Er war der Schattenmann

Die Riege der Fußball-Helden aus der Kindheit wird immer kleiner: Paul Scholes hat heute seinen Rücktritt erklärt.

Das ist insofern eine Nachricht wert, als dass Scholes ganz bestimmt einer der komplettesten Spieler der letzten Jahre war. Und einer der unscheinbarsten. Das Scholes-Zitat aus einer uralten Four-Four-Two-Ausgabe habe ich mir aufbewahrt:

„Morgens Training, die Kinder von der Schule holen, nach Hause. Mit den Kindern spielen, Tee trinken, Kinder ins Bett bringen, Treppe runtergehen, fernsehen.“

Scholes war der rothaarige Fighter. Scholes war der Schattenmann und einer der ersten Spieler, die ich verehrt habe. 1998 zum Beispiel, bei der WM, als die Engländer zum letzten Mal eine richtig begeisternde Mannschaft gestellt haben, inklusive Scholes’ Supertor gegen die Tunesier (ja, miserable Qualität, ich weiß):

Dass Scholes nach der EURO 2004 im Nationaldress aufgehört hat, war schade und mit ein Grund, immer weniger Empathie für die Three Lions zu empfinden.

Dass Scholes drei Jahre nach einer Augenblutung, 2007/08, nicht nur United mit einem tollen Fernschuss ins CL-Finale geschossen hat, sondern dann auch noch im siegreichen Endspiel mitmachen durfte – eine Wiedergutmachung dafür, dass er das Spiel der Spiele – Barcelona 99 – verpasst hatte.

Man hat keine exklusive Meinung, wenn man Paul Scholes vermisst. Bestimmt nicht.

Künstler gegen Erneuerer

Gleich beginnt das UEFA Champions League Finale 2011. Ein launiges Interview auf Spox mit Raphael Honigstein (u.a. Guardian, Sports Illustrated) und Ronald Reng taugt als letzte Einstimmung, während draußen ringsum die Musikboxen dröhnen. Es ist Wiesenfest-Zeit in Südtirol.

Ich freue mich dagegen, nach Wochen endlich wieder einen Fußballabend verbringen zu können. Und würde es heute tatsächlich beiden vergönnen. Der FC Barcelona ist die einzige Mannschaft, die mich mit Schwalben und Schiri-Diskussionen nicht zum Kotzen, dafür nur auf die Palme, bringt. Wer so sensationell gut mit dem Ball umgehen kann und auf so engstem Raum kombinieren kann, genießt größere Narrenfreiheit.

Bei Manchester United kann man dagegen nicht genug bewundern, wie oft Sir Alex Ferguson immer und immer wieder die Erneuerung im Kader gelingt. Das ist Joe Paternoesk.

Ich glaube aber, dass Barcelona den einen Tick besser ist.

UEFA Champions League 2010/11 – Power Ranking nach den Achtelfinalhinspielen

Die Aufsplittung des Achtelfinals hat mir zuerst missfallen. Vorteil: Du siehst soviel Champions League wie nie zuvor. Eine phasenweise hochklassige Hinspielrunde im Achtelfinale. Vor allem wegen zwei Spielen: Barcenal und die Finalrevanche. Beide haben die hohen Erwartungen sogar übertroffen. Der Versuch eines Power Rankings nach der Hinspielrunde.

#1 FC Barcelona. Nach wie vor das Maß aller Dinge. Keine Offensivreihe der Welt läuft selbst auf engstem Raum so geschmiert.

#2 FC Arsenal. Im Vergleich zum Vorjahr eine Stufe nach oben geklettert, aber ganz so gut wie Barcelona sind die Gunners noch nicht. Trotz des Comeback-Sieges.

#3 Bayern München. Jo, und das ist ernst gemeint. Trotz einiger Wackler in der Defense glaube ich nicht, dass irgendjemand momentan gegen diese Bayern spielen möchte.

#4 Manchester United. Im Hinspiel wollten sie nicht. Der Preis dafür: Sie müssen das Rückspiel gewinnen.

#5 Inter Mailand. Fantastische Einzelspieler, die auch in München noch für Wirbel sorgen werden. Immer noch eine brandgefährliche Mannschaft.

#6 FC Chelsea. Steht als einzige Mannschaft sicher im Viertelfinale.

#7 Real Madrid. Gute Stürmer bestrafen diese Defensive eiskalt mit 2-3 Toren/Spiel. Plan in der Offensive: Fünf lange Bälle nach vorne schlagen und hoffen, dass einmal einer durchkommt.

#8 AC Milan. Irgendwie merke ich, dass meine Schulzeit vorbei ist. Dass Milan sich so auskontern ließ? Früher undenkbar.

#9 Tottenham Hotspur. Sie putzen Milan IN San Siro OHNE Garreth Bale?

#10 Shakhtar. Romas turbulente Zeiten eiskalt ausgenutzt.

#11 FC Valencia. Bisher war Valencia für mich ein unattraktiver Betonmischer. Jetzt plötzlich: Vorne hui, hinten pfui. Die Zeiten haben sich geändert.

#12 Olympique Lyon. Biedere Mannschaft, die mit nur einem einzigen guten Stürmer Real Madrid aus dem Bewerb geschossen hätte.

#13 Schalke 04. Zwei Feel-Good-Geschichten: Manuel Neuer. Und natürlich Raul.

#14 Olympique Marseille. Das Offensivpotenzial überzeugt mich nicht.

#15 AS Roma. Nach dem Chaos von Genua interessiert die Champions League in Rom vermutlich grad niemanden.

#16 FC Kopenhagen. Wer waren noch mal Kopenhagens Gruppengegner?