Date am Donnerstag – Woche 10

Thursday Night Game mit zwei durchaus interessanten Mannschaften aus der AFC West, die sich in den letzten zwei Wochen zurück in die AFC-Konversation gebracht haben: Oakland Raiders (4-4) gegen Los Angeles Chargers (4-5). Vor allem die Raiders-Offense ist nach der ersten Saisonhalbzeit eine Facette dieser NFL-Saison, die man so nicht hatte kommen sehen und die einen genaueren Blick verdient. Weiterlesen

Oakland Raiders in der Sezierstunde

Eines der spannendsten Teams der Offseason 2019 sind die Oakland Raiders, letzte Saison bei 4-12 Bilanz gestrandet und als #27 auch in meinem finalen Power-Ranking nah am Bodensatz. Die Raiders gehen in die angehende Offseason nicht nur mit Fragezeichen um ihr Stadion in der nächsten Saison (es soll nun wohl doch Oakland bleiben), sondern auch mit einer komödiantischen sportlichen Leitung, für die die Oskars ein paar Tage zu früh verliehen wurden.
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Draft Date am Donnerstag – Woche 9

Auftakt zur Woche 9 mit dem unheiligen Thursday Night Game San Francisco 49ers (1-7) vs. Oakland Raiders (1-6). Aus der Partie kann man noch nichtmal mit dem Verkaufsschlager „letztes Bay Area Derby ever“ Thrill ziehen. Es ist schlicht irrelevant (es sei denn, wir denken schon an den Draft 2019). Weiterlesen

NFL Kaufe-und-verkaufe-Spiel in der Analyse

Im Gegensatz zu den anderen großen US-Sportligen wie der NHL, NBA oder MLB war die NFL historisch gesehen nie eine Liga der großen Trades. Es gab einige Ausnahmen, die Trading-Deadline zur Saisonmitte hatte nie die Bedeutung wie in den anderen Ligen.

Doch im neuen CBA gibt es die Möglichkeit, auch in der NFL Salary-Dumping zu betreiben und in den letzten Jahren hat sich der Trend verstärkt, dass Teams im Ansatz Tanking betreiben um sich für den nächsten NFL-Draft und somit die mittelfristige Zukunft bestmöglich aufzustellen.

Trading-Deadline der laufenden Saison ist erst nächste Woche, aber es gab schon in dieser Woche die ersten auffälligen Trades. Lass sie uns mal en detail anschauen. Weiterlesen

Ein Mack für die Bears

Big-Move in der NFL: Die Oakland Raiders haben heute ihren Star-DE Khalil Mack nach monatelangem Hickhack zu den Chicago Bears getradet.

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NFL-Franchises im Kurzporträt, #21: Oakland Raiders

Die Oakland Raiders sind seit Jahren so etwas wie der Komödiantenstadel der National Football League. Aber die Geschichte ist älter als ein Jahrzehnt – und die Geschichte der Raiders ist außergewöhnlich, vom patriarchalischen Owner, über legendäre Coaches hin zu bösen Buben. Weiterlesen

NFL-Franchises im Kurzporträt, #20: Tampa Bay Buccaneers

In den 70ern gegründet, aber 20 Jahre gebraucht, um sich Respekt zu verschaffen. Das sind die Buccaneers, die erst nach Stadion-, Wappen- und Trikotwechsel und einem Unsympathen-Owner zum Top-Team mutiert sind.

Die orangene Lächerlichkeit

Florida brauchte neben den Dolphins ein zweites Footballteam. Die Bucht um Tampa/St. Petersburg bekam den Zuschlag – dank Piratenlegenden hatte man auch schnell einen Spitznamen bereit. Willkommen, die Tampa Bay Buccaneers.

1976 kamen die Buccaneers als Expansionsteam gemeinsam mit Seattle in die Liga, spielte erst ein Jahr in der AFC, danach NFC, sodass man gleich zu Beginn zu allen Mannschaften „Hallo!“ sagen konnte – und jeder Mannschaft einen Sieg schenken konnte. Denn Tampa Bay verlor gleich die ersten 26 Spiele der Vereinsgeschichte. Man war so sehr in der Schublade der Lächerlichkeit, dass die Coaches von Saints und Cardinals, gegen die man die Spiele #27 und #28 endlich gewinnen konnte, daraufhin sofort entlassen wurden.

Tampas grellorganene Trikots entwickelten sich zum Symbol für Looser – obwohl man damit eigentlich die vier großen Universitäten des Staates repräsentieren wollte: Orange für UF & Miami, dunkelrot für FSU & UT.

Willkommen im Mittelmaß

1979 spielte man zwar plötzlich im NFC-Finale, aber das revolutionärste, was die Buccs zu dieser Zeit in die Liga brachten, waren die weißen Heimtrikots – damit die Gegner unter der flordi florin floridianischen (?) Sonne schwitzen mussten.

Über eineinhalb Jahrzehnte näherte man sich fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit Jahr für Jahr dem Abgrund. Ein Owner, der sich weigerte, angemessene Gehälter zu zahlen, ein Heimpublikum, das dadurch nicht bereit war, die Verlierer anzuschauen – einige Zeit waren die Buccs damit zwar rentabel, aber am Ende doch kurz vor der Pleite.

Alles neu in Tampa Bay

Mitte der 90er war dann genug mit Verlieren. Der neue Owner Malcolm Glazer (jo, der ManUnited-Glazer) baute ein neues Stadion, kreierte ein neues Logo, änderte die Teamfarben, strickte neue Trikots und installierte einen neuen Coach – Tony Dungy. Mehr Neuigkeit geht nicht.

Gemeinsam mit den blutjungen Abwehrspielern DT Warren Sapp (Miami) und dem pfeilschnellen LB Derrick Brooks (FSU) machte Dungy die Buccs dank „Tampa 2“-Defense innerhalb weniger Jahre zum Titelkandidaten. Dungy holte in Tampa aber nie den Titel. Glazer hatte nach mehreren Playoffniederlagen die Schnauze voll, installierte den intensiven „Chucky“ Jon Gruden als neuen Coach, der 2002/03 sofort im ersten Jahr den Titel abstaubte, für den Dungy das Feld bereitet hatte. Gegen Grudens altes Team Oakland wurde ein kinderleichter Sieg in Super Bowl XXXVII geholt.

Danach folgten wechselhafte Jahre, in denen Tampa Bay unter dem Fehlen eines Franchise-QBs litt, aber trotzdem hin und wieder die Post Season erreichte. Nach Grudens Abgang holte Tampa vor zwei Jahren QB Josh Freeman, der bisher ambivalente Eindrücke hinterlässt, aber aus rational wenig nachvollziehbaren Gründen mein derzeitiger NFL-Lieblingsspieler ist. Es kann wieder aufwärts gehen in Tampa.

Das Räuberschiff

Raymond James Stadium

Raymond James Stadium

Tampa Bays Stadion ist seit Ende der 90er das Raymond James Stadium (68.000 Plätze), für mich eines der schönsten Stadien in der NFL und versehen mit einem ganz besonderen Clou: Hinter einer Endzone steht ein Piratenschiff, von wo bei jedem Touchdown Salven abgeschossen werden – siehe nachfolgend:

Piratenschiff

Piratenschiff

Rivalitäten

Die größte Rivalität hat sich Mitte des vergangenen Jahrzehnts zwischen Buccs und Carolina Panthers entwickelt: Zwei defensivstarke Mannschaften im Kampf um die Divisionsvorherrschaft. Ansonsten dürfte für Tampa das Skalp der Philadelphia Eagles von Wichtigkeit sein: Zu Beginn der 2000er scheiterten die Buccs immer und immer wieder an den Eagles in der Post Season, um beim x-ten Mal die Eagles in Philadelphia rauszuwerfen und eine Woche später die Super Bowl zu holen.

Gesichter der Franchise

  • Tony Dungy – Head Coach. Führte Ende der 90er die Tampa 2 Defense ein und wurde ein Jahr vor der Super Bowl gefeuert. Unglaublicher Sympath. O-Ton Warren Sapp in der entsprechenden Serie von America’s Team über Dungy: Mit Tony Dungy hätten wir 2002 nicht den Titel geholt. But I love him to death.
  • Warren Sapp – DT, Lautsprecher und Fettsack, aber bärenstarker fetter Sack. War mitverantwortlich für eine der besten Defenses ihrer Zeit und eines der markantesten Gesichter der Liga. Heute in der Hall of Fame und pleite.
  • Derrick Brooks – LB, Herz der Defense und aufgrund seiner Schnelligkeit ein gefürchteter Linebacker.

korsakoffs Highlight

Super Bowl XXXVII – Oakland galt als leichter Favorit in dieser Partie, aber Tampa mit dem unglaublichen DE Simeon Rice zerfetzte von Beginn an die Offensive Line der Raiders und fuhr in der Folge über die Raiders drüber. Hätte man Jon Gruden angestellt, einem Kind einen Lutscher zu klauen, Gruden hätte damit größere Probleme gehabt, als dieses Spiel zu gewinnen.

Eckdaten

Gegründet: 1976
Besitzer: Malcolm Glazer (First Allied)
Division: NFC South
Erfolge: Superbowl-Sieger 2002, 10x Playoffs (6-9) – Stand 2013

Wir lesen (2) – Blood, Sweat and Chalk (Tim Layden)

[Nummer 2 in unserer Buchreihe: Tim Layden: Blood, Sweat and Chalk. Inside Football´s Playbook. How the Great Coaches Built Today´s Game. Sports Illustrated Books: New York 2010. Als Taschenbuch zum Beispiel hier schon ab 12,50€. Teil 1 der Bücherreihe hier.]

Nachdem wir Teil 1 unserer Bücherreihe mit dem strengen Lehrer Pat Kirwan und seinem trockenen, aber hochinformativen „Take your Eyes off the Ball“ begonnen haben, kommen wir heute zu etwas leichterer, aber nicht minder informativer Kost. Tim Layden, seit 1994 bei Sports Illustrated erzählt von der seit mehr als 100 Jahre stetig andauernden Evolution von Strategie und Taktik im American Football. Er macht dies in seinem Buch „Blood, Sweat and Chalk“ in einem angenehmen Plauderton statt in Kirwan´schem Hauptseminarduktus.

SLayden hat dabei trotzdem äußerlich ein ziemlich strenges Gerüst. Er erzählt die Geschichte anhand bestimmter taktischer Neuerungen und innovativen Veränderungen. Dabei bekommt jede Innovation sein eigenes Kapitel. Es beginnt bei der Single Wing Offense, geht über Wishbone, die West Coast Offense, Zone Blocking und der Spread Option bis hin zu defensiven Strategien à la Tampa 2 oder dem „Double A Gap Blitz“. (Inhaltsverzeichnis und Vorwort hier und hier das Kapitel „The Ryan Family Defense“ als Auszug.)

Das Spinnennetz der Geschichte

Jedes Kapitel ist dabei in sich abgeschlossen, auch wenn es manchmal einige Überschneidungen gibt. Schließlich bauen viele neue Strategien auf alten auf oder wurden in direkter Abgrenzung zu ihnen entwickelt. Zu beinahe jedem Kapitel findet Layden tolle Geschichten. Der Kern der Geschichte ist dabei immer ein Coach oder ein bestimmtes Spiel. Von da aus werden erzählerisch Linien gezogen und zurückgeschielt, bei welchen Teams der jeweilige Innovator vorher gespielt hat und unter wem er trainiert hat – also wo und vom wem er beeinflusst wurde. Oder was das jeweilige Team in den letzten Jahren durchgemacht hat und welche Spieler eine bedeutende Rolle spielen.

Auf einer anderen Ebene, die aber erzählerisch damit verbunden ist, wird zur Seite geschaut und beschrieben, was für Systeme und Taktiken zu der bestimmten Zeit gerade en vouge waren. Es wird also in bester Storyteller-Manier ein Netz gesponnen – vertikal (Zeit) und horizontal (Football-Landschaft). So entsteht ein anschauliches Bild davon, wie der Football zu jener Zeit ausgesehen hat und welche Philosophien gerade angesagt waren.

Layden hat dafür Interviews mit mehr als 100 Experten geführt, hauptsächlich (Ex-)Trainer und Spieler. Die Liste reicht von Howard Mudd über Bill Belichick bis hin zum unvermeidlichen Jon Gruden. Für einige Kapitel hat er auch die wichtigen Exponenten getroffen und ausführlich mit ihnen gesprochen. So trifft er beispielsweise Don Coryell (Kapitel 6 „Air Coryell“) in seinem Haus an einem kleinen See in Washington State; Buddy Ryan auf seiner Pferdefarm in Kentucky („The Ryan Family Defense“), Mouse Davis zum Frühstück an seiner Wirkungsstätte Portland State („The Spread Offense“) oder Dick LeBeau beim Trainingscamp der Pittsbugh Steelers („The Zone Blitz“).

Fokus und Muster

Bei der Fülle an Material und dem riesigen zu beackernden Feld – Footballstrategie von Pop Warner um die Zeit der Jahrhundertwende bis zur A-11-Offense im Jahre 2010 – ist es eine mehr als beachtliche Leistung, alles auf knapp 250 gut lesbaren Seiten unterzubringen. Layden schafft das, indem er sich für jede Innovation einen Coach oder eine Mannschaft als Fokus nimmt, um diesen herum seine Geschichte erzählt und an manchen Stellen auf ein tieferes Einsteigen in die (taktische) Materie verzichtet. Das wurde Layden mancherorts vorgeworfen. Es sei nicht tief genug, das Konzept und die Strategie fehlt undsoweiter. Aber das gehört zu Laydens Konzept – und es ist ein gutes Konzept. In seinen eigenen Worten:

Since modern football first began taking shape not long after the turn of the 20th century, hundreds of offenses and defenses have been tried. Fourteen of them, some with variations, are examined in this book. It´s not a comprehensive selection but a representativ one, exalting those systems that have either endured or profoundly impacted the game. Beyond the X´s and O´s though these pages tell the story of the men who held the chalk.“

Wir wollen hier keine umfassende inhaltliche Zusammenfassung geben, lesen muss schon jeder selber. Aber es schälen sich ein paar Muster heraus, die immer wieder auftauchen und bestätigt werden.

  • Innovationen und große Veränderungen sind meist die Folge von fehlendem Talent (Mouse Davis zum Beispiel hatte nur „pissants„, also hat er sich überlegt, wie er die ganzen Zwerge sinnvoll einsetzen kann)
  • jede bestimmte Offense und Defense ist „the product of everyone who has touched it“ – es gibt nicht die West Coast Offense oder die Spread Option
  • Entwicklungen verlaufen zyklisch + niemals geht etwas so ganz (Teile/Überbleibsel bestimmter Systeme überleben in anderen Systemen und werden von ihnen integriert; manche kommen sogar prominent zurück, zum Beispiel die Single Wing-Philosophie in Form der Wildcat)
  • Neuerungen gehen meistens den Weg vom High-School-/Small-College-Level über Division-I hin zur NFL; selten, daß etwas in der NFL erfunden wird
  • Innovation entstehen oft aus  der Motivation, vorherige Innovationen zu kontern (z.B. Tampa Two als Antwort auf West-Coast-Offense oder Zone Blitz als Antwort auf Passing Game der Live Ball Era)

Zwischendrin wird von Zeit zu Zeit alles mit Anekdoten aufgelockert, von denen man auch noch lernt. Wer weiß zum Beispiel, wie die West Coast Offense tatsächlich zu ihrem Namen gekommen ist und was der Dallas Cowboy Bernie Kosar damit zu tun hat. Oder wie Rich Rodriguez zufällig die Spread Option erfunden hat, als sein Quarterback in Glenville State im Training gestolpert ist. Zu Beginn jedes Kapitels gibt es eine taktische Zeichnung auf einer Tafel, die einen typischen Spielzug des jeweiligen Systems  zeigen. Auch das macht Laydens Buch zu einer schönen Geschichtsstunde in Sachen Football. Layden bringt die meisten Dinge so anschaulich und begeisternd rüber, daß man sofort in seinem Archiv stöbern oder das Internet durchsuchen möchte und sich ein Spiel der 70er Oklahoma Soones, der 90er Nebraska Cornhuskers oder der K-Gun Buffalo Bills ansehen. Man lernt eine ganze Menge über Systeme und Taktiken und die Coaches, Spieler und Mannschaften dahinter. Kombiniert mit dem plaudernden Erzählstil ist dieses Buch genau das Richtige für einen Frühlingsnachmittag in der Offseason. Die Schwachpunkte der mangelnden Tiefe und daß die Defense mit nur fünf Kapiteln (von 21) unterrepräsentiert ist, tut dem Vergnügen keinen Abbruch.