Michigan Wolverines | 2016/17 Vorschau

Bei den Michigan Wolverines ist es wie mit allen Großmächten im College Football: Sie können jahrelang dahinsiechen, aber wehe, es gibt einmal eine gute Saison, und schon ist der HYPE TRAIN (in Großbuchstaben!) zurück. Michigan hatte diese gute Saison übrigens rein zufällig letztes Jahr: Man schrieb eine 10-3 Bilanz mit Option auf mehr an. Weiterlesen

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Big Ten Conference | College Football 2015/16 Preview

Die Big Ten Conference wähnt sich nach dem Landesmeistertitel der Ohio State Buckeyes sowie der Verpflichtung von Jim Harbaugh als neuem Head Coach in Michigan im Aufwind, doch bei genauem Hinsehen ist die älteste und stolzeste Conference im College-Football noch immer einige Schritte entfernt von den großen Ligen im US-Süden (SEC) und Westen (Pac-12).

2015 wird die Big Ten aber immerhin ein Elite-Team (eben Ohio State), ein sehr starkes Team (Michigan State) und eine Handvoll respektabler Mannschaften (Minnesota, Penn State, Michigan, Wisconsin, Nebraska) stellen. Das Problem sind eher die Hinterbänkler: Zu viel Mittelmaß. Weiterlesen

Football am Samstag

Viel American Football am heutigen Tag: Die NFL trägt zwei Samstagsspiele aus, die beide bei SPORT1 US gezeigt werden, und zudem beginnt die Bowl-Season 2014/15 – die erst ab Silvester auf SPORT1 US übertragen wird. Weiterlesen

Sonntagsvorschauer, Week 5 | NFL 2014/15

Der fünfte Spieltag eignet sich nicht bloß als Herbstschau der amerikanischen Männermode, sondern auch um eine Woche nach dem Sonntag der Blowouts weitere Eindrücke bezüglich etlicher Mannschaften zu sammeln. Das Gewicht heute Abend ist dabei wieder eindeutig gen Abendessen verschoben, mit neun Ansetzungen um 19h zu nur drei nach zehn Uhr plus dem Sunday Night Game. Eine ausführliche Vorschau ohne rosa, und auch nicht durch die rosa Brille. Weiterlesen

Notizblock NFL Championship Games 2013/14

Zunächst mal: ein Championship Game sollte nicht ohne Flutlicht, dafür aber bei strahlendem Sonnenschein und 15° Celsius ausgetragen werden. Jedes Sunday Night Game hat mehr Atmosphäre. Passenderweise gab es dann eine fast schon langweilig perfekte Leistung der Denver Broncos und ein langweilig durchschnittliches Spiel der New England Patriots. Später ertranken wir dafür dankenswerterweise in literweise Herzblut und action vor einer Kulisse, die man sich für ein Championship Game nicht perfekter hätte ausmalen können.

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NFL 2013-14, Gameday #3 am Sonntag

Bitte nicht erschrecken. Ich muss diesen Sonntag für den urlaubenden korsakoff einspringen, der mir noch das Sendeprogramm der deutschsprachigen TV-Sender mit auf den Weg gegeben hat:

19h    Baltimore - Houston
19h    Washington - Detroit (*)
22h05  Miami - Atlanta (*)
22h25  San Francisco - Indianapolis
02h25  Pittsburgh - Chicago

Die mit (*) markierten Spiele laufen bei SPORT1 US auf SKY via Multifeed.

PULS4 in Österreich bringt ab 22h30 San FranciscoIndianapolis mit dem neu akquirierten Runningback der Colts, Trent Richardson.

Im NFL Gamepass gibt es heute ein Gratis-Spiel New Orleans SaintsArizona Cardinals. Man muss sich aber anmelden, und dann rechtzeitig wieder kündigen.


Zuerst zu den Spielen, die MESZ ab 19:00 Uhr ausgetragen werden. Ich hoffe, meine „Expertise“ reicht für das lesende Publikum aus.

Cincinnati Bengals – Green Bay Packers

Bei diesem Spiel muss ich immer an meinen Host Daddy aus der Schulzeit als Austauschschülerin in Pennsylvania denken: Glühender Bengals-Fan, der nach vielen Jahren Seuche zum ersten Mal so etwas wie Hoffnung spürte. Cincinnati qualifizierte sich in jenem Herbst zum ersten Mal seit 15 oder so Jahren für die Playoffs, und es waren selige Weihnachten, aber dann riss sich der Franchise-Quarterback alle Bänder und die Seuche ging weiter. Bis jetzt. 2013 treten die Bengals nach langen Jahren wieder mit echten großen Hoffnungen an. Überwiegende Meinung: Es fehlt ihnen nur noch eins, und das ist ironischerweise ein richtiger „Franchise-Quarterback“. QB Andy Dalton ist zwar ein Guter, aber nicht einer der besten. Das sah beim Monday Night Game gegen Pittsburgh in Week 2 dann so aus: Jeder längere Wurf segelte viele Meter am Ziel vorbei, oder drüber.

Tipp: Wenn wir schon über Franchise Quarterbacks sprechen, dann hat Green Bay nicht nur einen den besseren, sondern den Besten. Green Bay gewinnt.

Tennessee Titans – San Diego Chargers

Gäbe es Punkte für Attraktivität, dann hätten diese beiden Teams im Sommer nicht bloß keine bekommen, sondern Punktabzüge. Und dann starten beide mit 1-1 in die Saison und lehren dabei die Großen das Fürchten: Tennessee mit Auswärtssieg in Pittsburgh und nur knapper Auswärtsniederlage in Houston, San Diego verlor auch haarscharf gegen Houston und gewann auswärts in Philadelphia. Die besseren Impressionen hinterließ San Diego, die schon wieder von den Playoffs träumen.

Tipp: San Diego Chargers.

Washington Redskins – Detroit Lions

RGIII ist noch längst nicht wieder der Alte und humpelt zähnefletschend über das Feld, aber der einzige Weg, einen gesunden RGIII zu einem fitten RGIII zu einem _spielfitten_ RGIII hochzuziehen, ist es, RGIII spielen zu lassen. Deswegen werden sich die Schreie nach seinem Ersatzmann schnell einstellen. Der einzige Grund, ihn gegen Detroit keine Spielpraxis sammeln zu lassen, ist der gemeingefährliche Ndamukong Suh von den Lions, vor dem selbst die eigenen Mitspieler im Training Angst haben, weil er seine Energie nicht im Zaume halten kann.

Tipp: Detroit.

New England Patriots – Tampa Bay Buccaneers

Es war die erste Saison, in der ich rechte Hoffnungen hatte, dass es mit Evil B.B. und dem Modelficker (*) abwärts geht, und nix: Zwei Spiele, zwei Siege. Ja, es war zweimal knapp und gegen zwei der schlechtesten Teams (sagen zumindest alle über Buffalo und Jersey-B), aber das gehört alles zu B.B.s Plan. B.B. hat den ganzen Sommer damit verbracht, den Schedule zu studieren und kam zum Schluss, dass die ersten Games der Pats so einfach seien, dass sie selbst mit der B-Reserve zu gewinnen sind. Besser erstmal auf die richtigen Gegner einspielen und die schmutzigen Wins mitnehmen. Klappte ja hervorragend, auch wenn der Modelficker das in seinen Wutausbrüchen wohl nicht so sah, Aaron Dropson und Kenbrell Dropkins sei Dank.

Heute folgt Stufe zwei des B.B. Plans, und sehr zur Freude geht es gegen den besten Kumpel, Greg Schiano, den einzigen NFL Coach, der noch unsympathischer ist ohne B.B.s Kultigkeit zu besitzen. Die halbe Mannschaft des B.B. besteht aus Jungens, die Schiano am College in Rutgers unter seinen Fittichen hatte. Das ist kein Zufall. B.B. weiß, dass alle Menschen, die schonmal unter Schiano arbeiten mussten, dankbar sind, unter B.B. arbeiten zu dürfen. Um das zu verdeutlichen, hält B.B. gemeinsame Trainings mit Schiano ab.

Schiano steht nach dem missglückten Auftakt der Bucs (0-2) schon mit dem Rücken zur Wand. Dass Schiano ein menschliches A****loch ist, verheimlicht niemand. Wichtige Spieler wie Darrelle Revis kritisieren Schiano öffentlich oder denken an einen schnellen Abgang wie Josh Freeman. Dieser ist der Quarterback, und der spürt von Schiano so viel Rückhalt, dass er bei der Heimniederlage gegen New Orleans nicht einmal 3 Yards in der letzten Minute ausspielen durfte.

Tipp: New England.

[Update] (*) Um der Entrüstung Einhalt zu gewähren, ein Verweis auf die eine oder andere Stelle aus den Tiefen der Vergangenheit dieses Blogs. – korsakoff[/Update]

Die anderen Spiele

St. Louis Rams – Dallas Cowboys. Wenn es nicht so egal wäre: Cowboys gewinnen das.

Minnesota Vikings – Cleveland Browns. Das Duell der großen Running Backs ist nach dem Abgang von Trent Richardson in Cleveland zu einem Rohrkrepierer geworden. So wird es zum Duell der QB Chris Ponder gegen Brian Hoyer. Chris Ponder wuppt das. Tipp: Vikings.

New Orleans – Arizona Cardinals. Tipp ist nicht schwierig: New Orleans.

Carolina Panthers – New York Giants. Spielen hier die beiden unsympathischsten Quarterbacks gegeneinander? Nein, New England ist nicht mit von der Partie. Tipp: New York Giants.

Baltimore Ravens – Houston Texans. Hier sind die Namen größer als die Leistung. Baltimore ist weniger Not als Houston Elend. Deswegen: Ravens gewinnen und schicken Ed Reed nachher einen Blumenstraß mit nach Houston.


Weiter mit den Spielen, die zwischen 22:05 Uhr und 22:25 Uhr MESZ angestoßen werden.

New York Jets – Buffalo Bills

Zweimal schwarze Rookie-Quarterbacks. E.J. Manuel für die Bills war der erste 2013 genommene Quarterback im Draft, Geno Smith für die Jets der zweite. Beide Teams stehen bei 1-1. Beide gewannen ein Heimspiel gegen einen vermeintlich überlegenen Gegner mit einem Punkt. Beide profitierten dabei von haarsträubenden Fehlern beim Gegner, Strafen und schlechte Coach-Entscheidungen. Beide spielten schon gegen die Patriots, und beide verloren trotz guter Leistung knapp. Die Bills verloren mit 2 Punkten, die Jets mit 3, aber die Jets spielten auswärts gegen die Pats. Nach dieser Logik müsste es ein ausgeglichenes Spiel werden.

Tipp: Jets haben Heimvorteil, Jets gewinnen.

San Francisco 49ers – Indianapolis Colts

Es gibt bei diesem Spiel nur eine Storyline, und die ist das Wiedersehen von Colts-QB Andrew Luck mit seinem ehemaligen Head Coach am College, nun Head Coach in San Francisco: Jim Harbaugh. Für das breitere Verständnis ist hier ein wenig Kontext angebracht. Die beiden arbeiteten an der Stanford University zusammen. Diese Uni war für alles bekannt, nur nicht für hohe Ambitionen im Football. Bis Jim Harbaugh kam, der früher mal NFL-Quarterback gewesen war bei den *pling* Indianapolis Colts. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte Harbaugh Stanford von einem der schlechtesten Teams zu einem der besten.

Mit half die von ihm gepredigte Disziplin. Aber ebenso half Andrew Luck, der Quarterback, den Harbaugh rekrutiert hatte. Ich war damals Auslandsstudentin in den Vereinigten Staaten und nur nur periphär am Football interessiert, aber ich erinnere mich an ein Spiel zurück, das an der Westküste stattfand, aber auch bei „uns“ im Südosten Wellen schlug: Stanford mit Harbaugh und Luck schlug auswärts als Wett-Underdog von 41 Punkten die landesweite #1 Southern Cal! Die Geburtsstunde der Legende von Stanford, Harbaugh und Luck. Gemeinsam gewannen sie nie den National Title, aber sie spielten wenigstens zu Harbaughs Abschied in der Orange Bowl und gewannen deutlich. Jim Harbaugh ging 2011 in die National Football League und machte in San Francisco aus einem der schlechtesten Teams eines der besten. Luck folgte 2012 und half in Indy mit, das schlechteste Team zu einem Playoff-Team zu machen.

Über die Connection Harbaugh-Colts, Colts-Luck, Luck-Harbaugh tummeln sich viele weitere Gestalten aus dem damaligen Umfeld von Stanford in den beiden Mannschaften. Harbaugh hat beispielweise seinen Offensive Coach Greg Roman mit in die N.F.L. genommen. In Indy spielt mit TE Coby Fleener ein ehemaliger Stanford Cardinal, und Offensive-Coordinator Pep Hamilton war auch Lucks Positionscoach an der Uni.

Tipp: San Francisco gewinnt klar und deutlich.

Seattle Seahawks – Jacksonville Jaguars

Wiedersehen war das Thema, Wiedersehen ist das Thema: Bei diesem Spiel geht es um Gus Bradley, formerly Defensive Coordinator bei Seattle, und jetzt Head Coach bei Jacksonville. Für ihn ist es die Rückkehr in sein altes Stadion, wo er den Grundstein legte für die Defense der ‘Hawks, die jetzt die beste der N.F.L. ist. Überhaupt ist Seattle eines der besten Teams und ein Super Bowl Favorit. Da muss es für Bradley ein Kulturschock gewesen sein, denn Seattle und Jacksonville sind nicht bloß geographisch tausende Meilen entfernt – vom äußersten Nordwesten in den (fast) äußersten Südosten – sondern auch footballerisch. Die Jags sind das schlechteste Team der Liga! So schlecht, dass sich letztens sogar der lokale Broadcast-Ableger von CBS in Florida entschuldigte, das Jaguars-Spiel vertraglich übertragen zu müssen.

Jacksonville hat bisher gegen zwei der drei schlechtesten Teams von 2012 gespielt. Das dritte im Bunde waren sie übrigends selbst. Dabei haben die Jags insgesamt ganze elf Punkte erzielt. Zum Vergleich: Seattle hat gegen zwei der besseren Teams gespielt, und insgesamt ganze zehn Punkte ZUGELASSEN!

Die einzige Gefahr vor einem solchen Spiel ist der „Hangover“, das Unterschätzen des Gegners. Genau über diese Gefahr und wie er damit umgeht, hat der Cornerback Richard Sherman bei Sports Illustrated geschrieben. Sherman mag ein Lautsprecher sein, aber er hatte mal ein Scholarship bei Stanford. Richard Sherman ist nicht dumm.

Tipp: Die Jaguars sind mein Lieblingsteam in der NFL, aber nichts liegt heute ferner als ein weiteres Debakel. Das ist vielleicht auch gut so, denn es vergrößert die Chancen auf hohe Draftpicks 2014. Seattle gewinnt mit wenigstens vier Touchdowns Differenz.

Miami Dolphins – Atlanta Falcons. Atlantas Schönwetterspieler kriegen schönes Wetter in Miami. Tipp: Falcons.


Und schließlich das Sunday Night Game um 2:20 Uhr MESZ.

Pittsburgh Steelers – Chicago Bears

Das Sunday Night Game lebt mehr von den großen Namen als von der Qualität der beiden Mannschaften. Mal ehrlich: Die Steelers sind 0-2, und sie sind verdient 0-2. Die Bears sind 2-0, aber es waren die sprichwörtlichen engen Spiele, die ihnen dazu verhalfen: Touchdowns in den letzten Sekunden und Fehler beim Gegner ohne Ende. Der gemeinsame Nenner zwischen den beiden ist Cincinnati: Beide haben schon gegen die Bengals gespielt. Chicago gewann daheim glücklich mit +3, Pittsburgh verlor auswärts verdient mit -10. Wenn wir die Heimvorteile in allen drei Spielen berücksichtigen, ist Chicago trotz Auswärtsspiel mit 4 Punkten favorisiert, und in etwa so ist die gefühlte Ausgangslage auch vor diesem Spiel. Jay Cutler wird es richten.

San Francisco 49ers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        11-4-1  SB
Enge Spiele    4-1 
Pythagorean   11.4    (4)
Power Ranking   .702  (1)
Pass-Offense   6.9    (7)
Pass-Defense   5.3    (2)
Turnover        +9

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die San Francisco 49ers waren gewiss eine der Mannschaften der Saison und ich habe oft über das komplett eigene Flair – optisch und statistisch – dieses Teams geschrieben. San Francisco stellte wohl die insgesamt beste, kompletteste Mannschaft, nur um ganz am Ende knapp zu scheitern. Die Hauptursachen dafür: Die Pass-Defense war in den Playoffs weit weg von ihrer Bestform, und Head Coach Jim Harbaugh, normalerweise einer der souveränsten PlayCaller, wurde im Endspiel von seinem Bruder John… „outgecoacht“ ist ein zu hartes Wort, aber Jim war ganz klar nicht „er selbst“ der Superbowl.

Am Titel knapp vorbeigerauscht, aber dank exzellentem Kader-Management über die letzten zwei Jahre haben Harbaugh und GM Trent Baalke den vollständigsten Roster und immer noch 14 Draftpicks für Ende April. Die 49ers gehen gerüstet und geladen in ihre letzte Saison im Candlestick Park bzw. letzte Saison in San Francisco, ehe es ab nächstem Jahr nach Santa Clara in eine Pracht von Hightech-Stadion geht.

Die Offense

Man getraut es sich nach vielen Jahren Malaise kaum zu schreiben: Die 49ers der abgelaufenen Saison definierten sich letzten Endes vor allem über ihre Offense. Der riskante Move vom blassen QB Alex Smith hin zum jungen, feurigen QB Colin Kaepernick erwies sich als echter Glückgriff nicht nur ästhetischer Natur, sondern vor allem dank der zusätzlichen Dimension in Kaepernicks Spiel (read option, Scrambles, vertikales Spiel) auch als effizienter. Ich gehe davon aus, dass bei Kaepernick früher oder später die Regression zur Mitte einsetzt, was seine extrem niedrige Turnover-Zahl (niedrig vor allem wenn man bedenkt, wie risikoreich Kaepernick spielt) angeht, aber selbst mit Inkaufnahme der einen oder anderen zusätzlichen Interception war die Effizienz-Steigerung den QB-Wechsel wert.

Backup wird der aus Cleveland geholte Colt McCoy, ein Mann ohne Raketenarm, dem man aber durchaus Qualitäten für eine downfield-Offense nachsagt. Wichtig aus 49ers-Sicht auch, dass McCoy nicht in Seattle landete.

Eine Position, die eventuell das eine oder andere Element zusätzlich gebrauchen könnte: Receiving-Corp. WR Crabtree hatte endlich sein Coming Out, und WR Manningham war bis zu seiner Verletzung ein wertvolles Asset. Aber dahinter wird es etwas dünn: Randy Moss ist weg, der Rookie-WR A.J. Jenkins wurde fast gar nie eingesetzt und riecht schon ein bissl nach Bust. Mit WR Boldin wurde eine sehr physische Präsenz aus Baltimore geholt und zufällig auch genau der Mann, der vermutlich neben Joe Flacco (und Jim Harbaugh) am meisten dazu beitrug, dass die 49ers die Superbowl verloren.

Auf Tight End wurde Delanie Walker abgegeben, aber mit Vernon Davis steht noch eine Option mit big play-Fähigkeiten bereit. Insgesamt würde ich in dieser Armada ganz gerne noch ein veritables zweite deep threat neben Davis sehen wollen, um Kaepernicks Monster-Arm noch besser zu nutzen. Sollte Jenkins nicht wie erhofft diese Waffe sein, könnte man sich im Draft umsehen.

Bei den Running Backs steht man auch gut da: Frank Gore hatte zuletzt wieder ein besseres Jahr und dürfte noch 1-2 Jahre Sprit übrig haben. Ich halte Gore für eine exzellente Waffe für die tausend verschiedenen Run-Plays der 49ers. Komplementär dazu steht der Wunderzwerg Lamichael James zur Verfügung. Und – nicht zu vergessen – Kendall Hunter. Zu bedenken ist, dass sämtliche Effizienz-Stats letzte Saison merklich einbrachen, als Hunter auf der IR war.

Kaepernick war die Story des Jahres, aber für das große Geheimnis des Erfolgs der Offense halte ich den Aufstieg der Offensive Line aus den Niederungen hin zur vielleicht besten der Liga. Nicht zu vergessen: San Francisco draftete über viele Jahre immer und immer wieder ganz hoch seine Blocker ein. Davis, Iupati, Staley und wie sie alle heißen: Alles ehemalige Top-15 Picks. Sie haben halt erst im abgelaufenen Herbst zum ersten Mal richtig „geklickt“. Ein solcher Schutzwall ist natürlich fantastisch, wenn du dein Spiel um kreative Läufe und tiefe Pässe aufstellen willst und dazu noch einen Supersprinter auf QB hast.

Die Defense

Die Defense zeichnete sich 2012/13 durch zwei Dinge aus: Sie war bis zu den Playoffs absolut dominant und die womöglich beste in der Liga, gab dann allerdings im Jänner einen vergleichsweise brutal hohen Schnitt in Yards/Passspiel auf. Und zweitens: Sie baute zu 90+x% auf denselben Kern, blieb von Verletzungen überwiegend verschont und musste fast keine Tiefe aufweisen.

Eine Verletzung gab es dann doch noch: DE Justin Smith lief in den Playoffs mit kaputtem Muskel im Oberarm durch die Gegend und war schwer limitiert – schwupps war der überirdische Passrush nur noch „gut“. Justin und DE/OLB Aldon Smith bilden gemeinsam ein unschlagbares Duo, aber für Aldon zeigte sich, dass er die Last im Alleingang noch nicht tragen kann.

Ein Knackpunkt für den Draft könnte die geringe Tiefe in der gesamten Defense hintern den Startern werden, Stichwort „wenn die Verletzungen doch mal zuschlagen…“: Zwar wurde in der Defense Line z.B. Glenn Dorsey aus Kansas City eingekauft, aber mit Sopoaga und Francois gingen zwei Backups für teures Geld woanders hin. San Francisco soll in der Defense Line eher Konzepte der 4-3 Defense spielen (Line mit Justin Smith-Dorsey-Williams/McDonald), das ist auf alle Fälle sehr gut auf die Talente Dorseys zugeschnitten, der in Kansas in einem Kack von Schema verbrannt wurde.

Bei den Linebackers lebt alles von dem fantastischen Duo Bowman/Willis, das drei Downs auffm Feld bleibt und auch athletischere Tight Ends bearbeiten kann (Bowman wurde per Vertragsverlängerung für gutes Geld gehalten). Dazu gibt es den OLB Ahmad Brooks, der seine teure Vertragsverlängerung bereits letztes Jahr bekam – einer der wenigen Moves, die Baalke möglicherweise bereuen wird, dann nämlich, wenn man Kaepernick einen würdigen Vertrag geben muss und der Platz unter der Salary Cap knapp wird, weil mittelprächtige Jungs wie Brooks massive Kohle nachgeschaufelt bekommen haben. Die vierte Linebacker-Rolle übernimmt im Abwehrschema von DefCoord Vic Fangio besprochener Super-Passrusher Aldon Smith.

Die Secondary um das Duo Terrell Brown/Carlos Rogers wurde um den Lokalmatador Nnamdi Asomugha (Asomugha spielte jahrelang bei den Raiders und am College bei Cal) ergänzt. Asomugha hatte zuletzt zwei horrende Jahre und man ist sich nicht sicher, inwiefern der Mann noch einmal die Form alter Raiders-Tage erreichen kann, aber für die Kohle (Einjahresvertrag, 1.35M, nix guaranteed) macht der Move allemal Sinn.

FS Dashon Goldson wurde zu teuer und musste nach Tampa ziehen gelassen werden – Goldson bekam im Vergleich zu Brooks nicht seinen Vertrag: Für mich kein schlechter Deal, denn die Safety-Klasse 2013 gilt gut besetzt, da ist via Draft einiges machbar, vor allem mit den vielen Picks der Niners.

Ausblick

Größte Lücke der 49ers eingangs der Offseason war die Kicker-Position (Akers hatte ein furchtbares Jahr), und das wurde mit Phil Dawson gelöst. Wenn deine größte Lücke der Kicker ist, hast du einen guten Kader. Es gibt für den Draft IMHO noch zwei wichtige Positionen in der ersten (oder 1B) Garnitur, die man verbessern könnte:

  • Free Safety
  • Zweiter Tight End oder downfield-WR

Beides sollte mit den vielen Picks und der eh schon rundum gut besetzten Mannschaft möglich sein. Der Rest wird sich auf die Tiefe (Prävention für eventuell mehrere Verletzungen als in der Vergangenheit) und die mittelfristige Zukunft (z.B. RB) konzentrieren.

Superbowl XLVII im Liveblog: San Francisco 49ers – Baltimore Ravens

[05h18] Ich bin fast 24h auf den Beinen, aber kaum Anzeichen von Müdigkeit. Insofern wage ich mich an eine kurze Analyse des Spiels, dieses geschichtsträchtigen Spiels. Superbowl 47 wird aus mehreren Gründen in die Annalen eingehen. Die Brudergeschichte. Ray Lewis. Der Stromausfall. Das Comeback. Der umstrittene Call zum Ende.

Es war in allererster Linie ein starkes Footballspiel. Man konnte diese Superbowl trotz zeitweiliger 22pts-Differenz nie abschreiben. Nicht, wenn die wichtigen Effizienz-Stats wie NY/A im Passspiel so ausgeglichen sind. Weshalb führten die Ravens so klar? Es fiel ihnen eine Interception in den Schoß, ein Fumble in den Schoß, und sie hatten einen rekordverdächtig langen Kickoff-Returntouchdown. Schon liegt du so deutlich vorn.

Nach dem bizarren Stromausfall schwang das Pendel im Stadion um – wir spürten es bis in die Stube. Er brachte mehr ins Spiel als eine kleine Nuancierung in die Partie. Aber es wäre auch nicht so, dass San Francisco den Sarg aus eigener Kraft nicht mehr aufgebracht hätte. Denn sie waren gut. Kaepernick war gut. Nicht so elektrisierend wie in den letzten Wochen, aber es reichte, um die Büchse noch einmal aufzumachen.

Momente wie der Rice-Fumble sind jenseits von gut und böse. Sie verändern komplette Spiele, obwohl niemand so richtig was dafür kann. Er hätte um ein Haar die Superbowl 47 entschieden. San Francisco brachte die Drives plötzlich zu Ende. WR Crabtree kam plötzlich ins Spiel und bot neben TE Davis eine zweite veritable Anspielstation.

Dann killte eine simple Out-Route zu Anquan Boldin die emotionale Welle. Dieser eine Spielzug beruhigte die Gemüter. Es blieb bis zum Ende ein hautenges Spiel. Am Ende brachten die 49ers aus 5yds in drei Versuchen den Ball nicht in die EndZone. Im vierten Versuch schlitterte man haarscharf am Holding. Ein eher richtiger Call der Refs, auch wenn Jim Zeter und Mordio schrie. So knapp war’s. Am Ende setzte John Harbaugh mit der Belichick-Gedächtnisentscheidung („Safety“) den das Sahnehäubchen drauf – eine richtig durchdachte Coaching-Entscheidung zum Superbowlsieg.

Woran es für den Favoriten San Francisco letztendlich scheiterte? Schwierig. Die 49ers mit einer unterirdischen Verwertungsrate bei dritten Downs (2 von 9). Mit einem Turnover mehr. Zweimal nur ein Field Goal in der RedZone. Kassierten einen Special-Teams-TD. Nach Yards pro Spielzug gewann man deutlich (7.8 vs 5.2 bei den Ravens). Sie spielten gut genug, um zu gewinnen. Sie spielten gut genug, um einen Favoritenstatus zu rechtfertigen. Sie scheiterten an Winzigkeiten.

Ich bleibe nicht ungern dabei: Boldin oder Jacoby Jones wären noch verdientere MVPs als Flacco gewesen. Flacco ist eine leicht simplifizierte Wahl. Aber keine unverdiente.

Die Medien werden versuchen, das Spiel zum besten Superbowl ever hochzujazzen. Ich sollte mich weiterhin nicht in diese Wertung einmischen, aber: Es gehört in die Diskussion. Eng. Comeback. Intensität. Rangeleien. Schlägereien. Knisternde Atmosphäre. Im Stadion und auf dem Spielfeld.

So muss Sport sein. Lebenswichtig.

[05h10] Übrigens höchste Positionierung ever für Sideline Reporter in den WordPress Blogs-des-Tages:

Die #2.

Die #2.

[05h04] Eher kalte Reaktion von John Harbaugh auf Nachfrage zum Handshake mit Brüderchen Jim.

[05h01] Flacco scheint ein netter Zeitgenosse zu sein, verzichtet auf clownige MVP-Ansprachen. Sogar Ray Lewis mit einer weniger schmalzigen Ansage als befürchtet. Und im Hintergrund fightet die Seven Nations Army.

[04h54] Kurzer TV-Review: Ich habe ESPNA und den CBS-Feed fast komplett ignoriert. SAT.1 mit einer für mich rundum gelungenen Performance, erklärten viel, weit weg von Anfängerkommentierung; sophisticated war’s nicht, aber das erwartet auch keiner. Die Italiener mit sehr viel Detailanalysen, wie gewohnt eine superbe Vorstellung.

[04h47] QB Joe Flacco (22/33 für 287yds, 3 TD, null Turnovers) ist MVP. Kann man machen.

Ich hätte noch zwei andere Kandidaten zu bieten gehabt:

  • Jacoby Jones. Ja, nur zwei richtige Plays. Aber einer ein der lange TD. Der andere grub das Grab des Gegners mit Beginn dritter Halbzeit.
  • Anquan Boldin. Fantastische Catches von Boldin in richtigen „Clutch“-Situationen.

Ed Reeds Interception negierte sich mit dem großen 49ers-Comeback. Terrell Suggs war auch nur in Halbzeit eins richtig dominant. RB Rice hatte diesen bösen Fumble. Insofern: Flacco geht in Ordnung. Flacco wird den MVP in wenigen Wochen mit ein paar Extramillionen versüßen.

Viertes Viertel

[04h45] Endstand San Francisco 31, Baltimore 34. Teddy Ginn legt noch einmal alles in den Fair-Kick-Return, wird aber an der Mittellinie gestoppt. Die Ravens gewinnen die Lombardi Trophy 2012/13.

Ja. Große Sensation. Ich habe es nicht kommen sehen (VM schon). Dreimal mit mehr als 10 Punkten gegen Baltimore gesetzt. Dreimal baden gegangen. Damit haben Sie’s zu tun.

[04h41] San Francisco 31, Baltimore 34/Q4 0:04. Der Punter nimmt den Safety. Und damit ist die Partie vorbei.

[04h41] 12sek. Baltimore wird gleich punten. 2-5sek dürften bleiben. Hail Mary.

[04h40] Mike Pereira zum Call beim 4th down:

[04h37] Selbst wenn San Francisco den Ball nochmal bekommt: Mehr als 8-15sek werden sie nicht mehr bekommen. Und schlechte Feldposition. Auf der Bank draußen wird entsprechend auch schon geheult.

[04h35] 2nd down: incomplete.

3rd down: Pass raus für WR Crabtree. incomplete, wäre aber nicht für mehr als 1yd gegangen.

4th down: massive Blitzes, Kaepernick feuert hoch ins Eck der EndZone. CB #22 Rodgers hält gegen WR #15 Crabtree, aber nicht genug für eine Flagge. (Holla?) incomplete.

1:46 bleiben. 1 Timeout für San Francisco.

[04h30] Großartiger Pass für WR Crabtree über die Mitte (gegen einen DB mit #24 und LB Lewis). Direkt im Anschluss zündet Frank Gore den Brenner und umläuft links die Defense – an die SF 8. Ein Play später sind sie an der 5.

2min Warning. Zeit bei diesem Spielstand absolut ein Faktor. (BAL hat noch drei Timeouts und sollte diese bald zücken)

[04h25] San Francisco beginnt an der eigenen 20. 4:19 zur Unsterblichkeit.

[04h21] San Francisco 29, Baltimore 34/Q4 4:23. Dicke Klöten von John Harbaugh, im dritten und 0.5yds einen gelupften Ball downfield zu werfen – aber Boldin klaubt das Ei sehenswert gegen CB Culliver runter. Danach wird humorlos gelaufen, bis der Drive – lebenswichtig für die 49ers – an der Grenze zur RedZone gebremst wird. „Nur“ ein Field Goal. San Francisco braucht nun einen TD. Aber hätten die Ravens den TD gemacht, das Spiel wäre 99% over gewesen.

Boldin mausert sich derweil zum veritablen MVP-Kandidaten im Falle eines Ravens-Siegs.

[04h04] San Francisco 29, Baltimore 31/Q4 9:57… und da dringen erhöhte Dezibelwerte durch den Sportitalia-Äther. Langer Pass für WR Randy Moss. Kreative Laufspielzüge über RB Gore. Nahe der GoalLine schicken die Ravens einen massiven Blitz, den Kaepernick per blitzschnellem Scramble zum Touchdown verbrennt. Die 2pts-Conversion scheitert – weil die Ravens erneut einen All-Out Blitz schickten.

Drama, Baby.

[03h57] San Francisco 23, Baltimore 31/Q4 12:54. Viel Laufspiel über RB Rice über die Mitte, und nach einem Goal-Line Stand plus einer erzwungenen Incompletion für Flacco steht John Harbaugh 4th-und-1.5yds vor der GoalLine vor einer der Entscheidungen der Superbowl-Geschichte…

und enttäuscht. John lässt kicken. Wenn du hier nicht ausspielst, wann dann?

Drittes Viertel

[03h52] Längstes drittes Viertel der Superbowlgeschichte. Ein Catch plus langer Lauf des WR Anquan Boldin im dritten Versuch beruhigt die Gemüter im Stadion etwas und bringt Baltimore zurück ins Spiel. Danach folgen knackige Läufe – und ein riskanter Call: 3rd-und-inches, und der RB Pierce wird über außen geschickt. Glückt. Baltimore fast in Punkte-Range.

[03h48] Jetzt bräuchte Baltimore einen Stromausfall.

[03h43] San Francisco 23, Baltimore 28/Q3 3:14. Meine Fresse. Ich wiederhole mich: Meine Fresse.

K Akers versemmelt einen 39yder, aber aufgrund eines „running into the kicker“ gibt es einen zweiten Versuch – und der sitzt aus 34yds. Aber: 4th-und-2, da ist es aus der Feldposition doch überlegendwert, auszuspielen?

[03h40] Wahnsinn. Flacco steht die Angst in die Augen geschrieben. Schneller Screen raus zu Ray Rice, CB #25 Terrell Brown rauscht heran, schlägt Rice das Ei aus der Hand. Fumble. SF beginnt an der BAL 24.

[03h37] Aus dem Bloginnenraum: Die ersten drei Stunden haben auf diesem Blog alle bisherigen Besucherrekorde gesprengt. Seit dem Stromausfall ist die Bewegung drastisch zurückgegangen.

[03h32] San Francisco 20, Baltimore 28/Q3 4:59. Pass für TE Davis, dann an der 6yds-Line Ballübergabe an RB #21 Gore gegen die Laufrichtigung der Defense, FB #46 Delanie Walker räumt Ed Reed aus dem Weg wie eine luftige Mücke und Gore trabt in die EndZone. Und DT #92 Ngata wird aus dem Spiel geknockt, humpelt aus der EndZone raus.

Football. Du kannst jedes Matchup in die Pupette analysieren. Nada. Zwei Plays stellen die Welt auf den Kopf.

(keine 2pts-Conversion für San Francisco? Jimmy?)

[03h31] Mental sind die 49ers nun obenauf: Incomplete Pass, Lauf für nix, im dritten Down ein Blitz von LB #55 Brooks, der Flacco von hinten umreißt. Punt, #19 Teddy Ginn jr. returniert in die RedZone! Bitte, weckt eure Liebsten wieder auf! Wir haben ein Spiel!

[03h27] Jetzt ist es übrigens gut, dass San Francisco mit Kaepernick einen „wilden“ Spieler hat. Kaepernick traut man ein Comeback zu. Alex Smith nicht.

[03h25] San Francisco 13, Baltimore 28/Q3 7:20. Nach dem Auszeit-Fehler zwei schöne Dinger von Kaepernick: Schöner „gelobbter“ Pass für TE Davis, Rakete nach halblinks für den bis dato über weite Strecken ausgeschalteten WR Michael Crabtree, der von zwei Verteidigern (#29 Williams/#31 Pollard) abprallt und zum TD durchläuft.  (7 Plays, 80 Yards und fast alles per Pass oder Scrambles)

[03h21] SiehabennichtgenugvonderAuszeit. Jetzt passiert das, was dieses Jahr für Kaepernick typisch war und einer meiner Hauptkritikpunkte an Kaepernick: Er muss eine Auszeit verbrennen, weil sie den Spielzug nicht durchbringen. a) idiotisch, wegen 5yds ein Timeout zu nehmen. b) diese Zeit wird im letzten Viertel u.U. noch richtig wehtun.

[03h16] Die Ravens mit einer halbherzigen Angriffsserie. Passend, dass sie im 4th-und-inches nicht die Traute haben auszuspielen, und punten. SF beginnt gleich an der eigenen 20 und sollte langsam anfangen, produktiv zu werden.

[03h12] Spiel geht nach 35 Minuten Pause weiter. 49ers müssen schnell punten.

[03h06] Steve Tasker von CBS: „Draußen ist ein Generator geflogen, es mussten viele Checks durchgemacht werden, daher dauerte es so lang… Teams haben nun so lange Zeit zum Aufwärmen, wie sie glauben zu brauchen… definitiv ein Vorteil für die 49ers“

Studioexperten sehen auch unisono Vorteile für San Francisco in diesem Moment. Es komme sehr auf die Coaches an, wie sie den Fokus bei ihren Spielern hielten.

[03h02] Auch die deutsche Wikipedia hat auch schon reagiert.

[02h59]

[02h55] Ich habe gerade im Gamepass zurückgespult. CBS-Kommentar war kurzzeitig weg, was nicht weiter ins Gewicht fiel, da man sofort Werbepause schaltete und danach ins Studio schaltete. Mittlerweile ist der Sound wieder da.

[02h53] Wenn das während der Halbzeitshow passiert wäre…

[02h50] Kein terroristischer Akt. Wir sind beruhigt.

[02h49] Stromausfall soll um ca. 3h MEZ behoben sein.

[02h45] Ist das Ines Sainz (die Ines Sainz), die da bei SAT.1 grad im Interview ist?

[02h43] Man kann nur hoffen, dass sich die 49ers an dem Stecker angesteckt haben, um Energie zu tanken.

Auf alle Fälle weiterhin Licht aus im Superdome. Im Superbowl.

[02h38] Hm, mein Drinking Game schlug 4 Shots für Stromausfall in der Halftime Show vor. Können wir das ändern auf „Lichtausfall während drittes Viertel“? Ich trink jedenfalls einen drauf.

[02h32] San Francisco 6, Baltimore 28/Q3 14:49. Paukenschlag. KR #12 Jacoby Jones returniert den Kickoff der zweiten Halbzeit 109yds (!) zum Touchdown. Untouched. Längster Superbowl-Spielzug ever. Längster NFL-Spielzug ever (zumindest tied). Sargnägel liegen plötzlich bereit.

Oder wir bekommen den legendärsten Superbowl ever.

Half Time Show

[02h25] Nach dem Revival der Lingerie Football League Half Time Show bleibt festzuhalten: Die weltbewegend beste Stimme hat Beyoncé Knowles nicht. Dafür muss man keine Ahnung von R&B haben.

(und, ja, ich bin gespannt auf die Reaktion der amerikanischen Prüderie-Kommission. Die tagt morgen. in allen großen Zeitungen)

[02h22] Ich oute mich mal als völlig inkompetent in Sachen MTV und R&B, insofern kann ich nicht viel zur Qualität der Halftimeshow um Beyoncé beisteuern. Auf alle Fälle sieht die Lichtershow beeindruckend aus. Aber die Ladys auf der riesigen Bühne sind so leicht bekleidet, dass wir von Nippelgate nicht meilenweit entfernt sind. Fest steht: Nächstes Jahr in New York holen sich die Mädels damit eine schwere Verkühlung ab.

Halbzeitanalyse

[01h59] Überraschendes Halbzeitergebnis, das uns entweder ein großes Upset oder ein großes Comeback servieren wird. Die 15pts-Führung der Ravens fühlt sich zu hoch an. Beide Offenses sind recht effizient im Passspiel (Flacco 9.4 NY/A, Kaepernick 9.9 NY/A), aber die San Francisco 49ers missachteten die erste Superbowl-Regel:

Gibt Acht auf den Ball.

Fumble James und eine so hoch fliegende Interceptions Kaepernicks – ein Ball, den ich nun wochenlang erwartet hatte –  und schwupps erweckt ein Team den Eindruck, es sei von der Rolle. Nope. Kaepernick ist nicht perfekt, aber die 49ers-Offense bleibt gefährlich.

Bedenklicher ist das, was San Francisco in der Abwehr zeigt: Der Pass-Rush ist mau und in der Secondary sind Tight Ends und Wide Receivers häufig abartig frei und können vergleichsweise einfache Catches fangen. QB Flacco zeigt auch gutes Gefühl für die Pocket, bewegt sich notfalls bis zum letzten Moment und wirft, wenn er mal unter Druck ist, keine hirnlosen Pässe.

Schließlich Baltimores Defense: Weitgehend sehr gute Vorstellung. Die Aggressivität ist da, und Corey Williams zeigt die Einstellung eines grobschlächtigen Abwehrtreters (bzw. Abwehrschlägers). Die Front-Seven scheint einige Snap-Counts zu kennen und insbesondere OLB #55 Suggs war häufig mit dem Snap schon im Backfield und machte das Timing kaputt bzw. verhinderte ein Weglaufen Kaepernicks, weil er nicht zu aggressiv auf den Mann ging, sondern das Containment hielt. Bis auf die Tight Ends wird auch recht gut gedeckt, auch wenn man nicht Herr der Spielfeldmitte ist (gell, Lewis?). Auf den Außenpositionen wird eng gedeckt.

Fazit: Ich sehe da ein weiterhin spannendes, überwiegend gut exekutiertes Spiel. Kann so weitergehen, aber San Francisco muss seine längeren Drives zu Touchdowns, nicht zu Field Goals verwerten.

Zweites Viertel

[01h59] San Francisco 6, Baltimore 21/Q2 0:00. Schöne Pässe Kaepernicks downfield für die TEs Davis und Walker, und es fällt auf, wie aggressiv die Ravens auch nach dem Catch auf den Ball gehen. Am Ende muss man mit einem Field Goal Vorlieb nehmen.

[01h49] San Francisco 3, Baltimore 21/Q2 1:45. Das ist ja fassungslos! QB Flacco tiefe Bombe für Smith, CB Culliver schlägt zu Boden. Nächstes Play, QB Flacco tiefer Ball für WR #12 Jacoby Jones, der Culliver auf und davon rennt. Culliver springt ins Leere. Jones fängt den Ball im Fallen, steht auf und läuft weiter. Culliver und S Goldson zeigen die Angriffigkeit von homophilen Mauerblümchen und Jones trabt zum 56yds-TD in die EndZone.

[01h45] San Francisco schnell gestoppt. Im dritten Down wirft Kaepernick einen weiteren gefährlichen Ball nach außen, WR Randy Moss beugt sich wie ein alter Mann nach unten, während unser Prügel-CB Williams dazwischenspritzt und fast eine weitere INT mit Pick-6 Potenzial fängt. Punt, 2:07 vor Halbzeit kriegt Flacco den Ball nahe der Spielfeldmitte.

[01h41] Two Cents:

  • CB Williams hätte IMHO sofort ausgeschlossen gehört.
  • Guter Aspekt beim FG-Trick: 49ers müssen immer noch an der eigenen 6 starten. Gibt keinen besseren Moment, so ein Ding anzusagen. Und das in der Superbowl.

[01h37] Baltimore wird zum Field Goal gezwungen… denkste. 4th down und der ehemalige Special-Teams-Coordinator John Harbaugh sagt einen geilen, geilen FG-Fake an, K Tucker macht drei Kreuzchen und läuft los, und läuft, und… wird 1yd vor der gelben Linie aus dem Spielfeld gedrängt. Gescheitert, aber coole Ansage!

[01h34] Es wäre, wenn San Francisco gewinnen sollte, übrigens jetzt schon das größte Superbowl-Comeback ever (in den 80ern mal ein 0-10 von den Redskins aufgeholt steht immer noch als Comeback-Rekord für Superbowls).

[01h28] Interception Ed Reed. Da ist der Fehler Kaepernick, ein meterweit überworfener Ball für Moss, und FS #20 Reed fällt der Ball mutterseelenallein in den Schoß. Danach entladen sich die feindseligen Vibes zwischen den Teams nicht bloß in Nickligkeiten, sondern in einer zünftigen Massenschlägerei. (Ausschlussfoul-würdiges Einprügeln von Ravens-CB #29 Williams, für das Ndamukong Suh ein Jahr aus dem Verkehr gezogen würde)

[01h22] San Francisco 3, Baltimore 14/Q2 7:10. Blitzsauberer Drive der Ravens, die nicht den tödlichen tiefen Pass suchen, sondern geduldig über die Mitte (RB Pierce) laufen, respektive warten, bis die TEs #84 Dickson und #88 Pitta offen sind – und sie sind jedes Mal offen und können halbwegs einfache Catches machen. 10 Plays, 75 Yards, Touchdown für Pitta und dicker werdendes Brett für San Francisco.

[01h15] Die Funken sprühen weiter: Auch für Gelegenheitszuschauer ist zu sehen, wie perfekt Kaepernick die „read-option“ aus der Pistol-Aufstellung praktiziert, sei es für RB Gore und RB James. Allein: James fumbelt beim Versuch, ein broken play zu retten, das Ei weg und Baltimore bekommt in der eigenen Platzhälfte das Ei.

Erstes Viertel

[01h04] Das erste Viertel geht mit höchster Intensität zu Ende. QB Flacco macht unter kollabierender Pocket den Eli, und feuert furchtlose tiefe Bälle: WR Boldin klaubt einen 30yds-Wundercatch runter, WR Smith auf dem Weg in die Endzone leicht von CB Culliver gehalten, aber es gibt keine Flagge. Im dritten Down passiert schließlich der Sack und die Ravens werden aus Fieldgoal-Reichweite getrieben. Es folgt wohl ein Punt.

Und: Ed Reed musste in die Umkleidekabine.

[00h54] San Francisco 3, Baltimore 7/Q1 3:58. Die Ravens kriegen mit nur drei Mann ausreichend Druck hin, weil sie ohne Reaktionszeit zum Snap durchbrechen. Sonst ein Drive, der zeigt: San Francisco ist im Spiel, wenn auch alles nur über die Mitte geht.

Pässe für WR Crabtree (gegen den ins Leere greifenden Ray Lewis) und TE Davis (zwischen den Zonen) sind erfolgreich, und auch das Laufspiel über die tänzelnden Kaepernick/Gore schaut nicht übel aus, sofern die Ravens den Snap-Count nicht 100%ig erwischen.

TE Davis kniet allerdings gerade mit Grimassen an der Seitenlinie und hält sich den Arm.

[00h41] San Francisco 0, Baltimore 7/Q1 10:36. Simple Spielzüge, die die Ravens zeigen – aber es ist effektiv (6 Plays, 51 Yards). Ein langer Raumgewinn für WR Torrey Smith, der sich zwischen die Zonen von CB Brown und S Whitner schwindelt, und ein paar Plays später ein Lupfer über die Mitte, für TE Boldin zwischen LB #53 Bowman und S Whitner. Boldin mit dem TD, Außenseiter führt.

[00h35] Erste Angriffsserie, 49ers beginnen mit einem False Start. Danach zeigt sich eine sehr aggressive Front-Seven der Ravens mit OLB #55 Suggs zweimal haarscharf am Offside. Im dritten Down nehmen die 49ers die „sichere“ Option des kurzen Laufspiels und müssen punten.

Pre-Game

[00h30] Münzwurf: Baltimore gewinnt unter Seven Nation Army-Schlachtrufen seiner Fans und deferred. Kaepernick kommt also gleich aufs Feld, nachdem er noch jedem Mitspieler einen Schulterklopfer gegeben hat.

[00h24] Handgestoppte 2:42min. Keys begleitete sich selbst am Piano.

[00h15] Wichtigste Wette der Woche: Wie lange wird Alicia Keys gleich für die US-Nationalhymne brauchen? Over/under ist bei sagenhaften 2:15min angesetzt! Der Grund könnte sein, dass Alicia Keys ankündigte, eine „my way“-Performance hinlegen zu wollen. Keys sang noch nie die Hymne in der Öffentlichkeit. 2:15 lässt sich nicht einfach nur mit einem langgezogenen home of the brave erreichen.

[00h05] Liveblogging auch bei dogfood von Allesaussersport.

[00h00] Die Mehrzahl der Experten sieht San Francisco vorn, aber nahezu alle erwarten ein extrem knappes Spiel – und widersprechen mir damit.

[22h50] Der letzte Dreck unter der Fingernägeln ist analysiert. Fehlt nur noch das Spiel. Die letzte dreiviertel Stunde vor Kickoff wird optisch wie stimmlich genüsslich, und hoffentlich auch die Mitternachtsmahlzeit.

Im neuen Look: Die San Francisco 49ers am Tor zu einer neuen Ära

Im Gegensatz zu den Ravens gehören die San Francisco 49ers zu den klassischeren Franchises der NFL. Wie die Ravens sind die 49ers keine alltägliche Marke, sondern stehen für eine Philosophie, die von der Bucht aus die komplette NFL überrollte.

Dieses Bild der 49ers wurde überwiegend in den letzten 35 Jahren geschaffen. Vorher war man ein lieblicher Verlierer unter vielen gewesen. Titel und Schlagzeilen hatte der ungehobelte Nachbar auf der anderen Seite der Bucht, Al Davis mit seinen Raiders, abgestaubt, und die Kids in der Schule hatten Käppis mit Totenkopf getragen.

Der änderte sich Ende der 70er mit der Franchise-Übernahme des jungen Wilden Eddie DaBartolo und dessen Verpflichtung von Stanfords Head Coach (kommt uns bekannt vor, oder?) Bill Walsh, einem Offensivgeist, der die Denke des „dunklen“ Jahrzehnts („Run, Run, Run“) auf den Kopf stellte und den Profifootball von Grund auf revolutionierte: Statt Passspiel nur im dritten Down und mehr als 15yds to go implementierte Walsh ein attraktives Kurzpassspiel („West Coast Offense“) mit vielen Yards after Catch, und machte die 49ers innerhalb kürzester Zeit zu alljährlichen Superbowl-Anwärtern.

Walsh ist eine der NFL-Figuren, die wirklich nicht nur eine Franchise umkrempelten, sondern über die Epochen hinaus die komplette Liga revolutionierten. Um nicht mehr zu viel zu wiederholen, lege ich für eine detaillierte Auseinandersetzung mit Walsh eine Buch-Rezension von Herrmann aus dem letzten Jahr ans Herz: Wir lesen (3) – Bill Walsh. The Genius (David Harris).

Zur Implementierung von Walshs neuen Ideen brauchte es in allererster Linie einen passenden (durchaus im doppelten Sinne gemeint) Quarterback; Walsh bekam ihn in QB Joe Montana, einem Charismatiker, „nur“ in der dritten Runde gedraftet und mit hohem Spielverständnis und viel Präzision als besten Attributen – den großartigen Wurfarm für die vertikale Offense hatte Montana nicht.

Auch Montana profitierte: Er hatte genau eine Chance, in der NFL zu bestehen, und er fand sie in der West Coast Offense. Und Montana hatte Eiswasser in seinen Venen. Mit „Joe Cool“ als Spielmacher waren die 49ers nicht bloß ein Augenschmaus zum Anschauen, sondern schnell zweimal Superbowl-Sieger. Montana war auch nie um einen gelungenen Spruch verlegen, und so mutierte das Team schnell zum willkommenen Gegenentwurf zu den Westküstenrabauken der mittlerweile nach Los Angeles umgezogenen Raiders.

In oben verlinkter Walsh-Biographie wird wunderschön beschrieben, wie sich Walsh um jedes Detail kümmerte, bis hinein in die unscheinbarsten Draft-Belange. Er hatte Erfolg. Man muss sich das vorstellen: San Francisco war in der Saison 1984/85 bei 15-1 Siegen Superbowlsieger und addierte im folgenden Draft WR Jerry Rice zum Kader! In Zeiten, in denen 3000yds-Passjahre eine Seltenheit waren, fuhren die 49ers mit ihrer Armada jahrein, jahraus über die Konkurrenz drüber und staubten Ende der 80er zwei weitere Superbowls ab. Man war so fassungslos gut besetzt, dass man den Rücktritt Walshs und den Verkauf Montanas verkraften konnte und fast ein weiteres Jahrzehnt heißer Titelanwärter blieb!

Auf Montana folgte dessen Backup Steve Young, ein mobiler Linkshänder, der die 49ers-Offensive noch einmal um einen Level höher treiben konnte. Und obwohl man mit Young vermutlich besser war als jemals mit Montana, sehen die Fans Steve Young als leichte Enttäuschung, weil er nur einen Superbowl holen konnte – mehr muss man zur Erwartungshaltung der Fans zu dieser Zeit nicht mehr sagen. Mehr muss man auch nicht zur Qualität dieser Dynastie über fast zwei Jahrzehnte nicht sagen. Man blieb selbst dann noch ganz oben, als schon die halbe Liga im Trainerstab San Franciscos gewildert hatte und diese Coaches andernorts die „West-Coast“-Ideen verfeinerten (z.B. Holmgren in Green Bay).

Erst gegen Ende der Neunziger bröckelte das Gebilde: Owner DeBartolo musste nach Betrugsvorwürfen und familieninternen Streitereien die Franchise an seinen Schwiegersohn Jed York übergeben, und der milchgesichtige Jüngling York, keine 25 Lenze, hatte kein gutes Händchen beim Auswählen von Coaches und Draftpicks. Folge: Die einst dominanten 49ers quälten sich nach dem Karriereende Youngs (Gehirnerschütterungen) noch das eine oder andere Jahr mit dem ehemaligen CFL-Quarterback QB Jeff Garcia in Playoffnähe herum, aber schließlich fiel Mitte der 2000er das ganze Gebilde um Head Coach Erickson, Egomane Terrell Owens und Garcia in sich zusammen.

Neustart.

Auftritt Mike Nolan, seines Zeichens stets elegant gekleideter Defensive Coordinator der Baltimore Ravens. Nolan griff gleich mit seinem allerersten Draftpick, dem QB Alex Smith von der University of Utah, ins Klo und musste fortan bis zu seiner Entlassung um eine massive Identitätskrise herum basteln. Smith erwies sich nicht bloß als verletzungsanfällig, sondern galt in einem undefinierten Spielsystem mit ständigen Coordinator-Wechseln auch als schnell völlig verunsichert.

Folge: San Francisco mutierte zu einer ground’n’pound-Offense. Alte Schule. Siebziger Jahre. Genau das, was 49ers-Legende Walsh einst niedergerissen hatte. Die mutlosen Jahre unter Nolan und dessen Nachfolger, der Linebacker-Legende Mike Singeltary, sind das, was neuen Fans der letzten Jahre vielleicht geläufig ist, aber nichts an ihnen schrie nach „San Francisco 49ers“.

Singletary wurde schließlich vor zwei Jahren gefeuert, und York ging zurück zu den Wurzeln, an die nahe gelegene Stanfory University, und kaufte wie einst DeBartolo deren Chefcoach ein: Den ehemaligen NFL-Quarterback Jim Harbaugh. Harbaugh stand für drei Werte: Disziplin, Pragmatismus, Physis.

Im ersten Jahr würgte man sich mit einer vermeide-den-Fehler-um-jeden-Preis-Philosophie noch eher unansehnlich durch bis ins Conference-Finale, aber es war dieser abgelaufene Herbst, in dem Harbaugh sein Meisterstück ablieferte: Er sägte QB Alex Smith bei der erstbesten Gelegenheit ab und ersetzte ihn durch sein Ziehkind, den laufstarken Quarterback Colin Kaepernick.

Auch bei Kaepernick erinnert erstmal wenig an die 49ers-Geschichte: Ein Mischlingskind, tätowiert bis auf die Knochen, Granate von Wurfarm für tiefe Bälle nonstop, Sprinter vor dem Herrn. Aber unter Kaepernick schaffte man das eine: Die 49ers werden wieder über ihre Offense definiert.

Es ist kein Kurzpassspiel mehr, das an der Bucht praktiziert wird, sondern spektakuläres downfieldPassspiel kombiniert mit physischem Laufspiel und eingestreuten Elementen verschiedener College-Offenses („read option“) aus verschiedenen Aufstellungen („pistol“). Ein Angriff, der sich innerhalb weniger Monate von effizient und langweilig auf effizient und aufregend transformierte.

Sollte Harbaugh am Sonntag mit Kaepernick den sechsten Superbowl-Ring für seine Franchise holen, könnte das das erste Geläut auf dem Weg in eine neue prägende 49ers-Ära sein. Ohne West Coast Offense, dafür mit Tattoos, Option-Offense und downfield-Granaten.

Glaskugel 2012: San Francisco 49ers

Spread Formations, zone blitzes, it´s a passing league – pfff, nur Amateure brauchen sowas! Die San Francisco 49ers, die lange Jahre für Innovationen und modernen Football standen, spielen lieber Football wie in den 80er Jahren – und sind damit erfolgreich. Letztes Jahr hat es für 13 Siege in der regulären Saison und einen Besuch im NFC Championship Game gereicht.

Dafür brauchten die `Niners nicht mehr als eine bärenstarke Defense und hervorragende Special Teams. Die Angriffsspieler waren nur im Kader um das Roster vollzumachen. Was der neue Staff um Ex-Stanford Head Coach Jim Harbaugh mit seinem Staff um Offensive Coordinator Greg Roman und Defensive Coordinator Vic Fangio (beide hat Harbaugh von den Cardinal mitgebracht) innerhalb so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat, war atemberaubend.

Dabei war das Konzept so unglaublich simpel und offensichtlich, daß die anderen Entscheidungsträger der NFL das wohl für unter ihrer ach-so-fortschrittlichen-Würde befinden und es darum nicht selber auf diesem Wege versuchen. Im Angriff wird gelaufen, gelaufen, gelaufen, ab und zu mal ein Trickspielzeug eingestreut (Trickspielzüge sind in der angeblich furchtbar modernen NFL auch immer seltener geworden) und gepaßt wird nur bei 3rd&longs. In der Defense macht San Francisco auch nichts besonderes, sondern sagt einfach: „meine Jungs sind stärker als deine Jungs!“

49ers Special Teams

Dazu kommt noch, daß wohl keine Mannschaft der NFL die Special Teams so wichtig nimmt wie SF. Sie haben das verstanden, was korsakoff hier immer wieder predigt: field position ist einer der wichtigsten Aspekte beim Football. Der Angriff der `Niners hat bedingt durch die starken Special Teams und die Defense ihre Drives durchschnittlich an der 34-Yard-Linie begonnen.

Das bedeutet, daß sie nur drei gute First Downs benötigen, um in field goal range zu kommen, wenn man einen so starken Kicker wie David Akers hat. Eine Mannschaft wie Carolina, die eine viel explosivere Offense hat, beginnt ihre Drives durchschnittlich an der 28-Yard-Linie und weil sie einen schwächeren Kicker habt benötigt sie mehr als vier First Downs um ein einigermaßen sicheres Field Goal versuchen zu können. Das ist ein riesiger Unterschied.

Punter Andy Lee hat eines der stärkste Beine im Business und die coverage units bei Punts wie Kickoffs sind auch allererste Güte. Auch geblockt wird für Kick- und Puntreturner Ted Ginn, Jr. ganz hervorragend. Mehr als 27 bzw. 12 Yards pro Return sprechen für sich. Special Teams tendieren dazu, in manchen Jahren Ausreißer nach oben wie nach unten zu haben. Aber selbst wenn es für San Franciscos ST nach der grandiosen Saison 2011 wieder etwas nach unten gehen sollte, werden sie immer noch zu den besten gehören, schließlich haben sie so gut wie keinen wichtigen Spieler verloren.

49ers Defense

Neben den Special Teams sorgt die Verteidigung regelmäßig für gute field position, weil sie gegnerische Drives so oft schon im Keim erstickt. Das besondere an Fangios Defense ist, daß sie gar nichts besonderes macht. Den Luxus kann sich der DC erlauben, weil die front seven absurd viel individuelles Talent in sich vereinigt. DE Justin Smith und die beiden ILBs Patrick Willis und NaVorro Bowman sind drei der besten Verteidiger der ganzen Liga, nicht nur drei der besten Spieler auf ihren jeweiligen Positionen. Smith ist körperlich so stark wie zwei Bären und hat in mehr als 10 Jahren NFL so viel und gut gelernt, daß er unstoppable ist. Man kann einfach nichts gegen ihn machen.

Willis und Bowman spielen beide wie Ray Lewis in seinen besten Jahren. Sie können das Spiel unglaublich gut lesen, haben einen todsicheren Instinkt, der sie niemals im Stich läßt und sind so athletisch wie Safeties. Außen spielen der mehr als solide Ahmad Brooks und Aldon Smith, der letztes Jahr als Rookie fast ausschließlich in der Nickel-D gespielt hat und trotzdem 14 Sacks sammeln konnte. In dieser Saison soll er immer spielen und muß erst beweisen, wie gut er gegen den Lauf und in Coverage ist.

Vorne, neben Smith, spielen mit DE Ray McDonald und NT Isaac Sopoaga zwei starke Typen, die in den meisten anderen Teams Leistungsträger wären. Hier haben sie den Luxus, nur dier vierte, fünfte oder gar sechste Geige spielen zu müssen und bekommen darum viel weniger Aufmerksamkeit von der Offense.

Ein wenig dünner wird es in der Secondary. Die Cornerbacks Carlos Rogers und Tarell Brown sind solide. Mehr aber auch nicht. Sie sehen vor allem gut aus, weil bei ihnen hinten oftmals nur weggeworfene Verzweiflungspässe ankommen. Auch die beiden Safeties Dashan Goldson und Donte Whitner sind durchaus gute Leute, sehen aber durch die starke front seven (noch) besser aus, als sie tatsächlich sind. Glücklicherweise für alle Beteiligten gibt es keinen Grund, daß diese in der kommenden Saison schlechter sein sollte als letztes Jahr.

Es gibt nur ein Manko in Fangios Truppe: mangelnde Kadertiefe. Auf kaum einer Position gibt es gute Backups. 2011 ist das nicht weiter aufgefallen, weil San Francisco unglaubliches Verletzungsglück hatte. Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß man auch 2012 fast völlig verletzungsfrei die Saison übersteht.

Offense 49ers

Kadertiefe ist dagegen kein Problem auf den skill positions in der Offense. Nachdem die beiden besten Wide Receivers letztes Jahr Michael Crabtree und ein Kegel aus dem Materialraum waren, hat GM Trent Baalke kräftig eingekauft. In der Draft hat man in der ersten Runde den schnellen A.J. Jenkins gedraftet, auf dem Free-Agent-Market Mario Manningham von den Giants verpflichtet und vom Arbeitslosenmarkt den Typen geholt, der früher mal Randy Moss war. Das sind jetzt alles keine großen Nummern, aber wenigstens kann der Kegel wieder zurück zur Mat-Gruppe. Da OC Roman am liebsten eh mit höchstens zwei WRs gleichzeitig spielen läßt, ist SF also gegen Verletzungen einigermaßen gefeit.

Schedule

Wk1 @ GB
Wk2 v DET (SNF)
Wk3 @ MIN
Wk4 @ NYJ
Wk5 v BUF
Wk6 v NYG
Wk7 v SEA (TNF)
Wk8 @ ARI (MNF)
Wk9 BYE
Wk10 v StL
Wk11 v CHI (MNF)
Wk12 @ NO
Wk13 @ StL
Wk14 v MIA
Wk15 @ NE (SNF)
Wk16 @ SEA
Wk17 @ ARI

Auch Running Backs haben die 49ers mehrere und die sind sogar besser als die Receivers. 2nd-year man Kendall Hunter wird sich wohl mit dem immer noch ganz guten Frank Gore die Aufgaben als Nr. 1 teilen. Im April wurde der explosive space player LaMichael James von der explosivsten aller Offenses – Oregon Ducks- verpflichtet. Für short yardage situations wurde DT RB Brandon Jacobs ins Boot geholt. Damit hat man jeden Spielertypen, den man laut Lehrbuch für ein gutes running game braucht.

Die werden auch alle bitter benötigt, denn von der Offensive Line kann nicht viel Unterstützung erwartet werden. Keiner der fünf – Joe Staley, Mike Iupati, Jonathan Goodwin, Alex Boone und Anthony Davis – ist irgendetwas besonderes. Weder reißen sie große Löcher im Laufspiel noch können sie Quarterback Alex Smith schützen.

Und Smith müßte ganz besonders geschützt werden. Der ehemalige Nr. 1 overall pick ist einfach kein guter NFL-Quarterback und wird es wohl auch nicht mehr werden. Sein decision making ist auf Tebow-Niveau, das Spiel ist zu schnell für seinen Kopf und einen starken Arm hat er auch nicht. Aber hey, was macht das schon in der angeblichen „Passing League NFL„? Sowohl Tebow als auch Smith haben letztes Jahr Playoffspiele gewonnen.

Was diesm Angriff explosive Momente gibt sind 1) TE Vernon Davis und 2) seltene (Trick-)Spielzüge. Er macht es nicht konstant und auch nicht gegen sehr disziplinierte Defenses, aber immer mal wieder kann Davis ein Big Play hinlegen, wenn er einen Linebacker oder Safety vernascht. Meistens muß er aber die Notfalloption underneath für den hilfesuchende Smith geben.

San Francisco versucht daher öfter als alle anderen Mannschaften mit end arounds, wilden Blockformationen im Laufspiel und mutigen Laufspielzügen für den QB (!) bei dritten Versuchen (hallo Saints!) wenigstens mal ein wenig Feuer aus dem lahmen Haufen herauszuholen. In der Offseason sollen sie jetzt auch noch read options mit QB Colin Capernick in ihr Repertoir mit aufgenommen haben.

Ausblick 49ers

Die San Francisco 49ers sind sehr solide aufgestellt. Sie werden zwar höchstwahrscheinlich nicht mehr so viel Turnover-Glück wie letztes Jahr haben, als ihnen scheinbar jeder Fumble in die Hände gesprungen ist, aber die Special Teams und die Defense sind for real. Das war kein Zufall. Mit der nicht überragenden Secondary dürfte es schwierig werden, so stark wie 2011 zu sein, aber eine Top-5-Unit ist das allemal – solange sich nicht mehrere Leistungsträger gleichzeitig verletzen.

Die Offense wird so mit durchgeschleppt. Gefährlich könnte es hier nur werden, wenn man Smith zuviel zutraut. Die Gleichung ist einfach: mehr mutige Entscheidungen + mehr tiefe Pässe für die neuen Spielzeuge = viel mehr Interceptions. Umschifft man diese gefährlichen Klippen, sollten die `Niners auf die Krone der NFC West sein, aber nur mit ganz viel Glück in Sachen Turnovers, Verletzungen und auf Trickspielzüge hereinfallende Verteidigungsreihen in den Playoffs wird es nicht für den ganz großen Schocker langen.

San Francisco 49ers in der Sezierstunde

Rückwirkend betrachtet hätten die San Francisco 49ers das NFC-Finale gewinnen müssen. Auf der anderen Seite war es überraschend genug, dass man es überhaupt dorthin geschafft hatte. Leser von Sideline Reporter wissen um die zwei großen Geheimnisse der 49ers, die hier bis zum Gebrechen rauf- und runtergeleiert wurden: Turnovers und Starting Field Position.

Zehn eigenen Ballverlusten standen in der Regular Season 36 Balleroberungen gegenüber – großartige Werte, die auch noch im ersten Playoffspiel hielten, ehe im NFC-Finale ausgerechnet zwei eigene Fumbles die Saison beendeten. QB Alex Smith warf nur 1,1 Interceptions pro 100 Pässen – in den letzten acht Jahren in der NFL war nur eine Quarterback-Saison „sicherer“: Brady 2010/11 (1.0%). San Francisco wird keine Chance haben, diese Zahlen auch nur annähernd zu reproduzieren.

Die 49ers sind um ihre Defense gebaut, und die Defense um eine absolut dominante Front Seven. Aber selbst wenn diese Defense ihr Niveau wird halten können, so wird man sich nicht noch einmal so durchlavieren können. Sprich: Die Offense muss mehr vom Kuchen der Verantwortung nehmen. Das bedeutet automatisch die Hinwendung zu einem etwas risikoreicheren Spiel als man es heuer praktizierte.


Die Offensive Line gehört optisch zu den löchrigsten, die man in der NFL sehen wird; das Passspiel mit seinen 5.9yds/Versuch (#18) und selbst das vermeintlich ordentliche Laufspiel (4.1yds/Carry, #19) sehen dahinter nicht gut aus.

Die Offense ist also die Großbaustelle. Größtes Dilemma ist für HeadCoach Jim Harbaugh der QB Alex Smith, dessen highlightträchtiges Playoffspiel gegen die Saints immer noch herumgeistert; auf der anderen Seite ist Smith nach Harbaughs Flirt mit Manning erneut angesägt. Abseits der nicht wiederholbaren „No-INT-Policy“ gehörte Smith auch 2011/12 nicht wirklich zu den überdurchschnittlichen Quarterbacks. Trotzdem kann man kaum erwarten, dass der potenzielle Nachfolger in spe Colin Kaepernick so schnell zum Zug kommen wird.

Es gibt auch recht wenige brauchbare Anspielstationen. Wir haben den trotz 72 Catches dezent enttäuschenden WR Michael Crabtree, den wetterwendischen TE Vernon Davis (67 Catches), und… und… dann haben wir die Herren Williams, Ginn jr., Walker mit jeweils 20 oder weniger Catches. Für die 49ers dürfte es zum Imperativ werden, auch nach der Reaktivierung von Randy Moss und dem Einkauf von Superbowl-Hero Manningham hier nachzubessern.

Strengere Blicke haben auch die Running Backs Gore/Hunter zu erwarten, deren schwache Statistiken sich mit den optischen Eindrücken decken… und was machen die 49ers? Holen sich den 250kg schweren Bolzen Jacobs aus New York! (wtf? in Kleinbuchstaben. Ich bin erstaunt)

Und dann gibt es das Torso von Offensive Line. Trotz hoher Draftpicks in den letzten Jahren (Staley/Davis/Iupati) fragt sich der geneigte Gelegenheitsverfolger, wie eine Mannschaft mit so einer Unit ins Conference-Finale vordringen kann. Nachbesserung nicht bloß „optional“, sondern ein Muss.

Die um eine ebenso athletische wie aggressive Defensive Line gebaute Abwehr offenbart in der von unserem Freund Ed Donatell gecoachten Secondary signifikante Verbesserungspotenziale: Mit CB Carlos Rogers und S Dashon Goldson wurden die beiden namhaftesten (nicht unbedingt: besten) Free Agents gehalten, aber: San Francisco offenbarte unübersehbare Schwächen gegen bessere Quarterbacks und durfte sich glücklich schätzen, einen günstigen Schedule gegen sich ausgespielt zu sehen. 2012/13 werden unter anderem kommen: Green Bay, New Orleans, New England, Detroit. ‘Nuff said.


Das Fundament der 49ers scheint also mit der soliden Defense zu stehen. Die Kernfrage wird sein, ob und wie man mit QB Smith weitermachen soll, welche Waffen man dem Passspiel zur Verfügung stellen wird und wer die Pocket beschützen soll. Mit einer ähnlichen Smashmouth-Taktik werden wohl keine zehn Siege mehr eingefahren, zumal gegen einen deutlich schwereren Schedule. Auf der anderen Seite kann man dank des Ankers „Defense“ auch davon ausgehen, dass eine komplette Implosion der 49ers nicht passieren wird, egal wer denn nun die Bälle wirft, trägt und fängt.

San Francisco 49ers in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#7 DE Aldon Smith (Mizzou)
#36 QB Colin Kaepernick (Nevada)
#80 CB Chris Culliver (South Carolina)
#115 RB Kendall Hunter (Oklahoma State)
#163 OG Daniel Kilgore (Appalachian State)
#182 WR Ronald Johnson (USC)
#190 S Colin Jones (TCU)
#211 DE Bruce Miller (Central Florida)
#239 OT Mike Person (Montana State)
#250 CB Chris Holcomb (Florida A&M)

Interessanter Draft der 49ers: Franchise-QB gewollt, Franchise-QB bekommen – aber nicht um jeden Preis. Colin Kaepernick, der Quarterback aus der Pistol-Offense von Nevada, und die San Francisco 49ers mit Head Coach Jim Harbaugh: Eine höchst attraktive Connection. Ob Alex Smith doch noch 1-2 Jahre zum Einlernen Kaepernicks bleiben wird?

In Runde 1 holte sich Harbaugh DE Aldon Smith, ein Spezialist für Pass Rushes, noch lange kein kompletter Spieler. Die Niners dürften gekotzt haben, dass CB Peterson nicht mehr frei war. Mit DT Franklin, DE Smith, DE/OLB Lawson und DE/OLB Smith gibt es nun haufenweise gute D-Liner an der Bucht. Neben Smith kam gegen Draftende noch ein weiterer End, Bruce Miller von UCF, dazu –ein Pick für die Sichtungstrainings.

Die Defensive Backs sind zweimal angegangen worden, mit CB Chris Culliver und S Colin Jones, der das Siegen an der Texas Christian University zur Genüge gelernt haben dürfte. Die Secondary der Horned Frogs ist mir aber am wenigsten eindrucksvoll in der bärenstarken TCU-Mannschaft in Erinnerung geblieben.

Für die Offense sind neben einem Tackle in der letzten Runde noch zwei Skill Players gekommen: RB Kendall Hunter (OSU Cowboys) und WR Ronald Johnson (USC). Hunter dürfte ein paar Carries zur Entlastung von Frank Gore bekommen, Johnson in den Haufen Receivers integriert werden, aus dem nur der bislang enttäuschende Michael Crabtree herausragt.

Summa summarum

Flashy ist anders, aber die Draftklasse gefällt. Die Defense wird um den Pass Rush herum konzipiert und die augenscheinlichste Schwäche, die Defensive Backs, sollen erstmal dadurch entlastet werden. Die Offense wird um einen außergewöhnlichen Quarterback herum gebaut. Ob Kaepernick sich durchsetzen wird, keine Ahnung. Aber der Mann ist so leichtfüßig, es ist eine Freude, ihm zuzusehen. Harbaugh traue ich durchaus zu, innerhalb von 1-2 Saisons eine Offense für Kaepernick herum zu zimmern, in der die Stärken des Mannes zum Tragen kommen. Die 49ers bleiben mein NFC-West-Favorit, bis Arizona Donovan McNabb eingekauft hat.

San Francisco 49ers in der Sezierstunde, die dritte

49ers in der etwas anderen Sezierstunde zum Dritten. Diesmal wieder ein Zweierpack. Heute wird nicht die Offense auseinander genommen, sondern die Defense, wieder von Martin, Reiner und Chris von der 49ers Fanzone.

#6 Trotz 36 Sacks – San Franciscos Front Seven wirkte phasenweise weniger dominant als das Spielermaterial vermuten ließe. Jetzt kräht die halbe NFL nach einem Top-Pass Rusher – auch die 49ers?

* Reiner:

Definitiv! Zwar kann bereits eine insgesamt aggressiver auftretende Defense – die letzten Spielzeiten wirkte die Defense oft, als dürfte sie nur mit angezogener Handbremse spielen – helfen und Druck vom Defensive Backfield nehmen. Dennoch fehlt den 49ers seit Jahren ein Spieler, der konstant Druck auf den gegnerischen QB ausübt und auch seine Sacks erzielt. Diesen Druck zu erzeugen soll und muss eine der ersten Aufgaben der Defense unter dem neuen DC Vic Fangio sein, und ein Top Pass Rusher via Draft (Miller? Quinn?) sollte Ende April eine der interessantesten Optionen für die 49ers sein, denn über die Free Agency einen Pass Rusher zu bekommen könnte extrem teuer, wenn nicht sogar unmöglich sein.

* Martin:

36 Sacks? Echt? Es sind gefühlte 10… Jedes Team sucht gute Pass-Rusher, egal wie viele es schon auf dem Roster hat. Davon kann man kaum genug haben. Die 49ers suchen seit Jahren, allerdings suchen sie auch seit Jahren ein vernünftiges System in der Defense. Manusky hat die Defense ein wenig gradliniger gemacht, was schon mal ein guter Schritt nach vorne war. Aber genau wie in der Offense hatte man den Eindruck, dass Mike Singletary hier auf veraltetete Konzepte gesetzt hat und mehr drin gewesen wäre. Die Defense hat deutlich mehr Lücken als die Offense und da es vermutlich keinen QB in Runde 1 gibt, wäre Pass-Rusher eine gute Wahl – genau wie CB – oder NT – oder…

* Chris:

Die 49ers haben das Spielermaterial um einen guten Pass Rush zu haben. Man darf nicht vergessen, dass die praktisch gleiche Crew im Vorjahr in den Top 5 war, was Sacks angeht. Doch war man vermutlich nicht innovativ genug und so stellten sich die Gegner auf die 49ers besser ein. Vic Fangio muss hier eine aggressivere Truppe aufs Feld schicken; die Front 7 gemeint, nicht die übermotivierten CBs. Ich denke den 49ers fehlt es nicht an einem OLB als Pass Rush Spezialist. Es wären Leute da, die das in Personalunion machen können (Lawson, Haralson, LaBoy), doch wurde diese Gruppe halt nicht entsprechend eingesetzt. Hilfe ist immer willkommen, doch hat die Defense ja auch noch andere Löcher. Wie Martin richtig sagt, muss man sich auch um CB, NT, FS und den zweiten ILB neben Willis kümmern. Ich erwarte, dass die 49ers neben zwei QBs auch zwei OLBs und mindestens zwei DBs während der Draft zu ihrem Team hinzufügen.

#7 In der wackeligen Secondary wirkt der teure Nate Clements immer mehr wie ein überbezahlter Destabilisator. Wie dringend braucht es Verstärkung, oder traut man dem Duo Fangio/Donatell Verbesserung durch Coaching zu – vor allem mit Donatells fürchterlichen Secondarys in Denver im Hinterkopf?

* Martin:

Genau meine Frage :). Wenn man böse sein will – und in Bezug auf Clements bin ich das – hat er alleine dafür gesorgt, dass die 49ers die Play-Offs nicht erreicht haben. Sein Fehler führte dazu, dass die Seahawks im ersten Spiel die Kurve bekommen haben und sein Fehler war einer der Hauptgründe für die Niederlage gegen die Falcons. Auch sonst hat er – wie in den letzen Jahren auch – nicht viel für seine Millionen gezeigt. Die ganze Secondary ist eine Baustelle, aber die Position des #1 CB ist die größte Schwäche und daher ist Cornerback eine echte Need-Position (Bring on Peterson!!). Eine der Hauptaufgaben von Donatell wird aber auch sein, das Potential der jungen Defensive Backs voll auszuschöpfen. Ich habe die Broncos nicht so verfolgt, daher kann ich nicht abschätzen, was vom neuen Defensive Backs Coach zu erwarten ist. Seine Erfahrung – auch als Coordinator – sollte aber helfen und im Vergleich zum vorherigen Positions-Coach erwarte ich, dass er ein Upgrade darstellt.

* Chris:

Clements zeigte, wie die ganze Mannschaft, immer wieder was er kann, um danach einen Fehler zu machen. Die schwache Secondary an ihm festzumachen ist aber etwas zu vereinfacht. Die ganze Secondary litt auch unter dem plötzlichen Abgang von Michael Lewis, einem schwächelnden Pass Rush, usw. Den Pass Rush kann man durch Innovation aus den vorhandenen Spielern sicherlich rausholen. Im Defensive Backfield sind verschiedene junge Spieler mit viel Potential vorhanden. Fangio und Donatell sollten zusammen sicherlich etwas entwickeln können. Ein Spieler wie Peterson würde aber sicherlich viel helfen, zumal die Tiefe in der Secondary nicht wirklich gut ist. Aus der Draft kann ich mir vorstellen, dass man mit 2-3 DBs (die Position des Free Safeties ist ja auch noch offen und Mays muss sich auch noch beweisen) hervorkommt. Bei Denver habe ich keine so fürchterliche Secondary im Kopf, sondern, dass mit beschränktem Material durchaus solide gearbeitet wurde.

* Reiner:

Da ich die Broncos nicht so intensiv beobachte kann ich nicht wirklich was dazu sagen, ob die Secondary in Denver so furchtbar war. Ich erhoffe mir jedenfalls ein Upgrade gegenüber den bisherigen Secondary-Coaches der 49ers, die ja nun wahrlich nicht allzu viel bewirken konnten. Auf Cornerback muss aber dringend etwas passieren! Die 49ers brauchen einen klaren #1 CB, und Clements war das leider viel zu selten. Shawntae Spencer enttäuscht seit seiner Vertragsverlängerung ein ums andere Mal, und dahinter ist auch nicht so viel, wie es scheint. Hier muss über die Draft (Peterson, Amukamara) und/oder über die Free Agency unbedingt eine Verbesserung erreicht werden. Auf Safety hat Dashon Goldson richtig enttäuscht, und Taylor Mays war scheinbar noch nicht so weit, wie man sich das erhofft hatte. Insbesondere auf den Safety-Positionen, aber natürlich auch auf Cornerback hoffe ich, dass Donatell die jungen Spieler weiterentwickeln kann.

Morgen, Sonntag geht es weiter mit zwei Abschlussfragen.

San Francisco 49ers in der Sezierstunde, die zwoate

Es geht weiter mit den 49ers in der etwas anderen Sezierstunde. Diesmal ein Triplepack, wieder beantwortet von Martin, Reiner und Chris von der 49ers Fanzone.

#3 Die Suche nach dem neuen General Manager hat sich aus’m Hinterzimmer betrachtet nicht wirklich als „Suche“ erwiesen. Hat man von Anfang an auf Trent „Hey, ich bin der Praktikant ausm eigenen Hause!“ Baalke gesetzt und wenn ja, aus welchen mir nicht ersichtlichen Gründen?

* Chris:

Es hätte eine ausgedehntere Suche geben können. Dieser Punkt wurde im Rahmen des Webradios zu jener Zeit auch heiss diskutiert. Die Suche begann jedoch zu einer Zeit, als die meisten interessanten Kandidaten noch mit ihren Teams noch mitten in der Saison und daher nicht verfügbar waren. Man hatte also die Wahl zwischen einem der verfügbaren, den man für kompetent hält, oder auf einen anderen warten, in der Ungewissheit, ob er dann besser ist. Das Risiko hätte sein können, dass der bessere Kandidat dann nicht mehr da ist. Irgendwann musste eine Entscheidung getroffen werden. Baalke kannte man. Man weiss was man an ihm hat und offenbar gefiel Jed York, was er da kennenlernte. Es gibt kein kopierbares Erfolgsrezept. Die 49ers in den glorreichen Zeiten waren aber auch deshalb erfolgreich, weil Owner, General Manager und Head Coach harmonierten. Genau dies muss nun auch wieder funktionieren und Baalke kann beweisen, ob er der richtige Mann ist.

* Reiner:

Gute Frage. Es wirkt zumindest so. Ich war in der Zeit skeptisch, weil mir die Gespräche mit interessanten Leuten aus der NFL gefehlt haben. Nicht zuletzt, um auch mehr Input zu bekommen, was eine mögliche Restrukturierung der 49ers angeht. Allerdings muss man zugeben, dass es schwer geworden wäre, Jim Harbaugh als HC zu bekommen, wenn man sich mit der Suche nach einem GM länger Zeit gelassen hätte. Ich bin nach wie vor nicht begeistert von einigen Äußerungen der 49ers in der Zeit, aber zumindest scheint es, als hätte man von Anfang an einen Plan gehabt und diesen strikt durchgezogen. Ob es die richtige Entscheidung war, oder ob Baalke nicht doch ein Teil der bisherigen Probleme war/ist, wird sich trotzdem erst noch zeigen müssen.

* Martin:

Es ist relativ schwierig zu sagen, ob es eine Suche war und wie lange diese gedauert hat. Ich vermute, dass die Suche spätestens nach der Bye-Week begonnen hat und halt nicht so öffentlich durchgeführt wurde, wie die anschließende Coach-Suche. Fakt ist aber, dass – wenn Harbaugh von Anfang an der Wunschkandidat war – ein GM bis zum letzten Spieltag der NFL oder in diesem Fall bis zum Orange Bowl installiert sein musste. Und „der Praktikant“ aus dem eigenen Hause, war hier ja durchaus erfolgreich. Die Frage ist nun aber, was die Alternativen zu Baalke waren? Es gibt nur zwei: einen arbeitslosen Ex-GM (der sicher nicht ohne Grund arbeitslos ist) oder einen Praktikant aus fremden Haus (und da könnte der aus dem eigenen das kleinere Risiko sein).

#4 Auf dem Ex-Quarterback Jim Harbaugh lasten zirka drei Tonnen Druck, eine kreativere Offense zu installieren. Spricht Harbaughs Besetzung des OffCoords dafür, dass Harbaugh den Angriff selbst zimmern will und dafür die ganze Defense wie in Stanford seinem Kumpel Vic Fangio überlässt?

* Reiner:

Harbaugh wird sicher starken Einfluss auf die Offense haben. Die Grundzüge wird er als Head Coach selbst bestimmen. Außerdem kann ich mir schon vorstellen, dass Harbaugh auch beim Playcalling in bestimmten Situationen eingreifen wird. Welche das dann sind muss sich erst noch erweisen. Dass Greg Roman aber nur eine Art „Strohmann“ ist würde mich überraschen. Harbaughs Einfluss auf die Defense wird sicher deutlich geringer ausfallen als das bei der Offense der Fall sein wird. Aber als Head Coach sollte er auch hier Grundzüge vorgeben, also z.B. ob er die Defense aggressiver haben will. Das Playcalling wird hier jedoch ausschließlich bei Fangio liegen.

* Martin:

Eins ist sicher, es wird Jim Harbauhgs Offense sein! Jede neue Offense wäre kreativer als die vorherige, aber er hat seinen Staff mit einem klaren Plan für die Offense zusammengestellt. Er wird sie primär entwickeln aber sicher Rat von seinem Koordinator und seinen Position Coaches einholen. Er wird vermutlich auch sehr nah an der Entwicklung der jeweiligen Game-Plans sein. Ich hoffe auch darauf, dass man wieder dahin kommt, die ersten Plays bereits vorher festzulegen und auch hier dürfte er maßgeblichen Einfluss haben. Ich kann es momentan schwer einschätzen, wie er das Play-Calling gestalten wird, aber ganz wird er sich nicht raushalten. Darüber hinaus dürfte mehr als nur ein Auge auf die Quarterbacks werfen und ich erwarte hier intensives In-Game Coaching. Daher wird er wohl in der Defense nur dann eingreifen, wenn etwas komplett gegen seine Vorstellungen läuft. Ansonsten dürfte Fangio mit Head-Coach ähnlichen Kompetenzen ausgestattet sein.

* Chris:

Harbaugh hat erkannt, wo seine Stärken liegen. Dies ist die Offense. In Entwicklung und Planung wird Harbaugh sicherlich viel Einfluss auf die Offense haben. Roman als OC ist wie das Rainer richtig sagt kaum „nur“ ein Strohmann. Er hat ja auch schon einiges an Erfahrung als Coach. Im Spiel muss sich Harbaugh auch ganz allgemein um seine Head Coach Aufgaben konzentrieren können. Die Defense „gehört“ Fangio. Er wird sie entwickeln, planen und callen. Harbaugh hat mit Fangio den DC gewählt, den er kennt. Harbaugh wird auf Fangio den Einfluss haben, dass er mehr oder weniger Aggressivität fordern wird. Die Offense wird durch den Einfluss von Harbaugh mit ganz grosser Wahrscheinlichkeit attraktiver sein, was ja nicht so schwierig ist, als die letzte. In wichtigen Situationen wird Harbaugh sicherlich auch Plays callen. Am Ende muss sich Harbaugh um mehr als nur die Offense kümmern und somit wird sich zeigen, ob Harbaugh einen NFL-fähigen Staff zusammengestellt hat.

#5 Weder die Quarterbacks im Roster, noch die Quarterbacks im Draft treiben dem gemeinen Fan den Speichel aus dem Mund. Die 49ers picken an der #7: Wie groß ist die Chance, dass der Starting-QB 2011 nicht Smith heißt oder anders gefragt – Findet Harbaugh sein Glück (=neuer Luck) im Draft?

* Reiner:

Es ist davon auszugehen, dass die 49ers im Draft einen QB holen. Auch ein Veteran QB wird wohl per Trade (Kolb, Palmer, …) oder via Free Agency bei den 49ers landen. Und Alex Smith wird die Free Agency testen, denn in den letzten sechs Jahren ist einfach zu viel passiert. Vieles hängt aber von der CBA-Situation ab, sodass letztlich gar nichts auszuschließen ist. Dennoch: Alex Smith als Starting QB der 49ers in der kommenden Saison wäre eine faustdicke Überraschung. Dass ein Rookie-QB (Gabbert? Kaepernick? Ponder?) gleich starten wird ist eher unwahrscheinlich, was aber nicht heißt, dass derjenige längerfristig nicht doch der Franchise-QB sein kann. Die naheliegendste und wahrscheinlichste Lösung dürfte sein, dass ein Veteran QB als Starter aufläuft.

* Martin:

Die Wahrscheinlichkeit, dass Harbaugh sein QB-Glück in der Draft findet ist recht hoch – die Frage ist jedoch, in welchem Jahr! Sollten die 49ers ihren Pick in der ersten Runde behalten, wird dieser ziemlich sicher nicht in einen QB investiert. Die einzige QB-Alternative an dieser Stelle wäre Gabbert, aber ich kann es mir derzeit kaum vorstellen. Eine Rückkehr von Alex Smith ist nur dann denkbar, wenn sich die CBA Verhandlungen bis kurz vor der Saison hinziehen und sich für Smith keine vernünftigen Alternativen auftun. Er wird sicher den Anspruch haben, als Starter zu einem Team zu gehen. Diese Chance würde er bei einem langen CBA Streit aber wohl nur bei den 49ers haben. Wenn man sich in Kürze einigt, wird der Starter der 49ers zumindest nicht Smith, Alex oder Troy, heißen. Da es bei den Free Agents und Rookies keinen QB mit dem Namen Smith gibt, wird der Starter 2011 also vermutlich anders heißen. Hier vermute ich, dass er eher Kolb als Palmer bzw. Ponder als Newton heisst.

* Chris:

Alex Smiths Zeit in San Francisco ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorbei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Alex Smith irgendetwas in der Bay Area hält. Die 49ers brauchen zwei bis drei neue QBs. Ponder oder Locker wären in der Draft die besten Kandidaten. In Runde eins ist kein QB Pick #7 wert. In den späten Runden könnte dann ein zweiter Rookie geholt werden. Sobald die Free Agency dann vielleicht losgeht wird ein Veteran hinzukommen. Die besten Namen an dieser Stelle sind wohl Hasselbeck und Palmer. Für Harbaugh gilt es dann den QB zu entwickeln. Ansonsten wird es in der nächsten Draft wiederum einen QB zu picken geben. Dann sieht die Klasse deutlich interessanter aus: Andrew Luck, Landry Jones, Matt Barkley oder Terrelle Pryor tönen aus aktueller Sicht allesamt besser als die diesjährige Klasse.

Weitere Sezierstunden hier. Der dritte Teil (Defense) folgt dann an dieser Stelle.

San Francisco 49ers in der Sezierstunde, die erschte

Was tun, wenn du stundenlang im Auto sitzen musst, wenn es in deiner Region keine annehmbare Hitradiostation (oder überhaupt einen auf deine Geschmacksnerven treffenden Radiosender) gibt, wenn deine AC/DC-Kollektion dir bereits zum Hals heraushängt?

Existenzielle Fragen im vergangenen Herbst. Und glücklicherweise eine brauchbare Antwort. Sie nannte sich „49ers Fanzone Webradio“. Drei Jungs, alle 49ers-Fans, und ihr zirka (Standardabweichung eher hoch) eineinhalb Stunden langer, wöchentlicher Podcast zur 49ers-Saison.

Zeitsprung: Frühjahr 2011. Auf der Suche nach Gastbeiträgen für meine „Sezierstunden“ kehrte die Erinnerung an das 49ers-Webradio zurück. Und siehe da: Die Webradio-Macher Martin, Reiner und Chris von der 49ers Fanzone haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, eine etwas andere Art Sezierstunden über die San Francisco 49ers zu gestalten und sich meinem Fragen-Nonett (?)  gestellt.

Das Ergebnis in Salamiform, beginnend mit dem ersten Doppelpack:

#1 Zwischen all den furchtbaren Vorstellungen haben die 49ers 2010/11 immer wieder Anzeichen von Brillanz durchschimmern lassen. Wie kann es sein, dass eine Mannschaft so wechselhaft auftritt? Oder anders gefragt: Hat Schleifer Mike Singletary dem Spielsystem der 49ers die Fesseln so eng angelegt, dass jeglicher Spielwitz analog zum FC Bayern verloren gehen musste?

* Chris:

Mike Singletary wollte ein System spielen lassen, das funktionieren kann. Mit dem Kader der 49ers war es nicht einmal eine so abwegige Idee, dass der Lauf die Stärke der Offense sein würde. Ein guter Running Back, eine grosse und kräftige Linie, Tight Ends, die blocken können und eine unsichere Situation auf der „nicht so wichtigsten“ Position im Football. Der Plan war also nicht so abwegig. Das Problem war, wie in den Jahren zuvor, die Umsetzung. Die klappte sicherlich immer wieder mal ganz gut, was zu den „Flashes of Brillance“ führte, doch fehlte über weite Strecken die Innovation und Anpassungen im Spiel, was darin endete, dass man eben keine Konstanz ins Spiel brachte. Neben dem teilweise sehr schwachen Gameplanning kamen des Öfteren auch noch individuelle Fehler hinzu.

Die Defense profitierte in der vorletzten Saison klar von Singletary. Die Umstellung auf ein klares 3-4 Schema verhalf dem Team zu einer ansprechenden Defensivleistung. Doch zeigt sich in den Sackzahlen wiederum das Fehlen von Innovation. Mit dem praktisch gleichen Personal verschlechterte sich der Pass Rush um ganze 10 Positionen im Ligavergleich.

Das Problem ist vielschichtiger, als dass man es auf ein zu eng angelegtes Korsett der Systeme zurückführen könnte. Doch die „Flashes of Brilliance“ – die es ja auch in der Karriere von Alex Smith immer wieder gab – zeigen, dass es eigentlich gehen könnte, wenn man denn flexibler, innovativer und professioneller im Gameplanning gearbeitet hätte.

* Reiner:

Keine Ahnung, was der FC Bayern so treibt, aber bei den 49ers war Singletary und seine altbackene Ansicht von Offense sicher ein Hemmschuh. Wer auch immer letztlich der Grund war für mangelndes Game Planning und für die nur selten zu spürenden Anpassungen im Spiel: es ist Mike Singletary, der als HC letztlich die Verantwortung trägt. Wenn die Niners, besonders nach dem Wechsel auf der Position des Offensive Coordinators, mal das Playbook geöffnet haben konnte man immer mal wieder sehen, dass durchaus Potenzial vorhanden war. Doch mir scheint, dass Singletary darüber immer wieder erschrocken ist und wohl gedacht hat, dass das unmöglich weiterhin so funktionieren kann. Daher hat er dann weiteren Bemühungen, die Offense „moderner“ auszurichten, wohl einen Riegel vorgeschoben. In der Defense hat er es wenigstens hinbekommen, dass die zweifelhafte „Hybrid-Defense“ unter Mike Nolan abgeschafft und konsequent auf eine 3-4-Defense gesetzt wurde. Das war der richtige Schritt, aber die Defense wirkte oft, als wären ihnen Fesseln angelegt worden. Viel zu wenig wurden die Möglichkeiten der 3-4 genutzt, was Blitzes angeht. Auch ein Grund, warum die Defense bei weitem nicht das gezeigt hat, was man sich von ihr erhofft hatte.

* Martin:

Ich verstehe nicht viel von Fußball, daher fällt es mir schwer, hier eine Analogie herzustellen. Allerdings kann ich eins sagen, der FC Bayern weiß, was er für Spieler hat, wie er mit diesen umgehen und vor allem diese einsetzen muss.

Er wollte Gewinner, hat sie aber nicht in die Lage versetzt, zu gewinnen. Mit Football aus den 80ers gewinnt man heute nicht mehr viel. Auch das ständige Wechseln des QBs war sicher nicht hilfreich. Man hat hier gesehen, dass er keine Ahnung davon hat, wie man mit bestimmten Positionen / Spielern umgehen muss. Man gewinnt das Spiel nicht mit 2/3 vorhersehbaren Runs, sondern ist auf den QB angewiesen. Um es einem nun gefällt oder nicht, aber langfristiger Erfolg hängt im Football zu einem großen Maße von dieser Position ab. Motivationsfähigkeit und das Erreichen physischer Stärke ist notwendig, können aber massive taktische Defizite nicht ausgleichen. Der Spielwitz ist den Spielern sicher nicht verloren gegangen – er fehlte den Coaches. Auf beiden Seiten des Balles. Auch in der Defense war man oft zu konservativ / durchsichtig. Auch hier ist Wille und ein Teil des Erfolgs.

Ich muss hier Chris widersprechen, das System konnte nicht funktionieren, weil es für Football im 21. Jahrhundert nicht mehr geeignet ist. Es war zu einseitig und damit viel zu durchsichtig. Besonders gut war dies im Spiel gegen die Chiefs zu sehen. Ich habe noch nie ein Spiel der 49ers gesehen, in dem man dermaßen „out-coached“ wurde.

#2 Mit Strahlemann Jim Harbaugh ist nicht nur der optisch krasse Gegensatz zu Mike Singletary verpflichtet worden, sondern auch so etwas wie der Wunschcoach. Wird sich Harbaugh im Haifischbecken NFL durchsetzen können, wenn er es 30 Meilen weiter südlich kuschelig & schnuckelig gehabt hätte?

* Chris:

Jim Harbaugh

Jim Harbaugh - Foto: Wikipedia

Wenn ich jetzt sagen könnte, ob sich Jim Harbaugh durchsetzen kann,  wäre ich vermutlich sehr reich, denn Jed York müsste diese  Information Millionen wert sein. Spass beiseite. Es war der richtige  Schritt, nach der Nolan-Singletary-Ära einen Schlussstrich zu ziehen und über die Bücher zu gehen. Die San Francisco 49ers hatten einmal  eine Identität. Spricht man von den guten alten Zeiten, so spricht  man über attraktiven Offensivfootball. In den letzten neun Jahren  ging diese Identität leider verloren. Mit Jim Harbaugh soll nun diese Identität zurückkehren. Die NFL ist sehr kompetitiv, doch das  ist Jim Harbaugh auch. Die 49ers haben es leider miterleben müssen,  wie zwei Rookie Head Coaches gescheitert sind. Die Vorzeichen bei  Harbaugh sehen aber anders aus. Harbaugh hat schon als Head Coach  gearbeitet. Dabei konnte er sich im College aber nicht auf ein  Überteam – à la Alabama, usw. – verlassen, sondern war mit  beschränktem Spielerpotential und gutem Coaching  erfolgreich. Harbaugh ist sehr ehrgeizig, wie man hört. An  Herausforderungen wächst man und nur die Zeit wird zeigen, wie  erfolgreich Harbaugh diese Herausforderung meistert.

* Reiner:

Harbaugh ist zwar kein Hall of Famer, aber er ist ehemaliger Quarterback. Und als solcher weiß er viel eher, wie die Offense tickt als Singletary. Außerdem ist er in seiner Spielauffassung wesentlich moderner als Singletary, auch wenn bei Harbaugh der Run sicher ebenfalls eine wichtige Rolle spielen wird. Ich denke, dass Harbaugh sich nicht zuletzt wegen der moderneren Spielauffassung und wegen des besseren Verständnisses der Offense durchsetzen wird. Ganz nebenbei hoffe ich es natürlich auch, sonst stehen den 49ers noch sehr viele schwere Jahre bevor. Ob sich Harbaugh durchsetzen kann hängt meines Erachtens auch nicht davon ab, ob er es anderswo kuschelig gehabt hätte, sondern von seinen Entscheidungen als HC in der NFL. So, wie er sich bisher in Interviews gezeigt hat, macht Harbaugh auf mich nicht den Eindruck, als ob er sich nach Geborgenheit in Stanford sehnt. Er nimmt die Herausforderung NFL an und geht mit allem Elan daran, das Optimale zu erreichen, und er bringt aus seiner Karriere hinreichend Erfahrungen mit, um in der NFL zu bestehen, auch wenn er hier bisher noch nicht als OC oder HC gearbeitet hat.

* Martin:

Also ich halte den Begriff „Strahlemann“ für völlig verfehlt! Er hat Spaß an dem was er tut – und das sieht man. Man sieht aber auch, wie ernst er seinen Job nimmt.

Die NFL ist für ihn sicher kein Haifischbecken. Viel mehr NFL-Erfahrung kann man von einem Headcoach kaum erwarten. Und er wollte zu einem Top-Team, bevorzugt in der NFL. Standford war nur ein Sprungbrett und realistisch gesehen hat er dort schon den größt-möglichen Erfolg gehabt.

Jim Harbaugh war aus verschiedenen Gründen der Wunsch-Coach des Teams: Offense-minded, Erfahrung in der Entwicklung von QBs, modern, organisiert und strukturiert und wenn man den Gerüchten glauben darf sehr gut in der Bewertung von College QBs. Er wird – hoffentlich – die West Coast Offense wieder zurück in ihre Heimat bringen. Dies bedeutet mehr Balance in der Offense. Aufgrund der CBA Situation aber vor allem der QB Situation in San Francisco kann man im Jahr 2011 keine Wunder erwarten, zumal auch die Defense, trotz Beibehaltung der 3-4, ein neues System bekommen wird. Er wird viel arbeiten und das Maximum aus dem Team holen – etwas was weder Erickson noch Nolan noch Singletary vermochten. Im Prinzip korrigiert man den Fehler, Mooch entlassen zu haben – nur halt mit Harbaugh, der an einem ähnlichen Punkt steht, wie Mariucci vor seinem Wechsel von Cal zu den 49ers.

Morgen geht es an dieser Stelle weiter.

Weitere Sezierstunden: Hier entlang.