Miami Dolphins in der Sezierstunde

Miami Dolphins Stadium

Unerklärlich heimschwach. Gestatten: Miami Dolphins - ©Flickr

Nächster Teil der Sezierstunden, diesmal dran: Die Miami Dolphins. Diesmal kein Eigenprodukt, sondern verfasst von Herrmann, Blogger auf Vier Viertel plus Nachspielzeit, an den an der Stelle ein herzliches Dankeschön geht! Was die Fußball-Blogger können, schaffen auch die Football-Blogger – also: Der Gastbeitrag von Herrmann. Vui Spaß 😉

Die Miami Dolphins sind mit großen Ambitionen und zwei Auftaktsiegen in die Saison gestartet, mit dem Anspruch angetreten, den Patriots und den Jets in der AFC East Paroli bieten zu können, beendeten die Delphine die Saison 2010 mit drei Niederlagen in Folge – gegen die Bills, Lions und ein Patriots-Team, für das es in Woche 17 um gar nichts mehr ging. Im Januar beschäftigte man sich in Südflorida nicht mit den Playoffs, sondern mit drängenden Fragen nachdem Umbau: braucht man einen neuen Head Coach? Braucht man einen neuen Quarterback? Braucht man neue Running Backs? Daß man zumindest einen neuen Offensive Coordinator finden mußte, war ausgemachte Sache.

Gewinnen

Hey, den Nolan gibt's auch in kurzen Hosen! ©Wikipedia

Aber der Reihe nach. Begonnen wurde die Saison mit zwei Auswärtssiegen in Buffalo und Minnesota (15-10, 14-10). Schon hier wurde deutlich, daß die Verteidigung unter dem neuen Defensive Coordinator Mike Nolan das Prunkstück des Teams ist – der Angriff dagegen die offensichtliche Achillesferse. Größtes Problem war die völlige Kreativlosigkeit von OC Dan Henning. Die Wildcat wurde über Bord geworfen, weil die meisten Gegner sich gut darauf eingestellt hatten und danach fiel Henning nicht viel mehr ein als die (in Running-Back-Jahren) steinalten Ronnie Brown (29) und Ricky Williams (33) durch die Mitte laufen zu lassen, was bei Williams noch für 4,2Yds/Versuch reichte, bei Brown lediglich für 3,7Y/A. Notlösung war dann meistens ein verzweifelter Versuch QB Chad Hennes, irgendwie auf die neue Wunderwaffe WR Brandon Marshall zu werfen. Marshall,vor der Saison für zwei 2-nd-rd-picks aus Denver gekommen, war einer der wenigen Lichtblicke in diesem „Angriff“ mit 86 Receptions für 1014 Yards.

Mithalten

In Woche drei verlor man knapp gegen die Jets. Beim Stand von 23-31 in der letzten Minute waren die `Fins schon bis an die 6-Yard-Linie marschiert, ehe Henne beim letzten vierten Versuch intercepted wurde. Im Monday Night Game eine Woche später verlor Miami dann auf legendäre Weise daheim gegen New England. Zur Halbzeit führten die Delphine noch mit 7-6 gegen die Patriots; was dann in der  zweiten Hälfte passierte, hatte man so in der NFL noch nicht gesehen.

Den Kickoff trägt Brandon Tate über 101 Yards in die Endzone. Der anschließende Ballbesitz für Miami endet schnell bei einem Punt – der von Pat Chung geblockt wird. Im vierten Viertel blockt Chung auch einen FG-Versuch, den Kyle Arrington zum Touchdown zurückträgt. Und weil der aggressive Safety noch nicht genug hatte, fängt er schließlich auch noch einen Paß von Henne ab und macht die sechs Punkte selbst. Am Ende hält Miami die Patriots bei nur 265 Yards, macht selber 400 und verliert 14-41.

Nach der folgenden Bye-Week spielen die Delphine fünf Wochen lang wieder sehr anständig, vor allem ihre starke Defense hält sie regelmäßig bis zum Schluß im Spiel. Siegen beim späteren Super-Bowl-Gewinner Green Bay, in Cincinnati und gegen Tennessee stehen nur eine 1-Punkt-Niederlage gegen Pittsburgh sowie eine schwache Leistung in Baltimore gegenüber.

Verlieren

Der Knackpunkt der Saison war das Thursday Night Game in Woche 11 gegen Chicago. Zu diesem Zeitpunkt hatten die `Fins einen Record von 5-4. Die Niederlagen waren knapp und ärgerlich, aber nicht das Ergebnis unterirdischer  Leistungen – die Playoffs waren noch fest im Blick. Die Probleme im Angriff meinte man mit ein bißchen Arbeit abstellen zu können. Allerdings hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon QB Henne und LT Jake Long verletzt. Henne wurde gegen Chicago von Tyler Thigpen ersetzt, denn auch Backup Chad Pennington hatte sich verletzt. Long, einer der besten Left Tackles der Liga, spielte von da an verletzt die Saison zu Ende und das sah man deutlich. Zu allem Überfluß haben sich im Laufe des Spiels auch noch WR Marshall und Center Cory Procter verletzt. Weil OC Henning dann auch noch von allen guten Geistern verlassen schien – 3rd-stringer Thigpen sollte in einem knappen Spiel 29 Mal den Ball werfen, Brown und Williams zusammen nur sechs (!) Carries bekommen – war der Endstand: Miami 0, Chicago 16. Wieder einmal hatte die Verteidigung hervorragend gespielt, während die Offense kein Bein vor das andere bekam.

Von dieser Niederlage erholte sich Miami nicht mehr. Nach einem letzten Aufbäumen gegen Oakland Ende November (33-17) setzte es vier Schlappen in den letzten fünf Spielen, in denen die Dolphins gerade mal 68 Punkte aufs Scoreboard brachten. Die Verteidigung spielte unterdessen so überragend, daß in Woche 14 absurderweise sechs First Downs und 10 Punkte reichten, um bei den New York Jets zu gewinnen.

Ausmisten

Im Januar ging’s dann rund. Die Playoffs wurden zum zweiten Mal in Folge nach nur 7 Siegen in der Regular Season verpaßt. Man ist endgültig nur noch die Nummer 3 in der AFC East hinter den Patriots und den Jets und der einzige Grund, daß die Mannschaft aus Südflorida mal Gesprächsthema ist, sind die illustren Anteilseigner Venus & Serena Williams, Marc Anthony und Gloria Estefan – die allesamt nur einen einzigen Heimsieg genießen durften.

Als erste Maßnahmen wurde OC Henning rausgeworfen. Head Coach Tony Sparano, der harte Hund mit der Sonnenbrille, war auch schon so gut wie weg. Owner Stephen Ross hat erst versucht, Jim Harbaugh, den Cheftrainer von Stanford, nach Miami  zu locken. Als ihm das nicht gelang, hat Ross auch bei den Super-Bowl-Ring-Trägern Bill Cowher und Jon Gruden angefragt, die blieben aber lieber im Fernsehen bei CBS bzw. ESPN. Nachdem die öffentlich gewordenen Versuche, einen neuen Head Coach mit großem Namen zu verpflichten, scheiterten, bekam Sparano eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre.

Als neuer OC wurde dann Brian Daboll verpflichtet, der selbige Position in den letzten zwei Jahren bei den Cleveland Browns innehatte – die Browns, die neben den Panthers die einzige Mannschaft waren, die noch weniger Punkte erzielte als Miami. Dabolls Verpflichtung kann wohl einzig auf seine tollen (Coaching-)Wurzeln zurückgeführt werden: er war fünf Jahre lang im Offensive Staff der New England Patriots, bevor ihn Eric Mangini erst als QB-Coach mit zu den Jets nahm und anschließend eben als OC mit nach Cleveland. Daß Daboll aus den ´Fins mehr Offensivpower rausholen kann als Henning ist eine gewagte Wette. Heath Evans, der unter Daboll bei den Patriots gespielt hat, ist sich sogar sicher, daß der Dolphins-Angriff noch schlechter ist als vorher.

Ausblick

Chad Henne

Chad Henne - ©Wikipedia

Ein neuer Offensive Coordinator wird aber so oder so nicht reichen, um in Miami einen besseren Angriff aus dem Boden zu stampfen. Man benötigt vor allem einen explosiven Playmaker, idealerweise einen Percy-Harvin- oder Dexter McCluster-Typen, der die beiden WR Marshall und Davone Bess ergänzt. Dazu braucht man ganz dringend frische Beine auf der Running-Back-Position, zumal Brown und Williams auch Free Agents sind. Schließlich noch einen Starter auf einer der Guard-Positionen. Viertes Bedürfnis sind bessere Leistungen auf der Spielmacherposition. Hier sollte man Chad Henne noch nicht abschreiben. So schwach er teilweise auch gespielt hat, so litt er doch erheblich unter seinem überforderten Offensive Coordinator und hatte auch relativ viel Pech. Pennington und Thigpen sind Free Agents, einer wird wohl gehen. Ansonsten sind alle Leistungsträger für die kommende Saison unter Vertrag.

Die Defense dagegen ist hervorragend aufgestellt. Miami hat nur 264 1st Downs zugelassen, der drittbeste Wert der Liga; sie waren Sechster in zugelassenen Yards  und stellten die drittbeste Lauf-D mit 3,6 Yards pro Carry. Paul Soliai, der Anker der 3-4-Defense, wurde per Franchise-Tag für ein weiteres Jahr gebunden. Für die zwei DE-Positionen hat man mit Kendall Langford, Randy Starks und Phillip Merling gleich drei gute Leute. Dahinter ist der starke ILB Karlos Dansby der Anführer des jungen LB-Corps. Neben Dansby spielte mit Rookie Koa Misi einer der besseren OLB in der AFC und auf der anderen Seite lehrt Cameron Wake die gegnerischen Quarterbacks das Fürchten (14 Sacks 2010). Sean Smith und Vontae Davis, 1st- bzw. 2nd-round-pick 2009, sind als Cornerbacks gesetzt. Die 23 und 25 Jahre alten Reshad Jones und Chris Clemons kämpfen um den Stammplatz neben dem 33jährigen Yeremiah Bell – dem einzigen Starter über 29. Auf dieser Seite des Balles sieht es rosig aus für die Zukunft.

Draft

In der Draft muß man sich fast ausschließlich um die Offense kümmern. In Runde 1 an Position 15 wird es höchstwahrscheinlich Alabamas RB Mark Ingram werden, so er noch nicht weg ist. Den 2nd-rd-pick hat infolge des Marshall-Trades Denver. In der dritten Runde sollte man sich dann um einen Guard kümmern und in den späteren Runden reicht es, sich um Tiefe im Kader zu sorgen (Secondary, O-Line).

Wenn es gelingt, die Angriffsmaschine zum Laufen zu bringen und die Verteidigung das Level halten oder sich noch verbessern kann, dann spielt man in Miami nächstes Jahr wieder um die Playoffs mit.

Weitere Sezierstunden gibt es hier oder unter dem Tag „Sezierstunde“.

Der NFL-2011-Draftvorschauer drei Tage nach dem Stichtag

Die Bowl Season ist vorbei, NFL Playoffs sind noch mitten im Gange. Im College stehen aktuell die Recruitings sehr stark im Vordergrund. In der NFL werden bei den ausgeschiedenen Teams die Wunden geleckt und die Trainer aussortiert. Zeit, einen kurzen Blick auf einen interessanten Offseason-Aspekt zu werfen: Den NFL-Draft. College-Spieler können vier Jahre an der Uni spielen: Das heißt dann im ersten Jahr Freshman, im zweiten Sophomore, im dritten Junior und im vierten Senior. Danach endet die Karriere an der Uni und nur den Besten steht der Weg in die NFL offen. Die Allerbesten gehen oft schon ein Jahr zu früh, nach dem Junior-Jahr, weil sie sich bessere Chancen ausrechnen, hoch gedraftet zu werden und mehr Kohle einzusacken.

Ein paar der heißeren Namen in der Kurzvorstellung – und der heißeste Namen ist nicht dabei: Bzgl. Andrew Luck kann ich mir meine so schön ausgedachten Franchisegesicht-Floskeln sparen und zumindest ein Jahr in die Schublade stecken. Luck bleibt am College.

Die Offense

Quarterbacks

Nach der Absage von Luck fehlt dem Draft ein herausragender QB. Die Jungs sind allesamt nicht schlecht, aber der Frontmann ist nicht mehr gegeben. Dark horse: Cam Newton.

Cam Newton

Cam Newton - ©Getty

Cameron Newton, Auburn. Athletisch ist der Mann genug und dass er eine Mannschaft notfalls im Alleingang zum Sieg führen kann, hat er auch bewiesen. Die Frage ist, ob sich jemand traut, einen hohen Draftpick in einen Spieler mit der Erfahrung von nur einem Jahr College zu investieren. Die Erfahrung sagt: Ein Team wird verrückt (oder genial?) genug dafür sein. Auf jeden Fall wird Newton Zeitungen und TV-Sendungen füllen – das Dark Horse des Drafts.

Jake Locker, Washington. Locker war letztes Jahr hoch eingeschätzt, blieb dann aber nochmal an der Uni. Keine gute Entscheidung für ihn, denn sein Jahr war suboptimal, um es noch beschönigend auszudrücken. Locker ist zwar beweglich und antrittsschnell, aber seine Würfe… Nope, überzeugen mich nicht.

Blaine Gabbert, Missouri, Junior. Für einige die neue #1 unter den QBs. Mit 1,96m ein Hüne, starker, aber ein Arm, ungenauer als die Mock Drafts im amerikanischen TV. Hat bei Mizzou viel, sehr viel in der Spread-Offense und Shotgun gespielt, aber auch mangels guter Nebenleute keine Bäume ausgerissen. Furchtloser Bursche und mit seinen 107kg ganz schwer zu fällen.

Ryan Mallett, Arkansas. Unbeweglicher als ein Fladen Schüttelbrot, aber ein Wurfarm vor dem Herrn.

Chris Ponder, Florida State. Präziser Werfer und Leadertyp. Helles Köpfchen, das für allerhand akademische Top-Leistungen verantwortlich war. Gilt als Typ für NFL-reif, als QB… Hm, auch wenn Seminole widersprechen würde: So ganz von Ponder bin ich nicht überzeugt.

Andy Dalton, TCU. Ein Scout hätte Dalton an dieser Stelle nicht genannt. Dalton wird eher nicht in Runde 1 oder 2 weggehen. Sieht sehr „schottisch“ aus und hat sich mit einer begeisternden Rose Bowl in meinen Fokus gespielt.

Pat Devlin, Delaware. Spielte in der FCS, daher auch für mich Neuland. Soll in den FCS-Playoffs sensationell aufgegeigt haben.

Running Backs

Trotz eines ehemaligen Heisman-Trophy-Gewinners wird die aktuelle RB-Klasse wie im letzten Jahr als eher mittelmäßig angesehen – und das liegt nicht mal an der Draft-Absage von Oregon-Superstar LaMichael James.

Mark Ingram jr., Alabama. Ganz harte Nuss. Ingram hat eigentlich keine Schwächen, läuft, fängt, bulliger Bursche und es ist leichter, Bill Belichick zum Lachen zu Bringen als ihm den Ball aus der Hand zu schlagen. Heisman Trophy Sieger von 2009, heuer aber einige Zeit verletzt gewesen. Ingrams Problem: Er ist kein Sprinter und eher klein gewachsen. Habe ich bei Maurice Jones-Drew auch mal gehört, das alles.

Ryan Williams, Virginia Tech. Auch so ein kleiner RB, aber brutal kräftig gebaut und schwer zu tackeln.

Jordan Todman, Connecticut. Für NFL-Verhältnisse mit 1,75m ein Kampfgnom. So ganz klar ist mir nicht, warum er nicht sein letztes Jahr im College geblieben ist. RBs mit seiner Statur werden eher selten ganz hoch einberufen.

Wide Receivers

Keine schwache WR-Klasse in meinen Augen, obwohl Michael Floyd und vor allem Justin Blackmon nun doch im College bleiben. Generell fällt bei den Underclassmen auf: Viele Typen, die gebaut sind wie die Säulen vor dem Altar, monströs groß und super-athletisch. Wenn sie nun auch alle die Hände besäßen…

A.J. Green, Georgia. War heuer eine zeitlang gesperrt, weil er ein Trikot an einen Agenten verkaufte. Aber auf dem Feld ein gewaltiger Mann: 1,93m groß, schnell und fängt alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Wird mit einiger Sicherheit als erster WR gedraftet. Ein paar Impressionen:

Julio Jones, Alabama. 1,93m groß, schnell wie eine Rakete, aber unkonstant wie ein Eljero Elia. Am Ende des Tages in der Highlight-Show, aber auch drei Drops und fünfmal die Route falsch gelaufen. Schlüsselwort für Scouts: Fokus. Was ihm helfen wird: Jones ist als harter Knochen bekannt, der auch lieber drei Pillen zu viel schluckt und die ganze Woche schlecht schläft, als mal ein Spiel wegen Wehwehchen zu verpassen.

Jonathan Baldwin, Pitt. Baldwin hat keine Bäume ausgerissen, aber wenn ich mir seine Maße so ansehe, glaube ich kaum, dass er länger als eine oder eineinhalb Runden warten muss: 1,96m, 102kg, kräftig wie der Espresso in der Toskana und guter Blocker, aber nicht der Allerschnellste.

Titus Young, Boise State. Ohne Bronco kann ich kein Draft-Preview gestalten. Young war die beste Offensivwaffe der Broncos. Senior – und schon gleich einen ganzen Kopf kleiner als die Underclassmen. Für die NFL vermutlich zu klein (1,80m), aber das waren Deion Branch und Steve Smith ja auch. Glaubten sie. Go Titus!

Tight Ends

Ein Tight End ragt heraus: Kyle Rudolph von Notre Dame. Ansonsten womöglich kein allzu großer Jahrgang für TEs, aber die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass man dafür erst in die Basketballhalle gehen sollte oder sein Glück in den späten Runden versuchen sollte. Tony Moeaki kannte auch keine Sau.

Offensive Line

Mein Football-Auge ist noch nicht auf Bewertung von Offense Linern geschult, von daher keine Einschätzungen von meiner Seite. Die meist genannten Namen sind: Der Koloss OT Nate Solder mit seinen 2,06m und schlanken 143kg, OT Gabe Carimi, OT Tyron Smith, OT Derrick Sherod, OT Tony Castonzo, OG Rod Hudson, C Mike Pouncey. Mal sehen, inwiefern Pouncey von seinem Bruder profitiert, der sich heuer als Volltreffer in der NFL erwiesen hat.

Die Defense

Die Offense-Liste ist schon draußen. Heute folgt, wieder ganz subjektiv und unvollständig, meine Draft-Liste für die Defense. Was auffällt: Ganz vorne in der Front Seven muss aussortiert werden. So viel Top-Jungs sind da unterwegs. Je weiter wir nach hinten gehen, desto dünner wird das Material für die ersten Runden. Safeties gibt es keine für die Top-Picks – was nicht heißen will, dass da noch ein paar Juwelen in den späteren Runden gepickt werden.

Defensive Line

Wenn ich mir die Liste so anschaue… Da sind massiv viele Ends dabei, die früh weggehen könnten. Starker Jahrgang für die Defensive Lines. Und ein J.J. Watt oder Cam Jordan tauchen da noch gar nicht auf.

Nick Fairley, DT Auburn. Im Prinzip sollte der Mann Nick Unfairley heißen. Aber: Wer seine Lauf-Defense verstärken will, wird bei Fairley zugreifen. Kein Mann wie DT Suh, aber zumindest optisch ähnlich dominant gewesen. Sollte ähnlich Seymour und Dareus auch 3-4 End spielen können. Ein paar halten ihn für mächtig überschätzt. Na denn, riecht trotzdem nach Top-3 bis Top-5. Und nach ein paar gepflegten Keilereien in der NFL…

Robert Quinn, DE North Carolina. Gleiche Uni wie Peppers. Starker Pass Rusher, hat aber wenig gespielt, weil gesperrt. Bekam allerhand Vergütungen und wechselte seine Gesichtsfarbe auch nicht, als er die NCAA-Detektive eiskalt über diese Zustände Märchen erzählte. 1,96m, 122kg und ein Monster von einem Defensive End.

Adrian Clayborn, DE Iowa. Bringt 129kg auf die Waage, ist aber nicht der Explosivste. Ansonsten ein Typ für die Bengals: Hat einen Taxifahrer windelweich geprügelt und dafür schon im Knast übernachten dürfen.

Da’Quan Bowers, DE Clemson. Der Mann mit dem Peppers-Problem: Alle Talente der Welt in einer Person vereint, aber gerne mal einen auf Basler machen und deswegen nicht in der Lage, durchwegs die Offense Lines zu zerbröseln. Aber ein spektakulärer End, der auch einem Laien sofort auffällt.

Ryan Kerrigan, DE Purdue. Weißer Defensive End und unfassbar explosiv. Löwe und Mathe-Student, so was gefällt korsakoff natürlich. Spielt gerne an der Playstation und feiert genau dann Geburtstag, wenn korsakoff seine alljährliche Siesta hält.

Marcel Dareus, DT/DE Alabama. Ein 139kg-Mann für die Mitte der D-Line. Heuer schwächer als erwartet. Ein gutes Zeichen: Dareus hat mich so schon schwer beeindruckt, sollte wie Seymour auch als End in der 3-4 Defense spielen können.

Stephen Paea, DT Oregon State. Hab ihn nur zweimal gesehen, da war er nur mäßig auffällig. Wird aber von allen Experten als 1st-Rundenpick angesehen, weil nicht viele Running Backs über ihn drüberlaufen werden.

Linebackers

Auffällig: Es gibt kaum klassische Inside und Outside LBs. Wir haben es mit einem Pulk an Jungs zu tun, die „allgemeingebildete“ Spielertypen sind und z.T. auch Defensive End draufhaben. Der beste Mann fehlt: Travis Lewis bleibt in Oklahoma. Dafür haben wir eine großartige Geschichte dabei.

Mark Herzlich, MLB Boston College. #94. Herzlich hat seinen Kampf schon gewonnen – den gegen einen seltenen und sehr unguten Knochenkrebs. Kämpferqualitäten sind etwas, was die NFL schätzt. Sehr sogar. Wird in jedem Umkleideraum ein emotionaler Leader sein. Mark, Herzlich willkommen in der NFL!

Einen Fan auf dieser Seite des Atlantiks hat der Mann schon. Der sitzt gerade in Südtirol.

Von Miller, OLB Texas. Hat sich schon den Ruf als harter Knochen erarbeitet, weil er häufig trotz Verletzungen spielt. Das beeindruckt NFL-Scouts. Starker Pass-Rusher, der auch schon DE gespielt hat. Kreativer Choreograf für Sack-Tänzchen. Irgendwo in Top-10-Nähe, aber vielleicht ein Riesenflop.

Akeem Ayers, OLB UCLA. Sehr kompletter Spieler, der noch lieber in die Deckung geht, als auf Blitzes. Gilt als unkonstant.

Greg Jones, OLB/MLB Michigan State. Ein Spieler, der schneller am Ort des Geschehens ist als du seinen Namen aussprechen kannst, und einer, der dir 10 Tackles pro Spiel macht. Spielte in der Capital One Bowl zuletzt voll durch, obwohl seine Spartans hoffnungslos – und ich meine hoffnungslos – in Rückstand waren.

Defensive Backs

Die NFL ist im Begriff, Defenses „von hinten“ bauen müssen zu glauben. Will heißen: Statt dominante Defensive Lines zusammenzuzimmern, tendiert man mehr dazu, zuerst dominante Safeties und Cornerbacks einzukaufen. Spieler wie Polamalu, Reed oder Revis dürften da nicht ganz unschuldig an der Meinung sein – für sie werden mittlerweile eigene Gameplans entwickelt.

Patrick Peterson, CB LSU. Brutal schneller Mann, der als neuer Devin Hester gilt. Sensationeller Punt Returner, keine Frage. Deckt in der Seconodary alles ab, was abzudecken ist. Sicherer Top-10 Pick, mit Option auf mehr.

Prince Amukamara, CB Nebraska. Nach „Ndamukong“ wieder so ein unaussprechlicher Name von der University of Nebraska. Diesmal nichts mit Indianern zu tun, sondern Wurzeln in Nigeria. Amukamara ist ein Athlet vor dem Herrn, aber ein unkonstanter und zuweilen laxer Knabe und keiner.

Brandon Harris, CB Miami. Log noch vor ein paar Tagen schamlos, als er ankündigte, im College zu bleiben. Geht jetzt doch in die NFL, weil CB Janoris Jenkins im College bleibt und für Harris eine höhere Draftposition herausschaut. Wurde in der Sun Bowl böse von Malcolm Floyd verbraten.

Rahim Moore, S UCLA. Gilt als Top-Safety, wird aber wohl nicht in Runde #1 gedraftet werden, obwohl ein Abfangjäger wie Ed Reed.

Jeron Johnson, S Boise State. Johnson hat mir in der Las Vegas Bowl extrem gut gefallen. Kleiner, kräftiger Mann mit Nehmerqualitäten. Wird aber kaum in den ersten 2-3 Runden weggehen.

Ras-I Dowling, CB Virginia. Letzter Mann in dieser Vorschau. Okay, ich hab den Mann nie spielen sehen. Aber der Name… schlicht und ergreifend köstlich.

Capital One Bowl 2011: Alabama Crimson Tide – Michigan State Spartans

[22h20] Endstand in Orlando: Alabama 49, Michigan State 7. Ganz böse Pleite für Michigan State. Es dürfte nun keine Rede mehr davon sein, dass die Spartans unter Umständen in eine BCS Bowl gehört hätten.

So. Die Rose Bowl erwartet uns. Ich mache dann mal den entsprechenden Thread auf.

[22h12] Weil im Parallelspiel ein paar Kilometer weiter westlich gerade die Florida Gators spielen: Es wird gemunkelt, dass Charlie Weis (Chiefs-Offense Coordinator) der neue OffCoord in Gainesville werden soll.

Der mögliche Nachfolger für Weis in Kansas City: Josh McDaniels. Nach dieser Vorgeschichte wäre das eine Sensation. Die Info stammt vom stets gut informierten Adam Schefter.

[22h05] TOUCHDOWN MICHIGAN STATE. Die Grünen auf den Rängen jubeln. WR Fowler kann zum Ehren-Touchdown durchlaufen. Nur noch 49-7.

[22h00] Nick Saban ist an der Seitenlinie ratlos und er macht aus seinem schlechten Gewissen keinen Hehl. Saban will seine Ex-Uni nicht in Grund und Boden spielen – aber RB Lacy kann ganz locker durch die Defense pflügen: 62yds-Run, 49-0. Was will Saban machen, wenn der Gegner so miserabel verteidigt?

[21h47] Zurück zu Greg McElroy. Der Mann ist Senior. Ich habe McElroy gerne kritisiert, aber der Mann sollte durchaus Chancen haben, gedraftet zu werden. Meine Vorbehalte bzgl. „Souveränität“ und „Leadership“ haben sich im Lauf der Saison immer wieder als falsch herausgestellt.

Bei McElroy sehe ich aber das Problem, dass die langen Bälle oft fürchterlich ungenau sind und die Bälle ganz allgemein eine merkwürdige Flugkurve nehmen. Das schmeckt NFL-Scouts gar nicht.

McElroy hat in der Senior Bowl die Chance, sich noch einmal zu präsentieren.

[21h34] Das ist nur noch lächerlich. Alabama spielt ohne QB McElroy und RB Mark Ingram. Verzichtet mit QB McCarron praktisch gänzlich auf Passspiel. Trotzdem ein leichter Touchdown. RB Lacy läuft durch. 42-0. Gegen ein „Top-10“-Team.

[21h23] Den Spartans geht nach und nach die Offense aus. WR Mark Bell ist schon ausgeknockt. Jetzt verletzten sich QB Kirk Cousins und WR Keith Nichol innerhalb von zwei Plays. Angesichts des deprimierenden Spielstands eh wurscht.

[21h14] Gleich wird Alabama seinen siebten Drive beginnen. Bisherige sechs Drives: TD, TD, TD, TD, Halbzeit, TD. Der fünfte Drive war kurz vor der Pause, als man die Zeit runterticken ließ.

Jetzt spielt schon der Backup-QB. Greg McElroy hat bei einem der TDs für Julio Jones einen fantastischen Block gesetzt. McElroy beendet seine College-Karriere nach diesem Spiel.

[21h00] Erster Drive nach der Pause und die Crimson Tide zerlegen die Defense mit einfachsten Spielzügen: Pässe nach links und nach rechts und durch die Mitte. Vier Plays, 79yds, und ein ganz einfacher Touchdown-Pass durch die Mitte – über 37yds und WR Maze muss nicht mal einen Move zeigen, um seinen Manndecker drei Meter abzuhängen. 35-0 Alabama.

[20h43] Es grenzt an Zeitverschwendung, die Capital One Bowl anzuschauen. Alabama – Michigan State, #16 gegen #9. Ich hab es in meiner Preview geschrieben: Alabama kommt mir mit #16 zu schlecht weg.

Resultat zur Halbzeit in Orlando: Alabama 28, Michigan State 0. Die Offense überrennt die Spartans und QB McElroy bringt alles an den Mann. Die Spartans bringen kein Bein in den Boden, das Laufspiel findet nicht statt und beim Drop-Back steht der QB meist schon nach 0,2sek unter Hochdruck. QB Kirk Cousins 3x gesackt und eine INT. In Zahlen liest sich das so: 264 zu 71yds Offense pro Alabama.