Miami Hurricanes | 2016/17 Vorschau

Die Miami Hurricanes sind eines der bekanntesten Programme im College Football, was weniger an epochaler Tradition liegt, sondern an den gigantischen Erfolgen seit den 1980er Jahren – und noch mehr am revolutionären Stil des Programms. „The U“ war nicht bloß erfolgreich; „The U“ war laut und erfolgreich. Weiterlesen

Samstagsvorschauer #14 – Finaltag 2015

Die Georgia Bulldogs haben sich letzte Woche von ihrem langjährigen Headcoach Mark Richt getrennt. Richt hat schnell einen neuen Arbeitgeber gefunden: The U, die University of Miami. Der Move hat mit im ersten Moment völlig verblüfft: Der good guy Richt, für den Gewinnen nicht so wichtig war wie Gewinnen mit Stil, geht zur vielleicht skandalumwittertsten Universität im College-Football. Hätte ich das Idealprofil des neuen Miami-Coaches gezeichnet, es wäre der Anti-Richt geworden.

Doch The U ist Richts Alma Mater. Richt war hier Backup-Quarterback in den 1980er Jahren. Richt geht damit von einem supertraditionellen Team mit einem stets randvollen Stadion zu den kriselnden Hurricanes, die in den letzten Jahren regelmäßig vor leeren Rängen im seelenlosen Sunlife Stadium aufgelaufen sind. Ich bin gespannt.

Richts Nachfolger bei Georgia gilt auch schon als fix: Alabamas DefCoord Kirby Smart. In den Kreisen, in denen ich verkehre, wird der Move skeptisch gesehen. Grundtenor: Georgia hat Smart geholt, damit ihn das ebenso auf Coachsuche befindliche South Carolina nicht bekommt. Die Chance, dass Smart mehr Erfolg als Richts 7 Top-10 Finishes in 15 Jahren bringt, wird als eher gering gesehen.

Die Entlassung Richts ist ein Meilenstein in der SEC. Georgia hatte bis letzten Sonntag als Institution gegolten, an der noch alte Werte des Universitätssports geschätzt werden. Mit Richts Entlassung wird die Georgia eine von vielen.


Zu den Conference-Finals von heute. Weiterlesen

The Countdown, T-minus 6: Georgia Bulldogs

The Countdown

#6 Georgia Bulldogs.
SEC, Eastern Division.
2012: 12-2.

Die Georgia Bulldogs kommen mal wieder aus einer Saison Marke „fast dran gewesen“: Die Jungs von Head Coach Mark Richt spielten eine überwiegend wechselhafte Saison mit großartigem Schlussspurt, qualifizierten sich primär dank ihres recht einfachen Schedules anstelle von Florida oder South Carolina für das SEC-Endspiel, und spielten dann ein derart faszinierendes Endspiel gegen Alabama, dass jedem Kritiker die Spucke im Hals stecken blieb: Im besten Footballspiel der kompletten letzten Saison verlor man nach einem grandiosen Spielverlauf erst im allerletzten Spielzug wenige Yards von der EndZone des hohen Favoriten Alabama entfernt knapp 28-32.

Richt hängt quasi seit jeher der Ruf des Ewigen Zweiten nach, ein Coach, dessen Mannschaften Jahr für Jahr die hohen Erwartungen nicht erfüllen können. In einer Footballschmiede wie Georgia, dem Epizentrum des College Football, sind die Fans erst dann zufrieden, wenn nach über 30 Jahren mal wieder ein National Title geholt wird; Richt hat das in über einem Jahrzehnt nicht geschafft, aber seit zwei, drei Jahren hat er wieder einen meisterhaften Spieler- und Trainerkader beisammen und glänzende Voraussetzungen, auf Jahre oben mitzuspielen.

Die Offense hat Potenzial, die beste im College Football zu sein: OffCoord Mike Bobo, obwohl in weiten Teilen der College-Community mit argwöhnischen Augen bedacht, gilt unter neutralen Beobachtern als Genie, was Spielzugdesign und -ansagen angeht (Bobo hat keine Furcht vor aggressiven PlayCalls), und Bobo hat in den letzten zwei Jahren immer größeres Vertrauen in seinen QB Aaron Murray gezeigt. Murray ist vielleicht nicht das großartige NFL-Prospect wie ein Andrew Luck, aber Murray ist ein cooler Hund mit präzisen Pässen und bewies im SEC-Finale eisenharte Klöten in der Crunch-Time.

Murray wird sein letztes Jahr am College spielen, und er wird bessere Unterstützung als letztes Jahr haben, als Georgia eine Top-5 Offense besaß: Die RB-Combo Gurley/Marshall gehört zum feinsten, was man bestaunen kann. Letztes Jahr waren beide Jungs Freshmen, und während Todd Gurley der brachiale Power-Back ist, gibt Keith Marshall den change-of-pace-Back für die großen Raumgewinne zwischendurch.

Der WR-Corp ist NFL-reif: Mitchell dürfte der neue #1-Mann werden, während in der Hinterhand sensationelle Sprinter wie Chris Conley und mehrere Top-Recruits auf den Durchbruch hin arbeiten. TE Arthur Lynch dürfte in spätestens zwei Jahren die NFL aufmischen. Es ist eine Offense, die zu denen gehört, auf die ich mich am meisten freue. Einziges Problem ist die geringe Kadertiefe hinter den ersten beiden Running Backs, bzw. die Frage, was passiert, wenn Murray mal ausgeknockt wird.

Die Defense war in der letzten Saison über weite Strecken der Schwachpunkt, bis sie im letzten Saisondrittel zündete und über die Einmann-Abrissbirne Jarvis Jones hinaus ging. Jones ist nun wie auch LB Alex Ogletree, S Bacarri Rambo oder DT John Jenkins und einige andere in der NFL. In allen Mannschaftspositionen (DL, LB, DB) kommen jeweils vier der besten fünf Spieler  abhanden, was automatisch den Fokus auf das richtet, was in der SEC wirklich wichtig ist: Recruiting – und da gilt Georgia unter Richt als famos.

DefCoord ist Todd Grantham. Grantham könnte hie und da etwas Nachhilfe in Sachen anger management gebrauchen, und was seine Qualitäten als Football-Stratege angeht, bin ich mir auch noch nicht gänzlich im Klaren: Die Georgia-Defenses der letzten Jahre wirkten nur selten wie eine in sich homogene Einheit, in der alle Star-Athleten wussten, was sie zu tun hatten.

Potenzieller Stolperstein könnte der Schedule werden: In einer Saison, in der insbesondere die Defense die eine oder andere Woche brauchen wird, um sich einzugrooven, geht es in den ersten vier Spielwochen mit Kalibern wie @Clemson, South Carolina und Louisana State los – nur absolute Spitzenmannschaften kommen da ungeschlagen durch. Wenn Georgia durchkommt, wartet aber nur noch Anfang November Rivale Florida in der Cocktail-Party in Jacksonville als möglicher Plumpser auf dem Weg zum erneuten Divisionssieg.

Wie schon geschrieben: Die Offense ist möglicherweise fantastisch, die Defense ein einziges großes Fragezeichen. Mit voller Überzeugung will ich Georgia noch nicht ins SEC-Finale schreiben, aber es schlummert Potenzial für Großes in dieser Mannschaft.