Der Krisengipfel in der Montagnacht: Minnesota Vikings – New York Giants Preview

Das Monday Night Game von Woche 7 als Krisengipfel: Minnesota Vikings (1-4) vs New York Giants (0-6), heute ab 02h30 live im Gamepass und bei SPORT1 US. Hatte man bei den Vikes die problematische Saison erwarten können, so sind die Giants eine Überraschung am Bodensatz. Die Kernproblematik bei „Big Blue“ kann man in einem Wort zusammenfassen: Turnovers. Die Giants-Offense beging in den ersten sechs Spielen rekordverdächtige 23 Ballverluste (Allzeitrekord halten die 49ers von 1978 mit 63 Turnovers in 16 Spielen acc. to Wikipedia), während die Defense nur sieben forcierte. Eine Ratio von -16 ist die mit Abstand schlechteste der Liga.

Tatsächlich offenbaren sich im Augentest etliche Ungereimtheiten in einem Angriff, der schlicht „out of sync“ aussieht. Das Laufspiel ist ineffizient, QB Eli Manning (6.9% INT-Quote) nicht gerade in der Form seines Lebens, und dann fallen die Bälle halt auch manchmal schlicht in die falschen Hände. Eine Kombi aus Schrotflinten-Präzision und Pech ergibt einfach eine solche Freak-Statistik. Da wir Regression zur Mitte kennen, wissen wir: Die Ratio wird sich fast zwangsläufig verbessern. Die Frage ist bloß: Um wie viel?

Letzte Woche in Chicago sah sogar das Laufspiel um den aus der Versenkung geholten RB-Bullen Jacobs recht annehmbar aus, aber Jacobs ist heute mit Leistenverletzung fraglich. Unter der Woche wurde RB Hillis eingekauft, und heute wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf Rookie Michael Cox (nicht der Michael Cox von Zonalmarking.com) zurückgegriffen.

Ein bissl Laufspielerfolg wäre vor allem deswegen wichtig, weil es die langen dritten Downs zum Teil verhindern könnte. Gut für New York: Die Lauf-Defense der Vikes ist nach Success-Rate die zweitschlechteste der Liga. Auch eine halbwegs saubere Pocket für Manning wäre wünschenswert, aber das könnte zur Quadratur des Kreises werden, wenn ein komplett außer Form befindlicher LT Beatty gegen DE #69 Jared Allen angesetzt wird. Positiv für die Giants: WR Cruz ist in guter Form, und die mittelmäßige Secondary der Vikes muss auf ihren besten Mann, S #22 Harrison Smith, verzichten.

Auf Vikes-Seite gibt es das Debüt von QB #12 Josh Freeman, der in Minnesota einen Neustart versucht; Freeman hat sich als erstes gleich mal eine neue Rückennummer ausgewählt, obwohl die ihm aus Tampa bekannte #5 frei gewesen wäre. Freeman löst die Combo Ponder/Cassel ab, die beide offiziell leichte Blessuren mitschleppen, aber inoffiziell wohl nur allzu gerne durch das Versuchskaninchen Freeman ausgetauscht werden.

Die Frage ist: Was hat Freeman drauf? Freeman ist nach vier Jahren Tampa Bay immer noch eine relative Unbekannte, weil er schlicht so unkonstant spielte. Seine große Stärke ist Improvisationsfähigkeit und ein monströser Wurfarm, aber Freeman unter Passrush-Belastung ist eine Katastrophe, und das übelste: Manchmal kollabiert er ganz einfach ohne Vorwarnung auch in sauberer Pocket.

Nun ist a) von den durch Verletzungen dezimierten Giants dieses Jahr erstaunlicherweise recht wenig Passrush zu erwarten (schlechteste Sack-Rate der Liga trotz großer Namen wie Pierre-Paul oder Tuck – beide arg verletzungs-gehadicapt) und b) hat Ponder adäquates Spielermaterial zur Verfügung: Rookie-WR #84 Patterson hatte immer wieder gute Momente, WR #15 Greg Jennings kann mit seiner Präzision durchaus eine Hilfe für Freeman sein, und in TE #82 Kyle Rudolph gibt es sogar den Tight End, der ihm in Tampa als Checkdown-Anspielstation komplett abgegangen war. Eigentlich ist Rudolph ja mehr als das: Er gilt als einer der besten jungen fangstarken Tight Ends. Das sollte für die Vikes reichen, um den bisher mittelmäßigen Pass-Angriff (6.1 NY/A) zu verbessern.

RB #28 Adrian Peterson hat dieses Jahr eine furchtbare Success-Rate von nur 35%, was nahe dem Liga-Bodensatz ist. Es ist nicht Peterson allein; die Line gibt oft schlicht zu wenig Raum. Peterson hatte einige lange TD-Läufe, sodass es trotzdem zu 4.7 Yards pro Laufversuch reicht, aber konstante Entlastung für einen konstant unkonstanten neuen Quarterback sieht anders aus. Und zu allem Überfluss ist die Lauf-Defense der Giants bei aller sonstigen Schlechtigkeit noch das beste an deren Saison (#10 nach SR%).

Kurzum: Ich sehe hier kein gutes Matchup für die Vikings. New York ist zu favorisieren.

NFL 2013/14, zweiter Spieltag um 22h: Mein Coach ist ein Arschloch

[02h38] Endstand Tampa Bay Buccaneers 14, New Orleans Saints 16.

Dramatisches Spiel, dramatischer Sieg für die Saints in einem Spiel auf gutem (?) Niveau. Sagen wir so: Die Buccs-Defense ist beeindruckend und jeden Fetzen gut genug, dass Tampa meine hohen Erwartungen rechtfertigt. Das war schon beeindruckend, wie Brees hier und heute abgewürgt wurde.

Das Problem ist der Angriff von Tampa: QB Freeman heute erneut mit einer bescheidenen Vorstellung, machte 9/22 für 157yds, 1 TD, 1 INT. Freeman hatte etwas Pech mit mehreren Drops von WR Jackson bei dritten Downs, aber insgesamt ist Tampa zu abhängig von seinem Einser-Receiver (Jackson machte nach den Drops mehrere unglaublig wichtige Catches). Recht harmonisch scheint es auch nicht zuzugehen, wenn man die eine oder andere Geste am Seitenrand richtig intrepretiert.

Der Saints-Sieg ist am Ende verdient, auch weil Tampa abseits der guten Feldpositionen nach den Defensiv-Turnovers nur wenig mit seinem Angriff zustande brachte.

Soap-Opera: TBC.

[02h36] Brees mit einem astreinen Drive, und dann mit einer halben Minute auf der Uhr tiefer Ball, und sensationeller Catch von WR #12 Marques Colston in der RedZone: Super Deckung, super gefangen.

[02h34] 1:06 vor Schluss verkickt K Rian Lindell aus 47yds. Seitenwind, und der Kick segelt 5yds links vorbei. Keine Timeouts mehr für die Saints, aber Brees natürlich mit allen Chancen, und kann per Field Goal das Spiel gewinnen.

[02h29] Kaum geschrieben, antwortet QB Freeman mit zwei heiklen Completions für WR #83 Jackson, und RB #22 Doug Martin macht haufenweise Läufe um die Uhr runterzutickern. Saints-Coach Sean Payton mit anfängerhaftem Auszeiten-Management. Jeder Madden-Spieler kriegt das besser hin. Two-Minute Warning.

[02h21] Die Vorstellung der Buccs-Defense ist beeindruckend: Verzögerter Safety-Blitz von FS #23 Barron und der nächste Sack. John Lynch in der Kommentatorenkabine kriegt leuchtende Augen. Lynch war der Safety der letzten großen Buccs-Defense vor 10-15 Jahren gewesen.

Es wird allerdings Zeit, dass die Offense von Tampa sich mal bewegt.

[02h17] WR Mike Williams mit einem Fuß im Aus – Punt.

[02h09] Die Defense Line um #93 McCoy und #94 Clayborn kriegt immer besseren Zugriff auf Brees und seine Pocket, spielt ein beeindruckendes Spiel. Im 3rd Down feuert Brees für TE Graham ab, aber der Safety #23 Barron fliegt im letzten Moment heran und wehrt den Ball ab – ein Safety mit Manndeckerqualitäten wie ein Cornerback.

[01h58] TB 14, NO 13/Q4 12:40. Da komme ich grad wieder zur Tür herein, 3rd-und-7, verzögerter Blitz gegen Drew Brees, Brees feuert ab und LB #59 Mason Foster steht genau in der Passlinie. Foster walzt sich unter Begleitschutz von wenigstens vier, fünf Buccs über 85yds in die EndZone durch und plötzlich führen die Buccs in diesem Spiel!

Drittes Viertel

[01h27] Kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich muss jemanden vom Bahnhof abholen und werde für ca. 20min abwesend sein.

[01h26] TB 7, NO 13/Q3 8:04. Hart erkämpfte Yards und Punkte für die Saints. Im dritten Down hüpft LB #54 Lavonte David schon vor dem Snap wie ein Rumpelstilzchen herum, wissend um den nächsten Play. Mit dem Snap rauscht David sofort durch und fällt Brees. Saints kriegen nur ein Field Goal.

[01h17] Freeman im dritten Down, wartet, und wartet, (im Hintergrund rauscht #94 Gallette ran und ich schreie „schmeiß weg!“) und wartet (es gibt kein Entrinnen mehr), und wartet… und der unvermeidliche Fumble passiert. NO darf in der gegnerischen Platzhälfte beginnen.

[01h04] Arizona – Detroit ist mittendrin in einer sehr dramatischen Schlussphase.

Zweites Viertel

[00h52] Halbzeit Tampa Bay 7, New Orleans 10.

Kampf auf Biegen und Brechen. TE Graham bestraft die Buccs für ihr unfaires Spiel auf seine Weise und rennt an die 1yds-Line durch. Dann aber ein fantastischer Stand der Buccs mit mehreren Stops gegen die Runningbacks und die Saints müssen von der 2yds-Line das Field Goal schießen.

Hartley versenkt, aber wegen eines Offsides der Buccs gibt es einen verkürzten 4th Down von der 1yds Line. Brees überstimmt den HeadCoach Payton an der Seitenlinie und sie spielen nun aus. RB #22 Ingram kriegt den Ball, aber rennt in einen Berg an Buccs. Turnover on Downs. Spiel bleibt eng.

[00h34] Tiefer Ball für TE Graham, und von der Seite rauscht S #43 Ahmad Black heran und begeht ein ausschlussreifes Personal-Foul. Erneut ist es ein Helm gegen einen Helm eines ungeschützten Spielers. Dritte 15yds-Strafe, und schön langsam gehört einer der Jungs mal aus dem Verkehr gezogen.

[00h32] Nächster Drop von #83 Vincent Jackson im dritten Down, nächster Buccs-Punt. Ich finde generell das Play-Calling der Buccs nicht überzeugend: Diese ständigen Läufe im ersten und zweiten Down kosten nicht den ersten Drive.

[00h25] Der Abnutzungskampf kostet erste Opfer bei den Buccs: DT #93 McCoy muss nach einem cut-Block vom LT Brown mit Knieproblemen rein- und rausrotiert werden. „Hinten“ tut sich FS #23 Barron immer schwerer, aufrecht zu gehen.

[00h20] Schiano mit einer völlig überflüssigen Challenge. Verliert sie.

[00h14] Jetzt machen auch die Stars bei den Buccs die Fehler: WR #83 Vincent Jackson mit dem einfachsten Drop der Welt im dritten Down. Wäre ein 1st-Down geworden, so wird’s ein Punt.

[00h10] Noch eine Personal-Foul Strafe wegen eines Helm-vs-Helm Hits, diesmal gegen Buccs-#38 Goldson. Die Saints werden am Ende aber gestoppt und dann verschießt K Hartley das Fieldgoal. Keine Punkte für die Saints.

[00h00] LE #94 Adrian Clayborn knockt Brees bei einem Sack den Ball aus der Hand, aber Clayborn hat seinen Helm hoch genug um Brees damit Helm-vs-Helm zu treffen. Folge: Personal-Foul und der Turnovers wird zurückgenommen. Ein korrekter Call.

Erstes Viertel

[23h55] Die Offense Line der Buccs hält ohne den weiterhin absenten OG Carl Nicks dem verstärkten Blitzing der Saints nicht lange genug stand, dass Freeman die notwendige Zeit bekommt. So bleibt es bei kurzen Checkdowns und zu wenig Raumgewinn. Punt.

[23h48] TB 7, NO 10/Q1 2:36. 56yds-TD für TE #80 Jimmy Graham. Abwehrfehler bei den Buccs, die einen Audible nicht rechtzeitig durchgesagt bekommen und LB #56 Watson (eben noch mit der INT) verwirrt im Regen stehen lassen. Graham läuft am verdutzten Watson vorbei, fängt den Ball und kann in die EndZone traben.

[23h41] TB 7, NO 3/Q1 5:15. 5yds-TD #85 Ogletree, der eine flache Drag-Route läuft und völlig vereinsamt in die EndZone traben kann. Es war ein Drive mit zwei großen Plays: Einmal quengelte sich RB Martin durch eine Unzahl an Buccs für einen 15yds-Lauf über die Mitte durch, und kurz danach nahm der stark kritisierte QB Freeman das Heft selbst in die Hand und scrambelte 13yds zum neuen 1st Down.

[23h33] Ärgerlich: Die Kamera in Tampa ist mittlerweile auch drunten auf Grasnarbenhöhe. QB Brees scheint auch gestört zu werden, kommt raus und wirft eine INT direkt in die Hände von LB #56 Dekota Watson.

[23h30] Tampa muss gleich zum Einstand punten, weil Saints-DB #27 Jenkins beeindruckende Physis gegen Buccs-WR #19 Williams zeigt.

[23h17] Tampa-New Orleans soll in zehn Minuten fortgesetzt werden.

[22h58] In Arizona gehen die Detroit Lions mit 7-3 in Führung: Der Spielzug ist ein sensationeller 72yds-TD Pass für WR Calvin Johnson (war im Slot aufgestellt). QB Stafford mit einem Pass, der keine Millisekunde früher oder später hätte abgefeuert werden dürfen, so klein war das Fenster, in dem der Ball zu Johnson durchkommen konnte.

[22h48] In Tampa soll es gegen 23h15 weitergehen.

[22h46] Zum Spiel Houston – Tennessee:

[22h25] Mein geplantes Hauptspiel für die 22h-Runde ist Tampa Bay BuccaneersNew Orleans Saints. Dabei geht es für die Buccs schon um lebenserhaltende Maßnahmen. Just in die eh schon miese Stimmung nach der überflüssigen Auftaktniederlage in New York platzte heute Nachmittag die Meldung rein, dass sich QB Josh Freeman mit dem Buccs-Trainerstab überworfen habe und einen Trade verlangen würde.

Das Verhältnis von Freeman und dem Trainerstab Schiano ist quasi seit Tag 1 kein Liebesverhältnis. Schiano versuchte mehrfach, Freeman zu enteiern oder zu ersetzen – zumeist zögerlich. Bis zum Draft, als er QB Glennon holte. Anfang September entzog er Freeman das Kapitänsamt. Die Mannschaft rebellierte, hielt ein „players only“-Meeting ab. Berichte über einen extrem verhassten Head Coach Schiano in der Mannschaft sprießen seit Tagen aus dem Boden, mit der Kulmination besagter Trade-Forderung.

Die Buccs haben ihre Bye-Week in Woche 5. Das Auftaktprogramm ist ziemlich heftig. Ich halte es nicht mehr für ausgeschlossen, dass Schiano bei einem, sagen wir 0-4 Start, schon in der spielfreien Woche fliegt. Aber oft heißt es, Siege haben heilsame Wirkung. Von daher sind die Saints heute ein guter Gegner, um mit einer überzeugenden Leistung Ruhe in den Laden zu bringen.

Das Spiel begann schon um 22h05, New Orleans führt 3-0. Aber aktuell gibt es eine Spielverzögerung. Ich steige jetzt ein, notfalls erstmal mit einem der anderen Spiele.

NFL-Recap, Week 1: New York Jets – Tampa Bay Buccaneers

Die vielleicht größte Überraschung – zumindest wer solche Erwartungen an die Buccs hegt wie ich – des ersten Spieltags war vermutlich dieses Spiel, das die New York Jets 17-15 gewannen. Um ganz schnell die letztlich spielentscheidende Szene zu beschreiben: Ja, das Personal Foul des LBs #54 Lavonte David in den letzten Sekunden gegen den bereits aus dem Spielfeld gelaufenen QB #7 Geno Smith war hirntot. Es war der schlimmstmögliche Fehler im schlimmstmöglichen Moment. K Nick Folk konnte danach relativ locker aus 48yds zum Überraschungssieg einschießen.

Es war nicht die einzige Undiszipliniertheit der Buccaneers in diesem Spiel. Man hatte zeitweise das Gefühl, dass hier die Detroit Lions am Werk waren, so viele Schlampigkeiten begingen die Buccs. Das begann schon im ersten Drive, als man offenbar Probleme mit dem Headset bei QB #5 Josh Freeman hatte: Verbrannte Timeouts, delay-Strafen direkt nach dem Timeout (sogar 2x) und furchtbar dilettantische Strafen gegen die Defense (Personal Foul beim 3rd-und-21, my ass?) – alles Dinge, an die sich jemand bereits gewöhnt hat, der seit Jahren die Lions verfolgt. Scheint nun auch für Buccs-Fans relevant zu werden. Auf alle Fälle wirft es kein gutes Licht auf den Trainerstab von Greg Schiano.

Insgesamt wirkte die Buccs-Offense ziemlich asynchron: RB #22 Martin trotz zeitweise ordentlicher Blocks mit einer anämischen Vorstellung und vor allem als Empfänger von Checkdowns komplett irrelevant. Die WRs 1 und 2, #17 Vince Jackson und #19 Mike Williams, waren nicht das Problem. Es lag IMHO vor allem in der schon in der Preview beschriebenen Gefahr des fehlenden dritten Mannes für die Mitteldistanzen: Das schien das große Problem der Buccs-Offense zu sein. QB Freeman hat bedenklich schwache Stats, wenn man seine Würfe zu Jackson und Williams exkludiert.

Bleibt zu konstatieren: Weg geworfenes Spiel der Buccs, keine Frage. Aber wer so unvorbereitet und so undiszipliniert auftritt, muss eben schonmal damit rechnen, in einem ersten Saisonspiel auf die Fresse zu fliegen, und sei es gegen eine der vermeintlich schwächsten Teams der Liga.

Auf Jets-Seite fand das Laufspiel in der Offense überhaupt nicht statt, was gegen die starke Buccs-Run Defense vielleicht kein Beinbruch ist. QB Geno Smith in seinem Debüt zeigte eine für meinen Geschmack grade noch adäquate Vorstellung: Die INT war ein grober Fehler und den Fumble, den Geno beging, begehen nicht viele Jungs in der Situation, aber ansonsten machte er gerade genug Plays um nicht der Sündenbock zu werden. Im Gegenteil: Am Ende machte es ihm David sogar einfach, zum Hero zu werden. Und man beachte: Seine erste Anspielstation, WR #10 Holmes, war bei CB #24 Darrelle Revis mehr oder minder abgemeldet, insofern muss man Smith schon ein Kompliment machen.

Bleibt zu konstatieren: Tampa mit einem unnötigen Fehlstart. Jetzt folgen die Saints und die Pats, und die „Aussicht“ auf einen richtig misslungenen Start. Für die Jets geht es am Donnerstag in New England weiter. So wie sich die Pats am Sonntag in Buffalo präsentierten, ist zumindest ein relativ enges Spiel nicht undenkbar.

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    3-7 
Pythagorean    7.9   (17)
Power Ranking   .481 (20)
Pass-Offense   6.7   (11)
Pass-Defense   7.3   (31)
Turnover        +3

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Ein Jahr nach dem Totalschaden unter dem unerfahrenen Head Coach „stats don’t matter“ Raheem Morris sehen die Buccaneers unter dessen Nachfolger, dem harten Hund Greg Schiano, schon wieder besseren Zeiten entgegen. Die Mannschaft wird zwar in der eigenen Stadt kaum wahrgenommen und spielt häufig vor gelichteten Rängen, aber immerhin scheint im Front-Office der Glazers langsam ein Umdenken stattzufinden: Weg von der Billigtruppe, hin und wieder zurück zum Versuch, ein sportlich gutes Produkt auf die Beine zu stellen.

2012/13 klappte das phasenweise. Die 7-9 Bilanz täuscht etwas darüber hinweg, dass die Buccs lange Zeit ein ernsthafter Playoffkandidat waren und bis zu einem Einbruch im Dezember einen relativ gepflegten und vor allem gepflegten tiefen Ball spielten.

Die Offense

Ungewöhnlich für einen Schiano spielten die Buccs monatelang mit harten Klöten eine nicht allzu rhythmische, dafür aber gefährliche deep ball-Offense, die perfekt auf die Talente der wichtigsten Skill-Player zugeschnitten war. QB Josh Freeman (*schmacht*), ein Hüne von Mann, hat nicht den konstant präzisesten Arm, aber pfeffert mit Leichtigkeit die 70yds-Bomben downfield, was bei Wide Receivers wie Vincent Jackson oder Mike Williams niemals eine schlechte Idee ist. Für die Checkdowns bot sich der äußerst wendige Kampfgnom Rookie-RB Doug Martin von Boise State an, dessen Saison meine Erwartungen übertraf: Martin war neben dem QB-Triumvirat vielleicht der Rookie der Saison.

Die Tampa-Offense ist deswegen bizarr, weil sie eine geringe Completion-Rate aufweist, aber trotzdem einen hohen Schnitt an NY/A aufweist. Das liegt an den vielen tiefen Bällen – eigentlich würde man vermuten, dass sich so ein Konzept nicht nachhaltig implementieren lässt und der Kollaps der Buccs-Offense in den letzten Wochen von 2012/13 bestätigt dieses Gefühl. Eine Chance haben sich die Jungs aber noch verdient.

Es lässt sich konstatieren, dass die komplette Unit sehr gut aufgestellt ist (die eingekauften WRs Smith und Ogletree dürften gute Optionen als #3-WR sein, wenn fit). Es hängt an Freeman, die Drives nicht mit haufenweise Interceptions und Fumbles kaputt zu machen. Der Freeman in der Form der ersten Wochen ist ein guter Freeman und ein sehr guter Quarterback (u.a. 7.4 NY/A in der ersten Saisonhälfte, #2 ligaweit!). Aber es gibt leider auch immer wieder den schlechten Freeman, und der sorgt dafür, dass der 360°-Freeman ein Mann ist, der auf Bewährung spielt.

Freeman hat alles: Die Offense Line, die Wide Receivers, den Running Back. Kriegt er es gebacken, punkten die Buccs 25-30 Punkte pro Spiel. Wenn nicht, hängt vieles an der Defense.

Defense

Und das wäre schlecht, denn obwohl aus Tampa vor 10-15 Jahren eine ganze Latte an Innovationen auf der Abwehrseite (Stichworte Dungy, Monte Kiffin, Lovie Smith, Tampa-2) ausgegangen ist, und obwohl Schiano eigentlich ein Defensivfanatiker ist, haben die Buccs aktuell ein Abwehrproblem an der Backe (u.a. aufgegebene 7.3 NY/A, #31, was in total yards 4758yds bedeutete – nur ca. 40yds unter dem ewigen Negativrekord der Packers von 2011/12).

Es beginnt alles in der Defensive Line, wo es in DT Gerald McCoy einen Ankermann von Weltformat gibt, aber leider nicht mehr. Trotz zuletzt gefühlt dreihundersiebundsiebzig Draftpicks für die Line und trotz eines gigantischen McCoy hat man mehr Baustellen, als man in einer Offseason beheben könnte: Es fehlt an Tiefe überall, und bei den Defensive Ends ist nach dem Abgang des Passrush-Spezialisten Bennett (nach Seattle) Schmalhans angesagt.

DE Adrian Clayborn zeigte viele gute Ansätze, ist aber nach einer schweren Knieverletzung ein Verletzungsfragezeichen, und – man erinnere sich – Clayborn hat bei aller Athletik auch eine angeborene Lähmung in der linken Schulter, die ein Entfalten seines Potenzials schwierig macht. DE Da’quan Bowers, vor zwei Jahren um ein Haar der Top-Draftpick, spielte zu selten, zu wenig explosiv, um die Lösung aller Probleme zu sein. Bowers hat zudem eine chronische Arthritis und sollte in Zukunft auch nicht mehr zu häufig mit Gras im Gepäck suspekte Stadtviertel bereisen.

Bei den Linebackers ist man adäquat aufgestellt. Die Secondary war dagegen eine so große Baustelle, dass die Buccs auch nach einigen Moves immer noch mit einem teuren Trade für Jets-CB Revis liebäugeln. Die tickende Zeitbombe CB Talib wurde letzten Herbst nach New England getradet, was der Teamchemie gut tat, aber sportlich fatal war. Und ansonsten gibt es keine verlässlichen CB-Starter (CB Wright erwies sich – für einen Lions-Fan wenig überraschend – als überteuerter Bust). Bei den Safetys hat man den jungen, dynamischen Mark Barron aus Alabama, und als Free Safety wurde der grundsolide Hitter Dashon Goldson aus San Francisco geholt.

Es ist lebenswichtig für die Buccs, ihre Pass-Defense zu verstärken. Es braucht Passrush (Bennetts Abgang hilft nicht), Passrush (Clayborn/Bowers müssen gesund bleiben und zünden) und Verstärkung in der Deckung (Draft!).

Ausblick

Die Buccs sind seit zirka drei Jahren eines der jüngsten NFL-Teams und immer irgendwo knapp vor dem Durchbruch. In Phasen wie Anfang der Saison 2012/13 siehste da ein Playoff-Kaliber, aber dann kommen wieder diese Spiele mit drei kassierten 60yds-TDs und fünf Freeman-Interceptions und du greifst dir an den Kopf und fragst dich, ob du nicht den kompletten Laden in die Luft jagen möchtest.

Ich wiederhole es nochmal: Es braucht viele „wenns“ und Konjunktive bei den Buccs. Wenn Freeman zündet, wenn der Passrush zumindest ein Lüftchen entfachen kann, wenn die Cornerbacks zumindest auf 6.5 oder 6.2 NY/A runterkommen können… man will nicht so richtig drauf bauen, es sei denn, Tampa kriegt einen fitten CB Revis (noch ein wenn).

Irgendwie habe ich bei den Buccs trotzdem ein gutes Gefühl. 7-9, eine pythagoreische Erwartung von 7.9 (also fast ein Sieg mehr), ein close win index von 3-7 der nach Regression zur Mitte schreit: Die Division ist knochenhart, aber die Playoffs für diese Wundertüte von Footballteam würden mich alles andere als überraschen.

NFL 2012/13, Week 13 Preview

Spoilerfreier Absatz zum College Football zu Beginn. Schon wieder ausgeschlafen vom SEC-Finalklassiker, dem vielleicht besten Footballspiel im bisherigen Herbst. AlabamaGeorgia brachte alles, was ich mir von einem großen Spiel erhoffe: Ein entsprechender großer Preis, Leidenschaft, gute Atmosphäre, enges Spiel, Zufallsmomente und eine Entscheidung, die so oder so, selbst als neutralem Beobachter, das Herz zerreißt. Sofern ESPNA das Spiel nochmal zurück in den Sendeplan aufnimmt, ist das nicht bloß ein Sendetipp, sondern eine Guck-Verpflichtung. Zur NFL.

Am Donnerstag haben die Atlanta Falcons die Affen vom Buckel geschossen, New Orleans in einem spannenden, lange Zeit sehr offenen Spiel geputzt und den Playoffeinzug damit wohl eingetütet. Im Gegensatz zu Gegenüber Ryan vor ein paar Wochen schaffte es Brees diesmal nicht, mit 0 TD und 5 INT die Partie noch zu drehen, aber der Endstand (23-13 Atlanta) täuscht darüber hinweg, dass auch in dieser Partie nur ganz wenig anders laufen muss, und New Orleans gewinnt in Atlanta (ich denke da beispielsweise an die verschenkten Punkte kurz vor der Pause). Atlanta fühlt sich weiterhin nicht wie ein one loss team an.

Zum heutigen Programm – in Deutschland ist die Auswahl für Empfänger von SPORT1+ und ESPN America diesmal groß.

19h – Green Bay vs. Minnesota

TV-Programm

ESPN America LIVE

So 19h   GB  - MIN
So 22h   DEN - TB
So 02h20 DAL - PHI

ESPN America Tapes

Mo 11h   TEN - JOU
Mo 13h30 BAL - PIT

SPORT 1+ LIVE

So 19h   CHI - SEA
So 22h25 BAL - PIT
So 02h20 DAL - PHI

PULS4 LIVE

So 22h35 BAL - PIT

Die NFC North kommt nicht zur Ruhe. Chicago (8-3) führt vor Green Bay (7-4), Minnesota (6-5) und Detroit (4-7), wobei die Tie-Breaker Situation kompliziert genug zu werden verspricht, wenn sich heute zeitgleich Bears (vs. Seahawks) und Packers (vs. Vikings) einen Lapsus leisten sollten.

Die Packers offenbarten in ihrer Offense im zweiten Saisondrittel bis dato einen deutlichen Aufwärtstrend trotz vieler Verletzungen, haben aber eklatante Protection-Probleme. Wenn dagegen die Vikes eines herausragend können, ist es das schleichende, kaum merkbare Abwürgen von gegnerischen Angriffen durch ihre gute Front-Seven. Namentlich sei dabei vor allem auf das Matchup von DE #69 Jared „nein ich bin nicht Ndamukong Suh“ Allen gegen den Left Tackles (wer auch immer es sein wird) der Packers verwiesen: Sollte Minnesota genügend Druck auf QB Rodgers zustande bringen, droht den Packers auch zuhause ein zähes Spiel…

…zumal sich die eigene Abwehr zuletzt schwach präsentierte. Ich bin gespannt, was QB Chris Ponder nach zuletzt verheerenden Vorstellungen gegen eine softe Packers-Defense ohne richtigen Pass Rush zustande bringen wird, nachdem er Zeit bekommen sollte, da auch die Offensive Line der Vikings eine IMHO sehr, sehr gute Saison spielt.

Chicago spielt zeitgleich zuhause gegen die enorm effizienten Seahawks, denen mein Augentest nicht trauen würde, die aber in vielen Advanced-Metrics-Rankings sehr weit oben sind. Exzellentes Laufspiel um RB Lynch, fehlerarmes Passspiel unter QB Wilson und eine richtiggehend spektakuläre Defense zeichnen Seattle aus; ich bin gespannt, was die Herren Clemons, MeBane und Irvin gegen die absurd schwache Bears-Line ausrichten werden. Und weitere Hilfe: Wenn ich das richtig verstanden habe, wird die Dopingsperre (Adderall) gegen die Herrschaften Sherman/Browner wohl erst ab nächster Woche greifen.

Miami (5-6) – New England (8-3) ist für beide wichtig: Miami muss im Wildcardrennen punkten, New England spielt noch um ein Freilos in der ersten Playoffrunde (und hat den Tie-Breaker mit Baltimore bereits verloren) und hat noch Außenseiterchancen auf den Top-Seed (Duell mit Denver schon gewonnen, Heimspiel gegen Houston steht noch an). Zwei Key Facts: Was kann Rookie-QB Tannehill gegen die sehr wechselhafte Patriots-Defense ausrichten. Und wird es überhaupt was nutzen, wenn QB Brady und Freunde wieder 35 bis 50 Punkte vorlegen? Ein Grund, das Spiel nicht zu verfolgen: Die Kommentaren – Greg Gumbel/Dan Dierdorf.

Ebenso Playoffkampf: DetroitIndianapolis. Für die Colts ist es das eine Spiel, das toss up ist (Siege gegen KC und TEN sind eingeplant, wie auch zwei Niederlagen gegen HOU). Wenn die schwache Pass-Defense der Colts nicht einen gänzenden Tag erwischt, sehe ich hier allerdings gegen Stafford/Johnson schwarz.

Ein Spiel mit besonderen Vorzeichen ist diesmal Kansas CityCarolina: Die Chiefs – wie auch die NFL – stehen nach einem Mord & Selbstmord von Chiefs-LB Jovan Belcher an seiner Freundin (zuhause) und sich selbst (auf dem Teamgelände der Chiefs) unter Schock. Belcher soll sich kurz vor seinem Selbstmord bei GM Pioli und HC Crennell für alle geleitete Unterstützung bedankt haben und sich dann mehr oder weniger vor deren Augen (Berichte gehen da auseinander) erschossen haben. Das Spiel soll trotzdem stattfinden: Carolina wurde jedenfalls angewiesen, wie geplant anzureisen.

Schließlich BuffaloJacksonville. Mein Modell errechnete eine 77%-Siegchance für Buffalo, aber wenn ich die Zahlen vom verletzten QB Gabbert gegen jene vom zuletzt eingesetzten QB Henne ersetze, ist es Münzwurfniveau. Es liegt an Henne zu beweisen, dass die letzten beiden Spiele gegen Houston und Tennessee keine Eintagsfliegen waren.

22h – Denver vs. Tampa Bay

„Big Play“ Freeman gegen den methodischen Manning – das ist culture clash in Denver. Ich habe noch nicht das allergrößte Vertrauen in die Stabilität der Buccs-Offense, die sehr viele Incompletions hat, aber dann wieder mit 40yds und 60yds-Pässen in zwei Spielzügen das Feld runtermarschiert, und bin gespannt wie ein Regenschirm, wie die bis dato starke Pass Protection gegen Superstar-OLB Von Miller aussehen wird, und wie die Buccs im Gegenzug dazu mit Draws und Swingpässen für die neue Allzweckwaffe RB #22 Martin antworten werden.

Josh Freeman ist mein Lieblingssspieler, klar, aber Tampa hat auch einiges in der Defensive-Front-7 zu bieten – allen voran den Mann mit der #93, DT Gerald McCoy, der dieses Jahr schon zwei oder drei Spiele hatte, in denen er im Backfield des Gegners lebte, wie die Amerikaner zu sagen pflegen. Sensationeller Mann, aber er wird auch gebraucht werden, da wir nun zum Schlüssel für das komplette Spiel kommen: Peyton Manning und seine beste Passoffense der Liga (7.4 NY/A) treffen auf die Talib-losen Buccs mit ihrer schwächsten Pass-Defense der Liga (7.8 NY/A). Das sind Diskrepanzen, die schon andere potenziell eng ausschauende Matchups in eineinhalb Vierteln zu Blowouts haben mutieren lassen, und auch der Grund, weswegen Denver bei mir in Microsoft Excel mit 85% favorisiert zu gewinnen ist (in Wettquoten: 1 zu 5,6).

Drei weitere Westküstenspiele, und drei Teams aus der spannenden AFC North ab 22hirgendwas: Cincinnati sollte sich dringend unter den Palmen von San Diego keine Pleite erlauben, während Baltimore drei Wochen nach dem „slugfest“ in Pittsburgh nun wohl gegen einen weiteren Steelers-Backupquarterback (Charlie Batch) den Sack in der Division zumachen kann (keine Ahnung, ob Roethlisberger fitgespritzt wird). Sonderlich überzeugende Saisons spielen beide nicht, zumindest nicht statistisch, trotz Baltimores 9-2 Bilanz.

02h20 – Dallas vs. Philly

Pflichtaufgabe für die angeschlagenen Dallas Cowboys (5-6) daheim gegen die sich in Auflösungserscheinungen befindlichen Eagles (3-8). In Philadelphia werden im Wochenrhythmus wichtige Eckpfeiler der Organisation (Vice Presidents und Co.) gefeuert und somit das Großreinemachen Anfang Jänner vorbereitet. Mal schauen, ob Andy Reid den Dezember überhaupt noch übersteht.

Tipps

BUFFALO – Jacksonville
CHICAGO – Seattle
St Louis – SAN FRANCISCO
Miami – NEW ENGLAND
NY JETS – Arizona
DETROIT – Indianapolis
GREEN BAY – Minnesota
Tennessee – HOUSTON
Kansas City – CAROLINA
DENVER – Tampa Bay
Oakland – CLEVELAND
SAN DIEGO – Cincinnati
Baltimore – PITTSBURGH
DALLAS – Philadelphia
Washington – NY GIANTS

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Große Enttäuschung während der Regular Season, aber ein aktiver Player in den ersten Stunden der Free Agency 2012: Die Tampa Bay Buccaneers. Das hatte man nach Jahren der Passivität auf dem Markt gar nicht mehr erwartet. Dabei war das Drehen an einigen Stellschrauben dringende Notwendigkeit, nach einer selten schlimmen Saison für die Buccs.

Null Siege mit mehr als einem Touchdown Differenz, dafür haufenweise Blowout-Pleiten. Pythagoreische Erwartung von 3.2 Siegen. Junges Team, das nicht mehr auf seinen Trainer horchte. Junger Chefcoach mit realitätsfernem Selbstbild („Wir werden nächstes Jahr aufhorchen lassen“).

Der sympathische Raheem Morris war dann auch wenige Stunden nach Ende der Saison gegangen; bei der Suche nach dem Nachfolger hinterließen die Buccs einen eher peinlichen Eindruck, interviewten alles, was nicht bei drei auf dem Baum war, nur um am Ende mit Greg Schiano von Rutgers einen Mann zu präsentieren, der eher als Billiglösung aufgefasst werden kann und aufgrund seiner umstrittenen Vergangenheit als eher windiger Typ von Mensch des Weges kommt.

Schiano, ein Mann mit nicht allzu viel NFL-Erfahrung, übernimmt eine unerfahrene Mannschaft mit mehreren Baustellen. Die allergrößte ist die Defense, deren Statistiken so aussehen:

Punkte/Spiel      30.9   #32
Punkte/Drive       2.6   #32
Yards/PT          12.8   #31
Y/A                6.3   #32
Y/Pass             7.6   #31
Y/Lauf             5.0   #31

Um das in Relation zu setzen: Obwohl man die fünftwenigsten Drives gegen sich ausgespielt sah, kassierte man die mit massivem Abstand meisten Punkte in der NFL (45 mehr als die Vikes, die fünf Drives mehr gegen sich sahen). Letzter oder Vorletzter in allen Effizienzmessungen.

Auf der anderen Seite war die Offense annehmbar, schoss sich jedoch zu häufig ins eigene Knie. Besonders hervor tat sich dabei der Quarterback, von dem ich getragene und noch ungewaschene Unterhosen in meinem Schrein aufbewahre: Der famose Josh Freeman, der es zustande brachte, 22 Interceptions in 551 Würfen zu produzieren. Man muss fast befürchten, dass Freeman nur ein weiterer Quarterback ist, dessen Interception-Quote wild fluktuiert:

2009    6.2%
2010    1.3%
2011    4.0%

Diese vielen Turnovers sind auch der Grund, warum Tampas Angriff trotz durchschnittlicher Statistiken nahe dem NFL-Bodensatz klassiert ist, was erzielte Punkte angeht (287 an der Zahl, #27).

Die Lücken in der Offense

Als größte Schwäche kann die Offensive Line ausgemacht werden, wo vor allem der RT Jeremy Trueblood schwer unter Beschuss steht. Die Innenseite wurde mit dem hochgelobten Guard Carl Nicks vom Divisionskonkurrenten New Orleans verstärkt.

Was abseits davon noch fehlte: Ein Wide Receiver. Der neue Stern an Bord ist der hünenhaft gewachsene Vincent Jackson, ein deep threat vor dem Herrn mit relativ geringer Anfälligkeit für Drops. Jackson ist ein ähnlicher Typus Spieler wie der junge, zuletzt enttäuschende Buccs-WR Mike Williams. Ob die beiden in ihrer Spielweise so brillant harmonieren, bleibt abzuwarten. Auf alle Fälle kann man davon ausgehen, dass ein weiterer Mann für den/die/das Slot gesucht wird. Abzuwarten bleibt, wohin die Reise für den athletischen, aber teuren TE Kellen Winslow jr. gehen wird – einige Indikatoren deuteten auf Abgang hin.

Und dann ist da das Laufspiel, wo der Mann mit dem geradlinigen Weg voraus, RB LeGarrette Blount, zwar Hits verteilen kann, jedoch als Blocker und Receiver nicht ernst genommen wird. Solch eindimensionale Backs sieht man eher als Auslaufmodell an; ob die Buccaneers mit ihrem hohen Pick den hochgejazzten RB Richardson draften werden?

Die Lücken in der Defense

Ich wäre skeptisch. Die größten Löcher haben die Buccs schließlich im Abwehrbereich. Die Defensive Line wurde in den vergangenen Jahren zwar massiv via Draft gebaut und sollte wenigstens in Ansätzen höheren Ansprüchen genügen, aber die vermeintlichen Superstars DT McCoy und DE Bowers verbringen mehr Zeit als gewünscht im Krankenstand und in Sachen Kadertiefe bewegt man sich eher in seichten Gewässern.

Richtige Waale tun sich in der Back-7 auf, wo jeder Spieler als austauschbar gilt – vielleicht auch der alternde Routinier CB Ronde Barber, das letzte Überbleibsel der Meistermannschaft von 2002/03, der mit Mitte 30 noch ein letzte Jahr NFL anhängen möchte. CB Aqib Talib gilt als Knalltüte, der jeden Moment die Einknastung riskiert, während S Tanard Jackson allzu sehr dem Gras verfallen sein soll und sämtliche Alternativen als wandelnde Risikoquellen durch die Gegend stapfen. Mit dem aufstrebenden CB Eric Wright hat man eine Abhilfe geschaffen; womöglich kommt via Draft noch der eine oder andere große Name hinzu.

Ausblick

Ich vermag Schiano nicht so recht einzuschätzen. Er galt stets als exzellenter Recruiter, aber haargenau diese Fähigkeit wird in der NFL eher wertlos sein. Schiano hat einen immer noch jungen Kern beisammen und ich habe trotz der Turnovers eine hohe Meinung vom Quarterback, aber der Kader hat, wie schon im Sommer auseinandergenommen, entsprechend viele Lücken. Man kann davon ausgehen, dass sich die Buccs mit ihrem hohen Draftpick entweder eines Cornerbacks oder Wide Receivers bedienen und generell versuchen werden, billige Linebackers und weitere Defensive Backs zu verpflichten.

NFL 2011/12, TV-Guideline Week 3

Die Grippe scheint überstanden, und auch wenn die Serie “Saisonvorschau” leider nach 25/32 Teams, 24476 Wörtern und mit noch 242 Minuten auf der Uhr abgebrochen werden muss – sorry, PuNISHA, aber es gibt noch ein wenn auch unwichtiges Lebens außerhalb der Footballwelt – so wird es weiterhin die Vorschau auf die im TV empfangbaren Spiele geben.

Dabei bleiben beim TV-Programm diesmal einige interessante Spiele außen vor. Ärgerlich ist u.a. dabei, dass PULS4 und Sport1+ leider keinen Versuch zur Differenzierung von ESPN America unternehmen und allesamt ESPN-Spiele senden. Mal wieder. Und mal wieder dominiert Black’n’blue-Football aus der NFC.

Buffalo – New England. Die Bills haben am Sonntag eine phänomenale Aufholjagd bestritten, inklusive fünf Touchdowns in der zweiten Halbzeit, und eines Sieg-Drives am Rande des Wahnsinns, mit 4th down conversions in engste Doppeldeckungen hinein, und Emotionen auf den Rängen, da stand die Gänsehaut nicht nur wegen eklatanter Erkältung raus. Es wird gemunkelt, dass QB Ryan Fitzpatrick schnell ein neuer Vertrag untergejuxt werden soll, bevor er unbezahlbar wird. Nun wartet die erste „richtige“ Standortbestimmung.

Denn New England wird als nicht einzubremsende Offensivmaschine hochgejubelt – wir hatten Annäherndes ja erwartet – allerdings scheint mir speziell beim Chargers-Spiel der Fakt völlig unterzugehen, dass die Patriots durchaus zu knacken gewesen wären: San Diego verzockte sich dreimal punktelos in der RedZone und hätte Tolbert nicht den Fumble gemacht und New England direkt im Anschluss das Pendel gedreht…

Dazu erleben die Patriots derzeit das Oregon-Ducks-Phänomen: Aufgrund der sagenhaft schnellen No-Huddle-Offense werden in der gegnerischen Defense haufenweise Verletzungen vorgetäuscht. Eine Unsitte, die kaum nachzuweisen und daher auch nicht strafbar ist.

Minnesota – Detroit wäre ein weiteres durchaus vorzeigbares Spiel gewesen. Zusätzlich zur Unfähigkeit, klare Führungen nach Hause zu bringen, waren die Vikings auch zweimal sehr unrhythmisch in der Pass-Offense. Detroit hatte zu Beginn gegen die Chiefs durchaus Probleme, das Laufspiel zu stoppen und seine eigene Luft-Armada in Schwung zu bekommen. Für Minnesota dürfte die Angriffsstrategie klar „Laufspiel“ lauten, da die Lions sich hierbei deutlicher verwundbar zeigten und McNabb gegen Pass Rush (Lions-Stärke) generell große Probleme hat.

Jacksonville – Carolina ist das direkte Aufeinandertreffen der beiden hochbezahlten Rookies: Blaine Gabbert für Jacksonville, wo man erwartet schnell die Idee mit Luke McCown aufgab, Cameron Newton für Carolina, dessen tiefe Würfe erstaunlich sind. Muss ich meine Meinung bezüglich Newton 180° ändern? Ich habe Newton geschätzte sieben, acht Mal in Auburn gesehen. Der Mann wirft deutlich besser als damals, das können die vielen INTs, die paar horrend ungetimten Würfe und die ungestüme Vorstellung in der RedZone gegen Green Bay nicht verdecken. Sieht bis dato weder nach West Coast Offense noch nach allzu großen Konfusionen für Newton aus – und das ohne Unterstützung durch das erstaunlich pomadige Laufspiel. Carolina hat neben diesem noch eine andere, eklatante Schwachstelle: Sie sind nicht in der Lage, Laufspiel über die Mitte zu verteidigen. Nun kommt RB Jones-Drew des Weges…

Schließlich noch Tennessee – Denver, wo beide Teams ihre ersten Siege eingefahren haben. Tennessee mit einer wurfgewaltigen Offense ohne viele Carries für RB Chris Johnson (den wichtigsten Spielzug durfte Backup Ringer bestreiten). Die Broncos dagegen können sich zum Patentamt begeben in Sachen „coolste Lösung einer QB-Kontroverse“: QB Kyle Orton als Starter behalten, QB Tim Tebow als Wide Receiver aufgestellt. Nun kehren dutzende hochkarätige Verletzte zurück.

Sonntag, 25. September 2011

Philadelphia Eagles – New York Giants

19h LIVE bei ESPN America und Sport1+ (Tape ESPNA: 28.9./11h30)

Ein Spiel, da werden Erinnerungen an das zweite Miracle of the Meadowlands wach, wenn auch diesmal der Austragungsort ein anderer ist. Hauptdarsteller von damals: QB Michael Vick, der nach einer Gehirnerschütterung fraglich ist (aktuell als „questionable“ gelistet, wie auch Backup Vince Young) und nach menschlichem Ermessen schon von Anstands wegen nicht eingesetzt werden sollte. Eventuell wird Third Stringer Mike Kafka zu seinem Einsatz kommen, Kafka sah nicht so übel aus.

Für die Giants wird es vor allem darauf ankommen, die Blaupause der Atlanta Falcons weiterzuspinnen, die da lautet: Furztrockenes Laufspiel, mit der Combo Jacobs/Bradshaw. Es könnte sich rächen, dass man TE Kevin Boss hat ziehen lassen, da sich die Eagles mit ihrer schwachen Linebacker/Safety-Verbindung als sehr anfällig gegen Tight Ends gezeigt haben – Tony Gonzalez zuletzt mit sieben Catches und zwei Touchdowns. Auf alle Fälle dürften die Giants daran interessiert sein, Passspiel so lange wie möglich nur dosiert einzusetzen – die Eagles haben gefährlichen Pass Rush und gute Coverage gegen die #1 und #2-Anspielstationen.

Chicago Bears – Green Bay Packers

22h LIVE bei ESPN America, Sport 1+ und Puls 4 (Tape ESPNA: 29.9./11h30)

Die gute Nachricht voraus: Nick Collins scheint ohne bleibende Schäden davongekommen zu sein, seine Saison ist allerdings vorüber. Collins war am Sonntag beim Versuch, RB Jonathan Stewart zu tackeln, von Stewart mit dem Knie am Helm getroffen worden und der Nacken würde übel zusammengebogen. Da läuft dir die Eiseskälte über den Rücken, so ungeschützt das Genick in solchen Momenten einer Wucht ausgesetzt ist.

Zum Spiel selbst: Da war doch mal was? NFC-Finale 2010/11, anyone? Es ist die Begegnung, in der im Winter QB Jay Cutler enteiert wurde, von Fans, Medien und Profikollegen. Während Cutler davon eher unbeeindruckt zu sein schien, gehört OffCoord Mike Martz dieser Tage splitterfasernackt durch das Internet getrieben, so unsinnig seine Spielzugauswahl am Sonntag in New Orleans war. 52 Pässe, 11 Läufe, ein Cutler, der hinter einer wackeligen Line ein ums andere Mal abgeschossen wurde und nach dem Spiel wieder seinen traurigen, resignierten Blick ins Leere drauf hatte.

Entsprechend schlecht ist die Stimmung dieser Tage in Chicago: Martz steht vor dem Abschuss, im Hintergrund lauert bereits ein anderer Schlampian – der ebenso nicht detailversessene Mike „Bleistift“ Tice. Sollte Martz Cutler weiterhin mit 5WR-Sets und tiefen Passrouten hinter dieser Line zum Abschuss freigeben, erwartet man für spätestens Saisonmitte den Coordinator-Wechsel.

Gegen Green Bay dürfte selbst Martz schlau genug sein, sein Ego unten anzustellen und von allzu krassem Passspiel abgehen, auch wenn Green Bays Secondary aktuell etwas geschwächt aussieht: CB Tramon Williams ist nicht wirklich fit, CB Charles Woodson ließ sich am Sonntag trotz zweier INTs ein ums andere Mal von Steve Smith verarschen und zeigte, dass er als Freelancer mittlerweile deutlich besser aufgehoben ist.

Die Story abseits des Feldes ist die langjährige Rivalität zwischen beiden – mit Geschichten darüber kann man Bücher füllen, einen Anriss davon gab es bereits im Jänner zu lesen: Hier entlang.

Indianapolis Colts – Pittsburgh Steelers

02h LIVE bei ESPN America (Tape ESPNA: 26.9./18h30 und 29.9./13h30)

NBC dürfte kotzen, dreimal diese Colts in Sunday Night Football senden zu müssen (einmal können sie via Flex Scheduling rausoptieren). Ohne QB Peyton Manning ist diese Mannschaft in der Offense so verloren wie wir es angenommen hatten, der als Notnagel aus dem Ruhestand geholte Kerry Collins fiel bisher nur als Butterfinger (vier Fumbles in zwei Spielen) auf und die Offense liegt irgendwo zweieinhalb Meter unter der halbgefrorenen Erde begraben.

Für Pittsburgh dürfte es ein Spiel im Schongang werden, auch wenn Indys Defense immerhin Spuren von Leben gezeigt haben soll: Ein großartiges Duo an Pass Rushers aus DE Dwight Freeney/DE Rob Mathis und eine Defensive Line, die eine solide Basis für eine gute Lauf-Abwehr bilden soll. Könnte gegen die Offensive Line der Steelers interessant werden…

Auf der anderen Seite riecht das Spiel schon ganz leicht nach einem Shutout für Pittsburgh, auf alle Fälle kaum vorstellbar, dass die Colts – eine völlig unvorhergesehene Entwicklung innerhalb einer Woche mal als Unmöglichkeit dahingestellt – großartig viele Punkte aufs Tablett legen werden, zumal ich im hoffnungslosen Mismatch Colts-Offenseline vs. Steelers-Passrush ca. sieben Sacks, drei Fumbles und fuffzehn Hits erwarte.

Montag, 26. September 2011

Beide Aufzeichnungen klingen nach Leckerbissen, während das Nachtspiel immerhin eine weitere interessante Standortbestimmung in einer gepflegt auf den Keks gehenden NFC East darstellt.

New Orleans Saints – Houston Texans

14h30 als Tape bei ESPN America (auch 30.9./10h)

Freunde der gepflegten Passfestivalwochen haben in Erwartung dieses Matchups bereits jetzt feuchte Augen in Erwartung zweier 450yds-Performances der Quarterbacks Drew Brees (Saints) und Matt Schaub (Texans). Beide Offenses haben noch dezente Probleme, ihre Laufspiele durchgedrückt zu bekommen, wobei man bei den Texans zum jetztigen Zeitpunkt auch nicht allzu optimistisch auf den Sonntag blicken dürfte: RB Arian Foster plagt sich noch mit Leistenproblemen.

Tampa Bay Buccaneers – Atlanta Falcons

16h30 als Tape bei ESPN America (auch 30.9./12h)

Das Aufeinandertreffen der beiden Comeback-Quarterbacks vom Wochenende. QB Josh Freeman, ein persönlicher Favorit, gegen QB Matt Ryan, auch so ein persönlicher Favorit. Vergangene Saison erlebten wir zwei Spiele, die die Falcons optisch dominierten, nur um beide Male durch einige Big Plays der Buccs gegen Spielende arg ins Schwimmen zu kommen und fast noch die Partien abzuschenken.

Für Tampa könnte diese Saison gefühlt eine lange werden, da das Laufspiel über RB Legarrette Blount nicht wirklich effizient in die Gänge kommt und WR Mike Williams eine Aversion gegen physische Cornerbacks entwickelt hat. Ob man sich Woche für Woche auf den brillanten Freeman verlassen wird können?

Dallas Cowboys – Washington Redskins

02h LIVE bei ESPN America und Sport 1+ (Tape ESPNA: 27.9. um 18h30)

Zwei Teams, die gut in die Saison gestartet sind, die letzten Zweifel jedoch noch ausräumen müssen. QB Tony Romo zeigte sich eine Woche nach dem Kollaps gegen die Jets von seiner toughen Seite, legte mit Rippenprellungen über 400yds hin (fast 200yds in den letzten Minuten) und drehte das Spiel gegen die 49ers – allerdings steht hinter Romos Einsatz am Montag eben wegen jener Verletzung noch ein dickes Fragezeichen. Bei Washington ist QB Rex Grossman im Fokus, der mir zu viel über den grünen Klee gelobt wird: Grossman und „konstant lange Drives hinlegen“ wird wohl nicht mehr zusammenkommen.

Nun kommt mit der Cowboys-Defense ein bärenstarker Test und eine Urgewalt im Pass Rush. Man sollte es eigentlich nicht mehr extra erwähnen müssen, aber was OLB #94 DeMarcus Ware da Woche für Woche aufs Spielfeld zaubert, ist beachtenswert und verdient Anerkennung. LT Trent Williams wird seine Reifeprüfung ablegen müssen, um Washington in diesem Spiel eine Chance zu geben.

Nachtrag: Herrmann/vierviertel.wordpress.com hat wieder den Notizblock gezückt, beginnend mit Beobachtungen zu Buccs-Vikes und Bears-Saints.

Mit den Tampa Bay Buccaneers die Sommeremotionen genießen

Die Tampa Bay Buccaneers waren 2010/11 die Überraschungsmannschaft schlechthin, trotz der vielen quasi „geschenkten“ Siege gegen die NFC West. 10-6 hatte ich dieser Mannschaft in den kühnsten Träumen nicht zugetraut. Das selten coole HC/QB-Gespann aus Raheem Morris und Josh Freeman paart sich in Tampa zu einer Mentalität, auch 1:30 vor Schluss noch die ganz dicken Eier herumzuschleifen und enge Spiele zu biegen. Hätten im vergangenen Dezember nicht die Lions etwas dagegen gehabt, die Buccs wären glatt anstelle des Superbowl-Champs Green Bay mit Pauken und Trompeten in die Playoffs eingezogen.

Dabei waren die Vorzeichen eher ungünstig gestanden: Ein blutjunger, unerfahrener Head Coach und ein blutjunger, nicht Vertrauen erweckender Quarterback. Umso überraschender, wie geladen Tampa spielte und wie eiskalt dort selbst wenn es kritisch wurde, das eigene Spiel durchgedrückt wurde.

Big Ben auf NFC-isch

Die Offense funktionierte trotz schwacher Offensive Line und trotz recht grüner Skill Players. Hauptgrund hierfür: QB Josh Freeman, dessen Entwicklung im zweiten Jahr so fassungslos war, dass Freeman in der Vorjahresform keine Vergleiche mit Big Ben Roethlisberger scheuen muss: Ein Hüne vor dem Herrn, mobil und furchtlos und sehr improvisationsfähig.

Laufspiel muss nach dem doch überraschenden Abgang von Cadillac Williams wohl hauptsächlich der Schläger von Boise, RB Legarrette Blount, machen. Blount kam nach Eklat am College vor einem Jahr aus dem Nichts zurück und legte mal eben 1007yds und 6 TDs hin. Wir sprechen hier von einem brachialen Running Back, Typ Larry Johnson, bei dem ich mir nicht sicher bin, wie lange der Körper diesen Laufstil durchhalten wird: Lieber 1yd verschenken und dem Verteidiger einen blauen Flecken mitgeben als drum herum zu laufen und das eine Yard mitzunehmen.

Über Blounts Ersatzmann wird zu sprechen sein. Allein Earnest Graham ist noch ein bekannter Name, und Graham ist ein Verletzungsrisiko.

Dritter im Bunde der Buccs-Triplets: WR Mike Williams, ein erstaunlich explosiver Mann für die tiefen Bälle. Die Mitteldistanzen werden vom sehr athletischen TE Kellen Winslow jr. bedient, dazu gesellen sich ein Haufen namenloser Receiver und Tight Ends, die alle ihre paar Catches und Yards machen.

Sorgen bereitet die Protection – zumindest mir: LT Donald Penn gilt als solide, aber was in Tampa so alles an Druck über die Mitte durchkommt, kann im Prinzip nicht lange gut gehen. Trotzdem wurden die meisten Blocker für teures Geld im Kader behalten. Der X-Faktor ist Rookie-TE Luke Stocker, dem exzellentes Blocking nachgesagt wird.

Frontloading in der Defense

2010 wurden die Defensive Tackles Gerald McCoy und Brian Price hoch gedraftet, 2011 die beiden Defensive Ends Adrian Clayborn und Da’quan Bowers. Jemand da, der einen Trend erkennt?

Beide 2011er Pick scheiden die Geister, weil sie Verletzungs-Historien mitbringen, aber gemessen an den Vorstellungen im vergangenen Herbst gab es hinsichtlich „sofortige Verstärkungen“ keine Zweifel, welche Position oberste Priorität sein musste. Defensive End nämlich. Am besten im Doppelpack.

Tampas Linebackers sind unbekannt und es wäre blasphemisch, sie mit ehemaligen Kalibern wie Derrick Brooks zu vergleichen, aber die OLBs Geno Hayes und Quincy Black sind quicke, solide Leute, auf denen man aufbauen kann. Bezüglich des Middle Linebackers bestehen noch Fragezeichen: Will man tatsächlich auf Rookie Mason Foster setzen?

Die Secondary wird auf den besten Mann verzichten müssen: Knalltüte FS Tanard Jackson dopte sich zu oft über die erlaubten Limits hinaus und wird gesperrt fehlen. Die Ersatzleute sind die beiden Codys, Grimm und Lynch, und bei den Strong Safetys wird man wohl auf den Wandervogel Sean Jones bauen. Der Rookie SS Ahmad Black, ein Lokalmatador, gilt zwar als talentiert, aber wenn ein Michael Turner das erste Mal über den schmächtigen Black drüberläuft, möchte ich nicht mit Knochensammeln beginnen.

Für die Pass-Deckung stehen zur Verfügung: CB Aqib Talib, ein Mann, der abseits des Spielfelds für mehr Kopfzerbrechen sorgt als drauf oder CB Ronde Barber, der mit 36 nicht jünger wird.

Trotz Barber ist das eine junge Defense, die noch 2-3 Jahre reifen wird müssen. Große Sorgen hätte ich ob der geringen Tiefe im Kader – es ist angesichts dieses Personals nichts anderes als ein Wunder, dass Tampa so eine Saison wie 2010/11 spielen konnte. (Das Geheimnis steckt wohl in den 19 INTs, aber sowas lässt sich kaum planbar wiederholen)

Special Teams

Zu K Connor Barth hege ich nur mäßiges Vertrauen, vor allem jenseits der 40yds-Kicks. P Michael Koenen ragt mit seinem sensationellen neuen Vertrag heraus (6 Jahre/19 Mio. Dollar!!), aber eher wenig mit seinen Leistungen zuletzt als Atlanta Falcon. Returner Micheal Spearlock ist bei Zeiten ein spektakulärer Mann.

Ausblick

Ich sehe viele Fragezeichen, und am meisten frage ich mich, wie die Buccs mit ihren Stats und so vielen Löchern im Kader (O-Line, Secondary) zuletzt zehn Saisonsiege einfahren konnten. In diesem Jahr fällt der Freifahrtschein „NFC West“ im Schedule auch noch weg und ich tue mir schwer, an eine weitere Cindarella-Saison zu glauben.

Das ist der Schedule:

Wk #1 vs Lions
Wk #2 @Vikings
Wk #3 vs Falcons
Wk #4 vs Colts (MNF)
Wk #5 @49ers
Wk #6 vs Saints
Wk #7 vs Bears
Wk #8 BYE
Wk #9 @Saints
Wk #10 vs Texans
Wk #11 @Packers
Wk #12 @Titans
Wk #13 vs Panthers
Wk #14 @Jaguars
Wk #15 vs Cowboys (Samstach)
Wk #16 @Panthers
Wk #17 @Falcons

Ist die Kaderpolitik (sprich: Inaktivität in der Free Agency) am Ende doch nur mir suspekt? Kann der junge Josh Freeman noch einmal sämtliche Schwachstellen übertünchen? Ist ein Preseason-Kader mit nur drei Spielern über 30 und 74/90 unter 25 nicht doch zu jung? Die drei zentrale Fragen für Tampa 2011.

Ich liebte die Buccs 2010/11 und ich liebte Freeman (rein platonisch natürlich), aber ich bin geneigt, den blitzartigen Aufstieg als Zufallsprodukt abzutun. Riecht nach einer losing season. Tampa kann aber zuversichtlich in die Zukunft schauen – es gab in den letzten Jahren andere Mannschaften, die man lange Zeit als „jung“ bezeichnete und die dann den Durchbruch schafften (Green Bay, anyone?).

Falls es mehr wird: Sorry, Mr. Freeman, dann gehören Sie auf der Stelle in die Top 5 der NFL-Quarterbacks.

Das Zeiteisen verrät: 583 Minuten verbleiben. WordCount nach 15 Teams: 14229. (Jo, ich weiß, bissl geschummelt. Ich habe lediglich meinen Beitrag für NFL/Spox überarbeitet)

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Tampa Bay Buccaneers

©Flickr

Es ist ein paar Jahre her, als ich im Zuge eines Sprachsommers die Florentiner Nächte unsicher gemacht habe. Immer mit dabei: Richard, ein Mathe-Student aus Tampa, Florida.

[Übrigens kaum zu glauben, wie viele AmerikanerInnen Italienisch lernen wollen – war aber vor Amanda Knox, Bunga/Bunga & folglich auch bevor der Lustmolch Obama zum Amtsantritt beleidigt hatte.]

Richard war Zimmerkamerad – und riesiger Buccs-Fan. Rich war natürlich hoch erfreut, dass es selbst im fernen Italien einen NFL-Fan gab. Es war grad die Zeit nach dem Niedergang der Buccs. Die Preseason war dabei, keine Verbesserung zu versprechen, aber mit Cadillac Williams hatten sie immerhin kurz zuvor einen jungen Hoffnungsträger gedraftet. Am Ende stand Tampa in den Playoffs.

Dank Richie habe ich die Buccs über die Jahre ein bisschen genauer verfolgt als andere Teams. Ich war zwar nie Buccs-Fan, aber wenn du ein bisschen Bezug zu einer Mannschaft hast, lässt es sich interessierter verfolgen. Seit jenem Herbst ist nicht mehr viel gelaufen und die Buccs hatten nach Sapp&Brooks keine Identität mehr. Bis zu dieser Saison. Ende Oktober, nach einem Comeback-Sieg der Buccs gegen die Rams, kommentierte Dauerkarten-Inhaber Richard im Messanger:

Enthusiasm. We’ve got a winner! Terrific stuff.

Und verlinkte dieses Video.

Die Sensation des Jahres

Die Buccs sind mit 10-6 meine Story der Saison – obwohl dank der NFC West im Spielplan ein paar Siege quasi „geschenkt“ waren und gegen die meisten „Großen“ verloren wurde.

Denn: Ein selten cooles HC/QB-Duo gepaart mit der Mentalität, auch 1:30 vor Schluss noch in die ganz dicken Eier herumzuschleifen – das finde ich klasse. Ich gratuliere den Buccaneers, vor allem, weil ich weder an Raheem Morris, der auch als MLB-Coach eine gute Figur macht, noch an Babyface-QB Josh Freeman geglaubt hatte. Manchmal wird man aber überrascht.

Josh Freeman QB Tampa Bay Buccaneers

Harmloses Gesicht - bärenstarker QB: Josh Freeman, ©Wikipedia

Morris, Freeman und RB Legarrette Blount – das neue Trio infernale der NFL. Und hätten da nicht die Lions Mitte Dezember etwas dagegen gehabt – Tampa Bay wäre glatt anstelle des späteren Superbowl-Champs Green Bay mit Pauken und Trompeten in die Playoffs eingezogen. So kann man am Ende konstatieren: Mit wehenden Fahnen untergegangen.

Was sagt uns der Blick in die Stats?

Ich habe Tampa nur 4x über vier Viertel gesehen (2x gegen Atlanta, 1x Saints und Seahawks (Tape)), plus die wilde Schlussphase gegen Arizona. Von daher mal eine Herangehensweise via Excel:

DVOA (Rating in Relevanz zum Gegner)
Offense: #8 overall, #10 Pass, #12 Lauf
Defense: #23 overall, #13 Pass, #32 Lauf
Special Teams: #18

Absolute Zahlen
Offense: #17 Pass, #8 Lauf
Defense: #7 Pass, #28 Lauf

Vor allem für die Defense ist die Sprache eine klare: Es braucht Leute, die den Lauf verteidigen können! Im Draft 2010 haben die Buccs mit DT Gerald McCoy (#3 overall) und DT Brian Price (2. Runde, #35 overall) gleich ihre ersten beiden Picks für Defensive Tackles ausgegeben, und damit die Basis für die Laufdefense geschaffen. Beide waren teilweise verletzt – ich sehe aber nicht, warum Tampa heuer weitere DTs holen sollte. McCoy soll Ansätze von Dominanz gezeigt haben (McCoy war leider gegen Saisonende schon verletzt, als die Buccs bei uns im TV gezeigt wurden).

Die Defense

Es spricht also einiges dafür, dass die Buccs ihren Fokus auf die Defensive Ends richten werden. Gesucht werden dürften aber keine reinen Pass Rusher (na, hallo!), sondern DEs mit Qualitäten gegen das Laufspiel. Wenn ich mir die Ends im heurigen Draft anschaue, dürften die Buccs schon den Taxi-Schläger Adrian Clayborn im Hinterkopf haben.

Zweiter Knackpunkt sind die Linebackers. Wenn der Blick ins aktuelle Roster nicht täuscht, hat Tampa derzeit keinen ILB im Kader, weil Barrett Ruud Free Agent wird. Die restlichen Linebackers wirkten auf mich eher hüftsteif – womöglich wird via Draft auch an dieser Stelle Hand angelegt.

In der Secondary gibt es zwei Fragezeichen: CB Ronde Barber wird mit bald 36 nicht jünger und dürfte erstmal damit beschäftigt sein, den Zwillingsbruder Tiki vom NFL-Comeback abzuraten. Und FS Tanard Jackson wird in den ersten Wochen wegen wiederholter positiver Dopingprobe fehlen – und auch danach nicht sicher von der NFL begnadigt werden. Ein schwerer Schlag, denn Jackson gilt als einer der besseren Safetys in der Liga, solange er sich nur an die erlaubten Limits herandopt, und nicht darüber hinaus.

Die Offense

Die Offense Line war im Saisonverlauf durch Verletzungen (Center) und Rotationen (v.a. auf der rechten Seite) Subjekt einiger Mutationen. G Joseph ist vertragslos – im Prinzip gäbe es Handlungsbedarf , aber die Defense sollte vorgehen.

Ein schwieriger Fall ist RB Cadillac Williams. Williams ist nicht (mehr) mehr als ein fangstarker Back für 3rd downs. Zu sehr haben fassungslos viele schwere Verletzungen an ihm genagt. Glaube ich aber Richard, so ist der Cadillac eine der populärsten Figuren in Tampa, ein sentimental hero, einer, mit dem sich die Fans voll identifizieren und den sie lieben. Der Typ Scholl in den letzten Jahren. Ich gehe davon aus, dass Williams für relativ lau in Tampa bleiben wird, da er auch an anderem Ort und Stelle keinen Rentenvertrag mehr kassieren wird.

Der Returner

Micheal „Ich heiße nicht Michael“ Spurlock war Returner während der Saison und ist nun RFA. Wenn ich an den genialen Return gegen die Falcons zurückdenke, sollte Tampa Spurlock einen Vertrag anbieten. Damals war Spurlock mitverantwortlich, dass Tampa trotz gefühlter haushoher Unterlegenheit in den letzten Sekunden um ein Haar ein Comeback mehr gefeiert hätte.

Ausblick

Junge Mannschaft, junger Coach, markante Typen – wäre nicht die hässliche Fratze „Malcolm Glazer“ allgegenwärtig, ich wäre schon verknallt in diese Buccaneers.

Auf alle Fälle gilt es an zwei Dingen anzusetzen: Defense stärken und Ticketpreise senken – denn Tampa hatte trotz des begeisternden Spiels Probleme, das wunderschöne Raymond James Stadium zu füllen.

Alles in allem bin ich sehr gespannt, inwiefern die Buccs nach der deutlichen Weiterentwicklung der Mannschaft im Verlauf dieser abgelaufenen Saison in den kommenden Jahren in der starken NFC South ein Wörtchen mitreden können. Ganz vom Tisch dürfte auch das „One Year Wonder“ noch nicht sein.

Für weitere „Sezierstunden“ bitte hier entlang.