NFL 2016 – Montagsvorschauer Woche 2

Das heutige Monday Night Game Philadelphia Eagles (1-0) @ Chicago Bears (0-1) ist eine gute Möglichkeit, zwei unbekannte Mannschaften genauer zu studieren. In Philadelphia ist der gesamte Trainerstab neu, in Chicago wurde der Trainerstab letztes Jahr ausgewechselt und nach nur einer Saison war OC Adam Gase schon wieder weg, er ist jetzt Head Coach der Miami Dolphins. Weiterlesen

Chicago Bears in der Sezierstunde

Die Chicago Bears kommen vom Totalschaden der letzten Saison, in der man als hoffnungsvoller Außenseiter gestartet, letztlich als Lachnummer gestrandet ist. Folge: Die sportliche Leitung um GM Emery und Head Coach Trestman musste gehen. Als Nachfolger wurde die ungewöhnliche Combo aus dem 37-jährigen GM Ryan Pace und dem 59-jährigen Head Coach John Fox installiert. Ihnen mitgegeben wurde ein auseinanderfallender Kader mit dem QB-Fragezeichen schlechthin. Weiterlesen

Pragmatik schlägt Philosophie: Wie die Denver Broncos ihre Superbowl-Mannschaft formten

Die Superbowl 2014 bietet zwei Teams auf, die gemeinsame Geschichte als einstige langjährige Divisionsrivalen in der AFC West haben. Die Denver Broncos sind dabei die ältere, erfolgreichere Franchise, während die Seattle Seahawks die meiste Zeit ihres Bestehens vor allem als Mitläufer wahrgenommen wurden. Die heutigen Mannschaften wirken einzigartig und sind auch von der jeweiligen Franchise-Geschichte relativ losgelöst. Hatten wir in den letzten Jahren jeweils die Chance, über langjährige Philosophien der Endspiel-Kontrahenten zu sinnieren, sind es diesmal recht kurzfristig zusammengestellte Mannschaften.

Heute konzentrieren wir uns auf die Denver Broncos, zweifacher Superbowl-Sieger aus den 90er Jahren und schon zuvor insgesamt viermal als Verlierer aus dem größten Footballspiel des Jahres gegangen.

Die Geschichte der Denver Broncos ist, wie ich einst schon detaillierter nachzeichnete, in erster Linie die Geschichte des einen Mannes: QB John Elway. Elway kam 1983 nach Denver, weil er sich als Top-Draftpick geweigert hatte, für die Baltimore Colts zu spielen. Die Broncos akzeptierte er, und er wurde alsbald zu einem der herausragenden Quarterbacks in der NFL. Aber so oft Elway sein Team in die Super Bowl führte, so oft scheiterte er. Die AFC wurde damals als minderwertige Conference wahrgenommen, die gegen die NFC-Juggernauts aus San Francisco, Dallas, Washington oder New York wie die Lehrbuben aussahen. Denver: Gut genug um die AFC zu gewinnen, aber zu leichtgewichtig für die Lombardi Trophy.

Das änderte sich schließlich Ende der 90er, als die Broncos doch noch kurz vor Elways Ritt in den Sonnenuntergang zwei Titel abstaubten und somit nicht nur das Bild der kompletten AFC, sondern auch und vor allem der Denver Broncos wandelten. Die einstigen netten Verlierer waren als zweifacher Titelträger plötzlich wer. Sie gehörten mit einem Mal zu den Premium-Franchises in der NFL.


Die heutigen Broncos haben mit jenen Teams aus den 90er Jahren nicht mehr viel gemeinsam. Sie sind fast „zufällig“ so zusammengekommen, als eine Art Treffen der alten Männer, die gerade verfügbar waren. Aber sie alle haben ihren Beitrag geleistet. Sie haben einen Pfad eingeschlagen und eine dominierende Mannschaft gebaut.

Alles begann mit dem Ende der Ära von Head Coach Mike Shanahan, dem Superbowl-Coach aus den Neunzigern: Shanahan wurde nach der Saison 2008 nach einer wiederholten Implosion zu Saisonende und dem Verpassen der Playoffs gefeuert. Als Nachfolger wurde der heißeste Export aus den Neuenglandstaaten seit dem Indian Summer eingestellt, der Patriots-OffCoord Josh McDaniels.

Die Ära McDaniels verlief… nicht gut. McDaniels war ein Jüngling Anfang 30, der sich aufführte als hätte er das Rad der Zeit neu erfunden, und mit seiner herrischen Art vergraulte er nicht bloß den jungen Franchise-QB Jay Cutler, sondern auch alsbald den gesamten Kern der Offense. Nicht alle Moves des Josh McDaniels waren Idiotien, aber im Leben fällt es immer schnell auf dich zurück, wenn du mit deiner Art nicht ankommst und mit deinen Moves nur Fragezeichen produzierst, aber keine Resultate.

Die Besitzerfamilie der Denver Broncos zog bei McDaniels noch vor Ende seiner zweiten Saison den Stecker und schmiss ihn nach 29 Spielen als Head Coach raus. Wie lautet eine der Weisheiten für die Suche nach einem neuen NFL-Coach? Suche immer das Gegenteil jenes Coaches, den du grad rausgeschmissen hast. Egal welchen. Hauptsache, das Gegenteil.

McDaniels‘ Profil: Blutjung, keine Erfahrung, Offense-Geist, Kreator einer rekordträchtigen Pass-Offense, Image des innovativen Genies, aber mit einer ganzen Latte an höchst hinterfragenswerten Entscheidungen in seiner Zeit in Denver.

Da kam es für die Broncos nach Ende der Saison 2010/11 ganz recht, dass die Carolina Panthers den auslaufenden Vertrag mit ihrem Head Coach John Fox nicht mehr verlängerten. Fox‘ Profil liest sich in der Tat wie ein Anti-McDaniels: Weit jenseits der 50, neun Jahre Erfahrung im Team-Building in Carolina, Defense-Stratege, Footballphilosophie aus den 70ern (laufe in der Offense, stoppe den Lauf in der Defense), Image des biederen Arbeiters, in Carolina berüchtigt für konservative Entscheidungen bei Drafts und im Spiel.

Fox: Der ideale Mann, um ein in hellen Flammen stehendes Programm der Denver Broncos wieder aufzubauen.

Der zweite große Move von Owner Pat Bowlen in jenem Jänner vor drei Jahren: Er beförderte die Legende John Elway als vom einfachen Funktionär zum „Team President“ – quasi eine Rolle eines General Managers. Der Move sah seinerzeit fragwürdig aus: Einfach das bekannteste Gesicht der Franchise in den Vorstand befördern und zu hoffen, dass sich ein herausragender Wurfarm in gutes Verhandlungsgeschick transformieren lässt. Zu oft sind solche Moves schief gegangen. Aber der Geschäftsmann Elway, der schon eine Schnellimbisskette zu einem millionenschweren Geschäft gemacht hatte, fiel nicht in diese Kategorie.


Fox ging seine Arbeit in Denver nicht als großer Revolutionär an, sondern arbeitete an den Basics. Als erster bastelte er an seiner Defense und holte mit dem geschenkten hohen Draftpick den Abwehrspezialist DE/OLB Von Miller nach Denver. Miller schlug quasi von Tag eins an ein in Denver und war sehr schnell einer der besten Defensivspieler in der Liga.

Er verbesserte die Defense innerhalb seines ersten Jahres von der schlechtesten (471 Gegenpunkte, 7.2 NY/A) auf eine mittelmäßige (390 Gegenpunkte, 6.4 NY/A), aber die Story der Broncos war in jener Saison 2011 eh eine komplett andere: Tim Tebow.

Tebow.

Tebow war jener Quarterback, der nicht richtig werfen konnte, der aber seine Mannschaften mit purem Willen zu großen Siegen führen konnte. Ein Charismatiker, dessen Gottesfurcht und Einsatz gegen Abtreibungen das ganze Land in helle Aufregung versetzten. Bei dem tausende Mädchen die sich von ihm schwängern lassen wollten zu seinem Abschied vom College in Florida im Sonnenuntergang auf den Rängen geweint hatten. Den Josh McDaniels mit einem Erstrundenpick geholt hatte.

In der Retrospektive war Tebow den Draftpick gefühlt fast wert. Nicht sportlich, aber medial. Die Broncos wurstelten sich zu einer schier fassungslosen Serie an Freak-Siegen, und alles lief für sie: Gegner, die nur 2/8 Completions zuließen, aber in den letzten zwei Minuten plötzlich kollabierten. Gegner, die Fumbles in dümmsten Zeitpunkten begingen und dann noch aus dem Spielfeld traten. Und die Fans spielten verrückt. Und Fox schaute an der Seitenlinie mit einem säuerlichen Grinsen zu. Fox schaffte schon im ersten Jahr Divisionssieg und Einzug in die Playoffs, und dort gewann Denver sogar sein Wildcard-Spiel, das John 3:16 Spiel, den Höhepunkt von Tebowmania, gegen eine der besten Mannschaften der Saison, Pittsburgh.

Trotzdem war allen klar: Tebow ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Tebow ist nicht die Antwort.

In Indianapolis war genau zu jener Zeit die QB-Legende Peyton Manning überflüssig geworden: Manning hatte just jene Saison aussetzen müssen, und ohne Manning waren die Colts krepiert zum Top-Draftpick, der in jenem Jahr 2012 den Spieler der Spieler, QB Andrew Luck, auf dem Servierteller präsentierte. Die Colts entschieden sich für Luck und gegen ihren Superstar Manning, der mit 36 noch ein letztes Halali blasen wollte.

Die Colts feuerten den besten Spieler ihrer Geschichte. Den Spieler, der ihre Franchise überhaupt erst wieder relevant gemacht hatte. Der sie zum Superbowl geführt hatte.

Und an der Stelle tritt Elway auf den Radar. Elway war eine der zentralen Figuren beim Einkauf von Peyton Manning. Man erinnere sich: Denver war weiß Gott nicht die „logischste“ Option für Manning, der sich seine letzte Mannschaft seiner Karriere auswählen konnte. Elway fungierte als das Gesicht, das im Werben um Manning die entscheidenden Trümpfe zog, und tatsächlich unterschrieb Peyton und machte die Broncos damit über Nacht zum Titel-Mitfavoriten.

Und die Broncos verschifften Tim Tebow nach New York. Tebow, den Spieler, der wie kein anderer einen landesweiten Hype ausgelöst hatte, dass du dich manchmal schon fragtest ob sie die Amis tatsächlich noch alle beisammen haben.

Peyton Manning anstelle von Tebow: Sportlich gibt es ein größere Upgrade nicht. Aber den Mut gehabt zu haben, den Medien-Superstar Tebow abzusägen, dafür gebührt Elway, Fox und der Broncos-Riege Respekt.


Den Broncos sind zwei wichtige Bausteine quasi in den Schoß gefallen: Head Coach Fox und Quarterback Manning. Es war harte Arbeit, die beiden zu verpflichten, keine Frage, aber sie waren eben genau zum richtigen Zeitpunkt auf dem Markt. Ein Champion muss gut sein, aber er muss auch Glück haben. Ohne Glück wirst du kein Champion.

Auch in Denver machte es die Mischung. Der Lauf-Fetischist Fox war pragmatisch genug um zu verstehen, dass eine Offense mit Peyton Manning auch die Handschrift des Peyton Manning tragen muss. Das mag ein banales Statement sein, aber wie oft enden solche Kooperationen in der NFL mit einem Gemetzel an Köpfen, weil die Führung zu starr auf ihre Linie vertraute.

Fox blieb ruhig. Er überließ die Offense seinem OffCoord Mike McCoy und später dessen Nachfolger Adam Gase, die sich schon an Tebows „Vorzüge“ anpassen konnten, und konzentrierte sich gemeinsam mit dem DefCoord Jack Del Rio, mit dem er schon gemeinsam in Carolina ein Traumduo gebildet hatte, auf die Verbesserung der Defense.

Nochmal: Innerhalb von fünf Jahren machten die Broncos vier grundsätzliche Wandlungen ihrer Offense durch: Vom zone blocking-Stil unter Shanahan, der ihnen die Superbowls in den 90ern geholt hatte zur Pass-Offense des Josh McDaniels zur Den-Veer Offense mit Tebow zu Manning. Eine solche Tour durch die Footballsysteme war in der NFL bis dahin quasi ungesehen.


Die letzten beiden Jahre liefen, wie sie liefen: Denver beendete die Regular Season zweimal mit 13-3 Siegen und dem AFC-Top Seed. Der Kader von 2013 sieht nur noch etwas mehr als eine Handvoll jener Spieler unter Vertrag, die Fox vor nur drei Jahren von McDaniels übernommen hatte. Aber bis auf Von Miller waren es nicht unbedingt die großen Drafts, die Denver nach oben brachten; es war vielmehr der Einkauf von relativ preiswerten Free Agents, die andernorts nicht mehr gebraucht wurden.

Ein WR Wes Welker kam aus New England. Ein TE Tamme aus Indianapolis. Ein DT Knighton aus Jacksonville. Ein LB Shaun Phillips aus San Diego. Ein CB Rodgers-Cromartie („Erst in Denver sagte man mir, was ich alles falsch mache“) aus Philadelphia.

Plus natürlich Peyton Manning.

Es gibt natürlich die jungen Superstars, die in Denver gedraftet und aufgebaut wurden. Leute wie Decker oder Demariyus Thomas, die noch aus der McDaniels-Ära stammen. Oder Miller, der Diamant der 2011er-Klasse. Oder LB Danny Trevathan, ein billiger Pick aus der sechsten Runde. Oder S Rahim Moore.

Aber philosophisch wurde Denver ironischerweise erst dann zum neuen „Foxboro West“, als der „Foxboro-Mann“ McDaniels schon weg war. Dann begann man, Free Agents für billiges Geld zu holen. Kurze 1-2 Jahresverträge nahe dem Gehaltsminimum. Spieler, die sich beweisen wollten. Rodgers-Cromartie oder Knighton sind die Paradebeispiele. Das ist Patriots-esker als es den Patriots in den letzten Jahren gelungen ist.

Plus natürlich Peyton Manning.


Die Broncos von 2013 sind in der öffentlichen Wahrnehmung Peyton Mannings Mannschaft. Sie haben seine Identität. Die Offense scort in Rekord-Sphären. Sie hat ein unverwechselbares Gesicht in dem immergleichen und im Detail doch so variablen Kurzpassgewichse, das Manning in seinen mittlerweile 15 NFL-Jahren perfektioniert hat. Die Defense hält trotz extrem vieler Verletzungen gerade gut genug um den Großteil der Gegner locker zu putzen.

Manning selbst kann mit seinem zweiten Superbowl-Sieg seinen Platz im absoluten Thron der besten Quarterbacks der NFL-Geschichte zementieren. Er kann der erste Quarterback werden, der mit zwei Franchises den Titel als Stamm-QB gewinnt. Er kann seine rekordträchtige Karriere schmücken.

Fox kann zehn Jahre nach der ebenso dramatischen wie begeisternden Endspielniederlage gegen die New England Patriots Versäumtes nachholen und den lange fälligen Titel gewinnen.

Elway kann 16 Jahre nach seinem letzten Superbowl nun als Chef der Sportlichen Leitung eine dritte Lombardi Trophy abstauben.

Es wäre kein Sieg im klassischen „Broncos-Way“, sondern ein Sieg der Pragmatik.

Wer sollte Coach des Jahres 2013/14 werden?

Der Award „Coach des Jahres“ verhält sich in der NFL anders als alle anderen Awards. Denn während der NFL MVP oder Rookie-des-Jahres Preis tatsächlich an den Spieler vergeben werden, der nach common sense die beste Saison hatte (wie auch immer das definiert sein mag), so wird der Coach-Preis für gewöhnlich an den Coach gegeben, der an ihn gehegten Erwartungen vom Sommer am meisten übertrifft.

Die Wildcard gleich zu Beginn geht an John Fox von den Denver Broncos. Fox ist manchmal etwas nervtötend, weil er so konservativ ist, aber man kann ihm eines nicht absprechen: Dass seine Mannschaften nicht souverän spielen. Sie tackeln sicher. Sie begehen zwar Strafen, aber nicht viele Phantom-Tackles. Trotzdem spricht es Bände, dass der Coach, der seine Mannschaft dieses Jahr in die Superbowl geführt hat (Fox schaffte das schon vor zehn Jahren mit den Panthers), eigentlich kaum Presse. Denver wird als Peyton Mannings Team wahrgenommen. Aber allein mit Manning fährst du nicht in die Superbowl. Was Fox allerdings in dieser Liste knapp raus schießt: Er verpasste vier Spiele im November mit Herzproblemen. Klingt makaber, aber es gibt heuer genügend gute Coaching-Leistungen, dass ich das mal als Entschuldigung her ziehe. Ebenso knapp draußen: Sean Payton und Jim Harbaugh. Würde ich eine Top-10 Liste machen, zwei dieser drei hätten sie komplettiert.

#8 Andy Reid (Kansas City Chiefs)

Die Chiefs drehten ihre Bilanz innerhalb eines Jahres von 2-14 und Top-Draftpick auf 11-5 und Playoff-Qualifikation. Sie sind damit das zweite Team in Folge, dem das gelang (2012 schaffte es Indianapolis), und damals gewann der Colts-Headcoach den offiziellen Award. Andy Reid ist einer der Topfavoriten in diesem Jahr. Aber Hand aufs Herz: Reids Job war relativ einfach. Er fand zu seiner Einstellung vor einem Jahr einen Kader mit etlichen Pro Bowlern und vielen ehemals hohen Draftpicks vor, dem nur zwei Dinge abgegangen waren: Quarterback und Coaching. Zufällig sind das die wichtigsten Dinge im Football. Zufällig waren die Chiefs in diesen Bereichen nicht bloß schlecht, sondern unterirdisch.

Reid kam, und musste „nur“ zwei Dinge verändern. Er holte sich QB Alex Smith aus Kansas City. Es war wie erwartet das einflussreichste QB-Upgrade des Jahres. Und natürlich Reid selbst. Die Chiefs waren nicht besonders effizient nach Downs (Power-Ranking: untere Tabellenhälfte), aber weil sie mit der risikolosen Spielweise kaum Turnovers begingen, landeten sie doch bei 6.1 Punkten über Durchschnitt im SRS (#7 der Liga) und bei einem hervorragenden Pythagorean von 11.2 Siegen (#5 der Liga).

#7 Mike McCoy (San Diego Chargers)

Die Auswahl von Mike McCoy ist weniger ergebnisgetrieben als sie nach dem kurzen, aber doch überraschenden Playoff-Lauf aussieht. Ich hatte McCoy schon Ende November ganz weit oben auf meiner Short-List, und ich glaube, dass er einen echt guten Job als Rookie-Coach bei den Chargers gemacht hat.

Das Auffälligste an seinem Wirken war die Revitalisierung einer Chargers-Offense, die zuletzt nichtmal mehr Norv Turner formen konnte. Es war nicht bloß eine „gute“ Chargers-Offense 2013/14. Es war eine fantastische. Eine Offense Line bestehend aus Rookies und längst abgeschriebenen Altstars war gut genug um landesweit Aufmerksamkeit zu erregen. Ein QB Rivers blühte auf. Leute wie RB Mathews, der schon als Bust abgeschrieben war, gehörten plötzlich zu den ligaweit besten auf ihren Positionen. Rookie-WR Keenan Allen kam aus der dritten Runde und war per Knopfdruck einer der besten Wide Receivers in der NFL.

Ich glaube, man kann McCoy nicht daran aufhängen, dass die Defense so lange so absurd war; sie war schließlich unterirdisch besetzt. Es gibt personell keine NFL-Defense, die weniger an Spielermaterial hatte. Der einzige Verteidiger von NFL-Format, OLB Ingram, war fast die ganze Saison auf der Verletztenliste. Trotzdem wurde um dieses Problem herum gewerkelt, und in den letzten Wochen hatte San Diego dann sogar eine zumindest brauchbare Defense, und prompt ging es in die Playoffs.

Ein insgesamt sehr guter Job von McCoy, dessen Mannschaft momentan in den Top-10 des Power-Rankings rangiert. Die nach SRS 2.7 Punkte besser als der Liga-Durchschnitt ist. Der mit einem guten GamePlan auswärts ein Superbowl-Kaliber schlagen konnte (Cincinnati). Der am Ende aber ein Playoffspiel in Denver abschenkte, weil man zu lange zu starr an seinem längst gescheiterten Plan fest hielt.

#6 Bruce Arians (Arizona Cardinals)

Der amtierende Coach des Jahres. Arians gewann 2012 in Indianapolis als Interimscoach, ging aber im Anschluss daran zu den Arizona Cardinals um sich ca. 60jährig doch noch erstmals als Head Coach zu versuchen. Ich geben zu, ich war skeptisch. Aber Arians schaffte das, wofür er geholt wurde: Die Offense um QB Palmer beging zwar viele Turnovers, aber sie war immerhin wettbewerbsfähig genug um den schlafenden Riesen Arizona zu wecken.

Remember: Die Cards-Defense war schon in den letzten Jahren großartig gewesen; Arians‘ Coaching-Stab konnte den Level auch nach Abgang von DefCoord Horton sogar noch eine Stufe höher schrauben. Der Schlüssel aber war die Offense: QB Palmer warf zwar 22 INTs, aber er erlebte zumindest annähernd sowas wie einen dritten Frühling, als dass er Pässe für mehr als 6.5 NY/A an den Mann brachte – ein Wert, der Welten besser ist als alles was die Cards die letzten Jahre hatten.

Arizona war eines der besten und gefürchtetsten Teams der Liga in den letzten Wochen; niemand hätte gerne gegen die Cards in den Playoffs gespielt (sie verpassten diese trotz 11-5 Bilanz in der bockstarken NFC-West). Platz 7 im Power-Ranking, Platz neun im Pythagorean, Platz sechs im SRS: Das war ein komplettes Team.

Er formte WR Michael Floyd zur NFL-Tauglichkeit. Er machte die Offense zumindest glaubwürdig. Allein die viel zu geringe Einsatzzeit für den sensationellen Rookie-RB Ellington sowie ein katastrophales Game-Management (Field Goal bei -18?) gegen Seattle ziehen das Gesamtbild Arians‘ runter.

#5 Marv Lewis (Cincinnati Bengals)

Marv Lewis ist die graue Maus unter den NFL-Coaches: Ein stilles, schwarzes Männlein im leisesten Markt der Liga in Cincinnati, wo sich die eigene Bevölkerung nicht um die Mannschaft schert, weil sie den Owner hasst. Dieser Owner ist Mike Brown, und Mike Brown war vor drei Jahren nach dem Ende eines 4-12 Kollapses und zerbrochener Träume schlau genug um Marv Lewis nicht bloß nicht zu entlassen, sondern ihm sogar eine Vertragsverlängerung mit Kompetenzen-Zuwachs zu verschaffen. Als Resultat gibt es seither bis auf vielleicht Belichick in New England keinen Head Coach in der Liga, der ein breitere Themenfeld abdeckt als Marv.

Marv hatte 2013 sein bisher bestes Produkt auf dem Feld: Die Bengals gewannen mit 11-5 Siegen die AFC North und beendeten die Regular Season an #4 im Power-Ranking. Sie beendeten das Jahr mit nur 305 Gegenpunkten, fünftbester Wert der Liga. Und das, obwohl die beiden wichtigsten Spieler der Abwehr, DT Geno Atkins und CB Leon Hall, sich beide schon in den ersten zwei, drei Wochen verletzt in den Winter verabschiedeten. Einiges an der Defense-Arbeit mag an DefCoord Mike Zimmer liegen, und Zimmer konnte das kürzlich in seinen verdienten ersten Cheftrainerposten (in Minnesota) ummünzen.

Marv Lewis hat sich als quasi-GM einen famosen Kader zusammengestellt – und das ohne echte Free-Agency Aktivität. Er hatte das Team in hohen Höhen trotz eines mittelmäßigen QB um den herum gebastelt werden musste. Schade, dass die Saison letztlich so seelenlos gegen San Diego zu Ende ging.

#4 Chip Kelly (Philadelphia Eagles)

Die größten Befürchtungen erwiesen sich als nicht angebracht, zumindest nicht im ersten Jahr: Chip Kellys Offense hatte einen guten Einstand in der NFL. Er schaffte es, viele Konzepte seiner äußerst ansehnlichen Oregon-Ducks Offense in der NFL erfolgreich zu implementieren, und er schaffte es, obwohl er seinen Quarterback wechseln musste.

Nick Foles hatte ein extrem gutes Jahr als QB-Notnagel und als QB-Typ, der eigentlich alles andere als zum „klassischen“ Chip-QB taugte. Foles hat Limitierungen, die ihn möglicherweise eine Karriere als legitimer Franchise-QB kosten werden, aber Chip baute um ihn herum eine doch sehr ansehnliche Offense. Die Offense wurde nach seinen Vorstellungen zusammengestellt: Draften von massiven Offense Tackles, Draften von groß gewachsenen Tight Ends usw. Das ist Chip-Football par excellence, und es funktionierte.

Die Defense war bestenfalls unteres Mittelmaß, aber Chip musste auch erstmal mit einem Spielermaterial arbeiten, das für eine andere Art von Abwehr (die 4-3 Defense) gebaut war. Via Free-Agency wurden einige bessere Backups wie Sopoaga oder Cary Williams verpflichtet, aber mehr war in einer einzigen Offseason noch nicht drin.

Kellys Eagles sind im Efficiency-Ranking (Power-Ranking) die #5 der Liga. Das SRS ist okay, aber nicht überragend (1.9 Punkte über NFL-Schnitt). Die 10-6 Bilanz in der Regular Season ist es – zumindest gemessen an den Erwartungen, die den Eagles ca. ein 7-9 oder 8-8 prognostiziert hatten. Mische Kellys vergleichsweise aggressives Coaching in 3rd-Downs und 4th-Downs mit rein, wird die Coaching-Leistung noch besser. Verbesserungswürdig ist sein Handling mit der roten Flagge sowie war das eine oder andere Auszeiten-Ziehen suboptimal, aber es reicht locker für einen verdienten vierten Platz – aber nicht zu einer Medaille.

#3 Pete Carroll (Seattle Seahawks)

Pete Carroll hat in Seattle eine Mannschaft nach seinem Antlitz geformt. Das ist bemerkenswert, weil es so wenigen Coaches gelingt. Das geht nicht ohne ein Quäntchen Glück (wie z.B. die Glücksgriffe wie Chancellor oder Sherman, oder aber auch QB Wilson), aber du musst trotzdem eine funktionierende Einheit basteln.

Carrolls Seahawks von 2013 strahlen nicht mehr diesen Begeisterungsfaktor aus, der sie letztes Jahr berühmt machte, aber dafür sind sie insgesamt noch solider, tiefer besetzt und gehen zumindest nicht als Außenseiter in die Super Bowl.

Seattle beendete die Regular Season mit 13-3 Bilanz. Normalerweise ist eine 13-3 Bilanz ohne etwas Glück nicht leicht erreichbar, aber der Pythagorean behauptet, Seattle habe die Performance einer Mannschaft erbracht, die im Schnitt 12.9 Spiele gewinnt. Das ist nur ein Jota unter der schwarzen Zahl. Seattle ist die #1 im Power-Ranking. Seattle ist die #1 im Simple Ranking System mit 13.0 Punkten über NFL-Schnitt.

Die Seahawks waren das dominanteste Team des Jahres, und sie sind nach dem Abbild des ehemaligen Defensive-Backs Coaches Pete Carroll gebaut. Die große Stärke ist die Legion of Boom, die Secondary, in der Carrolls Schützlinge Earl Thomas und Richard Sherman Angst und Schrecken verbreiten.

Carroll hätte zwingend schon im letzten Jahr den Coach-des-Jahres Preis gewinnen müssen. Dieses Jahr gibt es aber zwei Kandidaten, die ich knapp vor Carroll sehe.

#2 Bill Belichick (New England Patriots)

Letzte Woche wurde ich im Podcast bei den Sofa-Quarterbacks um eine Einschätzung zu Bill Belichick gefragt, und ich kann das, was ich dort verzapfte, nur noch einmal wiederholen: Man hat sich an die Größe Bill Belichicks gewöhnt, so sehr, dass eine erneute 12-4 Saison des alten Mannes keine Sensation mehr ist. Es gibt keinen besseren Coach da draußen. Vielleicht gab es noch nie einen so guten Coach da draußen. Vielleicht ist Belichick der beste NFL-Headcoach aller Zeiten. Aber man registriert es gar nicht mehr. Belichick ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden.

Drei Superbowl-Siege sind das eine. Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es Belichick in einer Ära, in der alles auf Gleichheit getrimmt wird, jedes verdammte einzelne Jahr ein Produkt aufs Feld schickt, das um den Titel mitspielt. Ohne Unterbrechung. Belichick verpasste seit seinem ersten Titel 2001/02 nur zweimal die Playoffs – beide Male mit Winning-Record. Einmal davon mit 11-5 Bilanz und Durchwursteln mit einem Quarterback, von dem nie zuvor jemals jemand was gehört hatte (Matt Cassel war sogar am College nur Backup gewesen).

Belichick erfindet sich jedes Jahr von neuem. Aber 2013 mag sein bisher markantestes gewesen sein. Eine Offense, die nach einer Lawine an schlechten Nachrichten in der Offseason und anfänglichen Schwierigkeiten durchaus wieder phasenweise exzellente Spiele hatte. Eine Defense, die bis zum Zuschlagen des Verletzungsteufels mit einem Male wieder Top-Team würdig war. Ein konstant wandelnder GamePlan, der um diese Probleme herum dokterte.

Am Ende war New England ein Top-10 Team nach Effizienz, was angesichts der Kaderqualität bemerkenswert ist. New England war 5.9 Punkte besser als der Durchschnitt nach SRS (#8der Liga). #8 nach Pythagorean. 12-4 Siege, und es hätten je nach Ausgang einiger Zufalls-Plays in den letzten Sekunden auch 10 oder sogar 14 sein können. Das müsste eigentlich reichen für den COTY, aber…

#1 Ron Rivera (Carolina Panthers)

Ich löse mein Versprechen ein und küre den Coach, der wie kein anderer für die neue Welle an aggressiven (besser: rational richtigen) 4th-Down Calls stand: Riverboat Ron. Ron Rivera ist mehr als die paar 4th-Downs. Ron Rivera war der Hauptgrund, weswegen die Carolina Panthers in der vorangegangenen Saison 2012 so „schlecht“ abschnitten: Wegen seines üblen „in-Game Managements“. Dass Rivera aus einem Schrotthaufen von Mannschaft, die er 2011 übernommen hatte, innerhalb von kürzester Zeit eine titelfähige Mannschaft gebastelt hat, habe ich nie abgestritten; Carolina hatte schon 2012 eine Superbowl-fähige Mannschaft, aber einen Top-Draftpick würdigen Coach.

Rivera war der Hauptgrund, besser: der alleinige Grund, weswegen ich Carolina im Sommer knapp außerhalb der Playoffs gesehen hatte. Bei allem Respekt für seine sicherlich exzellente Trainings- und Vorbereitungsarbeit, aber er hatte sie so oft mit inaktzeptablen in-Game Entscheidungen negiert, dass diese kein Zufall sein konnten. Weil Menschen Gewohnheitstiere sind und sich – wenn überhaupt – nur seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr langsam ändern, hatte ich Rivera bereits als hoffnungslosen Fall abgeschrieben.

Woche 2 gegen Buffalo, und Rivera machte nahtlos weiter mit seinem „Punt in 4th-und-kurz“. Resultat: Zwei Saison-Pleite im zweiten Spiel.

Aber dann muss sich etwas bei Rivera getan haben, denn quasi über Nacht mutierte Rivera vom konservativsten Head Coach der NFL zu einem, der 4th-Down auf 4th-Down auf 4th-Down ausspielen ließ und damit mehr als eine Partie zu Gunsten seiner Mannschaft drehte. Carolina war am Ende 12-4, in etwa die Bilanz, die die Panthers schon 2012 hätten einfahren müssen. Man war ein Top-8 Team nach Effizienz-Stats. Man war die #4 der Liga im SRS mit 9.1 Punkten über Liga-Schnitt. Man stellt mit 11.7 Siegen das drittbeste Team nach Pythagorean.

Und mehr: Die Panthers funktionieren mittlerweile wie eine Mannschaft nach Riveras Vorstellungen: Massive Front-Seven, okayes Defensive Backfield. Rivera und sein Staff machten in der Offseason genau die richtigen Moves um den letztjährigen Underachiever zu upgraden. Das größte Upgrade aber war Rivera selbst – und das verdient ihm den Sideline Reporter Coach oft he Year 2013/14 Award.

Denver Broncos in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        13-3    DP
Enge Spiele    4-2 
Pythagorean   12.5    (2)
Power Ranking   .695  (2)
Pass-Offense   7.4    (1)
Pass-Defense   5.2    (1)
Turnover        -1

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Debütsaison von QB-Legende Peyton Manning in Denver war so fassungslos gut, dass es fast schade ist, dass Manning in derselben Runde scheiterte wie ein Jahr zuvor Tebow. Trotzdem bleibt kein Zweifel: Während die Broncos 2011/12 eine faszinierende Aschenputtelgeschichte waren, war das Team 2012/13 for real, gescheitert in einem Freakspiel gegen den späteren Superbowl-Champ, der die wüsten Abwehrfehler der Kollegen Bailey und Moore ohne Gnade ausnutzte.

Für den in Denver abgöttisch geliebten quasi-GM (offizieller Titel: Vice President of Football Operations) John Elway und Head Coach John Fox ist aber trotz der Kritik am zu konservativen Handling in den Playoffs die Zukunft recht rosig: Denvers Kader hat wenige Lücken, und sofern der alternde Manning nicht komplett einbricht (z.B. durch plötzlichen Verlust jeglicher Wurfstärke), oder der Verletzungsteufel auf die grausige Tour zuschlägt, bleibt Denver in einer wenig furchterregenden Division das Team, das es zu schlagen gilt.

Wollen wir trotzdem schnell einen Blick auf den Kader werfen?

Offense

QB Manning ist klar: Erneut eine Top-Saison gespielt, als heimlicher NFL-MVP dann allerdings mal wieder zu schnell in den Playoffs rausgeflogen. Es war ein Treppenwitz der Geschichte, dass mal wieder Manning in einem engen Playoffkracher der entscheidende Fehler – Interception in der Overtime – unterlief. Anyhow: Manning hat sein System implementiert, und die Kollegen haben mit großartigen Zahlen geantwortet.

„deep threat“ WR Thomas und der technisch feine WR Decker werden nun verstärkt durch den Slot-WR Wes Welker, bekannt durch Zilliarden an Catches aus seiner Patriots-Zeit. Welker ist mit 32 Lenze nicht mehr der Jüngste, aber wenn er für die zwei Jahre Vertragslaufzeit noch ein bissl was im Tank hat, ein lohnendes Investment. Zu diesem Corp, ergänzt durch die grundsoliden Tight Ends Dreessen und Tamme (und das Prospect TE Green), kann man schon Vertrauen haben – braucht nicht mehr viel Verstärkung, höchstens Absicherung gegen Verletzungen.

Die eh schon starke Offense Line wurde durch G Vasquez aus San Diego noch einmal verstärkt, und glaubt man den Stimmen aus dem Broncos-Umfeld, ist man sich allein an der Besetzung der Center-Position (Walton) noch nicht einig. Größtes Fragezeichen im Angriff ist die RB-Position: Knowshon Moreno gilt als Bust, der junge Ronnie Hillman gilt als ungebräuchlich für die Blitz-Pickups – tödlich in einer von Manning orchestrierten Offense – und McGahee… ist halt auch schon über 30 und längst nicht mehr der feine Spieler von vor 5-6 Jahren.

Defense

Die Bronco-Defense von 2012/13 war eine der absolut dominantesten. Die Pass-Defense war mit 5.2 NY/A trotz des Heimdebakels gegen Baltimore die beste in der Liga, die Laufdefense mit 60% Erfolgsquote immer noch die #6 ligaweit. Die Abwehr erzwang zwar nur durchschnittlich viele Turnovers, würgte den Gegner aber gut genug ab, dass sie in 186 bedeutungsvollen Drives 93x einen Punt erzwang (50%, #2 NFL). Das sind alles bärenstarke Werte, so gut, dass sie in dieser Dominanz fast nicht wiederholbar sind.

Schlüsselspieler ist OLB Von Miller, der als bester Abwehrspieler der Liga neben J.J. Watt gilt. Miller ist vielleicht noch kompletter als Watt, füllt von Passrush bis Deckungsaufgaben alles aus. Wichtig, denn Miller kann bedenkenlos auch gegen starke Tight Ends im Spiel gelassen werden. Der Rest der Linebacker-Crew ist nach der Verjüngungskur (ILB Brooking, OLB Williams gefeuert) ein Fragezeichen; MLB Mays gilt als einzig gegen den Lauf gebräuchlich.

In der Secondary kaufen sich die Broncos schön langsam eine Allstar-Defense zusammen: Diesmal war es CB Rodgers-Cromartie, der sich zu einem an sich schon bärenstarken Trio gesellt: Harris, Carter, und – am wichtigsten – CB Champ Bailey. Bailey spielte trotz des fürchterlich in die Hose gegangenen Playoffspiels gegen Baltimore eine erneut herausragende Saison, aber er wird mit 34 nicht jünger und gilt als zweitwichtigster Verteidiger neben Miller. Ist Cromartie schon eine Langzeitversicherung für ein eventuell nahes Karriereende Baileys?

Die Safetys: Rahim Moore, auch so ein Opfer der Ravens in jenem denkwürdigen Spiel, galt eigentlich stets als junge Hoffnung. Hoffnung gibt es auch jetzt, zum Beispiel, dass sich Moore nicht von dem letzten Verzweiflungspass Flaccos aus der Bahn bringen lässt. Der Platz neben Moore – Strong Safety – könnte in der Preseaon allerdings neu ausgeschrieben werden, möglicherweise auch mit einem Rookie im Mixer.

In der Defensive Line, Fachgebiet von DefCoord Jack Del Rio, ist Denver trotz Kruzifax nicht schlecht besetzt: Der abgewanderte DE Dumervil könnte von DE Robert Ayers ersetzt werden. Ayers zeigte allerdings bisher in der NFL die von seiner College-Zeit in Tennessee bekannten Flauseln: Zwischendurch sensationell, aber dann immer wieder ein Wochenende, wo es aussieht, als spüre er noch die Nachwirkungen von der Sauftour am Freitag. Wichtigster Einkauf bisher: DT Terrance Knighton, ein ehemaliger Schützling Del Rios in Jacksonville. Die Tackles sind gut besetzt mit Knighton, Derek Wolfe und Vickerson.

Ausblick

Die Einkäufe in der Free Agency machen allesamt Sinn: G Vasquez, WR Welker, CB Rodgers-Cromartie und DT Knighton sind jeder für sich für wichtige Rollen in Denver angedacht. Die Baustellen, die verbleiben, sind:

  • Running Back
  • Tiefe in der Defensive Line (v.a. DE)
  • Inside Linebacker

Es sind allesamt keine lebenswichtigen Positionen, die Denver noch upgraden muss. Es sind allenfalls Rollen, die, wenn besser besetzt, das Bild eines guten Kaders noch abrunden würden. Denver bleibt eine Mannschaft für zehn oder mehr Saisonsiege, und in einer soften AFC ein Superbowl-Anwärter.

AFC West in der Frischzellenkur 2012 (I)

Denver Broncos

  • #36 (2) DT Derek Wolfe (Cincinnati)
  • #57 (2) QB Brock Osweiler (Arizona State)
  • #67 (3) RB Ronnie Hillman (San Diego State)
  • #101 (4) CB Omar Bolden (Arizona State)
  • #108 (4) C Philip Blake (Baylor)
  • #137 (5) DT Malik Jackson (Tennessee)
  • #188 (6) LB Danny Trevathan (Kentucky)

Es sieht auf den ersten Blick sehr vernünftig aus, was die Denver Broncos um John Elway und John Fox diese Jahr zusammengedraftet haben. Nach vielen Trades – nur der 57. pick war ursprünglich der eigene – haben die wilden Pferde für Breite und Tiefe in einem Kader gesorgt, der tatsächlich so gut aufgestellt ist, wie man es von einem Divisionssieger erwartet.

Diesen 57. Pick hat der ehemalige Broncos-QB John Elway sogleich genutzt, um für den neuen Broncos-QB Peyton Manning einen Erben zu draften. Die Krake Brock Osweiler, seines Zeichens 203cm groß und alles mögliche, nur niemand, dem man sofort ein NFL Team anvertrauen sollte. Die Legende Manning soll dem hochtalentierten Osweiler in den nächsten Jahren intensivst beibringen, wie man das so macht als Quarterback in der NFL. Im Grunde ein super Idee, zumal The Sheriff ja auch keineswegs sorgenlos in die Zukunft schaut angesichts seines mehrmals operierten Nackens und der damit zusammenhängenden Nervenprobleme im Wurfarm. Auf der anderen Seite hat ein Jim Sorgi beispielsweise jahrelang unter Manning gelernt. Oder auch nicht gelernt. Was aber auch an Manning selbst liegen kann, der bekanntermaßen alles selbst macht und niemandem sonst irgendeine Verantwortung läßt.

Head Coach John Fox hat seine Handschrift mit dem Draften zweier Defensive Tackles deutlich gemacht. Als erster Pick kam zu Beginn der zweiten Runde Cincinnatis Derek Wolfe und in der fünften Runde Tennessees Malik Jackson. Wolfe war in der zweiten Runde für die meisten Beobachter eine riesige Überraschung. Aber John Fox für sein Evaluieren von Defensive Linemen zu kritisieren, trauen sich dann doch die Wenigsten. Vor allem der Abgang von Broderick Bunkley soll mit diesen beiden kompensiert werden.

Für das zweimalige Runtertraden von Position 25 bis an 36, an welcher man schließlich Wolfe gezogen hat, gabs zwei 4th-rd picks. Mit einem dieser Picks wurde in Runde drei nach oben getradet um RB Ronnie Hillman zu draften. Erstmal wird er sich hinter den RBs Willis McGahee und Knowshown Moreno einreihen; er soll aber durchaus das Talent haben, im Laufe der Saison an den beiden vorbeizuziehen und das meiste Spotlight in diesem Running Back Committee abbekommen. Neben Hillman hat Elway nur noch Center Philip Blake für die Offensive aus dem Hut gezogen. Der Kanadier, der in der letzten Saison die Bälle zu RGIII gesnapped hat, hat eine lange Odyssee hinter sich, bis er nun als 26jähriger in der NFL angekommen ist. Er wird wohl als Back-up Center in die Saison gehen und daneben um eine Starterrolle als Guard kämpfen. (Warum Denver keine WRs für den neuen QB gedraftet hat, haben wir hier schonmal erklärt.)

CB Omar Bolden aus der vierten Runde galt vielen Beobachtern als erstrundentauglich. Allerdings hat er sich während seiner Collegezeit schon mehrmals die Kreuzbänder verletzt, was immer eine riesige red flag ist. Er wird ebenso wie 6th-rd pick LB Danny Trevathan erstmal Special Teams Luft schnuppern-

Wenn RB Hillman und einer der beiden Defensive Tackles sofort einsteigen und weiterhelfen können, dann hat sich die Draft schon gelohnt. Denn für Tiefe und innermannschaftlichen Wettbewerb wurde genügend getan. Beim Osweiler-pick können die Broncos nur hoffen, daß Manning zumindest die folgende Saison sorgenfrei durchspielen kann und daß die talentierte Krake aber auch viel von Manning lernt und nicht am Ende aussieht wie Sorgi oder Curtis Painter, wenn er mal aufs Feld muß.

Kansas City Chiefs

  • #11 (1) DT Dontari Poe (Memphis)
  • #44 (2) G Jeff Allen (Illinois)
  • #74 (3) OT Donald Stephenson (Oklahoma)
  • #107 (4) WR Devon Wylie (Fresno State)
  • #146 (5) CB DeQuan Menzie (Alabama)
  • #182 (6) RB Cyrus Gray (Texas A&M)
  • #218 (7) DT Jerome Long (San Diego State)
  • #238 (7) WR Junior Hemingway (Michigan)

Old School Draft, was die Chiefs gemacht haben. Ohne nachzugucken würde ich behaupten, daß die Draftklassen von Leuten wie Bill Parcells oder der gesamten NFC East der 80er Jahre ungefähr so aussahen: drei Linienspieler in den ersten drei Runden; in der Mitte zwei Athleten, die erstmal kleine Aufgaben als Spezialist für den Slot ausfüllen und ansonsten in den Special Teams ihre Sporen verdienen; Rest: hart arbeitende JAGs, die im besten Fall verletzte Spieler ersetzen können und im schlechtesten Fall wenigstens ein bißchen Feuer in die Positionskämpfe während der Saisonvorbereitung bringen.

Dontari Poe ist augenscheinlich nur aufgrund seines Körpers in der ersten Runde gedraftet wurden. Für ihn gilt die „Planet Theory“ von Parcells: es gibt nur eine Handvoll Menschen mit so einem Körper auf diesem Planeten – wir sollten ihn nehmen, damit ihn keine andere Mannschaft bekommt. Darum, daß er gar nicht Football spielen kann, kümmern wir uns dann später. Dontari Poe verteilt auf seinen 190cm stattliche 157kg. Auf dem College in Memphis ist er den Scouts gar nicht weiter aufgefallen. Bei der Combine allerdings hat er allen anderen die Show gestohlen: unter fünf Sekunden für den 40-Yard-Lauf und 44 Wiederholungen im Bankdrücken, dazu Beweglichkeit in den Drills wie ein Linebacker. Den Beschreibungen nach wäre der ähnlichste Spieler in der NFL Haloti Ngata. Um Poe spielerisch aber auch nur in die Nähe eines Ngata zu bekommen, mus HC Romeo Crennel  alles aufbieten, was er in den letzten 30 Jahren Profifootball gelernt hat. Immerhin ist Nose Tackle ein wirklich dringender Need für die Chiefs.

In Runden zwo und drei haben Pioli und Crennel zwei physisch fast genauso beeindruckende Talente für die Offensive Line gedraftet. Jeff Allen könnte schon im Trainings Camp einen Platz als Guard erkämpfen. Angeblich liegt Allens Stärke in pass protection, womit QB Matt Cassel, nach der Verpflichtung von Free Agent RT Eric Winston, 2/5 seiner Linie in verbesserter Form vorfinden könnte. Donald Stephenson, 2,00m-Mann für die Tackle-Positionen, soll enormes Potential haben. Um das irgendwie abrufen zu können, benötigt er aber viel Arbeit und Liebe vom Coaching Staff. Glücklicherweise hat KC mit Branden Albert und Winston zwei Starter und kann in Stephenson viel Zeit und Arbeit investieren.

WR Devon Wylie ist ein kleiner Slot-Guy, wendig und quick wie eine Katze. Genau der Typ Spieler, den Wes Welker definiert hat. Wenn er sich als NFL-tauglich herausstellt, haben die Chiefs mit TE Toni Moeaki und Wylie eine Kombination für die kurze Mitte, wie sie jede Mannschaft gerne hätte. In der 7ten Runde kam für das Receiving Corps noch ein 100kg schwerer Brocken von den Wolverines. Junior Hemingway ist erstmal für die Special Teams da – wenn er es denn in den Kader schafft.

Change of pace back ist das Label, das man Spielern wir Cyrus Gray in Ermangelung eigener Kreativität regelmäßig umhängt. Was eigentlich nichts anderes heißt als: der kann ´n bißchen was, aber wenn unser Nr.1-RB selber ´n bißchen mehr könnte, bräuchten wir den gar nicht. Da KC´s Nr.1, der spektakuläre, aber kleine und zerbrechliche Jamaal Charles ist, kann so ein zusätzlicher RB nie schaden.

Für die Verteidigung kam neben Poe noch ein CB in der fünften und ein weiterer DT in der siebenten Runde. Für CB DeQuan Menzie ist neben Arbeit in den Special Teams maximal ein Platz in Nickel- und Dime-packages drin; für DT Junior Hemingway ein gratis Trainings Camp und vielleicht ein Platz in der Practice Squad.

Auch auf den zweiten Blick ist diese Draftklasse mehr als solide. GM Pioli hat in den letzten Jahren schon einen guten Kader zusammengestellt. Allein die Rückkehr der drei Langzeitverletzten Charles, Moeaki und Safety Eric Berry sollte der Mannschaft einen großen Schub geben. Auch QB Cassel war verletzt und sollte in der kommenden Saison besser geschützt werden. Bringt man dann noch dem freak of nature Poe richtiges Footballspielen bei, kann KC sich mit Denver und San Diego ein spannendes Rennen um die Divisionkrone liefern.

Denver Broncos in der Sezierstunde

Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow!

Geht es nach sämtlichen Analysten, haben die Denver Broncos mit der Verpflichtung des 36jährigen Quarterbacks Peyton Manning den Jackpot des Jahrzehnts gezogen und den spektakulärsten Weiterlesen

2011/12 Divisional Playoffs – Giants, John Fox, Patriots, Jenkins

Zu den Divsionals nur noch kurze, ungeordnete Beobachtungen, weil wir uns schon ganz auf die Championship Games konzentrieren.

Die New York Giants, die mit ihrem neunten Sieg erst am letzten Spieltag der regulären Saison die Playoffteilnahme eintüten konnten, sind die beste noch verbliebene Mannschaft. Sie haben die beste Defensive Line, drei ganz starke WR und zwei gute Tight Ends und jetzt auch noch völlig überraschend eine starke Secondary. Und sie haben den besten Quarterback. Ohne Scheiß. Eli Manning spielt besser als Tom Brady. Und Brees. Und Rodgers.

Am beeindruckendsten war die Vorstellung der Secondary. Wenn Rodgers mal Zeit zum Werfen hatte, stand er und stand und guckte und guckte und fand einfach niemanden, woraufhin er selber laufen mußte wie Steve Young in seinen besten Tagen. (Oder Alex Smith, wenn bei einem 3rd&7 die Saison zu 99% schon vorbei ist.) Man hat es in der Fernsehübertragung leider nicht gesehen, aber die Giants haben wohl die meiste Zeit eine aggressive Man-Coverage gespielt und den WRs der Packers keinen Fußbreit Platz gegönnt. Wenn doch mal jemand frei war, hingen schon einige G-Men an ihm dran. Green Bay hatte auch noch viel Glück mit den furchtbare Fumble- und Roughing-The-Passer-Calls, ohne die sie zwei Touchdowns weniger gemacht hätten. Dann konnten sie auch noch ein FG blocken und bekamen von den Giants auch noch Geschenke wie einen Kickoff out of bounds. Sehr beeindruckend von Big Blue.

Der Obertrottel dieser Playoffs ist John Fox. Und das hat überhaupt nichts mit Tim Tebow zu tun. In Woche 6 dieser Saison hatte Cowboys Defensive Coordinator Rob Ryan, der alte Belichick-Schüler, einen lichten Moment, als er seine Defensive Backs und Linebackers eine aggressive bumb-and-run-coverage spielen ließ, was die Abstimmung und Antizipation zwischen Brady und seinen WRs fast völlig zerstörte. In den folgenden Wochen haben Steelers, Giants und Jets sich dieser Blaupause bedient und Brady zeitweise recht alt aussehen lassen. Selbst die Chiefs haben mit dieser Einstellung nur 223 Passing Yards zugelassen. Als die ganze Liga also einen Plan hatte, die Patriots-Offense etwas einzubremsen, kamen die Coaching Genies aus Indianapolis und hatten Anfang Dezember eine andere Idee, wir schruben damals nach dem Spiel:

Jeopardy:

– „weiche“ Tampa-2 Defense, ohne Schnörkel, ohne Abwechslung, die CBs und LBs beim Snap mindestens 10 Yards von der Line of Scrimmage entfernt.

Antwort 1) die Lieblingsdefense von Brady, gegen die er so sicher 30 Punkte macht, so lange ein Footballfeld nicht quadratisch ist

Antwort 2) der Gameplan des neuen DC Mike Murphy und HC Jim Caldwell gegen Brady und seine Patriots.

Beides richtig.

Völlig unverständlich, wie ein so erfahrener Mann und Verteidigungsexperte á la John Fox seine Defense genau so auflaufen lassen kann. Daß man dann mit seiner total tollen Zonenverteidigung in Situationen kommt, in denen man Julian Edelman oder Deion Branch doppelt – selbst Schuld. Aaron “YAC” Hernandez und Wes Welker freuen sich. Und irgendjemand in Denver sollte mal “Robert Gronkowski” googlen, den scheint man in Denver nicht zu kennen.

Ebenfalls völlig überraschend, aber im positiven Sinne, war die Vorstellung der Patriots-D. Immer wenn man auf die Namen auf den Trikotrücken schaute, war man überrascht, daß da nicht McGinest, Vrabel, Bruschi oder Harrison stand. Sondern Ninkovich, Spikes, Love und Chung. 14 Negative Plays für die Broncos gegen diese sehr disziplinierte und aggressive Defense. Update von Bill Belichicks Zauberkugel: dieses Mal durfte Safety Sterling Moore – vormals arbeitslos nach Rauswurf aus Oaklands Practice Squad – Cornerback spielen; dafür ging Cornerback Devin McCourty mal wieder auf die Safety-Position, wo er WR Matt Slater ablöste. WR Julian Edelman durfte dieses Mal nur wenige Snaps als Dimeback spielen, weil Safety James Ihedigbo in die Nikckel-Defense durfte. So geht das schon seit Wochen bei den Patriots und man kann sich nicht vorstellen, daß eine jede Woche aufs neue wild zusammengeworfene Secondary irgendwas reißen könnte. Immerhin hat´s für das AFC Championship Game gereicht.

Wir verweisen auch für das Saints/49ers Spiel nochmal ganz unverschämt auf uns selbst. Wir mutmaßten:

Zumindest Davis sollte gegen die in Zonendeckung schwachen LB der Saints Chancen bekommen. Ob QB Smith die dann hinter seiner schlechten O-Line nutzen kann, wird eines der wichtigsten Matchups sein.

Das hat sich wohl auch Defensive Coordinator Gregg Williams gedacht und Vernon Davis von Safety Malcolm Jenkins in Manndeckung nehmen lassen. Jenkins ist kein Hänfling und ausgebildeter Cornerback. Gute Idee von Williams. Nur leider war Jenkins völlig überfordert und hat eine Leistung abgeliefert, mit der er nicht mal einen Platz in New England Secondary bekommen würde. Die restliche Defense sah ganz anständig aus. Allerdings war diese OLine mit diesem Quarterback einfach kein adäquater Gegner für die Blitzes von Williams – wenn man die letzten fünf Minuten des Spiels ignoriert. Bis dahin aber war gar keine Offense vorhanden, weder Lauf- noch Paßspiel und bei jedem dritten Versuch mußte man Angst um Alex Smith´ Leben haben, so oft wie er in den Boden gerammt wurde.

Die Denver Broncos in der Abenddämmerung

2010/11 war für die Denver Broncos eine ziemlich üble Saison, mit einer komplett kollabierenden Defense, einer QB-Enteierung, mehreren wichtigen Verletzten und einem mitten in der Saison gefeuerten Head Coach Josh McDaniels. Dessen höchst unglückliche Zeit – auch auf diesem Blog wurde darüber intensiv diskutiert – am Steuer ist beendet, vom spektakulären Offensivgeist McDaniels geht es nun zurück zu den Wurzeln. Der neue Mann, dem in Denver vertraut wird, ist John Fox, der ehemalige Defensive Coordinator der Giants und Head Coach der Panthers, der mit Carolina einst das Unmögliche möglich machte und innerhalb von zwei Jahren von 1-15 zum unglücklichen Superbowl-Verlierer mutierte.

Fox, das Rebuilding-Genie. Trotzdem verwundert seine Verpflichtung: Mit Owner Pat Bowlen und dem sportlichen Leiter John Elway säßen eigentlich eher offensiv denkende Leute im Front Office – aber nach dem Stress mit McDaniels scheint man sich nach ruhigeren Zeiten zu sehnen.

Die Offense

Die Fox’sche Footballphilosophie in der Offense: Run the ball. Eine Philosophie, für die allerdings das Spielermaterial in Denver nicht optimal zu sein scheint. Die Offensive Line ist noch aus McDaniels’ Zeiten dafür gebaut, für das Passspiel zu blocken und besitzt mit LT Ryan Clady nur einen herausragenden Mann. Und dann ist da Running Back Knowshon Moreno, ein Mann, der 4.3yds/Carry macht, aber trotzdem nicht wie der Franchise-Back aussieht. Als Sicherheitsoption wurde erstmal RB Willis McGahee aus Baltimore eingekauft, ein nicht jünger werdender, aber vielseitiger Spieler, der Moreno entlasten soll.

Weil das Laufspiel vermeintlich noch nicht dominant genug sein wird, lastet der Druck vorerst eher auf dem Passspiel, das nach einem zeitweise unrühmlichen Theater wie erwartet auf QB Kyle Orton lastet, einem Mann, der wie die Faust aufs Auge auf eine Offense von John Fox passt: Säufer der alten Schule, Frisur aus den 60ern und ein Spiel, so blässlich und verlässlich wie Fox es nicht besser kriegen könnte. Ortons limitierte Fähigkeiten im Lesen von Abwehrschemen müssen allerdings mit simplifizierten Gameplans kaschiert werden.

Anspielstationen sind zur Genüge da: WR Brandon Lloyd hatte 2010/11 sein Coming Out und 18.8yds/Catch über 77 Catches (11 Touchdowns), dazu gesellt sich der solide WR Eddie Royal – und, erfreulich, womöglich irgendwann im Lauf der Saison auch WR Demaryius Thomas, dem hohen Pick von 2010, der nach einer schweren Achillessehnenverletzung überraschend von der PUP-Liste genommen wurde.

Ortons Backup wird vorerst der noch blassere Brady Quinn sein, während der eigentliche Superstar in dieser Mannschaft, QB #15 Tim Tebow, nach seiner famosen Karriere am College weiterhin ein Schattendasein fristet und trotz vehementer Fanproteste beim alteingesessenen Fox wohl über längere Sicht keine Chance auf den #1-Posten hat. Allerdings: Orton wird früher oder später Fehler machen, und dann geht das Theater wieder los.

Die Defense

Die Fox’sche Footballphilosophie in der Defense: Stop the run. Fox baute in Carolina innerhalb kürzester Zeit eine starke Defense um seine dominante Defensive Line auf. Tendenzen dazu gibt es auch in Denver und es sind Bestandteile da: DE Elvis Dumervil kehrt von einer schweren Verletzung zurück – sollte Dumervil an seine Form von 2009/10 anknüpfen können, ist der Pass Rush automatisch verstärkt. Der zweite Defensive End dürfte ein bislang gefloppter, gehypter ehemaliger hoher Draftpick sein: Robert Ayers oder der Neuzugang aus Jacksonville, Derrick Harvey, da DE Ty Warren erstmal mehrere Wochen, vielleicht Monate ausfallen wird. Der Ankermann der Defense dürfte der aus Philadelphia über bizarre Umwege gekommene DT Broderick Bunkley sein, eine händeringend benötigte Verstärkung auf der Innenseite.

Sollte die Line den Erwartungen halbwegs genügen, könnte Denver schneller als gedacht eine mehr als formidable Front Seven besitzen, denn die Linebackers lesen sich richtig gut: MLB wird der junge, hoch talentierte Joe Mays sein, die Outside Linebackers werden vom athletischen ehemaligen Miami Hurricane D.J. Williams und dem heuer an #2 gedrafteten Top-Pick Von Miller gebildet. Vor allem Miller ist ein Typ, dem man sehr viel Empathie entgegenbringen kann, ein großartiger Charakter und ein großartiger Athlet – und der vermeintliche neue Star-Pass Rusher der Broncos.

Der Trümmerhaufen der vergangenen Jahre war das Defensive Backfield, trotz zweier großer Namen. CB Champ Bailey ist einer der Spieler des Jahrzehnts, die ihre Karriere in mittelmäßigen Mannschaften verschwenden mussten, und Bailey gilt auch mit 33 noch als potenzieller Pro Bowler, der sich auf keiner tiefen Route verarschen lässt. Sämtliche weiteren Cornerback-Positionen sind allerdings so mau besetzt, dass sogar der aus New England in sehr unguter Erinnerung gebliebene Jonathan Wilhite ein möglicher Starter sein könnte.

Der zweite big name ist der feurige Leadertyp SS Brian Dawkins, ein mittlerweile auf die 40 zugehender knochenharter Hitter, dessen letztes Karriereziel sein dürfte, den Tutor für den jungen Free Safety von der University of California/Los Angeles, Rahim Moore, zu geben. Moore ist vom Drafttag in Erinnerung geblieben, als er mit literweise Tränen im Gesicht ein paar warme Worte für die Möglichkeit, an Dawkins’ Seite zu spielen, gab.

Ausblick

Bleibt nur noch abzuwarten, wie holprig die Umstellung von 3-4 auf 4-3 verlaufen wird, zumal große Teile der Defense noch sehr jung sind und über kaum NFL-Erfahrung verfügen – ein Problem, das in abgespeckter Version auch für die Offense gilt. Prinzipiell halte ich bekanntermaßen große Stücke auf Fox, und ich glaube an eine deutlich bessere Saison in Denver, irgendwo in der Region der .500, sollte der Sport und nicht die Debatte um Tebow im Fokus bleiben. Der Schedule hält in den ersten drei Wochen drei mögliche Siege bereit und auch danach wäre es nicht vermessen, an das eine oder andere Upset zu glauben.

Wk #1 vs Raiders (MNF)
Wk #2 vs Bengals
Wk #3 @Titans
Wk #4 @Packers
Wk #5 vs Chargers
Wk #6 BYE
Wk #7 @Dolphins
Wk #8 vs Lions
Wk #9 @Raiders
Wk #10 @Chiefs
Wk #11 vs Jets (Donnerstag)
Wk #12 @Chargers
Wk #13 @Vikings
Wk #14 vs Bears
Wk #15 vs Patriots
Wk #16 @Bills
Wk #17 vs Chiefs

Die AFC West ist eine interessante Division mit einem klaren Favoriten (San Diego) und einem IMHO völlig offenen Rennen um den zweiten Platz, eine mögliche Wildcard. Die Broncos müssen vermutlich aber sehr verletzungsfrei bleiben, um diese zu ergattern.

Das Zeiteisen verrät: 378 Minuten verbleiben. WordCount nach 21 Teams: 20293.

Denver Broncos in der Sezierstunde

Denver Broncos 2010 – dank Josh McDaniels potenziell eine butterweiche Vorlage für einen Rundumschlag. Trotzdem der Versuch einer dezidierten Analyse.

Die Vorgeschichte

Es war Anfang Jänner 2009, als die Broncos zum x-ten Mal in Serie durch einen Leistungseinbruch gegen Saisonende (v.a.: Defense) die Playoffs verpassten. Reaktion: Der langjährige Coach und Superbowl-Champ Mike Shanahan musste gehen. Und Owner Pat Bowlen schleuste im Zuge des Jugendwahns zu dieser Zeit das OFFENSIV-Genie Josh McDaniels aus New England ein.

Eingeschoben das Geständnis: Ich fand den Move nicht übel. Vor allem nicht, nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte.

According to coach Thom McDaniels, a reporter asked Josh what it felt like to be the guy who cost his team the game.

„He answered that he suspected God must’ve chosen him to be the guy that cost his team the game because he was strong enough to handle it,“ Thom says. „I was blown away that a high school senior could handle it that way.“

McDaniels legte von Beginn an ein merkwürdiges Kommunikationsverhalten an den Tag, verscherzte sich’s Franchise-QB Jay Cutler und WR Brandon Marshall. Im ersten Jahr ging es gerade noch gut, dank einer zu Beginn anständig spielenden Defense. Endergebnis: 8-8, weil wie in den Jahren zuvor die Defense gegen Saisonende kollabiert war – und der mittlerweile berüchtigte McDaniels am entscheidenden Spieltag auf WR Marshall verzichtete.

In der Offseason verscherbelte McDaniels nicht nur DefCoord Mike Nolan, sondern zudem einen 1st round pick für QB Tim Tebow – ein gewagtes Experiment, zumal im QB Kyle Orton recht formidabel gespielt hatte. RB Peyton Hillis wurde nach Cleveland verschoben (gegen QB Brady Quinn – ja, noch ein QB) und mutierte dort plötzlich zum neuen Stern am Himmel. Ach ja: CB Alphonso Smith, für den McDaniels ein Jahr zuvor einen 1st round pick verschenkt hatte, wurde quasi für lau nach Detroit abgeschoben.

2010/11

Die Broncos waren heuer ein Team mit zwei Gesichtern. Eine Offense, die extrem passlastig spielte – und entsprechend unkonstant. DVOA-Ratings: #15 overall, #9 Pass, #30 Lauf, #29 in der Konstanz. Konstanz im DVOA-Rating wird gemessen, um wie viel % die Werte Woche für Woche abwichen.

Extrem unbeständige Offense, dafür aber die konstanteste aller Mannschaften (geringste Varianz aller 32 NFL-Teams) in der Defense. Die konstant Schlechteste. Die Defensivbilanzen lesen sich so atemberaubend furchtbar, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

Die absoluten Zahlen: #25 Passverteidigung, #31 Laufverteidigung
Die gewichteten Zahlen: #30 overall, #31 Pass, #29 Lauf
Pass-Defense: #32 Sacks (23 an der Zahl), #31 INTs (ganze 10), #32 in zugelassenen Big Plays (62 Pässe über 20yds!!), #31 in zugelassenem Pass Rating (gegnerische QBs polierten ihr Rating mit 93.0 auf)

Spiele mit 59-43-39-36-35-33-31 Gegenpunkten (fast 50% aller Spiele >30 Punkte zugelassen!). Gegen Oakland nach 22 Spielminuten mit 0-38 zurückgelegen. Ganze zweimal weniger als 20 Punkte kassiert.

Seit die NFL 2002 aufgestockt wurde, hatten 32 Teams 8 Jahre lang die Chance, möglichst viele Punkte zuzulassen. Macht 256 Möglichkeiten. Nur zwei Teams haben in diesem Zeitraum mehr Punkte in einer einzigen Saison kassiert als Denver in dieser (nämlich genau 471, also fast 30 pro Spiel): Detroit 2008 und Detroit 2009. ’Nuff said.

Kollateralschäden

Die Broncos haben eine 4-12 Bilanz hingelegt, Josh McDaniels ist mittlerweile in St Louis bei dem, was er vermutlich vorerst besser kann (Offensive Coordinator), John Fox in Denver, um eine in Schutt und Asche liegende 3-4 Defense wieder rückzukonvertieren in eine 4-3 und die NFL um eine Erfahrung reicher: Ich denke nicht, dass der Kiffin/Mangini/Linehan/McDaniels-Trend, junge Coaches nach zwei Jahren Coordinator-Erfahrung zum Chef zu befördern, anhalten wird (Positiv-Beispiel Tomlin mal ausgenommen).

Dazu kommt ein schwerer Imageschaden der dem Coach am Ende das Genick brach – Spygate II – auch hier war McDaniels nicht klüger als Mentor Belichick. Wie viel mehr Unheil man in nicht ganz 23 Monaten an einer NFL-Franchise anrichten kann?

Als wäre das alles nicht schlimm genug, ist auch noch ein Toter zu beklagen (Selbstmord WR McKinley).

Wohin geht die Reise?

Fox halte ich trotz 2-14 in Carolina für einen Top-Coach, der die Defense wieder auf Trab bringen wird. Ich habe zu Beginn meiner Football-Zeit erlebt, wie Fox Carolina aufgebaut hat: Die Defense beginnt mit einer dominanten Front Four, dazu ein Top-MLB und solide Secondary.

Die Schlüsselstellen sind aktuell offen wie die Wunden, die McDaniels hinterlassen hat. Defensive Tackle zum Beispiel. Wird Denver Fairley an der #2 draften? Oder Dareus? Material für eine 4-3 Defense ist kaum vorhanden. Dazu muss DE Dumervil schnell wieder fit werden – aber ich frage mich, ob Fox mit dem eindimensionalen (Pass Rusher) Dumervil so seine Freude hat?

Die Linebackers haben durch Dumervils Re-Konvertierung (vom 3-4 OLB zum 4-3 End) andere Probleme: D.J. Williams [Madden-NFL-Hero!] wird dringend als OLB gebraucht, muss vermutlich aber als ILB spielen. Von daher: Fox ist auf der Suche nach seinem neuen Morgan.

Was ist mit der Secondary? Jüngst wurde der 33jährige CB Champ Bailey für teures Geld gehalten. CB Perrish Fox war ebenso Starter, steht aber kurz vor jahrelanger Einknastung (wegen Vergewaltigung). SS Brian Dawkins, jahrelang einer meiner Favoriten bei den Eagles, wird 38 und damit nicht mehr allzu lange spielen. Denver draftet an #2 – neben DT ist auch CB möglich, weil mit Patrick Peterson von der LSU einer der meist-gehypten Verteidigungsspieler bereit stünde. Peterson ist auch ein guter Returner.

In der Offense sind die Probleme anders gelagert: Was machen mit den Quarterbacks? Der kultige Kyle Orton ist zwar kein Franchise-QB, wäre aber trotzdem brauchbar – wenn da nicht QB Tim Tebow wäre, dem man offenbar das Vertrauen schenken will. Aber Tebow ist kein guter QB für die NFL und wird mit höchster Wahrscheinlichkeit als einer der besten College-Spieler ever nicht lange Land sehen in der NFL. Problem bei Tebow: Zusätzlich zur langen Aufbauzeit (sein Wurfstil ist immer noch katastrophal), muss die Offense recht stark auf seine Fähigkeiten abgestimmt werden.

Tebow ist Linkshänder. Das bedeutet, der rechte Tackle kriegt zusätzliche Bedeutung. RT Ryan Harris wird die Broncos aber verlassen. Eine weitere Baustelle also. Und: Fox ist aus Panthers-Zeiten gewohnt, viel laufen zu lassen. Gute Running Backs hat Denver aber keine.

Fazit

Denver ist ein Scherbenhaufen. Etwas, mit dem John Fox umgehen kann. Außerdem ist durch die Installierung John Elways (als „Vice President“ der Footballabteilung…) ein Gesicht am Werk, das massivste Aufmerksamkeit auf sich lenken wird. Dieser Katalysator wird Fox einige Zeit für ruhigeres Arbeiten geben. Außerdem dürften die Erwartungen eher eine Meile unter dem Meer liegen als drüber, und alles über „4-12“ als Erfolg gewertet werden.

Vielleicht hat die Ära McDaniels dann doch noch was Gutes: Eine dahin siechende Franchise komplett zertrümmert und somit den Weg für einen „richtigen“ Neuaufbau geebnet…

Auch andere Mannschaften sind in der Sezierstunde auseinandergenommen worden – hier zu finden. Oder mit den Tag Sezierstunde arbeiten.

Schlaufüchse?

John Fox Denver Broncos

John Fox - ©Flickr

Der Twitterdienst von Denver Broncos’ John Elway verkündet: Neuer Broncos-Coach ab sofort ist John Fox!

Fox ist einer meiner Lieblings-Coaches. Ein cooler Hund, mit Sonnenbrille an der Seitenlinie, ein Arbeiter, der eine klare Philosophie verfolgt: Laufen, laufen, laufen in der Offense. Laufspiel stoppen in der Defense.

Fox hat zu Beginn meiner Football-Zeit in Carolina ein am Boden liegendes Programm innerhalb von zwei Jahren von 1-15 in die Superbowl gebracht. Superbowl XXXVIII gegen die Patriots ist eines meiner absoluten Highlights: Ein Viertel punktelos, dann ratterte es. Wieder ein Viertel punktelos, und dann ein Spektakel allererster Güte inklusive blown coverages en masse im Schlussviertel. Am Ende verloren die Panthers.

Fox’ Problem: Er hat nie einen Klasse-QB gehabt. Mit Jake Delhomme war man sehr zufrieden, es wurde eh gelaufen, gelaufen, gelaufen. Daher bin ich sehr überrascht, dass man in Denver, wo mit QB Tim Tebow ein „Projekt“ oder ein „Versuch“ gestartet wurde, einen Fox holt.

Fox wird sich wohl Jim Mora jr. als DefCoord holen und gemeinsam mit diesem die unterirdische Defense verbessern – etwas, das schnell gelingen sollte. In der Offense sollte sich Fox ein helles Köpfchen holen. Gut möglich, dass Fox innerhalb von 2-3 Jahren wieder einen Superbowl-Kandidaten schnitzt.

Pat Whormur

Cleveland ist den anderen Weg gegangen: Offensiv-Coach und unbekannter Name: Pat Shurmur. Pat Who?

Shurmur war Offensive Coordinator bei den Rams. Die Rams waren zuletzt im Begriff des Aufbaus, auch wenn der heurige 7-9 Record mit Rookie-QB Bradford dank katastrophalem Schedule geschönt ist. Für Bradford ist das alles nicht gut: Zweites Jahr, zweiter Offensive Coordinator – für junge Quarterbacks suboptimal.

Shurmurs Aufgabe in Cleveland: Sofort Offensivwaffen holen! Dort spielt mit QB Colt McCoy auch ein Junge im zweiten Jahr, etwas unreiferer Spieler als Bradford, aber ein unerschrockenes Kind. Die Defense ist eh schon nicht die schlechteste.

Zwei neue Coaches, zweimal klare Aufgaben: In Denver die Defense verbessern. In Cleveland die Offense. Zwei junge Quarterbacks mit Tebow und McCoy. Für den einen ist der neue Head Coach eine gute Nachricht (McCoy), für den anderen (Tebow) vielleicht eher nicht.

NFL Date am Donnerstag, Week #16: Keine mehr frei? Okay, dann nehm ich dich.

Das letzte Donnerstagsspiel für die laufende NFL-Saison. Und es ist ein gewaltiges Mismatch, so groß, dass ich mich wundere, warum hier kein Flex Scheduling der NFL in Kraft getreten ist.

Pittsburgh Steelers zuhause gegen die Carolina Panthers. Das ist kein Date, mit dem du ausgehen möchtest. Vielmehr ist es gerade das Mädchen, weil es halt noch das einzige in der Verlosung geblieben ist. Muss kein versauter Abend werden deswegen, aber so ganz das Wahre ist es eben nicht. Für beide.

Die Pittsburgh Steelers wurden auch hier auf dem Blog schon des Öfteren durchleuchtet: Solide Offense mit gutem Laufspiel und einem QB Ben Roethlisberger, der hinter einer durchwachsen spielenden Offensive Line meist genügend zusammenimprovisiert, dass es zum Sieg reicht. Auf der anderen Seite eine gnadenlose Defense, die kaum einen Lauf-Yard hergibt, aber via Luftweg durchaus zu knacken ist, weil der Pass Rush für meinen Geschmack heuer nicht so effektiv ist und die Secondary eh seit Jahren eine der schwächeren Punkte in Pittsburgh ist. Nun fällt mit Safety Troy Polamalu der wichtigste Verteidiger gegen den Lauf aus. Es sollte nicht auffallen.

Das Donnerstagsspiel ist für mich vielmehr Gelegenheit, auf die Carolina Panthers zu blicken.

Die Streichelkätzchen

Ich gebe an der Stelle eins zu. Ich hatte die Carolina Panthers vor der Saison als mein dark horse eingeplant. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Defense eigentlich recht gut besetzt, ein nominell tolles Laufspiel mit RB Jonathan Stewart und RB DeAngelo Williams, eine solide Offensive Line und QB Matt Moore, der mir im Vorjahr gut gefallen hat. Wenn ein Team von Coach John Fox den Ball am Boden bewegen kann, setze ich ungern dagegen.

Wie der Teufel es will, kam das Laufspiel von Anfang an nie in die Gänge. Selbst als Williams und Stewart noch fit und einsatzfähig waren ging nichts. QB Moore war eigentlich nur dazu eingeplant, seine 15-20 Alibi-Pässe zu werfen, um die Quote zu halten. Durch das unterirdische Laufspiel ging das nicht und Moore musste mehr werfen als es den Panthers lieb sein konnte. Moore konnte nicht.

So war eigentlich schon nach drei Wochen klar, dass das nichts mehr werden würde. John Fox sägte Moore ab, wechselte den Rookie-QB Jimmy Clausen ein, der aber noch schlechter spielte. Clausen ist ein Unsympath, ein arroganter Schönling, aber er kann dir leid tun: Als Rookie in eine am Boden liegende Offense ohne Waffen zu kommen, da scheitert der beste.

Carolina kann im Prinzip von Glück sprechen, dass man mit der NFC West die einfachste Division im Spielplan hatte. Gegen eine „normale“ Division hätte das eine 0-16 Saison werden können. So gabs wenigstens zwei Siege gegen San Francisco und Arizona. Beides keine glanzvollen, versteht sich.

Wie geht es weiter?

Das steht in der Schwebe. John Fox’ Vertrag läuft aus. Fox galt aber schon vor dem Kollaps als sicherer Abgang: Owner Jerry Richardson hat mehrfach betont, für Coaches seine Brieftasche nicht weit aufzumachen. In den nächsten Wochen werden einige Namen fallen, aber ich bin mir nicht sicher, wie attraktiv Carolina noch ist, nachdem es noch vor zwei Jahren eine der besten NFL-Kader gehabt hat.

Fox’ Marktwert dürfte indes extrem gelitten haben. Fox hat die Panthers damals innerhalb von zwei Jahren vom 1-15 Team zum Superbowl-Finalisten geformt und war danach noch zwei weitere Male in den Playoffs, einmal im NFC-Finale. Aber dieser recht willenlos wirkende Kurs gegen den Einbruch… Nicht sicher, ob Fox nächstes Jahr noch irgendwo Head Coach ist. Vielleicht in Tennessee?

Weitere Unbekannte: Ist Jimmy Clausen schon so verbrannt, dass er in Carolina schon nach dem ersten Jahr vor die Hunde geschmissen wird und ein hoher Draftpick kommt, vielleicht Ryan Mallet oder Andrew Luck? Es wird letztendlich vom neuen Head Coach abhängen, aber ich glaube es ehrlich gesagt nicht. Ich bin mir nicht mal sicher, ob man den Draftpick #1, so man ihn am Ende holt, überhaupt behalten will.

Wie geht das Spiel?

Pittsburgh ist laufstark. Carolina hat trotz Fox verlernt, wie man das Laufspiel stoppt. Pittsburgh wird vielleicht nicht haushoch gewinnen, aber 1-2 Touchdowns Vorsprung dürften es am Ende doch sein.