Preview AFC Championship Game: Ravens@Patriots

Wie gestern auch: Fokus auf drei match ups von mir. Morgen dann das big picture von korsakoff zum AFC Championship Game zwischen den New England Patriots und den Baltimore Ravens.

Pats No-Huddle-O vs Ravens Veteranen

Ray Lewis, Ed Reed, Terrell Suggs und Haloti Ngata haben zusammen schon 56 Playoff-Spiele auf dem Buckel. Diese vier leadersbtw: gibt es eine andere Defense auf dieser Welt, die vier Anführer dieser Kategorie hat? – haben alles schon gesehen. Ja, sie sind alt und angeschlagen und keiner der Vier hat mehr (oder auch: noch nicht wieder) das Niveau, das sie auf den Höhepunkten ihrer Karriere hatten. Schonmal gar nicht athletisch.

Aber das genickbrechende Element der warp speed Patriots-Offense ist nicht die Geschwindigkeit an sich, sondern die Geschwindigkeit im Kopf. Das war letzte Woche gegen Houston sehr schön zu beobachten. Kein Linienspieler der Patrios war schneller als J.J. Watt; ein TE Hoomanawanui ist eine Schildkröte gegen die Texans-LBs; ein Solder, Vollmer oder Mankins sind nicht schneller als Connor Barwin oder Whitney Mercilus.

Nur: während Houstons Defense noch Hühnerhaufen gespielt und wild rumgegackert hat, wer denn jetzt was machen sollen, kam der Snap und bevor Houston wußte, was gerade passiert, war alles auch schon wieder vorbei. Besonders eklatant war das in der redzone. Dreimal ist ein Patriot untouched in die Endzone gelaufen. Brady hat es geschafft, jedesmal, wenn die Patriots die redzone erreicht haben, noch schneller den Spielzug anzusagen und den Snap zu bekommen. Houstons D war einfach zu jung und unerfahren.

Den Ravens mit so viel Erfahrung sollte das zumindest nicht so oft passieren, sie können durch ihre Erfahrung und Abgewichstheit auch bei chaotischer Lichtgeschwindigkeit kühlen Kopf bewahren und bei schnellen Snaps eine funktionierende Defense spielen. Ganz verhindern kann man einzelne breakdowns gegen Tom Bradys no-huddle nicht. Aber sie sollten es zumindest schaffen, sich nicht überfahren zu lassen wie die Texans letzte Woche.

Boldin/Smith vs Talib/Dennard

Für die meisten Mannschaften ist Torrey Smith der Nr.1 WR der Ravens. So war es auch letzte Woche als Champ Bailey ihn das gesamte Spiel über in Manndeckung hatte. Bei den Patriots verteidigt für gewöhnlich Aquib Talib die Nr.1 Das sollte auch kein allzu großes Problem sein. Smith wird auch gegen Talib seine Bälle fangen, aber es ist ein Duell auf Augenhöhe. Das würde aber bedeuten, daß sich Alfonzo Dennard um Anquan Boldin kümmern müßte. Das ist kein fürchterlich krasses mismatch, aber immerhin ist Dennard 10cm kleiner und 10kg leichter als Boldin. Boldin kann seinen kräftigen Körper auch geschickt einsetzen und mit seinen starken Händen auch schwierigste Bälle fangen.

Kann. Macht er aber nicht immer. Ich glaube, daß Boldin der x factor in diesem Spiel sein wird. Vielleicht werden die Pats auch den ebenso großen Talib gegen ihn stellen. Wie auch immer: wenn New England Smith wie den Nr.1 wideout verteidigt, muß Boldin in schwierigen Situationen für seinen QB da sein.

Patriots pass rush vs Ravens O-Line

Wer auch immer da wen verteidigen wird, wenn New Englands pass rush keinen großen Schritt nach vorne macht wird das ein ganz langer Abend für die secondary der Patriots. DE Chandler Jones, der nach seinen ersten zwei Monaten in der NFL aussah wie der sicher DROY, ist seit zwei Monaten mehr oder weniger verletzt und kann nur mit 80% spielen. Um das noch schlimmer zu machen, hat er sich letzte Woche wieder am Knöchel verletzt und wird – wenn überhaupt – morgen keine tragende Rolle spielen können. Rob Ninkovich ist als pass rusher nur Mittelmaß und die Offensive Tackles der Ravens, Bryant McKinnie und Michael Oher sahen letzte Woche ganz gut aus – gegen Elvis Dumervil und Von Miller. (Wobei ich korsakoff zustimmen würde bei der Behauptung, daß gerade Oher mit einigen ungeahndetetn holdings davongekommen ist.)

Wie letztes Jahr mit Sterling Moore könnte auch dieses Jahr ein undrafted rookie auf der defensiven Seite den Unterschied machen. DE Justin Francis hat sich in den letzten Wochen immer mehr Spielzeit erarbeitet und dabei teilweise ordentlich Radau gemacht. Ein anderes Mittel wären blitzes der Linebackers. Seit HC Bill Belichick und DC Matt Patricia Talib in ihren Reihen wissen, lassen sie viel mehr man coverage spielen und auch deutlich häufiger blitzen. Alle drei LBs der Patriots, Brandon Spikes, Dont´a Hightower und Jerod Mayo sind sehr gute blitzer. Spikes und Hightower vor allem, weil sie immer auf hundertachtzig laufen; Mayo eher, weil er ein sehr gutes timing hat. So oder so: New England muß Joe Flacco einige blaue Flecken verpassen. Ohne Druck spielt Flacco erstklassig. Unter Druck aber gibt es einen Leistungsabfall, den es in dieser Größenordnung bei kaum einem anderen Top-QB gibt.

Bonus: Bernard Pollard vs New Englands Gesundheit

Bernard Pollard hat eine ganz besondere Verbindung zu den Patriots. Er war der tieffliegende Safety, der anno 2008 als Kansas City Chief Tom Bradys Kreuzbandriß herbeigeführt hat. Er war 2010 als Houston Texan verantwortlich für Wes Welkers Kreuzbandriß. Und er war es auch, der letztes Jahr im AFC Championship Game Rob Gronkowski Knöchel zerstört hat, der diesem dann im Super Bowl so große Probleme bereitet hat. Wen wird er dieses Mal verletzen?

Preview Divisional Playoffs – Texans@Patriots

[Sonntag, 22.30Uhr auf ESPN America, Sport1+ und Puls4; kommentiert (über CBS) von Jim Nantz und Phil Simms.]

Statt einer ausführlichen Vorschau, die kommt am Wochenende noch von korsakoff, konzentriere ich mich hier auf drei match-ups, die am Sonntag entscheidend werden könnten.

Patriots LBs vs Texans TEs

Cincinnatis Defense hat letzte Woche gegen Houston größtenteils sehr gut ausgesehen. Vor allem die Defensive Line und die Secondary haben den Texanern das Leben sehr schwer gemacht. Houstons Rettungsanker waren die fürchterlichen Linebackers. Ray Maualuga sah zeitweise aus wie Weiterlesen

Verträge: Mathis, Sanchez, Biermann, Jackson, Foster, Johnson u.a.

Neben den Franchise Tags haben einige Teams bereits neue Verträge mit ihren eigenen Free Agents abgeschlossen oder bestehende Verträge vorzeitig verlängert. Um schon mal ein “Gefühl für den Markt” zu bekommen, wenn es ab morgen in Sachen Free Agency richtig rund geht, hier die wichtigsten.

[Spielerverträge in der NFL sind eine komplizierte Sache. Hier nur so viel: die unwichtigste Zahl ist das Gesamtvolumen (“Michael Vick hat einen $100-Millionen-Vertrag bekommen?!?” – hat er natürlich nicht); die wichtigen Zahlen sind Signing Bonus, garantierte Summe und Geld, das dem Spieler in den ersten drei Jahren ausbezahlt wird.]

LB D´Qwell Jackson (Cleveland Browns, 28 Jahre) hat um fünf Jahre verlängert, was ihm bis zu $42,5 Millionen einbringen kann. Er kassiert einen Signing Bonus in Höhe von $7 Millionen; insgesamt sind $19 Millionen garantiert, in den ersten beiden Jahren werden ihm insgesamt fast $17 Millionen ausgezahlt.

LB Ahmad Brooks (49ers, 27) hat einen ziemlich komplizierten Vertrag mit vielen “Escalators” bekommen. Grob gesagt, geht es um sechs Jahre und $44,5 Millionen. Wirklich garantiert sind aber nur der $7,5-Millionen-Signing-Bonus und seine Gehalt für die Saison 2012, $750 000. Für sein Gehalt 2013 und 2014 – $4,3 bzw. $4,95 Millionen – hat er eine “injury guarantee”; heißt andersrum, wenn den `Niners sein Gesicht oder seine Leistung nicht mehr paßt, kann er einfach gecuttet werden. Ist er in dem jeweiligen Jahr allerdings zum Stichtag 1. April im Kader, ist das Gehalt garantiert. Neben den Escalators gibt es auch noch “De-Escalators”: er kann bis zu $2,5 Millionen “verlieren”, sollte seine Leistung gemessen in Sacks nicht eine bestimmte Schwelle erreichen. Dazu kommen noch “per-game active roster bonuses” – das ganze Durcheinander hier.

LB Jerod Mayo (Patriots, 26) hat bereits im Dezember seinen Rookie-Vertrag vorzeitig verlängert: um fünf Jahre für $48,5 Millionen. Davon hat er sofort $6 Millionen Signing Bonus bekommen, dazu kommen $12 Millionen Option Bonus für 2012. Daneben sind für die Jahre bis 2015 nur $10,25 Millionen “injury guaranteed”. Ab 2013 kann er jährlich noch $500 000 Roster Bonus sowie $250 000 Workout Bonus einstreichen. (Salaries: 2012 0,75M; 2013: 1,25M; 2014: 3,25M; 2015: 6,25M; 2016 7,25M; 2017: 8,75M.)

DE Robert Mathis (Colts, 31) hat einen 4-Jahres-Vertrag unterschrieben, der stark “front-loaded” ist. Insgesamt geht es um $36 Millionen. $24 Millionen werden in den ersten beiden Jahren ausgezahlt, davon $15 Millionen als Signing Bonus.

DE Kroy Biermann (Falcons, 26) wurde mal als der nächste große Pass Rusher gefeiert. Daraus ist dann aber doch nichts geworden. Weil aber mit John Abraham der beste Pass Rusher der Falcons FA ist und der andere DE, Ray Edwards, bis jetzt auch noch nicht seinen dicken Vertrag aus dem letzten Jahr gerechtfertigt hat, braucht man Biermann bis auf Weiteres. 3 Jahre für $9,2 Millionen – davon $3,1 Millionen als Signing Bonus.

WR Steve Johnson (Bills, 25), der beste Freund seines QBs Ryan Fitzpatrick, hat einen neuen 5-Jahres-Vertrag bekommen, welcher ihm bis zu $36,25 Millionen bringen könnte. Als Signing Bonus bekommt er $8,5 Millionen sofort; insgesamt sind $19 Millionen garantiert. In der letzten Saison fing Johnson 76 Pässe für 1004 Yards und 7 Touchdowns.

RB Arian Foster (Texans, 25), war Restricted Free Agent und hat einen 5-Jahres-Vertrag über $43,5 Millionen abgeschlossen. Davon sind aber nur der $12,5-Millionen-Signing-Bonus und das Gehalt für 2012 in Höhe von $5 Millionen garantiert. Nimmt man das Gehalt für 2013 – $5,25 Millionen (+$500 000 Roster Bonus anteilig der absolvierten Spiele) – dazu, bekommen die Texans für einen 3-Jahres-Durchschnitt von weniger als $8 Millionen einen Top-RB und können ihn dann problemlos im Alter von 28 cutten. So etwas wollten sich wohl Matt Forte und Ray Rice nicht aufdrücken lassen, müssen aber jetzt mit dem Franchise Tag leben.

CB Rashean Mathis (Jaguars, 31) hat einen 1-Jahres-Vertrag mit einem Volumen bis zu $5 Millionen. Einer der besseren Cornerbacks der Liga, ist seine Gesundheit ein großes Fragezeichen. Die letzten sieben Spiele der vergangenen Saison verpaßte er mit Torn ACL. Mathis muß einige Bedingungen erfüllen, um das gesamte Geld zu bekommen (vor allem mißt es sich wohl gespielten Snaps und absolvierten Spielen).

Und natürlich noch QB Mark Sanchez (Jets, 25). Er hat weniger eine Vertragsverlängerung bekommen, als seinen bestehenden Vertrag „restrukturiert“. Er bekommt in den nächsten beiden Jahren statt $17,75 Millionen nun $20,5 Millionen. $8 Millionen der $11,75M, die er diese Saison bekommen sollte, wurden in einen Signing Bonus umgewandelt, so daß die Jets $6,4 Millionen „cap money“ sparen und dieses Geld anderweitig ausgeben können. Für die drei Jahre 2014, 2015 und 2016 könnte Sanchez jede Menge Geld verdienen – $38 Millionen plus $10 Millionen durch Escalators, die an Super-Bowl-Teilnahmen bzw. -Siege gekoppelt sind. Könnte. Genauso gut können die Jets ihn jederzeit cutten. Es scheint für beide Seiten ein guter Deal zu sein: Sanchez bekommt neben $2,75 Extra-Millionen eine neue zweijährige Chance mit einem neuen Offensive Coordinator garantiert; die Jets haben einige Millionen mehr unter dem Cap und können ihn nach den nächsten zwei Spielzeiten problemlos loswerden.

2011/12 Championship Games – 49ers, Giants, Patriots, Ravens

San Francisco lebte von den Special Teams – und sie starben mit den Special Teams. Auch wenn die Punt- und Field-Goal-Units gerne unterschätzt werden, letztlich machen sie doch nur ein Drittel einer Footballmannschaft aus. Mit so einer lächerlichen Offense, die nur einen von dreizehn Third Downs verwandeln kann und abgesehen von zwei Dummheiten der Giants-Safeties im Wert von 112 Yards und zwei Touchdowns gar nichts auf die Reihe bekommt, hat man es bei aller Liebe auch nicht verdient, im letzten Spiel des Jahres noch mit dabei zu sein.

Die Defense dagegen, vor allem die Smiths Justin und Aldon, DE Ray McDonald und LB Patrick Willis haben am Sonntag in einer anderen Liga gespielt und Eli Manning derart vermöbelt, daß die beiden Offensive Tackles David Diehl und Karrem McKenzie spätestens ab jetzt Mannings Krankenversicherungsbeiträge zahlen sollten. Nichtsdestotrotz hat Eli nicht nur sechs Sacks und mehr als 20 weitere Hits eingesteckt, sondern auch 316 Yards ausgeteilt. Glücklicherweise spielt er im Super Bowl gegen die Defense der Patriots, den härtesten Job hat er jetzt hinter sich. Die Pats-D hat sich zwar in den letzten Wochen gesteigert, aber die Herren Arrington, Moore, Molden, McCourty und Edelman werden mit dem WR-Trio Manningham/Nicks/Cruuuuuuuuuz schwer zu schaffen haben.

Dafür war die Front Seven wie schon gegen Denver in den Divisionals on fire. Vince Wilfork hat das Spiel seines Lebens gemacht und auch die anderen drei D-Liner Kyle Love, Brandon Deaderick und Gerrard Warren haben so gespielt, wie es eigentlich Albert Haynesworth und der ehemalige 2nd-rd Pick Ron Brace hätten tun sollen. Jerod Mayo und Brandon Spikes entwickeln sich langsam, aber sicher zu einem der besten ILB-Duos der Liga, das scheint auch der Grund für 3-4-Renaissance zu sein.

Joe Flacco hat gegen die Verteidigung, die sich auf Ray Rice konzentriert hat, ganz anständig gespielt. Man kann ja sagen, das waren nur die Patriots und er hat einige offene Leute überworfen, aber in einem Championship Game mit dem ganzen Druck, der auf ihm lastete, Tom Brady in den Schatten zu stellen, verdient Respekt. Und wenn Lee Evans den letzten Ball in der Endzone festhält, ist er der große Gamewinner und niemand würde ihm mehr Winner- und Leaderqualitäten absprechen. Übrigens hatten wie im letzten Jahr die in der Offseason als Verstärkung geholten WR die spielentscheidenen Bälle in der Hand – und ließen sie fallen.

Offensive Coordinator Cam Cameron hat mal wieder mit konservativem Playcalling geglänzt, was keine Überraschung war. Die Patriots dagegen haben mit ihrem Playcalling überrascht – negativ. Das erste Mal seit 364 Jahren haben sie einen 4th-and-1 in der gegnerischen Redzone nicht ausgespielt. Und haben Tom Brady am Ende der ersten Halbzeit keine Chance gegeben, mit einer Minuten auf der Uhr und zwei Auszeiten in der Tasche wenigstens noch in FG-Range zu kommen. Nicht mal mehr Bill Belichick und OC Bill O`Brien scheinen noch besonders viel Vertrauen in ihren Posterboy zu haben. Brady hat teilweise eine Cam-Newton´sche Accuracy an den Tag gelegt und hanebüchene Entscheidungen getroffen, für die sich sogar Brett Favre geschämt hätte. Tiefer Ball zu Matt Slater, der drei Defensive Backs bis zur Endzone mitgenommen hat, im vierten Viertel – ernsthaft? Hoffentlich kommt am Ende der Saison raus, daß Brady seit Oktober mit ausgekugelter Schulter spielt oder seine Wurfhand gegen eine Prothese ausgetauscht wurde. Falls nicht, muß man sich ernsthaft Sorgen um seine Zukunft machen.

New England Patriots in der Sezierstunde

Die Patriots – eines meiner Lieblingsthemen: Eine spannende Mannschaft mit spannendem Coach und einer interessanten, nicht begeisternden, Spielweise. 2010/11 hat ESPN America sagenhafte 12 Spiele in der Regular Season mit den Patriots LIVE übertragen. Das sind 75% der Regular Season. Das liegt zum einen daran, dass die Patriots stets ein Titelanwärter sind. Und zum anderen, dass die Patriots in dieser Saison einen sehr attraktiven, wie auch richtig schwierigen Spielplan bestehen mussten.

Rückwirkend betrachtet liest sich meine im September aufgestellte Prognose gar nicht so übel:

Es sieht irgendwie so aus, als würde Belichick hier eine junge Defense heranzüchten, die in ein bis zwei Jahren wieder Topniveau erreichen kann. Bis dahin muss die Pass-Offense um QB Tom Brady die Gegner outscoren.

Etwas weiter unten, Kommentar #11, schrieb ich:

Für mich sieht es damit danach aus, als würde Belichick auf 2011 oder 2012 spekulieren, um dann mit einer gereiften, dominanten Defense und einem QB Brady sein letztes Halali blasend noch ein- bis zweimal einen Angriff auf den Titel starten und sich dann in Rente begeben.

Wobei ich auch für diese Saison an eine gefährliche Patriots-Mannschaft erwarte. Ich weigere mich, Brady/Belichik aus dem Titelrennen auszuklammern, trotz Baltimore.

QB Tom Brady, Patriots

Tom Brady - ©Wikipedia

Zu dem Zeitpunkt konnte man das Fiasko Moss nur vage vorausahnen. Umso beeindruckender, wie die Patriots nach der Umstellung der Offense funktionierten: Ein paar abgewichste Spiele (Baltimore, San Diego), die mit Glück, Geschick und dreißig Kilo Eiern in der Hose gewonnen wurden, und dann eine zweite Saisonhälfte vom Allerfeinsten. Wie die Patriots gegen Pittsburgh aufs Spielfeld marschierten und ohne Rücksicht auf ihr Laufspiel mit einer Orgie an Kurzpässen zack-zack-zack die beste Defense der NFL zertrümmerten, das war methodischer Offensiv-Football in seiner reinsten Form.

Basis von allem: Eine herausragende Offensive Line, die trotz des zickigen OG Logan Mankins blockte Gegenspieler wie sonst nur die Republikaner Reformen, und QB Tom Brady alle Zeit der Welt gab. Brady konnte sich in Ruhe einen seiner 527 Passempfänger ausgucken – und fand fast immer sein Ziel. Bradys absolute Zahlen sind irre: 3900yds (okay), 36 TDs (sehr, sehr stark), 4 INTs (Bitte neuen Superlativ erfinden).

Im Schlepptau des Pass-Spiels und der O-Line funktionierte auch das Laufspiel, trotz völlig unbekannter Spieler wie Green-Ellis oder Woodhead. Überhaupt Woodhead: Der Mann kann exemplarisch für das System „Bill Belichick“ hingestellt werden. Ein Mann aus dem Gar Nichts, von der Straße aufgeklaubt und so perfekt in ein System eingebaut, dass gegnerische Defenses den flinken Woodhead, den einst keiner wollte, eigens abdecken mussten. Oder halt die Nadelstiche zu spüren bekamen. Wie New England in den letzten Wochen der Regular Season die Wunden der gegnerischen Defenses offenlegte, das hatte was.

Das DVOA für die Patriots-Offense 2010/11 in der Regular Season: 46,1%, ein Wert ohne Worte, besser noch als derjenige der 2007er Patriots, und der beste ever (ich habe nur die letzten 15 Jahre eingespeist) laut Datenbank. Immerhin wurden Defenses wie Pittsburgh, Jets, Chicago, Green Bay oder Minnesota in Grund und Boden gespielt.

Was ist also schief gelaufen?

As expected: Die Defense. Man kann mit dem Einen argumentieren:

…aber sie haben doch Turnovers gemacht!

Leser von Sideline Reporter wissen: Turnovers sind wichtig. Aber ich würde bei meiner Defense nicht darauf vertrauen, dass sie drei Dutzend Turnovers (oder mehr) produziert. New England machte eines: Sie holten sich starke 25 INTs und schnappten 13 Fumbles. Top-Werte. Aber wenn deine Defense #11 gegen den Lauf ist und gar nur #30 gegen den Pass, dann reicht eben einmal ein Tag, an dem kein Turnover produziert wird, für eine überraschende Niederlage.

Gepaart mit einer etwas überrumpelten Offense nicht in Bestverfassung bedeutet das in der ultraengen AFC schon mal das schnelle Aus. So geschehen gegen die New York Jets. Kein Turnover gegen einen opportunistischen Gegner gemacht. Und raus.

Wo den Hebel ansetzen?

Beginnend mit der Offense, gibt es durchaus Fragezeichen. Die Basis der Patriots wackelt – die Offensive Line. LT Matt Light wird ein Top-Jahr nachgesagt. Light ist vertragslos. OG Mankins gilt als einer der Allerbesten. Mankins spielt seit Jahren unterbezahlt und möchte nun finanziell aussorgen, sprich: Einen Topvertrag. In New England oder sonst wo. Jetzt hat man ihm das Preisschild (Franchise Tag) aufgesetzt. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen…

Womöglich gibt New England Light seinen Vertrag und lässt Mankins ziehen. Oder umgekehrt. Schwer vorstellbar mit New Englands Geschichte im Hinterkopf, dass wirklich beide zu adäquatem Saldo gehalten werden können. Oder wollen.

Auf der RB-Position sind 4 Männer ohne Vertrag: Green-Ellis wird sicherlich bleiben, aber dann? Fred Taylor? Sammy Morris? Kevin Faulk könnte als Publikumsliebling zurücktreten, und weiterhin in der Organisation mitarbeiten. Im Prinzip halte ich es auch nicht für ausgeschlossen, dass sich Belichick mit einem seiner fünftausend Draftpicks einen Running Back einkauft (Carolina zum Beispiel weiß nicht, was sie mit Williams und Stewart anfangen sollen).

Jerod Mayo

Jerod Mayo - ©Flickr

Die Defense sitzt auf dem kürzeren Hebel. Hier braucht es Verstärkungen. Die Defense Line ist gut, aber seit Seymours Abgang nicht Spitze. Die Linebacker sind dafür sehr junge und haben mit ILB Jerod Mayo den neuen Anführer gefunden, mit Cunningham und Spikes zwei junge Talente. Aber der dominante Pass Rusher, den New England so dringend braucht, der fehlt.

Die Secondary könnte IMHO einen oder zwei Topmänner brauchen. CB McCourty scheint höheren Ansprüchen irgendwann genügen zu können (7 INTs, aber auch recht oft böse verbraten worden), aber dahinter wird es schnell eng und CB Butler wird so schnell keine Starts mehr machen. Offenses mit mehreren Wide Receivers haben Feiertage gegen die Patriots veranstaltet (um dann mit Kater, sprich INT, aufzuwachen, aber das ist wie gehört ein anderes Thema).

Die Lösungsansätze

Jeder NFL-Interessierte wird das Kommende schon x-mal gehört haben: Bill Belichick hat sechs Draftpicks in den ersten drei Runden, je zwei pro Runde und insgesamt die #17, #28, #33, #60, #74 und #92. Belichick hatte jahrelang mäßige Drafts, aber 2010 war ein Bombenjahr: CB McCourty, die LBs Cunningham und Spikes, die TEs Gronkowski und Hernandez und der sensationelle Punter Zoltan Mesko waren in dieser Saison Haupt-Protagonisten eines 14-2 Teams.

Wenn Belichick diesmal gut draftet, wird New England für die Zukunft happig, zumal Brady noch 3-4 Jahre spielen wird. Am Draft-Tag ist mal wieder alles möglich: Belichick, der nach oben tradet, um einen großen Namen zu holen. Oder nach unten tradet, um auch 2012 wieder 386 Picks zu haben. Sicher ist nur: Belichick wird nicht ruhen.

Die Prioritätenliste würde ich in etwa so verorten:

a) Pass Rusher (im Optimalfall ein hybrider Mann DE/OLB)
b) Cornerback (zumindest für die Tiefe des Kaders)
c) Offense Line (Guard oder Tackle)
d) Safety (Strong Safety)
e) Wide Receiver (falls zufällig vorhanden ein #1-Mann wie Moss)

Same procedure as every year: New Englands Kader schaut schon jetzt gefährlich wettbewerbsfähig aus. Belichick ist bekannt dafür, aus dem vorhandenen Material immer mehr zu machen als andere Coaches. Daher werde ich nicht von meiner allerersten Wettregel abweichen, die da lautet: Setze niemals gegen die New England Patriots.

Andere Teams in der Sezierstunde gibt es hier.