NFL 2019 – Woche 5 Recap: Mahomes und Khalil Mack abgewürgt

Ein Blick zurück auf das Sunday Night Game und das London-Spiel vom Sonntag. Weiterlesen

Ein Mack für die Bears

Big-Move in der NFL: Die Oakland Raiders haben heute ihren Star-DE Khalil Mack nach monatelangem Hickhack zu den Chicago Bears getradet.

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Die Edge-Rusher im NFL-Draft 2014

Pass Rush ist in der heutigen NFL eine unersetzliche Qualität. Pass Rush über die Mitte hatten wir schon diskutiert, aber auch Passrush von den Flanken hat heute noch ihren hohen Wert, deswegen gehören Elite-Passrusher zu den bestbezahlten Spieler in einer Footballmannschaft. Diese Jungs sind heute in der Vorstellung dran – die Edge Rusher. Sie setzen sich zusammen aus den klassischen 4-3 Defensive Ends und den 3-4 Outside Linebackern.

4-3 DE ist dabei die Position, in der man traditionell mehr mit Laufspiel zu tun hat, aber dafür weniger in die Deckung zurückfällt. Ein 3-4 OLB muss dagegen auch gewisse Qualitäten als Deckungsspieler mitbringen und wissen, wie man sich im offenen Spielfeld bewegt. Es ist aber möglicherweise übertrieben zu sagen, dass ein 4-3 DE mehr Spezialist und ein 3-4 OLB mehr Generalist ist.

Was aber nach wie vor richtig ist: Ein bockstarker 4-3 DE schafft es, eine 4-3 Defense ganz nahe an das Ausschöpfen ihres vollen Potenzials heranzubringen, und es gibt nicht so viele bockstarke Defensive Ends. Ein extrem guter 3-4 OLB dagegen ermöglicht einer 3-4 Defense, noch flexibler zu agieren als sie ohnehin schon ist.

Die Klasse von 2014

Viele bescheinigen der Klasse von 2014 sehr gutes Potenzial. Es gibt zwei Elite-Prospects, eine Handvoll sehr guter Jungs aus der zweiten Reihe, und auch die Tiefe soll da sein. Der DraftCast beschäftigte sich mit diesen Jungs ebenso wie der Film Room von Bo Wulf und Greg Cosell, und beide seien als Vertiefung wärmstens empfohlen.

Der Epische: Jadeveon Clowney

Jadeveon Clowney - Bild: Wikipedia

Jadeveon Clowney – Bild: Wikipedia

Jadeveon Clowney von der University of South Carolina gilt als größes Passrush-Talent der letzten Jahre. Clowney war schon bei seinem Auftauchen auf dem Radar der nationalen Medien, beim National Signing Day 2011, ein heftig gehypter Jungstar, der die in ihn gesetzten hohen Erwartungen prinzipiell gar nicht erfüllen konnte. Zwischen tausend überjazzten Prospects gibt es aber immer ein paar Ausnahmen, und Clowney war

Clowney gilt als einzigartige Kombination aus Körperbau (1.98m, 113kg), Explosivität, Beweglichkeit und Spielverständnis. Clowney ist ein fantastischer Passrusher mit einem Passrush-Repertoire, das über das Überpowern des Gegners hinausgeht, und dieses Passrushing allein macht ihn schon zum potenziellen Top-Pick. Clowney hat einen schwer zu schlagenden Move – den Arm über die Innenseite des Left-Tackle, aber am besten ist er dann, wenn er sich schnell eine recht gerade Bahn hin zum Quarterback verschaffen kann.

Er ist jedoch nicht auf den Pass Rush beschränkt: Clowney ist ein überaus disziplinierter Lauf-Verteidiger, der schon in jungen Jahren (er ist erst 21) die Ecken wie wenige andere Vollprofis zumachen kann und jeden Tackle im 1-vs-1 ins Backfield schieben kann.

Clowney spielte am College überwiegend den klassischen Defensive End der 4-3 Defense, wurde aber in mehreren Situationen zentraler positioniert und als Passrush-Tackle für 3rd-Downs verwendet. Für die NFL traut man ihm auch die Geschmacksrichtung 3-4 OLB zu, wobei es noch recht wenig Nachweis für seine Arbeit in der Pass-Deckung gibt – ein Job, den er als Outside Linebacker in zumindest geringen Dosen wird ausüben müssen.

Wo immer er auch spielte oder spielen wird: Fast jeder Gegner versuchte bislang, seinen GamePlan von Clowneys Spielfeldseite wegzudesignen um seiner atemberaubenden Dominanz aus dem Weg zu gehen – ein größeres Kompliment kannst du einem Spieler nicht machen. Hast du ihn in der NFL auf der Gegenseite eines zumindest brauchbaren „anderen“ Edge-Rushers, wird das Clowney nur entgegen kommen.

Clowney wurde im abgelaufenen Herbst 2013 allerdings als Enttäuschung gewertet, weil er leicht angeschlagen in mehreren Plays ein Päuschen eingelegt haben soll anstelle alle vollumfänglich durchzuziehen. Clowneys Status als klares Top-Prospect wurde angekratzt. Clowney bekam als Weichei, dem die Draft-Millionen wichtiger sind als die Teamkollegen, auf die Fresse – die übliche Posse des Draftberichterstattungsprozesses: Es braucht was zum Schreiben. Es braucht was zum Sagen. Es braucht Geschichten.

Clowney mag sich eine Spur zurückgenommen haben, aber es das wirklich dramatisch genug um das größte Talent seit Jahren abzukanzeln? Man bedenke, dass Clowney letztes Jahr mitunter geraten wurde, sein letztes Jahr auszusetzen um seine Karriere nicht mit einer überflüssigen Verletzung zu riskieren. Man bedenke, dass Clowney dann auch mit Zipperlein zu kämpfen hatte. Man bedenke, dass Clowney im eigenen Team einen Fall erlebte, in dem sich ein anderes Supertalent so vieles kaputt machte: Marcus Lattimore. Wie wahrscheinlich ist es, dass sich im Hinterkopf eine leichte mentale Bremse einstellt?

Clowney kann man wegen einiger kleiner technischer Unsauberkeiten kritisieren: Er spielt zu aufrecht und wird als Rookie ein paarmal umsonst das Gleichgewicht verlieren. Er soll sich nicht immer zu 100% an seine Assignments gehalten haben. Er verliert von Zeit zu Zeit seine Disziplin im Passrush. Aber das ist alles. In Summe ist er der dominanteste Edge-Rusher der letzten Jahre.

Es bleibt die Frage, ob er damit wirklich an #1 geht. Wir haben Montag, Draft ist am Donnerstag, und wird wissen noch immer nicht im geringsten wie sich der Lauf der Dinge in den ersten Picks entwickeln wird. Von einer Einberufung nach Houston über einen Trade für Clowney bis zu einem Fall auf #3 (nach Jacksonville?) ist scheinbar noch alles drin.

Die Kronprinzen: Khalil Mack und Anthony Barr

Der zweite Star-Passrusher im Draft ist Khalil Mack von den Buffalo Bulls aus der Mid-American Conference, der im Vergleich zu Clowney ein Spielertyp ist, der eher in erster Linie als 3-4 OLB einzustufen ist, dem man aber – trotz sehr weniger College-Snaps dort – auch eine Rolle als 4-3 DE zutraut, und dem man sogar zutraut, auch 4-3 SAM (die Rolle von Von Miller) und Middle Linebacker spielen zu können. Viel mehr Allrounder geht in der heutigen NFL fast nicht mehr, nachdem Defensive End und Midlinebacker schon sehr verschiedene Positionen sind.

Mack besticht durch sehr gute Technik in seiner Handarbeit: Er grapscht im Spiel gegen den Lauf lange genug gegen die Blocks, bis der Gegner nicht mehr will, und hat ein breites Arsenal an Passrush-Moves drauf, kann gegnerische Blocker sowohl mit Power als auch mit präzisen Handgriffen bzw. Swim-Moves aussteigen lassen.

Mack hat alle athletischen Voraussetzungen um einen exzellenten Edge-Rusher zu geben, ist allerdings mit 1.87m eine Spur kleiner gewachsen als mancher Artgenosse, was nicht zwingend ein Nachteil ist, aber was in der Defensive Line durchaus mittelfristig ein kleiner Nachteil sein könnte.

Es gibt Pundits, die einen Mack einem Clowney zumindest offiziell vorziehen wollen. Worin sich fast alle einig sind, ist der Fakt, dass Mack ein ungewöhnlich kompletter Spieler für sein Alter ist. Das ist einerseits großartig, denn so kannst du ihn schnell ins kalte Wasser werfen. Andererseits ist das bizarrerweise auch wieder ein kleiner Wettbewerbsnachteil, denn ein schon sehr weit entwickelter Mack hat nach Meinung vieler Coaches nicht mehr so viel Entwicklungspotenzial. Anyhow, Mack wird mit großer Wahrscheinlichkeit innerhalb der ersten zehn Picks vom Tablett sein.

Anthony Barr von UCLA ist ein bissl das Gegenteil von Mack: Er ist etwas athletischer, schneller, beweglicher. Als gelernter Runningback ist er auf engstem Raum explosiver als Mack, aber als gelernter Runningback ist er auch weniger gelernter Abwehrspieler als Mack. Barr hat nur zwei, drei richtig gute Passrush-Moves drauf, und er wird seine Waffen ausweiten müssen, will er sich mittelfristig zu dem kompletten Edge-Rusher entwickeln, der Mack schon heute *fast* ist.

Bei Barr las man schon häufiger, dass er zu Beginn seiner NFL-Karriere vor allem in speziellen Situationen eingewechselt werden sollte um sich an das Tempo und die Härte der NFL zu gewöhnen. Man möchte ihn nicht dann auf dem Feld haben, wenn der Gegner offensichtlich eine Power-Laufsituation im Schilde führt. Barr gilt als Erstrundenpick, aber er wird wohl erst nach Mack vom Tablett gehen.

Spielertyp: Defensive End, 4-3

Ein Dee Ford von der Auburn University sieht sich selbst als 3-4 OLB, aber glaubt man den meisten Experten, gibt das Tape diese Selbsteinschätzung Fords nicht her. Ford, ein sehr begabter Klavierspieler, ist vom Körperbau und von der Spielanlage her ein Zwitterdings, bei dem man genau aufpassen muss, wie man ihn einsetzen will. Ford spielte am College fast nur Left Defensive End mit den Händen im Boden, und er putzte aus dieser Position seine gegnerischen Tackles – die Right Tackles – mit maximal zwei richtig sauberen Moves. Wenn er schnell in den Spielzug kam, war Ford super. Kam er träge rein, wurde er gerne pulverisiert, weil er aufgrund seiner wenigen Moves eben tendenziell ein noch immer eindimensionaler Spieler ist.

Edge-Rusher 2014

Name                Rd
Jadeveon Clowney    1
Khalil Mack         1
Anthony Barr        1
Kony Ealy           1-2
Demarcus Lawrence   1-3
Kyle Van Noy        2-3
Marcus Smith        2-3
Dee Ford            2-3
Brent Urban         2-3
Jeremiah Attaochu   2-4
Scott Crichton      3-4
Kareem Martin       3-4
Jackson Jeffcoat    3-4
Trent Murphy        3-5
Adrian Hubbard      4-7
Michael Sam         4-7
Carl Bradford       4-7
Ronald Powell       4-7

Mayocks Top-5

Ends

  1. Clowney
  2. Ealy
  3. Ford
  4. Crichton
  5. Tuitt

OLB

  1. Mack
  2. Barr
  3. Shazier
  4. Lawrence
  5. Van Noy

Ford könnte trotzdem hoch gehen. Sein bestes Spiel hatte er im BCS-Finale, also der Partie, die die meiste Aufmerksamkeit erregte. Er hatte eine gute Senior Bowl. Er gilt als schneller Spieler. Aber er gilt eben zuallererst als 4-3 DE, weil man nicht weiß, wie sicher er sich im offenen Spielfeld bewegt.

Ein Scott Crichton von Oregon State ist auch ein Zwitterdings, allerdings ein im Vergleich zu Ford größeres und schwereres. Crichton gilt als Spielertyp, der sich in erster Linie über seinen unbändigen inneren Willen definiert. Als Spieler, der nie aufgibt, der immer wie ein Löwe kämpft. Crichton ist 124kg schwer und nicht wirklich pfeilschnell. Er ist nicht antrittsschnell um ein Elite-Passrusher auf der „offenen“ Spielfeldseite zu werden (also der Weakside), aber er ist möglicherweise zu leichtgewichtig um ein richtig guter Strongside-Spieler zu werden. Cosell meinte, man müsse sehr gut aufpassen wo man Crichton einzusetzen gedenkt – die sicherste Tüte sei er als 4-3 Strongside Defensive End.

Kony Ealy von den Missouri Tigers ist ein klassischer 4-3 Defensive End, der in speziellen Situationen analog einem Clowney nach innen gehen kann um als Tackle Druck zu entfachen. Viele sagen, Ealy sei nach Clowney die nächstbeste Option für ein Team, das wirklich committed ist, eine 4-3 Defense zu spielen. Ealy ist mit 1.93m sehr groß und rank gewachsen. Er dominiert Gegner an guten Tagen mit guter Technik und extrem angriffiger Spielweise. Die größten Zweifel bei ihm kommen von seiner Inkonstanz: Ealy hat nur ein wirklich gutes College-Jahr absolviert, und selbst dort tauchte er immer mal wieder ab. Es besteht aber eine gute Chance, dass er in Runde eins geht.

Spielertyp: Outside Linebacker, 3-4

Nach Mack und Barr sieht Cosell Jeremiah Attaochu von der Georgia Tech University als drittbesten „echten“ Outside Linebacker. Attaochu sei mit 118kg ein Modellathlet und schon in jungen Jahren flexibel für viele erdenkliche gegnerische Aufstellungen einsetzbar. Attaochu ist nicht der antrittsschnellste Mann unter der Sonne, aber er ist beweglich, engleitet seinem Blocker schon einmal mit einem guten Move und kann auch Laufspiel verteidigen.

Attaochu ist für Cosell auf alle Fälle ein Spieler, den er einem Dee Ford vorziehen würde. Auch Demarcus Lawrence von der Boise State University ist für ihn besser als Ford, vor allem besser als 3-4 OLB. Lawrence spielte am College ähnlich wie Ford fast nur 4-3 DE mit Händen im Boden, aber er ist athletischer als Ford, fast so gut wie Attaochu, und er ist hartnäckiger, lässt sich nicht so leicht von Blockern einschüchtern. Fast alle sind sich bei Lawrence sicher, dass er auch in der Pass-Deckung was drauf hat. Lawrence gilt als relativ sicherer 2nd-Rounder. Attaochu kommt für die meisten etwas dahinter.

Eine gute Option ist auch Marcus Smith von Louisville, ein sehr smoother Spielertyp, der recht viel in der Deckung operierte und daher wie gemacht ist für einen 3-4 OLB. Smith gilt als reif, aber nicht kraftvoll genug – sein neues Team wird erstmal einen Konditionstrainer auf ihn ansetzen müssen.

Trent Murphy von Stanford gilt nicht mehr als überragender Passrusher, aber bei ihm hat man sich dahin geeinigt, dass seine Zukunft in einer Rolle als kompletter Ergänzungsspieler zu suchen ist. Murphy kann Druck auf Quarterbacks ausüben, aber er ist nicht der ganz explosive Mann. Er kann aber gut decken, ist ein Mann, der in multiplen Rollen glänzen konnte.

Der Allrounder: Kyle Van Noy

Schließlich KVN – Kyle Van Noy – von den Brigham Young Cougars, der auffälligste Spieler in der Defense von BYU im letzten Jahr. Van Noy hatte ich immer als klassischen Inside-Linebacker auf dem Zettel, aber im Zuge der Draft-Evaluierung scheint man ihn mittlerweile eher als Edge-Rusher zu sehen, wobei: Van Noy ist nicht so richtig in ein Schema zu pressen. Er ist nicht der schnellste, nicht der explosivste, aber er hat schon viel gesehen und überall gut ausgesehen.

Van Noy trat oft aufrecht als Passrusher an der Line-of-Scrimmage an, fiel dann aber auch wieder oft in die Deckung zurück. Er weiß, wie man sich auf engstem Raum Platz verschafft und sich von Blockern löst. Er hat ein Näschen für wichtige Plays, kann diagnostizieren, wohin sich Spielzüge entwickeln. Er wird dir keine zehntausend Sacks bescheren, aber er soll extrem effektiv sein, wenn man ihn von der OLB-Rolle aus – möglicherweise auch von der Strongside aus – abstellen kann. Van Noy gilt nicht mehr als 1st-Rounder, aber ab Pick #40 hält man vieles für möglich.

Die Lichtgestalt: Michael Sam

Michael Sam - Bild: Wikipedia

Michael Sam – Bild: Wikipedia

Sportlich zu einer eher grauen Maus degradiert, ist Michael Sam von der University of Missouri (amtierender SEC-Abwehrspieler des Jahres) trotz allem einer der Stars des Draft-2014. Sam ist der Spieler, der sich im Februar als einer der ersten NFL-Spieler öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Was damals einen riesigen Aufschrei hervorrief, inklusive quer durch die Bank Solidaritätsbekundungen für Sam, hat sich mitterlweile ziemlich gelegt. Sams Sexualität war zumindest in den letzten Wochen kein großes mediales Thema mehr, aber du weißt, dass das Thema damit nicht vom Tisch ist. Du weißt, dass Sam die Witzeleien trotzdem aushalten wird müssen. Du weißt, dass er möglicherweise auch Anfeindungen wird aushalten müssen.

Und schließlich verdienen sich auch in den Medien zu viele Gestalten ihre Sporen, in dem sie über die toughness von diesem und jenem Spieler reden müssen, da kommt ein Michael Sam nur gerade recht. In einer idealen Welt ist Sexualität kein Auswahlkriterium für einen Job. Auf Sideline Reporter ist es ein so klein wie möglich gehaltenes Thema. Trotzdem an der Stelle noch einmal der Hinweis auf den ausführlichen Artikel von Outsports zu Sams Coming-Out: The Eagle has Landed.

Clowney, Nix und die Defense Front-Seven von 2014

Heute ist Tag der Defensive Front Seven in den Workouts der NFL-Combine 2014 und damit das Einsteigen des Superstars, DE Jadeveon Clowney, der schon eine monströse Sprintzeit angekündigt hat. Ein Blick auf ein paar Prospects. Hauptinformationsquelle: Ein Podcast mit Greg Cosell bei Midday 180.

Jadeveon Clowney – Clowney war schon beim National Signing Day vor drei Jahren ein landesweites Gesprächsthema, weil als once in a lifetime Talent gefeiert. Oft ist es bei solchen Prospects der Fall, dass sie die überhypten Erwartungen nicht erfüllen können, aber Clowney war das Gegenteil: Er übertraf sie sogar noch, zumindest in jener fantastischen Saison 2012 als er alles in Grund und Boden spielte. In seiner letzten College-Saison 2013/14 wurde er aber eher als Enttäuschung gesehen. Er soll nicht voll durchgezogen haben, soll halb verletzt gespielt haben, soll nicht fokussiert genug auf den Sport gewesen sein. Red Flags, wo man hinschaut. Es ist nicht ganz klar, wie viel davon Medienstory ist und wieviel wirklich dran ist.

Cosell sieht wie alle in Clowney erstmal einen hervorragenden Athleten („good size, shows explosion, shows quickness…“ fasel laber), alle Ingrendienzien für einen NFL-Superstar sind da. Aber Cosell warnt davor, dass Clowney nicht „tief“ genug an der Anspiellinie steht und in der Folge zu aufrecht spielt. Das ist am College gegen unterklassige Gegenspieler ein eher marginales Problem, weil die Kraft trotzdem ausreicht um damit durchzukommen, aber in der NFL siehst du fast nur starke Offense Tackles, und da wirst du – so Cosell – gern herumgeschoben. Einige Male soll Clowney das auch schon am College passiert sein.

Das sind so die kleinen technischen Unsauberkeiten, die Cosell bei Clowney beschreibt. Coaches müssen sich fragen, ob man dies aus einem Spieler „herauscoachen“ kann. Auf alle Fälle ist athletisch unbegrenztes Potenzial da, aber der „Football Skill Set“, den Cosell, Mayock und einige andere so oft beschreiben – naja, der müsse sich bei Clowney erst noch offenbaren.

Was Cosell nicht zu beantworten imstande ist: War Clowney ein Freelancer, d.h. hat er sich am College nicht an die Assignments seiner Coaches gehalten, sondern eigenhändig das Big-Play gesucht (etwas, das Coaches hassen / etwas, das einige dem Clowney vorwerfen)? Das wisse nur der Coaching-Staff von South Carolina.

Cosell zweifelt auch ob Clowneys Commitment zum Sport. Dass er verletzt war, zähle für ihn nicht, denn Einsatz musst du auch in halbfittem Zustand bringen. Zum Thema „quält sich nicht genug für unseren Sport“ wird seit gestern auch Clowneys Übungseinheit im Bankdrücken gehören: Clowney hob die Gewichte nur 21 Mal, was ein eher unterirdischer Wert ist.

Festzuhalten bleibt: Clowney war optisch einer der dominierenden Spieler der letzten Jahre. Persönlich stach für mich letztmals Ndamukong Suh in der Defense Line so als Einzelspieler heraus wie Clowney bei South Carolina. Auffällig war in einigen Spielen, wie gegnerische Coaches ihr Spiel von Clowneys Abwehrseite weg konzipierten – ein untrügliches Zeichen, wer hier als die Superwaffe ausgemacht worden war. Wie ist so etwas auf die NFL transferierbar? Wir werden darüber noch vieles hören.

Clowney ist nach Common-Sense momentan nicht mehr der uneingeschränkte Top-Pick, und weil das #2-Team St Louis keinen wirklichen „Need“ in der Defense Line hat, weil das #3-Team Jacksonville und #4-Team Cleveland keine 4-3 Defense spielen und darüber hinaus dringend einen Quarterback brauchen, ist momentan noch nicht abzusehen, wo Clowney vom Tablett gehen wird.


Anthony Barr – Viel Presse bekam in den letzten Monaten OLB Anthony Barr von UCLA, der erst seit kurzem eine OLB-Position im Football spielt. Cosell bescheinigt ihm wie Clowney superbes athletisches Potenzial und einen gewissen, für OLBs ungewöhnliche Speed beim Geradeauslaufen, aber er hat Angst, dass Barr zu wenig flexibel als Passrusher ist. Auch Barr spielt etwas zu aufrecht. Seine technische Arbeit mit den Händen ist teilweise unterirdisch, teilweise aber schon ansehnlich.

Es wird bei ihm offenbar besonders geduldiges Coaching brauchen, eine gewisse Einlernzeit, in der er anfangs nur situativ in 3rd-und-lang oder so eingesetzt wird um Erfolge für die Motivation zu sammeln und sich nicht in der Lauf-Defense aufzureiben. Cosell gibt Barr eine gute Chance, ein Mega-Passrusher zu werden, sieht ihn aber noch als sehr unfertiges Prospect.


C.J. Moseley – weil es (glaube ich wenigstens) auch in der NFL schon einen CJ Mosley gibt, hat man stets das Gefühl, dieser Moseley ist schon tausend Jahre dabei, derweil ist er nur ein Mann, der in Alabama zweieinhalb Jahre als Starter auf dem Feld war. Cosell lobt Moseleys Entwicklung im abgelaufenen Herbst, er soll sich extremst verbessert haben. Moseley ist für ihn ein kompletter Linebacker: Hat die Spritzigkeit, hat den Grundspeed, hat das Gefühl, in die richtigen Gaps reinzuschießen, kann sich horizontal zwischen beiden Seitenlinien bewegen und wird nicht von den schnelleren Tight Ends überlaufen, kann sehr schnell die Richtung ändern, guter Deckungsspieler, und so weiter.

Der Vergleich, der Cosell einfällt, ist monströs: Lavonte David von den Buccs, einer der besten Abwehrspieler der abgelaufenen Saison. Für Cosell wird Moseley mit hoher Wahrscheinlichkeit ein richtig exzellenter Profispieler werden. Er ist sofort einsatzbereit (O-Ton „plug and play“). Er ist allerdings kein überragender Passrusher, und das könnte ihn einen Top-10 Draftpick kosten.


Khalil Mack – Mack ist für Cosell der kompletteste Spieler im Draft, beim Aufzählen seiner Stärken fällt man allerdings schnell in altbekannte Schemen zurück (athleticism, plays fast laber fasel…). Er ist kein Mega-Passrusher, aber weil er so intensiv spielt, so wenige mentale Fehler begeht, immer eingesetzt werden kann, gilt Mack (der von Buffalo aus der MAC kommt) als sicherer Top-10 Pick.

Mayock ließ im Laufe des Wochenendes übrigens sogar verlauten, dass Mack für ihn der beste Spieler im Draft 2014 sei, über Clowney, über Bridgewater, über Sammy Watkins. Was auch immer diese Superlative wert sind, sie zeigen ein gewisses Standing dieses Linebackers. Mack soll Ähnlichkeiten in der Spielanlage mit Von Miller haben, als 3-4 OLB oder als 4-3 SAM (Strongside Linebacker) spielen können.


Cosell diskutierte danach noch kurz den OLB von Georgia Tech, Jeremiah Attaochu, der als reinrassiger Passrusher für die 3-4 OLB gilt. Er soll ein großes Talent sein, aber wenn du ihn einsetzt, musst du dir bewusst sein, dass er eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot ist und dich in der Run-Defense verbrennen wird.


Ein Defensive Tackle, bei dem ich sportlich noch nicht viel einzuordnen vermag, der aber definitiv eine Persönlichkeit ist: Louis Nix III von der Notre Dame University. Nix hat einen umtriebigen Twitter-Account. Ganz famos war sein Auftritt auf der Pressekonferenz der Combine – da kann noch ein Manziel mithalten, aber sonst keiner: