Dallas Cowboys in der Sezierstunde

Die Dallas Cowboys haben letzte Saison mit 10-6 Bilanz überraschend nicht nur die NFC East gewonnen, sondern sogar ein Playoffspiel gewonnen. Für 2019 ist an mehreren Stellen Regression zu erwarten.

Doch zur Regression kommen wir am Ende. Zuvor lass uns kurz die Rahmenbedingungen der beiden sichtbarsten Cowboys-Stars klären: QB Dak Prescott und RB Ezekiel Elliott. Beide kamen 2016 als Draftees zu den Cowboys. Beide gelten nun als Kandidaten für eine Vertragsverlängerung. Weiterlesen

NFL General Manager unter der Lupe – Teil 2

Heute Teil 2 des GM-Rankings in der NFL. Gestern habe ich schon einen Blick auf meine Favoriten geworfen. Heute folgt der zweite Teil.


Interessanten Einwand gegen meine Ranking-Kriterien gab es gestern von Christian Schimmel, der das Fehlen von Teamführung als wesentliches Kriterium in meiner Auflistung bemängelte:

Das Thema ist nicht unspannend. Niemand würde bestreiten, dass Führungsqualitäten zu den wesentlichen Eigenschaften eines Managers gehören sollten, doch gerade beim Blick auf die momentane NFL-Landschaft würde ich das Thema in meiner Prioritätenliste durchaus unterordnen und maximal als „Ausschlusskriterium“ in den Vorstellungsgesprächen anbringen – zum Beispiel für den Fall, dass es mit dem GM-Anwärter menschlich überhaupt nicht geht.

Gerade durch meine tägliche Arbeit in der Implementierung neuer Software-Prozesse würde ich niemals ernsthaft bestreiten, dass das Erklären, das Warum, zu den wesentlichsten Erfolgsfaktoren gehört. Haben die Leute erstmal verstanden, was ihnen das Neue bringt, ziehen sie mit. Auch z.B. mit mir, einem Jungen, gewiss nicht der geborenen Führungsfigur.

Doch das Erklären allein reicht nicht aus. Gerade in NFL-Front Offices scheinen die progressiven Leute aktuell noch so rar gesät, dass ich meine gestern genannten Eigenschaften zwingend über alle anderen stellen würde.

Ein fantastischer Leadertyp, der in Establish the Run-Dimensionen denkt, ist das größere Risiko in der Anstellung als der schrullige Nerd mit hoher Pass-Affinität aus dem Hinterzimmer ohne große Führungserfahrung.

Ersterer wird mich nicht mehr weiterbringen, weil sich die NFL gerade in den nächsten 5-10 Jahren mit rasender Geschwindigkeit in eine andere Richtung entwickeln wird als es die alte Garde noch heute propagiert. Letzterer mag erst lernen müssen, wie man einen Laden zusammenhält. Doch seine Methoden werden mit viel höherer Wahrscheinlichkeit fruchten – und wenn sie erst einmal fruchten, kommt aller Rest von allein. „Führungskompetenz“ resultiert auch aus Fachkompetenz. Und die besteht in der NFL 2019 aus Pass First, Offense über Defense und ehrlicher (nicht blinder) Offenheit gegenüber Analytics.

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NFL Kaufe-und-verkaufe-Spiel in der Analyse

Im Gegensatz zu den anderen großen US-Sportligen wie der NHL, NBA oder MLB war die NFL historisch gesehen nie eine Liga der großen Trades. Es gab einige Ausnahmen, die Trading-Deadline zur Saisonmitte hatte nie die Bedeutung wie in den anderen Ligen.

Doch im neuen CBA gibt es die Möglichkeit, auch in der NFL Salary-Dumping zu betreiben und in den letzten Jahren hat sich der Trend verstärkt, dass Teams im Ansatz Tanking betreiben um sich für den nächsten NFL-Draft und somit die mittelfristige Zukunft bestmöglich aufzustellen.

Trading-Deadline der laufenden Saison ist erst nächste Woche, aber es gab schon in dieser Woche die ersten auffälligen Trades. Lass sie uns mal en detail anschauen. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – Dallas Cowboys

NFL preview fun edition! Die Dallas Cowboys – eine Mannschaft wie ein Vergnügungspark: das spaßige Kettenkarussel steht direkt neben der Geisterbahn – und beides steht im Schatten der großen Achterbahn. Zum dritten Mal in Folge beendeten die Cowboys die regular season mit einer Bilanz von 8-8 und verpaßten die Playoffs. Die Mannschaft war geprägt vom krassen Auseinanderklaffen der beiden Mannschaftsteile: Angriff – bockstark; Verteidigung – Bockmist. Alles deutet darauf hin, daß es 2014 noch extremer wird. Alles weitere nach dem Klick. Weiterlesen

Dallas Cowboys in der Sezierstunde

Überblick 2013

Record         8-8	
Enge Spiele    5-5	
Pythagorean    8.2    15
Power Ranking  0.449  20
Pass-Offense   6.4    13
Pass-Defense   7.0    30
Turnovers      +8

Management

Salary Cap 2014.

Zum Start der Sezierstunden 2014 dürfen die Dallas Cowboys herhalten, eine Franchise, die wie keine andere seit mehreren Jahren dafür steht, wie man es in der Zeit von Salary Cap und Free-Agency in der NFL nicht machen sollte: Extrem teure Vertragsverlängerungen für gute, aber nicht superbe Spieler, kopflastige Kaderstruktur ohne Kadertiefe und Draften von klingenden Namen für mäßig wichtige Positionen.

Weil in Dallas aber der Owner Jerry Jones als General-Manager fungiert, und ein Jerry Jones wie ein Plüschtier vergöttert wird, weil er seine Franchise so sehr liebt, dass er selbst die letzten Sessel im eigenen Prunktempel in Arlington wohl noch eigenhändig ein- und herausschraubt, traut sich niemand, diese Praktiken zu hinterfragen. Sollten sie aber, denn die Jones’sche Management-Philosophie ist getrieben davon, sympathische Franchise-Spieler um jeden Preis zu erhalten, sie nach ihren besten Jahren mit schweren Verträgen auszustatten und darüber hinweg zu sehen, dass zu einem Footballkader mehr als acht Superstars gehören.

Resultat: Die Cowboys sind noch immer viele Millionen über der Salary-Cap obwohl diese Salary-Cap überraschend hoch ausfällt, und sie müssen bis zum 11. März noch etliche Stellschrauben drehen um überhaupt regelkonform auf den Transfermarkt gehen zu können. „Stellschrauben drehen“ bedeutet in der NFL häufig das eine: Die teuersten Verträge des Jahres werden abgespeckt, in dem man das Grundgehalt in ein Handgeld umwandelt; Spieler X erhält die Kohle als Fixgehalt, das daraufhin auf die nächsten Jahre aufgeteilt abgeschrieben werden kann. Das ist NFL-Buchhaltung par excellence mit einem Schönheitsfehler: Du verschiebst deine Probleme auf morgen. Sie werden kommen, garantiert. In Dallas spätestens im Frühjahr 2016. Dann wird dieser Laden mit dieser Gehaltsstruktur auseinander fliegen.

Dass Jones es nicht mehr lernen wird, dafür steht die jüngste millionenschwere Vertragsverlängerung von Kicker Dan Bailey, der in den nächsten sieben Jahren (oder so) rund 3 Mio/Jahr (oder so) kassieren wird – ein No Go im NFL-Kadermanagement, aber eine unüberraschende Praktik in Dallas.

Angesichts solcher Probleme ist es fast „gut“, dass die Dallas Cowboys an Headcoach Jason Garrett festhalten, anstatt einen weiteren neuen, hoffnungsvollen jungen Coach zu verbrennen. Garrett ist kein guter in-Game Coach (Achtung Untertreibung), und er steht einem Trainerstab voller Methusalems (de facto DefCoord Monte Kiffin) und anderswo gescheiterter Existenzen (de facto OffCoord Linehan, OffCoord-Assistent Callahan) vor. Die größte Neuerung für 2014: Callahan wird das PlayCalling entzogen. Linehan wird es künftig machen – jener Linehan, der in Detroit nicht wirklich durch Spielplanung aufgefallen war, die den IQ des Durchschnittszuschauers überstrapazierte.

Das sind die Dallas Cowboys geworden: Ein liebenswerter Laden, ein Paradies für Spieler ohne sportliche, dafür mit finanziellen Ambitionen, und immer interessant zu verfolgen, da erstens das nächste Romo-Bashing nie weit ist und zweitens das festgefahrene Mittelmaß für einen Haufen an engen Spielen steht. 2013/14 waren es mal wieder deren zehn Partien, die innerhalb eines Scores endeten. So geht es seit Jahren: Die Leistungsträger in Dallas sind zu gut für einen Absturz ins Nichts, aber der Kader ist zu dünn um aus dem immergleichen Schema F der 8-8 Saison auszubrechen.

Sinnbildlich dafür steht die moderne Ausgabe der „Triplets“ in Dallas: QB Tony Romo (6.3 NY/A), RB DeMarco Murray (47% Success-Rate, 5.2 Y/A) und WR Dez Bryant. Sie alle drei gehören zur ersten oder zweiten Garde der hochklassigen NFL-Spieler. Sie alle sind nicht die allerbeständigsten, aber sie alle wären quasi im Alleingang in der Lage, ein durchschnittliches Team in die Playoffs zu hieven.

Wo es hakt, ist hinter diesem Trio: Die Offensive Line ist vor allem auf den Guard-Positionen bedenklich besetzt (LG Leary und RG Bernadeau würden in kaum einer Mannschaft Stammspieler sein), und alle Wide Receivers hinter Bryant sind entweder die klassischen Ergänzungsspieler oder wie Miles Austin vertragsbedingt kurz vor der fälligen Entlassung. Auf Tight End besitzt man hinter dem immer noch sehr guten, kompletten Jason Witten immerhin den jungen Gavin Escobar, vor einem Jahr als Rookie-Prospect hoch gelobt, aber noch immer eine Unbekannte.

Der Nachbesserungsbedarf wäre im Angriff vor allem bei den Guards und in der Tiefe bei den Wide Receivers gegeben, aber dazu wird es vielleicht gar nie kommen, denn Dallas hat die viel eklektischeren Löcher in der Defense.

Jene Defense, die spielerisch ihren Zenit bald erreicht haben wird. Die in Kürze zwar den Hundertsten von DefCoord Monte Kiffin feiern wird, aber systemtechnisch eine in den 90ern stehen gebliebene Form der Cover-2 Defense zu spielen versucht. Die 2013 die erwarteten 7.0 NY/A aufgab und damit nur unwesentlich von der schlechtesten Pass-Defense der Liga entfernt war.

Die Probleme fangen in der Defensive Line an, wo mit dem überzeugenden DT Jason Hatcher der beste Mann auslaufenden Vertrag hat. Es ist alles andere als sicher, ob Hatcher überhaupt gehalten werden kann, denn die Cowboys müssen wie eingangs beschrieben erstmal überhaupt unter die Salary-Cap kommen. Noch mehr: Auch DE Demarcus Ware, seit vielen Jahren der große Ankermann der Defense, ist so teuer geworden, dass eine Entlassung viele der dringend notwendigen Millionen sparen würde. Der über 30jährige Ware wäre eigentlich ein Fall von „Cap-Casuality“, aber wie gern lässt ein Jerry Jones seinen größten Star gehen? Noch dazu, wenn du dann mit einer Defense Line aus Selvie, Hayden und Irvin antreten musst? Das wird die große Sollbruchstelle der Cowboys 2014, und hier sind Investitionen in Form von Draftpicks zu erwarten.

Dass die größte Baustelle der Cowboys nicht die Secondary sein würde, sagt einiges über den Personalzustand dieser Abwehr aus, denn die Secondary gilt als offenes Scheunentor. Ein CB Carr (50 Mio-Mann, natürlich!) gilt noch als brauchbar, aber vom hoch gehypten 2012er-Rookie Morris Claiborne erhofft man mehr, viel mehr, aber unter der Hand beginnt man im Trainerstab bereits von einem Bust Claiborne zu munkeln. Und wie die Safety-Situation aussieht, ist in zwei Namen schnell beschrieben: Barry Church und Jay-Jay Wilcox.

Auf Middle-Linebacker ist man mit dem mehr als soliden, aber leider sehr verletzungsanfälligen Sean Lee adäquat besetzt, zumindest für die ersten drei Wochen, bis sich Lee wieder mit Kreuzbandriss auf die IR vertschüsst hat. So geht es leider immer in Dallas, und hinter Lee und vielleicht noch dem jungen Bruce Carter fehlt es bedenklich an Frischblut, das man von der Bank einwechseln könnte.

Aber immerhin hat man mit Dan Bailey den teuersten Kicker der Liga!

Ich sehe den Handlungsbedarf – rein sportlich betrachtet – in Dallas in etwa so gereiht:

  1. Defensive Tackle
  2. Defensive End
  3. Safety
  4. Zweiter Cornerback
  5. Offensive Guard
  6. Outside Linebacker

Aber „rein sportlich“ ist in Dallas mit seiner Raiders-verdächtigen Gehalts-Situation nicht. Eigentlich müsste man den Laden in die Luft jagen, aber weil der Franchise-QB Romo erst jüngst seinen Millionenvertrag bekam, gibt es kein Zurück, und nur den Weg nach vorn, bis 2016 oder 2017, wenn der Laden dann komplett an die Wand gefahren ist, und man mit neuem Head Coach den Neustart wagen kann. Bis dahin muss man hoffen, dass der alte Kern die Cowboys in einer durchschnittlichen NFC East zumindest noch zu einem oder zwei Playoff-Spielen zu führen imstande ist.

Dallas Cowboys in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         8-8    --
Enge Spiele    7-5  
Pythagorean    7.4   (19)
Power Ranking   .517 (16)
Pass-Offense   6.8   ( 9)
Pass-Defense   6.8   (24)
Turnover       -13

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Dallas Cowboys sind einer der härtesten Brocken der Sezierstunde-Serie, weil diese Franchise in einer verzwickten Lage steckt. Der Owner Jerry Jones ist in allererster Linie Fan und putzt vor lauter Freude über sein Spielzeug auch noch im neuen Stadiontempel die letzten Krümel von den Sitzschalen, aber Jones’ zweite Rolle – General Manager – wird dezent schwach ausgefüllt. Oder anders: Die Cowboys sehen in ziemlich genau einem Jahr der Salary-Cap-Hölle ins Auge. Man wird jetzt schon ca. zehn Millionen über der Gehaltsobergrenze sein, und dann ist noch nicht reingerechnet, dass der Vertrag des QBs Tony Romo in zwölf Monaten auslaufen wird.

Jones hat noch eine andere Baustelle aufgemacht und den Trainer, seinen Ziehsohn Jason Garrett, angezählt. Garrett reagierte und tauschte den DefCoord Rob Ryan gegen den zirka einhundertsiebenunddreißig Jahre alten Monte Kiffin (ehemals Tampa Bay, USC) aus. Monte Kiffin ist der Kreator der „Tampa 2“-Defense, ein Abwehrsystem, das vor 10-15 Jahren die NFL überrollte, aber als mittlerweile zu simpel und antiquiert gilt.

In den Grundzügen vertraut die Tampa 2 Defense auf eine druckvolle Front-Seven und schnelle Spieler in der Deckung. Wer das System besser verstehen möchte, lese sich den starken Artikel von Bryan Broaddus auf DallasCowboys.com durch:

The design of the defense is bend but don’t break, making sure to eliminate the big play. It makes the offense have to drive the ball in order to have success, and it requires an offense to be very patient in the way they attack it. It’s designed to allow the underneath stuff, but the speed of the defense takes care of that.

Der Systemwechsel birgt auch das Risiko, dass das vorhandene Personal nicht adäquat passt. Es gibt mit DT Jason Hatcher einen guten Tackle, wogegen man über NT Jay Ratliff seit Jahren nix erbauliches mehr hört und Ratliff schon allein wegen des Monstervertrags in spätestens einem Jahr sicherer Kandidat für eine Entlassung sein wird (und wie er sich in der 4-3 machen wird, steht in den Sternen). Alle anderen Optionen im Kader lassen wenig Gutes erwarten.

Auf Defensive End gibt es mit DE DeMarcus Ware einen fantastischen Individualisten, mit DE Crawford einen grundsoliden Arbeiter, aber weil man DE/LB Spencer kaum wird halten können, wird Ersatz in qualitativer und quantitativer Hinsicht gesucht.

Die Linebackers: Mit dem jungen, aber verletzungsgeplagten Bruce Carter steht der Fixstern auf Middle Linebacker und daneben sollte man LB Sean Lee auf alle Fälle irgendwie einspannen können. Es gibt aber schlicht keinen vertrauenswürdigen dritten Linebacker im aktuellen Kader – und die Stellenbeschreibung liest sich für einen billigen Ersatz nicht so gut: Muss Tight Ends decken können und überdurchschnittlich schnell sein.

Gesetzt sind sämtliche Cornerbacks (CB Carr ließ sich den Vertrag extra umstrukturieren), aber die eminent wichtige Position des Free Safetys sehe ich erstmal nicht. Sensabaugh gilt als flink genug, aber zu wenig spielintelligent. Der junge S Church ist das Gegenteil: Lernfähig, aber fußlahm wie ein einbeiniger alter Mann.

Fazit: Wenn die Cowboys den Scheiß mit der „Tampa 2“ wirklich allen Ernstes hardcoremäßig durchziehen wollen (im Gegensatz zur Implementierung von „Elementen“ aus dieser Defense), müssen mittelfristig vier Starter-Positionen angegangen werden: Defensive Tackle, Defensive End, Outside Linebacker, Safety. Das ist viel.

Die Offense

Potenziell extrem potent ist die Cowboys-Offense um den exzellenten QB Romo, aber die gesamte Offense kriegt es irgendwie zu häufig nicht auf die Reihe, ihre Stärken in ausreichend Punkte zu verwandeln. Symptomatisch für viele dieser Spiele, in denen du mit einem schlechten Gefühl nach Hause gingst („Dominiert, aber zu dumm zum Gewinnen“), ist die Partie gegen die New York Giants aus dem letzten Oktober, als man sich völlig grundlos ein 23-Punkte-Loch schaufelte, das man nach beherzter Aufholjagd am Ende nicht mehr gänzlich stopfen konnte.

Romo passt, aber Romo ist nächstes Jahr Free Agent – und eine Vertragsverlängerung dürfte selbst bei einem Oldie wie Romo (32 Lenze) nicht billig werden. Die WR-Combo ist okay: WR Austin und WR Dez Bryant macht so schnell keiner was vor. Insbesondere Bryant ist an guten Tagen eine fabulöse Waffe und kaum kaltzustellen. Es sind dann halt immer wieder diese unmotivierten Drops eingestreut, die einen Durchbruch zum „neuen Moss“ verhindern. Wenn man aber bedenkt, dass Bryant in 32% der Fälle tief angespielt wird und trotzdem insgesamt zwei von drei Pässen in seine Richtung fängt, ist das okay.

Slot-WR Ogletree ist Free Agent und zeigte nach dem Season Opener nicht mehr viel. Die Jungs dahinter, Harris und Beasley, haben dagegen schon mehrfach angedeutet, was in ihnen steckt.

TE Witten ist verlässlich genug um keine Baustelle aufmachen zu wollen (110 Catches, wird aber fast ausschließlich kurz angespielt). Ein interessanter Mann ist der junge TE Hanna (2012: nur 8 Catches in sechs Einsätzen): Gebaut wie Gronkowski, und so einer, an dem man als OffCoord seine Freude haben muss und seine Kreativität ausleben kann.

Bei den Running Backs dürfte der Vertrag des Felix Jones nicht verlängert werden, was nach Jones’ schwacher Saison kein herber Verlust wäre. Der angedachte Starter DeMarco Murray ist ein geschwindiger Mann aus der Abteilung Attacke, der sich ungern länger als einskommasieben Sekunden eine Spielzugentwicklung anschaut und dann sofort losrennt. Murrays Ruf leidet aber an seiner Verletzungsanfälligkeit.

Ausblick

Die Situation bei den Cowboys ist, wie eingangs geschrieben, vertrackt. Die Fragezeichen sind viele und vielschichtig: Neuer weißhaariger DefCoord, neues System, schlechte Cap-Situation, Head Coaches, der nicht mehr das Vertrauen von oben herab genießt. Alles Anzeichen, die auf nix Gutes hindeuten, vor allem nicht in der hammerharten NFC East.

Dallas besitzt aber eine ausreichend starke Offense, um viele Punkte vorzulegen, und hat immerhin die Schlüsselpositionen in der Defense (DE Ware, Cornerbacks) mit hochklassigen Leuten besetzt, sodass ein kompletter Einbruch einer Überraschung gleich käme. Riecht nach einer weiteren Saison zwischen 7 und 10 Siegen und eine lustige Soap Opera, wenn Jones im Winter möglicherweise Romo und Garrett ersetzen muss (sich selbst = ausgeschlossen).

NFL-Franchises im Kurzporträt, #15: Dallas Cowboys

America‘s Team, einer der teuersten Sport-„Vereine“ der Welt (ca. 1,3 Mrd. Euro), ist bei genauerer Betrachtung eher etwas anderes geworden: Jerry Jones’ Spielzeugwiese. Es ist die Geschichte eines Besitzers, der Idole, langjährige Freundschaften, haufenweise Moneten gegen eines eingetauscht hat: Seine Liebe zu einer Franchise, die andere groß gemacht haben – und die er auf den Gipfel hob.

Steers? Rangers? Cowboys!

Die AFL war Ende der 50er grade im Begriff zu entstehen, nachdem die NFL Lamar Hunt die Gründung einer Footballmannschaft in Dallas verweigert hatte. Hunt gründete daraufhin die Dallas Texans und mit der AFL eine neue Football-Liga und zwang die NFL zum Umdenken. Noch im Jänner 1960 vergab die NFL eine Lizenz für eine Footballmannschaft in Dallas. Nach Monaten entschied man sich dafür, die Mannschaft Cowboys zu taufen, anstelle von Steers oder Rangers. Cowboys. Texanisch eben.

Der Sprinter und die Ringe

Nach dem Präsidentenmord von Dallas trugen die Cowboys ab Mitte der 60er erheblich dazu bei, das Selbstvertrauen der Stadt wieder aufzupolieren. Head Coach Tom Landry baute um WR Bob Hayes (Sprint-Olympiasieger) eine titelreife Mannschaft, die fast die ersten beiden Superbowl anstelle der Packers bestritten hätte. 1967/68 lieferte man sich in Green Bay die berühmt/berüchtigte „Ice Bowl“, mit -25°C ohne Windchill eines der kältesten Spiele der NFL-Historie.

Die 70er waren geprägt von QB Roger Staubach und aufgrund gelungener Außendarstellung immer schneller steigender Popularität der Mannschaft. Landry galt als sehr innovativer Coach mit modernem Scouting und die Marketing-Abteilung kreierte die ersten Cheerleader in der NFL. Superbowl V wurde noch verloren, aber ein Jahr später war man nach Sieg über Miami schon Weltmeister – wie auch 1977/78, als die Denver Broncos geputzt wurden. In den 80ern verkalkte Landry dann zusehends und die Erfolgsbilanzen wanderten immer weiter gen Süden.

Der Neuankömmling

Ende der 80er kaufte dann der riesige Fan und ehemalige Footballspieler Jerry Jones die Franchise und feuerte nur wenige Tage später die Legende Landry. Der neue Coach war Jimmy „Betonfrisur Johnson, Jerrys ehemaliger Studienkumpel von der University of Arkansas. Johnsons erste Aktion: QB Troy Aikman draften. Resultat: Erste Saison, 1-15. Aber Johnson und vor allem Aikman lernten schnell.

Mit der Taktik, Eigenbauprodukte via Draft zu holen, stabilisierten sich die Cowboys innerhalb weniger Jahre und waren schon im vierten Jahr unter Johnson Superbowl-Champion (Kantersieg gegen die Bills). Herausragend in Erinnerung bleiben unter OffCoord Norv Turners Anleitung die „Triplets“: QB Aikman, RB Emmitt Smith, WR Michael Irvin. Aber das Erfolgsgeheimnis der Cowboys war ein anderes: Sie schafften es immer und immer wieder, unbekanntes Talent in der späteren Runden des Drafts zu finden.

1993 verteidigte man den Titel, wieder ein Sieg gegen die Bills in der Super Bowl. Danach allerdings schmiss Jones Johnson aufgrund fehlender Kompatibilität mit seinen Vorstellungen von Football raus. Jones wollte wohl beweisen, dass der Kader, den er persönlich als GM zusammengestellt hatte, personell gut genug war, um auch johnsonlos zu brillieren.

Der neue Head Coach war der etwas clownige Barry Switzer, der am Vorhaben „Titel-Hattrick“ dank Steve Young und seinen 49ers scheiterte. Switzer holte sich aber 1995/96 den Ring, unter anderem mit einem eben von den 49ers gekommenen weiteren Clown, CB Deion Sanders, im Kader. Switzer war damit auch nach Vorgänger Johnson der zweite Coach, der College- und NFL-Meisterschaft gewann.

Mehr Hype, denn Fundament

In den Jahren danach wurden mehrere Schlüsselspieler des Dopings (Zufall oder nicht – Sie entscheiden!) überführt oder hatten triebgesteuerte Probleme mit Frauen. Switzer blieb noch ein paar Saisons, ebenso wie Aikman, dessen Karriere nach etlichen Gehirnerschütterungen 2000 fertig war. Emmitt Smith spielte noch ein paar Jahre weiter, um den Rekord an Rushing Yards zu brechen (schaffte es 2002). Erst Bill Parcells motzte die verreckte Karre „Cowboys“ Mitte der 2000er wieder auf.

In den letzten Jahren waren die Cowboys eine überhypte Mannschaft – gemessen an den sportlichen Darbietungen. Es wurde Talentvergeudung betrieben. Mittlerweile spielt man im neuen, unfassbar monströsen Cowboys Stadium – Jerry Jones‘ Denkmal, in dem er vermutlich selbst noch persönlich Hand anlegte und die Schrauben zu den Sitzreihen im dritten Rang andrehte – in Arlington genau zwischen Dallas und Forth Worth. Dort, wo Super Bowl XLV stattfand. Dallas hätte teilnehmen sollen – und war schon zur Saisonhälfte krepiert: 1-7.

Das Monstrum                     

Dallas Cowboys Stadium

Dallas Cowboys Stadium

Seit 2009 eben jenes neue, unfassbar gigantische (eben texanische) Cowboys Stadium (je nach Wahl 80.000 bis 105.000 Plätze). Die Arena kann auch als persönliches Denkmal Jerry Jones‘ gelten und ist versehen mit allem Schicki-Micki und einer monströsen Anzeigetafel, die über dem Spielfeld thront. Das Ding ist so riesig (harhar, texanisch), dass davon schon mehrmals Punts abgeprallt sind.

Auch die alte Arena, das Texas Stadium, war eines der berühmteren NFL-Stadien gewesen, dank seiner misslungenen Dachkonstruktion – als Halle gedacht, konnte das Dach nicht sämtliche Last tragen und wurde mit einem Loch versehen. Wie man solche Fehler schönt? Die Cowboys sagten ganz einfach – Ein Loch, damit Gott uns beim Spielen zuschauen kann. So klingt Selbstvertrauen.

Rivalitäten

Größter historischer Rivale sind die Washington Redskins – zurückgehend auf die Zeit, als es die Dallas Cowboys noch nicht einmal gegeben hatte. Die Rivalität zwischen Cowboy und Indianer hatte ich im vergangenen Herbst schon mal angeschnitten, und sie geht weit über den Sport hinaus, war unter anderem dafür verantwortlich, dass Dallas trotz geographischem Unsinn in der NFC-East mitspielt.

Immer noch verschärft, aber deutlich hinter den Redskins einzuordnen, sind die beiden anderen Divisionsrivalen aus der NFC East. Die Philadelphia Eagles sind dabei insbesondere aufgrund diverser „Bounty“-Geschichten aus den 80ern und 90ern, sowie dank der Flauseln des T.O. in den 2000ern ein ungern gern gesehener Gast, die New York Giants der „sanfteste“ Konkurrent.

Sportlicher und historischer Natur sind die Auseinandersetzungen mit Pittsburgh Steelers und Green Bay Packers. Die Steelers sind dabei seit den 70ern ein Gegenpool zu den stets aufregenderen, extrovertierteren Cowboys, die Packers gehören seit der Anfangszeit der Superbowl-Ära in den 60ern zu den großen Konkurrenten. Dallas verpasste zweimal denkbar knapp die ersten beiden Superbowls gegen Green Bay („Ice Bowl“) und musste in den 90ern schließlich zusehen, wie die Käsköpp unter der QB-Legende Favre der großen Cowboy-Dynastie den Rang abliefen.

Eine besondere sportliche Auseinandersetzung ist jene zwischen San Francisco und Dallas – gründend vor allem auf den Grabenkämpfen in den 90ern, als das eine Team sich so aufstellte, um das andere im NFC-Finale schlagen zu können. Zeiten, in denen der Conference-Titel in der NFC die 95%ige Miete zum Superbowlsieg war. Dreimal gewann Dallas mit Aikman. Einmal San Francisco mit Steve Young. Intensiviert wurde die Sache durch den Wechsel von „Primetime“ Deion Sanders, jenem egomanischen Spinner, der heute im NFL Network einen so speziellen (ich betone den positiven Unterton!) Zugang zu den Spielern findet.

Die eine oder andere Nickligkeit gibt es im Prinzip mit fast jeder der populäreren NFL-Franchises. Die Cowboys sind, wenn man mal beide Augen fest zudrückt, so was wie der FC Bayern der NFL: Entweder geliebt oder gehasst. Sie scheiden die Geister und so wirklich scheint es Jerry Jones nicht zu passen, wenn eine unspektakuläre Franchise wie New England in den 2000ern daherspaziert und sich in der Gunst der Bandwagoners nach oben arbeitet.

Gesichter der Franchise

  • Jerry Jones – Owner, Stadionbauer und General Manager. Dallas Cowboys personifiziert und entsprechend gemocht und gehasst quer durch die Lande.
  • Tom Landry – erster Head Coach der Dallas Cowboys (28 Jahre!, 1960-1988) und Erfinder zahlreicher Defensivformationen (u.a. „4-3“ Defense) und -taktiken („Doomsday Defense“). Zweimaliger Superbowlchamp und insgesamt fünfmal in der Superbowl.
  • Roger Staubach – Scrambelnder Quarterback und Medienstar aus den 70ern. Mitverantwortlich für die heutige Popularität der Franchise und Erfinder des „Hail Mary“-Passes.
  • Troy Aikman– QB. Der Anführer der sogenannten “Triplets”, trotz vieler Gehirnerschütterungen und recht kurzer Karriere dreifacher Champion und Hall of Famer. Heute mittelmäßig interessanter Co-Kommentator bei FOX.
  • Emmitt Smith – RB mit den meisten Rushing Yards aller Zeiten, Teil der „Triplets“, aber aufgrund der eher keimfreien Persönlichkeit und unspektakulären Spielweise oft übersehen. Bei mir vor allem bekannt aufgrund der horrenden Grammatikfehler – eine Kompilation der Fauxpässe gibt es bei Youtube. (bitte Ohren ausschalten)

korsakoffs Highlight

Playoffspiel 2007/08 gegen die Giants – völlig unnötige Playoff-Pleite für die Cowboys nach gefühlter haushoher Dominanz in der ersten Hälfte, ließen die Giants stets irgendwie am Hauseck lungern. Als dann plötzlich im Schlussviertel New York 21-17 führte, spielten sich unglaubliche Szenen im Texas Stadium ab: Eine a-u-f-g-e-s-c-h-e-u-c-h-t-e Offense rund um Tony Romo, die in jedem Spielzug den Touchdown suchte, anstatt beständige Drives auszuspielen. Das forcierte Big Play kam – für den Gegner, der die außer Rand und Band spielenden Cowboys böse, böse verlud.

Eckdaten

Gegründet: 1960
Besitzer: Jerry Jones (Öl, Football)
Division: NFC East
Erfolge: Superbowl-Champ 1971, 1977, 1992, 1993, 1995, Superbowl-Verlierer, 30x Playoffs (33-25) – Stand 2012