NFL Vorschau 2014 – Arizona Cardinals

Die Arizona Cardinals haben 2013 eine ganz starke Saison gespielt – leider in der NFC West. Sie waren zwar die einzige Mannschaft, die in Seattle gewinnen konnten, waren aber am Ende mit 10 Siegen nur Dritter der toughest division in football. Weil für die Playoffs auch außerhalb der NFC West mindestens 11 Siege nötig waren, reichte es nichmal für eine Wild Card.

Selbst für die sechs Niederlagen muß sich niemand in der Wüste schämen: New Orleans, Seattle, San Francisco, Philadelphia, St. Louis – vier der fünf Teams waren in den Playoffs, Hawks und Niners sogar im Championship Game. Blöd ist nun, daß Arizona auch 2014 wieder in der NFC West spielt. Weiterlesen

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Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Die Arizona Cardinals waren eine der positiven Überraschungen des abgelaufenen Jahres mit ihrer verdienten 10-6 Bilanz in der knüppelharten NFC West. Sie verpassten die Playoffs aufgrund eben dieser Divisionsstärke, aber sie hinterließen trotzdem einen extrem starken Eindruck, und jede Wette: Es waren fünf oder sechs Teams froh, dass die Cards letztlich nicht in die Post Season kamen… zu mächtig wirkten sie in der Saisonschlussphase.

Die Cardinals waren viele Jahre unter dem Headcoach Ken Whisenhunt berüchtigt dafür gewesen, eine unterirdische Pass-Offense durchschleppen zu müssen, in der sich niemand entscheiden konnte, ob die Qualität des Quarterbacks oder jene der Offensive Line schlechter war. Letztlich wurde Whisenhunt genau deswegen gefeuert und im letzten Winter durch Bruce Arians (ex-OffCoord der Steelers und Colts) ersetzt.

Überblick 2013

Record        10-6
Enge Spiele    5-3
Pythagorean    9.5     9
Power Ranking  0.633   7
Pass-Offense   6.5    10
Pass-Defense   5.5     7
Turnovers       -1

Management

Salary Cap 2014.

Die zweite wichtige Neuerung: QB Carson Palmer wurde aus Oakland geholt. Palmer, ein ehemaliger 1st-Draftpick der Cincinnati Bengals, ist einer der NFL-Profis mit diesen einzigartigen Karriereverläufen, über die du Bücher schreiben könntest. Gekommen als große Hoffnung, die siechenden Bengals zu revitalisieren, und schon im zweiten Jahr als Starter dort ein All-Pro würdiges Kaliber mit dem ersten Playoffeinzug der Mannschaft seit zwei Jahrzehnten. Es ging zuhause gegen den Erzfeind Steelers, und im allerersten Offense-Spielzug brachte Palmer einen 70yds Pass downfield an den Mann. Ein Traumstart… bis die Kamera ins Backfield schwang. Dort lag Palmer mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden. Er war von einem Steeler lang genug am Bein festgehalten worden, dass Palmers Knie sich verdrehte und so ziemlich alle wichtigen Bänder im Knie rissen.

Der Anfang vom Ende Palmers als Superspieler: Er kam zwar zurück, aber er ward nie mehr so gut. Zwei Jahre später musste er seine Sehnen im Wurfarm via Tommy John-Operation flicken lassen. Später zerstritt er sich mit dem Owner Mike Brown in Cincinannti und bestreikte frustriert vom Misserfolg der Bengals-Franchise seine Mannschaft. Wurde für einen behämmerten Tauschhandel nach Oakland verschifft, wo er die Raiders (!) trotz einer Orgie an Interceptions um ein Haar in die Playoffs geführt hätte. Wurde in Oakland rausgeschmissen, und ging in seinem dritten Frühling nach Arizona.

Kein Mensch hält Palmer mehr für einen Elite-QB, aber er ist ein gigantisches Upgrade über alles an Quarterbacks, was die Cards seit dem Karriereende Kurt Warners nach der 2009er Saison so durchschleppen mussten. Palmer warf zwar auch 2013 viele Interceptions (22 an der Zahl), aber im Verlauf der Saison stabilisierte sich die Offense unter seiner Führung immer besser. Palmer warf über den Saisonschnitt nur 23% tiefe Pässe, komplettierte dabei 63% für insgesamt 6.5 NY/A – ein Wert, der für Cards-Verhältnisse Sektkorkenknallen bedeutet.

Palmer ist 34, und eigentlich muss Arizona somit schon mittelfristig an seine Nachfolge denken. Fällt dieses Jahr der richtige Quarterback in den Slot, sollte Arizona im Prinzip schon zugreifen. Wer kann schon garantieren, wie lange Palmer noch halten wird?

Auf der anderen Seite: Auch Headcoach Arians ist kein Jungspund mehr. Mit 62 Lenzen wird Arians auch nimmer so langfristig planen können, will er seinen ganz großen Wurf noch schaffen.

Wenn Arizona kurzfristig denkt, geht es andere Baustellen als Quarterback an. Die allergrößte adressierte man schon in der Free-Agency mit dem Einkauf von LT Jared Veldheer aus Oakland. Veldheer ist erst 26 und gilt als großes Talent, und er konnte dank seiner Verletzung in der letzten Saison auch vergleichsweise billig für 7 Mio/Jahr eingekauft werden.

Veldheer als Anker der linken Seite, und als sein Nebenmann wird LG Jonathan Cooper einrücken. Cooper war vor 12 Monaten der #7-Draftpick des Jahrgangs, gefeiert als eines der größten Talente seit Äonen, aber er erlitt dann einen komplizierten Fußbruch und fiel die ganze Saison aus. Schienbeinbrüche sind für so schwere Jungs wie Cooper (140 Kilo) oft unangenehmer als man denken würde, aber denk mal positiv drüber: Arizonas Monster-Team wird dieses Jahr quasi um einen Gratis-First Rounder verstärkt. Mit Veldheer und Cooper kriegst du zwei potenzielle Ankermänner für die größte Baustelle des Teams.

Der Rest der Offense Line ist mit C Sendlein, RG Sendlein und RT Bobby Massie okay, aber nicht hervorragend besetzt. „Okay“ ist dabei gemessen an den Katastrophen von 2010-2012 ein Kompliment. Vor allem Massie soll auf der rechten Seite enormes Potenzial gezeigt haben. Center und Right Guard könnten aber noch via Draft durch Upgrades ersetzt werden.

Auf Tight End gibt es derzeit in Arizona nicht allzu viel, mit dem man arbeiten kann. TE Rob Housler wird von PFF.com als einer der schlimmsten Stammspieler der NFL beschimpft, aber Fakt ist: Andere sahen schon viel Potenzial in Housler: Noch ein junger Spieler, durchaus athletisch genug, aber noch etwas unreif. Arians liebt vielseitige Tight Ends, die gut fangen und blocken können. Er coachte einst Heath Miller in Pittsburgh, über den er immer wieder in Interviews schwärmt. Er (respektive seine Führungskräfte) draftete in Indianapolis zwei Tight Ends in hohen Positionen – alles andere als auszuschließen, dass Arizona resp. Arians diesmal spätestens in Runde 2 nach einem Tight End á la Jenkins aus Washington greifen.

Nicht direkt eine Schwachstelle für 2014, aber durchaus nicht unheikel mit Blick 2015 und darüber hinaus ist die Situation auf Wide Receiver: Dort schaffte Michael Floyd zuletzt endlich den Durchbruch. 20% der Anspiele des Jahres gingen auf Floyd, 34% davon tief. Floyd häufig Doppeldeckungen, und fing trotzdem 66 Bälle für über 1000yds. Auf Floyd wird man längerfristig bauen können, aber die große WR-Legende in Arizona, Larry Fitzgerald, könnte diesmal ihr letztes Halali in der Wüste sehen. Nicht, dass Fitzgerald großartig abgebaut hätte; er ist immer noch einer der effizientesten Wide Receivers, nur eine Spur unter der absoluten Elite, zu der er selbst auch früher gehörte.

Es ist sein Vertrag. Fitzgeralds Vertrag ist so gebaut, dass es in einem Jahr möglicherweise zur Trennung kommen muss: Fitzgerald wird dann zwar immer noch 14 Mio. dead-money anschreiben, aber das ist vielleicht für Arizona immer noch besser als einen 8-Mio. Roster-Bonus zu zahlen und sich somit auf Jahre hinaus weiter zu kastrieren. Für Fitzgerald selbst hat eine Neustrukturierung auch nicht wirklich viel Sinn – er könnte höchstens auf Gehalt verzichten. Verzichten deswegen, weil er andernorts kaum mehr einen Vertrag der Güteklasse Arizona bekommen wird, und somit auch nach einem samaritanischen Moment immer noch mehr einstecken würde als sonst. Nur: Wie viele NFL-Profis verzichten? Wie viele Menschen verzichten?

So oder so sind die Cards nach dem Abgang von Slot-WR Roberts gezwungen, Nachschub zu draften. WR Ginn aus Carolina ist bestenfalls Durchschnitt und verhindert, dass sich Superstar-CB Peterson weiter in sinnlosen Puntreturns aufreibt, aber Ginn ist keine echte verlässliche Receiver-Waffe.

Selbst wenn du an Ginn, den Wide Receiver, glaubst, ist es mit dem Fitzgerald-Vertrag im Hinterkopf fast ein Muss, hier mittelfristig zu denken und schon den Nachfolger einzulernen.

Aus dem Corp der Runningbacks kam Mendenhall abhanden, der seiner Gesundheit zuliebe mit nur knapp mehr als 27 Jahren zurücktrat. Das erlaubt den Cardinals, künftig stärker auf die Rookie-Sensation RB Andre Ellington zu bauen: Ellington wurde letztes Jahr extrem selten eingesetzt (117 Carries, machte aber als change of pace Back sensationelle 5.6yds/Carry und addierte dazu noch 39 Catches als Multiwaffe.

Ellington ist vielleicht in dieser Konstellation auch am effizientesten, weswegen RB Dwyer aus Pittsburgh geholt wurde. Dazu gibt es den Power-Back Taylor (ex-Stanford Cardinal) und Ryan Williams, zwei Backs, die in den letzten Jahren gedrafet wurden, als Entlastung. Ellington muss also keine 300 Carries sehen, aber no way, dass es wieder nur 117 sein sollten.

Summa summarum würde ich sagen: Tight End ist der große kurzfristige Need, den man angehen sollte. Mindestens ein Wide Receiver, und sei es als Absicherung gegen einen Abgang von Fitzgerald in einem Jahr. Und wenn der richtige Groschen fällt, kannst du schonmal auf Quarterback oder Center/RG denken.

Die Defense der Cardinals war zuletzt fast immer großartig, egal ob unter dem alten DefCoord Horton oder unter dem neuen Todd Bowles. Dieses druckvolle Spiel der 3-4 Cardinals ist immer eine Augenweide. Nun wurden viele Ergänzungsspieler bzw. Backups ziehen gelassen, weil der Kader ansonsten zu teuer geworden wäre, und sie wurden durch billiges Nachrückermaterial ersetzt.

Der Superstar der Front-Seven ist der DE/DT Calais Campbell, der 2013 mal wieder von einer unsympathischen Position aus 11 Sacks und fassungslose 67 Successes (Summe aus Tackles für EPA-Gewinn, Sacks, Fumbles, Interceptions) erzielte. Campbell ist J.J. Watt light, und zählt vorne für zwei. Dank seiner Arbeit können die Cards systemtechnisch die Linebacker etwas gen „andere“ Seite ziehen, wo der alternde Superbowl-Held von 2008, Darnell Dockett, nicht mehr zum Spitzenfeld gehört. Dockett ist nicht „schlecht“, aber er ist kein Campbell. Und Docket ist dank seines Vertrags ein heißer Kandidat, 2014 entlassen zu werden (zählt dann als 33jähriger 9.8 Mio. gegen die Cap, aber würde nur 3 Mio. dead-money anschreiben).

In der Mitte soll sich NT Dan Williams, ein ehemaliger 1st-Rounder, mittlerweile durchgesetzt haben. Als erste Backup-Option wurde Frostee Rucker gehalten; in Alameda Ta’amu gibt es noch einen weiteren jungen ehemaligen Draftpick zum Einlernen.

Die Linebacker hinter dieser sensationellen Anspiellinie verlieren in Brinkley und Dansby ihren beiden Inside-Starter des letzten Jahres. Hier ist die Frage, ob der famose Daryl Washington (einst TCU Horned Frogs) künftig wieder verstärkt Inside-Linebacker spielt. Washington brillierte schon früher häufig in einer Art Weakside-Linebacker Rolle.

Die andere ILB-Rolle ist zu besetzen (Draft?). Auf OLB gibt es John Abraham, eine der positiven Erscheinungen des letzten Jahres, aber Abraham wird mit 35 nicht jünger. Hier könnte für mein Empfinden versucht werden, eine Nachbesserung zu finden.

Man sollte allerdings nicht vergessen, welche Talente die Cards hier in der Hinterhand halten: Ein Kevin Minter, ein Alex Okafor, ein Sam Acho sind alles junge Linebacker, die vor nicht allzu langer Zeit als potenzielle hohe Draftpicks gehandelt wurden. Sie alle haben den Durchbruch noch nicht geschafft, aber mit nur 1-2 Jahren Erfahrung sind sie noch lernfähig. Ein Minter könnte durchaus Grund für die Cards gewesen sein, Dansby ziehen zu lassen. Ein Okafor galt schon oft als potenzieller Star-DE, könnte als OLB eingesetzt werden. Selbst ein Matt Shaughnessy (ehemals Oakland Raiders) konnte schon als Kurzzeit-Starter von der OLB-Position überzeugen und ist noch kein überalterter Routinier.

Es ist halt die Frage, wie viel Vertrauen das Trainerteam in diesen Schwall an noch ungeprüften Jungstars hat.

Das Defensive Backfield genügt durchaus höchsten Ansprüchen: CB Patrick Peterson kannst du nach drei Jahren des Einlernens mittlerweile auf jeden gegnerischen Top-Wideout loslassen, und er wird dir nur wenige Fehler begehen; Peterson ist ein echter Shutdown-Cornerback geworden. Der andere Stamm-CB ist mit Antonio Cromartie ein Neuzugang aus New York, berühmt geworden als Vater von tausend Kindern und Meister der Interceptions. Cromartie ist vielleicht kein Weltmeister mehr, aber als zweiter Mann im Tandem sicher ein massiver Gewinn – und er gibt dir die Chance, einen CB Powers in die Rotation zu schicken.

Als eine Art Freelancer zwischen Slot-CB und Free-Safety wird wieder Tyrann Mathieu agieren, der Honey-Badger, dessen Rookiesaison alle baff hinterließ. Mathieu, dieses wandelnde Drogenproblem, blieb als Rookie clean und glänzte als Playmaker der allerersten Güte. Er riss sich allerdings gegen Saisonende das Kreuzband. Wie fit er zurückkehren wird, bleibt abzuwarten, aber nehmen wir auch hier den guten Fall an, und wir haben einen sehr, sehr jungen Spieler für einen jungen Abwehrkern, der seine beste Zeit wohl erst noch vor sich hat.

Einzig bei der Safety-Combo Johnson/Jefferson würde ich meine Hand noch nicht ins Feuer legen, dass hier Großes kommt. Ich halte es durchaus nicht für ausgeschlossen, dass die Cards Safety als wichtigste Priorität sehen und entsprechend versuchen, schon in Runde 1 einen Safety zu draften.

Insgesamt dank verbesserter Offensive Line und QB Palmer gut aufgestellte Cards-Mannschaft. Sie wird dank Coopers Rückkehr und des eigenen 1st-Rounder im Prinzip durch zwei 1st-Rounder ersetzt. Wenn die größten kurzfristigen Lücken wie TE, OLB oder Safety zur Zufriedenheit gelöst werden, ist man vermutlich auch diesmal ein Spitzenteam. Aber man wird im Hinterkopf schon über 2014 hinaus denken müssen.

Es ist also überraschenderweise auch auf die Arizona Cardinals ein Auge zu werfen.

NFL Notizblock, Week 7: TNF Seattle Seahawks @ Arizona Cardinals

Es ist einfach eine Schande. Seit Jahren schon wird das viele individuelle Talent verschwendet, weil sie sich standhaft weigern, vernünftige Offensive Tackles und einen Quarterback zu verpflichten, der auch mal ein Spiel alleine gewinnen kann. Zu Beginn des siebten Spieltages empfingen diese Arizona Cardinals (3-3) zu Hause die Seattle Seahawks (5-1) und waren zwar Außenseiter, aber mit ihrer großartigen Defense und ein wenig Glück in den Special Teams können sie ihren Angriff gegen jeden Gegner bis zum Schluß im Spiel halten.

In der Offense sind es vor allem die WRs Michael Floyd und Larry Fitzgerald, die unter dem QB-Tackle-Mangel leiden. Beide mußten sich mit der „Legion of Boom“ herumschlagen, Fitzgerald zu allem Überfluß auch noch mit Muskelfaserproblemen. Er wurde dann zwar von Bruce Arians überall aufgestellt, außer an der rechten Seitenlinie, wo Richard Sherman wartet, aber trotzdem fing Fitz nur zwei Bälle. Floyd hatte mehr Erfolg mit sechs catches. Allerdings lief im Paßspiel nur etwas mit screen passes und crossing routes auf dem Level der Linebackers; das Arians-typische downfield passing game war abgemeldet.

Stats / Gamebook

Gamebook Seahawks@Cardinals

Das war der heillos überforderten Offensive Line geschuldet. Left Tackle Bradly Sowell wurde im pass blocking auf alle erdenklichen Weisen naß gemacht. Oft sind Cliff Avril oder Michael Bennett einfach mit speed an ihm vorbeigerannt, manchmal wurde er mit power regelrecht in Carson Palmer reingetragen – butt sack könnte man das vielleicht nennen. Gegen die Mitte der Linie machte ein gewisser Tony McDaniel mächtig Alarm und auf der rechten Seite wurde Tackle Eric Winston sogar mal von einem Defensive Back auf den Rücken geworfen bei einem Laufspielzug.

Überhaupt: das Laufspiel. Fehlanzeige. Die Front Seven der `Hawks ist viel zu stark für die Linie Arizonas. Wenn sie dann doch mal versuchten zu laufen, wurde Richard Mendenhall grün und blau geprügelt (13 Läufe, 22 Yards). Rookie Andre Ellington, der in den letzten Wochen ziemlich heiß aussah, bekam nur drei carries. So lief das den ganzen Abend: kein Laufspiel; keine langen Pässe; Palmer under pressure (sieben Sakcs und gefühlt hundert hits.) Und Palmer trifft schlechte Entscheidungen, wenn er Druck im Gesicht hat. Statt den Ball wegzuwerfen, versucht er in allerkleinste Fenster zu werfen. Er war noch recht glücklich, mit nur zwei Interceptions davonzukommen. Eine davon wurde von Brandon Browner bis an Arizonas 1-Yard-Linie zurückgetragen.

So eine Offense kann auch von einer erstklassigen Defense nicht rausgerissen werden. Schon gar nicht, wenn diese Defense einen schlechten Start hat. In den ersten beiden Drives wurde Arizonas Front Seven völlig auf dem falschen Fuß erwischt: 150 Yards und zwei Touchdown. Für den Rest des Spiels waren es nicht mal mehr 200 Yards, was eine mehr als respektable Leistung gegen einen Angriff von Seattles Kaliber ist.

Nach den ersten beiden Serien war es business as usual für die Cards-D: Calais Campbell hat sein Zelte direkt im Backfield der Offense aufgeschlagen; niemand wirft Richtung Patrick Peterson; und Daryl Washington explodiert in alle Richtungen gegen RBs und QBs. Neben diesen jungen Superstars spielen einige zuverlässige Veteranen wie Karlos Dansby, Darnell Dockett und John Abraham. Nimmt man noch die nicht voll entwickelten Top-Talente wie Tyrann Matthieu und Matt Shaughnessy dazu, hat man einen Kader wie aus dem Bilderbuch.

Die Abraham-Campbell-Shaughnessy pass rush combo hat schließlich noch Russell Wilson zwei Fumbles rausgeschlagen und einen Turnover on Downs produziert. Vorwerfen kann man Arizonas D einzig, wie schon gesagt, die ersten beiden schwachen Drives. Wenn Wilson nicht einige spektakuläre Läufe und Würfe bei eigentlich schon zusammengebrochenen Spielzügen gemacht hätte, wär das Ding auch bis zum Schluß ganz eng geblieben. Wilson hat sich zusammen mit Andrew Luck vorläufig recht deutlich von den anderen beiden QBs der „Big Four“, Colin Kaepernick und Robert Griffin, abgesetzt. Auch wenn er nicht immer die ganz starken Zahlen hat, so ist er doch ein hervorragender Quarterback, der seine Mannschaft bei 3rd Downs und in kritischen Situationen immer im Spiel halten kann.

So schade es vor allem um die Defense Arizonas ist: ich sehe nicht, wie man es mit dieser Offense in die Playoffs schaffen sollte. Schon gar nicht, wenn Bruce Arians dermaßen ängstlich ist: beim Stand von 31-13 an Seattles 3-Yard-Linie ein Field Goal schießen?!? Beim Stand von 34-16 im vierten Viertel punten?!? Verstand verloren? Dachschaden?!? So verdienen sie auch keine Playoffs.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #18: Arizona Cardinals

Was kaum einer weiß: Die Cardinals sind die älteste Franchise der NFL. Bis sie aber überhaupt in der Wüste gelandet sind, musste sie Ortswechsel, Dürreperioden und viel, viel Spott über sich ergehen lassen.

That’s not maroon!

In einem Viertel von Chicago formierte sich 1898 der Morgan Atletic Club, ein Amateur-Ballsportverein. Seit 1901 heißt man „Cardinals“. Grund: Die Amateure bekamen einen Trikotsatz spendiert. Der war jedoch nicht braun (maroon), sondern kardinalrot. Deswegen „Cardinals.“

Man war bald ein Profiteam, das in den Anfangsjahren arge Probleme hatte, adäquate Gegner zu finden, weswegen die „Profis“, auch aufgrund von Krankheitsserien und Weltkriegen, eigentlich nur Teilzeitprofis waren. Bis in die 20er, als man in die blutjunge NFL eintrat. Profi-Football, zur damaligen Zeit in etwa so bedeutend wie die ostfriesische Frauenboßelmeisterschaft. Immerhin: 1925 gewann man per Liga-Dekret den Titel, den ersten von zweien in der Vereinsgeschichte.

Die Cardinals waren danach ein verspottetes Verliererteam, das nur Ende der 40er Erfolge einheimsen konnte: Je einmal Titelgewinn und Finalniederlage gegen die Eagles, doch in den 50ern war man so schlecht, dass die Zeitungen nicht mal mehr über die Mannschaft berichteten und entsprechend schlechte Zuschauerquoten eingefahren wurden. Die Ownerfamilie Bidwell sah sich genötigt, gen Westen auszuwandern.

Cardiac Cardinals

„Gen Westen“ heißt: Sie blieben am Tor zum Westen hängen. In St Louis. Dort gab es dummerweise bereits eine Baseball-Mannschaft namens St Louis Cardinals (soll es by the way heute noch geben) und trotzdem gab es keine Umbenennung. Verwunderlich, dass es gerade in Amerika keine Klage von Seiten der einen oder anderen Mannschaft gab, die das alleinige Namensrecht für sich beanspruchte.

Anyhow, die Cardinals waren zwar eine bessere Mannschaft und deutlich lieber gesehen als in Chicago, aber viele Playoffs gab es nicht. In den 70ern machte man sich aber einen Namen als Cardiac Cardinals – als Team, das für spektakulär knappe und spannende Spiele stand – mit einem Ausgang mal pro, mal contra. Das Contra kam aber stets vor der Superbowl.

Wenn du nicht gewinnst, schaut dir im Land der Amerikaner über kurz oder lang keiner zu. So auch in St. Louis. 1988 setzte Bidwell nach dem 28jährigen Zwischenstopp in St Louis seine Reise gen Westen fort und zog weiter nach Phoenix, Arizona.

In der Wüste

Ob als Phoenix Cardinals oder ein paar Jahre später als Arizona Cardinals: Man stand für die Niederungen der NFL. Ob der Verbleib in der NFC East und der dadurch hohe Reiseaufwand mitschuldig war? Da waren zwar attraktive Gegner (Dallas, Washington, Philadelphia), aber die Reisekosten, baby. Verheerend auch: Der eigene Markt und der zweite Zielmarkt New Mexico waren als Cowboys-Terrain verschrien. Das eigene Stadion war meistens dreiviertel leer, Folge: Keine Übertragungen im Heimatmarkt Phoenix, was natürlich auch bedeutet: Keine Sau weiß, dass es dich überhaupt gibt.

Keine Zuschauer, keine Erfolge. Man stand für Tristesse. Einzig der Lokalheld QB Jake Plummer sorgte für etwas Erheiterung und führte Arizona 1998/99 mit seinem spektakulären Spielstil mal in die Playoffs, wo – bitte festhalten – die Cowboys (!) auswärts (!!) in Grund und Boden (!!!) gespielt wurden. Man kann sich vorstellen, wie fürchterlich es um eine Franchise steht, wenn man sich an so einem einzigen wunderbaren Tag jahrelang aufrichten muss.

Rising up

Auch die 2000er begannen fad, bis 2004 um WR Larry Fitzgerald ein echter Kern gedraftet wurde, auf dem sich aufbauen ließ. Ein Jahr später kam der schon als verbraucht geltende QB Kurt Warner, der einst sensationell die Rams zum Titel ge-quarterbackt (oder so) hatte und nur noch zwei Gehirnerschütterungen vom Karriereende entfernt war, ein weiteres Jahr später der Heiland: QB Matt Leinart.

2008, und der uralte Warner zeigte dem Jungspund Leinart, wo der Hammer hing, führte die Mannschaft erstmals seit Äonen wieder in die Playoffs. Und dort spielte sich Unglaubliches ab: Arizona siegte (Atlanta) und siegte (Carolina) und siegte (Philadelphia) und stand in der Super Bowl. Arizona! Die Cardinals!

Super Bowl XLIII wird als eines der besten NFL-Spiele aller Zeiten angesehen. Arizona verlor, 23-27. Aber das war nicht der Punkt, denn wenn du so spielst, dann kannst du mit erhobenem Haupte gehen. Irgendjemand, der noch weiß, wer 1982 die Meisterschaft gewann? Nein? Aber jeder weiß, wer sie 2008 verlor. Und niemand wird es je vergessen.

Im Jänner 2010 sorgte man mit einem spektakulären, quasi ohne Verteidigungen gespielten 51-45 gegen Green Bay für einen Playoff-Punkterekord. Eine Woche später trat Warner nach einem Bodycheck, der ihm alle Extremitäten vom Körper riss, zurück. Seither ist Arizona auf der Suche nach einem neuen Quarterback.

Das Stadion

University of Phoenix Stadium

University of Phoenix Stadium – Bild: Wikipedia.

Arizona mag als eher langweilige Franchise daherkommen, aber das Stadion ist großartig – das University of Phoenix Stadium (63.000 Plätze), seit 2006 in Betrieb und eine futuristische Arena mit verschließbarem Dach und ausfahrbarem Rasen. Kurios: Die Uni von Phoenix ist weder Besitzer der Arena, noch hat sie eine Footballmannschaft. Sie ist einzig Namenssponsor. Obwohl noch so jung, dass man immer noch den Lack aufm eigenen Sessel riechen kann, hat das Stadion schon die ganz großen Spiele erlebt, an die man sich noch in 150 Jahren erinnern wird: Super Bowl XLII (Manning to Tyree) und Fiesta Bowl 2007 (das unvergessene Boise-State-vs-Oklahoma-Spiel).

Rivalitäten

So richtige Rivalitäten haben die Cardinals trotz einer extrem langen Historie nicht entwickeln können. Gründe könnten das sportliche Siechtum sein und in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten der hohe Lebensstandard in Phoenix: Den Leuten geht es dort einfach zu gut, um sich mit so unwichtigen Dingen wie Footballrivalitäten auseinanderzusetzen. Am ehesten haben sich die Duelle mit den San Francisco 49ers in den letzten Jahren zu heißen Auseinandersetzungen entwickelt.

Gesichter der Franchise

  • Larry Fitzgerald – WR, und was für einer. Dürfte schon jetzt als bester Spieler der ansonsten wenig ruhmreichen Clubgeschichte gelten.
  • Pat Tillman – patriotischer Safety. Meldete sich, obwohl Pro Bowler und kurz vor einem schweren Millionenvertrag, freiwillig zum Kriegsdienst in Afghanistan, wo er durch friendly fire ums Leben kam.
  • Kurt Warner – QB und Gutmensch. Ich werde Warner so schnell nicht vergessen. Vor allem die Playoffs 2008/09 waren absolut fantastisch. Kein Spieler, der so cool gegen den Pass Rush spielt, obwohl er schon fuffzich Mal mit Brummschädel im Bett liegen musste. Eine ausführlichere Warner-Story habe ich schonmal früher geschrieben.

korsakoffs Highlight

Super Bowl XLIII – Ein Spiel mit fantastischen individuellen Leistungen und einem richtig tollen Schlussviertel. Ich habe es glaube ich schon ein halbes Dutzend Mal gespostet, aber es ist so grandios, dass ich es immer wieder bringen muss: Der Mitschnitt der ORF-Kommentierung von Christopher D. Ryan und Michael Eschlböck beim Touchdown Larry Fitzgeralds zur zwischenzeitlichen Führung von Underdog Arizona im letzten Viertel: Touchdown Arizona.

Eckdaten

Gegründet: 1898 als Morgan Athletic Club
Besitzer: Bill Bidwell (Hauptberuf Erbe)
Division: NFC West
Erfolge: Superbowl-Verlierer 2008, NFL-Champ 1925, 1947, 8x Playoffs (5-6)

NFL 2012 Woche 3, Notizblock Eagles@Cardinals

Den Notizblock zum gestrigen Besuch der Philadelphia Eagles in der Wüste bei den Arizona Cardinals gibt es aus Spoilergründen erst nach dem Klick.

Es gibt zwei gute Nachrichten für die Eagles: das Spiel hat nicht in Philadelphia stattgefunden und so konnten die Fans das Stadion nicht anzünden. Und Michael Vick lebt noch. Sein Körper muß sich allerdings heute (und den Rest der Woche) anfühlen wie eine Packung Cornflakes. Selten wurde ein Quarterback dermaßen oft in den Stadionboden gerammt wie der zierliche QB der Eagles gestern Abend.

Philadelphia fand in der ersten Halbzeit überhaupt kein Mittel gegen das Abwehrbollwerk Arizonas. Wie auch letzte Woche gegen New England spielte Arizona fast ausschließlich in ihrer 2-4-5-Aufstellung mit Darnell Dockett und Calais Campbell als einzigen down linemen. Das können sie die Cardinals einerseits erlauben, weil die Front-6 um Dockett/Campbell und den mal wieder überragenden ILB Daryl Washington auch ohne siebten Mann ganz gut gegen den Lauf aussehen und andererseits weil Phillys HC Andy Reid und OC Marty Mornhinweg in altbekannter Sturköpfigkeit passen lassen bis Vick der Arm abfällt.

In der ersten Halbzeit hatte RB Shady McCoy tatsächlich vier Läufe. Vier! Aber das ist ja auch logisch, wenn die Verteidigung die gesamte Zeit über mit der Nickel-D spielt. Ach nee. Andersrum. Das ist genau das Gegenteil von logisch. So haben Dockett, Campbell, die OLBs Acho, Schofield & Groves (und auch ILB Washington bei blitzes) Michael Vick hinter seiner miesen Offensive Line bei fast jedem Snap dermaßen vermöbelt, daß man auf das weiße Handtuch aus der grünen Ecke gewartet hat.

Um das Abzukürzen: Vick war ständig unter Druck, Arizona hat immer mit fünf DBs gespielt (von denen einer auch noch der für zwei spielende Patrick Peterson ist), Philadelphia hat trotzdem immer geworfen und das waren die Ergebnisse der Drives in Hälfte Eins: 3&out, Punt, Fumble, 3&out, 3&out und schließlich noch ein Fumble von Vick der von Safety James Sanders mit dem Halbzeitpfiff über 93 Yards zum 24-0 zurückgetragen wurde. Zwischendurch hat der Rookie Johnson auch noch einen Punt gefumblet. Zur Halbzeit war das Spiel schon entschieden.

In der zweiten Halbzeit hat McCoy dann einige Carries bekommen, was auch recht gut funktioniert hat. Aber zu mehr als zwei Field Goals hat es nicht gereicht.

Arizonas Offense war so schlecht wie gewohnt, aber durch die vielen guten Feldpositionen war auch nicht viel nötig. Kevin Kolb, der wieder für den noch verletzten John Skelton anfangen durfte, hat haufenweise schnelle Pässe bekommen (Slants und shallow crosses hinter der Line of Scrimmage), wodurch der Pass Rush der Eagles keinen großen Einfluß hatte. Wenn Kolb mal für etwas tiefere Routen geschaut hat, mußte er fast immer Bekanntschaft mit der Grasnarbe machen.

Einen längeren Ball gab es zu Larry Fitzgerald, der bei einem Play-Action-Paß Nnamdi Asomugha böse verbrannt hat und auch prompt in der Endzone gelandet ist. Überhaupt hat Fitzgerald Asomugha und Dominique Rodgers-Cromartie – die meistens man coverage gespielt haben – einige Male schlecht aussehen lassen.

Zum Schluß haben die Cardinals sogar ganz abgezockt mit gutem Laufspiel die Uhr gekillt. Dabei sind wieder alte Schwächen der Eagles-D in Laufverteidigung zutage getreten. Sogar einen 3rd&17 konnten die Cards mit einem Drawplay im vierten Viertel verwandeln. Da haben alle schon gedacht „Come on, Philly!“ – aber DRC hat als Sahnehäubchen noch eine unsportsmanlike conduct penalty obendrauf gepackt. Ryan Williams hat seinen Fehler von letzter Woche wieder gutgemacht und beim wichtigen Drive im 4th quarter mit fünf Läufen 42 Yards gemacht und Minute um Minute gefressen.

Weil wir nicht schon wieder Daryl Washington zum Spieler des Spiels machen wollen, lassen wir diese Ehre dem oft geschmähten Safety Kerry Rhodes zuteil werden. Rhodes war überall, hat gut gegen den Paß verteidigt, immer wieder McCoy gestoppt, wenn er mal durchkam und auch den Fumble von Vick kurz vor der Halbzeit verursacht.

Die Cardinals sind jetzt 3-0, aber müssen erst noch beweisen, daß sie auch mit einem Rückstand spielen können. Glücklicherweise wird ihnen das mit dieser Defense wohl nicht allzu oft passieren. Die Eagles und vor allem Vick können froh sein, daß sie nicht jede Woche gegen so eine Verteidigung spielen müssen. Nächste Woche allerdings kommen erstmal die Giants und wollen Vick rupfen. Hals und Beinbruch!

Glaskugel 2012: Arizona Cardinals

Wenn man Spiele der Arizona Cardinals 2011 oder dieser Preseason gesehen hat, weiß man, warum alte grantige Männer immer noch sagen: a football game is won in the trenches und ein gutes Footballteam beginnt immer mit guten Linien. Defensiv waren die Cards ein Positivbeispiel, offensiv ein negatives.

Der Angriff um die Quarterbacks Kevin Kolb und John Skelton hatte zeitweise die Grenze zur Lächerlichkeit überschritten. Die Offense hat genau einmal in der gesamten Saison mehr als 23 Punkte erzielt, gegen die Giants in Woche vier. Und sogar dabei bekamen sie große Unterstützung durch die Defense, die einen Fumble an New Yorks 5-Yard-Linie eroberte.

Überhaupt haben die Verteidigung und die Special Teams die Spiele fast im Alleingang gewonnen. Nach enttäuschendem 1-6-Start in die Saison (davon vier Niederlagen mit vier oder weniger Punkten Unterschied) hat die Defense für den Rest des Jahres gegen niemanden mehr als 23 Punkte zugelassen und Punt Returner Patrick Peterson hat immer wieder den Unterschied gemacht. Als erstem Spieler überhaupt gelangen ihm vier Punt-Return-Touchdowns über mehr als 80 Yards in einer Saison.

Kamerad Zufall hat Arizona dann auch noch etwas unter die Arme gegriffen und so wurden alle vier Overtime-Spiele gewonnen. Mit sieben Siegen in den letzten neun Spielen reichte es noch für eine ausgeglichene Saisonbilanz, aber rosig ist die Zukunft keineswegs.

Cardinals Offense

Die Offensive Line ist eine Katastrophe. Der beste Spieler, LT Levi Brown hat sich eine schwere Trizepsverletzung zugezogen und fällt mindestens drei Monate aus. In der Preseason durfte sich D.J. Young, gekommen aus der Practice Squad, als LT versuchen und wurde ganz schlimm von Tennessees Kam Wimbley vermöbelt. Anschließend “durfte” D´Anthony Batiste von der rechten auf die linke Seite wechseln und sich verprügeln lassen. RT hat dann Rookie Bobby Massie gespielt. Eigentlich sollte Massie mindestens ein Jahr lernen, bevor er spielen muß und man sieht auch ganz genau warum.

Zu allem Überfluß hat Arizona auch noch den schlechtesten O-Liner der 49ers verpflichtet, um, weil, damit: ja wasweißich, es gibt dafür keine Erklärung. Niemand sollte Adam Synder verpflichten und ihn als RG starten lassen. Daneben sehen Center Lyle Sendlein und LG Daryn Colledge aus wie Stars.

Es völlig egal, wer dahinter QB spielt. Kolb und Skelton sind nun wahrlich keine großartigen Spielmacher, aber man kann sie auch nur schwer bewerten, wenn sie ständig nach zwei Sekunden Verteidiger im Gesicht oder am Arm haben.

John Skelton ist ein dicker 2,00m-Brocken, der meistens ziemlich mutig in der Pocket steht. Wenn er nicht allzuviel Druck verspürt, trifft er viele gute Entscheidungen, hat einen starken Arm für oftmals akkurate Pässe. Ist er allerdings under pressure, änder sich das völlig und er scheint lieber in triple coverage zu werfen, als einfach ins Aus.

Kevin Kolb steht nicht so mutig in der Pocket, sondern läuft immer kreuz und quer, sobald ihm jemand zu nahe kommt und trifft dann auch dumme Entscheidungen. Hat er aber mal ein wenig Zeit und Raum, ist er gar nicht so schlecht. Er ist ein streaky shooter, er kann durchaus mal drei, vier gute Plays in Folge machen. Genauso geht es aber auch in die andere Richtung, wenn er mal richtig einen eingesteckt hat.

Man sollte aber weniger auf den QBs rumhacken, sie können nur schlecht aussehen. Wenn irgendwann die Panik kommt – oder beide verletzt sind, was zwangsweise passieren wird – kann Rookie Ryan Lindley mal ausprobieren, wie das so ist, von den athletischsten 140-Kg-Typen der Welt auseinandergenommen zu werden.

Vor allem für Larry Fitzgerald ist das sehr schade. Fitzgerald ist wahrscheinlich der beste WR der Liga, aber so genau weiß man das bei diesen Mitspielern natürlich nicht. Trotz der QB-Situation hat er es irgendwie geschafft, 1400 Yards zu erfangen. Unterstützung soll er von Early Doucet, Andre Roberts und dem 1st-rd pick Michael Floyd bekommen. Das wäre eigentlich ein ganz gutes receiving corps.

Das Laufspiel dürfte durch die dezimierte OLine auch schlechter sein als letzte Saison. Beanie Wells ist besseres Mittelmaß und der letztjährige 2nd-rd pick Ryan Williams sollte ihm ein wenig Last von den Schultern nehmen – wenn er denn richtig fit ist nach seinem Pattelarsehnenriß.

Cardinals Defense

Auf der anderen Seite des Balles ist es das genaue Gegenteil. Mit Darnell Dockett und Calais Campell hat Arizona zwei prototypische 34-DEs, die jeder Offensive Line das Leben zur Hölle machen können. Zwischen den beiden spielt der junge Riese Dan Williams einen richtig guten Nose Tackle.

Schedule

Wk1 v SEA
Wk2 @ NE
Wk3 v PHI
Wk4 v MIA
Wk5 @ StL (TNF)
Wk6 v BUF
Wk7 @ MIN
Wk8 v SF (MNF)
Wk9 @ GB
Wk10 BYE
Wk11 @ ATL
Wk12 v StL
Wk13 @ NYJ
Wk14 @ SEA
Wk15 v DET
Wk16 v CHI
Wk17 @ SF

Dahinter stehen mit Jungstar Daryl Washington sowie den Veteranen Paris Lenon und Stewart Bradley ein sehr guter und zwei gute ILBs. Mäßig ist allerdings der Pass Rush um Sam Acho, O´Brien Schofield und Clark Haggans. Gerade von den jungen, hochgedraftete Acho und und Schofield hatte man sich bis jetzt mehr erhofft. Immerhin kann man immer mal wieder ihr Talent aufblitzen sehen.

Die Secondary wird angeführt von Patrick Peterson. Peterson soll in der zweiten Saisonhälfte einen riesigen Schritt nach vorne gemacht haben und wird, je nach pundit, bereits als Top-10 bis Top-3 CB gesehen. Für die anderen Corner- und Nickelback-Spots hat Arizona auf jeden Fall Tiefe, wenn auch keine ganz große Nummer. William Gay wird erstmal die Seitenlinie gegenüber Peterson übernehmen und Rookie Jamell Fleming wohl den Slot. Mit A.J. Jefferson und Greg Toler haben die beiden aber auch ganz fähige Konkurrenz, die gerne Spielzeit sehen würde.

Die Safeties Adrian Wilson und Kerry Rhodes werden zwar von ProFootballFocus beispielsweise immer wieder madig gemacht, aber für meinen Geschmack machen sie ihre Sache ganz passabel. Für die Tiefe hat man jetzt auch noch Ex-Patriot James Sanders verpflichtet, bei dem das Attribut “solide” durchaus als Kompliment gemeint ist.

Cardinals Ausblick

Die Defense wird viele Spiel knapp halten. Die Special Teams um den erstklassigen Punt Returner Peterson wird auch das ihrige tun und für Punkte und gute Feldpositionen sorgen. Aber die Offense ist einfach zu schlecht, um ernsthaft um die Playoffs mitspielen zu können. Die Cardinals haben nicht das Niveau der 49ers und daher wird es nicht für den Divisionstitel reichen. Die Nicht-Divisionssieger aus den Kombos Falcons/Saints, Giants/Eagles/Cowboys und Packers/Lions/Bears sind auch alle eine Nummer zu groß im Wild-Card-Rennen. Der Plan für Arizona kann nur lauten: draftet Offensive Lineman! Und damit hätten sie schon angefangen haben müssen. So verschwenden sie einfach die besten Jahre Fitzgeralds und der guten Verteidigung. Schade.

Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Die heutige Sezierstunde nimmt sich das Freak-Team der Saison 2011/12 vor, die Arizona Cardinals. Bitte? Bitte!

13 von 16 (!) Spielen der Cards endeten mit einem einzigen Score Differenz. Null Siege mit mehr als acht Punkten, dafür aber auch fünf Niederlagen, die durchaus hätten Big Points einbringen können, man denke dabei nur an die haarscharfen Niederlagen gegen Washington, Seattle und Baltimore, als man sich hernach ohne Fingernägel ins Bett legte. Wie nahe die Cardinals an den Playoffs waren?

Coach Ken Whisenhunt kostete nach einer Schätzung von Brian Burke/Advanced NFL Stats mit seinen geschissen vollen Hosen seiner Mannschaft 1,27 Siege durch zu konservatives Handling in vierten Versuchen. Und es wäre nicht so, dass die Special Teams der Cardinals zu den besseren der Liga gehörten. Der Returner, Rookie Patrick Peterson, war fantastisch, aber abseits davon beförderten sie die eigene Offense und Defense jeweils in absurd schlechte Feldpositionen (Starting Field Position für beide: #30).

Die blanken Leistungen von Offense und Defense waren auch nicht so überzeugend. Der für teures Geld geholte QB Kevin Kolb enttäuschte, weswegen manche Stimmen dem Backup John Skelton aufgrund der Mehrzahl an Siegen den Vorzug geben möchten – ein Populistenargument, dem Whisenhunt kaum nachgeben wird. Kolb ist ein eher schwacher Quarterback, aber im Verhältnis zur wandelnden Interception-Maschine Skelton (5.1% INT-Quote!) immer noch ein Upgrade. Freilich muss die Offense auch ohne wirklich gute Running Backs auskommen, nachdem Ohio States Beanie Wells zwar die 1000yds-Marke knackte, aber einen Großteil des Raumgewinns in einer einzigen Partie einsahnte und als Ballfänger ein Nullfaktor ist.

Überzeugender war da schon die Defense, die einzig und allein viel zu wenige Interceptions (nur 1.7% der Bälle wurden abgefangen) produzierte, eine Statistik, die sich verbessern dürfte. Wenn deine Defense die #28 bei Interceptions ist und deine Offense die viertmeisten Pässe in des Gegners Hände wirft, und du trotzdem eine wettbewerbsfähige Mannschaft stelltest, dann verfügst du über ein gewisses Fundament.


Nach dem Ausscheiden Mannings dürfte also Kolb der Mann für die Zukunft sein. Bedeutet für den Pragmatiker Whisenhunt, dass die Offense Waffen braucht. Neben dem famosen WR Larry Fitzgerald fehlt es an hinreichend Spielermaterial. Nicht ausgeschlossen, dass man sich früh im Draft einer der Waffen wie Jeffery oder Floyd bedienen wird, nachdem man in der Free Agency eher inaktiv geblieben war.

Das alljährliche Stiefkind „Offensive Line“ dürfte dagegen recht unangetastet bleiben, nachdem der als Schwachpunkt ausgemachte OT Levi Brown jüngst weiterverpflichtet wurde. Und für Tight Ends gilt Whisenhunt nicht als der richtige Coach.


Die Defense der Cardinals ist voll von jungen Spielern und auch ästhetisch mit ihrem geradlinigen, druckvollen Spiel ein Hingucker. Das bringt an guten Tagen dominante Vorstellungen zustande, kann an schlechten aber auch noch arg nach hinten losgehen. Verbesserungspotenzial gibt es daher vermutlich in allen Mannschaftsteilen, aber insbesondere die Linebackers dürften als älteste Unit einem Generationswechsel bevorstehen. Nicht ausgeschlossen auch, dass man sich einem weiteren Deckungsspieler für die Secondary bedient.


Die Cardinals waren 2011/12 eine Mannschaft, die etwas besser abschnitt als befürchtet. Die schlimmsten Schwächen betreffen Kategorien, die sich in der Historie als schwankend herausgestellt haben (Turnovers, 3rd downs), weswegen die Mannschaft mit der einen oder anderen sinnvollen Verstärkung (WR, Pass Rusher, DB) womöglich um den Divisionstitel in der NFC West mitspielen wird können.

Arizona Cardinals in der Sezierstunde

Ken Whisenhunt Head Coach Arizona Cardinals

Ken we reclaim NFC West reign?

Jahr eins nach Kurt Warner – und was macht Head Coach Ken Whisenhunt? Er feuert den teuren Warner-Backup Matt Leinart! Arizona ging mit Unheil versprechendem QB-Trio in die Saison. Dementsprechend fatal verlief dann auch der Herbst. Am Ende nur fünf Saisonsiege für die Cardinals, zwei Jahre nach dem Superbowl-Einzug.

Ken we get it done without Matt Leinart?

Antwort: Nope. Was Whisenhunts Entscheidung nicht automatisch falsch macht. Leinart stand bei mir sowieso im Ruf, ein blasser Quarterback ohne Esprit zu sein – ganz im Gegensatz zu seinem glamourösen Lebensstil nebenher.

Was Whisentungs Entscheidung aber schlecht ausschauen lässt: Arizonas restliche Quarterbacks lieferten dann aber eher bescheidene Vorstellungen ab. Um es vorsichtig auszudrücken.

Completion Rate 50,8%, 10TDs, 19INTs, QB-Rating 60.5, nach DVOA #32 der Liga

Dafür darf man ruhig die Vokabel “entsetzlich” benutzen, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass a) Whisenhunts Offense auf Pass-Spiel basiert und Laufspiel nur als Ablenkungsmanöver einsetzt und b) mit WR Larry Fitzgerald einer der bestmöglichen Receiver im Lineup steht.

Fitzgeralds Saisonbilanz (90 Catches, 1137yds, 6 TD) darf man daher ruhig als “sensationell” einstufen, obwohl Fitzgerald von 174 Würfen in seine Richtung nur knappe 90 gefangen hat. Zu Fitzgeralds Entschuldigung: Viele Würfe waren einfach schlecht und uncatchable. Punkt.

Ken, do last year’s moves look smart?

Für Warners Abgang konnte niemand nix. Leinart hat sich als Flop erwiesen. Arizona musste noch weitere Hochkaräter ziehen lassen. Den egomanischen WR Anquan Boldin zum Beispiel. Oder Linebacker Karlos Dansby. Oder den leicht überschäzten Safety Antrel Rolle.

Whisenhunts Einkäufe haben eher gefloppt. OLB Joey Porter gilt als massive Enttäuschung, FS Kerry Rhodes wurde häufig mangelnde Einstellung vorgeworfen und der 1st round DT Dan Williams war dann auch nicht so berauschend. Die beiden Rookie-QBs Max Hall und John Skelton hatten keine Pass Protection und sind daher entschuldigt. QB Derek Anderson gilt als mittelmäßig.

Ken we get a Quarterback?

Keine Frage: Whisenhunt muss einen Quarterback holen. Anderson ist mal wieder beim Publikum unten durch, die beiden jungen Hall & Skelton werden hinter dieser Offensive Line verbrannt. Die spannende Entscheidung ist: QB via Draft oder QB via Free Agency?

Die Tendenz geht in Richtung „Free Agency“. Whisenhunt riskiert mit einer weiteren schlechten Saison seine Entlassung, von daher riecht es eher für sie „sichere“ Lösung eines erfahrenen QBs. Ich würde z.B. ganz gerne Donovan McNabb in Glendale sehen. Mobiler QB und ein Mann, der es gewohnt ist, in eindimensionalen Offenses mit maximal einem guten Receiver zu spielen. Im Schatten McNabbs könnte man Hall/Skelton heranzüchten.

Ken we upgrade this Offensive Line?

Viel Arizona habe ich heuer nicht gesehen. Aber genug, um die Offensive Line zu zerreißen und als bildliche Beschreibung für „zerbröseln“ heranzuziehen. Die Guards Lutui und Faneca haben auslaufende Verträge, Faneca wird wahrscheinlich zurücktreten. Tackle Levi Brown hatte ich stets geschätzt, zeigte sich als Left Tackle aber als gnadenlos überfordert. Whisenhunt/Grimm müssen diese Line austauschen bzw. upgraden.

Ken we fix our defensive holes?

Kritisiert wird vor allem der Pass Rush und die Secondary. Bezüglich OLBs schaut es immer mehr danach aus, als seien Joey Porters Tage gezählt. Porter war zu Steelers-Zeiten einer meiner Favoriten, gilt aber mittlerweile nur mehr als schwaches Abbild alter Zeiten. Arizona wird höchstwahrscheinlich einen OLB an der #5 draften. Vielleicht den gehypten Von Miller?

In der Secondary fehlen laut Auguren ein zweiter Cornerback und ein zweiter Safety neben Adrian Wilson. Rhodes gilt als desinteressiert, gegen den Lauf zu arbeiten. Alles in allem halte ich aber die Notwendigkeit, die Offense zu verstärken, für deutlich dringender.

Ken we win the division?

San Francisco ist mein Favorit in der NFC West. Die Division ist aber so durchwachsen, dass Arizona 2010/11 trotz aller Schlechtigkeit nur zwei Spiele Rückstand auf den ersten Platz hatte. Findet Whisenhunt einen brauchbaren Quarterback und wird die Offensive Line verstärkt, halte ich Arizona für nicht chancenlos, ein Wörtchen um diesen Divisionssieg mitzureden. So krass es klingen mag.

Die anderen Sezierstunden sind auf der NFL-Seite zu finden. Oder unter dem Tag „Sezierstunde“.