Carolina Panthers in der Sezierstunde

Panthers

Die Sideline der Carolina Panthers - ©Flickr

Der Beweis meiner ultimativen Inkompetenz: Ich hatte die Carolina Panthers im Sommer als Divisionssieger in der NFC South getippt – und es so begründet: Ein viel versprechender QB Matt Moore, ein starkes Laufspiel und eine solide Defense gepaart mit nicht restlos überzeugender divisionsinterner Konkurrenz UND ein Coach in seinem letzten Vertragsjahr: John Fox. Weil bekannt war, dass Jerry Richardson keinen Coach hoch bezahlt, brauchte Fox eine gute Saison, um richtig abzukassieren. So weit meine Gedankengänge.

Mittlerweile weiß ich dank Tuesday Morning Quarterback, dass es da noch einen nicht unrenommierten Experten „da drüben“ gibt, der ähnlich dachte.

Kein Luck

Carolinas Laufspiel schmierte vom ersten Tag an ab, RB DeAngelo Williams und RB Jonathan Stewart hatten mit Verletzungen zu kämpfen und kamen nicht in Schwung. Dazu gesellte sich ein überraschend aktionistischer Head Coach John Fox, der schon nach wenigen Spielen Matt Moore absägte und dafür Rookie-QB Jimmy Clausen ins kalte Wasser warf.

Nun ist Clausen bei aller Arroganz und allem Brechreiz ja kein grottenschlechter Quarterback. Aber ein unerfahrener ich-weiß-eh-schon-alles-QB in einer kollabierenden und auf Laufspiel basierenden Offense – so was schreit nach Scheitern.

Clausen Bilanz liest sich fürchterlich: 52,5% Completion Rate, 102yds/Spiel, 3 TD, 9 INTs, 58,4 QB Rating, 1-9 als Starter, null Spiele mit mehr als 200yds.

Ich habe Carolina gegen New Orleans und Pittsburgh gesehen – zwei hohe Schlappen. Und zweimal erschreckende Offense Lines, vor allem über innen. Über Clausen hatte sich meist schon ein Blitz-Bündel hergemacht, bevor er überhaupt die Receivers ausgucken konnte. So verbrennst du jedes Quarterback-Talent.

Resultat: 2-14. Hätte nicht Arizona das Gnadengesuch angenommen und in Woche 15 das Spiel abgeschenkt, für John Fox hätte sich der Kreis geschlossen: Ein 1-15 Team übernommen, ein 1-15 Team abgegeben.

Carolina hatte wenigstens den Draftpick #1 – und dann blieb QB Andrew Luck überraschend am College. Für Carolina die gefühlte 15te Saison-Niederlage, mit drei Tagen Verspätung.

Der Draftpick #1

Zu diesem Thema den abgespaltenen Exkurs zu „Was mache ich mit Draftpick #1?“ von gestern. Hier entlang.

Executive summary: Ich verwehre mich gegen die immer mehr aufkommende öffentliche Meinung, es müsse ein Quarterback sein. Aus den vielen aufgelisteten Gründen. An Carolinas Stelle baue ich mir erst mal eine Defense zusammen. Ob Carolina auf den Rat hören wird?

Die Optionen an Draftpick #1, und zwar in dieser Reihenfolge:

1) Einen Tauschpartner suchen, um zusätzliche Picks zu bekommen, und später womöglich einen Offensive Tackle holen
2) Defensive Tackle Marcel Dareus draften (oder Nick Fairley)
3) Wide Receiver A.J. Green nehmen

Was es sonst noch braucht

Auf alle Fälle 1-2 Wide Receivers. Optionen für Clausen. Wenn nicht für Clausen, dann wenigstens für den Quarterback, der dann 2012 kommt. (Luck?) – (TE Shockey ist schon mal da.)

Alles, was Clausen mehr als 0,3 Sekunden Zeit zum Werfen gibt. (C Kalil bekam Franchise Tag)

Vertragsverlängerung für RB Williams. (Franchise Tag ist nicht möglich)

Verstärkung für die Secondary und die Defensive Line (v.a. im „Inneren“).

Kicker John Kasay (ist schon jenseits der 40) wird wohl noch weitermachen. Auf längere Sicht wird es aber Ersatz für den einzigen verbliebenen Original-Panther brauchen.

Ausblick

Carolina hat keinen Pick in der zweiten Runde: Der wurde vor einem Jahr nach New England getradet, um WR Armanti Edwards an #89 holen zu können. Edwards Bilanz 2010: 3x im active roster, 1 Lauf für 7 Yards. Wenn die Seuche drin ist…

Ich würde trotzdem zu gerne mit Head Coach Ron Rivera tauschen. Trotz der fehlenden Draftpicks, trotz des verflixten Free-Agent-Situation, trotz des knausrigen Owners Jerry Richardson: Eine Franchise, die am Boden liegt, lässt sich erstmal frei von allen Begleiterscheinungen aufbauen. Kein Spieler, auf den du Acht geben musst.

Ich hoffe bloß, dass Rivera davon absieht, einen QB an der #1 zu holen. Lieber erstmal die Rahmenbedingungen schaffen, um einem eventuell hoch bezahlten Quarterback überhaupt eine Halbwertszeit von länger als zwei Jahren zu ermöglichen.

Warum Carolina von Quarterbacks absehen sollte

Clausen

Jimmy Clausen - ©Wikipedia

Bevor morgen der Sezierstunde-Eintrag über die Carolina Panthers kommt, schon mal vorausgeschickt, warum Carolina keinen Quarterback an der #1 draften sollte.

[Zum gestrigen Eintrag, wie sich die jüngsten #1-QB-Picks so gemacht haben.]

Die Auguren werden sich langsam, aber sicher eins: Die Carolina Panthers müssen an #1 im NFL Draft einen Quarterback draften. Blaine Gabbert (Mizzou) oder Cameron Newton (Auburn). Mir fallen dazu nur drei Buchstaben ein: WTF?

(Falls Gabbert bzw. Newton in Carolina zum besten Quarterback aller Zeiten mutieren sollte, werden mir die folgenden Absätze um die Ohren fliegen… wurscht.)

Ich hasse es, wenn eine Franchise in Trümmern liegt (und nichts anderes ist Carolina) – und als erstes einen Quarterback holt. Du hast keine Offensive Line, deine einzige veritable Anspielstation (Steve Smith) stinkstiefelt und will nur noch weg, dein Laufspiel-Duo ist zerbrochen, deine Defense ist ein Torso – und du schmeißt einen QB rein, NACH den gemachten Erfahrungen? Hat man aus „Jimmy Clausen 2010/11“ nichts gelernt? Folgerung: Einen QB in diesem Fall an #1 zu draften, ist Idiotie hoch drei.

Vor allem junge Quarterbacks werden häufig hinter bröseligen Offensive Lines verbrannt. Ich halte es daher für sträflich, einen teuren Rookie-QB schutzlos in die Mannschaft zu werfen.

Die Carolina Panthers 2011

QB Jimmy Clausen hatte 2010/11 kein gutes Rookie-Jahr. Punkt. Aber die Offenses unter John Fox sind auf Laufspiel aufgebaut. Und wenn das Laufspiel aufgrund von Verletzungen so dermaßen abschmiert wie jenes der Panthers, wird es für einen Quarterback – noch dazu einen Rookie – schon herb.

Erschwerend kommt hinzu, dass Fox ohne Tight Ends arbeitet – vor allem für junge Quarterbacks ungut. (Mittlerweile ist Shockey verpflichtet)

Noch schlimmer: Carolina hatte nicht nur kein Laufspiel und keinen Tight End, sondern vor allem keine Wide Receivers. Steve Smith glänzte durch Lustlosigkeit und alles dahinter Kommende war unter jeder Kritik – ich hab’s zweimal selbst mit offenem Mund gesehen.

Ist schon alles an Carolinas Offense in Grund und Boden geredet? Nein? Die Offensive Line, Baby. Löchrig wie ureigenster norwegischer Käse. Wenn ein junger Quarterback in einer Laufspiel-Offense OHNE Laufspiel, OHNE Tight Ends, OHNE Wide Receivers hinter einer Offensive Line mit absolut DESASTRÖSEM Blocking spielen muss – was kann man erwarten?

Clausen hat sicherlich seine eigenen Flauseln, aber als ich gegen Pittsburgh mit anschauen musste, wie Clausen zwei Sekunden BEVOR ein Receiver überhaupt erst offen sein konnte schon unter 250kg Fleisch und Plastik begraben war, war mir klar: Carolina darf keinen Andrew Luck draften. Die Karriere von Luck ist in Carolina vorbei, bevor sie begonnen hat.

Nun ist Luck nicht im Draft, also greifen wir bei den nächsten gehypten QBs zu?

Kein QB für die Panthers. Clausen (galt 2009 und 2010 immerhin als potenzieller #1-Pick) eine zweite Chance geben und einen erfahrenen Quarterback als Mentor und Absicherung einkaufen, sollte sich Clausen auch unter verbesserten Umständen als Flop erweisen.