Jeff hat ausgefishert

Die Los Angeles Rams haben Jeff Fisher gefeuert. Weiterlesen

Aus Spielersicht: Combine, Patriots, Rams

Podcast-Juwel: der ehemalige NFL-Spieler WR T.J. Moe plaudert aus dem Nähkästchen über seine Combine 2013 und über seine Zeit in der NFL bei den Patriots und Rams.

Einige schöne Insights über Belichick und überhaupt die Organsiation der Pats; als auch über die Rams und Fisher. Hier entlang:

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St Louis Rams in der Sezierstunde

Bei den St Louis Rams rührt sich seit der Installation des Head Coaches Jeff Fisher vor zwei Jahren so einiges, aber eine Kombination aus Altlasten und schwieriger Division NFC West drückt den Output noch immer ein wenig nach unten. Obwohl: Bei 7-8-1 und 7-9 Bilanzen kann man angesichts des Spielermaterials nicht wirklich enttäuscht sein. Nun hat man zwar nicht die allerbeste Salary-Cap Position, dafür aber zum zweiten Mal en suite zwei Erstrundendraftpicks und somit ordentlich Holz um weiter an den Grundlagen zu bauen.

Wer die NFL erst seit ein, zwei Jahren verfolgt, kann sich gar nicht vorstellen, in was für einem abgrundtiefen Loch die Rams noch vor fünf Jahren steckten. Die Jaguars von heute kommen in etwa dem gleich, was Mannschaften wie St Louis oder Detroit damals waren. Die Folgen jener Katastrophenjahre zwischen 2007 und 2009 spürt man unterm Bogen bei den Rams noch immer.

Überblick 2013

Record         7-9
Enge Spiele    1-3
Pythagorean    7.6    17
Power Ranking  0.361  26
Pass-Offense   5.8    23
Pass-Defense   6.7    24
Turnovers      +8

Management

Salary Cap 2014.

Der QB Sam Bradford passt dabei wie die Faust rein: Er ist ein ehemaliger #1-Pick, der sich aber noch nicht so entwickelte wie erwünscht. Er ist dafür aber der letzte der rekordverdächtig bezahlten Rookies aus dem alten CBA („Collective Bargaining Agreement“) und läuft diese Saison für eine Cap-Zahl von rund 17 Mio. Dollars auf. Seine Zahlen auf dem Feld in den letzten Jahren sind ernüchternd: Über seine vierjährige Karriere brachte er 5.5 NY/A an den Mann und versuchte sich hierbei nur in 16.7% der Wurfversuche an Pässen, die weiter gingen als 15yds. Entsprechend gilt Bradford als gut im Vermeiden von Turnovers, aber ein Turnover ist irgendwo ein „Trade-Off“, den du eingehen musst, wenn du mit dir und deiner Mannschaft weiterkommen willst. Wenn du dein ganzes Leben lang in deinem Haus verkrochen bleibst, wirst du dir nie den Hax abreißen, aber du wirst im Leben auch nicht voran kommen. Bradford scheint – zumindest geben das die Zahlen so wieder – in seinen ersten Jahren ein QB der Güteklasse Alex Smith gewesen zu sein: Lieber sicher werfen, ja keine INT riskieren.

Genau das macht Bradford im Grunde in Kombination mit seinem Vertrag entbehrlich. Wir hatten das Thema schon vor einigen Tagen in der Kommentarspalte, aber noch einmal: Es gibt prinzipiell vier Möglichkeiten, wie die Rams mit Bradford verfahren können:

  1. Gar nix machen. Dann kassiert Bradford sein ganzes Gehalt, aber die Rams werden ihre vertrackte Salary-Cap Situation (aktuell 7 Mio. Space) anderswo lösen müssen. Nicht vergessen: Die Rookie-Klasse 2014 wird die Rams mit ihren beiden 1st-Roundern runde 9.5 Mio. kosten. Und ein paar Free-Agents willst du dir auch einkaufen.
  2. So könnte man mit Bradford eine blanke Gehaltskürzung vereinbaren, aber ob Bradford das Spiel mitspielt, ist ungewiss.
  3. Möglich ist auch die Umschichtung von Bradfords Fixgehalt 2014 in ein Handgeld. Davon hätte Bradford keinen Nachteil: Er würde sein Geld sehen, und die Rams könnten dieses Geld auf mehrere Jahre abschreiben. Allerdings verschieben die Rams dann das etwaige Bradford-Problem nur in die Zukunft, und Bradfords Entlassung kostet eben 2015 ein paar Milliönchen mehr.
  4. Bradfords direkte Entlassung. Damit würden die Rams 17 Mio. Gehalt bei Bradford einsparen, müsste aber 7 Mio. dead money anschreiben. Netto würde man in etwa 10 Mio. an Cap-Space gewinnen, aber man wäre mit einem Mal gezwungen, mit einem seiner hohen Draftpicks einen Quarterback zu ziehen, von dem man möglicherweise nicht 100%ig überzeugt ist.

Es läuft wohl auf Option 2 oder 3 hinaus. Bradford dürfte ein weiteres Jahr kriegen um seinen Wert doch noch unter Beweis zu stellen. Er wird es machen müssen nach einer schweren Knieverletzung, der zweiten in seiner Karriere.

Er wird aber auch eine rundum verbesserte Offense vorfinden, denn es gilt als geritzt, dass St Louis mit einem seiner hohen Picks einen Offensive Tackle für die „Gegenseite“ des LT Jake Long holen wird. OT/OG Saffold wurde nach einigem Geeiere doch noch für relativ moderate Kohle gehalten, aber es gilt als unwahrscheinlich, dass er den anderen Tackle-Platz neben Long behalten darf.

Bei den Running Backs scheint man mit dem jungen Zac Stacy (nur 39% Success-Rate und 3.9 Y/A, aber ein relativ brauchbarer Ballfänger) sowie den seinigen Backups recht zufrieden zu sein. Ob der Mann ohne Spielgefühl, Isaiah Peed, noch eine Chance erhält, bleibt abzuwarten. Bei den Tight Ends kann ich mir vorstellen, dass man an der Combo Cook/Kendricks erst einmal nicht viel ändert.

Wide Receiver ist vielleicht eine Position, die noch einmal Augenmerk erfährt: Givens, Bailey und Quick sind alles noch recht junge, geschwindige Leute, die in über 1/3 der Fälle tief angespielt werden, aber sie alle besitzen nicht die allersichersten Fanghände und lassen schonmal einen Ball durch die Finger flutschen. Besonders ein Givens ist da anfällig: Letzte Saison 83 Anspiele, und nur 34 davon gefangen. Das ist nicht mehr allein mit üblem „Ball-Placement“ der (mittelmäßigen) Quarterbacks zu erklären.

Und dann haste noch die X-Waffe Tavon Austin, letztes Jahr mit viel Tamtam im Draft geholt, aber Austin hatte dann nur 34 Catches für 388yds und 4 TD, und er wurde fast ausschließlich kurz angespielt. Der OffCoord bleibt Brian Schottenheimer, und der bewies schon letztes Jahr nicht grad die neuesten Gedankengänge beim Versuch, Austin einzusetzen. Ist Tavon den hohen Pick wert? Ist er bloß eine Return-Waffe? Oder fehlt den Rams vor allem noch der eine, große #1-Wide Receiver, der das Spielfeld im Alleingang entzerren kann?

Über die Defense Line braucht man nicht viele kritische Worte verlieren: Sie ist die größte Stärke der Rams. DE Quinn holte zuletzt 19 Sacks und erwies sich als fantastischer Speed-Rusher, der allein gegen die All-Pro Gegenspieler zu knabbern hatte. Der Mann auf der Gegenseite ist der teure Chris Long, der kompletter als Quinn ist, aber nicht so explosiv. In der Mitte wird der junge DT Michael Brockers in hohen Tönen als eine Art neuer Suh gelobt. Es drängt sich allenfalls die Frage auf, ob sich die Rams mit ihrem Draftpick #2 overall den Luxus leisten sollten, ein weiteres potenziell episches Talent wie Clowney zu ziehen. Du kannst in der Defensive Line fast nie zu tief besetzt sein, aber wenn du so viele andere dringendere Löcher hast: Kannst du dir einen Clowney leisten?

Die Secondary ist eine offene Scheune: St Louis kassierte zuletzt trotz des fantastischen Passrushes 6.7 NY/A. Einzig der junge CB Janoris Jenkins gilt als NFL-tauglich. Bei den Safetys ist es eher die Unerfahrenheit. Bei den Linebackers die steifen Hüfte sowie die Eindimensionalität des OLBs Ogletree… wobei ein Ogletree ziemlich unumstritten sein dürfte, weil er das, was er kann, schon sehr gut kann: Decken und Passwege zustellen.

Es gibt also viel zu tun in St Louis. Man bewegt sich zwischen Luxusproblemen und echten Problemen. Alle Baustellen werden die Rams dieses Jahr nicht schließen können, und vielleicht wird 2014/15 wieder so eine frustrierende Saison im grauen Mittelmaß, aber „Team-Building“ braucht seine Zeit. Eine Priorisierung fällt schwer, aber gemessen an den Cap-Zahlen sehe ich folgende Fragen als die wichtigsten an:

  • Wie lösen wir die Bradford-Frage? Kriegen wir eine ökonomische Vertragslösung hin oder müssen wir ihn rauswerfen? Dann müssen wir aber QB draften.
  • Können wir uns den Luxus Clowney leisten? Könnten wir dafür im Gegenzug nächstes Jahr Quinn gehen lassen?
  • Was ist uns wichtiger? Eine solidierte Offense Line oder ein großer Wide Receiver?
  • Einer der hohen Picks gehört der Defense. Entweder Clowney oder eine Defensive Back.
  • Mehrere Bemühungen müssen in das Defensive Backfield gesteckt werden: Entweder via Draft oder Free-Agency. Am besten über beide Wege.

Aus vielen Gründen sind die Rams trotz ihres geringen Sex-Appeals ein Team to Watch. Hier werkelt eine sportliche Leitung, die ihr Handwerk versteht. Hier holt ein Head Coach das Maximum aus seinem Spielermaterial heraus. Hier steht alsbald die Frage, wie viel Kohle ein zweitklassiger Starting-QB wert sein darf. Die Rams bleiben ein Team, auf dessen Aktionen ich gespannt bin.

Frischzellenkur in St Louis: Mountaineer Pride

Der WR-Corp der St Louis Rams wird seit drei Jahren aufgemotzt, dass ein Matt Millen nur bass erstaunt zuschauen kann: Dieses Jahr kamen zwei neue Wide Receiver im Draft dazu, nachdem schon in den zwei Jahren vier Wide Receivers und einen Tight End gedraftet worden waren. GM Les Snead und Head Coach Jeff Fisher scheinen sehr darauf bedacht, dem Quarterback ihres Vertrauens, Sam Bradford (Top-Draftpick 2010), eine Armada zu geben, mit der sich arbeiten lässt.

Snead und Fisher holten diesmal die beiden Hauptprotagonisten der Air-Raid-Offense der West Virginia Mountaineers, Tavon Austin (Pick #8) und Stedman Bailey (Pick #92) neu hinzu. Damit zählen wir über die letzten drei Jahre sechs Wide Receiver und einen Tight End, die St Louis via Draft holte, plus dieses Jahr mit TE Jared Cook erstmals auch eine Waffe via Free-Agency.

Der Offensiv-Gameplan nimmt also Formen an. Fisher installierte in seinen ersten beiden Offseasons in St Louis alle Elemente, die dem Vorgänger-Duo Spagnuolo/Devaney entweder entgangen oder missglückt waren:

  • OffCoord Brian Schottenheimer, manchmal ein bisschen übermütig, aber insgesamt solide und West Coast-affin.
  • Schnelle Receiver (Austin, Bailey, Givens) und groß gewachsene Receiver (Cook, Quick)
  • Blockstarker Tight End (Kendricks)
  • Left Tackle (Jake Long) und ein erfahrener Center, der viele Protection-Calls machen kann (Chris Wells)
  • Fangstarker Running Back (Isaiah Peed)

Das liest sich nicht schlecht, obwohl auch jedes Jahr 1-2 Kernbausteine den Verein verließen (Steven Jackson, Amendola, Brandon Lloyd).

Der Move für das Kronjuwel Austin hinterlässt mich leicht zwiegespalten: Prinzipiell ist er mit seinen 1.73m kein Mann, um den man eine NFL-Offense bauen möchte, sondern mehr der Typ „Luxus-Schachfigur“, der zwischendurch die Nadelstiche setzt, aber mit seinen 9-Catches-für-72yds, 3-Endarounds-für-21yds und 2-Puntreturns-für-76yds-und-ein-TD-Spielen nicht das zentrale tragende Element eines Angriffs sein kann. Harvin kam letzte Saison in Minnesota bis zu seiner Verletzung nahe dran an die Wunschvorstellung „Slot-WR trägt seine Offense allein“. Aber es waren nur wenige Spiele bis zu seiner Verletzung.

Austin sehen viele als mehr als einen Slot-WR. Am College wurde er tatsächlich überall eingesetzt, vorne, hinten, als Wideout, im Slot, im Backfield, fing Bälle für über 150yds, erlief über 300yds in einem einzigen Spiel (!) usw. Aber ein klassischer Wideout ist Austin nicht. Einen klassischen, prototypischen #1-Wideout gibt es in St Louis vielleicht trotz der vielen Picks immer noch nicht.

Brian Quick mag noch am nächsten dran sein: Letztes Jahr an #33 von einem aberwitzig kleinen College gedraftet, schaffte Quick den Entwicklungssprung im Rookiejahr nicht ganz. Quick ist groß gewachsen, physisch, hat aber noch etliche Unsauberkeiten in seinem Spiel. Die Idealvorstellung wäre, dass sich Austin und Quick gegenseitig ergänzen: Des einen Präsenz bringt den anderen weiter und umgekehrt.

Chris Givens (letztes Jahr: Vierte Runde) gilt als speedster für die tiefen Routen. Typ Torrey Smith: Nicht präsent genug für eine richtige Führungsrolle, aber einer mit der Standard-Statline 3 Catches für 86yds, TD. Nicht oft am Ball, niedrige Catch-Rate, aber wenn er ihn fängt, ist es mehr als Zündeln in der Secodary.

Vielleicht braucht es den „Führungsspieler“ auch gar nicht, denn zu diesem interessanten Trio gesellt sich mit dem Rookie Bailey vielleicht der Spieler, den diese Offense noch brauchte. Bailey ist keine 1,80m groß, aber extrem kräftig und war in der Mountaineers-Offense noch produktiver als Austin. Gemeinsam mit einem TE-Hünen Cook könnten Bailey und Austin ein gefährliches Trio für die Spielfeldmitte bilden. Cook gilt nicht als der allerkonstanteste, hat aber immerhin den Körper für die Zweikämpfe mit den kräftigsten Linebackers.

Das alles, und durch die sofortige Verbesserung der Protection (Long) und eine Entlastung der Fänger-Rolle für Kendricks dürften die Rams in der NFC West aufgeholt haben und haben zumindest auf dem Papier eine weitaus mächtigere Offense als noch vor zwölf Monaten. 2012/13 war beachtlich von den Rams im Angesicht des schweren Schedules und der Qualität ihres Kaders, und nun ist der Angriff erstmals seit fast einem Jahrzehnt wieder so aufgestellt, um mehr als bloß Achtungserfolge einzufahren.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-8-1  --
Enge Spiele    4-3  
Pythagorean    6.6   (22)
Power Ranking   .522 (14)
Pass-Offense   6.0   (20)
Pass-Defense   6.0   (10)
Turnover        -1

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Angesichts der Kaderqualität der St Louis Rams entlockt mir die 7-8-1 Bilanz, die Franchise im ersten Jahr unter Head Coach Jeff Fisher einfahren konnte, nichts anderes als einen gaaaaaaaanz hohen Pfeifton. Gegen einen bärenstarken Schedule (#2 in meinem Modell) und mit nur einer einzigen Niederlage in einer überraschend starken Division glänzt dieses 7-8-1 nach Jahren des Siechtums im Gegensatz zu jener windigen 7-9 Saison vor zwei Jahren richtig hell.

Der Aufschwung der Rams passt zum insgesamt nach oben zeigenden Pfeil der gesamten Franchise. Owner Stan Kroenke drückte mit der London-Geschichte der Stadt St Louis seinen Willen auf und scheint im Kampf um bessere Stadionkonditionen mittlerweile am längeren Hebel zu sein. Und die Fans quittierten das zeitgleiche gute Spiel der Rams mit besser gefüllten Rängen. Es scheint Leben in eine jahrelang emotional am Boden liegende Mannschaft zu kommen.

Trotzdem bleiben Fragezeichen.

Keines ist dabei größer als jenes in der Offensive Line, wo zwar viele hohe Draftpicks investiert wurden, der Return on Investment aber enttäuschend mau blieb. Der hoch gedraftete LT Saffold soll wenigstens gute Ansätze gezeigt haben, aber abseits davon sagt man den Rams Handlungsbedarf allernorts nach. RT Richardson würde man lieber heute als morgen in die Wüste schicken, und C Scott Wells könnte aufgrund anhaltender Knieprobleme zum Rücktritt gezwungen sein.

Hinter dieser Offensive Line – und mit dem Schreckgespenst des OffCoord Brian Schottenheimer im Hinterkopf – entwickelte sich der junge QB Sam Bradford zuletzt besser als es die ersten beiden Jahre Bradfords in der NFL hatten befürchten lassen. Weit mehr als das Prädikat „blass“ wird man Bradford wohl so schnell nicht nachsagen können, aber immerhin schaute die Offense dieses Jahr zumindest streckenweise gefährlich aus.

Bradford wird aber – ebenso ein seit Jahren rekurrierendes Thema in St Louis – weitere Waffen brauchen. WR Amendola ist Free Agent und nicht mehr der jüngste, und man soll in den Vertragsverhandlungen weit auseinander liegen. Hinter Amendola wird es im Kader sehr schnell sehr jung. WR Chris „big play“ Givens geht ebenso wie der stagnierende WR Brian Quick in sein erst zweites Jahr, der notorische Troublemaker Titus Young wurde aus Detroit geholt und schon eine Woche später wieder geschasst, der junge WR Pettis soll zum Tight End umgeschult werden… von bekannten ehemaligen Rams wie Bruce oder Holt sind wir Lichtjahre entfernt.

Bleiben die Running Backs. RB Steven Jackson ist ein Krieger, dem man nichts sehnlicher wünschen würde als endlich eine Winning-Season (also über .500), aber das Fenster für den bald 30jährigen Jackson schließt sich schön langsam und Jackson ist mit seinen 7 Mio. Cap-Space nicht billig. RB Isaiah Peed zeigte gemessen an seiner Zeit am College erstaunlich wenig Gefühl für die gelegentlichen Lücken, die sich sogar in einer Line wie jener der Rams aufmachen können. Nicht ausgeschlossen, dass Handlungsbedarf besteht.

Die Defense

Die Abwehr war das Prunkstück der Rams, und sie lebt von einer geschwindigen D-Line, die selbst nach der Suspendierung des DefCoords Gregg Williams („Bountygate“) massiv aufgeigte und der mit Abstand beste Mannschaftsteil war. Es ist eine Line, die um disziplinierte Defensive Ends wie den extrem teuren Chris Long und Robert Quinn und einen superathletischen DT Michael Brockers gebaut ist, alles noch junge, ehemalige hohe Draftpicks. Das einzige Fragezeichen ist, ob und zu welchen Konditionen man den auslaufenden Vertrag des role players Willie Hayes, einer von Fishers Lieblingsspielern, verlängern sollte.

Der zweite Mannschaftsteil, der als „gesattelt“ gilt, ist Cornerback, wo man sich mit Cortland Finnegan und Janoris Jenkins zwei charakterliche Problemfälle angelacht hatte, die aber beide sportlich gut einschlugen.

Alles weitere gilt als verbesserungswürdig. Safety liegt nach den zu erwartenden Abgängen von Craig Dahl und Oldie Quintin Mikell (wg. teurem Vertrag) blank, und die Linebackers bieten wenig mehr als die Spielintelligenz des jungen James Laurinaitis. Wenn du nochmal so in eine Saison gehst, garantiere ich dir, dass du im Slot und von Tight Ends böse verbrannt werden wirst. Weil die Salary Cap nicht gut aussieht, dürfte man es via Draft probieren.

Ausblick

Gibt trotz der guten abgelaufenen Saison viel zu tun in St Louis, denn der Kader hat noch brutal viele Schwachstellen. Was aber helfen sollte: Dank des RG3-Trades aus dem letzten Frühjahr werden die Rams dieses und nächstes Jahr jeweils zwei Erstrundendraftpicks zum Operieren haben. Das ist nicht zu unterschätzen, auch wenn der von den Redskins entsendete Pick diesmal „nur“ die #21 ist. Denn so viele Picks verschaffen nicht nur die Möglichkeit, den einen oder anderen Bust zu verkraften, sondern auch viel Schaffensraum auf dem Transfermarkt.

Zündstoff liegt bei dem Rams vor allem in der Philosophie der sportlichen Leitung, bei der Evaluierung von Spielern auf deren charakterliche Flauseln zu pfeifen. Den Bengals flog diese Herangehensweise vor wenigen Jahren um die Ohren und das kurze Intermezzo des Titus Young lässt auch für St Louis wenig Gutes befürchten.

Die zweite Reihe: Kevin Gilbride

Jerry Reese, Steve Spagnuolo, Kevin Gilbride &...

Image via Wikipedia - Gilbride mit weißem Haar und weißem Shirt

[In der Serie „Die zweite Reihe“ werden Spieler, Trainer und Taktiken vorgestellt, die für den Erfolg einer Mannschaft essentiell sind, aber nicht im Rampenlicht stehen. In Teil 1 war Jets´ Safety Jim Leonhard dran. Für Teil 2 tritt heute Kevin Gilbride, Offensive Coordinator der New York Giants, aus der zweiten Reihe ins erste Glied.]

Coordinators stehen ja in der Regel ohnehin nicht in der ersten Reihe. Aber wenn sie erfolgreich oder einigermaßen spektakulär spielen, stehen sie schnell im Rampenlicht und werden für alle möglichen Cheftrainerposten gehandelt. Die Patriots-Offense bricht 2007 alle Rekorde? Sofort wird Offensive Coordinator Josh McDaniels das Schild „wunderkind“ umgehängt. Die Giants brechen dieser Offense im Super Bowl die Beine? Schon ist Defensive Coordinator Steve Spagnuolo das heißeste Dinge seit Erfindung des Forward-Passes und bekommt eine eigene Mannschaft als Head Coach. Es gibt aber auch viele Gameplan- und Taktik-Gurus, die immer im Hintergrund bleiben. Unser heutiger Kandidat aus der zweiten Reihe steht sogar in seiner Heimat New York im Schatten des anderen New Yorker OCs. Seltsam, aber wahr: Brian Trottelheimer Schottenheimer, ab nächster Saison bei den Rams, weil für die Jets zu schlecht, ist bekannter und gefragter als Kevin Gilbride, Offensive Coordinator der New York Giants.

Komischerweise ist Gilbride sogar bei vielen Fans der Giants nicht gerade wohlgelitten, wie Spitznamen à la „Kevin Killdrive“ und die alljährlichen Rufe nach seinem Kopf beweisen. Dabei war New Yorks Offense in den letzten vier Jahren jeweils unter den Top-9 und bis jetzt sind zwei Super Bowl Ringe dabei herausgesprungen. Und nicht zuletzt Gilbride hat aus Eli Manning gemacht, was er heute ist. Komischerweise auch hat der Giants-Angriff einen ziemlich lahmen Ruf, was vor allem daher rührt, daß Gilbride mit aller Macht versucht, möglichst nahe an eine 50/50 Run-Paß-Balance zu kommen. Dabei kommt der typisch ostküstenmännisch aussehende Mann mit den weißen Haaren aus einer der aufregendsten Offensiv-Schulen aller Zeiten: der Run-and-Shoot Offense.

Die Run-and-Shoot Wurzeln

Die Run-and-Shoot Offense, die von Tiger Ellison und Mouse Davis erfunden wurde, war in den 60er und 70er Jahren an High Schools und in den 80er Jahren in der College-Welt die alle Rekorde zerschmetternde Revolution. Bei den Houston Gamblers der kurzlebigen USFL hat Mouse Davis die Offense dem Head Coach Jack Pardee und Offensive Assistant John Jenkins näher gebracht (Quarterback übrigens Jim Kelly). Nachdem die USFL 1986 den Bach runtergegangen ist, hat Pardee, ehemaliger NFL-Linebacker, Jenkins und die Run-and-Shoot-Idee mitgenommen und wurde 1987 Head Coach der Houston Cougars. Pardee und Jenkins waren mit den Cougars 1988 und 1989 dermaßen aufregend und erfolgreich, daß Pardee Head Coach der Houston Oilers wurde und Jenkins sein Nachfolger als HC der Cougars.

Als Pardee seinen neuen Posten bei den Oilers 1990 antrat, fand er dort einen Quarterbacks Coach vor, der ihm so sehr imponierte, daß er ihn prompt zum Offensive Coordinator machte. Der damals 39 Jahre alte Gilbride hatte gerade sein erstes Jahr in der NFL hinter sich. Vorher hatte er sich lange Zeit als Assistant an Colleges wie Tufts, American International und East Carolina durchgeschlagen; zwei Jahre verbrachte er in der CFL bei den Ottawa Rough Riders und fünf Jahre lange, von 1980 bis 84, war er Head Coach seiner Alma Mater: Southern Connecticut State.

Bei den Houston Oilers

In den folgenden vier Spielzeiten gewannen die Oilers 42 Spiele und hatten jede Saison eine Top-3-Offense. Die Offense um Quarterback Warren Moon, der hinter zwei der besten Offensive Lineman aller Zeiten spielte, Bruce Matthews und Mike Munchack (jetzt HC der Titans) war Super-Bowl-würdig. Spätestens als Houston dann aber in den 92er Wild-Card-Playoffs auf der falschen Seite des größten Comebacks aller Zeiten stand, mußte sich dringend etwas ändern. Also holte man sich eines der besten Defensive Minds und einen der härtesten Trainer als Zeiten für den Posten des Defensive Coordinators: Buddy Ryan. Ryan hatte in den 80ern die legendäre Bears-Defense gebaut, Head Coach Mike Ditka hatte ihm auf dieser Seite des Balles freie Hand gelassen. Die Verteidigung der 85er Bears gilt bis heute als beste aller Zeiten. Ryan war aber schon immer ein eigenwilliger Kopf und hatte keine Lust mehr, die zweite Geige hinter Ditka zu spielen, also war er ganz glücklich, 1986 Cheftrainer der Philadelphia Eagles werden zu dürfen. Er hat in Philly zwar kein Playoffspiel gewonnen, aber eine erstklassige Defense hat er aus den mäßigen Eagles fast aus dem Stand gemacht. Dessen erinnerten sich also die Oilers 1993 und verpflichteten ihn als DC.

An was sich die Verantwortlichen in Houston augenscheinlich nicht erinnerten, war die Tatsache, daß Ryan als Mensch einen noch viel größeren Dachschaden hatte als seine beiden Söhne Rex und Rob und außerdem Offensivspieler und -trainer generell für Idioten und Weicheier hielt. So war es ihm ziemlich egal, daß Houstons Angriff unter Gilbride auch 1993 wieder die drittbeste Offense der Liga hatte. Ryan hielt es für unverantwortlich, „seine“ Spieler ständig wieder aufs Feld schicken zu müssen, weil die Offense zu schnell und aggressiv spielte. Im letzten Spiel der regulären Saison – die Oilers hatten die letzten zehn Spiele in Folge gewonnen – war es dann so weit: Ryan platzte der Kragen und er reichte Gilbride an der Seitenlinie Eine durch – sauber an die Schläfe, vor aller Augen bei einem Monday Night Game. Eine der verrücktesten Dinge, die je in der NFL passiert sind.

Mit elf aufeinanderfolgenden Siegen ging man nichtsdestotrotz mit einem Freilos im Rücken in die Playoffs und verlor mal wieder das erste Spiel, dieses Mal gegen Joe Montana und die Kansas City Chiefs. In der 94er Saison war Gilbride zwar noch in Houston, aber Moon und Ryan nicht mehr; nach dem 1-9-Start trat Pardee zurück und der junge DC Jeff Fisher, der sein Handwerk unter Buddy Ryan in Philadelphia erlernt hatte, nahm auf dem Cheftrainerstuhl Platz.

Über Coughlin zum Head Coach ins Niemandsland

Das folgende allgemeine Ausmisten ging auch an Gilbride nicht vorbei. Weil er aber als großartiger Offensive Coordinator galt, holte Tom Coughlin, Head Coach des Expansion Teams Jacksonville Jaguars, Gilbride als OC mit an Board.Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte Gilbride den blutjungen QB Mark Brunell soweit, bereits in seiner zweiten Saison als Starter für fast 4400 Yards zu werfen und die Jags ins AFC Championship Game zu führen.

Mit sieben derart erfolgreichen Jahren im Resumée wurde es Zeit, selber eine Mannschaft zu übernehmen – leider waren es die 97er San Diego Chargers. Das größte Problem war der fehlende Franchise Quarterback. 1997 waren Craig Whelihan, Stan Humphries, Jim Everett und Todd Philcox under center. Mit diesem Personal war kein Blumentopf zu gewinnen. Also nutzte man den zweiten Pick in der NFL Draft 1998 um ein riesiges Quarterback Talent zu draften, das die Zukunft der Franchise werden sollte, sein Name: Ryan Leaf. Alles weitere ist bekannt. Nach sechs Spielen ´98 mußte Gilbride gehen.

1999 und 2000 hat Gilbride dann wieder mal eine neue Erfahrung mitgemacht, als er unter Bill Cowher OC der Pittsburgh Steelers war. Dort hat er gemäß der alten Steelers-Tradition lauflastige Game Plans zusammengebastelt und eine Top-10 Rushing Attack auf die Beine gestellt. 2001 wollte Cowher dann lieber Mike Mularkey als OC und es wurde etwas stiller um Gilbride. 2001 nahm er eine Auszeit, bevor er 2002 und 03 im NFL-Niemandsland Buffalo den Angriff übernahm. Als Bills-HC Gregg Williams vor der Saison 2004 von Mike Mularkey abgelöst wurde und dieser selber die Offense übernahm, erinnerte sich Tom Coughlin, der gerade die New York Giants übernommen hatte, an seinen alten Buddy und übertrug ihm die Aufgabe, sich als Quarterbacks-Coach um den Rookie Eli Manning zu kümmern.

Mit Eli in New York

Das hat er ziemlich gut gemacht. Aus dem jungen Eil wurde langsam, aber sicher (aber vor allem langsam) zuerst ein richtiger Quarterback und später dann einer der besten QBs der Liga. Ab 2007 hatte Gilbride endlich wieder den Posten, der ihm am meisten behagt – Offensive Coordinator. Während dieser Zeit war die einzige Konstante Eli. Irgendwann war es dann auch egal, ob die Ballempfänger Plaxico Burress, Amani Toomer, Jermey Shockey, Sinorice Moss, Domenik Hixon, Steve Smith, Kevin Boss, Hakeem Nicks, Victor Cruz, Jake Ballard oder Mario Manningham hießen – seit 2008 war es immer eine Top-10-Offense. Es ist nicht zuletzt ein großes Verdienst Gilbrides,  alle diese WRs entdeckt oder/und so eingesetzt zu haben, daß sie ligaweit ein Begriff sind.

Es fällt heute ziemlich schwer, Kevin Gilbrides Offense in irgendeine Schublade zu stecken. Es steckt auf jeden Fall noch ein großes Stück Run-and-Shoot drin, aber ohne Rücksicht auf Verluste setzt Gilbride jedes Spiel über auch auf das Running-Game. Das hat er zum Teil sicherlich auch aus der Run-and-Shoot, denn dort war jeder Spielzug so angelegt, daß ein Laufspielzug immer so aussieht wie ein Paßspielzug und umgekehrt. Aber seine Laufspielzüge sind dann doch andere als die alten Läufe aus 4-WR-Sets. In diesem Sinne wird Gilbride sicher einiges aus Pittsburgh mitgenommen haben und, noch viel sicherer, wird er eine ordentliche Dosis von Coughlin eingehämmert bekommen haben. Schließlich kommt Coughlin aus der alten 80er-Jahre Bill-Parcells-Schule. Leider steht Gilbride nicht so im Rampenlicht, daß es viel Literatur über ihn gäbe oder daß er ständig von Kameras und Mikrofonen umzingelt wäre. Charakteristisch ist vor allem, daß die G-Men unter Gilbride eine der wenigen Mannschaften sind, die eine große Portion vertikales Paßspiel (à la Mike Martz´ Rams) in ihrem Arsenal haben, während die meisten Mannschaften hauptsächlich auf kurze Timing-Routen setzen, was alles mehr oder weniger eine Weiterentwicklung der Bill-Walsh-/West-Coast-Offense ist.

Trotz seiner Erfolge und seiner vielfältigen Erfahrungen in den verschiedensten Umfeldern mit den verschiedensten Trainern hat sich auch nach dem letzten Super Bowl Sieg über die New England Patriots keine trainerlose Mannschaft bei ihm gemeldet, er hatte nicht mal eine Anfrage für einen Head-Coaching-Job. (Sein Sohn dagegen, Kevin Gilbride, Jr. wurde gerade vom Quality Control Assistant zum Wide Receivers Coach befördert, nachdem die Giants anderen Teams untersagt haben, mit ihm in Kontakt zu treten.) Am Ende werden alle Beteiligten von Coughlin bis Manning froh sein, daß Kevin Gilbride weiterhin im Big Apple bleibt – wenn auch nur in der zweiten Reihe.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Die Rams waren eine der ganz großen Enttäuschungen in dieser Saison. Saisonbilanz von 2-14, neun Niederlagen mit mehr als einem Score, ein positiver Unfall gegen die Saints und der zweite Sieg ein gegurktes 13-12 gegen Cleveland. Im Sommer hatte ich schedulebedingt einen nicht reibungsfreien Saisonstart erwartet, aber dass die Rams so hoffnungslos auftreten würden? Nope.

Kernproblem von allem war die inexistente Offense, die trotz weniger Turnovers (1 Turnover pro 9 Drives, nur 1 Interception pro 25 Drives) und trotz des namhaften OffCoords Josh McDaniels in fast allen Kategorien NFL-Bodensatz war. Als problematisch erwies sich dabei neben der wackeligen Offensive Line und den namenlosen Ballfängern (Top-WR Lloyd mit 51 Catches, danach RB Jackson mit 39, danach WR Gibson mit 36) vor allem auch die Quarterback-Situation.

Der junge Top-Pick Sam Bradford hatte mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, aber auch mit allen Entschuldigungen im Hinterkopf liest sich die Bilanz ernüchternd: 216yds/Spiel, 4.9yds/Pass (nur Tebow und Gabbert waren ineffektiver) und sechs Touchdowns in zehn Einsätzen sind keine konsequenzlos hinnehmbaren Werte. Ergebnis: Mit nur 0.92 erzielten Punkten pro Drive stellte man den mit Abstand ineffizientesten NFL-Angriff der Saison, und immer wenn eine Franchise nur 193 Punkte über die Saison scort, leuchten die Alarmsignale auf.

Die Defense war nicht gut, aber besser. Die Front Seven der Rams ist dafür gebaut, mit Pass Rush Rabatz zu machen, wodurch sich die schlechten Laufspielwerte (4.8yds/Carry, #28) erklären lassen. Die mäßige Sack-Zahl von 39 ist irreführend, da die Rams die fünftwenigsten Passversuche der Liga gegen sich ausgespielt sahen (die 7,5 Sacks auf 100 Versuche sind ein Top-10 Wert für die Rams).

Die wichtigste Stellschraube ist bereits gedreht: Mit Jeff Fisher wurde der neue Chefcoach eingestellt, ein Mann, dem großes Machtverlangen nachgesagt wird und der den scheinbar unattraktiven Ort St Louis vor allem deshalb ausgewählt hat, um in Sachen Personalpolitik – anders als zu seinen Zeiten in Tennessee – ungestört walten zu können. Fisher hat mit seinen Coordinators Signale gesetzt: Brian Schottenheimer aus New York steht für seine Neigung, Quarterbacks entwickeln zu wollen, während Gregg Williams aus New Orleans blitzen lässt bis die Wände wackeln.

Das HundbeißtsichindenSchwanz-Argument gilt für die Rams in der Offense: Ist Bradford so schlecht, weil er nicht besser ist, oder weil die Umstände nicht mehr zulassen? Fisher/Schottenheimer scheinen von Bradford überzeugt genug zu sein, um den #2-Draftpick (genannt auch „Robert Griffin III“) auf dem Basar meistbietend zu verkaufen. Das heißt: Bradford kriegt wenigstens noch ein oder zwei Jahre mit der Hoffnung, mit adäquaten Wide Receivers wenigstens NFL-taugliche Statistiken herausfahren zu können. Oberste Rams-Priorität dürfte daher (mindestens) ein Wide Receiver sein, und geht es nach den Auguren, so wird es Oklahoma States Justin Blackmon werden, ein nicht unproblematischer Charakter. Bei McDaniels-Buddy Brandon Lloyd geht kaum jemand von einer Vertragsverlängerung in St Louis aus.

Den Eindrücken nach fehlt es den Rams auch gehörig an der Offense Line. LT Saffold und RT Smith gelten als Busts, wobei prinzipiell jeder der Blocker üble Kritiken einstecken muss (auch die Free Agents C Wragge und G Bell). Nach etlichen hohen Picks in den letzten Jahren dürfte der Hunger der Fans nach einem weiteren der gesichtslosen Offense Liner jedoch eher gering sein.

Kleinerer Nebenschauplatz sind die Running Backs: Der großartige Steven Jackson wird nicht jünger und hatte häufig mit Verletzungen zu kämpfen, während die Backups Norwood und Cadillac Williams vertragslos sind.

Wichtigste Stellschrauben in der Defense sind neben dem vertraglosen DT Gary Gibson sowie dem jungen OLB Chamberlain vor allem im Defensive Backfield zu finden: Gregg Williams ist bekannt dafür, risikoreiches Spiel und gute Blitzer zu bevorzugen, weswegen mit Sicherheit personell nachgebessert werden wird. Dazu nur ein Stichwort: Die Rams hatten 2011/12 mal eben zehn Defensive Backs auf der Injuried Reserve.

Es wird spannend zu sehen sein, wie Fisher diese Franchise aufstellen wird. Fisher war für mich nie ein großer Visionär und wirkte auch nie so, als wäre er der richtige quasi-GM. Kurzfristig wird man QB Bradford Waffen geben und/oder besser schützen müssen. Die Rams besitzen den Pick #2, der angesichts des Strebens der halben Liga nach RG3 ein wertvoller sein könnte, und sie haben Pick #33, der als erster Pick des zweiten Draft-Tages als äußerst begehrte Ware (Stichwort: Trades) gilt.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #9: Tennessee Titans

Als Houston Oilers so wenig beachtet, dass sie nicht einmal mit Schimpf und Schande verjagt wurden. Als Tennessee Titans zu einer Macht geworden und den Titel mit dem knappsten aller möglichen Entscheidungen verpasst: Ein Yard. 0,91 Meter.

Die Ölmänner

Gegründet vom Ölmagnaten Bud Adams 1960, waren die Houston Oilers schnell recht erfolgreich: Die ersten beiden Titel der AFL-Geschichte gehören Houston und der Titelhattrick wurde 1962 in einem der längsten Profifootballspiele ever vermasselt. Wenn du fuffzich Jahre Football spielst und deine einzigen beiden Titel in den ersten beiden Jahren geholt hast…

Wenn du nicht geliebt wirst

Die markanteste Zeit der Oilers war in den 80ern mit QB Warren Moon, einem ehemaligen CFL-Champion. Moon war zwar die Unbeständigkeit in Person, aber in guten Jahren machte er mal eben so im Vorbeigehen über 4500yds/Saison oder mehr – in einer Zeit, in der die Luftwaffe noch etwas weniger selbstverständlich war als heute.

Das berühmteste Spieler der Oilers wird für immer das Wild Card Playoffspiel gegen die Bills sein: Die Oilers geigten in Buffalo mächtig auf, führten 35-3 (!) im dritten Viertel, nur um am Ende noch 41-38 in der Overtime zu verlieren. Der größte Rückstand, der jemals in der NFL-Geschichte aufgeholt wurde – The Comeback. [Update] Das Spiel fand in der Saison 1992/93 statt. Ergo am 3. Jänner 1993. [/Update]

Abseits von Yards und Touchdowns erwies sich Owner Adams immer wieder als Eiertreter, drohte permanent mit Umzug in andere Städte, sollte Houston nicht den genialen Astrodome beständig mit Millionensubventionen auf neuestem Stand halten. Die älteren Leser werden sich noch an diverse Ölkrisen erinnern (putzig, wie die Leute auf der Autobahn picknickten) – für Houston keine gute Zeit, denn Houston ist neben NASA vor allem eines: Ölstadt. Resultat: Kein Geld für neue Stadien – die Oilers wurden aus der Stadt geekelt.

Die Ära Fisher

Die letzte Spielzeit in Houston war Tristesse. Man kann nicht mal sagen „mit Schimpf und Schande verjagt“. Einfach Tristesse. Keine 25.000 Zuschauer sagten in den letzten Wochen Goodbye, Oilers! Man zog früher als geplant nach Tennessee, musste dort jedoch zwei Jahre heimat- und stadionlos durch die Lande streunen.

1999/2000 die Umbenennung in Tennessee Titans. Und siehe da: Unter Jeff Fisher und dem mittlerweile gereiften QB Steve McNair waren die Titans plötzlich Titelkandidaten, spielten sich nach spektakulären Siegen („Music City Miracle“) gar in die Super Bowl. Die wurde dann verloren – um ein einziges, kümmerliches, mickriges Yard, das WR Kevin Dyson zu kurz war, um aus einem 16-23 ein mögliches 23-23 zu machen.

Unter dem Duo Fisher/McNair blieben die Titans mit ihrer knüppelharten Art, Football zu spielen, noch jahrelang Titelanwärter. Mehrfach scheiterte man nur knapp in den Playoffs.

Seit 2006 war QB Vince Young am Werk, aber es reichte für Tennessee bisher nicht mehr zu einem Playoffsieg. Mittlerweile hat man Coach Fisher entlassen, aber die Zukunft ist nicht zappenduster. Rund um RB Chris Johnson und WR Kenny Britt ist ein recht talentiertes, junges Team im Entstehen.

Das Coliseum

LP Field

Heimat der Titans: LP Field oder ganz einfach "Nashville Coliseum"

Keine 15 Jahre alt und schon ca. fünfunddreißig verschiedene Namen gehabt: Das LP Field in Nashville. Ein berühmtes Spiel gab es hier schon: Das Music City Miracle. Ansonsten ein eher langweiliges Stadiondesign und auch die Fankultur ist nichts, worüber man mehrere Absätze füllen könnte. Im Gegensatz zum 100km entfernten Knoxville, wo die Tennessee Volunteers vor regelmäßig über 100.000 spielen. Immerhin gilt das Titans-Publikum als sehr loyal.

Rivalitäten

Da die Titans vom Namen bis zum Logo über die Ortschaft alles aus aus ihrer Oilers-Zeit aufgegeben haben, sind die Rivalitäten ziemlich jung, und wenig intensiv. Divisionsintern geht es am ehesten gegen die Indianapolis Colts hoch her, aber zumeist waren die Titans der unterlegene Part.

Höchst intensiv waren Anfang der 2000er die Duelle mit den Baltimore Ravens. Die Titans schafften es trotz Steve McNair nur ein einziges Mal, die Ravens in den Playoffs auszuschalten, verloren im Gegenzug dazu gleich mehrmals die Titelchance gegen Baltimore. Später wechselten dann gar einige wichtige Spieler (McNair, Mason, Rolle, I’m looking @ you!) gen Baltimore.

Gesichter der Franchise

  • Warren Moon – QB, der aus der CFL kam und jahrelang in der Run’n’Shoot-Offense der Oilers Pass-Rekorde pulverisierte. Ist heute sogar Hall of Famer.
  • Jeff Fisher – Head Coach für 15 Jahre und Stratege hinter meist beinhart spielenden, defensivstarken Mannschaften.
  • Steve McNair – QB und zwar der beste, den die Titans je hatten. Kam bis auf ein Yard an den Titel heran und führte jahrelang die Titans notfalls allein zum Sieg. Vor zwei Jahren leider ermordet. Nachruf siehe hier.

korsakoffs Highlight

Super Bowl XXXIV – büsschen exotisch, weil ich das Spiel nur als ORF/TW1-Tape Jahre später gesehen habe. Aber wenn eine Meisterschaft nach 256 Footballspielen im allerletzten Spielzug um ein einziges, hauchzartes Yard entschieden wird, muss es dieses Spiel sein. Auch wenn es die Titans um Steve McNair verloren haben.

Eckdaten

Gegründet: 1960 als Houston Oilers
Besitzer: Bud Adams (Öl)
Division: AFC South
Erfolge: Superbowl-Verlierer 1999, AFL-Champ 1960, 1961 als Houston Oilers, 21x Playoffs (14-19) – Stand 2012

Tennessee Titans in der Sezierstunde

Die Titans, der jüngste Neuzugang im exklusiven NFL Chaos Club. Gestartet als Team mit Anspruch auf die Playoffs, geendet mit Auflösungserscheinungen, zerfetzt von internen Streitigkeiten, Talentvergeudung und einem greisen Owner auf Al Davis’ Spuren.

Saison rekaputuliert

Begonnen hat alles eigentlich nicht schlecht. Die Titans siegten, egal ob mit QB Vince Young oder QB Kerry Collins, trotz eines nicht überragenden Laufspiels. Aber irgendwann Mitte der Saison verletzte sich WR Kenny Britt, zerkrachten sich Head Coach Jeff Fisher und QB Young endgültig und unwiderruflich, enteierte Owner Bud Adams öffentlich Coach Fisher und brach die Titans-Offense komplett auseinander. Die Verzweiflung ging sogar soweit, dass der ultimative Egoshooter Randy Moss nach turbulenten Wochen spät im November eingekauft wurde.

Resultat: Zuerst gewann Fisher den internen Machtkampf gegen Young. Dann wurde Fisher spät, aber doch noch, nach 16 Jahren gefeuert und mit Mike Munchak den OffLine Coach befördert. Tennessee riecht nach Neuausrichtung, ist auf dringender QB-Suche und muss eine Reihe anderer Löcher stopfen.

Die QB-Frage

Young hat sich letztendlich als zu labil für die NFL erwiesen. Ich hatte trotzdem stets einiges auf Young gegeben und Young hatte auch Ansätze von Genialität gezeigt. Zugegeben: Zu selten. Leider, leider kein schwarzer Nachfolger für meinen NFL-Lieblingsspieler Steve McNair. Tennessee braucht einen QB. Treppenwitz: Mit Cam Newton wäre der nächste mobile, schwarze QB via Draft erhältlich.

Munchaks Beförderung zum Head Coach könnte aber ein Zeichen sein, dass Adams 2011/12 rumbringen wollte, um im nächsten Winter den Coach der Zukunft zu installieren. Von daher glaube ich nicht an einen QB via Draft.

Tennessee könnte einen erfahrenen Mann gut gebrauchen. Kyle Orton scheint nun doch in Denver erwünscht zu sein. Kevin Kolb könnte zu teuer sein. McNabb ist eine Option, Leinart (?) oder Alex Smith? Quarterbacks aus der zweiten Reihe gibt es als Übergangslösung zur Genüge.

Die restliche Offense

Über Jahre die absolute Stärke in Nashville. Aber immer, wenn RB Chris Johnson über die Mitte geschickt wurde, lief NICHTS. Johnson ist ein fantastischer Running Back, aber wenn Johnson überfordert ist, muss an der Offense Line gearbeitet werden. Die Football Outsiders ranken Tennessees Line #31 im Lauf-Blocking. Einunddreißig. Für die kürzlich noch beste Line der Liga. Für mich ist Offense Line #2-Priorität nach QB. Der Rest der Offense ist personell stark besetzt. Was mit Randy Moss (Free Agent) passieren wird, bleibt offen.

Die Defense

Weil ausgerechnet QB und Offensive Line im Draft an #8 als nicht ausreichend stark besetzt gelten, wird Tennessee mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem hohen Pick die Defense Line verstärken. Gäbe Sinn: Nach Haynesworths unschönem Abgang fehlt der große, fette Mann in der Mitte der Line. Vielleicht wird’s auch ein End, weil drei eigene Ends Free Agents werden.

Ansonsten finde ich die Defense nicht schwach besetzt. Ein paar OLBs und ILB Steve Tulloch haben auslaufende Verträge. Tulloch gilt als sicherer Abgang, weswegen man auf der Suche nach einem neuen ILB sein könnte. Die Secondary ist mit dem Kotzbrocken-CB Cortland Finnegan an erster Stelle hochkarätig besetzt.

Die Coach-Frage(zeichen)

Mike Munchak ist neuer Head Coach. Munchak, dessen Teilbereich Offense Line zuletzt so böse abgeschmiert war. Neuer OffCoord ist Chris Palmer, der bei mir dank des Umgangs mit Tim Couch (Cleveland) und David Carr (Houston) einen verheerenden Ruf „genießt“. Andererseits hat Palmer Romo und Eli Manning verbessert.

Die Wide Receivers werden von einem ehemaligen QB (Dave Ragone) gecoacht. Ragone war ein Top- QB im College, aber ganz schwach in der NFL. Die Offense Line wird vom Titans-Urgestein Bruce Matthews gecoacht. Matthews hat zuletzt ein zweijähriges „Praktikum“ in Houston absolviert.

Der neue DefCoord ist nach wochenlangem Hickhack Jerry Gray, der schon seinen dritten Job in diesem Jahr hat (erst Seattle, dann ein paar Tage University of Texas, jetzt Titans). Gray zehrt bei mir noch von seiner bärenstarken Bills-Defense vor ein paar Jahren.

Eine Reihe von bekannten Namen. Aber auch eine Reihe von unerfahrenen Coaches.

Ausblick

Tennessee kann mit entsprechenden Verstärkungen (QB, OL) schnell wieder konkurrenzfähig sein. Die Defense könnte sich mit ein, zwei Verstärkungen wieder das Attribut „dominant“ verdienen. Die Unbekannte liegt neben den Fragezeichen in der Offense vor allem im Coaching Staff.

Die AFC South ist eine Division, in der viele Teams seit Jahren Talentverschwendung betreiben. Nicht ausgeschlossen, dass die Titans schnell wieder ganz vorne mitmischen.

Es gibt noch weitere „Sezierstunden“. Und zwar hier.

Fertig gefishert

Die Tennessee Titans haben Head Coach Jeff Fisher entlassen. Eine Überraschung, nicht wegen der Entlassung itself, sondern vor allem wegen des Zeitpunkts. Fisher stand zwar lange wegen des schwelenden Streits mit QB Vince Young auf der Kippe, aber Anfang Jänner schien es ausgemachte Sache, Young rauszuschmeißen und Fisher zu behalten.

Der Zeitpunkt der Entlassung könnte für beide Seiten ungünstig sein. Die Titans haben einen leer gefegten Head-Coach-Markt. Fisher hat keine offenen Head-Coach-Stellen zu besetzen, es sei denn, es findet sich noch ein Team mit Reaktionismus.

Fisher war 16 Jahre lang Head Coach für die Titans bzw. vor dem Umzug noch für die Houston Oilers. Der Erfolgreichste war der Mann nicht, aber die chronisch schwächelnde Franchise hat unter ihm, QB Steve McNair und RB Eddie George vor 11 Jahren die Superbowl erreicht und nur denkbar knapp verloren. Fisher kann vor allem von einigen bärenstarken Jahren zu Beginn der 2000er zehren, als die Titans Jahr für Jahr Titelanwärter waren. Seitdem ist nicht mehr viel gegangen. Trotzdem galt Fisher als ziemlich unantastbar, bis in der letzten Saison ein 0-6 Start hingelegt wurde. Dann kamen die Streitigkeiten mit Young dazu, den Fisher eigentlich nie haben wollte und dessen geistige Reife eines Dreizehnjährigen Fisher nie geschmeckt hat – was dem Owner Bud Adams nicht passte, der Young als Koryphäe ansah. Dennoch gewann Fisher das „Duell“ mit Young – und ist trotzdem raus.

Zweiter Punkt, der in Nashville nicht gern gesehen wurde: Fisher brachte in der aktuellen Saison zur Unterstützung des krebskranken OffCoord Heimerdinger seinen eigenen Sohn mit. Vetternwirtschaft wird von Adams nicht gern gesehen, aber ich bin mir nicht sicher, ob er Fisher deswegen rasiert hat. Schon eher, weil der komplette Trainerstab vor einem Umbau gestanden hätte.

NFL Date am Donnerstag, Week #14: Die Wachablöse droht

Do./Fr. 02h30 ESPN America

Das Donnerstagsspiel in Woche 14 gibt kurz Anlass, über die AFC South nachzudenken. Die Division ist so künstlich wie ihre Mitglieder: Dank der Neugründung der Houston Texans musste zur Saison 2002 die AFC South gegründet werden. Mit dabei ein Quartett aus wenig traditionellen Mannschaften: Die Indianapolis Colts, die einst aus Baltimore geflüchtet waren, die Tennessee Titans, die als Houston Oilers jahrzehntelange Verlierertradition vorweisen konnten, und dann noch zwei Teams frisch aus der Retorte: Die Jacksonville Jaguars und eben die Texans.

So wenig Old-School-Flair in dieser Staffel steckt, so potent waren ihre Vertreter seit ihrer Gründer. Oder besser: Zwei ihrer Vertreter. Wir schreiben die neunte Saison und noch immer haben keine anderen Mannschaften als Indianapolis und Tennessee den Titel geholt. Houston fehlt gar immer noch ein Playoff-Einzug, während die Jaguars wenigstens zweimal als starkes Wild-Card-Team in die Post Season gegangen sind.

Die beiden Top-Teams des Jahrzehnts treffen nun aufeinander: Indianapolis vs. Tennessee. Und je nach Spielausgang könnte der Grundstein dafür gelegt werden, dass wir eine Premiere erleben: Kein Divisionssieger Colts oder Titans.

Aktueller Stand:

#1 Jacksonville 7-5
#2 Indianapolis 6-6
#3 Houston 5-7
#4 Tennessee 5-7

In Betracht ziehend, dass keine Mannschaft eine Wild Card ziehen wird, braucht es den Gruppensieg für die Playoff-Qualifikation.

Der Fluch der verlorenen Superbowl?

Die Colts waren 2009 keine überragende Mannschaft. Sie war trotzdem nah dran an einer Perfect Season und am Titelgewinn. Grund dafür: Ein sensationell gut spielender QB Peyton Manning, eine halbwegs ordentlich spielende Defense und die Qualität, die engen Spiele zu gewinnen.

Die Bilanz nach dreiviertel Regular Season 2010 ist ernüchternd: 6-6. Rein optisch ist Indy immer noch eine reine Pass-Offense und unfähig, den Lauf zu stoppen. Was noch dazukommt, ist eine offene Secondary. Vor allem ist man aber nicht mehr in der Lage, Spiele wie jüngst gegen die Patriots oder die Cowboys zu biegen. 2009 wäre das gelungen.

Den meisten Hohn steckt derzeit Peyton Manning ein. Schon allein die Vergleiche mit Bruder Eli dürften für #18 Schande genug sein.

Dabei wird aber gern übersehen, dass Manning hinter ein furchtbaren Offensive Line spielen muss. Was derzeit über die Mitte an Druck zum QB durchkommt, das geht auf keine Kuhhaut mehr. Vor allem Center Jeff Saturday, mittlerweile auch schon 35, hat seine besten Tage hinter sich.

Zweites Problem: Die Verletzungen. Mittlerweile sind die WRs Wayne und Garcon wieder zurück. Aber dahinter wird es schon eng: Die Optionen danach hören auf die Namen White, James und Tamme. Liebe Leser, Sie brauchen sich nicht zu schämen, wenn sie nichts von denen gehört haben. Vermutlich wusste Manning selbst bis vor kurzem noch nichts von den Jungs.

In der Defense rächt sich immer mehr, dass jahrelang Backup-RBs und WRs gedraftet wurden, anstatt die größte Schwachstelle zu beseitigen: Defensive Tackles. Nach dem Ausfall von SS Bob Sanders und einigen Abgängen in der Front Seven ist die Laufdefense mittlerweile wieder fürchterlich. In der Secondary spielen Leute wie Powers und Lacey. Unter diesen Umständen spielt die Defense noch halbwegs annehmbar.

Probleme solcher Art hatten die Colts schon des Öfteren. Manning konnte das bisher stets ausgleichen. Würfe wie gegen die Cowboys mitten in die Doppeldeckungen hinein habe ich von Manning aber noch selten gesehen. Insofern ist die aktuelle Niederlagenserie auch an Manning selbst festzumachen.

Der Anführer, den es nicht gibt

Die Colts müssen nach Nashville, Tennessee. Sie sind dort trotz aller Verletzungen, Interceptions und Pleiten klarer Favorit. Denn die Titans sind mal wieder im Chaos. Spätestens seit der Demission von QB Vince Young ist die Saison für den Gully.

Dabei ist es wurst, ob Coach Jeff Fisher QB Kerry Collins oder den völlig unerfahrenen QB Rusty Smith aufstellt. Im Übrigen ist bei Smith der Vorname Programm. So wenig, wie der Mann mit dem Rest der Offense eingespielt ist. Die Titans haben also kein Pass-Spiel, trotz Receivers wie Kenny Britt (ist nicht ganz fit) oder Randy Moss.

Kollateralschaden für das Laufspiel: Die Defenses konzentrieren sich massiv auf RB Chris Johnson, dessen Zahlen mehr und mehr in den Keller wandern. 59yds in San Diego, 5 (!) in Houston, 53 gegen Jacksonville. Das alles führt dazu, dass Tennessee seit Wochen kaum mehr Punkte erzielt: Seit Anfang November in vier Spielen nur deren 39.

Zu allem Überfluss fuchtelt in Nashville auch noch der Owner dazwischen. Bud Adams sieht in Vince Young immer noch den Mann, um den herum man das Team aufbauen sollte. Es wird gerüchtelt, dass Adams für Young sogar den Bruch mit Head Coach Jeff Fisher riskieren möchte. Trotz Young wiederholt demonstrierter Unreife.

Sollte man 2010 abschenken – und ich sehe nicht, wie die Saison zu retten ist – gibt es wohl trotzdem nur eins: Young entlassen, Fisher halten und einen Quarterback einkaufen. Leute wie Kevin Kolb, Matt Leinart oder sogar Carson Palmer dürften frei sein.

Bei Leinart kommt die Komponente dazu, dass der Mann im Draft 2006 Fishers Favorit gegenüber Young gewesen ist. Damals setzte sich der Owner durch. Vielleicht kauft Fisher einen Leinart ein.

Auf dem Spielfeld

Die Colts haben drei in Serie verloren, die Titans deren fünf. Die Colts sind Zweite, die Titans Letzte in der Division. Trotzdem sind die beiden die einzigen mit positivem Punkteverhältnis in der Division. Beiden nutzt in der sehr knappen, aber nur wenig hochklassigen AFC South nur ein Sieg.

Ich tippe auf Indianapolis. Die Colts haben im Übrigen einen sehr machbare Rest-Schedule (2x TEN, OAK, @JAX), sodass ich die Colts noch immer nicht für die Playoffs abgeschrieben habe.