Super Bowl 2018 Preview: Philadelphia Eagles – Bereit zum Abheben

Wenn man mich zwingen müsste, einen Vergleich zwischen Fußball und der National Football League zu machen, würde ich die These aufstellen: Die Philadelphia Eagles sind sowas wie der FC Arsenal der NFL. Ein gefühlter, „großer“ Traditionsclub mit unglaublich loyaler Fan-Base, einem großartigen Stadion, auf dem Platz ästhetisch wunderbar anzusehen und sportlich immer vorne dabei, aber ohne die ganz großen Titelgewinne wie Landesmeisterpokale oder Superbowl-Ringe. Weiterlesen

Philadelphia Eagles 2016: Graue Maus und Grauer Bär

Der NFL-Weg nach einem gescheiterten Trainer-Experiment ist meistens derselbe: Such dir irgendwas Neues, was charakterlich oder philosophisch nicht dem Alten ähnelt. Also Offense nach Defense. Oder Player-Coach nach Disziplin-Nazi. Im Fall der Philadelphia Eagles reden wir vom zweiten Fall. Wir reden vom Nachfolger von Chip Kelly. Weiterlesen

Sonntagsvorschauer, Week 5 | NFL 2014/15

Der fünfte Spieltag eignet sich nicht bloß als Herbstschau der amerikanischen Männermode, sondern auch um eine Woche nach dem Sonntag der Blowouts weitere Eindrücke bezüglich etlicher Mannschaften zu sammeln. Das Gewicht heute Abend ist dabei wieder eindeutig gen Abendessen verschoben, mit neun Ansetzungen um 19h zu nur drei nach zehn Uhr plus dem Sunday Night Game. Eine ausführliche Vorschau ohne rosa, und auch nicht durch die rosa Brille. Weiterlesen

Der Wunschtrainer: Jim Schwartz

Die Entscheidung des Front-Office der Detroit Lions, Head Coach Jim Schwartz nach dem erneuten Verpassen der Playoffs zu entlassen, kam nicht sonderlich überraschend, und die Beweggründe sind relativ einfach nachvollziehbar: Es ist nicht so sehr das Verpassen der Playoffs, sondern die Murmeltierschleife, in der die Schwartz’schen Lions stecken geblieben sind. Punxatowney Phil meldet: Schlampige Spielzugausführung, dumme Penaltys, schlimmes Timeout-Management und als Resultat zu viele unnötig verlorene Spiele. Das stumpft dich als Fan ab, und es fällt unweigerlich – ob fair oder nicht – auf die Führungsfigur, in diesem Fall Jim Schwartz, zurück.

Persönlich geht für mich damit mein Lieblingstrainer verloren. Ich habe 2009, kurz nach Ende der legendären 0-16 Saison der Lions und einen Tag nach der Entlassung von Rod Marinelli und dem kompletten Trainerstab in einem italienischen Forum folgendes gepostet (lose übersetzt):

Wenn ich eine Wahl hätte, sie würde auf Jim Schwartz fallen, und die Entscheidung ist keine knappe. Schwartz steht für so vieles in einem Head Coach, was ich sehen will. Er steht für Defense. Detroit braucht zu allererst Defense. Ich würde im Normalfall immer schreiben „wir brauchen Offense“, aber die Offense ist nicht einmal das große Problem in Detroit. Es fehlt an der Abwehr. Schwartz hat jahrelange exzellente Arbeit in Tennessee geleistet, obwohl er neben Haynesworth keinen zweiten exzellenten Spieler hatte. Als ehemaliger Offensive Consultant kennt Schwartz aber auch die Wichtigkeit von Offense.

Schwartz ist ein studierter Ökonom. Das zeigt sich in der Arbeit. Er gilt in Footballkreisen als Pragmatiker. Er führt Sheets in denen die Spieler Down für Down nach ihren Leistungen bewertet werden. Das ist methodisch um mehrere Welten von allem entfernt, was Detroit in den letzten Jahren gesehen hat und in der NFL noch immer nicht gang und gebe. Insofern ist Schwartz ein Vorreiter.

Schwartz hat bei den besten gelernt: Bei Belichick, als Belichick noch Wunderknaben produzierte, und später bei Jeff Fisher. Fisher schwärmt noch immer in den höchsten Tönen von Schwartz, auch wenn er ihn jetzt verlieren könnte. Belichick war aktiver Förderer von Schwartz noch bevor Belichick zu „Belichick“ wurde und noch als junger Hüpfer in Cleveland seine ersten Coaching Erfahrungen machte.

Dungy wird vielleicht zurücktreten, aber er wird danach sicher keinen anderen Job annehmen, zumindest nicht 2009. Damit fällt die einzige akzaptable Alternative flach bevor sie eine Chance hat diskutiert zu werden. Dadurch wird Schwartz zur mit meilenweitem Abstand besten Wahl. Also nehmen wir ihn. In bocca al lupo!

Martin Mayhew griff danach tatsächlich zu Schwartz, dem damaligen Defensive Coordinator von Tennessee. Ein Jahr später schrieb ich im selben Forum.

Das erste Jahr war richtig schlecht. Diese Lions haben zwar zwei Spiele gewonnen, aber vielleicht waren sie noch schlechter als ihre Vorgänger, die kein einziges Spiel gewonnen haben, aber mal ehrlich: Wer irgendwas anderes erwartet hatte, möge die Hand heben und das Wort ergreifen.

Um das Jahr zu rekapitulieren: Ich war von Anfang an gegen Matt Stafford als QB, und die Schlechtigkeit der Offensive Line hat mich bestärkt in meiner Meinung, dass die Lions ihren Franchise QB verheizen. Aber ich gebe zu, dass der Move ein Jahr später besser aussieht als vorher. Stafford hat sich zwar zweimal verletzt und er hat oft schlecht gespielt, aber who cares? Das ist ein Rookie in einer grottenschlechten Mannschaft, da willst du erstmal sehen ob du einen Kämpfer hast oder einen mutlosen Schisser. Alles andere ist eh zweitrangig. Es liegt jetzt an Stafford und den Coaches die richtigen Schlüsse aus dem Rookie-Jahr zu ziehen. Staff hat das Potenzial, und die Spiele wie Cleveland [s. hier] sind das, wofür ich die NFL und Spieler wie Stafford so liebe. Grade: Vielleicht eine 7 [dt. Note in etwa zwischen 3 und 4] für Matthew. Jetzt bitte noch etwas O-Line einkaufen.

Die Lions haben nun den zweiten Pick im Draft und existiert irgendein Zweifel, wen wir nehmen müssen? Nein, Suh ist ein Gigant, ein Monster, und ich stimme [User carroba41] uneingeschränkt zu: Die Rams werden einen QB nehmen, und Suh wird auf den zweiten Platz fallen. Es gibt keine Position die für die Lions 2010 wichtiger ist als DT und Suh. Jeder der Suh gegen Nebraska gesehen hat, weiß das das der Spieler ist, den dieses Jahr alle wollen.

Zu Schwartz kann man nicht viel Negatives sagen: Er hatte keine Spieler, aber seine Aufgabe dieses Jahr war, sich die wenigen herauszusuchen, die die Seinigen sein werden. Wenn Schwartz so pragmatisch ist wie sie alle behaupten, dann wird er die Richtigen auswählen. Ich bin jedenfalls zuversichtlich. Nächstes Jahr schon werden die Lions mindestens 6 oder 7 Spiele gewinnen.

2010 beendete Detroit mit sechs Siegen. Es war das Jahr, das sich am bisher besten anfühlte, da man stets den Eindruck hatte, dass der Druchbruch kurz bevor stand. Detroit verlor zwar acht der ersten zehn Spiele, und war noch längst nicht wirklich eine richtig gute Mannschaft, aber die Lions verloren damals fast nie hoch, bleiben meistens lange im Spiel, und das, obwohl der QB Matthew Stafford aufgrund einer schweren Verletzung nur drei Einsätze hatte. Das war auch das große Fragezeichen nach 2010. Aus der Sezierstunde nach der Saison 2010:

2010/11 hat uns ein 6-10 beschert. Es passiert nur in Detroit, dass „6-10“ mit gutem Gewissen in das Regal mit dem Aufkleber „Erfolg“ eingelegt werden kann.

2010/11 waren die Lions ein deutlich wettbewerbsfähiger Haufen als in den letzten 2-3 Jahren. Die Schwachstellen sind teilweise eklatant, aber sie haben meist voll durchgespielt und mit ihrem Sieg über Tampa in Woche 15 sogar dem Superbowl-Champ Green Bay überhaupt erst die Playoff-Teilnahme ermöglicht!

Die zehn Saisonniederlagen lesen sich so: -5 gegen Chicago, -3 gegen Philadelphia, -14 gegen Minnesota, -2 gegen Green Bay, -8 gegen die Giants, -3 (OT) gegen die Jets, -2 gegen Buffalo, -14 gegen Dallas, -21 gegen New England (als die jeden Gegner in Grund und Boden gespielt haben) und -4 gegen Chicago. Vier Siege im Dezember, unter anderem gegen Green Bay und Tampa Bay, die beide voll im Saft um die Playoffs waren. Und man bedenke: Über weite Strecken wurde mit Backup-QB und sogar Third Stringer und Backup-RB gespielt. Trotzdem hat z.B. ein Calvin Johnson wieder über 1000yds und 12TDs gefangen.

Das unbeschreibbare Wort „Siegermentalität“ ist zwar nicht so meins. Aber so oft wie die Lions diese Saison an einem Sieg dran waren und trotzdem noch vergeigt haben… Wenn ich an Leute wie C Raiola denke, die seit ungefähr drei Jahrzehnten nur losing seasons erleben mussten, ist das auch kein Wunder. Die wissen gar nicht, wie man das macht, selbst wenn einem mal ein starkes Spiel ausrutscht.

Ein Jahr später folgte die erste Playoff-Qualifikation. Es war aber auch die Saison, in der sich erstmals in eklatanter Weise die Probleme wie Schlampigkeiten zeigten, die nicht ausgemerzt wurden, oder unendliche Serien an Strafen. Diese Undiszipliniertheiten machten durchaus Sorgen, aber der Grundtenor blieb weiterhin optimistisch:

Für die Detroit Lions war 2011/12 trotz einiger Turbulenzen ein sehr gutes, weiteres Jahr des Aufbaus. Mit 10-6 Siegen und einem Ranking im oberen NFL-Drittel in fast allen wichtigen Statistiken zeigt der Trend ein weiteres Jahr steil nach oben, und nach einigen knappen Niederlagen gegen die NFL-Elite brach man im Wildcard-Spiel bei den extrem heimstarken New Orleans Saints erst im Schlussviertel einer auf mehreren Ebenen unglücklich verlaufenen Partie ein. Konzeptionell ist die Mannschaft 1A zusammengebaut: Via Draft, mit einigen ergänzenden Einkäufen vom Transfermarkt. Ohne die vielen Nebengeräusche abseits des Spielfelds wären die Lions ein gigantischer Sleeper.

In der Katastrophensaison 2012/13 lief alles gegen die Lions. Die 4-12 Bilanz war nicht verdient, und auch die Mannschaft kollabierte nicht, verlor nur ein einziges Spiel wirklich hoch (@Arizona spät im Dezember). Aber es zeichnete sich schon zu Thanksgiving ab, dass Schwartz die Felle davon schwimmen. Detroit war zum Zeitpunkt, als ich die Thanksgiving-Preview 2012 schrieb, bei 4-6 Siegen, also noch vor der finalen Pleitenserie und kurz bevor Schwartz den „Schwartz“ (den ominösen Flaggenwurf gegen Houston) machte:

Klingt alles nicht gut für Detroit – aber: Die Defense ist diese Saison ein eher kleines Problem, hielt Detroit selbst gegen starke Angriffe meistens lange im Spiel.

Dennoch: Ich bin etwas besorgt. Nicht wegen einer potenziell weiteren Niederlage – die Playoffs hatte ich dieses Jahr von den Lions ebenso wenig „erwartet“ wie eine 11-5 Bilanz. Aber die Stimmung in Mannschaft, Trainerstab und auf den Rängen müffelt bereits dezent angefäult; die merkwürdigen, unpragmatischen Moves von Jim Schwartz in den letzten Wochen haben mich aufhorchen lassen. Irgendwo durch die riesigen Gläser des Ford Fields dämmert schon fin de siécle-Atmosphäre.

Ich hänge an Mannschaft wie Trainer genug, dass ich lieber ein weiteres Jahr mit Schwartz in den Abgrund fahre, als bereits diesen Winter eine erneute Generalüberholung in dieser Franchise zu sehen.

Also. In den letzten Wochen war die Halbwertszeit zwischen Opening Kickoff und ersten Buhrufen im Ford Field keine drei Spielminuten. Eine weitere Pleite wird in dieser eh schon verfallenden Stadt Detroit kein gutes Gegengift sein…

Lieber in den Abgrund, als den Lieblings-Coach aufzugeben. Da steckt glaube ich auch ein bissl der Denke von NFL-Coaches in mir, die ihren QB-Bust nicht zu früh aufgeben wollen anstelle ihn als „sunken cost“ abzuschreiben. Ich weiß nicht, ob diese Denke von mir ebenso unpragmatisch wie Schwartz war. Aber wer will schon seinen absoluten Wunschkandidaten zu früh aufgeben?

In der Sezierstunde nach der Saison 2012/13 schrieb ich:

Die Saison 2012/13 wird als Saison der enttäuschten Hoffnungen in die Lions-Historie eingehen: Nach zwei Jahren Euphorie und Weg nach oben folgte der brutale Absturz auf bekanntes Terrain: Vierter Platz in der NFC North mit einer 4-12 Bilanz. Das schwache Gesamtbild der Detroit Lions wurde abgerundet durch nach außen getragene interne Schwierigkeiten und aufkommende Zweifel an der Qualität des Head Coaches Jim Schwartz.

Leser dieses Blogs dürften mittlerweile mitbekommen haben, dass der Lions-Laden trotzdem noch kein Fall fürn Notarzt ist. Zu gut waren die Vorstellungen gegen einen überwiegend schwierigen Schedule, zu viele Niederlagen selbst gegen sehr gute Teams waren einfach knapp (3-9 in One-Score-Games). Und gleich mehrfach war nicht bloß ein etwas besserer Gegner schuldig, sondern Detroit mit Eigenfehlern: Schlechte Coaching-Entscheidungen, Fehlkicks, Turnovers zum dümmsten Zeitpunkt.

Die Mannschaft bewegte sich zwischen frustrierend und aufregend. Spiele wie gegen Phialdelphia, Seattle, Green Bay oder Houston waren sinnbildlich für diese Saison: Hautenge Partien mit Punch und Gegenpunch, Comebackversuch und am Ende 1-2 Plays, die die Entscheidung herbeiführten.

Freilich bedeutet all das nicht, dass die Lions per sofort als Spitzenteam anzusehen sind. Sie waren mittelmäßig. Man lernte in dieser Saison aber nicht viel Neues über das Team, was nicht eh schon klar ist.

[…] Auf der anderen Seite ist Schwartz angezählt. Eine weitere Wackelsaison und wir sehen nächsten Winter einen neuen Lions-Cheftrainer.

Die Wackelsaison ist gekommen. Schwartz musste gehen. Schwartz hat letztlich nicht das gehalten, was er versprochen hat: Er erwies sich nicht als „analytischer Head Coach“, als der er vor Amtsantritt präsentiert wurde. Der Schachspieler Schwartz war deutlich weniger pragmatisch als gedacht. Nach drei guten Jahren zum Einstand wurden seine Moves immer bizarrer, immer bauchgetriebener.

Er hat die die Detroit Lions aus dem tiefsten Tal herausgeführt. Detroit ist kein 0-16 Team mehr. Aber man fühlt sich nicht viel besser, wenn man mit 8-8 abschließt und weiß, dass so viel mehr drin gewesen wäre; wie schon 2012; wie eigentlich schon 2011, als man noch jeden Sieg mit Kusshand nahm, da es ein Sieg war. Von der Hoffnungslosigkeit eines 0-16 ging es zur Hoffnung, die eine 2-14 Saison bot. Dann kam eine schaumgebremste Zeit, in der eine verletzungsgeplagte Mannschaft immerhin mit 6-10 abschloss. Dann kamen die Playoffs, die so viel mehr versprachen. Dann kam der Kollaps. Gleich zweimal in Serie.

Danke Jim Schwartz für fünf aufregende Jahre. Ich wusste nicht, wie es sich fühlt, eine NFL-Mannschaft zu unterstützen, die realistische Playoff-Chancen besitzt. Nun weiß ich es. Es kann verdammt nervenaufreibend sein. Der nächste Coach findet zwar eine Mannschaft in Salary-Cap Schwierigkeiten vor, aber das Potenzial der Stammspieler, die unter Vertrag stehen, ist gegeben.


Mein persönlicher Wunschkandidat als neuer Lions-Headcoach war natürlich Dungy, aber Dungy wird es nicht werden. So bleibt das Wunsch-Profil des neuen Head Coaches ein folgende Punkte umfassendes:

  1. Ein Offensiv-Geist. Oder zumindest jemand, der einen kompetenten OffCoord einstellt. Die Lions-Probleme starten im Angriff.
  2. Ein Stratege. Der neue Head Coach muss dringend Mitspracherecht in der Kaderzusammenstellung bekommen. GM Mayhew hat sich als unfähig erwiesen, ein gescheites Vertragsmanagement auf die Beine zu stellen, weswegen Detroit in den großen Fragen auf Jahre die Hände gebunden sein werden.
  3. Stats-Guy. Zumindest Basis-Verständnis für Advanced-Metrics würde ich mir schon vom neuen Headcoach wünschen. Also genau das, was man sich vor fünf Jahren von Schwartz versprochen hat.
  4. Disziplin als hohe Priorität. Der neue Lions-Coach muss großen Fokus auf Disziplin am Spielfeld legen.

So long. Einer der Favoriten auf den Job soll Ken Whisenhunt (derzeit OffCoord von den Chargers) sein. Mit ihm könnte ich leben, auch wenn der gestrige GamePlan Whisenhunts in Denver selten beknackt war. Whisenhunt hat eine gute Historie, aus vielversprechenden QBs (damit sind nicht gemeint: Max Hall, Drew Stanton, John Skelton, Kevin Kolb…) Großartiges herauszukitzeln. Und Whisenhunt hat dieses Jahr aus weniger Personal viel mehr gemacht als die Lions je an Offense hatten. Dazu aber vielleicht in den nächsten Tagen mehr.

Black Monday 2013

[22h14] Mike Munchak wird – wenn überhaupt – wohl nicht schon heute entlassen werden. Munchak soll unter der Woche in einem Treffen mit GM Rusty Webster und CEO Tommy Smith die Situation bei den Tennessee Titans erörtern.

Ein anderer Posten kriegt Schwung: Bill O’Brien ist nach Informationen von John McClain (ehem. Houston Chronicle) der haushohe Favorit auf den Texans-Job, und O’Brien soll bereit sein, die Penn State University für den Texans-Job zu verlassen.

[21h31] Die Sofa-QBs #17 sind raus. Die Themen diesmal: Coaches, Week 17 und Wildcard-Vorschau. Ich war diesmal wieder dabei, leider zu Beginn aufgrund einiger Problemchen leicht unkonzentriert. Mitten in der Podcast-Aufnahme wurde dann Jim Schwartz entlassen; Schwartz‘ Entlassung ist vielleicht folgerichtig, aber sie wird die Probleme in Detroit nicht allein lösen. GM Mayhew darf nämlich wohl tatsächlich bleiben.

[19h05] Black Monday ist der erste Montag nach Ende der NFL-Regular Season. „Black“ für die Coaches und Offiziellen, die gefeuert werden. Heute war bis 12h EST (US-Ostküste) schon einiges los:

Rob Chudzinski wurde in Cleveland schon in der Nacht gefeuert. Die Nachricht, dass Chudzinski wackeln soll, überraschte mich gestern aus heiterem Himmel. Chudzinski wurde erst letzten Jänner verpflichtet und hatte einen Vierjahresvertrag; das Front-Office hatte damals den Move mit Wunsch nach Kontinuität kommentiert. Cleveland war 2012 mit 4-12 wieder eines der schlechtesten Teams der Liga, aber die Browns/Chudzinski mussten ohne Quarterback operieren.

Hinter vorgehaltener Hand vermutet man in dem Move das Werk des GM Michael Lombardi, der letztes Jahr erst wenige Tage nach Chudzinski in das Front-Office geholt wurde und erst mehrere Wochen danach zum General Manager befördert wurde. Lombardi gilt als Alphatier, das seinen eigenen Coach und totale Kontrolle über eine Franchise haben will. Die Kandidaten für Chudzinskis Nachfolge, die aktuell durch den Äther gejagt werden, sind vornehmlich ehemaliger Belichick-Schüler (Lombardi ist auch ein Belichick-Jünger); Leute wie Josh McDaniels (setzte die Denver Broncos 2009 und 2010 in Flammen) oder Bill O’Brien (sanierte zuletzt Penn State).

Leslie Frazier (Minnesota Vikings), Mike Shanahan (Washington Redskins), Greg Schiano (Tampa Bay Buccaneers) und Jim Schwartz (Detroit Lions) wurden ebenso gefeuert. Dieses Quartett habe ich schon vor zwei Wochen abgehandelt. Zu Schwartz wird es morgen noch einen detaillierten Blogeintrag geben.

Bei den Buccs wurde auch GM Mark Dominik mit rasiert. Detroits Front-Office um den umstrittenen Martin Mayhew scheint noch unangetastet geblieben zu sein. Bei den Vikes hatte GM Rick Spielman gestern bedenklich gewackelt, aber Spielman scheint nun doch bleiben zu dürfen.

Rex Ryan in New York wurde bereits bestätigt. Der Move wurde vom Owner Woody Johnson höchstpersönlich in den Minuten nach dem Sieg in Miami verkündet und ist unter Jets-Fans extrem umstritten. GM Idzik hielt sich gestern fein raus; viele vermuten nun, dass der Ministrant Idzik von Johnson übergangen wurde.

In Dallas gab Jerry Jones erst einmal ein Lippenbekenntnis für Jason Garretts Verbleib ab.

In Oakland ist es aktuell noch früh am Morgen (10h PCT). Gestern schien es so, als stünden der Franchise-Sanierer GM Reggie McKenzie und Head Coach Dennis Allen kurz vor dem Rauswurf.

Heiß gehandelte Kandidaten auf einen Head Coach-Posten sind neben der Belichick-Riege auch die Assistenzcoaches in Denver, z.B. OffCoord Adam Gase und/oder DefCoord Jack Del Rio (ex-HC der Jaguars). Denver war schon in den letzten Jahren Karrieresprungbrett für Leute wie Mike McCoy oder Dennis Allen.

Wir sind damit bislang bei sechs freien Trainerposten: Houston, Detroit, Tampa Bay, Washington, Cleveland, Minnesota.

Die heißen Sessel

Ein paar Gedanken zu den Wackelkandidaten auf den Trainersesseln der NFL-Teams.

Mike Shanahan

Nach Gary Kubiaks Entlassung ganz klar der nächste gefährdete Head Coach, die Saison nicht zu überstehen. Shanahan ist dead man walking und wird spätestens zum Ende der Saison gehen. Zurecht? Ich bin da gespalten. Das Pro-Argument wäre „…aber die Entwicklung!“. 2012 war ein Jahr, in dem die Offense über weite Strecken Klick machte und unter RG3 richtig gut drauf war.

Die Gegenargumente sind aber breiter gestreut: 2012 war der einzige Ausreißer. Shanahan wird seine Zeit bei den Redskins mit 23-39 plus noch drei ausstehenden Spielen beenden. Selbst letztes Jahr war lange Zeit ein Murks, weil die Skins die Defense nicht in den Griff bekamen; dann kam der Siegeslauf, mit einer reibungslosen Offense und einer für ein paar Wochen halbwegs funktionierenden Defense. Mehr war Shanahan nicht.

Vier Jahre. Zwei Jahre Ausrede ob des fehlenden Franchise-QB. Dann war’s die Defense, die auch diesmal keinen Stich machte. Nicht alles ist Shanahans „Schuld“, nachdem Washington erst keine Salary-Cap für Investitionen hatte (siehe Haynesworth) und dann keine Draftpicks für Jungstars (RG3-Trade). Und trotzdem sind vier Jahre vier Jahre, eine angemessene Zeit für NFL-Verhältnisse. 2013 war eine Katastrophe, und nachdem sich Shanahan mit Owner Snyder nicht mehr zu verstehen und seinen eigenen Rauswurf zu provizieren scheint, ist die Reißleine der einzige Ausweg. Weiterlesen

NFL-Power Ranking 2013, Week 11: Den Geschmacksnerv getroffen

Das Monday Night Game Carolina PanthersNew England Patriots traf meine Geschmacksnerven am süßlichen Ort. Es gehörte zu den Spielen dieser Regular Season, die mich am meisten begeisterten: Knappes Spiel, gute Ausführung, knisternde Atmosphäre. Carolina, dieser heimliche Riese, der seit über einem Jahr massiv unterschätzt wird, weil er keine knappen Spiele gewinnen kann, holte sich die zweite hautenge Partie en suite: 24-20 gegen einen AFC-Favoriten New England, der nicht schlechter war, aber ein bissl unglücklicher.

Man kann sich an der Referee-Entscheidung aufhängen oder nicht. Ich kann die Aufregung nachvollziehen, aber ich kann ebenso nachvollziehen, weswegen die geworfene Flagge am Ende wieder eingesteckt wurde: Der Kontakt kam reichlich spät, als der Ball bereits deutlich unterworfen war; Gronkowski bewegte sich bereits vom Ball weg und „uncatchable“ fand ich beim zweiten Hinschauen für ein adäquates Bewertungsmaß. Um über weitere Penalty-Möglichkeiten wie Defense-Holding urteilen zu können, fehlt mir die Detail-Regelkenntnis. Festzuhalten bleibt allerdings eins: #59 Luke Kuechly, dieser famose Abwehrchef der Panthers, riskierte mit dem unnötigen Körperkontakt die Partie.

Fakt ist: Das Spiel war geil. Wenige Drives, aber lange Drives. Fast immer endeten sie in Punkten. Nur drei Punts. Beide Offenses mussten sich gehörig in die Waagschale legen, um die Yards zu erkämpfen, da beide Defenses hielten. Es gab nur vier Spielzüge, die weiter als 20yds gingen – und es störte kein Jota. Dafür hohe Verwertungsraten in dritten Downs. Ein QB Cameron Newton mit einem der spektakulärsten broken play-Rettungen des Jahres. Überhaupt waren beide Quarterbacks gut drauf und hatten hohe Completion-Rate auf ihren kurzen Routen.

Es gab 12 Strafen? Sie fielen nichtmal so ins Gewicht; vielleicht sind wir in der heutigen NFL mit ihren restriktiven Regeln für besseren Gesundheitsschutz einfach mehr gewohnt. Talib gegen Steve Smith war erwartet unterhaltsam, u.a. mit einer zünftigen Schlägerei. Die Panthers sprangen nicht nur im letzten Play von der Schippe, sondern schon in der ersten Halbzeit: Im ersten oder zweiten Pats-Drive verlängerten sie zweimal in 3rd-Downs mit Penaltys den Drive, eroberten aber in der RedZone einen Fumble und blieben unbeschadet.

New England muss sich nicht wegen der Leistung grämen, aber hätte im vierten Viertel von der CAR 8yds Line bei 17-17 Zwischenstand mit 6:35 auf der Uhr ein 4th-und-1 ausspielen können; Belichick ließ zur Führung kicken. Der 4th-Down Calculator ist nicht so eindeutig wie es mein Gefühl vermuten ließ (61% Break-Even, allgemeine Verwertungsrate 68%), aber ausspielen wäre definitiv die wünschenswerte Alternative gewesen, vor allem mit dem besten Sneak-QB der NFL-Geschichte in Brady.

Du kickst von der gegnerischen 8yds-Line und endest mit einem Verzweiflungs-Play von der gegnerischen 18yds Line – so geht es oft in der NFL. Ich hätte ausgespielt. Immer mehr Coaches folgen derzeit dem Mathletics-Beispiel, aber noch nicht alle. Belichick, dieser Guru und auch in Sachen Advanced-Stats einer der Vorreiter, zog es diesmal vor zu kicken.

Das Power-Ranking nach Woche 11.

NFL-Power Ranking 2013, Week 11

NFL-Power Ranking 2013, Week 11

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 11.

Statistik-Tabelle

Wichtigste Statistik-Inputs für Power-Ranking #11, 2013

Wichtigste Statistik-Inputs für Power-Ranking #11, 2013

Kommentarsektion

Führungswechsel ganz oben: Die Saints gewannen zwar nur knapp gegen die 49ers, aber hinter dem Endergebnis von 23-20 steckt eine dominante Performance, die sich die Saints mit einer Latte an überflüssigen Turnovers zwischenzeitlich selbst kaputt zu machen drohten.

Die 49ers auf der anderen Seite fallen nach einer weiteren pathetischen Offense-Vorstellung auf #9 zurück. Die Offense ist nach kurzem Strohfeuer im Oktober nun wieder auf 6.1 NY/A und Liga-Mittelmaß im Passspiel zurückgefallen. QB Colin Kaepernick hat weiterhin in Boldin und Davis nur zwei Anspielstationen, brachte am Sonntag gegen die stark verbesserte, aber noch nicht wirklich hochklassige Saints-Defense katastrophale 3.7 NY/A an den Mann.

Auffällig: San Francisco hat kein vertikales Element mehr im Spiel. Der Bolzen Boldin ist per Definition eine Mitteldistanzwaffe, und Davis wohl nicht fit genug um öfters downfield zu gehen, und dahinter gibt es nix. Manningham und Baldwin waren auch am Sonntag Ausfälle. Kaepernick muss Teil des Problems sein, denn die Coaches scheinen ihm nicht mehr so viel vom Spiel in die Hände legen zu wollen, aber ich tue mir schwer, Unterschiede zwischen Kaepernick 2012 und Kaepernick 2013 herauszuarbeiten: Der Mann wirft weiterhin relative Raketen, und gelegentlich überzogen hat er letztes Jahr auch. Ich bin momentan geneigt, viele der Niners-Probleme an den Skill-Positionen festzumachen. WR Crabtree kann nicht schnell genug zurückkommen, aber nach Achillessehnenriss wird er kaum sofort bei 100% sein. Und genau diese 100% bräuchte San Francisco händeringend.

Philadelphia ist offiziell das alljährliche Ausreißerteam, Ausgabe 2013. Die Eagles machten die Washington Redskins dreieinhalb Viertel lang komplett nieder, gewannen am Ende aufgrund eines aufgelackerten Comebacks viel zu knapp 24-16. Ich finde genug Dinge, die mich bei den Iggles skeptisch machen, aber Fakt ist auch: Sie halten sich quasi von Beginn des Power-Rankings vor sechs Wochen dort oben fest. Und die Defense schaute gegen RG3 lange Zeit total dominant aus. Philly mit 7.5 NY/A die viertbeste Pass-Offense plus eine mittelmäßige Defense, und das gegen einen Schedule, der schwerer ist als jener der anderen Topteams dort oben.

Cincinnati bleibt weiterhin in den Top-5, aber ich zweifle nach der katastrophalen Offensiv-Vorstellung gegen Cleveland (dass Cincinnati 41 Punkte machte, ist Wahnwitz) deutlicher als je zuvor an der Qualität des QBs Dalton. Verrückter Gedanke: Sollte ein Team wie Atlanta (also eines ohne echten QB-Need) den Top-Pick erhalten, würde ich an Bengals-Stelle darüber nachdenken, „all in“ zu gehen und mir mit Nachdruck einen Freischuss auf ein Top-QB Prospect erkaufen… ok, ich denk noch mal drüber nach, aber die Idee schleppe ich seit 2-3 Wochen mit mir herum und wollte ich mal dokumentiert haben.

Cleveland rutscht übrigens auf #14 hoch! Die Browns verloren zwar besagt 20-41 in Cincinnati, aber: TD-Drives der Bengals waren 22, 38 und 52yds, also alle aus exzellenter Feldposition. Die Browns-Defense ist kein Problem, sie ist vielmehr nach den Metriken dieser Power-Rankings die drittbeste der NFL (u.a. #3 Passdefense mit 5.1 NY/A und #4 Laufspiel). Die beste? Cincinnati: 5.0 NY/A Passspiel als #2, und neuntbeste Lauf-Defense.

Muss ich über das Sunday Night Game schreiben? Ja, kurz. Beide Teams haben ziemlich genau das Erwartete gezeigt: Broncos mit 8.1 NY/A Passspiel fast genau im Saison-Soll, die Chiefs waren mit dem erwartet schnellen Rückstand erwartet überfordet. QB Smith mit unter 50% Completion-Rate und nur 4/13 Rate bei 3rd-Downs, und vor allem: War schnell zum Scrambeln gezwungen. So mobil Smith ist: Das ist nicht seine gewohnte Methode. Ausgangs des dritten Viertels schlug sich die Dominanz der Broncos auch in Punkten nieder. Kansas City ist womöglich besser einzustufen als #17 im Power-Ranking, aber ich tue mir trotzdem hart, diese Mannschaft als, sagen wir, 12-4 Kaliber einzustufen.

Zum Bodensatz: Tampa arbeitet sich hoch. Die Buccs grooven! Ich sitze mit heller Begeisterung vorm PC und staune über die mutigen PlayCalls des Head Coaches Schiano. Schiano ist dead man walking und wird der Rasur im Jänner kaum enfliehen, aber diese letzten Wochen waren trotzdem fantastisch. Am Sonntag muss man Detroit, und völlig chancenlos ordne ich die Buccs nicht ein. Das direkte Duell CB Revis gegen WR Calvin Johnson dürfte eine Augenweide werden.

Ein Wort noch zu Detroit: Ich schrieb schon im Liveblog, dass die Schwartz’sche Entscheidung zum Fieldgoal-Fake keine ökonomische Entscheidung im rationalen Sinne war, aber ich war trotzdem angenehm angetan von der Entscheidung: Zu oft habe ich einen zu ängstlichen Schwartz in den letzten Jahren gesehen. Da hab ich ehrlich lieber mal ein schlecht kalkuliertes Risiko als noch dreimal den eingezogenen Schwanz… und ganz nebenher: Solche FG-Fakes sind häufig weniger mathematisches Produkt, sondern die Tatsache, dass man im Videostudio eine Schwachstelle beim Gegner entlarvt hat. Der Spielstand war 27-23 pro Lions, ein TD hätte die Partie quasi entschieden. Ich kann mit der Entscheidung gut leben, trotz allem.

Der Conference-Vergleich sieht die AFC (.464) diese Woche eine Spur auf die NFC (.536) aufholen. Bei den Divisionen sieht das Power-Ranking weiterhin alle vier NFC-Divisionen auf den ersten vier Plätzen; der Spitzenreiter bleibt die West-Division mit durchschnittlicher Qualität von .568; das Schlusslicht ist noch immer die South-Division mit .402.

Award Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offensiv-MVP: Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson, LeSean McCoy
  • Defensiv-MVP: J.J. Watt, Poe, Justin Houston, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Luke Kuechly
  • Rookie-Watch: Sheldon Richardson, Star Lotulelei, Kiko Alonso, Andre Ellington, Eddie Lacy, Keenan Allen, Larry Warford
  • Coach-Watch: Sean Payton, Andy Reid, Ron Rivera

Ich entschließe mich nach PFF-Lektüre, den Lions-OG #75 Larry Warford in die Watchlist für den Rookie-Preis aufzunehmen. Zugegeben, qualitativ kann ich nicht viel in der Diskussion beitragen, aber die verfügbaren Metriken lassen auf eine bockstarke Lions-Line „interior“ schließen – und das fällt auch auf Warford zurück. Sehr guter Mann.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 12

Woche 11 glückte mir im persönlichen Bauchgefühl-Tippen so gut (12-3 korrekt), dass ich bei NFL-Crush die zwischenzeitlich verlorene Führung zurückerobern konnte. Ich weiß: Sie hält nicht lange an, deswegen mach ich mal ein Bier drauf auf. Das Power-Ranking war eine Spur weniger präzise, krankt vor sich hin: 9-6 gewonnene Tipps (62-36, 63.2%). Die Tipps für Woche 12 schauen so aus:

HOME                 %   AWAY                  %
Atlanta             20   New Orleans          80
Cleveland           62   Pittsburgh           38
Detroit             79   Tampa Bay            21
Green Bay           83   Minnesota            17
Kansas City         55   San Diego            45
St Louis            38   Chicago              62
Miami               39   Carolina             61
Baltimore           47   NY Jets              53
Houston             87   Jacksonville         13
Oakland             34   Tennessee            66
Arizona             65   Indianapolis         35
NY Giants           63   Dallas               37
New England         40   Denver               60
Washington          39   San Francisco        61

New England ist nach diesem Modell +/- 4pts-Außenseiter zuhause gegen Denver. Das mag erstaunen oder nicht. Aber Denver ist mit seiner Pass-Offense weiterhin eines der NFL-Spitzenteams. Im zweiten großen Primetime-Spiel ist San Francisco ähnlich klarer Favorit in Washington; wenn die 49ers gegen die inexistente Secondary der Redskins nicht punkten, wann dann?

Klarster Favorit des Tages ist Houston, das gegen Jacksonville ran darf. Das Modell gibt den Texans dabei einen zusätzlichen Boost durch den Heimspielvorteil, aber wer das letzte Spiel der Texans im Reliant Stadium sah, fragt sich ob des gellenden Pfeifkonzerts, ob das ein Vorteil ist. Wen Head Coach Kubiak diesmal benchen wird?

Das 9-1 Team Kansas City ist nur dank Heimspiel leichter Favorit gegen San Diego. Auf der anderen Seite werden die Ravens mittlerweile so negativ angesehen, dass sie schon nichtmal mehr gegen die Jets als Favorit im eigenen Stadion gelten. Wie auch? Die Jets sind Week-to-Week W-L-W-L-W-L-W-L-W-L… was wohl diesmal folgen wird?

Detroit Lions in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         4-12   --
Enge Spiele    3-9  
Pythagorean    6.4   (23)
Power Ranking   .516 (17)
Pass-Offense   6.4   (14)
Pass-Defense   6.2   (18)
Turnover       -16

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Saison 2012/13 wird als Saison der enttäuschten Hoffnungen in die Lions-Historie eingehen: Nach zwei Jahren Euphorie und Weg nach oben folgte der brutale Absturz auf bekanntes Terrain: Vierter Platz in der NFC North mit einer 4-12 Bilanz. Das schwache Gesamtbild der Detroit Lions wurde abgerundet durch nach außen getragene interne Schwierigkeiten und aufkommende Zweifel an der Qualität des Head Coaches Jim Schwartz.

Leser dieses Blogs dürften mittlerweile mitbekommen haben, dass der Lions-Laden trotzdem noch kein Fall fürn Notarzt ist. Zu gut waren die Vorstellungen gegen einen überwiegend schwierigen Schedule, zu viele Niederlagen selbst gegen sehr gute Teams waren einfach knapp (3-9 in One-Score-Games). Und gleich mehrfach war nicht bloß ein etwas besserer Gegner schuldig, sondern Detroit mit Eigenfehlern: Schlechte Coaching-Entscheidungen, Fehlkicks, Turnovers zum dümmsten Zeitpunkt.

Die Mannschaft bewegte sich zwischen frustrierend und aufregend. Spiele wie gegen Phialdelphia, Seattle, Green Bay oder Houston waren sinnbildlich für diese Saison: Hautenge Partien mit Punch und Gegenpunch, Comebackversuch und am Ende 1-2 Plays, die die Entscheidung herbeiführten.

Freilich bedeutet all das nicht, dass die Lions per sofort als Spitzenteam anzusehen sind. Sie waren mittelmäßig. Man lernte in dieser Saison aber nicht viel Neues über das Team, was nicht eh schon klar ist.

Lions-Style

Im Angriff wird geworfen bis zum Schwanengesang, egal welcher Gegner, egal welcher Spielstand. QB Matt Stafford pulverisierte in der abgelaufenen Saison den Rekord für die meisten Wurfversuche ever, und mit einem Wide Receiver der Qualität Calvin Johnsons ist das nur bedingt eine schlechte Idee: Johnson hatte trotz weniger Touchdowns eine fassungslos gute Saison und wenig deutet darauf hin, dass der Mann mit der #81 und dem dunklen Visor auf dem Zenit seines Könnens einen Leistungseinbruch erleben wird.

Die Probleme sind vielmehr um Johnson herum zu suchen. Beginnen wir bei Stafford, dessen Wurfarm zu den drei besten der Liga gehören dürfte, der aber immer mehr den Stempel des schlampigen Genies aufgedrückt bekommt. Hauptkritikpunkte: Zu unpräzise, zu Johnson-fokussiert, zu schweren Beton an den Füßen. Die Immobilität Staffords wird immer dann zum Problem, wenn der Gegner Johnson früh im Spielzug aus dem Spiel nehmen kann und Stafford gegen guten Passrush zum Erkaufen von Zeit gezwungen ist. Was folgen, sind häufig ungenaue oder die berüchtigten „Sidearm“-Würfe (Pitcher-Style).

Da die Offensive Line trotz einiger mittlerweile alternder Männer zumindest im Pass-Blocking als weiterhin gut eingeschätzt wird, dürfte es in diesem Kontext zum Imperativ werden, alternative Anspielstationen neben Johnson zu finden. Der notorische Troublemaker Titus Young wurde bereits entsorgt, und so sind nur mehr der filigrane, aber mittlerweile Mittdreißiger Nate Burleson, der extrem verletzungsgeplagte Jungstar Ryan Broyles und TE Pettigrew als Receiver mit NFL-Kaliber im Kader.

Was der Lions-Offense ebenso nicht gut bekommt: Das mögliche Karriereende von RB Jahvid Best. Best ist ein enorm explosiver Back mit exzellenten Fangqualitäten, setzt nun aber schon eineinhalb Saisons wegen anhaltender Gehirnerschütterungssymptome aus. Ohne Best und ohne eine wirklich für Laufblocking gebaute Offensive Line kommt Detroits Bodenangriff über ein paar 3yds-Läufe nicht in die Gänge. RB #25 LeShoure gilt als zu ungeduldig, RB #30 Smith und RB Joique Bell als körperlich zu schwach. Es macht wenig Sinn für die Lions, ein Arbeitstier einzukaufen, dafür sollten flinke Leute mit guten Händen gesucht werden, kleine, neue Jadvid Bests.

Die Defense

Detroits Defense weist prinzipiell weitaus bessere Stats auf als ihr Ruf vermuten ließe, leidet bei mir aber unter der Reputation, im vierten Viertel häufig den entscheidenden Stop nicht machen zu können. Warum auch? Die Unit von DefCoord Gunther Cunningham ist nicht dafür gebaut, primär den Lauf zu stoppen – und dieses Jahr war häufig Laufspielverteidigung gegen Spielende angesagt.

Die wuchtige Defensive Line dürfte schon wieder im Fokus der Offseason stehen. Die Position des Defensive Tackles ist mit dem aufstrebenden Tandem #90 Ndamukong Suh/#98 Nick Fairley sowie dem Routinier Corey Williams auf Jahre hinaus exzellent aufgestellt, aber an den Flanken steht man nach der Entlassung von Vandenbosch und dem möglichen Abgang des teuren DE Cliff Avril vor einem Problem: Geht man wirklich nur mit DE Young und dem Grünschnabel Ronnell Lewis in den Herbst? Oder wird an der fünften Draftposition erneut ein Defensive-Liner einberufen? Ist es gar der Deutsche Björn Werner?

Die Linebacker sind im simplifizierten Cover-2 Schema von Cunningham zwar speziell im Fokus, aber solide genug besetzt. Fragezeichen gibt es im Defensive Backfield, wo mit Chris Houston der beste Cornerback vertragslos ist und die Ankerpunkte ansonsten rar gesät sind. FS Delmas gilt als jung und grundsolide, plagt sich aber mit Verletzungen herum und könnte den auslaufenden Vertrag nicht verlängert sehen. Die Secondary dürfte entgegen der Philosophie des Jim Schwartz in diesem Frühjahr erhöhtes Augenmerk bekommen, vielleicht – sollte es wider Erwarten gelingen, Platz unter der Salary Cap zu schaffen – sogar via Free Agency mit dem CB Grimes oder dem Lions-kompatiblen Charakterkopf CB Talib.

Ausblick

Ich sehe zwei ganz große Stellschrauben: Wide Receiver und Defensive End (und mit Abstrichen eine dritte, Defensive Backfield). Stafford mag kein epischer Quarterback für die Hall of Fame sein, der ein Team im Alleingang durch die Saison schleppt. Mit einigermaßen gut aufgestellter Armada würde ich allerdings wenige Quarterbacks einem Matt Stafford vorziehen. Die Defense lebt von einer tief besetzten Defensive Line. Jene der Lions war in der jüngeren Vergangenheit stets gut und breit besetzt, hatte aber für meinen Geschmack kein gutes Jahr 2012/13. Ein Kaliber auf Defensive End dürfte vor allem der halbwegs soliden Secondary extrem helfen. Weil wir beim Thema sind, dürfte es wenigstens ein nicht zu teurer, solider Manndecker dort sein.

Weil die Lions große Batzen der Salary Cap für die Eckpunkte Stafford, Johnson oder Suh besetzt halten müssen, dürfte der NFL-Draft der beste Weg sein, um sich die notwendigen Talente anzulachen. Ein exzellenter Passrusher sollte in diesem Draft früh verfügbar sein und möglicherweise auf Jahre unter Marktpreis spielen. Sehr gute Wide Receivers sind gerne auch mal in den späteren Draft-Runden oder relativ billig auf dem Transfermarkt bekömmlich.

Schließlich und endlich gibt es den kostenlosen Rettungsanker „Regression zur Mitte“: Es ist kaum anzunehmen, dass Detroit auch nächstes Jahr so viele Turnovers in Schlüsselmomenten produzieren und eine dermaßen unterirdische Bilanz in engen Spielen einfahren wird. Superbowl-Favorit wäre wohl zu hoch gegriffen, aber allein die genannten Faktoren plus ein einfacherer Schedule dürften reichen, um die Lions nächstes Jahr wieder in Playoffnähe zu erwarten.

Auf der anderen Seite ist Schwartz angezählt. Eine weitere Wackelsaison und wir sehen nächsten Winter einen neuen Lions-Cheftrainer.

Recap Week 14 – Sunday Night Game, Green Bay vs. Detroit

Wenn ich über die Detroit Lions von 2012/13 schreibe, höre ich jeden Montag Phil in Radio Punxsutawney. Ich sehe jedes Mal eine Mannschaft, die die Großen nicht bloß herausfordert, sondern dominiert. Und jedes Mal eine Mannschaft, die eineinhalb schlechte Viertel einbaut und sich selbst schlägt. Die Lions sind nach der erneuten Pleite in Green Bay 4-9, aber sie sind keine schlechte Mannschaft. Sie sind eine potenziell sehr gute, aber „potenziell“ entwickelt sich langsam zum Problem. Wenn du konstant unkonstant bist, wenn dein Quarterback jedes Mal sechs, sieben leichte Bälle versemmelt, wenn deine Defense jedes Mal die zwei entscheidenden 3rd down-Stops verpasst, dann ist bei aller Absurdität dieser Saisonbilanz das Attribut „Elite“ in Kombination mit Detroit nicht angebracht. Sofern aber Jim Schwartz im Jänner gefeuert werden sollte, wovon ich noch nicht ausgehe, überholen die Lions die Carolina Panthers als attraktivster Trainerplatz für 2013 und darüber hinaus. Der nächste Trainer gewinnt mit diesem Kader 8-10 Spiele, ohne sich die Finger dreckig zu machen. Weiterlesen

Detroit Lions in der Sezierstunde

Für die Detroit Lions war 2011/12 trotz einiger Turbulenzen ein sehr gutes, weiteres Jahr des Aufbaus. Mit 10-6 Siegen und einem Ranking im oberen NFL-Drittel in fast allen wichtigen Statistiken zeigt der Trend ein weiteres Jahr steil nach oben, und nach einigen knappen Niederlagen gegen die NFL-Elite brach man im Wildcard-Spiel bei den extrem heimstarken New Orleans Saints erst im Schlussviertel einer auf mehreren Ebenen unglücklich verlaufenen Partie ein. Konzeptionell ist die Mannschaft 1A zusammengebaut: Via Draft, mit einigen ergänzenden Einkäufen vom Transfermarkt. Ohne die vielen Nebengeräusche abseits des Spielfelds wären die Lions ein gigantischer Sleeper.

Obwohl ein Running Back nach dem anderen auf die Injuried Reserve wanderte und die Offensive Line weiterhin nicht überzeugend aussieht, scorte die Offense 502 Punkte. QB Matthew Stafford ist erst vor wenigen Wochen 24 geworden, spielt aber trotz einiger etwas holpriger Phasen über diese Saison abgewichster als man es von einem Grünschnabel seiner Kategorie erwarten würde und sorgt ästhetisch mit für die ansprechendsten Pässe, die derzeit in der NFL geworfen werden. Ein Tribut geht an den atemberaubenden WR Calvin Johnson (inklusive Playoffs 108 Catches, 1892yds, 18 TD), dessen Touchdown in Dreifachdeckung gegen Dallas einer der Spielzüge der Saison war.

Stafford und Johnson bilden, wenn in Hochform, das Kernstück eines ansonsten auf wackeligen Beinen stehenden Angriffs, der so fokussiert auf zwei Starspieler ist wie kaum ein anderer ligaweit. Die Offensive Line müffelt auch im Jahr drei der Regentschaft Schwartz/Mayhew nach Schweizer Käse und bietet nicht mehr als den nötigsten Schutz; weil zudem die langjährigen Recken Backus und Raiola schön langsam in die Jahre kommen, wird man an einer baldig anstehenden Firschzellenkur nicht mehr lange vorbeidiskutieren können.

Die Armada an Wide Receivers und Tight Ends liest sich abseits Johnsons und vielleicht noch TE Brandon Pettigrews etwas suspekt. Der junge WR Titus Young von Boise State ist fähig zu großartiger Artistik, gewinnt jedoch auf physischem Weg keinen Zweikampf mit einem Backup-Defensive Back. Ersatz-TE Tony Scheffler und die Konsorten der Güteklasse Burleson sind zwar jederzeit zu Catches in der Lage, profitieren jedoch optisch nur allzu schwer von der Bündelung der Abwehrkräfte auf Johnson.

Das alles passiert in Detroits Angriff ohne Laufspiel. Der junge RB Mikel LeShoure kommt frisch von der IR, während der als Notnagel verpflichtete Kevin Smith ansprechende Ansätze zeigte, jedoch letzten Endes ohne nachhaltigen Eindruck blieb. Ein herzerweichender Fall ist jener vom ehemaligen Erstrundenpick Jahvid Best: Best ist kein besonders effizienter Ballträger, jedoch eine famose Waffe für Big Plays in Situationen mit Kurzpässen auf den Running Back. Nach der jüngsten schweren Gehirnerschütterung steht Best allerdings schon nach zwei NFL-Saisonen vor dem Karriereende, womit der Lions-Offense eine wertvolle zusätzliche Dimension abhanden käme.

Trotz aller Probleme erinnert diese Offense, wie ich mehrfach schrieb, an eine „light“-Version der Saints. Um annähernd diese Produktivität an den Tag legen zu können, müssen sich mit dem aktuellen Personal jedoch alle einzelnen Bausteine an ihrer Leistungsgrenze bewegen.


Ambivalenter, aber auf solideren Beinen stehend, sieht die Defense aus, die getreu der Lebensphilosophie von Schwartz/Cunningham auf einer mächtigen Defensive Line (Kosenamen „Silver-Crush“) fußt. Prunkstück ist dabei der Defensive Tackle mit dem Ruf einer Horde Cholerablasen, Ndamukong Suh, dessen aggressives und recht spekulativer Spielstil Aufsehen zur Genüge erregt. Wenn auf der Höhe, dominiert Suh mit Nebenleuten wie Williams oder Fairley sämtliche Innenseiten von Offensive Lines.

Die Knackpunkte liegen bei den Ends: Avril möchte als Free Agent den Vertrag seines Lebens. Weil man Avril aber zu einem gewissen Grad nachsagt, Produkt des Systems zu sein, könnten sich die Verhandlungen schwierig gestalten und am Ende zwei Parteien als Verlierer auseinander gehen.

Avrils Backups, Lawrence Jackson und der reine Rusher Willie Young, gelten als gefährlich, aber nicht ausreichend durchhaltevermögend. Und dann ist da noch der Eckpunkt „Roughing the quarterback“ Vandenbosch, der die gelben Flaggen anzuziehen scheint. Vandenbosch wird nicht mehr allzu lange spielen und musste trotz lichter Momente zuletzt immer mehr Kritik einstecken. Ist es möglich, dass die Lions tatsächlich ein weiteres Mal gezwungen sind, einen Defensive Liner in der ersten Runde zu draften?

Nicht ausgeschlossen. Denn obwohl die Secondary äußerst suspektes Tackling zeigt und zudem mit Wright, McDonald und Harris drei „Stützen“ auslaufende Verträge haben, wurde Schwartz bisher noch nicht dabei gesichtet, sich beim Gedanken an einen Defensive Back einen runterzuholen. Die Tendenz geht eher dahin, die wichtigsten Free Agents zu halten, und die immer noch jungen Athleten um S Delmas, CB Houston und CB Smith zu entwickeln.

Von der „Schlüsselposition“ zur „Friss-oder-stirb“-Position wird die Deckung erst dann, wenn tatsächlich mehrere Spieler abwandern. In diesem Falle gewänne ein potenzieller Neueinkauf und mit seiner grenzwertigen Spielweise durchaus in diese Mannschaft passender Schwartz-Spezl wie CB Cortland Finnegan automatisch an „Lieferantenmacht“ im Vertragspoker.

Nicht minder wertvoll als ein kleines qualitatives Upgrade in der Secondary dürfte die Weiterverpflichtung vom MLB Stephen Tulloch sein, dem die Lions im Sommer miserable Vertragsbedingungen aufoktroyieren konnten. Tulloch wird eine exzellente Saison 2011/12 nachgesagt und gewinnt noch mehr an Wert, weil die Defensive Line durch ihren Fokus auf Pass Rush durchaus nicht die sicherste gegen Draws und überhaupt Laufspiel ist.


Da abseits des Glamours durchaus auch der auslaufende Vertrag des Backup-QBs Hill ein Thema wird und die Lions nicht über den allergrößten Spielraum in Sachen Salary Cap verfügen, dürfte diese Offseason für GM Mayhew die Meisterprüfung darstellen. Sofern die sportliche Leitung der Lions nicht völlig ins Klo greift, werden die Lions auf Jahre ein Thema bleiben.

Weitere unkontrollierbare Faktoren wie Verletzungspech mal außer Acht gelassen, scheinen mir die Detroit Lions darüber hinaus bloß ein oder zwei Draft- oder Transfercoups davon entfernt zu sein, zu den ganz heißen NFC-Superbowlfavoriten zu zählen.

NFL Wild Card Weekend 2011/12 – Beobachtungen (Tebow, Steelers, Lions, Bengals, Falcons)

Ohne große Einleitung im Folgenden einige kurze Beobachtungen zu den Spielen vom Wochenende: Pittsburghs Gameplan; undisziplinierte Lions und Bengals; Atlantas Front Seven und New Yorks Lauspiel.

Dick LeBeaus Game Plan war ziemlich simpel: acht oder neun Mann an der Line of Scrimmage, um Denvers Laufspiel zu stoppen; enge Mannverteidigung gegen die WRs, weil Tebow die “accuracy” fehlt, um Würfe gegen diese Deckung zu machen. Die Überlegung dahinter: Laufspiel abwürgen und Denver dazu zwingen, ihr Heil in längen Bällen zu suchen.

Tja, das Ergebnis war letztlich nicht überragend, aber trotzdem war es der richtige Game Plan. Es gab dann am Sonntag Nachmittag nur zwei Probleme. Das kleinere war, daß Pittsburghs Verteidiger einige wenige Fehler gemacht haben. Der größere war, daß Tebow viel besser gespielt und gepaßt hat, als es alle erwartet hatten.

Der entscheidende Fehler war natürlich, daß Backup-Safety Ryan Mundy beim TD in der Verlängerung den Play-Action-Fake glaubt und daraufhin “underneath” seine Verantwortung in der Deckung verpennt. Dazu ist CB Ike Taylor zu langsam und kann den Tackle nicht machen. Aber bis auf einige überaggressive Schritte in die falsche Richtung von Safety Troy Polamalu war das eine gute Leistung der Verteidiung.

Denvers Laufspiel wurde gut in Schach gehalten und machte nur 131 Yards bei 34 Carries (3,9 yds/carry). Aber drei ganz starke Pässe haben zu zwei Touchdowns geführt. Man kann da auch weder LeBeau noch den CBs einen großen Vorwurf machen: perfect pass beats perfect coverage heißt eine der ältesten Footballweisheiten. Ansonsten gabs noch ein FG nach Roethlisberger-INT; ein FG nach Big-Play zu TE Fells, bei dem Polamalu schlecht aussieht; ein FG nach 32-Yard-DPI, die auch nicht jeder Referee so pfeift.

Tebow hat einfach die entscheidenden Plays gemacht. Besser gemacht als die Defense und das spricht nicht gegen Pittsburghs D, sondern für Tebow und den mutigen Game Plan von Denvers OC Mike McCoy. Man sollte nicht versuchen, mit Ausreden wie Verletzungen, zu alte Verteidiger oder blöder Game Plan Tebows Leistung zu schmälern. (Tebow hat übrigens ohne WR Eric Decker gespielt, der in der Regular Season mehr Catches als jeder andere Bronco gemacht hat und auch ohne Chris Kuper, den besten O-Liner Denvers. Wer hat im Januar keine Verletzten?)

Schlechte Defense gabs dagegen bei den Bengals und den Lions zu beobachten. Nicht in Sachen Strategie und Schemes, sondern in Disziplin und Fundamentals. Vergeigte Tackles und schlechte Winkel zum Ballträger en masse. Dazu fürcherliche blown coverages und sichere Interceptions, die einfach fallen gelassen werden. Beide, Bengals und Lions, hätten mit einer disziplinierten Leistung bis zum Schlußpfiff mithalten können. So muß man sich fragen, wie erfahrene und ausgewiesen Verteidigungsexperten wie Marvin Lewis und Mike Zimmer (HC/DC Cincinnati) beziehungsweise Jim Schwartz und Gunther Cunningham (HC/DC Detroit) ihre Spieler trainieren. Oder ob einige Spieler einfach zu schlecht sind. (Vor allem die Safeties waren unterirdisch. Und ich als Patriots-Fan dachte, ich hab schon den Bodensatz dieses Jahr gesehen.)

Fragen muß man sich auch, was mit Atlantas Front Seven los war. Die viel kritisierte Offensive Line und die Running Backs der Giants sahen gegen diese aus wie die sprichwörtlichen “Man among Boys”. Vor allem die hochgelobten DT Corey Peters, DE John Abraham und die LBs Sean Weatherspoon und Curtis Lofton konnten die (hohen) Erwartungen nicht erfüllen, ließen sich ständig rumschubsen oder waren “out of postition”. Wenn New Yorks Laufspiel dieses Niveau auch nächste Woche gegen Green Bay zeigen kann, sollten sie viel Spaß haben. Die Front Seven der Packers ist noch mal ´ne ganze Klasse schlechter als Atlantas. Brian Van Gorder, DC der Falcons, ist gestern übrigens zum Defensive Coordinator der Auburn Tigers ernannt worden. Vielleicht hat er zu viel Zeit in den Bewerbungsprozeß gesteckt, statt seine Defense auf die Playoffs vorzubereiten.

Besser vorbereiten sollen hätte auch OC Mike Mularkey sein Playcalling bei 3rd/4th&short-Situationen. Ein wenig kreativer als “Matt Ryan fällt nach vorne und hofft, daß es reicht” hätte es schon sein müssen. Auch Mularkey bewirbt sich seit einigen Tagen bei anderen Teams und hat die Zeit zwischen Woche 17 und Wild Card Weekend mit Vorstellungsgesprächen anderswo verbracht.

NFL 2011/12, Week 6: Detroit Lions – San Francisco 49ers

[22h42] Endstand Detroit Lions 19, San Francisco 49ers 25.

Ein Spiel, das die in der Vorschau geschriebenen Erwartungen erfüllte. Laufspiel Detroit? Gegen diese Defense: Nada. So blieben 50 (!) Passversuche für Stafford (plus fünf Sacks und ein Scramble). Das ist unbalanciert hoch drei, hätte aber funktionieren können, wäre WR Calvin Johnson heute dominanter gewesen. Johnson „nicht dominant“ bei 7/130yds? Heute nicht, und es lag nicht allein am fehlenden Touchdown.

Auch TE Pettigrew sah nur die kurzen, ungefährlichen Bälle gegen die großartige Deckung der Linebackers Willis/Bowman. Das hatte sich vergangene Woche angedeutet, die beiden sind darin große Klasse. Folge für die Lions: Eine sehr unrhythmische Offense, die nur in ein, zwei der zirka zweihundertundeinundfünfzig Drives mal in Gang war.

San Francisco spielte seinerseits kein besonders gutes Spiel in der Offense, hatt zwar zwei Big Plays über RB Gore, aber wie Smith in der zweiten Halbzeit immer verzweifelter wurde als er versucht, auf eigene Faust das Spiel zu wenden, wird ebenso bleiben.

Am Ende half der starke Punt-Return Ginns und die falsch eingestellte Defensive Line Detroits den 49ers zu einem Statement-Sieg. San Francisco ist 5-1 und dürfte nun im Rennen um den Divisionstitel in der NFC West klar im Vorteil sein.  Let the hype begin.

Bei den Lions wird sich zeigen, inwiefern man imstande sein wird, sich von dem Rückschlag zu erholen.

[22h37] Detroit 19, San Francisco 25/62sek vor Spielschluss. Keine Timeouts mehr und es braucht einen Touchdown. Explosiv ist man, aber da täte ein kleines Wunder nun gut.

[22h31] 4th down gescheitert. Aber Detroit hat noch 3 Timeouts. Mal am Rande erwähnt: Wie weh tut das verkickte Field Goal & die dadurch verbesserte Feldposition für SF kurz vor der Halbzeit? San Francisco stürmte runter und machte seinerseits die drei Punkte.

[22h23] Detroit 19, San Francisco 22/TD Walker. Unglaublich, Smith bringt FB Delanie Walker auf einer Slant-Route in Stellung und Walker ist gerade die paar Zentimeter weit genug  vorne, dass es zum Touchdown beim 4th down reicht.

1:51 to go. Drei Timeouts. TD zu Sieg, Field Goal zur Overtime

[22h20] Two Minute Warning. San Francisco ist nach dutzenden Läufen aus der Power-Formation nun ganz nahe an der Goal Line. Third Down, nachdem nun nacheinander RB Gore und WR Crabtree abgewürgt wurden. Aber schon niedlich mit anzuschauen, dass Defensive Liner wie Suh sich von den immergleichen Laufspielzügen der 49ers verarschen lassen, weil sie ausschließlich ihre Augen auf Quarterbacks gerichtet haben.

[22h12] Nix gutes Play, Mr Johnston. Ich hasse diese Plays, die lange in ihrer Entwicklung brauchen, bei 3rd and 1. RB Kendall Hunter wird natürlich vor der gelben Linie getackelt, weil man einen Ted Ginn nicht für Linebacker-Blocken abstellen kann.

Davon ab: Alex Smith wieder mit so einem horrenden Ball in die Secondary. Die zweite Halbzeit Smiths war unterirdisch, to say the least.

[21h55] Detroit 19, San Francisco 15/TD Burleson. Da bleibt dem Perreira die Spucke wech: Burlesons Touchdown wird gegeben, aber wenn ich das richtig verstehe, mussten dafür alle Limits der Regelinterprätation ausgereizt werden. Eine Regel, die so viel zulässt, ist willkürlich intreprätierbar und gehört ASAP auf die Streichliste.

Wir wollen den Drive nicht vergessen. Detroit hatte Rhythmus, weil Stafford wieder schneller warf. Das ist das Rezept, mit der diese Defense zu knacken ist.

[21h49] Die Geister der „process of the catch“-Regel sind wieder da: Diesmal macht WR Burleson den Johnson in der EndZone. Play under review. Eine Regel, die überdenkenswert ist.

[21h44] Im Vorfeld wurde die Frage nach der Entwicklung von QB Alex Smith diskutiert: Kann man seine Offense mit dem Magier Harbaugh im Hintergrund in die Hände Smiths legen?

Dieses Mal wird Smith übermütig, weicht dem Pass Rush aus und lanciert einen übermotivierten Wurf gen WR Michael Crabtree. Deutlich überworfen und genau dem Safety #42 Spievey in den Schoß fallend. Wendepunkt in diesem Spiel? Wieder so eine „geschenkte“ INT?

[21h34] Sehr intensives Spiel weiterhin, Spielzüge werden mit freundlichen und weniger freundlichen „Helmet-to-Helmet-Diskussionen“ verlängert und beide Quarterbacks werfen derzeit Incompletion auf Incompletion auf Incompletion. Vor allem die Lions-Offense ist nicht wiederzuerkennen, macht überhaupt keine 1st downs und die Defense muss meistens schneller als gedacht wieder aufs Feld.

[21h20] Detroit 13, San Francisco 15. Diesmal dürfen sich die Lions vom Referee verschaukelt vorkommen, nach einem non-existenten horse collar tackle-Call gegen CB Houston. Anyway: Erneut bricht RB Frank Gore durch, diesmal für 55yds.

Und dann zerstören sich die 49ers selbst mit einem schlimmen Drop in der EndZone.

[21h06] Detroit 13, San Francisco 12. Unter Einsatz schneller Screen-Pässe auf RB Jahvid Best schnuppert Detroit am TD, aber erneut hält die Defense, die wirklich einen bemerkenswerten Job macht.

[21h20] Detroit 13, San Francisco 15. Diesmal dürfen sich die Lions vom Referee verschaukelt vorkommen, nach einem non-existenten horse collar tackle-Call gegen CB Houston. Anyway: Erneut bricht RB Frank Gore durch, diesmal für 55yds.

Und dann zerstören sich die 49ers selbst mit einem schlimmen Drop in der EndZone.

[21h06] Detroit 13, San Francisco 12. Unter Einsatz schneller Screen-Pässe auf RB Jahvid Best schnuppert Detroit am TD, aber erneut hält die Defense, die wirklich einen bemerkenswerten Job macht.

[20h40] Halbzeit Detroit Lions 10, San Francisco 49ers 12.

Kein allzu schönes Spiel, was nicht zuletzt an der Unmenge an Flaggen liegt: 14 Strafen in der ersten Halbzeit?? Elf für 99yds davon gegen San Francisco? Meine Rübe.

Die schmerzhafteren Strafen gingen allerdings gegen die Lions, die kurz vor der Pause einen sehr vielversprechend aussehenden Drive gekillt bekamen. Die Lions machten dabei endlich mal ernst und spielten schnellen Football. Das gab es heute zu selten, zu häufig musste Stafford den Ball wegwerfen, was auch 3x um ein Haar in INTs resultiert wäre.

San Franciscos Offense schaut solider aus, Smith muss keine schwierigen Bälle werfen und das Laufspiel macht gerade genug Yards um ernst genommen zu werden.

Detroit war bislang ein Team, das es zu Beginn gemütlich angehen ließ und dann im dritten Viertel die Zügel anzog. Es kommt auch heute wieder auf die Adjustments an: Wie kriegen die Lions gegen diese hart spielende Defense den Angriff in Gang? Ein Knackpunkt dürfte dabei auch irgendwann die fehlende Kadertiefe bei San Francisco werden: Defensive Line und Defensive Backfield sind in ihren Optionen limitiert.

[20h36] Auch wenn das lange Field Goal verschossen wurde: Der letzte Drive der Detroit Lions hat das Patentrezept angedeutet: Weniger Blocker, mehr Ballfänger in die Aufstellung, zwischen den Spielzügen zügig weitermachen. Am Ende killt ein Chop Block den Drive.

[20h26] Zu all den unsinnigen False Starts gesellt sich nun ein sehr, sehr zweifelhaftes Personal Foul gegen den Fullback #90 Sopoaga. Folge: Lange 3rd downs. Immer wenn San Francisco längere 3rd downs verwerten muss, sieht die Offense kein Land, weil Smith die Zeit nicht bekommt.

[20h15] Detroit 10, San Francisco 9. Wenn die Offenses nichts mehr zustande bringen, machen eben die Defenses Punkte. QB Matt Stafford hält unter kollabierender Pocket den Ball zu lange und wird den Ball nicht mehr schnell genug los.

Die Halle in Detroit wird ruhiger.

[20h05] Das Privatduell CB #23 Chris Houston gegen WR #15 Michael Crabtree hat sich zu einer faszinierenden Schlüsselauseinandersetzung in diesem Spiel entwickelt. Mal ist der eine am längeren Hebel, mal der andere.

[19h53] Detroit 10, San Francisco 7/TD Gore. Die 49ers kassieren zwar Strafen, aber solange RB Frank Gore über die Mitte so locker drüberlaufen kann, werden sie im Spiel bleiben: 47yds straight ahead, zwei Plays später der TD.

[19h45] Detroit 10, San Francisco 0/TD Pettigrew. Während die 49ers nur ihren False Start Counter bedienen, kommen die Lions mit einer Pass Interference wieder in die RedZone, diesmal macht TE Pettigrew den Touchdown, während uns klar wird, dass auch die Amerikaner nicht immer alles wissen: Harbaugh wollte challengen (nicht erlaubt, weil Scoring Plays automatisch nochmal angeschaut werden können), die Kommentatoren bei Fox gingen auch davon aus, dass Harbaugh challengen würde.

[19h15] Detroit 3, San Francisco 0. Da hat die RedZone-Defense der 49ers einmal mehr gehalten, auch weil LB Willis irgendwie eine Completion gen TE Pettigrew unterbinden konnte.

Detroit hatte den Ball nach einem unglaublichen Fumble bekommen: DE #93 Kyle Vandenbosch mit einem unglaublich explosiven Antritt um Zeitpunkt des Snaps, rammt LT #74 Joe Staley in Grund und Boden und reißt QB Alex Smith einfach den Ball aus der Hand. Momente, in denen man ernsthaft Sorgen um die Bänder im rechten Arm eines Quarterbacks hat.

[18h57] Die Spielansetzungen an diesem Tag sind klasse. In diesem Eintrag wird der Hauptfokus auf Detroit vs. San Francisco liegen. Ich habe heute morgen eine ausführliche Vorschau auf dieses Spiel geschrieben. Ich warne allerdings vor spoilernden Blicken in Richtung anderer Partien (z.B. Eagles).

[18h53] Guten Abend.

NFL 2011/12, #6: Detroit Lions – San Francisco 49ers Preview

ESPN America zeigt heute Abend, 19h MESZ, nicht etwa Washington – Philadelphia, sondern tatsächlich das Duell der jahrelangen grauen Mäuse: Detroit Lions gegen San Francisco 49ers, ein 5-0 Team gegen ein 4-1 Team. Mal ehrlich: Wir hatten die Lions in etwa in diesen Sphären erwartet, aber bei den 49ers? 4-1? So richtige Referenzen haben sich die Niners ja noch nicht erarbeiten können, aber Bilanz und Optik sind eindrucksvoll genug, dass dieses Spiel plötzlich Spitzenspiel-Charakter bekommt und San Francisco seine Favoritenstellung in der NFC West untermauern kann.

Tristesse und Lichtblicke

Der von mir hoch geschätzte Dan Wetzel („Death to the BCS“, „Nevin Shapiro“) verfasste unter der Woche bei NFL/Yahoo eine Kolumne über die Heimspiel-Atmosphäre bei Lions-Heimspielen: Tailgating in den Innenstadt, eine Rarität in der NFL.

Detroit ist eine kaputte, wirtschaftlich darniederliegende Stadt. Vor 10, 15 Jahren begann in Downtown Detroit ein Wiederaufbauprogramm, um die verfallende Innenstadt zu reanimieren, unter anderem mit der Rückholaktion der Detroit Tigers (MLB) und Detroit Lions, denen mit dem Commercia Park und dem nur einen Steinwurf entfernten Ford Field zwei neue, wunderschöne Arenen im Stadtzentrum hingestellt wurden – Kontrastprogramm zum Trend, Heimspielstätten für Profiteams in die weiträumigere Peripherie zu verlegen.

Während die Innenstadt immer noch großteils Brachland ist, in dem man sich nachts möglichst nicht allein aufhalten sollte, herrscht dort nun wenigstens während der NFL-Heimspieltage Volksfeststimmung, mit Grillpartys allerorts – ein Phänomen, befeuert vom begeisternden Spiel der Lions in den letzten beiden Jahren. In Detroit ist wieder so etwas wie Stolz auf die Heimatstadt zu spüren, und das wird heute nicht anders sein.

Zum Sportlichen.

Wenn die 49ers den Ball haben

San Franciscos Stärke trifft auf eine Schwäche der Detroit Lions: Laufspiel. Auch unter dem neuen Head Coach Jim Harbaugh sieht der Angriff „bodenständig“ aus, verlässt sich größtenteils auf die Katze mit sieben Leben RB Frank Gore sowie den Rookie von Oklahoma State, RB Kendall Hunter, die sich die Carries im 3:1-Verhältnis teilen und 1st down auf 1st down auf 1st down holen, während QB Alex Smith nur dezent dosiert beim Werfen eingesetzt wird, aber wenigstens kaum Turnovers produziert.

Das soll Smith nicht madig machen. Smith feuerte gegen Tampa u.a. einen fantastischen Touchdown in eine eigentlich gut abgedeckte EndZone, aber Smith hatte dann auch wieder Glück mit fallen gelassenen INTs. Was allerdings auffiel und beeindruckte: Viele schnelle, hart geworfene Bälle über die Mitte, viel Einsatz der Tight Ends und sogar WR Michael Crabtree spielt mit Edwards im Verletztenstand plötzlich eine echte Rolle.

Es wird viel auf die Grabenkämpfe um die Anspiellinie ankommen, wo die Trümpfe recht eindeutig auf Seiten der Lions liegen sollten, insbesondere wenn der hoch gelobte Guard Mike Iupati nur angeschlagen oder gar nicht spielen sollte.

Wenn die Lions den Ball haben

Über die Offense ist viel geschrieben worden: Die Pass Protection ist suboptimal, das Laufspiel Sekundengenie, dafür läuft hier ein Pass-Angriff zur Hochform auf, wenn QB Matt Stafford den Angriff mit rattenscharfen Bällen das Feld hinuntertreibt.

Die Konzentration soll daher der Defense der 49ers gelten, die ein interessanter Gegner für Detroit sein wird, viel physischer als die Abwehr der Bears. Kernstück ist die Front Seven mit dem überragenden Linebacker-Duo Patrick Willis/Navorro Bowman. Wie viele Tackles hatte Willis gegen Tampa? 20? 30?

Die Front Seven sieht nicht bloß hard hitting aus, sondern auch athletisch genug, Tight Ends (hallo, Brandon Pettigrew!) abzudecken und besitzt mit dem Allrounder DE Justin Smith sowie dem Rookie-Pass Rusher Aldon Smith durchaus auch Leute mit großem Zug zum Quarterback. Dem Pass Rush dürfte erhöhte Bedeutung zukommen, da Detroit schon allein deshalb viel werfen wird, um den 49ers die ungeliebte „Nickel“-Defense (ergo: LB raus, DB rein) aufzuoktroyieren.

In der Secondary zerreißt sich alles das Maul über den CB Carlos Rogers, der in Washington jahrelang als Fliegenfänger galt, plötzlich in fünf Spielen 3 INTs machte. Noch beeindruckender gegen Tampa war der blutjunge Chris Culliver, der bitteschön einen Hochkaräter wie WR Mike Williams aus dem Spiel nahm.

Es gilt für diese Defense die Faustregel: Sie ist im Zulassen von Yards durchaus generös, aber in der RedZone werden die Schotten dicht gemacht (nur 1/4 der Drives in die RedZone enden in der EndZone). Entering WR Calvin Johnson, die ultimative Anspieloption, wenn die Räume eng sind. Johnson fängt auch in enger Deckung etliches, ist 1,98m groß. Locker 10-12cm Höhenunterschied zum größten Defensive Back der 49ers.

Ausblick

Das Spiel dürfte auch auf der emotionalen Schiene entschieden werden: Wie fokussiert sind die Lions nach der mentalen Kraftanstrengung gegen Chicago? Aber auch San Francisco wird sich vorbereiten müssen: Zuletzt zeigte sich, dass die Kombination „Silver Bullets“ + Lärm im Ford Field durchaus zu einem Flaggenfestival an Fehlstarts führen kann. Andererseits stehen die 49ers nicht im Ruf, undiszipliniert zu spielen.

Eine Prognose fällt schwer, da vieles davon abhängen wird, inwiefern es San Francisco gelingen wird, Johnson aus dem Spiel zu nehmen, der der integrale Bestandteil der Lions-Offense ist. San Franciscos dürfte dem die insgesamt komplettere Mannschaft mit einer Spielauffassung und -exekution, die Mike Singletary das Wasser in die Augen treiben dürfte, entgegenwerfen.

Könnte darauf hinauslaufen, welcher der beiden Quarterbacks Stafford/Smith die bislang jeweils gefährlichste Defensivmaschine besser respektive fehlerloser meistern wird.

Detroit Lions in der Frischzellenkur

ÜBERBLICK

#13 DT Nick Fairley (Auburn)
#44 WR Titus Young (Boise State)
#57 RB Mikel LeShoure (Illinois)
#157 LB Doug Hogue (Syracuse)
#209 Johnny Culbreath (South Carolina State)

Der Moment des NFL Drafts 2011 war für mich, als sich am Freitagabend nach Mitternacht Barry Sanders hinter das Mikrofon stellte und unter Standing Ovations den Pick in der zweiten Runde für die Lions verkündete. Es mag an Sanders gelegen haben, aber für einen Moment hatte ich das Gefühl, Detroit sei plötzlich weniger Hockey Town denn Football Town.

Wenn ich mir die Sezierstunde über die Lions anschaue, dann hatte ich drei Needs verortet: Offensive Line (höchst dringend), Defensive Backs (sehr dringend), Lauf-Defense (wichtig). Und geschrieben:

Early Draftstrategie: Defensive Back mit dem 1st round pick, Offense Line mit den zwei-drei folgenden Picks. Bitte keine TEs und RBs draften. Detroit hat genügend gute Skill Players. Die Löcher sind anderswo.

Eine Woche nach dem Draft liest sich die Bilanz so:

Offensive Line ignoriert? Check.
Defensive Backs ignoriert? Check.
Skill Players gedraftet? Check.

Die Doppelspitze GM Martin Mayhew/HC Jim Schwartz hat eine etwas überraschende Strategie angewandt, die ich ihnen nicht zugetraut hätte. Es ist kein Matt-Milleneskes Festklammern am Draften einer einzigen Position, sondern durchaus konsequentes Verfolgen von Upgrades.

Die Reaktionen quer durch den digitalen Blätterwald sind überwiegend (und überraschend) positiv. Ich kann mit Detroits Strategie gut leben, hätte aber mit mehr Vehemenz die Schlüsselstellen (Offensive Tackle!) zu besetzen versucht.

Dafür hatten die Lions nach der absurden Quarterback-Jagd an #13 plötzlich den gehypten DT Nick Fairley auf dem Tableau. Fairley ist ein unfairer Spieler, der charakterliche anti-Sanders sozusagen, aber Fairley macht durchaus auch ohne stundenlanges Köpferauchen Sinn: Dominante Defensive Lines sind immer noch der beste Weg, eine Defense auf Dauer produktiv zu halten.

Die Lions haben nun plötzlich eine breite Masse an potenziell hochkarätigen Linern für eine Rotation: Die Ends Avril, Jackson und Vandenbosch sowie das Tackle-Trio Suh-Williams-Fairley. Viel, viel Passrush-Gewalt, aber Fairley wie Suh sind nicht wirklich primär Spieler gegen den Lauf.

Außerdem ist Fairley ein Typ früherer Peppers – dominant, aber nicht konstant dominant, weil er sich gerne mal ein paar Auszeiten mitten im Spiel gönnt. Ein Problem, das bei guter Menschenführung lösbar sein sollte, und in Suh hat Fairley sportlich wie (vor allem) menschlich ein großartiges Vorbild neben sich.

Die Überraschungen lieferte Detroit in Runde 2. Boise States Titus Young? Ich bin glücklich, weil der persönliche Favorit für den persönlichen Favoriten spielen wird. Sportlich gibt es nur eine Erklärung: Mayhew wollte den Quarterbacks neben WR Calvin Johnson eine zweite verlässliche Alternative hinstellen. WR Bryant Johnson gilt als Enttäuschung und WR Nate Burleson als mittelmäßig. Gäbe an dem Pick also nichts auszusetzen, WENN Detroit nicht diese besagten klaffenden Lücken hätte.

Dann RB Mikel Leshoure. Im Prinzip ein sinnvoller Pick: RB Jahvid Best gilt als game breaker, dem man ein Arbeitstier zur Seite stellen muss. Wie schrieb ich über Leshoure im Draftvorschauer?

LeShoure ist ein ähnlich kraftvoller Läufer, einer vom Typus „gebt mir einen schnellen, wendigen Back als Abwechslung und ich mache euch 1300yds pro Saison!“

Was nicht gefällt: Für diesen Pick wurde nach oben getradet. Kompensation: Pick Runde #4. Gegen Ende des Drafts hat man mit OLB Doug Hogue und OT Johnny Culbreath noch zwei Perspektivspieler geholt, gemäß der allgemein anerkannten need-Strategie.

Summa summarum

Ich halte das Flop-Potenzial im Falle von Nick Fairley im Prinzip für erhöht, doch Schwartz ist wie DefCoord Gunther Cunningham ein Trainer mit Liebe zum Detail in DL-Fragen. Im Prinzip müssen die drei hoch gedrafteten Spieler alle richtig einschlagen, um den Plan von 2011 zu rechtfertigen.

Die Defense Line könnte aber auf Jahre hinaus dominant werden und die Offense hat immer mehr Ingredienzien, nicht nur spektakulär, sondern auch balanciert zu sein. Superbowl Champion in the making ist zu hoch gegriffen, aber die Richtung stimmt.

Detroit Lions in der Sezierstunde

Matthew Stafford NFL-Lions Quarterback

©Flickr

Einleitend das Geständnis: Ich bin Detroit-Lions-Fan. Es ist kein einfaches Dasein als Lions-Anhänger. Zum einen, weil sie ganz einfach zu selten bei uns gezeigt werden (nur zu Thanksgiving). Das ist der Preis für die jahrelange Erfolglosigkeit. Zum anderen, weil man seit Jahren denkt, Mensch, jetzt bauen sie die richtigen Puzzleteile ein, jetzt geht’s aufwärts! Und dann verletzt sich zum ungünstigsten Zeitpunkt ein Quarterback oder fallen drei Defensive Backs aus und die Saison ist wieder den Bach runter.

2010/11 hat uns ein 6-10 beschert. Es passiert nur in Detroit, dass „6-10“ mit gutem Gewissen in das Regal mit dem Aufkleber „Erfolg“ eingelegt werden kann.

2010/11 waren die Lions ein deutlich wettbewerbsfähiger Haufen als in den letzten 2-3 Jahren. Die Schwachstellen sind teilweise eklatant, aber sie haben meist voll durchgespielt und mit ihrem Sieg über Tampa in Woche 15 sogar dem Superbowl-Champ Green Bay überhaupt erst die Playoff-Teilnahme ermöglicht!

Die zehn Saisonniederlagen lesen sich so: -5 gegen Chicago, -3 gegen Philadelphia, -14 gegen Minnesota, -2 gegen Green Bay, -8 gegen die Giants, -3 (OT) gegen die Jets, -2 gegen Buffalo, -14 gegen Dallas, -21 gegen New England (als die jeden Gegner in Grund und Boden gespielt haben) und -4 gegen Chicago. Vier Siege im Dezember, unter anderem gegen Green Bay und Tampa Bay, die beide voll im Saft um die Playoffs waren. Und man bedenke: Über weite Strecken wurde mit Backup-QB und sogar Third Stringer und Backup-RB gespielt. Trotzdem hat z.B. ein Calvin Johnson wieder über 1000yds und 12TDs gefangen.

Wo hakt’s?

Das unbeschreibbare Wort „Siegermentalität“ ist zwar nicht so meins. Aber so oft wie die Lions diese Saison an einem Sieg dran waren und trotzdem noch vergeigt haben… Wenn ich an Leute wie C Raiola denke, die seit ungefähr drei Jahrzehnten nur losing seasons erleben mussten, ist das auch kein Wunder. Die wissen gar nicht, wie man das macht, selbst wenn einem mal ein starkes Spiel ausrutscht.

Größtes Problem in der Offense: Zahlreiche Verletzungen. QB Matthew Stafford ist ein mutiges Kind, ein harter Knochen, aber er ist zu oft verletzt, als dass seine guten Ansätze in Siegesserien umgemünzt werden könnten: 13 Spiele hat Stafford in zwei Jahren bestritten. Heuer hat er nur 3x gespielt: 6 TDs, 1 INT, Rating 91,3. Das sind erstaunliche Zahlen, die Stafford da fabriziert, angesichts der Unerfahrenheit und der wenigen Spielzeit. Nun ist die rechte Schulter (Wurfarm) mal wieder operiert worden.

Ich war vor zwei Jahren ein Gegner, Stafford an der #1 zu draften. Nicht dass Stafford ein Flop wäre. Aber wenn du keine Offensive Line hast, dann stellst du nicht einen teuren und rohen Franchise-QB ins Tollhaus „Pocket“. Mit zahlreichen Verletzungen zahlen die Lions jetzt den Preis. Daher würde ich dringend empfehlen, in Runde 1 oder 2 einen Offensive Tackle einzuberufen. Oder zwei. Das bietet keine Garantien, erhöht aber die Chance, Stafford mal über längere Zeit gesund zu halten. Dass Stafford sich wohl fühlt, zeigen die Zahlen.

Die Defense hat ebenso eine gewaltige Problemzone, nachdem die Defensive Line mit dem sensationellen Rookie Ndamukong Suh und Kyle Vanderbosch zwei Spieler wenigstens für den Pass Rush eingekauft hat. Das Laufspiel darf aber ruhig noch härter abgewürgt werden, auch von DT Suh.

Richtig der Wurm drin ist in der Secondary. Es hat weh getan, so wie Detroit an Thanksgiving auseinandergenommen worden ist. Jeder Pass eine Completion, am besten für 25yds und jeder Drive mit Touchdown abgeschlossen.

Ich schrieb damals:

Als die Patriots mit Smith die Schwachstelle ausgemacht hatten und die Offense Line Brady den Tick mehr Zeit geben konnte, war das gegessen. Drei Touchdowns in Serie und es gab nie etwas, was die Lions zum Entgegensetzen hatten.

Man kann es an CB Alphonso Smith festmachen. Oder an seinen Nebenleuten. Punkt ist: Das Material genügt nicht höheren Ansprüchen. Oder ist noch zu grün hinter den Ohren. Dumm, dass der Draftpool für Defensive Backs nicht als allertiefster gilt.

Early Draftstrategie: Defensive Back mit dem 1st round pick, Offense Line mit den zwei-drei folgenden Picks. Bitte keine TEs und RBs draften. Detroit hat genügend gute Skill Players. Die Löcher sind anderswo.

Auf dass sie mal wieder brüllen

Es geht eindeutig aufwärts. Gegen die Patriots sind sogar eine ganze Weile lang die Zuschauer im Ford Field richtig mitgegangen. Das hatten wir lange nicht. Die vertragslosen Spieler wäre allesamt keine übermäßig schmerzhaften Verluste. Wenn die Prioritäten

a) Schutz für Stafford/Offensive Line
b) Pass-Deckung/Defensive Backs
c) Laufspiel-Verteidigung/Defensive Tackle & Linebacker

in der Reihenfolge angegangen werden, bin ich zuversichtlich. Genügend gute bis exzellente Draftpicks wurden in den letzten Jahren gehortet. 1-2 erfahrene Free Agents für die Defense (DBs, LBs) würden auch nicht schaden. Da ich Vertrauen in Jim Schwartz habe, werden die Playoff-Träume in absehbarer Zeit ja vielleicht wirklich mal erfüllt.

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