John Tortorella ist gefeuert

Letzte Woche wurde bekannt, dass die New York Rangers Cheftrainer John Tortorella nach vier Jahren entlassen haben – ein Move, der überraschend kommt und gleichzeitig auch nicht. Tortorella war nie ein unumstrittener Coach, ließ seine Mannschaften die umstrittene blocking shot-Defense spielen (Schüsse abblocken, sehr verletzungsanfällig), provozierte die Lokalpresse mit Ein-Wort-Statements auf Pressekonferenzen, begeisterte aber die Fans immer wieder mit kantigen Sprüchen. Ein Original also.

Tortorellas Ruf gründete jahrelang auf seinem Kunststück von 2003/04, als er mit Tampa Bay den Stanley Cup holte. Das ist ein Husarenstück, vergleichbar mit einem imaginären Superbowl-Champion Cleveland Browns. Heute blickt man darauf vielleicht etwas anders zurück, hatte Tortorella damals ja auch Spieler wie Martin St. Louis, Vince Lecavalier oder den jungen Brad Richards (damals Final-MVP). Brad Richards… Tortorellas Entlassung in New York kann von Richards nur schwer getrennt werden.

Richards wurde von den Rangers gekauft, und fiel in ein tiiiiiiefes Formtief. Tortorella dokterte jahrelang erfolglos um das Problem herum, versetzte Richards schließlich in die zweite Reihe bzw. in die Special Teams, und gab gleichzeitig zu Protokoll (sinngemäß) „ich weiß, dass er mehr als 8min/Spiel braucht, um wieder mehr in Form zu kommen, aber dann müsste ich bessere Spieler für ihn runternehmen… eigentlich sind die acht Minuten auch verschenkt, weil andere schneller als er ins Spiel kommen…“. Und doch wurde Richards erst in den laufenden (beziehungsweise für die Rangers: mittlerweile nicht mehr laufenden) Playoffs auf die Tribüne gesetzt.

Dieser letzte Verzweiflungsmove Tortorellas konnte ihn nicht mehr retten: Kaum war das Goaltending nicht mehr superb, sondern nur noch „gut“, kaum klappte das Power-Play nur mehr mäßig, war es um New York geschehen. Und wenn du als Coach keine Scheu hast, die Presse zu vergrämen und deine Stars zu degradieren, ist es nach der zweiten, dritten Playoff-Enttäuschung eben um dich geschehen.

Ich hatte nie den Eindruck, dass die Rangers eine hoffnungslose Mannschaft wären; die Defense war über weite Strecken eine der besseren in der NHL. Eine 58.9% Winning-Percentage in der Regular Season ist sooo übel nicht, und auch wenn man den Rangers unter Tortorella nachsagte, in den Playoffs zu schnell ausgelutscht zu sein: es wäre nicht so, dass sie abgeschossen worden sind (Record: 19-25). Was ihn letztlich gekillt haben dürfte, war das schlechte Verhältnis zu den Medien und die fehlende Perspektive: Tortorella zeigte in den vier Jahren nie, dass bzw. wie er eine Mannschaft bauen kann. Er verließ sich nur drauf, dass die paar Stärken das Team im Spiel halten würden.