Sonntagsvorschauer 2019 | Woche 2

Guten Morgen. Woche 2 ist „follow up“ zu Woche 1 – und nicht selten spielerisch interessanter. Weiterlesen

NFL-Draftvorschauer 2012 nach dem Stichtag: Quarterbacks

Nach Ende der Bowl Season und dem aktuellen starken Fokus auf das Recruiting im College Football ein schaler Blick voraus auf die angehenden Jungprofis, die heuer in den NFL-Draft wandern werden. Und es wird Zeit, die Trends der letzten Jahre schön langsam ernst zu nehmen, die da wären:

  • Quarterbacks werden schnell ins kalte Wasser geworfen.
  • Running Backs verlieren massiv an Wert.
  • Jedes Team sucht seinen großen #1-Wide Receiver.
  • Tight Ends kommen als Allzweckwaffen immer stärker auf.
  • Offensive Line verliert erstaunlicherweise leicht an Bedeutung, selbst bei Teams mit jungen Quarterbacks.
  • Jedes Team außer den Patriots sucht verzweifelt Pass Rusher.
  • Vielseitige Linebacker mit Deckungsfähigkeiten gegen Tight Ends gewinnen rasant an Wert.
  • Kadertiefe im Defensive Backfield ist bedeutender denn je.

Heute mal ein Blick auf einige Quarterbacks im NFL-Draft 2012, was ich so von ihnen in den letzten Jahren College Football gelernt habe, und wo man sie vor Senior Bowl, Combine und medialer Hype-Maschine einordnen würde.

Quarterbacks

Seit rund eineinhalb Jahren ist jeder Draftguru überzeugt, dass Stanfords QB Andrew Luck der Top-Draftpick sein wird. Luck ist Sohn des ehemaligen Frankfurt-Galaxy-GMs Oliver Luck und ein sehr reif wirkender QB („der reifste seit Peyton Manning“). Das einzige, was man Luck abspricht, ist ein Raketenarm á la Stafford, dafür sagt man ihm den Charakter eines charismatischen Workaholics nach, dessen Horizont nicht an der Seitenauslinie endet und der bereits durchaus in der Lage ist, eine Defense per Audible an der Anspiellinie zu verbrennen.

Bis zum Draft ist allenfalls die Frage noch spannend, ob (oder wann) die mediale Meute verzweifelt genug ist, um Luck eine Konkurrenz aufzuoktroyieren. Heisman Trophy-Sieger Robert Griffin III von der Baylor University würde sich als leise Alternative aufdrängen, ein Instinktquarterback vor dem Herrn, fast so athletisch wie Vick und mit der Gabe, tiefe Bomben in enge Deckungen zu vervollständigen. „RG3“ gilt jedoch noch als suspekt im Entziffern von komplizierteren Abwehrformationen (Stichwort „Zone Blitzes“), hat analog zu Luck noch nicht viele wirklich exzellente Defenses gesehen.

Luck und Griffin dürften die beiden begehrtesten Subjekte sein, nachdem von der einst gehypten Breite in der diesjährigen Auswahl nach den Absagen der Matt Barkleys oder Landry Jones’ der Topf etwas seichter wurde. Als dritte Kraft dürfte sich der riesige Nick „Zottelbock“ Foles von den Arizona Wildcats etablieren, der aufgrund seiner Beweglichkeit recht nervös in der Pocket aussieht und allergisch auf Pass Rush reagiert, aber eine Rakete von einem Wurfarm besitzt. Foles hängt noch immer das Schildchen des Weicheis nach, nachdem er einst bei Michigan State den Konkurrenzkampf gescheut hatte, bekam aber in den letzten beiden Jahren enorm viele Chancen zum Passspiel, da die Wildcats meist defensebedingt schon im zweiten Viertel hoffnungslos in Rückstand Wölfe in die Luft werfen mussten.

Eher als Risikoinvestition sieht man Foles’ „Lokalrivalen“, Arizona States QB Brock Osweiler, an – der Mann, dessen unglaublich lange Arme mich immer wieder an eine Krake erinnern. Osweiler ist ein Monster von einer Statur (2,03m) mit Anlage zum „vertikalen“ Spiel, soll aber charakterlich nicht gefestigt sein und wurde nach seiner Entscheidung, schon als Junior die Uni zu verlassen, geprügelt.

QB Ryan Tannehill von Texas A&M ist auch so ein mobiler Mann, dessen sagenhafter QB-Draw gegen Oklahoma State mir immer noch in Erinnerung ist – da sieht man, warum dieser Mann einst als Wide Receiver am College rekrutiert worden war. Tannehill war letzten Herbst ein großes Thema, als er in einem Verzweiflungsmove von Mike Sherman mitten in der Saison zurück auf Quarterback geschult wurde und innerhalb weniger Wochen die Aggies von Gurken zum Topteam transformierte. Soll ein einfacher Charakter sein, aber seine Aktien dürften von einem momentan gebrochenen Fuß gehindert werden.

Bei „mobil“ wird unweigerlich auch der Name des Russell Wilson (Wisconsin) fallen, ein heuer lange Zeit hochgelobter Mann bei den Badgers, aber mit mickrigen 1,80m wohl zu klein gewachsen für einen hohen NFL-Pick. Ein Schwiegermutter-Traum, aber athletisch wenig herausstechend: QB Kirk Cousins von der Michigan State University, ein grundsolider Charakter, dem man nicht nachsagt, ein Kaliber von einem Franchise-QB werden zu können, dafür aber bedenkenlos als Third Stringer auf die Bank setzen würde. Und dann gibt es da noch den großen Kämpfer G.J. Kinne, einen persönlichen Favoriten von den Tulsa Golden Hurricane – flott bei Fuß und keinen Zentimeter zurückscheuend beim Scrambeln, aber wurftechnisch eher der Grobmotoriker.

Brandneu waren gestern die News vom Einstieg von Oregons QB Darron Thomas in den diesjährigen NFL-Draft. Oregons Quarterbacks der letzten Jahre waren im System von Chip Kelly recht austauschbar und die Offense warf Ergebnisse ab, wurscht, wer denn nun die Bälle servierte. Auch Thomas wurde bisher primär als Produkt des Systems gesehen – daher kommt die Entscheidung, das letzte Jahr College auszulassen, bei Thomas einer Sensation gleich.

Der heurige Mann aus den Niederungen der FCS (Unterstufe der Division-I) ist B.J. Coleman (1,93m), der einst einer der ersten war, der nach der Anheuerung von Großmaul Lane Kiffin bei den Tennessee Vols von Board hüpfte und lieber bei Chattanooga versauerte, als für Kiffin auch nur eine blaue Lippe zu riskieren. Coleman – sentimentaler Favorit 2012?

Die drei großen Unbekannten des NFL-Drafts von 2012 sind drei der erfolgreichsten Quarterbacks im College Football in den letzten Jahren. QB Case Keenum, der Rekordmann von Houston, muss mit dem Makel des „System-Quarterbacks“ leben. Vielleicht zur Erklärung: Keenum ist nicht der erste mit gigantischen Zahlen, spielte aber in einer Offense, die sich auf Kurzpässe verließ und praktisch kaum über die 20yds downfield ging – fehlende Arm Strength wird durch Spielintelligenz ausgeglichen, was am College funktioniert, aber in der NFL keine Chance auf den Status „Franchise-QB“ birgt. Dazu kommt Keenums Knieverletzung aus dem Herbst 2010, die die wenigen verbliebenen Interessenten abschrecken könnte.

Brandon Weeden sieht dagegen durchaus wie ein potenzieller Top-Pick aus, fällt aber wegen seiner bald 29 Lenze aus dem Rahmen – Weeden spielte jahrelang als Baseballprofi bei den Yankees, kehrte schließlich vor Jahren an die Universität zurück und führte die Oklahoma State Cowboys in den letzten beiden Jahren zu bisher ungekannten Höhen. Weeden ist keiner, der das Risiko scheut und für einen fulminanten tiefen Ball auch mal seine Großmutter verkaufen würde, aber ich halte es für eher ausgeschlossen, dass der Mann in der ersten Runde vom Tablett geht.

Zu guter Letzt – natürlich – noch Boise States Kellen Moore, der Quarterback mit den meisten Siegen in der Historie des College Football, der Mann mit dem immer gleichbleibenden unbeeindruckten, jungfräulichen Gesicht. Moore werden mehrere Minuspunkte zur Last gelegt – und das geht von seiner Körpergröße (1,83m) über seine etwas unästhetische Wurfbewegung hin zu dieser bogenlampenförmigen Flugkurve seiner Bälle. Verglichen mit Staffords rasiermesserscharfen Geschossen gelten Moores „Pässe“ (Anführungszeichen extra gesetzt) als leicht abzufangende Objekte für Defensive Backs in der NFL. Kleine Quarterbacks mit schwachem Wurfarm waren in der NFL in den letzten Jahren ausnahmslos chancenlos, zumal gegen die Hünen in der Defensive Line, vor allem auch, weil sie eine Defense weder in die Länge, noch in die Breite zu ziehen vermögen. Vielleicht gibt es trotzdem einen GM, der Moore den Ehrenpick in der zweiten oder dritten Runde verleiht, und vielleicht kommt Moore irgendwann sogar über den Status des ewigen Ersatzmannes hinaus – die Geschichte spricht aber gegen ihn.

Football am Donnerstag: Der Abschied der Boise State Broncos

Es ist das letzte Spiel der großen Mannschaft der Boise State Broncos vor dem Abgang einer massierten Senior-Klasse, die in vier Jahren nur drei Spiele verlor (-1, 3-(OT), -1), ein heißes Dauergesprächsthema war und trotz aller Dominanz letzten Endes nur ein einziges Mal in einer BCS-Bowl spielen durfte. Über den ruhmlosen Abschied in der Anonymität von Las Vegas haben ich letzte Woche bei Spox.com geschrieben: Die Broncos sagen tschüss.

Maaco Las Vegas Bowl

#7 Boise State Broncos – Arizona State Sun Devils

Do/Fr 22./23.12. um 02h LIVE im ESPN Player
Fr., 23.12. 19h30 als Tape bei ESPN America

Boise State dürfte vor dem großen Umbruch noch einmal hoher Favorit sein, aber aufgepasst: Bei aller Unkonstanz waren die Arizona State Sun Devils heuer auch für Ausbrüche nach oben gut und brachten sogar QB Matt Barkley und seine USC Trojans durcheinander. Die Ausreißer waren aber auch auf der anderen Seite, wie etwa der schandhaften Heimpleite gegen UCLA. So kommt es, dass Chefcoach Dennis Erickson heute Nacht sein letztes Spiel coachen wird.

Die Sun Devils gehören zu den überdurchschnittlichen Offenses, allerdings ist der Riese QB Brock Osweiler keiner, dem man bedingungslos fünf ordentliche Spiele in Serie zutrauen möchte. Viel ärger jedoch sind die Abwehrprobleme, wo Verletzungen eine Rolle spielen, aber auch das Abschmieren einiger wichtiger Spieler wie bsp. LB Vontaze Burfict. Burfict wurde letztes Jahr in den Himmel gelobt, fiel heuer jedoch mit seiner Anfälligkeit gegen Penaltys ziemlich schnell unten durch und soll seinen „Draft-Stock“ massiv zerschlagen haben.

Boise State gilt somit als hoher Favorit in dieser für die Broncos enttäuschenden Bowl-Ansetzung. QB Kellen Moore kann den halben Hunderter an Siegen in seinem letzten Spiel im College Football voll machen. Moore wird sich aber wohl selbst mit einer phantastischen Vorstellungen kaum mehr in den Fokus der Draft-Gurus spielen können: Der Wurfarm sorgt nicht für feuchte Träume und die Bälle fliegen nicht wie Staffords Raketen durch die Lüfte. Es gilt als wahrscheinlicher, dass OT Nate Potter und RB Doug Martin den einen oder anderen NFL-Scout interessieren könnten.

„Star“ der Broncos 2011/12 war über weite Strecken die knackige Defense, die nur in jener Niederlage gegen TCU unter Verletzungssorgen kollabierte, jedoch insbesondere unter Druck gegen Georgia eine phantastische Vorstellung bot und die „hit-resistenten“ Arizona State Sun Devils über weite Strecken kontrollieren dürfte.

Es ist der letzte Auftritt der großen, stets interessant anzuschauenden Broncos-Mannschaft, die als so was wie die „Unvollendeten“ in die Annalen eingehen dürfte, aber vier Jahre beste Unterhaltung bot und ihren Beitrag zum Bröckeln der BCS-Fassade beigetragen haben dürfte. Nach dem Spiel beginnt ein massiver Umbauprozess, da in Offense und Defense eine Vielzahl an Startern die Mannschaft verlassen werden (je nach Sichtweise bis zu 20/22).

Vorsicht: Das Spiel gibt es bei ESPN America aufgrund der parallel stattfindenden Donnerstagspartie der NFL nur als Aufzeichnung! ESPN-Player (kostenpflichtig) ist live ab 02h MEZ dabei.

Thursday Night Game/NFL

Indianapolis Colts – Houston Texans

Do/Fr, 22./23.12. 02h LIVE bei ESPN America
Tape: Fr, 23.12. 17h30 bei ESPN America

Die Colts haben all ihre Saisonziele erreicht: Die peinliche 0-16 Bilanz verhindert und immer noch in der Pole Position auf den strategisch so wichtigen #1-Pick, der alle Optionen hinsichtlich „Re-Building“ eröffnet, von Mega-Offerten bis hin zum meistgehypten Quarterback der letzten Jahre, Andrew Luck. Peyton Manning soll übrigens wieder trainieren, aber nicht einsatzfähig sein.

Houston legte am Sonntag gegen Carolina ein Päuschen ein, ein mentaler Aussetzer nach den Feierlichkeiten zur ersten Playoff-Qualifikation nach neun Anläufen (dafür sprächen auch die vielen Turnovers). QB T.J. Yates soll eklatante Schwächen gegen eine der schwächsten Defenses gezeigt haben – sich heute Nacht wieder einspielen auf die Playoffs. Houston ist noch im Kampf um Freilos in der ersten Playoffrunde und hat noch eine klitzekleine Chance auf den #1-Seed.

College Football 2011/12 live, Woche #1: LSU Tigers – Oregon Ducks, Boise State Broncos – Georgia Bulldogs

Die Warnung vorneweg: Sie betreten hier Spoiler-Zone von Spieltag #1 am College. Ich habe heute die Möglichkeit, beide der parallel stattfindenden Nachtspiele zu sehen und werde zwischen den einzelnen Spielen hin- und herswitchen. Eine Vorschau auf dieses Wochenende habe ich am Donnerstag geschrieben, eine spezielle Vorschau für Boise State – Georgia gibt es beim großartigen Paul Myerberg.

 

 

 

 

[05h40] Endstand LSU Tigers 40, Oregon Ducks 27. LSU brauchte mehr als zwei Viertel, um sein Laufspiel in die Gänge zu bekommen. Als sie dies geschafft hatten, war die Sache gegessen, weil QB Jarrett Lee die nötige Entlastung hatte und die Defense und Special Teams reihenweise Turnovers machten. Erwartet stark: Die Defense, die trotz mehrerer hochkarätiger Abgänge über weite Strecken stark war.

Oregons Probleme gehen über die Fumble-Probleme hinaus: Die stilbildende Ducks-Offense des letzten Jahres kam prinzipiell nie in die Gänge und ich bin mir nicht sicher, ob dies allein an der <100%-Verfassung von RB LaMichael James lag. Man nehme Oregon das Laufspiel weg und breche mit Härte den Rhythmus und der Angriff ist am verlängerten Rücken.

Endstand Georgia Bulldogs 21, Boise State Broncos 35. Über weite Strecken eine beeindruckende Vorstellung der Broncos, die Georgia phasenweise komplett in die Tüte steckten und zeitweise im dritten Viertel zweieinhalb Meter unter der Erde hatten. Für das Feeling sehr wichtig: Man hat quasi im Herzen der SEC – in Atlanta ist deren Hauptsitz – eines der größten Schwergewichte der SEC in Grund und Boden gespielt. Allerdings könnte Boise States Saison trotzdem diskreditiert werden, weil gestern der einzige verbliebene nennenswerte Gegner TCU sensationell verlor und ich nicht sicher bin, ob die Air Force es jemals in diesem Herbst in die Rankings schafft. Dazu kommt, dass Georgia möglicherweise nächste Woche gegen South Carolina abstürzen wird – selbst bei einer Perfect Season gibt es also genügend Vorzeichen, die gegen Boise State als #1 oder #2 in den finalen BCS-Rankings sprechen, schon jetzt.

[05h19] Nun zeigt sich, weshalb viele Leute Boise verspotten: Die Broncos hängen in den Seilen, sind kaum mehr in der Lage, Pass Rush zu bringen, spielen teilweise ohne down linemen. 35-21, aber es sind nur mehr knapp mehr als drei Minuten zu spielen.

[05h08] LSU 33, Oregon 20. Oregon zeigt zwar bei 13-33 und 12min keine Anzeichen von Stress, aber weil QB Darron Thomas die Ruhe weg hat, endlich mal ein ansehnlicher Drive. Touchdown, 20-33 und wir haben mit RB #5 De’Anthony Thomas einen Mann zum Merken. Trotzdem wirkt die Offense wie Bruchstück. 9:14 to go im letzten Viertel.

[04h50] Georgia/Boise State: Das dritte Viertel ist zu Ende, Georgia hat auf 28-14 gestellt, nachdem Boise einen Spielzug vorher beim Punt eine Strafe begangen hatte. Der Touchdown-Pass kam zustande, weil es in der Defense einen Abstimmungsfehler zwischen Cornerback und Safety gab.

LSU/Oregon: Das dritte Viertel gehörte komplett den Tigers, Oregon streut nun zu viele Turnovers zu ungünstigen Zeitpunkten ein. LSU brauchte nur 21yds bzw. 41yds für die letzten beiden Touchdowns. 30-13 LSU und Oregons BCS-Titelhoffnungen schauen bereits schwer zerbröselt aus. Schlimmer ist IMHO aber, wie unrhythmisch die Offense spielt. Der unfassbare Spielfluss aus der vergangenen Saison – wieder „nur“ von einem SEC-Team gestört oder tatsächlich Anzeichen vom Ende einer Ära?

[04h35] Georgia 7, Boise State 28. Die Sache sieht nun sehr gegessen aus. Das Bild Boise Offense vs. Georgia Defense sieht aus wie meistens: Jeder Spielzug mit durchschnittlich 5-6yds Raumgewinn, missed tackle auf missed tackle, resignierte Körpersprache in der gegnerischen Defense und Trainerstab. Moore mit dem dritten TD-Pass des Tages zum dritten verschiedenen Receiver, direkt vor den Augen von Jared „Statue of Liberty“ Zabransky, dem phänomenalen Boise-Quarterback in der Fiesta Bowl 2007.

[04h21] Mit verstärkter Protection und viel Play-Action sieht auch Georgias Offense plötzlich recht rund aus. Just in dem Moment, in dem allerdings ein Blocker für einen zusätzlichen Receiver aufgegeben wird, dominiert wieder der Pass Rush mit fünf Broncos. Boise jetzt mit der Chance auf den KO-Schlag.

In Dallas kriegen die Offenses weiterhin recht wenig aufs Parkett und auf Oregons Seite wird der Oberschenkel von RB James seit Minuten massiert und behandelt.

[04h12] Georgia 7, Boise State 21. Oregon spielt nebenan, aber Boises Offense mit einem Tempo wie sonst nur die Ducks. Georgia war verzweifelt genug, um schon im ersten Drive nach der Pause ein Timeout zu brauchen, weil die Abwehr kein Land gegen das Kurzpass-Stakkato der Broncos sah. Moore blieb in diesem Drive jungfräulich, unberührt.

[03h55] Halbzeit LSU 16, Oregon 13. LSU in den letzten Minuten mit etwas mehr Zeit für QB Jarrett Lee und das zahlte sich aus. Die Tigers haben Probleme mit Drops, aber das Haupt-Problem ist IMHO, dass LSU kein Laufspiel gebacken bekommt. Oregon hat seinen Rhythmus noch nicht wirklich gefunden und verliert öfters nicht nur das Duell Power vs. Power, sondern überraschenderweise auch Speed vs. Speed. Trotzdem sehe ich leichte Vorteile bei Oregon, sofern sich RB #21 James nicht verletzt haben sollte.

[03h47] Halbzeit Georgia 7, Boise State 14. Was man nicht gedacht hätte: Boise State dominiert mit seiner Defensive Line dieses Spiel, weder kriegt Georgias QB Aaron Murray halbwegs ausreichend Zeit zum Werfen, noch hat es das Laufspiel geschafft, die anfänglichen guten Ansätze über längere Zeit zu halten.

Gefühlt startet Boise State jedes Mal in Nähe der Mittellinie seine Drives, während Georgia wohl noch nicht ein einziges Mal außerhalb der eigenen RedZone beginnen durfte. Das ist nur einer der Gründe, weswegen ich die 7pts-Führung für Boise für zu gering halte.

Für Georgia wird es jetzt zum Knackpunkt, die Broncos beim Eröffnungs-Drive in der zweiten Halbzeit zu stoppen und das Spiel bis ins Schlussviertel hinein eng zu halten. Sorgen muss man sich um die Tiefe im Kader machen, und zwar bei GEORGIA: Die Bulldogs verlieren pro Drive einen Spieler mit Verletzung.

[03h37] Georgia 7, Boise State 14. Nach einer INT zieht Boise State einen trockenen 51yds-Drive inklusive Trickspielzug mit dem „Running-QB“ Grant Hedrick durch. Beim Touchdown nutzt Moore die 4 vs. 3 Überlegenheit seiner Ballempfänger auf der rechten Seite. 48sek zu spielen, gutes Timing, und Boise State erhält den Ball als erstes in Halbzeit #2.

[03h27] Stat der Nacht bisher: LSU warf 12 Pässe. Yds/Pass: Eins komma acht. Nur unwesentlich un-krasser: Oregons Pass/Lauf-Verhältnis ist 27/13.

[03h23] Nun haben in Atlanta beide Offenses einen Turnover in Scoring-Reichweite. Georgia vor ca. einer halben Stunde, weil sie beim 4th down einen Defensive Liner eiskalt ungeblockt durchließen und den vierten Versuch nicht durchbrachten. Boise, weil Kellen Moore unter Druck einen tiefen Ball in eine Raumdeckung warf und der Ball abgefangen wird. Der Schaden hält sich insofern in Grenzen, als dass das Field Goal wohl sowieso zu lang gewesen wäre (48-50yds, ca.).

[03h04] LSU – Oregon ist bisher ein eher enttäuschendes Spiel. Beide Offenses kriegen kein Bein in den Boden, wobei Oregon trotz der Interception just in dem Moment noch vergleichsweise gut funktioniert. LSU führt 9-7, weil Ducks-Returner Kenyon Barner einen Punt fumbelte und LSUs #7 Tyrann (kein Scherz) Mathiew von der 3yds Line reinlaufen kann. Der Extrapunkt wird standesgemäß verfehlt.

[02h57] Georgia 7, Boise State 7. Die Broncos zeigen Ansätze ihrer brillanten Offense. Plötzlich wird das Tempo angezogen, RB Doug Martin bricht eine Handvoll Tackles, die Wide Receivers sind den einen Schritt schneller und QB Kellen Moore beendet die Angriffsserie mit seinem 100sten Touchdown seiner Karriere am College. Während Georgia bis auf den langen Lauf noch kein einziges 1st down hat, hatte dieser Broncos-Drive „Drive“.

[02h41] Georgia 7, Boise State 0. Kaum beklagt, da macht RB #2 Brandon Boykin mit dem einfachsten Laufspielzug der Welt den langen Touchdown über 80yds. Boykin gegen die Laufrichtung der Defense, es braucht einen einzigen, simplen Block und die Defense ist gebrochen.

[02h36] Seufz.. Zwei Uhr 36, gespielt: 5:19, First Downs: Null, dafür Strafen, Drops und zwei Timeouts und schon fünf-sechs Werbe-Breaks. Bisher dominieren die aggressiven Defenses und wenig Zug in dem Spiel drin.

[02h18] Erste Angriffsserie Georgia: Drei Strafen in vier Spielzügen. Resultat: Boise State beginnt seinen ersten Drive in der gegnerischen Platzhälfte.

[02h00] Was Georgia heute für eine neuartige Trikot-Kreation trägt, grenzt an Augenvergewaltigung.

[01h43] Schaler Blick nach Notre Dame: Das Spiel ist nun nach einer gewitterbedingten längeren Halbzeitunterbrechung fortgesetzt worden. Ohne einen Zwischenstand zu verraten: Brian Kelly hat bereits den Quarterback ausgetauscht: QB Tommy Reed ist schneller reingerückt als gedacht. QB Dayne Crist steht an der Seitenlinie.

[01h33] Für Oregon und Boise State gilt heute: Sie werden dem „richtigen“ Test unterzogen: Eine SEC-Mannschaft als Gegner. Oregon hatte zuletzt mit physisch spielenden Gegnern Probleme, während Boise State gar noch nie gegen eine SEC-Mannschaft gewonnen hat. Mit Siegen können heute beide eine ganze Latte an Respekt dazugewinnen.

Bei Boise State wird wie heute Nachmittag angeklungen das holländische Trio aufgrund einer internen Schutzsperre fehlen: S Febis, WR Bouldewjn, DT Tjong a Tjoe – ihre Spielberechtigung ist nicht vollends geklärt und während ein Cam Newton trotz Beweisen bedenkenlos eingesetzt werden konnte, traut sich Boise State nicht, heißt: Sie könnten mit zunehmendem Spielverlauf die geringere Kadertiefe spüren – denn Gegner Georgia gilt als hart spielendes Team.

Oregon und Boise State haben IMHO den größeren sportlichen Druck, das Spiel zu gewinnen als ihre Gegner: Eine Niederlage würde alle BCS-Titelhoffnungen schon in Woche 1 zerbröseln. Für Georgia zählt hauptsächlich, dass sie hier die Ehre sämtlicher großer Traditionsuniversitäten gegen die Neureichen vertreten, für LSU bedeutete eine Niederlage eine ganze Menge zusätzlichen Druck: Sie müssten für das BCS Title Game dann wohl ungeschlagen durch die restliche Saison kommen – eine brutale Aufgabe angesichts des sehr schweren Schedules.

College Football 2011/12, TV-Guideline für Woche 1

Dieses Wochenende startet die Saison im College Football 2011/12. Ich habe noch nicht alle Mannschaften in der Vorschauserie durch, aber das kommt noch. Versprochen. Ist auch schon zu 95% geschrieben. Stattdessen heute eine Guideline zum TV-Programm an diesem Kickoff-Wochenende. ESPN America und Eurosport 2 bringen einen ganzen Schwall an Spielen entweder live oder als Aufzeichnung. Den ESPN Player lasse ich aus bekannten Gründen außen vor, was nicht heißt, dass es verboten wäre, in den Kommentaren auf das eine oder andere Spiel aus vom ESPN College Pass hinzuweisen.

Freitag, 2. September 2011

Wisconsin – UNLV (13h, ESPN America)

Mit #11 Wisconsin tritt hier einer der großen Favoriten der Big Ten Conference an. Die Badgers waren zuletzt als Vertreter der Big Ten in der Rose Bowl dabei und haben ein sehr sehenswertes Spiel knapp 19-21 gegen TCU verloren. In der Offseason kamen Quarterback und der beste Defensivspieler abhanden, aber mit dem frisch von NC State geholten QB Russell Wilson hat man einen soliden, wurfstarken Mann mit Erfahrung geholt. Unabhängig davon, wer das Spiel kommentiert, kann man sich bereits Gedanken um ein Drinking Game machen, wie oft erwähnt wird, dass Wisconsins Offensive Line sehr korpulent gebaut ist.

Die Defense zeichnet ein großer Zug gen Quarterback aus und auch vor Blitzes wird nicht zurückgescheut, wobei für mein Ermessen die Secondary zu oft entblößt wird. Dass die University of Nevada/Las Vegas Rebels das allzu oft werden austesten können, darf man nicht erwarten. Das ist eine Mannschaft, die zu den zehn schwächsten in der FBS gehören dürfte.

Samstag, 3. September 2011

Baylor – TCU (12h30, ESPN America)
Ohio State – Akron (18h LIVE, ESPN America)
USC – Minnesota (21h30 LIVE/Tape 6.9. 12h30, ESPN America)
Lousiana State – Oregon (02h LIVE/Tape 4.9. 15h30, ESPN America)
Hawaii – Colorado (05h30 LIVE/Tape 5.9. 12h, ESPN America)

#14 TCU spielt ein innerstaatliches Derby gegen die Baptistenuniversität von Baylor, die in den letzten Jahren einen leisen, beständigen Aufschwung erlebt hat und bei denen ein Auge auf den QB Robert Griffin III zu werfen ist, ein wurfgewaltiger und dennoch sehr mobiler Quarterback, Junior und trotzdem schon in seinem vierten Jahr an dieser Uni. TCU muss nach den vielen Abgängen die Brötchen heuer wohl eine Nummer kleiner backen. Vor allem der neue QB Casey Pachall steht im Blickfeld.

Samstag ab 15h dann LIVE die ESPN-Sendung College GameDay, diesmal aus dem Cowboys Stadium von Arlington, die die Livespiel-Orgie einleitet. Um 18h aus Columbus #18 Ohio State Buckeyes gegen Akron Zips, ein Ohio-Derby, aber ein ungleiches Duell. Ungewohnt wird sein: Bei Ohio State steht erstmals seit zirka zwei Jahrhunderten nicht der heimliche Erfinder der Strickjacke Jim Tressel an der Seitenlinie, sondern der Interimscoach Luke Fickell. Ohio State muss ohne eine Reihe seiner besten Spieler auskommen, die im ersten Monat wegen Kavaliersdelikten gesperrt sind, aber dass gegen die als anerkannt unterirdisch geltenden Zips nicht trotzdem ein turmhoher Sieg herausschauen wird, ist hausgemachte Sache.

21h30 das Duell #25 USC TrojansMinnesota Golden Gophers. USC muss eine weitere Saison ohne Bowls spielen, wurde trotzdem von AP an #25 gerankt. Es gilt vor allem ein Auge auf QB Matt Barkley zu werfen. Barkley kommt im Sunnyboy-Ranking gleich nach Matt Leinart und Mark Sanchez, ist aber ein ungleich besserer Werfer, und ein offensichtlich sehr gutherziger Charakter, der schon in Südafrika eigenhändig am Häuserbauen für die Armen mitwirkte. Dr. Saturday hat Barkley einen Blogeintrag spendiert. Minnesota befindet sich mal wieder im Neuaufbau, hat sich mit Jerry Kill nicht ganz ohne Nebengeräusche einen neuen Headcoach mit grundsolider Spielanlage („Laufe, vermeide Interceptions, stoppe den Lauf, erziele Sacks“) angelacht, ein diametraler Gegensatz zum Extrainer Brewster. Erste Aktion Kills: Mit MarQueis Gray wurde ein Wide Receiver zum Quarterback umgeschult.

Um 02h finden parallel die beiden, nein: DIE BEIDEN, Spiele des Wochenendes statt, und falls sich jemals jemand über die Spielansetzung in der Bundesliga beklagt hat, ich halte dagegen. Wenn Boise State vs. Georgia und die #4 Louisiana State Tigers vs. #3 Oregon Ducks zeitgleich angesetzt werden, dann gehören die verantwortlichen TV-Stationen eigentlich gesteinigt. Umso verwunderlicher, dass es die beiden verwandten ESPN und ABC betrifft. ESPN America bringt Boise State nur als Aufzeichnung, dafür LSU – Oregon aus dem Cowboys Stadium in Arlington live.

Und es ist ein Spiel, für das man beide, aber vor allem LSU, nur Respekt zollen kann. In Zeiten, in denen die Ungeschlagenheit fast mehr wert ist als ein schwieriger Schedule, ist es vor allem für die SEC-Mannschaft Louisiana State erstaunlich, dass sie die Eier besitzen, den Kracher gegen Oregon zusätzlich zum Conference-Schedule mitnehmen, und im Prinzip damit einzig ihre BCS-Titelchancen minimieren.

LSU besitzt allgemein anerkannt eine titelfähige Mannschaft, deren sportlich größtes Problem der Quarterback sein sollte. Der wenig überzeugende QB Jordan Jefferson steckt nach einer wenig glimpfliche verlaufenen Barschlägerei in ärgeren Problemen mit der Justiz, deswegen wird zumindest in diesem Spiel QB Jarrett Lee starten, ein Mann, bei dem der College-Football-Fan unweigerlich an „Interception“ denkt. Dazu kommt, dass der OffCoord jüngst wegen einer Parkinson-Erkrankung endgültig zurückgetreten ist. LSU definiert sich aber eh über seine Defense. Und obwohl mit DT Drake Nevis, MLB Kelvin Sheppard und CB Patrick Peterson drei hohe Draftpicks in die NFL gegangen sind.

Die Oregon Ducks dagegen spielen eine atemberaubend schnelle, Maßstäbe setzende Offense mit Dutzenden Laufspielvariationen und einem atemberaubenden Speed seiner Spieler im offensiven Backfield: RB LaMichael James ist so klein, so wendig, so flink, RB Kenyon Barner der eher kräftige, immer noch flinke Back, und QB Darron Thomas ist zwar kein ausgereifter Werfer, aber ebenso geschmeidig wie meine jungen Kätzchen. Den Special Teams und der Secondary fehlt allerdings ein Superstar: CB/PR Cliff Harris, der nach Alkofahrt für den Opener intern gesperrt wurde. Diese Eier muss man auch haben.

Zwei Dinge, die bei Oregon mit 100%iger Wahrscheinlichkeit mehrfach thematisiert werden: Gegen physische Gegner hat die Mannschaft gerne Probleme, ihren Rhythmus zu finden. Und SEC-Teams wie LSU sind physischer als alle anderen. Und dann ist da noch die Sachen mit den neuen Signalen für die No-Huddle-Offense: Aus Angst vor Handzeichen-Erkennung wurden in der Offseason hauswandgroße Tafeln mit riesigen Bildern (Tiere, Landkarten usw.) gebastelt, die vom Backup-QB hoch gehalten werden. Wie dadurch die Durchschaubarkeit der Signale erschwert worden sein soll, ist mir schleierhaft.

Auf alle Fälle gilt: Für Oregon wäre eine Niederlage verheerender als für LSU. Eine Pac-12 Mannschaft braucht mit einer Niederlage schon alles Glück dieser Welt, um im BCS-Titelrennen zu bleiben. Eine SEC-Mannschaft dagegen würde auf diese Weise nicht zum ersten Mal ins Endspiel einziehen.

In den frühen Morgenstunden, ab 5h30, dann noch live aus Aloha die Hawaii Warriors gegen die Colorado Buffaloes. Hawaii spielt eine Run and Shoot-Offense und ist mit der stets futuristisch gekleideten Dreadlocke QB Bryant Moniz eine einzige, rohe Passgewalt. Colorado kommt mit neuem Headcoach daher: Jon Embree, dessen Haupt-Empfehlung sein Alumni-Status in Colorado ist. Die Buffaloes haben Conference gewechselt, spielen nun in der Pac-12 und haben dieses eine Spiel Zeit, um sich für das erste Conference-Spiel (s. Kommentar von Jens) nächste Woche gegen Cal einzuspielen. In der Defense darf man durchaus Probleme erwarten: eine recht kleine Unit, dazu ziemlich grün. Ob das gut geht?

Sonntag, 4. September 2011

Auburn – Utah State (8h00, ESPN America)
Penn State – Indiana State(8h00, Eurosport 2)
Notre Dame – South Florida (9h00, Eurosport 2)
Michigan – Western Michigan (10h30, ESPN America)
Georgia – Boise State (13h00, ESPN America)
West Virginia – Marshall (22h00 LIVE/Tape 5.9. 14h30, ESPN America)

Langer, sehr langer Collegefootball-Sonntag. In der Früh darf man zwischen ESPNA und Eurosport 2 hin- und herswitchen. BCS-Titelverteidiger #23 Auburn bringt ganze sieben Starter zurück und muss auf fast alle Leistungsträger aus dem Vorjahr verzichten. Der ganz große Hoffnungsträger ist RB Michael Dyer, der MVP des Endspiels, aber bei den Quarterbacks schaut es eher unruhig aus: Barrett Trotter wurde zum Starter ernannt und für den Backup Clint Moseley war das der Weltuntergang. Moseleys Stimmung soll irgendwo drei Meter unter der Erde zu verorten sein. Im Hintergrund wartet schon der gehypte Freshman Kiehl Frazier, aber an Trotter wird vorerst keiner vorbeikommen, denn das Malzahn’sche Offensivsystem ist extrem quarterbackfreundlich.

Bei Penn State – Indiana debütiert Hoosiers-Head Coach Kevin Wilson, ein Offensivgenie, das aus Oklahoma geholt wurde. Eine Freundin war bis vor kurzem in Bloomington – dort ist der Hauptcampus der Indiana University – und die Erwartungshaltung soll ihr zu glauben ziemlich gestiegen sein, sogar im Recruiting wurden schon erste größere Erfolge eingefahren.
[Update: In den Kommentaren wird völlig zurecht darauf hingewiesen, dass der Gegner von Penn State nicht Indiana, sondern Indiana State ist, ein Unterschied von fünf Buchstaben und zwei sportlichen Klassen. Damit kein Wilson-Debüt on TV, dafür die Einladung, was sinnvolles zur Einstimmung auf Indiana State beizutragen.]
Der Headcoach von Penn State ist ein bisschen erfahrener, aber diese Geschichte kennen Leser dieses Blogs zur Genüge… Leider ist das Spiel am frühen Nachmittag angesetzt. Beaver Stadium in der Nacht wird hoffentlich noch das eine oder andere Mal zu sehen sein.

Um 9h bei Eurosport 2 die „Holtz Bowl“: #16 Notre Dame gegen South Florida. Bei USF coacht Skip Holtz, ein Offensivgeist, der in Tampa den Angriff beleben soll. Skip ist der Sohn des Lou, und Lou Holtz ist eine verehrte, geliebte Trainerlegende beim Gegner. Lou Holtz liebt Notre Dame und er wird bei diesem Matchup mit Sicherheit die eine oder andere Träne verdrücken. Trotz der beiden Coaches Skip/Brian Kelly erwarte ich eher ein defensivlastiges Spiel: Beide Abwehrreihen haben im vergangenen Herbst mehr als überzeugt (USF noch mehr als ND) und beide Angriffsformationen sind noch auf Identitätssuche, auch bei den Quarterbacks: Notre Dame hat sich nun für die vermeintlich schwächere Lösung, Dayne Crist, entschieden, bei USF startet B.J. Daniels, ein inakkurater Scrambler. Wie so was mit dem „West Coast Guy“ Holtz zusammenpassen soll – let’s see.

Notre Dame muss noch ein Neben-Störfeuer überstehen: Die Mannschaft startet ihren Pregame-Trubel (Marsch durch die Massen) nun nicht mehr vor der städtischen Basilika, sondern vor dem Footballkomplex, um mehr Zeit für die Spielvorbereitung zu haben. Das Geheule der Traditionalisten durfte man erwarten, schließlich beendet die Universität hier eine Tradition, die schon begründet wurde, als bei uns noch der Ötzi durch die Berge stapfte.

Bei MichiganWestern Michigan darf man die leeren Plätze im riesigen Michigan Stadium zählen, wie immer bei Season Opener, wo zwar offiziell alle 113.000 im Haus sind, tatsächlich aber meist „nur“ 90-95000. Gespannt, wie die Offense unter dem neuen Head Coach, „Michigan Man“ Brady Hoke, ausschauen wird und wie die Auswirkungen auf das Spiel von Schuhlitze QB Denard Robinson sein werden. Die Defense soll auf alle Fälle bereits merklich physischer zu Werke gehen.

Spiel der Spiele für mich ist aber das Duell zwischen #5 Boise State und #19 Georgia, und dabei spielt die persönliche Broncos-Affinität weniger eine Rolle als die Storyline, dass hier der Newcomer als klarer Favorit gegen das Establishment antritt – in dessen Bundesstaat. Vor sechs Jahren gab es das Duell schon einmal. Damals wurden die großspurigen Boise State Broncos von Georgia nach Strich und Faden 48-13 verprügelt. Diesmal ist die Situation etwas anders.

Boise State kommt erneut als BCS-Titelanwärter daher, mit dem Heisman-Mitfavoriten QB #11 Kellen Moore und einer Offense, deren Geheimnis auf diesem Blog am Dienstag dieser Woche gelöst worden ist. Georgia hat seinen eigenen vielversprechenden QB Aaron Murray, aber einen Trainer auf dem Schleudersitz (Mark Richt) und eine insgesamt wohl zu wenig explosive Offense gepaart mit einer zu unkonstanten Defense.

Andererseits würde ein Upset-Sieg der Bulldogs die Saison der Broncos schon im Ansatz zerbröseln. Denn anders als beim Parallelspiel LSU/Oregon kann sich Boise State mit einer Niederlage alle Hoffnungen abschminken, und das für Jahre, denn nach dieser Saison wird es einen massiven Personalwechsel geben.

Am Abend, 22h live das innerstaatliche Derby von West Virginia: West Virginia Mountaineers vs. Marshall Thundering Herd. Hier treffen zwei Welten aufeinander, auch stimmungsmäßig. Während bei WVU nach dem unrund abgelaufenen Trainerwechsel alles mit E-u-p-h-o-r-i-e auf das Debüt von Offensivgenie Dana Holgorsen wartet, gibt es bei den „Grünen“ von Marshall aktuell nur wenig Aussicht auf schnelle Besserung. Ans Herz legen würde ich das Spiel auch wegen der zu erwartenden, großartigen Stimmung im Heimstadion von West Virginia, ein sehr pathetischer Ort für meinen Geschmack.

Montag, 5. September

Maryland – Miami/FL (02h LIVE/Tape 6.9. 19h30, ESPN America)

Abgerundet wird das Kickoff-Wochenende im College Football mit den Maryland Terrapins und den Miami Hurricanes – das bedeutet auch: Ein ACC-Duell und ein Duell zweier Teams mit neuen Head Coaches. Maryland hat seinen langjährigen Frontmann Ralph Friedgen rausgeekelt und dafür den ambitionierten Randy Edsall von UConn geholt, Miami hat den allzu schwachen Clock Manager Randy Shannon geschmissen und ihn mit Al Golden ersetzt.

Golden ist nun in einer beschissenen Lage, muss eine Mannschaft coachen, in der der halbe Kader wochenlange Sperren riskiert (Nevin Shapiro und seine Geister), und dazu mit einer unguten QB-Situation umgehen. Jacory Harris ist der Starter, und er wäre an dutzenden Unis nicht mehr als der Notnagel.

Wer nicht schon für Monday Night Football in der NFL nächtliches Aufstehen trainieren möchte, kann die Begegnung übrigens am Dienstag, 6.9. um 19h30 als Aufzeichnung anschauen.

College Football 2011/12 Preview: Mountain West Conference (MWC)

Die Mountain West Conference ist eine recht junge Conference und aktuell stark im Wandel begriffen. Wenn alle Bewegungen der letzten beiden Jahre mit TCUs Abgang im kommenden Jahr beendet sein werden, wird die MWC 10 Mitglieder zählen und nicht mehr und nicht weniger als eine verbesserte WAC sein.

Trotz dann namhafter Abgänge (Utah, BYU, TCU) dürfte die Conference ab 2012 an sportlicher Attraktivität gewonnen haben: Boise State und Nevada sind Kaliber geworden, Fresno State gehört seit Jahren zu den WAC-Größen und Hawaii ist reinstes Recruiting-Gold.

Kleines Hintertürchen in Sachen „nicht mehr als eine verbesserte WAC“: Mit ein bisschen Kalkulations- und Verhandlungsglück ist es nicht ausgeschlossen, dass die MWC 2013 und 2014 eine BCS-Conference sein wird. Die Chancen stehen tatsächlich wohl eher gering, werden die MWC-Kernmärkte nach dem Abfall des TV-Marktes in Fort Worth/Dallas (TCU) ab 2012 nur noch 6% des TV-Marktes in den USA ausmachen.

Boise State Broncos

Boise Turf Big Bubya

Das Markenzeichen von Boise State: Knallblaues Spielfeld - ©Flickr/Big Bubya

Die Boise State Broncos scheiden zwischen „gnadenlos gut“ und „völlig überschätzt“ die Geister und dürften favorisiert auf den MWC-Titel sein. Das große Ziel ist aber die BCS, wenn möglich das National Championship Game.

Die Boise State University ist eine recht junge, pulsierende Bildungsanstalt, deren rasantem sportlichem Aufstieg selbst die größten Kritiker allerhöchsten Respekt zollen. Was in der Hauptstadt von Idaho trotz limitiertem Recruitings und relativ geringer Budgets innerhalb weniger Jahre aufgestellt wurde, ist sagenhaft – Boise State spielt erst seit 2001 in der obersten Kategorie (FBS) mit und hat sich zu einem alljährlichen BCS-Buster hochgespielt. Haupt-Protagonist der Erfolge: Head Coach Chris Petersen, ein Pokerface und Offensiv-Geist vor dem Herrn.

Die Unaufgeregtheit der Broncos spiegelt sich nicht nur in der stets gleichbleibenden Miene Petersens, sondern auch im unschuldigen Gesicht von QB Kellen Moore, der 38 seiner 40 Spiele am College gewonnen hat (bei einer Niederlage mit einem Punkt und eine Overtime-Niederlage mit drei Punkten. Fassungslos). Moore, Linkshänder, wirkt recht harmlos, ist aber kaum aus der Ruhe zu bringen und wirkt extrem souverän in der Pocket, selbst unter Druck. Trotz nur 1,83m nicht ausgeschlossen, dass wir es mit einem Quarterback für die NFL zu tun haben.

Die Offensive Line muss allerdings umgebaut werden, allein der allgemein als NFL-1st round-Kaliber OT Nate Potter bleibt eine Konstante. Das Laufspiel wird vom untersetzten, kräftigen RB Doug Martin und seiner Handvoll Kollegen getragen, Top-WR dürfte nach den Abgängen von Young/Pettis Kellens Bruder Kirby Moore sein.

Eine harte Nuss beim Boise Viewing: Die Offense. Während Boise State neben dem Spielfeld und vor allem mit seinem Spielfeld (Stichwort: stechend blauer Spieluntergrund) recht peppig daherkommt – man könnte auch sagen: „schreiend“ – will die Philosophie auf dem Spielfeld so gar nicht zu diesem Image passen. Petersens Offense ist extrem punktegewaltig (über 40Pkte/Spiel), aber irgendwie… eigenartig, nicht etwas für die Laufstege dieser Welt.

Jeder Spielzug beginnt mit viiiiel Bewegung an der Line of Scrimmage, Scharen an Leuten laufen durch die Gegend, ehe sich rund um QB Kellen Moore eine Block-Armada aus Offensive Line, Tight Ends und Fullbacks aufstellt. Nach dem Snap meistens der kurze, schnelle Pass – und es ist frappierend auffällig, wie häufig die Defense verarscht wird: End-Arounds, Läufe und Würfe gegen die Laufrichtung der Defense, Fantillionen Tackles ins Nichts.

Die Offense wirkt unglaublich unaufgeregt, spielt mit einer ungesehenen Seelenruhe ihren Stiefel runter, streut zwischendurch immer mal wieder einen Spielzug aus der Trickkiste ein und scort fast in jedem Drive, häufig Touchdowns. Selbst nach großen Raumgewinnen, selbst gegen unterlegene und tote Gegner wird hier nicht der K.o.-Schlag gesucht. Die Offense kehrt immer wieder zu ihrem fast einschläfernden Kleingewichse zurück.

Ich gebe zu, dass ich es nicht recht beschreiben kann: Systemloses System mit System, oder so. Büsschen was Parasitäres, büsschen Trickspielorgie, büsschen Ratlosigkeit meinerseits. Aber es ist eine Offense, zu der ich Vertrauen hege – und die auf alle Fälle sehenswert ist. Ein Problempunkt, der gegen Nevada auffiel: Aufgrund der schieren Dominanz und des Schonens der Starter im Schlussviertel geht den Broncos im Falle eines 60minütigen Grabenkampfs womöglich irgendwann die Puste aus – schneller als bei der Konkurrenz.

Die Defense mit ihrem 4-2-5 ist schwerer von Abgängen gebeutelt. Der beste Pass Rusher DE Ryan Winterswyk ist weg, dazu fehlen die drei besten Defensive Backs: CB Brandyn Thompson (Redskins), SS Jeron Johnson (Seahawks) und S Winston Venable (Bears?) – Venable hatte meistens den Freigeist gegeben und wird nun wohl von Cedric Febis ersetzt.

Boise State hat von der MWC-Führung als Begrüßungsgeschenk das Verbot aufgebrummt bekommen, auf dem heimischen Spielfeld knallblaue Trikots auf knallblauem Untergrund (s. Bild) zu tragen. Könnten also orangene Heimleibchen werden – wie gemacht für unsere holländischen Sportsfreunde in der Mannschaft: Genannter Febis, WR Geraldo Hiwat und DT Ricky Tjong-a-Tjoe bilden unser Oranje-Trio. Eine Story hat ihnen vor Monaten mal Rivals.com gewidmet.

Der Blick wird mal wieder gen BCS-Bowls gehen – wie immer in den letzten Jahren. Zum dritten Mal in Serie wird die Saison gegen einen ganz großen Gegner eröffnet: 2009 putzte man Oregon, 2010 Virginia Tech, diesmal ist auf „neutralem“ Feld Georgia dran. Georgia war schon vor sechs Jahren mal im Schedule, und damals verlor BSU haushoch 13-48. Dass in diesem Jahr mittlerweile der Zwerg BSU gegen den Giganten Georgia beim Spiel in Atlanta favorisiert ist, zeugt von der Verschiebung der Kräfteverhältnisse bzw. der Ehrfurcht, die den kleinen Broncos mittlerweile entgegengebracht wird.

TCU Horned Frogs

Boise State hat Chris Petersen, die TCU Horned Frogs haben Gary Anderson Patterson, ihre Version vom langjährigen, visionären Head Coach, der den Verlockungen der Big Cows widerstanden hat und trotz zahlreicher Angebote immer noch daheim coacht. TCU war in der vergangenen Saison so was wie der heimliche National Champion, durfte aber trotz Ungeschlagenheit nicht im BCS-Finale antreten. Dafür putzte man verdient BigTen-Champ Wisconsin in der Rose Bowl.

Danach allerdings verließen haufenweise Spieler die Universität, angeführt vom großartigen QB Andy Dalton und TCU hat nun eine recht unerfahrene Mannschaft. Daltons Nachfolger QB Chase Pachall ist noch sehr grün, aber die Horned Frogs laufen eh viel lieber als sie werfen und verfügen über Running Backs wie andere über Zahlscheine. Sorgen macht allerdings die Offensive Line, wo 4/5 Uni-Abgänger waren.

Prunkstück von TCU ist aber die Defense, die womöglich landesweit beste. Selten, dass TCU mehr als zehn Punkte kassiert, und das liegt zu großen Teilen am sensationellen Linebacker-Duo: Tank Carder und Tanner Brock dominieren das Spiel, und das merkte man in der Rose Bowl ganz massiv.

2011/12 scheint für TCU ein Übergangsjahr zu sein, ein Aufbaujahr, um dann 2012/13 mit dem Wechsel in die Big East Conference ein richtiger Player im BCS-Wettkampf zu werden. Unterschätzen sollte man die Horned Frogs aber auch in dieser Saison nicht.

Die potenziellen Spoiler

Die Falcons von der US-Air Force aus Colorado gelten als dark horse auf den MWC-Titel. „Air Force“ wie „wir waren seit fünf Jahren stets maximal 117ter von 120 im Passspiel“. Netter ausgedrückt: Hier werden sämtliche Gegner über den Haufen gelaufen, wenn nötig über vier Downs. 2010/11 holte sich die Air Force sogar den Commander-in-Chief’s Cup – die Meisterschaft unter den US-Militärs (Air Force, Navy, Army).

QB Tim Jefferson warf dabei ganze 152 Pässe – der Rest besteht aus knallhartem Laufspiel (letztes Jahr #2 im College Football) über eine Handvoll verschiedener Running Backs und immer wenn es bei 3rd und 4th downs eng wird, werden die Fullbacks ins Getümmel geschmissen. Das Beeindruckende an den Falcons: Sie machen schlicht keine Fehler. Sie werfen dich nicht vom Hocker mit endlosen Laufspielorgien, aber sie spielen ihren Stiefel runter und zwischendurch immer mal wieder ein langer, tödlicher Pass in die Tiefe. Troy Calhoun hat hier einen Anwärter auf höhere Ziele beisammen.

Einen noch gepflegteren Ball spielen die San Diego State Aztecs, lange Zeit unter ferner Liefen, im Vorjahr aber plötzlich in 9-4 Sphären aufgestiegen. Allerdings ist Head Coach Brady Hoke nun gen Michigan abgewandert und es wäre nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft nach so schnellem Aufstieg und Trainerwechsel wieder in der Versenkung verschwindet, zumal mit WR Demarco Sampson und WR Vince Brown die beiden besten Anspielstationen abhanden gekommen sind. Noch da sind QB Ryan Lindley und RB Ronnie Hillman (1532yds, 17TD als Freshman), die Hauptprotagonisten einer Offense, die 29 TD via Luft und 28 TD auf Bodenweg gemacht hat – gemeinsam mit einer eingespielten Offense Line schaut das Fundament der Aztecs allerdings so schlecht nicht aus. Die Defense spielt ein 3-3-5, mit einer Secondary aus einem Free Safety („Aztec“) und zwei Stong Safetys („Warriors“) – ein Konzept, das Rocky Long eingeführt hat. Long ist nun Head Coach.

Schon seit Monaten sabbert man in San Diego dem 24. September entgegen. Dann nämlich geht es nach Ann Arbor, zu Michigan, zum Wiedersehen mit dem alten Coach Brady Hoke. Und dann – es ist Woche 4 – werden wir schon einen Eindruck davon haben, wie brutal Hokes Abgang sich auf San Diego State ausgewirkt haben wird.

Bodensatz

Der Rest der Conference dürfte Kanonenfutter sein und die ambitionierte MWC mehr hemmen denn zu einem möglichen BCS-Status beitragen. Die Wyoming Cowboys besitzen einige Ingredienzien, um irgendwann mal wieder nach oben blicken zu können, aber noch hängen die schwache 2010er-Saison und ein tödlicher Autounfall einer Handvoll Spieler nach. Wyomings Offense lebt vom Hoffnungsträger RB Alvester Alexander, der diese Saison erstmals durchspielen soll, aber Head Coach Dave Christensen gilt mehr als Quarterback-Entwickler denn als Fan von Running Backs. Für deutsche Fans interessant: In der Defense spielt mit Oliver Schober ein (nicht so „deutsch“ aussehender) Middle Linebacker, dem hinter einer potenziell starken Defensive Line ein sehr starker Herbst prognostiziert wird.

Wyoming hat 2010 nur einen einzigen Sieg gegen einen Conference-Rivalen gehabt: Ein 44-0 über die noch schlechteren Colorado State Rams, die ihre Blütezeit vor einem Jahrzehnt hatten. Head Coach Steve Fairchield gilt als Eigengewächs, war einst QB für die Rams, und steht daher auch trotz zweier ganz schwacher Spielzeiten zuletzt noch unter Artenschutz.

„Artenschutz“ ist nicht grad das, was Mike Locksley bei New Mexico genießt. Nach zwei Spielzeiten, einer 2-22 Bilanz, Prügelgeschichten gegen Spieler und einem Vergewaltigungsvorwurf ist die verbleibende Anerkennung der Fans in der Wüste eher drei Meter unter der Erde anzusiedeln. Locksley war als Offensivgenie und starker Recruiter bei den Lobos (spanisch für „Wölfe“) angetreten, aber bisher macht eine schwache Offensive Line die Basis jeder Locksley-Offense, das Laufspiel, kaputt. Eine unterirdische Defense tut das ihrige und so kassierte man zuletzt trotz +4 Turnovers eine haushohe Niederlage gegen Wyoming. Der Gestank „Trainerentlassung“ müffelt schon schwer aus der Wüste herauf.

Auch in Las Vegas spielt man College Football: Bei den UNLV Rebels (University of Nevada/Las Vegas). Gestatten, das Looser-Programm der MWC, seit 1996 in der FBS, bisher eine einzige Winning Season (Saison mit über 50% Siegen), und auch unter dem neuen HC Bobby Hauck setzte sich die Misere fort: 2-11 mit 11 glasklaren Niederlagen. Ob man sich daran hochzieht, dass sich die Gegnerschaft recht ordentlich las? (u.a. Wisconsin, Utah, Nevada, West Virginia, TCU, Air Force, San Diego State, Hawaii und BYU) Der kommende Schedule verspricht, keinen Deut einfacher zu werden.

In Teil 8: Die Rückkehr einer Großmacht – oder?

Las Vegas Bowl 2010 in der Nachbetrachtung

Ich warne vor Spoiler.

 

 

Der Zeitpunkt der Spielansetzung war für europäische Zustände unchristlich, aber ich habe mir die Las Vegas Bowl trotzdem live gegeben. Es hat sich nur bedingt gelohnt. Die spielerische Klasse war definitiv nicht da. Die Spannung auch nicht. Der Unterhaltungswert der Las Vegas Bowl 2010 zog sich aus einer Orgie von Pleiten, Pech und Pannen und einigen Schlägereien nach ein paar unglücklichen Pregame-Statement via Mikro und Twitter.

Vorausgeschickt: Respekt an die Defense der Utah Utes. Kyle Whittinghams Jungs haben mit diszipliniertem Pass Rush und aggressivem Draufgehen auf die Ballträger die Offense der Boise State Broncos vergleichsweise gut unter Kontrolle gehalten. QB Kellen Moore musste vor allem zu Beginn des Spiels einige sehr überhastete Bälle werfen, von denen einige sehr gefährlich in die Nähe der Defensive Backs flogen und einer ganz abgefangen wurde.

Die Broncos kamen lange Zeit offensiv einfach nicht in Gang. Erst Mitte des zweiten Viertels sorgte ein toller Lauf von RB Doug Martin für die Wende. Boise State bis dahin mit drei Ballverlusten, aus denen die Utes nur drei Punkte schlagen konnten. Der Lauf über 84yds war so was wie der Knackpunkt. In Viertel #2 überrollten die Broncos Utah plötzlich. Bei einem Pass in die Endzone auf WR Titus Young hatten die Utes noch mal Glück, als Young mit einem Zeh auf der weißen Linie war. Sonst hätte der Halbzeitstand trüber ausgesehen als 16-3.

Die Utes spielten ohne ihren etatmäßigen QB Jordan Wynn, und der Backup Terrance Cain brachte nur sehr wenig zustande. Die Utes versauten meist schon das 1st down. Nicht nur einmal wurde Cain bei den einfallslosen Option-Spielzügen mit -10yds bestraft. Vor allem der Safety der Broncos, #17 Winston Venable, hat mir auf seinen Blitz-Routen gefallen. Starker Mann, aggressiv und kein Tackle verpassend. Lieber NFL-Scout, hoffentlich haben Sie zugeschaut.

Utah oft mit 2nd und plusminus 20, daraus folgenden langen dritten Versuchen und vielen Drives, die daher praktisch keinen verwerteten 3rd downs. Zwei von 13, um genau zu sein. Eine unterirdische Quote, aber bei Betrachten nicht verwunderlich. Boise States Defense machte die Drives fast immer schon beim First Down zunichte.

Auf der anderen Seite wurden die Broncos offensiv immer dominanter, obwohl es nicht „rund“ wirkte. Immer wieder stießen die Broncos in die Redzone vor. Ergebnis: Ein einziger Touchdown (WR Austin Pettis) und ein Field Goal. Weitere Scores wurden eigenverschuldet zunichte gemacht. Einmal lief Pettis nach herrlichem Slant-Pass in die Endzone, aber an der 2yds Line wurde der Ball aus der Hand geschlagen. Young griff sich das herumkullernde Ei, aber um wenige Zentimeter aus dem Spielfeld – Touchback.

Ein kurzes Field Goal Brotzmans geblockt. Bei einem Punt-Fake den Ball obwohl meilenweit allein auf weiter Flur den Ball fallengelassen. Auf der anderen Seite machten sich die Utes Drives auch selbst kaputt. Fumble, Holding beim Touchdown-Pass, verkicktes Field Goal aus 36yds.

Es war kein gutes Spiel, aber unterhaltsam, weil beide Mannschaften keinen Wert drauf legten, das Ei zu beschützen. 6-7 Fumbles, eine Serie an verpassten Möglichkeiten, eine Serie von Strafen zur Unzeit, vor allem auf Utahs Seite. Am Ende ein hochverdientes 26-3 für Boise State, aber man muss klar sagen: Mit dieser Vorstellung hätten die Broncos auch nicht in eine BCS Bowl gehört. Trotzdem machte BSU 543yds Offense und 23 First Downs.

Utah wird nun in die Pac-12 wechseln. Die Utes sollten froh sein, dass QB Wynn Sophomore ist. Cain hat sich nicht wirklich als Alternative aufgedrängt. Aber die Defense hat insgesamt ordentliche Arbeit geleistet.

Für Boise State wird es bitterer. Vor allem in der Defense wird es einen Aderlass geben. In der Offense werden beide Top-WR, Young und Pettis, die Mannschaft verlassen. Aber schlimmer: Aufgrund der völlig unnötigen Niederlage gegen Nevada wird die Mannschaft auch in der kommenden Saison mit Argusaugen betrachtet werden. Jede Wette. Diese verschossenen Field Goals hängen noch lange nach. Und die Recruitings schauen bisher nicht sooo überragend aus.

Spieler der Saison in Boise ist für mich QB Kellen Moore. Extrem gelassener Mann, mit präzisen Würfen und der Möglichkeit, auch rattenscharfe tiefe Bälle zu werfen (ich erinnere an die Bombe gegen Nevada mit neun Sekunden auf der Uhr!). Moore sollte NFL-kompatibel sein, mit Sicherheit NFL-kompatibler als Vorgänger QB Jared Zabransky. Die Kommentatoren sprechen Moore eine solide Backup-Karriere in der NFL zu. Wenn ein Daniel McCoy in Cleveland starten kann, warum nicht Moore an einem besseren Ort? Aber erstmal sollte Moore noch sein Senior-Jahr spielen.

So long. Boise State, auf ein Neues 2011.

Heisman Trophy 2010

Heute Nacht wird die Heisman Trophy übergeben. Die Heisman Trophy ist die wertvollste Auszeichnung des besten College Football-Spielers der Saison. Aber sie ist im Grunde mehr. Aus der Satzung des Heisman Trophy Komitees:

The outstanding college football player whose performance best exhibits the pursuit of excellence with integrity.

Der beste Spieler, der auch persönliche Integrität nachweisen kann.

Let’s take a look at die Top-Kandidaten von 2010:

Cameron Newton, QB der Auburn Tigers. Zweifellos der dominante Spieler der Saison, ohne den die Auburn Tigers nicht den Hauch einer Chance gehabt hätten auf das BCS Championship Game. Aber Newton ist inmitten einer Affäre um illegale Zahlungen und nur durch einen sehr zweifelhaften Freispruch überhaupt spielberechtigt.

LaMichael James, RB der Oregon Ducks. Ohne Zweifel ist James der integrale Bestandteil der besten Offense im College Football. James’ Seite außerhalb des Spielfeldes ist eine andere: Er war vor einigen Monaten wegen Prügelei gegen Frauen im Knast. Ein Frauenschläger als Heisman Trophy-Kandidat. Wie gesagt: Integrität.

Andrew Luck, QB der Stanford Cardinal. Luck spielte eine sehr gute Saison und führte Stanford in die Orange Bowl. Nicht so spektakulär wie Newton, aber der womögliche Top-Draftpick 2011 und vor allem außerhalb der Hashmarks kein Gauner.

Kellen Moore, QB der Boise State Broncos. Moore spielte eine herausragende Saison und hatte die Broncos ganz knapp vor der Rose-Bowl-Teilnahme. Nur sein Kicker versaute ihm diese Ehre. Moores Problem: Er spielt bei den kleinen Broncos.

Vier großartige Footballspieler. Zwei zweifelhafte Charaktere.

Die Wahl wird auf Cam Newton fallen. Integrität hin oder her. Reggie Bush hin oder her. Wenn’s um solche Sachen geht, darf in Amerika ruhig die Doppelmoral herhalten.

Wer möchte: Das Trauerspiel wird morgen, Sonntag, um 14h30 bei ESPN America aufgezeichnet.