Glaskugel 2012: Arizona Cardinals

Wenn man Spiele der Arizona Cardinals 2011 oder dieser Preseason gesehen hat, weiß man, warum alte grantige Männer immer noch sagen: a football game is won in the trenches und ein gutes Footballteam beginnt immer mit guten Linien. Defensiv waren die Cards ein Positivbeispiel, offensiv ein negatives.

Der Angriff um die Quarterbacks Kevin Kolb und John Skelton hatte zeitweise die Grenze zur Lächerlichkeit überschritten. Die Offense hat genau einmal in der gesamten Saison mehr als 23 Punkte erzielt, gegen die Giants in Woche vier. Und sogar dabei bekamen sie große Unterstützung durch die Defense, die einen Fumble an New Yorks 5-Yard-Linie eroberte.

Überhaupt haben die Verteidigung und die Special Teams die Spiele fast im Alleingang gewonnen. Nach enttäuschendem 1-6-Start in die Saison (davon vier Niederlagen mit vier oder weniger Punkten Unterschied) hat die Defense für den Rest des Jahres gegen niemanden mehr als 23 Punkte zugelassen und Punt Returner Patrick Peterson hat immer wieder den Unterschied gemacht. Als erstem Spieler überhaupt gelangen ihm vier Punt-Return-Touchdowns über mehr als 80 Yards in einer Saison.

Kamerad Zufall hat Arizona dann auch noch etwas unter die Arme gegriffen und so wurden alle vier Overtime-Spiele gewonnen. Mit sieben Siegen in den letzten neun Spielen reichte es noch für eine ausgeglichene Saisonbilanz, aber rosig ist die Zukunft keineswegs.

Cardinals Offense

Die Offensive Line ist eine Katastrophe. Der beste Spieler, LT Levi Brown hat sich eine schwere Trizepsverletzung zugezogen und fällt mindestens drei Monate aus. In der Preseason durfte sich D.J. Young, gekommen aus der Practice Squad, als LT versuchen und wurde ganz schlimm von Tennessees Kam Wimbley vermöbelt. Anschließend “durfte” D´Anthony Batiste von der rechten auf die linke Seite wechseln und sich verprügeln lassen. RT hat dann Rookie Bobby Massie gespielt. Eigentlich sollte Massie mindestens ein Jahr lernen, bevor er spielen muß und man sieht auch ganz genau warum.

Zu allem Überfluß hat Arizona auch noch den schlechtesten O-Liner der 49ers verpflichtet, um, weil, damit: ja wasweißich, es gibt dafür keine Erklärung. Niemand sollte Adam Synder verpflichten und ihn als RG starten lassen. Daneben sehen Center Lyle Sendlein und LG Daryn Colledge aus wie Stars.

Es völlig egal, wer dahinter QB spielt. Kolb und Skelton sind nun wahrlich keine großartigen Spielmacher, aber man kann sie auch nur schwer bewerten, wenn sie ständig nach zwei Sekunden Verteidiger im Gesicht oder am Arm haben.

John Skelton ist ein dicker 2,00m-Brocken, der meistens ziemlich mutig in der Pocket steht. Wenn er nicht allzuviel Druck verspürt, trifft er viele gute Entscheidungen, hat einen starken Arm für oftmals akkurate Pässe. Ist er allerdings under pressure, änder sich das völlig und er scheint lieber in triple coverage zu werfen, als einfach ins Aus.

Kevin Kolb steht nicht so mutig in der Pocket, sondern läuft immer kreuz und quer, sobald ihm jemand zu nahe kommt und trifft dann auch dumme Entscheidungen. Hat er aber mal ein wenig Zeit und Raum, ist er gar nicht so schlecht. Er ist ein streaky shooter, er kann durchaus mal drei, vier gute Plays in Folge machen. Genauso geht es aber auch in die andere Richtung, wenn er mal richtig einen eingesteckt hat.

Man sollte aber weniger auf den QBs rumhacken, sie können nur schlecht aussehen. Wenn irgendwann die Panik kommt – oder beide verletzt sind, was zwangsweise passieren wird – kann Rookie Ryan Lindley mal ausprobieren, wie das so ist, von den athletischsten 140-Kg-Typen der Welt auseinandergenommen zu werden.

Vor allem für Larry Fitzgerald ist das sehr schade. Fitzgerald ist wahrscheinlich der beste WR der Liga, aber so genau weiß man das bei diesen Mitspielern natürlich nicht. Trotz der QB-Situation hat er es irgendwie geschafft, 1400 Yards zu erfangen. Unterstützung soll er von Early Doucet, Andre Roberts und dem 1st-rd pick Michael Floyd bekommen. Das wäre eigentlich ein ganz gutes receiving corps.

Das Laufspiel dürfte durch die dezimierte OLine auch schlechter sein als letzte Saison. Beanie Wells ist besseres Mittelmaß und der letztjährige 2nd-rd pick Ryan Williams sollte ihm ein wenig Last von den Schultern nehmen – wenn er denn richtig fit ist nach seinem Pattelarsehnenriß.

Cardinals Defense

Auf der anderen Seite des Balles ist es das genaue Gegenteil. Mit Darnell Dockett und Calais Campell hat Arizona zwei prototypische 34-DEs, die jeder Offensive Line das Leben zur Hölle machen können. Zwischen den beiden spielt der junge Riese Dan Williams einen richtig guten Nose Tackle.

Schedule

Wk1 v SEA
Wk2 @ NE
Wk3 v PHI
Wk4 v MIA
Wk5 @ StL (TNF)
Wk6 v BUF
Wk7 @ MIN
Wk8 v SF (MNF)
Wk9 @ GB
Wk10 BYE
Wk11 @ ATL
Wk12 v StL
Wk13 @ NYJ
Wk14 @ SEA
Wk15 v DET
Wk16 v CHI
Wk17 @ SF

Dahinter stehen mit Jungstar Daryl Washington sowie den Veteranen Paris Lenon und Stewart Bradley ein sehr guter und zwei gute ILBs. Mäßig ist allerdings der Pass Rush um Sam Acho, O´Brien Schofield und Clark Haggans. Gerade von den jungen, hochgedraftete Acho und und Schofield hatte man sich bis jetzt mehr erhofft. Immerhin kann man immer mal wieder ihr Talent aufblitzen sehen.

Die Secondary wird angeführt von Patrick Peterson. Peterson soll in der zweiten Saisonhälfte einen riesigen Schritt nach vorne gemacht haben und wird, je nach pundit, bereits als Top-10 bis Top-3 CB gesehen. Für die anderen Corner- und Nickelback-Spots hat Arizona auf jeden Fall Tiefe, wenn auch keine ganz große Nummer. William Gay wird erstmal die Seitenlinie gegenüber Peterson übernehmen und Rookie Jamell Fleming wohl den Slot. Mit A.J. Jefferson und Greg Toler haben die beiden aber auch ganz fähige Konkurrenz, die gerne Spielzeit sehen würde.

Die Safeties Adrian Wilson und Kerry Rhodes werden zwar von ProFootballFocus beispielsweise immer wieder madig gemacht, aber für meinen Geschmack machen sie ihre Sache ganz passabel. Für die Tiefe hat man jetzt auch noch Ex-Patriot James Sanders verpflichtet, bei dem das Attribut “solide” durchaus als Kompliment gemeint ist.

Cardinals Ausblick

Die Defense wird viele Spiel knapp halten. Die Special Teams um den erstklassigen Punt Returner Peterson wird auch das ihrige tun und für Punkte und gute Feldpositionen sorgen. Aber die Offense ist einfach zu schlecht, um ernsthaft um die Playoffs mitspielen zu können. Die Cardinals haben nicht das Niveau der 49ers und daher wird es nicht für den Divisionstitel reichen. Die Nicht-Divisionssieger aus den Kombos Falcons/Saints, Giants/Eagles/Cowboys und Packers/Lions/Bears sind auch alle eine Nummer zu groß im Wild-Card-Rennen. Der Plan für Arizona kann nur lauten: draftet Offensive Lineman! Und damit hätten sie schon angefangen haben müssen. So verschwenden sie einfach die besten Jahre Fitzgeralds und der guten Verteidigung. Schade.

Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Die heutige Sezierstunde nimmt sich das Freak-Team der Saison 2011/12 vor, die Arizona Cardinals. Bitte? Bitte!

13 von 16 (!) Spielen der Cards endeten mit einem einzigen Score Differenz. Null Siege mit mehr als acht Punkten, dafür aber auch fünf Niederlagen, die durchaus hätten Big Points einbringen können, man denke dabei nur an die haarscharfen Niederlagen gegen Washington, Seattle und Baltimore, als man sich hernach ohne Fingernägel ins Bett legte. Wie nahe die Cardinals an den Playoffs waren?

Coach Ken Whisenhunt kostete nach einer Schätzung von Brian Burke/Advanced NFL Stats mit seinen geschissen vollen Hosen seiner Mannschaft 1,27 Siege durch zu konservatives Handling in vierten Versuchen. Und es wäre nicht so, dass die Special Teams der Cardinals zu den besseren der Liga gehörten. Der Returner, Rookie Patrick Peterson, war fantastisch, aber abseits davon beförderten sie die eigene Offense und Defense jeweils in absurd schlechte Feldpositionen (Starting Field Position für beide: #30).

Die blanken Leistungen von Offense und Defense waren auch nicht so überzeugend. Der für teures Geld geholte QB Kevin Kolb enttäuschte, weswegen manche Stimmen dem Backup John Skelton aufgrund der Mehrzahl an Siegen den Vorzug geben möchten – ein Populistenargument, dem Whisenhunt kaum nachgeben wird. Kolb ist ein eher schwacher Quarterback, aber im Verhältnis zur wandelnden Interception-Maschine Skelton (5.1% INT-Quote!) immer noch ein Upgrade. Freilich muss die Offense auch ohne wirklich gute Running Backs auskommen, nachdem Ohio States Beanie Wells zwar die 1000yds-Marke knackte, aber einen Großteil des Raumgewinns in einer einzigen Partie einsahnte und als Ballfänger ein Nullfaktor ist.

Überzeugender war da schon die Defense, die einzig und allein viel zu wenige Interceptions (nur 1.7% der Bälle wurden abgefangen) produzierte, eine Statistik, die sich verbessern dürfte. Wenn deine Defense die #28 bei Interceptions ist und deine Offense die viertmeisten Pässe in des Gegners Hände wirft, und du trotzdem eine wettbewerbsfähige Mannschaft stelltest, dann verfügst du über ein gewisses Fundament.


Nach dem Ausscheiden Mannings dürfte also Kolb der Mann für die Zukunft sein. Bedeutet für den Pragmatiker Whisenhunt, dass die Offense Waffen braucht. Neben dem famosen WR Larry Fitzgerald fehlt es an hinreichend Spielermaterial. Nicht ausgeschlossen, dass man sich früh im Draft einer der Waffen wie Jeffery oder Floyd bedienen wird, nachdem man in der Free Agency eher inaktiv geblieben war.

Das alljährliche Stiefkind „Offensive Line“ dürfte dagegen recht unangetastet bleiben, nachdem der als Schwachpunkt ausgemachte OT Levi Brown jüngst weiterverpflichtet wurde. Und für Tight Ends gilt Whisenhunt nicht als der richtige Coach.


Die Defense der Cardinals ist voll von jungen Spielern und auch ästhetisch mit ihrem geradlinigen, druckvollen Spiel ein Hingucker. Das bringt an guten Tagen dominante Vorstellungen zustande, kann an schlechten aber auch noch arg nach hinten losgehen. Verbesserungspotenzial gibt es daher vermutlich in allen Mannschaftsteilen, aber insbesondere die Linebackers dürften als älteste Unit einem Generationswechsel bevorstehen. Nicht ausgeschlossen auch, dass man sich einem weiteren Deckungsspieler für die Secondary bedient.


Die Cardinals waren 2011/12 eine Mannschaft, die etwas besser abschnitt als befürchtet. Die schlimmsten Schwächen betreffen Kategorien, die sich in der Historie als schwankend herausgestellt haben (Turnovers, 3rd downs), weswegen die Mannschaft mit der einen oder anderen sinnvollen Verstärkung (WR, Pass Rusher, DB) womöglich um den Divisionstitel in der NFC West mitspielen wird können.

Mit den Arizona Cardinals in die neue Woche

Es sagt einiges aus über die Qualität einer Mannschaft, wenn sie in der schwächsten Division spielt und am Saisonende trotzdem mit einer 5-11 Bilanz gut bedient ist. Willkommen bei den Arizona Cardinals, der schwächsten Mannschaft des abgelaufenen Herbstes, einer Mannschaft, die seit eineinhalb Jahren einen Massenexodus erlebte – seit QB Kurt Warner trotz allem Flehens seinen Rücktritt erklärt hat.

Erstaunlich, wie ruhig das Front Office die vielen Abgänge hinnahm und seelenruhig in die Saison 2010/11 ging, ohne überhaupt daran zu denken, den Neuaufbau-Modus einzuschalten. Den Knopf hat man anscheinend immer noch nicht gedrückt.

Das QB-Fragezeichen

Head Coach Ken Whisenhunt lässt in Arizona gnadenlos eine Spread Offense spielen, inklusive haufenweise Shotgun-Formationen und einem 2:1-Verhältnis Pass/Lauf. Nach dem Rücktritt von Raketenarm Warner fand ich die Entscheidung, Matt Leinart ziehen zu lassen, durchaus konsequent. Ein so schwacher Wurfarm hätte in diesem System nur bis zu einem gewissen Grad funktioniert, nicht hinter dieser Offense Line und nicht mit dem entscheidungsschwachen Leinart.

Dass Arizonas Quarterback abseits von Leinart unterirdische Leistungen zeigten (50.8% Completion Rate, 10 TD, 19 INT) – geschenkt und angesichts Leinarts Inkompatibilität mit Arizonas Offense auch kein verlorenes Jahr. Man wusste wenigstens, man würde reagieren müssen.

Dass Whisenhunt dann aber so scharf auf den Eagles-QB Kevin Kolb war, überrascht. Kolb macht einen sehr blässlichen Eindruck und ich bin mir nicht sicher, ob Kolb, dem man ebenso einen mäßigen Wurfarm nachsagt, Arizonas Angriff zu neuen Höhen wird führen können. Ich sehe eine Abkehr von der radikalen Shotgun-Spread Offense kommen.

Kollateralschaden des Kolb-Trades: Man hat das Defensive Backfield deutlich geschwächt.

Die Offense

Kolb wird hinter einer ganz schwachen Offensive Line arbeiten müssen, deren Left Tackle Levi Brown schier keinen Schutz für die Blindsite bietet – ein großes Manko und man wird gespannt verfolgen, wie Kolb mit diesem Unsicherheits-Faktor zurecht kommen wird.

Dass mit Todd Heap und dem Rookie Bob Housler zwei Tight Ends eingekauft wurden, die als sehr fangstark gelten: Angesichts der nicht gerade überquellenden Masse an Anspielstationen okay. Dass beiden allerdings arge Schwächen im Blockspiel nachgesagt werden, sollte die Sirenen schrillen lassen.

Wie abseits der Tight Ends die Aufstellungen ausschauen werden? Wir hätten zum einen WR Larry Fitzgerald, der trotz der angehenden Tristesse in der Wüste bewundernswert ruhig bleibt. Fitzgerald lieferte zuletzt eine sensationelle Saison mit 90 Catches, 1137yds und 6 Touchdowns (33% der Yards, 60% der Touchdowns im Passspiel).

Mit Steve Breaston fällt der beste Slot Receiver weg, dafür scheint man auf die jungen Sprinter Early Doucet/Andre Roberts und Rookie DeMarco Sampson zu setzen. Die Ansage: Pfeilschnelle Leute – aber dafür bedürfte es auch eines kurzentschlossenen, wurfgewaltigen Quarterbacks. Ich bin gespannt.

Das Laufspiel (#32 der NFL) liegt seit Jahren am Boden und die Einberufung von RB Ryan Williams in der zweiten Runde darf man als Eingeständnis werten, dass RB Beanie Wells nicht das erhoffte Arbeitstier ist. Dass man nun mit Williams/Wells zwei sehr ähnliche Backs hat – quick, wenig durchhaltevermögend, fangschwach – ließe man noch durchgehen. Dass man mit RB Tim Hightower aber den einzigen akzeptablen Back für 3rd downs nach Washington geschickt hat, sollte noch richtig weh tun und wird mir zu wenig beklagt.

Die Defense

Wir sprechen hier von einer Defense, die von 43 Sacks 2009 auf 33 Sacks 2010 abgestürzt ist. Die Probleme liegen auf der Hand: Es gibt keinen alle überragenden Pass Rusher, auch wenn die Defensive Liner Darnell Dockett und Calais Campbell immer wieder ihre Momente haben. Aus der zweiten Reihe – der Linebackerschaft – kommt jedoch trotz großer Namen wie Joey Porter oder Clark Haggans recht wenig. Resultat: Sehr oft werden die Schwächen in der Secondary offenbart.

Dort wird nach dem Abgang von Dominique Rodgers-Cromartie auf den gehypten Rookie Patrick Peterson als #1-Cornerback vertrauen müssen, ein pfeilschneller Athlet. Aber wenn Rookies in ein unerfahrenes Backfield geworfen werden, führt dies oft unweigerlich zu Problemen, zumal Arizonas Nickelback-Situation ungeklärt ist.

Arizonas Lauf-Defense fing sich zuletzt haufenweise Yards ein, was auch daran liegen mag, dass man oft schnell weit in Rückstand lag. Die Schwächen sollten aber auszumerzen sein. Der junge NT Dan Williams gilt als großes Versprechen und wird in dieser Saison eine größere Rolle spielen. DE Vonnie Holliday, der im Zuge der Hightower-Trades aus Washington kommt, gilt ebenso als Upgrade gegen den Lauf.

Immerhin hat mit ILB Daryl Washington im letzten Jahr ein Rookie sehr überzeugend gespielt und dürfte schon in dieser Saison der neue Anker der Defense sein. Dazu kommt MLB Stewart Bradley aus Philadelphia. Mit Quan Sturdivant haben die Cards einen Rookie geholt, dem ich durchaus eine dominante Rolle zutraue – allerdings soll Sturdivant sich zu leicht von allen möglichen Verlockungen im Nachtleben den Kopf verdrehen lassen. Und dann wäre noch O’Brian Schofield, ein OLB, über den man nur Gutes hört.

Was man von Arizonas Defense zuletzt immer wieder hörte: Sie vertraut stark darauf, dass SS Adrian Wilson als halber bzw. „fünfter“ Linebacker agiert, was gegen den Lauf dringend benötigt wird, wenn man sich ansieht, wie oft FS Kerry Rhodes neben seinen Schuhen steht.

Ausblick

Die Cardinals haben seit längerer Zeit in dieser Saison vorerst kein Primetime-Spiel. Eine Folge der furchtbaren 2010er-Saison. Der Schedule allerdings liest sich bis auf wenige Ausnahmen sehr machbar und ist gemessen an 2010/11 der einfachste der NFL – allein, ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ESPN America besonders viel Cardinals senden wird.

Wk #1 vs Panthers
Wk #2 @Redskins
Wk #3 @Seahawks
Wk #4 vs Giants
Wk #5 @Vikings
Wk #6 BYE
Wk #7 vs Steelers
Wk #8 @Ravens
Wk #9 vs Rams
Wk #10 @ Eagles
Wk #11 @49ers
Wk #12 @Rams
Wk #13 vs Cowboys
Wk #14 vs 49ers
Wk #15 vs Browns
Wk #16 @Bengals
Wk #17 vs Seahawks

Die NFC West halte ich für durchaus sehr offen und womöglich reichen acht oder neun Siege für einen Playoffeinzug. Da ich Kolb für ein massives Upgrade gegenüber den Quarterbacks von 2010 halte, wenn auch nicht für den optimalen Mann für diese Art von Offense, sehe ich nicht, warum Arizona meilenweit von einer Playoff-Teilnahme entfernt sein sollte. Gegen Saisonende spielt man häufig zuhause und hat in einem möglichen Regular-Season-Finale ein Heimspiel gegen Seattle.

Das Zeiteisen verrät: 959 Minuten verbleiben. WordCount nach zwei Teams: 2004.

NFL-Bazar 2011: Quarterbacks

Das CBA scheint nun tatsächlich nur noch eine Frage von wenigen Tagen (oder doch Wochen?) und damit mal ein schaler Blick auf den Pool an Spielern, die auf dem Markt sein könnten. Inkludiert sind Free Agents (einfachheitshalber keine Unterscheidung zwischen UFA und RFA), Spieler vor dem Abschuss und Spieler mit potenziellem Trade-Wert. Einen Überblick über die Free Agents gibt uns Pro Football Focus.

Die auf der Straße sitzen

Die vertragslosen Quarterbacks geben nicht allzu viel her. Matt Hasselbeck ist mit seinen 36 Lenzen nur noch wenige Jahre vom Karriereende entfernt und 2010/11 war nicht grad das Jahr für Hasselbeck (12 TD, 17 INT), vom Freakspiel gegen die Saints mal abgesehen. Könnte als Mentor für einen jungen QB irgendwo einsteigen und gilt immer noch als relativ cooler Quarterback, wenn die Protection zusammenklappt.

Die „illustre“ Reihe liest weiters Namen wie Rex Grossman, dessen Zeit in Washington abgelaufen sein dürfte, Matt Leinart, dessen Partykönig-Image noch nicht verflogen ist, Tavaris Jackson, der in Minnesota aufgrund der Favre-Manie zu schnell verbrannt wurde, Matt Moore, der in Carolina übereilt abgesägt wurde, oder den bodenständigen Bruce Gradkowski, dessen größtes Erbe sein dürfte, dass er die Raiders einst von Jamarcus Russell befreit hat.

Alex Smith soll nun doch in San Francisco bleiben, da Rookie Colin Kaepernick einen Tutor braucht. Chad Pennington muss mal wieder seine Verletzungen auskurieren und wird 2011/12 seine Aussichten für eine TV-Karriere testen und vielleicht nicht wieder in auf das Spielfeld zurückkehren.

Die Liste weist weiters Tyler Thigpen (Miami Dolphins) auf, legendär geworden durch seine Pistol-Offense-Einsätze 2008/09 für die Chiefs, oder Caleb Hanie, dessen NFC-Finalvorstellung im Jänner gegen Green Bay sehr couragiert war. Dennis Dixon hat bei den wenigen Einsätzen im letzten Herbst als Roethlisberger-Ersatz wenig bleibenden Eindruck hinterlassen, Marc Bulger (Ravens) ist so ein Mann, der nur für Teams mit sehr guten Offensive Lines und sehr guten Receivers und sehr gutem Laufspiel und sehr gutem Playcalling in Frage kommt – zu uncool unter Druck, zu verunsichert nach dem ersten Fehler.

Es sticht ansonsten nur noch der Namen Billy Volek (San Diego) heraus, der seit Jahren einen Ruf als exzellenter Backup-QB genießt und als solcher auch immer recht brilliert hat. Volek wird aber wohl in San Diego bleiben.

Die Ladenhüter

Interessanter sind die Namen, die noch nicht offiziell auf dem Markt sind. Brett Favre soll dem Vernehmen nach bereits wieder von Geltungssucht erfasst worden sein und beim einen oder anderen Team angefragt haben – ob ernst zu nehmende Gerüchte oder nicht, sei mal dahingestellt (ich würde nichts, gar nichts ausschließen). Tennessees Vince Young ist seit Jänner zum Abschuss freigegeben, wobei ich mich frage, ob die vorzeitige Ankündigung Bud Adams‘ nicht Youngs letzten Fetzen trade value gekostet hat.

In Sachen trade value dürfte es auch um Cincinnatis Carson Palmer nicht allzu gut bestellt sein, dessen Forderung – raus aus Cincy oder Karriereende – bei Owner Mike Brown auf wenig Gegenliebe gestoßen ist. Schwer vorstellbar, dass Palmer nicht irgendwo anders unterkommen kann – Arizona sieht mir wie ein sehr guter Ort aus, samt gutem Offensive Coordinator und starken Receivers.

Arizona könnte auch ein geeigneter Ort für Donovan McNabb sein, der dort in der Wüste aufgewachsen ist und in Washington sagenhaft enteiert wurde. McNabb gilt als ausgebrannt, aber ich halte ihm zugute, dass in diesem Torso namens „Redskins-Offense“ kein anderer überlebt hätte.

Auch McNabbs angedachter Nachfolger in Philadelphia – Kevin Kolb – gilt seit Monaten als heiße Ware, nachdem er bis zur nächsten Knieverletzung Vicks nicht an selbigem vorbei kommen wird. Als Eagles-GM würde ich Kolb halten, bzw. nur für massive Ware traden. Ich frage mich aber, ob tatsächlich eine Mannschaft mehr als einen Zweitrundenpick für den blassen Kolb ausgeben würde.

Auf meiner Trade-Liste würde auch New Englands Backup Brian Hoyer stehen, dessen Zukunft nach dem Einkauf von Ryan Mallett düster aussehen sollte, aber dessen wenige Kurzeinsätze zumindest einen mittleren Draftpick wert sein könnten.

Ein Auge würde ich auch auf Denver werfen, wo tatsächlich der Eindruck erweckt wird, dass man es mit Tim Tebow probieren möchte. Da QB Kyle Orton in dem Falle entbehrlich würde und trade value besitzen dürfte, kann ich mir einen Abgang Ortons in diesem Falle durchaus vorstellen – ich sehe allerdings noch nicht, wie der konservative John Fox lieber auf Tebow denn Orton setzt.

Die Suchenden

Starting-QB mit hoher Priorität würde ich insbesondere für die Arizona Cardinals und die Seattle Seahawks sehen, nachdem Mike Shanahan in Washington womöglich tatsächlich auf John Beck setzen möchte. Viele andere Mannschaften verfügen über junge Quarterbacks, die noch in der Entwicklung stecken und einen erfahrenen alten Mann neben sich bräuchten. Man werfe einen Blick nach Cincinnati, Minnesota und insbesondere Tennessee, deren Rookies womöglich von Tag eins an ins kalte Wasser geworfen werden und dabei abzusaufen riskieren.

All in all ein Markt, der von vielen bekannten Namen gefüllt wird, von denen die meisten ihre beste Zeit bereits hinter sich haben und denen kaum mehr Großartiges zugetraut wird. Dazu gesellen sich ein paar Namen, die IMHO erstaunlich schnell fallen gelassen wurden (Orton, Moore) und denen ich gerne noch eine Chance geben würde. Insgesamt kein unspannender Markt.

Philadelphia Iggles in der Sezierstunde

Michael Vick QB Philadelphia Eagles

Michael Vick - ©Wikipedia

Kevin Kolb QB Eagles

Kevin Kolb - ©Wikipedia

Trotz der Playoff-Niederlage gegen die Green Bay Packers dürfte die Saison für die Philadelphia Eagles keine schlechte gewesen sein: 10-6 und Divisionssieg im Jahr nach dem Ende der Ära McNabb. Hauptgrund dafür: Andy Reids neu zu Tage getretene Fähigkeit, Bockigkeit hinten anzustellen, QB Kevin Kolb trotz klarer Ansage abzusägen und QB Michael Vick in die Startformation zu stellen.

Vick legte ein derart formidables Jahr hin, dass sämtlichen Hatern erstmal die Spucke im Hals stecken bleibt. Phasenweise entzauberte Philadelphias Offense die gegnerischen Abwehrreihen nach Strich und Faden. Gegen Ende der Saison schienen sich die DefCoords aber immer besser auf das Phänomen Vick eingestellt zu haben und am Ende musste ein Freak-Viertel gegen die Giants zur Playoff-Qualifikation ausm Köcher geholt werden.

Die Fragezeichen in der Offense

Vick scheint erstmal unumstritten zu sein. „Erstmal“ ist dabei nicht zu unterschätzen, angesichts des wetterwindischen Publikums in der Stadt der oftmals gar nicht so brüderlichen Liebe. QB Kevin Kolb gilt als heiße Ware, für die bei Trade massiver Gegenwert in Aussicht steht. Angesichts der Verletzungsanfälligkeit Vicks wird Philly aber darüber nachdenken müssen, einen hochklassigen Backup im Kader zu behalten.

Vick ist Linkshänder. Das bedeutet eine Aufwertung der Position des Right Tackles. Dort spielt Winston Justice, einst USC-Tackle. Ich glaube nicht, dass Justice nächstes Jahr noch starten wird. Zu oft wurde Justice überrollt. Weil die Eagles nun aber mit Vick als Starter in die Saison gehen, kann man sich nun von vorneherein auf die Wichtigkeit des RT einstellen. Generell gilt: Die Protection für Vick fand ich vor allem gegen Blitzes eher besorgniserrregend.

Justus, Peter und Bob in der Defense

Erstes ?: Der Abgang von DefCoord Sean McDermott. Ich verstehe die Entlassung nicht ganz. Die Defense wirkte gegen Saisonende deutlich verbessert. McDermott ist ein junger Coordinator, warum nicht Zeit geben? McDermotts Nachfolger: Juan Castillo, der Offensive Line Coach (sic!). Castillos letzter Job in einer Defense: 1989 als LB-Coach an der Highschool von Kingsville.

Generell gilt: Nach dem Tod des blitzfreudigen DefCoord Jim Johnson ist die Defense ein bisschen weniger aggressiv zu Werke gegangen. Das mag daran liegen, dass die Defensive Line für sich einen guten Job erledigt und dahinter das Personal eher wenig hergibt.

Zweites ??: Linebacker Ernie Sims zum Beispiel hatte ich aus Lions-Zeiten deutlich dominanter in Erinnerung. Sims ist wie sein Gegenpart OLB Stewart Free Agent und ich würde zumindest im Fall Sims nicht auf Vertragsverlängerung wetten. Sollte auch nur einer gehen, braucht es dringend Nachbesserung.

Drittes ???: Ganz furchtbar waren teilweise die Defensive Backs. Dmitri Patterson zum Beispiel. Wie oft wurde Patterson verbrannt? CB Asante Samuel gilt dank solcher Statistikwerte als kritikfreies Objekt, obwohl: Nach mehreren Spielen Beobachtung steht Samuel gefühlt auch daher so gut da, weil die Konsorten in der Secondary teilweis arg neben den Schuhen standen. Samuel zieht sich gefühlt vor allem mit seinen vielen INTs aus der Scheiße. Safety Mikells Zeit in Philadelphia sollte abgelaufen sein. Mikell wird langsam alt und Reid lässt alternde Spieler ohne mit der Wimper zu zucken von dannen ziehen (Dawkins, Vincent anyone?).

Wohin fliegen die Eagles?

Seit gefühlt 20 Dekaden hält Andy Reid seine Eagles fast ausnahmslos im NFL-Spitzenfeld – eine beeindruckende Leistung.

Die Eagles 2011/12 sind im Kern eine aufstrebende Mannschaft, die aber vor allem Offensive Line und Secondary auf Druck verstärken muss. Dazu kommt die schwere Entscheidung bezüglich Kevin Kolb. Kolb hat sich schon als Starter gesehen und ich glaube nicht, dass er Lust hat, weiterhin auf der Bank zu versauern.

Andererseits ist Vick bei seinem Spielstil schnell mal verletzt… Es ist für Kolb und die Eagles eine richtungsweisende Entscheidung (die aber erst nach CBA-Unterzeichnung gefällt werden kann).

Weitere Sezierstunden gibt es hier oder hier.