball mittlerweile auch nur noch durch Personal Fouls und Pass Interferences gegen die Bears. Gibt den Ball mal wieder per Punt ab. Sollte Hanie die Chance kriegen, sich unsterblich zu machen, nachdem minutenlang der Spott auf Twitter unterhaltsamer war als das sog. Football-Spiel?

[23h30] Chicago 7, Green Bay 14. Der Fuß ist erstmal aus dem Sarg genommen. QB Caleb Hanie mit einem Ausreißer, findet WR Know, dessen Bewacher #38 Williams völlig überrascht ist, dass Know den Ball FÄNGT. Von der 1yds Line walzt sich RB Taylor durch. Led Zeppelin lässt grüßen.

[23h23] Ich wollte bereits schreiben: Ich fress doch nen Besen, wenn Collins ohne INT bleibt. Nun, Lovie Smiths Lösung: #10 Collins auf die Bank, #12 Hanie rein.

[23h19] Mal schnell per Excel das QB-Rating der drei Strategen da auffem Feld ausgerechnet: 21-von-42 für 309yds, 0TD und 3INTs. Ergibt ein Rating von… 44.6! Damit dürfte der Abend gerettet sein.

[23h14] Zwar wieder ein Drop eines Defensive Back der Packers. Aber: Collins hatte jetzt 3 Passversuche. Zweimal haarscharf an der INT. Ob der Mann tatsächlich ohne INT vom Platz geht?

[23h10] Bezeichnend: Green Bay hat einen Turnover mehr fabriziert und liegt trotzdem 14 Punkte und gefühlt uneinholbar vorn.

[23h01] Todd Collins führt sich mit ungenauen Pässen und einer Fast-INT ins Spiel ein. Das Spiel ist schwach und die Schiris fügen sich nahtlos ein: Smith musste ein rotes Taschentuch verschwenden für eine glasklar gedroppte INT.

[22h54] Und Green Bay marschiert und alles läuft für Green Bay und dann: INTERCEPTION. MLB Urlacher mit dem zweiten BIG PLAY seinerseits, fängt aus der Zonenverteidigung den Ball. Rodgers rettet immerhin per Tackle noch den Touchdown.

Und Chicago bringt nun tatsächlich Backup Todd Collins auf das Feld. Cutler soll eine Knieverletzung haben – das riecht nach Spielende für Cutler und Saisonende für die Bears mit NULL Punkten.

[22h45] Chicago kommt dann auch standesgemäß aus der Kabine: 3-and-out. Und das, obwohl OLB Matthews nun neutralisiert wird.

Wenn ich mich an das Spiel gegen Carolina erinnere, als Cutler zuschaute und Collins spielte… Collins war unterirdisch. 4 INTs.

[22h41] Cutler ist offenbar schwer angeschlagen. Der Backup-QB Collins wärmt sich schon auf, aber noch will man mit Cutler weitermachen.

[22h28] Halbzeit Chicago 0, Green Bay 14

Green Bay mit 253yds Offense, davon 103yds am Boden. Sehr beeindruckend, was die Packers hier spielen. QB Rodgers 10/15, TD-Lauf, zwei sehr intelligente Scrambles und eine INT, für die er nichts konnte. Green Bay hatte nur kurz Probleme, als LT Clifton raus war. Clifton ist wieder da. Bisher war es bloß Übermut, der Green Bay ausgebremst hat: Erst eine Serie langer Bälle, dann eine Serie von Läufen durch die Mitte.

Chicago hat schon einen Fuß im Sarg. Es geht in der Offense nicht viel, weil Green Bays Defensive Line dominiert und Cutler 0,04sek nach dem Snap drei Rusher in der Fresse hat. Cutler wird dann entweder gesackt oder überwirft seine Gegner. CHI war an der GB31 und GB34. Sie kriegen die Drives nicht zu Ende gespielt, weil immer wieder entweder eine Strafe oder ein Sack dazwischenkommen. Keine Field Goals im Soldier Field, sondern Punts und damit keine Punkte.

„Nur“ 14 Punkte Differenz.

[22h24] Kaum geschrieben – ja, ein Momentum Shift. Cutlers tiefer Ball auf WR Knox. Know im Laufduell mit DB Shields und Shields pflückt das Ei runter. Zwei INTs innerhalb kürzester Zeit.

[22h21] Und dann hätten wir den Fehler. Spektakuläre Interception für OLB Lance Briggs: Flacher Wurf, WR Drivers Fußspitze lenkt den Ball direkt in die Hände Briggs’. 49 sek und, ja: Momentum Shift?

[22h10] WICHTIGER Stop OLB Briggs gegen RB #44 Starks. Wieder kein 3rd down verwertet. Aber vor allem: Green Bay erstmal gebremst. Chicago beginnt an der eigenen 9. Bisher ging kein Drive wirklich lange und spätestens an der Grenze der FG-Reichweite war Schluss.

[22h05] 3rd downs bisher: GB 0 von 2, CHI 0 von 4.

[22h02] Die Packers killen die Offensive Line mit 3 Mann. Cutler kriegt trotzdem Rhythmus in den Drive – bis ein Holding gegen RB Taylor alles kaputt macht. Taylor, der in Minnesota als exzellenter Pass-Blocker galt und u.a. deswegen von den Bears für teures Geld eingekauft worden ist.

Und zum zweiten Mal punten die Bears von der 31yds-Line. Das Stadion klingt schon nach Booooo-Birds.

[22h00] LT Chad Clifton ist aus dem Umkleideraum wieder zurück und wärmt sich schon wieder an der Seitenlinie auf.

[21h51] Chicago 0, Green Bay 14. Green Bay wieder on fire. Lässt keinen Pass Rush durchkommen und Rodgers hat seine Receiver auch wieder schnell offen. Ich mache mir ernsthafte Sorgen, dass wir ein spannendes Spiel erleben werden. Chicago ist zwar aggressiv gegen den Lauf – aber die geschmähten Packers-RBs wursteln sich doch immer wieder ein paar yds durch. Touchdown RB Starks. Erster TD in der NFL-Karriere. Viel bessere Zeitpunkte als ein NFC-Finale kriegt er nicht mehr.

[21h44] Chicagos Offense hat an der eigenen Goal Line alle Probleme, den Safety zu vermeiden. Cutler in der Endzone nahe, nahe am Intentional Grounding, findet im allerletzten Moment den RB Forte in der Mitte (der den Ball nicht fängt) und ein Play später muss Forte schon einen Kraftaufwand veranstalten, um sich nicht von DE Jenkins in die Endzone ziehen zu lassen.

[21h40] Ende Viertel #1. Chicagos Defense ist auch dabei. Der LT-Backup Lang wird böse beiseite geschoben. ILB Urlacher ist durch und Green Bay fällt aus FG-Reichweite. Das Spiel fühlt sich nun danach an, was man erwarten konnte: Zwei Defenses, die die Offenses kontrollieren. Beide Offenses machen seit einiger Zeit kaum einen Stich.

[21h36] Als einer, der heute Nachmittag für ein lokales Online-Portal ein italienisches Drittliga-Spiel (mit Hellas Verona) bei -4°C im Freien begleiten durfte/musste, fühle ich durchaus ein wenig mit den Fans in Chicago mit. Wusste nicht, dass nach 97 Minuten die Finger sooo kalt werden können. Und Chicago fühlt sich 10 Grad kälter an…

[21h28] Green Bay läuft erstaunlich locker über die Mitte bzw. halblinke Seite. Links, dort wo sich der LT Clifton verletzt hat. Green Bay wird dann übermütig und probiert trotz Pass Rush ganz tief zu gehen. Das gelingt nicht. It’s Chicagos turn.

[21h22] Chicago mit der ersten Angriffsserie… Nicht so beeindruckend. Viel Druck der Packers auf Cutler. Das geht einmal gut, als RB Forte angespielt wird, für großen Raumgewinn. Das zweite und dritte Mal muss Cutler für Raumverlust werfen und macht bei 3rd down das, was ein Cutler unter Druck gerne macht: Er überwirft seine Receiver. WR Devin Hester wäre frei gestanden – mit einem Safety als Gegenspieler. Guter Punt tief in die RedZone hinein. Wenigstens.

[21h13] Chicago 0, Green Bay 7. Ein perfekter Eröffnungsdrive für die Packers. Rodgers hat zwar nicht ewig Zeit, aber dass der Mann weiß, wie er sich bewegen muss, hilft. Am Ende ist überraschend, wie hart Chicago auf das Laufspiel an der Goal Line reagiert. Green Bay in einer Formation mit 2 Fullbacks, schickt den beweglichen Rodgers Fake selbst aus 1yd in die Endzone. Rodgers rollt links raus und SS Harris kommt zu spät. Noch kein inkompletter Pass, mal eben 76yds durch die Luft. Beeindruckend.

[21h06] Dogfood bloggt wie immer in den Playoffs bei Allesaussersport auch wieder live.

[21h01] Das Wetter ist mir fast zu schön für ein Playoff-Spiel in Chicago. Ganz ehrlich.

[20h35] Guten Abend. Championship Sunday steht an. Chicago Bears vs. Green Bay Packers gibt es hier in der Vorschau von Sideline Reporter. Zum Klassiker ist alles gesagt. Um 21h geht es los – bei -6°C, die sich im Chicagoer Wind wie gepflegte -14°C anfühlen. Nur Schnee wird es diesmal keinen geben.

NFC Conference Championship Game 2010/11 Preview

Sonntag, 21h live bei ESPN America mit Wiederholungen am Montag
Sonntag, ab 20h15 live bei Puls 4 mit Vorberichterstattung
Sonntag, ab 21h live bei Sport 1+

Football-Traditionalisten kriegen schon seit Tagen feuchte Höschen, wenn sie an das, nein: DAS Spiel der Spiele denken. NFC Conference Finale 2010/11: Chicago Bears gegen Green Bay Packers. Es gibt in der NFL viele hitzige Duelle. Am vergangenen Wochenende hatten wir Pittsburgh/Baltimore und New England/NY Jets. Im Vergleich zu Bears/Packers sind diese aber bloß aufgepeppte Lokalderbys und Produkt der lauten Medienwelt.

Chicago Bears gegen Green Bay Packers ist die älteste Rivalität der NFL-Geschichte, beginnend mit dem ersten Aufeinandertreffen 1921, als die Bears noch „Staleys“ hießen und Papa Bear George Halas die Packers für ein paar Tage aus der NFL ausschließen ließ, um einen Spieler zu verpflichten, an dem auch Green Bay interessiert war. Seitdem sind die beiden Mannschaften sagenhafte 181 Mal aufeinandergetroffen. Unglaublicherweise nur ein einziges Mal in den Playoffs. Die Jüngeren unter uns werden das nicht mehr in Erinnerung haben: Es war 1941, ein paar Tage nach Pearl Harbour…

Die 40er haben auch den Grundstein gelegt für die Spannungen zwischen beiden Franchises. Auf der einen Seite der charismatische Bears-Besitzer/Head Coach George Halas, auf der anderen Packers-Legende Curly Lambeau. Lambeau war Gründer, Spieler und Coach der Packers. Beide Männer haben ihre Teams zu sechs NFL-Titeln geführt.

Zwei der legendärsten Spiele zwischen den beiden gab’s in den 60ern. Spiele, die durch „Free Kicks“ entschieden worden sind. Free Kicks? Nie gehört?

Es gibt eine NFL-Regel, die besagt: Nach einem Fair Catch darf ein Team einen Free Kick ausführen (ergo: ein Kickoff ohne Tee), der 3 Punkte bringt, wenn er durch die Stangen geht. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 2008:

Wussten Sie nicht? Wussten Anno 64 Bears und Packers auch nicht so wirklich, aber Paul Hornung verwandelte den Versuch und Green Bay gewann. Vier Jahre später war Lambeau bereits gestorben, aber Chicago hatte das Spiel nicht vergessen und rächte die Schmach: 13-10, mit der Differenz genau drei Pünktchen von einem Free Kick – der letzte gelungene in der NFL-Geschichte, wie auch Kenny Albert in obigem Video sofort aus dem Stehgreif zu erzählen wusste!

Die Rivalität blieb nicht stehen: In den 80ern geisterten durch die Umkleidekabinen Spickzettel mit den Namen derjenigen Gegenspieler, die bei Bears-Packers verprügelt werden sollten. Das führte gar dazu, dass Mitte der 80er mal ein Packers-Verteidiger zwei Spiele Sperre aufgebrummt bekam, weil er den Bears-QB für den Rest der Saison ausgeknockt hatte!

So, ein Date mit der Geschichte noch: Im Jänner 2004 hab ich zum ersten Mal eine NFL-Pressekonferenz gehört. Inthronisierung von Lovie Smith als neuer Bears-Head Coach. Smith wurde nach seinen Zielen als HC gefragt. Und Smith antwortete: The #1 goal, yeah. The #1 one goal ist to beat Green Bay. Nicht Superbowl-Champ zu werden. Green Bay zu putzen. Smith hatte alle seine Träume schon im zweiten Spiel erfüllt.

Seitdem ist die Bilanz zwischen beiden recht ausgeglichen. Anfang der heurigen Saison gewann Chicago, in Woche 17 Green Bay in einem fantastischen Spiel in Lambeau, in dem die Packers dringend siegen mussten, Chicago aber voll dagegen hielt und am Ende 10-3 gewann.

Who wants Karten?

Jay Cutler - ©pjstar

Sonntag, 21h MEZ spielen sich Bears und Packers das NFC-Superbowl-Ticket im Soldier Field aus. Soldier Field ist nach seiner Renovierung eines der kleinsten NFL-Stadien. Das dürfte aber nicht der einzige Grund dafür sein, dass sich die Ticket-Preise auf dem Second-Hand-Markt bei $500 für die oberen bis $2000 (!) für die unteren Ränge bewegen. Keine Business-Seats, sondern stinknormale Sitzplätze.

Dabei darf Chicago durchaus als leichter Außenseiter in diesem Spiel gelten. Die Bears haben zwar die AFC North gewonnen und Heimvorteil. Was beim Revue-Passieren der Bears-Saison aber auffällt: Viele glückliche Umstände, die da mitgespielt haben: Kaum Verletzte und in der Woche der schlimmsten Verletzungsprobleme kam mit Carolina fast ein Freilos. Dazu eine Reihe von Backup-QBs als Gegner, ein abgesagtes Auswärtsspiel gegen die Vikings und ein Pseudo-Auswärtsspiel gegen die Bills in Toronto und ein Freilos in den Playoffs gegen Seattle undundund…

Unterschätzen sollte man die Bears trotzdem nicht. QB Jay Cutler ist im Laufe der Saison immer konstanter geworden, parallel zur gewachsenen Dominanz der Offensive Line, die immer noch löchrig ist, aber im mittlerweile eher nach Frischbeton, denn nach Schweizer Käse riecht. Cutler hatte aber auch am Sonntag gegen Seattle wieder ein paar Würfe dabei, die nicht jeder bei vollem Verstand macht, z.B. an der Goal Line direkt in die Hände eines Verteidigers geworfen, der die INT fallen ließ.

Dazu kommt ein RB Matt Forte, der pro Spiel 2-3 längere Läufe einstreut und ein sehr guter Passempfänger ist. Chicagos Angriff ist optisch kein Genuss, wird dir aber 2-3 Touchdowns pro Spiel einschenken.

Die Defense ist etwas gesichtslos, aber bärenstark (harhar) gegen den Lauf. Die Defensive Line mit DE Julius Peppers und DT Tommie Harris lässt gemeinsam mit der Linebacker-Crew um die ewigen Brian Urlacher und Lance Briggs über die Mitte kaum Raumgewinn zu und würgt selbst Top-RBs reihenweise ab. Komischerweise fällt dabei aber in den letzten Wochen auf: Fehlen 1-2yds zum 1st down, kannst du über diese Defensive Line ruhig drüber laufen und du wirst das 1st down kriegen. Kurze Distanzen über 1-2yds dürften eine Schwäche der Bears sein – ich habe nur leider keine passende Statistik parat, um die These zu untermauern. Wenn da Green Bay mit Vorblocker/DT B.J. Raji daherkommt…

Und jetzt die Packers

Aaron Rodgers - ©pjstar

Green Bay hat eine dominante Performance in Atlanta hinter sich und darf getrost als heißestes Team NFL-weit gelten – obwohl an #6 gesetzt. Hauptgrund dafür: QB Aaron Rodgers, der nicht nur auf diesem Blog seit Mitte November Woche für Woche Lobeshymnen gesungen kriegt. Rodgers spielt aktuell fehlerfreien, inspirativen Football, hat die perfekte Abstimmung mit seinem Pack an Receivers und weiß auch haargenau, wie er sich in der Pocket zu bewegen hat und wann er scrambeln muss.

Was Rodgers seit Wochen ohne brauchbare Laufspiel-Unterstützung und mit dem Ausfall einiger wichtiger Receiver und Ballträger hinzaubert, ist allererste Sahne und schlicht beeindruckend. Man muss aber auch konstatieren, dass z.B. Atlantas Pass-Defense unter aller Sau spielte und teilweise meterweit von den Receivern entfernt war. Man werfe Chicagos gute Secondary und das ungemütliche Wetter im Soldier Field mit in den Mixer und herauskommen sollte ein deutlich schwierigeres Spiel für die Packers.

Die Defense der Packers ist angesichts der Verletzungen unglaublich drauf, #5 der NFL und vor allem stark gegen das Pass-Spiel. Es sind sehr intelligente Spieler dabei, wie CB Tramon Williams, den einst keine Sau draften wollte, der aber genau weiß, wann er in einen Pass springen darf (Matt Ryan!) und wann nicht. CB Charles Woodson ist so was wie die Allzweckwaffe: Gut in der Coverage und brandgefährlich auf der Blitz-Route.

Bei „Blitz-Route“ muss man natürlich sofort auf DEN Abwehrspieler der Packers denken: OLB/DE Clay Matthews jr., dessen Markenzeichen nicht nur die herumfliegende blonde Mähne ist, sondern vor allem die kaum zu bremsenden Energieanfälle beim Pass Rushing.

X-Factors

Soldier Field - ©flickr

Seit ein paar Tagen ist das Spielfeld im Soldier Field in der Schusslinie. Soldier Field liegt in unmittelbarer Nähe des Michigan-Sees und gilt als eines der rutschigsten Spielfelder, die du um diese Jahreszeit kriegen kannst. Beide Teams sollten damit Probleme haben. Green Bay ist stark auf Pass-Spiel ausgerichtet und sollte Probleme beim Routen-Laufen haben. Chicagos Defense ist eine, die mehr auf schnelle, denn auf kräftige Typen baut. Von daher kann ich mir gut vorstellen, dass auch die Bears unglücklich über den Rasen sein sollten.

Die Turnovers. Beide Teams gehören zu den besten, wenn es darum geht, INTs abzufangen und Fumbles zu provozieren. Turnovers werden in diesem Spiel sehr mitentscheidend sein.

Und schließlich der Spielausgang

Es gibt bei 3-5 nur mehr eine Chance, eine positive Post-Season-Bilanz beim Playoff-Tippen herauszuquetschen: Alle drei Spiele richtig zu tippen. Ich gehe diesmal mit den Packers, die seit ein paar Wochen einen mächtigen Lauf haben und womöglich dank QB Aaron Rodgers den entscheidenden Vorteil besitzen. Ich habe zweimal mit der Ein-Dimensionalität der Packers argumentiert, aber Rodgers hat beide Male mit leichter Unterstützung des Laufspiels reagiert und zwei eindrucksvolle Siege gelandet.

Green Bay wandert in die Superbowl.