College-Football Samstag 2014, Week 9

Eher mageres Programm am heutigen College-Football Samstag. Ab 15h30 bringt SPORT1 US noch einmal das Tape von Boise State – BYU aus der letzten Nacht. Ich schaue mir das gerade an. Punktereiche Geschichte.

Das Lokalderby der beiden großen Universitäten von Michigan, State gegen UM, wird ab 21h30 auch übertragen. Sportlich dürfte das eine recht einseitige Geschichte werden. Viel Wirbel wird gemacht um die Tatsache, dass die Spartans letztes Jahr Michigan bei roundabout -50 Rushing-Yards (yupp, minus fuffzich) gehalten haben. Als interessanter Mann für den NFL-Draft gilt übrigens immer mehr Michigan-State QB Connor Cook.

Das Spiel des Tages von den Charakteren her wird weder übertragen noch aufgezeichnet: Tennessee vs Alabama, im Volksmund schon „Kiffin Bowl“ genannt. Es geht um Alabamas OffCoord Lane Kiffin, der heute zum ersten Mal an alte Wirkungsstätte ins Neyland Stadium nach Knoxville zurückkehrt – jene Stätte, die er einst nach nur einer Saison Hals über Kopf verließ und eine Welle der Empörung quer durch die Vereinigten Staaten auslöste. Wer Kiffin nicht bereits nach seinem gescheiterten Intermezzo bei den Oakland Raiders hasste, verabscheute ihn endgültig nach seinem Exodus aus Tennessee.

In der Nacht ist die Umstellung auf die Winterzeit zu beachten: Die Vereinigten Staaten stellen erst nächste Woche um, weswegen ab heute, 3h die Differenz zwischen MEZ und amerikanischer Ostküstenzeit nur fünf Stunden beträgt.

Upset-Watch morgen ab 7h15 bei LSU TigersOle Miss Rebels.

SPORT1 US Programm

25.10. 15h30 Tape Boise State – BYU
25.10. 18h00 LIVE Kansas State – Texas
25.10. 21h30 LIVE Michigan State – Michigan
26.10. 04h00 LIVE Washington – Arizona State
26.10. 07h15 Tape Louisiana State – Ole Miss

Die Akademische Viertelstunde, Woche 5: Schmeiß den Coach

(Die Akademische Viertelstunde, wieder von Seminole; aus technischen Gründen heute von mir online gestellt.)


Es gibt wenige Gestalten in der amerikanischen Footballwelt, die mehr Häme ertragen müssen als Lane Kiffin. Lane ist der Sohn eines bekannten Coaches, der große Erfolge in der NFL feierte, und bekam schon in jungen Jahren Anstellungen bei den attraktivsten Arbeitgebern in der Footballwelt, und es waren nicht irgendwelche Anstellungen, sondern gleich die großen Coordinator und Head Coach Aufgaben. Mit 31 Head Coach bei den Oakland Raiders? Für Lane Kiffin kein Problem! Und obwohl er nirgendwo besonderen Erfolg hatte, zündete er immer gleich die nächste Karrierestufe. Nebenher beleidigte er ein paar Trainerkollegen und reizte die Limits des Erträglichen beim Thema Menschenführung aus.

Dieser Lane Kiffin ist bei den U.S.C. Trojans mit 3-2 Siegen in die Saison 2013-14 gestartet. Das war der stolzen Universität zu wenig, und nach der 42:61 Schlappe gegen Arizona State wurde Lane Kiffin noch am Samstag gefeuert. Dem Vernehmen nach soll die Entscheidung bereits während des laufenden Spiels gefallen sein, und Kiffin darüber hinterher am Parkplatz darüber informiert worden sein. Halb Amerika freute sich diebisch über den Rauswurf. Weiterlesen

The Countdown, T-minus 19: USC Trojans

The Countdown

#19 USC Trojans.
Pac-12 Conference.
2012: 7-6.

Das Footballteam der University of Southern California (USC), die Trojans, gehört zu den größten Nummern in den Vereinigten Staaten. Es spielt im legendären L.A. Coliseum vor Hollywoodstars, hat den größten TV-Markt im College-Football hinter sich, eine ellenlange Historie und pflegt Rivalitäten mit großen Unis wie Notre Dame oder UCLA. USC ist immer interessant, selbst wenn das Programm wegen NCAA-Sanktionen mit diversen Problemen wie Spielen außer Konkurrenz oder limitierten Stipendien zu kämpfen hat.

Seit 2012 darf USC wieder regulär am Spielbetrieb teilnehmen, und siehe da: Schon brachen alle Dämme. Aus dem größten Titelfavoriten in den Staaten wurde ein Rohrkrepierer, USC enttäuschte mit einer 7-6 Bilanz auf ganzer Linie und verabschiedete sich mit einer desaströsen Bowl-Season in den Winter. Folge: Head Coach Lane Kiffin geht als lame duck in die Saison.

Kiffin ist kein Mann, um den viele Menschen bei vollem Verstand weinen würden. Lane ist der Sohn des greisen Defensiv-Genies Monte Kiffin (Erfinder der Tampa-2) und war schon als absoluter Jüngling zu hohen Coaching-Ehren gekommen: OffCoord bei USC mit Ende 20, Head Coach bei den Oakland Raiders mit Anfang 30, Head Coach bei den Tennessee Vols mit Mitte 30, Head Coach bei USC mit Ende 30. Es ist nicht dieser rasante Karriereaufstieg, der viele ärgert. Es ist Kiffins Art. Der Mann kennt keinen Umgang. Diktiert arrivierte Menschen wie Grünschnäbel durch die Gegend, beleidigt offen Kollegen in der Trainergilde (oft viel erfolgreichere Kollegen!), und… weiß schlicht alles besser.

Solche Leute schaffen eine Fallhöhe, bei der sie bei Misserfolg schneller fliegen als besonnenere Arbeitskollegen. Kiffin steht nach dem Einbruch im letzten Jahr vor der Entlassung, und er weiß es: Er sanierte seinen gesamten Trainerstab (u.a. wurde sein Dad Monte als DefCoord zurückgetreten). Er überstand das bisherige Kalenderjahr 2013 ohne irgendein hochrangiges Mitglied aus der Sportwelt verbal zu miskreditieren. Und er verzichtete bisher auf großkotzige Ankündigungen ob USCs Saisonzielen.

Sportlich ist das größte Fragezeichen: Wer soll QB Matt Barkley ersetzen? Barkley war bei Gott kein überwältigender Spielmacher, aber er war solide. Letztes Jahr wurde er gegen Saisonende vom Freshman Max Wittek ersetzt – und der hinterließ schwache Eindrücke. Wittek gilt weiterhin als großes Talent, aber Talente sind auch die Jungs, die ihm im Nacken sitzen: Cody Kessler und Max Browne (Browne gilt sogar als „Super“-Talent). Drei unerfahrene QBs, ein halb abgesägter Chefcoach, ein unruhiger Medienmarkt: Bin ich der einzige, der nach der dritten INT eine QB-Controversy riecht?

Immerhin gibt es dank RB Silas Redd (ehemals Penn State) und dem sensationellen WR Marquise Lee (letztes Jahr als Alleinuterhalter 1700yds Offense) und einer mittlerweile halbwegs erfahrenen Offense Line ordentliche Hilfe für jeden der drei QB-Anwärter.

Die Defense bei USC ist eher langweilig. Unter dem neuen DefCoord Clancy Pendergast (der schon in der NFL wirkte, bei Arizona (?)) wird auf 3-4 umgestellt – ein Move, der nicht immer schnelle positive Resultate bringt. In S Tim McDonald ist auch der wichtigste Verteidiger in die NFL gegangen.

USC ist ein Team, auf der es zu schauen gilt. Kiffin ist eins („feuert ihn! Feuert ihn!“). Das andere ist die Entwicklung auf der QB-Position. Das dritte ist das Potenzial, das in dieser Mannschaft schlummert: Der Kader ist wegen der beschränkten Stipendien in den letzten Jahren etwas ausgedünnt und anfällig gegen Verletzungen, aber niemand bestreitet, dass eine halbwegs heile USC-Mannschaft auch zu einem 11-1 oder 10-2 durchmarschieren kann, zumal man in der Pac-12 Oregon meidet und Stanford zuhause empfangen darf.

USC 2013 = Boom or Bust. Und das ist gut, denn: So muss College Football sein.

USC Trojans 2012/13 Preview

Es gibt Mannschaften im College Football, um die wird jedes Jahr ein großes Boohay veranstaltet, unabhängig von ihrem aktuellen sportlichen Auftreten. Das über Jahre, Jahrzehnte aufgebaute Standing umgibt manche Programme eben mit einer ganz speziellen Aura. Die USC Trojans sind eine von denen, wobei bei der University of Southern California mit dem riesigen TV-Markt von Los Angeles noch ein weiterer Faktor mit reinspielt.

USC ist ein Liebling vom Haupt-Broadcaster ESPN, und USC ist eine landesweite ganz große Marke in den Vereinigten Staaten. Zuletzt war man Mitte der 2000er mit den sehr medienaffinen Superstars QB Matt Leinart und RB Reggie Bush sowie dem sehr relaxten Head Coach Pete Carroll ganz oben – bis der tiefe Fall folgte: Nachdem fröhliche Verquickungen mit Boostern bekannt geworden waren, wurden den Trojans Siege und BCS-Championships gestrichen, Carroll floh in die NFL und die Uni war zwei Jahre von der Bowl Season ausgeschlossen.

Nun ist USC back. 2011/12 spielte USC eine wechselhafte Saison mit klarem Aufwärtstrend gen Saisonende und ist 2012 wieder berechtigt, in Bowl Season und eventuell im BCS-Endspiel mitzuspielen. Und die Vorzeichen könnten nicht besser sein: Günstiger Schedule, Rückkehr von Sunnyboy-QB Matt Barkley sowie ein insgesamt sehr tief besetzter Kader.

Glauben wir ESPN und seinen Pundits, so hat Headcoach-Kotzbrocken Lane Kiffin da einen National Champion in spe beisammen, der auch eine spannende Geschichte abgibt. Spielmacher Barkley zum Beispiel ist nicht nur ein künftiger Top-Draftpick, der auch die entsprechenden Stats einfährt, sondern halt auch groß gewachsen, blond, von den Studentinnen verehrt und als Draufgabe mit dem Herzen am rechten Fleck, schon in der Mission für arme Kinder Lehmhütten gebaut und dieses und jenes. Barkley blieb extra für die Chance, mit USC ein Bowlspiel, vielleicht gar das BCS-Finale bestreiten zu können, an der Universität, und dürfte dann spätestens 2013 als neuer Quarterback der St Louis Rams ein gemachter Mann sein.

Barkley führt keinen spektakulären Angriff an. USC anno 2012 sorgt nicht wie einst mit Leinart/Bush für Pass-Fetischismus, ist viel methodischer. Man wirft zwar mehr als die durchschnittliche Mannschaft im College Football, aber es sind nicht in jedem Drive zwei 50yds-Bomben dabei. Der Top-WR Robert Woods ist auch nicht das deep threat vor dem Herrn, aber gemeinsam mit dem Nebenmann WR Marquise Lee ein durchaus adäquates Duo (2011 beide zusammen 183 Catches für 2435yds, 9.4yds/Catch). Woods ist allerdings ein Mann, der mit Muskelproblemen viel Training auslassen muss, und im Kader sind bei allen hoch gehandelten Recruits leider auch keine zehn erfahrenen Backups zur Hand, wenn es mal am Samstag nicht zur Einsatzfähigkeit reicht.

So sollte es umso wichtiger sein, dass vor kurzem RB Silas Redd von Penn State kommt – Redd war über Jahre der Alleinunterhalter in Penn States aseptischem Angriff, nahm nach dem Sandusky-Skandal die Chance zum Abhauen wahr. Redd wird eine gute Ergänzung zum anderen RB Curtis McNeal bilden, der ganz eindeutig zu anfällig gegen Fumbles war. Gespannt sein darf man auf die Umstellungen in der Offensive Line, wo mit LT Matt Kalil ein massiv hochgejazzter Spieler in die NFL gegangen ist.

Die Defense ist IMHO nichts besonders, verliert in DE Nick Perry den gefährlichsten Pass Rusher und dürfte vor allem in der Front Seven verwundbar sein.

Jo. USC und der Schedule 2012. Kannste dich nicht beschweren, wenn die beiden heikelsten Aufgaben zu dir ins Coliseum kommen: Am 5.11. die Oregon Ducks und am 24.11. die Notre Dame Fighting Irish. Das einzige weitere wirklich ernsthaft schwierige Spiel dürfte Stanford auswärts sein, aber Stanford ist bei aller Physis nicht mehr das Kaliber von 2010 oder 2011. Von einer Ungeschlagenheit würde ich nicht a priori ausgehen, weil Oregon und Notre Dame zwei Supermannschaften bieten dürften (und dass beide zuletzt knapp auswärts geschlagen wurden, ist eben nicht die ganz große Beweislage).

Fix ist: Eine Regular Season mit 10-2 wird als Minimum erwartet. Ein 8-4 wäre eine Blamage. Ein 12-0 inklusive Heimsieg im Pac-12 Endspiel und Endspielsieg im BCS-Finale von Miami ist da schon viel eher, was die landesweite Erwartung in etwa widerspiegelt.

Ick bin noch etwas skeptisch.

Bowl Season 2010/11, Tag 10: In Nashvilles Bowl steckt eine Menge Musik und Locker ist nicht locker

Sollte der 29.12. „fett“ sein, fehlt für den 30.12. das passende Vokabel. Vier Bowls, verstreut über die Staaten. Dallas, New York, Nashville, San Diego – jede Region hat ihre Bowl. Von 18h bis um halb acht Uhr morgens gibt es volles Programm.

Bell Helicopter Armed Forces Bowl

Do., 30.12. um 18h live bei ESPN America

Southern Methodist Mustangs – Armed Forces Black Knights

Auf der einen Seite spielen die Black Knights von der US Army. Ein sehr laufintensives Team, für Freunde der Option-Laufspielzüge wie geschaffen. Man bedenke: Die Army wirft im Schnitt nur 10x pro Spiel, bei 56 Läufen!

Für den Clash der Kulturen sorgt der Gegner. Denn der kommt mit einer sehr passgewaltigen Offense daher: Run and Shoot nennt sich das System von Head Coach June Jones. Jones ließ diese Offense schon zu Zeiten als NFL-Coach in Atlanta spielen, scheiterte damit grandios (wer erinnert sich an Jeff George?). Jones war 1998 nochmal für kurze Zeit Interimscoach in San Diego, ehe er zu einem am Boden liegenden College wechselte: Hawaii. Trotz minimalem Budget krempelte Jones die Hawaii Warriors um und machte sie zu einem der passgewaltigsten Programme. Jones gab sich extrem gewandt im Umgang mit den Medien und mutierte in Manoa zum Publikumsliebling. Das konnte ihn Ende der 2007er-Saison aber nicht davon abhalten, seine Zelte unter den Vulkanen abzubrechen – nach einer (verlorenen) Sugar Bowl(!)-Teilnahme.

Jones wiederholte sein Spielchen und ging in den Süden der USA, wieder zu einem aberwitzig kleinen Programm. Besser gesagt, einer Uni, die vor Urzeiten mal guten Football hatte spielen lassen – bis sie 1987 dabei erwischt wurde, wie sie Athleten bezahlte. Ein Unding. Wofür heute die USC (Reggie Bush!) mit einer Bowl-Ausladung und Auburn (Cam Newton!!!) mit einer lächerlichen Abmahnung „bestraft“ werden, dafür musste diese Uni annodazumal die „Todesstrafe“ (siehe auch „Pony Excess“ aus der 30 for 30-Serie von ESPN) einstecken: Eine Saison Sperre, jahrelangen Verlust von Stipendien und Verlust der kompletten Mannschaft. Mehr als 20 Jahre lang litt diese Uni unter den Sanktionen, die das komplette Programm in Schutt und Asche gelegt hatten.

Auftritt June Jones. Er unterschrieb im Jänner bei eben dieser Southern Methodist University. Kurz: SMU, gelegen in einer Enklave von Dallas. Eine Uni, die der Footballwelt RB Eric Dickerson und AFL-Gründer Lamar Hunt geschenkt hat und George Double-U Bush seine Ehefrau. Eine Uni für Jus-Studenten, gegründet 1911, der evangelisch-methodistschen Kirche gehörend, und mit dem Mustang im Football-Logo.

SMU spielt unter Jones nun zum zweiten Mal hintereinander in einer Bowl. Im Vorjahr, bei Jones’ Rückkehr nach Hawaii, gewann man die Hawaii Bowl. Nun spielt Jones wieder daheim: Die Armed Forces Bowl (ausgetragen seit 2003) wird im Stadion der Mustangs ausgespielt. Grund: Das reguläre Stadion, jenes der TCU, wird renoviert. Die Mustangs werden passgewaltig daherkommen. QB Kyle Padron, ein Sophomore (zweites Jahr), produzierte 3529yds in der Regular Season, für 29TDs und 12INTs. Zwei WRs hatten über 1000yds: Der pfeilschnelle Aldrick Robinson und Cole Beasley.

Ich freue mich auf das Duell Pass gegen Option-Lauf. Und auf die coole Sau June Jones.

New Era Pinstripe Bowl

Do., 30.12. um 21h15 live bei ESPN America

Kansas State Wildcats – Syracuse Orange

Eine Premiere: Die Pinstripe Bowl findet im neuen Yankees Stadion statt, eine Baseballarena. Dementsprechend waren auch die Einladungen recht begehrt. Eine zeitlang war gar Notre Dame im Gespräch. Das ist nicht zustande gekommen, aber dafür mit Syracuse ein recht „heimatliches“ Team.

Die Orange haben aber eine mäßige Saison gespielt, 7-5 in der schwachen Big East. Die Offense ist ganz schwach, macht nicht viele Yards, spielt aber immerhin relativ ausgeglichen. Anführer ist QB Ryan Nassib, der einst seinen Job gegen Basketball-Wunder Greg Paulus verloren hatte, jetzt aber wieder sich im Sattel sitzt. Die Defense gehörte zu den besseren in der Big East, muss aber einige Ausfälle verkraften – Studenten hatten andere Dinge im Kopf als zu lernen. Das wird nicht gerne gesehen. Traurigster Ausfall bei Syracuse ist Punter Rob Long, bei dem vergangene Woche ein als einst gutartig angenommener Hirntumor sich als bösartig herausgestellt hat.

Die Wildcats sind mit 7-5 in der Big East schon sehr zufrieden. Die letzten Jahre waren schon ziemlich ernüchternd, trotz eines QB Josh Freeman, der mittlerweile die NFL begeistert. Kansas State ist unter dem zurückgekehrten Bill Snyder im Gegensatz zur unsäglichen Ära Prince fast ausschließlich Lauf-Offense (Verhältnis 2:1 zum Pass, 37 TDs), mit dem wichtigsten RB Daniel Thomas (1495yds, 16TDs).

Es wird allgemein eine punkteärmere Angelegenheit erwartet. Ich sehe den Spielausgang völlig offen – nicht nur, weil ich schon einige Male danebengetippt habe…

Franklin American Mortgage Music City Bowl

Do/Fr.., 30.12. um 0h30 live bei ESPN America, Tape zu am 31.12. um 14h

North Carolina Tar Heels – Tennessee Volunteers

Keines der beiden Teams hat eine besonders nennenswerte Saison gespielt – zumindest sportlich. Die Zeilen werden hier außerhalb des Gridirons gefüllt. Von beiden Seiten.

Tennessee gehört zu den Teams mit sehr großer Tradition. In den letzten Jahren ging es in Knoxville aber drunter und drüber, so sehr, dass vor zwei Jahren der langjährige Coach Phil Fulmer (coachte die Volunteers 1998 zum einzigen Titelgewinn) rausgeschmissen wurde. Nachfolger: Großmaul Lane Kiffin, den auch ein völlig missratenes Engagement bei den Oakland Raiders nicht bändigen konnte. Kiffin redete viel Müll und war trotz 6-Jahresvertrag schon im letzten Jänner wieder weg. Nun haben die Vols nicht nur massive Wechsel auf der Trainerposition, sondern vor allem auch viele, viele Spielerabgänge verkraften müssen. Kiffin hat viel verbrannte Erde hinterlassen.

Der neue Coach ist Derek Dooley. Der Auftakt in die heurige Saison war schwach, aber dank vier Siegen zum Saisonende wurde 6-6 herausgewürgt und die Bowl-Teilnahme gesichert, auch wenn wir über die Gegnerschaft mal lieber kein Wort verlieren (Stichwort: Masolis INT gegen die Vols an der 5yds Line, wo das EKG nicht mal mehr beeeeept). Jedenfalls ging es aufwärts, seit QB Brady für Matt Simms übernommen hat. Simms? Yep, ein weiterer der Phil-Simms-Sprösslinge.

Nun traut man Dooley in Knoxville noch nicht so sehr über den Weg, dass man ihm einen schweren Schedule aufhalsen möchte, verständlich, so wie sich der Kader u.a. dank Kiffin ausgedünnt hat. Sportdirektor Hamilton hat daher kürzlich einen bestehenden Vertrag mit einer recht starken Uni aufgekündigt, gegen die man hätte spielen sollen. Ein Move, der dem Anhang übel aufgestoßen ist.

Bei jener Uni handelt es sich um die University of North Carolina. Hamilton hat nun auf die Music City Bowl entsprechenden Druck ausgeübt, sodass die Tar Heels wenigstens in diesem Spiel Vols-Gegner sein werden. Die Tar Heels kommen angeknockt daher und werden froh sein, die Saison erst mal hinter sich zu haben.

Seit dem Frühsommer wird dort an mehreren Orten ermittelt. Grund: Illegale Kontakte zu Spieleragenten, Komplettlösungen für Prüfungen… was man halt so kennt aus den letzten Jahren. Beim Auftaktspiel war dann gleich mal die halbe Mannschaft gesperrt, und im Laufe der Saison wurden nach und nach fünf Leistungsträger inklusive DL-Coach rausgeschmissen. Am Ende haben es die Verbliebenen zu einem 7-4 gebracht – und hatten am letzten Spieltag die Chance auf das ACC-Finale. Eine Niederlage gegen die Terps zerstörte die Hoffnungen. Jetzt also Music City Bowl – ein Bowl, in dem wie wir jetzt wissen ordentlich Musik steckt!

Bridgepoint Education Holiday Bowl

Do/Fr.., 30.12. um 04h live bei ESPN America

#18 Nebraska Cornhuskers – Washington Huskies

Wer erinnert sich noch an den Weihnachtsstern? Eine Woche nach der Poinsettia Bowl findet in San Diego die deutlich beliebtere Bowl statt: Holiday Bowl. Diesmal mit einem Re-Match. Nebraska und Washington haben sich im September schon mal duelliert. Resultat: 56-21 Kantersieg der Cornhuskers.

Dieses Spiel war auch der Beginn des schleichenden Abstiegs von QB Jake Locker, der lange Zeit als #1-Pick galt. Locker ist ein großgewachsener, bulliger QB, beweglich und gesegnet mit starkem Arm. Ich bin von dem Mann aber wenig überzeugt: Locker wirft ungenau und viel Leadership hab’ ich auch nicht gespürt. Lockers Zahlen: 17TDs, 9 INTs, 2209yds, nur 56% Completion Rate. In Spiel eins gegen Nebraska brachte Locker 4 (!) von 20 Pässen an den Mann, für 71yds, 1 TD, 2 INTs. Sieht so aus, als würde Locker in diesem Spiel einige Millionen gewinnen oder verlieren können.

Nebraska auf der anderen Seite lebt von der starken Defense, die nur wenige Punkte zulässt. In der Offense wird viel gelaufen, u.a. mit dem sehr mobilen QB Trevor Martinez. Die Huskers werden nach dem Spiel in die Big Ten wechseln. Dass sie zum Abschied nicht in der Fiesta Bowl stehen, das haben sie sich selbst zuzuschreiben. Im Big-12-Finale haben sie sich mit einer Orgie an Ballverlusten eine 17-0 Führung selbst kaputt gemacht.

Es ist Lockers erstes Bowl-Spiel und gleichzeitig sein letztes College-Spiel (außer evtl. Senior Bowl). Ich sehe einen klaren Sieg der Huskers über die Huskies.

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