Die Linebacker im NFL-Draft 2013

Drittletzter Teil der großen Previewserie für den NFL-Draft mit den Linebackern, einer Gruppe von Leuten, die ähnlich der Defensive Line extrem vielfältige Positionen und Aufgaben zugewiesen bekommen können. Der Footballsport ist in konstantem Wandel, und aktuell geht das dahin, dass jahrzehntelang gewachsene Positionsbezeichnungen schön langsam aufgebrochen werden. Im Kern gibt es den Inside Linebacker und den Outside Linebacker. Erstere arbeiten vor allem im Gewühl, müssen das Geschehen vor sich beobachten und in erster Linie vieeeeeeele Tackles setzen. Letztere sind vermehrt zuständig für Passrush. Beide müssen technisch saubere Tackles setzen und in der Deckung zumindest Tight Ends kontrollieren können.

Inside Linebackers

Prospects 2013

Name                  Rd
Alec Ogletree         1
Kevin Minter          1-2
Manti Te’o            1-2
Jon Bostic            2-3
Kiko Alonso           2-3
Kevin Reddick         3-4
A.J. Klein            4-5
Steve Beauharnais     5-7
Nico Johnson          5-7

Mayocks Top-5

1 - Te’o
2 - Minter
3 - Ogletree
4 - Bostic
5 - Alonso

Der Wirbel um Manti Te’o und den Schwindel mit seiner Phantom-Freundin hat sich etwas gelegt und die Geschichte wirkt abgelutscht. Bei Te’o ist man mittlerweile dahin gegangen, nur noch einen ordinären Spieler zu sehen, zu langsam, zu wenig dynamisch für einen wirklich hohen Draftpick, weil er nicht mehr als die „Standard“-Downs spielen kann (also die, wo der Gegner maximal drei Anspielstationen am Platz hat). Dummerweise geht der Trend der NFL dahin, dass immer öfters vier und mehr Ballfänger am Platz stehen, weswegen die Linebacker der Güteklasse Te’o stark an Wert verlieren.

Man ist sich einig, dass Alec Ogletree ohnehin das bessere Prospect als Te’o ist: Ogletree kommt von Georgia und ist ein ehemaliger Safety und als solcher viel schneller, wendiger als ein Te’o. Für einen Ogletree gibt es in der NFL viele Einsatzgebiete, innen und außen, aber wir haben, wie bei so vielen Prospects, zwei saure Kirschen in der Suppe: Zum einen tackelt Ogletree nicht; er hittet. Mit der Schulter voran – ein klassischer Safety-Tackle. Linebackers müssen aber häufig größere, schwerere Jungs zu Boden bringen als Safetys. Und zum anderen ist die Person Ogletree nicht von allen Zweifeln befreit: Trinkt gerne einen über den Durst, steigt dann ins Auto und ist deppert genug um sich auch noch von der Polizei anhalten zu lassen.

Wer es etwas ruhiger haben will und einen intelligenteren Spieler haben will, greift eher zu Kevin Minter (von Louisiana State): Der ist etwas langsamer, aber erfahrener als Ogletree. Noch langsamer, um nicht zu sagen: zu langsam, ist Chase Thomas von Stanford, wie alle Athleten von dort ein Brocken mit zwei Meter Armdurchmesser. Thomas ist nicht antrittsschnell genug und gilt nur noch als Option für die späten Runden.

Ein faszinierendes Multitalent ist Arthur Brown von der Kansas State University: Rocker, Schauspieler, Footballer. Brown musste sich Fragen gefallen lassen ob seiner Heimweh-Plärrerei (kam aus Kansas, ging nach Miami, fühlte sich dort allein, ging wieder zurück nach Kansas), tourt aber im Gegenzug mit seiner Band durch die Welt und steht in Hollywood vor der Kamera. Arthur Brown gilt als klassischer „Weakside Linebacker“: Mag es nicht, in jedem Spielzug geblockt zu werden, aber die WLBs haben oft freie Bahn, müssen nur wendig genug sein um viele, viele Tackles zu setzen und mit Freelancing die eine oder andere Interception zu fangen.

Outside Linebackers

Prospects 2013

Name                  Rd
Dion Jordan           1
Barkevious Mingo      1
Jarvis Jones          1
Arthur Brown          1-2
Khaseem Greene        2
Jamie Collins         2-3
John Simon            3
Cornelius Washington  3
Sio Moore             4-5
Gerald Hodges         4-5
Michael Buchanon      4-5

Mayocks Top-5

4-3 OLB

1 - Jones
2 - Brown
3 - Moore
4 - Greene
5 - Simon

3-4 OLB

1 - Jordan
2 - Mingo
3 - Collins
4 - Buchanon
5 - Lemonier

Die Musik spielt um drei Jungs. Der allerbeste im College Football war Jarvis Jones, OLB der Georgia Bulldogs und an guten Tagen mit seinem Antritt ein absolut dominanter Spieler. Es gibt allerdings Fragen, inwiefern der etwas klein gewachsene Jones sich in der NFL behaupten kann: Die Offense Tackles sind heute auch schon wendig genug und kräftig sind sie alle, und Jones hatte seine besten Tage, wenn er relativ frei Bahn zum Quarterback hatte. Dann ist er unaufhaltsam, aber das sind dann viele andere Spieler auch. Was man an Jones mögen muss, ist seine Vielseitigkeit und seine stete Einsatzbereitschaft. Was abschreckt, ist sein angeborener Wirbelsäulenfehlwuchs („Spinale Stenose“).

Weniger ausgereift, dafür aufgrund des Körperbaus (beide über 1,93m) möglicherweise bessere Prospects für die NFL sind die beiden anderen Jungs: Dion Jordan von der University of Oregon und Barkevious Mingo von LSU.

Es mag Ironie der Geschichte sein, dass mit Jordan ausgerechnet ein Abwehrspieler der höchst gedraftete Oregon Duck der Ära Chip Kelly sein könnte. Jordan ist ein Schlaks, war ursprünglich als Tight End gedacht, bewegte sich wie ein Wide Receiver – und wurde von Kelly als OLB in die 3-4 Verteidigung gestellt. Während man im ersten Moment sofort an „Passrusher“ denken möchte, galt Jordan in erster Linie stets als Deckungsspieler, der sich im freien Raum sicher zu bewegen weiß. Gen Quarterback geschickt wurde er vergleichsweise selten, soll dabei aber starke Eindrücke hinterlassen haben. Jordan gilt als sicherer Top-10 Pick, und gar einige sehen in an #2 nach Jacksonville oder an #4 nach Philadelphia gehen.

Barkevious Mingo, genannt Keke, ist etwas kleiner, schmächtiger als Jordan, dafür schneller aber nicht so flexibel. Mingo ist eigentlich ein richtiger Defensive End, der aber für die NFL zu schmächtig sein könnte. Deswegen möchte man ihn umlernen auf 3-4 OLB, wo er zunächst Bruce-Irvin-like eingeschult wird, als Spieler in klaren Passsituationen auf den Quarterback geschickt wird. Mingo wird so schnell kein „Spieler für alle drei Downs“ sein, wie man so schön sagt. Sehr positiv klingt immer wieder durch, welch bodenständiger Kollege er denn sei, demütig, lernbegierig, ganz anders als so viele seiner Teamkollegen bei LSU, wo die eine Hälfte teilzeitlich im Knast ist, die andere sich in den Nachtclubs entweder die Birne zudröhnt oder sich wahlweise gegenseitig einschlägt.

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Recap – Combine 2013 am Samstag

Die freiwillige Pressekonferenz des Manti Te’o brachte prinzipiell drei nennenswerte Erkenntnisse:

  • 20 Teams haben sich zu einem 15minütigen Interview mit Te’ angemeldet.
  • Te’o wird keine rechtlichen Schritte gegen den Kreator der Lennay-Kekua-Gestalt, Ronaiah Tuiasasopo, anstrengen.
  • Te’o war gut vorbereitet, wirkte halbwegs locker und schien erleichtert zu sein, die PK vor einer gewaltigen Medienmeute hinter sich gebracht zu haben.

Auch wenn die Kekua-Sache so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden wird, kann man doch davon ausgehen, dass Te’o – sofern nicht noch weitere unangenehme Details ans Tageslicht kommen – irgendwann in der zweiten Hälfte der ersten Runde gedraftet werden wird. Und bis Herbst wird größtenteils Gras über die Sache gewachsen sein.

Die Hosen voll

Was ich noch nicht wusste: Für Offensive Linemen gibt es wenig bessere Dinge als einen fetten Arsch. Zumindest erwähnte Mike Mayock in der von mir beiläufig verfolgten Combine-Übertragung gestern minimum fünfmal die Wichtigkeit von knackigen Hintern („he needs sand in his pants“ usw.), und als der mögliche Top-Guard Jon Cooper einen Drill zur Beinarbeit abwickelte und die Kamera voll von hinten draufhielt, bekam sich Mayock gar nicht mehr ein: Do you see this big butt? He’s able to drop that big butt down. That’s pretty good, man. That’s really good. Look at that: That’s sooo smooth. Zirka dreißig Prozent des Bildausschnitts wurden von Coopers Dreiviertelhose ausgefüllt.

Erklärung: Ein gut gefüllter Wackelarsch wird assoziiert mit einem niedrigen Körperschwerpunkt und ergo besserer Wirkung der Kräfte beim Schieben und Ziehen in den Schützengräben um die Anspiellinie.

Offensive Line

Viel wurde über die geforderte Vielseitigkeit in der heutigen NFL gesprochen: Offense Liner müssen nicht mehr bloß die alte I-Formation blocken können, sondern zig Lauf-Formationen. Da reicht es nicht, wenn ein Spieler nur in einer „Power“- oder „Zoneblock“-Offense spielen kann.

Viel wurde über das Alabama-Trio gefaselt: C Barrett Jones punktete vor allem mit Redegewandtheit vor den Journalisten und hat das Label „Team-Leader“ aufgesetzt bekommen. OT D.J. Fluker fiel durch 6kg Gewichtsverlust seit dem Jänner auf und wirkte bei den Drills für meine (ungeschulten) Augen sehr schwach. Guard Chance Warmack hatte eine schlechte Sprintzeit (handgestoppte 5.53sek), die aber nicht ins Gewicht fallen sollte, weil die Tapes für Warmack sprechen.

OG „big butt“ Jon Cooper soll ein Supertalent für eine “Zone”-Blockoffense á la Houston oder Washington sein, gilt spätestens seit gestern als Top-15 Pick und möglicher Favorit sogar gegenüber Warmack. Cooper zudem mit viel Kraft: 35x die 115kg gestemmt.

Bei den Tackles war OT Luke Joeckel, von vielen zum Top-Pick gehypt, nicht schlecht, aber er soll nicht beweglich genug sein, um pfeilschnelle Passrusher durch die Innenseite zu verhindern. Mayock gab zu bedenken, dass am College der mobile QB Johnny Manziel diese Schwächen Joeckels kaschiert habe. Als unisono stark wurde der Auftritt von OT Eric Fisher eingeordnet, der schon als dark horse für den Top-Pick gilt.

Ansonsten fielen die Tackles vor allem durch unglaubliche Beweglichkeit auf, die man so in der Häufigkeit noch selten gesehen hat. Oklahomas Lane Johnson sprintete 4.72sek und sah in seinen Bewegungen nun wirklich nicht wie ein klassischer O-Liner alter Tradition aus. Unglaubliche Leichtfüßigkeit. Mayock: Johnsons Tape wurde über die Saison immer besser, überzeugender. Sicherer 1st round pick.

Noch krasser war der mir bis heute völlig unbekannte OT Terron Armstead aus der FCS (Arkansas-Pine Bluff) mit sensationellen 4.71sek über 40yds. Armstead soll schon bei den Allstarspielen im Jänner glänzende Eindrücke hinterlassen haben. Ein vor allem von Mayock extrem intensiv diskutierter Mann war der bärtige Glatzkopf Kyle Long von Oregon. Soll auch irgendwo in Erstrundennähe rumschwirren.

Zwischenfazit lt. Mayock: Mindestens 8 Offense Liner sind sichere Erstrundenpicks. Warmack/Cooper werden beide in den Top-15 gehen, also ungewöhnlich hoch für Guards. Warmack hat Außenseiterchancen auf den Top-Pick. Bei den Tackles könnten Joeckel oder Fisher an #1 gehen.

Tight Ends

Tyler Eifert/Notre Dame mit einer quicken Sprintzeit. Zach Ertz etwas langsamer als erwartet, aber ansonsten as advertised. Man lernte nix Neues über die Tight Ends, höchstens, dass der Außenseiter Gavin Escobar alles mit der Mütze fängt, was bei drei nicht auffm Baum ist.

Zwischenfazit Mayock: Eifert = 1st round. Ertz, Escobar jeweils 1st/2nd round, wobei Ertz auf alle Fälle besser ist als Escobar.

Te’o spricht

[21h13] Daniel Jeremiah (NFL.com-Scout/ex-NFL-Scout): Te’o ist ein grundsolider Spieler; kein Riesentalent oder Superstar wie Willis oder Mayo, sondern grundsolides Material für Ende erste Runde, Anfang zweite Runde.

[21h00] Es war übrigens keine Pflicht-Pressekonferenz für Te’o. Ich tippe, mit dem gar nicht üblen Auftritt hat sich Te’o in der Öffentlichkeit einen eher guten Dienst getan.

[20h51] Größtenteils war es ein „geskriptetes“ Frage-Antwort-Spielchen. Wenig wirklich neues, aber ich nehme ein bissl das Gefühl mit, das auch Mayock angesprochen hat: Ein Team wird Te’o draften, es rinnt ein Haufen Wasser die Etsch runter und beim ersten 3rd-down-Stopp im September ist diese Geschichte für die Fans fast nur mehr eine Randnotiz.

— Hinweis: Im Folgenden Auszüge aus Te’os Statements. Sind keine Transkripte, sondern nur schnell sinngemäß mitgeschriebene Zitate —

[20h43] Zeit nach dem Deadspin-Artikel – es war tough, am schlimmsten als ich von meiner Schwester einen Anruf bekam, dass da auf dem Parkplatz Leute rumhingen. Warum tut man das? Die Leute sollen verstehen, dass wir auch Menschen sind. Jeder macht Fehler. Ich habe gelernt, die Leute zu schätzen, die einem wirklich nahe sind [yadda yadda]… vielleicht waren bei ND zuletzt zu viele Leute in unserer Nähe, weil wir so erfolgreich waren [Anm. hoffe, das habe ich richtig verstande – korsakoff]. Ich hatte Scheiße gebaut, konnte meiner Family nicht mehr helfen – das tat mir am meisten weh.

[20h40] Te’o auf der PK:

Te'o - Bild: NFL-Network.

Te’o – Bild: NFL-Network.

[20h38] Ray Lewis/Ravens – Baltimore wäre sicher ein genialer Ort, die Karriere zu beginnen. Als Nachfolger von Ray Lewis, dem Vorbild für alle Linebacker! Ich glaube, ich kann auch solche Energie, Passion für das Spiel mitbringen; ich hasse zu verlieren fast noch mehr als ich liebe zu gewinnen. Ich gebe immer alles, damit wir gewinnen. Es wäre eine Ehre, in die großen Fußstapfen von Ray Lewis zu treten.

[20h35] Ausblick Draft – ich habe schon mit den Texans und Packers gesprochen. Auf meinem Plan stehen dieses Wochenende noch weitere 18 Teams, ich weiß noch nicht genau, welche. Ich nehme die Interviews als Chance wahr, den wahren Manti zu zeigen. Ich verstehe, dass die Teams Spieler wollen, denen sie vertrauen können. Alle mit denen ich gesprochen habe, haben mich zu dem Hoax-Vorfall befragt. Sie wollen die Wahrheit. Ich habe aber noch keine Rückmeldung aus der NFL bekommen, wie das meinen Status vor dem Draft beeinflussen wird.

[20h34] Aufmerksamkeit und Zeit nach dem Hoax – ich war schon überrascht, wie krass die Geschichte landesweit aufgenommen und rezipiert wurde. Man sieht es auch hier im Saal: So viele Menschen, so viele Kameras. Crazy! Aber es war definitiv enttäuschend, beschämend. Vor allem für meine Familie, deren Name in den Dreck gezogen wurde, das tat weh. Wenn du durch die Einkaufsstraßen läufst und die Leute drehen sich um und starren sich an: Keine angenehme Sache.

[20h30] Leadership – ich habe gelernt, die Dinge, die ich kontrollieren kann, von denen zu unterscheiden, die ich nicht kontrollieren kann. Wohin ich auch immer gedraftet werde, ich werde alles geben um zu gewinnen. Alles andere habe ich nicht unter Kontrolle.

[20h27] Te’o wirkt nicht komplett gelöst, seine Bewegungen sind etwas nervös, aber die Journaille lässt ihn auch kaum aussprechen, ehe die nächste Zwischenfrage kommt. Te’o versucht, zwischendurch immer mal wieder zu lächeln.

[20h25] Hoax und BCS-Finale – es hat mein spiel nicht beeinflusst. Wir haben gegen ein super Team von Alabama gespielt, und wir waren schlecht, ich war schlecht. Wir spielten mit vollem Einsatz, aber es hat nicht gereicht. Hoax war keine Ablenkung für mich.

[20h23] Thema Hoax und Combine – natürlich ist es ein Thema, ich wusste das, aber ich versuche mich hier auf die sportlichen Dinge zu konzentrieren [yadda yadda]… klar hatte ich mir ein anderes Ende der Geschichte erhofft, aber die Dinge sind so verlaufen wie sie gelaufen sind. Ich war 21, 22 Jahre alt, es war eine chaotische Zeit. Ich habe es hinter mir gelassen. Hätte ich es nicht, wäre ich nicht zur Combine erschienen.

[20h20] So viel war selbst bei Tebow vor drei Jahren nicht los im Saal.

[20h15] Die Auslastung im Saal lässt keine Wünsche offen:

Vor der Pressekonferenz - Bild: NFL-Network

Vor der Pressekonferenz – Bild: NFL-Network

[20h12] Mayock: Die PK hat nur für Fans richtigen Wert. Für die Teams wird es wichtiger sein, Te’o in die Augen zu schauen, ihn anzufassen, ein Feeling zu entwickeln von seinem Charakter und dem Umfeld, in dem er sich bewegt.

[20h06] Laut Gil Brandt wird Manti Te’o gegen 20h15 zur Pressekonferenz erscheinen. Das NFL Network will live drauf gehen.

Die Front Seven vor der NFL-Combine 2013

Sideline

(Auswahl)

Inside Linebacker

Name             Rd
Alec Ogletree    1
Manti Te’o       1-2
Kevin Minter     1-2
Jonathan Bostic  2-4
Kevin Riddick    4
A.J. Klein       5

Outside Linebacker

Name             Rd
Jarvis Jones     1
Arthur Brown     1-2
Khaseem Greene   2
Kiko Alonso      3
Sean Porter      3-4
Chase Thomas     4-5
Michael Mauti    5

Heute ist der Tag, an dem die Defensive Front-Seven in die Combine 2013 einsteigt. Es ist die Gruppe, die neben den Quarterbacks das meiste Boohay entflammt, und das liegt vornehmlich an dem einen Mann: Manti Te’o, Linebacker von Notre Dame und sorgender Lebensabschnittsgefährte. Te’o war schon seit Jahren so was wie der Ray Lewis des College Football gewesen (minus Mordanschuldigungen): Ein Captain, dessen Euphorie und Führungsqualitäten die Mitspieler hellauf in Begeisterung versetzen können. Diese Saison war Te’o Heisman-Trophy Kandidat. Zum einen, weil Notre Dame von knappem Sieg zu knappem Sieg eilte und ungeschlagen durch die Saison kam. Zum anderen wegen der persönlichen Note bei Te’o, dessen Oma und Freundin im September innerhalb von 24h (oder wahlweise auch innerhalb bis zu einer Woche) verstorben waren – sensationell für die Produktivität von Tränendrüsen.

Krux: Die Freundin war erfunden. Ich verweise diesbezüglich noch einmal auf den wirklich fantastischen Recherche-Artikel vom Klatschblog Deadspin: Manti Te’o’s Dead Girlfriend, The Most Heartbreaking And Inspirational Story Of The College Football Season, Is A Hoax. Die Umstände sind immer noch nicht ganz geklärt. Te’o gab mittlerweile zu Protokoll, anfangs wirklich der Geleimte gewesen zu sein, musste aber gestehen, nach dem Auffliegen die Story noch wochenlang mitgespielt zu haben, weil… weil… äh, ja, Publicity? Als „Hauptschuldigen“ hat man mittlerweile einen von Te’os Freunden aus der Schulzeit ausgemacht, der wohl etwas mehr als platonische Gefühle für Te’o fühlte und diese mit diesem Schwindel verarbeiten wollte. Auf alle Fälle dürften die Interviews, die Manti Te’o an diesem Wochenende mit den NFL-Abordnungen führen muss (oder darf?) mit das Spannendste an dieser Combine. Weil Te’o auch sportlich nicht über den allerletzten Zweifel erhaben ist und die Inside-Linebacker-Position nicht mehr die gefragteste der NFL ist, wird diese Combine für Te’os Kandidatur für einen Erstrundenpick ein ganz wichtiger Meilenstein.

In der Sideline führe ich heute nur eine Auswahl an Geladenen, weil es sonst den Rahmen sprengen würde. Neben Te’o sind die beiden aussichtsreichsten Middle Linebackers die beiden SEC-Kaliber Alec Ogletree (Georgia) und Kev Minter (LSU), beide Juniors. Am College war Ogletree, wenn er denn mal nicht gesperrt war, der deutlich auffälligere: Groß gewachsen, extrem explosiv, aber technisch noch ungeschliffen. Ogletree geht als gelernter Safety gerne mit der Schulter voraus zum Mann (hitten statt tackeln) und könnte deswegen tiefer fallen als gedacht. Einen Bärendienst erwies sich Ogletree just letzte Woche, als er besoffen am Steuer erwischt wurde. Minter galt in der LSU-Defense als Leader und für einen Linebacker extrem agil, gilt aber als etwas klein gewachsen.

Bei den in der Combine als Linebackers gelisteten Kandidaten für die Outside Linebackers gilt Georgias Jarvis Jones als unbestritten potenteste Waffe. Wer Jones auf der Höhe seiner Schaffenskraft sehen will, sollte die Bulldogs-Spiele gegen Florida und gegen Alabama (ja, das SEC-Finale) aus der abgelaufenen Saison anschauen. Der Knackpunkt bei Jones wird die Gesundheit sein: Ihm wurde vor Jahren eine leichte Wirbelsäulenverengung (für die Mediziner unter den Lesern: „Spinale Stenose“) diagnostiziert.

Defensive Line

Sideline

Defensive Tackle

Name                Rd
Star Lotulelei      1
Sh. Richardson      1
John Jenkins        1
John Hankins        1
Jesse Williams      1-2
Sylvester Williams  1-2
Shariff Floyd       1-2
Kawann Short        2
Bennie Logan        2-3
Akeem Spence        2-3
Everett Dawkins     3-4

Defensive Ends

Name                Rd
Björn Werner        1
Damontre Moore      1
Barkevious Mingo    1
Sam Montgomery      1
Ezekiel Ansah       1-2
Dion Jordan         1-2
Alex Okafor         1-2
Cornelius Carradine 2
Datone Jones        2
Margus Hunt         2-3
Malliciah Goodman   3
William Gholston    3-5
Brandon Jenkins     4-7

Allgemeiner Tenor: Die vielleicht am besten besetzte Position in dieser Draftklasse. Zwischen sieben und neun potenzielle 1st Rounder, und jede Menge Tiefe dahinter. Als „Star“ gilt Star Lotulelei (kein Scherz) von der University of Utah, ein Mann, über den ich im Sommer schrieb:

Der wahren Grund für das Stimmungshoch ist aber die Defense, die sensationell druckvoll in der Front-7 spielt und auf einen der ganz großen Stars des NFL-Drafts 2013 bauen kann: DT Starlite „Star“ Lotulelei, dem kein OffCoord weniger als zwei Guards aufhalst und der nur wegen zu schlechter Noten andernorts überhaupt bei Utah untergekommen ist.

Hinter dem runden Paket Lotulelei gibt es einen Mr. X: Eigentlich noch talentiert, kräftiger, monströser. Aber mehr mit der Freak-Aura, nur eine einzige wirklich gute Saison an der Uni gespielt zu haben. Die Rede ist von Mizzous Sheldon Richardson, der im Sommer Flacco-like („I’m elite!“) von sich reden machte, dann aber auf die Spötter – wie Flacco – mit ordentlichen Leistungen antwortete.

Bekannt ist mir auch der australische Nose Tackle Jesse Williams, ein Tier von Mann: Untersetzt gebaut, aber ein Kandidat für die 45 bench presses und für Seymours Nachfolge: Williams fungierte häufig als „Lead-Vorblocker“ im Laufspiel. Bisschen bedenklich dürfte sein, dass sogar die SEC-Marktschreier Lundqvist/Danielson bei CBS hin und wieder Williams’ mangelndes Feintuning beim Tackeln kritisierten.

Vielleicht noch mehr Hype kriegt NT John Jenkins von Georgia, der eh schon renommiert noch ein fantastisches Bewerbungsschreiben im SEC-Finale gegen Georgia ablieferte: Fettsack mit 350 Pfund und zumindest körperlich das, was Coaches für die 3-4 Defense suchen.

Sharrif Floyd von der University of Florida war mir ehrlich kein geläufiger Name, aber Mayock sieht in Floyd aktuell den #1-DT. Floyd scheint exzellente Berater zu haben, gilt als aufsteigender Stern allerorts, ohne dass wirklich jemand Substanzielles zu diesem Prospect beitragen könnte… fast. Roman John von Der andere Footballblog hat sich Floyd angeschaut:

Zu Beginn gab es einige Plays, in denen er gute Penetration zeigte. Ich dachte schon, dass ich jetzt sehen würde, warum er so hoch gehandelt wird. Und dann wird er bei einem Rollout von Manziel von einem Tight End (!) komplett aus dem Spiel geblockt! Er wird von einem Tight End überpowert! Als Defensive Tackle! Kann nicht, sollte nicht, darf nicht passieren.

Viel „Star-Power“ auch bei den Defensive Ends. Der Mann mit den besten Kritiken ist bisher tatsächlich der deutsche Defensive End von Florida State, Björn Werner, dem man zutraut, spätestens an der fünften Stelle schon vom Tablett zu sein. Zu Werner haben wir dank Flo Zielbauer schon unseren eigenen Scouting-Report:

Manche sehen in Damontre Moore von den Texas A&M Aggies eine „Gefahr“ für Werners Status als Erstgedrafteten auf seiner Position, aber die Meinungen bisher gehen bei Moore deutlich weiter auseinander als bei Werner. Matt Waldman hat beide (auch anhand von vielen verlinkten Tapes) miteinander verglichen und kommt zum Schluss: Werner ist 1st rounder, Moore eher 2nd/3rd Rounder.

Eine völlige Unbekannte ist Ezekiel Ansah von der Brigham Young University. Über Ansah schrieb ich in der BYU-Saisonvorschau im August:

Man hofft, dass das durch einen völlig überraschenden Neuzugang geändert werden kann: Der Ghanaer Ziggy Ansah kann noch nichtmal gscheid Englisch sprechen, wechselte im April aber von der Tartanbahn hinüber auf das Footballfeld und spielte ohne bis dahin jemals Football-Erfahrung gesammelt zu haben gleich mal alles in Grund und Boden – keep an eye on. Pass-Rush ist, damit wir uns richtig verstehen, lebenswichtig für die Cougars, da ohne im Defensive Backfield das blanke Chaos ausbricht.

Ansah deutete wohl hinreichend Potenzial an, dass die Vergleiche mit Pierre-Paul von den Giants nur so aus dem Boden sprießen. Pierre-Paul war auch als solches one trick pony vom College gekommen und war innerhalb von zwei Jahren der wichtigste Passrusher eines Superbowl-Champs. So unsauber wie Ansah spielt, wundern mich die Vergleiche. Immerhin: Alles andere als rekordnahe Combine-Werte bei Ansah wären eine Überraschung.

Passrush im Doppelpack bieten die LSU Tigers in Sam Montgomery und Barkevious „Keke“ Mingo auf. Zwei Teamkollegen Björn Werners von der FSU sind auch im Mix: Cornellius Carradine und Brandon Jenkins, wobei letzterer bis zu seiner schweren Verletzung als noch größeres Talent als Werner gegolten hatte.

Werner ist übrigens nicht der einzige europäische Defensive End: Margus Hunt von Southern Methodist gilt als Kraftpaket mit Chancen auf die 2te oder 3te Runde. Ich habe Hunt in der Hawaii Bowl gesehen, und es war ein gigantisches Statement: Der Mann spielte „seinen“ Offensive Tackle in Grund und Boden und ist Hauptgrund für das kolossales Upset dort gewesen; dieser Tackle war allerdings auch ein unerfahrener Freshman. Potenzial scheint bei Hunt trotzdem zuhauf da zu sein.

Allein: Mayock hält die Defensive Ends für durch die Bank überschätzt und präferiert die Defensive Tackles, die wirklich großartig besetzt seien.

N/A

Ich weiß leider nicht, woher ich die Zeit nehmen soll, daher beschränke ich mich auf drei Verlinkungen im schlichtweg bizarren Fall des Notre-Dame-Linebackers Manti Te’o, dessen emotional monatelang so gepushte Story mit seiner gestorbenen Freundin sich als gigantischer Schwindel herausstellte. Zwei Todesfälle innerhalb von Stunden von engsten Familienmitgliedern sind prinzipiell sehr krass; ich hatte die Sache aber unter Wyatt Earp Effect eingeordnet. Zur Sache selbst. Deadspin.com hat Recherche-Arbeit vom Feinsten geleistet und am 16.1. 22h MEZ pünktlich zum Einschlummern einen der besten Artikel der letzten Jahre gebracht: Manti Te’o’s Dead Girlfriend, The Most Heartbreaking And Inspirational Story Of The College Football Season, Is A Hoax.

Weitere Gedanken und Links zum Thema hat dogfood bei Allesaussersport auffn Schirm gebracht.

Ein paar Storystreams am heutigen Tag dazu: Notre Dame ist seit 26.12. informiert und hatte die Informationen per Privatermittlungen schon am 4.1. raus. Aus dem Mannschaftskreis dringen nun (noch anonyme) Stimmen durch, die Te’o gutes Schauspieltalent und Ausschlachten der „emotionalen“ Lennay-Kekua-Story vorwerfen. Ein Fullback der Arizona Cardinals will die imaginäre Freundin schon gekannt haben, bevor Te’o mit ihr zusammen war. Diverse polynesische Spielerkollegen distanzieren sich schonmal sachte von der Geschichte. Bei Twitter wird bereits hinter vorgehaltener Hand über noch privatere Dinge bei Te’o spekuliert. Ein angedachtes Interview Te’os mit ESPN wird wohl aufgrund des berüchtigten, weil extrem aggressiven Journalisten Jeremy Schaab verschoben oder abgesagt. Die Story ist momentan so heiß, dass sie selbst in den großen Medien der Armstrong-Beichte Konkurrenz macht bzw. sie sogar in den Schatten stellt. Wie heftig muss der Druck auf Te’o sein? Bei Deadspin wird unter diesem Tag weiter gestrickt.

Te’o war einer der exponiertesten Spieler im College Football. Er gilt (galt?) als Erstrundendraftpick. Die Interviews im Zuge der NFL-Combine Ende Februar gewinnen damit an Thrill.

BCS National Championship 2013 Preview: #1 Notre Dame Fighting Irish – #2 Alabama Crimson Tide

Update 16.1. 23h45: Ich lese gerade bei Deadspin, dass unten angesproche Te’o-Geschichte mit der toten Freundin wohl ein Schwindel ist. /Update Ende


Audio-Preview

Dieter Hoch/Huddle

Nicht bloß ein paar Kilos, sondern Zentner wiegen die mit Tradition gefüllten Rucksäcke, wenn heute Nacht, 02h30 MEZ LIVE bei ESPN America, in Miami/FL das BCS-Championship Game 2013 angepfiffen wird. Und das aus Gründen, denn die Ansetzung #1 Notre Dame Fighting Irish (12-0) gegen #2 Alabama Crimson Tide (12-1) steht Synonym für gemeinsam 247 Jahre Footballgeschichte, zirka 2400 Spiele, fast 1700 Siege, roundabout 25 National-Championships und acht Heisman Trophy Sieger.

Es handelt sich um zwei Programme, deren Anhängerschaft zu den größten landesweit gehört, die aber auch spalten wie wenige andere. Bei Notre Dame ist der Lärm hausgemacht: Die Uni zelebriert sich als eine der größten, wichtigsten Katholikenuniversitäten und lieferte auf dem Footballfeld nicht nur weltweit bekannte Rituale („Touchdown Jesus“) ab, sondern auch viele Spiele für die Ewigkeit. Dieses Programm ist von einer Aura umgeben, das es im College Football kein zweites Mal gibt, vergleichbar vielleicht mit den All Blacks im Rugby oder dem FC Barcelona im Fußball.

Alabama gehört im Gegensatz dazu zu den Unis, die es mit der Qualität der Lehrstühle nicht so genau nimmt (und wegen der immer knapper werdenden staatlichen Zuschüsse auch nicht kann), „punktet“ aber mit seinem grimmigen Head Coach Nick Saban, der so viel Charme versprüht wie ein feuchtes Toastbrot, und seiner Zugehörigkeit zur Southeastern Conference (SEC), jener Conference, die seit sechs Jahren alle BCS-Titel abstaubt und deren Überlegenheit vielen Fans des College Football mittlerweile ein Dorn im Auge ist. Im eher ruralen Bible Belt sind die Crimson Tide aber sowas wie das heimliche Ersatz-Profiteam, das es dort nie geben wird.

Kurzum: In einer Zeit, in der das Ende der BCS (Bowl Championship Series) ausgemachte Sache ist und in Bälde (ab 2014/15) erstmals in der Geschichte der Div-I FBS ein kleines Meisterschaftsplayoff installiert wird, und in einer Zeit, in der zahlreiche historisch gewachsene Rivalitäten dem Conference-Realignment Wahn zum Opfer fallen, wirkt Notre Dame – Alabama wie ein Relikt aus einer längst überholten Vergangenheit, ein letztes Zucken des Zaubers der Vergangenheit.

Was bieten die Jungs spielerisch auf?

Das lässt sich auch an den Spielstilen der beiden Mannschaften ablesen: Bei beiden dominiert in der Offense Fehlerminimierung mittels Laufspiel und bloß nix den Instinkten der Spieler überlassen, den Rest soll eine furztrockene Defense erledigen. Was bei Saban seit Äonen gang und gebe ist, dürfte seinem Gegenüber, dem No-Huddle-Offense Guru Brian Kelly (nicht verwandt mit Chip), den Ekelherpes herauftreiben, aber Kelly scheint pragmatisch genug zu sein, um seine Ideale des Erfolgs willen aufzugeben.

Season-Preview

Alabama.
Notre Dame.

Und so ist Notre Dames Superstar nicht wie seit zirka 100 Jahren üblich ein Quarterback, sondern der ILB #5 Manti Te’o, ein Mann hawaiianischer Abstammung, der neben seiner einschüchternden Präsenz auf dem Feld als guter Führungsspieler und aufgrund seiner jüngsten Lebensgeschichte (Oma und Freundin diese Saison innerhalb von 24h gestorben) auch als Quelle der Inspiration gilt.

Te’o führt die Front-Seven an, obwohl er eine merkwürdige Rolle spielt: Notre Dame versucht prinzipiell, nur mit vier Passrushern zu arbeiten (plus manchmal OLB Tuitt) und vor allem mit dem NT Louis Nix, Te’o weitestgehend abzuschirmen; Te’o arbeitet fast mehr wie eine Art dritter Safety, fängt deshalb auch viel mehr INT (7) ab als er Sacks (1.5) produziert.

Gegen Alabama und deren aggressives Laufspiel wird Te’o aber weiter „vorne“ und weniger geschützt von der Line operieren müssen, denn das Matchup des Tages soll Alabamas NFL-reife Offensive Line gegen eben jene Front-Seven sein. Dazu ist RB #42 Lacy kein spektakulärer, aber ein zufriedenstellender Mann („graue Maus“ wäre übertrieben). Die Sprints und Big Plays legt der Freshman #4 T.J. Yeldon hin. QB #10 A.J. McCarron, zuletzt zweimal der Hero gegen die bärenstarke LSU-Defense, muss da nur noch die Bolzen vermeiden und die Dinger halbwegs unfallfrei an den Mann bringen (von WR #9 Amauri Cooper schwärmen aber mittlerweile auch schon die NFL-Scouts, obwohl der Junge Freshman ist).

Fraglich ist, was Notre Dames Offense aufstecken wird: Brian Kelly galt bei seiner Anheuerung als Mastermind einer blitzschnellen No-Huddle-Offense, weswegen einst sogar TV-Verträge mit dem Partner NBC angepasst werden mussten (!), Stichwort „Länge der Übertragungen und Werbepausen“. Nach drei Jahren Kelly in South Bend ist allerdings nix von No-Huddle zu spüren.

Es gibt aber Hoffnung: Alabamas gefürchtete Defense ist zwar schnell, zeigte sich bei näherem Hinsehen allerdings als verwundbarer als man es annehmen würde, und war vor allem gegen mobile Quarterbacks ein Wackelkandidat. Notre Dame hat einen Scramble-QB, den Grünschnabel #5 Everett Golson, der nicht immer überzeugend aussieht, sich aber bisher noch vergleichsweise gut durchlavierte.

Der RB Theo Riddick ist ein aus der Not geboren „konvertierter“ Wide Receiver, ein extrem agiler Mann, aber dessen „Muskeln“ wirken gegen die Schränke, die da in der Defensive Line der Crimsons stehen, wie ein paar verirrte Furunkel. Deswegen dürfte Notre Dames größte Waffe der NFL-Star in spe, TE Tyler Eifert sein, ein Mini-Gronkowski, gegen den es physisch keinen adäquaten Gegenspieler in Alabamas Abwehr gibt.

Wen sollte man favorisiert sehen?

Notre Dame ist 12-0, aber noch nicht über alle Zweifel erhaben: Die Jungs sind 5-0 in engen Spielen und nervengestählt, aber „5-0“ in Partien gegen Pitt oder Michigan kann man auch als Alarmsignal werten (letztes Jahr war ND noch 3-3 gewesen). Alabama dagegen spielte einen für SEC-Teams relativ einfachen Schedule, auch weil der Paradegegner Michigan eher enttäuschte, hatte aber mit den besseren Teams im Schedule (LSU, Georgia) teilweise arge Probleme.

SRS favorisiert Alabama mit 7 Punkten. Die Wettbüros sehen ähnliche Spreads. Ich würde Alabama eher höher favorisieren (14 Punkte aufwärts), aber es gibt zwei Dinge, die da dagegen sprechen:

  • Notre Dames Defense dürfte tatsächlich nicht allzu viele Yards und Punkte aufgeben.
  • Ich erwischte mich in den letzten zwei Jahren häufig dabei, Alabama zu überschätzen; yup, die Truppe ist super, aber sie ist nicht so superb, dass sie mal eben im Vorbeigehen allen anderen ein 30-3 einschenkt.

Also: Alabama mit 7 unterschreibe ich, auch wenn die Leute die SEC-Dominanz satt haben.


Spiel ist ab 02h30 LIVE bei ESPNA, die Tapes kommen wie folgt: Di, 8.1. um 12h und um 19h.

Wenn Naturgesetze gebrochen werden

Das zweite Dezemberwochenende ist im College Football stets für zwei Ereignisse reserviert: Army gegen Navy und Heisman Trophy Presentation. Beides kommt heute bei ESPN America.

Kadetten gegen Kadetten

Das Spiel zwischen den beiden großen Kadetten-Ausbildungsstätten im Osten der Staaten (die Air Force ist in Colorado stationiert) ist alle Jahre wieder ein Spiel, bei dem viele Amerikaner den Fernseher einschalten, egal wie gut oder schlecht die beiden Mannschaften abgeschnitten haben: Army Black Knights gegen Navy Midshipmen wird entweder in Washington, Baltimore oder Philadelphia (diesmal: Philadelphia) ausgetragen und bietet jedes Jahr eindrucksvolle Bilder, wenn die Tribünen im Stadion mit Militärs gepflastert sind und CBS alle paar Minuten den US-Streitkräften und ihrer Wichtigkeit für Amerika und die Welt huldigt. Man kann es gut heißen oder nicht: Die Veranstaltung bekommt dadurch ein besonderes Flair, einen touch der Einzigartigkeit.

Während des Spiels fühlen sich die Zuschauer zurückversetzt in die Anfangsjahre des American Football, wenn beide Teams mit Laufspiel, Laufspiel und noch einmal Laufspiel die alten, glorifizierten Tage des Option-Footballs wieder aufleben lassen, sodass nicht vergessen wird, dass die beiden „Unis“ in der Gründungszeit des American Football wichtige Pioniersarbeit geleistet hatten und bis zum Aufstieg der University of Notre Dame in den 1920er Jahren mit die wichtigsten Eckpfeiler des American, und College, Footballs waren.

Das Spiel wird bei ESPN America am Abend um 21:00 MEZ live übertragen, und am Sonntag gibt es eine Aufzeichnung am Vormittag, 11:00 MEZ.

Heisman Trophy

Der zweite Höhepunkt ist die Verleihung der Heisman Trophy. Es gibt im College Football eine Reihe von mehr oder weniger offiziellen Auszeichnungen, Abstimmungen und Allstar-Berufungen. Dieses Jahr gewann mit Björn Werner zum Beispiel ein deutscher Spieler den Titel „ACC-Defensive Player of the Year“, eine Auszeichnung der Atlantic Coast Conference für ihren besten Abwehrspieler. Solche Preise sind meistens schnell vergessen. Was nie vergessen wird, ist die Heisman Trophy, deren Sieger auch fünfzehn Jahre später noch während NFL-Spielen erwähnt werden (irgendein wahlloses Spiel, Charlie Ward ist für drei Sekunden im Bild, und ohne Reaktionszeit erwähnt irgendein wahlloser Kommentator „Charlie Ward, former Heisman Trophy winner from Florida State“ usw.). Auch wenn Charlie Ward nie NFL gespielt hat.

Die Heisman Trophy ist der Preis für den besten Footballspieler der Saison, der sich auch mit seinem Verhalten für würdig für diese Verleihung erwiesen hat.

So zumindest die technischen Qualifikationskriterien.

In Wahrheit hat sich das Heisman-Komitee schon lange von diesen Idealen verabschiedet. Was zählt schon die Moral, wenn Cameron Newton alle Rekorde sprengt?

In Wahrheit, die zweite, wird die Heisman Trophy fast immer an einen Quarterback oder einen Running Back vergeben (nur 1998 gewann mit Charles Woodson mal ein Abwehrspieler).

Das dritte ungeschriebene Gesetz: Ein Freshman fällt immer unten durch.

Alle drei Regeln wackeln heute, denn die beiden Favoriten sind Johnny Manziel und Manti Te’o.

Manziel ist ein Freshman-Quarterback von der Texas A&M University, der mit seinem Spielstil die Massen begeisterte und auch den defining moment, der für die Amerikaner so wichtig ist, ablieferte, als er die Alabama Crimson Tide in deren Stadion zerlegte. Manziel lieferte mit einer gesalzenen Schlägerei inklusive Einbuchtung für eine Nacht im Sommer auch seinen Beitrag zum Bruch von Regel Nummer 1, aber man kann argumentieren, dass die richtige Saison da noch gar nicht begonnen hatte.

Solche Probleme hat Manti Te’o nicht. Der Linebacker von den Notre Dame Fighting Irish mit der Nummer 5 ist ein vorbildlicher Student und Athlet, der schon in jungen Jahren sehr gute Führungqualitäten hat und eine Inspiration für die University of Notre Dame ist. m

Te’o wäre auch eine emotionale Story, weil er während der Saison binnen von Stunden seine Großmutter und Freundin durch schleichende Tode verlor, und trotzdem sofort im Anschluss seinen Beitrag zu einem von 12 Siegen von Notre Dame leistete. Anderer Pluspunkt für Te’o: Sein Team spielt im National Championship Game.

Der womöglich entscheidende Faktor gegen Te’o könnte aber sein: Er ist kein Quarterback, und softe Faktoren zählen kaum, besonders nicht bei Defensivspielern.

Dem dritten Geladenen werden keine Chancen eingeräumt, was eigentlich schade ist: Collin Klein von Kansas State ist vielleicht der wichtigste von den drei Spielern für den Erfolg seiner Mannschaft. Leider hat Collin Klein ein besonders wichtiges Spiel verloren und in diesem Spiel versagt. Leider traut ihm auch niemand eine Chance in der NFL zu.

Da haben ihm die anderen zwei die Nase voraus.

Die Zeremonie soll bei ESPN America am Sonntag um 13:30 MEZ aufgezeichnet werden.

Notre Dame Fighting Irish 2012/13 Preview

Nach über 15 Jahren werden die Notre Dame Fighting Irish am 1. September 2012 wieder in Europa spielen: In Dublin im neuen Aviva Stadium, wo das alljährliche Spiel gegen die Navy ausgetragen wird. Um die Floskel zu bedienen: Die Fighting Irish sind in US-Sportkreisen eine Kultmannschaft. Die University of Notre Dame ist nicht irgendeine: Sie gehört zu den größten, renommiertesten Privatuniversitäten in den Vereinigten Staaten, sie gründet, wie der Name („Notre Dame“ = „unsere Frau“) vermuten lässt, auf katholischen Wurzeln und ist dank etlicher Charakterköpfe und vieler Titel und Heisman Trophys ein Mythos, ein absoluter Fixstern im College Football.

Die Aura, die die Notre Dame Fighting Irish mit ihren goldenen Helmen umgibt, sorgt auch für eine ganz spezielle Erwartungshaltung der riesigen, und quer über alle Bundesstaaten verstreuten, Anhängerschaft. Von Notre Dame wird erwartet, jedes Jahr oben mitzuspielen. Die Mannschaft antwortet seit Jahrzehnten darauf mit… Enttäuschungen. Notre Dame genießt einen BCS-Ausnahmestatus, konnte den aber nur dreimal nutzen. Über die ganz speziellen Rahmenbedingungen, unter denen Notre Dames Footballprogramm nur alle paar Jahrzehnte aufblüht, aber dann mit Hochblüte, hat der Journalist Michael Weinreb einen lesenswerten Artikel geschrieben.

Diese Erwartungshaltung, dass 10-2 Saisons nicht genügen, führte bis heute nicht dazu, dass die Notre Dame Fighting Irish sich ihrem schweren Schedule als Independent entziehen und in eine Conference eingliedern. Man hat einen millionenschweren TV-Vertrag mit NBC, man spielt alljährliche Rivalitäten mit bekannten Programmen wie USC, Michigan, Michigan State, Boston College, Purdue, Stanford oder der Navy. Kurzum: Die sportliche Leitung muss um die Schwierigkeit eines derart attraktiven, aber gutklassigen Schedules herumdoktern, will sie um den National Title mitspielen.

So auch der aktuelle Head Coach Brian Kelly, dessen Stuhl nach zwei 8-5 Saisons schon vorgewärmt ist. Kelly kam, wie so viele Coaches vor ihm, mit viel Boohay und einer Reputation als genialer Offensivkopf nach South Bend/IN, hat bisher aber seine atemberaubend schnelle Offense trotz zuletzt etwas mehr Esprit noch nicht implementieren können.

Hauptgrund ist das immer noch ungelöste Quarterback-Problem, an dem Kelly selbst auch nicht ganz unschuldig zu sein scheint. Das gegenseitige Ausspielen von Dayne Crist und Tommy Kelly Rees ging letztes Jahr katastrophal in die Hosen und blieb auch darüber hinaus nicht konsequenzlos. Crist wechselte entnervt die Universität (zu Kansas, wo Kellys Vorgänger Charlie Weis neuer Headcoach wurde), Kelly benahm sich in seiner Freizeit daneben, attackierte in der Offseason einen Polizisten tätlich und dürfte ebenso erstmal außen vor sein (ich habe die Information, dass Kelly für das erste Spiel gesperrt sein wird).

Es bleiben jedoch Optionen: QB Everett Golston, QB Andrew Hendrix, oder doch Kelly? Oder gibt es die ganz große Sensation und der Wendehals-Freshman QB Gunner Kiel? Die korrekte Beantwortung dieser Fragen wird wieder von entscheidender Bedeutung sein, denn obwohl Notre Dame zuletzt deutlich runder am Boden war, so will Kelly doch eine Pass-Offense installieren. Und dafür gibt es auch nach WR Malcolm Floyds Abgang in die NFL noch wichtige Bausteine, wie zum Beispiel TE Tyler Eifert, einer der allerbesten seines Fachs.

Das zweite große Problem des Angriffs waren letztes Jahr katastrophale Turnovers. Bei den Niederlagen gegen Michigan, gegen USC, gegen die Florida State University in der Bowl Season waren jeweils Orgien an Ballverlusten hauptverantwortlich für die Pleiten. Ditto gegen USF zum Saisonauftakt, als sich INTs und Fumbles mit Zeitmanagement zum Fremdschämen verbündeten zu einer blamablen Heimniederlage. Das ist alles schlecht, aber das gute daran: Turnovers lassen sich relativ leicht abstellen, und man muss dank „Regression zur Mitte“ nicht mal allzu viele Kräfte dafür aufwenden. Und weiter: Diese vier Niederlage waren allesamt sauknapp. Notre Dame war gar nicht weit von einem, sagen wir, 11-2 oder 12-1 entfernt.

Dafür hätte die Defense Bürge geleistet, die absolute Stärke (und das in einem Kelly-Team!). Knackige 3-4 Defense, unter DefCoord Bob Diaco von Jahr zu Jahr stärker geworden, nicht überaggressiv, nicht allzu viel blitzen müssend, und daher auch kaum Big Plays aufgebend. Aber eine Unit, die die Gegner einzubremsen vermag. Herz, Leib, Seele, Kopf und Lunge ist dabei der spektakuläre ILB Manti Te’o, der Mann mit der #5, der noch ein Jahr an der Universität dranhängt, bevor er 2013 in den NFL-Draft wechseln wird (und relativ sicher 1st round pick wird). Ein schmerzhafter Abgang dürfte der von Top-Recruit 2012, S Aaron Lynch, sein. Lynch kommt aus dem sonnigen Florida und kam nach intensiven Recruiting-Kämpfen mit Florida State; nun hat der Mann schon nach einer Saison Heimweh und kehrt zurück (geht zu USF).

Knackpunkt für die Defense: Sie schlug in den letzten beiden Jahren auffällig wenige Fumbles frei (jeweils ganze acht pro Saison, und das sind nur die forced fumbles). 8-5, dabei vier Niederlagen durchaus nur einen oder zwei Plays vom Sieg entfernt, viele Turnovers der eigenen Offense, kaum erzwungene Turnovers der eigenen Defense – klingelt’s? Das sind alles Gründe, weswegen ich Notre Dame an #24 im USA-Today-Poll für unterschätzt halte.

Gegen eine Mitsprache Notre Dames im BCS-Meisterschaftsrennen von 2012/13 spricht dagegen vor allem ein Fakt: Der Schedule. Zusätzlich zu den oben genannten traditionellen Rivalitäten kommt steht mit den #4 Oklahoma Sooners noch eine weitere ganz, ganz große Mannschaft im Spielplan. Massiv. Da mit 10-2 durchzukommen wäre schon aller Ehren wert.

Champ Sports Bowl 2011 live: Florida State Seminoles – Notre Dame Fighting Irish

[03h04] Für diejenigen mit Koffeinüberschuss gibt es jetzt noch den Gewinner der Heisman Trophy, Robert Griffin III („RG3“). Ich werde noch ein paar Drives zuschauen, aber kein Liveblogging mehr machen.

[03h00] Endstand Florida State 18, Notre Dame 14.

Glanzloser Sieg der Seminoles in einem Spiel, das über weite Strecken enttäuschte. Florida State brauchte bis tief ins dritte Viertel hinein, um ein Rezept gegen Te’o und Konsorten zu finden. Als es gefunden war und QB Manuel den Moment zum Gucken bekam, war es um Notre Dame geschehen. Jo, es halfen tiefe Bomben mit. Aber Notre Dame war auch erstaunlich mittellos gegen einen ruhigeren Manuel hinter halbwegs solider Protection.

Freilich halfen auch die drei INTs kräftig mit, zwei davon in der EndZone (beide gegen Rees), einmal eine sinnlose INT direkt auf den LB Bradham (gegen Hendrix), die den Stimmungsumschwung in dieser Partie brachte.

Lobeshymnen für die Seminoles wären fehl am Platz. Es ist ein Sieg, aber nichts, auf dem aufbauend man eine Mannschaft für nächste Saison in die Top-10 hypen sollte.

As for Notre Dame: Wenn ich mir den Schedule anschaue, wird 2012/13 auch recht heftig für die Irish. Michigan State, Michigan, Oklahoma, Stanford, USC als Gegner. Möglicherweise wird die Saisonbilanz nächstes Jahr erneut nicht viel besser ausschauen, selbst wenn Kelly die QB-Frage lösen kann.

[02h48] Rees riskiert, gleich einen Kopf kürzer gemacht zu werden. Notre Dame startet an der FSU28, hat fünf Minuten, und Rees wirft einen langsamen Ball in Doppeldeckung in die EndZone. Völlig überraschend ist das Resultat die dritte INT, 2:48 vor Schluss. Kelly dreht sich an der Seitenlinie resigniert ab, überlegt noch einen Moment, ob er sich zum Wutausbruch noch abdrehen soll.

[02h39] Brian Kelly staucht QB Rees nicht zum ersten Mal zusammen, nachdem Rees beim langen 3rd down nicht den Killerschlag sucht. Notre Dame spielt weiterhin ohne WR Michael Floyd und sieht in diesem Kontext seinen gefährlichsten verbliebenen Mann, TE Tyler Eifert, von einem Cornerback (#1 Mike Harris) bewacht. Eifert macht Plays, aber ohne Floyd sind die Optionen für Rees doch recht beschränkt. Positiv für Kelly: Der Punt wurde an der 0,1yds Line der Seminoles niedergelegt.

[02h31] Florida State 18, Notre Dame 14/Q4 8:05. Das emotionale Hoch nicht zum TD verwandeln können, weil Manuel beim 3rd down mit zwei Defensive Ends im Gesicht einen Ball in die EndZone 2m überwirft. Gemessen an den letzten Minuten muss Notre Dame sich nun aus einem ganz tiefen mentalen Loch hochziehen.

[02h26] Notre Dames Defense kriegt nun keinen Zugriff mehr auf QB Manuel. Wie vermutet sieht Manuel mit dem Funzen mehr Zeit plötzlich Land und traut sich beim 3rd-and-6 einen ganz tiefen Ball zu. Wieder fängt WR #80 Rashard Greene, diesmal im Nachfassen am Boden liegend, 2cm vor der Auslinie. Aber Respekt, wie locker nun der lange so starke Druck der Fighting Irish im Keim erstickt wird.

[02h11] Florida State 15, Notre Dame 14/Q4 13:18. Nun wirft auch Hendrix eine eher hanebüchene Interception, weil Hendrix den in der Zonendeckung hängenden LB Bradham übersieht und Bradham den Ball direkt auf die Brust serviert. Bradham wälzt sich ein paar Yards beim Return durch, ehe im nächsten Spielzug QB Manuel den WR #80 Greene in einer nicht hautengen Dreifachdeckung zum Touchdown findet. Jimbo Fishers Entscheidung, vorhin auf 2pts Conversion zu gehen, schlägt nun zurück, FSU scheitert zum zweiten Mal und führt nur +1 anstelle der durchaus möglichen +3.

[02h03] Florida State 9, Notre Dame 14/Q4 14:54. Erster Spielzug ist ein Manuel-Ball, der genau zweieinhalb Minuten in der Luft hing, ehe ihn WR Bert Reed runterpflückte zum ersten „Sechser“ für die Seminoles. Plötzlich ist Leben in der Bude.

[01h57] Das dritte Viertel geht in diesen Sekunde zu Ende und die Seminoles zeigen zum ersten Mal etwas Leben in ihrer Offense: Manuel komplettierte dank fantastischem Catch von WR Rashard Greene einen ganz tiefen Ball, kann dann mit etwas Zeit Screen-Pässe komplettieren, scrambeln und sogar erfolgreich die Bälle an die Running Backs übergeben. Man ist an der RedZone, ein zäher Marsch vorwärts, aber die Körpersprache bei den Seminoles ist plötzlich eine ganz andere.

[01h39] Florida State 3, Notre Dame 14/Q3 9:03. Ein langer Kickoff-Return vom flinken FS Joyner, eine gebremste Offense, eine Strafe gegen die Defense = 42yds Field Goal für K Hopkins. Joyner ist für einen Safety erstaunlich schnell, dabei muss man wissen: Joyner wurde als Sprinter für die Cornerbacks rekrutiert, aber aufgrund des schieren Überangebots an athletischen CBs auf Safety umgeschult, da man ihn als zu schade ansah, um draußen zu sitzen. Joyner, ein big hitter bei zirka 1,20m Körpergröße, als Instinktfootballer einer meiner Lieblingsspieler im College Football.

[01h30] Florida State 0, Notre Dame 14/Q3 11:24. Wilder, wilder TD-Spielzug, als QB Rees einen Ball in die EndZone lupft, wo WR Michael Floyd dem Gegenspieler CB Greg Reid überlegen ist, und im sechsten oder siebten Nachfassen einen spektakulären Touchdown fängt, während Reid böse mit dem Helm voraus auf dem Boden aufschlägt, sich aber wie durch ein Wunder nicht Hals und Genick bricht, sondern „nur“ gestützt rausgetragen werden muss. Scary, scary shit.

Notre Dame machte es nun interessant: Nutzte FSUs Undiszipliniertheit aus, wechselte zwischendurch als Tempowechsel den Scrambler QB Hendrix ein und schlug gleich nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Floyd-Bewacher #27 Xavier Rhoades eiskalt zu. Zweifellos gut gemacht von Brian Kelly – nun könnten die Seminoles ohne die beiden besten Deckungsspieler auskommen müssen (Rhoades/Reid).

[01h16] Habe ich das richtig mitgekriegt oder gibt es im College Basketball gerade ein Spiel mit Halbzeitstand „14-9“? In diesem Falle danken wir dem Herrn für diese sieben Punkte in Orlando.

[01h04] Halbzeit Florida State 0, Notre Dame 7.

Fürchterliches Spiel in der ersten Halbzeit. Keine der Offenses kriegt irgendwas auf die Reihe. Notre Dame sieht für meine Verhältnisse fast noch trauriger aus, die Quarterbacks kriegen trotz Zeit ganze 4.3yds/Passversuch zustande. Vierkommadrei, obwohl die Seminoles überhaupt nichts besonderes entgegenwerfen. Björn Werner hatte übrigens einen Sack und um ein Haar einen erzwungenen Fumble.

Florida State sieht nicht ungefährlich aus in den Momenten, in denen QB Manuel einen Moment zum Werfen kriegt. Weil Manuel hinter der taufrischen Offensive Line (angeblich vier Freshmen?) aber zumeist null Zeit zum Schnaufen bekommt und schon im Zurückstapfen unter Druck steht, werden fast alle Drives im Ansatz niedergemacht, Manuel niedergeschlagen. Florida State 0/7 bei 3rd downs, was alles sagt. Dazu ein Laufspiel mit 9yds in 14 Versuchen (vier davon waren allerdings Sacks).

[00h47] Während sich Notre Dame noch an den paar erzielten Punkten hochziehen kann, herrscht an der Seitenlinie der Seminoles blanke Frustration angesichts der schieren Unfähigkeit, den Pass Rush zu stoppen. Und es wäre nicht so, dass Notre Dames Front Seven da aus allen Rohren schießen würde…

[00h38] Während sich Co-Kommentator Gilmore wundert, warum QB Manuel kein Vertrauen in die Protection habe (warum bloß?), probieren die Seminoles einen Punt-Fake, der ein paar Zentimeter zu früh gestoppt wird. Angesichts der Aussichtslosigkeit, auf die traditionelle Weise was zustande zu bekommen, eine gute Entscheidung Fishers.

[00h28] Erstes 1st down der Seminoles durch eine Strafe (late hit gegen #55 Prince Shembo/“dirty“?), aber ansonsten dasselbe Lied: Florida States QB E.J. Manuel kriegt überhaupt keine Luft zum Atmen und wird andauernd niedergeschlagen und gesackt, konnte nur einmal per genialem Scramble dem massiven Druck entweichen. Überhaupt ein schwer anzusehendes, unrhythmisches Spiel mit einigen Strafen und vielen Auszeiten, um Strafen zu verhindern. Wenn ich da an Toledo-Air Force gestern denke…

[00h14] Kelly wechselt für einen Drive den jungen QB Andrew Hendrix ein, der gleich mal eine Auszeit verbrennt. Dann kommt Hendrix aber langsam ins Rollen, u.a. mit einigen NFL-reifen Pässen, deutet auch seine Beweglichkeit an, aber zum Ausklang des ersten Viertels setzt Notre Dames Kicker ein 48yds Field Goal rechts vorbei.

Florida State kommt wieder auf das Feld. Die Versuche, die Protection zu stabilisieren, sind interessant: Mal wird ein Spreading mit 5 WR versucht, dann kommt ein zusätzlicher Tight End, aber so richtig effizient war datt ganze bis dato nicht.

[23h54] Die Offensive Line der Seminoles gibt QB E.J. Manuel in dieser Anfangsphase zum Abschuss frei. Sind es die beiden unerfahrenen Guards? Manuel wird bei jedem Spielzug entweder gesackt oder niedergeschlagen, FSU kommt überhaupt nicht in Tritt und hat noch kein 1st down erzielt. Dagegen fällt bei Notre Dame auf, dass der Pass Rush gezielt durch wohl getimte Blitzes verstärkt wird, wobei sich vor allem #5 Te’o hervortut. Dass Te’o 2012 am College bleibt, sollte Notre Dame nächstes Jahr helfen.

[23h47] Florida State 0, Notre Dame 7/Q1 9:04. Der super-athletische LB #5 Te’o schlägt dem Backup/Backup-RB #8 Devonta Freeman den Ball nach einem Screen-Pass aus der Hand, der Ball wird straight zum Touchdown returniert. Zwei Spielzüge, zwei Turnovers. Geht ja mal gut los.

[23h42] QB Tommy Rees bestätigt gleich mal seinen Ruf, wirft bei 3rd down in die EndZone hinein eine INT: Ball von LB Jones Bradham direkt in die Arme von FS #20 LaMarcus Joyner abgefälscht und Joyner mit einem wilden 25yds-Return mit zig gebrochenen Tackles.

[23h31] Florida State vor dem Spiel: Die Verletzungsprobleme schlagen ziemlich arg durch, sodass in der Offensive Line heute beide Rookies ihren allerersten Einsatz in der Startformation haben werden. Was für das Laufspiel suboptimal ist, zumal dort der gefährlichste Running Back wegen zu schlechter Noten gesperrt ist.

[23h25] Im Vorfeld des Spiels wird der deutsche DE Björn Werner außerordentlich gelobt und als möglicher „high round draftpick“ (O-Ton) bezeichnet. Werner ist heuer Sophomore, wäre frühestens im April 2013 „draft-eligible“.

[22h43] In ca. einer Dreiviertelstunde wird das Reminiszenzenduell FSU – Notre Dame angepfiffen. Ich mache schonmal den Thread fürs Liveblogging auf.