Die Quarterbacks im NFL-Draft 2013

Die Quarterback-Klasse von 2013 gilt als schwächste seit vielen, vielen Jahren. Die Quarterback-Position ist die Leuchtturm-Position der NFL und ergo auch des NFL-Drafts. Durch das Fehlen eines Superstars auf Quarterback hat der Draft 2013 ein merkwürdig gesichtsloses Erscheinen. Es gibt aber auch die andere Seite, die da wäre: Viele unterschiedliche Spielertypen für unterschiedliche Spielsysteme in einer Liga, in der immer noch zumindest drei, vier Teams händeringend nach einer akzeptablen QB-Lösung suchen. Das macht den Draft 2013 aufregend: Es gibt kein Top-Prospect. Es ist völlig in der Schwebe, wann die ersten Quarterbacks vom Board gehen, welche es sein werden, wie viele Quarterbacks überhaupt in der ersten Runde gehen (die Rede ist zwischen eins und vier). Diese Unsicherheit weiß ich noch nie. Und sie ist spannend.

Ebenso spannend, wie die höchst gehandelten Prospects, die nicht so langweilig sind, wie man annehmen würde. Ich stelle sie heute vor im wohl längsten Blogeintrag ever auf Sideline Reporter.

Geno Smith: Der schwarze Schlaks

Geno Smith - Bild: Wikipedia

Geno Smith – Bild: Wikipedia

Geno Smith gilt als komplettestes Paket unter den diesjährigen Quarterbacks. Er ist groß gewachsen, wirft schöne Bälle und kann im Notfall mit seiner geschmeidigen Art auch die 15 Yards zum neuen 1st down selbst zurücklegen. Geno Smith fabrizierte am College bei den West Virginia Mountaineers atemberaubende Zahlen jenseits von Gut und Böse. Man muss dieses Stats aber in den richtigen Kontext setzen. Erstens: Geno Smith spielte erst in der Big East Conference, und dann in der Big 12 Conference. Das sind Ligen, die für ihre Passfeuerwerke bekannt (oder berüchtigt) sind. Zweitens: Geno Smith spielte in den letzten beiden Jahren unter der Aufsicht von Dana Holgorsen, einem der treibenden Köpfe hinter der „Air Raid“-Offense.

„Air Raid“ ist ein Passspektakel, das die breiten Hash Marks am College nutzt, und mit einer gnadenlosen Spread-Aufstellung aus der Shotgun-Formation dem Quarterback relativ leichtes Spiel bietet: Viele offene Räume, wenige richtig schwierige Würfe. So sah auch die Mountaineers-Offense aus, mit ihren Dumpoffs für WR Stedman Bailey und das gelbe Blitzlicht, WR/HB Tavon Austin. Smith musste vergleichsweise wenig beisteuern. Die Yards nach dem Catch machten die Musik.

Ganz zufällig entstanden die fantastischen Zahlen aber auch nicht. Smith wird mit 1,88m und 100kg Kampfgewicht NFL-Gardemaß nachgesagt und der Wurfarm gilt als sehr gut, wenn auch nicht in den Sphären eines Aaron Rodgers oder Matthew Stafford. Hat Smith einen guten Tag und Zeit in der Pocket, nimmt er Defenses problemlos auseinander. Zu beobachten ist auch das gewisse „Etwas“, dieses Selbstvertrauen, auch die schwierigen Pässe in Doppeldeckungen zu werfen, die sich mittelmäßige College-Quarterbacks nicht trauen. Das spricht für eine gesunde Portion Selbstvertrauen bei Smith.

Das komplette Kartenhaus bricht aber in dem Moment zusammen, in dem Gefahr in Verzug ist, oder in Footballsprache: Der Passrush durchzubrechen droht. Es spielt dabei nicht mal eine so große Rolle, ob wirklich gleich alle Blitzes einschlagen; es ist dieser Anflug, dass es gleich auf die Fresse geben könnte. Diese Momente sind diejenigen, bei denen Geno Smith die Angst in die Augen geschrieben steht und er die Contenance verliert. Wo ein Brady zwei Schritte nach vorn macht und den Defensive End ins Leere greifen lässt, gibt Smith den Gabbert-Klone und hühnert drei Meter rückwärts genau in dessen Arme. Das ist der gute Fall. Die schlechten sind Fumbles und Interceptions.

Glaubt man US-Experten wie Mayock oder Cosell ist der gefühlte Druck bei Geno Smith dessen Hauptproblem und erklärt nicht nur viele Sacks, sondern auch, weshalb immer mal wieder ein eigentlich simpel ausschauender Ball auf einen meterweit frei gelaufenen Receiver ins Nichts fliegt: Smith wird technisch unsauber und gibt zuviel Druck in den Wurf. Lochpässe sind im Soccer ein probates Mittel; im Football sind sie ein verschenktes Down.

Smith arbeitete in der Offseason mit einigen anerkannten Quarterback-Gurus zusammen, um seine Technik und das Spielverständnis zu verbessern; in kurzen Hosen auf dem Trainingsplatz waren die Verbesserungen spürbar. In wirklichen Spielsituationen konnte er den Fortschritt freilich nicht beweisen, weil es die nicht mehr gab.

Die Offenses des Dana Holgorsen sind zwar nicht reine one read-Offenses (one read = Quarterback schaut sich nur nach einem ausgemachten Ziel um und läuft los, wenn dieses abgedeckt ist), aber es gilt trotzdem als Konsens, dass Smith nicht die ganz schwierigen Sezier-Aufgaben hatte, wenn es um Verständnis von Intentionen der gegnerischen Defense ging. Scouts wie Cosell machten bei Smith die Tendenz aus, zu lange auf dieses erste Ziel zu starren, und dann den Wurf ebenda hin anzubringen. Das gelingt dir in besagter breiter College-Offense, führt in der NFL aber eher zu fünf Interceptions denn fünf Touchdowns. Problem für Smith: Man ist sich nicht einig, ob diese Tendenz mit Coaching auszumerzen ist.

Es gab im April einen verheerenden Scouting-Report der eigentlich anerkannten US-Zeitschrift Pro Football Weekly, die Smith menschlich auf eine Stufe mit Jamarcus Russell oder Mario Basler stellte – ein Artikel, der Smith in der Öffentlichkeit im Nachhinein eher geholfen als geschadet haben dürfte: Die Fraktion pro Smith – so ziemlich alle außer PFW – reagierte mit Unverständnis und es gilt als ausgemacht, dass Smith ein Arbeitstier ist, der nicht an fehlendem Fleiß scheitern wird.

So haben wir den Frontmann und gleichzeitig das Symbol der Quarterback-Klasse von 2013: Ein beweglicher Mann mit guten Grundvoraussetzungen, der an einigen Stellen im Repertoire eines Quarterbacks noch nicht geschliffen ist und mit Passrush nicht klarkommt, aber nicht auf der faulen Haut liegt, sondern intensiv an seinen Schwächen arbeitet.

Es steht außer Frage, dass Geno Smith in anderen Draftklassen nicht in der ersten Runde einberufen würde, aber 2013 ist ein Ausnahmejahr. Das Verlangen der Teams nach Quarterbacks wird letztendlich dazu führen, dass er irgendwann im Verlauf der Nacht auf Freitag (also in Runde 1) einen Abnehmer finden wird. Und das garantiert uns mehr oder weniger einen Geno Smith, der in Kürze als NFL-Starter auf dem Feld stehen wird.

Ein weiterer schwarzer Quarterback, und ein sympathischer dazu. Forza, Geno.

Matt Barkley: Sonnyboy mit gutem Herzen

Matt Barkley - Bild: Wikipedia

Matt Barkley – Bild: Wikipedia

Matt Barkley ist der komplette Gegenentwurf zu Geno Smith: Weiß, etwas dicklich, Grobmotoriker, aber aufgewachsen in einer „Pro Style“-Offense in einem der medial meistbeachteten Colleges, der University of Southern California. USC hatte sich in den vergangenen zehn Jahren einen Ruf als Ausbildungsstätte von überhypten QB-Prospects erarbeitet, Granaten wie Carson Palmer, Matt Leinart, Matt Cassell, Jon David Booty oder Mark Sanchez sei Dank. Barkley galt als der nächste in der Linie, und hätte er vor einem Jahr den Weg in die NFL gesucht, er wäre mit dem achten Pick zu den Miami Dolphins gegangen.

Tat er nicht. Matt Barkley erlebte am College keine einfache Zeit, sollte als Nachfolger des charmanten Modelgesichts Sanchez in den Tumult geschmissen werden, aber dann kam erst mit Lane Kiffin ein Arschloch als Head Coach, ehe die NCAA mit Strafen auf Verstöße der Uni Mitte der 2000er Jahre reagierte und USC von allen Bowlspielen ausschloss. Barkley spielte eine starke 2011er-Saison gegen einen schwachen Schedule, konnte sich aber nicht mit „seinem“ Bowlspiel verabschieden und entschied sich, am College zu bleiben.

Und weil man bei den Jungs, die an der Uni vier Jahre durchspielen, mehr Zeit hat, die Fehler zu finden, gilt Barkley heute nur mehr als mittelmäßiges Prospect. Der große Werfer für die sensationellen Pässe in Dreifachdeckung war er nie, das hatte nie jemand bestritten, aber in einem Jahr, in dem USC alle Hoffnungen mehr als enttäuschte, konnte auch Barkley nix gegen einen Absturz aus dem Lehrbuch machen. Er ließ sich narrisch machen, warf ungewohnte Pässe in gedeckte Zonen.

Als er sich erfangen hatte, schlug eine Schulterverletzung zu. USC qualifizierte sich für die Bowl Season und durfte diesmal auch mitspielen. USC wurde für die Sun Bowl am Silvesterabend nach Albuquerque (noch mal: Albuquerque) ausgewählt. Albuquerque liegt in der Wüste von New Mexico und ist für die Großstadtjungs aus Los Angeles in etwa so aufregend wie der tägliche Sonnenuntergang.

Insofern kann man drüber streiten, ob Barkley gestraft oder belohnt war, weil er aufgrund besagter Schulterverletzung nicht mitspielen konnte. Jetzt wartest’ vier Jahre auf dieses Spiel und dann ist es erst die Pest und dann biste auch noch verletzt. Scheiße hoch drei.

Das war die Anekdote, aber ärgerlicher war, dass Barkley aufgrund besagter Schulter auch in der Offseason wenige Trainingseinheiten bestreiten konnte und wenige Gelegenheiten hatte, die aufgekommenen Zweifel zu widerlegen. Als sicher gilt: Barkley ist mit seinem sehr präzisen Wurfarm gemacht für eine timing-orientierte Kurzpassoffense. Das ist ein Spielsystem, auf dem viele NFL-Playbooks basieren, aber die meisten OffCoords gehen mittlerweile dahin, ihre System zu öffnen, tiefere Elemente einzubauen, um die Abwehr auseinander zu ziehen. Da macht der Barkley nicht mit.

Persönlich war ich nie von Barkleys Standing, seiner Präsenz in der Pocket, seinem Mut, seiner Antizipation, überzeugt. Barkley ist ein weiterer dieser blassen Jungs, die jedes Jahr in Massen aus dem College kommen, in der NFL wenns gut läuft zwei, drei Jahre spielen, ehe sie ausgeguckt sind, und weil sie nicht den Zauberarm haben, können sie nicht mehr antworten, wenn der Gegner die Gretchenfrage stellt.

Da Barkley ein gutherziger Mann ist, der in seiner Freizeit in Afrika Lehmhütten für das Straßenvolk baut anstatt mit Paris Hilton in Nachtclubs zu tanzen, ist man trotzdem geneigt, dem Mann alles Gute zu wünschen. Vielleicht bricht Barkley ja den Trend. Viele Experten, auf die ich was gebe, sehen in Barkley ein Talent für die dritte oder vierte Runde und verweisen drauf, dass sein „big School“-Status ihn nach oben spüle. Andere sehen ihn als solide Option für die erste oder zweite Runde. Ausgehen kann man Stand heute von letzterem.

Tyler Wilson: Mein Coach ist ein Affe

Prospects 2013

Name                  Rd
Geno Smith            1
Matt Barkley          1-2
EJ Manuel             1-2
Ryan Nassib           1-2
Mike Glennon          2-3
Zac Dysert            2-4
Tyler Bray            2-4
Tyler Wilson          2-4
Matt Scott            2-5
Landry Jones          3-4
Brad Sorensen         5-7
Sean Renfree          5-7
Collin Klein          7
Ryan Griffin          7

Mayocks Top-5

1 - Smith
2 - Manuel
3 - Barkley
4 - Nassib
5 - Bray
5 - Glennon

Wenn Matt Barkley von einem Arschloch gecoacht wurde, was soll dann Tyler Wilson denken? Der musste an der University of Arkansas zwei Jahre hinter dem Suffkopp Ryan Mallett versauern, ehe er von der Leine gelassen wurde und die Offense von Head Coach Bobby Petrino auf ein neues Level hob. Für Bobby Petrino zu spielen ist so ziemlich die zwiespältigste Aufgabe, die man sich vorstellen kann: Auf der einen Seite sind dir großartige Statistiken quasi a priori geschenkt. Auf der anderen murmelst du den ganzen Tag lang „Hurensohn. Arschloch. Vollidiot.“

Die Quarterbacks des Bobby Petrino genießen in der NFL keinen allzu guten Ruf, was daran liegt, dass sie quasi ausnahmslos die Erwartungen enttäuschen. Das liegt daran, dass Petrino ein one read-ähnliches System spielen lässt, das seine Passoffense am College gut aussehen lässt, wenn der Quarterback nur schnell genug den Ball aus der Pocket bekommt. In der NFL geht das nicht, weil der Gegner zu schnell, zu stark, zu schlau ist. Es gibt Spieler, die aus einem one read-ähnlichen-System kommen und es gepackt haben (Cam Newton). Die meisten schaffen es nicht.

Tyler Wilson war nach seinem ersten Jahr als Starter seines Head Coaches beraubt, da Bobby Petrino das machte, was er immer macht: Eine Schweinerei. Petrino fuhr ohne Helm mit dem Motorrad durch die Gegend, eine hübsche Kellnerin im Schlepptau. Es passierte ein Unfall. Petrino versuchte zu vertuschen was noch zu vertuschen war, aber es misslang. Es kam ans Licht, dass die Kellnerin nicht die einzige war, mit der Petrino seine Frau und seine Kinder hintergangen hatte. Petrino wurde gefeuert, Arkansas lag in Trümmern, und Tyler Wilson musste ohne den Lehrmeister die Offense orchestrieren.

Er spielte erwartet schlecht. Der Wilson von 2011 ist ein komplett anderer Quarterback als der Wilson von 2012. Es gilt ähnliches wie bei Barkley: Ein Jahr mehr, um die Schwächen offenzulegen. Diese wären da der etwas limitierte Wurfarm, eine leichte Allergiereaktion auf zu starken Passrush und zu viele forcierte Pässe. Weil Wilsons Hände außergewöhnlich klein sind, ist der eine oder andere Fumble vorprogrammiert.

Was dagegen für Wilson spricht, sind seine Führungsqualitäten und der bedingungslose Einsatz. Im Notfall steht Wilson bis zur allerletzten Sekunde in der Pocket seinen Mann und versucht noch den Pass anzubringen, wenn die ersten beiden Rippen schon knacksen. Das ist Kurt Warner-esk. Auch die Gehirnerschütterungsgefahr ist es. Wilson hatte schon eine heftige, und man kann schon den einen oder anderen künftigen Ausfall vorab eintragen.

In Summe ist Wilson ein nur mäßig eindrucksvolles Prospect, der aber zumindest in 1-2 Jahren seine Chance als Starter bekommen dürfte und im schlimmsten Fall ein sehr guter Backup/Ergäzungsspieler der Kategorie Orton oder Dalton werden kann.

E.J. Manuel: Jimbos Lieblingsschüler

E.J. Manuel ist das typische Kid aus der Highschool, das als „Athlete“ mit viel Tamtam rekrutiert wird um für ein klangvolles College zu spielen, dann aber erstmal auf die harte Tour hinter einem soliden Quarterback lernen muss, einspringt und dabei genügend zeigt, um alle noch mehr zu entzücken, ehe er dann die Zügel wirklich in die Hand bekommt – und nach zwei Jahren alle mit einem Gefühl des Unvollendeten verlässt.

Manuel ist ein bisher nicht eingelöstes Versprechen, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit Florida States Head Coach Jimbo Fisher in die Entwicklung dieses Spielers steckte. Alle sind sich einig, dass der 1,93m-Brocken Manuel mit seiner Beweglichkeit und Wurftechnik NFL-tauglich ist, aber es gibt die typischen Probleme zu vermelden: Reagiert nervös auf Anflüge von Passrush, streut auch ohne Druck immer mal wieder einen völlig vermurksten Ball ein, kennt nur Grundkonzepte einer NFL-Offense.

Da bleibt die Frage, wie entwicklungsfähig Manuel noch ist, nachdem er vier Jahre speziellste Beachtung am College genoss, aber immer noch nicht mehr als Halbfertigware ist. Können ihm NFL-Trainer radikal seine zu hohe Ellbogenpositionierung im Wurf austreiben?

Immerhin: Er kann eine read-option-Offense leiten und dürfte schon mal qua dieses Fakts modern genug für die NFL sein. Manuel ist kein großer Scrambler, aber er ist schnell genug und flink genug, um eine ständige Bedrohung für die 7yds-Scrambles zum neuen 1st down zu sein – ein potenziell gigantisches Asset, weil er sich auch nicht scheut, einen Hit mitzunehmen.

Manuel ist eines der großen Mysterien des Drafts, da man sich nicht einig ist, wo er vom Tablett geht. Ein mutiges Team könnte ihn Ende der ersten Runde holen, aber er könnte auch in die Tiefen der zweiten Runde fallen. Wer ihn zieht, muss wissen, was er bekommt: Ein Riesentalent, das noch viel zu lernen hat. So viel, dass es möglicherweise vor der Reife verbrennt ist.

Tyler Bray: Der Bomber von Knoxville

Tyler Bray ist der Name, den ich häufig aus reiner Gewohnheit als „Brady“ in den Laptop tippe, aber die Unterschiede zu einem gewissen Patriots-Quarterback sind größer als ein Buchstabe. Mehr noch, sie sind so groß, dass wir gerade noch die Position „Quarterback“ als Gemeinsamkeit durchgehen lassen können. Danach wird es murksig, denn während Brady mit einen unheimlichen Willensleistung den Durchbruch schaffte, ist Bray eher das schlampige Genie, das seine von oben herab geschenkten Talente vergeudet, dass es gestraft gehört.

Bray ist vielleicht der Mann mit dem stärksten Arm in der Klasse von 2013, aber das negiert sich zu weiten Teilen, weil er ein hopp-oder-topp-Spieler ist, der sich nicht lange um die Komplexität der Defense schert, sondern einfach mal den Snap nimmt und den Feuerball rauslässt. Entsprechend viele Bälle fallen ins Nichts, wenn die Receiver nicht sensationelle Routen laufen. Bray und Mobilität? Vielleicht haben wir doch noch eine Ähnlichkeit mit Brady gefunden: Beide sind immobil wie eine Scheibe Toastbrot.

Vielleicht war Bray am College in Tennessee ein Opfer der Umstände (zwei Trainerwechsel, rabiates und ungeduldiges Umfeld, das der Vergangenheit nachtrauert). Vielleicht auch nicht, denn wenn wir im Eintrag für Wide Receiver von drei potenziellen Volunteers für die erste Runde lasen, müsste der Supporting Cast doch eigentlich sensationell gewesen sein. Ein weiteres Problem bei Bray: Er entwickelte sich in drei Jahren am College überhaupt nicht. Entwicklung, das ist aber, was er braucht – und zwar zumindest ein Jahr. Daher wäre eine Einberufung in der ersten Runde mit entsprechend einher gehender Erwartungshaltung von Fans und Eigentümer eher kontraproduktiv.

So oder so bleibt die bange Frage, ob Bray überhaupt trainierbar ist. Am College tendierte er dazu, mit Nase auf zweieinhalb Metern über den Campus und am liebsten seinen Coaches beibringen zu wollen, wie das Footballdingens denn überhaupt funktioniert. Die Ohren taub für gute Ratschläge und null Selbsthinterfragung bei offen geübter Kritik? Ick weiß nicht, ick weiß nicht. Bray ist eine Verlockung, die mit dem Apfelbaum des Adams vergleichbar ist. Zu viele dieser QB-Prospects sind in den letzten Jahren auf die Fresse gefallen.

Ryan Nassib: Dougs Zögling

Wenn so viele der bisherigen Quarterbacks mit wilden äußeren Umständen und ständig wechselnden Trainerstäben am College zu kämpfen hatten, ist Ryan Nassib der reinste Langweiler dagegen: Aufgewachsen im gut behüteten Universitätchen Syracuse, vier Jahre Starter unter dem leisen Arbeiter Doug Marrone, einen 25-25 Record eingefahren, ohne Aufruhr in die NFL verabschiedet.

Nassib ist der Montee Ball unter den Quarterbacks: Kann alles ein bisschen, ist nirgendwo sensationell. Beweglich, um dem Passrush auszuweichen, aber kein Sprinter. Viele Seiten des Playbooks bereits intus, aber nicht instinktiv genug, um seine Athletik auszunutzen um dem Passrush intelligent auszuweichen. Guter Arm, aber die tiefen Bälle sind zu langsam, als dass sie konstant zum Erfolg führen. Nassib sieht aus wie einer der souveränsten Backups für die Zukunft: Guter Spieler, kommt auf Dauer mit Passrush nicht zurecht, wird nur mit überragendem Coaching den notwendigen Entwicklungssprung zum Tom Brady 2.0 schaffen.

Doug Marrone, wie geschrieben Nassibs Coach am College, ist mittlerweile Head Coach der Buffalo Bills. Die suchen seit zirka zwei Jahrzehnten einen Quarterback und werden diesmal auch einen draften. Die Buffalo Bills draften an #8 in der ersten und #41 in der zweiten Runde. Viele sehen den Zögling Nassib automatisch mit einem der beiden Picks nach Buffalo gehen. Die Wahl klingt so logisch, dass sie unlogisch klingt. Marrone weiß besser als alle anderen um die Limits des Ryan Nassib. Wird er ihn trotzdem draften?

Der Rest der Klasse von 2013

Mike Glennon von North Carolina State ist Tyler Bray minus Charakterproblem, mit einer fehlenden Prise Selbstwertgefühl. Man könnte den Rest übernehmen: Wunderschöne, hart geworfene Bälle, manchmal etwas unpräzise, aber nur solange der gegnerische Passrush die Pocket mit Samthandschuhen angreift. Wird es schmutzig, kollabiert Glennon unter der eigenen Erwartungshaltung und fabriziert nur noch Fumbles und Bälle auf den zweiten Rang. Sieht aus wie eine sicherere Tüte als Bray, aber mit etwas weniger „Upside“.

Landry Jones von der University of Oklahoma weiß, was hohe Erwartungshaltungen sind, gilt aber als ausgeguckt und stagniert seit Jahren in seiner „Entwicklung“. Jeder weiß, dass Jones nicht den Arm für das vertikale Spiel hat, und jeder weiß, wie farblos sein Spiel werden kann, wenn die Offense Tackles ihm nicht die Zeit geben, wenigstens den zweiten Mann anzuschauen. Landry arbeitete als Vorbereitung auf den Draft mit einem anerkannten Quarterback-Genie (George Whitfield jr.) zusammen, und der jodelte nette Töne über seinen Kunden, aber das Interesse der Teams scheint nicht mal mehr groß genug zu sein, dass sich nationale Medien besonders für den Trainingstag der University of Oklahoma interessierte. Das ist bemerkenswert, denn es gibt wenige Colleges, die von mehr Buzz umgeben sind als Oklahoma. Bei Jones und den Quarterbacks ist das anders. Gilt als gute Option für die dritte oder vierte Runde, mit 2-3 Jahren Einlernzeit an der Seitenlinie.

Ein völlig faszinierender Spieler ist Zac Dysert von der „kleinen“ University of Miami, nämlich jener in Ohio. Es gibt gute Scouts, die vernarrt sind in Dysert, der alles haben soll und am allermeisten ein instinktives Spielgefühl („in nullkommaneun Sekunden ist der Tight End mit der #87 offen, als feuere ich“). Die abschreckenden Parts sind die schwache Conference, in der Dysert spielte und dabei keine weltbewegenden Stats produzierte, sowie eine unangenehm hohe Zahl an schwachen Routine-Würfen in seinen Game-Tapes. Dark horse.

Dark Horse ist auch Matt Scott von Arizona, ein wuseliger Mann mit etwas unkonventioneller Spielweise: Beim Passen liegt der ganze Körper im Wurf, sofern nicht grad wieder Matt-Stafford-like ein Sidearm-Wurf eingebaut wird. Beim Scrambeln sieht das extrem aufgeregt aus, als hätte Scott alles, nur nicht die Ruhe weg. Gilt als Vertreter der „neuen“ QB-Generation mit hohem Kompatibilitätsfaktor für Option-Offenses, aber als längst nicht weit genug, um mit dem Wissensstand von heute eine Einberufung vor der vierten oder fünften Runde zu rechtfertigen.

Greg Cosell und seine Sicht der Dinge: Die Quarterback-Klasse von 2013

Am Wochenende habe ich mir den Podcast von Yahoo mit Doug Farrar und Greg Cosell (NFL Films) angehört. Cosell ist einer der Männer, denen ich nach Mayock mit am meisten abnehme, was Scouting angeht. Für Cosell ist der Scouting-Prozess vor allem darauf beschränkt, sich die physischen Tools der einzelnen Prospects vor Augen zu führen und zu schauen, was sich damit machen lässt: Kann man den Spieler sofort ins Getümmel schmeißen oder musst du 2-3 Jahre Coaching verwenden?

Cosells Grundstimmung ähnelt jener Mike Mayocks: Die QB-Klasse 2013 sieht im Vergleich zu jener des letzten Jahres blass aus, aber es gab schon deutlich schlechtere Jahrgänge in den letzten Jahren. Es sind halt viele Jungs dabei, denen das eine oder andere Feature abgeht und die deswegen noch ein paar Dinge mehr als RG3 lernen müssen.

Cosell und die Quarterbacks

Bei mir verfestigt sich das Bild der QB-Klasse 2013 nach dem Gehörten immer mehr.

Geno Smith – darf endgültig als NFL-Kaliber durchgehen, der alle Würfe draufhat. Smith hat noch einiges zu lernen, was seine Beinarbeit angeht, um sich unter Druck in bessere Wurfposition zu bringen. Unter Druck wird er schnell nervös, aber laut Cosell lässt sich das bei Smith auf kleinere technische Mängel („vertraut seinem Arm noch nicht genug“) zurückführen – ein Problem, das intelligente Coaches beheben können.

Smith hat für Cosell „functional mobility“, d.h. er ist kein Scrambler, aber bewegt sich außerhalb der Pocket sehr smooth. In der Pocket gibt es aber noch Verbesserungsbedarf: Unter Druck muss Smith noch lernen, die zwei Schritte nach vorn zu machen und seine Augen stets downfield zu halten – etwas, das ein Brady meisterhaft beherrscht und sich erlernen lässt.

Matt Barkley – hat zu wenige Würfe drauf um sofort den Starter zu geben, vor allem nicht in einer vertikalen Offense. Barkleys Arm ist enttäuschend schwach, seine Füße zu steif. Diese functional mobility von Smith geht Barkley komplett ab. Cosell gibt Barkley vor allem als „System-QB“ eine Chance: In einer Offense mit extremer Präzision und superbem Timing kann Barkley auftrumpfen, aber dafür muss er an seiner Körperkontrolle arbeiten. Fazit für Cosell: 4th round pick. Cosell weiß, dass das nicht passieren wird, aber allein von den athletischen Voraussetzungen ist Barkley nicht höher einzuschätzen.

Nicht witzlos: Farrar/Cosell diskutieren und kommen zum – für mich nicht überraschenden – Schluss, dass ein anderer ehemaliger USC-Quarterback, Mark Sanchez, einst ein klar besseres Prospect für die NFL war als Barkley heute.

Mike Glennon – Glennon soll den besten Arm haben und immer auf die korrekte Schulter werfen (wichtig, weil WRs damit mehr yards after catch machen können) somit schon mal eine Garantie für spätestens dritte Runde. Davon ab gibt es an Glennon einiges auszusetzen: Unter Druck viel zu langsame Füße, was dazu führt, dass Glennon schnell nervös wird und komplett auf seine Technik vergisst. Cosell ist sich nicht sicher, wie schnell man dies aus Glennon rausbringt, schließlich kriegst du in der NFL fast nie eine saubere Pocket. Ein möglicher Vergleich zum Zeitpunkt des Drafts sei Flacco, aber Cosell ist sich nicht sicher, ob Glennon mit seiner Fußsteifheit überhaupt jemals Flacco-Niveau erreichen kann.

Tyler Wilson – für Cosell eine harte Nuss, weil seine Wurftechnik unkonventionell ist und er häufig in den „Sidearm“-Modus verfällt (Cosell: sidearm slinger). Wilson hat einen guten Arm, viel besser als Barkley, aber es gibt das Problem, das so viele Quarterbacks haben, die am College in einer Offense von Bobby Petrino spielten: Er kriegt kalte Füße, wenn der erste „Read“ (Go To Guy in dem Play) nicht offen ist. Petrinos Offense sind so aufgestellt, dass früh im Spielzug der gewünschte Receiver frei steht – das kriegste in der NFL nicht so einfach hin. Immerhin kann man Wilson ein gutes Gefühl für eine Pocket nachsagen.

Landry Jones – vom Arm her ein Spieler wie Matt Ryan: Kann alle Würfe machen, aber hat nicht diese Wurfstärke für die 180km/h-Bomben. Die größten Fragezeichen sind auch hier: Wie reagiert Jones, wenn du Pocket eine Suppe (Cosell: „muddy“) wird? Wenn du bei Oklahoma in der Big 12 eines nämlich kaum siehst, ist das Pass Rush in deiner Fresse. Jones hat für Cosell so schwere Bleifüße, dass er sich keine Prognose zutrauen würde, ob Jones in zwei Jahren reif zum Starter ist.

Ryan Nassib – sehr athletischer Mann, der dem Passrush ausweichen kann und viele Würfe drauf hat. Der Arm ist nicht gut genug, um kompatibel für jegliche Art von Offense zu sein, aber er kann eine Defense verbrennen, wenn er gegen mauen Passrush eine schnelle Kurzpassoffense aufziehen darf. Cosells zwei wichtigste Fragen stellen sich nach dem System: In welches Korsett willst du ihn stecken? Welche Offense willst du spielen? Essenziell, weil Nassib aufgrund des mäßigen Arms nicht alles können wird. Fazit: Gewiss kein Top-10 Pick.

E.J. Manuel – hat die Statur und die Beweglichkeit, um in der NFL als read option-QB in der Tradition des Colin Kaepernick zu spielen. Für Cosell sind es vor allem die vielen technischen Unsauberkeiten, die Manuels Aktien niedrig halten: Schlampige Fußarbeit, zu hohe Positionierung des Ellbogens im Wurf. Das führt dazu, dass er unter Druck häufig sehr unsaubere Pässe wirft.

Manuel ist kein Super-Scrambler, aber geschmeidig wie ein Cam Newton und als Läufer gefährlich genug, um für gegnerische DefCoords potenziell für schlafraubende Nächte zu sorgen. Weiters positiv an Manuel: Seine stets positive Einstellung, seine Eier, auch unter Druck noch seinen Mann zu stehen, sein starker Arm.

Cosell erinnert noch einmal daran, dass Chip Kelly (jetzt Eagles) einst am College in Oregon mit Nachdruck versuchte, Manuel für seine Mannschaft zu rekrutieren. Manuel sagte nope, ging an die FSU.

Tyler Bray – fantastischer Arm, bei dem du oft nur orgiastisches WOW ausstoßen kannst. Gunslinger-Typ. Aber wenige QBs brechen unter Druck so schnell wie ein Kartenhaus zusammen: Wenn er zum Erkaufen von Zeit gezwungen ist, sind die Messen gelesen. Viele Teams werden ihn lieben, aber Cosell ist sich nicht sicher, ob man so langsame Beine auf NFL-Niveau herantrainieren kann.

Zac Dysertdark horse, ein QB dem der Raketenarm abgeht, der aber viele Würfe machen kann. Ist nicht immer präzise, und es soll wohl an einem für mich nicht nachvollziehbaren Problem liegen, das man nicht einfach rauscoachen kann. Dysert macht vor allem auch Sorgen, weil er viele einfache Routinewürfe auf offene Leute teilweise meterweit verfehlte.

Matt Scott – ein Junge, der am College alles gesehen hat, weil er unter vielen OffCoords spielen musste. Legte nach der Saison an Masse zu und blieb trotzdem beweglich in seiner Beinarbeit. Der Arm ist keine Granate, aber die Wurfbewegung („Release“) ist schnell genug für die NFL und für fast alle Mitteldistanzwürfe aus fast allen Winkeln. Heraus sticht auch seine Furchtlosigkeit: Häufig (zu häufig?) steht er seinen Mann bis zur allerletzten Millisekunde und feuert dann einen 3yds-Pass auf Kosten einer Gehirnerschütterung ab. Für Cosell ist Scott eine großartige Option für gute Coaches, die er deutlich vor der 5. Runde draften würde.


Der geneigte Leser merkt: Das Geschriebene wiederholt sich zum großen Teil. Ich denke, wir sind in Sachen „Tapes“ und Analysieren vom Können der einzelnen Athleten soweit, dass es zwischen den relevanten Experten größtenteils Übereinstimmung gibt. Es hängt nun daran, wie sich die Athleten in den Vorstellungsgesprächen mit den Teams geben und daran, in welchen Systemen die Spieler aufmarschieren sollen.

College Football Aufwärmprogramm: Oklahoma Sooners – Texas A&M Aggies

[05h08] WR Ryan Broyles hat sich lt. ESPN.com tatsächlich das Kreuzband gerissen. Für Broyles doppelt bitter, weil er nach der Saison in die NFL gehen möchte und durch die Verletzung sicher ein paar Draft-Plätze runterpurzelt und ein paar Millionen verlieren wird.

[00h24] Endstand Oklahoma Sooners 41, Texas A&M Aggies 25.

Die Texas A&M Aggies sind vermutlich das eine: Eine starke Mannschaft mit starken Ansätzen, aber auch eine unvollkommene Mannschaft. Solche viertel-langen Einbrüche sollte sich keine hochklassige Mannschaft leisten. Die Aggies servierten den Sooners im dritten Viertel dreimal den Ball innerhalb der 40yds-Line: 31, 28, 39. Weil Oklahoma zwar tendenziell Probleme in der RedZone hat, aber zweimal gar nicht dorthin musste, weil sie tief warfen und nur einen Spielzug brauchten, war das Spiel Mitte des dritten Viertels gegessen.

Oklahoma dürfte nun mit einem Sieg über Oklahoma State wieder im Gespräch um das BCS-Title Game sein. Es war heute keine glanzvolle Offensiv-Vorstellung, aber wenigstens vermied man mit Glück und Geschick die ganz großen Kloppse und gewann verdient.

[00h21] Oklahoma 41, Texas A&M 25/4th, 2:22. Noch 40 Minuten.

[23h43] In Lincoln wird nur mehr gelaufen, Northwestern macht tatsächlich den Touchdown 1:46 vor Schluss, führt 28-18 und dürfte die Sensation geschafft haben. Massiver 7min-Drive der Wildcats im Schlussviertel.

[23h41] Lt. Huskers-Foren ein geiler, geiler Call bei Nebraska – Northwestern: 5:05 vor Schluss spielen die Wildcats in der gegnerischen RedZone ein 4th down  aus, das per Option-Lauf des Quarterbacks verwertet wird. NEB 18, NW 21. (Northwestern hatte zuvor ein Field Goal im vierten Viertel verschossen)

—Denke, ich werde da mal kurz ein bisschen bleiben. Erinnert an die alten Zeiten, als man am ORF-Videotext die deutsche Bundesliga live verfolgte.—

[23h28] Ist eigentlich wurscht, aber warum lässt Mike Sherman bei 10-41 ein Field Goal in den Wind schießen?

[23h22] Fetter Upset-Alarm in Nebraska. Leider kann ESPN America vertragsrechtlich wohl nicht rüberswitchen (weil im BTN), aber die Cornhuskers riskieren eine Heimniederlage gegen die Northwestern University! Stand 12:16 vor Schluss: NEB 10, NW 21.

[23h20] Oklahoma 41, Texas A&M 10/3rd, 4:38. Wieder 1 Drive, 1 Play, diesmal 39yds-Pass, Touchdown, allerdings wird WR Broyles humpelnd (und mit Verdacht auf Knieverletzung) hinausbegleitet.

[23h18] Spannend wird sein, inwiefern Oklahoma nun wieder im BCS-Titelrennen dabei ist: LSU oder Alabama wird verlieren und man scheint hier einen ganz großen Namen klar besiegen zu können (nächste INT für Tannehill).

[23h15] Oklahoma 34, Texas A&M 10/3rd, 4:53. Texas A&M ist also doch Texas A&M. Zwei hergeschenkte Touchdowns und nun ist die Luft raus. Oklahoma mit einem lockeren, schön durchgemischten 69yds-Drive, weil sich QB Bell zum zweiten TD belldozert. Das Spiel dürfte das Spiel entschieden sein, wir können uns auf die nächtliche Aufgabe vorbereiten.

[23h01] Oklahoma 27, Texas A&M 10/3rd, 9:11. Nächste INT gegen Tannehill, Oklahoma hat wieder nur wenig zurückzulegen und kommt mit viel Laufspiel über RB Finch zum Erfolg. Oklahoma hatte im dritten Viertel an der ATM31 und ATM28 übernommen und nun zwei Touchdowns daraus gemacht. Wieder so ein Dreiminutenschlaf der Aggies?

[22h58] In Corvallis hat Stanford alle Probleme der Welt gegen Oregon State, QB Andrew Luck (14/23 für 111yds, TD, INT) wird den Stats nach von QB Sean Mannion (12/18 für 174yds, TD) an die Wand gespielt. Stanford fast nur über Laufspiel, führt 17-13, weil sie eben einen P.A.T. geblockt haben.

[22h53] Oklahoma 20, Texas A&M 10/3rd, 11:26. Nach einem verunglückten Punt.

[22h20] Halbzeit Oklahoma Sooners 13, Texas A&M Aggies 10.

Interessantes und vor allem völlig offenes Spiel. Beide Offenses kommen nicht richtig in Gang bzw. sind von 1-2 genialen Momenten abhängig. Oklahomas Passspiel spottet jeder Beschreibung: QB Landry Jones ist häufig unter Druck, aber auch die Würfe sind nicht überzeugend und dazu gesellen sich Drops. Jones mit 10/26 für 112yds, davon 57yds in einem einzigen Pass für WR #85 Broyles, und mindestens 3 fallengelassenen Interceptions. Der lauflastige Drive im zweiten Viertel war der überzeugenste.

Auf der anderen Seite ist das Aggies-Laufspiel enttäuschend: Ein langer Counter-Lauf von RB Michael, abseits davon 12 Läufe für 20yds. Auch das Passspiel ist nur Sekundengenie, brauchte ein Broken Play zum TD. Aus drei Turnovers in RedZone-Nähe haben die beiden Offenses gemeinsam 3 Punkte erzielt.

Ich habe keine Ahnung, wer dieses Spiel gewinnen wird. Vielleicht entscheidet ein Big Play. (Oder vielleicht brechen die Aggies wieder ein)

[22h11] Während sich im Hintergrund schon die Marching Band aufwärmt, riskiert QB Jones eine INT nach der anderen, wird auch von den Butterfingern in der Offense nicht unterstützt (WR #4 Kenny Stills). Jones bereits mit handgezählten 3ten fallengelassenen potenziellen INTs.

[22h08] Oklahoma 13, Texas A&M 10/2nd 1:39. Kollabierende Pocket bei 3rd down, ich wundere mich angesichts des sensationellen Tannehill-Scrambles gegen Oklahoma State, warum der Mann nicht losläuft, aber Tannehill wartet und plötzlich ist #25 Ryan Swope tief meilenweit offen und kann 79yds zum TD durchlaufen. Swope war dem besten LB der Sooners, #28 Travis Lewis, völlig entgangen.

[22h04] Oklahoma 13, Texas A&M 3/2nd, 2:25. Völlig ungewohntes Lauf-Feuerwerk der Sooners in diesem Drive. Die Offensive Line dominiert, aber auch der Backup-RB #22 Roy Finch zeigt sich agil. Die Aggies sind in der Defense Spekulanten, waren nun dreimal offside.

[21h47] Nächster Versuch und diesmal endet der Drive im verschossenen Field Goal in den Wind. Aber: Soft Deckung in der Secondary und ein Boise-artiger Lauf von RB Christine „ichbinkeinMädchen“ Michael ermöglichen die ersten Big Plays für A&M. Eigenartiges PlayCalling an der RedZone verhindert zumindest ein leichter machbares Field Goal.

[21h36] Texas A&M bringt seinen Angriff nicht in Gang. Die vielen Swing-Pässe für die Running Backs sind ausnahmslos Negativ-Spielzüge und downfield ist QB Tannehill zu inakkurat.

[21h30] Oklahoma 10, Texas A&M 3/2nd, 12:59. Die Aggies sind zu lax mit dem Ball, aber Oklahoma kann erstaunlicherweise noch kein Kapital daraus schlagen. Die Pistol-Aufstellung mit QB Landry Jones funktioniert bislang noch überhaupt nicht, nicht im Laufspiel, das aggressiv abgewürgt wird, nicht im Passspiel, wo Jones oft überschnell werfen muss und die Defensive Backs eng abdecken. Texas A&M mit zwei Turnovers in Nähe der eigenen RedZone. Oklahoma machte daraus mickrige drei Punkte.

[21h20] Beide Quarterbacks fühlen den Druck der Defense. Während Aggies-QB Ryan Tannehill eine INT wirft, muss Sooners-QB Jones den Ball wegwerfen bzw. Sacks kassieren. Schön zu sehen, wie schnell der Rush der Aggies durch ist, während Jones noch nichtmal die zwei kurzen WR-Routen gecheckt hat. Resultat: Oklahoma muss von der 29yds-Line (!!) in den Wind punten. An die 1yds Line. Wenigstens.

[21h10] Oklahoma 7, Texas A&M 3/1st, 3:32. Licht und Schatten für die Sooners: Große Raumgewinne mit Lauf und Pass, aber auch ein furchtbarer Ball von QB #12 Landry Jones direkt in die Arme eines Verteidigers. INT wurde fallen gelassen. Den Touchdown macht am Ende Third Stringer QB Blake „Belldozer“ Bell per designtem Lauf.

[21h00] Man sollte nicht vergessen, dass diese Partie auch für die Aggies wichtig sein dürfte: Head Coach Mike Sherman (ex-Packers) sitzt auf dem dauerheißen Sessel, könnte am Saisonende rasiert werden, weil die Aggies Zillionen Kollapse kassiert haben. Treppenwitz: Vor einem Jahr stand Sherman wenige Zentimeter vor der Entlassung, konnte sich mit einem Sieg über Oklahoma (sic!) retten. Dieser Sieg bleibt aber auch bis heute der herausragende in den vier Jahren Sherman in College Station. Der Rest war anklopfen, dran sein, knapp gescheitert sein. Texas A&M geht nächstes Jahr in die SEC. Ein Top-Coach sollte allein mit diesem Wow-Faktor zu kriegen sein.

[20h51] Paar Ergebnisse von 17h: Iowa schlägt #15 Michigan 24-16. Ich habe nur mit einem Auge zugeschaut: Die Wolverines mit einer sehr unrhythmischen Angriffsleistung, zwischendurch war QB Robinson verletzt an der Seitenlinie und der Backup durfte nicht werfen. Iowa mit einem risikoarmen Passspiel und viel RB Coker. Das andere BigTen-Spiel gewinnt Michigan State herausgewürgt 31-24 im Schlussviertel über die schwachen Minnesota Golden Gophers, die recht flüssig werfen konnten.

In der wilden Big East Conference kassiert das vermeintliche Zugpferd #24 West Virginia eine peinliche Heimpleite gegen Louisville (38-35). Jemand überrascht?

[20h43] Gerade pünktlich gekommen für eine Rarität in dieser Saison: Die Defense der Texas A&M Aggies forciert einen Turnover. Ein Fumble. Turnovers können in diesem Spiel eine wichtige Rolle spielen. Ich erinnere daran: Ich halte die Aggies für d-e-u-t-l-i-c-h besser als „5-3“.

[20h37] Zum Einrollen: Sooners – Aggies aus der Big 12.

Könige der Heartlands: Vor der „Red River Rivalry“ 2011

Cotton Bowl
Die Cotton Bowl zu Dallas – Heimstätte der Red River Rivalry

Heute am späten Nachmittag, 18h MESZ (live bei ESPN America) findet in der uralten Cotton Bowl zu Dallas das größte College-Footballspiel der Great Plains statt: Die #11 Texas Longhorns treffen in der Red River Rivalry (Aufgabe für heute Nachmittag: zehnmal hintereinander „Red River Rivalry“ aufsagen!) auf die #3 Oklahoma Sooners, in Dallas, das auf halbem Weg zwischen beiden Universitäten (Norman/Oklahoma und Austin/Texas) liegt.

Es ist die intensivste Rivalität in der Region, zurückgehend noch auf die Zeiten, in der beide Unis ihre jeweiligen Stamm-Conferences Big 8 (Sooners) und SWC (Longhorns) anführten, ehe Mitte der 90er im Zuge der Fusion die Big 12 Conference entstand, deren Wohl und Wehe mittlerweile primär am Gehabe von UT und OU hängt.

„Red River Rivalry“, das ist eine Anspielung auf den Red River, der über mehr als 1000km die natürliche Grenze zwischen den beiden Bundesstaaten Texas und Oklahoma bildet, zwei Staaten, in Liebe und Hass miteinander vereint, die beiden Kernländer der Rednecks, der „Heartlands“, wie die Regionen entlang des Mississippi genannt werden.

Red River Rivalry für Eventzuschauer

Und heute treffen die beiden Aushänge-Universitäten beider Staaten aufeinander: Die University of Texas aus der texanischen Hauptstadt Austin und die University of Oklahoma aus dem Kleinstädtchen Norman. Beide Universitäten mit riesigen Anhängerschaften, die liebevoll sämtliche Klischees pflegen: Die arroganten, egozentrischen Cowboys aus dem wirtschaftsstarken Texas gegen die einfältigen Hinterwäldler aus dem ländlicheren Oklahoma.

Für den in Spurenelementen vorhandenen Minderwertigkeitskomplex, der die Oklahomans im täglichen Leben vor dem Texaner automatisch 5cm schrumpfen lässt, gibt es im Footballstadion allerdings keine Begründung. Denn obwohl die Sooners im mehr als hundertjährigen „ewigen Duell“ 41-59-5 zurückliegen, obwohl man in Anbetracht der Größenwahnsinnigen in Austin das Gegenteil annehmen würde: Sooners Football war über die vergangenen fünf Jahrzehnte das deutlich erfolgreichere, konstantere Footballprogramm, während die Longhorns die Aura des ewigen Underachievers umgibt – eine Uni, die trotz paradiesischer Voraussetzungen nur selten den Landesmeistertitel holte.

Ein Reiz des Spiels liegt auch in der Stadionatmosphäre: Die Schüssel der Cotton Bowl ist ein uraltes, ehrwürdiges Stadion, das abseits der Red River Rivalry nicht mehr viele Highlights erlebt, aber 92.000 Zuschauer fasst. Die beiden Fanlager werden an der Mittellinie getrennt, wobei die Südhälfte traditionell von Oklahomas weinrot/weiß dominiert wird, während die Nordhälfte bevorzugt braun/orange/weiß daherkommt – nach jedem Spielzug geht es in einer Hälfte der Schüssel hoch her, während die andere darauf wartet, im nächsten Play zurückschlagen zu können. Das überträgt sich gerne auch auf das Spielfeld, wo die hitzigen Wortgefechte in kleinere Rangeleien und Prügeleien ausarten.

Einen Ausflug in die lange Geschichtes des Duells gibt es bei ESPN.com.

Red River Rivalry für Taktik-Liebhaber

Zum Sportlichen. Das 106te Aufeinandertreffen an diesem heutigen Samstag, 8.11.2011 wartet mit zwei ungeschlagenen Mannschaften auf. Während man bei Oklahoma nichts anderes erwartet hatte – die Sooners galten als Topfavorit auf den BCS-Titelgewinn – hat sich HC Mack Browns Texas nach einer problematischen Saison 2010/11 diesmal mit zwei neuen Coordinators unauffällig zu 4-0 durchgeschmuggelt.

Die vergangenen Duelle haben gezeigt, dass Texas vs. Oklahoma ein Duell vieler Play-Action-Spielzüge ist, was im Umkehrschluss bedeutet, dass es für beide gilt, ihr Laufspiel in die Gänge zu bekommen. „Laufspiel“, das ist eigentlich nicht etwas, bei dem Oklahomas Head Coach Bob Stoops feuchte Träume bekommt, auch wenn er mit RB #4 Dominique Whaley über einen unerwartet gefährlichen Back verfügt.

Stoops liebt es zu werfen. Das lädt die Last auf die Schultern von QB #12 Landry Jones, dessen Stats durch die inzestuösen Passfeuerwerke in der Big 12 prächtig sind, der aber unter Druck des Pass Rush zu hirnlosen Pässen und INTs neigt. Für den neuen, gehypten Longhorns-DefCoord Manny Diaz bedeutet dies: Blitzes bekommen erhöhte Bedeutung. Was spannend ist, da a) Diaz eher im Ruf von bend but don’t break steht, aber b) sich angedeutet hat, dass die Offensive Line der Sooners auf ihrer verwundbaren rechten Seite zum blinden Stürmen förmlich einlädt.

Für die Sooners wird es also essenziell sein, schnell werfen zu können. Weil WR #85 Ryan Broyles und WR #4 Kenny Stills eher die deep threats sind, könnte dabei den dritten und vierten Receivers erhöhte Bedeutung zukommen, auch unter dem Hintergrund, dass Texas zwar über eine phänomenale Linebacker-Crew um #18 Emmanuel Acho verfügt, aber in der Secondary die Starter grün bis hinter die Ohren sind – und deren Backups sollen noch unerfahrener sind.

Auf der anderen Seite ist die Offense der Longhorns im Wandel begriffen. Der neue OffCoord Bryan Harsin (kam von Boise State) steckt noch immer in der Anpassungsphase, aber einige Muster haben sich bereits herauskristallisiert: Texas baut auf hartes Laufspiel rund um den Freshman-RB #28 Malcolm Brown, der allen Vorschusslorbeeren gerecht zu werden scheint und meistens über die Mitte geschickt wird. Browns Backup #2 Foswhitt Whittaker wird dann meistens in der RedZone eingesetzt. Beide machen um die 5,0yds/Carry.

Das viele Laufspiel hat seine Gründe, da nach der überfälligen Enteierung des blassen Garrett Gilbert die beiden reinrotierten und rotierenden Quarterbacks #6 Case McCoy (Colts Bruder) und #14 David Ash noch sehr unerfahren und vermutlich zu wenig cool unter Pass Rush sind. Mit WR #8 Jaxon Shipley (Jordans Bruder) gibt es wenigstens einen großartigen Mann für tiefe Bälle, für den ich Manndeckung fordern würde.

Für Harsin und Texas gilt es auszuloten, inwiefern man die Fünf-Mann-Front der Sooners nach „hinten“ ziehen kann, um den Pass Rush zu mindern und speziell für den sehr mobilen QB Ash auch Räume zum Scrambeln öffnet. Aufzupassen gilt auf MLB #28 Travis Lewis und den S/LB #1 Tony Jefferson, der vergangene Woche gleich drei INTs in einem Spielviertel machte.

Als X-Faktor gelten – natürlich, der Mann kam aus Boise – Harsins Trickspielzüge, die in schöner Regelmäßigkeit eingestreut werden, meistens zum tödlichsten Zeitpunkt, und vergangene Woche gegen Iowa State funktionierte so einer dann auch blendend:

Ausblick

Oklahoma hat mehr zu verlieren, während für Texas alles andere als eine Niederlage mit 1-2 TD kein wirklicher Beinbruch wäre. Als langjähriger Bewunderer der von Harsin mitkreierten fabulösen Boise-Offense glaube ich auch an einige Karnickel, die Harsin aus dem Zylinder zaubern wird und Oklahomas Defense verbrennen werden. Fakt am Rande: Man hörte in den letzten Jahren immer, dass der junge Sooners-DefCoord Brent Venables (nein, nicht Terrys Bruder) sich noch keine Meriten in Sachen „in-Game Adjustments“ erworben hat, was tödlich sein könnte, wenn Harsin völlig überraschende Aufstellungen bringt, beispielweise die bisher kaum gezeigten, aber ebenso charakteristischen Sets mit 4 oder 5 WR.

Ich sehe durchaus Upset-Potenzial, aber prinzipiell würde ich meine Jetons doch eher auf einen Favoritensieg der Oklahoma Sooners setzen, die etwas abgewichster sein dürften (hey, das ich so was über die Sooners mal sagen würde!) und die Landry Jones plus Laufspiel nur den Tick genügend Zeit und Raum verschaffen müssen.

College Football 2011/12 Preview: Big 12 Conference

Gestern hatten wir die Big Ten mit ihrem Dutzend an Teams, heute ist die “richtige” Big 12 Conference dran – mit 10 Mannschaften. Die Big 12 war vor einem Jahr dank der massiven Expansionsdränge der Pac-10 und der Zicken der University of Texas kurz vor der Implosion – nur um sich am Ende bei ihrem egozentrischsten Mitglied – Texas – für die weitere Existenz bedanken zu müssen. Die nahe Zukunft der Big 12 scheint gesichert, aber es ist ein gesichert mit Sternchen, da auch Texas A&M in unregelmäßigen Abständen mit der SEC flirtet und Texas itself womöglich trotz Longhorn Network irgendwann nach noch Höherem streben wird.

Sportlich dürfte die Verkleinerung trotz Nebraskas Abgang – immerhin eines der Schwergewichte schlechthin – nicht zu schmerzhaft sein, fällt nun immerhin das Championship Game weg, das dank des deutlichen Leistungsgefälle zwischen den beiden Divisionen immer mal wieder einen Überraschungs-Champ produziert hat, Stichwort „Ein Sensationssieg kann jedem mal gelingen“.

Oklahoma Sooners                     

Wenn man von der Big 12 Conference spricht, dann geht es meistens um zwei Footballprogramme, und das erste ist jenes der Oklahoma Sooners, die in den letzten Tagen wieder verstärkt in den Fokus von sportpolitischen Thematiken gerückt sind: Es geht darum, ob die Sooners die Schneid besitzen, vor der drohenden Implosion der Big 12 eigenhändig abzuhauen, oder ob sie bis zum Untergang der Conference warten oder ob sie spekulieren, irgendwie ein Rest-Torso von „Big 12“ halten zu können.

Uns interessiert heute mehr das Sportliche, und die Sooners von Head Coach Bob Stoops sind, geht es nach Journalisten und Coaches, das Favorit #1 auf den BCS-Titel. Hauptgrund dafür: Die Offense, die auch nach dem Weggang von OffCoord Kevin Wilson massivst punkten dürfte. Ein ganz großer Faktor ist dabei QB Landry Jones, ein wurfgewaltiger Mann ganz in der Tradition der großen Sooners-QBs, und Jones machte in der vergangenen Saison mal eben schlappe 4718yds und 38 Touchdowns via Luftweg.

Jones’ kongenialer Anspielpartner ist WR Ryan Broyles (2010: 14 Spiele, 131 Catches, 1622yds, 14 Touchdowns), wozu sich noch zwei Handvoll brauchbarer, diversester Optionen gesellen. Die Defense hat so ihre Probleme mit der Standhaftigkeit der Line und muss zu Saisonbeginn ein paar Wochen auf den großen Leader, MLB Travis Lewis, verzichten – überhaupt scheint es eine nette Verletzungsserie gegeben zu haben. Und Oklahoma spielt nach dem Tod eines Spielers in der Offseason auch mit schwerem Herzen.

Persönlich glaube ich nicht an einen BCS-Champion 2011/12 „Oklahoma Sooners“. Ich bin und bleibe skeptisch immer dann, wenn diese Mannschaft ein bisschen aggressiver von einer Defense angegangen wird – und spätestens im Endspiel dürfte ein SEC-Favorit warten… Außerdem schleppt Stoops trotz eines Titels vor etlichen Jahren das Image des ewigen Zweiten mit sich.

Und selbst der Weg ins Endspiel dürfte nicht einfach sein: Neben dem schweren Big 12 Schedule wartet am 17. September auch noch der Kracher auswärts gegen die gehypten Florida State Seminoles. Vor einem Jahr gewann Oklahoma locker 47-17, aber diesmal ist sämtlichen Prophezeiungen zur Folge ein enges Spiel zu erwarten.

Unglaublich unwichtige Info am Ende: Es gab vor ein paar Tagen eine Dokumentation über die Sooners in der Vorbereitung, in der Stoops in der ersten Trainingseinheit mit den Freshmen einen Spieler in der ersten Reihe fragte, wie viel sein Sport-Stipendium eigentlich wert sei. Der junge Mann wusste darauf nichts zu antworten.

Texas Longhorns

Willkommen beim meistgehassten Team im College Football. Die University of Texas hat in den vergangenen Jahren dank Egotrip, Longhorn Network und diverser weiterer Flauseln nicht nur Nebraska und womöglich Texas A&M aus der Big 12 Conference vertrieben, sondern allem Anschein nach den baldigen Gang in die Unabhängigkeit vorbereitet.

Sportlich war man 2009/10 eine Endspielverletzung von QB Colt McCoy vom National Title entfernt, erlebte dafür im Herbst 2010/11 eine einzige Gruselsaison und verlor sieben von zwölf Partien, fünfmal daheim. Head Coach in Austin ist Mack Brown, ein anerkanntes Recruiting-Genie, aber Browns Teams stehen im Ruf, underachiever zu sein, sprich: Für die Unmasse an Top-Talenten im Kader zu selten die Big 12 zu dominieren. Brown hat für die heurige Saison eine Rundumerneuerung im Trainerstab vorgenommen. Die Offense liegt nun in den Händen vom ehemaligen Boise-State-Mann Byron Harsin, die Defense bei Manny Diaz.

„Byron Harsin“, das bedeutet eine Abkehr von der vertikalen Offense des vergangenen Jahres, hin zu einer Offense mit Power-Running über RB Cody Johnson, der dafür wie gebaut zu sein scheint, und womöglich dem gehypten Highschooler Malcolm Brown. Heiß diskutiert wird die Quarterback-Position: Garrett Gilbert ist in der Anhängerschaft verhasst weil zu fehleranfällig, und es gilt als sicher, dass man Gilbert im Lauf der Saison auswechseln wird – vielleicht für Colts Bruder, den unerfahrenen Case McCoy?

Prunkstück in der Defense sind die Linebackers und kommenden NFL-Spieler Emmanuel Acho und Keenan Robinson, und es wird erwartet, dass Diaz eine brutal blitzfreudige Defense aufstellen wird. Und das heftige an den Longhorns ist: Sie schicken jedes Jahr ein, zwei First Rounder in die NFL, und es kommen trotzdem immer Topspieler aus den Highschools nach. Jeder junge Footballer in texanischen Schulen möchte für Texas/Austin spielen.

Die Geheimfavoriten

Während Texas sportlich als #4 der Big 12 Conference erwartet wird (wobei auch #2 am Ende nicht außer Reichweite sein sollte), gelten zwei andere Teams als extrem heiße Ware für diese Saison. Zum einen hätten wir da die Oklahoma State Cowboys von Head Coach Mike Gunday, vor einem Jahr eine schiere Offensiv-Sensation. Nun ist OffCoord Dana Holgorsen gen West Virginia abgewandert, aber die beiden Haupt-Komponenten sind noch da: QB Brandon Weeden, ein Mann, der jahrelang als Pitcher in den Minor Leagues im Baseball versauerte und nun mit bald 28 Jahren einer der ältesten Spieler im College football sein dürfte. Und WR Justin Blackmon, der im letzten Herbst als sophomore nie unter 100yds und immer mindestens einen Touchdown machte (Stats über die Saison: 111 Catches, 1872yds, 20 Touchdowns in 12 Einsätzen – meine Fresse). Blackmon ist kein Riese (1,85m), aber eine Präsenz als einzelner Receiver ganz draußen am Spielfeldrand – eine ungemeine Bereicherung für die Air Raid-Offense, die normalerweise primär über die Mitte kommt.

Fehlen wird in diesem Jahr allerdings der wichtige RB Kendall Hunter, der dieser Offense mit 1548yds und 17 TD eine zusätzliche Dimension gegeben hat. Der junge Backup Joseph Randle wird gefordert sein. Dass Randle als exzellenter Ballfänger gilt, sollte helfen. Allerdings sollte Oklahoma State gut beraten sein, mehr Laufspiel einzusetzen: Die Offense scort meistens schnell genug, um die Defense lange, viel zu lange auf dem Feld zu lassen und entsprechend zu ermüden. Die Cowboys haben eine insgesamt eher mäßige Defense, die vor einem Jahr das Big-12 Endspiel gekostet hat.

Probleme mit ihrer Defense haben auch die Texas A&M Aggies, die abseits des Spielfelds noch weit mehr Schlagzeilen produzieren: Die Universität wollte so tief aus der innersten Herzkammer ihres Herzens aus der Big 12 fliehen, dass sie dafür sogar die Ungewissheit einer möglicherweise conference-losen Saison 2012 hinnahmen. Zu sehr ist die Hemmung und die Abneigung, die die beiden Reizwörter in der Kombination „Texas Longhorns“ auslösen.

Sportlich hat Mike Sherman (den wir auch von irgendwo her kennen sollten) da möglicherweise ein BCS-Kaliber unter seinen Fittichen. Hauptgrund dafür ist die solide zweite Saisonhälfte von QB Ryan Tannehill, der erst nach einem desaströsen Saisonstart seines Konkurrenten in den Huddle geschmissen wurde und so solide spielte, dass die Offense plötzlich als heißer wie Frittenfett gehandelt wird. Die Offensive Line ist zwar nicht besser als okay, aber jung und entwicklungsfähig, dazu kommen haufenweise gute Wide Receivers und ein gewaltiges Runningback-Duo: Nie was von RB Christine „neinichbinkeinMädel“ Michael und RB Cyrus Gray gehört?

Dann wird es Zeit, den beiden zuzusehen. Hier wird gnadenlos 30x/Spiel um die Offensive Line herum gelaufen, oft mit Raumgewinnen von 10-12yds. Probleme macht dagegen wie angesprochen die Defense, wo mit OLB Von Miller der mit Abstand beste Pass Rusher in die NFL gegangen ist.

Trotzdem tauchen die Aggies häufig in der Diskussion um mögliche National Champions auf – unabhängig davon ist es für College Football-Fans eine Pflicht, wenigstens ein Heimspiel der Aggies mit anzuschauen. Die Stimmung im genialen Kyle Field sorgt auf dem Gänsehautometer regelmäßig für Anschlag.

Seit der Ankunft von Gary Pinkel als Head Coach geht es mit den Missouri Tigers konstant nach oben. Pinkel hat eine Mannschaft aufgebaut, die auch den Verlust von ein, zwei Schlüsselspielern ohne großen Qualitäts-Absturz verkraften kann – ein sehr gutes Zeichen. Diesmal muss man auf QB Blaine Gabbert verzichten und der neue QB ist ein völlig anderer Typ: James Franklin ist mehr der Typ Läufer denn Passer – und hat bizarrerweise den Job gegen Blaines Bruder Tyler gewonnen, der die Nerven weggeschmissen hat und nun nicht mehr in Mizzou studiert. Knackpunkt ist die Defense mit der Sollbruchstelle „Secondary“. Man traut den Tigers trotzdem wieder ca. eine 8-4 Saison zu.

„Geheimfavorit“ ist vielleicht ein bissl zu hoch gegriffen für die Texas Tech Red Raiders, eigentlich die kleinste Nummer des großen texanischen Trios, aber seit den Zeiten unter Mike Leach für pure Offensivgewalt bekannt. Man hoffte, mit dem neuen Coach Tommy Tuberville die Defense in den Griff zu bekommen, was eher nicht funktionierte: Sogar der Zwerg Weber State (FCS) schenkte 459yds Offense ein und die maue Offense Iowas scorte 52 Punkte. Zu viel, weshalb unter dem neuen DefCoord Chad Glasgow ein 4-2-5 für die extrem flinke Secondary gebaut wird. Meistens sind solche Umstellungen aber mit Anpassungsschwierigkeiten verbunden, weswegen man Texas Tech eher wenig zutrauen sollte.

Das Fußvolk

Im Schatten der großen staatlichen Colleges hat sich die kleine texanische Baptistenuni Baylor langsam und leise nach oben gearbeitet. 2010/11 dann der große Knall: Ein Auswärtssieg bei Texas. Nun sind wichtige Komponenten in Offensive (G Danny Watkins) und Defensive (DT Phil Taylor) Line weg, aber QB Robert Griffin III ist eine Konstante: Seit drei Jahren im Systen der Bears, und immer noch erst Junior. Plötzlich ist Enthusiasmus zu spüren.

Zwischen Enthusiasmus und Depression schwankt das Publikum der Iowa State Cyclones, das mindestens zweimal pro Saison zur Furie wird und den Trainer zum Teufel wünscht, aber nach „epischen“ Auswärtssiegen gegen wie jüngst gegen Texas seine Helden in den Himmel jubelt. Seit 2010 coacht Paul Rhoads die Cyclones unnd Rhoads genießt den Ruf des Lokalheros, ein ansteckend positiver, energiegeladener Mann, und in Furzweite zum Stadion aufgewachsen. Rhoads baut auf eine laufintensive Offense mit smash’n’dash (RB Jeff Woody/RB Shontrelle Johnson) und eine (hoffentlich) verbesserte Defensive Line. Dort spielt auch der Mann mit dem genau richtigen Namen: NT Stephen Ruempolhamer.

Wie Iowa State sind auch die beiden Unis in Kansas eher negativ von der Auflösung der Nord/Süd-Divisionen in der Big 12 betroffen. Nun muss man neun Conference-Spiele bestreiten, und öfters als früher gegen die Giganten im Süden spielen. Die Big 12 ist bizarr genug, dass diese Nord-Unis der University of Texas trotzdem zu Füßen liegen: Ohne deren Einlenken hätte jeder dieser Unis die Bedeutungslosigkeit (sprich: Mountain West Conference und Konsorten) gedroht.

Bei den Kansas State Wildcats aus Manhattan (jo, Manhattan) ist der Trainer der Superstar: Der ultimativ bescheidene Bill Snyder, der nur ein einziges Mal ins Rampenlicht getreten ist, als das Stadion der Uni nach ihm benannt wurde, nämlich. Snyder ist mit 72 Jahren eine lebende Legende und coacht ab dieser Saison sogar seinen Enkel Tate, der als Freshman im Kader steht.

Die Offense wird nach dem Abgang von RB Dan Thomas (Miami Dolphins) vom neu erworbenen RB Bryce Brown getragen, der aus Tennessee kommt und dessen Uni-Wechsel recht viel Aufsehen erregte, inklusive gegenseitiger Drohungen und Beschimpfungen. In der Defense muss vor allem der Würgegriff gegen das Laufspiel enger werden, zuletzt war man dort #119 von #120.

Als Bodensatz wird gemeinhein die University of Kansas gehandelt, die nach dem Abgang des eigenartig kultigen Coaches Mark Mangino unter Turner Gill ein horrendes Jahr hinlegte. Von der Jayhawks-Saison 2010/11 bleibt ein verheerendes 7-55 gegen Baylor (!) und ein fast noch katastrophaleres 3-20 gegen Nebraska hängen, als man beide Mal offensiv NICHTS zustande brachte. Und immer noch besteht kein Schimmer, wie man die QB-Situation lösen will. Die Hoffnung bleibt Gills Vergangenheit. Der Mann hat auch den Zwerg Buffalo nach schwachem Debütjahr umgekrempelt und neu aufgestellt.

So – fast abgearbeitet. Vorschau-Finale heute Nachmittag wird die Conference der Conferences dran sein, die neben den meisten Zuschauern auch die meisten sportlichen Erfolge und die meisten Stars in den letzten Jahren vorzuweisen hat. Um welche Conference es sich wohl handeln wird?