NFL Notizblock, Week 5: TNF Buffalo Bills @ Cleveland Browns

Buffalo gegen Cleveland, primetime. Puh. Aber, wie auch korsakoff gestern schon geschrieben hat: es braucht gar nicht viel, um sich dieses match-up schönzureden. Die Buffalo Bills (2-2) haben mit Mike Pettine den Adotpivsohn Rex Ryans als Defensive Coordinator. In Verbindung mit einer Linie bestehend aus Kyle Williams, Marcell Dareus, Mario Williams und einem Top-Rookie in LB Kiko Alonso ist einige Unterhaltung garantiert (und wenn später noch Safety Jairus Byrd und Cornerback Stephon Gilmore zurückkehren, ist das Potential unbegrenzt). Auf der anderen Seite des Balles haben sie mit C.J. Spiller und Fred Jackson eines der explosivsten backfields weltweit. Der QB ist ein 1st-rd pick und der HC hat eine unterhaltsame up-tempo offense installiert. So fuhren sie in den Dawg Pound die Factory of Sadness zu den ebenso unterhaltsamen Cleveland Browns (2-2). Weiterlesen

NFL Woche 4: Notizblock Browns@Ravens

Gene Steratore ist back! Gestern gab es den ersten Auftritt der regulären Referees nach ihrem Streik. Dabei hatten sie in Baltimore einen ganz ruhigen Abend. Genau das Gegenteil von dem Hexenkessel, den die replacements da am letzten Sonntag angefeuert haben. Was spielerisch so passiert ist, gibt es nach dem Klick.

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Am Ende war es wie so oft bei den Ravens, wenn sie gegen eine deutlich schwächere Mannschaft spielen: es wurde unnötig knapp. Kurz vor Schluß hatten die Browns aus 18 Yards Entfernung die Chance, per Touchdown den Ausgleich zu schaffen.

Vor allem in der ersten Halbzeit war es vor allem wieder das seltsame Playcalling von Cam Cameron, daß nicht so aufging, wie er sich das wohl vorgestellt hatte. Ja, die Secondary der Browns ist nicht die beste, vor allem weil CB Joe Haden immer noch gesperrt gefehlt hat. Aber warum 28 Paßversuchen nur sechs Läufe von Ray Rice gegenüberstehen, ist nur schwer nachvollziehbar. Wenn Cleveland an diesem Abend einen herausragenden Pass Rusher gehabt hätte, wär das Spiel tatsächlich so eng gewesen, wie es der Endstand von 23-16 suggeriert.

Ab und zu kam QB Flacco auch mal unter Druck – und sah dabei einige Male recht schlecht aus. Aber wenn er Zeit in der Pocket hatte oder sich einige Zehntelsekunden mit seiner in diesem Spiel wirklich starken pocket awareness erkauft hat, dann hat er Clevelands Secondary seziert. Am Ende standen für ihn, der mittlerweile tatsächlich den Eindruck eines Top-10-Quarterbacks erweckt, mehr als 350 Yards auf der Uhr. Nachdem WR Torrey Smith in der ersten Halbzeit acht Mal sein anvisiertes Ziel gewesen ist (vorzugsweise tief, aber nur einmal erfolgreich), hat in der zweiten Hälfte WR Anquan Boldin die harte Arbeit übernommen und ein ums andere Mal über Mitteldistanzrouten Bälle (acht in Hälfte zwo für mehr als 100 Yards) und harte Hits (unzählige) eingesteckt.

Auf der anderen Seite war es ähnlich. RB Trent Richardson hat nur 14 Carries bekommen, während Brandon Weeden 52 Pässe geworfen hat. Baltimore hat es nicht geschafft, mit der Front Four Druck auf Weeden zu machen und ist darum schnell dazu übergegangen, viele Blitzes auf ihn loszulassen. Was gegen Rookies für gewöhnlich auch immer ein probates Mittel ist. Erst zum Ende der ersten Halbzeit kamen Weeden und seine Offensive Line damit etwas besser klar und nach einigen Big Plays zu WR Greg Litte und Travis Benjamin konnte Richardson dann kurz vor dem Pausenpfiff auch zum 7-9 in die Endzone marschieren. Stand Weeden mal nicht unter Druck, sah er sogar aus wie ein richtiger NFL-Quarterback.

Auch das dritte Viertel über konnten die Browns noch mithalten, aber eine Interception bei einer kurzen out route auf die links Seite war Weeden überrascht von der Schnelligkeit Cary Williams, der entspannt über 60 Yards in die Endzone traben konnte. Neben dieser Interception, die ein klassischer Rookiefehler war, hat vor allem WR Little seine Coaches und seinen Quarterback zur Verzweiflung gebracht. Wie auch schon im letzten Jahr kann er einfachste Bälle einfach nicht festhalten. Ein starkes big play wechselt sich bei ihm immer mit einem fallengelassenen Touchdown ab.

Insgesamt war Baltimore wenig konsequent und hat von den Fehlern Clevelands profitiert. Wobei die Ravens aber die deutlich bessere Mannschaft waren und der Sieg eigentlich zu keinem Zeitpunkt in Gefahr war.

Überragend war mal wieder Haloti Ngata, der jeden OLiner der Browns mindestens einmal vernascht hat. Auch stark war OLB Paul Kruger, der seinen Stammplatz bombensicher hat. Während Rookie Courtney Upshaw meistens nur in der Nickel-D spielt und sonst hinter Albert McClellan zurücktreten muß.

NFL-Woche 1/2012: Cleveland Browns – Philadelphia Eagles im Rückspiegel

Nochmal eine Spoilerwarnung für die, die das Ergebnis immer noch nicht kennen und ganz gerne ein Spiel unwissend ob des Ausgangs anschauen. Für die anderen: Bitte. Nach dem Sprung.

Spiel mit neun Turnovers und weniger als 50% Completions Rate – und trotzdem war es unterhaltsam? Ich sage leise „ja“, denn es war eine Partie, aus der man einiges ziehen kann. Vorneweg: Philadelphia, einer meiner ganz großen Favoriten, tat sich schwer, gewann knapp 17-16 gegen den großen Außenseiter Cleveland. Rühmen braucht man sich dafür nicht.

Philadelphia Eagles

Es wird vor allem der Umstand von Michael Vicks 56 (!) Passversuchen trotz Rippenprellungen und allen möglichen Wehwehchen diskutiert. Klar ist: Vick wirkte nicht fit, nicht bei den Scrambles, und die Pässe funktionierten auch nur, solange Vick links rausrollen konnte. Klar ist auch: Die Eagle-Offense ist brutal unbeständig. Fünf Incompletions in Folge und dann folgt ein TD-„Drive“ von zwei Plays über 80yds zum Touchdown.

Das liest sich dann so: Top-WR #18 Maclin mit nur sieben Catches in 16 Anspielen, Top-WR #10 Jackson nur vier Catches in elf Anspielen. Aber wenn gefangen, dann in insgesamt elf Catches zusammen 173yds gemacht.

Bei den Sofa-QBs wurde diskutiert, warum die Eagles trotz 5.5yds/Laufversuch für RB #25 LeSean McCoy selbigen nur 20x Ball tragen ließen. Ich habe einen Ansatz: McCoy ist bei aller Explosivität und Fangstärke ein one trick pony, wenn es ums Laufen geht. Über die Mitte funzt nix, sogar trotz der Umstände, dass der Browns-DT #71 Rubin an der Line of Scrimmage schwerfälliger aufsteht als ich an manchem Samstagmorgen (really, man schaue sich Rubin mal an!).

McCoy muss über außen kommen, dann sind Big Plays vorprogrammiert. Oder Big Losses (zwei oder dreimal für -5yds getackelt). Zweites ganz großes Problem der Eagle-Laufoffense: Drei oder vier lange Läufe McCoys wurden wegen Holding zurückgepfiffen. Spricht dafür, dass Philadelphia Probleme hatte, die Löcher zu öffnen.

Die Line war auch in der Pass-Protection wenig überzeugend. Schlecht, weil Clevelands Passrush für gewöhnlich nicht zu den gefährlicheren gehört. Schlecht auch, weil Vick unter Druck immer noch – und immer wieder! – zu hirnlosen Bällen in die Secondary hinein neigt. Vick mit 29 Completions in 56 Versuchen, nicht gut, aber auch nicht unterirdisch. Vick mit vier Interceptions. Die zweite und dritte dabei waren zumindest nicht Vicks alleinige Schuld, weil beide Mal von den Receivern abgelenkt. Bitterböse war die vierte, die von LB #52 Jackson lockerst zum Touchdown returniert werden konnte.

Fazit: Die Eagles wirkten phasenweise noch wie in der Preseason. Aber ich möchte trotz der Unkonstanz und der nicht überzeugenden Offensive Line nicht gegen die Offense spielen, wenn sie mal ins Rollen gekommen ist.

Die Defense war gut, aber nicht super. Der Passrush war vorhanden, die Lauf-Defense klappte vorzüglich, wenn mindestens sieben Mann in der Box standen und im Backfield konnten #23 Rodgers-Cromartie und #42 Coleman je einmal abgefälschte Bälle abstauben und je einmal einen „Rookie-Pass“ Weedens zu insgesamt vier Interceptions abfangen.

Cleveland Browns

Können wir den positivsten Playmaker gleich abarbeiten? KR/PR #16 Josh Cribbs. 13yds pro Puntreturn, 30yds/Kickreturn. Cribbs machte immer wieder große Returns, aber es sei auch angemerkt, dass der Eagle-Punter zwar extrem weit puntete, dafür aber nicht die längste Hang-Time hatte und Cribbs immer wieder große Räume vorfand. Und weiter.

Sofort ins Auge fallen die Statistiken von Rookie-QB #3 Brandon Weeden: 12 von 35 für 118yds, 4 INT – really? Ich bin mir nicht sicher, was von Weedens Debütpartie zu halten ist. Die Probleme waren augenscheinlich: Der Druck machte Weeden nervös (nie das beste Zeichen), die wenigen versuchten tiefen Bälle waren allesamt sehr unpräzise und flogen teilweise meterweit selbst an ungedeckten Wide Receivers vorbei, und dann die vier INTs… zwei waren abgefälscht und IMHO nicht Weedens Schuld. Eine weitere war ein übermütiger Wurf rechts das Spielfeld runter in eine Zone, in der drei Eagle-Defensive Backs gegen zwei Browns-WRs standen. Die schlimmste war die vierte, jene im allerletzten Drive: Erstes Play nach Rückstand 1:06 vor Toreschluss, Weeden überwirft den WR #11 Massaqoui um zirka drei Meter, direkt in die Arme des dahinter wartenden Safetys Kurt Coleman.

Weeden war nicht gut und die Gabbert-Vergleiche dürften in den nächsten Wochen aus dem Boden sprießen, wenn das so weitergeht. Aber Weeden hatte halt auch keinerlei Unterstützung von seinen Anspielstationen.

Der zweite Top-Rookie im Angriff, RB #33 Trent Richardson, erlebte auch so einen Tag zum Vergessen: 19 Läufe für 39yds beim Debüt, plus eine kurze Reception. Richardson war nicht fit, und Richardson zeigte Kampfgeist (u.a. einem Eagle vor lauter Wucht den Helm runtergerissen). Aber hinter einer zumeist schnell übermannten Line konnte Richardson null Impulse setzen.

Viel, viel, viiiiiiel überzeugender war die Defense, die auch Clevelands einzigen Touchdown scorte (ein einfacher TD für einen erfahrenen Linebacker wie #52 Jackson, der einen schlechten Pass Vicks in die Zonendeckung hinein locker abfangen und returnieren konnte). Clevelands Defense gefällt mir vor allem in der Secondary außerordentlich gut, und sie machte Philadelphias Passspiel immer und immer wieder mit extrem vielen zu Boden geschlagenen Bällen kaputt. Besonders hervorzuheben ist CB #23 Joe Haden, der mir immer besser gefällt. Bitter für Cleveland, dass Haden nun vier Partien wegen Dopingsperre verpasst (@CIN, BUF, @BAL, @NYG).

Man muss sich das vorstellen: Die Browns-Defense war 90 (mit Strafen sogar 96) Spielzüge auf dem Feld. Bei dieser Unmasse haben Verteidigungen schon mehr als die 456yds von Sonntag aufgegeben.

Schließlich und endlich wird über Browns-Head Coach Pat Shurmur zu reden sein, der keine Eier zeigte. Shurmur nahm beim Stande von 10-6 eingangs des Schlussviertels von der gegnerischen (!) 4yds-Line das Field Goal, um den Rückstand zu verkürzen, anstatt auf die Führung zu gehen. Sicher, die Offense war schlecht drauf, aber der richtige Call ist in diesem Moment die Aggression.

Paar Sekunden später fing Jackson die INT ab, Cleveland führte nach dem Return 15-10. Shurmur nahm den P.A.T. anstelle der fälligen 2pts-Conversion. Dieser eine fehlende Punkt ging am Ende ab, um wenigstens in die Overtime zu kommen. Nüscht gut, selbst wenn wir hier von Momenten reden, wo noch 14 Minuten zu spielen waren.

Fazit: Eines der unterhaltsameren dieser Katastrophenspiele, die ich in meiner Vita gesehen habe. Beide würde ich noch nicht in Grund und Boden schreiben, aber vor allem die Eagles würde ich auf Basis des Gesehenen niemals abschreiben.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Joe Haden, Cornerback

Heute dran in der Rookie-Rückschau 2010/11: Ein unscheinbarer Cornerback der Cleveland Browns.

Pick #7: Joe Haden

Position: Cornerback
College:
University of Florida
NFL-Team: Cleveland Browns

Joe Haden. Natürlich aus zig SEC-Übertragungen ein bekannter Name, galt aber als etwas zu früh gedraftet (reach) und vor allem: Ging im Clevelander Wechseltheater (Stichwort: LeBron James) vor einem Jahr ziemlich unter.

Man möchte ja nicht so richtig nach Cleveland als junger Spieler – gilt für Basketball wie für Footballer – aber wenn mit Eric Mangini ein Mann am Ruder sitzt, der ein Auge für Defensive Backs hat, lässt es sich leichter leben.

Haden spielte wochenlang als Nickelback, ehe er in der zweiten Saisonhälfte zum Starter befördert wurde – und alle Zahlen und Statistiken weisen darauf hin, dass Haden brillant spielte: Er schaltete selbst anerkannte Top-Leute wie Brandon Marshall aus und war einer der Hauptgründe für eine phasenweise mächtige Defense der Browns.

Unter Insidern gilt Haden als absolute Elite, als mit weitem Abstand bester Cornerback des 2010er-Jahrgangs, der nur deshalb nicht Rookie des Jahres wurde, weil Mangini ihn spät (zu spät?) auf die Receiver der Liga losließ. Die einzigen Schwachstellen in seiner Defensivarbeit soll die Laufspielverteidigung sein, nachdem er in der Deckung als praktisch ausgelernt gilt – nach dem ersten Jahr!

Natürlich werden Schwächephasen kommen, vor allem nach der Entlassung Manginis und der darauf folgenden Inthronisierung des jungen Offensiv-Coaches Pat Shurmur. Der Fokus wird sich von Defense auf Offense verschieben – Dick Jauron ist jetzt auch nicht der der DefCoord, zu dem ich allergrößtes Vertrauen hege.

Mit Haden hat Jauron aber allem Anschein nach nicht nur einen Rohdiamanten als Anker in der Secondary, sondern einen Diamanten, der bald zu funkeln beginnen wird bereits schwer glitzert.