NFL-Recap, Week 1: Washington Redskins – Philadelphia Eagles

Chip Kellys NFL-Debüt endete in einem 33-27 Auswärtssieg beim direkten Divisionsrivalen Washington Redskins, ein Endstand, der sich knapper anfühlte als es das Spiel hergab. Es war aufgrund einer ansprechenden zweiten Halbzeit keine unterirdische Vorstellung der Redskins, aber insgesamt fühlte sich das Spiel über weite Strecken wie ein Blowout an, was auch der zwischenzeitliche Stand von 33-7 (Redskins-TD war nur durch einen zweifelhaften Fumble-Return TD zustande gekommen) erwarten lassen würde. Weiterlesen

NFL-Woche 1/2012: Cleveland Browns – Philadelphia Eagles im Rückspiegel

Nochmal eine Spoilerwarnung für die, die das Ergebnis immer noch nicht kennen und ganz gerne ein Spiel unwissend ob des Ausgangs anschauen. Für die anderen: Bitte. Nach dem Sprung.

Spiel mit neun Turnovers und weniger als 50% Completions Rate – und trotzdem war es unterhaltsam? Ich sage leise „ja“, denn es war eine Partie, aus der man einiges ziehen kann. Vorneweg: Philadelphia, einer meiner ganz großen Favoriten, tat sich schwer, gewann knapp 17-16 gegen den großen Außenseiter Cleveland. Rühmen braucht man sich dafür nicht.

Philadelphia Eagles

Es wird vor allem der Umstand von Michael Vicks 56 (!) Passversuchen trotz Rippenprellungen und allen möglichen Wehwehchen diskutiert. Klar ist: Vick wirkte nicht fit, nicht bei den Scrambles, und die Pässe funktionierten auch nur, solange Vick links rausrollen konnte. Klar ist auch: Die Eagle-Offense ist brutal unbeständig. Fünf Incompletions in Folge und dann folgt ein TD-„Drive“ von zwei Plays über 80yds zum Touchdown.

Das liest sich dann so: Top-WR #18 Maclin mit nur sieben Catches in 16 Anspielen, Top-WR #10 Jackson nur vier Catches in elf Anspielen. Aber wenn gefangen, dann in insgesamt elf Catches zusammen 173yds gemacht.

Bei den Sofa-QBs wurde diskutiert, warum die Eagles trotz 5.5yds/Laufversuch für RB #25 LeSean McCoy selbigen nur 20x Ball tragen ließen. Ich habe einen Ansatz: McCoy ist bei aller Explosivität und Fangstärke ein one trick pony, wenn es ums Laufen geht. Über die Mitte funzt nix, sogar trotz der Umstände, dass der Browns-DT #71 Rubin an der Line of Scrimmage schwerfälliger aufsteht als ich an manchem Samstagmorgen (really, man schaue sich Rubin mal an!).

McCoy muss über außen kommen, dann sind Big Plays vorprogrammiert. Oder Big Losses (zwei oder dreimal für -5yds getackelt). Zweites ganz großes Problem der Eagle-Laufoffense: Drei oder vier lange Läufe McCoys wurden wegen Holding zurückgepfiffen. Spricht dafür, dass Philadelphia Probleme hatte, die Löcher zu öffnen.

Die Line war auch in der Pass-Protection wenig überzeugend. Schlecht, weil Clevelands Passrush für gewöhnlich nicht zu den gefährlicheren gehört. Schlecht auch, weil Vick unter Druck immer noch – und immer wieder! – zu hirnlosen Bällen in die Secondary hinein neigt. Vick mit 29 Completions in 56 Versuchen, nicht gut, aber auch nicht unterirdisch. Vick mit vier Interceptions. Die zweite und dritte dabei waren zumindest nicht Vicks alleinige Schuld, weil beide Mal von den Receivern abgelenkt. Bitterböse war die vierte, die von LB #52 Jackson lockerst zum Touchdown returniert werden konnte.

Fazit: Die Eagles wirkten phasenweise noch wie in der Preseason. Aber ich möchte trotz der Unkonstanz und der nicht überzeugenden Offensive Line nicht gegen die Offense spielen, wenn sie mal ins Rollen gekommen ist.

Die Defense war gut, aber nicht super. Der Passrush war vorhanden, die Lauf-Defense klappte vorzüglich, wenn mindestens sieben Mann in der Box standen und im Backfield konnten #23 Rodgers-Cromartie und #42 Coleman je einmal abgefälschte Bälle abstauben und je einmal einen „Rookie-Pass“ Weedens zu insgesamt vier Interceptions abfangen.

Cleveland Browns

Können wir den positivsten Playmaker gleich abarbeiten? KR/PR #16 Josh Cribbs. 13yds pro Puntreturn, 30yds/Kickreturn. Cribbs machte immer wieder große Returns, aber es sei auch angemerkt, dass der Eagle-Punter zwar extrem weit puntete, dafür aber nicht die längste Hang-Time hatte und Cribbs immer wieder große Räume vorfand. Und weiter.

Sofort ins Auge fallen die Statistiken von Rookie-QB #3 Brandon Weeden: 12 von 35 für 118yds, 4 INT – really? Ich bin mir nicht sicher, was von Weedens Debütpartie zu halten ist. Die Probleme waren augenscheinlich: Der Druck machte Weeden nervös (nie das beste Zeichen), die wenigen versuchten tiefen Bälle waren allesamt sehr unpräzise und flogen teilweise meterweit selbst an ungedeckten Wide Receivers vorbei, und dann die vier INTs… zwei waren abgefälscht und IMHO nicht Weedens Schuld. Eine weitere war ein übermütiger Wurf rechts das Spielfeld runter in eine Zone, in der drei Eagle-Defensive Backs gegen zwei Browns-WRs standen. Die schlimmste war die vierte, jene im allerletzten Drive: Erstes Play nach Rückstand 1:06 vor Toreschluss, Weeden überwirft den WR #11 Massaqoui um zirka drei Meter, direkt in die Arme des dahinter wartenden Safetys Kurt Coleman.

Weeden war nicht gut und die Gabbert-Vergleiche dürften in den nächsten Wochen aus dem Boden sprießen, wenn das so weitergeht. Aber Weeden hatte halt auch keinerlei Unterstützung von seinen Anspielstationen.

Der zweite Top-Rookie im Angriff, RB #33 Trent Richardson, erlebte auch so einen Tag zum Vergessen: 19 Läufe für 39yds beim Debüt, plus eine kurze Reception. Richardson war nicht fit, und Richardson zeigte Kampfgeist (u.a. einem Eagle vor lauter Wucht den Helm runtergerissen). Aber hinter einer zumeist schnell übermannten Line konnte Richardson null Impulse setzen.

Viel, viel, viiiiiiel überzeugender war die Defense, die auch Clevelands einzigen Touchdown scorte (ein einfacher TD für einen erfahrenen Linebacker wie #52 Jackson, der einen schlechten Pass Vicks in die Zonendeckung hinein locker abfangen und returnieren konnte). Clevelands Defense gefällt mir vor allem in der Secondary außerordentlich gut, und sie machte Philadelphias Passspiel immer und immer wieder mit extrem vielen zu Boden geschlagenen Bällen kaputt. Besonders hervorzuheben ist CB #23 Joe Haden, der mir immer besser gefällt. Bitter für Cleveland, dass Haden nun vier Partien wegen Dopingsperre verpasst (@CIN, BUF, @BAL, @NYG).

Man muss sich das vorstellen: Die Browns-Defense war 90 (mit Strafen sogar 96) Spielzüge auf dem Feld. Bei dieser Unmasse haben Verteidigungen schon mehr als die 456yds von Sonntag aufgegeben.

Schließlich und endlich wird über Browns-Head Coach Pat Shurmur zu reden sein, der keine Eier zeigte. Shurmur nahm beim Stande von 10-6 eingangs des Schlussviertels von der gegnerischen (!) 4yds-Line das Field Goal, um den Rückstand zu verkürzen, anstatt auf die Führung zu gehen. Sicher, die Offense war schlecht drauf, aber der richtige Call ist in diesem Moment die Aggression.

Paar Sekunden später fing Jackson die INT ab, Cleveland führte nach dem Return 15-10. Shurmur nahm den P.A.T. anstelle der fälligen 2pts-Conversion. Dieser eine fehlende Punkt ging am Ende ab, um wenigstens in die Overtime zu kommen. Nüscht gut, selbst wenn wir hier von Momenten reden, wo noch 14 Minuten zu spielen waren.

Fazit: Eines der unterhaltsameren dieser Katastrophenspiele, die ich in meiner Vita gesehen habe. Beide würde ich noch nicht in Grund und Boden schreiben, aber vor allem die Eagles würde ich auf Basis des Gesehenen niemals abschreiben.

Notizblock NFL Woche 12: Patriots@Eagles, Giants@Saints

New England Patriots (7-3) @ Philadelphia Eagles (4-6) [Gamecenter][Gamebook]

Komprimierte nachträgliche Betrachtungen zum Spiel:

Julian Edelman ist jetzt ganz offiziell der Nachfolger von Troy Brown. Er startete wieder als Nickel-Corner, spielt WR in der Offense und Punt Returner. Das größte Problem für die Eagles war die Mitte der Verteidigung. Beinahe jeden Paß hat Brady zu Welker/Gronk/Branch/Hernandez geworfen, wenn sie von einem LB oder Safety verteidigt wurden. Es fehlt natürlich das individuelle Talent auf diesen Positionen, aber individuelle Schwächen kann man immer mit taktischen Mitteln ausgleichen; aus irgendeinem Grund sind die Eagles dazu nicht willens oder in der Lage, das trifft den DC Juan Castillo genauso wie HC Andy Reid (dessen Kopf von den Fans schon im Stadion gefordert wurde). CB Nnamdi Asomugha hat nicht mal jeden zweiten Snap gespielt (angeschlagen) und dann meistens im Slot gegen Gronkowski. Bei den Patriots hat mit Ryan Wendell jetzt schon der 3rd-string Center gespielt (nach Koppen ist jetzt auch Connolly verletzt) und in der zweiten Hälfte hat Nate Solder als RT Sebastian Vollmer ersetzt, der – mal wieder – viel schwächer gespielt hat als letztes Jahr. Das wird aber wahrscheinlich mit seinen Rückenproblemen zusammenhängen. Später, als das Spiel gelaufen war, hat auch Rookie Marcus Cannon (der mit dem Tumor) als RT gespielt und Solder auf links.

Auf der anderen Seite hatte Vince Young zwar am Ende irgendwie für 400 Yards gepaßt, aber trotzdem ein schlechtes Spiel gemacht. In einigen Situationen hatte WR Jackson seinen Verteidiger klar geschlagen, aber durch furchtbare Pässe wurde das nicht ausgenutzt und führte in einem Fall sogar zu einer Interception, in einem anderen zu einem FG statt TD. Die Interception hatte Antwaun Molden, der mit CB Kyle Arrington, DB Julian Edelman, S Sterling Moore und S James Ihedigbo das bildete, was bei anderen Teams die Secondary ist. Die Verteidigung der Patriots scheint unter der Woche nichts anderes zu trainieren als 3rd-Down- und Red-Zone-Defense. „Between the 20s“ könnten sie wahrscheinlich nicht mal ein Lingerie Football Team stoppen, aber irgendwie schaffen sie es immer wieder keine Punkte zuzulassen. Nur zehn Teams in der ganzen NFL haben weniger Punkte zugelassen als New England. Really. Völlig unverständlich war, daß RB McCoy nur zehn Carries bekommen hat. Angeblich kam es an der Seitenlinie dann auch zu einer Auseinandersetzung zwischen OC Marty Mornhinweg und DL-Coach Jim Washburn, der ersteren gefragt hat, ob er noch ganz dicht ist (sinngemaß), dann gabs wohl ´ne kleine Kabbelei und die beiden mußten getrennt werden.

New York Giants (6-4) @ New Orleans Saints (7-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: RB Bradshaw, WR Manningham, LT Beatty, LB Boley; RB Ivory, LB Vilma]

– erster Drive Saints: Fake-FG-Versuch; der Paß von QB Chase Daniel kommt zwar an, reicht aber nicht für ein 1st Down, weil zu viele Giants aufmerksam genug waren

– erster Drive Giants: Eli Manning führt NY recht problemlos das Feld runter, aber in der Endzone macht Backup-LB Will Herring eine großartige Interception gegen TE Jake Ballard

– die Giants-D hat mit NOs Pass Attack alle Hände voll zu tun und vergißt darüber, die RBs zu verteidigen; 2nd Drive: TD Lance Moore

– auch der zweite Giants-Drive ist lang und zeitfressend, aber bis jetzt sind nur 3 Punkte dabei rausgesprungen; beide Verteidigungsreihen finden kein Mittel gegen die starken Angriffe

– NO spielt in der ersten Hälfte fast ausschließlich (außer in Nickel-/Dime-Situationen) ihre 3-4-Base-Defense; nicht, daß man das noch nie gesehen hätte, aber komisch, weil sie in den Spielen, die ich bis jetzt gesehen habe, immer locker durchgewechselt haben zwischen 3-4 und 4-3

– Q2/2:21: im vierten Drive macht NO den zweiten TD; NY findet kein Mittel gegen Brees und RB Daren Sproles

– Q2/0:35: TD Lance Moore, dritter TD von Brees; am Ende zählen nur die Punkte auf dem Scoreboard: die Saints hatten vier gute Drives und 21 Punkte; Giants kamen mit allen fünf Drives bis in New Orleans´ Hälfte und haben nur 3 Punkte

2nd Half

– Q3/10:49: Eli spielt jetzt auch noch ohne WR Nicks (Manningham vor schon vorher raus); das macht ihm aber gar nichts und schon in der ersten Serie der zweiten Hälfte kommt NY nochmal ran auf 10-21

– die Giants-D ist völlig hilflos: die Safeties können nicht tacklen, die LBs können Pässe über die Mitte/kurz hinter die LOS nicht verteidigen und die DL kann Brees nicht unter Druck setzen; nach dem Anschlußtouchdown von NY marschiert Brees mit seiner Offense genauso problemlos wie in der ersten Hälfte übers Feld zum TD (Q2/5:48)

– direkt im Anschluß daran fumblet Backup-RB Scott bei einem 3rd&1; Coughlin challenges, but play stands; sah aber in der Wiederholung nach einer Fehlentscheidung aus, weil Scotts linker Ellenbogen down war; wie auch immer: zwei Spielzüge später stehts 35-10 – game over.