Cotton Bowl 2015 Preview: #2 Alabama Crimson Tide – #3 Michigan State Spartans

Das erste Playoffhalbfinale, die Orange Bowl zwischen Clemson und Oklahoma, ist ein Duell zweier ähnlich gepolter Spread-Mannschaften. Die Vorschau dazu habe ich bereits am Dienstag geschrieben.

Heute kümmern wir uns um das andere Halbfinale, die Cotton Bowl Classic, zwischen dem SEC-Gewinner #2 Alabama Crimson Tide (12-1) und dem Big-Ten Champ #3 Michigan State Spartans (12-1). Hier treffen zwei eher bodenständige Mannschaften aufeinander. Weiterlesen

The Countdown, T-minus 27: Michigan State Spartans

The Countdown

#27 Michigan State Spartans.
Big Ten Conference.
2012: 7-6.

Die Michigan State Spartans waren letztes Jahr 7-6. Trotzdem sind sie für dieses Jahr sowas wie die Steilvorlage, um über das Phänomen „Regression zur Mitte“ zu schreiben, quasi das Notre Dame von 2013: Ein Team, dessen Bilanz im letzten Herbst massiv schlechter aussieht als es die Zahlen dahinter vermuten lassen. Also: Michigan State spielte in neun (!) engen Spielen, verlor davon fünf. Michigan State hatte die drittbeste Defense im Lande, according to Football Outsiders. Michigan State schaffte all das quasi ohne eigene Offense. Und Michigan State bringt 15 Starter zurück.

Um das Gesamtbild des Super-Sleepers abzurunden: Die Spartans sind unter Head Coach Mark Dantonio eine der beständigsten Footballteams der letzten Jahre. Das ist kein Breakout-Team, das aus dem Nichts schießen würde. Es ist eine Mannschaft, die zuletzt mehrfach über 10 Saisonsiege einfuhr und im letzten Jahr schlicht durch eine mega-ineffektive Offense gehandicappt wurde und trotzdem in fast jedem Spiel am Ende hätte noch gewinnen können. Wenn die Würfel etwas günstiger fallen, gibt es dieses Jahr mindestens neun oder zehn Siege.

Die Offense muss sich aber stabilisieren: QB Andrew Maxwell spielte im letzten Jahr einen schlechten Ball (52.5% Completion Rate), und wenn sein extrem ineffizientes Spiel gegen Boise State noch sowas wie die beste Saisonleistung war, ist alles gesagt. Im Laufspiel muss man den brachialen RB LeVeon Bell (jetzt Pittsburgh) ersetzen. Bell bekam fast 90% der Laufspiel-Snaps, aber seine Advanced-Stats sprachen eine negative Sprache (wenig Effizienz, viele Plays, die einfach da waren, um nicht Maxwell werfen zu lassen bzw. die Uhr runterzunehmen). Wer Bell ersetzen wird, muss auf alle Fälle viele Snaps nehmen.

In der Defense gibt es eine brutal knackige Defensive Line, gegen die jeder Laufspiel-Snap zum Unterfangen mit Stoßgebet wird. Der Passrush ist eher mau, aber trotzdem ist die Pass-Defense eine absolute Stärke der Spartans, weil das Defensive Backfield so überragend aufgestellt ist. In anderer Sprache: Dantonios Jungs sind nicht das optisch attraktivste Team, aber sie sind Mehltau. Sie legen sich über die Offense und würgen diese dann Schritt für Schritt für Schritt ab. Wenn sogar Boise oder TCU keinen Stich dagegen machten, sagt das einiges.

Michigan State Spartans 2013/14: Sleeper. Mit ein wenig Offense: Gigantischer Sleeper.


Wer ist Nummer 24?

Im Eintrag zu #25 Fresno State schreibt Paul Myerberg als tipp für die #24:

Who is No. 24? This program has won 10 or more games eight times in its history. Only twice has it failed to win at least nine games during the season after posting double-digit wins.

Die Oregon Ducks würden passen: 8x zehn Spiele oder mehr gewonnen (2000, 2001, 2005, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012) und nur zweimal „weniger als neun Spiele“ in der darauf folgenden Saison gewonnen (2002, 2006). Die Fragestellung ist mit „neun“ etwas merkwürdig formuliert, weil es zweimal nur sieben Spiele in der darauf folgenden Saison waren, aber trotzdem: Sollte es tatsächlich Oregon sein, wäre das eine große, große Überraschung.

Es könnte auch Kansas State sein, aber die Wildcats haben neunmal zehn Saisonspiele gewonnen.

Instant Classic: Michigan State Spartans – Wisconsin Badgers 2011

Eine Spoilerwarnung voraus für den, der das Spiel noch sehen und genießen will (Mittwoch, 16h ESPN America). Michigan State vs Wisconsin war wieder eines dieser Spiele, über die man sagen könnte „Wahnsinn! Geil! Einfach verrückt!“. Oder man sagt: „College Football eben“.

Für Wisconsin lief eigentlich alles recht souverän. Erstes Viertel, die Offense rollte, RB Montee Ball mit vielen Läufen über 4yds, 5yds, und Wisconsin schien über die Spartans drüberzufahren. Bis QB Russell Wilson gegen Ende des Viertels einen Ball direkt in die Hände von S Trenton Richardson warf. Ein Spielzug, der nach einem Missverständnis mit WR Nick Toon aussah. Von da an spürte man, dass sich die Stimmungslage in East Lansing zu drehen begann.

Freilich konnte man nicht vorausahnen, was für ein zweites Viertel folgen würde. Wisconsin zückte die Pistole und schoss sich Drive für Drive mit einem lauten Knall in die eigenen Knie. Erst wurde Wilson unter Druck in der EndZone zu einem absichtlichen Wegwerfen („Intentional Grounding“) gezwungen – Safety. Direkt im Anschluss ein EndAround über WR Keyshawn Martin durch die bereits waidwunde Badgers-Defense, 14-9.

Die letzten Minuten der ersten Halbzeit. Erst blockte Michigan State ein reichlich kurzes Field Goal Wisconsins (30yds), dann packte Head Coach Mark Dantonio die dicken Eier aus, ließ 1:27 vor Ende ein 4th and 2 in Fieldgoal-Reichweite (35yds-Linie) ausspielen, QB Kirk Cousins auf WR B.J. Cunningham, der von vier Mann umgeben mit einer Drehung sämtliche Verteidiger ins Leere laufen ließ, den Turbo zündete und zum 16-14 einschenkte.

45 Sekunden vor Halbzeit, Wisconsin beim Punten. Plötzlich stürmen fünf Grüne daher, der Punt wird geblockt, kullert in die EndZone, wo sich fünf Spartans um das Ei prügeln und schließlich irgendwie jemand doch noch unter Kontrolle bringt, 23-14 zur Pause.

Im dritten Viertel beruhigte sich die Szenerie zwischenzeitlich, Michigan State scheute plötzlich das Risiko, während Wisconsin merklich unter dem phasenweisen Ausfall von RB Montee Ball litt, ohne den sie die Offense nicht mehr in die Gänge bekamen, nur ein Field Goal machten.

Michigan State packte erst gegen Viertelende wieder einen langen Drive aus, setzte primär auf den kräftigen RB La’Veon Bell, ehe in der RedZone bei 3rd und 11 erneut WR Martin angespielt wurde. Wisconsins schon seit Wochen schlampiges Tackling schien wieder durch, Martin zwar nicht auf der Direttissima, aber auf Umwegen in die EndZone, 31-17 und ein frenetisches Publikum.

Aber Wisconsin war noch nicht ausgeknockt, Wilson riss das Team am Riemen, scrambelte und pumpfakte sich zum Anschluss-TD, ließ sich von einer weiteren sinnlosen INT nicht aus dem Konzept bringen, die Special Teams plötzlich mit langen Returns, während Michigan State mit einem Mal NICHTS mehr zustande brachte, serienweise Three’n’Outs produzierten.

1:26 vor Schluss, nach einem wilden tiefen Ball auf Toon, zwei Plays später der Ausgleich, 31-31, mit kurzem Chip zum zurückgekehrten RB Ball.

Michigan State bewies Eier, während Wisconsins Head Coach Bret Bielema sich den Zorn der eigenen Anhängerschaft mit einem sinnlosen Timeout zugezogen haben dürfte (mir wäre nicht bekannt, dass Bielema mal Schottenheimers Assistent war). Die Spartans an die WIS44, 4sek zu spielen.

QB Cousins nimmt den Snap auf, wartet, als der PassRush durchkommt mit dem Wurf auf einem Bein, die Hail Mary fliegt in hohem Bogen in die EndZone durch die Hände von Wisconsins Safety Aaron Henry, wird drei Yards tief in der EndZone abgefälscht, springt heraus, direkt in die Arme von WR Keith Nichol. Henry mit der geistesgegenwärtigen Reaktion, reißt Nichol zu Boden. Nach dem Video-Replay wird der Touchdown gegeben, eine haarige, aber IMHO korrekte Entscheidung. 37-31, die hochgejazzten Wisconsin Badgers geschlagen und wohl aus dem BCS-Rennen.

Meine Fresse, Nichol, was für eine Geschichte: War vor fünf Jahren ein gehypter QB auf der Highschool, wollte nach Michigan State, ehe dort der neue Coach Mark Dantonio eingestellt wurde. Nichol ging nach Oklahoma, sah dort gegen Sam Bradford kein Land, wechselte zurück zu Michigan State, verlor den teaminternen Wettstreit mit Kirk Cousins. Ließ den Kopf nicht hängen, schulte auf Wide Receiver um und macht nun den Touchdown, über den man in East Lansing noch 30 Jahre sprechen wird.

Oder Kirk Cousins: Seit Highschool-Zeiten stets auf Umwegen über die Ersatzmannschaften und Scout-Teams den Weg zum Starter geschafft, ein staubtrockener Typ von einem Charakter, furzlos bis in die Knochen, aber was eine coole Leistung und was ein Wurf 4sek vor Schluss.

Oder Mark Dantonio. Letztes Jahr nach einem ultraengen Heimsieg über Notre Dame zusammengeklappt und mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Am Samstag der noch wüstere Krimi, wie dem Mann an dem Abend wohl war?

Ins Rennen um den BCS-Titel werden die beiden Teams heuer wohl nicht mehr eingreifen können, was jedoch den Titel in der Big Ten Conference angeht, ist ein Re-Match im Conference-Endspiel Anfang Dezember in Indianapolis nicht ausgeschlossen. Beide dürften gute Chancen besitzen, ihre jeweiligen Divisionen zu gewinnen.

Wenn Michigan State weiterhin so diszipliniert (Strafen in diesem Spiel: null, nach sechs Personal Fouls letzte Woche gegen Michigan) und fehlerlos (nur ein verlorener Fumble gleich zu Spielbeginn) auftritt, traue ich es ihnen durchaus zu. Seit Dantonio dort Coach ist, haben die Spartans auch nicht mehr den Ruf, auf große emotionale Momente sinnlose Niederlagen gegen scheinbar unterlegene Gurkentruppen einzufangen.