Geno Smith und die New York Jets

Die Einberufung von QB Geno Smith mit dem 39ten Pick zu den New York Jets war eine der weitreichendsten Entscheidungen in diesem Draftwochenende 2013. Meine erste Reaktion war „also doch“. Ich war nicht wirklich überrascht, auch wenn jedem sofort bewusst war, wie heikel die Entscheidung der Jets war.

Ma überlege: Geno Smith ist alles andere als ein fertiges Produkt. Die Skill-Player sind selbst nach dem Trade für RB Chris Ivory maximal lauwarm besetzt, die Offense Line ist eher so naaaaaaaja, der Trainerstuhl des Rex Ryan ist schon an zwei Beinen quasi durchgesägt. Oben drauf kommt noch die aggressivste Boulevard-Presse und ein Publikum, dessen Geduld nun zwei Jahre überstrapaziert wurde. Entsprechend schaumgebremst guckte Geno auf der Vorstellungspressekonferenz dann auch aus der Wäsche.

Geno Smiths Einberufung bedeutet auch: Er ist quasi per sofort der beste Quarterback im Jets-Kader. Ob er deswegen auch gleich ins Getümmel geschmissen werden sollte, ist eine andere Frage: Man riskiert, ihn zu verbrennen. OffCoord Marty Mornhinweg ist kein unterirdischer Mann, aber es galt als Konsens, dass Geno als Rookie einige Zeit zum Einlernen brauchen würde. Bloß: Von wem willste lernen?

Weil die Jets Quarterbacks sammeln wie andere Bierdeckel, war Geno Smith der sechste Quarterback im Jets-Kader. Wir sind mittlerweile bei fünf, da Tebow wie lange erwartet am Montag gefeuert wurde. Der Tebow-Einkauf letztes Jahr wird ein Mysterium bleiben, der letzte oder vorletzte Bock des ehemaligen GMs Tannenbaum. Tebows Entlassung kostet 1.5 Mio. Cap-Penalty, spart aber insgesamt 1 Mio. Platz unter der Cap ein (Tebow schreibt momentan zirka 2.5M an). Auch Matt Simms können wir als sicheren Streichkandidaten eintragen.

Vielleicht kann David Garrard als Art Mentor fungieren. Garrard geht auf die 40 zu und hat seit gut drei Jahren nicht mehr gespielt. Wenn schon Mentor, kann der Mann auch gleich einen auf Assistenzcoach geben und als solcher eingestellt werden. Greg McElroy ist noch jung und zwar blass, aber keinesfalls so unterirdisch, dass man ihn unbedingt rausschmeißen möchte. McElroys Entlassung käme aber praktisch gratis (nur 32k Cap-Penalty).

Bleibt The Sanchize, Mark Sanchez, der nach vier Jahren Stagnation als komplett verhasst in der Anhängerschaft gilt. Seine Vorstellungen schreien seit zweieinhalb Jahren nach „entlasse! Entlasse!“, aber weil ihm Tannenbaum letztes Jahr einen Deal aufsetzte, wie ihn nur ein Wahnsinniger ausschreiben kann, ist Sanchez nicht schlecht gegen den Rauswurf versichert: Er schreibt 2013/14 mit 12 Mio. Dollar unter der Salary Cap an – ein Wahnsinnspreis, aber nix gegen die Kosten, die seine Entlassung noch vor der Saison kosten würde: Die dead money würde 17 Mio. betragen, also mehr als Sanchez‘ Gehalt!

Jedem ist klar, dass Sanchez nicht die Zukunft ist. Bisher war man davon ausgegangen, dass er aufgrund des idiotischen Vertrags aber zumindest noch eine Saison überleben würde. Nach Geno Smiths Einberufung sind Zweifel angebracht: Sanchez muss sich trotz der dead money-Absicherung Sorgen machen um seine Jobsicherheit. Ein Rauswurf wäre der beste Move für die Jets.

Am günstigsten wäre eine Abschreibung noch vor dem 1. Juni, also keine Verschiffung von dead money in die nächste Saison. Die Jets würden eine Saison 2013/14 in der Hölle durchleben, aber sie hätten in einem Jahr millionenweise Platz unter der Salary Cap (locker 40-50 Mio.) – ausreichend Platz um einen Neustart zu iniziieren, ob mit oder ohne einen Head Coach Rex Ryan.


Ich sehe den Jets-Pick für Geno Smith optimistischer als andere Beobachter. Alle waren der Meinung, dass Smith die Voraussetzungen hat, eine Franchise zu führen, dass er aber Zeit brauche und man von ihm keine Luck’schen Wunderdinge erwarten dürfe. Die Jets verbrannten keine wertvollen hohen Draftpicks für die Wundertüte Geno, sondern den relativ risikofreien Pick in der zweiten Runde. Das ist insofern wichtig, da es immerhin finanziell und medial deutlich weniger heikel ist, einen Quarterback aus der zweiten Runde zu bekommen. Freilich wäre das Jahr Einlernzeit für Geno der beste Fall, aber sofern man nächstes Jahr durchstarten möchte, sollte man Sanchez entlassen und mit dem Rookie Geno in die Saison gehen. Die Offense kann eh nicht mehr unterirdischer werden und wenn alle Stricke reißen, wartet nächstes Jahr eine interessantere Quarterback-Gruppe in den Top-10.

New York Jets in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         6-10   --
Enge Spiele    3-3 
Pythagorean    5.3   (26)
Power Ranking   .474 (22)
Pass-Offense   5.4   (28)
Pass-Defense   5.8    (8)
Turnover       -14

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Über die Jets lacht die halbe Liga, und das mit Grund: Der Laden von Owner Woody Johnson ist ein Paradebeispiel dafür, wie man in der NFL für kurzfristigen Erfolg die Zukunft auf Jahre verbrennen kann. Überhaupt hinterlässt der gefeuerte GM Mike Tannenbaum in New York größtenteils einen Scherbenhaufen.

Tannenbaum und Stab begannen vor vier Jahren, rund um den jungen „Sanchize“-QB Mark Sanchez herum eine Truppe von bekannten ehemaligen Allstars aufzubauen – eine Taktik, die die Jets zweimal hintereinander ins AFC-Finale führte. Dann ging Tannenbaum „all in“, wollte den Superbowl-Sieg erzwingen und opferte dafür die mittelfristigen Ziele. Die Allstars wurden zu Altstars und somit zu alt, die Verträge zu teuer.

Die Entlassungen von Leuten wie Tomlinson, Scott oder Edwards fraßen nicht nur dead money Platz unter der Salary Cap auf. Sie berauten die Jets eines jungen Kerns, der sich erst nicht entwickeln konnte und dann – aufgrund zu vieler verschlissener Draftpicks in Trade-Geschäften – überhaupt nicht mehr nach New York kommen konnte.

Jetzt sieht die Gang Green der Salary Cap-Hölle ins Auge, kann aber aufgrund einiger viel zu massiver Verträge nur beschränkt handeln. Die Franchise ist in der beschissenen Lage, dass selbst ein sofortiger Neuaufbau zu teuer (!) käme.

Revis Island

Das wertvollste Anhängsel der Jets ist Stand heute CB Darrelle Revis, ein Cornerback im besten Alter, der auf der Höhe seines Schaffens weit über allen Positionskollegen ligaweit anzusiedeln ist. Bei Revis gibt es zwei Knackpunkte:

  • Er hatte nun zwei Jahre Verletzungsprobleme.
  • Sein Vertrag läuft 2014 aus, und Owner Woody Johnson möchte aufs Gebrechen keinen Langzeitvertrag auspacken.

Das macht Revis zu einem wertvollen Tauschobjekt für die Jets, die durchaus den einen oder anderen hohen Draftpick für Revis abstauben könnten (Buccs, anyone?). Besonders interessant würde ein Trade, weil Revis in dem Müllteam, das New York in den nächsten 1-2 Jahren aufstellen wird, eh verschwendetes Talent ist. Und Revis würde den Jets das bringen, was ihnen in der Tannenbaumzeit bitter abging: Draftpicks und Infusion von Frischblut. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der gewiefte neue GM John Idzik in den nächsten Wochen bis zum Draft den erwarteten Revis-Trade durchzieht.

Die Defense

Der Abgang würde allerdings sportlich als herber Verlust empfunden werden, auch wenn Revis zuletzt fast das ganze Jahr fehlte. Die Jets besitzen mit CB Cromartie und dem jungen CB Wilson mehr oder weniger solide Deckungsspieler, aber nach dem Abgang von S Landry gibt es ein klaffendes Loch „hinten in der Mitte“.

Bei den Linebackers ist nach Bart Scotts Entlassung kaum mehr Erfahrung im Kader – es müssen wohl bisherige Ergänzungsspieler starten. In der Defense Line ist man aber gut aufgestellt: NT Wilkerson und DE Coples gelten als Rohdiamanten, die Tiefe könnte aber besser sein.

Die Jets haben in einer Hinsicht Glück: Die Draftklasse ist haargenau ihren Bedürfnissen nach „konzipiert“: Die Safety-Klasse ist tief genug besetzt, dass man auch in den mittleren bis späten Runden wohl gute Athleten bekommt. Passrush von den OLB-Positionen, händeringend gesucht, scheint auch noch nach der ersten Runde erhältlich, sodass man in Kombination mit der breit aufgestellten DL-Klasse durchaus die größten Needs in der Defense im Draft angehen kann – und noch nicht mal unbedingt in der ersten Runde. (der mögliche Revis/Trade-Pick noch nicht reingerechnet)

Es bleiben also Ressourcen für die Offense frei.

Die Offense

Dort ist im Prinzip wurscht, wo man anfängt, denn die Löcher gibt es überall. Head Coach Rex Ryan versuchte das komplette letzte Jahr, den quasi-enteierten Sanchez verbal aufzubauen, was nicht nur nicht gelang: Sanchez spielte sich mehrmals in ein tiefes Loch, produzierte mehr Fumbles als Punkte und erwies sich endgültig als gescheitertes Experiment. Sanchez‘ Vertrag ist so heftig, dass die Jets ihn nicht entlassen können, gleichzeitig aber Probleme haben werden, einen halbwegs billigen und soliden Backup zu holen. Weil sich Tebow als das auf diesem Blog schon immer kommunizierte Missverständnis erwies, und der blasse QB McElroy nicht als ernsthafte Alternative gesehen wird, holte sich New York den einstigen Spaß-QB David Garrard aus dem Ruhestand.

Der neue OffCoord Marty Mornhinweg, ein Grund-Unsympath von Mensch, aber ein recht angesehener Spielzug-Kreator, wird bei allen Spielmacher-Optionen um arge Limits herum doktern müssen: Sanchez kann das Spiel nicht wirklich lesen, McElroy hat nicht alle Würfe drauf, Tebow hat nur einen Wurf drauf, und Garrard gilt als körperliches Wrack.

Die Ballfänger sind auch bestenfalls Mittelmaß: WR Holmes, ein ehemaliger Superbowl-MVP bei den Steelers, kriegt sein Leben vor dem Stadion nicht in den Griff und hat physisch abgebaut, TE Dustin Keller spielt nun andernorts, und sonst sind primär billige unterdurchschnittliche Leute im Roster, oder ein extrem ungeschliffener WR Stephen Hill. Ähnlich die Backs: Greene ging nach Tennessee, bei Bilal Powell weiß keiner, was zu erwarten ist, RB Hilliard ist auch ein eher unbeschriebenes Blatt.

New York pickt an Position #9. Nicht ausgeschlossen, dass eine All-Around-Waffe wie Austin oder ein WR Patterson vom Madison Square Garden direkt rüberwechseln ins Jets-Trainingszentrum. Ansonsten bleibt immer noch die Option „Offense Line“: Right Tackle galt zuletzt als furchtbar, und die Stärkung der trenches ist niemals, für keine Franchise, eine schlechte Idee. Auch hier: Offense Line gilt als starke Position im Draft.

Ausblick

Das Erbe Tannenbaums ist so verheerend, dass ein General Manager in der Situation Idziks nicht verlieren kann: Schafft er den Umbruch – alle Ehre. Schafft er es nicht, kannste ihm auch net böse sein. Ein kurzer Approach:

  • Runde 1: Skill Player oder OLB
  • Runde 2: Offense Tackle, OLB oder Safety
  • Runde 3-4: Safety, Offense Tackle oder WR
  • Runden 5-7: Skill Player (RB, WR,TE)

Für 2013 muss man ein eher schwieriges Jahr erwarten, sofern nicht aus dem Nichts ein Sanchez oder Garrard eine Sensations-Saison zaubern. Weil Mornhinweg mehr als die letzten OffCoords aus seinen Spielern holen wird, und Rex Ryan immer eine konkurrenzfähige Defense stellt, auch ohne adäquates Spielermaterial, kann schon sein, dass New York nicht ganz nach unten durchgereicht wird. Playoffs empfände ich aber als Cinderella.

Recap Week 8 – Jets vs. Dolphins

Vorausgeschickt die Spoilerwarnung.

Das blanke Endergebnis zeigt nicht, wie es gekommen war: Die Dolphins gewannen dank ihrer Special Teams, die in der ersten Halbzeit einen Punt zum Touchdown blockten sowie ein Field Goal blockten und einen sehr langen Return produzierten, und dank ihrer Defense, die zwei schnelle Turnovers forcierte, aus der kurze Feldpositionen resultierten, die zu Punkten verwertet wurden. Miamis Punkte kamen wie folgt zustande:

  • FG nach 63yds-Drive.
  • TD nach geblocktem Punt.
  • TD nach 32yds-Drive.
  • FG nach 44yds-Drive.
  • TD nach 40yds-Drive.
  • FG nach 21yds-Drive.

Überragende Offense geht anders, aber was ist man auch anderes gewohnt, wenn QB Matt Moore wegen einer Tannehill-Verletzung auf das Spielfeld kommt? Moore spielte souverän und blass wie immer, was einzig auffiel, waren ein paar fallengelassene fangbare Pässe der Wide Receivers und ein WR #10 Jabar Gaffney, der nun wirklich nur mehr zwei oder drei weitere Teams in seiner Sammlung bis zur Vollständigkeit braucht.

Im Laufspiel war RB Dan Thomas wie immer grundsolide, RB Reggie Bush wie so oft boom or bust, wobei Bush das Play des Tages machte und nach den lauten Ankündigungen der Herrschaften Landry und Cromartie mal eben beide verarschte und Cromartie zu einer Tätlichkeit zwang, die relativ gleich zu Spielbeginn die ersten pinken Flaggen der NFL-Historie regnen ließen. Cromartie war wohl tief getroffen, reagierte nach dem Spiel mit zweideutigen Kommentaren drauf („We know Reggie’s true colors“).

Sauer hätten die Jets auf ihre Offense sein können. Ich erkläre zum fünfunddreißigsten Mal seit Bloggründung das Ende der Sanchez-Ära; da wird nix mehr draus. Die Jets in der ersten Halbzeit mit Drives von 4, 10, 8, 9, -3, -1 Yards, und dann mit einem gescheiten Drive über 70yds, der mit geblocktem Field Goal endete. Wie so oft: Wenn eine starke Lauf-Defense daherkommt, sind Sanchez und Jets verloren. Ich meine: Verloren.

Was sind nun die Optionen für die Jets? 2012 dürften sie mangels Optionen auf Sanchez angewiesen sein, nachdem Tebow nicht mal mehr bei dritten und vierten Versuchen und 1 Yard zu gehen zum Einsatz kommt. Persönlich würde ich ernsthaft das Austesten von QB Greg McElroy andenken, aber der ist nach allem am College Gesehenen auch nicht viel mehr als ein blasser Verwalter. Bleibt also: Abwarten, Tee trinken, und dann nach Rasur der sportlichen Leitung in den 2013er NFL-Draft zu gehen… wenn Sanchez bloß nicht jüngst diesen Multimillionenvertrag aufgesetzt bekommen hätte.

Bleibt als Fazit: Die Dolphins wirken steril und ich habe keine Ahnung, warum die Statistiken Miami so stark sehen. Aber gegen eine völlig hilflose Jets-Truppe reichte das an diesem Tag zu einem dank Special Teams nie gefährdeten Auswärtssieg, bevor der Sturm in den Meadowlands richtig einsetzte.

MNF-Preview #5: New York Jets – Houston Texans

Das Monday Night Game steht unter den Vorzeichen der extrem schlechten Stimmung bei den New York Jets, die nach dem Shutout daheim gegen San Francisco schon wieder in den Selbstzerfleischungsmodus geschaltet haben. Wenig zur Besserung beitragen tun die Langzeitverletzten CB Darrelle Revis und WR Santonio Holmes, ihre Zeichens jeweils die entscheidenden Eckpunkte, um die Defense und Offense der Jets gebaut sind.

Die Probleme der Jets beginnen im Angriff, wo a) das Laufspiel um die windelweichen Running Backs nicht in die Gänge kommt, und b) das Passspiel, wo langsam auch die letzten Optimisten ihre Abgesänge auf QB Mark Sanchez angestimmt haben. Selbst in Bestform ist der komplette Jets-Angriff nur zum NFL-Mittelmaß zu zählen, und dann haben wir noch nicht über die Störfeuer „Tebow“ und „Tony Sparano“ geredet. Ersterer wirkt wie ein Fremdkörper in einem Angriff, der von letzterem mehr als inspirationslos gemanagt wird.

Einziger kleiner Hoffnungsschimmer für New York: Die Lauf-Defense der Texans ist statistisch im unteren Drittel der NFL zu finden. Als möglichen Anhaltspunkt ausgemacht hätte ich nach den letzten beiden Spielen NT Shaun Cody, der im Gegensatz zu einem – nehmen wir einen Jet – DT Pouha keinen Stich in Einzeldeckung macht und damit ein erheblicher Schwachpunkt in einer 3-4 Defense stellt.

Auf der anderen Seite ist die Jets-Defense ohne den Ankerman Revis nur die Hälfte wert. Revis’ Ersatzmann, der junge CB Kyle Wilson von Boise State, wurde schon von Alex Smith mehrmals böse verbrannt – man möchte sich nicht ausmalen, was dann für einen Texans-Angriff drin ist, der mit QB Matt Schaub einen überdurchschnittlichen Spielmacher und mit WR Andre Johnson einen der zwei, drei gefährlichsten Wide Receivers aufbietet.

Ein weiteres Problem, wenn man Houstons Angriff verteidigen will: Die Balance. Das Texans-Laufspiel um die Running Backs Foster/Tate bringt dieses Jahr zwar nicht allzu viele Yards/Carry auf den Boden, aber das muss es auch nicht. Das Laufspiel muss nur zwischendurch entlasten, mal wieder vier Yards zum neuen 1st down machen, und gegen Spielende mit ein, zwei 1st downs die Uhr runtertickern lassen. Den Rest besorgt zwischendurch der unspektakuläre, aber effizient spielende Schaub.

Die Jets dürften nur dann eine Chance haben, wenn sie nicht gleich zu Beginn in Rückstand geraten. Wenn Houston zu irgend einem Zeitpunkt mit zehn Punkten in Führung geht, bin ich geneigt, die Partie für beendet zu erklären, denn ein Sanchez als versuchtes Comeback-Kid ist accident waiting to happen.

Spiel gibt es ab 02h30 live bei ESPN America und SPORT1+. Wiederholungen: Bei ESPN America morgen um 18h30, bei SPORT1+ morgen um 17h25.

Glaskugel 2012: New York Jets

 

Beinahe jedes Jahr gibt es während der Offseason einen riesigen Medienhype um die Footballteams in New York. Dieses Jahr ist es ganz besonders schlimm. Und das hat mit einem Mann zu tun. Nein, es ist nicht Tom Coughlin, der seine Blue Men Group zum zweiten Super Bowl in fünf Jahren geführt hat und einen Bill Belichick mittlerweile locker zum Frühstück verspeist.

Nein, dieses Jahr ist es auch nicht Eli Manning, der nach unglaublichen Leistungen im Dezember und mehr noch in den Playoffs zusammen mit Drew Brees und Aaron Roders das Top-Trio der NFL-Quarterbacks bildet und besser spielt als Tom Brady.

Dieses Jahr geht es um die Jets und um den Mann, der Gang Green wieder zur größten Nummer der Stadt machen soll. Menschlich spaltet er die Massen; auch footballtechnisch hält die Hälfte ihn jetzt schon für eine Legende während ihn die andere Hälfte für fürchterlich überbewertet hält; er ist aufregend, er kann spektakulär sein, er kann immer wieder etwas Neues aus dem Ärmel schütteln und darum hat er auch schon gezeigt, daß er in den Playoffs gewinnen kann. Zu allem Überfluß ist er in diesem Sommer auch körperlich in der besten Form seines Lebens. ESPN macht sogar Sondersendungen über die Jets und das muß mit ihm zu tun haben. Wir reden von – natürlich: Rex Ryan.

Rex Ryan geht mittlerweile in sein viertes Jahr als Head Coach der New York Jets. In seinen ersten beiden Jahren hat er sie jeweils ins AFC Championship Game geführt. Letztes Jahr reichte es nur für einen 8-8-Rekord, weil die Offense – wie eigentlich immer in den letzten drei Jahren – alles vertrottelt hat.

Legende ist schon jetzt das Spiel gegen Baltimore in Woche 4, als die Defense nur einen Touchdown zugelassen hat und am Ende trotzdem eine 34 für die Ravens auf dem Scoreboard stand. Eine Woche später verlor NY knapp gegen die Patriots und schon stand man mit mit drei Niederlagen aus fünf Spielen mit dem Rücken zur Wand. Anschließend hat die Defense erstklassig gespielt wie immer und Anfang Dezember, mit 8-5-Rekord, war man dann doch mittendrin im Playoffrennen.

Dann ist aber der gesamte offensive Teil der Mannschaft völlig in sich zusammengebrochen. Das sagt der Star-WR, daß der Offensive Coordinator stinkt; irgendwer sagt, daß die O-Line stinkt; alle sagen, daß der QB stinkt; die OLine sagt, der QB stinkt nur, weil die WRs nichts fangen und die RBs nicht laufen können und die Fans sagen, daß alle stinken undsoweiterundsofort… und natürlich – schließlich sind wir in New York – steht das auch alles in der Zeitung.

Zehn Turnovers in den letzten drei Spielen später lacht die ganze Welt über die Jets. Playoffs verpaßt, Chaos im Locker Room, noch mehr gegenseitige Anschuldigungen aller Orten, Trottelheimer entlassen und zu allem Überfluß gewinnt auch noch ausgerechnet der Stadtrivale die Lombardi Trophy.

Aber last year is last year sagt man zu Recht. Die Defense ist immer noch erstklassig und für die Offense hat man sich einen neuen Mann geholt, der alles auf den Kopf stellen soll. Zu ihm später mehr, erstmal arbeiten wir pflichtschuldigst Ryans Prunkstück ab.

Defense Jets

Rex Ryan und seine Defense haben wir hier schon oft abgefeiert, darum halten wir uns kurz. Sione Pouha ist einer der besten Nose Tackles der Liga, Kendrick Ellis ist ein guter Backup. Mike DeVito ist einer der besten DEs der Liga und der junge Mu Wilkerson ist nur einen Schritt dahinter. ILBs David Harris und Bart Scott sind zwei sehr spielintelligente Kämpfer, genau die richtigen Typen für das System von Ryan und Mike Pettine. Außen spielen Calvin Pace und Bryan Thomas, die man auch gefahrlos anbieten kann.

Durch die vielen wilden Fronts und die immer wieder überraschend paßgenauen Gameplanes sehen alle zusammen als Einheit noch mal ein Stück besser aus. Mit Rookie Quinton Coples, der aussieht wie Julius Peppers, haben Ryan/Pettine nun noch ein neues Spielzeug bekommen. Der ehemalige 1st-rd bust Aaron Maybin hat sich zu einem starken Quarterbackjäger in passing situations gemausert und auch die Backups sehen nicht verloren aus, wenn sie mal spielen müssen.

Schedule

Wk1 v BUF
Wk2 @ PIT
Wk3 @ MIA
Wk4 v SF
Wk5 v HOU (MNF)
Wk6 v IND
Wk7 @ NE
Wk8 v MIA
Wk9 BYE
Wk10 @ SEA
Wk11 @ StL
Wk12 v NE (SNF)
Wk13 v ARI
Wk14 @ JAX
Wk15 @ TEN (MNF)
Wk16 v SD (SNF)
Wk17 @ BUF

Cornerback Darrelle Revis zählt für zwei. Revis Island erlaubt es Ryan/Pettine, vorne und auf einer Seite ganz wilde Sachen zu machen und die andere Seite einfach in seine Hände zu geben. Da brennt nichts an. Gegenüber spielt Antonio Cromartie, der nun zwar kein Superstar ist, aber doch besser als meist über ihn geredet wird. Im Slot hat sich jetzt endgültig Kyle Wilson eingenistet, der 1st-rd pick aus dem Jahre 2010. Wilson ist nicht so steil durch die Decke gegangen, wie man es sich im Big Apple erhofft hat, aber sich in den vielen Nickel-, Dime- & Dollar-Sets ganz wohlfühlt.

Richtig umgebaut haben die Jets nur auf der Safety-Position, was auch dringend nötig war. Kapitän und Publikumsliebling Jimmy Leonhard wurde nach der zweiten verletzungsbedingt beendeten Saison in Folge nicht gehalten und versucht sich nun in Denver. Und da auch Eric Smith nicht mehr in der Startformation auflaufen sollte, wurden die beiden Free Agents LaRon Landry und Yeremiah Bell verpflichtet. Bell ist mit seinen 34 Jahren nicht mehr Jüngste, aber mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis soll er die Leonhard-Rolle übernehmen. Landry wurde aufgrund seines Hulk-ähnlichen Körpers und seiner Trainingsbesessenheit anno 2007 von den Redskins in Runde eine als sechster Spieler gedraftet. Sollte er fit bleiben ist so ein Monster genau das, was Ryan noch gefehlt hat als Strong Safety an der Line of Scrimmage.

Offense Jets

Der Mann, der alles auf den Kopf stellen soll, hat schon mal eine Gurkentruppe in die Playoffs geführt und dabei die Patriots hinter sich gelassen. Warum sollte ihm das nicht wieder gelingen. Er ist ein Oldschool-Footballer. Lieber laufen als werfen. Erstklassiges Quarterback-Play hat er gar nicht nötig. Dieses ganze fancy, wilde New-School-Zeug ist nichts für ihn, Wildcat und Running-QB steht ihm auf der Stirn tätowiert. Wir reden von, sie ahnen es: Tony Sparano.

Sparano hat früher selber in der Offensive Line gespielt, ist dann O-Line Coach geworden und hat mehrere Jahre unter Bill Parcells gearbeitet. Das Harter-Hund-Image kommt also nicht von ungefähr und ist auch mehr als nur Image. (Die Sonnenbrille trägt er übrigens nicht, weil er sich so furchtbar cool vorkommt, sondern infolge eines Unfalles mit einer Friteuse, während er als Jugendlicher in einem Fast Food Restaurant gearbeitet hat.)

Nun kommt also dieser neue OC, der den Jets wieder ein energiegeladenes Ground-and-Pound-Game eintrichtern soll und findet einen Trümmerhaufen vor. Diese Jets wollten unter Ryan immer ein starkes Laufspiel haben und 2011 hatten sie stattdessen 106 Yards pro Spiel und 3,8 Yards pro Carry.

Das hatte mit dem, ähem, “mittelmäßigen” Offensive Coordinator Brian Schottenheimer zu tun, mit den mittelmäßigen RBs Shonn Green, LaDanian Tomlinson und Joe McKnight zu tun und auch mit der O-Line, die eher Richtung finesse denn Dampfwalze tendiert.

Suchen wir Lichtblicke finden wir Center Nick Mangold und RG Brandon Moore. Beide haben die Power und die Füße, um in aller Regelmäßigkeit Teile der gegnerischen Front Seven aus dem Weg zu räumen für die eigenen RBs. Als Left Tackle läuft D´Brickashaw Ferguson auf. Ferguson bekommt auch stets gute Kritiken und im Paßspiel ist er auch mehr als solide, aber im Laufspiel fehlt ihm oftmals Kraft und Masse um große Löcher zu reißen. Dann gehts schon mal eine Klasse abwärts: LG Matt Slauson ist bestenfalls mittelmaß. An einigen Tage sogar nicht mal das.

Und dann ist da schließlich noch der Mann, über den alle reden, wenn es um die Jets geht. Wer könnte dieser Mann sein, wenn nicht Wayne Hunter? Wayne Hunter war letztes Jahr der schlechteste Starter der ganzen NFL – egal, auf welcher Position. korsakoff wär ein besserer Right Tackle. Weil Hunter das auch in dieser Preseason sofort wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, hatten alle Beteiligten ein Einsehen. Jetzt hat Austin Howard den Stammplatz und Hunter genießt seine $3 Millionen auf der Bank. Howard wurde nicht gedraftet, wurde dafür in seiner jungen Karriere aber schon von den Ravens und den Eagles gecuttet. Viel Glück.

Mit Sparanos harter Hand könnte das aber zumindest eine gute Unit um Ferguson, Mangold und Moore werden. Wenn Greene und McKnight ein bißchen besser werden und vielleicht auch Rookie Terrance Ganaway ab und zu Mal einen raushauen kann, ist das schon OK, wenn mit dieser Defense oft auch mal 14 oder 17 Punkte zum Sieg reichen.

Dem Laufspiel helfen sollten auch die Wildcat Plays, die Sparano auf seinem Play Calling Sheet hat. Dafür haben die Jets jetzt auch QB Brad Smith zurückgeholt, der das mit der Wild Cat ganz gut kann und als ausgebildeter QB auch mal für einen guten Paß zu haben ist.

Das richtige Paßspiel dagegen kann man getrost vergessen. Mark Sanchez wird einfach nicht besser. Und gute WRs hat er auch nicht. Problemkind Santonio Holmes kann ein richtig Guter sein, er kann aber auch der unmotivierte Stinkstiefel sein. Slotman Jeremy Kerley ist bestenfalls Mittelmaß. Free Agent Chaz Schilens und Rookie Stephen Hill haben bis jetzt noch gar nicht gut ausgesehen. Vielleicht könnte Hill mit seinem 1,92m-Körper immerhin eine gute Red-Zone-Waffe werden und mit seinem massigen Körper auch im Laufspiel helfen. Zur Not hilft auch immer noch TE Dustin Keller aus.

Und manchmal, ganz manchmal nur, aber manchmal eben schon, bekommt auch Mark Sanchez mal zwei gute Drives in Folge auf die Reihe.

Ausblick Jets

Das sieht alles nicht rosig aus im Angriff, aber mit dieser Defense ist das auch gar nicht so schlimm. Diese sollte Top-3 Kaliber sein und es der Offense einigermaßen einfach machen, einige Spiele zu gewinnen. Die AFC East ist ziemlich hart und auch die Wild Cards dürften in der AFC hart umkämpft sein, aber Gang Green sollte bis zum Schluß im Rennen um die Playoffplätze bleiben und dort können Ryan/Pettine mit dieser Defense jeden Angriff von Peyton Manning bis Tom Brady einbremsen, das haben sie schon bewiesen. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, daß man mit dieser Offense ernsthaft um den Super Bowl mitspielt. Eine witzige Saison wird´s mit den J-E-T-S allemal.

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New York Jets in der Sezierstunde

Das Gute für Rex Ryan: Die Lombardi Trophy kehrte nach all dem Getöse nach New York zurück. Das weniger Gute: Eingefahren wurde sie vom Stadtrivalen Giants. Die Jets dagegen erlebten eine frustrierende Saison, verpassten mit 8-8 Siegen die Playoffs und standen am Ende vor meutereiähnlichen Zuständen, inklusive tagelanger auf breiter Front ausgetragener Grabenkämpfe zwischen Trainerstab und Spielern, wo sich selbst anerkannte Routiniers wie Tomlinson öffentlich kritisch mit den Zuständen in der Mannschaft auseinandersetzten. Am Ende durfte Ryan bleiben, aber OffCoord Brian Schottenheimer wurde freundlich vor die Tür gesetzt. Nachfolger: Der knochentrockene Tony Sparano.


Sparano steht in Zeiten, in denen das Passspiel Titel gewinnt, für ein eher lauforientiertes Footballspiel. Was normalerweise eine schlechte Idee ist, macht bei den New York Jets und ihrem Spielermaterial aber sogar noch Sinn. Denn mit dem stagierenden QB-Schönling Mark Sanchez und dem jüngst eingekauften Tebow gibt es zwei nicht furchterregende Quarterback-Optionen. Überhaupt die Quarterbacks: Erst flirtete man mit Manning, dann verlängerte man mit Sanchez und holte Backup Stanton, dann kaufte man Tebow ein und setzte Sanchez das Messer vor die Brust, dann wurde Stanton schon wieder abgegeben und nun diskutiert die Footballwelt über einen Sanchez-Trade nach L.A.. Bleibt nun gar der aufmüpfige McElroy die dritte Option? Wie wir es drehen und wenden: ‘Ne rüschtüsch rote Linie lässt sich nicht erkennen. Nach Sanchez‘ erstem Spiel mit drei Fehlpässen wird die Meute nach Tebow krähen.

Wäre alles nicht das ganz große Problem, hätten die Jets abseits davon eine runde Offense. Doch neben dem offenen Scheunentor auf Right Tackle, wo Hunter im Einwochenrhythmus in den Senkel gestellt wurde, fehlt es den Jets auch an verlässlichen Running Backs (Tomlinsons Leistungskurve stürzte zuletzt rapide ab, Greene ist nicht das erhoffte Arbeitstier) sowie einem ausgereiften Corp an Wide Receivers. Holmes passt charakterlich wie Arsch auf Eimer auf Rex Ryan und bietet auch sportlich gute Aussicht, dürfte aber insbesondere mit den mittelmäßigen Quarterbacks nicht alle Last allein tragen können.


Über Jahre wurden diese Probleme von einer fabulösen Defense übertüncht. Eine Defense, die mit ungemein viel Bewegung an der Anspiellinie arbeitet und es meisterhaft versteht, zu tarnen und zu täuschen. Druck auf den Quarterback wird via Spielzugansage veranstaltet, während man im Defensive Backfield darauf vertrauen kann, dass der großartige CB Darelle Revis einen Top-WR nach dem anderen aus dem Spiel nehmen kann.

Trotzdem sucht man in New York seit Jahren an dem einen Pass Rusher, um den herum sich die Abwehr entlasten ließe. Mit dem Pick #16 dürfte den Jets der eine oder andere Weg via Draft offen stehen, einen druckvollen OLB einzuberufen, nach dem Pettino/Ryan so sehr lechzen. Es ist trotz einer insgesamt wechselhaften Jets-Saison die einzige wirkliche Schwäche in der Defense, nachdem die Line um den alten, aber noch immer als frisch geltenden NT Pouha (33 Lenze) wenigstens den Lauf zur Genüge abwürgen kann und die Secondary (diesmal verstärkt u.a. durch S Landry aus Washington) grundsolide genug besetzt ist, um auch mal drei Wide Receivers auf einmal aus dem Spiel zu nehmen.


Bei den Jets dürfte viel am Gelingen des Drafts liegen – ein Dauerthema für die notorisch schlechten Draftstrategen von Gang Green. Mit dem Tebow-Einkauf dürfte man sich neben der Möglichkeit, eine zusätzliche Offensiv-Variante einzubauen, vor allem Theater und ein paar Messer für Sanchez‘ Rücken beschert haben. Der Druck dürfte indes nicht geringer werden. Ryan und GM Mike Tannenbaum stünden bei einer weiteren erfolglosen Saison vor dem Abschuss, während sich gleichzeitig das Fenster für den Erfolg dieser Jets-Generation zu schließen beginnt.

Verträge: Mathis, Sanchez, Biermann, Jackson, Foster, Johnson u.a.

Neben den Franchise Tags haben einige Teams bereits neue Verträge mit ihren eigenen Free Agents abgeschlossen oder bestehende Verträge vorzeitig verlängert. Um schon mal ein “Gefühl für den Markt” zu bekommen, wenn es ab morgen in Sachen Free Agency richtig rund geht, hier die wichtigsten.

[Spielerverträge in der NFL sind eine komplizierte Sache. Hier nur so viel: die unwichtigste Zahl ist das Gesamtvolumen (“Michael Vick hat einen $100-Millionen-Vertrag bekommen?!?” – hat er natürlich nicht); die wichtigen Zahlen sind Signing Bonus, garantierte Summe und Geld, das dem Spieler in den ersten drei Jahren ausbezahlt wird.]

LB D´Qwell Jackson (Cleveland Browns, 28 Jahre) hat um fünf Jahre verlängert, was ihm bis zu $42,5 Millionen einbringen kann. Er kassiert einen Signing Bonus in Höhe von $7 Millionen; insgesamt sind $19 Millionen garantiert, in den ersten beiden Jahren werden ihm insgesamt fast $17 Millionen ausgezahlt.

LB Ahmad Brooks (49ers, 27) hat einen ziemlich komplizierten Vertrag mit vielen “Escalators” bekommen. Grob gesagt, geht es um sechs Jahre und $44,5 Millionen. Wirklich garantiert sind aber nur der $7,5-Millionen-Signing-Bonus und seine Gehalt für die Saison 2012, $750 000. Für sein Gehalt 2013 und 2014 – $4,3 bzw. $4,95 Millionen – hat er eine “injury guarantee”; heißt andersrum, wenn den `Niners sein Gesicht oder seine Leistung nicht mehr paßt, kann er einfach gecuttet werden. Ist er in dem jeweiligen Jahr allerdings zum Stichtag 1. April im Kader, ist das Gehalt garantiert. Neben den Escalators gibt es auch noch “De-Escalators”: er kann bis zu $2,5 Millionen “verlieren”, sollte seine Leistung gemessen in Sacks nicht eine bestimmte Schwelle erreichen. Dazu kommen noch “per-game active roster bonuses” – das ganze Durcheinander hier.

LB Jerod Mayo (Patriots, 26) hat bereits im Dezember seinen Rookie-Vertrag vorzeitig verlängert: um fünf Jahre für $48,5 Millionen. Davon hat er sofort $6 Millionen Signing Bonus bekommen, dazu kommen $12 Millionen Option Bonus für 2012. Daneben sind für die Jahre bis 2015 nur $10,25 Millionen “injury guaranteed”. Ab 2013 kann er jährlich noch $500 000 Roster Bonus sowie $250 000 Workout Bonus einstreichen. (Salaries: 2012 0,75M; 2013: 1,25M; 2014: 3,25M; 2015: 6,25M; 2016 7,25M; 2017: 8,75M.)

DE Robert Mathis (Colts, 31) hat einen 4-Jahres-Vertrag unterschrieben, der stark “front-loaded” ist. Insgesamt geht es um $36 Millionen. $24 Millionen werden in den ersten beiden Jahren ausgezahlt, davon $15 Millionen als Signing Bonus.

DE Kroy Biermann (Falcons, 26) wurde mal als der nächste große Pass Rusher gefeiert. Daraus ist dann aber doch nichts geworden. Weil aber mit John Abraham der beste Pass Rusher der Falcons FA ist und der andere DE, Ray Edwards, bis jetzt auch noch nicht seinen dicken Vertrag aus dem letzten Jahr gerechtfertigt hat, braucht man Biermann bis auf Weiteres. 3 Jahre für $9,2 Millionen – davon $3,1 Millionen als Signing Bonus.

WR Steve Johnson (Bills, 25), der beste Freund seines QBs Ryan Fitzpatrick, hat einen neuen 5-Jahres-Vertrag bekommen, welcher ihm bis zu $36,25 Millionen bringen könnte. Als Signing Bonus bekommt er $8,5 Millionen sofort; insgesamt sind $19 Millionen garantiert. In der letzten Saison fing Johnson 76 Pässe für 1004 Yards und 7 Touchdowns.

RB Arian Foster (Texans, 25), war Restricted Free Agent und hat einen 5-Jahres-Vertrag über $43,5 Millionen abgeschlossen. Davon sind aber nur der $12,5-Millionen-Signing-Bonus und das Gehalt für 2012 in Höhe von $5 Millionen garantiert. Nimmt man das Gehalt für 2013 – $5,25 Millionen (+$500 000 Roster Bonus anteilig der absolvierten Spiele) – dazu, bekommen die Texans für einen 3-Jahres-Durchschnitt von weniger als $8 Millionen einen Top-RB und können ihn dann problemlos im Alter von 28 cutten. So etwas wollten sich wohl Matt Forte und Ray Rice nicht aufdrücken lassen, müssen aber jetzt mit dem Franchise Tag leben.

CB Rashean Mathis (Jaguars, 31) hat einen 1-Jahres-Vertrag mit einem Volumen bis zu $5 Millionen. Einer der besseren Cornerbacks der Liga, ist seine Gesundheit ein großes Fragezeichen. Die letzten sieben Spiele der vergangenen Saison verpaßte er mit Torn ACL. Mathis muß einige Bedingungen erfüllen, um das gesamte Geld zu bekommen (vor allem mißt es sich wohl gespielten Snaps und absolvierten Spielen).

Und natürlich noch QB Mark Sanchez (Jets, 25). Er hat weniger eine Vertragsverlängerung bekommen, als seinen bestehenden Vertrag „restrukturiert“. Er bekommt in den nächsten beiden Jahren statt $17,75 Millionen nun $20,5 Millionen. $8 Millionen der $11,75M, die er diese Saison bekommen sollte, wurden in einen Signing Bonus umgewandelt, so daß die Jets $6,4 Millionen „cap money“ sparen und dieses Geld anderweitig ausgeben können. Für die drei Jahre 2014, 2015 und 2016 könnte Sanchez jede Menge Geld verdienen – $38 Millionen plus $10 Millionen durch Escalators, die an Super-Bowl-Teilnahmen bzw. -Siege gekoppelt sind. Könnte. Genauso gut können die Jets ihn jederzeit cutten. Es scheint für beide Seiten ein guter Deal zu sein: Sanchez bekommt neben $2,75 Extra-Millionen eine neue zweijährige Chance mit einem neuen Offensive Coordinator garantiert; die Jets haben einige Millionen mehr unter dem Cap und können ihn nach den nächsten zwei Spielzeiten problemlos loswerden.

NFL Woche 12 Preview: Buffalo Bills – New York Jets

Beide Teams haben mit einem Record von 5-5 noch Chancen sich eine Wild Card in der AFC und beide Teams haben auch noch Chancen, die AFC East zu gewinnen, in der New England derzeit noch zwei Spiele Vorsprung hat. Aber vor allem für Buffalo siehts düster aus, nachdem sie die letzten drei Spiele gegen die Jets, Cowboys und Dolphins mit einem kumulierten Score von 26-106 (!) verloren haben. Die Bills hatten dabei nicht nur große Probleme in der Verteidigung, die auseinander zu fallen scheint, sondern auch mit ihrem Angriff, der in einem riesengroßen Loch steckt. Und zu allem Überfluß ist RB Fred Jackson jetzt auch noch auf IR gelandet, nachdem sich die Verletzung, die er sich letzten Sonntag im Spiel gegen Miami zugezogen hat, als gebrochener Knochen gerausgestellte.

Jackson ist der wichtigste Spieler der Offense (er holt mehr als 40% aller Yards) und war zur Saisonhalbzeit auf einigen Shortlists zur MVP-Wahl. Weil man dem einstigen First Round Pick C.J. Spiller noch nicht recht vertraut, hat man letzt Woche noch Tashard Choice verpflichtet, der damit in dieser Saison schon seinen dritten Arbeitgeber hat nach Engagements in Dallas und Washington. Auf IR trifft Jackson sich mit dem MVP der Defense – Nose Tackle Kyle Williams. Außerdem auf IR sind Center Eric Wood, LB Shawn Merriman, CB Terrence McGee und WR Donald Jones. Die Bills sind insgesamt ein junges, talentiertes Team, aber sie haben einfach nicht die Tiefe, um so viele Ausfällt kompensieren zu können. Ohne Jackson ist die Offense nur halb so viel Wert, zumal QB Ryan Fitzpatrick zur Zeit unter der bekannten „Nach-großem-Vertrag-unterschreiben-Schwäche“ leidet.Und jetzt müssen die Bills auch noch ausgerechnet in die Meadowlands, wo die Jets-D wartet.

Bei den Jets ist es wie immer, seit Rex Ryan das Sagen hat: die Defense spielt zeitweise überragend und haut die stotternde Offense immer mal wieder raus. Wenn die Verteidigung mal einen schlechten Tag hat, geht das Spiel auf jeden Fall verloren, weil QB Mark Sanchez sich einfach nicht weiterentwickelt, das Laufspiel nicht mehr so stark ist wie in den vergangenen Jahren und man sich beim Playcalling von OC Brian Trottelheimer manchmal fragt, ob er auf Drogen ist. Letzte Woche ist bekannt geworden, daß Schottenheimer vor Saisonbeginn eine Vertragsverlängerung um ein Jahr bekommen hat – heimlich. Das wollte das Management den Fans scheinbar nicht zumuten.

Die Defense ist eine perfekt harmonierende Mischung aus hervorragenden Schemes und individuellem Talent in allen three levels. In der Secondary Darrelle Revis und Safety Jimmy Leonhard; in der D-Line Mike DeVito und Sione Pouha und dazwischen die LBs David Harris und Bart Scott. Zwar fehlt ein richtig guter Pass Rusher, aber die Coverage und die Zone-blitzes können das oftmals ausgleichen (und Aaron Maybin, einer der größten Draft Busts aller Zeiten, scheint Talent und Freunde wiedergefunden zu haben).

New York geht als ganz klarer Favorit in dieses Spiel – und wenn sie es verlieren, wird in den Medien die Hölle los sein, da es die dritte Niederlage in Folge wär und überhaupt kein Fortschritt zu erkennen ist. Allerdings ist für beide Mannschaften selbst bei einer Niederlage der Playoffeinzug nicht furchtbar weit weg, weil aus der AFC West und AFC South wohl kaum jemand um die Wild Cards mitspielen wird. Und beide Teams haben nur jeweils ein Spiel gegen Mannschaften mit einem positiven Record.

Notizblock NFL Woche 10 Patriots/Jets

New England Patriots (5-3) @ New York Jets (5-3) [Gamecenter] [Gamebook]

Patriots Offense / Jets Defense

– RT Vollmer hat jetzt wohl endgültig seinen Startplatz zurück, nachdem in den letzten Wochen nach der Verletzungspause auch mal mit Solder rotiert worden war; Solder spielt dafür wieder den dritten TE

– Q1/8:10: 50-Yd-FG Ghostkowski; nach Pässen zu TE Gronkowski, TE Hernandez und WR Ochocino wirft Brady eine INT zu CB Kyle Wilson, die dieser aber nicht festhalten kann; Brady sieht wieder so schlecht aus wie in den letzten zwei, drei Wochen

– was ist denn mit Ochocino passiert? gleich der nächste Catch, dieses Mal für 53 Yards – nachdem er Darrelle Revis stehenläßt; Q1/2:31: anschließend ist RB Woodhead offen in der Endzone und Brady wirft wieder einen von seinen Mark-Sanchez-Pässe; irgendwas stimmt mit Brady nicht, jetzt im vierten Spiel in Folge; keine Accuracy  und mangelndes Timing, wie ich es von ihm noch nie gesehen habe

– Anfang Q2: jetzt schon das dritte Mal, daß in der Jets-D große Verwirrung herrscht und keiner so recht weiß, wo er sich aufstellen soll, Ergebnis: zwei 1st Downs und eine verschenkte Auszeit

– nach seinen Accuracy-Probleme klappt jetzt nicht mal der Center-QB-Exchange, Safety, 6-2 New England

– die Jets bringen fast ausschließlich drei oder vier Pass Rusher; Revis ist überragend gegen Welker

– Brady nach dem TD der Jets mit gutem 2-min-drive, immerhin das funktioniert noch; und am Ende kann niemand in der Redzone Gronkowski verteidigen; das ist der 15te Redzone-TD in anderthalb Saison für den 1,95m-Typen; 13-9 zur Halbzeit

– nach dem zweiten 3&out zum Start der zweiten Hälfte bekommt die Pats-O Hilfe von den Special Teams; Joe McKnight kann den Punt nicht fangen und Koutuvides recovered an NYJ18, Brady entkommt 3 Jets-Verteidigern und „looks like a finalist on Dancing With The Stars“ (Al Michaels) und natürlich macht Gronkowski den TD; äh, doch nicht, Gronk stand vorher im Aus, FG statt TD 16-9 New England (Q3/9:55)

– Q3/4:44: jetzt gehts Schlag auf Schlag: nach dem Fumble und der Interception überfordert Brady die Jets mit seiner No-Huddle-Offense und sieht endlich wieder aus wie der Alte; und jetzt macht Gronk auch tatsächlich seinen TD, 23-9 NE

– ich glaub, die Jets haben nicht einen Snap mit weniger als 5 DBs gespielt und die Run-D sieht trotzdem richtig gut aus, bis dann im vierten Viertel die No-Huddle-Offense Wirkung zeigt und die Verteidiger zunehmend ausgelaugter sind; die Pats in der zweiten Hälfte auch viel öfter mit Trips-Formationen um die Mann-Mann-Verteidigung zu kontern; nach 13 Plays und 84 Yards macht WR Branch dann den TD gegen Kyle Wilson und Brady ist auch ganz augenscheinlich wieder einer der besten QBs der Liga; 30-16 (Q4/8:05); direkt im Anschluß fängt Ninkovich noch eine Interception und spaziert in die Endzone 37-16 game over

Jets Offense / Patriots Defense

– Q1/11:38 die Jets fangen an wie die Feuerwehr, QB Sanchez zerlegt die Patchwork-Secondary der Pats – und dann vergibt K Folk ein 24-Yd-FG-Versuch

– Rookie Sterling Moore spielt als Safety durch durch (Pat Chung ist verletzt, Josh Barrett auf IR); die Spielzeit der verletzten LB Gary Guyton und Brandon Spikes teilen sich Tracy White und Jeff Tarpinian. Moore, White und Tarpinian waren undrafted, genau wie die beiden Starter CB Kyle Arrington und DT Kyle Love. Was will New England eigentlich immer mit den ganzen extra Draft Picks, wenn am Ende nur Free Agents spielen? Hmm…

– im zweiten Drive sieht New Englands D viel besser aus – und Sanchez viel schlechter; die Pats haben sogar sowas wie ´nen Pass Rush

DE Andre Carter mit seinem zweiten Sack im ersten Viertel, dieses mal weil Sanchez seine Protection nicht übersieht

– New England hat jetzt ganz offiziell einen Pass Rush! DE Carter spielt wie Terrell Suggs und auch DE Mark Anderson hat jetzt einen Sack (den er allerdings größtenteils der Coverage zu verdanken hat)

– das Laufspiel der Jets ist gar nicht so schlecht, aber dafür haben Carter/Anderson schon vier Sacks, RT Hunter ist so schlecht wie immer und Sanchez scheint Probleme mit den Protection Calls zu haben (macht eigentlich Sanchez oder C Mangold die Protection Calls, weiß das jemand?)

– Mitte des zweiten Viertels muß CB McCourty mit Schulterverletzung raus; damit hat NE jetzt nur noch drei CBs mit Arrington, Antwaun Molden und Philipp Adams

– die Jets kommen wieder bis in die Redzone und dieses Mal hält die Defense nicht, Sanchez läuft in die EZ zum 9-6

– Q3/7:36: nach den Special Teams hilft jetzt auch die D: LB Ninkovich intercepted einen mehrfach abgefälschten Ball; New England spielt bei ersten und zweiten Versuche fast ausschließlich ihre Base-D und lädt Sanchez ein, die Patchwork-Secondary zu schreddern, der daraus aber kein Kapital schlagen kann

– Q4/14:55: endlich marschieren die Jets mal wieder das Feld runter und Plax macht den Anschluß zum 16-23

NFL 2011/12, Week 5: New England Patriots – New York Jets

[18h37] Endstand New England Patriots 30, New York Jets 21.

Verdienter, unspektakulärer, aber recht eindrucksvoller Sieg für die New England Patriots, die das Spiel mit einer methodischen Offense gewannen, und mit Laufspiel. Gegen die Jets! RB Green-Ellis ist kein Sprinter vor dem Herrn, aber Green-Ellis machte gestern Nacht mehr Yards nach dem ersten Kontakt, als es ihm nachgesagt wird. Guter, solider Mann – und wenn ich das richtig mitbekommen habe sogar einer, der noch nie in seiner NFL-Karriere gefumbelt hat. Wie geil ist das denn?

Die Jets dagegen haben mich über weite Strecken enttäuscht. Die Offense war leblos und bei 3rd downs unterirdisch. Hat Sanchez überhaupt einen Ball beim dritten Versuch an den Mann gebracht? Wo war TE Dustin Keller? Das Laufspiel war auch nicht beeindruckend, außer Shonn Greene wurde über die Mitte geschickt. Aber das war eine schlechte Offensivvorstellung. Nur zwei längere Drives, einen dritten TD gemacht, als sie einen Kick Return an die gegnerischen 20yds Line bekamen.

Enttäuschend fand ich auch die Defense. Dass die Safetys höheren Ansprüchen nicht genügen, war klar. Dass aber New England mit seinem kaum mehr als durchschnittlichen Laufspiel im vierten Viertel stundenlang über die Jets drüberlaufen konnte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ohne die INT kurz vor der Pause wäre das Spiel im dritten Viertel in trockenen Tüchern gewesen.

Fazit: New England schaut mit dieser balancierten Offense nicht so begeisternd aus wie mit 450yds Passspiel/Partie, ist aber womöglich effizienter und kann länger dem Gegner sein Spiel aufzwingen.

Den Jets dagegen drohen die Fälle davonzuschwimmen. Alle drei Auswärtsspiele zuletzt sind Spiele, die man verlieren kann. Was aber nachdenklich stimmen sollte: Die Defense kriegt kaum Zugriff auf Tight Ends und Laufspiel, während die Offense ein viel, sehr viel dominanteres Laufspiel braucht.

[01h16] New England 30, New York Jets 21, 62sek to go. Da haben wir den Salat: Die Patriots schießen nach 6:21min Drive eben jenes Field Goal. Ein Drive, der haargenau das erreichte, was er wollte. Und Football in Reinkultur mit all den verwerteten 3rd downs. Das war’s. Die Schlussbemerkung gibt es morgen am Abend.

[01h13] Diesmal verwertet TE Gronkowski das 3rd down. Die Patriots können die Uhr runterticken lassen und ein Field Goal im schlimmsten Fall schießen. Die Jets schauen in der Defense aus wie ein geschlagenes Team.

[01h08] Geiler (vor)entscheidender Spielzug mit Trickspiel-Charakter der Patriots bei 3rd down, als 3:44 direkt für RB Green-Ellis gesnappt wird. Green-Ellis kriegt nun nicht mehr bloß bei Sideline Reporter Buzz, sondern wird auch bei CBS hochgejazzt.

[01h00] New England 27, New York Jets 21/TD Holmes. New England mit einem verzögerten Blitz, der nicht rechtzeitig einschlägt, WR Holmes rennt CB Arrington davon und macht den wichtigen TD. Unangenehm ist die Conversion: Mit P.A.T. reicht ein TD zum Sieg, aber was, wenn New England nun wenigstens ein Field Goal schießt? Auf der Konsole habe ich immer 2pts-Conversion in diesem Moment ausgespielt.

[00h45] New England 27, New York Jets 14. Kein TD. Field Goal, weil ein grenzwertiger Kontakt gegen WR Welker in der EndZone nicht als „Holding“ bewertet wird.

[00h41] Nach einem erneuten Punt inklusive starkem Welker-Return beginnen die Patriots in RedZone-Nähe ihren Drive. Laut Fifth Down beträgt die Sieg-Wahrscheinlichkeit für New England zu diesem Zeitpunkt 95% (wie viele Prozent zieht der Faktor „Sanchez“ die Jets zusätzlich runter?). Scoren die Patriots jetzt einen TD, wage ich die Prognose, dass es das war.

[00h30] New England 24, New York Jets 14/TD Green-Ellis. Mit erhöhter Oktanzahl marschiert New England, bevorzugt über die beiden Sensations-TE Gronkowski/Hernandez (Hernandez wird kaum noch eingesetzt, weil nicht fit), und immer wieder Green-Ellis, der heute ein erstaunlich gutes Spiel machte. Ist der tänzelnde Green-Ellis nicht das, was man hoffte zu kriegen, indem man zwei Running Backs in der zweiten Runde draftete?

[00h20] Das Kernproblem der Jets: Sie brauchen händeringend 5-6yds im 1st down-Lauf, ohne die die Angriffsserie verreckt, weil sie unweigerlich zu einem 3rd and long führt, wo man Sanchez notfalls blitzunterstützt unter Strom setzen kann.

Das ist kein hochklassiges Spiel, aber ein enorm intensives und daher auch nicht geeignet, jetzt abzuschalten.

[00h15] Die Patriots versuchen verzweifelt, ihre verwaiste Offense in Gang zu kriegen und wenden dafür in Spurenelementen wieder „No-Huddle“ an, variieren zwischen Shotgun und traditioneller Aufstellung mit Händen am verlängerten Rücken des Centers, allein: Es will so recht nicht gelingen, solange die Jets mit sechs Mann kommen und Brady nicht Zeit genug hat, auf den offenen Mann zu warten.

[00h01] New England 17, New York Jets 14/TD Kerley. Langer Kickreturn an die gegnerische 20yds-Linie, via RB Greene wird der Wurf vorbereitet, #94 Warren verbrennt RB Tomlinson böse, aber die Zeit reicht für Sanchez, den offenen Rookie-WR Jeremy Kerley zu finden, der schlecht abgedeckt wird. Beide TD zuletzt durch lange Plays vorbereitet: Eben McKnights Return, vorhin ein tiefer Ball auf den durchgebrochenen Welker.

[23h53] New England 17, New York Jets 7/TD Branch. New England von der Schippe gesprungen: An der 2yds Line fumbelt WR Branch den Ball, während die Kommentatoren über Ball-Kontrolle fabulieren, wird der Fakt „down by contact“ völlig ignoriert. Die Patriots kommen im nächsten Play auf das Spielfeld, Brady kriegt ungefähr eine halbe Stunde Zeit, kann sich die Spielzug entwicklung ausgucken und findet Branch, der den geistig abwesenden CB Cromartie verarscht. Vom zweiten Turnover in der RedZone zum Touchdown.

[23h37] Halbzeitstand New England 10, New York Jets 7.

Ich habe die letzten vier Minuten nicht gesehen, bis dahin hatten die Jets begonnen, mit verstärktem Einsatz von RB Shonn Greene und humorlosem Laufspiel über die Spielfeldmitte die Kontrolle des Spiels zu gewinnen. Langer, sieben Minuten langer Drive, 13 Plays, immer eingestreut die quicken Pässe auf die WRs #10 Holmes und #17 Burress.

Die Patriots kriegen in der Defensive Line mit drei oder vier Mann nicht schnell genug Druck auf Sanchez zustande, können aber auch keine „Coverage Sacks“ machen, weil das Defensive Backfield die Jets nicht schnell genug gedeckt bekommt.

Auf alle Fälle erfreulich: Die Jets haben Zugriff auf das Spiel bekommen, die Patriots könnten darunter leiden, dass sie eineinhalb Viertel Dominanz nicht in mehr als zehn Punkte umgemünzt haben.

[23h00] Sehr interessanter Ansatz bei Fifth Down: Anhand des Konzepts der „Win Probability“ von Brian Burke/Advanced NFL Stats wird bei Fifth Down alle 1-2 (?) Plays das Diagramm ge-updatet, mit den Sieg-Wahrscheinlichkeiten. Aktuell gewinnen die Patriots zu 81% das Spiel.

Speaking of New Yorker Medien: Nantz/Simms haben eben die angebliche Meuterei im Jets-Kader diskutiert. Mehrere Top-WR sollen OffCoord Brian Schottenheimer zur Rede gestellt und das PlayCalling ins Kreuzfeuer genommen haben.

[22h49] Wurde RT Nate Solder da nach seinem False Start für einen Spielzug „straf-ausgewechselt“?

[22h41] Bei den Jets klappt noch nicht allzu viel. Sanchez feuert lieber deplatzierte Bälle in die Secondary als einen Hit einzustecken. Die Protection für Sanchez schaut suboptimal aus, die Patriots kriegen mit recht hausbackenen Methoden Druck auf Sanchez zustande. Klar, und Drops wie #38 Conner helfen auch nicht.

[22h35] New England 7, New York Jets 0/TD Green-Ellis. Meine Fresse, sollte ich Green-Ellis mal als „reinrassigen opportunistischen Running Back“ bezeichnet haben? Die Patriots spielen einen wunderbaren Ball auf WR Welker, der haargenau im Zonenwechsel zwischen S Strickland und CB Cromartie das Ei bekommt. Danach folgt eine Orgie an Handoffs auf Green-Ellis, der sehr viel mehr als die billigen Blocks mitnimmt und beim TD #91 Pouha mehrere Yards in die EndZone schleift.

[22h29] Da ist der Simms aufgeregt. Paar wichtige Spieler-Notizen: C Mangold spielt für die Jets, TE Hernandez für die Patriots. Memo to me: Diese Throwbacks der Patriots gehören verbannt. Und: Die Jets eröffnen ihre Offense mit einem Play-Action-Pass. BEVOR sie sowas wie Laufspiel überhaupt implementiert hätten.

[21h58] Ich mache derweil mal den Thread für den Schlager des Spieltags auf: Patriots vs Jets, ein Spiel, für das Herrmann eine detaillierte Analyse verfasst hat, die ich als Aufwärmprogramm ans Herz legen würde. Ob ich das komplette Spiel live bloggen werden, werden wir sehen. Ich bin nur noch auf den Felgen unterwegs.

Vorschau New England Patriots vs. New York Jets/#1, 2011/12

In seiner in weiten Teilen erstaunlich präzisen Kadervorschau der New England Patriots im Juli hat Herrmann/Vier Viertel plus Nachspielzeit das Divisionsduell New England Patriots gegen New York Jets zu seinem persönlichen „Spiel der Saison“ gekürt. Heute Abend, 22h15 steigt die erste von zwei (oder doch drei?) Auflagen in dieser Saison 2011/12 zwischen den beiden stark rivalisierenden Franchises. Und Herrmann hat im Vorfeld dankenswerterweise wieder einen Blick auf den Zustand beider Franchises geworfen.


Herrmann, Patriots vs. Jets gehört zu den aktuell intensivsten Rivalitäten in der NFL, auf und neben dem Feld, und es ist stets eine gesalzene Prise Emotionalität mit im Spiel. Diesmal scheinen beide Mannschaften aber recht stark mit sich selbst beschäftigt zu sein, insbesondere die Jets scheinen sich in der Rolle der Gejagten nicht wirklich wohlzufühlen. Wer wird die Situation mental besser handeln?

Ganz klar die Patriots. Vor allem, weil New Yorks Offensive Coordinator Schottenheimer völlig den Verstand verloren zu haben scheint. Ich kann mir nicht erklären, warum Mark Sanchez, der ja für alle augenscheinlich kein guter QB ist, die Offense ganz alleine tragen soll. Daß das nicht funktionieren kann – und schon mal gar nicht hinter dieser Offensive Line ohne Center Mangold und RT Woody – hätte den Jets jeder vorhersagen können, der in den letzten beiden Jahren mal ein Jets Spiel gesehen hat. Die Defense ist gut wie immer, gerade die D-Line ist richtig stark mit den beiden Neuzugängen Rookie Wilkerson und No. 79 (war auf IR und ich kann mir einfach seinen komischen Namen nicht merken). Wenn CB Cromartie nicht wilde Sau spielt, ist die Ryan/Pettine-D immer noch mit das Beste, was man in der NFL bewundern kann (ja tatsächlich „bewundern, die Verteidigung ist sowas wie das Gegenstück zu einer Peyton-Manning-Offense). Die Jets scheinen auch besonders under pressure zu stehen, weil sie einerseits derzeit nur die Nr.3 in der AFC East sind und andererseits mit einer Niederlage schon 2,5 Spiele hinter den Patriots wären. Die großmäuligen Selbstdarsteller scheinen sehr große Angst vor diesem Szenario zu haben und entsprechend aufgeregt sind sie vor diesem Spiel. Es wird spannend sein, zu sehen, wie sie mit dem Druck umgehen.


Duell Passrush Patriots gegen Offensive Line Jets: Wer wird am Sonntagabend sein Image eher aufpolieren können und welche Unit steht in diesem Spiel unter größerem Druck?

Der Pass Rush der Patriots hat großes Potential. Gerade wenn die DEs Mark Anderson und Andre Carter in Topform spielen und Haynesworth wieder zurück ist. Die Offensive Line der Jets ist eine einzige Baustelle. Selbst wenn Center Nick Mangold spielen sollte, ist er ja nicht topfit. Die größte Schwachstelle ist RT Wayne Hunter; ich hab ihn in zwei Spielen (v Cowboys, Ravens) gesehen und der Typ würde nicht mal bei den Bears oder Steelers spielen. LG mit Ducasse oder Slauson ist auch schwach. Das sollte die große Möglichkeit für den Patriots Pass Rush sein, mal richtig einen vom Leder zu reißen; wenn sie es gegen diese Jets nicht schaffen, siehts wirklich düster aus.


Der Angriff der New England Patriots zeichnet sich heuer mehr denn je durch eine fassungslose Variabilität aus, es scheint abseits von Brady keinen Anhaltspunkt zu geben, auf den auszuschalten sich die Jets konzentrieren könnten. Reicht die Combo Pressure/Revis, um den rekordträchtigen Patriots-Angriff kaltzustellen oder auch nur einzudämmen?

In den ersten beiden Wochen haben die Patriots fast ausschließlich mit dem Set 2TE, 2WR, 1RB gespielt (Gronkowski, Hernandez, Branch, Welker, Woodhead/Green-Ellis). Nach der Verletzung von Hernandez hat New England in den letzten beiden Spielen mit deutlich mehr 3-WR-Sets gespielt, wobei sich Slater, Ochocinco und Edelman die Snaps geteilt haben; die 2-TE-Sets wurden reduziert, sind aber mit dem neuen TE Thomas Welch (der eigentluch OLiner ist) haben diese immer noch einen großen Anteil in den Gameplans. Das entscheidende Matchup ist für mich auch nicht Wideouts gegen Cromartie/Revis, sondern was machen die Jets mit Gronkowski und Welker?

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, daß man Welker ausschalten, also doppeln muß, um die Pats kräftig einzubremsen. In dieser Saison hat New England einen sozusagen „zweiten Welker“ mit TE Gronkowski. In allen vier Spielen war es bis jetzt so, daß entweder Welker gedoppelt wurde (Miami, San Diego) oder eben Gronkowski (Buffalo, Oakland) und der jeweils andere hat Riesenspiele gemacht. Das ist die Frage: doppeln die Jets Gronk oder Welker? (Das Laufspiel sollte für die Patriots das Spiel nicht gewinnen, da die D-Line plus LB Davis Harris und Bart Scott zu stark ist.)

Ich traue den Jets zu, einen Gameplan zu basteln, der die New England alt aussehen läßt. (Ich bin da immer noch verliebt in die Gameplans gegen Indy und New England letztes Jahr. Es wird viel zu wenig wertgeschätzt, daß die Jets in den Playoffs nacheinander erst Peyton Mannings Offense und die Belly/Brady-Offense kaltgestellt haben.) Ich glaube, sie haben zwei Möglichkeiten. 1) Die Michael-Jordan-Taktik: soll doch einer so viele Yards machen, wie er will, das lassen wir zu, aber die anderen neun (also 11 minus Brady plus entweder Gronk oder Welker) machen wir so dicht, daß die gar nichts auf die Reihe kriegen und die sollen uns schlagen (Revis nimmt dann Welker, vielleicht mit Safety-Help. Gronk ist dann der wichtigste Mann. Alle anderen wie Ochocinco, Branch, Edelman oder Slater können die restlichen Jets verteidigen). Wenn sie uns trotzdem schlagen, okay, dann sind sie eben zu gut. Oder Variante 2) ähnlich wie letztes Jahr in den Playoffs: konsequent acht Mann in Coverage schicken, das Paßspiel abwürgen und darauf vertrauen, daß a) die Laufverteidung so gut ist, daß da nichts anbrennt und b) man trotzdem Druck auf Brady bekommt, nicht weil die DLine so gut gegen den Paß ist, sondern weil sie soviel Zeit haben, da die Coverage mit acht Mann so dicht ist.

Das läuft auf ein Katz-und-Maus-Spiel hinaus. Angenommen, Belichick antizipert das, was ich erwarten würde, dann wird er sich sicherlich etwas ausdenken, was das kontern könnte. Zum Beispiel Matt Slater oder Ochocinco ständig tief schicken, weil sie 1-v-1 verteidigt werden. Oder unglaublich viel 2TE-Sets spielen und die ganze Zeit laufen, wenn die Jets ständig in Nickel- oder Dime-D rauskommen. Oder Brady immer No-Huddle spielen lassen, wenn er eine bestimme Aufstellung sieht, die ihm gefällt. Also beispielsweise: Jets kommen in Nickel- oder Dime-D aufs Feld, daraufhin läßt Brady in der No-Huddle ständig laufen. Oder andersrum: Jets kommen mit Base-D aufs Feld, dann wirft Brady die ganze Zeit mit Gronkowski, Branch, Ochocinco, Welker und Woodhead auf dem Feld (gerade weil Woodhead auch einen sehr guten WR im Slot gibt) und gibt den Jets keine Chance, mehr Defensive Backs einzuwechseln.

Auf der anderen Seite werden Rex Ryan und Mike Pettine das wiederum ja auch alles antizpieren, die wissen ja noch deutlich mehr als ich und Du. Sie könnten mit ihrer Base-D aufs Feld kommen und ständig acht Mann in Coverage schicken. Oder sie kommen mit Nickel-/Dime-Personnel aufs Feld (vielleicht sogar mit RB Joe McKnight, wie letzte Woche) und blitzen sich dann ganz wilde Sachen zusammen und bringen fünf oder sechs Männer gegen Brady.

Dieses Spiel sollte ein Leckerbissen werden für alle Fans, die ein Faible für Taktik haben. Etwas besseres, vor allem spannenderes, in Sachen Gameplanning wird man so schnell nicht wieder sehen.


Was sind abseits davon für dich die Schlüssel-Matchups in dieser Partie?

Das entscheidende ist in meinen Augen der Gameplan der Jets Offense. Wenn Schottenheimer wieder so einen Käse zusammencalled wie in den letzten Wochen, können sich die Pats die Hände reiben. Die Jets brauchen ein funktionierendes Laufspiel, denn sonst funktioniert das ganze Play-Action-Game nicht – und das ist das einzige, was Sanchez kann. Und zweitens scheint Sanchez auch noch überhaupt keine Chemie mit seinen neuen WR Plaxico Burress und Derrick Mason gefunden zu haben. Wenn die Defense dann TE Keller aus dem Spiel nimmt, ist Sanchez hilflos.

Und andererseits das oben beschrieben Dilemma: wen doppelt man, Welker oder Gronkowski? Das wird das Entscheidende sein, weil die anderen WR zu schlecht sind für die Paß-D der Jets.

Ein drittes Matchup könnte Woodhead gegen LBs/Safeties sein. So gut der Plan der Defense auch ist, der Holzkopf kann jeden Verteidiger im eins-gegen-eins schlagen und die entscheidenden Extra-Yards rausholen.


Und schließlich: Wer wird gewinnen?

Um nicht allzu blöd auszusehen am Ende, sage ich einfach das, was immer stimmt: Ein Spiel zwischen zwei einigermaßen gleichstarken Teams wird traditionell von drei Dingen entschieden: 1) Turnovers 2) Penalties 3) Special Teams Play. Wenn ich mich aus dem Fenster lehne, sage ich New England. Weil die Patriots wissen, was sie machen wollen und was sie machen können, auf beiden Seiten. Die Jets wissen weder das eine noch das andere in der Offense.

Mit den New York Jets in den Sonnenaufgang

Die New York Jets sind nichts für Freunde des seichten Franchise-Aufbaus. Was Head Coach Rex Ryan da hingeknallt hat, ist eine Mannschaft voll an großen Namen – kein Neuaufbau, sondern ein Umbau samt Einkauf vieler namhafter Superstars.

Ryans Standing ist recht bizarr: Wir erleben wir vielleicht einen der genialsten Coaches überhaupt, doch Ryans Großmaul und die dazugehörige emotionale Ebene der Sichtweise auf die Jets sorgen dafür, dass eine objektive Betrachtung dieser Mannschaft und ihres Coaches kaum möglich ist – etwas, das vermutlich dazu führt, dass das (zugegeben:) geniale Defensivspiel dieser Mannschaft im Schatten anderer Betrachtungskomponenten schlicht untergeht.

Die Offense

Die größte Stärke der Jets ist allgemein anerkannt die Offensive Line rund um den herausragenden LT D’Brickshaw Ferguson und den großartigen C Nick Mangold, eine Line, die allerdings in dieser Saison eine Sollbruchstelle aufweist: RT Damien Woody hat seine Karriere beendet und soll von Wayne Hunter, einem Mann mit ganz schwachen Noten, ersetzt werden. O-Line Coach ist übrigens Bill Callahan (ja, der Bill Callahan) – Sie entscheiden über die Vertrauenswürdigkeit.

Hinter einer dermaßen guten Line sieht jedes Laufspiel gut aus, selbst wenn es von zwei Backs getragen wird, die keine Höschen nass machen: RB Shonn Greene, der als maximal mittelmäßig gilt, und die Legende RB LaDainian Tomlinson, ein Mann, der immer weniger explosiv wirkt und horrend im Pass-Blocken ist. Trotzdem macht das Laufspiel über 4yds/Carry.

Ein Mann, der nicht unwesentlichen Anteil am Laufspiel hatte, ist X-Faktor Brad Smith. Smith ist allerdings weg und mit ihm wohl auch die immer und immer wieder eingestreuten Wildcat-Spielzüge in dieser Offense. Ersatzmann ist keiner in Sicht.

So muss das Werfen nun alleinig QB Mark Sanchez anvertraut werden. Sanchez hat in Brian Schottenheimers Offense den Luxus, hauptsächlich mit Play-Action arbeiten zu können – etwas, das er beherrscht. Allein, wird den Jets das Laufspiel genommen, darf man sich an Sanchez’ Hilflosigkeit ergötzen. Der Mann macht stets einen panischen Eindruck, wenn der erste Wide Receiver zugedeckt ist.

Sicherste Anspielstation für Sanchez ist TE Dustin Keller, ein halber Wide Receiver. „Halb“ im Sinne von: Tight End, der als Blocker ungebräuchlich ist. Die WR-Armada ist bis auf WR Santonio Holmes recht rundumerneuert: Cotchery/Edwards sind weg, Ex-Knastbruder Plaxico Burress und Derrick Mason neu. Verjüngungskur sieht, wie angedeutet, anders aus.

Defense

Wir sprechen über eine der interessantesten Defenses in der NFL, eine Defense, die sagenhaft viel Bewegung an der Anspiellinie veranstaltet. Ryan und DefCoord Mike Pettine sind Gläubige der sogenannten „Zone Exchanges“, was bedeutet: Man verarscht die Offense mit angedeuteten Blitzes aus der Secondary, schlägt aber bloß alle sieben, acht Downs mit einem Blitz zu. Vorteil: Die Offense traut sich selten, Receiver gegen Blocker einzuwechseln. Resultat: Die Jets lassen eine unfassbare Completion Rate von 50.7% zu. Zum Vergleich: Arizonas katastrophale Pass-Offense komplettierte 2010/11 immerhin 50.8% ihrer Pässe – nur um ein Gefühl für diesen überragenden Jets-Wert zu bekommen.

Trotzdem machten die Jets immerhin 40 Sacks, was auch den flexiblen (und IMHO tatsächlich oft blitzenden) Safetys sowie den beiden großartigen Linebackers Bart Scott/David Harris zu verdanken ist. Allerdings muss man nach dem Abgang von DE Shaun Ellis auf den wichtigsten Liner verzichten, dafür gibt es eine große Auswahl an jungen, sehr massiv gebauten Spielern: DL Sione Pouha und Mike DeVito haben ihren Wert bereits bewiesen, dazu kommen die Rookies Mu Wilkerson und Kendrick Ellis.

Schlüssel für Ryans Defense ist die Secondary. Die Trickspielchen kann man sich bloß erlauben, weil man in CB Darrelle Revis einen Shutdown Corner par excellence besitzt. Wer einen ganzen Offensivspieler – und in Revis’ Fall ist es stets der #1-WR des Gegner – aus dem Spiel nehmen kann, dessen Chancen steigen mit einem Schlag massiv. Diese Denke erklärt auch, warum die Jets so heiß auf Nnamdi Asomugha waren – eine Defense mit zwei solchen Cornerbacks wäre kaum auszudenken gewesen.

Ausblick

Der Kader ist „top-heavy“ besetzt – sprich: fallen ein, zwei Schlüsselspieler aus, wird es sofort eng. Die Jets sind potenziell aber eine Titelkandidat. Allerdings ein Titelkandidat mit vielen Fragezeichen:

– Was passiert mit Sanchez, wenn das nicht überzeugende Laufspiel aus dem Spiel genommen wird?

– Wie macht sich Burress nach Knastaufenthalt?

– Wird RT Hunter halten?

– Was passiert mit dem Abwehrsystem, wenn Schlüsselspieler Revis ausfällt?

Dazu kommt ein nicht einfacher Schedule mit dem Highlight des Heiligabendspiels gegen die Giants – ein Spiel, das um 19h MEZ stattfindet und somit parallel zur üblichen Bescherung in unseren Landen:

Wk #1 vs Cowboys (SNF)
Wk #2 vs Jaguars
Wk #3 @Raiders
Wk #4 @Ravens (SNF)
Wk #5 @Patriots
Wk #6 vs Dolphins
Wk #7 vs Chargers
Wk #8 BYE
Wk #9 @Bills
Wk #10 vs Patriots (SNF)
Wk #11 @Broncos (Donnerstagspiel)
Wk #12 vs Bills
Wk #13 @Redskins
Wk #14 vs Chiefs
Wk #15 @Eagles
Wk #16 vs Giants
Wk #17 @Dolphins

Wir haben einen weiteren potenziellen Superbowl-Kandidaten, aber einen mit fetten Fragezeichen – und man sollte die AFC-Konkurrenz nicht unterschätzen. Die Offseason lief nach dem entgangenen Asomugha-Deal nicht wie gewünscht und die Jets versuchten erst gar nicht, dies zu bestreiten. Ich sehe Playoffnähe, aber keine Playoff-„Garantie“. Sollten die Dolphins aus unerfindlichen Gründen akzeptables Quarterback-Spiel zu Tage zaubern, erleben wir eine ultraenge AFC East.

Das Zeiteisen verrät: 723 Minuten verbleiben. WordCount nach zehn Teams: 9783.

New York Jets in der Sezierstunde

Mark Sanchez

Wohl und Wehe der Jets hängen an Mark Sanchez - ©Wikipedia

Zum zweiten Mal en suite sind die Jets im AFC-Finale gescheitert. Diesmal nicht aufgrund fehlender Variabilität in der Offense, sondern aufgrund ihrer Schnarchnasigkeit. Gegen eine lockere schlagbare Steelers-Truppe wurde mal eben so lange gepennt, bis es 0-24 stand. Am Ende hätte es trotzdem fast noch gereicht.

Ich selbst lag durchaus lange daneben in der Einschätzung der Jets. Erst hielt ich sie für überschätzt (Resultat: sie starteten 5-1), dann für sehr mächtig, weil sie massiv enge Spiele entschieden (schwache drittes Saisonviertel), dann wegen eben dieser Pleiten wieder für überschätzt (sie wurden wieder dominanter). In den Playoffs habe ich dreimal gegen die Jets gesetzt. Erst beim dritten Mal zurecht, und rückwirkend betrachtet hätten sie selbst dieses Spiel gewinnen müssen.

Der Quarterback ist das Problem

Jo, ich weiß. QB Mark Sanchez gilt als heiße Ware und als Komet am NFL-Firmament. Sanchez hat auch erkennbare Fortschritte gemacht. Aber die Jets sind dafür gebaut, JETZT zu gewinnen und nicht erst in 2-3 Jahren. Wie anders sollte die massive Shopping-Tour der letzten Jahre interpretiert werden?

Nun ist Sanchez zwar ein sehr effizienter Spieler, wenn er Play-Action spielen kann. ABER: In dem Moment, in dem das Laufspiel aus dem Spiel genommen wird, sind die Jets auf verlorenem Posten, weil die Mannschaft zwar eine herausragende Basis besitzt, aber ausgerechnet auf der wichtigsten Position, dem Quarterback, nicht optimal besetzt ist. Ein ähnliches Problem wie beim Stadtrivalen Giants. Weil Sanchez aber einen teuren Vertrag hat und noch jung ist, wird man ihn nicht absägen (können).

Die Offense

Ich will Sanchez nicht schlechter machen, als er ist. Bei gegebenen Umständen gefällt der Mann mir sogar ausgesprochen gut (eben Play-Action). Die Jets werden also die Rahmenbedingungen verbessern müssen. Heißt: Die Offensive Line nach dem Abgang Damien Woodys verbessern. Bessere Offense Line à besseres Laufspiel à deutlich besserer Mark Sanchez.

Zweite Baustelle: Die Wide Receivers. Mit WR Holmes und WR Edwards haben gleich zwei keinen Vertrag. Es gilt als sicher, dass nur einer von beiden bleiben wird. Für die Offense (und Sanchez) wäre das eine erhebliche Schwächung. Dazu ist auch der X-Faktor Brad Smith vertragslos. Smith kann so ziemlich alles ein bisschen: Kick returnen (28.6yds/Return, 2 Touchdowns), End Arounds (7,9yds/Lauf, 1 TD), Bälle fangen (1 TD) und Bälle werfen (1 TD).

Die Defense

Wir haben es bei den Jets mit einer herausragenden Defense zu tun. Das geballte Wissen, das seit Jahren aus Baltimore auf die Liga verteilt wird, hat mit Rex Ryan und Mike Pettine nun auch in New York Einzug gehalten. Die Defense gehört zu den besten, nur ist sie nicht die allerkonstanteste. Aber sie kommt in vielen Variationen daher: Zu Saisonbeginn wurde viel und erfolgreich geblitzt, später wurde mehr auf Coverage gesetzt.

Mit NT Kris Jenkins wurde nun der Anker entlassen. Jenkins war allerdings eh die meiste Zeit verletzt. DE Shaun Ellis wird nicht jünger und daher gilt es als ausgemacht, dass die Defensive Line verbessert werden muss.

Die Expertenriege fordert für die Jets dazu ganz vehement einen Pass-Rush-Linebacker. Für mich sind die Jets aber durchaus in der Lage, mit vorhandenem Potenzial und ohne allzu reichhaltige Blitz-Packungen großen Druck zu entfachen. Der Ruf nach einem OLB wird vermutlich auch daher laut, weil sich der gehypte Vernon Gholston als komplette Grütze erwiesen hat. Die Jets werden einen Pass Rusher in Runde eins draften. Darin sind sich alle überraschend einig.

Die Secondary wird aller Voraussicht CB Cromartie verlieren. CB Darrelle Revis war in dieser Saison verletzungsbedingt nicht voll auf der Höhe und CB Kyle Wilson (Boise State!) hatte noch Anpassungsschwierigkeiten. Sollte Cromartie gehen, bräuchten die Jets auch einen Cornerback. Man stelle sich nun vor, Asomugha käme aus Oakland… Aber die Jets werden kaum einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag in die Secondary spucken.

Die Special Teams

Viele Fragezeichen. KR Brad Smith wie gesagt ohne Vertrag. Dazu könnte auch der PR Holmes gehen. Das größte Problem stellt aber Kicker Nick Folk dar, zu dem Rex Ryan ganz offen keinen Funken Vertrauen hegt. Unter diesen Umständen ist an einen Verbleib Folks nur schwer zu denken.

Ausblick

Jets Head Coach Rex Ryan

Rex Ryan - Foto: Flickr

Die Jets haben das Personal für ganz oben. Rex Ryan hat mich vom Coaching mittlerweile auch überzeugen können, auch wenn seine sonstige Art so gar nicht meinen Geschmack trifft. Hätten die Jets einen überzeugenderen Quarterback, ich würde schon mal einen leisen Superbowl-Tipp abgeben.

So reicht es erstmal „nur“ zum Zweikampf mit den Patriots um die Divisionskrone.

Weitere „Sezierstunden“ gibt es hier oder unter dem Tag Sezierstunde.

Der Championship-Sunday-Kopfweh am Tag danach

Pittsburgh gegen Green Bay: Superbowl XLV wird also die Title Bowl. Die Spiele selbst waren nicht berauschend, aber auf ihre Weise unterhaltsam. Zweimal eine leblose Mannschaft, die sich nach und nach ins Spiel reinbiss, um am Ende den Rückstand doch nicht mehr aufholen zu können. Aber Bears und Jets hatten beide Chancen genug, das Finale zu erreichen.

Die Bears

In Chicago ist nach dem Ausscheiden von QB Jay Cutler die leidige toughness-Frage entbrannt. Cutler wird vorgeworfen, ein Weichei zu sein, weil er mit Knieverletzung ausgeschieden ist. Das ging so weit, dass MLB Urlacher Cutler öffentlich mit einem EristhartwiedieHölle den Rücken stärken musste. Bei der Chicago Tribune hängten 50% der Fans dem QB das Andy-Möller-Schildchen um, immerhin 19% warten noch bis zur Untersuchung ab.

Die Presse hat unterdessen drei Hauptschuldige ausgemacht: OffCoord Mike Martz, HC Lovie Smith und – wen überrascht’s – Jay Cutler himself. Generell gilt: Unter Cutler und danach kurzfristig QB Collins spielte Chicago so schwach, dass das 140-Zeichen-Kästchen bei Twitter mehr Unterhaltung bot, als das NFC-Finale.

Am Ende wäre fast Third Stringer Caleb Hanie zum Hero geworden. Eine INT in der RedZone der Packers beendete alle Träume.

Die Jets

Die Jets wandeln auf den Spuren der Philadelphia Eagles und haben nun schon zwei AFC-Finals in Serie verloren. Eine bittere Pleite, weil sich Pittsburgh als durchaus nicht unschlagbar herausstellte – sondern nur als wacher. Die New Yorker Presse zeigt sich bisher nicht allzu hart mit den Jets, obwohl im Prinzip eine traumhafte Chance liegen gelassen wurde.

Als Knackpunkte werden drei Dinge angesehen: Der Dornröschenschlaf in Halbzeit #1, der Goal Line Stand der Steelers und der Hechtsprung in den Punter, der Pittsburghs Drive verlängerte (später gab es dann die INT in diesem Drive) und als symbolisch für die Vorstellung der Jets über weite Strecken der Partie gilt. Allgemeiner Tenor: Enttäuschung ja, Weltuntergang nein.

Im Prinzip wirkte es lange so, als würden die Jets genau die eine Befürchtung hemmen: Der mentale Drop-Off nach dem massiv gehypten Patriots-Spiel von vergangener Woche. Die Jets entschieden sich anfangs zu deferren. Pittsburgh ging also raus und legte einen Kraftakt-Drive hin, der Sanchez über einie halbe Stunde an der Seitenlinie frieren ließ. Die Jets brauchten bis Sekunden vor der Pause, um halbwegs in Schwung zu kommen. Eingerostet, wie man es ansonsten nur von Teams kennt, die zwei Wochen Regular Season plus Bye Week abschenken und in den Divisionals einsteigen.

QB Mark Sanchez kommt mit guten Kritiken davon. Sanchez war nicht der Grund für das Aus, aber im Prinzip passt Sanchez nicht so recht in diese Mannschaft: Die Jets waren dafür zusammengestellt, JETZT den Titel zu holen. Die Einkaufstour, die Sprüche, die Star-Ansammlung. Da wirkt ein so junger und mitten in der Entwicklung steckender QB-Jungspund etwas Fehl am Platze in meiner bescheidenen Meinung.

Wie auch immer, der Kern der Jets ist bei näherem Hinsehen jünger als ich erwartet hatte. Für die nächsten 1-2 Jahre muss Feintuning betrieben werden. Vielleicht ein neuer Running Back (Tomlinson wird auch nicht jünger und Greene ist womöglich nicht dafür gebaut, alleine die ganze Last zu tragen) und ein dominanter Safety sind im Prinzip alles, was der Mannschaft noch fehlt. Und Sanchez, der ruhig noch mehr Verantwortung übernehmen sollte und wegkommen muss vom Image des Play-Action-QBs, der nur mit funktionierendem Laufspiel effizient ist.