Glaskugel 2012: Miami Dolphins

Manchmal ist man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Die umbrüchigen Miami Dolphins sind 2012 in der AFC East. Nicht gut. Für die Dolphins.

Sie sind in einer Division mit den Patriots, bei denen ob ihrer vergangenen Leistungen und ihres Talents tatsächlich mancherorts wieder von einer 16-0-Saison geredet wird. Sie sind in einer Division mit den Jets, die immer noch eine der besten Verteidigungsreihen der Liga haben und deren Angriff besser geworden sein sollte. Und sie sind in einer Division mit den Bills, die sich das erste Mal seit Äonen heftig in der Free Agency verstärkt haben. Nachdem sie letztes Jahr fünf der ersten sieben Spiele gewonnen haben und danach viel Verletzungspech hatten.

In dieser AFC East stehen nun die Dolphins mit einem durchaus talentierten Kader – aber einem neuen Coaching Staff, einem (oder auch zwei) neuen Quarterback und einigen Löchern im Kader. Dazu kommt auch noch heftige Konkurrenz um die Wild-Card-Plätze: Steelers/Ravens; Broncos/Chargers/Chiefs. Schade eigentlich, aber so kann man sich in Ruhe für 2013 aufstellen.

Offense

In der Offense wird alles überschattet vom Duell um den Job als Starting-QB. Wir haben dort: 1) Ryan Tannehill, Nr. 8 overall pick 2012. Rookie, zu hoch gedraftet, braucht noch viel Zeit. 2) Matt Moore. War letztes Jahr schon in Miami und hat dort, wie auch vorher in Carolina, als ins kalte Wasser geworfener Backup gezeigt, daß er gut ist. Nicht großartig, aber gut. 3) David Garrard. Der Mensch gewordene sprichwörtliche “Caretaker”, der auf jeden Fall mindestens zweitbester Backup-QB (nach Dallas´ Kyle Orten) der Liga ist. Auch als Starter macht er nicht viel kaputt, kann aber auch keine “Offense tragen”, wie man so sagt.

Schedule

Wk1 @ HOU
Wk2 v OAK
Wk3 v NYJ
Wk4 @ ARI
Wk5 @ CIn
Wk6 v StL
Wk7 BYE
Wk8 @ NYJ
Wk9 @ IND
Wk10 v TEN
Wk11 @ BUF (TNF)
Wk12 v SEA
Wk13 v NE
Wk14 @ SF
Wk15 v JAX
Wk16 v BUF
Wk17 @ NE

Wer den Ball nun ihn die Hand nehmen wird, entscheidet Head Coach Joe Philbin. Philbin hat sich einen Namen gemacht als Offensive Coordinator der Green Bay Packers um Aaron Rodgers. Seit 2007 hat er unter Head Coach Mike McCarthy erst Brett Favres (vorvorletztes) Halali und dann Rodgers´ Aufstieg nach ganz oben orchestriert. Wenn auch nicht als erste Geige, denn die spielte immer McCarthy.

OC unter Philbin in Miami ist nun Mike Sherman. Sherman war die letzten Jahre Head Coach der Texas A&M Aggies – mit dem QB Tannehill. Zu Anfang des Jahrtausends war Sherman HC der Packers. Dort hat er das von Mike Holmgren, Steve Mariucci und Jon Gruden und all den anderen alten Bill-Walsh-Schülern weit entwickeltes System der West Coast Offense weitergeführt.

Tannehill kennt dieses zwar auch aus seiner Zeit bei den Aggies unter Sherman, aber es sollte schon mit dem Teufel zugehen, wenn Garrard mit all seiner Erfahrung nicht den Stammplatz in dieser auf schnelle Entscheidungen, timing patterns und accuracy auf kurzen Routen getrimmten Offense bekommen sollte.

Quarterback ist trotz dem Dreikampf auch gar nicht das Problem dieses Angriffs. Das sind die WRs. Chad Ochojohnson soll mit aller Macht seinen zweiten Frühling als Nr.1 WR haben, nicht weil er immer noch so gut ist, sondern weil sonst niemand da ist. An der anderen Seitenlinien spielt dann Brian Hartline oder Legedu Nanee oder Roberto Wallace oder wer sich sonst im Training Camp am wenigsten dämlich anstellt. Zumindest für den Slot hat man in Miami mit Davone Bess einen Mann, auf den man einigermaßen vertrauen kann.

Tight End spielt der alte mittelmäßige Recke Anthony Fasano oder vielleicht auch 1,95m-Rookie Michael Egnew. Beide sind nicht schlecht, aber vor allem nicht besonders gut.

Im Backfield haben die Dolphins den zweiten Frühling von Reggie Bush; die eventuelle Breakout-Season des ehemaligen 1st-rd pick Daniel Thomas und den heißen Rookie der University of Miami Lamar Miller. Alles nicht schlecht, aber eben: in dieser AFC East nicht gut genug.

Auch die Offensive Line ist ganz anständig. Für die Blind Side haben wir den Prototypen des Elite-Left Tackle in Jake Long. Als Center einen guten Mann mit Mike Pouncey. Als RT den ehemaligen Personenschützer Andrew Lucks. Und die Guards sind zumindest OK. Insgesamt wirklich gut – aber in dieser AFC East. Zu wenig. Es fehlt in der Offense der eine Mann, der alles auf ein anderes Level hebt. In der NFC West würde man damit richtig gut aussehen, aber eben nicht hier. Wrong time, wrong place.

Defense

Die Defense ist sogar noch besser. Cameron Wake ist einer der besten Pass Rusher der Liga. Karlos Dansby einer der besten ILBs. Mit Kevin Burnett und Koa Misi auch noch zwei weitere talentierte LBs, die wild darauf sind, sich zu beweisen.

Mit Sean Smith von Vontae Davis finden wir auch zwei gute Cornerbacks in der Tiefe. Und mit Paul Soilai einen wirklich guten NT; mit Randy Starks einen gute 34-DE; und mit dem 24jährigen Jared Odrick ein Riesentalt in der D-Line.

Letztes Jahr war das nicht zufällig eine Top-10-Defense. Leider ist Defensive Coordinator Mike Nolan (einer unserer Lieblinge) nicht mehr dabei und der neue DC Kevin Coyle, der keine Coordinator-Erfahrung hat, will den Laden von 3-4 auf 4-3 umkrempeln. Immer eine blöde Situation für kurzfristigen Erfolg.

Das sieht insgesamt auch in der Defense gut aus – aber eben nicht sehr gut. Systemwechsel, kein herausragender Safety, wer spielt Nickelback? Auch hier: Talent ist da, gute Leute sind da, aber es wird eben gerade umgebaut.

Ausblick

In einer schwächeren Division könnten die Miami Dolphins ein Breakout-Kandidat sein. Mit dieser Konkurrenz in der AFC East kann man sich aber ganz in Ruhe und ohne großen Druck umbauen. Allerdings sollten schon in dieser Saison erste Ergebnisse zu sehen sein, damit man voll motiviert und mit großen Erwartungen 2013 entegegenblicken kann. In der NFL dauert es nicht lange, bis das erste Stuhlbein des Cheftrainers angesägt wird und um den Stuhl einigermaßen kalt zu halten, sollten schon 6 Siege drin sein. Aber Wunder werden nicht erwartet.

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Miami Dolphins in der Sezierstunde

Ein dark fish seit Jahren, sind die Miami Dolphins für mich über Jahre ein klassischer „underachiever“ für NFL-Verhältnisse geworden. Ein Team, das fast alle Bauteile für Dominanz beisammen hat, aber es mit ein bis zwei eklatanten Schwachpunkten immer wieder zustande bringt, die Playoffs zu verpassen. 2011/12 war keine Ausnahme: Obwohl das Punkteverhältnis 8.5 Siege hätte erwarten lassen, holte man nur ein 6-10, mit einer Bilanz von 2-5 in den engen Spielen. Rauswurf des ungeliebten HeadCoaches Tony Sparano inklusive.

Der neue Mann für die von Owner Steve Ross chaotisch geführte Franchise: Weiterlesen

Thanksgiving 2011: Dallas Cowboys – Miami Dolphins

Als Info: Ich werde mir das Nachtspiel ansehen bis ich einschlummere. Da ich morgen früh raus muss, werde ich kein Liveblogging mehr machen.

[01h29] Endstand Dallas Cowboys 20, Miami Dolphins 19.

Ich habe keine Ahnung, wie gut oder schlecht die beiden Teams momentan sind, dafür war das zu viel Achterbahn von beiden Seiten. Beide Offenses mit 1-2 sehr guten Drives, die Dolphins gefühlt etwas runder, hatten aber massive Probleme in der RedZone und verschenkten wenigstens einen TD leichtfertig. Ähnliches gilt für die Defenses: Miami phasenweise mit dominanter Vorstellung, zwang Romo zwischendurch zu einem sensationellen Drive, während Dallas sporadisch pflegte, die Pocket zu zerbröseln.

Am Ende des Tages könnten beide Sieger sein. Dallas für das Playoffrennen, Miami für den Draft. Wobei: Die Dolphins könnten ohne weiteres auch anstelle von „3-8“ bei „7-4“ stehen:

  • 16-17 in Cleveland
  • 17-20 in New York (Giants)
  • Freak-Niederlage 15-18 OT gegen Denver
  • 19-20 heute in Dallas

Das Team ist trotz der zwischendurch sehr schwachen Defensivvorstellungen eindeutig unter Wert geschlagen.

[01h24] K Bailey versenkt. Dallas gewinnt 20-19.

[01h23] Romo ist der Holder.

[01h20] Dallas in der RedZone, unter zwei Minuten zu spielen, Miami ohne Timeouts. Das sind die Momente, in denen ich mal einen Coach einen intentionalen TD aufgeben sehen möchte, obwohl der Gegner einen Rookie-Kicker hat und das Field Goal immer noch runde 30yds lang sein wird. Sparano ist dead man walking, warum sollte er dieses Risiko nicht mal probieren? Viel kleiner kann die Siegchance dann auch nicht sein.

[01h11] Bush, Scramble, Incompletion. 2:59 vor Schluss kriegt Romo die Chance zum Sieg-Drive. Es braucht nur ein Field Goal.

[01h47] 4:47 vor Schluss muss Dallas punten. Miami dürfte unter dem als unkreativ geltenden PlayCaller Brian Daboll nun humorlos dreimal laufen – mal schauen, ob #22 Bush oder #33 Thomas reinkommen.

[01h00] Dallas 17, Miami 19/Q4 7:14. Dallas bringt massivsten Pass Rush, aber Moore orchestriert die Offense trotzdem mit quicken Pässen das Spielfeld runter, u.a. auch dank eines fantastischen Catches von „Slot-WR“ #15 Bess. An der GoalLine scheitert Miami erneut, diesmal kein augenscheinlicher Fehler Moores auszumachen. Der nicht gemachte TD könnte allerdings noch böse schmerzen.

[00h53] Übernächstes Play: Bush über die Mitte. Minus 3yds.

[00h51] Hehe, der Simms möchte den längst Hopfen und Malz verlorenen Reggie Bush zum „every down back“ hochpushen.

„He has convinved me that he can go between the tackles.“

Next play: Bush wird für -4yds über die Mitte niedergemacht.

[00h40] Dallas 17, Miami 16/TD Robinson, Q4 14:31. Sensationeller Drive Romos, der sich beim TD-Pass die Zeit kaufen muss und Robinson in der Ecke der EndZone findet. Einen Play vorhin wurde Romo von einem blitzenden Linebacker derart abgeschossen, dass ESPN wohl innerhalb von 45sek einen Blogeintrag online haben wird, der Misi „dirty“ bezeichnet. Romo brachte diesen Ball trotzdem zum 1st down zu seinem Witten. Der fiel out of bounds und machte ein Cheerleader-Mädel glücklich.

[00h36] Ende drittes Viertel. Romo hat wieder in den „Playmaker“-Modus umgeschaltet, treibt Dallas trotz kollabierender Pocket gerade in Richtung RedZone.

[00h30] Dallas 10, Miami 16/TD Marshall, Q3 3:54. Deep threat Marshall, oder so. Zwei Bogenlampen Moores nacheinander, aber über die Deckungsarbeit des Defensive Backs #20 Ball dürfte noch reden sein. Das Backfield der Cowboys ist besorgniserregend. Dafür ein fantastischer TD-Catch Marshalls, der den Ball fängt, obwohl CB #41 Newman ihm fast den Hals abreißt.

[00h27] Hehe, ob Phil Simms nach diesem tiefen Ball bei 3rd and 13 auf WR #82 Hartline immer noch der Meinung ist, der Draw vorhin wäre ein „good call“ gewesen? 41yds Raumgewinn, Miami nähert sich so langsam wieder FG-Reichweite.

[00h12] Dallas 10, Miami 9. Nächste verschenkte Chance. Miami mit einem grundsoliden Drive, der zwischendurch richtig „Drive“ hat, aber ganz nahe an der GoalLine verpasst Moore ohne viel Druck bei 3rd and 4 links draußen einen schlecht gedeckten Receiver. Miami muss das kurze Field Goal nehmen. Da war mehr drin.

[23h40] Halbzeit Dallas Cowboys 10, Miami Dolphins 6.

Ähnliches Thema wie vorhin in Detroit. Hier schießen sich die Dolphins permanent ins eigene Knie, schenkten den Cowboys den einfachsten Touchdown der Welt und verkickten ein eigenes Field Goal. Dabei sieht der Angriff immer dann halbwegs solide aus, wenn Dallas nicht mit massiertem Pass Rush der Wege kommt – was zuletzt immer öfters passierte und in mehreren hirnlosen Moore-Pässen resultierte (min. 1 INT gedroppt).

Dallas‘ Offense ist eine Achterbahn, weil Romos gelupfte Bälle abgefangen werden. Es gibt dann die lichten Momente – aber aus Cowboys-Sicht dürfte es alarmierend sein, dass der Einmann-Pass Rush der Dolphins – Cameron Wake – schon drei Drives mit mächtigen Aktion beim 3rd down kaputt machte.

Insgesamt nicht das allerschönste Spiel. Aber interessant, weil wir zwei nicht voll zuverlässige Quarterbacks sehen, die etliches probieren, um den Angriff in Schwung zu bekommen.

[23h32] Dallas 10, Miami 3/TD Robinson, Q2 55sek. Take that, Matt Moore!

[23h30] Wenn Dallas selbst nichts zustande bekommt, muss eben Matt Moore nachhelfen. 3rd down, Moore lässt den dritten oder vierten Snap in diesem Spiel durch die Finger flutschen – und diesmal schmerzt es: Dallas erobert den Ball, hat 62sek vor Halbzeit an der 5yds Line den Ball.

[23h28] Incomplete. False Start. Punt. Einspieler. False Start. Es geht weiter! 1:45 für Miami, drei Timeouts, an der eigenen 23yds Line.

[23h24] Seufz. Punt. Werbepause. Spielzug. Timeout. Werbepause. Spielzug. 2min Warning. Werbepause.

[23h18] 3rd-and-18 mit dreieinhalb Minuten in HZ #1 auf der Uhr. Die Dolphins sagen einen Draw über RB Reggie Bush an, der zwar 11yds bringt, aber völlig überraschend viel zu kurz für’s 1st down ist.

Phil Simms: „Good call“.

[23h11] Dallas 3, Miami 3. Ein Drive, bei dem mehr drin gewesen wäre. Dallas wirkt heute bei Passspiel erstaunlich undynamisch. Sieht wie nach Halbgas aus. Man wird nun davon zu zehren beginnen, dass die Dolphins so wenig aus ihren durchaus vorhandenen Möglichkeiten gemacht haben.

[23h03] 9:40 im zweiten Viertel verschießen die Dolphins via Shayne Graham (dürfen wir den nächsten Kicker Shame taufen?) ein längeres Field Goal, aber es erstaunte, wie selbst ein Tight End wie Fasano gegen einen Cornerback Zeit und Platz gewinnen kann, und wie wenig konstant Dallas Moore wirklich unter Druck setzen kann. Spürt Moore Druck, wird Moore schnell ratlos oder panisch. Kriegt Moore Zeit, bringt er bislang alles an die offenen Leute.

[22h45] Dallas 0, Miami 3. Anschauungsunterricht für die, die QB Matt Moore NFL-Mittelklasse absprechen wollen: 3rd down. Null Pass Rush, aber in der EndZone alles abgedeckt. Moore wird panisch und wirft den Ball einfach in die Ränge, anstelle per lockerem Scramble einfach die 3yds zum 1st and goal zu holen: Rechts seines Centers war meterweise Raum und Moore ist keine Statue vom Schlag eines Leftwich. Verschenkte Yards, vermutlich verschenkter TD.

[22h41] … und die nächste INT gegen Romo. Wieder rechts runter geworfen, diesmal springt CB #24 Shaun Smith dazwischen und fängt das Ei ab. Diesmal könnte es richtig schmerzen, da Miami dadurch bereits bedrohlich nahe an der EndZone starten kann.

[22h31] Zweiter Drive der Dolphins und diesmal macht WR #81 Laurent Robinson den Fehler: Romo erkauft sich gegen mauen Pass Rush der Dolphins locker die Zeit und wirft aus der EndZone heraus einen genauen Ball in die Hände für Robinson, der locker 40yds hätte draus machen können. Allein: Ohne Druck gleitet das Ei durch Robinsons Finger.

[22h25] Die Miami Dolphins kommen überraschend aggressiv aus der Kabine und probieren einfach mal einen ganz tiefen Ball auf den nicht als Sprinter bekannten WR Marshall – nicht komplettiert, aber allein das Zeichen zählt.

[22h21] Die Dallas Cowboys führen sich mit einer INT gegen QB Tony Romo ein. Stundenlang in der Luft hängender Ball rechts runter auf TE #80 Bennett, den CB Davis antippen und abfangen kann. Was bei den Dolphins auffiel: Sie operierten mehrmals mit „Zone-Blitzing“, plötzlich standen nur mehr drei Pass Rusher in der Line.

[22h05] Nach der Heimniederlage der angeblich „schmutzigen“ Lions gleich ein paar tausend Meilen weiter in den Süden, ins texanische Herz, wo gleich Dallas gegen Miami beginnen wird.

Thanksgiving-Preview 2011

Noch bevor Christopherus Kolumbus Anno 92 den amerikanischen Kontinent entdeckte, wurden in Detroit und Dallas zum Fest der fetten Truthähne die ersten Footballspiele ausgetragen. Thanksgiving und Football gehören in den Staaten zusammen wie Kraut und Wein zum Törggelen. Je nach Ortslage zum Frühstück oder Mittagessen die Lions, zum Mittagessen oder Kaffekränzchen die Cowboys und seit einigen Jahren zum Kaffekränzchen oder abends einen für NFL Network servierten Kracher mit rotierenden Mannschaften. Eine Tradition, die auch 2011 noch Bestand hat. ESPN America ist dabei. Ergo sind wir auch dabei.

Detroit Lions – Green Bay Packers

18h30 LIVE bei ESPN America und SPORT1+

Über Jahre wurde gestritten, ob man dem Bettvorleger Detroit Lions die Lizenz zu Thanksgiving streichen sollte, um ein quotenträchtigeres Kaliber für diesen attraktiven Sendeplatz zu reservieren. Auf persönlichen Wunsch von Sideline Reporter hin unterließ die NFL diese Anpassung, wodurch sich wenigstens einmal pro Jahr die Gelegenheit bot, meine Lieblingsmannschaft im TV zu sehen. Dass die Lions jahrein, jahraus abgeschlachtet wurden, spielte keine Rolle.

2011 plötzlich ein verändertes Bild. Detroit hat mit sieben Saisonsiegen bereits die erfolgreichste Saison der letzten 10-15 Jahre erreicht (!) und trifft auf einen Gegner on mission: Green Bay ist noch ungeschlagen und strebt nach der Perfect Season. Das heutige Duell mit den Lions wird allgemein als schwerster verbleibender Brocken auf dem Weg zu „16-0“ gesehen. Treppenwitz: Vor drei Jahren komplettierte Detroit mit einer Heimniederlage gegen Green Bay die sieglose 0-16er Saison, von der heute gefühlt nicht mehr viel übrig ist.

So dürfte das Matchup für die Lions auch nicht hoffnungslos sein – auch die jüngsten Aufeinandertreffen waren enge Spiele. Detroits Defense wird von Woche zu Woche besser, dominanter. Die Defensive Line und insbesondere der außerordentlich dynamische DT Ndamukong Suh spielen wuchtig und elektrisierend, da werden selbst Sorgen in der unerfahrenen, verletzungsgeschwächten Secondary übertüncht. Dazu kommt, dass mittlerweile auch die Schotten gegen Ground Game zugemacht werden (irgendeine wichtige Statistik spuckt Detroit als siebtbeste Run-Defense 2011 aus).

Man kann gegen die Mannen von Jim Schwartz bei Vorsprung nicht einfach den Laufspielmodus anschalten und die Uhr runterticken lassen, insbesondere auch nicht, weil die Offense um QB Matthew Stafford und WR Calvin Johnson immer für das eine oder andere Big Play gut ist und in dieser Saison mehrfach die Tendenz gezeigt hat, plötzlich mitten im Spiel heißer als Frittenfett zu werden und vier Angriffsserien in Folge mit Touchdowns zu beenden. Dazu kommt: Was man gegen Green Bay über die Luft so zurücklegen kann, haben die vergangenen Wochen gezeigt.

Trotzdem wird Detroits beste Siegchance ein Spiel mit wenigen Punkten sein. Ich glaube nicht, dass Detroit ein Shootout mitgehen könnte, da man in diesem Fall ziemlich schnell eindimensional in den Stafford-Modus umschalten muss. Weil Stafford, die große Serie gegen Caroliona mal außen vor gelassen, nicht der allerkonstanteste ist, kein gutes Rezept.

Heißt: Gegen den besten „Schnellstarter“ der NFL – QB Aaron Rodgers – wird es darauf ankommen, nicht zu schnell hoch in Rückstand zu geraten. Rodgers gilt als ungeduldig und neigt in der Crunch Time zu Fehlern, wenn ein knappes, punktearmes Spiel „on the line“ ist. Und wenn Detroit Green Bay eines heuer mit Sicherheit voraus hat, dann ist es das Wissen, auch in engen Spielen bestehen zu können.

Dallas Cowboys – Miami Dolphins

21h30 LIVE bei ESPN America und SPORT1+

Weil es jedes Jahr eine Auswärtsmannschaft aus der AFC braucht, damit auch CBS beim Übertragen zu Thanksgiving zum Zuge kommt, sind diesmal im Cowboys Stadium die Miami Dolphins zu Gast. Nach drei Siegen en suite für die Dolphins gibt es nun sogar einen Grund, hier reinzuschalten. Die geschlagene Konkurrenz liest sich nicht wirklich wie die Créme de la Créme (Kansas City, Washington, Buffalo), aber die im Sturzflug befindlichen Bills mit 27 Punkten abzufiedeln, ließ dann doch aufhorchen.

QB Matt Moore liefert seit Wochen ansprechende Zahlen, bringt im November 71% der Pässe an den Mann und war zuvor bei den Giants auch nicht unterirdisch gewesen, während RB Reggie Bush auch für halbwegs Laufspiel sorgt. Bushs Counterpart im Cowboylager ist Rookie DeMarco Murray bei den Cowboys, der in vier Spielen zuletzt 601yds erlaufen hat und als heiße Ware gehandelt wird. Dank Murray können die Dallas Cowboys eine ausgeglichene Offense spielen.

Es ist ein interessantes Spiel, weil man Aufschlüsse über den wahren Leistungszustand der Dolphins bekommt: Waren es bloß die schmarotzten Siegen über Laufkundschaft oder geht die Mannschaft tatsächlich in Richtung der einst von mir prognostizierten Playoff-Außenseiterchance? Interessant auch zu beobachten, wohin die Reise für die Dallas Cowboys führen wird, die sich angesichts der Divisionskonstellation (NYG 6-4, DAL 6-4, PHI 4-6) eigentlich keine Niederlage leisten können und im Gegensatz mit einem Heimsieg mächtig Druck auf die Schultern der Giants und Eagles laden können (die beiden spielen gegen New Orleans respektive New England).

Baltimore Ravens – San Francisco 49ers

02h LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Freitag, 12h Tape ESPN America
Freitag, 8h25 und 18h25 Tape SPORT1+

Einmal Schmalzkübel bitte für das Bruderduell der Head Coaches: Baltimores John Harbaugh gegen San Franciscos Jim Harbaugh, das vermutlich erste NFL-Spiel zweier Brüder auf dem Cheftrainersessel. Leicht zu erkennen, warum das NFL Network sich für genau diese Partie entschied.

An Bedeutung gewinnt die Partie durch die überraschende Saison der 49ers, die mittlerweile zwei Spiele Vorsprung auf den #3-Seed in der NFC haben und sensationell bei 9-1 Siegen stehen. Man ist keine Mannschaft für Genusszuschauer, glänzt aber mit hartem, konsequenten Spiel und ließ sich zuletzt nicht mal vom Ausfall RB Frank Gores gegen die starken New York Giants beeindrucken. Das sind alles keine glanzvollen Siege, aber es sind Siege, die sich „verdient“ anfühlen.

Während San Francisco in der NFC durchaus als Top-Team angesehen werden darf, muss in der AFC selbiges für die Baltimore Ravens gelten, die zwar immer wieder unerklärliche Niederlagen gegen die „Kleinen“ einstreuen, aber gegen Teams auf Augenhöhe heuer zu gewinnen pflegen. 7-3 Siegbilanz ist IMHO unter Wert verkauft für die Ravens, die ab und an zu wenig auf RB Ray Rice zu bauen scheinen und QB Joe Flacco das Spiel zu sehr in die Hand drücken, aber mit ihrer Defense in jedem Spiel eine Chance haben werden, und wenn sie fünfmal den Ball herschenken.

Gegen San Francisco könnte jedoch genau dies der richtige Weg sein – also, sich primär auf Flacco zu verlassen – da die einzige augenscheinliche Schwäche der Niners bisher die Pass-Defense war. Man macht zwar INTs, lässt viele Yards zu – in einem Spiel mit potenziell wenigen Punkten und mehreren Field Goals (*) eine nicht ganz zu verachtende Taktik. Bleibt also das 49er-Hoffen auf einen Totalausfall für den unkonstanten deep threat WR Torrey Smith.

(*) Noch eine mir nicht ganz zu verachten scheinende Statistik: San Francisco gewann heuer fünf von sechs Spielen, die mit einem Score Differenz endeten. In allen fünf Spielen verwertete Kicker Akers ein langes Field Goal über 50yds. Der NFL-Schnitt für solche Versuche: 68%. Akers heuer: 100%.

Im Duell Harbaugh gegen Harbaugh würde ich hier meine Jetons auf den John setzen.