Aus dem Lager der Detroit Lions

Der Siebenschläfer Detroit Lions startet in diesen Tagen und Wochen so richtig in die Ära des neuen Headcoaches Jim Caldwell, jenem zahnlosen, verzagten Männchen, dem ich schon im Winter die Aufwartung gemacht habe: König der Löwen.

Die ersten Reaktionen auf Caldwell in der täglichen Arbeit stimmen positiv. Die Hierarchien im Team sollen umgekrempelt worden sein. Egoshooter werden systematisch auf leise gedreht. Die möglichen Störfeuer wie die Vertragsverlängerung für Ndamukong Suh (auslaufender Vertrag nach der Saison) wurden auf den Winter verschoben. Die Spieler werden alle gleich behandelt, die Fehler aller im Filmstudio seziert. Das ist ein wichtiger Punkt. Ohne fünf Jahrzehnte Lebenserfahrung auf dem Buckel zu haben, hab ich es schon in zirka fünfhundertdreiundsiebzig Teams erlebt, dass es nur dann wirklich funktioniert, wenn es keine heimlichen oder offenen Bevorzugungen gibt. Weiterlesen

Detroit Lions in der Sezierstunde

Überblick 2013

Record         7-9
Enge Spiele    4-6
Pythagorean    8.5    13
Power Ranking  0.569  10
Pass-Offense   6.8    7
Pass-Defense   6.5    20
Turnovers      -12

Management

Salary Cap 2014.

Die abgelaufene Saison war für viele der letzte Beweis, dass es die Detroit Lions einfach nicht packen und man die Franchise im Prinzip einstampfen könnte, weil es sowieso nie gehen wird. Was bei den Lions 2013 hinten raus kam, war viel Brüllen um Nichts, aber die Mannschaft steht weiterhin „kurz davor“ und vermittelt somit noch immer Hoffnung auf den Durchbruch. Zwar wurde keine Radikalkur gewagt, denn GM Martin Mayhew darf auch weiterhin seine Managementkünste ausleben, aber es würde zumindest eine Therapie versucht.

Die Ära von Jim Schwartz ist vorbei. Ich habe schon darüber geschrieben, warum ich Jim Schwartz trotz allem noch ein klein wenig nachtrauere, und ich habe auch schon den neuen König der Löwen, den stets etwas desinteressiert dreinschauenden Jim Caldwell unter die Lupe genommen. Caldwell ist eine auf den ersten Blick bizarre Wahl als neuer Headcoach, aber es gibt durchaus auch Greifbares bei ihm, an dem man seine Zukunftshoffnungen festmachen kann.

Das Offensichtlichste ist Caldwells Besetzung des Trainerstabs, die besser ausfiel als befürchtet. Die Offense wurde an OffCoord Joe Lombardi übergeben mit dem Auftrag, QB Matthew Stafford geradezubiegen. Stafford ist ein monstermäßiges Talent mit dem vielleicht besten Wurfarm der NFL, aber eben auch ein Mario Basler an verschwendetem Potenzial. Bei Stafford ist noch nix zu spät: Der Junge ist ein 88er, gerade 26 geworden. Für QB-Verhältnisse ist das kein Alter, aber man muss ihm Flauseln austreiben, die immer wieder auftraten: Zu überhastetes Werfen, zu viel Selbstbewusstsein bei versuchten Würfen in Dreifachdeckungen, zu viele technische Unsauberkeiten.

Caldwell und Lombardi kommen aus der QB-Schule. Sie gelten als QB-Gurus, die keine Geringeren als Peyton Manning und Drew Brees zu maximalen Höhen geführt haben. Es gibt genügend Beispiele, wo QBs mit Mitte 20 nach Korrektur von einer oder zwei Details noch die Kurve gekratzt haben.

Die Offensivprobleme liegen nicht allein an Stafford; es ist auch diese eklatante Abhängigkeit von WR-Granate Calvin Johnson, der nicht weniger als jedes vierte Anspiel Staffords sah, für sensationelle 37% Anspiele downfield (also über 15yds von der Anspiellinie). Johnson machte seine Yards. An ihm liegt es nicht, dass diese Offense stets einen frustrierenden Eindruck des nicht ausgeschöpften Potenzials hinterlässt.

Caldwell und Lombardi haben in erster Linie die Aufgabe, diese Offense schematisch so zu verbessern, dass nicht mehr bloß reine Naturgewalt (Staffords Arm, Johnsons Fangkunst) den Gegner schlagen. Dafür wird mehr verlangt als ein feiner Quarterback. Die Saints, aus deren Schule Lombardi stammt, zum Beispiel ließen eine Unzahl an verschiedenen Formationen auflaufen, und sie konnten um einen Kader bauen, der viele verschiedene Skill-Sets vereinte: Drei Running Backs und fünf WR/TE mit jeweils individuell verschiedenen Spezialitäten. Das fehlt in Detroit – noch.

Es fehlt übelst an einem zweiten und dritten Wide Receiver in Detroit. Burleson musste aus Vertragsgründen entlassen werden und wird fast sicher nicht wiederkehren. Der junge Ryan Broyles gilt als Talent, aber beendete jeder seiner drei letzten Saisons mit schweren Verletzungen und könnte bald aufgebraucht sein. Und ein Kris Durham… nein. Durham ist als Staffords Raumpensau eine Stimmungskanone für die Eintracht in der Mannschaft, aber für das Spielsystem nicht mehr als ein vierter oder fünfter Mann für die Snaps zwischendurch. Wenn überhaupt.

Bei den Tight Ends konnte sich der junge Joseph Fauria als RedZone-Waffe und Kunsttänzer aufdrängen, aber Fauria ist (zumindest noch) weder ein kompletter Spieler im Sinne des Blockens noch ein kompletter Fänger im Sinne des Fangens. Der vertragslose Brendon Pettigrew (1st-Round Pick 2009) treibt die Fans mit seiner teilweise laschen Art zu spielen (viele Drops und Fumbles) gern mal in den Wahnsinn, wäre aber als Vorblocker eine Hausnummer – die Salary Cap ist mit 133 Mille höher als erwartet: Pettigrew könnte also unter Umständen in Detroit verbleiben und eine wertvolle Ergänzung bleiben.

Bleibt das Problem „zweiter Wide Receiver“. Detroit könnte mit seinen hohen Draftpicks einen teuren Rookie holen. Man könnte aber auch auf den Transfermarkt schauen, der mit Leuten wie Emmanuel Sanders oder Hakeem Nicks durchaus klingende, noch relativ junge Namen hergeben dürfte. Die Frage ist aber auch hier der finanzielle Spielraum, der dank Mayhews schlechtem Management der letzten Jahre recht eingeschränkt ist.

Spielraum zur Vertragsumstrukturierung gäbe es bei dem Gesicht der Lions, DT Ndamukong Suh, dem Mann, der sich sportlich zu einem echten Allstar-Kaliber entwickelt hat, der aber nicht aus den Schlagzeilen kommt, sei es wegen rohem Spiel oder Intrigen im Kader. Suh zählt 22 Millionen von der Salary-Cap ab, ein unerhörter Wert, aber eine Neustrukturierung des Vertrags würde locker 10 Millionen bringen – für 2014. Für die Jahre darüber hinaus, da reden wir nochmal drüber. Allerdings dürfte es mit dem neuen Vertrag noch etwas dauern, denn Suh hat noch keinen Krawattlträger als Repräsentanten, und vielleicht wird er nie einen (mit Krawatte) haben, denn gerüchteweise soll es der Rapper Jay-Z werden, der schon in anderen Franchises Angst und Schrecken verbreitet hat.

Sportlich besteht die Hoffnung, dass der neue DefCoord Teryl Austin ein guter Griff war. Austin ist der Hauptgrund, weswegen ich Caldwell mittlerweile positiv sehe, denn Austin darf man guten Gewissens für einen aufstrebenden Defensiv-Geist sehen. Austins Expertise ist das Defensive Backfield, rein zufällig die große Sollbruchstelle der Lions.

Dort musste S Delmas bereits aus Vertragsgründen entlassen werden und dürfte kaum wiederkehren. Delmas‘ Abgang reißt ein Loch in den Kader, das dringend mit einem hoch gedrafteten Rookie wie Clinton-Dix oder einem bekannten Free-Agent gestopft werden muss. Probleme anderer Natur gibt es auf Cornerback: Houston gilt dort als solide genug um seine Starter-Ambitionen zu behalten, vom jungen Darius Slay erwartet man nach seinem schwachen Rookie-Jahr erste Verbesserungen, aber dahinter gibt es wenig Greifbares. Cornerback ist neben Wide Receiver das größte Loch im Lions-Kader. Hier wird 100%ig personell nachgebessert.

Freilich ist auch nicht auszuschließen, dass Austin nach einem großen Passrush-Talent schnappt, wenn es an zehnter Draftposition verfügbar ist. Hier muss man abwarten. Austins aggressives Abwehr-Schema kann nicht genügend gute Spieler für die Front-Seven vertragen, und dass eine dominante Front-Seven eine durchschnittliche Secondary durchschleppen kann, sieht man andernorts in Carolina oder San Francisco.

Erstmal dürften noch die Eigenbauprodukte anstehen: DE Young sollte aus Gründen der Kadertiefe gehalten werden. DE Jason Jones und DE Idonije wären im Gegenzug Entlassungskandidaten, wenn auch sportlich beide über viele Zweifel erhaben sind.

Es gibt viele mögliche Stellschrauben, aber nur begrenzten Handlungsspielraum. Priorisieren würde ich den Handlungsbedarf in etwa so:

  1. Zweiter Wide Receiver
  2. Cornerback
  3. Safety
  4. Passrusher
  5. Tight End

Noch ist nicht abzusehen, auf welchem Weg das Front-Office die Löcher zu stopfen versucht. Sicher ist nur: Die Chancen stehen gut, dass zumindest die eklatantesten Schwachstellen angegangen werden können. Man hat nicht viel Cap-Space, aber genug um zumindest zwei größere Moves plus Draftpicks zu machen.

Die mittelfristige Zukunft der Lions sehe ich weiterhin mit einem eher lachenden Auge. Die 7-9 Bilanz von 2013/14 war einmal mehr „underperformed“. Man hatte -12 Turnovers, ein wahnsinniger Wert, der gen Mitte wandern dürfte. Man verlor sechs knappe Spiele (von insgesamt zehn). Man ist in einer Division, in der zumindest Bears und Vikings zu fassen sein dürften. Man setzt im Coaching künftig auf größere Liebe für das Detail. Das dürfte der größte Pluspunkt für 2014 sein. Ich kann es nicht erwarten zu sehen, wie sich das in einem halben Jahr auf dem Spielfeld umsetzen lässt.

Der neue König der Löwen: Jim Caldwell

Kein Blick einer Raubkatze: Jim Caldwell

Kein Blick einer Raubkatze: Jim Caldwell

Zu sagen, dass die Ernennung von Jim Caldwell in Lions-Fankreisen „Entsetzen“ ausgelöst hätte, würde den tatsächlichen Geschehnissen nicht gerecht werden. Es ist viel besser mit Galgenhumor beschrieben, oder Resignation. „Same old Lions“ war das Schlagwort. Was habe man schon anderes erwarten können. Die Franchise schaffe es doch immer, das Falsche zu machen, und wenn man auch nicht in der Offseason gewinnt, so sei es doch bezeichnend, dass es Detroit sogar schaffe, es auch in der Offseason zu verbocken. Meine paar Cents dazu.

Jim Caldwell ist den meisten Fans von seiner dreijährigen Zeit als Head Coach der Indianapolis Colts bekannt, die er von 2009 bis 2011 als auserwählter Nachfolger von Tony Dungy coachte. Seine Bilanz in den drei Jahren dort: 26-22 Siege in der Regular Season, 2-2 in den Playoffs. Was man Caldwell dabei ankreidet: Er habe die Mannschaft sukzessive schlechter gemacht: Von 14-2 und Superbowl auf 10-6 und Playoff-one and done, auf 2-14 und Top-Draftpick.

Wie viel an der Kritik berechtigt ist, ist schwierig zu beurteilen. Caldwell führte auf alle Fälle die Colts in der Saison 2009/10 in ungekannte Höhen. Diese Mannschaft war eine der bizarrsten der letzten 10-15 Jahre: Sie begann die Saison mit 14-0 Siegen und stand kurz vor der dritten Perfect Season der modernen NFL-Geschichte. Dann nahm Caldwell in Woche 15 bei Führung gegen die Jets seine Stammspieler runter um keine Verletzungen zu riskieren. Als Folge wurden die letzten beiden Spiele abgeschenkt. Trotzdem war das ein 14-2 Team. Aber seine pythagoreische Erwartung war relativ schlecht: 10.9 Siege. Ein Punkteverhältnis von 416-307. Extrem viele knappe und sehr knappe Siege.

Auf der anderen Seite: Ihre Play-by-Play Effizienz-Stats waren gigantisch: Indianapolis dominierte damals das Power-Ranking nach Strich und Faden, viel überlegener als es z.B. die Seahawks heuer waren. Man schloss zwar nur als #5 ab, aber darin sind die abgeschenkten Spiele inkludiert. Die Stamm-Elf fuhr in 14 Spielen einen .810 Wert ein, ein Wert, der nur von den Patriots 2007 geschlagen wird.

Ein Jahr darauf zeigten sich immer mehr Klüfte. Die Colts gewannen nicht mehr alle knappen Spiele, Offense und Defense kassierten erste Risse, man flog im ersten Spiel gegen die Colts raus, u.a. wegen eines verblüffenden Timeouts, das Caldwell wenige Sekunden vor Schluss nahm. Ich war damals im Liveblog entsetzt.

In seinem dritten Jahr der Kollaps: 2-14. Es war allerdings die Saison, in der die Colts auf den nackenverletzten Peyton Manning verzichten mussten, und mit QBs wie Orlovsky oder Painter ging natürlich nix. Man kann Caldwell zum Vorwurf machen, nix aus der Situation gemacht zu haben, oder man kann darauf verweisen, dass es dort trotz zwischenzeitlichem 0-13 Start und der reellen Gefahr, die neuen Lions zu werden, ruhig blieb. Caldwell hatte den Laden soweit unter Kontrolle, dass nicht Woche ein, Woche aus schmutzige Wäsche gewaschen wurde. Seine Teams zogen bis auf eine Ausnahme (das berüchtigte Saints-Spiel) bis zum Ende durch und ließen sich nicht abschlachten wie das Opfer auf der Bank.

Caldwell war zuvor Head Coach bei Wake Forest am College in der ACC gewesen. Seine Bilanz dort: 26-63 Siege. Für Wake-Verhältnisse nicht unterirdisch, aber es gibt Coaches, die später mehr aus Wake gemacht haben.

Er ging nach Indianapolis und war in den 2000ern der Lieblingsassistent von Tony Dungy. Dungy wählte Caldwell schließlich als seinen Nachfolger bei den Colts eigenhändig aus. Dungy war es auch, der Caldwell den Lions empfohlen haben soll.


Soweit das, was Caldwell an Resultaten als Head Coach vorzuweisen hat. Über seinen Stil ist nicht viel bekannt. Er ist ein stilles Männlein, schüchtern und zurückgezogen, und gegen seine Statements auf Pressekonferenzen ist ein Belichick der reinste Redeschwall.

Sein Coaching-Stil ist relativ unbeschrieben. Er arbeitete in Indianapolis nicht als eigentlicher Coordinator, sondern viele Jahre als assistent head coach. Dungys Verwalter. Erst in Baltimore trat Caldwell wieder als Coordinator in Erscheinung, in den letzten Wochen der Saison 2012/13, als er kurz vor Weihnachten den geschassten OffCoord Cameron ersetzte und der Ravens-Offense vorstand. Geändert wurde am Gameplan für meine Begriffe relativ wenig, aber rein zufällig in jener Zeit explodierte Joe Flacco und hatte seinen mittlerweile legendären Playoff-Lauf inklusive Superbowl-Gewinn. Die Saison danach bestritt Caldwell als OffCoord. Ich schrieb im Sommer, „hat er was anderes drauf als sechs lange Bälle anzusagen und darauf zu hoffen, dass der Safety daneben springt?“ – und die Antwort – oder zumindest das, was die Ravens-Offense auf dem Feld zeigte – darf man mit „Nope“ beantworten. Ravens-Offense 2013/14, das war nix. Nada.

Wie viel ist Caldwell daran schuld? Die Offense Line war eine Katastrophe, WR Boldin ward verkauft, TE Pitta schnell verletzt, Flacco war wieder Flacco, Rice war Avon Couborne, und auch Caldwell unternahm nicht viel, um eine am Boden liegende Offense zu reanimieren. Zumindest war das nach außen der Eindruck. Zumindest scheinen Ravens-Fans froh zu sein, nun einen neuen OffCoord zu bekommen.

Auch das ist Caldwell: Zweimal ein Werk eines Vorgängers übernommen, zweimal mit zumindest nach Ergebnissen überzeugendem Erfolg (Superbowl als Head Coach, Superbowl-Sieg als Coordinator). Zweimal ging es nach dem anfänglichen Erfolg schnell nach unten in relativ tiefe Tiefen. Ist auch das ein Grund, weswegen so viele Caldwell hassen bzw. ihm nix zutrauen, obwohl auch Schwartz nach drei vielversprechenden Jahren nix mehr weiterbrachte?

Warum aber hat Dungy dann eine so hohe Meinung?


Ein gängiger Witz unter Lions-Fans ist der Ablauf des Bewerbungsgesprächs von Jim Caldwell in Detroit.

Frage: „Wie gedenken Sie, die Offense in Detroit zu gestalten.“
Caldwell: „…“
Frage: „Wie gedenken Sie, die Defense zu gestalten?“
Caldwell: „…“
Frage: „Wollen Sie den Job als Head Coach?“
Caldwell: *nickt*

Caldwell ist keine inspirierende Wahl. Man weiß nicht so recht, was er drauf hat. Man weiß nur, dass er zweimal schnell Erfolg hatte, aber den Erfolg aus verschiedenen Gründen nicht halten konnte. In diesem Hinblick ist Caldwell gar nicht so verschieden von einem Ken Whisenhunt, der angeblich einer der Favoriten auf den Lions-Posten war, aber dann trotz eines bereits gecharterten Flieger der Ford-Familie in Tennessee unterschrieb.

Caldwell ist auch aufgrund seines Äußeren nicht inspirierend. Er ist 58, aber man sieht es ihm nicht an. Man sieht ihm überhaupt kein Alter an. Er ist zeitlos, aber auch ausdruckslos. Sein Gesicht kennt man nur im immergleichen, verzagten Ausdruck, und du siehst ihm nicht an, ob seine Mannschaft in Schwierigkeiten drei TD zurückliegt, oder gerade den Superbowl erreicht hat. Ist das ein Grund dafür, dass ihn alle so hassen, auch die, die Schwartz hassten, weil er so emotional war?


Gehen wir mal mit dem, was greifbar ist: Caldwell war nicht der Favorit auf den Trainerposten in Detroit. Er war bestenfalls die #2 hinter Whisenhunt, aber möglicherweise auch noch hinter Bill O’Brien (jetzt Houston) und Lovie Smith (jetzt Tampa Bay). Damit wird er zurechtkommen müssen, egal wie viele Lippenbekenntnisse es ob seiner Bewerbung gibt. Ablauf und Zeitpunkt seiner Einstellung sprechen ganz offen dagegen, dass Caldwell die erste Wahl war. Das Front-Office weiß das. Die Spieler wissen es. Die Fans wissen es. Caldwell weiß das. Er wird damit zurechtkommen müssen.

Ich wollte immer Dungy, aber Dungy war nie erreichbar. Caldwell ist ein Dungy-Jünger, und Dungy hat eine hohe Meinung von Caldwell, also dürfte zumindest dieser Punkt in meiner Wunschliste – zumindest ansatzweise – erfüllt sein. Zumindest sind wir keine Lichtjahre entfernt. Sollte es kein Dungy werden, wollte ich:

  • Offensiv-Geist. Passt. Zumindest halbwegs. Caldwell kommt von der Offense. Caldwell war jahrelang ein QB-Coach in Indianapolis. Er coachte dort: Peyton Manning (ab 2002). Er hatte bestimmt einen Anteil daran, dass Peyton Manning „Peyton Manning“ wurde. Die Offenses, in denen Caldwell auch nur adäquates Spielermaterial hatten, waren alle effizient und produktiv.
  • Disziplin. Das passt. Dungy war berühmt dafür, dass seine Mannschaften diszipliniert spielten. Nach der Messung „Penalty-Yards per Play“ (Strafen-Raumverlust pro Spielzug) waren Caldwells Colts immer in den Top-5. Dass Egomanen runter genommen wurden. Bloß hatten es Dungy/Caldwell nur mit einem Nick Harper zu tun, nicht mit einem Suh oder Fairley.
  • Stratege. Keine Ahnung, ehrlich. Aber ich komme gleich zu seinem Trainerstab.
  • Spielverständnis. Das ist dann aber der Punkt, der mir das blanke Gänserupfen über den Rücken hinunterjagt. Caldwell war 2011 einer der Head Coaches, deren 4th-Down /usw. Entscheidungen mit die am wenigstens verheerenden für die Sieg-Chance seiner Mannschaft waren, aber das kann auch daran liegen, dass die Colts stets schnell in Rückstand lagen und niemals viel zu verlieren hatten. Greifbarer ist für mich da das teilweise pathetische Handling bei den Colts. Das Timeout-Management. Für jenes Timeout gegen die Jets gibt es keine Entschuldigung, aber „keine Entschuldigung“ wäre immer noch besser anfühlend als die sinnfreie Erklärung, die Caldwell für sein Handeln abgab.

Ich mache mir Sorgen, dass Detroit nach dem unsouveränen Jim Schwartz hier möglicherweise einen noch unsouveräneren Game-Manager geholt hat – ganz unabhängig jetzt mal davon, was Caldwell in der täglichen Trainingsarbeit so leistet.


Um zu dem zu kommen, was ich mit Spannung erwartet hatte: Den Stab „hinter“ dem Head Coach. Auf diesem Gebiet hat mich Caldwell positiv überrascht. Als OffCoord wollte er angeblich erst den QB-Entwickler des Andrew Luck einstellen, Clyde Christensen von den Colts, aber als das schief lief, blieb immer noch ein sehr attraktiver Kandidat übrig: Bill Lazor, der QB-Coach der Philadelphia Eagles. Letztlich hat Caldwell beide nicht bekommen. Positiv finde ich aber die Richtung: Dass Coaches dieser Güteklasse in Betracht gezogen wurden, dem kann ich vieles abgewinnen.

Es ist noch nicht bekannt, wer der neue OffCoord denn nun werden wird. Offensiv-Assistent wird Ron Prince, ein Mann, der in den Staaten vor allem deswegen bekannt ist, weil er die Kansas State Wildcats vor einigen Jahren so weit runterwirtschaftete, dass die Trainerlegende Bill Snyder aus dem Ruhestand zurückkehrte um „seine“ Mannschaft wieder gerade zu biegen.

Caldwells Statement ob des Profils des neuen OffCoords soll vor allem „innovativ“ sein. Das klingt schon mal gut. Noch wichtiger wäre ein OffCoord, der auf die Basics achtet. Lazor wäre so einer gewesen. Man darf hoffen, dass Caldwell noch immer nach einem Typus Lazor sucht.

Der neue DefCoord ist Teryl Austin, bisher DB-Coach bei den Baltimore Ravens. Das ist mein neuer Lieblings-Coach. Auf so eine Einstellung hatte ich gehofft. Ein Coach aus einer Defensiv-Schmiede, der Ahnung hat vom Defensive Backfield, und der mit dieser Unit in Baltimore Herausragendes geleistet hat.

Austin wird zweifellos dieser Defense helfen. Die Defense hat gute bis sehr gute Spieler in allen Bereichen, aber sie war bekannt dafür, ihre Wucht nur phasenweise auf das Spielfeld zu bringen und dann immer wieder mit schlampigen Spielzügen und Strafen das Erreichte einzureißen.

Neben DefCoord Austin wurde auch Bill Sheridan als LB-Coach eingestellt. Sheridan lieferte zuletzt in Tampa keine Bewerbung für strategische Aufgaben wie „DefCoord“ und GamePlanning ab, aber als Positionscoach sicher ein Mann mit großer Erfahrung.

Das Gute bei Caldwell: Er scheint eher einer zu sein, der sich aus dem Tagesgeschäft etwas zurückhält. Der lieber die große Rahmenplanung und –steuerung macht. Das macht Hoffnung, dass Detroits GM Martin Mayhew sich aus der Sache raushält – und das kann nur Gutes heißen.


Summa summarum: Ja, ich bin überrascht von der Einstellung des Jim Caldwell. Nein, ich bin nicht begeistert. Im ersten Moment war ich erschrocken. Dann kam die Phase des Negierens („So schlimm wird es nicht werden“). Dann die Erinnerung an den so stark besetzten Kader in Detroit. Dann erweckte Hoffnung durch die erfolgsversprechenden Assistenzcoaches, allen voran Austin. Dann das Einreden, dass sich Caldwell nicht so stark ins Tagesgeschäft einmischen würde.

Caldwell ist Caldwell. Er hatte große Erfolge, aber die Erfolge schreibt man größtenteils anderen zu. Er hatte große Misserfolge, und man schreibt sie größtenteils ihm zu. Seine Arbeitsweise ist quasi unbekannt. Er spricht nur unter Protest. Er schaut stets traurig drein. Man traut ihm nicht zu, ein Team zu bauen. Er muss in Detroit aber nur ein Team disziplinieren. Er ist nach allen bisherigen Erkenntnissen ein schlechter In-Game Coach. Aber alle seine bisherigen Spieler liebten ihn, und seine Mannschaften zogen ihren Scheiß stets bis zur Schlusssirene durch.

Jim Caldwell und Detroit. Ich bin nicht besoffen vor Glück, aber ich bin gespannt.

Notizblock NFL Woche 13 Colts/Patriots; Bengals/Steelers

Indianapolis Colts (0-11) @ New England Patriots (8-3) [Gamecenter] [Gamebook]

Jeopardy:

– „weiche“ Tampa-2 Defense, ohne Schnörkel, ohne Abwechslung, die CBs und LBs beim Snap mindestens 10 Yards von der Line of Scrimmage entfernt.

Antwort 1) die Lieblingsdefense von Brady, gegen die er so sicher 30 Punkte macht, so lange ein Footballfeld nicht quadratisch ist
Antwort 2) der Gameplan des neuen DC Mike Murphy und HC Jim Caldwell gegen Brady und seine Patriots.

Beides richtig.

Das war wirklich unfaßbar anzusehen, wofür werden diese Leute bezahlt? Ich hab seit 2006 jedes Patriots-Spiel gesehen und noch nie hat eine Mannschaft einen derart lächerlichen Gameplan aufgeboten. Man wußte vorher immer schon was passieren wird und Color Commentator Rich Gannon hat das dann auch öfter mal gemacht. Es war entweder Welker „underneath“ zwischen zwei Linebackers, Branch mit 8-Yd-Curl an der Seitenlinie oder Hernandez mit Catch auf der Höhe zwischen LBs und Safeties. Und in der Redzone immer Gronkowski, der drei kinderleichte Touchdowns gemacht hat. So ein Gameplan ist Arbeitsverweigerung! Da kann man auch den Spielern gar kein Vorwurf machen, das geht alles auf die Kappe von DC Murphy und HC Jim Caldwell. So war es dann ein leichtes für Wes Welker in drei Vierteln 11 Bälle für 114 Yards zu fangen (bei 11 Targets), für Gronk drei Touchdowns zu machen und für die gesamte Offense 31 Punkte zu machen. (Die Offense hat übrigens ohne Center Nr. 1, 2 und 3 gespielt. Dafür kam jemand mit dem Namen Nick McDonald aus der Practice Squad in die OLine und ist nicht mal negativ aufgefallen. RT Sebastian Vollmer war inactive wegen seiner Rückenverletzung, was unsere Befürchtungen der letzten Wochen bestätigt.)

Daß Indy dann im viertel Viertel nach 3-31 noch drei Touchdowns gemacht hat – geschenkt. Da haben die Backups von Koutouvides, Slater und Jones gespielt. Ja, diese drei Herren kamen diese Woche aus Bill Belichicks Zauberkugel um das Spiel in der Defense zu beginnen. Matt Slater, im normalen Leben Special Teams Captain und Backup-WR, war der sechste Starting Safety in dieser Saison; Niko Koutouvides, normalerweise in der Practice Squad und manchmal Special Teamer, war der neunte (!) Starting OLB und Nate Jones, der bis Mittwoch noch arbeitslos war, hat am Sonntag die Rolle von Julian Edelman als Nickelback übernommen. Am Ende hat die Defense nicht besonders gut gespielt, aber mit guter Redzone Defense und auch wieder einer starken Interception (Jerod Mayo) hat Indy nicht mehr als 3 Punkte in drei Vierteln aufs Scoreboard gebracht. Die wenigen Punkte sind auch das Einzige, was Dan Orlovskys Leistung vom Label „Offenbarung der Saison“ fernhält: 30/37, 353yds, 2TDs, 1INT.

Glück im Unglück für Indy: mit 0-12 läuft man immer noch volle Kraft voraus Richtung Andrew Luck. (Wann beginnt eigentlich die Diskussion „Sooooo gut ist Luck jetzt auch wieder nicht. Es sollte eigentlich Spieler X Nr.1 Pick werden, mit dem gewinnen die Colts dann auch wieder den Super Bowl“?) New England kämpft mit Baltimore, Pittsburgh und Houston, die auch alle 9 Siege auf dem Konto haben, um den Nr.1-seed in der AFC und tut das mit relativ leichtem Schedule: @Washington, @Denver, vs Miami, vs Buffalo.

Cincinnati Bengals (7-4) @ Pittsburgh Steelers (8-3) [Gamcenter] [Gamebook]

Auch beim Spiel Cincinnati @ Pittsburgh können wir uns den ausführlichen Notizblock sparen. Die Bengals-Offense fängt ganz gut an, bewegt im ersten Viertel den Ball ganz ordentlich, aber durch Strafen und Dummheiten springen keine Punkte dabei raus. Mit 10:12 im 2nd Quarter stehts nach zwei Big Plays von WR Wallace und Brown plötzlich 14-0. Man mag das manchmal gar nicht glauben und es geht auch oft im GB/NO/NE-Hype unter, aber Pittsburghs Offense ist tatsächlich eine der explosivsten der Liga. QB Roethlisberger kann immer wieder Sacks entkommen und mit dem Duo Mike Wallace/Antonio Brown haben die Steelers zwei der schnellsten Spieler der NFL.

Den Kickoff nach dem zweiten Touchdown fumblet Brandon Tate und Wallace macht das 21-0 (Q2/8:33). Die Steelers haben drei Touchdowns in weniger als viereinhalb Minuten gemacht. Damit ist an dieser Stelle das Spiel vorbei, denn niemand holt gegen eine Steelers Defense in Pittsburgh 21 Punkte auf – bei allen Verletzungen und (vermeintlichen) Formschwächen. A.J. Green beweist dann zwar noch, daß er einer der besten WR der Liga ist und auch in die Rookie-of-the-Year-Diskussion gehört und macht auch kurz vor Halbzeit noch das 7-21. Da wollen die Steelers aber gar keine Zweifel aufkommen lassen und Antonio Brown trägt den Punt nach völlig verunglücktem 2-min-Drive über 60 Yards direkt zurück in die Endzone.

In der zweiten Hälfte will dann die Verteidigung auch noch mal auf sich aufmerksam machen und reißt QB Dalton immer immer wieder zu Boden und läßt ihn wie einen Rookie aussehen. Zu Beginn des vierten Viertels hat er so viel eingesteckt, daß er verletzt raus muß und Backup-QB Gradkowski die Schläge einsteckt.

Die Bengals müssen sich trotzdem nicht grämen. Sie haben gegen eines der besten Teams der NFL in deren Stadion verloren. Und sie sind mit 7-5 auch noch voll im Wild-Card-Race mit den Jets, Titans, Raiders und Broncos, die auch alle sieben Siege auf dem Konto haben. Schedule ist nicht einfach, aber drei Siege sind machbar: vs Houston, @St. Louis, vs Arizona, vs Baltimore. Pittsburgh kämpft mit Baltimore um die AFC-North-Krone und muß am Donnerstag gegen Cleveland ran, dann ein Monday Night Game in San Francisco, gegen St. Louis und zum Schluß in Cleveland.

Cald, well?

Meine Rübe. Das Sunday Night Game von gestern Nacht war mit das Schockierendste, was ich vom Football in den letzten 1-2 Jahren gesehen habe (und ich habe die Memphis Tigers einmal spielen sehen).

Die Indianapolis Colts haben bei den New Orleans Saints 7-62 verloren. Wurden von den New Orleans Saints 7-62 abgeschlachtet. Wurden zertrümmert. Ein Spiel, nach dem dir erstmal die Worte fehlen.

Und doch ist die Sache eigentlich ganz einfach: Die Indianapolis Colts haben ein Problem, das sich nicht nur auf „Peyton Mannings Nacken“ reduzieren lässt. Mannings Nacken killt eine gesamte Offense und legt die Inkompetenz eines gesamten Offensiv-Trainerstabs blank.

Viel, viel (viel!) schlimmer aber war das Gezeigte in der Defense. Man kann im Superdome verlieren. Man kann im Superdome sehr viele Punkte kassieren und hoch verlieren. Und man kann im Superdome neun Drives (plus einmal abknien und einmal Abfalldrive gegen Spielende) spielen, dabei acht 3rd downs erzwingen, dafür 36 1st downs, 31 von 35 komplettierte Pässe, 321 Pass-Yards, 226 (!) Rush Yards (gegen die Saints!), sieben Touchdowns und zwei Field Goals zulassen und dann in der Halbzeit was vonwegen „we did not do the little things very well“ faseln, nur um danach drei lange TD-Drives en suite aufzugeben.

Die Statistik des Abend ist für mich: Neun Drives, acht 3rd downs erzwungen. Das ist einfach fassungslos.

Es wäre nicht das erste Mal in dieser Saison, dass die Colts in Grund und Boden gespielt werden. Aber dass eine Abwehr trotz beherztem Auftretens von Leuten wie DE Robert Mathis oder S Antoine Bethea so Spielzug für Spielzug in ihre Einzelteile zerlegt wird… ungesehen, und fällt direkt auf DefCoord Larry Coyer zurück. Coyer, der bei mir seit seiner Zeit in Denver einen Ruf wie Pest und Cholera genießt. Spielzug für Spielzug gewann man den Eindruck einer völlig ratlosen Unit. Und sie taten einem leid. Und es waren nicht die „little things“.

Auch die Offense schaut horrend aus, trotz des beherzten Rookie-RB Delone Carter. Wie man jedoch mit einem QB-Grünschnabel wie Curtis Painter in Indianapolis eine „no-Huddle“-Offense spielen kann, entzieht sich meinem Verständnisvermögen und fällt letzten Endes auf die Spielvorbereitung und den Trainerstab zurück.

Die ultimative Bankrotterklärung folgte im Schlussviertel, als man Painter für QB Dan Orlovsky auswechselte. Ein Move, der im Grunde alles besagte: Head Coach Jim Caldwell ist abgesägt.

Watt nun, Indy?

Ich halte die sportliche Leitung in Indianapolis eigentlich für zu besonnen, um Caldwell sofort zu rasieren. Ich würde allerdings nicht mehr darauf wetten, dass Caldwell die komplette Saison übersteht. Die Entscheidung wird auch davon abhängen, wie die Strippen im Hintergrund gezogen werden, wo mit Chris Polian der Sohn des Bill (jetzt „Sportdirektor“) den Posten des General Manager übernommen hat und von dem man munkelt, einen Führungswechsel klar zu bevorzugen.

Caldwell, der so stoische, sympathische, kleine, schwarze Mann, hat – mir tut das verdammt weh – wohl ausgeschissen. Man kann Schmallippigkeit durchaus gutheißen, aber diese horrende Defensivleistung auf „little things“ zu schieben, geht an den tatsächlichen Geschehnissen vorbei. Das Positive, das man Caldwell in dieser Niederlage ankreiden kann: Die Mannschaft lebte, Teile der Mannschaft lebten noch im Schlussviertel, bei 7-62. Es war Aufbäumen da, als kein Aufbäumen mehr half. Andererseits: Wenn dann immer noch ein 7-62 herausspringt…

Ich halte die Defensivprobleme in weiten Teilen für vergleichsweise behebbar, kompetente Trainer vorausgesetzt. Man kassiert keine 62 Punkte, weil die Spieler grottenschlecht sind. Man kassiert 62 Punkte, weil die Spieler nicht wissen, was sie zu tun haben. Schwerer zu lösen sind die Probleme im doch sehr zentralistischen Colts-Angriff, wo die Indianapolis Colts eine Entscheidung werden treffen müssen.

Die Komponente Andrew Luck

Franchise-QB Peyton Manning stand während des Spiels an der Seitenlinie (der Sideline Reporter hat beobachtet!), und Manning ist noch nicht auf der Injuried Reserve. Nun wäre das alles ein kleiner Hoffnungsschimmer, wenn da nicht Cris Collinsworth in einer schockierenden Offenheit wie ich sie bis dato bei US-Sportübertragungen noch nicht gehört habe, über Mannings Karriereende gesprochen hätte. Wenn ich mich nicht verhört habe, meinte Collinsworth sinngemäß „I hope he shuts it down for this year“ und „his daily life could be influenced“. Vielsagend, wie schnell Al Michaels an den immer noch im Roster aufscheinenden Manning erinnern musste.

Nun wartet im April 2012 im NFL-Draft der mögliche Hauptpreis, QB Andrew Luck von der Stanford University, ein zugegeben unglaublich „mündig“ wirkender Quarterback, der konsensfähig als reifster Quarterback aus den Colleges seit… Peyton Manning gilt. Wenn die Colts die Chance bekommen, Luck zu ziehen – sprich: weiterhin Woche für Woche verlieren – werden sie Luck nehmen, zumal unter einem neuen Trainerstab und mit dem Wissen, alternativ mittelfristig auf einen 36jährigen Manning mit ernsthaften (chronischen?) Verletzungssorgen setzen zu müssen.

Lassen wir mal den bizarren Rentenvertrag Mannings vom Sommer außer Acht: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Colts in der Offseason die Legende Manning für Draftpicks verhökern würden? Es hebe der oder die die Hand, der daran glaube.