Rose Bowl 2012: #5 Oregon Ducks – #10 Wisconsin Badgers

[02h45] Endstand Wisconsin Badgers 38, Oregon Ducks 45.

Wisconsin machte es tatsächlich noch einmal spannend, marschierte in zwei Plays fast in die RedZone der Ducks, aber dann war auch gut. Tolles, spannendes Spiel mit etwas mehr Defense – angenehm, wie ich fand – in der zweiten Halbzeit und am Ende einem verdienten Sieger, da die Oregon Ducks das machten, was sie immer machen: Sie bringen den Gegner irgendwann zum Erliegen. Heute gefühlt weniger durch das Hinuntertreiben der Spielzüge, sondern mehr durch die Flinkheit und Wendigkeit seiner unglaublichen Skill Players, die mehrere massive Big Plays machten und Oregon immer wieder mit Spielzügen um die Line herum verbrannten. Mann des Tages ist schwer auszumachen, aber wenn ein RB De’Anthony Thomas 2 Läufe für 155 Yards und 2 Touchdowns vorweist, könnten wir mal ein Wort drüber verlieren.

Gute Nacht – Fiesta Bowl gebe ich mir morgen als Aufzeichnung und werde meine Gedanken entsprechend in den richtigen Thread reinschreiben.

[02h35] Mal am Rande erwähnt: Wie sehr schmerzt nun das völlig sinnlos verbrannte Timeout vom dritten Viertel (die Touchback-Situation)?

[02h30] 3:55 vor Schluss einer der Männer des Tages, WR/KR/PR Abbrederis, mit dem Fumble nach einer Unkonzentriertheit, nachdem er den Ball für 29yds gefangen hatte. Oregon wird gleich wieder in FG-Reichweite sein, kann die Uhr runterlaufen und wird das Spiel gewinnen.

[02h23] Wisconsin 38, Oregon 45/Q4 6:50. Oregon lässt sich nichtmal von zwei aufeinanderfolgenden Strafen irritieren und spielt mit Eisklöten ein 4th down aus, nur um dann beim nächsten 4th down und 2 an der WIS13 plötzlich die traditionelle Methode anzuwenden und das Field Goal zu schießen. Erstaunlich. Chip Kelly müsste eigentlich realisiert haben, wie waidwund die Badgers bei diesen quicken Option-Pitches um die Offensive Line herum sind.

[02h04] Wisconsin 38, Oregon 42/Q4 14:35. Absehbarer Touchdown, nachdem die Badgers-Defense bei 3rd down einen wichtigen, sehr wichtigen Tackle verpasste und zwei Plays später Thomas den WR mit dem hawaiianisch klingenden Namen Lavasier Tuinei findet. Bizarr, eigentlich hatte es für einen Moment so ausgesehen, als ob Oregon mit dem Ausgleich zufrieden gewesen wäre. Dann kam James RB Thomas bei diesem verpassten Tackle.

[02h00] Ende drittes Viertel – Wisconsin macht pünktlich dazu auch seinen groben Schnitzer. Dritter Versuch und kurz, QB Wilson kommt plötzlich aus der Shotgun-Formation und wirft die INT. Manchmal verstehe ich die PlayCalls der Badgers nicht.

[01h47] Oregon marschiert unaufhaltsam gen EndZone und verbrennt die Badgers ein ums andere Mal, da nutzt Wisconsin bei einem Wurf Freundin Seitenlinie aus und KANN DEN BALL ABFANGEN. Oregon hätte wenigstens per Field Goal ausgleichen können.

[01h40] Wisconsin 38, Oregon 35/Q3 4:44. Nach einem Ducks-Punt und eines starken Returns von PR Abbrederi (der Mann macht heute PLAYS) übernimmt die Offense an der WIS38. Dezente Rhythmuswechsel über RB Ball und RB White, ein Scramble Wilsons gegen unaufmerksame Defense, ein Pass über die Mitte für Ball und ein richtig gut exekutierter Ball in die Ecke der EndZone von Wilson. Wisconsin führt wieder, es war ein Zack-Zack-Drive, da passte alles.

[01h22] Wisconsins Antwort darauf ist dezent enttäuschend: Ein langer Kickreturn von Abbrederis, der sich geschickt mit einem Seitenwechsel den Raum erkauft, an die 37yds Line Oregons, aber nach einer großartigen athletischen Aktion Balls (und kurz nach seinem Ausrutscher) bleibt der Drive an der UO12 stecken und es gibt bloß das Field Goal. Wisconsin 31, Oregon 35.

[01h12] Wisconsin 28, Oregon 35/Q3 14:11. Zweiter Lauf in diesem Spiel für RB De’Anthony Thomas. Thomas hat nun 155yds auf seinem Konto, da dieser zweite Lauf gleich ein 64yds-TD war.

[01h02] Ein Punkt, in dem ich Herbstreit widersprechen möchte: Das Fehlen von DB Cliff Harris dient nur bedingt als Entschuldigung für die Leichtigkeit, mit der Wisconsin hier die Eier bewegt. Klar, im Passspiel hilft das, aber Oregon hat viel bedenklichere Schwierigkeiten, diese simplen Läufe zu stoppen. Diese Offense braucht vermutlich einen ähnlichen „Game-Changer“ wie Wisconsin beim Fumble-Return.

[00h46] Halbzeitstand Wisconsin Badgers 28, Oregon Ducks 28.

Grandioser Shootout, der im Vergleich zu vielen anderen Spielen dieser tristen Tage richtig unterhaltsam ist, auch wenn für meinen Geschmack doch ein bissl mehr Defense sein könnte (Taylor und Nzegwu: bitte weghören!). Oregon begann zuletzt immer stärker, die „Edges“ als Waffen im Laufspiel einzusetzen, also um die Tackles herum zu laufen – im Prinzip das, was Oregon groß macht. Die dazwischen eingestreuten Thomas-Pässe sind fast ausnahmslos gefährlich viel Raumgewinn bringend, da war es überraschend, dass der kurze „Out“-Wurf an der GoalLine 30sek vor Pause zum Ausgleich glückte.

Wir hatten letzte Woche mit Air Force-Toledo und der Alamo Bowl zwei wilde Punktefestivals. Dieses Spiel setzt fast noch einen drauf. Oregon bekommt danach als erstes den Ball (Onside Kick mal nicht in Betracht gezogen – wobei…), kann seine mickrige Possession-Zeit (8:40min) aufmotzen und erstmals in Führung gehen. Hat-Tip: austrianbowl.

[00h27] BIG PLAY. Grade wollte ich mich über die fehlenden Turnovers in dieser Partie auslassen, da wird QB Thomas gesackt, der Ball aus der Hand geschlagen und Louis Nzegwu trägt das Ei zurück zum TD. Wisconsin 28, Oregon 21/Q2 3:26. Wichtig, wichtig für Wisconsin, da die Ducks in der zweiten Halbzeit als erste den Ball kriegen.

[00h17] In diesem Moment – 6:31 sind noch zu spielen in Halbzeit 1 – sind die Zeiten an Ballbesitz fair verteilt: Wisconsin 19:15 min, Oregon 4:14 min.

[00h10] Unglaublicher Shootout in Pasadena: Wisconsin braucht erst 8 Spielzüge für 65yds (darf man dazu dann heute „zäh“ sagen?), ehe RB Montee Ball den TD-Rekord von Barry Sanders einstellt, ehe dann Oregon nach langem Kickreturn einen einzigen Pass für RB Barner über 56yds wieder ausgleicht. Wie meinte Herbstreit? I need a tank of oxygen myself.

[23h52] Wisconsin 14, Oregon 14/Ende erstes Viertel. Mit dem letzten Spielzug im ersten Viertel bricht Oregons RB De’Anthony Thomas durch, 91yds zum Touchdown. Gewaltiges Viertel beider Offenses, die in jeweils drei Drives jeweils zwei Touchdowns bei einem Punt hinknallten.

[23h38] Wisconsin 14, Oregon 7/Q1 5:55. Die magische Zahl ist die Sieben. Dritter Drive zum Touchdown, drittes Mal wurden sieben Spielzüge benötigt. Wisconsin setzt massiv seinen RB Monte Ball ein (bereits 7 Läufe für 73yds und 2 Catches für 37yds, ergo 110 Total-Offensive Yards und noch kein Viertel gespielt), aber zum Abschluss scrambelt diesmal Wilson die paar Yards in die EndZone. Furchterregend, wie wirkungslos bislang jegliche Defense bleibt. Da kann man sich den eigenen Eintrag für jeden Touchdown-Drive schenken, um Platz zu sparen.

[23h26] Wisconsin 7, Oregon 7/Q1 9:41. Auch Oregon kommt standesgemäß zu seinem Touchdown im ersten Drive: 7 Spielzüge, 80yds in grundsoliden 2:07min und abgeschlossen durch das Wiesel, RB LaMichael James.

[23h19] Wisconsin 7, Oregon 0/Q1 11:48. Abbrecadabra! Im Stadion, das erstaunlicherweise mehr „rot“ den „gelbgrün“ aussieht, legen die Ducks einen grundsoliden ersten Drive hin, abgeschlossen mit einem wunderschönen Playaction-Pass QB Russell Wilsons auf Jared Abbrederis (38yds). Da sah Oregons Defense ziemlich überrumpelt aus.

[23h04] #Dingeandenenmansichniesattsehenkann: Feuerwerk bei gleißendem Sonnenschein.

[23h00] Nach einer auf äußerst eigenartige Weise sehens- und empfehlenswerten Outback Bowl Georgia – Michigan State nun rüber zur Mutter aller Bowls nach Pasadena. Heute mal testweise über den ESPN-Player, da heute „auswärts“ ich in der Location kein ESPN America empfangen kann.


[17h22] In wenigen Stunden beginnt in der wunderschönen “Schüssel” zu Pasadena die Rose Bowl 2012 zwischen den Siegern der Pac-12 und der Big Ten Conference. ESPN America wird nach der WinterClassic einsteigen, man kann aufgrund der Verzögerungen von einem Übertragungsbeginn von ca. 23h45-24h ausgehen. Ab 23h LIVE dabei ist der kostenpflichtige ESPN-Player.

Wisconsin gegen Oregon, das ist nicht nur das Duell zweier unterhaltsamer Mannschaften, sondern auch das Duell Adidas gegen Nike – beide heute mit extra designten Trikotsätze. Während erstere den Badgers einen netten, klassischen Look verpassten, kommen die Oregon Ducks mal wieder in futuristischen Scheusalen daher. Unterhaltsamer sind beide Teams ohnehin auf dem Spielfeld.

Die #10 Wisconsin Badgers von HeadCoach Brett Bielema waren lange Zeit mit ihrem neu eingekauften QB Russell Wilson ein heißes Gesprächtsthema, galten als Anwärter für das BCS-Finale, bis zur Saisonmitte zwei Hail Marys hintereinander die Badgers-Saison fast zerstört hätten (gegen Michigan State und Ohio State). Nach dem knappen „Rückspielsieg“ über die Spartans ist Wisconsin nun wie vor einem Jahr in der Rose Bowl.

Einer der Männer des Jahres neben Wilson ist RB Montee Ball mit seinen 38 TD (Rush+Catch). Ball könnte heute den legendären Rekord von Barry Sanders brechen (39TD/1988), wobei angemerkt werden muss, dass Sanders drei Spiele weniger dafür brauchte und seine zusätzlichen 5TDs aus der Bowl Season nicht in den offiziellen Stats mitgezählt werden (erzielte insgesamt 44TD). Ball wird trotzdem kaum beachtet, was einen Grund hat: Der Angriff ist vornehmlich um Wilsons double threat gebaut, zudem vergeht keine Badgers-Übertragung ohne fuffzich Lobeshymnen auf die massive Offensive Line.

Knackpunkt ist die Lauf-Defense: Wisconsin zeigte immer und immer wieder Probleme gegen laufstarke Offensivmaschinen. Die Probleme waren letztendlich nicht hauptverantwortlich für das verpasste Saisonziel „BCS-Finale“, könnten heute aber richtig durchschlagen.

Denn Oregons Offense ist nicht bloß „stark“. Oregons Offense ist „großartig“, gleich ein ästhetischer Genuss wie gnadenlos effizient. Head Coach Chip Kelly sollte jedes Jahr zum Coach des Jahres gewählt werden, allein dafür, so ein kompliziert einzustudierendes Produkt überhaupt auf das Spielfeld zu stellen.

Wir sprechen über ein vornehmlich auf Lauf-Options basierendes System, das in seiner reinsten No-Huddle-Erscheinung in diesen futuristischen Trikots wie aus einer anderen Phalanx daherkommt: QB Darron Thomas nimmt den Snap auf, und täuscht wahlweise drei Ballübergaben an oder scrambelt selbst los oder wirft die tiefe Bombe. Zwischen den einzelnen Snaps vergehen kaum 20-25sek, was Defenses in Serie ermüdet.

Zentrale Figur ist RB #21 LaMichael James (1646yds, 7.4ypc, 17TD in elf Spielen), ein Zwerg von einem Running Back, aber so flink und wendig wie ein Wiesel und an guten Tagen mit 9-10yds/Carry IM SCHNITT. James ist für einen hohen NFL-Draftpick möglicherweise etwas zu klein und grazil gewachsen, wird aber trotzdem nach diesem Spiel zu den Profis wechseln – dem College Football geht zweifellos eine der Attraktionen schlechthin verloren.

Die Backups scharren jedoch bereits: RB #24 Kenjon Barner (909yds, 11 TD) und der Sensations-Freshman RB #5 De’Anthony Thomas (1934yds, 16 TD overall), genannt „The Black Mamba“, bis dato auch stark als Ballfänger in Anspruch genommen.

Nur wenn es Wisconsin mit viel Physis gelingen wird, in Oregons so wichtigem Timing dazwischenzuflunkern, werden die Badgers hier Land sehen. Man kann insgesamt aber von einem punktereichen, flüssigen Spiel ausgehen, aber ich würde nicht gegen die Ducks setzen wollen.

Wiederholung bei ESPN America: Morgen, 3.1. um 15h30 (vermutlich ein komplettes Tape auch mit der Anfangsphase).

College Football/Week 11 Preview: Aufmucken in Eugene, Aufräumen in Penn State

Woche 11 im College Football, und der nächste Schlager in den Top-10, diesmal ein Conference-Duell in der Pac-12. Die Kontrahenten: : #4 Stanford Cardinal (9-0) und #7 Oregon Ducks (8-1). Das Duell zweier unterschiedlicher Spielphilosophien: Power/Stanford gegen Finesse/Oregon. Termin: Heute Nacht, 02h MEZ LIVE bei ESPN America (morgen, 12h als Tape). Ausgespielt wird wohl der Sieger in der Pac-12 North und so ganz nebenbei gibt es nicht unwesentliche BCS-Auswirkungen.

Wenn Stanford den Ball bewegt

Head Coach David Shaw hat das Markenzeichen Jim Harbaughs übernommen, dessen Markenzeichen da wäre: Brachiales Laufspiel über ein Dutzend kräftiger Running Backs und immer eingestreut eine Serie an Playaction-Pässen. Trotz Quarterback Andrew Luck gründet Stanfords Angriff zu allererst auf einer mächtigen Offensive Line und blockstarken Tight Ends.

Laufspiel sozusagen als Wegbereiter, Luck (mit 1,93m und 107kg NFL-Gardemaß) der Vollstrecker, der heuer bis dato nur in einem Spiel das Heft wirklich das Heft des Handelns in die Hand nehmen musste: Vor zwei Wochen gegen USC, als das Laufspiel mächtig stotterte, Luck sich dann aber trotz INT-Returntouchdown kurz vor Schluss nicht abschütteln ließ und die Mannschaft im Spiel hielt. Die Message war jedoch klar: Man nehme RB Stepfan Taylor (kein Tippfehler) und Konsorten aus dem Spiel und bekomme die Partie auf dem Silvertableau serviert.

Oregons Defense weiß dies, da kommt das jüngste Aufbäumen der als mittelmäßig verschrieenen Unit gerade Recht. Zu einer Front Seven mit vielen verschiedenen Formationen gesellt sich für den Fall der Fälle auch eine Secondary, die zwar Yards zulässt, aber mit ihrer Allzweckwaffe CB Cliff Harris, der auch ein fantastischer Punt Returner ist, stets für die eine oder andere INT gut ist. Gefühlt ist Oregons Defense – ich widerspreche hier dem Common Sense – durchaus in der Lage, auch über vier Viertel einen Grabenkampf mitgehen zu können.

Wenn Oregon den Ball bewegt

Meistens ist dies nicht notwendig, da die Oregon Ducks immer noch eine faszinierende Offense spielen, selbst wenn dieser orgiastische Wow-Effekt des vergangenen Herbstes fehlt. Auch wenn es niemand merkt: Oregon scort immer noch 46Pkte/Spiel, aber der wahre Wert ist ein ästhetischer, der Kreator und Head Coach Chip Kelly bei mir ganz hoch oben in der Ansehensskala hat rutschen lassen. Ein Angriff, immer griffbereit, wenn es eine Stunde zur Aufheiterung braucht: Option-Laufoffense par excellence. Blitzschnell und ohne Huddle zwischen den Spielzügen agierend.

Und mitten drin dieser Irrwisch, RB LaMichael James, so klein und zerbrechlich ausschauend, aber ein Karnickel von einem Running Back, flink und hasenfüßig. James ist nicht mal richtig fit, schleppt schon seit Monaten Wehwehchen herum, die im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr auf Schlägereien mit seiner Freundin zurückzuführen sind, macht aber 8yds/Carry und häufig über 200yds/Spiel.

Steht James an der Seitenlinie, wuseln sich der etwas kräftiger gebaute RB Kenyon Barner oder der filigrane Freshman De’Anthony Thomas zu 6-7yds/Carry durch die Defenses. Und zwischendurch streut QB Darron Thomas trotz fehlender Spritzigkeit seine Scrambles und tiefen Bomben auf 30m offene Receiver ein. Allenfalls der Slot-Mann á la Jeff Maehl ist dem Team abhanden gekommen.

Oregons Angriff hat ein Problem: Er gilt als zu leichtgewichtig gegen physische Defenses. Stanford besitzt so eine physische Defense, kommt jedoch im 3-5 daher, wodurch der eine oder andere 30yds-Lauf für James unausweichlich scheint, Stichwort: Blocking-Matchups. Umso wichtiger werden die „Option-Reads“ für den Quarterback und Thomas fiel in der Vergangenheit durch den einen oder anderen Fehler dabei auf.

Ausblick

Dennoch halte ich Oregon für favorisiert. Stanford braucht – so bizarr das angesichts eines Quarterbacks wie Luck klingt – Laufspiel, riskiert ansonsten wie bei USC bedrohlich zu wackeln. Auf der anderen Seite ist auch Oregon recht stark auf seine quicken Running Backs angewiesen, allerdings ist diese Offense explosiver und auf lange Sicht schwerer zu verteidigen: Die Ducks drehen die Schlagzahl meist erst ab dem dritten Viertel richtig hoch.

18h: Penn States Sexskandal

ESPN America hat recht kurzfristig für 18h/LIVE die Partie #12 Penn State Nittany Lions#19 Nebraska Cornhuskers ins Programm aufgenommen. Es ist das erste Spiel der Nittany Lions seit der 1949 (!) ohne Joe Paterno im Trainerstab, der nicht mehr zu halten vorgestern dann doch per sofort gefeuert wurde. Paternos Abgang scheidet die Geister und spaltet nicht nur die US-Medienlandschaft, die sich uneinig ist, ob man die Legende JoePa ob des unwürdigen Abgangs bemitleiden oder ob der jahrelangen stillen Mitwisserschaft verachten sollte.

Die Mehrheit der Studenten in College Town/Pennsylvania hat ihr Statement abgegeben und per Demonstration für den legendären Coach plädiert. Für morgen wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht, da der Eskalatometer gröbere Ausschreitungen befürchtet. Auch die Reaktion von Publikum und Studentensektor („S“) im Beaver Stadium dürfte gespannt zu beobachten sein.

Spiel selbst für die Interessierten: Nebraska ist ein bissl Wundertüte, zaubert mal eine große Defensivleistung wie gegen Michigan State raus, wird mal überlaufen wie von Wisconsin. Penn State ist klar einzuordnen: Unterirdische Offense, knackige Defense. Heute dürfte Nebraska hoch favorisiert sein und die Nittany Lions die Ränge runterschießen.

Ein anderes 18h-Spiel ist Texas Tech – #2 Oklahoma State, das live im ESPN-Player kommt und morgen/Sonntag um 9h30 als Tape bei ESPN America kommt. Die Red Raiders haben bereits die Oklahoma Sooners auswärts von den Reihen der Ungeschlagenen geschossen, gelten aber unter Head Coach Tommy Tuberville als instabil. Ein Sieg hier wäre eine große Überraschung, aber wer weiß… Mit Wundertüten kennt sich Oklahoma State bestens aus – man ist selbst eine.

18h-Spiel im ESPN-Player außerdem (Auswahl): #9 Clemson – Wake Forest um den Divisionssieg und Finaleinzug in der ACC-Atlantic, Iowa – Michigan State in der wilden Big Ten Conference oder Louisville – Pitt aus der noch unübersichtlicheren Big East Conference.

21h30: Buntes Programm

#15 Georgia Bulldogs gegen #20 Auburn Tigers (21h30 LIVE/ESPN America) aus der SEC. Georgia braucht noch zwei Siege, um aus eigener Kraft das SEC-Finale zu erreichen, das Head Coach Mark Richt als Jobgarantie benötigen könnte. Man hat jedoch hausgemachte Probleme (z.B. RB Crowell), während Auburn befreit von jedem Druck aufspielen kann. Die Tigers schauen diese Saison besser aus als erwartet. Nicht ausgeschlossen, dass Head Coach Gene Chizik heuer mehr Anerkennung bekommt als letztes Jahr, als er mit QB Cameron Newton den National Title holte – auf dem Weg dorthin unter anderem mit einem Sieg über Georgia. Ein Spiel, das damals in wüsten Schlägereien nach jedem Spielzug in den letzten Minuten endete. Ob noch Rechnungen zu begleichen sind?

Im Parallelspiel matchen sich #13 South Carolina und Florida. Abgesehen von South Carolinas Hoffnungen auf das SEC-Titelspiel ist natürlich das alljährliche Aufeinandertreffen von Steve Spurrier mit „seinen“ Florida Gators Erzählstoff. Spurrier machte das Footballprogramm der University of Florida erst zu dem, was es heute ist und spricht auch neun Jahre nach seinem freiwilligen Abgang von „We“, wenn er im Interview über die Gators redet.

Außerdem um 21h30 im ESPN-Player: #14 Kansas State gegen Texas A&M, beide nach empfindlichen Niederlagen gegen die Granden aus Oklahoma State und Oklahoma, und der ewige Klassiker Florida State – Miami, der immer noch Emotionen weckt und für zwei der erfolgreichsten Colleges der letzten 25 Jahre das Spiel des Jahres auf der Intensitätsskala ist.

Eurosport 2 bringt um 21h30 LIVE Minnesota – #18 Wisconsin. Am Sonntag, 19h gibt es zudem eine Wiederholung von Notre DameMaryland (Partie wird Sa/1h30 im FedEx Field in Landover angepfiffen). Bei Maryland fordert die Erfolglosigkeit unter dem neuem Head Coach Randy Edsall schon für kreative Sprachchöre auf den Rängen: Edsall ist unten durch und steht schon vor dem Abschuss.

Das kleine Spiel von nebenan

Um 21h30 MEZ treffen in Boise/Idaho die beiden besten „Mid-Majors“ der letzten Jahre aufeinander: #5 Boise State BroncosTCU Horned Frogs. Es ist das einzige Conference-Duell zwischen den beiden, da die Texas Christian University nächsten Sommer in die Big 12 Conference wechselt. Heuer hat man eine erstaunlich löchrige Abwehr und einen Mannschaftskader, der als instabil angesehen werden muss. Vielleicht instabiler, als es Boise lieb ist, Stichwort strength of schedule für die Broncos, die als hoher Favorit in ein Spiel gehen, das auf dem kleinen Sender Versus in den Staaten übertragen wird und ergo in der Anonymität ablaufen wird. Bei uns gibt es keine Möglichkeit, außerhalb der Grauzone Livebilder zu bekommen.

College Football 2011/12 Preview: Pac-12 Conference

Drittletzter Teil der langen Vorschauserie. Diesmal geht es um eine Conference, die sich im massiven Aufbruch befindet: Die Pac-12 Conference, die mit dieser Saison mit Utah und Colorado zwei neue Programme willkommen heißt und sogar eine zeitlang mit einer richtigen „Super-Conference“ geliebäugelt hatte. Der Hauptpreis namens „University of Texas“ wurde am Ende aber doch nicht gezogen, wer weiß, vielleicht „noch“ nicht.

Denn: Im neuen, sensationellen TV-Vertrag mit ABC/ESPN und Fox (12 Jahre, 2,7 Milliarden US-Dollar) wurden schon vorsorglich Klauseln für massive Steigerungen eingebaut, sollten Texas und/oder Oklahoma in die Pac-12 wechseln (wenn Texas kommt, kommt wohl auch Texas Tech als staatliche Hochschulen gleich mit). Auf alle Fälle hat Commissioner Larry Scott schon mal eines erreicht: Man spricht über die Pac-12. Und das wird noch mehr gelten, wenn sie in Zukunft anstelle von halb elf Uhr abends in der Primetime (Atlantikküste) spielen werden – auf ABC anstelle von Versus.

Sportlich gesehen hat sich die Pac-10/12 in den letzten Jahren immer mehr gen Osten geöffnet, nachdem man vor Jahren den Ruf hatte, inzestuös unter sich zu bleiben und die out of conference games maximal gegen die MWC anzusetzen.

Northern Division

„Gen Osten geöffnet“, wie das großartige Eröffnungsspiel Oregon vs. LSU, das heute Nacht stattfinden wird. Die Oregon Ducks gelten auch heuer wieder als einer der großen Titelkandidaten, in der Pac-12 Conference sowieso, aber auch im Rennen um den BCS-Titel. Oregon zeichnet unter dem Head Coach Chip Kelly eine fantastisch schnell spielende Offense aus, eine Augenweide, wenn sie ins Rollen kommt, voll mit Option-Laufspielzügen und quicken Pässen.

Kernspieler des Angriffs ist der nicht koschere, aber unglaublich wendige RB LaMichael James, mit seiner Zierlichkeit nicht gerade NFL-Gardemaß, aber für das College ein idealer Running Back mit einem idealen Komplementärspieler in RB Kenyon Barner, der ein paar Kilos mehr wiegt. Dazu gesellt sich mit Darron Thomas ein laufstarker Quarterback, sodass Oregon über 300yds/Spiel erläuft – und Thomas legt dann noch mal über 250yds/Pass drauf!

Die Offense erfordert mit ihrer atemberaubenden Geschwindigkeit (oft keine 20sek zwischen den Spielzugende und Snap des nächsten Spielzugs) aber ein hohes Maß an Konzentration und ist gegen physisch starke Gegner anfällig – und dann kommt noch die Befürchtung dazu, dass nach zwei Jahren irgendwann die Defensive Coordinators dieser Erde wirksame Gegenmittel finden dürften, nachdem simulierte Verletzungen im vergangenen Herbst nur zeitweise halfen.

Oregon muss heuer allerdings weite Teile seiner Offensive Line und Wide Receivers ersetzen. Trotzdem darf man davon ausgehen, dass die Offense immer ein paar Pünktchen mehr scort als die überdurchschnittlich gute Defense zulässt – und dann gibt es noch den großartigen CB/PR Cliff Harris, ein Mann, der allerdings heute Nacht gegen LSU wegen interner Sperre fehlen wird.

Manche sehen in den Stanford Cardinal den großen Gegenspieler Oregons. Das hat trotz des Abgangs von Head Coach Jim Harbaugh einen veritablen Grund, der sich da nennt: QB Andrew Luck. Ich sehe erst die fünfte volle Saison College Football, aber trotz Ryan, Stafford, Tebow oder Bradford gab es dabei keinen Quarterback, über den sich unisono alle Experten und Möchtegernexperten so einig waren. Luck gilt als Superstar und sicherer #1-Draftpick und allein seine Präsenz in dieser Mannschaft macht Stanford zum BCS-Titelanwärter.

Wir sprechen hier in der Tat von einem QB, dem man sein Standings anmerkt, ein extrem cooler Mann auch unter Druck, und ein Mann mit Hirn: Luck verzichtete auf den NFL-Draft, um seinen Architektur-Abschluss machen zu können. Theoretisch ist Luck heuer erst Junior, aber nach dem bereits abgeschlossenen Studium zweifelt niemand mehr daran, dass in diesem Herbst manche NFL-Fans (Buffalo, Washington, Seattle, I’m looking @ you!) auf Niederlagenserien ihrer Teams hoffen, um 2012 Luck an #1 draften zu können.

Der neue Head Coach David Shaw geht in dem Trubel um den QB ganz unter, ist ein recht junger Coach und gilt als sehr gewissenhafter Tüftler in der Spielvorbereitung. In der Defense liegen aber die größeren Probleme, wo mit DefCoord Vic Fangio der Stratege hinter der eigentlichen Erfolgsstory der Cardinal mit Harbaugh ein paar Kilometer weiter zu den 49ers gegangen ist und in der 3-4 Defensive Line nach wichtigen Abgängen nur Leichtgewichte spielen. Stärke ist das Defensive Backfield mit einem sehr guten Duo an Safetys.

Bei Stanford wird der Schedule insbesondere ab Mitte Oktober knackig: Die letzten sechs Spiele gegen gegen Washington, @USC, @Oregon State, Oregon, California und als Abschluss out of conference gegen Notre Dame. So eine Spanne muss eine Mannschaft erst einmal unbeschadet überstehen.

Stanfords traditioneller Erzrivale ist die University of California/Berkley, kurz Cal. Das Programm nennt sich Golden Bears und spielt seit Menschengedenken im Memorial Stadium, wo man auf dem dahinterliegenden Hang sitzend einen Gratisblick auf das Spielgeschehen werfen kann. Beziehungsweise konnte. Cals Stadion wird heuer renoviert, weswegen sie diesen Herbst auswärts in San Franciscos neuem Baseballpark AT&T spielen werden.

Head Coach ist der QB-Entwickler Jeff Tedford, der nach ein paar durchwachsenen Jahren vor der Entlassung steht. Die Offense war zuletzt der Schwachpunkt, u.a. gingen mit Jahvid Best (Detroit) und Shaun Vereen (New England) nacheinander die besten Running Backs flöten. Neuester Trumpf: Der fassungslos explosive WR Keenan Allen. Allein: Wer die Bälle werfen soll, weiß noch kein Mensch. Die Defense wird von einem bekannten Gesicht gecoacht: Clancy Pendergast. In Erinnerung bleibt die gigantische Leistung gegen Oregon, als deren Sensationsoffense gänzlich abgewürgt wurde.

Trotz schwacher, verletzungsgeplagter 2010er-Saison gilt Mike Riley bei den Oregon State Beavers als brillanter Head Coach, ein Name, der bei fast jedem frei gewordenen Trainerposten bei jedem großen Collegeprogramm im Gespräch ist. Riley steht im Ruf, immer dann zu brillieren, wenn alles gegen ihn spricht, und er hat sich in Corvallis ein so schickes Leben aufgebaut, dass er bislang allen Verlockungen standhielt. Krass dazu im Gegensatz steht Rileys NFL-Episode in San Diego. Dazu nur ein Stichwort: Ryan Leaf.

Bei „Ryan Leaf“ ist auch „Washington State“ nicht weit entfernt. Dort erlebte man die besten Jahre eben unter dem Mann, der sich heute mit Jamarcus Russell um… ach, Sie wissen schon. Mittlerweile liest sich eine 2-10 Bilanz im Herbst 2010 als Fortschritt und man riskiert, selbst von den lächerlichen Idaho Vandals ums Eck nass gemacht zu werden. Paul Wulff hat in drei Jahren fünf von 37 Spielen gewonnen und kriegt nun die allerletzte Chance. Trotzdem gilt es als fast hausgemacht, dass Robb Akey im Winter übernehmen wird. „Akey“ wie „Head Coach bei Idaho“.

Dabei hätte Wulff einen herausragenden Quarterback in Jeff Tuel (junior), gepaart mit einem sensationellen Wide Receiver in Marquess Wilson, der als Freshman jüngst über 1000yds machte. Problemzonen wie unterirdisches Laufspiel, Schweizerkäseoffensiveline und Vergammelteschweizerkäsedefensiveline übertünchen die wenigen Stärken.

Den großen Rivalen, die Washington Huskies aus Seattle, freut’s. Die haben zwar mit QB Jake Locker Herz, Seele und Gesicht des Teams verloren, aber der wichtigste Mann ist geblieben: Head Coach Steve Sarkisian, der innerhalb kürzester Zeit einen Trümmerhaufen konkurrenzfähig gemacht hat. Der neue QB Keith Price gefällt als Werfer sogar besser als Locker, ist dafür fußsteif wie Holzkohle. Das Laufen übernimmt dafür Super-Running Back Chris Polk, dessen 177yds in der Bowl gegen Nebraska noch nicht vergessen sind. Gemeinsam mit dem WR Jermaine Kearse hat Sarkisian da womöglich eine Nordwest-Version der Triplets beisammen.

Die Defense Line der Huskies liest sich sehr „hawaiisch“: Ankermann DT Alameda Ta’amu wird flankiert von Namen wie Sione Potoa’e, Semisi Tokolahi, Lawrence Lagafuaina, Hau’oli Jamora. Irgendwelche Fragen, wo hier rekrutiert wurde?

Für Washington wird das dritte Aufeinandertreffen innerhalb eines Jahres gegen Nebraska am 19. September zum Stimmungsbarometer. Obwohl out of conference, kann mit einem Sieg ein ganz wichtiger Schritt zurück zum alten Glanz gemacht werden.

Southern Division

Die Süd-Division gilt als gänzlich offen, was soweit geht, dass manche den Neuling, die Utah Utes, für den Favoriten halten. Die Utes haben sich in den letzten Jahren einen Ruf als BCS-Spoiler gemacht und neun der letzten 11 Spiele gegen BCS-Gegner gewonnen. Nun ist man selbst „BCS“, ein Move, der womöglich unter anderem auch den Verbleib von Head Coach Kyle Wittingham gesichert hat.

Der neue Offensive Coordinator ist der allseits bekannte Norm Chow, und immer wenn Norm Chow am College die Mannschaft wechselt, bedeutet dies Diskussionen über die Abkehr von der Spread Offense hin zu einer „pro style“-Offense, wie man auch immer „pro style“ auffassen will. Auf alle Fälle in Salt Lake City ein neues System für den bisher wenig herausragenden QB Jordan Wynn.

Die Mannschaft besitzt keine herausragenden Stärken und trägt die Last des Newcomers mit sich. Kollateralschaden einer möglicherweise schwachen Saison (sagen wir: 6-6 oder so) könnten Universitäten wie BYU oder Boise State sein, deren wahre Stärken wieder in Frage gestellt würde…

Utah muss beim möglicherweise entscheidenden Divisionsspiel um den Einzug ins Pac-12 Finale auswärts antreten. Gegen die University of Southern California. Die Trojans sind noch in dieser Saison von der Bowl Season ausgeschlossen – eine Spätfolge der unsäglichen Zeit unter Pete Carroll mit massivem ESPN-Hype, gefaketen und nicht gefaketen Landesmeistertiteln, die im Nachhinein wieder aberkannt wurden. Offensive Coordinator damals: Lane Kiffin. Und eben jener Lane Kiffin, auch bekannt geworden als Großmaul bei den Oakland Raiders, ist seit eineinhalb Jahren in Los Angeles am Werkeln. Der Mann, der so leicht zu verabscheuen ist, scheint auch bei USC keinen allzu leichten Stand zu haben und könnte bei entsprechend schwachem Saisonverlauf im kommenden Herbst schon vor dem Rauswurf stehen.

Und Kiffins Trojans riskieren eine ungemütliche Saison. Der Kader ist nicht gerade sonderlich tief besetzt (eine Folge der reduzierten Stipendien?), der RB Mark Tyler ein Stinkstiefel, der #1-WR Robert Woods leidet unter Stimmungsschwankungen (als Spieler) und die Defense war in der vergangenen Saison grottenschlecht, vor allem in der Secondary – eine Monty-Kiffin-Defense!

Der große Superstar ist QB Matt Barkley, der jüngste in einer Reihe an hochkarätigen USC-Quarterbacks in der letzten Dekade. Barkley ist ein Posterboy vor dem Herrn, ein Mann, der für arme Kinder in Mexiko und Südafrika Häuser baute und entsprechende Parallelen zu Tim Tebow aufkommen lässt. Diese beschränken sich aber auf das Leben neben dem Spiefeld. Barkley ist ein Gunslinger-Typ, ein typischer NFL-Quarterback, und fast alle glauben, dass Barkley 2012, ein Jahr zu früh, in die NFL wechseln und ein Top-Pick sein wird.

Die sportliche Variante von „nicht bowl-eligible“ bietet USCs Stadtrivale, die UCLA Bruins, die unter dem – wir bleiben diplomatisch – zweifelhaften „Slick“ Rick Neuheisl Jahr für Jahr schlechter werden und sich per Saisonbilanz selbst aus dem Rennen nehmen werden. Zumindest gehen alle Saisonprognosen dahin. UCLA hat zwar eine recht starke Lauf-Offense und keine zu verachtende Defensive Line, aber ansonsten zwicken mehrere Sorgen, angefangen bei der Grundstimmung im Footballprogramm bis hin zum extrem verletzungsanfälligen QB Kevin Prince Boateng.

Ähnlich schlecht ist die Stimmung beim neben Utah zweiten Neuzugang der Pac-12, den Colorado Buffaloes. Nach Jahren der Kontroversen wurde Head Coach Dan Hawkins abgesägt und mit Jon Embree nun ein neuer Mann – ein Colorado Man – eingestellt. Täuscht es, oder ist die Qualifikation „kennt die Uni und das Umfeld“ immer mehr ein Qualifikationsmerkmal für Head Coaches? Embree hat nicht einmal Erfahrung als Coordinator, trotzdem gilt der Mann als Messias. Es soll eine neue, bodenständige Offense eingeführt werden, ganz klassisch mit Fullback und Quarterback mit Händen am Arsch des Centers, anstelle von Shotgun Spread. Der Angriff soll getragen werden vom Winzling RB Rod Stewart (1,67m, 79kg), der ungeachtet seiner physischen Limits 2010/11 mal eben 1318yds und 10 Touchdowns hinknallte. Da passt auch die Defense ins Bild, die allerorts als undersized angesehen wird und im wahrsten Sinne des Wortes „wachsen“ muss, vor allem wenn ich an die Passgewalt der Gegnerschaft im Schedule denke (QBs wie Barkley, Luck, Foles, Moniz warten).

Von der Einsamkeit der Rocky Mountains in die Wüste von Arizona, dort wo in Tucson die Arizona Wildcats versuchen, den katastrophalen Kollaps von 2010/11 vergessen zu machen (aus 7-1 zum Start wurde 7-6 am Ende). Kein Spiel spiegelte den Saisonverlauf besser wieder als jenes in Oregon, als man eine Halbzeit lang mit spektakulärer Defense und Big Plays in der Offense führte, um in Halbzeit #2 32 Punkte zu kassieren und noch haushoch zu verlieren.

Head Coach ist Mike Stoops, Bruder von Oklahomas Bob, und Quarterback ist Zottelbock Nick Foles, ein Topmann, kein Scrambler, aber extrem agil in der Pocket und wurfgewaltig. Foles und seine Passarmada blasen ihr letztes Halali (allesamt Seniors), und sie müssen es hinter einer zu 100% erneuerten Offensive Line machen.

Arizonas schmerzhaftestes Spiel war jenes zum Abschluss der Regular Season, ein durch unfassbare Special-Teams-Fehler verlorenes Lokalderby gegen die Arizona State Sun Devils aus Tempe. Eben jenes Spiel gab den Sun Devils die Initialzündung zu einem kaum nachvollziehbaren Hype: 2010/11 würgte man sich dank zweier Siege gegen FCS-Gegnerschaft zu einer 6-6 Bilanz. Es sind Bestandteile vorhanden: Die Laufdefense gehört zu den allerbesten – im Vorjahr wurde Washington State folgendermaßen abgewürgt: 65 Carries, -47 (minus siebenundvierzig) Yards. Ein Schnitt von -0,7yds/Carry. Auch wenn am College Sacks als Laufspiel gewertet werden, bleibt dies eindrucksvoll. Anker der Defense ist der monströse LB Vontaze Burfict, ein Bulle und zukünftiger NFL-Profi.

Das bekannteste Gesicht in Tempe ist aber noch Head Coach Dennis Erickson, der seit Ewigkeiten coacht und alles gesehen hat, von College-Höhen (2x National Champ mit Miami) bis hin zu NFL-Tiefen (Seattle, San Francisco) und Ericksons Zeit bei den Sun Devils spiegelt diese Achterbahnfahrt wieder: 10-3 im ersten Jahr, danach auf dem absteigenden Ast und nun wird wieder ein Ausbruch nach oben erwartet.

Gespannt darf man vor allem auf den riesigen, neuen Quarterback Brock Osweiler sein (2,03m), dessen Arme krakeelenartig sind und selbst jene der freakischsten Offense Liner in den Schatten stellen. Arme, die wunderbar in die Spread offense von Arizona State passen. Fragezeichen bleiben hinter RB Deantre Lewis, der in der Offseason niedergeschossen wurde und nicht sicher fit für die Saison werden wird.

Die nächste Conference kommt morgen früh und ist eine Conference, von der man nicht behaupten könnte, dass sie nach außen geschlossen auftritt.

BCS Championship 2011: Wenn zwei Zentimeter entscheiden

Hin und wieder geht im Leben alles schief. Und dann kommt man doch noch mit einem blauen Auge davon. Um 7h steht ein Kumpel vor der Tür, mit dem Tape vom BCS-Championship, so frisch, dass sich die DVD noch warm anfühlte. Na denn, let’s review das große Finale (Achtung, Spoiler).

Es war kein herausragendes Spiel. Es war vielmehr ein hoch interessantes, ungewöhnliches Spiel. Und, nein. Die 74 Punkte oder/under wurden nicht erreicht, bei weitem nicht. Am Ende entschieden zwei Zentimeter. Zwei Zentimeter, die ein Knie nicht am Boden war. Doch der Reihe nach.

Viertel #1

Wenn du 37 Tage Pause hast zwischen zwei Football-Spielen, dann kann dir die Uni noch so viel Zeit freigeben zum Trainieren, aber du wirst immer Anlaufschwierigkeiten haben. So diesmal beide Offenses. Zweiter Drive der Ducks, erste INT. QB Darron Thomas mit dem Wurf rechts hinaus, aber dem RB Kenyon Barner flutschte das Ei durch die Finger, direkt in die Arme des DBs Washington. Der Schaden hielt sich insofern in Grenzen, als dass QB-Superstar Cameron Newton auf der Gegenseite recht übermotiviert zu Werke ging: Im zweiten Play ein Wurf über die Mitte, direkt in die Arme von Safety Cliff Harris.

Was Auburn wurscht war, oder besser: DT Nick Fairley. Die Ducks vergaßen, Fairley zu decken, der Defensive Tackle mit dem Hechtsprung durch zu QB Thomas, dessen überschneller Wurf zu schnell für den eigenen Mann war, aber nicht für den Gegner: INT durch die #4 Etheridge.

Viertel #2

Genug des Defensiv-Schlagabtauschs. Plötzlich waren die Offenses wach und Oregon kurz vor dem Touchdown. Und dann, mit einem Pass-Rusher in der Fresse, verpasste QB Thomas, den Ball an seinen Running Back zu übergeben. Sack und nur ein Field Goal. Diese Option-Plays haben bei Oregon noch das ganze Jahr funktioniert, aber diesmal war der QB einen Bruchteil zu langsam beim Lesen der Spielzugentwicklung.

Auf der Gegenseite nahm auch der Angriff der Tigers Fahrt auf. Newton: Pump Fake, Pass, und in der Mitte des Spielgfeldes ist plötzlich WR Kodi Burns meterweit offen, läuft durch und schleift zwei Verteidiger mit in die Endzone, 7-3 Tigers.

Reaktion? Nun, Oregon ging an der eigenen 7 raus, WR Jeff Maehl wurde auf einen tiefe Slant-Route geschickt und QB Thomas mit dem laaaaaaaangen Ball, den der weiße Maehl mit einem Schritt Vorsprung gegen die schwarzen Defensive Backs aus der Luft pflückte und in die gegnerische RedZone marschierte. Drei Plays später: Touchdown. Ein Spielzug, der sich auf die rechte Seite entwickelte, doch dann QB Thomas ansatzlos mit einem Lateral-Pass über die Schulter auf RB LaMichael James, der zum TD spazieren kann. 10-7? Nope. Chip Kelly macht das, was er gerne macht: Dicke Hosen anziehen und schauen, was geht. Fake beim P.A.T., ein Option-Spielzug über den Punter und der Kicker mit dem Hechtsprung in die Endzone. Also 11-7 und keiner konnte wissen, dass das für die Dramaturgie des Spiels noch wichtig werden sollte.

Es lag an Auburn zu reagieren. Die Tigers mit viel RB Michael Dyer und QB Newton, viel Laufspiel. Immer wieder Newton mit den 2yds über die Mitte beim 3rd down. Es hatte was von der Iron Bowl. Am Ende Newton mit einem fürchterlichen Pass beim 4th down in die Endzone, der vor dem weit offenen Receiver zu Boden fällt. Oregon an der 1/2yds Line. DT Fairley wird ausgetauscht, der Backup reißt RB James zum Safety in der Endzone um. 11-9, und das in einem Footballspiel!

Safety-Kick, Auburn auf dem Vorwärtsmarsch, QB Newton unter Druck, und findet links draußen WR Blake, der von einem Linebacker bewacht wird und dadurch einfaches Spiel hat, durchzulaufen. Halbzeit, 16-11. Lange etwas zäh, aber im zweiten Viertel ging’s rund.

Viertel #3

Gleich zu Beginn zeigte Newton, warum er es in die NFL schaffen könnte: Wunderschöner Pass in den Lauf des Tight Ends mit dem genialen Namen: Philip Lutzenkirchen. Weil Newton aber nicht konstant solch brillante Bälle wirft, nur Field Goal, 19-11.

Zwei Angriffe später wieder Chip-Kelly-Alarm. Fake Punt, und der Punter wartet erneut bis zum letzten Moment, ehe der Vorblocker frei wird, lupft den Ball über den heranstürmenden Verteidiger zum 1st down. Großartiger Spielzug, und Oregons Offense kommt plötzlich ins Rollen, inklusive Traumpass in den Lauf von WR Tuinei. An der Goal Line aber dominiert wieder DT Fairley und seine D-Line. Die Spread Offense der Ducks kriegt nicht genug Blocks hin und am Ende der Goal Line Stand gegen RB Barner. Überraschend wurde RB James nicht eingesetzt.

Schlussviertel

Das Spiel wieder zäher. Ehe es fünf Minuten vor Schluss noch mal wild wird. Plötzlich rauscht von hinten die blonde Mähne von OLB Casey Matthews heran und schlägt Newton beim Scramble den Ball aus der Hand. Casey, der kleine Bruder von Clay! Oregons Offense kommt aber nicht wirklich in Fahrt, wieder 4th down. Wieder Kelly-Moment. QB Thomas wartet wieder bis zum letzten Moment, wirft den Ball 0,02 Sekunden vor dem Hit in die Arme von WR DJ Davis, dessen Gegenspieler vom Referee (!!) getackelt wird. Wieder Goal Line Stand, und diesmal ist Oregon schlauer, lässt den Pass Rush kommen und Thomas mit dem Shovel-Pass zu James, der einlaufen kann, 19-19 nach fantastischem Catch durch WR Maehl bei der 2pt-Conversion.

Noch 153 Sekunden auf der Uhr, letzer Drive – und es wird bizarr. RB Michael Dyer – ein Freshman – wird beim 1st down getackelt. NNNNNNNOPE! Dyer steht auf, kein Referee pfeift, die Defense sortiert sich zum Huddle, und plötzlich rennt Dyer los! 37yds weit. Was passiert?

Die Wiederholung zeigt: Dyers Knie war um 2cm nicht am Boden, ehe es AUF den Oberschenkel (!) des Verteidigers fiel. Also kein Kontakt mit dem Boden. Es ist der entscheidende Spielzug. Oregon kriegt die Ducks zwar an der 1 gestoppt, aber mit auslaufender Uhr macht Wes Byrum eiskalt den Sack zu. 22-19, Auburn nach 53 Jahren wieder National Champion.

Dat war’s

Es war kein herausragendes Spiel und schon gar kein Offensiv-Festival. Trotzdem ein würdiges Finale, voll von Eiern, voll von großartiger Defensive und (leider) ohne allzu viel von der stilbildenden Ducks-Offense.

Auburn ist Champion, wird vermutlich QB Newton verlieren, vielleicht gar noch NCAA-Sanktionen kriegen. Sicher weg sein wird DT Fairley, der seinen Ruf bestätigt hat: Großartiger DT, unfairer Spieler (Schlag ins Gesichtsgitter von RB James).

Oregon wird bis auf WR Maehl alle seine Skill Player zurückbringen und im nächsten Jahr wieder ein heißer Kandidat auf den Titel sein. Schade um Oregon, aberdukannstnichtimmeralleskriegen.

BCS National Championship Game 2011

Die Bowl Season 2010/11 ist fast rum. Fehlt nur noch eins – das Beste! Das BCS National Championship Game, seit der Einführung der Bowl Championship Series (BCS) das sportlich einzig wichtige Bowl-Spiel. Hier wird im Kampf um die Coaches Trophy der (inoffizielle) Meister ausgespielt. Inoffiziell deswegen, weil die BCS kein richtiger Teil der NCAA ist. Aber es hat sich so eingebürgert, dass der Sieger des BCS-Finals in den finalen Abstimmungen an die #1 gesetzt wird – und bis auf einmal (2003) haben sich die Voter auch daran gehalten.

Das National Championship Game (von mir im Folgenden auch „BCS-Finale“ genannt) – keine Traditionsveranstaltung, sondern ein seit der Saison 1998 neu geschaffenes Event, in dem die #1 gegen die #2 des BCS Ranking antritt. Ein paar Jahre lang wurde abwechselnd eine der vier großen Bowls, der BCS Bowls, zum BCS-Finale umfunktioniert. Seit der Saison 2006 läuft das Spiel aber als eigenständiges Event ab – als fünfte und letzte BCS Bowl zum Saisonabschluss.

Die fünf BCS Bowl lauten demnach:

  • Rose Bowl
  • Fiesta Bowl
  • Orange Bowl
  • Sugar Bowl
  • BCS National Championship Game

Alles klar? University of Phoenix Stadium

Das National Championship Game 2011 wird in Glendale bei Phoenix ausgetragen. Nicht, wie etwa das Rose Bowl Game in einem dieser herrlichen, alten, maroden Schüsseln. Sondern im University of Phoenix Stadium, Heimstätte der Arizona Cardinals und der Fiesta Bowl, ein Stadion, das vor fünf Jahren in die Wüste von Arizona gestampft und ganz trendy mit verschiebbarem Dach ausgestattet wurde. Unter anderem war es Austragungsort der grandiosen Superbowl 42 und der noch grandioseren Fiesta Bowl 2007.

Nun also das Grande Finale 2011. Angesichts der beiden Mannschaften – Auburn Tigers und Oregon Ducks – wäre ich fast versucht, vom Tigerenten-Club zu sprechen. Dumm, dass die Frösche fehlen. Diese – die TCU Horned Frogs – haben vor ein paar Tagen in der Rose Bowl gespielt, und die Wisconsin Badgers in einem fantastischen Spiel 21-19 besiegt. Ein historischer Sieg, denn die Horned Frogs gehören keiner BCS-Conference an.

BCS-Conference – Pardon?

Warnung: Es folgt ein Exkurs, der erklärt, wie es zum BCS National Championship Game denn überhaupt gekommen ist.

College Football ist in drei, eigentlich vier, Kategorien eingeteilt. Da hätten wir zum ersten die Division I, dann die Division II und dann die Division III. Die Division I ist aber seit den späten 70ern noch mal aufgesplittet worden. Früher hieß das dann ganz elegant Division I-A und Division I-AA.

Heute klingt es rockiger: Football Bowl Subdivision (FBS) und Football Championship Subdivision (FCS). Alles, was wir vom College Football hierzulande zu sehen bekommen, und alles, worüber wir geschrieben haben, geht die FBS an – die Königsklasse im College Football. Dort, wo die 120 besten Teams spielen. Einige traditionelle Universitäten haben sich vor einiger Zeit entschlossen, den Wahnsinn nicht mitzugehen, und sind lieber in der schnuckeligen FCS geblieben: Harvard, Yale, Princeton.

Aber auch in der FBS gibt es größere und kleinere Unis, traditionellere Sportprogramme und weniger traditionelle. Die 120 Mannschaften sind auf aktuell 11 Conferences aufgeteilt. Diese Conferences schimpfen sich z.B. Big Ten Conference oder Pac-10 Conference oder SEC (Southeastern Conference) oder Western Athletic Conference, plus gibt es drei (ab 2011 vier) unabhängige Universitäten, sogenannte Independents. Diese sind aktuell Notre Dame, Army und Navy.

Nun haben sich Mitte der 90er sechs Conferences – SEC, Big Ten, Pac-10, Big 12, Big East und AAC – in mehreren Schritten zur BCS (eben dieser Bowl Championship Series) zusammengeschlossen.

Ziel #1: Einen Meister ermitteln zu können, der auch in einem Spiel ermittelt wird und nicht, wie vorher, rein in einer Abstimmung.

Ziel #2: Ein sportlich und finanziell attraktives Bowl-Spiel für den Meister jeder BCS-Conference garantieren zu können.

Die BCS ist jedoch äußerst umstritten, bevorzugt sie schließlich ganz klar die Mannschaften aus den BCS-Conferences. Teams von außerhalb, z.B. Boise State, Utah oder eben die TCU Horned Frogs haben es schwer, Einladungen in eine der großen Bowls zu bekommen.

Die Horned Frogs haben es heuer dorthin geschafft, als #3 der Rangliste und als ungeschlagenes Team. Sie haben auch noch Wisconsin geputzt, den Meister der Big Ten Conference. Eine Einladung ins BCS-Finale war aber nicht drin: Auburn und Oregon sind an #1 und #2 platziert, weil sie

a) den schwierigeren Spielplan haben und
b) den Bonus der BCS-Conference genießen.

Von daher war der Sieg der Horned Frogs von hoher Bedeutung für die kleinen Universitäten und Conferences. Schritt für Schritt werden sie ernster genommen und mit zunehmendem Druck durch Medien und Politik sowie einer Portion Glück und Einsicht von Seiten der Etablierten könnte es in absehbarer Zeit (sprich: 7-8 Jahren) vielleicht sogar Playoffs geben, um den Meister im College Football zu ermitteln.

Bis dahin gibt es eben nur das BCS-Finale. Und das wird in der Nacht von Montag, 10. Jänner, auf Dienstag, 11. Jänner, um 02h30 ausgespielt. Gegenüber stehen sich zwei Mannschaften, die nicht zu den traditionellen Schwergewichten im College Football zählen.

Die Auburn Tigers aus der SEC und die Oregon Ducks aus der Pac-10 Conference, als BCS-Mannschaften tatsächlich im gemeinsamen Kampf gegen die Frösche. Den Kampf haben sie gewonnen, die Tigerenten.

Erin Andrews
Erin Andrews – ©Flickr

Jetzt folgt der Kampf untereinander. Einer wird baden gehen müssen. Tiger gegen Enten. Ohne Pamela Großer und Katharina Gast. Dafür mit Brent Musburger, Kirk Herbstreit, Tom Rinaldi und der netten Dame im Bild, Erin Andrews, die nach überstandenen Morddrohungen wieder für ESPN auf Interviewjagd gehen wird.

So viel als Heißmacher.

Spotlight für den ersten Finalisten, die #1 der BCS-Rangliste.

Auburn Tigers

Gene, Gus und die Religion

Auburn ist ein kleines Städtchen im Bundesstaat Alabama. Kaum 60.000 Einwohner, aber eine der bekanntesten Universitäten der USA. Grund hierfür: Das traditionsreiche Footballprogramm der Auburn University, deren Campusgelände samt Stadion man sich auf diesem Luftbild zu Gemüte führen kann. Ein Campus für ca. 25.000 Studenten, die stolz sein dürfen, Alabamas beste Universität, und in diesem Fall spreche ich nicht von Sport, besuchen zu dürfen. Auburn University Campus

Im Bible Belt, der Region östlich des Mississippi im tiefen Süden der Vereinigten Staaten, wird College Football ebenso gelebt wie die evangelische Kirche und die immer noch latente Abneigung gegenüber Schwarzen. Und das Jordan Hare Stadium ist ebenso Kathedrale wie der Dom von Birmingham. Dort – nicht im Dom – spielen die Tigers, und das Stadion ist mit seinen 87.000 Plätzen dauerausverkauft.

Die Tigers waren in den 50ern mal National Champion. Ein Vergleich mit Schalke 04 würde hinken, aber: Seitdem sind sie oft in der Elite dabei gewesen, zum Durchbruch fehlte immer ein kleines Stück. Trotz Superstars wie RB Bo Jackson oder RB Cadillac Williams. Trotzdem gehört das Publikum zum loyalsten landesweit. Und die Tigers – sorry, denn jetzt stirbt irgendwo eine seltene Kriechtierart aus – sind Kult.

Im Jänner 2009 hat das Sportpräsidium in Auburn mit der Verpflichtung von Head Coach Gene Chizik für Aufregung gesorgt. Chiziks Referenzpapiere hatten eine äußerst dürftige 5-19 Bilanz an der University of Iowa vorzuweisen. Fünf Siege in 24 Spielen. Das Risiko zahlte sich aber aus. Chizik holte sich den kreativen Offensive Coordinator Gus Malzahn in seine Mannschaft. Gemeinsam haben sie das dahinsiechende Programm aufgepeppt. 8-5 im ersten Jahr, und dann kam der Herbst 2010…

Watch As He Accelerates. Right…… NOW!!! Oh My Gosh.

Wir schreiben den 23. Oktober 2010. Durchzechte Nacht und lange Seminartagung hinter mir und die Augen nur noch auf Sparflamme geschaltet, aber noch mit Kampfgeist. Kampfgeist, dieses eine Spiel durchzuhalten. Auburn gegen Lousiana State. Das Duell Tiger gegen Tiger. Wir sind im zweiten Viertel…

…und das passiert das:

 

In dem Moment wird klar, dass wir es hier mit einem speziellen Spieler zu tun haben: QB Cameron Newton.

Down goes… Not Auburn

Die Auburn Tigers gewannen in dieser Saison alle ihre 13 Saisonspiele. 13 Siege großteils nach demselben Schema: Anfängliche Probleme, Rückstand, Comeback in Halbzeit zwei.

Irgendwann hatte man den Gegner mürbe und lief ihn in Grund und Boden. Ab Mitte Oktober begann auch die breitere Öffentlichkeit, die Tigers als ernsthaften Titelkandidaten wahrzunehmen, nach einem 65-43 gegen Arkansas und eben jenem Spiel gegen die LSU Tigers. Ende November der große Showdown, Iron Bowl gegen den Erzfeind Alabama.

Ein Spiel for the ages. Hatte man nach einer fassungslosen ersten Halbzeit schon die Briefmarken auf die Mitleidskärtchen in Richtung Auburn geklebt, sorgten Cam Newton, die Defense und eine Reihe glücklicher Fügungen am Ende für die Sensation: Aus 0-24 mal eben so ein 28-27 gezaubert. Es wird mit Sicherheit als eine der denkwürdigsten Iron Bowls in die Geschichte eingehen.

Eine Woche später im Finale der SEC war es nicht lange spannend. South Carolina wurde mal eben so dank sechs (!) Newton-Touchdowns nach Hause geschickt.

Cam Newton

Who Cares ’Bout Morale?

Es macht keinen Sinn, die Offense der Tigers näher unter die Lupe zu nehmen. Es reicht ein einziger Name: Cameron Newton. Der Quarterback spielt eine herausragende Saison und er ist der Grund, warum Auburn nicht an #[bitte setzen Sie eine Zahl ihrer Wahl zwischen 20 und 25 ein], sondern an #1 gerankt ist. Punkt.

Was Newton und Auburn unangenehm erscheinen lässt: Die Affäre um die verbotenen verdeckten Zahlungen. Der fadenscheinige Freispruch der NCAA, der faktisch die Zahlungen legitimiert. Solange nur der Spieler nichts weiß, dürfen auf dessen Konto eimerweise Moneten geschaufelt werden. Selbst wenn der eigene Vater den Deal eingefädelt hat.

Unter diesem Gesichtspunkt ist Newtons Auszeichnung mit der Heisman Trophy eine moralische Bankrotterklärung der prestigeträchtigsten MVP-Trophäe im Football. Heisman schreibt ausdrücklich auch persönliche Integrität als Qualifikationsmerkmal für den Sieger aus. Daher wird der Preis von mir ab sofort nicht mehr für voll genommen.

Secondary? Never heard.

Faustregel der Tigers: Vorne auf Newtons Lauf- und Wurfkünste vertrauen. Hinten die dominante Defensive Line um Star-DT Nick Fairley mal machen lassen. Fairley gilt als Top-10 Draftpick, macht am Montag sein letztes Spiel für Auburn. Der Lauf wird u.a. dank Fairley recht solide verteidigt. Es hakt an einem anderen Punkt: Auburn hat keinen Schimmer, wie man gegen den Pass verteidigt.

Gegen Offenses mit dominanteren WRs gab die Secondary ein Bild ab in etwa wie, wie… Angela Merkel beim Fußballspielen? Sie war schlicht non-existent. WRs wie Julio Jones (Alabama), A.J. Green (Georgia) oder South Carolinas Alshon Jeffery verbrannten die Defensive Backs phasenweise ganz böse.

Weil Oregon zwar auf Laufspiel aufbaut, aber dank No-Huddle-Offense auch ein mächtiges Pass-Spiel besitzt, ist diese Abwehr durchaus ein Punkt, der Auburn angreifbar macht.

Oregon Ducks

So, wir hatten die Auburn Tigers in der Sezierstunde. Wir kennen nun Cam Newton, Gene Chizik und wissen, was es mit dem Bible Belt so auf sich hat. Wenden wir uns anderen Dingen zu. Heutiges Thema: Die Gegner der Tigers um die Coaches Trophy: Die Oregon Ducks.

Entenhausen im Nordwesten

University of Oregon

Die University of Oregon genießt in Forschungskreisen durchaus einen anerkannten Namen. Physik-Genie Doug Hofstadter etwa ist ein Ehemaliger. Die Universität liegt nicht etwa in Portland daheim, sondern in einem kleinen Städtchen namens Eugene im Willamette Valley. Dort, wo die meisten Menschen im spärlich besiedelten Oregon wohnen und die grünen und gelben Farben dominieren – die Farben der University of Oregon. Bekanntestes Gesicht der Uni ist trotz aller Footballer und Forscher das Maskottchen: Der Oregon Duck, angelehnt an den Superstar unter den Enten: Donald Duck.

Who Cares ’Bout Manieren?

Star der Oregon Ducks ist Head Coach Chip Kelly, wie Gegenüber Gene Chizik seit 2009 hauptverantwortlicher Mann. Kellys zweijährige Amtszeit ist geprägt von zwei Dingen: Viiiiiele Yards und Punkte in der Offense und viiiiiele disziplinarische Probleme mit seinen Spielern. Eine Chronologie.

Chip Kelly
©Spox.com

Boise State 2009. Kellys erstes Spiel als Head Coach, und was ein furchtbares. Zuerst würgte Boise State die Offense ab und dominierte die Ducks nach Strich und Faden, gewann 19-8. Und dann sorgte Star-RB Legarrette Blount nach dem Spiel für den Kollateralschaden: Einen Boise-Verteidiger mit der rechten Gerade niedergestreckt. Kelly suspendierte Blount für fast die komplette Saison und Blount musste sich statt als hochbezahlter 1st-Round-Pick als Free Agent in der NFL durchschlagen, ist mittlerweile spektakulärer Running Back in Tampa Bay.

Kelly sorgte anderweitig für Emotionen. Gleich nach der Heimkehr aus Boise lag eine Zahlungsaufforderung in seinem Postfach. Ein Fan wollte die $439 rückerstattet haben. Kelly fackelte nicht lange und ließ sich die Adresse von diesem Fan besorgen, um eigenhändig die Kohle auszubezahlen. Der Fan war schwer beeindruckt, zog seine Forderung zurück und stellte Kelly einen persönlichen Schuldfreipass für alle Zeiten aus. Kelly coachte Oregon trotz des denkbar schlechten Saisonstarts noch in die Rose Bowl – erstmals nach langen Jahren wieder.

Winter 2010. Top-RB LaMichael James stellte sich als Frauenschläger heraus und wurde ein Spiel suspendiert. Noch schlimmer QB Jeremiah Masoli, der als Junkie und Computer-Dieb Schlagzeilen machte und vom Campus gejagt wurde (spielt jetzt für Ole Miss). Kelly machte einen Neuen zum QB: Darron Thomas, ein Schwarzer, als Persönlichkeit blass, aber als Spieler… Baby.

Kelly besitzt also menschliche Klasse. Auch als Coach hat er einiges auf dem Kasten…

Ey, Was Geht Ab?

Und, nein, sie feiern nicht die ganze Nacht. Vielmehr wird unter Chip Kelly knallhart gearbeitet. Die Trainingseinheiten sind kurz, aber brutal intensiv und darauf abgezielt, die Spieler auf vollste Konzentration und Fokussierung zu trimmen. Das ist auch notwendig, denn Chip Kellys Offense ist nicht einfach nur eine Offense.

Es ist die Offense schlechthin. Ich kenne keine Offense, die schneller spielt und den Ball das Feld hinunter treibt. Wer Oregons Offense kennt, für den gewinnt „No Huddle“ eine neue Bedeutung. Die Playclock tickt selten unter 20 Sekunden runter, und schon ist der nächste Snap da. Für eine Defense bleibt fast keine Zeit für Erholung und Auswechslungen. Konfusion ist vorprogrammiert.

Man muss sich das mal vorstellen. Die Offense um den fantastischen RB LaMichael James erläuft 303yds pro Spiel. Dazu packt QB Darron Thomas noch mal gepflegte 234yds im Passspiel drauf. Macht 537yds pro Spiel, für 50 Punkte. Pro Spiel. Im Schnitt. In der Pac-10.

Nur einmal war es knapp

Zu Saisonbeginn wurden ein paar lausige Gegner mit Kantersiegen und ca. 70 Punkten/Spiel in Grund um Boden gespielt. Das erste Ausrufezeichen war ein 52-31 über Stanford und Andrew Luck. Von da an galt Oregon als Anwärter auf den Finaleinzug und spielte munter weiter drauflos: Über 50 Punkte gegen USC, UCLA und Washington. Vor allem im mächtigen und extrem lauten heimischen Autzen Stadium präsentierten sich die Ducks als absolut unantastbar.

  Autzen Stadium, Oregon Ducks Nur bei den California Golden Bears musste lange gezittert werden. Das knappe 15-13 war nicht wirklich ein glanzvoller Auftritt, aber entscheidend für den Finaleinzug. Denn der Civil War beim heißen Rivalen Oregon State, das war noch nicht mal eine Kneipenschlägerei. Zu dominant die Ducks, gegen deren Waffen die Beavers nicht im Ansatz ein Mittel hatten.

 Für Oregon gilt Ähnliches wie für Finalgegner Auburn: Auch hier wird viel in der zweiten Halbzeit gescort. Die Ducks spielen knallhartes Laufspiel über RB James (Dritter im Heisman-Voting – man beachte auch hier den Aspekt „Moral“), mit immer wieder eingestreuten langen Pässen von QB Thomas. Ein Kuriosum der Ducks-Offense: Egal, mir welchem Quarterback Chip Kelly gespielt hat, ob Masoli oder Thomas oder Nate Costa: Erfolg hatte er immer. So auch mit dem beweglichen und laufstarken Thomas.

Wie auch immer das Spiel für die Ducks endet: Für die University of Oregon ist es auf jeden Fall das bisher größte sportliche Ereignis. Bisher stand man meist im Schatten der großen Pac-10 Mächte USC, UCLA oder Washington. Es werden haufenweise Ducks-Fans nach Glendale, Arizona pilgern und für Volksfeststimmung sorgen. Und das Beste für Oregon: Viele Leistungsträger haben noch ein oder zwei Jahre vor sich. LaMichael James hat schon angekündigt, mindestens ein weiteres Jahr an der Uni zu bleiben.

Blieben die Essgewohnheiten

Ich glaube nicht, dass Enten Tiger zum Frühstück verspachteln. Ich weiß nicht, ob Tiger mit Enten-Braten ihre Freude hätten. Ich weiß aber, dass wir mit dem Aufgetischten unseren Spaß haben werden – und wenn es eine Nacht auf den Dienstag ist, und wenn es nach einem langen Wild Card Weekend in der NFL ist: Hier treffen zwei Punktejäger aufeinander. Der beste Footballspieler im College gegen die beste jemals gesehene Offense. Ein Spiel, das mit einem Over/Under von 74 (!) auf der Wettbörse angeboten wird. Ich will nicht zum Zocken animieren, aber… *hust* 74 Punkte halte ich für durchaus nicht unwahrscheinlich. Ein Spiel mit einem Wermutstropfen. Die ungeschlagenen TCU Horned Frogs sind als vielleicht bestes Team des Jahres nicht dabei.

BCS National Championship Game 2011. Mo./Di. 02h30 aus Glendale. Live bei ESPN America.

Heisman Trophy 2010

Heute Nacht wird die Heisman Trophy übergeben. Die Heisman Trophy ist die wertvollste Auszeichnung des besten College Football-Spielers der Saison. Aber sie ist im Grunde mehr. Aus der Satzung des Heisman Trophy Komitees:

The outstanding college football player whose performance best exhibits the pursuit of excellence with integrity.

Der beste Spieler, der auch persönliche Integrität nachweisen kann.

Let’s take a look at die Top-Kandidaten von 2010:

Cameron Newton, QB der Auburn Tigers. Zweifellos der dominante Spieler der Saison, ohne den die Auburn Tigers nicht den Hauch einer Chance gehabt hätten auf das BCS Championship Game. Aber Newton ist inmitten einer Affäre um illegale Zahlungen und nur durch einen sehr zweifelhaften Freispruch überhaupt spielberechtigt.

LaMichael James, RB der Oregon Ducks. Ohne Zweifel ist James der integrale Bestandteil der besten Offense im College Football. James’ Seite außerhalb des Spielfeldes ist eine andere: Er war vor einigen Monaten wegen Prügelei gegen Frauen im Knast. Ein Frauenschläger als Heisman Trophy-Kandidat. Wie gesagt: Integrität.

Andrew Luck, QB der Stanford Cardinal. Luck spielte eine sehr gute Saison und führte Stanford in die Orange Bowl. Nicht so spektakulär wie Newton, aber der womögliche Top-Draftpick 2011 und vor allem außerhalb der Hashmarks kein Gauner.

Kellen Moore, QB der Boise State Broncos. Moore spielte eine herausragende Saison und hatte die Broncos ganz knapp vor der Rose-Bowl-Teilnahme. Nur sein Kicker versaute ihm diese Ehre. Moores Problem: Er spielt bei den kleinen Broncos.

Vier großartige Footballspieler. Zwei zweifelhafte Charaktere.

Die Wahl wird auf Cam Newton fallen. Integrität hin oder her. Reggie Bush hin oder her. Wenn’s um solche Sachen geht, darf in Amerika ruhig die Doppelmoral herhalten.

Wer möchte: Das Trauerspiel wird morgen, Sonntag, um 14h30 bei ESPN America aufgezeichnet.