Sonntagsvorschauer zu Woche 11 mit Carson Palmer

Letzte Woche blieben die Youtube-Streams der CFL-Playoffs trotz vollmundiger Ankündigungen seitens der Liga schwarz. Es wäre überraschend, wenn es heute anders sein sollte, wenn es zu den Semifinals kommt. Trotzdem der Form halber: 19h Ottawa – Hamilton, 22h30 Edmonton – Calgary.

In der NFL ist es ein weiterer Sonntag mit auf dem Papier eher durchwachsenen Ansetzungen, mit Ausnahme des Sunday Night Games. Weiterlesen

NFL-Bazar 2011: Quarterbacks

Das CBA scheint nun tatsächlich nur noch eine Frage von wenigen Tagen (oder doch Wochen?) und damit mal ein schaler Blick auf den Pool an Spielern, die auf dem Markt sein könnten. Inkludiert sind Free Agents (einfachheitshalber keine Unterscheidung zwischen UFA und RFA), Spieler vor dem Abschuss und Spieler mit potenziellem Trade-Wert. Einen Überblick über die Free Agents gibt uns Pro Football Focus.

Die auf der Straße sitzen

Die vertragslosen Quarterbacks geben nicht allzu viel her. Matt Hasselbeck ist mit seinen 36 Lenzen nur noch wenige Jahre vom Karriereende entfernt und 2010/11 war nicht grad das Jahr für Hasselbeck (12 TD, 17 INT), vom Freakspiel gegen die Saints mal abgesehen. Könnte als Mentor für einen jungen QB irgendwo einsteigen und gilt immer noch als relativ cooler Quarterback, wenn die Protection zusammenklappt.

Die „illustre“ Reihe liest weiters Namen wie Rex Grossman, dessen Zeit in Washington abgelaufen sein dürfte, Matt Leinart, dessen Partykönig-Image noch nicht verflogen ist, Tavaris Jackson, der in Minnesota aufgrund der Favre-Manie zu schnell verbrannt wurde, Matt Moore, der in Carolina übereilt abgesägt wurde, oder den bodenständigen Bruce Gradkowski, dessen größtes Erbe sein dürfte, dass er die Raiders einst von Jamarcus Russell befreit hat.

Alex Smith soll nun doch in San Francisco bleiben, da Rookie Colin Kaepernick einen Tutor braucht. Chad Pennington muss mal wieder seine Verletzungen auskurieren und wird 2011/12 seine Aussichten für eine TV-Karriere testen und vielleicht nicht wieder in auf das Spielfeld zurückkehren.

Die Liste weist weiters Tyler Thigpen (Miami Dolphins) auf, legendär geworden durch seine Pistol-Offense-Einsätze 2008/09 für die Chiefs, oder Caleb Hanie, dessen NFC-Finalvorstellung im Jänner gegen Green Bay sehr couragiert war. Dennis Dixon hat bei den wenigen Einsätzen im letzten Herbst als Roethlisberger-Ersatz wenig bleibenden Eindruck hinterlassen, Marc Bulger (Ravens) ist so ein Mann, der nur für Teams mit sehr guten Offensive Lines und sehr guten Receivers und sehr gutem Laufspiel und sehr gutem Playcalling in Frage kommt – zu uncool unter Druck, zu verunsichert nach dem ersten Fehler.

Es sticht ansonsten nur noch der Namen Billy Volek (San Diego) heraus, der seit Jahren einen Ruf als exzellenter Backup-QB genießt und als solcher auch immer recht brilliert hat. Volek wird aber wohl in San Diego bleiben.

Die Ladenhüter

Interessanter sind die Namen, die noch nicht offiziell auf dem Markt sind. Brett Favre soll dem Vernehmen nach bereits wieder von Geltungssucht erfasst worden sein und beim einen oder anderen Team angefragt haben – ob ernst zu nehmende Gerüchte oder nicht, sei mal dahingestellt (ich würde nichts, gar nichts ausschließen). Tennessees Vince Young ist seit Jänner zum Abschuss freigegeben, wobei ich mich frage, ob die vorzeitige Ankündigung Bud Adams‘ nicht Youngs letzten Fetzen trade value gekostet hat.

In Sachen trade value dürfte es auch um Cincinnatis Carson Palmer nicht allzu gut bestellt sein, dessen Forderung – raus aus Cincy oder Karriereende – bei Owner Mike Brown auf wenig Gegenliebe gestoßen ist. Schwer vorstellbar, dass Palmer nicht irgendwo anders unterkommen kann – Arizona sieht mir wie ein sehr guter Ort aus, samt gutem Offensive Coordinator und starken Receivers.

Arizona könnte auch ein geeigneter Ort für Donovan McNabb sein, der dort in der Wüste aufgewachsen ist und in Washington sagenhaft enteiert wurde. McNabb gilt als ausgebrannt, aber ich halte ihm zugute, dass in diesem Torso namens „Redskins-Offense“ kein anderer überlebt hätte.

Auch McNabbs angedachter Nachfolger in Philadelphia – Kevin Kolb – gilt seit Monaten als heiße Ware, nachdem er bis zur nächsten Knieverletzung Vicks nicht an selbigem vorbei kommen wird. Als Eagles-GM würde ich Kolb halten, bzw. nur für massive Ware traden. Ich frage mich aber, ob tatsächlich eine Mannschaft mehr als einen Zweitrundenpick für den blassen Kolb ausgeben würde.

Auf meiner Trade-Liste würde auch New Englands Backup Brian Hoyer stehen, dessen Zukunft nach dem Einkauf von Ryan Mallett düster aussehen sollte, aber dessen wenige Kurzeinsätze zumindest einen mittleren Draftpick wert sein könnten.

Ein Auge würde ich auch auf Denver werfen, wo tatsächlich der Eindruck erweckt wird, dass man es mit Tim Tebow probieren möchte. Da QB Kyle Orton in dem Falle entbehrlich würde und trade value besitzen dürfte, kann ich mir einen Abgang Ortons in diesem Falle durchaus vorstellen – ich sehe allerdings noch nicht, wie der konservative John Fox lieber auf Tebow denn Orton setzt.

Die Suchenden

Starting-QB mit hoher Priorität würde ich insbesondere für die Arizona Cardinals und die Seattle Seahawks sehen, nachdem Mike Shanahan in Washington womöglich tatsächlich auf John Beck setzen möchte. Viele andere Mannschaften verfügen über junge Quarterbacks, die noch in der Entwicklung stecken und einen erfahrenen alten Mann neben sich bräuchten. Man werfe einen Blick nach Cincinnati, Minnesota und insbesondere Tennessee, deren Rookies womöglich von Tag eins an ins kalte Wasser geworfen werden und dabei abzusaufen riskieren.

All in all ein Markt, der von vielen bekannten Namen gefüllt wird, von denen die meisten ihre beste Zeit bereits hinter sich haben und denen kaum mehr Großartiges zugetraut wird. Dazu gesellen sich ein paar Namen, die IMHO erstaunlich schnell fallen gelassen wurden (Orton, Moore) und denen ich gerne noch eine Chance geben würde. Insgesamt kein unspannender Markt.

Seattle Seahawks in der Sezierstunde

Freak-Saison für die Seattle Seahawks: Mit neuem Coach als Team im Umbruch gestartet, am Ende trotz schwacher Statistiken Divisionssieger und am Ende als erste Mannschaft mit negativer Playoffbilanz den Titelverteidiger New Orleans aus dem Wettbewerb gekegelt. Das Heimspiel gegen die Saints war elektrisierend, dank des Feuers in der Mannschaft und auf den Rängen.

Trotzdem: Seattle war 7-9 und hat an der Playoffteilnahme womöglich langfristig zu knabbern. Denn anstatt an #8 picken die Hawks nun an #25 in jeder Runde. Ein nicht zu unterschätzender Nachteil in einer Mannschaft mit extrem vielen Löchern.

Handlungsbedarf in der Verteidigung

Ich habe nur 3x Seahawks gesehen. Das genügte aber, um die Schwachstellen ausfindig zu machen. Das Laufspiel ist nicht mehr als grundsolide, der Quarterback alt und unkonstant. Das ist alles nichts gegen die fürchterliche Secondary.

Die Cornerbacks haben allergrößte Problem im Duell Mann gegen Mann und brauchen dringend jeden neuen Impuls von außen. Keinen Deut besser schaut es in der Mitte bei den Safeties aus. Ich wusste gar nicht, dass Lawyer Milloy noch spielt. Jetzt weiß ich, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn Milloy nicht mehr spielen würde. Handlungsbedarf: extrem hoch.

Die Linebackers sollten vom Spielermaterial her passen. OLB Aaron Curry galt als großes Versprechen. Eingelöst hat er davon nicht lange nicht alles. ILB Lofa Tatupu ist verletzungsanfällig, gilt aber als Typ, der eine Defense führen kann. Die Defensive Line spielt phasenweise groß auf, aber nicht konstant genug.

Handlungsbedarf im Angriff

Bruchstückhaft ist auch die Offense, angefangen beim alternden QB Matt Hasselbeck. Hasselbeck wird nicht mehr lange spielen, aber an guten Tagen ist Hasselbeck immer noch recht effizient. Ich glaube, Seattle wird an #25 im Draft aktiv, sollte mit QB Jake Locker der Lokalheld (spielte an der nahen University of Washington) noch frei sein. Wobei mir in Seattle nicht klar ist, weshalb man Lokalhelden braucht. Das wunderschöne Stadion ist sowieso immer huckevoll. Nicht ausgeschlossen auch: QB Matt Leinart. Der spielte einst unter Carroll an der University of Southern California. Handlungsbedarf: gegeben, auch nicht Top-Priorität.

Dringender ist aber die Baustelle „Offensive Line“. Jahrelang Seattles größte Stärke und verantwortlich für viele tausend Yards von RB Shaun Alexander, aber mittlerweile ist davon nicht mehr viel zu sehen. Handlungsbedarf: Dringend.

Das Laufspiel ist ebenso mau. RB Marshawn Lynch hat bis auf den Sensationslauf gegen die Saints nicht allzu viel gezeigt. Das Passspiel krankt daran, dass es keine eindeutigen #1-Receiver gibt. Handlungsbedarf: Gegeben, aber Secondary und Offensive Line sind eindeutig wichtiger.

Ausblick

So viele Baustellen und doch Hoffnung. Hoffnung, dass Seattle öfters mit dem Feuer wie gegen die Saints spielt. Allerdings wird der Spielplan 2011/12 wesentlich ungemütlicher als noch in diesem Jahr.

Carroll muss neben den personellen Veränderungen auch einen Mentalitätsumschwung einleiten. Seattle hat sich phasenweise reaktionslos in sein Schicksal ergeben und hat mehrere Spiele wehrlos abgeschenkt. Das Punkteverhältnis von 310:408 spricht Bände.

Ich gebe Seattle selbst in der schwachen NFC West nur geringe Chancen auf eine Playoffteilnahme im kommenden Winter. Es ist eine Offseason, in der Carroll die Rahmenbedingungen schaffen muss, damit im kommenden Jahr der Einkauf von Playmakern Sinn machen kann.

Zu weiteren Sezierstunde-Ausgabern geht es an dieser Stelle, oder unter dem Tag Sezierstunde.

NFC Wild Cards 2010/11: Seattle Seahawks – New Orleans Saints

[01h59] Harhar. Die Sensation des Jahres. Ich freue mich für Seattle. Brutal viel Leidenschaft gezeigt und die unterirdische Pass-Defense der Saints verbraten. Alle NFC-West-Bashings werden ad absurdum geführt. Trotzdem wird Seattle nächste Woche rausfliegen. Und rüber zum Indy-Spiel.

[01h55] Seattle 41, New Orleans36. Die Saints spielen sehr konservative Defense und 1:30min vor Schluss der Touchdown der Saints, zwei Plays nach einer einfachen, fallengelassenen INT der #91 der Hawks. Beim Onside Kick geht New Orleans wie eben mal beim 4th down mit RB Jones – und scheitert.

Onside Kick wird von Seattle gefangen.

[01h43] Seattle 41, New Orleans30. Upset, here we go.

Gerade als Seattle beginnen will, die Uhr runterzulaufen, packt RB Marshawn Lynch den Lauf des Jahres aus, macht aus einem Broken Play nach zwei Dutzend gebrochenen Tackles einen TOUCHDOWN über 67yds. +11, 3:20 to go und nur mehr ein Timeout für die Saints nach dem sinnlos verbrannten Timeout von eben.

[01h27] Seattle 34, New Orleans 30. Ein bissl Leben ist noch drin. Goal Line Stand und damit nur Field Goal. 10min to go.

[01h24] Die Stadt von Seattle ist übrigens wunderschön mit dieser hügeligen Gegend, dem Hafen und dem Sonnenuntergang im Hintergrund. Die Sonne geht grad auch im Stadion unter. Für die Hawks, die gerade mehr und mehr ihren Enthusiasmus aushauchen und 11min vor Schluss beginnen, einzugehen.

[01h13] Seattle 34, New Orleans 27. Gesagt, getan. Brees reißt das Spiel an sich und dirigiert die Offense das Feld hinunter. Seattle hat jetzt erste Deckungsprobleme und zeigt Nerven (völlig unsinniges Personal Foul von der #91). Passend dazu: RB Jones macht den Touchdown. Hatte ein bisschen was von Momentum Swing.

Nebenbei bemerkt: Wenn ich mir das so ansehe: NO hat kaum Laufspiel. RB Reggie Bush wird trotzdem kaum eingesetzt. Reggie Bushs Vertrag läuft am Saisonende aus. Da kann sich jemand auf einen Vereinswechsel nach dem neuen CBA einstellen…

[01h06] Ende 3. Viertel. Egal, was noch passiert: Der verlachte NFC West hat ein Statement-Spiel der Seahawks bekommen. Viel, viel Herz und viel, viel Feuer in den Seahawks. Die Saints scheinen sich gerade langsam wieder zu erfangen, aber die eineinhalb Viertel völliger Hilflosigkeit werden nachwirken – und dabei ist es wurscht, wie die Partie jetzt noch ausgeht. Auf der anderen Seite dürften sich einige Spötter in diesen Minuten des Öfteren verschluckt haben.

[01h01] Diesmal Flauseln bei den Hawks. Dropped Pass und bei 53yds Field Goal eine Zeitverzögerung. Also Punt und die Saints von der Schippe gesprungen. Eine Minute später wirft QB Brees LB Tatupu in die Hände – und wieder Drop!

[00h55] Der gar nicht mal unerträgliche Tom Hammond brüllt ins Mirkofon und Seattle hat New Orleans in der gegnerischen Platzhälfte gestoppt – bei 4th down. 3cm fehlten, NO mit dem Lauf über Jones über die Mitte? Das bewährte Erfolglosigkeitsrezept.

Resultat: Die Offense Line wird zerbröselt, Jones gestoppt. 14 Punkte Vorsprung und die Seahawks beginnen ausgangs von Viertel #3 an der 37.

[00h46] Seattle 34, New Orleans 20. Dungy hatte recht. SS Roman Harper (#41) ist eine Schwachstelle in der Defense, lässt sich mehrmals ausspielen. Bedenklich ist aus Saints-Sicht auch, dass das Laufspiel das Seahawks durchaus funktioniert.

Einzig ein leicht fangbarer Ball für WR #87 Robinson, der auf den Boden fällt, verhindert mehr. Also nur Field Goal. 5:31 noch im dritten Viertel.

[00h37] Kein Tonart-Wechsel: Seattles Defense ist on fire. Gepaart mit gelegentlichen Blitzes wird NO’ Offense Line überrollt, vor allem der LT ist derzeit ziemlich überfordert. Wieder kein First Down, wieder Punt. Jetzt muss die Secondary halten, sonst wird es knapp.

[00h31] Seattle 31, New Orleans 20. Das ist nur noch lächerlich. Hasselbeck bei 3rd and 2 mit einem 38yds Pass direkt in die Arme von WR Mike Williams – DER Mike Williams, der einst als Riesenflop in Detroit galt und nun mit dem alten USC-Coach Carroll unterwegs ist.

Obwohl Williams stets als sehr langsam galt, rennt er FS #42 Sharper und CB #33 Greer einfach davon, bzw. er läuft durch die beiden hindurch, während diese schlicht nicht checken, was passiert.

Williams pflückt über die Schulter den Ball und fällt in die Endzone.

[00h08] Halbzeit Seattle 24, New Orleans 20. Kurzes Field Goal mit auslaufender Uhr. Auch die Saints haben wenige Probleme, den Ball per Luftpost zu bewegen. Ohne Timeouts wird es am Ende eng und es schaut nicht mehr als ein FG heraus, obwohl man innerhalb der 10 war. Spannende Sache bisher, vor allem wegen der grottenschlechten Saints-Secondary und der immer schwächer werdender Saints-Offense-Line.

Seattle auch nicht gerade berauschend in der Defense, aber in den letzten Minuten besser geworden.

Und die Wettbüros dieser Welt zittern. Oder hat überhaupt keiner auf Seattle getippt?

[00h02] Es gibt übrigens drüben bei dogfood auch Liveblogging.

[23h59] Seattle 24, New Orleans 17. Unfassbar, was die Secondary der Saints da veranstaltet. QB Matt Hasselbeck kauft sich mit dem simpelsten Trick der Welt alle Zeit selbiger und WR Stokley ist ganz tief drunten meterweit allein auf weiter Flur und läuft durch.

Smells like upset now.

[23h56] Jetzt beginnt der Kack schon wieder. NBC promotet das zweite Spiel: Can’t wait for that game. Jungs, wir haben heute ZWEI Spiele!

[23h43] Seattle 17, New Orleans 17. Die Laufdefense der Saints halt – im Gegensatz zu dem, was die Secondary bisher veranstaltet hat. Ausgleich!

[23h40] So schnell wird aus „ein paar Minuten“ über eine Stunde. Ich steige ein beim Stand 17-14 New Orleans im zweiten Viertel, als RB Julius Jones fumbelt!

NO dominiert statistisch nach Belieben. Aber Seattle wird gleich scoren, wenn nicht die Butterfinger ins Spiel kommen.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #4: Seattle Seahawks

Viertes NFL-Team in der Sideline-Reporter-Präsentation – dritter Vogel. Diesmal: Der Seahawk – zu deutsch so was wie die Raubmöve.

Die Brut

Der zunehmende Erfolg der NFL nach dem Zusammenschluss der beiden großen Ligen AFL und NFL sorgte Anfang der 70er dafür, dass man auch im äußersten Nordwesten über ein professionelles Footballteam nachdachte. Seattle, die Heimat der Holzindustrie, von Boeing und Jimi Hendrix. 1976 war dann auch der Vogel aus dem Football-Ei entschlüpft. Die Seattle Seahawks, eine Mannschaft für die AFC West.

Die Jungvögel

Zu Beginn war es natürlich hart, sich durchzusetzen. Premierensaison: 2-12, aber immerhin zwei Siege mehr als die Leidensgenossen Buccaneers aus Tampa. In Saison #2 waren die Seahawks dann in der NFC, um wieder gegen die schwachen Buccs spielen zu können. Es sollte langsam besser werden. Verantwortlich dafür: WR Steve Largent, der beste weiße Receiver der letzten 40 Jahre.

Flying under the radar…

…nennen die Amerikaner das Phänomen, wenn eine Mannschaft nicht wahrgenommen wird. Das lag in Seattle aber nicht nur an der sportlichen Mittelmäßigkeit der Hawks. Sondern am gesamten Image der Mannschaft (Mannschaftsfarben: das wenig begeisternde Hellgrün und Hellblau) und der Region (der graue, regnerische Nordwesten).

Größte „Stars“ der Hawks neben Largent über lange Zeit: Coach Chuck Knox und das Stadion – die spektakuläre Halle Kingdome.

Bröckeln

Der Kingdome galt als eines der lautesten Stadien der NFL – deswegen haben die Seahawks irgendwann die grandiose Idee gehabt, die #12 nicht mehr zu vergeben, sondern für die Fans zu reservieren. Dumm, dass bereits Mitte der 90er das Stadion Alterserscheinungen zeigte, und zwischendurch sogar Teile aus der Betondecke auf das Spielfeld herunterprasselten.

Auf dem Feld ging weiter nicht viel, trotz der schwachen AFC West. Fehleinkäufe wie QB Rick Mirer machten es auch nicht besser. Das Revolutionärste aus Seattle für die NFL: Die Einführung von Instant Replay – und zwar nach einem Phantom-Touchdown gegen die Hawks anno 98.

Der Gutmensch

Mitte der 90er wollten die Eigentümer mit den Hawks in den sonnigen Süden abwandern. Auftritt Paul Allen, seines Zeichens Microsoft-Mitgründer und Sportfan. Allen kaufte die Seahawks, installierte innerhalb kurzer Zeit Starcoach Mike Holmgren (Superbowl-Champ mit den Packers) und ließ ein neues Stadion bauen. Die Leistungskurve zeigte schnell nach oben.

„Mitschuldig“ daran auch: Der Wechsel der Seahawks zurück in die mittlerweile schwächere NFC. Grund dafür: Die Divisionen wurden auf vier Teams verkleinert, und da Houston und nicht Los Angeles das 32. NFL-Team bekam, brauchte es in der NFC ein viertes Team für die West-Division. Die NFC West entwickelte sich in den folgenden Jahren zur schwächsten der Liga. Gut für Seattle.

Der Softie

Holmgren kaufte einen ehemaligen Schützling aus Green Bay ein, QB Matt Hasselbeck, ein No-Name. Weitere Verstärkung: RB Shaun Alexander, zuständig für extrem viele Yards und Touchdowns, aber wenig ernst genommen, weil er a) hinter einer überragenden Offense Line spielen durfte, b) viele 1yds-TDs machte und c) als Softie verspottet war. Trotzdem: 2005 war Alexander NFL MVP, eine Sensation, wenn man Historie und Image der Seahawks im Hinterkopf behält.

2005 war die Saison. Dank einer grottenschlechten NFC marschierte Seattle durch, bis in die Superbowl XL. So richtig ernst wurden sie dennoch nicht genommen – die #6 der AFC Pittsburgh war im Finale Favorit über die #1 der NFC Seattle. Die Seahawks verloren die Superbowl dann auch 10-21. Eigentlich schade, denn man schaltete um 4h morgens das TV-Gerät aus und dachte sich: Mönsch, die Hawks waren doch eigentlich die bessere Mannschaft. Ein Mix aus fehlender Kaltschnäuzigkeit, (vorsichtig gesagt) unglücklicher Referee-Arbeit und Pech verwehrten den eigentlich in diesem Spiel verdienten Titel.

Das Hier und Jetzt

Seitdem ging nicht mehr allzu viel. RB Alexander verschwand nach dem Abbau der Offense Line mit Multimillionenvertrag innerhalb von zwei Jahren völlig von der Bildfläche und Seattles Fast-Meistermannschaft gleich mit. Dann kam Pete Carroll (ex-Pats, ex-USC) der Coach. Die erst eher wenig weitsichtig ausschauende Personalpolitik Carrolls war 2012/13 extrem erfolgreich, und man kam unter dem jungen QB Russell Wilson in die Playoffs.

Das Nest

Die Seahawks spielen im Quest Field (67.000 Plätze). Ein spektakuläres und als extrem laut geltendes Stadion. Von den oberen Rängen hat man einen Blick in die futuristische Innenstadt Seattles. Auch aktuell gilt: Der Star ist das Stadion.

Quest Field in Seattle, Seattle Seahawks

Quest Field in Seattle – ©Flickr

Rivalitäten

Remember? Graues Image. Die Seahawks haben in ihrer über 30jährigen Geschichte nicht wirklich so was wie eine heiße Rivalität aufbauen können. Das mag auch am zweimaligen Conference-Wechsel liegen. Auch die Tatsache, dass man in den letzten Jahren die grottenschlechte NFC West in Grund und Boden spielte, hat an der Situation nichts „verbessert“. Die drei Divisionsrivalen Arizona, St Louis und San Francisco waren zu beschäftigt mit sich selbst, als dass sie sich mit den Seahawks hätten fetzen können.

Als man in der Superbowl XL das ungute Gefühl hatte, Seattle wäre eher benachteiligt worden, hörte man kaum was in den amerikanischen Medien. Für Coach Mike Holmgrens Klagen über die NFL war wenig Verständnis zu spüren.

Eckdaten

Gegründet: 1976
Besitzer: Paul Allen (Microsoft)
Division: NFC West
Erfolge: Superbowl-Verlierer 2005, 11x Playoffs (8-11) – Stand 2013.