Die Safetys im NFL-Draft 2014

Letzte Position der ausführlichen Vorschauserie auf den NFL-Draft 2014 mit den Männern der letzten Hoffnung in jeder Football-Defense, den Safetys. Safety ist eine Position, die in der heutigen NFL aber mehr bedeutet als das Aufstellen von zwei tiefen Spielern zum Tackeln des durchgebrochenen Mannes. Safety ist eine Position, die mit entsprechenden Spielern völlig neue schematisch Optionen für Defensive Coordinators bedeutet.

Klassischerweise unterscheidet man den kräftigen Strong Safety, der in Nähe der Anspiellinie postiert vor allem gegen das Laufspiel arbeiten soll, vom Free-Safety, der etwas tiefer steht und in erster Linie Aufgaben in der Passverteidigung hat. Idealerweise suchen Teams heute aber Spielertypen, die sowohl, als auch spielen können, sprich, die man für alle Arten von Aufgaben ins Feuer werfen kann.

Diese neu geforderte Flexibilität, die Anpassungsfähigkeit von Safetys an diverse schematische Kniffe sowie generell die Kreativität, mit der Freelance-Safetys spielen müssen, macht die Position nicht nur zu einer der härtesten für die Spieler, sondern auch zu einer knüppelharten für die Evaluatoren, sprich die Scouts. Es ist kein Zufall, dass viele Safety-Prospects in den letzten Jahren floppten bzw. viele ursprünglich als Cornerbacks gedachte Spieler erst auf Safety den Durchbruch schafften.

Free Safetys

Der höchst bewertete Mann im Draft 2014 ist bei vielen Experten Ha’Sean („Ha-Ha“) Clinton-Dix von der University of Alabama, der aber längst nicht in einer Klasse wie ein Earl Thomas mithalten kann. Clinton-Dix ist nicht explosiv genug um einem Thomas das Wasser zu reichen und auch sein Körperbau ist schmächtig genug, dass ihn manche Coaches erstmal in einem Steakhouse einsperren wollen.

Safetys 2014

Name                Rd
Ha Ha Clinton-Dix   1-2
Calvin Pryor        1-2
Deone Buchannon     2-3
Jimmy Ward          2-3
Lamarcus Joyner     2-3
Terrence Brooks     3-5
Ed Reynolds         3-5
Dezman Southward    3-5
Ahmad Dixon         4-7
Craig Loston        4-7
Tre Boston          4-7
Jonathan Dowling    4-7

Links

Mayocks Top-5

  1. Clinton-Dix
  2. Pryor
  3. Buchannon
  4. Ward
  5. Joyner

Clinton-Dix hat aber den Ruf, ein intelligenter, relativ fein geschliffener Verteidiger zu sein, das in der sehr profinahen Defense in Alabama viele NFL-ähnliche Spielzugdesigns gesehen hat. Er ist kein Abfangjäger im klassischen Sinne, aber schnell genug um die meisten Routen in der Pass-Deckung zu verteidigen.

Clinton-Dix gilt als relativ sicherer 1st-Rounder, weil er das kompletteste Paket ist, weil die Safety-Position wie eingangs erwähnt immer wichtiger wird, und weil die Prospects dahinter auch nicht viel mehr Sicherheit geben.

Ein Jonathan Dowling zum Beispiel gilt als viel zu schwach in der Run-Defense um ihn sofort ins kalte Wasser zu schmeißen; „Run-Defense“ ist zwar nicht des Free Safetys erste Aufgabe, aber sie muss zumindest ordentlich abgearbeitet werden. Dowling galt früher mal als großes Talent bei den Florida Gators, wurde dann aber suspendiert und verdingte sich in den letzten Jahren im kleinen College der Western Kentucky Hilltoppers in der Sunbelt Conference. Er ist gebaut wie ein Wide Receiver: Lang, dünn und rank. Die Frage ist, ob er jemals die Power entwickeln kann um zumindest durchschnittliche Runningbacks zu tackeln.

Ein Ed Reynolds von Stanford gilt als klassisches Mid-Round Prospect: Solide in fast allen Belangen, aber ohne den ganz großen Ausreißer in irgendeiner Kategorie. Ein Reynolds wird dir nie die Option geben, neue schematische Dinge einzuführen, aber er wird dir die notwendigen Tackles setzen, damit du nicht völlig schlecht schläfst.

Ein Brock Vereen gilt als Teilzeit-Safety mit eingeflanschter Cornerback-Option. Ein Terrence Brooks vom Landesmeister Florida State ist schon ein klassischer Free-Safety mit ausreichend Beweglichkeit, aber einer Spur zu wenig Physis. Ein Craig Loston von Louisiana State gilt als ähnlicher Spielertyp wie Brooks, aber mit Fragezeichen versehen: Loston soll sehr dynamisch sein, aber nie den Durchbruch geschafft haben, den man ihm schon lange prophezeihte. Schlampige Talente mag die NFL für gewöhnlich nicht.

Die Slot-Optionen

Ein Jimmy Ward von Northern Illinois zum Beispiel gilt zwar als flüssiger, schneller im Vergleich zu Clinton-Dix, aber mit nur 87kg Kampfgewicht ist Ward eine ganze Latte zu leichtgewichtig um ihm sofort eine Stammrolle zuzuschachern. Wards Langzeitperspektive könnte, glaubt man Experten, eher in einer Art Slot-Cornerback liegen. Er geht aber zuallererst mit dem Ziel, ein NFL-Safety zu werden, in den Draft.

Ein spannender Mann ist Wisconsins zotteliger Dezman Southward, bei dem man ähnlich wie bei Ward lange nicht wusste, was man mit ihm anfangen soll: Am College spielte er überwiegend einen von Aufgaben in der Laufdefense entbundenen Free-Safety, aber weil er eine Spur zu schmächtig war, durfte er in der Senior-Bowl im Jänner „nur“ Slot-Cornerback spielen, wo er überzeugen konnte. Im Verlauf des Scouting-Prozesses scheint sich Southward aber doch erstmal in seiner Bewerbungsausschreibung als Safety durchgesetzt zu haben.

Der Star unter den halben Slot-Cornerbacks ist Florida States göttlicher Free-Safety Lamarcus Joyner, der mit 1.71m wohl zu klein ist um einen klassischen Stamm-Safety zu spielen, bei dem man aber seit vielen Monaten nicht aufhört, die Vergleiche mit Tyrann Mathieu, dem Honey-Badger von den Arizona Cardinals, zu bemühen.

Auch Mathieu ging letztes Jahr als ehemaliger College-Superstar mit zu kleinem Körperbau in den Draft. Mathieu spielte eine Art Supporter-Rolle im Defensive Backfield, zwischen einem echten Safety und einem echten Cornerback. Er killte den Slot. Mathieu galt bis zu seinem Kreuzbandriss als Volltreffer, und alle von mir verfolgten Draft-Experten sehen die Vergleiche Mathieus mit Joyner als valide an. Joyner selbst sieht sich auch weniger als „Cornerback“ oder „Safety“, sondern in erster Linie als Defensive Back.

Ich liebte den College-Spieler Joyner: Ein kleines, quickes Männlein, das in jedem Spielzug so spielt als ginge es ums nackte Überleben. Joyner war immer dort, wohin sich gerade der Ball bewegte, ob via Lauf- oder Passspiel. Joyner war ein Mann, der unendliche Blitzes ausführte und minimum fünf, sechs Sacks jedes Jahr einfuhr. Er konnte gleichermaßen vorne agieren wie auch „hinten“ als Joker in der Passdeckung mithelfen.

Joyner ist nicht der allerschnellste Sprinter, er ist ein paar Zentimeter zu klein, aber er galt immer als absoluter Leadertyp und Führungsspieler in einer Seminoles-Umkleidekabine, in der es nie an künftigen NFL-Talenten mangelte. Man wird abwarten müssen, ob Joyner sich in der NFL durchsetzen kann oder ob er ein weiterer dieser ehemaligen Super-College Spieler ist, die aufgrund eines zu schmächtigen Körpers in der NFL kein Land sehen. Joyner gilt mittlerweile als relativ sicherer 2nd-Rounder.

Strong-Safetys

Calvin Pryor von Louisville spielte zwar am College viel Free-Safety, gilt aber in der NFL in erster Linie als Spieler, der tendenziell eher weiter vorne postiert sein wird um als Supporter gegen den Lauf zu agieren. Pryor ist ein kompromissloser Tackler, den es immer sofort nach vorne Richtung Ballträger zieht. Er wird auch in schwierigen Spielzügen erst aufgeben, wenn der Ballträger am Boden ist, und er ist sich auch nicht zu schade, mit der Schulter voran in einen Mann hinein zu rammen, wenn reine Tackling-Kunst nicht mehr hilft.

Pryor ist neben Clinton-Dix der einzige Safety, bei dem man mehrheitlich davon ausgeht, dass er in Runde 1 gedraftet werden wird.

Ein Deone Buchannon von Washington State gilt als ähnlicher Spielertyp wie Pryor. Buchannon ist etwas größer, schneller, beweglicher, hat mehr Erfahrung in der Rolle als tiefer Safety und mit 6 Interceptions auch ganz gute Hände als Abfangjäger, aber Buchannon ist nicht so geschliffen und hat nicht so viel Erfahrung wie Pryor. Ein Problem bei Buchannon ist sein ungestümes Tackling: Vor wenigen Jahren noch wäre er für seine big hits gefeiert worden, aber heute wirst du für manchen seiner Kopfnüsse mit Strafen belegt. Deone Buchannon kommt ein halbes Jahrzehnt zu spät.

Auch gilt Buchannon als zu langsam in der Coverage. Er gilt als besser „in traffic“ als im offenen Feld – und in der heutigen NFL siehst du oft ein offenes Feld („Spread Offense“). Man wirft im nach Tape-Studium vor, die meisten seiner Interceptions seien geschenkte Dinger der QBs gewesen. Manche glauben trotzdem, Buchannon sei ein besseres Prospect als Pryor und wird vor Pryor vom Tablett sein.

Die letzten beiden Strong-Safetys zum schnellen NFL-Aussichten sind Ahmad Dixon von Baylor und Tre Boston von UNC. Dixon gilt mit seinem bulligen Körper als halber Linebacker, aber als nicht gebräuchlich, schwierigere Routen gegen Tight Ends abzudecken. Boston ist eine schnellere, wendigere Ausgabe von Dixon, ein aggressiver Mann, den es sofort Richtung Pocket zieht, der aber aufgrund seines grünen Schnabels noch einiges Lehrgeld zahlen wird und daher kaum vor dem dritten Tag einberufen werden wird.

Akademische Viertelstunde nach der Rückkehr der Giganten

Kollegin Seminole ist noch immer berauscht vom Kantersieg „ihrer“ Florida State Seminoles beim Schlager der Woche in Clemson (ein 51-14 Sieg), durch den die Noles auf #3 in der Erstausgabe der BCS-Rankings 2013 vorrückten. So berauscht, dass die Akademische Viertelstunde heute ausnahmsweise von mir geschrieben wird.

Recap: Clemson Tigers – Florida State Seminoles

Clemsons Fans wollten einen neuen Rekord für Lautstärke in Footballstadien aufstellen, aber das Death Valley war schon zur Halbzeit selbiges: Tot. FSU führte zur Pause unangefochten 27-7, und nur dank eines späten Touchdowns konnte Clemson das Endergebnis kurz vor Schluss mit 51-14 ein Tüpfelchen erträglicher gestalten. Der Blowout fühlte sich wie ein Klassenunterschied an. Die Tigers wurden gekillt.

Wie schrieb Andy Staples von Sports Illustrated so schön?

An entire generation of college football fans has come of age with no recollection of when Florida State was the baddest team in the universe, when Sanders and Charlie Ward and Warrick Dunn and Peter Warrick and Peter Boulware steamrolled nearly every team they played. It has been 13 years since the Seminoles finished a season ranked in the top five of the AP Poll. Within the ACC, the fear of Florida State dissipated with each random loss to NC State or Wake Forest. People forgot how thoroughly a fully realized Florida State team can destroy a quality opponent. On Saturday, when Florida State receiver Rashad Greene put a finger to his lips when he reached the terminus of a 72-yard second-quarter touchdown pass and the Clemson crowd complied with silence, the memories came flooding back.

Quelle: FSU looks like dominant ‚Noles teams of past in rout of Clemson, Andy Staples|SI.com.

Was bleibt vom Spiel? Ein sensationeller QB #5 Jameis Winston, der nicht nur großartige Stats lieferte, sondern vor in der Königsdisziplin brillierte: Unter Druck. Clemson-DefCoord Venables war schon in Oklahoma für fröhliches Blitzen bekannt und blitzte auch Winston munter, aber Winston verbrannte jeden einzelnen Blitz. Das war eine der besten Vorstellungen, die ich von einem College-QB bisher gesehen habe. Und Winston ist erst Freshman. Scary, scary shit.

Es war nicht nur der künftige Top-Draftpick Winston (444 Passyards) in der Offense: TE O’Leary und WR Greene jeweils mit über 150yds und krassen Yards-nach-dem-Catch Läufen, aber den Catch des Tages hatte mit Kelvin Benjamin ein anderer. Benjamin scorte den ersten TD auf spektakuläre Weise im Eck am Pylon. Dass der Catch in der NFL nicht gezählt hätte, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Die FSU-Defense war beeindruckend, hielt den hoch gehandelten QB Tajh Boyd bei 17/37 komplettierten Pässen und praktisch null downfield-Passspiel. Gefühlt ging nicht ein einziger Ball über 20yds. Überragender Mann war ein Altbekannter, und ich muss schon wieder in Lobeshymnen verfallen bei einem Mann, den ich für schlicht nicht genügend gewertschätzt halte: Defensive Back-Allrounder #20 Lamarcus Joyner war der Schlüsselspieler, nicht nur wegen der beiden früh forcierten Fumbles, die den Blowout einleiteten und wegen der INT später. Joyner wird praktisch nie als potenziell hoher Draftpick genannt. Das verstehe, wer will. Ich verehre Joyner seit Jahren abgöttisch, und weiß nicht wie oft ich das auf diesem Blog geschrieben habe: Das ist einer der besten Verteidiger, die ich im College-Football kenne. Flexibel, vielseitig, pfeilschnell. Was ist das Problem bei Joyner? Sein Zwergenwuchs?

Jedenfalls hat FSU die erste richtig schwere Aufgabe der Saison mit Bravour gelöst. Es gibt noch große Gegner im Schedule: Die Miami Hurricanes werden am 2. November empfangen, und am 30.11. muss man zu den Florida Gators nach Gainesville fahren – tja, und dann kommt wohl noch das ACC-Finale, wo man erneut Miami/FL vorgesetzt bekommen könnte.

Ein gefährlicher Gegner für FSU ist FSU selbst: Unter Jimbo Fisher vergeigten die Noles noch in jeder Saison ein Spiel gegen einen Kleinen. Den Statement-Sieg haben sie eingefahren. Nun wird es wichtig, gegen die „Jausengegner“ nicht nachzulassen. Nächste Woche kommt NC State. Gegen die verloren die Seminoles letztes Jahr.

Upsets, soweit das Auge reicht

Die Favoriten fielen wie die Fliegen: Fünf Teams aus den Top-10 kassierten Pleiten, insgesamt 8 Pleiten gerankter Teams gegen niedriger eingestufte Gegner. Gehen wir mal die Liste durch (die Nummern in diesem Abschnitt stehen für die AP-Rankings vor Woche 7):

  • #3 Clemson mit besagter 14-51 Klatsche gegen #5 FSU.
  • #6 LSU in letzter Sekunde 24-27 gegen Ole Miss verloren. QB Mettenberger mit 3 INT, und Ole Miss zeigte das, was man von Ole Miss vor der Saison erwartet hatte: Noch nicht gut genug, um eine ganze Saison auf Topniveau durchzuspielen, aber durchaus mit genügend individueller Klasse um ein Topteam an einem guten Tag zu schlagen. Tja, und mit einem fehlerlosen QB Bo Wallace. Das reichte, um per Last-Second Field Goal zu gewinnen.
  • #7 Texas A&M verliert 41-45 gegen Auburn. QB Manziel zwar mit erneut über 500 Total-Yards by himself, aber mit 2 Turnovers und am Ende sogar ausgeknockt. Auburn mit 60 (!) Laufspielzügen und 379 Laufyards und einem RB Tre Mason in Weltklasseform. Ich habe Auburn dieses Jahr noch nie komplett gesehen, aber mehrmals teilweise: Gus Malzahns Jungs sind nicht fehlerfrei, aber sie sind potenziell gut genug, um uns eine eventuell spannende „Iron Bowl“ Ende November gegen Alabama zu bescheren. Auf alle Fälle ist Auburn 6-1 und damit bereits bei doppelt so vielen Siegen wie in der kompletten letzten Saison.
  • #8 Louisville kassierte schon am Freitag eine 38-35 Heimpleite gegen den einzigen halbwegs nennenswerten Gegner im Schedule, Central Florida.
  • #9 UCLA verliert in Stanford 10-24. Dritte Niederlage für UCLA innerhalb von elf Monaten gegen #13 Stanford. Stanfords Pass-Defense machte den Unterschied, hielt den NFL-kompatiblen QB Brett Hundley bei 4.9 NY/A. Ich kann das Duell Stanford @ Oregon nicht erwarten: Da trifft eine der besten Offenses auf die vielleicht beste Defense im College-Football. Bei Stanford ist mir einzig die Offense in manchen Momenten zu pathetisch. UCLA kriegt nächste Woche auswärts das heftigste Los der Saison: @Oregon.
  • #11 South Carolina mit einer 21-23 Pleite in Tennessee dank Field Goal mit auslaufender Uhr. Ich habe das Spiel nicht zur Gänze gesehen, aber der Grund, weswegen die Gamecocks die Partie verloren haben, dürfte in den 2 Turnovers liegen. South Carolina ansonsten in allen statistischen Kategorien etwas besser als Tennessee. QB Shaw wurde ausgeknockt. Für Tennessee natürlich ein geiler, geiler Tag, der erste „Statement-Sieg“ der Ära Butch Jones; die Vols kommen immer besser in Schwung: Teil 1 des brutalen Schedules wurde noch verschissen (u.a. der Abschuss gegen Oregon), aber zuletzt Georgia in die Overtime getrieben und nun South Carolina geschlagen – aller Ehren wert! Bei den Gamecocks spielt übrigens wieder DE Jadeveon Clowney mit, den manche schon abschreiben wollten. Bullshit. Das ist der beste Abwehrspieler nach Suh (und noch klar vor Lamarcus Joyner), den ich im College-Football jemals gesehen habe. Clowney hatte dann zur Krönung auch mal wieder so einen Hit, der in den Highlight-Reels rauf und runter genudelt werden kann.
  • #14 Mizzou#22 Florida (Endergebnis 36-17 pro Mizzou) ist technisch gesehen kein Upset, aber es fühlt sich wie eines an. Mizzou marschierte mit einem komplett unbekannten Backup-QB Maty Mauk an und fuhr über Florida drüber: 500 Offense-Yards. Florida mit sagenhafte schlechtem Output im Angriff: 151 Yards aus 60 Spielzügen (unter 3yds/Spielzug!). Mizzou bleibt ungeschlagen. Das Simple Ranking System sieht Mizzou als eines der drei besten Teams des Jahres.Die Skill-Player in der Offense von Mizzou sind richtige Granaten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass nicht South Carolina, Georgia oder Florida die SEC-East gewinnen, sondern Mizzou? Sicher höher als zu Saisonbeginn angenommen. Und sowohl Georgia als auch Florida haben die Tigers schon geschlagen. Next Up: Mizzou vs South Carolina, nächsten Samstag.
  • Nächste Pleite für #15 Georgia (27-31 gegen Vanderbilt). Bei Georgia schlagen die extrem vielen Verletzungen für die Schlüsselspieler immer böser durch, und auch die Kadertiefe ist längst nicht mehr die, die ein BCS-Anwärter haben sollte. Georiga führte schon mit 13 Punkten, wurde aber in der zweiten Halbzeit komplett platt gemacht. QB Murray nur mit 14/28 für 114yds/1 INT.
  • #20 Washington, bei denen man sich vor zwei Wochen noch fragte, ob sie „for real“ sind, ging böse, böse bei Arizona State unter: 24-53. Washingtons hoch gelobter Angriff mit -5 (!) Rushing-Yards. Sacks zählen im College als Laufyards, aber trotzdem… Arizona State ist übrigens auch so ein Team wie Ole Miss: Zu unkonstant, zu wenig tief besetzt für eine richtig krasse Saison, aber immer für einen Ausreißer nach oben zu haben und deswegen nie zu unterschätzen.

Weitere Favoriten taten sich schwer: #10 Miami/FL kämpfte schon am Donnerstag mit den bisher so enttäuschenden UNC Tar Heels und kam mit einem blauen Auge davon. #17 Texas Tech tat sich schwer gegen das unberechenbare West Virginia. #4 Ohio State mühte sich gegen Iowa.

Da lobt man sich #1 Alabama (52-0 über Arkansas), #2 Oregon (62-14 gegen Washington State) oder #12 Baylor (71-7 gegen Iowa State), die ihre Pflichtaufgaben ohne Pipapo lösten. Zwei Bemerkungen dazu:

  • Das BCS-Rennen vorne wird zum Knüller: Alabama, Oregon, FSU und Ohio State sind ungeschlagen und derzeit „Front-Runner“ (Ohio St vor allem wg. mauem Schedule). Baylor und Mizzou als ungeschlagene Alternativen, deren Hauptproblem die Akzeptanz ist: Man traut diesen kleinen Unis nicht so recht.
  • Nochmal Baylor: Die Bears sind der absolute Hammer. Klar, die Gegner bisher waren keine „Juggernauts“, aber trotzdem: 69-70-70-73-35-71. Keine Lottozahlen ohne Zusatzzahl, sondern die Punktausbeute der Bears-Offense in den ersten sechs Saisonspielen. Oklahoma und Texas kommen noch, aber Baylor empfängt beide zuhause.

Drama für Wisconsin: Die Badgers stehen bei 5-2 und werden in den Rankings zurückgehalten, weil sie ein Spiel gegen Arizona State wegen eines Referee-Aussetzers verloren. Das ist schade. Wisconsin könnte durchaus höher gerankt sein. Wenn man vergleicht, dass Michigan ähnlich gut eingeschätzt wird… Wisconsin würde ich gegen Michigan mit zwei Touchdowns nehmen.

BCS-Rankings, Erstausgabe 2013

Wie setzt sich das BCS-Ranking zusammen? Wie ich schon in den letzten Jahren schrieb, besteht das sagenumwobene BCS-Ranking aus drei Teilen:

  • Coaches Poll von USA Today: Zirka 60 Headcoaches stimmen dort ab. Hauptkritikpunkt ist der Interessenskonflikt der Coaches, die natürlich nur allzu gerne das eigene Team oder Teams aus der eigenen Conference in die Richtung klassieren, die ihnen selbst am meisten hilft.
  • Harris Poll: Ein Retorten-Poll, das 2005 gegründet wurde, weil das AP-Poll aus der BCS austrat. Im Harris-Poll stimmen einige Experten, Altstars und Journalisten ab. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Skandälchen, Stichwort Bias und Zuneigung von Votern für Teams aus ihrer Region, und einige der Voter gaben unumwunden zu, den College-Football so genau eigentlich gar nicht zu verfolgen.
  • Computer-Rankings: Die künstliche, pseudoneutrale Ansammlung von 10 Computer-Algorithmen, bei denen jeweils das beste und das schlechteste Ranking jeder Mannschaft eliminiert wird, und daraus ein Durchschnitt kalkuliert wird. Großer Kritikpunkt dieses Rankings: Es darf keine „Margin of Victory“ (Höhe des Sieges) berücksichtigen. Nicht alle Rankings sind (meiner Erinnerung nach) transparent, es konnten bei den wenigen transparenten in den letzten Jahren immer wieder Rechenfehler bzw. falsche Ergebniseingaben (!) nachgewiesen werden. Als „pseudoneutral“ bezeichne ich diese Rankings deswegen, weil ihre Algorithmen im Laufe der Jahre immer weiter angepasst wurden, um den beiden „menschlichen Polls“ möglichst nahe zu kommen – mit all ihren inherenten Befangenheiten.

Jeweils zu gleichen Teilen (ein Drittel) werden diese Rankings für das umfassende BCS-Ranking verwendet. Die #1 spielt im Jänner gegen die #2 im BCS-Championship Game. Notre Dame kriegt eine garantierte Einladung in eine BCS-Bowl, wenn es in den Top-8 klassiert ist. Der beste Champion einer Mid-Major Conference kriegt eine automatische Einladung in eine BCS-Bowl, wenn er an #12 oder besser klassiert ist bzw. zwischen #12 und #16, wobei er in letzterem Szenario auf jeden Fall besser klassiert sein muss als zumindest ein Champion aus einer BCS-Conference.

Generell bleibt festzuhalten, dass die Ranking-Kriterien schwer zu definieren sind: Du musst Sieg/Niederlagen berücksichtigen, ebenso wie Stärke der Gegner; beeindruckende Siege musst du höher einzustufen als knappe usw. Am Ende hat jeder ein ähnliches, aber kein komplett gleiches Bild der Rankings im Kopf.

Sicher ist ein SRS (Simple Ranking System) näher an der „Wahrheit“ als die Pseudo-Computerrankings, die für die BCS-Liste zählen, weil das SRS die Höhe der Siege berücksichtigt, die ihm erst die Vorhersage-Genauigkeit gibt. Aber: Die BCS-Liste soll nicht in die Zukunft schauen, sondern möglichst die „verdientesten“ Finalteilnehmer aussuchen.

War Notre Dame letztes Jahr eines der zwei besten Teams des Landes? Nein, aber das wussten wir alle schon vor dem BCS-Finale. Trotzdem ging die Finaleinladung gefühlt in Ordnung, weil Notre Dame gegen einen respektablen bis schwierigen Schedule ungeschlagen durchkam. Und darum geht es im Sport: Spiele zu gewinnen. Nicht darum, das Torverhältnis (im Football besser: das Punktverhältnis) über 12 Spiele zu optimieren.

Letzteres kann ein Indikator für die „wahre Stärke“ sein; aber im College-Football wird eben nicht immer der stärkste belohnt, sondern eine derjenigen sieben, acht Mannschaften der Saison, von denen man jede nominieren könnte. College-Football würfelt sich in Ermangelung einer besseren Methode aus sieben, acht würdigen Titel-Kalibern zwei glückliche Finalisten aus, die sich den Meister ausspielen.

Ist der Meister immer der beste? Nein, aber auch der Fußball-Weltmeister ist nicht immer die beste Mannschaft der Welt.

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama             7-0    25.8
#2   Florida State       6-0    34.3
#3   Oregon              7-0    28.4
#4   Ohio State          7-0    15.9
#5   Missouri            7-0    23.0
#6   Stanford            6-1    18.7
#7   Miami/FL            6-0    15.0
#8   Baylor              6-0    30.1
#9   Clemson             6-1    16.5
#10  Texas Tech          7-0    12.7
#11  Auburn              6-1    13.8
#12  UCLA                5-1    16.1
#13  Louisiana State     6-2    18.9
#14  Virginia Tech       6-1    10.3
#15  Oklahoma            6-1     8.6
#16  Texas A&M           5-2    14.6
#17  Fresno State        6-0     3.7
#18  Northern Illinois   7-0     4.9
#19  Oklahoma State      5-1    12.7
#20  Louisville          6-1    15.3
#21  South Carolina      5-2    12.9
#22  Michigan            6-1     9.3
#23  Central Florida     5-1    11.1
#24  Nebraska            5-1     7.5
#25  Oregon State        6-1    11.1

Ich gebe zu, ich bin einigermaßen überrascht, dass die Seminoles dank der Computer-Rankings an Oregon vorbeiziehen, nachdem sie in beiden Polls hinter Oregon zurückliegen. Baylor ist in Coaches- und Harris Poll jeweils an #5 klassiert, aber bei den Computer nur an #12, fällt dadurch auf #8 im BCS-Ranking zurück. Allerdings kriegt Baylor noch gute Gegner in Oklahoma und Texas, und damit Möglichkeiten auf einen besseren SOS. Gefühlt würde ich ganz vorne sagen: FSU > Oregon > Alabama.

Von den Mid-Majors haben im Prinzip nur noch Fresno State und Northern Illinois BCS-Busterchancen. Beide haben allerdings schlechte SRS-Werte. Fresno ist mit seinem Punte-Rating von 3.7 über dem durchschnittlichen FBS-Team nichtmal in den Top-50 des SRS gerankt! Wenn die Bulldogs im MWC-Finale noch einmal auf Boise State treffen, wären sie nach SRS selbst mit Heimvorteil Außenseiter!

Nach SRS sind auch andere Teams in diesem BCS-Ranking überbewertet: Miami/FL und Texas Tech gehören zwar ins Ranking, aber nicht in die Top-10. Oklahoma schaut nicht wie ein Big-12 Favorit aus. Fresno und NIU hatten wir. Michigan und Nebraska sind auch eher untere Kategorie. Dagegen ist das nach SRS sechstbeste Team des College-Football, Arizona State (+19.9), nicht in den ersten BCS-Rankings vertreten (Sun Devils sind 5-2).

Spielerstreik bei Grambling State

Zum Abschluss ein Ausflug weg von der Glitzerwelt der FBS, denn auch in der zweiten und dritten Division wird College-Sport betrieben – und folglich ist auch folgende Geschichte College-Football.

Aus der FCS, der zweiten Ebene des College-Footballs: Die Spieler von Grambling State haben am Wochenende gestreikt. Der Grund liegt lt. Associated Press in den horrenden Bedingungen, unter denen die Spieler arbeiten müssen: Da ist von Schimmel in den Facilities die Rede, von verunreinigter Spiel-Ausrüstung, die zu bakteriellen Infekten in Teilen der Mannschaft führte. Die Sportabteilung ist quasi pleite, die Spieler müssen selbst ihre Ausrüstungen bezahlen, und bekommen keinen Schluck Gatorade mehr gratis. Das Fass zum Überlaufen soll dann die Entlassung vom Head Coach Doug Williams (Ehemaliger der Uni, Superbowl-Champ als erster schwarzer Starting-QB mit Washington) letzte Woche gebracht haben.

Grambling State ist keine unbekannte Uni: Als HBCU (historisch gewachsene Uni für Schwarze) spielt man in der SWAC (Southwestern Athletic Conference) mit, einer Conference, die sich nicht an den FCS-Playoffs beteiligt. Vor zwei Jahren stand Grambling State im SWAC-Finale, wurde bei ESPN America gezeigt. Dieses Jahr war man 0-7, und ist jetzt 0-8, da das bestreikte Spiel gegen Jackson State mit 0-1 gewertet wurde – dem Ergebnis, das im Football als einziges neben „1-1“ technisch unmöglich zu erreichen ist, sobald es angestoßen wird.