Samstagsvorschauer 2019 – Woche 3

Heute dritter Spieltag der College-Football Saison. Wieder ist es ein Spieltag ohne absoluten Kracher. Doch es gibt zahlreiche interessante Matchup aus der zweiten Reihe – sozusagen ein College-Spieltag für den Genießer. Weiterlesen

Samstagsvorschauer – Woche 12

Schwacher College-Football Spieltag am heutigen Samstag. Doch der drittletzte Spieltag fungiert im College Football immer als „Ruhe vor dem Sturm“-Wochenende: Nächste Woche kommt das Rivalry-Weekend. Weiterlesen

Eierei am Freitag: Dr. Z und D.J. Durkin

Gestern ist Paul Zimmerman gestorben, der in den USA als einer der größten Football-Journalisten galt. Zimmerman, genannt „Dr. Z“, hatte sich über Jahrzehnte als Chef-Schreiber der Sports Illustrated einen Namen gemacht, für die er schon in den 70er und 80er Jahren detaillierte Analysen schrieb, als es noch kein öffentliches All-22 und Internet für alle gab. Weiterlesen

Bowl-Season 2013/14 Preview: Military, Texas und Kraft Fight Hunger Bowl

Großkampftag der Bowl-Season heute mit drei Bowls quer über die Staaten. Der ESPN-Player hat sie alle in seinem Angebot:

MEZ    BOWL                TEAM 1            TEAM 2
20h30  Military            Marshall          Maryland
00h    Texas               Syracuse          Minnesota
03h30  Kraft Fight Hunger  Washington        Brigham Young

Zu den Geschichten hinter den Spielen. Weiterlesen

College Football 2013/14, Preview Week 6 am Samstag

Die Saison im College-Football nimmt richtig Fahrt auf mit haufenweise Conference-Spielen, die längst Überhand genommen haben. SPORT1 US heute mit folgenden Spielen im Portfolio – man achte drauf, dass der 21h30-Slate wegen IndyCar diesmal ausfällt:

18h    Florida State - Maryland
01h    Mississippi State - Louisiana State
04h15  Stanford - Washington

Schedule des ESPN-Players kann wieder im Tagesverlauf bei Allesaussersport nachgeschlagen werden. Der NBC-Stream könnte wieder das „Heimspiel“ von Notre Dame (nur theoretisch; Spiel findet in Dallas auf neutralem Boden statt) gegen Arizona State übertragen.

Government-Shutdown

Eine interessante Färbung gibt es am heutigen Spieltag durch die US-Regierungskrise („Government Shutdown“), wegen dem bizarrerweise das Militärduell NavyAir Force (ab 17h30 geplant) ausfallen könnte, wie auch Boston College Army. Die Entscheidung hätte am Donnerstag fallen sollen; zum „Redaktionsschluss“ am Freitagvormittag war mir noch nix darüber bekannt.

Nachmittags-Brunch ab 18h

Bestes Spiel um 18h und eines von nur drei Ansetzungen zwischen zwei AP-25 Teams am heutigen Tage ist #8 Florida State Seminoles#25 Maryland Terrapins (bei SPORT1 US). FSU ist trotz einiger Defensivprobleme (viele Abgänge in die NFL) recht rund in die Saison gekommen, vornehmlich wegen des in alle Höhen gehypten QB Jameis Winston, dem „neuen Manziel“. Winston, ein Freshman der nebenher Baseball für die Noles spielt, hat einen etwas merkwürdigen Wurfstil, aber seine Pässe sind schon recht zielgenaue Raketen.

Maryland scheint im dritten Jahr unter dem einst so gehassten Head Coach Randy Edsall in Schwung zu kommen, steht bei 4-0. Es ist zwar irgendwie jeder skeptisch, inwieweit die Terps „legit“ sind, aber immerhin gewinnt Maryland nun die Spiele, die in den letzten beiden Jahren jeweils noch haushoch verloren wurden. Und das 37-0 über WVU, das man noch letzte Woche am liebsten verspottet hätte („WVU ist auch nicht mehr das, was es mal war“), sieht nach dem überzeugneden Sieg der Mountaineers letzte Woche über das hoch gehandelte Oklahoma State nun wie ein gutes Ergebnis aus.

Florida State spielt in zwei Wochen sein erstes „Spiel der Wahrheit“ gegen Clemson. Maryland ist der letzte Test, bevor die Noles in eine spielfreie Woche gehen. Wenn eine Mannschaft in den letzten Jahren pauschal für überflüssige Niederlagen vedächtigt worden ist, dann war es FSU, insofern gibt es durchaus eine kleine Packung Upset-Potenzial in diesem Spiel.

Ein anderer schwarzer Wunder-QB ist Teddy Bridgewater von #7 Louisville, der einen fürchterlich einfachen Schedule spielen darf. Louisville ist heute bei Temple zu Gast und alles andere als ein lockerer Sieg würde als Enttäuschung gewertet. Bei NebraskaIllinois darf man sich zu Gemüte führen, ob die Huskers-Defense sich von den jüngsten Blamagen erholt hat; auf alle Fälle steht Coach Bo Pelini im Kreuzfeuer, wenn Illinois viele Punkte aufs Tablett legen sollte.

Um 18h30 MESZ spielt Virginia Tech gegen UNC. UNC legt jede Woche tiefere Tiefpunkte hin und die Messlatte ist mittlerweile so weit unten angelegt, dass die Tar Heels trotz einiger aussichtsreicher NFL-Prospects froh wären, von Virginia Tech nicht komplett an die Wand gespielt zu werden. Da kommt es gut, dass VT zwar eine der gefürchtetsten Defenses im Lande hat, aber „Beamerball“ (extrem gute Defense + Special Teams, benannt nach VT-Coach Frank Beamer) nicht für die punktgewaltigste Spielweise steht. Die Hokies gewinnen lieber 13-10 als 58-37. Empfehlenswert ist das Spiel sicher auch aufgrund der tollen Kulisse im Heimstadion von Virginia Tech.

Ab 20 AkronOhio aus der Mid-American Conference. Akron ist mit seinem Coach Terry Bowden (Sohnemann der Legende Bobby) eines der Bodensatz-Teams der MAC, hätte aber vor zwei Wochen ohne weiteres Michigan in deren Stadion schlagen können und scheiterte nur sauknapp. Ohio seinerseits ist Mitfavorit in der MAC.

21h30-Slate

#6 Georgia hat die Massen mit seinen spektakulären Spielen offenbar so sehr begeistert, dass CBS das Tennessee-Georgia Spiel als sein Topspiel der Woche auserwählte. Bei uns über normalem Wege nicht zu sehen, riecht das nach einem gewaltigen Mismatch: Die Vols wurden bereits von Oregon in Grund und Boden gespielt und hatten letzte Woche gegen das bestenfalls zweitklassige South Alabama alle Probleme der Welt, ein 31-24 herauszuwringen (USA hatte Sekunden vor Schluss an den TEN 8yds Line gestanden).

Alternativprogramm: #21 Oklahoma State vs Kansas State. Letztere hatten ihre peinliche Pleite bereits am ersten Spieltag, erstere holten das letzte Woche nach, als sie gegen das bis dahin desaströse West Virginia glatt verloren. OSU hatte ich im Sommer dick auf der Rechnung gehabt für eine mögliche Überraschung in der Big 12; K-State weniger.

Oder #14 Miami/FLGeorgia Tech. Bei den Canes bin ich mir noch immer nicht sicher ob deren Offense-Qualitäten: Ja, es gibt fantastische Athleten, und ja, immer wieder gewaltige Drives, aber am Ende des Tages bleibt doch der Eindruck von Stückwerk. Aus der ACC gäbe es außerdem: Syracuse#3 Clemson.

Die Nachtspiele

Das Massaker Colorado#2 Oregon (ab Mitternacht) gibt es bei uns Gott sei Dank nur für Goldgräber zu finden. Ein anderes Gemetzel ist dagegen lt. Sendeplan bei SPORT1 US (Stand gestern Vormittag) dabei: Ab 1h Mississippi State#10 LSU mit LSUs neu gefundener Offensivgewalt. Ich habe über zwei Jahre über QB Zach Mettenberger gelästert, sodass ich nun Abbitte leisten muss: Was Mettenberger seit dem TCU-Spiel abliefert, ist ziemlich gigantisch und sein Stil ist durchaus NFL-kompatibel. OK, das war er immer schon, aber nun strahlt Mettenberger endlich auch Selbstbewusstsein aus, und macht kaum mehr gröbere Denkfehler, wenn es ums Zerlegen von Coverages geht. Mettenbergers Next Test: @Alabama im November. Bis dahin gilt es, weiter ins neue Offense-System von Cam Cameron einzutauchen.

Ein Topspiel ab 1h, das es hierzulande offiziell nicht zu sehen gibt: #11 OklahomaTCU (läuft in den Staaten bei FOX). Es ist das direkte Duell der beiden besten Defenses der Big 12 Conference. Oklahoma hat sich mittlerweile zum Big 12-Favoriten gemausert, wenngleich es mich bass erstaunt, wie wenig Aufmerksamkeit die großen Medien den Sooners (den Sooners!) schenken: Trotz Ungeschlagenheit nur an #11 gerankt. Das mag den sportlichen Stand widerspiegeln oder nicht, aber so große Unis landen im Normalfall bei 4-0 Bilanz weiter oben. QB Blake Bell (der „Belldozer“), früher nur bekannt als Landry Jones‘ rein scrambelnder Backup, soll zuletzt verstärkt als Starting-QB mit Passqualitäten auf sich aufmerksam gemacht haben.

TCU ist dagegen eine kleine Enttäuschung: Die Defense ist nicht das Problem, sondern die Offense, wo es weiterhin keine Konstanz gibt und QB Pachall mal wieder wochenlang mit Verletzungen raus ist. TCU war einer meiner Geheimfavoriten, aber es scheint meinen Erwartungen nicht ganz gerecht werden zu können. Ein Upset heute in Norman könnte mein Weltbild wieder ins Lot rücken.

Möglicherweise im ESPN-Player ist allerdings #18 FloridaArkansas (ab 1h): Florida mit seiner furztrockenen, aber ebenso langweiligen Defense gegen Arkansas, das in der Offseason alles untenahm, um die letzten Erinnerungen an die spektakulären Pass-Offenses der letzten Jahre zu verwischen. Florida spielt ohne seinen besten DL Dominique Easley (Kreuzbandriss; out for season).

Ein cooles Matchup könnte Auburn#24 Ole Miss sein: Zwei interessante Typen an der Seitenlinie, Auburns Gus Malzahn, der quasi mit Tag 1 seiner Präsenz wieder Leben in die verwaiste Tigers-Offense brachte, gegen Ole Misses Hugh Freeze, Recruiting-König. Die gemeinsame Geschichte der beiden liegt bei Arkansas State: Dort löste Malzahn letztes Jahr Freeze ab; beide nutzten das Sprungbrett Arkansas State, um bessere Jobs in der SEC zu bekommen.

Was ist bei South FloridaCincinnati interessant (ebenso 1h)? South Florida. Die Bulls sind unter dem neuen Coach Willie Taggert so schlecht in die Saison gekommen, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass Taggert seine Debütsaison nicht überlebt. Man muss dazu wissen, dass es am College sehr ungewöhnlich ist, dass Coaches nicht mindestens 2-3 Jahre Zeit bekommen.

Wohl wieder im NBC-Stream ab 2h: Notre Dame#23 Arizona State, das bizarrerweise aus dem Cowboys-Stadion in Arlington kommt. Notre Dame wurden letzte Woche von Oklahoma die Grenzen aufgezeigt, während Arizona State mit einem 62-Punkte-Wirbelsturm gegen USC die Ära von Lane Kiffin beendete.

Der Kiffin-Nachfolger könnte ab 1h30 zu sehen sein, wenn Vanderbilt gegen Mizzou spielt. Vanderbilts Head Coach James Franklin gilt als überfälliger Kandidat für einen richtig großen BCS-Coaching Job. Er wird bei allen wackeligen Trainerposten in der Elite des College-Football genannt; so auch bei den USC Trojans.

Ab 02h spielt #16 Northwestern vor einem vermutlich rebellischen Heimpublikum gegen #4 Ohio State. Jeder faselt davon, wie überschätzt Ohio State sei; trotzdem werden die Buckeyes Woche für Woche in den Top-5 gerankt. Viele schwierige Spiele hat Ohio State nicht mehr dieses Jahr, aber Northwestern könnte eines von ihnen sein: Eine kleine Elite-Uni, die leidenschaftlichen Football spielt und einen begeisternden QB Kain Colter auffährt.

Northwestern ist eine kleine Elite-Privatuni aus dem „Umfeld“ von Chicago; das allein reicht, dass diese Uni kaum mediale Beachtung findet, zwischen Bears, Cubs, White Sox, Bulls, Blackhawks und was-weiß-der-Teufel-was-dort-noch-für-Profiteams-umherlaufen, aber das heute könnte der gefühlte Höhepunkt in der Wildcats-Geschichte sein: ESPNs College GameDay stationiert heute auf dem Campus von Northwestern, und allein das bringt Aufmerksamkeit. Für Head Coach Pat Fitzgerald, Quarterback in der bisher erfolgreichsten Zeit dieser Uni (Big Ten Siege 1995, 1996), einen eingefleischten Wildcats-Mann, muss das nach fast zehn Jahren im Coaching-Staff eines der geilsten Spiele bisher sein.

Ab 4h30 MESZ das dritte Spiel zweier gerankter Teams: #5 Stanford#15 Washington. Stanford verlor letztes Jahr zwei Spiele: Einmal dank Referee-Fehler gegen den BCS-Finalisten Notre Dame, und einmal… gegen Washington. Die Huskies waren 2012 ansonsten aber zu wenig konstant um ein ernsthaftes Wörtchen um mehr als gelegentliche Sensationen mitzureden, aber diese Jahr gilt die Kombination aus hochwertigen Athleten und viel Erfahrung als durchaus gefährlich. Manche trauen den Huskies heute Nacht sogar eine Überraschung zu. Wenn, dann muss aber QB Keith Price weiterhin so aufgeigen wie in den ersten Wochen angedeutet.

Atlantic Coast Conference 2012/13 Preview

Nächste Conference, die in Unsicherheit lebt. Da sind zum einen die drohenden Schwerter über den Footballprogrammen von North Carolina und Miami, zum anderen die von anderen Conferences bezirzten Attraktionen Clemson und Florida State, deren Verbleib nicht sicher ist.

Atlantic Division

Florida State und seine BCS-Ambitionen hatte ich bereits unter der Lupe, und sie sind der fraglose Favorit in Division und Conference. Aber auch die Clemson Tigers schlafen nicht und sind immer für eine Überraschung gut – so wie 2011, als sie nach Jahren der Anämie plötzlich eine sensationelle Offense rund um QB Tajh Boyd und den genialen Freshman-WR Sammy Watkins auffuhren. Gemeinsam mit dem superben RB Andre Ellington boten die knallorangenen Tigers richtiges Spektakel, aber waren halt auch brutal unkonstant: Kantersiegen über Virginia Tech folgten Schlappen gegen NC State und in der Orange Bowl ein 33-70 (!) gegen West Virginia.

Völlig unerwarteterweise brach 2011 aber die jahrelang so starke Defense ein, und selbst der Superstar, LB Stephone Anthony, ist so ein Mann, der in einem Play dem Gegner den Kopf ausreißt und im nächsten einen 50yds-Lauf aufgibt. Nun ist mit DefCoord Brent Venables aus Oklahoma ein neuer Mann da, den durchaus nicht alle – mich eingeschlossen – mit offenen Armen empfangen würden. Wer will aus so einer Mannschaft schlau werden? Prädikat: Leverkusen des Colleges Football. Kann potenziell jeden putzen, aber auf dem Weg zur Meisterschaft wird gewiss irgend ein überflüssiger Bock geschossen.

Dem Rest der Division ist nicht allzu viel zuzutrauen. Das NC State Wolfpack des stets grantig dreinschauenden Chefcoachs Tom O’Brien spielt eine bizarre Offense, läuft extrem viel, obwohl das Laufspiel die absolute Schwäche im Kader ist, querbeet durch alle Running Backs hindurch. QB Mike Glennon ist dagegen ein Grünling, aber nach allen Datenbankeinträgen nicht der schlechteste. Schon langsam die Hype-Maschine anwerfen können wir bei CB David Amerson, der im nächsten NFL-Draft schon als potenzieller Top-Pick gehandelt wird.

Bei Wake Forest sind die beiden Stars der sympathische Head Coach Jim Grobe und QB Tanner Price, der eine fabulöse Saison spielte und mit WR Michael Campanaro über einen exzellenten neuen Wide Receiver verfügen soll. Die Defense der Demon Deacons ist nicht die härteste im Tackling, nicht die überzeugendste gegen das Laufspiel, aber schaut sehr flink und wendig im Backfield aus… ach, und einen habe ich noch. Der Noseguard (auch: Nose Tackle) heißt Godspower Offor. Godspower. Offor. Was für ein geiler Name.

Die Maryland Terrapins (Terrapin = Schildkröte) sind dagegen nach einem Jahr in schlichtweg bizarrer Ausrüstung und mit einer komplett kollabierten sportlichen Bilanz (auf 2-10) erstmal auf Wiedergutmachung aus. Head Coach Randy Edsall ist nach nur einem Jahr verhasst wie Furunkel im Intimbereich und steht bereits mächtig unter Zugzwang: Gleich mehrere Schlüsselspieler hauten in der Offseason ab und dann wurden auch noch beide Coordinators geschasst.

Schlechter – respektive: resignierter – ist die Stimmung nur noch bei den Boston College Eagles, wo das Präsidium bereits in den Modus der Verzweiflungsrhetorik geschaltet hat, inklusive gebetsmühlenartiger Lippenbekenntnisse zu HC Frank Spaziani. Was ist das Problem? Ich habe Verbindungen in den Studentenkörper von Boston College und was man so hört, ist es:

  1. Stillstand.
  2. Stillstand.
  3. Stillstand.

Jedes Jahr dieselbe Leier. 8-4 auf 8-4 auf 8-4 auf 8-4 Saison. Zwischendurch ein Ausreißer nach unten. Aber keiner nach oben. Man hat die Schnauze voll von den Sun Bowls und Belt Bowls und Music City Bowls dieser Erde. Nun ist der beste Abwehrspieler in LB Luke Kuechly in die NFL gegangen und der beste Offensivspieler in RB Montrel Harris zu Temple gewechselt, und im Angriff der vierte OffCoord in zwei Jahren (!) installiert – ob’s hilft?

Für deutsche Fans dürfte das Boston College aber auf alle Fälle sehenswert sein, weil dort mit DE Kasim Edebali (müsste ein 89er Jahrgang sein) ein Landsmann mitwirkt – Edebali ist Hamburger und seit 2007 in den Staaten. Wenn mich meine Game-Logs nicht täuschen, hat er letztes Jahr minimum zwei Starts gehabt.

Coastal Division

In der Paralleldivision “Coastal” gibt es diesmal keinen eindeutigen Favoriten. Das liegt in erster Linie daran, dass beim langjährigen Zugpferd, den Virginia Tech Hokies, viele Fragezeichen aufgetaucht sind: Drei Viertel der Offense müssen ersetzt werden, das Defensive Backfield ist ein Torso und der Schedule auch nicht ganz einfach.

Hoffnungsträger im Angriff sind der monströse QB Logan Thomas, dessen Einstandsjahr 2011 ganz ordentlich war – ein mobiler 2m-Hüne, gute Wurftechnik, insgesamt noch ausbaufähige Vorstellungen. Man hofft, dass der Head Coach Frank Beamer endlich seinen extremen Konservativismus aufgibt und um Thomas herum eine aufregendere Offense spielen lässt, aber wenn ich so lese, dass sich Beamer beim Gedanken an die neue Freshman-Granate, RB Michael Holmes, fast einen runterholt, bin ich da nicht so zuversichtlich…

Auf der anderen Seite kontern die Georgia Tech Yellow Jackets von Paul Johnson halt auch nur mit einer wenn auch ausgefallenen Triple-Option-Offense aus der Flexbone-Formation. Zugegeben: Das ist eine der spektakulärsten Mannschaften zum Einschalten an einem Donnerstagabend, wenn 80x/Spiel gelaufen wird, mit drei eingestreuten tiefen Bomben. Dumm ist da höchstens, dass mit WR Stephen Hill der möglicherweise entscheidende Mann mittlerweile NFL-Profi ist. Weil auch die Defense Fragezeichen hat, dürfte es als Überraschung zu werten sein, sollte Georgia Tech wirklich den Hokies Paroli bieten können.

Aber wer sonst? Die sympathischen Virginia Cavaliers waren mit ihrem 8-5 Record zuletzt schon heilfroh und verschwiegen wissend, dass der nur aufgrund einer 5-1 Bilanz in Spielen mit einem Score Differenz zustande gekommen war. Und in der Secondary muss der komplette Starting-Lineup ersetzt werden.

Die einstigen Giganten von der University of Miami, die Hurricanes („Canes“) sind nach dem großen Shapiro-Skandal (Kurzform: Booster/Fan spendierte den Spielern Geld, Autos und Nutten und packte Jahre später – 2011 – im Knast zwei Journalisten alles aus, was er auf der Seele hatte) in Erwartung richtig ernsthafter NCAA-Sanktionen. Der Head Coach Al Golden ist in der schwierigen Situation, eine Mannschaft für die Zukunft zu bauen, ohne zu wissen, wohin sie die oftmals unberechenbaren NCAA-Regelhüter überhaupt führen werden. Dazu kommt, dass Golden mit seinen undurchsichtigen persönlichen Verbindungen jetzt schon selbst ins Visier der Ermittler geraten ist.

Sportlich war das letztes Jahr gar nicht so übel: Eine 6-6 Siegbilanz mit einer 2-6 Bilanz in den engen Spielen zeigt: Miami ist keine Lichtjahre von der Spitze entfernt. Die Offense ist zwar brutal unerfahren, aber der RB Randy „Duke“ Johnson ist ein fantastisch explosiver Spieler, und in der Defense baut die bärenstarke Front-7 um den DE Anthony Chickillo, der in vier ESPNA-Übertragungen bei mir mit neun Datenbank-Nennungen aufschlägt – heißt: Der Mann ist auffällig. Schwierigkeiten soll die fehlende Tiefe bereiten, weswegen es essenziell sein könnte, dass S Ray-Ray Armstrong nach wochenlangem Gerichtsstreit mit der NCAA nun möglicherweise doch seine Spielberechtigung erstritten hat.

Die Duke Blue Devils dagegen sind mit Sicherheit kein Kandidat. Duke ist eine Basketballmacht und im Football schon froh, wenn sie vier Spiele pro Saison gewonnen haben. Und die North Carolina Tar Heels, die sportlich was auf dem Kasten hätten, sind wegen eines Booster-Skandals in diesem Jahr von der Bowl Season ausgeschlossen und spielen deshalb nur außer Konkurrenz mit. Trotzdem lohnt es sich, UNC zuzuschauen: Hier ist mit Larry Fedora ein neuer Head Coach am Werk, der zuletzt bei Southern Miss großartige Arbeit geleistet hat und auch eine durchaus unterhaltsame „Bend-but-don’t-break“-Defense hatte spielen lassen. Fedora ist aber primär offensivorientiert und sollte bei UNC mit QB Bryn Renner und RB Gio Bernard zwei Super-Athleten zum kreativen Arbeiten vorfinden.

Bowl Season 2010/11, Tag 9: Triplepack oder das Beste erst frühmorgens

Ganz fetter Tag mit drei Live-Übertragungen bei ESPN America.

Military Bowl Presented By Northrop Grumman

Mi., 29.12. um 20h30 live bei ESPN America

Maryland Terrapins – East Carolina Pirates

Military Bowl. Formerly known as EagleBank Bowl, und eine dieser Retorten-Bowls der letzten Jahre (seit 2008 ausgespielt). Military… Da passt der Sponsor, der den B-2 Bomber baut, nur allzu gut. Northrop Grumman.

Viel niedlicher ist da schon das Titeltier der University of Maryland: Eine dahinvegetierende Schildkröte. „Dahinvegetieren“ ist ein gutes Stichwort, wenn man über die Terrapins in den letzten Jahren spricht. Unter dem extrem beleibten Coach Ralph Friedgen gab es zuletzt ein Auf und Ab. Friedgen ist seit 10 Jahren Coach in Maryland, nach einem ACC-Titel im ersten Jahr gab es danach viele durchwachsene Saisons, mit dem negativen Höhepunkt von 2-10 im Vorjahr.

Heuer ging es mit Freshman-QB Danny O’Brien (nur 56% Completion Rate, aber TD-INT Ratio von immerhin 21-6) wieder erkennbar aufwärts: 8-4 und am letzten Spieltag den NC State Wolfpack die Saison vermiest. Trotzdem muss Friedgen gehen. Das Management der Terps will Friedgen wohl so dringend beseitigt wissen, dass man ihm freiwillig immerhin 2 Mio. Dollar dafür bezahlt, dass er sein letztes Vertragsjahr 2011 nicht mehr coacht. Ganz schuldlos an der Entlassung ist auch der Abgang von OffCoord James Franklin (Vanderbilt) nicht. Franklin machte einen auf Mangini und begann damit, fein säuberlich die Assistenztrainer aus Maryland mitzunehmen. Die Militärbowl ist nun also das Abschiedsspiel für Friedgen.

Der Austragungsort könnte dabei nicht besser sein: Das alte RFK Stadium in Washington, nur 15km vom Uni-Campus entfernt. Die Bowl könnte gut besucht sein, zumal auch der Gegner East Carolina Pirates nicht weit entfernt liegt – für amerikanische Verhältnisse: Fünf Stunden.

Die Pirates passen mit ihrem Logo, das unweigerlich an Jim Knopf und die Wilde 13 erinnert, optisch schon besser zur Military Bowl. Die Pirates werden seit einem Jahr von einem der wenigen schwarzen Head Coaches, Ruffin McNeill, trainiert. 6-6 ist die Bilanz im Rookie-Jahr, und obwohl McNeill eher der defensiven Seite zuzuordnen ist, präsentieren sich die Pirates als offensivgewaltig. Unter Wandervogel-QB Dominique Davis (Boston College, Fort Scott, nun East Carolina) ist man eine passgewaltige Offense, die sämtliche Schulrekorde gesprengt hat. 36TDs, 3699yds. Da drücken wir mal ein Auge zu, dass es nur zu Platz zwei in der mäßigen Conference USA gereicht hat.

Vorteil Terps, ganz klar. Der 7pts-Spread in den Wettbüros ist mir zu klein.

Texas Bowl

Mi./Do., 29.12. um 00h00 live bei ESPN America

Baylor Bears – Illinois Fighting Illini

Nächste Retortenbowl. Die Texas Bowl kommt ohne Sponsor aus, zahlt aber dementsprechend nur sehr wenig Geld aus (weniger als 1M pro Conference). Gespielt wird im riesigen Reliant Stadium in Houston, und dank guter Teamwahl war das Spiel bei den bisherigen vier Ausgaben stets ordentlich besucht. Mit der Baptistenuni Baylor ist auch diesmal ein texanisches Team dabei.

Die Bears sind keine der Größen. Zu Zeiten der Southwestern Conference war das mal ein respektables Team, aber seit deren Zusammenbruch und der Fusion zur Big 12 war man lange nicht mehr in einer Bowl dabei. Sehr lange – seit 16 Jahren. Heuer spielte man eine für Baylors Verhältnisse sehr, sehr gute Saison, mit dem Highlight eines Auswärtssieges bei den Texas Longhorns vor 100.000 Zuschauern in Austin. Am Ende war die Bilanz 7-5, nach einer Niederlagenserie zum Saisonende. Zwischendurch war man sogar mal in den Rankings dabei.

Der QB Robert Griffin spielt eine sehr gute Saison, wenn man diese letzten drei Spiele eben ausnimmt, die alle verloren wurden. Griffin ist wurfgewaltig (3195yds, 21TDs), aber auch laufstark (591yds, 8TDs).

Gegner Illinois spielt unter Ron Zook (jo, der Mann, der Florida in Grund und Boden gecoacht hat) eine Option-basierte Offense mit dem perfekten QB dafür: Nathan Scheelhaase, recht passstark (1500yds, 17TDs) und sehr laufstark (815yds, 4 TDs). Arbeitstier in der Offense ist der RB #5 Mikel Leshoure (1513yds, 14TDs), der gegen die Northwestern 330yds gemacht hat. Ähnliche Voraussetzungen also für beide Mannschaften.

Die Wettbüros sehen das ähnlich: Nur mit 2pts ist Baylor favorisiert.

Valero Alamo Bowl

Mi./Do., 29.12. um 03h15 live bei ESPN America, Tape am 30.12. um 9h morgens

#14 Oklahoma State Cowboys – Arizona Wildcats

Geradezu eine Traditionsbowl im Vergleich zu den anderen beiden ist die Alamo Bowl in San Antonio, Texas (seit 1993). Gespielt wird im sinnlosesten Stadion ever, dem Alamodome, das einst gebaut wurde, um eine NFL-Mannschaft anzulocken. Der Versuch ist fehlgeschlagen und so braucht man in San Antonio händeringend Veranstaltungen, um die Betriebskosten der riesigen Halle zu decken. Eine Bowl mit 3 Millionen Dollar Playout ist da nicht die unattraktivste Möglichkeit.

Die Oklahoma State Cowboys kommen da gerade recht. Ein Team, nicht allzu weit entfernt beheimatet und extrem offensivgewaltig. Mit QB Brandon Weeden (4037yds, 32TDs, 13 INTs) und WR Justin Blackmon (102 Catches (!) für 1663yds, 18TDs) ist hier eine Combo am Werk, die weiß, wie man Yards zurücklegt. Dazu gesellt sich ein Star-RB wie Kendall Hunter (1516yds, 16 TDs), bei dem man noch nicht ganz so genau weiß, ob er nur ein Produkt der Pass-Entlastung, oder wirklich so gut ist.

Die Cowboys sind allerdings noch im Aufbau – und so setzte es gegen die routinierten Mannschaften die einzigen beiden Saisonniederlagen (Nebraska und nach wildem Schlussviertel auch gegen Oklahoma).

Gegen die Sooners von Coach Bob Stoops verpassten die Cowboys durch das 41-47 auch die Chance auf Big-12-Finale und in weiterer Folge die Fiesta Bowl. Nun kommt in der Alamo Bowl Arizona daher, Arizona auch mit einem Stoops an der Spitze: Mike Stoops, der Bruder von Sooners Bob.

Die Wildcats haben über weite Strecken eine starke Saison gespielt. Allerdings folgte dann ein fürchterlicher November mit vier Niederlagen in Serie. Fast prototypisch war das Spiel in Eugene, Oregon. Nach erster Hälfte mit massiven Big Plays und 19-14 Führung folgte der Einbruch in Halbzeit zwei. Am Ende eine glasklare 29-48 Pleite bei den Ducks. Dabei ist QB Nick Foles nicht der allerschlechteste.

Schlecht bei den Wildcats ist vor allem die Lauf-Defense.

Ich sehe einen Sieg und insgesamt viele Punkte für Oklahoma State kommen. Obwohl die Wildcats jetzt ein paar Wochen Zeit hatten, sich nach dem desaströsen Saisonfinale wieder zu sammeln: Die beiden Top-Offenses, die sie bisher serviert bekommen haben (Oregon, Stanford), haben den Wildcats mal eben 90 Punkte eingeschenkt.